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Der Krieg am Ende der Welt: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der Krieg am Ende der Welt: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Mario Vargas Llosa
  Taschenbuch

29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eindrucksvoller Historienroman mit leichten Schwächen, 17. Dezember 2009
Realhistorischer Hintergrund des Romans ist die Ende des 19. Jahrhunderts im Norden Brasilien erfolgte Gründung einer Art Freistaat durch einen religiösen Fanatiker und Endzeitprediger, genannt "Der Ratgeber". Der von diesem und seinen Anhängern gegründete "Freistaat" (nicht viel mehr als ein beständig wachsendes Dorf namens Canudos) stand dem Roman zufolge in fundamentaler Opposition zur jungen Republik, welche ihn im Gegenzug ebenso unversöhnlich angefeindete und schließlich in einer (zum Teil sehr brutal geschilderten) Militäraktion zerschlug. Diesen historischen Kontext nutzt Llosa in seinem stilistisch dem realistischen Roman des 19. Jahrhunderts verwandtem Werk zum Portrait der brasilianischen Gesellschaft um 1900, wobei das Spektrum der Akteure vom Adel, übers Bildungsbürgertum und Militär bis hin zu den verarmten und verwahrlosten Unterschichten reicht.

Die Stimmung des Romans lässt sich vielleicht dahingehend zusammenfassen, dass man als Leser sehr schnell ein Gefühl dafür entwickelt, dass am Ende des Romans zwar freilich nicht das Ende der Welt, wohl aber der gewaltsame Tod der allermeisten Protagonisten eintreten wird. Der ideologische Alleingültigkeitsanspruch sowohl der ideengebenden religiösen Fanatiker (mitsamt ihrem naiven, abergläubischen, äußerst gewaltbereiten Mitläufern), als auch der Verfechter der (vermeintlich fortschrittlichen) Republik, ist schlechterdings zu stark. Zusätzlich eskalierend wirkt der Versuch der politischen Eliten der Region, sowohl liberaler als auch konservativer Couleur, die sich um den "Ratgeber" manifestierende Bewegung für eigene Zwecke zu instrumentalisieren: Die republikanische Partei etwa versucht angesichts der (zum Teil aggressiven) Modernisierungsängste der Aufständischen eine von England initiierte, antirepublikanische Verschwörung zu konstruieren.

Der schließlich alles entscheidende Kampf um Canudos wird im letzten Teil des Romans rückblickend aus der Perspektive eines Journalisten und zahlreicher Soldaten geschildert. Hieraus geht die gerade zur Mitte des Romans erhebliche Spannung des Romans nicht ganz unbeschadet hervor. Wohl ist der Ausgang des Konflikts im Wesentlichen vorhersehbar (das Ungleichgewicht der Kräfte zwischen professionellem Militär und weltanschaulich hochdisziplinierten, aber schlecht ausgerüsteten und versorgten Aufständischen ist schlicht zu offensichtlich), aber die Umstellung auf retrospektive Darstellung unmittelbar vor dem Kulminationspunkt der Auseinandersetzung, zumal in ihrer sprachlich nüchternen Form, wirkte auf mich in gewisser Weise entdramatisierend, weshalb sich beim Lesen zum Ende hin die eine oder andere unnötige Länge ergab.

Noch ein Tipp: Leser ohne ein sehr sehr gutes Namensgedächtnis sollten von der ersten Seite ab eine Namensliste erstellen. Andernfalls kann der Überblick über die Protagonisten schnell verloren gehen.


Hitler: 1889-1945
Hitler: 1889-1945
von Ian Kershaw
  Broschiert
Preis: EUR 29,95

124 von 126 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gekürztes, leider nicht aktualisiertes Großwerk, 24. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Hitler: 1889-1945 (Broschiert)
Ich möchte auf eine inhaltliche Kritik des Werks verzichten. Kershaw ist eine unbestrittene Koryphäe der NS-Forschung, seine Hitlerbiographie wird allgemein als eine ungeheure Forschungsleistung gewürdigt und gilt vielen Historikern unter den großen Deutungen Hitlers (v.a. Alan Bullock, Joachim Fest, Ian Kershaw) als die bedeutsamste und analytisch schärfste.
Detaillierte wissenschaftliche Besprechungen der Bücher Kershaws können bei Interesse über das Rezensionsportal clio-online.de recherchiert werden. Auch wurden auf Amazon bereits einige Besprechungen zu Kershaws Hitlerbiographie verfasst, in denen sich Interessenten über inhaltliche Schwerpunkte informieren können.

Stattdessen sollen hier nur die wichtigsten Informationen zu dieser gekürzten Neuausgabe gegeben werden, mit der Absicht, Interessenten damit die Kaufentscheidung zu erleichtern:

Wurde die Darstellung inhaltlich aktualisiert?
Kershaw hat sein Werk nur gekürzt, nicht aber überarbeitet. Im Vorwort stellt er klar, alle Deutungen und Thesen der Originalausgabe unverändert beibehalten zu haben. Die Notwendigkeit einer Überarbeitung bestehe nicht, jedenfalls nicht dringend. Neue Forschungsergebnisse zu Hitler und NS-Staat aus den letzten zehn Jahren wurden von Kershaw also ausdrücklich nicht in die Darstellung mit eingearbeitet.

Was wurde gekürzt?
Kershaw hat für diese Ausgabe vor allem den kompletten wissenschaftlichen Apparat (Fußnoten & Quellen- sowie Literaturverzeichnis) gestrichen. Außerdem viele Zitate, denen in erster Linie illustrativer Charakter zukommt. Weiterhin zahlreiche Exkurse zum politischen, sozialen und kulturellen Kontext des Lebensweges seines Protagonisten. Soll heißen: Die Darstellung fokussiert sich noch stärker auf Hitler als Person und geht weniger stark auf dessen Umgebung ein.

Gerade die Streichung des kompletten wissenschaftlichen Apparates und die Zurückstellung "struktureller" Faktoren gegenüber der Persönlichkeit Hitlers, lässt es ratsam erscheinen, im wissenschaftlichen Umfeld weiterhin die zweibändige Originalausgabe zu benutzen. Auch Studenten sollten in ihren wissenschaftlichen Arbeiten die Originalausgabe heranziehen.
Wer jedoch auf einen stärker personenzentrierten Zugriff Wert legt, weiterführende Kommentare (etwa zu Forschungskontroversen) durch Fußnoten nicht vermisst und sich vor allem zur persönlichen Weiterbildung mit der Person Hitlers auseinandersetzen will, kann getrost zu dieser Ausgabe greifen. Zumal bei diesem vergleichsweise attraktiven Preis.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2016 9:41 PM CET


Wahnsinn: Eine kleine Kulturgeschichte
Wahnsinn: Eine kleine Kulturgeschichte
von Roy Porter
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungene Einführung, 29. Juli 2009
Das Buch erläutert, welche Verhaltensmuster von der Antike bis zur Gegenwart als "Wahnsinn" klassifiziert- und welche Konzepte zur Behandlung bzw. Heilung der Betroffenen entwickelt und praktiziert wurden. Überlegungen zu biologischen und sozialen Ursachen von Geisteskrankheiten spielen hingegen keine Rolle. In den Exkursen zur Antike rekurriert der Autor dabei auf Fallbeispiele aus Ägypten und Griechenland, während er sich für die Neuzeit weitgehend auf England konzentriert. Vereinzelt richtet er den Blick jedoch auch auf Frankreich, auf Deutschland und Österreich, sowie auf die USA. Andere Länder spielen hingegen keine Rolle.

Sprachlich ist das Buch eindeutig auf interessierte Laien ausgerichtet: Fachtermini, deren Bedeutung erst recherchiert werden müsste, spielen überhaupt keine Rolle. Die Darstellung gleitet jedoch nie ins Populärwissenschaftliche ab. Man verliert an keiner Stelle das Gefühl, dass der Autor als Wissenschaftler sein Metier souverän beherrscht, wenngleich er manche Thesen zugunsten der Lesefreundlichkeit zweifellos stark zugespitzt formuliert hat.

Mein wesentlicher Kritikpunkt richtet sich darauf, dass die Darstellung an einigen Stellen über eine etwas uninspiriert wirkende Aneinanderreihung einschlägiger Autoren und Werktitel nicht hinaus kommt, wobei die Informationen zu den von jenen Autoren vertretenen Kernthesen oftmals arg knapp ausfallen. Eine stringente, analytische Durchdringung der Materie im Sinne des Herausarbeitens der entscheidenden, langfristigen Entwicklungslinien, des Scheidens von Wesentlichem und Unwesentlichem, gelingt meines Erachtens nach nicht immer.

Durch die ausführlich kommentierte Liste weiterführender Literatur wird dieser Mangel jedoch ein gutes Stück weit kompensiert: Durch sie wird dem Leser die Suche nach Publikationen sehr erleichtert, in denen er sich bei Bedarf zu einzelnen Aspekten der Darstellung ausführlicher informieren kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2012 9:06 PM MEST


Panasonic RP HV 200 E S Ohrhörer silber
Panasonic RP HV 200 E S Ohrhörer silber

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide aber mit großem Manko, 5. Mai 2009
Pluspunkte sind:
1) Die Soundqualität ist für dieses Preisniveau definitiv zufriedenstellend. Allzu viel darf man freilich nicht erwarten: Die Ohrhörer eignen sich fürs Musikhören nebenbei, etwa beim Sport oder - wer's mag - auch beim Arbeiten am Laptop. Ein spektakuläres Klangerlebnis liefern sie derweil nicht, dafür müsste man einige Preisklassen weiter oben schauen.
2) Die Ohrhörer machen einen robusten, zuverlässlichen Eindruck.

Größtes Manko ist, dass die Gummiüberzüge des Kopfhörers bei längerem Hören (ab ca. einer Stunde) Schmerz verursachen können. Meine Gehörgänge jedenfalls reagieren sehr sensibel. Wenn sie einmal "wundgehört" sind, kann ich die Ohrhörer eigentlich nur noch ohne die Überzüge hören, was den Halt der Ohrhörer sehr stark verschlechtert, worunter wiederum die Klangqualität leidet (es sei denn man hat beide Hände frei, um die Stöpsel ans Ohr zu drücken).

Dieses Problem vermindet für mich signifikant den Wert der Ohrhörer.


If Chins Could Kill: Confessions of A B Movie Actor
If Chins Could Kill: Confessions of A B Movie Actor
von Bruce Campbell
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,10

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charismatisch, informativ und vor allem: witzig, 20. April 2009
Randvoll mit witzigen Anekdoten, voller nicht minder amüsanter Bilder und Aufzeichnungen Campells von seiner Kindheit auf bis (fast) in die Gegenwart, ein herber aber immerzu augenzwinkernder Sinn für Humor, Zitate aus zahlreichen interessanten bis absurden Fan-Mails und nicht zuletzt: Jede Menge Ausflüge hinter die Kulissen der vielen Filme und Serien, an denen Campbell mitgewirkt hat. Man erfährt vieles darüber, wie die Maschinerie "Hollywood" funktioniert, freilich immer exklusiv aus der Perspektive eines Schauspielers, der niemals den wirklichen Durchbruch geschafft hat und auch die Hoffnung, den Durchbruch schaffen zu können, schnell aufgab, ohne aber deshalb zu verbittern.

Dies, kombiniert mit nicht weniger als 50 Kapitel auf etwas mehr als 300 Seiten, trägt dazu bei, dass das Buch genau die unterhaltsame, kurzweilige und zugleich informative Lektüre geworden ist, die ich mir erhofft habe. Natürlich sind die "Evil Dead" Filme häufiger ein Thema, aber Campbell lässt ihnen nicht mehr Raum zukommen, als ihnen wirklich "zusteht", soll heissen: Er kommt nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf sie zurück um die 300 Seiten zu füllen, sondern setzt viele andere, eigenständige Schwerpunkte. Besonders gelungen fand ich etwa Campbells Bemerkungen zu seinen Aufeinandertreffen mit Stars der Szene, etwa David Duchovny, Paul Newman oder den Coen Brüdern.

Normalerweise meide ich Autobiographien, aber spätestens nach dem Film "My Name is Bruce" gewann ich die Überzeugung, dass Campbell ein sehr sympathischer und charismatischer, keineswegs auf den Kopf gefallener Mensch sein würde, dessen Buch zu lesen sich lohnen könnte. Zu meiner Freude haben sich all diese Annahmen mehr als bestätigt.


Cicero: Redner, Staatsmann, Philosoph (Beck'sche Reihe)
Cicero: Redner, Staatsmann, Philosoph (Beck'sche Reihe)
von Wilfried Stroh
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

38 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Informativ und ausgewogen, 15. April 2009
Wilfried Stroh - emeritierter Professor für Altphilologie an der LMU München - schafft es, auf dem knappen ihm zur Verfügung stehenden Raum, allen wesentlichen Aspekten des Lebens Ciceros gerecht zu werden, ohne dabei für Laien der Altertumswissenschaft unverständlich zu werden. Der Autor ist immerzu darum bemüht, seine legitimen Interessensschwerpunkte - namentlich Stil und Inhalt der Reden Ciceros, sowie dessen "platonisches" Weltbild und Wertesystem - historisch einzubetten. Die Reden Ciceros werden beispielsweise nicht nur auf ihren rhetorischen Glanz und ihre sprachgeschichtliche Bedeutung hin beleuchtet, sondern auch auf ihre politikgeschichtlichen Ursachen und Wirkungen.
Der zugleich philologische und historische Zugriff macht das Buch für mich sehr lesenswert. Meinen ersten Informationsdurst hat es jedenfalls gestillt, wobei sich von selbst versteht, dass auf etwa 110 Seiten Text nicht alle Fragen, die der Leser mitbringt, geklärt werden können.
Angenehm ist zudem, dass Stroh den Fehler zahlreicher Biographen, die Aktualität ihres Gegenstandes überzustrapazieren, umgeht. Ein prinzipientreuer Verfechter der römischen Republik (bzw. Anhänger des römischen Senats) macht schließlich noch keinen genuinen Vorkämpfer der freiheitlich demokratischen Grundordnung unserer Zeit, als der er verklärt werden könnte.


Voltaire (Beck'sche Reihe)
Voltaire (Beck'sche Reihe)
von Jürgen von Stackelberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unterschlagene Schwerpunktsetzung, 12. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Voltaire (Beck'sche Reihe) (Taschenbuch)
Gerade bei Sachbüchern sollte der erste Blick dem Autoren gelten: Hier lässt der Band keine Wünsche offen, denn Jürgen von Stackelberg ist nicht etwa irgendein Autor, sondern emeritierter Romanistikprofessor der Universität Göttingen, dessen wissenschaftliches Werk ihn als Voltaire-Koryphäe ausweist.

Dass ich dennoch nur drei Sterne vergeben möchte ist der Tatsache geschuldet, dass in Stackelbergs Buch fast ausschließlich die Werke Voltaires besprochen werden, wohingegen man kaum etwas über das Leben des Dichters erfährt. Der Epiker, Theatermacher, Historiker, philosophische Romancier und - nicht zuletzt - Briefeschreiber Voltaire wird zwar trotz des knappen Raums anschaulich herausgearbeitet, das biographische Interesse aber, das die meisten Leser zweifellos mitbringen, bleibt durch diese Schwerpunktsetzung unbefriedigt.

Nun ist es an sich freilich legitim, einen thematischen Schwerpunkt zu setzen. Interessente müssen jedoch vor dem Kauf unmissverständlich auf ihn aufmerksam gemacht werden. Der nicht weiter aufgeschlüsselte Titel "Voltaire" suggeriert schließlich, dass man sich in dem Buch über Leben und Werk des Dichters informieren kann. Dies ist jedoch leider nur zur Hälfte der Fall.


No Country for Old Men
No Country for Old Men
von Cormac McCarthy
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Spätwerk, 19. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: No Country for Old Men (Taschenbuch)
Im Grenzgebiet zwischen Amerika und Mexiko spielend sieht sich der Kleinstadt-Sheriff Bell - als klassischer Texaner mit Cowboy Habitus Vertreter einer aussterbenden Spezies - plötzlich von einem Ausbruch exzessiver Gewalt und Kriminalität konfrontiert, dem er, von einem neuen Zeitgeist überfordert und überholt, als alternder Mann nicht mehr gewachsen ist. Illustriert wird dies vor allem daran, dass er dem Kapitalverbrecher Chigurh immer um einen bis drei Schritte hinterher hinkt. Trotz seines ernsten Bemühens hat man auf keiner Seite das Gefühl, es bestehe eine Chance, dass er dem Täter wirklich gefährlich werden kann. Dies liegt vor allem daran, dass ihn Chigurh an Skrupel- und Kompromisslosigkeit weit in den Schatten stellt (obgleich auch Bell nicht als reiner Saubermann konzipiert ist).
An irgendeinem Punkt der Geschichte treffen alle Charaktere Entscheidungen, deren Konsequenzen sie langfristig nicht mehr revidieren können. Sie werden entweder von ihnen überrollt, oder von ihnen getragen, indem sie sie, gleich wohin sie führen, rücksichtslos bejahen. Vor diesem Hintergrund bestimmen nicht die reflektierenden und abwägend handelnden, sondern die vehement dezisionistischen und kaltblütigen Charaktere den Verlauf der Story. Bell kann unter diesen Voraussetzungen die Handlung nicht beeinflussen, sondern nur (in Form tagebuchartiger Sentenzen) kommentieren, was in der Regel in einem sehr sachlichen Ton geschieht, obgleich er - von einem eigenen Schuldkomplex belastet - unter seiner Unfähigkeit, seiner Aufgabe gerecht zu werden und also seinen Mitbürgern zu helfen, merklich leidet.
Der Generationswechsel, der als ein - wenn auch nur abstrakt artikuliertes - Hauptthema des Romans gelten kann, vollzieht sich nicht mehr, wie es Bell selbst als junger Mann erlebt hat und als alter Mann wieder zu erleben hofft, als ein halb evolutionärer, halb unter konservativen Vorzeichen stehender Aneignungs- und Optimierungsprozess, sondern als ein gewaltträchtiger, von Vereinnahmung und Verdrängung gekennzeichneter Vorgang. In einem solchen Kontext freilich kann sich der, trotz allem, aufmerksame Beobachter Bell selbst nurmehr noch als deplazierte, ausrangierte, überaltete Person wahrnehmen und definieren, in einer zunehmend fremd werdenden Heimat, being no (more a) country for old men...

Sprachlich und stilistisch fällt das Buch, wohlgemerkt für McCarthys Verhältnisse, eher durchschnittlich aus. Die Höhen etwa von "Blood Meridan" oder unlängst "The Road" werden jedenfalls nicht erreicht. Das lässt "No country for old men" aber zu einem guten Testobjekt werden, ob man den Autor im Original oder doch eher in der Übersetzung lesen möchte. McCarthy ist sicher zu den sprachlich eher anspruchsvollen Autoren zu rechnen. Wer bei "No country for old men" Verständnisprobleme hat, sollte nach meinem Dafürhalten bei anderen Romanen lieber zur Übersetzung greifen.


The Strangers [UK Import]
The Strangers [UK Import]
Wird angeboten von leo of johnson
Preis: EUR 6,61

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Regiedebut, 14. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: The Strangers [UK Import] (DVD)
"The Strangers" hat kein innovatives Thema: Hübsches Pärchen wird in einem Sommerhaus von maskierten, sadistischen Übeltätern heimgesucht. Doch was bei "Scream" & Co. vor allem aufgrund dilettierender Darsteller notorisch in die Hose geht, funktioniert hier ausgesprochen gut, denn

a) kommen die Hauptdarsteller außerordentlich sympathisch rüber, man will und fiebert mit, dass ihnen nichts passiert, wodurch der Film sehr spannend wird
und
b) der Film rein atmosphärisch ein Triumph ist (nicht eine einzige übertriebene Effekthascherei, vor allem ein sehr überlegter Einsatz von Dunkelheit, die Angst der Protagonisten wird ebenso einfühlsam wie intensiv transportiert, auch wenn nicht viel gesprochen wird).

Endlich die für mich erste gelungene Verfilmung eines interessanten und beängstigenden Szenarios, zumal hier die reine, grausame Zufälligkeit der Auswahl der Opfer kompromisslos eingehalten wird, also kein billig konstruierter Racheakt:

"Why are you doing this?"
...
"Because you were home"

Schattenseiten hat der Film leider auch, denn das Verhalten der Darsteller macht zum Teil einen etwas dummen Eindruck. Wenn man dem Film gegenüber negativ eingestellt ist, kann man ihn vor diesem Hintergrund als "unlogisch" verurteilen und verwerfen. Wenn man hingegen positiv eingestellt ist, kann man das zum Teil irrationale Verhalten als Folge totaler Verängstigung werten und hierdurch erklären.
Sich deswegen den Film verderben zu lassen wäre jedoch Unsinn.


The Easter Parade
The Easter Parade
von Richard Yates
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,84

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles in allem durchaus lesenswert, 3. November 2008
Rezension bezieht sich auf: The Easter Parade (Taschenbuch)
Das Buch schildert die zwischen den 30er und 70er Jahren eingewobene Lebensgeschichte der beiden von ihrer allein erziehenden Mutter Pookie großgezogenen Schwestern Sarah und Emily. Sarah heiratet (zu früh), führt ein augenscheinlich erzgewöhnliches Eheleben, ist jedoch - dies sickert bald durch - emotional abhängig von der Partnerschaft, da sie nicht auf sich allein gestellt leben will und kann. Emily derweilen studiert, macht im Rahmen ihrer Möglichkeiten Karriere, hat zahlreiche notorisch unbefriedigende Affären, ist peinlich auf Wahrung ihrer Unabhängigkeit bedacht, leidet aber zugleich an ihren eigenen Bindungsängsten und der Einsamkeit, den ihr ihr Lebenswandel als Wegzoll abverlangt.
Das Buch erzählt im Kern, wie die beiden Schwestern, mitsamt ihrer zunehmend alkoholkranken Mutter, trotz ihrer völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten, Verhaltensweisen und Lebenswege nach und nach emotional in eine sehr ähnlich gestrickte Unglücklichkeit stürzen, gerade weil sie sich gegenseitig keinen Halt zu geben verstehen.

Die Stärke des Buches zeigt sich besonders in den direkten Aufeinandertreffen der drei Frauen. Hier wird die zwischen ihnen trotz gegenseitiger Empathie und Sympathie beständig wachsende Distanz und Entfremdung eindrucksvoll eingefangen. Schicksalsschläge werden im Gespräch nur verharmlosend angedeutet, Lösungsstrategien nur halbherzig entwickelt. So bleiben die fundamentalen Probleme der Frauen '- Sarahs zerrüttetes Eheleben, Pookies Depressionsanfälligkeit, Emilys zunehmende soziale Isolierung - ungelöst, aus mangelnder empathischer Konsequenz einerseits und falsch verstandener gegenseitiger Rücksichtnahme andererseits.

Von der stilistischen Gestaltungskraft halte ich das Buch für eher durchschnittlich, der Ton ist immer sehr nüchtern, die Sprache schlicht, was die Distanziertheit der Protagonisten bisweilen zwar ästhetisch wertvoll unterstreicht, in manchen Schlüsselszenen der Story aber, die nach einer dynamischeren, aufwühlenderen Prosa verlangen würden, etwas deplaziert wirkt. Als weitere Schwäche empfand ich, dass Emily - die ich nicht zwingend für den interessanteren Charakter halte - viel mehr Raum im Roman einnimmt, als ihre Schwester und Mutter. Infolge dessen bleiben Sarah und Pookie vor dem Hintergrund des gut ausgearbeiteten Charakters Emilys leider vergleichsweise blass.

Andererseits generiert der permanent bodenständig-nüchterne Ton häufig eine Atmosphäre der Authentizität, weshalb man die Handlungsweisen der drei Frauen - gleichwohl sie oftmals unschwer als egozentrisch und fahrlässig zu erkennen sind - in der Regel als menschliche Schwächen nachzuvollziehen vermag.


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