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Rezensionen verfasst von
Lorraine

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Arias for Caffarelli
Arias for Caffarelli
Preis: EUR 18,98

12 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Caffarelli, 18. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Arias for Caffarelli (Audio CD)
Bislang gab es keine CD nur mit Arien, die von dem Kastraten Caffarelli gesungen worden sind. Dies, obwohl unsere hervorragenden Barocksängerinnen diese Arien schon lange mühelos beherrschen. Die unsympatisch-arrogante Persönlichkeit Caffarellis und die Legende, er habe das Singen allein durch technische Übungen erlernt, haben bislang wohl abgeschreckt.
Nun singt Franco Fagioli Arien „für Caffarelli“.
Man bekommt zwei sehr gut Arien von Hasse, eine von Porpora, eine seltsam im Stil abweichende von Pergolesi und ein paar von vergessenen Kleinmeistern des Barock, von denen man beim Hören gleich versteht, warum die vergessen sind (und es sicher auch bleiben werden). Musik von Komponisten wie Manna ist nichts anderes als gefällig. Man bekommt außerdem ein gutes Ensemble, obwohl die übertriebende plötzliche Verwendung eines affektierten rubato in der Arie von Pergolesi eher stört. Und man bekommt einen Countertenor, der mittels extremer Anspannung in Gesicht und Hals seinen Kehlkopf ständig in einer solchen Position zu halten vermag, dass er so ziemlich jeden möglichen Ton erreicht. Jeder Gesangslehrer des Barock hätte Fagioli für diese Gesichtverzerrungen hinausgeworfen - Kastraten mussten bekanntlich stundenlang vor einem Spiegel üben, damit sie sich keinerlei seltsame Gesichtsbewegungen angewöhnten. Der Gewinn der Anspannung sind sehr schöne hohe Töne. Das mittlere Register aber leidet doch sehr unter dieser Technik, es klingt stetig seltsam matt und gedrückt, bei einigen Tonhöhen etwas hohl. Dies ist sicherlich Geschmackssache, mir gefällt dieser Klang nicht und verhindert damit leider auch, dass ich die höheren Passagen genießen kann. (Ich persönlich hoffe nur, dass nicht noch andere junge Männer auf die Ideen kommen werden, diese eigenartige, etwas selbstquälerische Technik zu imitieren.) Dann kommt in dieser CD noch das Brustregister hinzu, so dass es vollends klingt, als sängen mehrere Sänger die Arien; ein sehr mattes und großenteils schwaches Register übrigens, das offensichtlich überhaupt nur hörbar ist, weil der Sänger dabei extrem nahe am Mikrophon ist.
Was leider bei dieser CD wie allgemein bei Fagioli über alles andere dominiert, ist, dass er vollkommen damit beschäftigt ist, die Töne hervorzubringen, und nichts anderes passiert. Es kommt beim Hören nicht ein Funken von Emotion an. Der Gesang enthält kein Gefühl und wird damit auf die Dauer nur langweilig und ermüdend. Es gibt auch keine klanglichen Unterschiede, was dafür wohl eine Voraussetzung wäre. Jeder Ton klingt abhängig von seiner Tonhöhe so-und-so. So hört man sich also eine Menge Töne an, von denen wie gesagt viele mir nicht besonders angenehm klingen. Berührt wird man von diesen Arien nicht. Es fehlt das Erlebnis.
Leider ist außerdem in der ersten virtuosen Arie die Intonation Fagiolis in den schnelle Passagen recht fehlerhaft; es ist verwunderlich, dass der Tontechniker dies hat durchgehen lassen. Hier erreicht auch Fagioli offensichtlich die Grenzen seiner technischen Fähigkeiten, obwohl die Arie auch nicht schwieriger ist als andere Bravourstücke. (In den anderen Arien ist die Intonation gut.) Ein zusätzliches technisches Problem ist, dass Fagioli oft mitten in wichtigen Koloraturpassagen hörbar nach Luft schnappt, was doch ziemlich stört. Hier wäre vielleicht eine bessere Einteilung des Atems ratsamer gewesen - oder vielleicht konnten wirklich nur Kastraten diese Arien korrekt singen? Dies ist jedenfalls ein Stilfehler; mitten in einer Koloratur hat ein Einatmen wirklich überhaupt nichts zu suchen, und ich möchte nicht lesen, wie die Kommentare lauten würden, würde eine unserer exzellenten Sängerinnen (Bartoli, Genaux, Hallenberg, usw. usw.) so etwas tun. Das eine messa die voce, das Fagioli bietet, hat ein starkes vibrato, womit es natürlich viel leichter zu singen ist. Die Verzierungen durch Fagioli sind nicht besonders auffällig, bieten aber auch keine besondere Verbesserung der Musik. Insgesamt schade. Man hätte mehr erwartet.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2013 10:04 AM MEST


Arias for Farinelli (Deluxe Edition)
Arias for Farinelli (Deluxe Edition)
Preis: EUR 22,33

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musik ist mehr, 17. September 2013
als, die Töne zu singen, die in den Noten stehen. Philippe Jaroussky beweist dies sehr eindrucksvoll auf dieser CD mit Arien von Nicola Porpora. Zufällig wurden diese Arien alle von Farinelli gesungen. Auch eher nebenbei gehören diese Arien mit einem Stimmumfang von zwei Oktaven und aberwitzigen Läufen und Koloraturen sowie enormen Intervallsprüngen zu den virtuosesten, die je für einen Sänger komponiert wurden, und Jaroussky singt sie hörbar perfekt und mühelos. Kein Zufall ist es hingegen, dass von Jaroussky gesungen jede Note den Zuhörer ins Herz trifft, man jedes Wort versteht, ob man Italienisch kann oder nicht, sich die Bedeutung der Arien direkt auf einen überträgt. Die Sensibilität, mit der Jaroussky jeden einzelnen Ton gestaltet, die Feinheit seiner Phrasierung, durch die die Musik so sprechend wird, sind zumindest unter den Countertenören einzigartig. Andere Counter haben für jede Tonhöhe nur eine erzwungene (oft geqetschte oder gequälte) Klangfarbe; Jaroussky hat ein ganzes Farbspektrum frei fließender, schwereloser Töne und gestaltet die Musik, so dass sie uns berührt. Das ist das Entscheidende.
Erfreulich außerdem, zu hören, dass Jarousskys Stimme in den letzten ein oder zwei Jahren in der Höhe noch stärker und klarer geworden ist. Und die Beweglichkeit, die der Sänger in dieser CD mit feinsten Verzierungen und Ornamentierungen zeigt (in zwei Duetten im zärtlichen Wettbewerb mit Cecilia Bartoli), ist schlicht frappierend. Vermutlich die beste CD von Jaroussky, und sicherlich besser, als die, die von geschickten Marketingstrategen gerade als vermeintliche Rivalen aufgebaut werden. Man wird sich auf Jarousskys Tournee mit diesen Arien im Herbst 2013 davon überzeugen können.


Rivals - Arias for Farinelli & Co.
Rivals - Arias for Farinelli & Co.
Preis: EUR 18,99

15 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Höchst mittelmäßig, 29. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Rivals - Arias for Farinelli & Co. (Audio CD)
Diese vollmundig betitelte und hübsch aufgemachte CD hält leider gar nicht, was sie verspricht. Hansen ist ein höchstens mittelmäßig begabter Countertenor, der einfach alles mit zu viel Druck und einem gepressten Kehlkopf singt, was einen recht beeinträchtigten, irgendwie schleifenden Klang hervorbringt, und Hansens Stimme auf die Dauer sicherlich keinen Gefallen tun wird. Leider singt Hansen außerdem die Koloraturen, die auf dieser CD schon ziemlich einfach sind, sehr ungenau. Da fehlt es im Vergleich mit anderen Countertenören sowohl an Begabung als auch an Fleiß. Zudem stört, dass die Register sehr ungleichmäßig klingen, als höre man abwechselnd zwei verschiedene Sänger. Die Arien auf dieser CD sind einfach eine beliebige Auswahl von Stücken, die von Kastraten gesungen wurden (wie damals eigentlich alle Arien), lieblos zusammengeworfen. Kein wirkliches Programm. Außerdem ein Punkt Abzug für den dreisten Versuch, mit dem Namen Farinelli im Titel Käufer von der neuen CD "Farinelli-Porpora" von Jaroussky abzuwerben - die mit Sicherheit erheblich besser sein wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 2, 2013 9:00 PM MEST


Enchanted Forest
Enchanted Forest
Preis: EUR 14,99

20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider ganz daneben, 24. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Enchanted Forest (Audio CD)
Die Videos zu dieser Produktion mit einer à la Kermes, ein bißchen verrückt, aber auch sexy dargestellten Prohaska ließen schon nichts Gutes erwarten. Leider werden die Befürchtungen akustisch noch übertroffen. Unglaublich eigentlich bei diesem höchst kompetenten Ensemble, das zuletzt eine CD mit einer ausgezeichneten Sängerin eingespielt hat und damit erfolgreich war.
Nicht so Prohaska. Ihre beinahe durchgehend höchst unsauberen Koloraturen und teilweise sirenenhaft die Tonhöhe suchenden, aber verfehlenden Töne haben in einer Barockeinspielung schlicht nichts zu suchen. Der Stimmansatz und der Stil Prohaskas mit einer ungleichmäßigen, mit zu viel Druck erzeugten Tonhervorbringung sind insgesamt nicht barock; man fragt sich, in welcher Epoche man hier eigentlich gelandet sein soll. Noch gravierender sind allerdings die wirklich schlechte Intonation und die unausgereifte Atemtechnik, die immer wieder zu beinahe unhörbaren, völlig klanglosen letzten Tönen einer Phrase führt. Man hat sich offensichtlich auch nicht die Mühe gemacht, als diese Fehler wenigstens auf dem Schneidetisch noch zu bearbeiten; leider auch eine lieblose Produktion.
Das ausgewählte Repertoire ist leider auch nur Altgebekanntes. Was "Combattuta da due venti" mit einem Wald zu tun haben soll, könnte man sich auch fragen. Wichtiger ist, dass hier nichts Originelles gebracht wird, sondern nur, was man anderswo schon besser gehört hat. Sehr schade.
Es wäre schön, wenn in Zukunft, da es so viele junge Sängerinnen gibt, die wirklich Barockmusik singen können, Aufnahmen mit diesen entstünden, und nicht aus schlichter Profitgier mit einer Sängerin, die offensichtlich in diesem Repertoire nicht zuhause ist. LiebeR LeserIn, wenn Sie Barockmusik möchten, kaufen Sie doch bitte besser irgendetwas anderes - mit einer der Damen Gauvin, Piau, Kirkby, Bartoli, Genaux, wem auch immer...! Und wenn Sie Prohaska hören möchten, wie wäre es mit „Sirene“?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2013 9:58 AM MEST


Venezia-Opera Arias
Venezia-Opera Arias
Preis: EUR 15,35

7 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mal wieder Vivaldi, 14. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Venezia-Opera Arias (Audio CD)
Schon seit Jahren ist zu beobachten, dass Max Cencic, dessen Gesang in langsamen, traurigen Stücken durchaus beachtlich ist, gegen die Natur seiner Stimme und sein Talent singt und sich damit keinen Gefallen tut. Vielleicht meint der Sänger, gegen sein eher androgynes (so nennen es zumindest viele) Timbre mit Stärke angehen zu müssen – aber warum eigentlich? In der vorliegenden Einspielung geht dieser Trend weiter auf einer CD, bei der sich EMI anscheinend bemüht hat, möglichst viel Geld zu sparen – nur Besetzung mit Streichern, kein einziger Bläser, Aufnahme in einem (wie man auf den Videos sehen kann) kleinen Raum und mit kleiner Besetzung, und vor allem Arien, die man schon anderswo gehört hat, und viel von Vivaldi. Das mit einem Ensemble, das durch plötzliche krasse Lautstärkeausbrüche in den lebhafteren Stücken den musikalischen Gesamtzusammenhang zerreißt und damit keinen guten Eindruck hinterlässt. Vor allem aber hört man von Cencic eine weitere Steigerung seiner Eigenheiten. In der Höhe drückt der Sänger so sehr auf die Tube, dass sein Ton einfach unschön gellend und scharf wird; dabei hätte Cencic es durchaus nicht nötig, zu schreien. Aber da nützt auch sein im piano durchaus schönes Timbre nichts, um den Gesamteindruck zu retten. Vor allem, weil Cencic offenbar meint, heroische Stücke seien am besten, deren Koloraturen dann aber ohne rechte Phrasierung völlig mechanische herunterrattert, als ginge es ihm darum, möglichst bald fertig zu sein. Und in den dramatischen Stücken setzt er seine Stimme wieder zu stark, zu hart ein, als dass er den richtigen Ausdruck träfe. Zudem hört man hier überwiegend Vivaldi, während einige bedeutende Komponisten der Zeit gänzlich ausgelassen wurden. Alles in allem kein großer Wurf. Schade.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2013 4:22 PM CET


Handel: Alessandro
Handel: Alessandro
Preis: EUR 25,99

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältiger Gesamteindruck, 6. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Handel: Alessandro (Audio CD)
Karina Gauvin überzeugt in ihrer umfangreichen Rolle der Lisaura wie stets mit makellosem Sopranton und souveräner Technik. Ihr Ausdrucksspektrum und ihre Technik sind bemerkenswert, ihr Timbre ist schlicht traumhaft.
Julia Lezhnevas Stimme ist in der Höhe hell und klar, im mittleren und tieferen Register mit einem in Anbetracht ihrer Jugend erstaunlich warmen und vollen Stimmklang.
Leider enttäuscht Max Cencic in der Titelrolle wie in den letzten Jahren immer wieder mit einem metallischen Klang, einer Stimme, die sich in der Höhe verengt und unangenehm grell wird. In der Rolle des Alessandro wäre eine der wunderbaren Altistinnen unserer Zeit eine erheblich stimmstärkere und heroischere, somit bessere Besetzung gewesen. Außerdem singt Cencic immer wieder erkennbar lediglich die Noten herunter, noch dazu in gehetztem Tempo und mechanischem Duktus. Bei seinem stets gleichem, höchstens mal etwas klagsamen Stimmklang ohne wirkliche Differenzierung klingen außerdem leider alle Arien gleich, ohne dass man erkennen könnte, welche Emotion gerade dargestellt werden sollte.
Zu dem Mechanischen dieser Einspielung trägt wesentlich auch das Ensemble bei, das die Arien überwiegend möglichst schnell herunterreißt, ohne Rücksicht auf den Sänger. Beim Vergleich zeigt sich, dass beinahe alle Arien erheblich schneller gespielt werden als in anderen Einspielungen, andere langsamer, was der Musik oft wenig gerecht wird. Zudem stören übertriebene Dynamikausbrüche den Gesamteindruck.
Weiter getrübt wird das Hören dieser Aufnahme durch die Besetzung mit dem Tenor Sancho, dessen grelle Stimme und unter Hochdruck stehende Gesangsweise für Verdi vermutlich gut geeignet ist, für Barockmusik aber gänzlich unpassend und schlicht störend. Es ist mir ein Rätsel, warum irgendjemand diesem Sänger, der außerdem seine Rezitative im Sprechgesang darbietet und offensichtlich keine Ahnung von barocker Gesangstechnik hat, Rollen ausgerechnet in Barockopern gibt.
Die Stimmen des Countertenöre, u.a. Xavier Sabata, sind anders timbriert als die von Cencic, ansonsten lässt sich ihrem Gesang jedoch nicht allzu viel abgewinnen.


Sams, Jeremy - The Enchanted Island [2 DVDs]
Sams, Jeremy - The Enchanted Island [2 DVDs]
DVD ~ Danielle de Niese
Preis: EUR 21,58

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Populistische Produktion, 12. Januar 2013
Als "Pasticcio" bezeichnete man im Barock eine Zusammenstellung beliebter Arien verschiedener Komponisten, oft etwas mühsam durch eine Handlung zusammengehalten. Das Vorliegende soll wohl ein Pasticcio sein, kann aber nicht munden. Zu schlecht geschrieben sind die englischen Texte von Jeremy Sams, zu unförmig die Handlung, die Ideen aus zwei Stücken von Shakespear zu einem chaotischen Ganzen zusammenwirft. Warum außerdem schon wieder Danielle de Niese Musik des Barock singen soll, obwohl sie die dafür nötige Technik nicht beherrscht, ist mir einfach schleierhaft. Placido Domingo gibt seinen berühmten Namen, um die Produktion aufzuwerten, hat aber natürgemäß erhebliche Schwierigkeiten mit dem ihm unvertrauten Stil. Und Joyce di Donato und David Daniels sollten eigentlich besseres zu tun haben, als in dieser schlicht populistischen, unverkennbar primär auf finanziellen Gewinn ausgerichteten Produktion mitzuwirken. Schade um die Musik von Händel, Vivaldi, Rameau und Purcell, die eine stilgerechte Aufführung verdient hätte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2013 7:15 AM CET


Dramma
Dramma
Wird angeboten von alphamusic-shop
Preis: EUR 17,99

18 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wiederholung eines kommerziellen Konzepts, 20. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Dramma (Audio CD)
Wer sowohl die helle und klare Höhe der Stimme von Simone Kermes als auch ihre wenig gestützte Mittellage sehr klangschön findet, konnte auf die CD „Dramma“ gespannt sein. Leider wird diese Erwartung aber sowohl in der Gesangstechnik als auch im Ausdruck sehr enttäuscht. Die Arien von Hasse, Porpora usw. sind wunderschön, aber der Gesang von Frau Kermes berührt seltsamerweise nicht. Eine unsaubere Intonation dürfte bei einer langsamen Arie wirklich nicht sein, findet sich hier aber leider mehrfach. Das „messa di voce“ zu Beginn der ersten langsamen Arie setzt bei Frau Kermes statt im pianissimo mit einer verwackelten Intonation ein, die ihre mangelnde Vertiefung in die Musik zeigt, und auch ansonsten fällt ihre Interpretation gegen die von Philippe Jaroussky drastisch ab. Bei den virtuosen Arien stören besonders Ungenauigkeiten in den Koloraturen, eine wohl als ausdrucksvoll intendierte, aber dem Barock unangemessene ungenaue zeitliche Gestaltung, sowie einfallslose und wenig kreative da capos. Die teilweise etwas eigenwillige Aussprache des Italienischen ist damit verglichen zweitranging. Insgesamt entsteht der Höreindruck, dass Frau Kermes die Musik, die sie hier singt, gefühlsmäßig nicht durchdringt, sondern sie nur als Anlass verwendet, ihre Gesangstechnik und ihre hohen Töne vorzuführen. Vermutlich ist dies der Grund dafür, dass diese Arien den Hörer leider viel weniger beeindrucken und bewegen, als diese großartige Musik es verdient hätte.
„Dramma“ ist inzwischen das dritte Album von Simone Kermes mit einer höchst beliebigen, unter einen dramatischen Titel gestellten Auswahl von Arien einiger herausragender Komponisten des Barock. Ob dieses offensichtlich primär kommerzielle Konzept für die Reputation von Frau Kermes insgesamt nützlich sein wird, erscheint mir fraglich. Die Gestaltung mit nachbearbeiteten Fotos, auf denen Simone Kermes eher einer Schaufensterpuppe als einem Mensch gleicht, ist sicherlich Geschmackssache. Meiner Ansicht nach hätte das umfangreiche Booklet insgesamt besser genutzt werden können.
Zu Ersteinspielungen von Porpora scheint mir eher die erste diesem Komponisten gewidmete CD „Porpora Arias“, perfekt und anrührend gesungen von der brillanten Sopranistin Karina Gauvin, empfehlenswert.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2012 6:21 PM MEST


Monteverdi, Claudio - L'incoronazione di Poppea [2 DVDs]
Monteverdi, Claudio - L'incoronazione di Poppea [2 DVDs]
DVD ~ Danielle de Niese
Preis: EUR 25,22

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitloser Operngenuss, 13. Mai 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Oper "L'Incoronazione di Poppea" ist ein spät im Leben Monteverdis entstandenes Meisterwerk, das hier in angemessen perfekter Form dargeboten wird. Philippe Jaroussky als Nerone ist die perfekte Besetzung - diese extrem schwere Partie in Sopranlage meistert Jaroussky mit seiner unglaublich hellen, klaren, beweglichen und ausdruckvollen Stimme in atemberaubender Weise, und als Schauspieler überzeugt er über alle Erwartungen hinaus. Diese Rolle muss einfach von einem Countertenor gesungen werden, um sowohl die erotische Spannung der Oper als auch die unterschwellige Bedrohung, die von diesem halbverrückten Poetenkönig ausgeht, ganz zu vermitteln, und Jaroussky wächst in ihr mit seinen Ausdrucksmitteln, vom Süßesten bis hin zu einer immer noch klangschönen Aggressivität, geradezu über sich hinaus.. Auch die anderen Sänger überzeugen stimmlich, technisch und schauspielerisch - besonders genannt werden sollten zumindest Anna Bonitatibus, die als leidende Königin mit ihrer emotionalen Überzeugungskraft und glühendem Gesang noch einen Stein zum Mitgefühl erweichen könnte, und die junge Ana Quintans, die als Drusilla mit einer glasklaren, hochbeweglichen Stimme erfreut. Auch in den Nebenrollen finden wir einige weniger bekannte, aber hervorragende Sängerinnen und Sänger. Danielle de Niese als Poppea überzeugt stimmlich weniger, da sie nicht wirklich in Barocktechnik singt, wirkt aber für die Rolle sehr überzeugend, schafft mit Jaroussky in den Paarszenen ein ausgeprägtes Knistern und verziert die Inszenierung im visuellen Bereich sehr (ihre Kostüme sind auch alle sehr vorteilhaft). Die Inszenierung ist sehr geschmackvoll, die Kostüme allerdings überzeugen nicht alle, aber das ist wohl eine Frage des Geschmacks. Dass William Christie mit seinem Ensemble "Les Arts Florissant" die Oper so lebhaft und abwechslungsreich wie souverän musiziert, ist so selbstverständlich, dass es kaum betont zu werden braucht.


Stabat Mater
Stabat Mater
Preis: EUR 21,09

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kommerz statt Schönheit, 8. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Stabat Mater (Audio CD)
Dass Anna Netrebko ihre Fans vorab beruhigte, sie werde jetzt aber nicht Barock singen, sondern dies auf ihre ganz eigene Weise interpretiern, ließ schon Schlimmes befürchten. Genau so ist es nun auch: Netrebko singt diese Barockmusik mit einem vollkommen unangemessenen Hochdruckton und durchgehenden Vibrato, die mit Musik dieser Epoche vollkommen unvereinbar sind. Leider klingt ihre Stimme zudem schwerfällig, teilweise kloßig, ihre Intonation ist stellenweise haarsträubend ungenau, und die barocken "Triller" unterscheiden sich kaum von dem durchgezogenen Tremolo. Die Altistin singt besser, aber auch nicht barock, das Orchester ist schwerfällig. Die Beteiligten wissen entweder nicht, dass es eine eigene barocke Gesangstechnik gibt, die die Schönheit und spirituelle Tiefe dieser Musik, die innig, leicht und ohne Vibrato gesungen werden sollte, wirklich zum Vorschein bringt. (Und natürlich die Triller.) Auch der emotionale Ausdruck der Ausführung ist unpassend, denn diese Komposition ist innig und selbstvergessen. Das Stabat Mater stattdessen mit offenkundig rein kommerziellen Zielen ("... werden den Abverkauf fördern") einzuspielen, erscheint als ein bedauerlicher Verrat an der Kunst. Traurig, dass uns die Deutsche Grammophon so etwas bietet.
Der interessierte Leser möge stattdessen bitte eine der wunderbaren Einspielungen z.B. mit June Anderson und Cecilia Bartoli, oder auch mit Emma Kirkby und James Bowman (schon etwas älter) wählen. Daran wird er große Freude haben, und diese Musik ist es wert.


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