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Rezensionen verfasst von
"chrisstark"

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Modern Cool
Modern Cool
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 18,95

5.0 von 5 Sternen Großartiger Cool Jazz, 16. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Modern Cool (Audio CD)
Eine meiner Lieblings fem-vocal-jazz Platten in meiner Sammlung. Eigenkompositionen (zu denen gerade You & the night & the music mitnichten gehört - das hat schon Sinatra gesungen) mischen sich mit einigen wenigen Standards aus dem Bereich des Great American Songbook und (siehe Light my fire) auf diese Weise bisher noch ungehörten Pop-und-Rock-Standards. Patricia Barber setzt hierbei auf einen eher spröden, kristallenen, aber niemals sterilen Klang, der gerade den Standards, die bei anderen Interpreten doch arg aufgedunsen wiedergegeben werden, sehr gut tut. Die Eigenkompositionen fügen sich hier nahtlos ein. Der Chor in "Love, put on your faces" überrascht, ist aber ein sehr interessantes Kuriosum. Wunderbar virtuos und dabei immer dezent wird Patricia Barber von ihrer Band unterstützt. Die Klangqualität ist hervorragend. Eine rundum gelungene, eigenwillige und charaktervolle Platte, die dem Jazz endlich einmal wieder neue und dennoch ästhetische Wege aufweist.


Schubert Symphonies Complete
Schubert Symphonies Complete
Wird angeboten von music-attack
Preis: EUR 15,87

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Hall macht eine gute Aufnahme zunichte, 15. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Schubert Symphonies Complete (Audio CD)
Roy Goodman und seine Hanover Band gehörten in den achtziger Jahren zu den Pionieren des Originalklangs bei Beethoven und Schubert; von beiden kamen gute und kraftvolle Einspielungen der sinfonischen Zyklen zustande. Die von Schubert gibt es nun zum Spottpreis und ist durchaus hörenswert. Goodman und sein Orchester gehen keine Kompromisse ein. Die Originalblechbläser klingen geradezu verstörend, an einigen Stellen wie Autohupen. Dennoch kommt die typisch Schubert'sche Empfindsamkeit und das gleichfalls typische balladeske Element in seiner Musik nicht zu kurz und wird in einer vielschichtigen und guten Aufnahme berücksichtigt.
Leider macht die Tontechnik dem Projekt einen Strich durch die Rechnung: ganz und gar nicht der bedenklichen Akustik des Aufnahmeortes gewachsen (scheinbar einer großen Kirche o.ä.), wurde ein unzumutbarer Hall auf die CD hinübertransportiert. Gerade bei den späten Sinfonien Schuberts, die schon in Richtung Bruckners weisen, und wo auf dramatische Ausbrüche häufig pianissimo-Passagen folgen, werden letztere von ersteren durch den gewaltigen Hall übertönt. Dieser macht den Hörgenuss leider zu einem nicht sehr ästhetischen Erlebnis - bei dem Kampfpreis empfehle ich dennoch, zuzugreifen, sofern sich schon eine andere Schubert-Gesamtaufnahme (Abbado, Muti o.a.) im Plattenschrank befindet.


Shostakovich: Complete Symphonies
Shostakovich: Complete Symphonies
Preis: EUR 21,99

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Öffentlichkeitsarbeit eines Introvertierten, 18. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Shostakovich: Complete Symphonies (Audio CD)
Zweifellos eine großartige Gesamtaufnahme aller Schostakowitschsinfonien... aber deswegen gleich Mahler als Effekthascherei zu verdammen?! nanana... ;)
Interessanterweise sind in den letzten Jahren einige großartige sinfonische Zyklen verschiedener deutscher RSO's erschienen: ich erwähne nur den grandiosen Brucknerzyklus von Stanislaw Skowaczewski und dem RSO Saarbrücken oder Roger Norringtons famose Neueinspielung der Beethovensinfonien mit dem RSO Stuttgart. Der Schostakowitschzyklus von Rudolf Barshai ist zu diesen großartigen Zyklen zu zählen: alle Sinfonien sind sauber und von erlesener interpretatorischer Kompetenz und technischer Qualität. Rudolf Barshai hat sich merklich intensiv mit dem Werk Schostakowitschs auseinandergesetzt.
Gerade in den Sinfonien, mit denen sich der Komponist an die Öffentlichkeit wandte (was ihm niemals leicht fiel), zeigen sich seine zwei Gesichter: das eine spiegelt seinen tatsächlicher Gemütszustand (z.B. Sinfonien Nr. 1, 4, 6, 10, 13-15) wider, das andere ist eine Maskerade, die sich der Komponist mittels prunkvoller, simpel-dumpfer Musik (die dennoch immer wirksam gemacht ist) zur Befriedigung der sowjetischen Kulturfunktionäre aufsetzte, die von ihm einfache, huldvolle und zweckdienliche Musik einforderten. Indem er ungefähr ein Drittel seines Schaffens diesen Anforderungen widmete, gelang es Schostakowitsch zumindest, von den stalinistischen, selbsternannten Kulturexperten erduldet zu werden. Nichtsdestotrotz war er dem Stalinregime seit seiner provokant-kritischen Oper "Lady Macbeth von Mzenzk" immer suspekt geblieben und somit immer wieder Opfer von öffentlichen Anfeindungen. Leicht kann man ermessen, welch eine Befreiung Stalins Tod 1953 gerade für Schostakowitsch war. So sind denn auch die Sinfonien 10-15 allesamt Bekenntniswerke, denen man anmerkt dass Schostakowitsch sich fortan vor niemandem mehr für seine Musik rechtfertigen wollte. Natürlich hielt die kulturelle Tauwetterperiode in der Sowjetunion nicht sehr lange an, doch Schostakowitsch hatte sich dennoch ganz persönlich von der Last befreit, irgendjemandem einen bestimmten Stil oder ein bestimmtes Ausdrucksmoment schuldig zu sein.
Dieser lebenslange Kampf, dieses Trauma, das Schostakowitsch zeit seines Lebens zu bewältigen hatte, führte im Nachhinein zu vielen Falschinterpretationen seines qualitativen Ranges. Seine Ausflüge in die Propagandafilmmusik waren gewiss kein Vergnügen; nein, sie waren der Grund, warum Schostakowitsch trotz seiner teilweise provokativen und kritischen kompositorischen Elemente nicht in den Säuberungswellen des stalinistischen Regimes endete. Einige seiner größten Werke, auch die letzten 6 Sinfonien, hätten sonst nicht entstehen können.
All diese Schattenseiten, die Schostakowitschs Musik noch größer und abgründiger machen, werden von Barshai und dem hervorragend disponierten Orchester vorbildlich herausgeschält. Der Konflikt des Künstlers in einer kunstfeindlichen Umwelt lässt sich in seiner Entwicklung auf den 11 - zumal äußerst preiswerten - CDs auch ohne informatives Beiheft wunderbar mitverfolgen - die Musik spricht für sich. Bei Rudolf Barshai ganz besonders.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 15, 2014 7:55 AM MEST


Puccini: Tosca
Puccini: Tosca
Preis: EUR 28,15

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Durchschnitt, 5. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Puccini: Tosca (Audio CD)
Sorry, aber erneut - wie bei La Bohéme - will und kann ich nicht mehr als 2 Sterne geben. Andrea Bocellis Gesang hat sich verbessert, ist aber noch immer nicht dem eines professionellen Operntenors ebenbürtig. Außerdem habe ich nach wie vor das Gefühl dass er sich seine Partien niemals genau ansieht, sondern sie von der Marketingmaschine aufgedrückt bekommt. Oder er kann sich und seine Stimme einfach nicht einschätzen. Der Mario Cavaradossi steht dem geschmeidigen Timbre von Andrea Bocelli einfach nicht gut. Die Aufnahme im Großen und Ganzen ist nicht schlecht - aber im Vergleich mit großen Aufnahmen dieser Oper, allen voran mit der großen Callasaufnahme unter Victor de Sabata 1953, kann Zubin Mehta mit seinem Ensemble keinesfalls bestehen. Deshalb, vor allem in Relation zu oben genannter, für diese Aufnahme nur 2 Sterne - nennen Sie es auch "ausreichend".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2009 1:13 PM CET


Sinfonie 9
Sinfonie 9
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 21,94

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mahlers Gefühlswelt - auf 85 Minuten reduziert, 13. November 2003
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (Audio CD)
Bei allen Lorbeeren, die einst Sir John Barbirolli und in unseren Tagen Claudio Abbado für ihre Interpretation der 9. von Mahler am Pult der Berliner ernteten bzw. ernten, wird häufig vergessen, dass auch Leonard Bernstein sich die 9. nicht nur in New York von der Seele dirigiert hat; nein, auch die Berliner Philharmonie bekam die Präsentation von Mahlers Mikrokosmos, den der Amerikaner zu seinem eigenen gemacht hatte, zu hören. Anders als Barbirolli und Abbado, die ihren Mahler mit kontrolliertem Feuer abwickeln und dabei ein bestimmt hervorragendes Ergebnis ihrer Werksicht hinlegen, gilt Leonard Bernstein Kalkül nichts. Hier brodelt es, hier ufern die Leidenschaften aus - tief expressionistisch gibt sich die 9. hier. Durch die ganze Sinfonie zieht sich eine jiddisch anmutende, wie ein Seufzer klingende Melodie. Es ist nicht Mahlers Schwanengesang, wie wir vom Vorhandensein einer 10. Sinfonie wissen; doch selten hat sich Mahler musikalisch so intensiv mit dem Tod auseinandergesetzt. Immer wieder wird die Melodie unterbrochen - vergeblich aber wartet man auf den Verzweiflungsausbruch oder eigentliche Schicksalsschläge, wie wir sie z.B. im Schlusssatz der 6. Sinfonie in Form von erschütternden Hammerschlägen hören. In der 9. gibt es keine Erlösung: da wird gegrübelt, gehadert, gerungen - am Ende aber bleibt der Mensch allein zurück mit seinen Fragen. Musikalisch bietet Bernstein nicht anders als Barbirolli oder Abbado ausgefeiltestes Ensemblespiel; es ist kein Geheimnis, dass das Orchester bei Mahler sowohl kammermusikalisch als auch im großen Gesamtklang präzise agieren muss, von den Instrumentalisten wird Äußerstes abverlangt - und genau das bringen die Berliner Philharmoniker in diesem Live-Mitschnitt. Huster und diverse Rascheleien aus dem Publikum trüben das Klangbild, doch die interpretatorische, höchst subjektive Leistung als Dokument eines der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts hat die Bewertung von 5 Sternen allemal verdient. Endlich ist diese Aufnahme wieder zu haben, und das zum Kampfpreis! Kaufen!!


Klavierkonzerte 1-5
Klavierkonzerte 1-5
Preis: EUR 47,37

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und er hört doch etwas!, 29. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzerte 1-5 (Audio CD)
Ich begreife nicht, wie man eine Aufnahme dieses Kalibers von einem Künstler dieses Kalibers so extrem aburteilen kann... Meines Erachtens zeugen auch und gerade die Polliniaufnahmen der Beethovenschen Klavierkonzerte von der typischen, suggestiven Musikalität des Pianisten und von einem Ausdruckswillen, den wir heute nur noch bei wenigen Pianisten in dieser Form erleben. Wer auf der Suche nach Effekthascherei ist, dürfte hier - wie auch bei allen anderen Polliniaufnahmen - klar auf dem Holzweg sein. Obwohl ich von den neueren die Aufnahmen von Zimerman/Bernstein, Aimard/Harnoncourt und Brendel/Rattle bevorzuge, gehört vorliegende CD-Box auf jeden Fall in den Beethovenolymp - Kaufempfehlung!


Aus Einem Totenhaus (Gesamtaufnahme)
Aus Einem Totenhaus (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 23,05

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Janaceks letztes Opernwerk..., 19. Juni 2003
...ist zugleich auch sein schwierigstes, komplexestes und das mit dem opernfremdesten Milieu. Nach Katja Kabanowa, dem schlauen Füchslein und der Emilia Marty in der Sache Makropulos wird nun das Schicksal von Häftlingen beleuchtet. Musikalisch wird das Ganze äußerst spröde in Szene gesetzt, Janacek verwendet seine dissonanteste Tonsprache. Charakteristisch für seinen Umgang mit dem Orchester ist ein Streichersatz, der quasi gegen die Instrumente geschrieben ist. Ergreifend, wie stark es Janacek gelingt, die Einzelschicksale der Figuren auszuleuchten; er reiht sich damit tatsächlich in die Reihe der genialen musikalisch-psychologischen Rollencharakterisierungen eines Händel, eines Mozart, eines Wagner, eines Debussy ein.
Betrachtet man diese Tatsache, fällt auf, dass Janacek als Opernkomponist noch immer unterschätzt wird, wenn auch seine Werke in vielen Opernhäusern eine Renaissance erleben. Grund ist und bleibt wohl die schon angesprochene Schwierigkeit der musikalischen Ausführung, außerdem sicherlich die tschechische Sprache, an der wegen der melodischen Umsetzung Janaceks kaum ein Weg vorbeigeht.
Nichtsdestotrotz liegt hier eine vorzügliche Umsetzung von Janaceks letztem Bühnenwerk vor. Nirgendwo gibt es etwas zu mäkeln. Weder stimmliche noch orchestrale Ausfälle oder Schwächen sind zu bemerken. Sir Charles Mackerras hat sein Wiener Ensemble in dieser und anderen Janacek-Opernaufnahmen (Jenufa; Katja Kabanowa; Das Schlaue Füchslein; Die Sache Makropulos, alle bei Decca erschienen) auf die eigentümlich moderne Tonsprache des Tschechen geeicht. Vorbildlicherweise werden die meist recht kurzen Opern (zwischen 1 1/2 und 1 3/4 Std.) in jedem Fall um mindestens ein Instrumentalwerk des Komponisten ergänzt. Das Beiheft ist ebenfalls außergewöhnlich umfangreich und lässt keine Wünsche offen.
Alles in allem: Wenn eine Opernaufnahme ihren Preis wert ist, dann ist es diese; eine perfekte musikalische Umsetzung wird kombiniert mit ansehnlichem Informationsmaterial und einer Werkkoppelung, bei der keines der ausgewählten Stücke bloß Beiwerk ist. Klare Kaufempfehlung und außerdem noch einmal Verweis auf die anderen Janacek-Aufnahmen von Sir Charles Mackerras!


R Strauss: Salome (Gesamtaufnahme,Live Hamburg 4.11.1970)
R Strauss: Salome (Gesamtaufnahme,Live Hamburg 4.11.1970)
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 49,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Salome - ohne Böhm ein "totgeborenes Kind" (Hauptmann), 9. Mai 2003
Karl Böhm ist von ca. 1935 bis zu seinem Tod immer einer der wenigen Dirigenten gewesen, die die Musik des Richard Strauss adäquat umsetzten, weil sie nicht mehr und nicht weniger als die Musik eines Freundes dirigierten. Seinerzeit hatte Strauss seinem "Böhmerl" die Partitur der Daphne gewidmet, Böhm brachte wichtige Werke seines Landsmannes zur Aufführung, unter anderem die umstrittene und von Nazi-Boykotten begleitete "Frau ohne Schatten". Die "Elektra" gehörte in all diesen Jahren stets zu Böhms Standardrepertoire, eine Oper, um die er sich stets bemüht hat. Indessen gibt es von Böhms "Salome" (meines Wissens) nur diese eine Aufnahme. Böhm hatte das Repertoirestück Salome nie als eine Oper betrachtet, die aufzuführen nötig gewesen wäre. Vorliegender Live-Mitschnitt stammt von der Salome-Premiere von der Hamburger Staatsoper 1970, die Böhm dirigierte. Der Hörer sollte sich auf ein ordentliches Heer von Hustern einstellen, das z.B. den Auftritt des Herodes begleitet. Seltsam, dass es von Richard Cassily (Herodes) sonst kaum eine Aufnahme gibt. Die Genauigkeit seines Singens lässt wohl zu wünschen übrig, aber ich kann mir keine manischere, perversere und treffendere Charakterisierung des vielgesichtigen Königs vorstellen, dem es am Ende so graust, dass er Salome umbringen lässt. Salome: Gwyneth Jones. Nur an wenigen Stellen merkt man ihre nicht-deutschsprachige Herkunft. Ihr präsentes Sprechen ist angesichts des brodelnden und wütenden Orchesters ganz hervorragend. Dietrich Fischer-Dieskaus Leistung als Jochanaan ist einmal mehr unvergleichlich, man versteht fast jedes Wort, ohne das Libretto zu Hilfe zu nehmen. Auch die übrigen Sänger steuern ihren Teil zu einer wunderbar atmosphärischen, ausnahmslos hervorragenden Opernaufnahme bei, deren Live-Atmosphäre nicht etwa störend wirkt, sondern die unwahrscheinliche Spannung der Partitur noch auf die Spitze treibt - Die Tempi des Karl Böhm sind dabei weder überhastet noch in die Länge gezogen, sondern schlicht und ergreifend perfekt. Gerhart Hauptmann schrieb in einem Brief an Böhm nach dessen Salome-Aufführung in Dresden, der er beiwohnen durfte, dass auch die Salome ohne den "Wunderstab Böhms" ein "totgeborenes Kind" sei. Hört man vorliegende Aufnahme, möchte man sagen: wie wahr, wie wahr...


Water Passion After St.Matthew
Water Passion After St.Matthew

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurze Berichtigung..., 23. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Water Passion After St.Matthew (Audio CD)
Ich muss mich hier selbst berichtigen: Tan Dun ist nicht japanischer, sondern natürlich chinesischer Abstammung und lebt in New York.
Weiterhin viel Spaß beim Anhören!


Water Passion After St.Matthew
Water Passion After St.Matthew

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DIE Matthäuspassion des 21. Jahrhunderts, 22. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Water Passion After St.Matthew (Audio CD)
Allein schon der Gedanke, dass der Komponist sich an eine Passionsvertonung nach Matthäus gewagt hat, jagt einem einen Schauer über den Rücken. Sich mit einem der großartigsten Werke der gesamten abendländischen Musikgeschichte vom größten abendländischen Komponisten, will sagen: der Matthäuspassion von Bach messen zu müssen, ist keinem zeitgenössischen Komponisten zu gönnen. Der japanisch-amerikanische Tan Dun hat diese Bürde auf sich genommen.
Klar ist, dass eine Matthäuspassion, soll sie ein eigenständiges, aktuelles und überzeugendes Werk sein, eine ganz individuelle Tonsprache haben muss. Nach selbiger hat Tan Dun recht lange geforscht.
Sein Stil setzt sich aus vier Hauptrichtungen zusammen.
1) Europäisch-amerikanische Musiktradition
2) Fernöstliche Klänge (Pentatonik, meditative Musik, Ostinati usw.
3) Klangschichtungen, -ballungen, -teppiche & Cluster
4) Erforschung der Klangfarben der Natur und ihre jeweiligen "Instrumente".
Aus diesen vier Sparten konstruiert Tan Dun eine Tonsprache, die mich sofort überzeugt hat. Der obskure Titel "Water Passion" erklärt sich aus zwei Dingen, die kunstvoll und symbolisch miteinander verknüpft sind.
Erstens setzt Tan Dun nicht nur herkömmliche Instrumente ein. Das "Orchester" wird durch umfangreiches Schlagzeug ergänzt, und dieses wiederum z.B. durch Wasserschalen - und Wasser ist ja schließlich auf viele verschiedene Weisen zum "Klingen" zu bringen. Das reicht vom leisen Plätschern als Klangteppich bis hin zu der Technik, dass man einen Zylinder halb in die Wasserschale hält und mit der Hand oder einem Schlegel auf seinen Kopf schlägt. Es ergeben sich hochinteressante und atmosphärische Klangkaskaden.
Warum aber diese außergewöhnliche Instrumentation? Hier kommt der zweite, eigentlich elementare Punkt ins Spiel. Tan Dun hält sich zwar weitgehend an den Matthäustext, behält sich aber offenen Raum für eine eigene Interpretation. Er siedelt den eigentlichen Beginn der Passionsgeschichte wesentlich früher an, als dies beispielsweise Bach tut, nämlich: bei der Taufe Jesu. Und plötzlich zieht sich EIN Element wie ein roter Faden durch die Passion - es ist das Wasser, und Tan Dun verdeutlicht dies.
Wie denn Tan Duns Musik nun genau klingt, ist kaum zu beschreiben. Sie ist in einer Weise radikal, hypnotisch, bewegend und fantasievoll, die so ganz anders ist als die Musik eines Arvo Pärt, auf den all diese Attribute schließlich auch zutreffen. Ich habe die Water Passion after St. Matthew bei ihrer Uraufführung im Fernsehen gesehen. Daran, dass Passionsmusik dieser Größe und Schönheit nach Bach noch möglich sein könnte, hatte ich gezweifelt - ich wurde von ihr überwältigt. Zumal Wege beschritten werden, die die "Neue Musik" aus ihrer Versenkung herausholen könnten, in die sie durch die selbstverschuldeten Stigmata, emotionslos, mathematisch berechnet und unzugänglich zu sein, hineingeraten ist. Von Tan Dun, da bin ich mir sicher, werden wir noch viel hören.


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