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Rezensionen verfasst von
Judith Schmidt "Bücherschreckse"
(REAL NAME)   

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Das Haus in der Löwengasse
Das Haus in der Löwengasse
von Petra Schier
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Atemlos versank sie in seinem Blick.", 17. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Haus in der Löwengasse (Taschenbuch)
Petra Schier hat "Das Haus in der Löwengasse" so geschrieben, wie andere ein Bild nach Zahlen malen. Das Ergebnis sieht zwar aus wie ein Buch - nur leider minus echtes Talent und jede Originalität. Kurz gesagt, in diesem Roman agieren stereotyp gute und böse Protagonisten in einer meilenweit vorhersehbaren Handlung.

Nun könnte ich sogar dafür noch wohlwollend 3 Sterne für handwerklich solide ausgeführte Lückenbüßer-Lektüre geben, aber es gibt etwas, das "Das Haus in der Löwengasse“ für mich kaum zu ertragen macht: der Zuckerguss aus Kitsch, den Schier großzügig über die Annäherung ihrer Hauptfiguren Pauline und Julius gekippt hat.

Dass die beiden zueinanderfinden werden (bzw. nach dem Willen der Autorin müssen), ist von ihrer ersten Begegnung an klar. Aber warum führen sich zwei erwachsene und angeblich vom Leben gezeichnete Personen dabei auf, wie eine kichrige 13-Jährige und ein verfrühter Frauenversteher? Das Allerschlimmste ist aber das gewollt romantische Schmacht-Vokabular, in dem die beiden miteinander balzen. Da glitzert es schelmisch in Augen, Herzen hoppeln wie ängstliche Kaninchen und Wangen erglühen tiefrot. Mir steigt bei solchen Beschreibungen auch die Röte ins Gesicht - die Röte der Fremdscham.

Der Tiefpunkt erreicht dieses Feuerwerk platter Peinlichkeiten pünktlich zum sexuellen Höhepunkt, als die beiden Turteltauben endlich einander ihre Herzen (sowie Beinkleider und Unterröcke) öffnen und gemeinsam ins Bett fallen. Hier ein paar der schönsten Zitate:
„Sie öffnete ihren Mund, um seiner forschenden Zunge Einlass zu gewähren.“
„Seine Hände gingen auf Wanderschaft über ihren Körper.“
„Süße, unbekannte Gefühle durchströmten Pauline“.
„Während ihre Zungen gierig miteinander rangen, drang er ihn sie.“
Wer diese Szene ohne Lachkrampf oder Übelkeitsanfall übersteht, ist aus härterem (Leser-)Holz geschnitzt als ich.

Fazit: "Das Haus in der Löwengasse" ist ein arg vorhersehbares und noch arger verkitschtes Liebesgeschichtchen mit einer (Nicht-Mehr-)Jungfrau in Nöten, einem zuerst düsteren, aber später umso edleren Retter und zwei süßen Kindern als kostenlose Beigabe.


Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von sent2u
Preis: EUR 13,99

66 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die dritte Staffel - mehr Schein als Sein, 10. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin seit "A Study in Pink" ein absoluter Fan der Serie und ganz besonders von Benedict Cumberbatch. Nachdem die zweite Staffel die erste noch einmal übertroffen hatte, konnte ich die dritte kaum erwarten. Jetzt habe ich sie gesehen und bin, quasi gegen meinen eigenen Willen, enttäuscht.

Sicher, "Sherlock" ist immer noch eine gute, in manchen Momenten auch großartige Serie, vor allem im Vergleich mit der Krimiserien-Massenware made in USA. Aber diese neueste Staffel ist eindeutig schwächer als die ersten beiden. Das liegt vor allem daran, dass Moffat und Gatiss die Haupt- zur Nebensache gemacht haben. In Staffel 1 und 2 stand nämlich jeweils der Kriminalfall in Mittelpunkt, die kongeniale Übertragung der Ideen von Conan Doyle ins London des 21. Jahrhunderts - spannend, überraschend und mit (selbst-)ironischem Humor (nicht nur) für Sherlock-Holmes-Kenner. Der Fall ermöglichte Sherlock, sein Genie und seine Macken zu zeigen, sowie seine Beziehung mit John weiterzuentwickeln.

In dieser Staffel ist es umgekehrt. Der jeweilige Fall ist nur noch dazu da, Sherlock deduktive "Kunststückchen" vorführen zu lassen, während John mehr oder weniger staunend daneben steht. Dementsprechend wirken die neuen Fälle wie Showeinlagen, bei denen es knallt, blitzt und die Zuschauer ohne viel zu denken ständig Oh! und Ah! rufen sollen. Die zu diesem Zweck großzügig eingestreuten "plötzlichen Wendungen" und "unglaublichen Enthüllungen" sind dabei so übertrieben, dass man sich nur noch über die Dreistigkeit wundert, mit der sie einem vorgesetzt werden. Ich möchte nicht spoilern und werde mich daher nicht weiter über "His Last Vow" auslassen, aber was kommt als Nächstes? Lestrade als Geheimagent des CIA? Mrs Hudson als Al-Kaida-Terroristin? Anderson als Sherlocks verschollener Bruder?

Unangenehm aufgefallen ist mir auch, wie penetrant in dieser Staffel das Loblied auf Freundschaft und Familie gesungen wird. Sherlock hält eine endlose Hochzeitsrede für John, feiert daheim im Kreise seiner Lieben Weihnachten und hängt mit Mycroft Erinnerungen über ihre Kindheit nach. Offenbar wollen uns die Drehbuchautoren damit zeigen, dass Sherlock letztlich auch nur ein Mensch mit Gefühlen ist. Schön, aber muss es deswegen gleich so kuschelig-betulich werden? Wo ist nur der "I don`t have friends!"-Soziopath Sherlock geblieben?

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich mich auf die nächste Staffel noch freuen, oder mich eher davor fürchten soll.
Kommentar Kommentare (19) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 5, 2014 3:33 PM MEST


Netzwerk / Kurs- und Arbeitsbuch A1, Teilband  1 mit 2 Audio-CDs und DVD: Deutsch als Fremdsprache
Netzwerk / Kurs- und Arbeitsbuch A1, Teilband 1 mit 2 Audio-CDs und DVD: Deutsch als Fremdsprache
von Helen Schmitz
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kursbuch mit steiler Progression, das nicht für Selbstlerner geeignet ist, 3. April 2014
Ich bin Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und habe bisher im Anfängerbereich mit "Schritte international 1" gearbeitet. Nun habe ich zum ersten Mal einen Kurs mit "Netzwerk" unterrichtet und möchte meine Eindrücke beschreiben.

Ich habe mit dem Halbband A1.1 gearbeitet, der 6 Lektionen zu je 10 Seiten enthält. Jede Lektion beginnt mit einer doppelseitigen Einführung in das Lektionsthema, z.B. Essen oder Freizeit. Es folgen Übungen, in denen die neuen Ausdrücke und die neue Grammatik mittels der vier Fertigkeiten (Lesen, Hören, Sprechen, Schreiben) trainiert werden. Zum Abschluss gibt es eine blaue Doppelseite mit einem landeskundlichen Thema oder Lerntipps, der sich die Film-Seite und die Zusammenfassung der Grammatik anschließen. Für die Aufgaben auf der Filmseite muss man sich Szenen von der beiliegenden DVD ansehen, auf denen die Erlebnisse von Bea erzählt werden, die ein Praktikum in München macht.

Außer den Kursbuchlektionen enthält der Halbband genauso viele Arbeitsbuchlektionen mit ebenfalls jeweils 10 Seiten, zu denen natürlich auch eine Vokabelliste mit den neuen Wörtern gehört. Alle drei Lektionen gibt es zudem eine sogenannte "Plattform", die aus Wiederholungsspielen und Prüfungstraining besteht.

"Netzwerk A1.1" ist also, wie man der Beschreibung oben entnehmen kann, didaktisch in etwa genauso aufgebaut wie "Schritte international 1". Alle vier Fertigkeiten werden im Wechsel trainiert, Spiele helfen beim Lernen und lockern den Unterricht auf, und mit der DVD hat man, im Unterschied zu "Schritte", sogar noch etwas zum Sehen. Ebenso wie "Schritte" ist "Netzwerk" aber nicht zum Selbststudium geeignet, da man für viele, vor allem natürlich für die kommunikativen Übungen einen Partner braucht. Den Lösungsteil kann man sich auf der Verlagshomepage herunterladen.

Ein Unterschied zu "Schritte" ist, dass "Netzwerk" mehr vom Lerner verlangt. Wo "Schritte" (Nomen est Omen) in recht kleinen Schritten vorangeht, neue Grammatik in Häppchen und vielen Übungen einführt sowie darauf achtet, in den (Hör-)Texten möglichst nur bereits eingeführte Redemittel zu benutzen, sieht das bei "Netzwerk" anders aus. Hier nehmen die (Hör-)Texte unbekannte Redemittel vorweg und benutzen manchmal auch Vokabeln, die in der Lektionsliste gar nicht auftauchen. So gibt es zum Beispiel schon in der ersten Lektion (S. 11, Nr. 7c) in einem Dialog den Satz "Kannst du das buchstabieren?", obwohl "können" erst in Lektion 5 eingeführt wird. Ziemlich unsinnig finde ich auch, dass bereits in Lektion 3 das Thema der Wegbeschreibung eingeführt wird, obwohl den Lernern zu diesem Zeitpunkt noch gar nich genug Redemittel zur Verfügung stehen. Eine der beiden Aufgaben dazu (S. 31, Nr. 7) ist zudem eine echte Katastrophe, da ich selbst den Hörtext fünfmal hören musste, bevor ich die Aufgabe lösen konnte.

Von solchen Fehlern abgesehen, muss dieser fordernde Ansatz aber kein Problem sein und kann sogar motivierend wirken, wenn man mit einer Gruppe lerngewohnter und selbstständiger Schüler arbeitet. Langsame Lerner, die vielleicht über wenig Fremdsprachenerfahrung verfügen, dürften aber schnell verwirrt sein und zusätzliche Erklärungen benötigen.

Als Lehrerin hatte ich zusätzlich zum Halbband noch ein Lehrerhandbuch, einen Intensivtrainer mit Zusatzübungen, ein Testheft mit Lektionstests und eine Whiteboard-DVD. Das Lehrerhandbuch enthält detailierte Arbeitsanweisungen, Variations- und Spielvorschläge sowie Kopiervorlagen und ist damit sehr brauchbar. Die Tests aus dem Testheft beinhalten, im Gegesatz zu den Schritte-Tests, auch Höraufgaben, was ich sehr gut finde. Die Whiteboard-DVD ist bei mir nie zum Einsatz gekommen, so dass ich sie nicht beurteilen kann, aber für eher überflüssig halte.

Im Vergleich zu "Schritte" ist mir noch aufgefallen, dass in diesem ersten Netzwerk-Band weder Adjektive noch das Perfekt behandelt werden. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Arbeitsbuch von "Schritte" mehr Übungen zu den einzelnen Themen enthält als "Netzwerk". Jedenfalls war ich noch vor Kursende (insgesamt 85 Unterrichtsstunden) mit dem Buch durch und musste Extra-Material einsetzen.

Zusammenfassung: "Netzwerk A1.1" ist ein gutes Lehrwerk für (Intensiv-)Kurse, das sich jedoch nicht zum Selbststudium eignet und manchmal zusätzliche Erklärungen verlangt. Die Vermittlung des Lernmaterials setzt einen Lerner voraus, der sich Dinge auch selbst erarbeiten kann. Es werden nicht alle grammatischen Themen abgedeckt, die "Schritte A1.1" einführt.


Zarla, Band 1: Die tollkühne Kämpferin
Zarla, Band 1: Die tollkühne Kämpferin
von Mirko Piredda
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,00

3.0 von 5 Sternen Humorvoller Fantasy-Comic mit schwächelnder Handlung, 12. Februar 2014
Rezension zu den Bänden 1 – 4

Zum Inhalt: Die kleine Zarla lebt unter der Obhut ihres Großvaters Loftrig und der Amme Garda auf der Burg Hallstuf. Als Tochter von Drachenjägern hält sie sich selbst ebenfalls für eine große Kriegerin und ist immer auf der Suche nach Herausforderungen. Zum Glück wird sie dabei von ihrem verzauberten Hund Hydromel beschützt, der sich bei Gefahr in einen übermenschlich starken "Bull-Krieger“" verwandelt und Zarlas Gegner in Angst und Schrecken versetzt - wovon sein Schützling allerdings nie etwas mitbekommt. So kommt es, dass Zarla nach jedem erfolgreich überstandenem Abenteuer höchst zufrieden glaubt, sie selbst habe in "blinder" Raserei ihre Feinde besiegt.

Guilhem und Janssens (Cesano ist nur für die Kolorierung zuständig) haben mit "Zarla" eine bunte Fantasywelt geschaffen, die nicht nur von den üblichen Drachen, Elfen und Rittern, sondern auch von originellen Eigenschöpfungen bevölkert wird. Die Zeichnungen passen gut zum eher humoristischen Ton der Geschichte(n); die Kampfszenen sind schön dynamisch und die Kolorierung professionell, ohne unangenehm durch allzu offensichtliche Computereffekte aufzufallen.

Eine weitere Stärke dieser Comic-Reihe sind die Hauptfiguren, die zwar nicht ganz klischeefrei, aber ungeheuer sympathisch sind. Mit ist besonders die Amme Garda ans Herz gewachsen. Eine Riesin, die zwar nicht die Allerhellste ist, aber das Herz auf dem rechten Fleck trägt und Zarla wie eine eigene Tochter liebt. Sie behauptet gerne mal, im Grunde ihrer Seele ein zartes Blümchen zu sein, aber wehe dem, der ihren Zorn entfacht!

So viel zum Positiven. Die Handlung macht leider einen weniger guten Eindruck, denn Janssens kann sich offenbar nicht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. So schwankt "Zarla" zwischen episodenhaften Abenteuern zum Lachen und "ernsthafter" Fantasy. Der Running Gag, dass Zarla nie bemerkt, dass nicht sie, sondern Hydromel ihre Gegner besiegt, nutzt sich nach einem Weilchen ab, und der gegen Ende des ersten Bandes aufgenommene und vielversprechende Handlungsbogen um Zarlas verschwundene Eltern wird im dritten Band abrupt und wenig überzeugend zu Ende gebracht. Ganz so, als seien dem Szenaristen an diesem Punkt schlicht die Ideen und die Lust ausgegangen. Darauf folgt im vierten Band eine in sich abgeschlossene Geschichte, die nett, aber nicht wirklich aufregend ist. Was in Band 5 kommen mag, wissen allein die Götter.

Und so erhält "Zarla" von mir mittlere drei Sterne, da die Protagonisten einem ans Herz wachsen und ihre Abenteuer durchaus kurzweilige Unterhaltung bieten, der Plot aber einen allzu plan- und ziellosen Eindruck macht und weit davon entfernt ist, seine Möglichkeiten auszuschöpfen.


Sobald ich vor der Leinwand saß. Künstlerinnen aus fünf Jahrhunderten
Sobald ich vor der Leinwand saß. Künstlerinnen aus fünf Jahrhunderten
von Frances Borzello
  Broschiert
Preis: EUR 24,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "... war ich glücklich. Denn es war eine Welt und in ihr konnte ich tun und lassen, was ich wollte." Alice Neel, 20. November 2013
"Sobald ich vor der Leinwand saß ..." ist in eine Einleitung und sechs Kapitel unterteilt, die den Leser chronologisch vom 15. bis zum 21. Jahrhundert führen und jeweils etwa eine Kunstepoche umfassen. Das Buch ist, wie sich das bei diesem Thema gehört, reich bebildert.

Jedem Kapitel stellt Frances Borzello auf einer Doppelseite "Schlüsselfiguren" voran, d.h. einige Künstlerinnen der betreffenden Epoche, die mit ihren wichtigsten biografischen Angaben kurz vorgestellt werden. Dann folgt das eigentliche Kapitel, das wieder in mehrere Unterpunkte gegliedert ist, die sich unter anderem mit den Ausbildungsmöglichkeiten, der Förderung, dem Ansehen und dem Erfolg von Künstlerinnen beschäftigen.

Interessant ist, dass die Autorin sich zwar speziell mit Künstlerinnen beschäftigt, also das Wirken von Frauen in der Kunstgeschichte betrachtet, sich dabei aber ausdrücklich von der gängigen feministischen Betrachtungsweise distanziert, die sie für verzerrend hält: "Wenn man sich auf die negative Haltung der Welt der Kunst gegenüber den Malerinnen konzentriert, berücksichtigt man nur einen Aspekt weiblicher Erfahrung. Eine Existenz als Frau mit einer Existenz als Künstlerin in Einklang zu bringen war schwierig, aber offensichtlich doch möglich. Beschäftigt man sich nur mit den Problemen, mit denen Frauen konfrontiert waren, verliert man eine wichtige Tatsache aus den Augen: dass diese Frauen den größten Teil ihrer Zeit damit verbrachten zu malen." (S. 12) Borzello bemüht sich daher in ihrem Buch zu zeigen, "dass es nicht automatisch entmutigend ist, Künstlerin in einer männlich dominierten Welt zu sein, und dass viele Frauen dem Kampf mehr als gewachsen waren." (S. 215)

Dementsprechend bietet "Sobald ich vor der Leinwand saß ..." eine angenehm frische und ermutigende Sichtweise, mit vielen interessanten, neuen Details. Man kann hier zum Beispiel erfahren, dass Malerinnen bereits im 18. Jahrhundert eigene Ateliers hatten und Lehrlinge ausbildeten, oder einen Blick in das Arbeits- und WG-Leben der Frauen werfen, die im 19. Jahrhundert in die ersten speziell für Frauen gegründeten Malschulen in Paris strömten.

Leicht irritiert hat mich allerdings eine gewisse Ungenauigkeit der Autorin, die sich nicht durchgängig an ihre eigene Gliederung hält, manchmal vom eigentlichen Thema abschweift und Dinge aufgreift, die man der Übersicht halber besser in einem eigenen Unterpunkt untergebracht hätte. Auch finde ich es schade, dass viele der Schlüsselfiguren aus der Kapiteleinleitung anschließend nur noch ein-, zweimal kurz erwähnt werden, um eine Aussage zu illustrieren, obwohl ich gerne mehr über ihre Karriere und auch ihr Privatleben erfahren hätte.

Im Großen und Ganzen ist "Sobald ich vor der Leinwand saß ..." aber ein gut recherchiertes und interessantes Buch über das Leben und Schaffen erfolgreicher Künstlerinnen verschiedener Epochen. Zum Schluss noch ein Hinweis: "Ihre eigene Welt" ist exakt dasselbe Buch, nur als gebundene Ausgabe und mit einer anderen Umschlagsillustration.


Preußische Profile
Preußische Profile
von Sebastian Haffner
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Preußen - der deutsche Sonderweg ins sozialistische Paradies, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
In diesem Buch stellen zwei Autoren in kurzen Essays 12 Persönlichkeiten der preußischen Geschichte vor, unter anderem Friedrich den Großen, Otto von Bismarck, Friedrich Engels und Wilhelm II. Wer jedoch zu den "Preußischen Profilen" greift und eine vielleicht wohlwollende, aber dennoch einigermaßen sachlich-objektive Darstellung erwartet, der lasse alle Hoffnung fahren und mache sich auf eine geballte Ladung ideologiesierender Heldenverehrung und haarsträubenden Schwachsinns gefasst.

Haffners Preußen-Porträts sind eindeutig preußophil und das mitunter bis zur Lächerlichkeit, etwa wenn er allen Ernstes behauptet, Kaiser Wilhelm II. habe seine blutrünstig-pathetischen Reden nur deshalb gehalten, weil er so empfänglich für Stimmungen war und diese Gefühle "damals nur allzu sehr in der Luft, in der deutschen Luft [lagen]. Der Kaiser mit seiner medialen Begabung fing es auf, strahlte es zurück (...)." (S. 250) Der arme Mann konnte also schlicht nicht anders.

Venohrs Texte aber sind mehr als nur einseitig und beschönigend. Aus seinen Essays spricht ein Weltbild, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Das beginnt schon in der von ihm verfassten Einleitung, in der er wie selbstverständlich feststellt, dass das alte feudal-agraische Preußen die moralisch überlegene, einzig wahre deutsche Nation gewesen sei, die jedoch mit der Gründung des bürgerlich-industriellen Deutschen Reiches 1871 auf perfide Weise vernichtet wurde. (S. 11 ff)

Schuld daran ist für Venohr eine kosmopolitisch-liberal-bourgoise Verschwörung samt marxistischer Kollaboranten. (S. 16) Diese hat damit auch die folgenden zwei Weltkriege zu verantworten, in denen das unnachahmliche preußische Offizierkorps gezwungen war, im Namen zuerst des bürgerlichen Imperialismus und dann des Faschismus verlorene Schlachten zu schlagen. (S. 14 und 15) Für den Autor jedoch "nähert sich der Tag, an dem man den gigantischen Irrtum des bourgoisen Fortschritts erkennen und sodann auch begreifen wird, daß das Wirken des aufgeklärten Abolutismus preußischer Provenienz in Richtung einer volksfreundlichen Arbeitsmonarchie für die niederen Volksschichten ungleich segensreicher war als jede Spielart bürgerlicher Klassenherrschaft, wie sie sich in Westeuropa oder Nordamerika verwirklichte." (S. 62)

Das ist Venohrs fixe Idee: Dass Preußen eine Art idealen, deutsch-nationalen Sozialismus vorgelebt habe und darum von seinen in- und ausländischen "Feinden" zerstört wurde. Der einzige Weg aus dem gegenwärtigen Jammertal der deutschen Machtlosigkeit führt für ihn folgerichtig über die Rückkehr zur "preußischen Façon" (S. 21), unter der sich Venohr eine preußische DDR vorzustellen scheint, in der ein absolutistischer König bei seinem deutschen Volk mit harter, aber väterlicher Hand für Zucht, Ordnung, Arbeit und Brot sorgt.

Ganz abgesehen davon, dass Venohr den Beweis für seine steile These schuldig bleibt, vermischt er typisch marxistische Phrasen von liberaler Bourgoise, Proletariat und Klassenkampf mit tiefbraunem Vokabular von Verausländerung, Überfremdung und alliierter Umerziehung und Gleichschaltung. (S. 61, 72 und 15) Die übrigen europäischen Länder, charmant als "Randvölker" bezeichnet (S. 21), sind für ihn ohnehin eine einzige Ansammmlung feindlicher Mächte, denen es "ein tiefes inneres, offenbar unwiderstehliches Bedürfnis [ist], an Deutschland und an Mitteleuropa herumzuschneiden, zu teilen und zu halbieren, zu gängeln und zu manipulieren." (S. 21)

Es hat mich schließlich kaum gewundert zu erfahren, dass Wolfgang Venohr als 16-Jähriger freiwillig in die Waffen-SS eintrat. Das Muster ist ganz deutlich: Hier hat sich ein von Hitler Enttäuschter einen neuen Götzen gesucht und seine nationalistischen Großmachtsfantasien vom Führer und dem Dritten Reich auf Preußen und seine Könige übertragen. Das Objekt der Anbetung ist ein anderes, aber Geist und Ton sind exakt dieselben. Armes Preußen. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde. Und arme Leser, die mit diesem rot-braunen Schwachsinn traktiert werden.


Unser die Straße, unser der Sieg
Unser die Straße, unser der Sieg
von Tilo Köhler
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Nur für Leser, die bereits über viel Hintergrundwissen verfügen, 1. August 2013
"Unser die Straße - unser der Sieg" ist ein Spaziergang durch die Stalinallee in Berlin, die Prachtstraße der DDR. Tilo Köhler beschränkt sich dabei nicht nur darauf, vom Bau der Straße zu erzählen, und die Architektur und Funktion der wichtigsten Allee-Bauten zu beschreiben. Er nutzt die Allee und ihre Gebäude als Ausgangspunkte für zahlreiche und ausgiebige Exkursionen in die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte.

Da wird unter anderem von der Nacht-und-Regen-Aktion zur Schleifung des Stalindenkmals 1961 berichtet, von den seltsamen Blüten, die die DDR-Kulturpolitik trieb, vom Prager Frühling und stürmischen Parteitagen. Sehr wichtig ist Köhler offensichtlich auch das Alltagsleben der Menschen in der DDR; was sie aßen, was sie tranken, welche Möbel sie sich in die gute Stube stellten, was sie im Fernsehen sahen und vieles mehr. Dabei beweist der Autor ein enormes Detailwissen, das sich bis zu den beliebtesten DDR-Waschmittelmarken und den Speisekarten der Restaurants auf der Stalinallee erstreckt.

Das Manko seines Buches ist jedoch die Art und Weise, wie er dieses Wissen dem Leser präsentiert, nämlich beinahe ausschließlich durch metaphernreiche Anspielungen, abgewandelte Zitate und mitunter arg spitzfindige Wortspiele. Manchmal ist das durchaus gelungen und amüsant, etwa wenn er feststellt:
"(...) den tiefsten Griff ins Staatssäckel machte der Palast der Republik erforderlich, und doppelt war insofern 1976 vor dem Neuten SED-Konvent die Überraschung, als Bedachte wie Bedenker ausnahmsweise gleicher Sinn vereinte: dieses war ganz zweifellos ein Haus, das man sich schenken konnte." (S. 12)

Viele von Köhlers langen und gewundenen Sätzen sind jedoch bis zur völligen Unverständlichkeit mit gewollt witzigen und dabei nicht näher erklärten Verweisen auf Personen und Ereignisse überfrachtet, die sich nur dem Autor selbst völlig erschließen dürften. Etwa, wenn es heißt:
"Die Wirbel aus dem Vorjahr glaubte man durch kluges Einlenken beruhigt, jetzt hieß es, mit Kirschmilch und Zitronenflip schon den Verbraucher anzumahnen, welcher später in Kampagnen die Versorgungsmängel hier als Born des dauerhaften Wohlbefindens nur verschönern würde." (S. 46)

Oder: "Doch die Fortschrittsbremsen, namentlich für progressive Investoren, wurden Opfer eines Gegners in den eigenen Reihen, der zum Hörer griff und chronologisch wieder Klarheit schuf und der das Gold nicht sehen wird, das dieser Anruf wert war: denn noch war das Schloß nicht abgerissen, als das Stadion schon stand!" (S. 114)

Ein Leser, der nicht bereits über das nötige Hintergrundwissen verfügt, steht verwirrt vor einem solchen Satz und wird von dem Gefühl beschlichen, dass Tilo Köhler mit "Unser die Straße - unser der Sieg" weniger unterhaltsam Wissen vermitteln, als in trauter Eingeweihten-Runde mit ganz privaten Witzeleien protzen möchte.

Fazit: Wer ein Faible für Wortspielereien und bereits einiges Hintergrundwissen zu dieser Zeit hat, darf gerne zugreifen, allen anderen ist eher abzuraten.


Das kleine Schwarze
Das kleine Schwarze
von Hannes Neubauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine (schwarze) Comic-Perle, 21. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Das kleine Schwarze (Gebundene Ausgabe)
Das kleine Schwarze ist nicht nur der Titel, sondern auch die Hauptfigur dieser Sammlung abgedrehter Comicstrips. Es lebt mit seinen WG-Kumpels, einer (Sofa-)Kartoffel und einer betuchten Krawatte, in einer Welt, die wie unsere aussieht, aber von Kleidern, Würsten, Zigaretten, Bananen und Ähnlichem bevölkert wird. Diese Parallelwelt nutzt Hannes Neubauer sehr amüsant zu bildlichen Wortspielen oder auch wörtlich genommenen Sprachbildern, etwa wenn das kleine Schwarze mit dem Schwarzen Block als Anarchisten-Duo duch die Straßen zieht oder abends "von der Stange kommt". Dabei gelingt es ihm, mit einfachen Formen und wenigen Strichen absolut lebendige und ausdrucksvolle Charaktere zu schaffen.
Kurz gesagt, "Das kleine Schwarze" ist äußerst kurzweilige Comic-Unterhaltung mit viel und auch hübsch verquerem Humor, die ich nur empfehlen kann.


Liselotte von der Pfalz Briefe
Liselotte von der Pfalz Briefe
von Liselotte von der Pfalz
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hier meinen die Damen, dass sie ohne Vollsaufen nicht lustig sein können.", 4. Juni 2013
Eine Sammlung von Briefen, die eine adlige Dame von 1659 bis 1722 an ihre Verwandten und Bekannten geschrieben hat - wer hätte gedacht, dass ich mich bei der Lektüre dieser Korrespondenz so wunderbar unterhalten würde, dass ich mitunter vor Lachen kaum weiterlesen konnte? Dabei muss man, wenn man auf die biografischen Daten von Liselotte von der Pfalz blickt, zu dem Schluss kommen, dass ihr selbst oft eher nach Weinen als nach Lachen zumute gewesen sein dürfte.

Mit 19 Jahren wird sie aus politischen Erwägungen heraus mit Philipp I. verheiratet, dem Bruder des französichen Königs Ludwig XIV. Philipp ist homosexuell, bringt seiner Frau keine besondere Zuneigung entgegen und gibt einen guten Teil ihres Geldes für seine zahlreichen Liebhaber aus. Am Hof wird Liselotte geschnitten und schließlich verwüsten im Pfälzischen Erbfolgekrieg französische Truppen ihre Heimat. Von den alltäglichen Sorgen wie Krankheiten, Geldschwierigkeiten und dem frühen Tod ihres ersten Kindes erst gar nicht zu sprechen.

Aber Liselotte, in Frankreich schlicht Madame genannt, hat einen starken Charakter und lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Als Frau muss sie sich zwar dem fügen, was andere beschließen, aber niemand kann sie daran hindern, ihre Meinung dazu zu sagen. Und das tut sie in ihren Briefen, von denen sie insgesamt 60.000 geschrieben haben soll, unverblümt, mitunter schockierend derb, aber auch mit einem Humor, der ihr erlaubt, weder sich allzu ernst noch das Leben allzu tragisch nehmen:

"[Mein Mann hat] vor 200 000 Gulden Chargen gekauft (...), um junge Bürschchen zu recompensiren, so ihn nicht in allen Ehren divertirt haben. Und hierauf wird nichts gespart, welches das Verdrießlichste ist, denn sonsten würde ich wohl gar nichts darnach fragen und von Herzen zu denen Bürschchen sagen: Friss du die Erbsen, ich mag sie nicht." (S. 166)

"Es ist eine große Ehre, in der Predigt an des Königs Seite zu sitzen, allein ich möchte gerne die Ehre einem andern überlassen, denn Ihre Majestät wollen mir das Schlafen nicht erlauben. Sobald ich einschlaf, stößt mich der König mit dem Ellenbogen und macht mich wacker, kann also weder recht einschlafen noch recht wacker werden, und das tut einem wehe im Kopf."
(S. 188)

"In diesem Augenblick erfahre ich, dass Mad. de Maintenon beste Freundin (...) gestorben ist. Nun ist ein bös Weib weniger in der Welt. Gott bekehre alle, so es noch seind, und nehme sie in sein Paradeis. Amen." (S. 235)

Man darf natürlich nicht erwarten, dass sich in ihren Briefen eine Pointe an die nächste reiht. Madame schreibt über alles Mögliche, über Amüsantes wie Trauriges, Interessantes wie Banales. Ein immer wiederkehrendes Thema sind die Klagen über ihre schlechte Behandlung bei Hofe. Auch ihre persönlichen Betrachtungen über Gott und das Leben lässt sie mit einfließen, die sich häufig durch eine erstaunlich moderne Toleranz und Nüchternheit auszeichnen.

Besonders wichtig sind ihr selbstverständlich alle Angelegenheiten der Familie, die sich in ihrem Fall über die Herrscherhäuser halb Europas verteilt, so dass sie unter anderem auch nach England und Spanien schreibt. Ich muss gestehen, dass ich nicht immer einordnen konnte, in welcher verwandschaftlichen Beziehung der betreffende Briefpartner zu ihr stand. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, der sich aus dem manchmal aufrichtig bis groben, manchmal trocken-humorvollen Ton Madames ergibt und sie so sympathisch macht:

"[Meine Tochter wird heute] recht ernstlich eine Frau werden, denn ihr Herr und sie sollen diese Nacht beisammen schlafen; das wird ihr spanisch vorkommen... (...) Mich verlangt unerhört, zu vernehmen, wie die erste Nacht abgeloffen ist." (S. 229)

"Es ist ein groß Unglück, dass die schöne Gräfin Bückeburg so einen dollen Mann hat. Sie sollte den Mann in Krieg schicken, möchte ihn vielleicht los werden." (S. 265)

"Die Fontanges war ein dumm Tierchen, aber sie hatte ein gar gut Gemüt und war schön wie ein Engel." (S. 208)

Annedore Haberl hat, soweit ich das beurteilen kann, eine gelungene Auswahl der Briefe Liselottes getroffen und deren im Original äußerst merkwürdige und uneinheitliche Rechtschreibung lesefreundlich überarbeitet. Ihr Buch enthält außerdem einen Abriss über das Leben Madames samt biografischer und historischer Daten, einige Ahnentafeln, die zumindest einen groben Überblick über die verwandschaftlichen Beziehungen und Verflechtungen der in den Briefen erwähnten Personen erlauben, sowie ein Register der verwendeten französischen Begriffe, in dem allerdings einige Wörter zu fehlen scheinen. Ich empfehle dieses Buch allen, die bereit sind, sich in eine etwas altertümliche Ausdruckweise einzulesen. Sie werden mit dem Vergnügen belohnt werden, eine starke und witzige Frau mit einer erstaunlich lebendigen und ausdruckstarken Sprache kennenzulernen. Außerdem bietet Madames Korrespondenz gleichzeitig einen äußerst intimen und direkten Einblick in das (Hof-)Leben der damaligen Zeit, von dem Liselotte selbst sagt:

"Ich glaube, dass, wenn die Nachkommen unsere Zeitgeschichte lesen werden, werden sie es vor romans halten und gar nicht glauben können." (S. 319)


Mademoiselle Populaire
Mademoiselle Populaire
DVD ~ Déborah François
Preis: EUR 6,97

7 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine allzu vorhersehbare 50er-Jahre-Liebesgeschichte, 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Mademoiselle Populaire (DVD)
Ich habe von "Mademoiselle Populaire" eine spritzige französische Liebeskomödie im 50er-Jahre-Schick erwartet. Letzteren gibt es in dem Film tatsächlich reichlich: fröhlich-bunte Petticoats, elegante Cocktailkleider, spießige Inneneinrichtungen, alte Citroen-Modelle - alles sehr hübsch anzusehen. Was die spritzige Liebeskomödie betrifft, habe ich allerdings eine herbe Enttäuschung erlebt.

Die Filmhandlung ist nämlich von Anfang bis Ende vorhersehbar und wartet obendrein mit einem dermaßen zuckrigen Finale auf, dass es auch direkt aus Hollywood stammen könnte. Und das meine ich nicht positiv. Keine einzige originelle Idee, keine noch so kleine Überraschung hat es in "Mademoiselle Populaire" hineingeschafft; von ironischen Seitenhieben auf die doch nur im verklärten Rückblick so idyllischen 50er Jahre gar nicht erst zu reden.
Passend dazu wurde auch das Frauenbild 1:1 aus der damaligen Zeit übernommen. Rose (Déborah François) kann bezaubernd lächeln und rasant tippen, sonst aber auch nichts; und nur allzu bald scheint ihr einziges Lebensziel darin zu bestehen, das Herz ihres oft reichlich unfreundlichen Chefs Louis Richard (Romain Duris) zu erobern. Ein Ziel, das trotz einiger pflichtschuldigst eingebauter Standard-Missverständnisse niemals glaubhaft in Gefahr gerät. So kommt es, dass die Geschichte der guten Rose nach einer Weile beginnt, den Zuschauer langsam aber sicher zu langweilen.

Fazit: Ein Filmchen, das man sich, vor allem als Retro-Fan, an einem verregneten Sonntagnachmittag gerne mal anschauen kann, danach aber auch sofort wieder vergisst. "Mademoiselle Populaire" mag nämlich hübsch anzuschauen sein, hat aber inhaltlich nichts als reichlich angestaubte Klischees zu bieten.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2013 1:18 PM MEST


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