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Rezensionen verfasst von
Tobias Fabian-Krause (Landau, Pfalz)

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Sinfonie 6/Rosamunde
Sinfonie 6/Rosamunde
Preis: EUR 22,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erfüllt nicht alle Wünsche, ist aber richtig gut, 4. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6/Rosamunde (Audio CD)
Auf meiner Suche nach dem "perfekten" Schubert-Symphonienzyklus war ich bisweilen der Verzweiflung nahe: auf der einen Seite hat Frans Brüggen in den 90ern hervorragende Aufnahmen der Schubert-Symphonien auf den Markt gebracht. Auf der anderen Seite ist dieser Zyklus mittlerweile vergriffen und ich wüßte nicht, dass er wieder aufgelegt werden soll (wenn ich mich täusche, lasse ich mich gerne eines besseren belehren). Außerdem blieben auch bei Brüggen Erwartungen offen - insbesondere was die Große C-Dur und die Unvollendete betrifft war das einfach nur bedingt überzeugend, was seinerzeit angeboten wurde.

Und gerade diese beiden Symphonien spielte Thomas Dausgaard mit dem Schwedischen Kammerorchester Örebro vor wenigen Jahren ganz ausgezeichnet ein. Groß waren also meine Hoffnungen als diese CD mit der 6. Symphonie auf den Markt kam. Vielleicht waren die Hoffnungen auch überhöht bzw. mein Empfinden durch das viele Hören der von mir sehr geliebten Brüggen-Aufnahme unflexibel geworden. Denn vollauf zufrieden bin mit dieser Aufnahme nicht. Ich will dabei nicht übertreiben, es geht um Nuancen, aber mein Eindruck ist einfach, dass Dausgaard und das Ensemble alle Vorteile der historischen Aufführungspraxis souverän realisieren, also Transparenz, Schwung durch straffe Tempi und dadurch "Entschlackung" und eine Bewahrung vor der Verkitschung. Natürlich hat dies auch seinen Preis: Wohlklang ist so ein Thema, womit ich nicht meine, dass es furchtbar klänge, aber ein wenig weicher täte manchmal doch ganz gut. Auch ansonsten: es fehlt ein klein wenig das Herz, das Gespür für die Dramaturgie. Es wirkt ein wenig "runtergespielt". Wie gesagt: das ist mein Eindruck, vor allem im Vergleich zu Brüggen, dessen Aufnahme ich sehr oft gehört habe (vielleicht zu oft?).

Bei der Rosamunde-Musik geht es mir anders - die kenne ich nicht so besonders gut, kenne zwar Alternativaufnahmen, habe sie aber noch nicht oft gehört. Dementsprechend habe ich keinen Wunschklang im Ohr, kann unbefangener rangehen, mich allerdings dennoch nicht allzu klar äußern, weil ich die Musik einfach zu wenig kenne. Was ich höre, gefällt mir.

Insgesamt eine sehr gute CD mit leichten Abstrichen. Die geschilderte Enttäuschung ist minimal, wobei ich angesichts der Sinfonien 3 Bis 5 sagen muss, Dausgaard und das Orchester haben noch besseren Schubert drauf als sie hier zeigen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2014 4:27 PM CET


Sinfonien 3 Bis 5
Sinfonien 3 Bis 5
Preis: EUR 17,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellent!, 3. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 3 Bis 5 (Audio CD)
Thomas Dausgaard hat mit dem kleinen (38 Musiker) Schwedischen Kammerorchester aus Örebro in den letzten Jahren für Furore gesorgt: spektakuläre Aufnahmen des symphonischen Werks Beethovens, exquisite Aufnahmen der Schumann-Symphonien, auf das erste Hören dann für ein Kammerorchester doch etwas gewagt anmutende Experimente mit Dvoraks Neunter, Tschaikowskys Pathétique und gar einer Bruckner-Symphonie. Unter dem frechen Programmnamen "Opening Doors"erschienen besagte Aufnahmen ebenso wie Aufnahmen von Schuberts Unvollendeter, Großer und Kleiner C-Dur-Symphonie. Was Schubert betrifft, empfinde ich dabei insbesondere die Unvollendete als herausragend: im Grundton eher rau, mit hohen Tempi, extremer Transparenz und dabei doch einem echten Wohlklang ist das m.E. eine der besten Aufnahmen von Schuberts nicht eben selten eingespielter h-moll-Symphonie. Die Große C-Dur war ebenfalls exzellent gelungen, wurde allerdings aus meiner Sicht mittlerweile durch Herreweghe Einspielung übertroffen. Die Kleine C-Dur war Dausgaard und dem Orchester gut gelungen, wobei ich angesichts der ausgezeichneten Vorleistungen aufgrund überhöhter Erwartungen ein wenig enttäuscht war.

Auf dieser CD hören Sie nun Schuberts Symphonie Nr. 3 in D-Dur D200, Nr. 4 in c-Moll D417 und Nr. 5 in B-Dur D485.

Symphonie Nr. 3 gelingt dem Orchester sehr gut: straffe Tempi ohne ins übertrieben Extreme zu verfallen, gute Transparenz und ein angenehmer Klang. Bei der Dritten Schubert müssen sich m.E. alle Aufnahmen an der Einspielung von Carlos Kleiber messen lassen, die zu einer Zeit als die historische Aufführungspraxis noch eher als sektiererisch angesehen wurde deren Frische, Temperament und Transparenz mit einem Traditionsorchester wie den Wiener Philharmonikern vorwegnahm. Kann das Schwedische Kammerorchester hier mithalten? Letztlich finde ich: nein, nicht vollständig, aber nur wenige kommen Kleibers Leistung so nahe wie Dausgaard hier, wobei mehr oder minder gleichzeitig zu dieser Aufnahme das Freiburger Barockorchester sich m.E. noch erfolgreicher dieser Symphonie annahm. Was die Frage aufwirft: was fehlt dieser Aufnahme denn nun im Vergleich zu Kleiber und der Freiburger Aufnahme? Meines Erachtens sind es Nuancen, die insbesondere im Bläserklang fehlen. Eine Beispiel wären die Klarinetten im 2. Satz - die sind einfach bei Kleiber weitaus strahlender, weicher, runder. Verlange ich da von alten Instrumenten (Dausgaard) im Vergleich zu neuen (Kleiber) zu viel? Hätte ich auch gedacht, das Freiburger Barockorchester beweist, dass es geht. Insofern ist das hier eine exzellente Aufnahme, aber ich es gibt in meiner Wahrnehmung mindestens 2 bessere.

Die 4. Symphonie ist Dausgaard gut gelungen: dramatisch, abgründig, verzweifelt und im zweiten Satz auch tragisch-schön kommt das Werk daher. Dausgaard und das Orchester arbeiten dies sehr heraus, wobei ich gerade im ersten Satz finde, da wäre noch ein wenig mehr gegangen: etwas weniger Tempo, eine Nuance mehr Ausdruck, ähnlich auch im Zweiten. Für den dritten Satz wurde ein sehr harter Zugriff gewählt, den ich aber stimmig finde. Das Finale ist m.E. der am besten gelungene Satz einer insgesamt sehr guten Aufnahme, die allerdings m.E. nicht an die von Frans Brüggen heranreicht.

Bei der Symphonie Nr. 5 ist es für mich eine gewisse Umstellung was hier geboten wird. Dieses Symphonie schätze ich sehr mit einem eher schwelgerischen Zugang, wie ihn z.B. Herbert Blomstedt oder Andras Schiff gewählt haben. Dausgaard und das Ensemble gehen auch diese Symphonie gewohnt nonchalant an. Lohnt es sich, sich an diesen zu gewöhnen? Ich persönlich möchte hier nicht die eine Lesart gegen die andere ausspielen. Beide haben ihre Vorzüge: die Traditionelle legt viel vom fast mozarthaften Wohlklang dieses Werks frei, Dausgaard verleiht ihr Temperament und rettet sie vor der Gefahr der Verniedlichung. Exzellente Leistung auf dieser CD!

Fazit: eine sehr empfehlenswerte CD mit drei Einspielungen m.E. notorisch unterschätzter Werke des seinerseits außerhalb der Liedvertonung und Kammermusik ebenfalls unterschätzten Schubert. Spitzenprodukt!


Tchaikovsky: Symhpony No 5 / Francesca da Rimini
Tchaikovsky: Symhpony No 5 / Francesca da Rimini
Preis: EUR 20,00

5.0 von 5 Sternen Großartige Fünfte, 1. Mai 2014
Der Lette Mariss Jansons ist aus meiner Sicht einer der ganz großen Symphatieträger der Klassik-Szene: hoch engagiert, von der Sache überzeugt und dabei unverkrampft und menschlich wirkend, ist er einer der besten Werbeträger der Kunstmusik. Mit Jansons als Interpret klassischer Musik tu ich mich bisweilen schwer. Oftmals hatte ich bei seinen Interpretationen das Gefühl, dass er einen soliden Mittelweg geht, der im Resultat gefällig, aber absolut unspektakulär ist. Für den Konzertsaal finde ich das vollkommen in Ordnung. Das jedes Konzert eine Weltsensation ist, wäre ein blödsinniger Anspruch. Bei CDs steht halt häufig die Frage im Raum: warum sollte ich unter den mindestens 20 Einspielungen, die es von nicht gerade wenigen Werk gibt, 1-2 herauspicken? Jansons lieferte mir da häufig bei genauerem Hinhören keine Argumente. Gekauft habe ich viele seiner Aufnahmen aus Sympathie zu ihm, aus positiven Konzerterfahrungen mit ihm und dem Orchester und weil ich positive Rezensionen las. Manchmal wurde ich enttäuscht. Auch dieses Mal waren die Rezensionen gut, ich habe wieder zugegriffen und war tatsächlich begeistert.

Jansons und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gelingt eine 5. Symphonie Tschaikowskys, die m.E. keine Wünsche offen lässt. Die Dynamikunterschiede dieses an innigen Passagen ebenso wenig wie an kraftvoll-schwungvollen armen Stückes kommen ebenso gut zum Tragen wie die Feinheiten der Instrumentierung und der Wohlklang! Auch weiterhin verzichtet Jansons auf Extravaganzen, aber anders als bei manch anderen Stücken wie z.B. seiner Aufnahme der Bilder einer Ausstellung mit dem Concergebouw Orchester mildert Jansons das Stück auch nicht ab, sondern lässt Tschaikowsky voll ausgreifen. Aus meiner Sicht eine herausragende Einspielung!


Schumann: Sinfonien 1-4
Schumann: Sinfonien 1-4
Preis: EUR 26,35

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Allzweckwaffe?, 1. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Schumann: Sinfonien 1-4 (Audio CD)
Yannick Nézet-Seguin ist sicherlich einer der großen Shooting-Stars der Klassik-Szene, höchstens durch die ubiquitären Dudamel und Nelsons überboten. Der Konzertkalender ist auf Jahre hinaus dicht gefüllt, auch die Diskographie wächst beständig. Und wer wäre ich, dem Mann große Fähigkeiten abzusprechen. Er hat Ausstrahlung, Charisma, Schwung und ein großartiges Gespür für die Musik. Alles gut soweit!

Mit dieser Doppel-CD betritt Nézet-Seguin ein Marktsegment, das meines Erachtens durch zwei Dinge geprägt wurde, nämlich es wurde längere Zeit ein Bogen drum herum gemacht und es ist in letzter Zeit höchst intensiv beackert worden: die Schumann-Symphonien! Schumann war eine Zeit lang, verzeihen Sie mir den albernen Vergleich, so etwas wie der Michael Jordan der klassischen Musik. Wie Jordan ein Baskettball-Weltstar war, der eben auch mal ganz ordentlich, aber vergleichsweise mäßig Baseball gespielt hat, so hat Schumann als exquisiter Komponist von Klavierstücken eben auch Symphonien geschrieben, wozu ihm aber die Erfahrung im Umgang mit Orchestern fehlte, weswegen die Instrumentierung misslang. Schumann-Symphonien sind bestenfalls von historischem Interesse, wurde ab an aufgegriffen, aber oftmals doch eher in die Ecke gelegt. War es Gardiner oder hing es doch mit den Konzerten Bernsteins mit den Wiener Philharmonikern zusammen? Jedenfalls blühte die Schumann-Tradition nach und nach auf. Gardiner und die historische Aufführungspraxis entdeckten Schumann, sahen ihn eher als Vertreter der Klassik und erkannten, dass die vermeintlich mäßige Instrumentierung auch deswegen so mäßig erscheint, weil sie mit den Orchestertraditionen seit Mahler und Wagner nicht wirklich kompatibel ist. Schumann wurde intensiv beforscht, die Interpreten erarbeiteten sich nach und nach ein Gespür für die Klasse, die in diesen Werken steckt und so entstanden formidable Aufnahmen, ob die Mitschnitte von Bernstein, der Zyklus von Gardiner, ob Harnoncourt, Dausgaard, Oramo oder Zinman. Der Markt der Schumann-Aufnahmen füllt sich mit Qualität.
Bietet Nézet-Seguin keine Qualität? Das behaupte ich nicht. Die Einspielungen dieser Doppel-CD sind gelungen, ordentlich, gut anzuhören, wenn sie sie kaufen, ist das kein Fehlkauf! Dennoch wenn ich mir überlege, wie z.B. Gardiner, Dausgaard, Zinman und Järvi sich ihre Schumann-Zyklen nach und nach in mühsamer Kleinarbeit und mit viel Erfahrung in Konzertsälen angeeignet haben, dann halte ich diese Zyklus einfach für einen Schnellschuss!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 17, 2014 11:47 PM MEST


Sinfonien 3 & 4
Sinfonien 3 & 4
Preis: EUR 12,98

5.0 von 5 Sternen Positiv überrascht! Herrliche Dritte, ordentliche Vierte, 1. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 3 & 4 (Audio CD)
Die klassische Musik ist an sagenumwobenen Gestalten nicht eben arm. Exzentrische Charaktere, die durch das was sie getan und teilweise auch durch das was sie unterlassen haben, Geschichte schrieben. Insbesondere was das Abbrechen und Unterlassen betraf, fiel Carlos Kleiber auf. Endlos scheint die Zahl der Anekdoten über abgebrochene Konzerte und Proben. Und da er, wenn er etwas zu Ende brachte, häufig brilliante Ergebnisse lieferte, kommen viele über seine vermeintlichen "Unterlassungssünden" kaum hinweg - wie hätte wohl eine Jupiter-Symphonie, eine Erste Brahms oder gar eine Neunte Beethoven unter Kleibers Stabführung geklungen? Von Opern gar nicht zu sprechen!

Eine Aufnahme der 3. Symphonie von Franz Schubert gibt es! Ein Stück, um das so mancher Dirigent, der sonst sehr rührig im Konzertsaal und im Tonstudio ein breites Repertoire abgedeckt hat, einen Bogen gemacht hat. Mag Kleiber die Angst davor, seinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden und dem Schatten des über die Maßen verehrten Vaters nicht entweichen zu können davon abgehalten haben, die oben genannten Stücke einzuspielen, so stellt sich doch die Frage, warum er ausgerechnet Schuberts Dritte aufgenommen hat. Passte noch gut auf die Platte zur Unvollendeten? Mag sein, wobei Kleiber derart pragmatische Argumente mitunter überhaupt nicht interessierten. Höre ich seine Aufnahme und das Stück, so finde ich Gefallen an dem Gedanken, dass Kleiber sich hier für ein unterschätztes Stück einsetzen wollte.

Mit großen Erfolg! Für mich galt lange Zeit: es gibt viele gute Aufnahmen der Unvollendeten (auch, aber bei weitem nicht nur die von Kleiber), es gibt viele gute Aufnahmen der Großen C-Dur, eine ordentliche Anzahl guter Fünfter und Sechster von Schubert. Aber die Dritte, das kann nur Kleiber! Dann fand ich diese Aufnahme! Verzeihen Sie mir die etwas umständliche Einleitung, mit der ich Ihnenn nur verdeutlichen möchte, warum ich diese CD für so einen großen Gewinn halte, obwohl sie eine aus meiner Sicht solide, aber nicht im eigentlichen Sinne herausragende Aufnahme der 4. Symphonie Schuberts enthält.

Die 3. Symphonie Schubert leidet häufig darunter, dass die Tempi sehr verschleppt werden und dass nicht nur bei traditionellen Orchestern, sondern auch z.B. Brüggens Aufnahme finde ich vom Tempo her viel langsam und dadurch zäh. Das Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado wählt nun äußerst zackige Tempi. Schuberts Dritte muss man also einfach nur schnell spielen, dann ist alles gut? Natürlich nicht! Neben dem Schwung, durch den dieses Stück zu gefallen weiß, finde ich, dass sie vor allem durch etwas auffällt, was Schubert eigentlich nicht hätte können dürfen: nämlich die Instrumentation. Ähnlich wie in der Großen C-Dur-Symphonie finde ich in der D-Dur-Symphonie den Umgang mit den Klangmöglichkeiten des Orchesters brilliant. Insbesondere wie er Bläser mal solistisch, mal als wunderschöne Begleitung, mal im Dialog, Trialog usw. einsetzt. Das macht große Freude, wenn es Orchester und Dirigent gelingt, das adäquat herauszuarbeiten. Meine Liebe zur Kleiber-Aufnahme rührt auch in starkem Maße daher, dass Kleiber das vollbringt. Und Heras-Casado zeigt sich hier nahezu ebenbürtig. Finde ich die Klarinetten nach der Einleitung im ersten Satz, noch etwas zu leise, erstrahlen sie und die anderen Bläser im weiteren Verlauf plötzlich und ergeben ein herrliches Klangbild. Ich war und bin sehr angetan von dieser Dritten!

Was die Vierte betrifft, so mag Ihnen das oben als Ankündigung von starker Kritik angemutet haben. Aber nein! Ich denke, Orchester und Dirigent haben eine richtig gelungene vierte Symphonie eingespielt. Es ist eben nur so, dass es von dieser Aufnahme - anders als bei der Dritten - eine ordentliche Anzahl guter Aufnahmen gibt - allen voran Brüggen. In den Ecksätzen vermisse ich ein wenig die Dramatik der "tragischen Symphonie", hier ist der Zugriff eine Idee zu zahm. Der zweite Satz ist meines Erachtens etwas zu schwelgerisch. Das Scherzo für Allegro vivace vielleicht eine Spur zu langsam, dafür in der Phrasierung auf eine irgendwie aufsässig klingende Art spannend gestaltet.

Das Freiburger Barockorchester hat mich sehr positiv überrascht. Natürlich gibt es viele exquisite Aufnahmen von ihnen. Aber unter Jacobs klangen sie mir manchmal dann doch eine Spur zu rau und eckig. Die Kombination aus dem Erdigen der Historischen Aufführungspraxis mit alten Instrumenten und der Klangschönheit der gewählten Stücke ist ihnen selten so gut gelungen! Klasse!


Great Symphonies
Great Symphonies
Preis: EUR 49,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Produkt harter und großartiger Arbeit, 1. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Great Symphonies (Audio CD)
Beinahe 20 Jahre war der gebürtige New Yorker David Zinman Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich. Der Maestro und das Orchester haben diese Zeit genutzt. Aus einem Klangkörper mit solidem Renomée, das aber letztlich über die Grenzen der Schweiz hinaus nur bei absoluten Kennern einen Namen hatte ist mittlerweile eine führende Adresse geworden. Hauptverantwortlich dafür war sicherlich der spektakuläre Beethoven-Symphonienzyklus, den das Gespann Ende der 90er auf den Markt brachte. Straffe Tempi, markante Sforzati, eine große Liebe zur Transparenz, zur Nebenstimme und zum Detail in der Begleitung, nahezu polyphoner Beethoven. Das in einer Zeit, in der zwar Harnoncourt, Brüggen, Gardiner, Hogwood, Herreweghe und wen ich jetzt ungerechterweise alles vergesse bereits die Idee der historischen Aufführungspraxis auf dem Markt vertreten haben, in der sie aber durchaus noch nicht die Marktdurchdringung geschafft hatte, die sie heute hat. Zumal Zinman aus dem Tonhalle-Orchester kein Originalklangorchester gemacht hat - bis auf Blechbläser und Schlagwerk wurde auf "neuen" Instrumenten musiziert. Auch war Zinman nie ein originärer Vertreter der historischen Aufführungspraxis. Vielmehr zeigten sich Dirigent und Orchester einfach flexibel und offen für eine höchst intensive Auseinandersetzung mit den Partituren und dazu bereit, ihre bisherigen Sichtweisen zu hinterfragen. Wie im Booklet diese CD-Sammlung zu lesen ist, leistete Frans Brüggen durch Gastdirigate mit höchst intensiven Proben Starthilfe bei der Vorbereitung auf das Projekt.

Das Resultat ist heute aus meiner Sicht nach wie vor eine höchst empfehlenswerte Alternative auf dem nicht gerade kleinen Markt der Beethoven-Symphonien-Zyklen. Herausheben würde ich insbesondere die ersten beiden Symphonien, die Pastorale und die Neunte. Während ich bei den ersten beiden Järvi- Aufnahmen vorziehe, würde ich bei der Neunten die Zinman-Aufnahme fast schon als Referenz bezeichnen wollen - jedenfalls ist sie großartig gelungen. Da ich letztlich nicht nur den Beethoven-Zyklus rezensiere, sondern die gesamte Box möchte ich nicht zu tief ins Detail gehen - insgesamt ist der Beethoven-Zyklus großartig gelungen und kann sich auch noch trotz der teilweise großartigen Konkurrenz (Järvi, Dausgaard, Chailly) hören lassen. Fast noch mehr möchte die Aufmerksamkeit aber darauf lenken, dass mit Yefim Bronfman m.E. exquisite Aufnahmen der Klavierkonzerte und der viel zu helten aufgeführten und eingespielten Chorphantasie Op. 80 entstanden sind und mit dem großartigen Christian Tetzlaff Violinkonzert und Violinromanzen auf einem Niveau eingespielt wurden, dass sich trotz der zahlenmäßig sehr großen Konkurrenz behaupten kann. Ich finde, diese Aufnahmen haben in den letzten Jahren zu wenig Beachtung bekommen, sie sind exzellent.

Zinman und das Orchester hielten ihr Niveau, widmeten sich mit großen Erfolg so unterschiedlichen Komponisten wie Richard Strauss, Franz Schubert, Gustav Mahler, Robert Schumann, Johannes Brahms und in geringem Umfang Richard Wagner.

Zu Strauss und Mahler fehlt mir letztlich noch der ausreichende Zugang, um die Leistung des Tonhalle-Orchesters und die Zinmans beurteilen zu können. Hierüber mögen andere urteilen.

Die Brahms-Aufnahmen habe ich mir letztlich wohl auch noch nicht ausreichend oft angehört. Ein Problem, weswegen ich diese Aufnahmen zwar soweit gut, aber keineswegs herausragend finde ist für mich, dass ich bei Brahms letztlich doch gerne traditionelleren Großorchesterklang habe - Brahms verträgt einen dichteren "Streicherteppich" besser als Beethoven, ja bei Brahms erwarte ich diesen förmlich, wo er mich bei Beethoven eher stört.

Die Schubert-Aufnahmen fand ich ein wenig enttäuschend, wohl auch weil ich nach Zinmans Beethoven und Schumann gedacht hatte, er müsse ein exzellenter Schubert-Interpret sein, gerade mit diesem Orchester. Das Resultat ist anhörbar, gar keine Frage, Vorderfeld, aber auch wenn ich nach wie vor darauf warte, dass jemand Brüggens alten Schubert-Zyklus "überholt", an guten Einzelaufnahmen fehlt es mittlerweile auch jenseits von Großer C-Dur und "Unvollendeter" kaum noch (am ehesten bei Erster und Zweiter). Im Booklet ist zu lesen, Zinman sehe Schubert als großen Komponisten, sehe die großen Leistungen aber eher bei den Liedern und der Kammermusik. Mal davon abgesehen, dass mir dann die Motivation für einen Symphonien-Zyklus nicht klar wird, ärgert mich diese Äußerung auch. Ich bin weder Musiker, noch Dirigent oder Musikwissenschaftler, aber in meinen Ohren sind die Schubert-Symphonien absolute Meisterwerke. Dass Zinman nicht voll hinter dem Werk steht, meine ich den Interpretationen teilweise anzuhören. Schade!

Was die Mozart-Violinkonzerte betrifft, bin ich etwas unschlüssig: sie sind wirklich sehr gut anhörbar, das Orchester spielt klangschön, farbig, detailverliebt und mit dem schwungvoll-spritzigen Zugang, zu Mozart, den ich mir erhofft hatte. Was die Frage aufwirft: warum nur die Violinkonzerte und keine Symphonie-Aufnahmen? Aufnahmen der Violinkonzerte gibt es wie Sand am Meer. Natürlich fehlt es auch nicht gerade an Aufnahmen von Mozarts späten Symphonien, wobei gerade die Zwischenposition zwischen historischer Aufführungspraxis mit komplett alten Instrumenten und dem traditionellen Orchesterstil ist aus meiner Sicht in der Mozart-Diskographie noch erstaunlich unterrepräsentiert. Da gibt es Norrington mit dem SWR-Orchester, da gibt es Abbado mit dem Orchestra Mozart. Aber sonst verzweifle ich bei der Suche nach Mozart-Symphonie-Aufnahmen nach meinem Geschmack regelmäßig. Naja...kann nicht Zinmans Aufgabe zu sein, meine Sammlung zu komplettieren, aber wenn er mir schon so eine schöne Kostprobe gibt...
Die Violinkonzerte als solche zu beurteilen, fällt mir schwer. Pamela Frank spielt exzellent, aber es gibt so endlos viel Konkurrenz. Manchmal finde ich die Solistin etwas zu leise. Ihr Zugriff auf das Werk ist schnörkellos und sympathischerweise wenig effektgierig. Gut!

Die Aufnahmen von Haydns und Hummels Trompetenkonzert hätte ich persönlich nicht gebraucht, das gibt es bei Güttler, Balsom, Hardenberger, Helseth, Boldoczki usw. einfach besser.

Die Posaunenkonzert von den mir zuvor gänzlich unbekannten Ferdinand David und Georg Christoph Wagenseil bereiten mir große Freude: der Klang dieses wunderschönen Instruments solistisch plaziert ist einfach etwas wunderschönes, auch wenn die Kompositionen an sich jetzt eher "Durchschnittsklassik" sind.

Schließlich zu Schumann, denn hier ist Zinman ein weiterer Höhepunkt gelungen:
Bei Schumann gilt ähnliches wie bei Beethoven: Zinman kam zwar meines Wissens nach Gardiner, aber auch deutlich vor der mittlerweile sich entwickelnden Schumann-Welle. Zinmans Zugriff auf Schumann ähnelt dem Gardiners und hat mit dem Schumann-Bild früherer Tage wenig zu tun. Schumann wird weder als typischer Romantiker gesehen und seine Symphonien werden auch nicht als die tollpatschigen Versuche eines begabten Komponisten von Klaviermusik gesehen, der sich an Orchstermusik veruscht und "verhoben" hat - eine Sichtweise auf Schumann, die meines Wissens ihren Ursprung bei Gustav Mahler hat. Schumann wird man gerecht, wenn man die Orchestertraditionen, die vor allem Mahler und Wagner geprägt haben etwas zurückdreht. Zinman und dem Orchester ist dies exzellent gelungen. Wer die beste Frühlingssymphonie aufgenommen hat und wer die beste Vierte, darüber könnte man sich lange streiten: Gardiner, Dausgaard, Järvi, Sakari Oramo und unbedingt auch Leonard Bernstein sind aus meiner Sicht zu nennen. Zinman reiht sich hier mit den Zürcher ganz vorne ein.

Fazit: für denjenigen, der sich bei Beethoven, Mozart, Brahms, Schumann und Schubert auf starke Einflüsse der historischen Aufführungspraxis einlassen kann, ist dieses Box-Set insgesamt eine Goldgrube, vor allem was Beethoven und Schumann betrifft. Brahms und Schubert sind gut eingespielt worden. Zumal Mahler sollen sich andere äußern. Viel ausgezeichnete Musik zu einem vertretbaren Preis zum Abschied eines großartigen Dirigenten, der mit diesem phantastisch arbeitenden Orchester der Musikkultur einen großen Dienst erwiesen hat. Danke, Tonhalle-Orchester Zürich! Danke, David Zinman!


Die Zeit, die Zeit
Die Zeit, die Zeit
von Martin Suter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für Suters Verhältnisse langatmig, 3. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Zeit, die Zeit (Gebundene Ausgabe)
Der Schweizer Martin Suter ist für mich persönlich eine große Entdeckung gewesen. Vor ca. 5-7 Jahren las ich eine Rezension über einen Roman von ihm und begann daraufhin in Serie und mit großer Begeisterung seine Erzeugnisse zu lesen. Suter versteht es tatsächlich ernste Themen mit angemessener Tiefe und einer unnachahmlichen Lockerheit und Lesbarkeit zu behandeln. "Small World", "Die dunkle Seite des Mondes", "Der Teufel von Mailand" - für meinen Geschmack herrlich kurzweilige Romane.

Sein neuestes Buch "Die Zeit, die Zeit" habe ich mit großer Freude zufällig in einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckt und musste es natürlich sofort haben. Protagonist des Romans ist Peter Taler, ein Buchhalter ohne Leidenschaft für diesen Beruf. Eigentlich hat Taler überhaupt keine Leidenschaften mehr. Das einzige was ihn noch interessiert ist die Aufklärung des Mordes an seiner Freundin Laura. Verzweifelt versucht Taler zu rekonstruieren, was an jenem Abend geschehen ist, insbesondere da er der Meinung ist, irgend etwas relevantes habe sich seither im Umfeld des Hauses, das er bewohnt verändert und er kann nicht sagen was es ist. Die Spur des mysteriösen Unterschieds lässt ihn seinen Nachbarn Knupp beobachten, wobei er feststellt: dieser beobachtet ihn ähnlich intensiv. Knupp und Taler werden zwar in der Folgezeit nicht gerade Freunde, entdecken aber dass sie Schicksalsgenossen sind und verfolgen ein gemeinsamen Projekt. Mit gravierenden Folgen u.a. für Talers Grundauffassungen bezüglich grundlegender physikalisch-philosphischer Grundüberzeugungen.

Die Grundkonstellation dieses Romans ist ebenso originell wie interessant. Leider verheddert sich Suter bei der Entwicklung des Themas in einer Weise in Details, die das Buch abschnittsweise langatmig erscheinen lassen. Ewigkeiten wünscht man sich, es möge irgend etwas passieren, was die Handlung tatsächlich vorantreibt. Doch Spannung und Fahrt nimmt der Roman zwischendurch zwar zwischendurch einmal auf. Jedoch folgt auf dieses Zwischenhoch wieder eine gewisse Ödnis. Der Schluss ist meines Erachtens frech - für mich persönlich eher im positiven Sinne, wobei ich auch Leser verstehen könnte, die von einer regelrechten Frechheit sprechen würden.

Für Suters Verhältnisse ein mittelmäßiger Roman. Das heißt insgesamt ein guter Roman, aber sicher kein Muss.


Am Abend des Mordes: Roman (Gunnar Barbarotti, Band 5)
Am Abend des Mordes: Roman (Gunnar Barbarotti, Band 5)
von Håkan Nesser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellenter Roman, als Krimi solide, 13. Januar 2013
Mit "Am Abend des Mordes" legt der Schwedische Bestsellerautor Hakan Nesser Band 5 seiner Reihe um den Kriminalinspektor Gunnar Barbarotti vor. In meinen Augen handelt es sich dabei um das beste Buch dieser Reihe. Nicht das erste Mal bei Nesser glaube ich allerdings, dass die reinen Krimienthusiasten nicht voll auf ihre Kosten kommen, wohingegen die literarische Qualität des Buches als Roman aus meiner Sicht sehr hoch ist.

Zum Inhalt: ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass zu Beginn von "Am Abend des Mordes" die Frau von Inspektor Barbarotti, seine heißgeliebte Marianne, an einem Aneurisma verstirbt. Das wirft ihn emotional völlig aus der Bahn. Bei seiner Rückkehr zur Kriminalpolizei betraut ihn sein Chef Asunander mit einem vermeintlich unbedeutenden Fall, der seit Jahren als "aunaufgeklärt" in den Aktenschränken verdorrt. Es geht um das spurlose Verschwinden von Arnold Morinder, der 5 Jahre zuvor von einem Einkauf an einer Tankstelle nicht mehr zurückgekehrt. Zunächst wird seine Partnerin, Ellen Bjarnebo, verdächtigt, da sie 1989 wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt wurde. Doch war ihr was Morinder betrifft nichts nachzuweisen, zu viele Fragen blieben offen, so dass die Ermittlungen gegen sie eingestellt wurden. Doch Morinder blieb verschwunden. Barbarotti ermittelt zunächst lustlos, findet aber nach und nach immer mehr Interesse an dem Fall, insbesondere da er auf eine Reihe von Ungereimtheiten stößt und vor allem auf nachlässige Ermittlungsarbeit seiner Vorgänger.

Wie gesagt: über Originalität, Spannung, Nachvollziehbarkeit und damit die Qualität der Kriminalhandlung dieses Buches könnte man sich meines Erachtens lange streiten. Nicht dass eine plumper, schlechter Krimi von Nesser vorgelegt worden wäre. Der Autor versteht sein Handwerk durchaus, aber wenn man das Buch als reinen Krimi liest hat meiner Meinung nach doch seine Längen und was schlussendlich vorliegt ist ordentlich, aber es gibt Tausende Krimis, die auf gleichem Niveau sind.
Was "Am Abend des Mordes" für mich zu einem großen Lesevergnügen machte sind daher auch weniger krimispezifische Qualitäten als vielmehr allgemein literarische. Ich finde, Nesser geht sehr einfühlsam und liebevolle mit seinen Protagonisten um. Es sind sensible Portraits, die hier von Gunnar Barbarotti, seiner Kollegin und engen Freundin Eva Backmann und Ellen Bjarnebo, der "Schlächterin" gezeichnet werden. In Rückblenden beleuchtet der Autor immer wieder in die eigentliche Handlung eingestreut, was sich 1989 und schließlich 2007 tatsächlich abgespielt hat und warum es so kam. Wie Gunnar Barbarotti von seiner Trauer belastet und schlussendlich mit ihr umgeht wird aus meiner Sicht derart klug und lebensnah geschildert, dass ich zwischendurch mal überlegt habe meinen Psychotherapie-Patienten, die eine Trauersituation zu bewältigen haben zur Lektüre dieses Krimis zu raten. Ich bin schlussendlich davon abgekommen, da das Thema schlussendlich doch sehr auf Barbarotti zugeschnitten behandelt wird. Aber dennoch: es ist extrem gut gemacht, denke ich. Ansonsten: ich lese Nesser einfach gerne. Die kleinen ironischen Bemerkungen, die er (und sein Übersetzer) ständig irgendwo unterbringen, kleine lustige Skurilitäten, die sich durch die Handlung ziehen, das macht einfach Spaß es zu lesen, weil es nicht nur irgendwie auf Klamauk aus ist, sondern einfach die Atmosphäre zwischendurch immer auflockert. Auch die Mischung zwischen ernsten und heiteren Passagen bzw. Passagen, die beides enthalten, machen dieses Werk zu einem typischen Nesser und damit zu einem exzellenten Buch. Nesser hat angekündigt, Barbarotti seiner Wege ziehen zu lassen, so dass es keine Fortsetzung geben wird. Das ist schade. Ich finde, gerade jetzt haben Nesser und seine Hauptfigur erst so richtig zueinander gefunden. Aber gut, vielleicht gilt der gute alte Spruch, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich bin gespannt was danach kommt!


Wiener Philharmoniker - Neujahrskonzert 2013
Wiener Philharmoniker - Neujahrskonzert 2013
DVD ~ Franz Welser-Möst
Preis: EUR 20,99

17 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Sternstunde, 10. Januar 2013
Mit dem gebürtigen Linzer Franz Welser-Möst wurde ein Mann Nachfolger Seiji Ozawas als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, den ich, ohne das irgendwie despektierlich zu meinen, als braven Handwerker bezeichnen möchte. Herr Welser-Möst ist sicherlich kein großer Charismatiker und kein Dirigent, der einem Konzert einen großen Glamourfaktor hinzufügen würde. Mit dem alljährlich stattfindenden Neujahrskonzert sind die Wiener Philharmoniker Mittelpunkt eines Ereignisses, das "beinahe" oder sogar real(?) ein Millardenpublikum anzieht, mithin einem der populärsten Ereignisse der klassischen Musikwelt. Sofern Sie mir bei dem oben über ihn gesagten zustimmen ergibt sich daraus, dass Franz Welser-Möst als Dirigent des Neujahrskonzerts nur bedingt geeignet ist. Bei seinem ersten Auftritt im Jahr 2011 wirkte der Maestro auch gehemmt, die "Spaß-Einlagen" wirkten doch arg bieder, das Programm war relativ unspektakulär, das Dirigat solide, ohne irgendwelche Glanzlichter zu setzen.

Wie war es 2013? Aus meiner Sicht präsentierte sich Welser-Möst deutlich verbessert, wirkte lockerer und fröhlicher. Was das Programm betrifft, so kann man geteilter Meinung sein. Wenn wir uns die Neujahrskonzerte der letzten 5 Jahren ins Gedächtnis rufen ragen aus meiner Sicht die Auftritte des Franzosen Georges Prêtre deutlich heraus. Seine Programme enthielten sowohl 2008 als auch 2010 eine Vielzahl an Neuheiten bzw. selten gespielten Stücken, die es wirklich wert waren gespielt zu werden und auch von den Evergreens der "Sträuße" wurden einige herausgegriffen und sehr geschmackvoll dargeboten. Diesem Maßstab wurde Welser-Möst meines Erachtens nicht gerecht. Dennoch finde ich, dass die Programmauswahl dieses Mal weitaus gelungener und ausgewogener war als im Jahr 2011. Dass Wagner und Verdi gehuldigt wurde, war nun keine große Überraschung, die dabei gewählten Stücke waren nicht sonderlich originell, fügten sich aber gut ins Programm ein. Insgesamt hätten es vielleicht ein paar "Evergreens" mehr sein dürfen bzw. fehlte Welser-Möst bei der Auswahl der seltener oder noch nie gewählten Stücke etwas das Fortune, das z.B. Prêtre seinerzeit hatte, aber das Programm erschien mir insgesamt gut gewählt.

Was das Dirigat betrifft, so wirkte Welser-Möst auf mich längst nicht so verkrampft wie 2011. Seine sehr elegante und präzise Schlagtechnik kam weitaus besser zur Geltung. Ihn interpretatorisch zu bewerten erscheint schwer, da viele der Stücke, die dieses Jahr gespielt wurden, erstmals auf dem Programm standen. Bei den Sphärenklängen von Josef Strauß habe ich mal einen Vergleich mit Karajans Neujahrskonzert 1987 gewählt und fand, jenseits klanglicher Unterschiede, die größtenteils auf den Altersunterschied der Aufnahmen zurückzuführen sein dürften erstaunlich wenige Unterschiede. Welser-Möst dirigierte in tendenziell gleichförmigem Zeitmaß, während Karajan langsame Passagen langsamer und schnellere etwas schneller spielen ließ. Einen großen Effekt konnte ich allerdings nicht feststellen. Insgesamt präsentierte sich Welser-Möst als "Mann der Mitte", weder sonderlich hohe noch extrem niedrige Tempi wählend. Die klanglichen Möglichkeiten des opulenten Orchesterapparates nutzte er aus, ohne in Dröhnen oder Lärmen zu verfallen (auch z.B. beim Radetzky-Marsch nicht), Details gingen nicht unter, wobei ich dennoch nicht davon sprechen wollen würde, dass Welser-Möst sehr auf Durchhörbarkeit geachtet hätte. Insgesamt eine souveräne, schwer zu charakterisierende Leistung. Braucht man mehr beim Neujahrskonzert? Insgesamt hat es mir Freude bereitet zuzuschauen und zu -hören, wobei es für mich jetzt auch nicht das Großereignis war, wo ich mir gedacht habe: daran wirst du dich in vielen Jahren noch gut erinnern.

Gesamturteil: Weltspitzenorchester, guter Dirigent, tolle Musik, tolle Bild- und Tontechnik, also natürlich 5 Sterne und bedingungslose Kaufempfehlung? Im Prinzip: ja. Das große ABER kommt daher, dass das Weltspitzenorchester die tolle Musik jedes Jahr aufführt und die Bild- und Tontechniker auch schon länger gute Arbeit leisten. Angesichts der Konkurrenz muss ich dann einfach doch etwas abziehen. Wer braucht die DVD? Banalerweise wer möglichst alle Neujahrskonzerte, die auf DVD erschienen sind, haben will. Wer sich nicht bei einer großen Kompletteinspielung oder Sammlung der Musik der Familie Strauß bedienen will, sondern möglichst alles von den Wiener Philharmonikern haben will und hier das Repertoire ergänzen möchte. Wer braucht sie nicht? Meiner Meinung nach gibt es besseres, wenn Sie auf der Suche nach z.B. den Top 5 der Neujahrskonzerte suchen, da würde ich persönlich die beiden Auftritte von Kleiber (1989, 1992), Prêtre (2008 und 2010) und den Auftritt Karajans (1987) ins Kalkül ziehen und unter den Alternativen käme Welser-Möst erst sehr spät in meiner Aufzählung. Es war keine Sternstunde, wobei ich es auch irgendwie inadäquat finde für ein Produkt dieser Qualität nur 1 Stern zu vergeben. Kann man geteilter Meinung sein - die Sterninflation bei Amazon ist manchmal auch nicht unproblematisch, aber Orchester, Komponisten und Bild- und Tonqualität allein schon stehen für Minimum 3 Sterne.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2013 11:31 PM CET


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Preis: EUR 8,97

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3.0 von 5 Sternen Verbessert, unspektakulär, ordentlich, 10. Januar 2013
Mit dem gebürtigen Linzer Franz Welser-Möst wurde ein Mann Nachfolger Seiji Ozawas als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, den ich, ohne das irgendwie despektierlich zu meinen, als braven Handwerker bezeichnen möchte. Herr Welser-Möst ist sicherlich kein großer Charismatiker und kein Dirigent, der einem Konzert einen großen Glamourfaktor hinzufügen würde. Mit dem alljährlich stattfindenden Neujahrskonzert sind die Wiener Philharmoniker Mittelpunkt eines Ereignisses, das "beinahe" oder sogar real(?) ein Millardenpublikum anzieht, mithin einem der populärsten Ereignisse der klassischen Musikwelt. Sofern Sie mir bei dem oben über ihn gesagten zustimmen ergibt sich daraus, dass Franz Welser-Möst als Dirigent des Neujahrskonzerts nur bedingt geeignet ist. Bei seinem ersten Auftritt im Jahr 2011 wirkte der Maestro auch gehemmt, die "Spaß-Einlagen" wirkten doch arg bieder, das Programm war relativ unspektakulär, das Dirigat solide, ohne irgendwelche Glanzlichter zu setzen.

Wie war es 2013? Aus meiner Sicht präsentierte sich Welser-Möst deutlich verbessert, wirkte lockerer und fröhlicher. Was das Programm betrifft, so kann man geteilter Meinung sein. Wenn wir uns die Neujahrskonzerte der letzten 5 Jahren ins Gedächtnis rufen ragen aus meiner Sicht die Auftritte des Franzosen Georges Prêtre deutlich heraus. Seine Programme enthielten sowohl 2008 als auch 2010 eine Vielzahl an Neuheiten bzw. selten gespielten Stücken, die es wirklich wert waren gespielt zu werden und auch von den Evergreens der "Sträuße" wurden einige herausgegriffen und sehr geschmackvoll dargeboten. Diesem Maßstab wurde Welser-Möst meines Erachtens nicht gerecht. Dennoch finde ich, dass die Programmauswahl dieses Mal weitaus gelungener und ausgewogener war als im Jahr 2011. Dass Wagner und Verdi gehuldigt wurde, war nun keine große Überraschung, die dabei gewählten Stücke waren nicht sonderlich originell, fügten sich aber gut ins Programm ein. Insgesamt hätten es vielleicht ein paar "Evergreens" mehr sein dürfen bzw. fehlte Welser-Möst bei der Auswahl der seltener oder noch nie gewählten Stücke etwas das Fortune, das z.B. Prêtre seinerzeit hatte, aber das Programm erschien mir insgesamt gut gewählt.

Was das Dirigat betrifft, so wirkte Welser-Möst auf mich längst nicht so verkrampft wie 2011. Seine sehr elegante und präzise Schlagtechnik kam weitaus besser zur Geltung. Ihn interpretatorisch zu bewerten erscheint schwer, da viele der Stücke, die dieses Jahr gespielt wurden, erstmals auf dem Programm standen. Bei den Sphärenklängen von Josef Strauß habe ich mal einen Vergleich mit Karajans Neujahrskonzert 1987 gewählt und fand, jenseits klanglicher Unterschiede, die größtenteils auf den Altersunterschied der Aufnahmen zurückzuführen sein dürften erstaunlich wenige Unterschiede. Welser-Möst dirigierte in tendenziell gleichförmigem Zeitmaß, während Karajan langsame Passagen langsamer und schnellere etwas schneller spielen ließ. Einen großen Effekt konnte ich allerdings nicht feststellen. Insgesamt präsentierte sich Welser-Möst als "Mann der Mitte", weder sonderlich hohe noch extrem niedrige Tempi wählend. Die klanglichen Möglichkeiten des opulenten Orchesterapparates nutzte er aus, ohne in Dröhnen oder Lärmen zu verfallen (auch z.B. beim Radetzky-Marsch nicht), Details gingen nicht unter, wobei ich dennoch nicht davon sprechen wollen würde, dass Welser-Möst sehr auf Durchhörbarkeit geachtet hätte. Insgesamt eine souveräne, schwer zu charakterisierende Leistung. Braucht man mehr beim Neujahrskonzert? Insgesamt hat es mir Freude bereitet zuzuschauen und zu -hören, wobei es für mich jetzt auch nicht das Großereignis war, wo ich mir gedacht habe: daran wirst du dich in vielen Jahren noch gut erinnern.

Gesamturteil: Weltspitzenorchester, guter Dirigent, tolle Musik, tolle Tontechnik, also natürlich 5 Sterne und bedingungslose Kaufempfehlung? Im Prinzip: ja. Das große ABER kommt daher, dass das Weltspitzenorchester die tolle Musik jedes Jahr aufführt und die Tontechniker auch schon länger gute Arbeit leisten. Angesichts der Konkurrenz muss ich dann einfach doch etwas abziehen. Wer braucht die CD? Banalerweise wer möglichst alle Neujahrskonzerte haben will. Wer sich nicht bei einer großen Kompletteinspielung oder Sammlung der Musik der Familie Strauß bedienen will, sondern möglichst alles von den Wiener Philharmonikern haben will und hier das Repertoire ergänzen möchte. Wer braucht sie nicht? Meiner Meinung nach gibt es besseres, wenn Sie auf der Suche nach z.B. den Top 5 der Neujahrskonzerte suchen, da würde ich persönlich die beiden Auftritte von Kleiber (1989, 1992), Prêtre (2008 und 2010) und den Auftritt Karajans (1987) ins Kalkül ziehen und unter den Alternativen käme Welser-Möst erst sehr spät in meiner Aufzählung. Es war keine Sternstunde, wobei ich es auch irgendwie inadäquat finde für ein Produkt dieser Qualität nur 1 Stern zu vergeben. Kann man geteilter Meinung sein - die Sterninflation bei Amazon ist manchmal auch nicht unproblematisch, aber Orchester, Komponisten und Tonqualität allein schon stehen für Minimum 3 Sterne.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 23, 2013 5:32 PM CET


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