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Rezensionen verfasst von
mkw "mkw"

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Two Lovers
Two Lovers
DVD ~ Joaquin Phoenix
Preis: EUR 12,98

3.0 von 5 Sternen Geschmackvoll inszeniert und auf Hochglanz poliert, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Two Lovers (DVD)
Der Film ist sehr geschmackvoll und mit Stil inszeniert und schwelgt geradezu in Interieurs und Räumen aller Art. Mir ist das Ganze ein wenig zu geschmackvoll und dabei etwas blutarm und papieren. Die Heulattacken der wieder einmal mehr die unerträgliche Superzicke gebenden Gwyneth Paltrow zerren an den Nerven und Joaquin Phoenix möchte man in seiner Rolle als unreifer Liebhaber und Mamasöhnchen (Furchtbar nichtssagend: Isabella Rossellini) am liebsten ordentlich durchschütteln, endlich den Parka an den Haken zu hängen, in die weite Welt hinauszuziehen und ein Mann zu werden.

Wer die traditionellen jüdischen Milieus der gehobenen Mittelschicht in Brooklyn, in denen sich der Film bewegt, nicht kennt, kann vermutlich nur schwer nachvollziehen, wie dort nach wie vor Ehen von den Eltern arrangiert, Söhne noch mit ü30 wie kleine Jungen behandelt werden, die zu gehorchen haben, und die beteiligten Väter geschäftliche Netzwerke schaffen. Aber da der Regisseur selber aus diesem Milieu kommt, wird er wissen, worüber er erzählt. Phoenix wirkt auf mich allerdings viel zu vital, machohaft und männlich, um in der Rolle des weinerlichen und unselbstständigen sowie kaputten Sensibelchens auf Freiersfüßen zu überzeugen. Das war ein klassischer Fall von Fehlbesetzung. Er spielt wie gewohnt stark auf, aber die Rolle passt einfach nicht zu ihm.

Meiner Meinung geht es in dem Film gar nicht so sehr um die Liebe, sondern darum, dass sich jede der Figuren ordentlich einen in die Tasche lügt, sei es aus Egoismus, falsch verstandener Liebe oder Familiensinn und Tradition. Die eigentlich Angeschmierte aber ist die wie eine Kuh veschacherte Verlobte, von Vinessa Shaw sehr überzeugend und mit leisen Zwischentönen gespielt. Erwachsen geworden ist der gemütskranke Fotograf offenbar auch am Ende des Films nicht, und man ahnt die Katastrophe, die auf das Paar in Zukunft zukommen mag. Selbst in der bewusst sarkastisch inszenierten Schlussszene behält der Bräutigam den Parka an und lässt ein böses Auge in Richtung Zuschauer blitzen. "Bist Du kaputt?" Fragt ihn ziemlich unverblümt in einer Szene sein Schwiegervater in spe. Da hätte er ehrlicherweise mit "Ja" antworten sollen. Solche Szenen sind es, die den Film streckenweise sehr schwarz und böse machen, aber insgesamt ist mir das zu sehr auf Hochglanz poliert, um wirklich betroffen zu machen.


Looking for Eric
Looking for Eric
DVD ~ Steve Evets
Preis: EUR 11,99

5.0 von 5 Sternen Weit mehr als ein Fußballfilm, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Looking for Eric (DVD)
Den Film als Fußballfilm oder Sportfilm zu bezeichnen, ist grundverkehrt. Wer das erwartet, wird enttäuscht sein. Denn um Fußball geht es in Looking for Eric allenfalls als Metapher. Wer Ken Loach kennt, hat auch eigentlich nichts anderes erwartet. Der Film ist eine typisch britische und rabenschwarze Working Class Hero Komödie, mit einem fein dosiert gesetzten Schuss Sentimentalität, die nie in Kitsch oder Rührseligkeit abgleitet. Eric Cantona als mentalen und sportlichen Personal Trainer sich selber spielen zu sehen und Sprüche klopfen zu hören ist das pure Vergnügen, der ganz große Held und Star des Films ist jedoch der überragende Steve Evets, hierzulande nahezu völlig unbekannt. Er spielt den Briefträger am Rande des Nervenzusammenbruchs derart glaubwürdig, rührend und authentisch, dass man etwas traurig ist, wenn der Film zu Ende geht. Auch die übrigen Schauspieler spielen grandios, vor allem die herrlich skurrile Postboten-Truppe. Es ist ein schönes Märchen, das Hohe Lied auf Freundschaft und Solidarität, elterliche Fürsorge und Verantwortung und das sich selber Verzeihenkönnen durch Selbsterkenntnis und Liebe. Nicht zuletzt geht es um die Überwindung des inneren Schweinehundes und dass es nie zu spät ist, doch noch im Leben die Kurve zu kriegen. Da der Film zudem flüssig und zügig inszeniert ist und durch viele überraschende Wendungen bis zuletzt die Spannung hält, wird er trotz seiner Länge keine Sekunde lang langweilig. Ganz großes britisches Kino, das ein bisschen auch mit der französisch-englichen Fußballfreundschaft spielt. Und was es mit Marihuana und der Marseillaise, einer Waffe, einem Baby, Karnevalsmasken und Baseballschlägern sowie viel, viel roter Farbe, einem Sardinenkutter und Youtube in diesem Film auf sich hat, das sei hier nicht verraten;-)


Mit Wilhelm Raabe im Harz: Begleitet von ausgewählten Texten und Zeichnungen des Dichters
Mit Wilhelm Raabe im Harz: Begleitet von ausgewählten Texten und Zeichnungen des Dichters
von Kurt Hoffmeister
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

4.0 von 5 Sternen Raabe als Zeichner - die reine Freude, 15. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Büchlein ist eine echte Fleißarbeit und für alle Harz-Fans, Bad Harzburg-Liebhaber und vor allem auch Raabe-Freunde gibt es eine Menge zu entdecken. Raabe hat wohl permanent gezeichnet, auch beim Wandern. Die semi-professionellen Zeichnungen sind sehr charmant, teilweise rührend melancholisch und zeigen einen Harz zu Anfang des aufkommenden Tourismus, wie er heute durch Massenauftrieb leider vielerorts verloren ist. Man kann mit dem Büchlein wirklich auf den Spuren Raabes wandern gehen. Viele wissen ja gar nicht, dass Wilhelm Raabe einer der eifrigsten Harz-Besucher war und fast sein ganzes Leben lang dort seinen Urlaub mit der Familie verbracht hat. Das Buch ist jeden Euro wert.


Transsiberian
Transsiberian
DVD ~ Woody Harrelson
Preis: EUR 7,99

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3.0 von 5 Sternen Thomas Kretschmann und Kunstblut, 11. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Transsiberian (DVD)
Vorweg: Echte Russen spielen in dem Film nicht mit und gedreht wurde ebenfalls nicht in Russland. Soviel zu der viel gerühmten "Authentizität" des Films.

Von der Idee und Machart her ist der Film durchaus interessant. Vor allem die nahezu mystisch wirkende Landschaft, das Licht und die wie ein Ding aus einer anderen Welt wirkenden Züge faszinieren, wenn es zwischendurch auch immer wieder überflüssige Längen gibt. Allzu viel Kunstblut und eine nahezu grotesk unrealistische Schlussszene stören den Genuss. Das Drehbuch ist natürlich an Haaren herbeigezogen und türmt Klischee auf Klischee. Die tüchtigen, braven und ein wenig naiven Amis, die bösen, bösen Russen und mittenmang ein notgeiler Spanier mit Mega-Tattoo, Romeo-Allüren und Drogenproblemen. Also, das war dann doch etwas too much. Und Matroschka-Püppchen durften auch nicht fehlen.

Schauspielerisch ragt Emily Mortimer heraus, die sehr facettenreich und glaubhaft spielt. Ben Kingsley als Russenbulle auf Abwegen und jede Menge dummen Sprüchen auf Lager ist ein bisschen lachhaft, zumal er wie gewohnt nur Ben Kingsley spielt. Den guten Thomas Kretschmann als kahlköpfigen tumben Russen-Killer wortkarg durch den Schnee stolpern zu sehen, reizte ebenfalls zum Lachen. Beide Rollenbesetzungen meiner Meinung nach ein krasser Fehlgriff.

Insgesamt viele Anklänge an die Zug-Filme von Hitchcock wie "Eine Dame verschwindet". Nur der Hitch-Humor, der fehlt hier komplett. Einmal ansehen zur Unterhaltung ist ok, das reicht dann aber auch.


Tadellöser & Wolff: Roman
Tadellöser & Wolff: Roman
von Walter Kempowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen Immer noch gut, 10. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Tadellöser & Wolff: Roman (Taschenbuch)
Wenn einem nach fast 40 Jahren Pause ein Buch beim erneuten Lesen immer noch gefällt, dann muss an der Qualität etwas dran sein. Den etwas zu klamaukigen Film, der die leisen, nicht selten fein sarkastischen Zwischentöne im Buch vermissen lässt, habe ich dabei komplett aus meinem Kopf verdrängt. So kommen die Eltern im Buch eigentlich sooooo gut nicht weg, der Vater ist SA Mann, war mindestens Mitläufer, neigt zu Gewaltausbrüchen, und die Mutter überrascht immer wieder mal mit mehr als törichten Bemerkungen während der Hitlerzeit. ("Der sieht aber auch wirklich aus wie ein Jude, der arme Mann!"). Damit hält Kempowski nicht hinter dem Berg. Man wollte halt verdrängen, verschanzte sich hinter Plattitüden und dummen Sprüchen und ging ziemlich naiv und doch sehenden Auges in den Untergang. Gut getan haben der Mutter und vor allem der Schwester Ulla, zunächst ein strammes BDM-Mädchen, die Begnung mit dem Dänen Sörensen und seinem Verständnis von Toleranz und Demokratie. Und der große Bruder Robert ist sowieso mein Liebling. Schade, dass man so wenig über seinen späteren Lebensweg weiß, er soll ja in Hamburg eine kleine Jazz-Sendung im Radio gehabt haben.

"Wie ist es nun bloss möglich...", dieser Spruch rettet Mutter Kempowski irgendwie durch die NS-Zeit. So war es wohl bei vielen und einige dieser dummen Sprüche kenne ich noch von meinem Großvater, der fast nie über die NS-Zeit sprach. So war dieses Buch seinerzeit für mich als Teenie eine erste mich tief und mitten ins Herz treffende Begegnung mit dieser Zeit. Heinrich Böll und Grass, die ja damals an den Schulen und später den Germanisten-Seminaren frenetisch gefeiert wurden, während Kempowski niedergemacht wurde, sind für mich heute nur noch hohler Krampf und unlesbar. Kempowski ist so frisch wie eh und je und begeistert mich gerade wieder. Tadellöser & Wolff, kann ich da nur sagen! Und das Schöne: Meine Kinder mögen ihn auch, mit Böll und Grass können sie nichts anfangen. So viel dazu.


Ludwig Bechstein - Sämtliche Märchen
Ludwig Bechstein - Sämtliche Märchen
von Ludwig Bechstein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viele Varianten der Märchen in einen Band gepackt, 10. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Anaconda aus Köln sind ja bekannt dafür, Klassiker zu Tiefstpreisen auf den Buchmarkt zu bringen. Das geht natürlich nur mit Abstrichen bei Papier, Bindung und Edition. Und ein Nachwort zu der Edition fehlt dann natürlich auch, wäre aber hilfreich gewesen. Die Reihenfolge der Märchen irritiert ein wenig, warum die Ausgabe von 1857 vor die von 1845 und 1856 gepackt wurde und warum überhaupt sämtliche Ausgaben hier komplett versammelt sind, bleibt rätselhaft. Da ist so manches doppelt gemoppelt und ermüdet beim Lesen. Aber für den Preis will man nicht groß meckern und die Cover-Illustration sowie die historischen Illustrationen im Band sind wirklich sehr nett. Für Bechstein-Anfänger oder als Geschenk für Kinder würde ich das Buch allerdings nicht empfehlen, da die Fülle der Märchen-Varianten den reinen Genuss-Leser verwirrt und doch wohl eher was für Märchenforscher, die Varianten vergleichen wollen, ist.


"Brieffreundschaft" mit einem Serienmörder
"Brieffreundschaft" mit einem Serienmörder
von Michael Kirchschlager
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Geschmäckle, 9. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Den Kirchschlager Verlag kannte ich bisher als engagierten Veröffentlicher ins Dunkel des Vergessens geratener deutscher Kriminalfälle aus diversen Epochen. Dabei hat sich der kleine Verlag respektable Meriten erarbeitet. Das vorliegende Werk von Frau Klages passt nicht so ganz in diesen Kontext und mich hat es gelinde gesagt enttäuscht. Seriöse Aufmachung täuscht nicht über inhaltliche Mängel des Manuskripts hinweg. Sehr viele sprachliche Schnitzer, wie schon andernorts hier bemerkt, befremden doch erheblich. Natürlich weiß ich, dass sich ein so kleiner 1-Mann-Betrieb keine professionellen Lektoren wie Rowohlt und Reclam leisten kann, aber derartige Häufungen stören dann doch. Die Autorin scheint der deutschen Sprache trotz Abitur, Studium und angepeilter Promotion, die bislang offenbar nicht erfolgte, nicht ganz mächtig zu sein, schreibt mal gespreizt und altväterlich-gravitätisch, mal wie in einem Schulaufsatz. Herr Gust, und um den geht es doch trotz der - mit Verlaub - albernen Anonymisierung, scheint seiner "Brieffreundin" intellektuell und sprachlich haushoch überlegen. Das verwundert. Gar nicht geht meiner Meinung nach der Kurzschluss Neoliberalismus - entfesselte Medien - mangelnde Fürsorgepflicht des Staates - Serienmörder, den die Autorin zieht. So betrachtet, hätte es keinen Jürgen Bartsch, von der ungarischen Blutgräfin ganz zu schweigen, geben dürfen. Ballerspiele machen auch keine sexuell motivierten Serienmörder, allenfalls (auch das mit sehr viel Vorsicht zu formulieren) Massenmörder wie z.B. Amokläufer. Und was ist mit Massenmördern wie Himmler????

Mir scheint, der sehr eloquente Herr Gust führt die arme Frau Klages wie auf dem Silbertablett vor und ergötzt sich daran. Ein Manipulator reinsten Wassers, und sie merkt es noch nicht einmal. Wieviele seiner Ergüsse in jedem Sinne des Wortes real waren, sei dahingestellt. Was bleibt, sind die Opfer, für die sich die Autorin nicht weiter interessiert. Für mich hat das Ganze ein Geschmäckle. Dass PETA sich an den Druckkosten beteiligt hat, geschenkt.


Verficktes Herz: & andere Geschichten
Verficktes Herz: & andere Geschichten
von Nora Gantenbrink
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fäkaldichterin, 2. Februar 2014
Dieses an Hirnlosigkeit und schlechtem Stil nicht zu überbietende Machwerk zu rezensieren, fällt schwer. Frau Gantenbrink, eine Journalistin (Stern und Spiegel, was ist reportermäßig aus Euch geworden!) sondert Absonderlichkeiten vollkommen hohl und sinnentleert ab. In dem Stil sind auch die Ergüsse der Autorin im Stern verfasst, z.B. auf den Spuren des Dschungelcamps am Klopeiner See wandelnd und Unsinn stammelnd. Muss man sich nur mal reinziehen, dann wird die Lektüre dieses Werks hier vollkommen überflüssig. Es ärgert, auch nur eine Sekunde Lebenszeit mit dieser Autorin zu verschwenden.


Unter der Sonne Australiens
Unter der Sonne Australiens
DVD ~ Richard Roxburgh
Preis: EUR 10,17

4.0 von 5 Sternen Franka Potente allein unter Männern in Australien, 29. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Unter der Sonne Australiens (DVD)
Dass dieser mit sehr viel Herzblut und viel Verständnis für seine Figuren gemachte Film außerhalb Australiens nicht so recht bekannt wurde, finde ich sehr schade. Vielleicht liegt es auch am albernen deutschen Titel, dass "Romulus, my father" hierzulande noch als Geheimtipp gilt. Denn die Sonne ist in diesem Coming of Age Film weder Zeuge noch spielt sie sonst eine Rolle. Dafür die herbe und sehr melancholische Landschaft im Hinterland von Victoria umso mehr. Es ist ein Männerfilm im besten Sinne, ohne ein Machofilm zu sein. Die Männer, vom großen starken über den kleinen schwachen bis zu gutem Freund und zum knorrigen Außenseiter, später auch die Schulkameraden und selbst der Schuldirektor, halten fest zusammen und bilden eine Art verschworene Gemeinschaft oder eine Art Netzwerk. Selbst betrogener Ehemann und neuer Lebensabschnittsgefährte der fremdgehenden Mutter halten zusammen, anstatt sich gegenseitig zu zerfleischen. Warum dieser männerbündische Ansatz allerdings mehrfach durch Pinkelszenen (Freud lässt grüßen) untermalt werden muss, ist dann doch arg plakativ.

Frauen kommen in dem Film nur als Fußnoten vor und die an sich selber und der Unvereinbarkeit von ihren Träumen als deutsche Auswanderin und der australischen Wirklichkeit scheiternde Mutter, die in diesen Widersprüchen völlig verloren geht, wirkt auf die Männer wie ein unverstandener und verzweifelt und hoffnungslos geliebter Fremdkörper. Franka Potente spielt diese seltsam somnabule, wie zwanghaft getriebene und bei all ihrer Sinnlichkeit hilflose Frauenfigur überraschend überzeugend. Als sie ihrem kleinen, von ihr in einem Wechselbad aus Vernachlässigung und Liebe erbarmungslos gehärteten Sohn an seinem Geburtstag unendlich traurig und traumveloren das deutsche Wiegenlied "Weißt du, wieviel Sternlein stehen" vorsingt, ist das mit der stärkste Moment des Films und hallt noch lange nach. Potente wurde für ihre beachtliche Leistung zu Recht in Australien mit einem Darstellerpreis geehrt.

Eric Bana ist mir ein bisschen zu marionettenhaft in seinem Spiel, die übrigen Schauspieler spielen sämtlich solide, wenn auch nicht überragend. Der kleine Junge überzeugt auch. Interessanterweise sind fast alle männlichen Hauptdarsteller mit Ausnahme des Kinderdarstellers selber, wie die Figuren im Film und der autobiografischen Vorlage, südosteuropäische Einwanderer. Im Film bilden sie eine zumindest im Privatleben von der australischen Mehrheitsgesellschaft abgeschottete und verschworene Gemeinschaft. Dieser Zusammenhalt und diese Geborgenheit und die Freundestreue innerhalb des zuverlässig funktionierenden Männernetzwerkes - der Sohne wird über einen längeren Zeitraum vom besten Freund des Vaters während dessen psychischer Erkrankung alleine betreut - rettet den Jungen letztendlich. Er fühlte sich vom Vater, dem väterlichen Freund und anderen vaterartigen Figuren in dem Film trotz allem Leid und auch Gewalt geliebt, geschützt und getragen. Das Urvertrauen hat er bei allen für Außenstehende unfassbar grausam erscheinenden Erlebnissen nie verloren. Das es wirklich so war und keine Filmfantasie ist, belegt die Erfolgsgeschichte des realen Vorbilds des Jungen. Er wurde ein geachteter Professor für Moralphilosophie in England und Australien. Sein Hauptanliegen: Versöhnung. Insofern haben die "Väter" des Kleinen alles richtig gemacht. Erzählt wird das im Film sehr ruhig, ohne Hast und in lange nachwirkenden Bildern in einem konventionellen Erzählstil, der dem Film gut tut. Mir hat es gefallen und ich habe lange über die Geschichte nachgedacht. Ein respektables Regiedebüt und eine überraschende kleine Filmperle aus Australien.


Hochzeitslose
Hochzeitslose
von Maria Beig
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Gescheiterte Ledige am Bodensee, 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Hochzeitslose (Taschenbuch)
Lesenswert sind die Werke der oberschwäbischen Schriftstellerin allemal, sie sind Heimatliteratur im besten Sinne. Als die schreibende bayerische Bäuerin Anna Wimschneider mit "Herbstmilch" in den 80er Jahren gigantische Erfolge auf den deutschen Bestsellerlisten hatte und ein Hype um schreibende, ein wenig herablassend als Naturtalente im literarischen Zoo herumgereichte Greisinnen aus dem bäuerlichen Süddeutschland entstand, wurde auch Maria Beig kurzzeitig eine kleine literarische Sensation und von Martin Walser sogar in den Suhrkampverlag gehievt. Ob sie da jemals hingehörte, sei dahingestellt, und heute ist es außerhalb ihrer Heimatregion etwas stiller um die mittlerweile über 90jährige Autorin geworden. "Hochzeitslose" liest sich in seiner metaphernarmen Kargheit und Unverblümtheit auch nach 30 Jahren noch gut und keinesfalls angestaubt, die Frauenporträts von vier sehr unterschiedlichen, in der Liebe und im Leben gescheiterten "Ledigen" aus der ländlichen Bodenseeregion sind in ihrer unbestechlichen Analyse beeindruckend bis erschütternd. Emotionale Intelligenz und Illusionslosigkeit, gepaart mit Talent zur Verknappung und Lakonie sind wesentliche Stärken der Autorin Maria Beig. Da wird nicht gefeilt und geschliffen, um den Bachmannpreis oder Deutschen Buchpreis zu erringen, da wird einfach geschrieben. Das ist äußerst wohltuend.

Am besten gelungen sind die beiden ersten Porträts der Bauerntöchter Babette und Helene, vor allem das Schicksal der erbärmlich im Dreck vor ihrer Haustür erfrierenden Helene erschüttert. Das Porträt der hoffnungslos hoffärtigen und an sich selber und ihren hochgeschraubten Ansprüchen gescheiterten Bürokraft Klara rutscht ein wenig ins Kolportagehafte ab, und die Geschichte der dem Alkohol verfallenden Fabrikantentochter Martha gelingt vor allem gegen Ende hin immer besser. Nicht ganz gelungen ist er Versuch, die vier Lebenswege mit einer erzählerischen Klammer etwas zu gewollt zu verknüpfen.

Ein bisschen, finde ich, ist Maria Beig in ihrem kargen Kosmos eine Alice Munro vom Bodensee. Wie diese ist sie eine Feministin auf ihre Art und doch wieder keine und steht den durchweg als schwach gezeichneten Männern eher ratlos anstatt anklagend gegenüber. Im Gegenteil, oft sind es andere Frauen oder das eigene sich im Wege stehende Ich, was den Protagonistinnen das Leben schwer macht oder ihren Lebensweg zerstört. Man hört dieser Stimme, der man über Menschen und Frauen insbesondere so gar nichts vormachen kann, als Jüngere respektvoll zu und horcht auch ein wenig in sich selber hinein. Insofern ist das dann doch mehr als Heimatliteratur. Jedenfalls werde ich mir jetzt noch "Rabenkrächzen" von Maria Beig bestellen.


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