ARRAY(0x9d4d7618)
 
Profil für Jörg Hoewner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Jörg Hoewner
Top-Rezensenten Rang: 28.126
Hilfreiche Bewertungen: 172

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Jörg Hoewner "Jörg Hoewner (Moderne Unternehmenskommunikation)" (Düsseldorf)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5
pixel
The Data Journalism Handbook
The Data Journalism Handbook
von Jonathan Gray
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 27. März 2014
Rezension bezieht sich auf: The Data Journalism Handbook (Taschenbuch)
Vor einigen Wochen habe ich in der Beitragsreihe zum "Interactive Storytelling" auf das "Data Journalism Handbook" hingewiesen, welches just Ende 2013 herausgekommen ist.

Zum Thema Datenjournalismus gibt es nicht viel Literatur, einige akademische Werke, Werke speziell zur Informationsvisualisierung, ansonsten ist das relativ dünn. Insofern scheint ein "Handbook" ein willkommener Input für diejenigen, die sich mit dem Thema aus einer praxisorientierten Sicht auseinandersetzen wollen.

Praxisorientiert geht es auch zur Sache: Themenbereiche sind Vorgehensweise, Arbeitsorganisation, Datenerhebung und Recherche (z.B. Umgang mit Behörden), Analysemöglichkeiten, Werkzeuge, Visualisierungsmöglichkeiten und der Weg von den Daten zur Story.

Das Besondere des Buches - und das ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche - es ist von vielen, vielen Praktikern geschrieben. Praktikern von Zeit, Guardian, BBC usw.., die tief im Thema drinstecken und insofern ein ungeheures Wissen angesammelt haben. Das Problem: Jeder schreibt zu einem Aspekt immer nur einige Absätze, dann folgt der nächste Autor. Und so unterscheiden sich Schreibstile (die einen eher sachlich, die anderen subjektiv oder locker) und Detaillierungstiefen zum Teil von Seite zu Seite, eine Überschriftenlogik ist manchmal nicht erkennbar. Das macht ein selektives Lesen schwierig.

Trotzdem: Es werden so viele Aspekte angesprochen, so viele Tipps und Einsichten gegeben, dass das (konkurrenzlose) Buch für den #ddj-ler ein "Must" ist - und der Preis ist ja mit gut 17 EUR ausgesprochen fair.


Handbuch Online-PR: Strategische Kommunikation in Internet und Social Web
Handbuch Online-PR: Strategische Kommunikation in Internet und Social Web
von Ansgar Zerfaß
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,99

5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 4. Juni 2013
Auf dem Buchrücken heißt es: “Das erste umfassende Handbuch zu Herausforderungen, Konzepten und Instrumenten der Online-Kommunikation aus Sicht des Kommunikationsmanagements.”

Ob es das erste Buch dieser Art ist, vermag ich nicht zu bestätigen. Allerdings ist es als Handbuch überaus empfehlenswert, weil es wirklich einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen und Forschungsstände in diesem Fachbereich gibt: Von den Grundlagen, über Themen wie Online-Monitoring, Investor Relations Online, SEO bis hin zu Storytelling im Web oder partizipative Kommunikationsformen wird ein sehr weites Feld abgedeckt, wobei die Rolle von Social Media hier ebenso beleuchtet werden wie die gute alte Corporate Website.

Die unterschiedlichen Fachautoren kommen zum Teil aus dem wissenschaftlichen Bereich, zum Teil aus der sogenannten Praxis (Organisationen, Unternehmen, Agenturen). Das führt nicht zwangsläufig dazu, dass der theoretische Anspruch bei den “Praktikern” geringer ausfällt, sondern die Beiträge wirken trotz der vielen Backgrounds sehr homogen – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

Besonders ans Herz legen möchte ich die beiden einführenden Beiträge von Thomas Pleil (“Kommunikation in der digitalen Welt”) und von Ansgar Zerfaß und Thomas Pfeil (“Strategische Kommunikation in Internet und Social Web”), weil in ihnen das Thema Online-PR einsortiert, der aktuelle Forschungsstand zusammengefasst und noch ungeklärte Fragen formuliert werden. Gleichzeitig fassen diese Beiträge zusammen, was die beiden Autoren in vorangegangenen Publikationen (derer sind zahlreich) zur Modellbildung beigetragen haben.

Insofern: Ein “Must read”.


Social Media - Analytics & Monitoring: Verfahren und Werkzeuge zur Optimierung des ROI
Social Media - Analytics & Monitoring: Verfahren und Werkzeuge zur Optimierung des ROI
von Andreas Werner
  Broschiert
Preis: EUR 34,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiges Nachschlagewerk, 2. Juni 2013
Kurzverdikt: Sehr empfehlenswert

Gestern war ich in Essen unterwegs und habe mich in einem "Bricks & Mortar"-Bücherladen in die Marketing-Ecke gehockt. Zwischen "Marketing-Spitzenleistungen" und "Kundenverhalten" lachte mich dann dieser Titel an. Spezielle Titel zu Social Media Analytics sind im deutschsprachigen Raum mit einigen Jahren Verspätung aufgetaucht, bis vor anderthalb Jahren musste man sich hier mit Literatur zu Web Analytics allgemein oder mit englischsprachigen Werken zufrieden geben. Also habe ich nach kurzem Blättern zugegriffen.

Das Buch ist sehr aktuell (Vorwort aus März 2013) und behandelt natürlich die Themen, die man bei so einem Titel erwarten würde: Grundlagen, Metriken einzelner Social Media-Plattformen (inkl. Google plus und Pinterest), Evaluation mit Webanalyse-Tools (Fokus Google Analytics), KPIs/ROI, Monitoring-Tools und Vorgehensweise beim Monitoring.

Neben diesen Standards gibt es hier jedoch Kapitel, die eher selten behandelt werden: Im 2. Kapitel geht es um die Bewertung neuer sozialer Netzwerke: Zur Zeit, da immer noch ständig neue Player auftauchen ein sehr wichtiges, überfälliges Kapitel.

Kapitel 5 widmet sich dem Thema Scores von Klout und Konsorten. Werner stellt die Idee hinter diesen Kompositkennzahlen vor, die gut zur Identifikation von Multiplikatoren eingesetzt werden können, aber die man auch nicht überbewerten sollte.

Und in Kapitel 6 geht es um die Bestimmung der idealen Posting-Zeitpunkte. Auch ein praxis-relevantes Thema.

Insgesamt ein wichtiges Buch für jeden, der sich mit Social Media-Evaluation beschäftigt. Auch ist es ein Buch, das man gut selektiv bzw. als Nachschlagewerk nutzen kann.


Gamestorming: Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren
Gamestorming: Ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren
von Dave Gray
  Broschiert
Preis: EUR 29,90

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtkauf für kreative Menschen, 10. Dezember 2012
Im Gegensatz zu meinem Vorrezensenten hat dieses Buch einen Stammplatz auf meinem Schreibtisch. Wann immer ich nach neuen Workshop-Methoden suche, die jenseits der abgenutzten Brainstorming-Pfade liegen, greife ich zum Buch und lasse mich inspirieren und bin dann auch in der Lage, die vorgeschlagenen Methoden auf die jeweilige Fragestellung zu übertragen.

Auch Kollegen, denen ich das Buch geliehen habe, sind voll des Lobes.

Klar, könnten die einzelnen Beschreibungen noch etwas ausführlicher sein, aber dafür deckt das Buch eine große Bandbreite von Fragestellungen ab.


PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling: Public Relations optimieren und steuern. Ein Handbuch für PR-Praktiker.
PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling: Public Relations optimieren und steuern. Ein Handbuch für PR-Praktiker.
von Nanette Besson
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 21. Oktober 2012
Untertitel: Public Relations optimieren und steuern. Ein Handbuch für PR-Praktiker.

Auf dem deutschsprachigen Markt gibt es vielleicht eine Handvoll Bücher, die sich mit dem Thema PR-Evaluation beschäftigen, d.h. der Erfolgskontrolle und der laufenden Steuerung von PR-Prozessen. Die meisten dieser Werke haben meiner Auffassung nach einen stark akademischen oder normativen Anspruch, sich dem Thema anzunähern. So zum Beispiel auch das Werk "Strategische PR-Evaluation" der selben Autorin. Für den Agenturmenschen oder den Pressesprecher, der was Handfestes und pragmatisch Einsetzbares benötigt, wird das Angebot sehr dünn. Genau in diese Richtung stößt das vorliegende Buch von Nanette Besson.

Das Buch widmet sich auf 105 Seiten den Themen Planung der Evaluation, Evaluation der Investition (Geldwertes!), Evaluation der Kommunikationseffekte und Steuerung von Kommunikation und schließt mit einem umfassenden Serviceteil ab. Dazwischen liegen immer sehr ausführliche Hinweise auf weiterführende Literatur oder Links. Themen wie Werbeäquivalenz und Medienresonanzanalyse werden genau so behandelt wie das Thema Social Media Evaluation. "Hausnummern" zu Methoden (Was kostet eine Umfrage, eine MeRa, etc.) findet man hier ebenso wie Checklisten und Tipps zum Reporting.

Super gefällt mir der Schnelleinstieg, in dem auf wenigen Seiten die Essenz des Themas zusammengefasst und die wichtigsten Arbeitsschritte vorgestellt werden. Das werde ich definitiv als "Must read" meinen Kollegen auf den Tisch legen.

Ein paar Themen werden mir noch etwas zu stiefmütterlich behandelt, insbesondere das Thema Online-PR-Evaluation jenseits von Social Media. Das schmälert jedoch keineswegs den Gesamteindruck: Für PR-Profis (angehende und gestandene), die sich mit dem Thema praxisorientiert beschäftigen wollen, dem sei das Buch als Pflichtlektüre empfohlen. Ich kenne derzeit kein anderes Buch, dass dem Anspruch eines "Handbuchs" vergleichbar gerecht wird.


Flawed State of Mind
Flawed State of Mind
Preis: EUR 1,29

5.0 von 5 Sternen Das Stück rockt, 1. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Flawed State of Mind (MP3-Download)
Solitud hat mit seinem Erstlingswerk einen genialen Spagat zwischen klassischer Elektronik und Pop hingelegt. Unbedingt reinhören. Leider finde ich auf Amazon nicht das komplette Album.


PR im Social Web: Das Handbuch für Kommunikationsprofis
PR im Social Web: Das Handbuch für Kommunikationsprofis
von Marie-Christine Schindler
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert. Ein echtes Handbuch., 12. Juni 2012
Hier bei Amazon habe ich schon einige Bücher zum Thema 'Online Relations' oder 'Social Media Marketing' rezensiert. Obwohl es bei den bisher besprochenen Büchern eine ziemliche Spannweite von praxisorientiert bis theoretisch, von textlastig bis bunt illustriert gibt, waren die meisten doch inhaltlich immer irgendwie gleich: Es werden die Social Media Kanäle vorgestellt und wie man sich in ihnen verhält, die Folgen für das Unternehmen, das Marketing, die PR ' ab und zu mal ein Kapitel zum Thema PR 2.0 oder Pressearbeit, Krisenkommunikation ' und das war's.

Was mir am vorliegenden extrem gut gefällt, dass Themen angesprochen werden, die im Praxisalltag von Kommunikationsarbeitern eine große Rolle spielen, wie z.B.

Wie begleite ich Events im Social Web? Wie begleitet man die Vorab-Kommunikation?
Welche Schnittstellen / Möglichkeiten gibt es zu / mit Corporate Publishing?
Welche Rolle können Social Media in der internen Kommunikation spielen?
Was muss ich rechtlich bedenken?

Daneben gibt es natürlich auch die anderen Themen, wie Pressearbeit/Blogger Relations, Konzeption usw..

Insofern ist im Untertitel der Begriff 'Handbuch' gerechtfertigt. Ein Nachschlagewerk für jeden Kommunikationsarbeiter.


Mastering Search Analytics: Measuring SEO, SEM and Site Search
Mastering Search Analytics: Measuring SEO, SEM and Site Search
von Brent Chaters
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,80

5.0 von 5 Sternen Kurzverdikt: Sehr lesenswert., 19. Mai 2012
"Search Analytics" ist lt. Wikipedia, "... the analysis and aggregation of search engine statistics for use in search engine marketing (SEM) and search engine optimization (SEO). In other words, search analytics helps website owners understand and improve their performance on search engines."

Ist das nicht nur etwas für Tekkies oder Daten-Nerds? Was haben Suchmaschinenstatistiken mit Kommunikationsmanagement zu tun? Ich glaube, die Antwort wird klarer, wenn man die o.g. Definition weiter liest: "Search analytics includes search volume trends and analysis, reverse searching (entering websites to see their keywords), keyword monitoring, search result and advertisement history, advertisement spending statistics, website comparisons, affiliate marketing statistics, multivariate ad testing, et al."

In der Google-Welt sind Suchmaschinen ein Resonanzraum für Interessen an Marken, Produkten, Themen, sie spiegeln Nutzerbedürfnisse und Wettbewerbsaktivitäten und geben somit Indikatoren für die Resonanz auf eigene Kommunikationsaktivitäten, egal ob aus Werbung oder PR, ob online oder offline... Mehr dazu in späteren Posts.

Im 370 Seiten umfassenden Buch von Brent Chaters wird durchleuchtet, wie und mit welchen Methoden, mit welchen Hilfsmitteln welche Erkenntnisse erarbeitet werden können, die zur Optimierung der eigenen Onlineaktivitäten (Website, Social Media, SEO, SEM, etc.) dienen können. Optimierung bedeutet: Effektive und effizienter zu gestalten, nutzerorientierter zu gestalten und dem Wettbewerb "Share of Voice" wegzunehmen.

Das bearbeitete Themenspektrum umfasst On-Page-Analysen ebenso wie Backlinks (Off-Page), Suchmaschinennutzung innerhalb einer Seite und organische und bezahlte Suchmaschinennutzung, bis hin zur Nutzung von Search Analytics zur Wettbewerbsbeobachtung. Sehr systematisch, illustriert, hands on und extrem zahlengetrieben. Bei der Vorstellung der Hilfsmittel fokussiert er sich stark auf die von Google bereitgestellten Werkzeuge, wie Analytics, Keyword Search, Trends, Webmaster Tools usw., wobei er auch eine ganze Reihe von Alternativen nennt und vorstellt.

Für Mustersucher ein gefundenes Fressen.


Information Graphics
Information Graphics
von Julius Wiedemann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurzverdikt: Standardwerk., 16. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Information Graphics (Gebundene Ausgabe)
Informationsgrafiken sind gerade jetzt so ziemlich in Mode, weil man erstens damit in unterhaltsamer, leicht konsumierbarer Form Fakten und Zusammenhänge eindringlicher transportieren kann als mit den klassischen Fließtexten. Zweitens, weil sie als Artefakte im Rahmen eines cleveren Content Marketings leichter kommunizierbar sind und dementsprechend schneller weiterverbreitet werden können. Und Drittens, weil sie darüber zur Markenbekanntheit beitragen können ' die meisten Infografiken sind 'gebrandet' und laden über Kennzeichnungen als 'creative commons' zum Weiterverwenden ein.

Passend zum Trend gibt es jetzt DAS WERK dazu: 'Information graphics' aus dem Taschen-Verlag ' mit gefühlten 10kg Papiergewicht und über 400 zum Teil großformatig reproduzierten Beispiel auf 480 Seiten (á 38x25cm). Neben einem einleitenden theoretischen / historischen Teil arbeiten sich Autoren am Thema anhand von Beispielen ab, die hinsichtlich ihrer Ordnungsprinzipien räumlich, zeitlich, kategorisierend und hierarchisch in Kapiteln gegliedert sind. Der historische Teil (viele Beispiele findet man schon bei den schönen Werke von Edward Tufte) zeigt einmal mehr, dass Informationsgrafiken kein Thema nur der Gegenwart oder des Internets sind, sondern eigentlich ein alter Hut. Und so gibt es auch wunderschöne historische Beispiele zu bestaunen ' ob man nun den Teppich von Bayeux hinzuzählen muss, wäre zu diskutieren'

Für jeden, der sich irgendwie mit dem Thema beschäftigt, ist das knapp 50 EUR kostende Werk eine Fundgrube. Und es zeigt einmal mehr, dass Bücher manchmal eben doch mehr Spaß machen als das Scrollen von 8.000 Pixel langen Infografiken im Webbrowser.


You Are Not A Gadget: A Manifesto
You Are Not A Gadget: A Manifesto
von Jaron Lanier
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,10

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Empfehlenswert (mit Vorwarnung), 28. Januar 2012
Jaron Lanier - dieser Name dürfte für den einen / anderen vor allem jüngeren Onliner nur einer unter vielen Namen sein, die man schon mal wo gehört hat. Als jemand, der sich schon recht früh mit Neuen Medien / Online beschäftigt hat, ist Jaron Lanier einer DER Gurus, der sich schon Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger mit dem Virtual Reality beschäftigt hat und als einer der idealistischen Vordenker der Neuen Medien etabliert hatte. Man muss noch anmerken: Lanier versteht sich auch als Musiker / Künstler, seine Vorträge pflegt er mit einer Beigabe aus der Ude (einem mittelalterlichen Musikinstrument) zu garnieren. Zuerst habe ich von ihm in Stewart Brands "Media Lab" gelesen, das eines der drei Bücher ist, die mein Leben am nachhaltigsten beeinflusst haben.

Als ich gerade Lust hatte auf etwas Tiefgang, kam mir auf einem Büchertisch dieses Buch von Jaron Lanier unter die Finger. Und da musste ich zugreifen. Ich war also gespannt, was der alte Meister zu sagen hatte. Die Kernthesen:

- Es gibt im Silicon Valley eine Ideologie der Fortschrittsgläubigkeit, die in der "Cloud", "Information wants to be free" und in der "Crowd-wisdom" (oder Wikinomics) das Non-plus-ultra in den Onlinemedien sieht. Die meisten Entscheidungsträger würden davon ausgehen, dass Roboter und die KI die physische Existenz der Menschheit irgendwann obsolet machen und wir als Rasse nur eine Zukunft haben, indem wir unsere geistige Existenz, unsere Erlebnisse, unsere Persönlichkeit in die Cloud hochladen, so dass sie dort weiterexistieren kann (insofern sind das mit Facebook die ersten, schwachen Anfänge, der Grundgedanke ist ja nicht neu, sondern wird ja schon seit Jahrzehnten von Leuten wie Hans Moravec oder Marvin Minsky vertreten).
- Die "Crowd(wisdom)gläubigkeit" und die Kostenloskultur führt dazu, dass individuelle Leistungen von Künstlern, Erfindern und Wissenschaftlern nicht mehr angemessen gewertschätzt und und entlohnt werden.
- Sein Punkt ist, dass die "Crowd" bisher noch nicht wirklich etwas Neues hervorgebracht hat. Selbst das Vorzeigeprojekt "Wikipedia" ist eben nichts Neues, sondern am Ende nichts als eine Enzyklopädie. Und ansonsten ist noch nicht ausgemacht, wo die "Crowd" wirklich etwas Neuartiges geschaffen hat, was am Ende mit den Werken und Ideen eines DaVinci, Bach oder Einstein mithalten könnte. Die "Crowd" gebärt Mittelmaß.
- Er plädiert daher an ein Umdenken und fordert Alternativen, damit individuelle künstlerische Leistungen sich wieder lohnen.

Kurzum: Die von Lanier kritisierte Ideologie negiert das Menschliche. Mensch sein heißt Individuum sein. Individuum ist das Gegenteil von der "Crowd".

Das Problem bei dem Buch ist, dass es zum Teil ziemlich krude geschrieben ist. Es ist schwer einen roten Faden zu erkennen, die Argumentation ist sprunghaft und häufig emotional (also wenig sachlich). An vielen Stellen wird eher auf Basis persönlicher Vorurteile basierend argumentiert, als dass versucht wird, den persönlichen Standpunkt intersubjektiv nachvollziehbar zu machen.

Auch die Lösungsansätze, die Lanier vorschlägt, sind sehr stark von Idealismus geprägt, um nicht zu sagen "realitätsfern": Zur Entlohnung von Künstlern schlägt er alternative Erlösquellen wie "Telegigging" (Bands treten auf Parties bezahlt als Hologramme auf) oder "Songles" (Dongles für Song, also eine Art physische DRM) vor. Ersteres mag lustig sein (ist aber noch ein paar Jahre entfernt), für Letzteres ist der Zug meiner Meinung nach abgefahren (Dongles sind schon im Softwarebereich Selbstmord für Anbieter, es sei denn, man ist Quasi-Monopolist wie Autodesk).

Trotzdem muss ich sagen, dass es mich angeregt hat, über Aspekte von Social Media nachzudenken, die ich ansonsten als gegeben hinnehme und dabei neue Perspektiven einzunehmen. Ich bin zwar in Bezug auf das Social Media-/Crowd-Thema nicht ganz kritiklos, aber trotzdem habe ich diese Fragen noch nicht beantworten können:
- Können wir uns vorstellen, dass Apple Erfolg gehabt hätte, wenn es auf Mehrheitsmeinungen oder auf Crowdsourcing gesetzt hätte?
- Hat die Crowd wirklich schon etwas Neues zu Stande gebracht, außer neue Henkel für Starbucks-Becher vorzuschlagen oder die Produktionsmethoden von Enzyklopädien über den Haufen zu werfen? Was ist eigentlich aus "OSCar" - dem Open Source-Car geworden?
- Gibt es schon DEN von der "Crowd" entworfenen Roman, DAS Musikstück, DAS Kunstwerk, das uns ähnlich in den Bann zieht und fesselt, wie das von einzelnen Autoren, Bands / Musikern kreierte?
- Glauben wir wirklich daran, dass sich das jemals ändern wird?
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 11, 2012 11:53 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5