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Buchdoktor
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The Gift of Rain (English Edition)
The Gift of Rain (English Edition)
Preis: EUR 1,49

5.0 von 5 Sternen Meister und Schüler - eine lebenslange Verpflichtung - Tan Twan Engs grandioser erster Roman, 4. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Philip Hutton ist zu einer Feier des 50. Jahrestags der Befreiung von der japanischen Okkupation der Insel Penang eingeladen. Die Rahmenhandlung spielt demnach 1995, der Icherzähler ist zu diesem Zeitpunkt bereits über 70 Jahre alt und hat lange allein auf dem riesigen Familienbesitz Istana gelebt. Tan Twang Eng kann die Innensicht seiner Figuren wunderbar vermitteln. Als Leser spürt man förmlich Philips körperliche Schwäche und die Einsamkeit am Ende seines Lebenswegs auf ihm lasten. Der Besuch der schwer erkrankten Michiko Murakami in Istana soll in ihren letzten Lebenstagen ihrer unerfüllten Liebe Endo Respekt erweisen. Endo war nicht nur Philips Aikido-Lehrer, sondern die Begegnung mit Philips Meister hat im Zweiten Weltkrieg das Schicksal der gesamten englischstämmigen Sippe der Huttons bestimmt. Philip hat immer (nur) auf Istana gelebt. Aus diesem einfachen Satz entwickelt sich der gesamte Roman und sucht nach Antworten auf die Fragen, warum Philip hier allein lebt, ob es einen Erben für sein Unternehmen gibt, was er im Krieg erlebt hat und ob es eine Vorbestimmung gibt, der ein Einzelner nicht entrinnen kann.

Als Philip den Japaner Hayato Endo am Strand vor dem elterlichen Grundstück begegnet, ist die Familie Hutton gerade im Urlaub in England. Philip ist nicht mitgefahren, weil er - anders als seine Halbgeschwister - eine chinesische Mutter hat und sich deshalb auch im damaligen Vielvölkerstaat Malaya nirgendwo dazugehörig fühlt. Die Verpflichtung zwischen dem damals schon ergrauten Meister und seinem Schüler erfolgt in einem Augenblick der Freiheit von väterlicher Kontrolle, auch wenn Philips Vater jederzeit darüber informiert ist, was in seinem Haushalt vor sich geht. Noel Hutton hat dem Japaner eine kleine Insel auf seinem Besitz vermietet und darauf nach dessen Entwurf ein kleines japanisches Haus bauen lassen. Als Japan die Insel Penang okkupiert, steht Philip durch seine Beziehung zu Endo automatisch auf der Seite der Japaner und wird von Briten, Chinesen und Malaiien als Kollaborateur angesehen. Egal, wie er sich an künftigen Weggabelungen seines Lebens entscheiden wird, wird er seine Verpflichtung gegenüber Endo nicht mehr rückgängig machen können und stets auf der falschen Seite stehen. Als Philips chinesischer Großvater warnend auf Philips Verpflichtung gegenüber seiner eigenen Kultur hinweist und vor dem Einfluss des Meisters warnt, ist es bereits zu spät. Natürlich fragt man sich in Kenntnis der Weltgeschichte, was passiert wäre, wenn Philips Vater Noel nicht abwesend gewesen wäre und es nicht zu der lebenslangen Verpflichtung zwischen dem Aikido-Meister und seinem Schüler gekommen wäre.

Tan Twang Eng entwickelt aus dem schlichten Wunsch seiner Figuren, am Ende des Lebens die eigenen Angelegenheiten zu ordnen, mit außergewöhnlichem Talent Einzelschicksale und die regionale Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit. Es ist nicht einfach sich in die Kultur einer Insel zu versetzten, auf der Herkunft, Nationalität, Muttersprache und Staatsangehörigkeit der Bewohner sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen lassen. Philip und eine Geschwister sind in einer Familie britischer Herkunft aufgewachsen, die seit hundert Jahren auf der Insel ansässig ist und in der selbstverständlich die Landessprache und der Dialekt des chinesischen Hauspersonals gesprochen werden. An Philips Beziehungen zu seinen Mitmenschen hat mich besonders die Ebene der Kampfkunst beeindruckt. Philips Aikido-Fähigkeiten und sein Rang in der Kampfkunst bestimmen sein Ansehen, besonders auch in der Beziehung zu Kon Yeap, dem Anführer der chinesischen Triaden auf Penang.

Die Fragen, ob Philip eine Wahl gehabt hätte oder ob man aus der Geschichte lernen kann, bleiben für mich am Ende unbeantwortet - auch das macht die beeindruckende Wirkung von Tan Twang Engs Büchern aus.


Windows 10: Der verständliche Einstieg. Das Praxis-Handbuch zu Windows 10 in Farbe
Windows 10: Der verständliche Einstieg. Das Praxis-Handbuch zu Windows 10 in Farbe
von Mareile Heiting
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Einstieg mit Lücken, 2. August 2015
Die Autorin Mareile Heiting hat mit dem Untertitel "Der verständliche Einstieg" ihres Buches "Windows 10" genau die Zielgruppe beschrieben, an die sich dieses Buch richtet: Einsteiger in das Arbeiten mit Windows und natürlich mit der neuesten Version. Vom ersten Start, über die Einrichtung bis zur Nutzung der mitgelieferten Programme und Apps werden die Bereiche von Windows 10 in Schritt-für-Schritt- Anleitungen erklärt. Die einzelnen Anleitungen sind kurz aber prägnant und ausreichend, um einen Einstieg in die Arbeitsweise zu bekommen. Abgeschlossen wird das Buch mit einem Stichwortverzeichnis für die wichtigsten Themen. Gut fand ich das Glossar, das viele Begriffe erklärt, die durchaus nicht jedem geläufig sind. Die Tabelle mit den Tastenkürzeln am Schluss hätte für mich dagegen ruhig etwas länger ausfallen dürfen.

Das Buch setzt voraus, dass man Windows fertig installiert auf dem Rechner vorgesetzt bekommt. Das ist jedoch bei schon vorhandenen Computern sicher nicht der Fall. Gerade für Einsteiger hätte ich hier ein Kapitel über die Installation erwartet. An der einen oder anderen Stelle sind die Erklärungen etwas seicht. So wird beim Mailprogramm die relativ einfache Einrichtung von Email-Konten mit einem vorhandenen Microsoft Konto erklärt. Ein solches Microsoft-Konto hat nicht jeder und viele möchten es auch nicht. Die wesentlich komplexere Einrichtung vorhandener Mailkonten bleibt aber außen vor.

Gut gefallen hat mir dagegen, dass auch dem Thema Sicherheit ein eigenes Kapitel gewidmet wurde. Dass dabei allerdings der Microsoft Defender als ausreichender Virenschutz deklariert wurde, halte ich für gefährlich.

Fazit:
Das Buch gibt einen guten Einstieg in Windows 10, ist verständlich geschrieben und nimmt sich der wichtigsten Bereiche von Windows an. Gerade für den Einsteiger bleiben aber einige ärgerliche Lücken. Die Reflektion von Sinn und Unsinn mancher Dinge, wie der Speicherung von Daten in der Cloud, fehlt völlig. So bleibt es eine Anleitung, wie sie auch von Microsoft hätte kommen können.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 3, 2015 12:18 PM MEST


Lightroom 6 und CC für digitale Fotografie
Lightroom 6 und CC für digitale Fotografie
von Scott Kelby
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine gekonnte Einführung in Lightroom 6, wenn man mit den Eigenheiten des Autors leben kann, 2. August 2015
Scott Kelby ist wohl einer der bekanntesten Autoren für Fotobücher und Fotokurse. In seiner gewohnt nonchalanten Art präsentiert er in diesem Buch Photoshop Lightroom für Version 6 und die identische Version CC. Das Buch ist eine Übersetzung der englischen Originalfassung.

Der Autor stellt die einzelnen Bereiche des durchaus komplexen Programms jeweils in Schritt-für-Schritt-Anleitungen vor, denen man anmerkt, dass Kelby sehr detailreiche Kenntnisse des Programmes hat. Der Autor hält sich dabei nicht lange mit einer Einleitung auf sondern springt direkt in die Materie. Die Anleitungen sind gut verständlich, detailliert und ziemlich vollständig. Hat man das Buch einmal durchgearbeitet (was bei Lightroom zu empfehlen ist), kann man für einzelne Fragen später auch direkt in das jeweilige Kapitel springen. Das letzte Kapitel widmet sich dem persönlichen Workflow des Autors für Portraits. Abgeschlossen wird das Buch mit einem Index, über den man die wichtigsten Begriffe und Themen nachschlagen kann. Am Ende jedes Kapitels hat der Autor noch eine Reihe von "Killertipps" zusammengestellt, die auf spezielle Fragestellungen eingehen.

Damit richtet sich das Buch an Fotografen, die noch keine oder wenig Erfahrung mit diesem Programm haben, bzw. es nicht so häufig nutzen und hin und wieder etwas nachschlagen wollen.

Mir persönlich ist das Buch etwas zu sehr auf die Arbeitsweise des Autors ausgelegt. Lightroom hat eine sehr eigene Philosophie, die sehr stark ablauforientiert ist und vollständig auf nicht-destruktive Arbeitsweise setzt. Es wäre also wichtig, diese Philosophie und den damit verbundenen Workflow vor dem Einstieg in die Details zu erklären. Genau dieses Kapitel fehlt jedoch und wird auch mit dem letzten Kapitel (Workflow des Autors) nicht nachgeholt. Man merkt den Erklärungen des Autors deutlich an, welche Bereiche des Programmes er selbst oft benutzt und für wichtig und welche er für überflüssig hält. Dies merkt man besonders in den Programmbereichen Karte und Web. In dieser deutschen Übersetzung geht das soweit, dass der Bereich Web keinen Weg in das Buch gefunden hat, es gibt nur einen Link zur Webseite von Kelby, auf der man sich dieses Kapitel in englischer Sprache downloaden kann. Was mir auch gefehlt hat, ist eine Zusammenstellung der Tastaturbefehle im Anhang, die man mühsam im Buch suchen muss.

Fazit:
Wer mit den Eigenheiten des Autors leben und auf die Erklärung der Philosophie des Programmes verzichten kann, bekommt eine gekonnte Darstellung der Bedienung des Programmes Lightroom in Form von Schritt-für-Schritt-Anleitungen, geschrieben in lockerer, gut lesbarer Sprache.

+ Schritt-für-Schritt-Anleitungen für (fast) alle Bereiche von Lightroom
+ die Liste der Tipps am Ende eines Kapitels

- Programmphilosophie wird nicht erklärt
- Es fehlt eine Übersicht der Tastaturkürzel
- Die Ausführlichkeit der Beschreibung der einzelnen Programmbereiche ist nicht ausgewogen, sondern richtet sich danach, was der Autor persönlich für wichtig hält.


BOSS Hugo Boss Herren Retroshorts Boxer Cool Max Cotton+ 10185196 01, Einfarbig, Gr. X-Large, Weiß (White 100)
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Preis: EUR 32,95

4.0 von 5 Sternen Boxershorts zum Luxus-Preis, 1. August 2015
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
++ Material, Gummibund, die Nähte und die in grau abgesetzte Paspel sind bei diesen Boxershorts zum Luxuspreis erstklassig verarbeitet.
++ Die Qualität der Baumwoll-Polyester-Mischung ist erstklassig und das Material auf der Haut sehr angenehm zu tragen.
-- Waschbar leider nur bis 40°C
-- Die Waschanleitung in diesem Testmodell ist so riesig ausgefallen, dass sie vor dem Tragen abgeschnitten werden muss. Vermutlich beziehen sich die zwei leicht unterschiedlichen Symbolreihen auf weiße und farbige Exemplare dieses Modells. Eine klare Ansage auf dauerhaft lesbarer Anleitung wären mir hier lieber.
oo Made in China


Dieser Sommer gehört noch uns
Dieser Sommer gehört noch uns
von Heike Karen Gürtler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Eine melancholische Sommergeschichte, 31. Juli 2015
Der letzte Sommer vor dem Erwachsenwerden oder vor einer großen Veränderung ist ein unerschöpfliches Roman-Thema. Heike Karen Gürtlers Icherzählerin Franziska verbringt diesen besonderen Urlaubssommer im Jahr 2014 mit ihrer Freundin Chrissie und vier weiteren ungefähr Achtzehnjährigen am Gardasee in Ferienhaus von Chrissies Eltern. Das Haus liegt traumhaft an einem eigenen Steg und die Freunde können ungestört die Zeit genießen, ehe sie mit Beginn ihrer Ausbildung in alle Himmelsrichtungen auseinandergehen werden. Die engste Beziehung haben zu Anfang offenbar Chrissie und Franziska. Bei beiden Mädchen fragt man sich als Leser, was ihnen wohl vor den Ferien wiederfahren sein mag. Franziska trägt in ihr „Schmerztagebuch“ alle Sehnsüchte, Enttäuschungen und unerwiderten Gefühle ein und Chrissie verbirgt die Narben ihrer Selbstverletzung auch im heißesten Sommer unter langen Ärmeln. Sina und Pascal sind ein Paar; Tobi spielt die Rolle des in Bücher versunkenen Einzelgängers der Truppe. Über den Kindheitsfreunden Franziska und Flo schwebt die Ungewissheit, ob beste Freunde auch als Liebespaar glücklich sein können. Unabhängig vom ungeklärten Verhältnis zu Flo wirkt Franziska so, als sei sie im Leben noch nicht richtig angekommen. Für mindestens zwei der Teilnehmer wird die Zeit am Gardasee jeweils eine unerwartete Wende bringen.

Mit der Schilderung der melancholischen Stimmung während zweier Sommerwochen aus der Ahnung heraus, dass es kein Zurück in die Kindheit geben kann, wird im Buch die Zeit förmlich angehalten. Unausgesprochenes und Widerstände falten sich wie aus einem Pop-Up-Buch auf und hindern die jungen Leute zunächst daran, ihren Urlaub unbeschwert genießen zu können. Die melancholische Sommergeschichte wirkt wie die Stimmung an einem bedeckten Sommermorgen, der noch nicht preisgibt, wie das Wetter werden wird.


Leona - Die Würfel sind gefallen
Leona - Die Würfel sind gefallen
von Jenny Rogneby
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend und abstoßend zugleich, 29. Juli 2015
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
In Stockholm begeht ein kleines Mädchen einen Banküberfall. Die Kunden sind so schockiert von ihrem Auftritt, dass die Kleine die Bank mitsamt ihrer Beute ungehindert verlassen kann. Ermittlerin in dem skurrilen Fall ist Leona Lindberg, die einen großen Teil des Buches aus der Ichperspektive erzählt. Weitere Handlungsstränge beschreiben u. a. die Sicht des kleinen Mädchens Olivia. Leona ist der klassische Fall der berufstätigen Mutter, die trotz staatlicher Kinderbetreuung ihre Arbeitszeiten nur schwer mit der Familienarbeit vereinbaren kann. Auseinandersetzungen mit Leonas Eltern und Ehemann Peter sind an der Tagesordnung, warum Leona ausgerechnet diesen Beruf haben muss, der Peters Ansicht nach zudem schlecht bezahlt wird. Schon zeitig zeigt sich Leona als perfektionistische Außenseiterin an der Grenze zur psychischen Störung. Auch ihre Erpressbarkeit ist eine fatale Ausgangssituationen für eine Kriminalbeamtin. Einige Möglichkeiten fielen mir dazu ein, welches Problem oder welche psychische Erkrankung Leona belasten könnte; schlimmer noch fand ich die Vorstellung, dass eine skrupellose und psychisch so stark belastete Person kleine Kinder zu versorgen hat.

Leona ist kein Teamplayer und steht zu dieser Eigenheit. Trotzdem muss sie den Fall der kindlichen Bankräuberin in Zusammenarbeit mit Kollegen lösen. Wie überall anders nervt die Presse die Ermittler und nicht alle Kollegen sind so umsichtig, wie Leona das gern hätte. Für die Leser stellt sich außer der Suche nach dem Hintermann der Banküberfälle - inzwischen fanden mehrere Überfälle statt - die Frage, welche Verbindung zwischen den einzelnen Handlungssträngen besteht.

Jenny Rognebys Debüt-Roman wird weder als Krimi noch als Thriller beworben, obwohl er meiner Ansicht nach durchaus Psychothriller-Qualitäten hat. Wegen der Beteiligung von Kindern an diesem Fall ist das Buch nicht in allen Lebenslagen uneingeschränkt zu empfehlen. Die Perspektive der Icherzählerin, der ihre Leser zunächst alles glauben müssen, finde ich in diesem Psychogramm einer gestörten Ermittlerpersönlichkeit im Gegensatz zu manch anderem in der Ichperspektive erzählten Buch sehr spannend. Der einzige Mangel des Buches war für mich, dass Leona in ihrem Denken und Sprechen keine gradlinige glaubwürdige Alltagsprache benutzt, sondern sich - trotz spürbarer Erschöpfung unter dem Zwang die Fassade wahren zu müssen - zu einigen ungewöhnlich exaltierten Wortschöpfungen hinreißen lässt.
Knappe 5 Sterne.


Kraft seines Wortes: Ein Cape-Cod-Krimi
Kraft seines Wortes: Ein Cape-Cod-Krimi
von Phoebe Atwood Taylor
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Eine männliche Miss Marple anno 1931, 28. Juli 2015
Prudence, die Icherzählerin der Geschichte, verbringt ihre Ferien in einem kleinen Häuschen auf Cape Cod, gemeinsam mit ihrer Nichte Betsey, der Köchin Olga und dem Kater Ginger. Da das Haus so winzig ist, können sie leider nur zwei von Prus zahlreichen Freunden als Besucher unterbringen, obwohl es erheblich mehr Interessenten gäbe, die gern einen kostenlosen Urlaub am Meer verbringen würden. Als ein "ölig" wirkender Schriftsteller tot aufgefunden wird, tritt Asey Mayo auf den Plan, eine männliche Version der Miss Marple. Zu klären ist, wer über Motiv, Waffe und Gelegenheit zur Tat verfügte. In einem Ferienort haben die Leute viel Zeit, andere zu beobachten, so dass es viele Beobachtungen und viele Meinungen gibt. Asey muss zunächst ordnen, welche der Aussagen zu gebrauchen sind. Asey kann sich den Luxus eines Daueraufenthaltes auf Cape Cod erlauben, wie später noch herauskommen wird. Der Mann ist ein vielseitiges Faktotum, der zur See gefahren ist, als Koch gearbeitet hat und aus alten Zeiten viele nützliche Verbindungen pflegt. Asey schulden viele Leute noch einen Gefallen und im Fall des toten Schriftstellers fordert Asey diese Gegenleistungen zügig ein. Natürlich tickten die Uhren damals noch in anderem Tempo, so wird z. B. ein Telegramm mit einer Frage losgeschickt und die Antwort geduldig abgewartet. Asey wendet erfolgreich die Taktik an, sich weit dümmer zu stellen, als er ist und die Befragten möglichst lange im Unklaren zu lassen, worauf er mit seinen Fragen hinaus will. Im Vergleich zu Cape Cods detektivischer Geheimwaffe gibt Sheriff Slough Sullivan ein eher schwaches Bild ab. Auch Prudence beteiligt sich rege an den Ermittlungen, sagt man ihr doch nach, die Instinkte ihres Vaters, eines Strafverteidigers, geerbt zu haben.

'Kraft seines Wortes' ist der erste Band einer Krimireihe um den Hobbyermittler Asey Mayo, der 1931 auf Englisch und 1986 in der deutschen Übersetzung erschien. Krimicouch verzeichnet 22 Bände, von denen wohl nur 5 ins Deutsche übersetzt wurden.

Als 80 Jahre alten Krimi, der in einem Urlaubsort spielt, kann man Taylors ersten Band mit Vergnügen als Gesellschaftsroman lesen. Hier hängt der Entdecker eines Toten nicht wie in modernen Krimis würgend über dem Blumenbeet, sondern die Damen fallen wirkungsvoll in Ohnmacht und werden mit Ammoniakdüften wiederbelebt. Autos haben Räder mit hölzernen Speichen und unterscheiden sich offenbar so wenig von Kutschen, dass aus einem erfolgreichen Kutschenbauer ein erfolgreicher Automobilproduzent wird, dessen Nachfolger Bill mit zum Detektivpersonal des Krimis gehört. In diesem Kriminalfall werden sehr viele Personen aktiv, die Autorin legt viele Fährten aus. Allein die Sprache ihrer Figuren lässt einen beim Lesen vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Beim Nachschlagen, was ein Zweidollarwort gewesen sein könnte, bin ich auf einer Webseite hängengeblieben, die auswertet, wann und wie häufig früher bestimmte Ausdrücke benutzt wurden.

Das Buchcover in hellen Tönen signalisiert leichte Urlaubslektüre - zu heiß sollte es beim Lesen allerdings nicht sein, sonst könnte man sich zwischen Taylors Handlungsfäden leicht verirren.


Das zufällige Leben der Azalea Lewis
Das zufällige Leben der Azalea Lewis
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Von einem verlorenen Mädchen und der Macht der Zufälle, 27. Juli 2015
Dass ein kleines Kind davonmarschiert und verlorengeht, für das ich verantwortlich bin, gehörte schon immer zu meinen Urängsten. Genau das passiert Azalea Ives auf einem Rummelplatz in Devon. Ihre roten Haare lassen vermuten, dass sie irischer Herkunft sein könnte. Das kleine Mädchen berichtet der Polizei, dass sie mit ihrer Mutter auf dem Weg zu ihrem Daddy war, der auf einem Boot lebt. Auch mit einiger Phantasie können die Polizisten keine Familie Ives finden. Später wird eine falsche Zeitungsmeldung über Azaleas Schicksal entscheiden. So kommt das Mädchen in eine Pflegefamilie und wird von den Folleys adoptiert, die mit ihr in einer anglikanischen Missionsschule in Uganda leben. Die Landkarte vorn im Buch weist darauf hin, dass Ereignisse in dieser Region eine Rolle in Azaleas Leben spielen werden. Den Namen Lewis erhält Azalea bei einer weiteren Adoption. Azalea wächst zu einer spröden, abenteuerlustigen Person heran, von der anzunehmen ist, dass auf tragische Weise ihre Wurzellosigkeit über ihr Leben entschieden hat. Dreißig Jahre später treffen in der Londoner U-Bahn Azalea und Thomas Post aufeinander, der an der Londoner Uni Philosophie lehrt und sich mit Zufällen befasst. Zufälle und Muster, auch die Magie von Daten, haben für Azalea eine besondere Bedeutung, darunter Wiederholungen von Kalenderdaten.

Azaleas Mutter Marion hat geglaubt, den Vater ihrer Tochter verheimlichen zu müssen. Wenn Azalea in ihrem Heimatort aufgewachsen wäre, wäre mit der Heimlichtuerei in dem Moment Schluss gewesen, in dem jemand die Ähnlichkeit zwischen Vater und Tochter erkannt hätte. Doch durch den Zufall auf dem Rummelplatz muss Azalea mit ungeklärter Identität aufwachsen und sucht noch als Erwachsene Erklärungen in Zufallsmustern. In diesem Buch gibt es verschiedene Wahrheiten und verschiedene Versionen. Als Leser tappt man lange im Dunkeln, wohin der Erzähler einen auf seiner Rallye durch Azaleas Leben am Ende führen wird.

J. W. Ironmonger verknüpft mit skurrilem britischen Humor Handlungsfäden auf zwei Kontinenten und aus unterschiedlichen Zeiten zu einer warmherzigen Geschichte, die spannend wie ein Krimi wirkt. Sein Ton klingt selbst für die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wundersam verschnörkelt. Ironmongers Themen sind das Recht darauf, über die eigene Herkunft informiert zu sein, aber auch die Missionstradition in Afrika und Bürgerkriege der Neuzeit. Die Missionsstation, an der draußen das Leben vorbeizieht, ist eines von Ironmongers wunderbaren Sprachbildern, das einen ahnen lässt, wie stark Afrika den Autor selbst und seine Figuren beeinflusst hat. Außer dem von Bürgerkriegen zerrissenen Afrika nehmen auch Ereignisse im Nordirland-Konflikt und der Falklandkrieg Einfluss auf die Handlung.

Fazit
"Das zufällige Leben der Azalea Lewis" erscheint in einer Young Adult-Reihe für Leser ab 14 Jahren. Nicht jedes Buch, in dem Jugendliche eine zentrale Rolle spielen, ist deshalb gleich ein Jugendbuch. Auch wenn die Suche nach den eigenen Wurzeln ein zentrales Thema der Pubertät ist, ordne ich den Roman als Belletristik ein, die auch von interessierten Jugendlichen gelesen werden kann. Das Buch scheint mir ein weiteres Beispiel dafür zu sein, dass Verlage im Bereich von Young Adult und New Adult viel experimentierfreudiger sind als in ihren Belletristik-Programmen und dort auch skurrilen Erzählern eine Chance geben. John Ironmongers nächstes Buch Not Forgetting the Whale steht schon auf meinem Wunschzettel.


Greenwash, Inc.: Roman
Greenwash, Inc.: Roman
von Karl Wolfgang Flender
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hauptsache zertifiziert ..., 26. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Greenwash, Inc.: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Greenwash Inc trägt jemand in einem albernen Moment die betriebsinterne Laufgruppe der Agentur Mars und Jung ein. Thomas Hessels Arbeitgeber organisiert weltweit Image-Kampagnen für Unternehmen und übernimmt die kommunikative Bewältigung, falls Firmen-Images in die Krise geraten. In dieser Welt ist alles erlaubt, solange es mit 'schonend' oder 'nachhaltig' verschlagwortet werden kann. Hessel war in einem anderen Leben Journalist. Der Schrumpfprozess der Printmedien hat Thomas aus seinem Beruf heraus- und in die Beratungsbranche gespült. Heute sind Journalisten eine seiner Zielgruppen, die er mit vorgeblich ökologisch korrekten Geschichtchen füttert. Seine Hopestorys sind universal einsetzbar, sie könnten ebenso gut einem Genmaisfabrikanten ein grünes Mäntelchen der Nachhaltigkeit verschaffen, wie den Interessen von Regenwaldschützern dienen. In erster Linie dienen sie dem Erhalt von Thomas Job. Wenn Thomas Armut als Video abliefert, ist seine Darstellung von Armut authentischer als die Armut selbst. Selbst Thomas Asthma ist Teil einer Kampagne seiner Agentur, der Mitarbeiter als Mensch. Wenn Thomas körperliche Schwäche nicht Realität wäre, wäre sie zumindest gut entwickelt.

Der ganze Mann wirkt alterslos. In seiner Branche gibt es offenbar nur eine Generation, die die aktuell zur Firma gehört. Drinnen oder draußen - das wird von Jens Mars, dem Boss, täglich neu entschieden. Ein Mars und Jung-Mitarbeiter hat sich mit dem Boss beim Kickerspielen zu messen, die Fitnesswerte seiner Angestellten werden Sven Mars per App geliefert. Wer seine Zugriffsrechte als Machtinsignien verliert oder wessen Spind geräumt wird, den degradiert das zu "Dingens", dessen Namen keine Erwähnung mehr wert ist. Thomas Hessel kämpft an allen Fronten gleichzeitig - um den Ruf des derzeitigen Klienten, die Anerkennung seines Chefs und gegen die alltäglichen Widrigkeiten in Ländern in Äquatornähe. Eine weitere Front hat sich gerade im Privaten aufgetan. Freundin Marina, der Thomas ein sorgenfreies Studium der Ethnologie ermöglichte, bewirbt sich ebenfalls in der Beratungsbranche und wird damit zur direkten Konkurrentin. Mit Kenntnissen über indigene Völker lassen sich kluge Reden schwingen, auch wenn die Ethnologin die Länder selbst nicht kennt, für die gerade Kampagnen gestrickt werden. Im täglichen Hamsterrad der Selbstoptimierung ist die Partnerbeziehung längst zur Rechengröße degradiert. Thomas sinnt darüber, ob ihm statt Marina nicht eine seinem gefühlten heutigen Status angemessene Frau zustehen würde. Im Zeitalter moderner Kommunikationsmittel lässt sich rund um die Uhr verfolgen, was Freund und Feind gerade treiben. Das Selfie wird zur Waffe im Rosenkrieg und im Kampf um den Platz auf der Hühnerleiter bei Mars und Jung.

Karl Wolfgang Flender schickt seinen Protagonisten in den brasilianischen Regenwald, an den Brandort in einer indischen Textilfabrik und in die weltweit größte und giftigste Halde von Elektronikschrott in Accra/Ghana. Damit demontiert er nicht nur vorgeblich ökologisch zertifiziertes Blendwerk, sondern auch seinen Helden. Der Witz bei der Sache ist es, dem Icherzähler Thomas Hessel bei seinen Selbsttäuschungen und Selbstinszenierungen auf die Schliche zu kommen. Jemand wie er würde schließlich für eine Kampagne auch seine Großmutter verkaufen. Trotz der Beschränkung auf die Perspektive des Icherzählers zwingt Thomas' Lavieren zwischen Schein und Wirklichkeit zum äußerst konzentrierten Lesen.


Die Geheimnisse der Welt: Roman
Die Geheimnisse der Welt: Roman
von Lisa O'Donnell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pubertät als Seiltanz zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, 25. Juli 2015
Zu Jahresbeginn 1983 wird Michael Murray 12 Jahre alt. Michael pubertiert zwischen Kindsein und Heranwachsen, er weiß noch nicht, ob er Mädchen faszinierend oder abstoßend finden soll. Es ist das Jahr, nachdem der Eurovision Song Contest zum Groll der Briten und Schotten mit "Ein bisschen Frieden" gewonnen wurde und Jungen ein Rad mit Bananensattel und Fransen an den Griffen geschenkt bekommen. Es ist auch die Zeit, in der Kinder aus dem Zimmer geschickt werden, wenn Erwachsene sich über Dinge unterhalten, die sie ungeeignet für Kinderohren finden. Schlimm wird es erst, wenn Kinder nicht mehr aus dem Raum geschickt werden, weil die Erwachsenen deren Anwesenheit im Eifer nicht bemerken. Wie vermutlich alle andere Kinder auf der kleinen schottischen Insel im Firth of Clyde an der Küste vor Glasgow versucht Michael, sich zurück zu schleichen und hinter die Geheimnisse zu kommen. In seiner Familie köcheln diverse Konflikte unter der Oberfläche, ausgelöst durch Arbeitslosigkeit, persönliche Schicksalsschläge und dörfliche Moral.

Obwohl Michaels Mutter sich wunderbarerweise im gemeinsamen Haushalt mit ihrer Schwiegermutter sehr gut versteht, wird über die Arbeitslosigkeit des Vaters gestritten, über die Thatcher-Politik und darüber, wie katholisch ein Kind sein kann, dessen Mutter Protestantin ist. In dieser Situation der Sprachlosigkeit wird Michaels Mutter abends im dunklen Park überfallen und deutlich sichtbar verletzt. Was wirklich vorgefallen ist, wird Michael eisern verschwiegen, obwohl die unausgesprochene Angst der Erwachsenen vor dem großen Unbekannten nicht zu übersehen ist. Aus Angst vor dem Dorftratsch will die Mutter die Tat auf keinen Fall bei der Polizei anzeigen. Wie man sich leicht vorstellen kann, bringt sie damit ihren Mann, der gern mal tief ins Glas schaut, in eine peinliche Situation. Durch ihr Schweigen verhindert sie außerdem, dass mögliche weitere Opfer des Täters gewarnt werden. Selbst ein Gespräch zwischen Vater und Sohn kann Michaels Problem nicht lösen, weil die Fakten noch immer nicht auf den Tisch kommen.

Die Ereignisse in der Folge einer Gewalttat werden konsequent aus der Sicht eines Elfjährigen erzählt, dessen Sprache aus heutiger Sicht sehr naiv wirkt. Wie hätte sie zu der Zeit auch anders sein können, wenn Kinder entweder im Lexikon zwischen aufgeschnappten Reizwörtern hin und her blättern oder ihr Halbwissen miteinander vergleichen konnten. Michael spricht zwar wie ein viel jünger wirkendes Kind, aber seine Schlussfolgerungen sind alles andere als naiv. Am Ende überwindet seine Mutter Angst und Scham, Michael erfährt Dinge, vor denen seine Eltern ihn lieber bewahrt hätten - und die Sache mit den Mädchen stellt sich als nur halb so schlimm heraus.


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