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Buchdoktor
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Der nächste Kalte Krieg: China gegen den Westen
Der nächste Kalte Krieg: China gegen den Westen
von Wolfgang Hirn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konkurrenz um knappe Rohstoffe, Wasser und Lebensräume, 25. April 2013
Wolfgangs Hirn Blick in die Zukunft klingt düster, wenn er zwischen China und den von wirtschaftlich und politisch schwachen USA angeführten Staaten des Westens Kriege prophezeit um Rohstoffe, Wasser, Technologien, die Meere und die Kontrolle des Internets. Vor fast einem Jahrzehnt schon warnte Hirn mit Herausforderung China: Wie der chinesische Aufstieg unser Leben verändert seine Leser davor, es sich zu bequem zu machen mit der Klischeevorstellung eines Landes, das höchstens Entwicklungen anderer abkupfern könne. Hirn spann die sich bereits abzeichnende Entwicklung überspitzt weiter zu einer Zukunft mit China als führender Wirtschaftsmacht und einem beschaulichen Themenpark Europa, in dem wohlhabende Chinesen ihren Urlaub verbringen würden. Hirn appelliert nun erneut an die Deutschen, vom hohen Ross herunterzusteigen (S. 93), ihr überholtes Chinabild aufzupolieren und sich der Realität zu stellen. Angesichts des Säbelrasselns im südchinesischen und ostchinesischen Meer sieht Hirn Europa sogar in der Verpflichtung, in Asien nicht allein als Händler sondern aktiv als Verhandlungsführer für die kooperative Lösung von Konflikten zu sorgen. Voraussetzung für eine Vermittlerrolle wäre eine deutsche Chinapolitik, die diesen Namen verdient. Laut Hirn hat die bei deutschen Politikern beliebte Phrase vom "Wandel durch Handel" ausgedient. China hat sich trotz blühender Wirtschaftsbeziehungen zum Westen bisher nicht demokratisiert; warum es das auch zukünftig nicht tun wird, legt der Autor schlüssig dar.

Wolfgang Hirn liefert eine ernüchternde Bestandaufnahme. Als größter Inhaber amerikanischer Staatsanleihe ist China heute mächtigster Gläubiger der USA und das Pentagon soll bereits Planspiele betreiben, wie ein Finanzkrieg zwischen China und den USA verlaufen könnte. Angesichts einer Sparquote im Land von rund 50% spielt bei chinesischen Investitionen Geld keine Rolle. In der Dritten Welt hat sich China inzwischen zum einflussreichsten Kreditgeber entwickelt, mächtiger als die Weltbank; denn das Riesenreich knüpft anders als westliche Staaten an die Kreditvergabe offiziell keine Bedingungen. Hirns Darstellung der jüngsten chinesisch-afrikanischen Beziehungen könnte irrtümlich den Anschein erwecken, chinesische Kaufleute würden selbstlos bedürftige afrikanische Staaten unterstützen, denen der Westen mit Forderungen nach Demokratisierung im Nacken sitzt. Doch die neuen Achsen der Weltwirtschaft von China nach Afrika und nach Brasilien entstehen stets strategisch ausgeklügelt in der Nähe bisher unausgebeuteter Rohstoffvorkommen und an Handelsrouten, die der neue Kolonialherr China im Interesse ungehinderter Rohstoffimporte gesichert sehen möchte.

In Deutschland wird es laut Wolfgang Hirn zunehmend Beteiligungen und Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Unternehmen geben. Deutschlands Spitzenposition im Maschinenbau und im Automobilbau sieht Hirn von chinesichen Konkurrenten mit ihren exzellent ausgebildeten Mitarbeitern bedroht. Obwohl die Chinesen die Fertigungsqualität von 50% auf 75% des deutschen Niveaus gesteigert hätten, wolle der Westen noch immer nicht wahrhaben, dass die technologische Lücke zwischen China und Europa ständig schmaler wird.

Aktivitäten direkt vor der Haustür der Europäer, wie der Neubau einer Autofabrik in Ungarn oder der Ausbau des Hafens von Piräus durch Cosco, scheinen hierzulande niemanden zu interessieren. Hirn hält es für höchste Zeit, das generalstabsmäßige Vorgehen des chinesischen Staates, chinesischer Banken und Unternehmen zur Sicherung von Marken, Märkten, Rohstoffen und Technologien zur Kenntnis zu nehmen. Die Dominanz von privilegierten Staatsunternehmen in Schlüsselindustrien und der planvolle Kauf wichtiger Rohstoffvorkommen durch machtvolle Konglomerate im Staatsbesitz Chinas signalisierten laut Hirn die aussichtslose Lage westlicher Marktwirtschaften, die staatliche Rohstoffpolitik noch immer für unvereinbar mit ihren Wirtschaftsystemen halten.

Neben einem drohenden militärischen Konflikt in Südostasien u. a. um Rohstoffvorkommen nennt Hirn denkbare regionale und weltweite Konflikte um Wasser, die Ausbeutung der Ozeane, des Weltraums und der Arktis. Ob es um mögliche neue Schiffahrtswege durch den Klimawandel, die Luft- und Raumfahrt, Gentechnik (frei von ethisch begründeten Beschränkungen) oder ein bezahlbares Elektroauto produziert in goßen Stückzahlen geht, China zeigt sich in allen Bereichen perfekt vorbereitet.

Der eilige Leser kann sich bei Wolfgang Hirn zügig informieren. Der Autor wertet, prägnant formuliert, aktuelle Meldungen und Meinungen der vergangenen beiden Jahre aus. Für Hirn ist ein Glas stets halb gefüllt, nicht halb leer. Aktuelle Trends in die Zukunft fortzudenken liegt ihm deutlich stärker als Kritik an den Schattenseiten dieser Entwicklungen zu üben. Wenn Hirn euphemistisch umschreibt, dass es in China derzeit n o c h kaum Umweltbewusstsein gibt, oder die Vorteile des chinesischen Staatskapitalismus für die neue Mittelschicht (auf Kosten weniger gut gestellter Bevölkerungsschichten) lobt, erkenne ich in seiner parteilichen Sicht wenig Unterschied zur Sichtweise jener Politiker, die noch immer auf Wandel durch Handel hoffen.

Rettet die Neugier!: Gegen die Akademisierung der Kindheit
Rettet die Neugier!: Gegen die Akademisierung der Kindheit
von Salman Ansari
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die erfolgreichste frühkindliche Förderung ist das Gespräch, 23. April 2013
"Es gibt kaum mehr ein Elternpaar, das sein Kind nicht für besonders förderungswürdig hält", beklagt Salman Ansari den derzeitigen Frühförderwahn. Aus einem wissbegierigen Kindergartenkind würde jedoch zum Ende der Grundschulzeit zu oft ein enttäuschter Schüler mit Versagensängsten. Studienanfängerzahlen zeigen, dass das im internationalen Vergleich geringe naturwissenschaftliche Interesse deutscher Schüler durch ein paar zusätzliche Experimente in Kitas und Kindergärten bisher nicht zu steigern war. Der Lernpädagoge kritisiert an den bisher halbherzigen Förderaktionen, dass der Dialog mit den Kindern dabei viel zu kurz kommt, das Weltbild von Kindern und die kindliche Logik kaum berücksichtigt würden. Bevor Kinder nicht beim Krabbeln, Laufen oder in der Natur Erfahrungen mit den unbewussten physikalischen Abläufen ihrer Bewegungen sammeln und eigene Vorstellungen formulieren können, warum manche Dinge sind wie sie sind, sei ein zeitliches Vorziehen von Schulstoff in die Kindergartenzeit sinnlos. Das vorzeitige Behandeln von Grundschulstoff mit Dreijährigen sieht Ansari äußerst kritisch, weil er den Großteil der bisher eingesetzten Fragestellungen für die Altersgruppe für ungeeignet hält. Unnützes Wissen oder Wissen im ungeeigneten Moment mache geistig unbeweglich. Kinder sollen laut Ansari nicht einüben und als Wissensvorrat für die Schule speichern, was Erwachsene als Antwort auf Fragen Erwachsener erwarten, sondern selbst nach Lösungen suchen lernen und ihr neu entdecktes Wissen mit ihren bisherigen Vorstellungen selbst vernetzen. Erwachsene hätten gegenüber Kinderfragen allein die Moderatorenrolle einzunehmen. Virtuelle Erfahrungen schalten dialogische Lernprozesse aus, warnt der Naturwissenschaftler übereifrige Eltern. Schnellen, wissenschaftlich korrekten Antworten wäre in der naturwissenschaftlichen Frühförderung zu misstrauen; denn unsere Gesellschaft bräuchte weniger Wissende und mehr flexibel reagierende Menschen, die schöpferisch gestalten wollen.

Eltern, die die unmitelbare Umgebung für ihre Kinder als gefährlich erleben und falsch einschätzen, was ihre Kinder bereits allein bewältigen können, seien zur Zeit eines der größten Hindernisse für den natürlichen kindlichen Forscherdrang, so der Autor. Dass nicht das Experimentieren an sich im Mittelpunkt der Förderung naturwissenschaftlichen Denkens stehen sollte, sondern der Austausch mit anderen Kindern über deren Vorstellungen von unserer Welt, zieht sich wie ein roter Faden durch Ansaris Buch. Eine typische Ansari-Aktivität besteht folgerichtig darin, eine Frage zum Forschungsgegenstand zu erklären, die Kinder interessiert, und Kinder die Fragestellung mit ihren Fähigkeiten untersuchen zu lassen. Welches Kind einer Gruppe kann am weitesten springen? Tritt dieses Ergebnis in allen Gruppen auf? Gibt es persönliche Merkmale als Grund dafür? Ansari setzt in seinen Workshops Wasser, Sand und Trockenartikel wie Bohnen ein. Gefragt ist in seinen Kindergruppen der Einsatz des ganzen Körpers, bei dem Kinder auch nass oder schmutzig werden können. Ansaris meist altersübergreifende Fördermaßnahmen unterscheiden sich von den üblichen Bildungsplänen durch seine aufrichtige Zuwendung den Kindern gegenüber und die Muße, mit der seine Teilnehmer experimentieren und beobachten können. Ansari bot seine Anregung zum naturwissenschaftlichen Denken in Gruppen ganztags fremdbetreuter Kinder an. Viele seiner Fragestellungen eignen sich nicht für Zuhause, weil sie sich an Gruppen richten oder recht aufwändig sind. Trotzdem wünsche ich mir, dass wieder mehr Gespräche mit Kleinkindern über Marienkäfer oder Regenwürmer in den Familien geführt und nicht automatisch an Betreuungsinstitutionen delegiert werden. Sehr beeindruckend in diesem Zusammenhang Ansaris erste Erinnerungen an die Käferstudien seines Bruders!

Eindrucksvoll legt Ansari dar, dass man es mit frühkindlicher Förderung sehr wohl übertreiben kann. So weigerte sich eine Kindergruppe beharrlich, mit ihm über "Luft" zu sprechen, weil das Thema ihrer Ansicht nach in der Kita schon abgehakt worden war (S. 188/189). Bildungspolitikern sollte zu denken geben, wenn der Autor berichtet, wie sich Hauptschüler von Schülern anderer Schultypen bei den Aktivitäten nicht in ihrer Intelligenz unterschieden, sondern in ihrem auffallend geringen Selbstbewusstsein und ihrem Unglauben, dass sich jemand aufrichtig für ihre Gedanken interessieren könnte.

Ansaris lebenskluges Buch lässt sich auch von pädagogischen Laien zügig lesen. Eltern sollten sich von Salman Ansari ermutigt sehen, sich wieder stärker auf ihren gesunden Menschenverstand zu verlassen, Kindern ihr eigenes Entwicklungstempo zuzugestehen und sich selbst für die Sprachentwicklung als Grundlage jedes weiteren Lernens zuständig zu fühlen. Wer, verunsichert von der Frühförderwelle, fürchtet, das eigene Kind könnte etwas verpassen, dem lege ich besonders das letzte Kapitel ans Herz. Salman Ansari konzentriert sich darin mit großer Wertschätzung für die Arbeit im Kindergarten auf das wirklich Wichtige, die Gemeinschaft, in der Kinder lernen andere zu respektieren und Anteil an deren Gedanken zu nehmen.

Der Himmel über Greene Harbor
Der Himmel über Greene Harbor
von Nick Dybek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Coming-of-Age-Roman, 21. April 2013
Der alte John Gaunt war zu früh gestorben, hieß es unter den Fischern auf Loyalty Island, einer fiktiven Landzunge der Olympic-Halbinsel. John gehörte alles im Ort, die Fischkutter, die Ausrüstung, das Kühlhaus und die Fanglizenzen für Riesenkrabben, die die Männer in den Wintermonaten vor Alaska fingen. Mit einem guten Fang an Riesenkrabben konnte ein Mann sehr viel Geld verdienen - und setzte dafür sein Leben ein. Der Winter stand vor der Tür und John hatte keinen Nachfolger. Sein Sohn Richard war zwar schon fast dreißig Jahre alt, hatte aber noch nie einen Fuß auf das Deck eines Kutters gesetzt. Falls John, selbst Sohn eines Selfmade-Mans, einen Plan für seine Nachfolge gehabt haben sollte, hat er mit seinen Männern jedenfalls nicht rechtzeitig darüber gesprochen. Wie viele erfolgreiche Unternehmer kann er sich vermutlich schwer vorstellen, dass ein erfahrener Mitarbeiter die Geschäfte erfolgreicher weiterführen wird als sein leiblicher Sohn. Cal, der Erzähler der Ereignisse, war im Winter von John Gaunts Tod 14 Jahre alt. Seit früher Kindheit erlebt er den Zyklus vom Auslaufens der Boote zu Winteranfang in die Beringsee, die Angst der Angehörigen um Leben und Gesundheit der Fischer und das wiederkehrende Fremdeln in den Familien, wenn die Männer nach ihrer Rückkehr an Land erst wieder Fuß fassen müssen. Die Krise der Ehe seiner Eltern spürt Cal deutlich. Cals Mutter will auf keinen Fall, dass ihr Sohn Fischer wird wie sein Vater - und der sieht sich, verständlich, davon abgewertet. In diesem Jahr beginnt die Fangsaison mit der ungelösten Frage, ob Richard womöglich alles an die Japaner verkaufen und der gesamte Ort ohne Einkommen bleiben wird. Cals Mutter verschwindet in ihre alte Heimat Florida; Cal soll nicht allein im Haus bleiben und wird den Winter in der Familie seines Freundes Jamie verbringen. Die Väter der Jungen hatten Erwachsensein in ihren Anekdoten stets mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Wer kräftig genug war, mit dem Vater nach Alaska zu fahren, war ihrer Ansicht nach für das Leben gerüstet. Doch die Existenz bedrohende Nachfolgefrage um Richard Gaunt zeigt den Jungen, dass zum Erwachsenenleben offenbar mehr gehört als Erfahrung auf See. Mit dem Originaltitel "When Captain Flint Was Still a Good Man" begannen stets die Geschichten, die sich Cals Vater zusätzlich für die Helden der Schatzinsel ausdachte. Die Zeit, in der Vater und Sohn miteinander reden konnten, scheint vorbei zu sein. Dabei wäre es wichtig, dass Cal herausfindet, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Cal und Jamie haben in diesem Winter ohne ihre abwesenden Väter kräftig zu kämpfen mit der Lösung bedeutender moralischer Fragen, während sie rauchend auf dem Dach vor Jamies Zimmerfenster hocken.

Fazit
Nick Dybek legt einen beeindruckend erzählten Roman über Väter, Söhne, ihre Helden und das Geschichtenerzählen vor. Wer in der recht kurzen Geschichte vom Thema Fischerei und der idyllischen Lage des Ortes nicht zuviel erwartet, wird mit einer großartigen Coming-of-Age-Geschichte belohnt, die das Interesse an weiteren Büchern des Autors weckt.

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"Seine [Richards] Geschichten waren Berichte aus einem Leben, dem wir nie begegnet waren. Das lag nicht etwa daran, dass sie aufregender oder dramatischer waren als die Geschichten unserer Väter über Alaska, aber die Alaska-Geschichten waren grau und durchnässt von eisigem Schleim. Sie ließen uns keuchen, aber nicht lächeln, und die Männer, die sie erzählten, lächelten - wenn überhaupt - nur, wenn sie uns keuchen hörten.

Richards Geschichten sagten uns etwas anderes: Es gibt viele Arten, sein Leben zu führen. Ich weiß das jetzt, aber wusste ich es damals? Offensichtlich war mir klar, dass es für mich ein Leben jenseits von Loyalty Island geben könnte. Ich hatte nur keine Ahnung, wie anders die Welt auf der anderen Seite des Puget Sound und des Kaskadengebirges aussah. Mir war nicht klar, was es bedeutete, in Loyalty Island zu bleiben und mir einen Platz auf den Schiffen bei meinem Vater zu erarbeiten. Es hieß nicht etwa, alles erreicht zu haben - es bedeutete vielmehr, unermesslich viel zu verpassen." (S. 216)

In Broad Daylight
In Broad Daylight
von Seth Harwood
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Atmosphäre top, Plot und Figuren so lala, 18. April 2013
Rezension bezieht sich auf: In Broad Daylight (Taschenbuch)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Jessica Harding hatte vor Jahren in Alaska erfolglos gegen einen Serientäter ermittelt und war anschließend in San Francisco tätig. Nun ist sie zur Unterstützung der Kollegen vor Ort zurückgekehrt. Der Blick einer außenstehenden Person oder auch der Blick einer Frau in einem reinen Männerteam könnte die Ermittlungen voranbringen. Der Täter ist in den hellen Sommernächten im Juni aktiv, wenn die Sonne in Alaska erst gegen Mitternacht untergeht. Man fragt sich, wie er immer wieder unbeobachtet tätig werden kann, während die Menschen bis spät in die Nacht den kurzen Sommer nutzen. Das neuestes Opfer lebte in einem Appartement, das dem verblüffend ähnelt, das Jessica damals gemietet hatte. Der Täter kennt die Ermittlerin offenbar genau und hat die tote junge Frau gezielt als Botschaft für sie am Tatort drapiert. Nicht ungewöhnlich für eine Region, in der gefischt und gejagt wird, kann der Serienmörder offenbar geschickt mir sehr scharfen Messern umgehen. Jessica lässt die Chance verstreichen, sich wegen der Nähe des Täters zu ihr von dem Fall abziehen zu lassen oder sich professionelle Unterstützung zu holen. Zusammen mit dem Berufsanfänger und Alsaka-Greenhorn Martinez ermittelt sie unter recht speziellen Umständen im nördlichsten Staat der USA. Die zurückzulegenden Fahr-Strecken sind lang, öde und mit rigider Geschwindigkeitsbeschränkung versehen und die Einheimischen zeigen geringe Begeisterung, mit der Polizei zu kooperieren. Als Jessica sich eingestehen muss, dass der Täter ihr bereits viel zu nahe gekommen ist, entschließt sie sich zu einem folgenschweren Alleingang.

Der Kampf einer arbeitssüchtigen Alphafrau gegen einen perversen Serientäter hat mich als konventionelle Krimikost hauptsächlich durch die atmosphärische Schilderung Alaskas unterhalten. Polizeiarbeit wird durch exakt definierte Routinen und Hierarchien bestimmt, Jessicas filmreife Alleingänge ohne Abstimmung mit Team und Ermittlungsleiter wirken selbst für eine abgelegene Gegend wie Alaska nicht glaubwürdig.

Tödliche Hoffnung: Kriminalroman
Tödliche Hoffnung: Kriminalroman
von Tove Alsterdal
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Taffe Ermittlerin auf der Spur von Menschenhändlern, 17. April 2013
Patrick Cornwall hatte von der ganz großen sozialkritischen Reportage geträumt, die ihm berufliche und finanzielle Anerkennung einbringen würde. Als seine Frau Ally, die in New York als Bühnenbildnerin arbeitet, realisiert, dass sie endlich schwanger ist, hat Patrick sich schon seit 10 Tagen nicht mehr von seiner Recherchereise nach Paris gemeldet. Ally ist schockiert: Patrick hat nicht wie behauptet einen Auftraggeber, der ihm einen Vorschuss zahlt, sondern er hat einen großen Teil der Ersparnisse des Paares für das Baby abgehoben. Ally reist auf Patricks Spur nach Paris, durch dessen Recherche-Notizen darin bestärkt, dass ihr Mann den Hintermännern im Menschenschmuggel zwischen Afrika und Europa auf der Spur war. Das wirklich große Geld wird mit der unbezahlten Arbeit verdient, mit der die Einwanderer ohne Papiere die angeblichen Kosten ihrer Überfahrt abdienen müssen. In weiteren Handlungssträngen erreicht eine Afrikanerin als einzige Überlebende aus einem Boot illegaler Einwanderer die spanische Küste und eine junge Touristin findet, ausgeraubt nach einer Liebesnacht, am Strand von Tarifa einen toten Mann.

Patrick hat sich mit Gegnern angelegt, die vor nichts zurückschrecken. Doch auch Ally, die in einem anderen Leben Alena Sarkova aus der Ex-Tschechoslowakei war, ist bereit, für ihre Ziele alles zu opfern. Die Entschlossenheit der Hintermänner im Menschenhandel, stets zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, hat Patrick offenbar unterschätzt. Ally dagegen ermittelt für eine Ausländerin in Europa mit beachtlichem Geschick, bis auch sie einsehen muss, dass bei grenzüberschreitenden Straftaten weniger die Wahrheit zählt, als das was zu beweisen ist.

Tove Alsterdal legt als Debüt einen sorgfältig recherchierten sozialkritischen Krimi vor. Am Rand der Handlung sind die spektakulärsten Fälle von Menschenschmuggel der letzten Jahre eingebunden. "Tödliche Hoffnung" hat mich überrascht, gefesselt und sehr nachdenklich in Hinblick auf das Berufsrisiko freiberuflicher Journalisten zurückgelassen. Der Roman lebt von der taffen Persönlichkeit einer Laienermittlerin, die ihre Lektion frühzeitig als Kind auf den Straßen New Yorks gelernt hat. Äußerst gut gelungen sind Alsterdal ihre Nebenfiguren, von den Opfern der Menschenschmuggler bis zur selten egozentrischen Figur der jungen Terese. Wer Annika Bentzon gemocht hat, sollte Ally Cornwall aus New York eine Chance geben.

Henry and Rachel
Henry and Rachel
von Laurel Saville
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,35

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Autobiografischer Familienroman aus Jamaica, 15. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Henry and Rachel (Taschenbuch)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Wie hatte Rachel es ihrem Mann Henry so lange verheimlichen können, dass sie mit dem Verkauf von Eiern und Gemüse in winzigen Beträgen die Schiffspassagen für sich und die Kinder zusammensparte, um sich dann völlig unerwartet von der Insel Jamaica nach New York abzusetzen? Ihrer Tochter und den Söhnen gegenüber begründet sie ihren einsamen Eintschluss damit, dass in New York alle Kinder kostenfrei zur Schule gehen könnten. Doch im Rückblick kann das nur ein Vorwand gewesen sein, handhabte Rachel Bildung und Erziehung in New York doch ebenso lässig wie schon früher auf der Westindischen Insel. Henry tritt als einer der vielen Icherzähler dieses biografischen Familienromans als alter Mann mit schmerzenden Knochen auf, der damit hadert, seine Frau hätte den Kontakt zu seinen Kindern unterbunden. Doch selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Henry auf sein Leben zurückblickt, waren Männer nicht derart unbedarft in ihrem Urteil über ihre Ehefrauen. Henry war damals vermutlich nur so leicht an der Nase herumzuführen, weil ihm die Gefühle seiner Frau seine Ehe hindurch stets fremd geblieben sind und weil er keinen blassen Schimmer davon hatte, wie viel Geld und Nahrungsmittel seine Familie zum Leben brauchte. Rachel dagegen hatte ihrem Mann niemals sagen können, dass sie ihn "liebt", so wie Henry es sich gewünscht hätte, weil sie zuvor erlebt hat, dass Männer von Liebe sprechen und damit sexuelle Gewalt meinen. Rachel konnte bis zu ihrer Begegnung mit Henry ihre Zuneigung nur dadurch ausdrücken, dass sie den Haushalt der Georges in Ordnung hielt - und das tat sie später auf ähnliche Weise für Henry und die Kinder.

Rachel war aufgrund ihrer Herkunft als Kind versteckt, in eine andere Familie gegeben und schließlich zweimal mit Gewalt geschwängert worden, noch ehe sie volljährig war. Einer der beiden Kindsväter war Henry, der zum Tatzeitpunkt verheiratet und fast doppelt so alt wie Rachel war. Das Mädchen mit dem auffälligen Teint einer Rothaarigen lebte nach außen beschützt bei den Georges und versorgte das Kind, das nach ihrer ersten Vergewaltigung zur Welt gekommen war. Henrys Annahme, Rachel wäre Margarets Kindermädchen gewesen, wirkt reichlich lebensfremd. Henry hat die kleine Margaret später immer wie ein eigenes Kind geliebt und sich nicht darum geschert, wer ihre leiblichen Eltern sind. Henry zeugt in der eigenwilligen Beziehung mit Rachel in kürzester Zeit vier Kinder, ist jedoch viel zu sehr in sein Wolkenkuckucksheim von Flugmaschinen und Patenten verstrickt, um sich um die Ernährung seiner wachsenden Familie zu kümmern. Der Zuckerrohranbau steckt damals schon in der Krise, doch selbst als Zahnarzt verdient Henry zu wenig und die Patenteinkünfte aus seinen Erfindungen fließen aus ihm unerklärlichen Gründen noch immer nicht. Relativ bald, als Rachel klar wird, dass Henry seine Familie nicht ernähren kann, bereitet sie planvoll ihren Abgang von der Insel vor. Nach dem Tod von Henrys Lieblingssohn James erhält Margaret als letzte Überlebende der Familie aus James Nachlass Briefe, von denen einige nie abgeschickt wurden. Sie lassen sie ihre in alle Winde zerstreute Familie aus einem völlig neuen Blickwinkel sehen. Auch wenn James es Rachel gegenüber nicht auszusprechen wagte, geht es in seiner Weltsicht auch darum, wie Weiße und Farbige sich damals zu benehmen und wie sie zu sprechen hatten. Dass die sanfte Rachel diesem Schwarz-Weiß-Schema entschlossen Widerstand leisten würde, hat Henry offenbar unterschätzt.

Henry in all seiner Ichbezogenheit hat mich in diesem farbenprächtigen Roman aus dem Milieu der Zuckerrohrfarmer bald genervt. Würde er wirklich bis zum Ende der Handlung die Rolle des alternden Jammerers einnehmen, ohne auf die Idee zu kommen, dass Rachels für ihn unerklärliches Verhalten auf die Gewalterfahrungen ihrer Jugend zurückzuführen sein könnte? Zum Glück für mich als Leser tauchten außer Henry weitere Icherzähler auf: Rachel selbst, ihr Pflegevater Mr George, Rachels leibliche Mutter, Henrys Lieblingssohn James, die älteste Tochter Margaret und Vea, die treue Haushälterin der Familie George. So ergibt sich aus einander überlappenden Aussagen und Meinungen ein sehr vielfältiges Bild der Ereignisse. Um - reale - Briefe ihrer Vorfahren herum hat Laurel Saville wie einen Flickenteppich die Geschichte ihrer eigenen Urgroßeltern zu einem faszinierenden Roman gefügt.

Ultranatura 200100000001 Funk-Wanduhr RC-50
Ultranatura 200100000001 Funk-Wanduhr RC-50
Preis: EUR 29,95

4.0 von 5 Sternen Die Uhr tut, was sie soll, die Artikelbeschreibung auf dem Karton ist nicht zutreffend, 14. April 2013
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Was hat keine Füße und muss doch gehen?
Meine neue Küchenuhr

-- "Ultranatura" als Logo für einen Gegenstand aus 100% Kunststoff mit einem silbern lackierten Randstreifen führt mögliche Käufer in die Irre. Natürlich ist bei diesem Artikel nichts,

-- Die Angabe des Verpackungskartons "Gehäuse aus gebürstetem Aluminium" ist nicht zutreffend.

++ Die Uhr lässt sich leicht aus allen Richtungen ablesen.
++ Sie hat keine Probleme beim Empfang des Funksignals.

oo Das Modell ist "designed in Germany", Informationen über den Großhändler "Summary Handels- und Dienstleistungs GmbH" in Itzehoe sind unter dem Suchbegriff Ultrasport Freizeitartikel zu finden.

-- Die Artikelbeschreibung "Gehäuse aus gebürstetem Aluminium" wurde am 16.4. geändert in "Gehäuse mit gebürsteter Aluminium-Optik".

Fazit
Mit der Funktion der Uhr bin ich sehr zufrieden.

Beurer PS 890 Personenwaage, Anthrazit
Beurer PS 890 Personenwaage, Anthrazit
Wird angeboten von Voelkner
Preis: EUR 60,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Stück Kieselstrand fürs Bad, 13. April 2013
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
--> Die mitgelieferten Batterien sitzen klapperfrei seitlich in der Styroporpolsterung der Verpackung.

++ Mit dem Wissen, dass eine elektronische Waage zuerst in Betrieb getippt werden muss, ist die Inbetriebnahme beinahe selbst erklärend. Die illustrierte Gebrauchsanleitung wäre auch ohne Text verständlich.

++ Mit nur knapp 3cm Höhe wirkt die Personenwaage schlank und elegant.

++ Die Gewichtsanzeige in weiß ist selbst ohne Brille und von chronischen Morgenmuffeln problemos lesbar.

++ Witziges Detail sind die mit der Oberfläche verklebten winzigen Kieselsteine, die ein Gefühl von Barfusslaufen im Kies vermitteln.
--> Damit das Gerät mit dieser unebenen/geriffelten Oberfläche nicht zum Staubfänger wird, sollte es im Badezimmer senkrecht gelagert werden.
oo Wie die Kieseloberfläche sich innerhalb der Garantiezeit von 5 Jahren darstellt, muss sich erst zeigen.

++ Wer bei einer Personenwaage in erster Linie eine deutliche Anzeige ohne weitere Funktionen sucht, ist hier gut bedient.

++ hergestellt in Deutschland

Die Welt auf dem Kopf: Roman
Die Welt auf dem Kopf: Roman
von Milena Agus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie Schiffbrüchige, die sich an einem Strand sammeln, 10. April 2013
Alice nennt sich die junge Literaturstudentin, die als Single die mittlere Wohnung eines Palazzo bewohnt, der nicht gerade in Cagliaris bester Wohnlage steht. Die Aussicht aus dem oberen Stockwerk auf den sardischen Hafen muss atemberaubend sein. Alice darf die Ferienwohnung ihrer Tante im Haus nutzen; im prachtvollen oberen Geschoss residiert ein amerikansicher Geiger mit seiner italienischen Frau und im Dienstbotentrakt im Erdgeschoss sind Anna und ihre Tochter Natascha untergebracht. Mister Johnson wirkt leicht heruntergekommen, seit seine Frau vor längerer Zeit die eheliche Wohnung verlassen hat. Alice spielt Schicksal und vermittelt Anna eine Stelle als Haushälterin bei den Johnsons; denn sie weiß, dass Anna mit ihren Putzstellen kaum genug zum Leben verdient. Alices Rolle als Schicksalsgöttin setzt in dem Dreifamilienhaus unerwartete Verwerfungen in Gang. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch das Auftauchen eines Sohnes und eines Enkels der Johnsons. Deutlich wird dem interessierten Leser nun, warum ein wohlhabender Amerikaner wie Johnson in einem eher ärmlichen Viertel wohnt und wie Alice selbst in ihre unglückliche Rolle geraten ist, wie in einer Ersatzfamilie Regie im Leben anderer zu führen anstatt ihr eigenes Leben zu leben. Da die Johnsons und Anna über 60 Jahre alt sind, erhält hier eine sehr junge Frau ungewöhnliche Einblicke in das Leben älterer Menschen und der Ehen, die sie führen.

Auch wenn die filmreifen, schicksalhaften Verstrickungen zum Ende etwas übertrieben wirken, ist der Roman - dieses Mal als Hardcover - wieder ein "echter Milena Agus", der psychologisch geschickt mit einem Blick ins Private ein stimmungsvolles Sittengemälde der italienischen Insel liefert.

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do: Roman
Das geraubte Leben des Waisen Jun Do: Roman
von Adam Johnson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein kühner Roman über ein Land hinter Mauern, 9. April 2013
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ein Staat zu dessen Wortschatz der Begriff Republikflucht gehört, ist uns Deutschen so vertraut wie die Propaganda von Diktaturen gegen einen vermeintlichen Agressor, mit der von diversen Defiziten in der Versorgung der Bürger abgelenkt werden soll. Pak Jun Do ist im nordkoreanischen Waisenhaus "Frohe Zukunft" aufgewachsen, weil sein Vater dort als Aufseher arbeitete. Der Staat Nord-Korea macht in diesem Roman seine Kinder zuerst zu Waisen, indem er ihre Eltern sich in Arbeitslagern zu Tode schuften läßt und "adoptiert" anschließend die elternlosen Kinder, um sie wiederum im Bergbau schuften zu lassen oder sie mit 14 Jahren in spezielle Waisen-Kompanien der Armee zu stecken. Jun Do, einziger Bewohner der "Frohen Zukunft" mit zumindest einem lebenden Elternteil, überlebt zu seinem Glück die Ausbildung in der Armee, kann einen Englischkurs belegen und wird schließlich als Funker auf einem Fischkutter zur Spionage im Gebiet zwischen Nordkorea und Japan eingesetzt. Durch einen sonderbaren Auftrag für den "geliebten Führer" an der japanischen Küste kann Jun Do zum ersten Mal Nordkorea verlassen. Eine Flucht nach Japan ist undenkbar; denn der Staat behält die Angehörigen der Besatzung als Pfand zurück. "Witwen" Geflüchteter werden zwangsweise neu verheiratet. Der Junge hat sein Leben bisher in einem Schlafsaal mit einhundert Kindern verbracht. Mangel an allem ist für Jun Do Normalität. Nach Einbruch der Dunkelheit herrschte in Nordkoreas Hauptstadt Ausgangssperre, zum Stromsparen wurden alle Lampen ausgeschaltet. Das verschwenderisch erleuchtete Japan wirkt auf Jun Do reichlich sonderbar, er beginnt zu ahnen, von wie vielen Dingen er bisher keine Ahnung hatte. Der Mensch ist im System des geschilderten Nordkorea unbedeutend, beliebig austauschbar, entscheidend ist die Geschichte, die das System ihm überstülpt oder die er für sich erfindet. Die Erzählungen seines Kapitäns, der vier Jahre als Gefangener auf einem Fabrikschiff verbrachte, warnen Jun Do davor, jederzeit für die Wahrheit ins Gefängnis kommen zu können. Mehrfach gelingt es Jun Do seinen Kopf durch seine blühende Phantasie zu retten, wie ein asiatischer Münchhausen, der sich selbst aus dem Sumpf zieht.

Der Staat schreibt seinen Bürgern vor, was sie zu denken und zu fühlen haben und verkündet diese Weisheiten regelmäßig per Lautsprecher. Jun Do ist es so gewohnt und würde sich ohne diesen Rahmen nicht wohlfühlen. Dennoch fühlt er sich von Menschen und Ereignissen außerhalb seines staatlich organisierten Gefängnisses angezogen. Adam Johnson beschreibt den Kulturschock des Jungen, der nie zuvor auch nur einen Film gesehen hat, in sehr liebenwerter Weise, ohne Jun Do und seine Kultur damit bloßzustellen.

Der zweite Teil des Buches, der mich weniger angesprochen hat als Jun Dos Jugend-Erlebnisse, befasst sich mit dem Lagerkommandanten Ga, dessen Identität mitsamt seiner realen Familie sich Jun Do vermutlich übergestreift hat.

Mit seinem ausgerechnet in Nordkorea angesiedelten abenteuerlichen Roman hat Adam Johnson das Setting kühn gewählt. Wie ähnlich Diktaturen nach außen und innen agieren wird bei manchem Leser für eine Gänsehaut sorgen. Johnson hat sich meinen Respekt mit seiner humorvollen wie phantasievollen Annäherung an ein Land verdient, das normalen Reisenden verschlossenen ist. Leser des umfangreichen Buches sollten mit heiteren Szenen, sowie unvorstellbarer Not und menschenverachtenden Handlungen rechnen.

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