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Rezensionen verfasst von
Judith Schmidt "Bücherschreckse"
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Oscar Straus: Die lustigen Nibelungen (Operetten-Gesamtaufnahme)
Oscar Straus: Die lustigen Nibelungen (Operetten-Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 26,94

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Nibelungen - mal ganz anders!, 28. Januar 2011
Eine große Leuchte scheint der tapfere Siegfried nicht gerade zu sein, der am Hofe zu Burgund um Krimhilds Hand anhält. Aber dafür gehört ihm ein prächtiger Schatz: das Nibelungengold, das er nicht etwa in Rhein versenkt, sondern zu sechs Prozent Zinsen jährlich bei der Rheinischen Bank deponiert hat. Das überzeugt Krimhilds Sippe denn auch prompt davon, dass der junge Mann eine echte Bereicherung für die Familie wäre - und das im wahrsten Sinne des Wortes!
Bevor aber feuchtfröhlich Hochzeit gefeiert und dabei nach guter, alter Germanensitte die Möbel zerschmettert und die Gäste vermöbelt werden können, muss erst noch ein anderes Problem gelöst werden. König Gunter von Burgund hat nämlich in einem Anfall erotischer Umnachtung um die Hand von Brunhilde von Isenland angehalten. Der Wahlspruch dieser berühmten Kriegerin (und berüchtigten Schlägerin) lautet: "Nichts Schönres gibt`s, als wenn die Braut den eig`nen Bräutigam verhaut!" Getreu diesem Motto hat sie bereits alle übrigen Heiratskandidaten über die Klinge springen lassen und Gunter ein Telegramm gesandt, dass sie per Bahn anreise, um nun auch ihn zu erledigen. Kein Wunder also, dass dem eher schwächlichem König ordentlich die Muffe geht. Da hat Onkel Hagen die rettende Idee: Siegfried soll, unbemerkt dank Tarnkappe, Gunter im Zweikampf mit der resoluten Dame beistehen. Es ist auch allerhöchste Zeit, denn da betritt Brunhilde auch schon mit einem herzhaften "Kreuzmillionen-Donnerwetter-Himmel-Herrgott-Sakrament!" auf den Lippen die Burg...

1904 veröffentlichte der österreichische Komponist Oscar Straus diese "burleske Operette" mit Texten von Fritz Oliven (Pseudonym Rideamus) und dürfte damit wohl die schönste Wagner-Parodie aller Zeiten geschaffen haben - und das zu einer Zeit, als der blonde "Ring"-Held Siegfried als Urtypus des tapfren Übergermanen der Liebling aller deutschnationalen und kaisertreuen Patrioten war. Entsprechend lautstark waren vielerorts die Proteste gegen diese "Verunglimpfung" eines deutschen Nationalmythos. Die Nazis verboten die Operette dann ganz, während der jüdische Komponist in die USA flüchten musste, und nach dem Krieg fielen "Die lustigen Nibelungen" für lange Zeit dem Vergessen anheim.

Völlig zu unrecht, wie sofort jeder feststellen wird, der sich diese CD anhört! Ich kann mich bei den vielen beschwingten Walzern, furiosen Ensemblestücken und herrlich komischen Couplets jedenfalls kaum entscheiden, welches Stück mir nun am besten gefällt.
Siegfrieds Bericht darüber, wie er sich zuerst in der Schule mit Mühe und Not bis zur Unterterzia gequält und dann als fauler Lehrling bei Mime rausgeflogen ist (04. Ich bracht`s auf dem Gymnasium...)? Sein "brünstig-wonnigliches" Liebesduett mit Krimhilde (08. Hei, gnädiges Fräulein, habe die Ehre!)? Gunters kleinmütige Klage vor Brunhildes verschlossener Schlafzimmertür (14. Brunhilde, mach auf)? Oder doch der mordlüsterne Familienchor (16. Nun, so lasst uns denn Siegfried ermorden!)? Sie sind einfach alle herrlich!

Der einzige Wermutstropfen ist, dass das kleine Begleitheftchen zu dieser CD zwar eine kurze Zusammenfassung der Handlung sowie einige Informationen zur Entstehung dieser Operette enthält, aber keinen einzigen der Liedtexte. Da das dadurch erzwungene Erhören der Texte aber gleichzeitig so viel Spaß macht, ist das kein echtes Manko. Volle fünf Sterne und ein echt germanischer Drachenblut-Toast auf diese lustigen Nibelungen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2012 6:17 PM CET


Alles geben die Götter: Historischer Roman
Alles geben die Götter: Historischer Roman
von Paul Waters
  Taschenbuch

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein antiker Bildungsroman, 28. Januar 2011
Hauptperson dieses historischen Romans ist Markus, der einzige Sohn eines bescheidenen römischen Landbesitzers. Wir lernen ihn im Alter von 14 Jahren auf dem elterlichen Hof in Praeneste kennen. Bereits kurz darauf verliert er bei einem Piratenüberfall seinen Vater, worauf Markus` Onkel Caecilius, ein reicher Kaufmann, die Stelle des Familienoberhaupts übernimmt. Dieser geldgierige und kleingeistige Despot nimmt Markus mit nach Tarent, einer ehemals griechischen Kolonie in Süditalien, wo er ihm bei seinen eher zwielichtigen Geschäften helfen muss. Dort lernt Markus aber auch Titus, den Neffen des örtlichen Prätors, kennen, einen großen Bewunderer der hellenischen Kultur und Lebensart. Die beiden freunden sich an und Titus führt Marcus in den Kreis seiner griechischen Bekannten ein, wo er nicht nur die schöne und kluge Hetäre Pasithea, sondern auch den gleichaltrigen Menexenos aus Athen trifft, mit dem ihn bald mehr als nur freundschaftliche Zuneigung verbindet. Marcus` neues Glück soll jedoch nicht allzu lange dauern. König Philipp V. von Makedonien greift nämlich die griechischen Bundesstaaten an, wodurch Rom sich schließlich zum Eingreifen gezwungen sieht. Es kommt zum Krieg, in dem sowohl Marcus als auch Menexenos werden kämpfen müssen. Und dann taucht auch noch der Anführer der Piraten, die damals Marcus` Vater töteten, wieder auf...

"Alles geben die Götter" kann als klassischer Bildungsroman bezeichnet werden. Seine Handlung spielt sich zur Zeit des Zweiten Makedonisch-Römischen Krieges (200 - 197 v. Chr.) ab, womit sich Paul Walters einen interessanten Zeitabschnitt herausgegriffen hat. Dem Römischen Reich ist es nämlich gerade erst gelungen, durch seinen knappen Sieg gegen Karthago (Zweiter Punischer Krieg, 218 - 201 v. Chr.) die Vormachtstellung im Mittelmeerraum zu erringen. Kulturell bestimmend ist gleichzeitig immer noch das hellenistische Griechenland, das zu dieser Zeit in mehrere Königreiche und Bundesstaaten aufgesplittert ist. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Leser, wie Marcus von einem noch recht naiven Bauernjungen zu einem von stoischen Idealen geformten jungen Mann heranwächst, der sich unter schwierigsten Bedingungen bewährt und in der Liebe zu Menexenos sein Glück findet.

Man merkt dem Autor seine Begeisterung für die hellenistische Kultur und Lebensphilosophie deutlich an, und es gelingt ihm, die Orte, Personen und Geschehnisse einprägsam und lebendig zu beschreiben, ohne sich in langatmigen Beschreibungen zu verlieren oder auf die stereotypen Bilder anderer Antikenromane zurückzugreifen. Angenehm überrascht war ich auch von der zarten und völlig natürlichen Art, in der Walters die sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung zwischen Marcus und Menexenos schildert.

Weniger schön ist, dass er bei der Charakterisierung seiner Protagonisten der Versuchung erlegen ist, Figuren wie Caecilius oder Titus` Bruder als durch und durch schlecht und verdorben darzustellen, um im Kontrast dazu seine bereits leicht überidealisierten Helden Marcus, Menexenos und Titus noch heller erstrahlen zu lassen. Auf diese Weise entsteht eine letztlich doch ziemlich stereotype Aufteilung in "die Guten" und "die Bösen" - und das, obwohl bekanntermaßen gerade vielschichtige und schwer festzulegende Figuren am interessantesten sind. Als Leserin finde ich es außerdem schade, dass die Handlung (ganz dem antiken griechischen Geist entsprechend) so durch und durch männlich ist. Frauen erscheinen nämlich nur am Rande.

Dennoch ist "Alles geben die Götter" ein lesenswerter Roman, mit dessen Hauptperson man mitfühlt und -fiebert und der einem in lebendigen Farben die Kultur einer vergangenen, aber in der Geschichte Europas bis heute nachwirkenden Zeit schildert.


Die Reliquie: Roman
Die Reliquie: Roman
von Mara Volkers
  Taschenbuch

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Auch ein neues Cover..., 13. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Reliquie: Roman (Taschenbuch)
...ändert leider nichts am Inhalt dieses Machwerks, das ich bereits in der ersten Auflage von 2006 zu lesen das Pech hatte. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich vor diesem Totalschaden von einem "historischen Fantasyroman" warnen.

Hinter dem Pseudonym Mara Volkers verbirgt sich nämlich die im Historiengenre längst berühmt-berüchtigte Serientäterin Iny Lorentz, die auch in diesem Buch wieder einmal ihre totale historische Ignoranz bei gleichzeitiger Vorliebe für stereotype Schwarzweißmalerei und sinnfreie Vergewaltigungsszenen beweist.
Dementsprechend sind die auftretenden Personen eine Ansammlung dumpfer Klischees, wobei die junge, kluge und natürlich wunderschöne Bärbel die verfolgte Unschuld gibt, während der Graf von Eisenstein mit seinen brutalen und vor allem immer geilen Mannen als Verkörperung allen Bösen auftritt. Die Handlung hangelt sich durch und durch vorhersehbar von einer brutalen Schand- beziehungsweise Schändungstat des Grafen zur nächsten, bis zum Schluss plötzlich und wie aus heiterem Himmel nicht nur auf ganzer Linie das Gute siegt, sondern Bärbel auch gleich noch ein edler Ritter in den Schoß fällt.

Kurz gesagt, dieses Buch ist eine absolute Katastrophe - ganz gleich in welcher Auflage und Ausgabe.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 25, 2011 7:22 PM MEST


Spurlos verschwunden (01)
Spurlos verschwunden (01)
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Harmloses Krimigeschichtchen aus der Bretagne, 15. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Spurlos verschwunden (01) (Audio CD)
Heldin dieser neuen Hörspielreihe ist, wie der Titel schon sagt, die Ordensschwester Amelie, die in dieser ersten Folge aus Paris in ein beschauliches Dorf an der bretonischen Küste versetzt wird. Dort lernt sie nicht nur den charmanten Marc kennen, sondern gerät auch gleich in Schwierigkeiten, als sie sich auf die Suche nach einem verschwundenen Rucksacktouristen macht.

Von der handwerklichen Seite her gibt es an "Ordensschwester Amelie" nichts auszusetzen: Alle Rollen werden professionell und überzeugend gesprochen und die Geräuschkulisse wirkt erfolgreich dabei mit, den Hörer in ein französisches Küstendorf zu versetzen. Vom Inhalt bin ich jedoch weniger angetan. Da sind zum einen die doch ziemlich klischeehaften Charaktere: die hübsche Nonne, der charmante junge Mann, die gestrenge Mutter Oberin, der trottelige Dorfpolizist und der etwas heruntergekommene Privatermittler. Ärgerlich ist auch, dass Amelies Nonnentum offensichtlich nur dazu dient, der sich bereits abzeichnenden erotischen Spannung zwischen ihr und Marc eine zusätzliche pikante Note zu verleihen. Dazu kommt ein äußerst harmlos, um nicht zu sagen spannungsarm vor sich hin plätschernder Kriminalfall, der schließlich aufgrund einer wenig überzeugenden Eingebung Amelies nach wenig mehr als 60 Minuten ruckzuck gelöst wird.
Fazit: Dieses klischeereiche Kriminalgeschichtchen ist schlicht zu schwach, um wirklich Neugier auf die weiteren Teile zu wecken.


Der Elefant verschwindet, Sonderausgabe
Der Elefant verschwindet, Sonderausgabe
von Haruki Murakami
  Gebundene Ausgabe

7 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Geht ein Schwein um die Ecke..., 16. November 2010
...und ist weg!" - so lautete einer von mehreren Sinnlos-Witzen, die zu meiner Schulzeit erzählt wurden. Der Hörer eines solchen Witzes wartete vergeblich auf die Pointe, und wenn er schließlich "Und wo ist der Witz dabei?" fragte, durfte der Witzerzähler lachend "Das war er!" herausprusten und davonlaufen, um sich ein neues Opfer zu suchen. Ich fand das nicht nur sinnlos, sondern schlicht dämlich - und bedauerlicherweise erinnert mich Haruki Murakamis "Der Elefant verschwindet" ganz fatal an diese Art von Witzen.

Die meist wenig sympathischen Protagonisten der in diesem Band versammelten Kurzgeschichten entsprechen sämtlich dem Klischee des postmodernen Großstadtmenschen. Sie führen ein sinnentleertes, langweiliges und einsames Leben, das plötzlich von einem ungwöhnlichen oder sogar übernatürlichen Vorfall unterbrochen wird: unter anderem erklingen im Radio während eines Sturms merkwürdige Geräusche, eine Frau verliert ihr Schlafbedürfnis und ein ausgewachsener Elefant löst sich anscheinend samt seinem Wärter in Luft auf. Als Leser wartet man nun gespannt darauf, wie es weitergeht: Was steckt hinter dem Vorfall? Wie wird die Hauptfigur darauf reagieren und wie wird sich ihr Leben dadurch (hoffentlich zum Besseren) verändern? Man wartet also und wartet, und dann ist die Geschichte plötzlich vorbei und passiert ist GAR NICHTS. Die Geräusche im Radio verstummen, das Verschwinden des Elefanten bleibt ungeklärt, die Geschichte der schlaflosen Frau reißt mittendrin einfach ab und das Leben geht genauso öde und leer weiter wie vorher.

Und so arbeitet man sich auf der vergeblichen Suche nach einer Pointe durch die einzelnen Geschichten, nur um das Buch zum Schluss enttäuscht und frustriert zuzuschlagen. Tut mir leid, aber so etwas ist für mich keine Literatur, sondern Betrug am Leser.


Genki 1: Integrated Course in Elementary Japanese
Genki 1: Integrated Course in Elementary Japanese
von Eri Banno
  Taschenbuch

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut mit Abstrichen, 22. Oktober 2010
Angefangen habe ich mein Studium der japanischen Sprache mit Katsuki-Pestemers "Grundstudium Japanisch". Einem Lehrbuch, das einen gleich von Beginn an förmlich erschlägt mit Unmengen schwieriger Vokabeln, langen Konjugationstabellen und ausschweifenden grammatischen Erläuterungen - und das außerdem in der ersten Auflage inhaltlich auf dem Stand der 70er Jahre war.

Der Umstieg auf das englischsprachige "Genki", das aus zwei zusammenhängenden Bänden besteht, war da eine echte Wohltat. Das beginnt schon mit der ansprechenden Gestaltung: ein Schutzumschlag, ein Vorsatzblatt aus Japanpapier, eine gut lesbare Schriftgröße auf breitformatigen Seiten und zahlreiche, oft witzig-niedliche Zeichnungen im Comic-Stil. Jede Lektion beginnt mit zwei bis drei Dialogen, in denen es um die Erlebnisse der amerikanischen Austauschstudentin Mary und/oder ihrer Freunde geht. Darauf folgt eine Auflistung der Vokabeln und anschließend der Grammatik der betreffenden Lektion. Dabei wird ohne vorzugreifen ausschließlich auf die für diesen Lernabschnitt nötige Grammatik eingegangen, die so weit wie möglich ohne Fachbegriffe und an alltagstauglichen Beispielsätzen vermittelt wird. Dann kommt der eigentliche Hauptteil der Lektion, der aus mehreren Seiten mit Übungsaufgaben besteht.

Zusätzlich gibt es weiter hinten im Buch zu jedem Lernabschnitt einen separaten Teil mit Lese- und Schreibaufgaben, in dem zuerst die Silbenschriften Hiragana und Katakana und bereits ab Lektion 3 die ersten Kanji eingeführt und geübt werden. Eigentlich sollte es ja eine Selbstverständlichkeit sein, dass in einem Sprachlehrbuch auch das gesamte Schriftsystem einer Sprache vermittelt wird - aber ich habe schon so einige deutsche Japanisch-Lehrbücher gesehen, die sich entweder auf die lateinische Umschrift (rômaji) oder auf die beiden leichter zu lernenden Silbenschriften beschränkt haben. Dabei nützt die tollste Sprechfertigkeit nichts, wenn man gleichzeitig nicht einmal ein einfaches Straßenschild entziffern kann! Komplettiert werden die beiden Genki-Bände von je einem Workbook mit zusätzlichen Übungsaufgaben und einer Audio-CD mit Hörtexten, auf der außerdem auch die Lehrbuchdialoge und -vokabeln vorgelesen werden, so dass man damit sehr schön die Aussprache üben kann.

Völlig frei von Schwächen ist allerdings auch dieses Lehrbuch nicht. Zum Selbstlernen ist "Genki" zum Beispiel nur sehr bedingt geeignet, da es keinen Lösungsteil gibt. Außerdem beschränkt sich seine Zielgruppe eindeutig auf junge Studenten; Beispieldialoge für ein Geschäfts- oder Behördengespräch wird man hier vergeblich suchen. Als Student eines philologischen Fachs würde man sich zudem teilweise doch etwas ausführlichere grammatische Erläuterungen und insbesondere eine Einführung in das japanische Sprachsystem an sich wünschen. Nicht ungefährlich ist auch, dass die Autoren im Streben nach möglichst natürlicher Alltagssprache oft umgangssprachlichen Ausdrücken und Abkürzungen den Vorzug vor standardsprachlichen geben, ohne das ausreichend zu verdeutlichen. So wird als Verneinung von "desu" (=sein) die Verschleifform "ja arimasen" statt des normalen "dewa arimasen" eingeführt und bei der Erklärung des Komperativs in allen Beispielsätzen das kurze "docchi" (=welcher) benutzt, während das standardsprachliche "dochira" nur in einer kleingedruckten Fußnote erwähnt wird. So etwas kann nachher zu Verwirrungen führen, wenn man es mit Schrifttexten zu tun hat.
Richtiggehend ärgerlich ist jedoch das in diesem Buch eingeführte System zur Einteilung der Verben. Anstatt sich an der in allen japanischen Grammatiken üblichen (und logischen) Einteilung in einstufige oder fünfstufige Verben (und Ausnahmen) zu orientieren, haben die Autoren hier nämlich eine von der lateinischen Umschrift ausgehende Unterscheidung in u- oder ru-Verben ersonnen. Ein System, das bei der Originalschreibweise in Kanji und Hiragana jedoch nicht viel Sinn ergibt!

Fazit: "Genki" ist ein schön gestaltetes und didaktisch gutes Japanischlehrbuch für den Unterricht mit Schülern und Studenten (nicht-philologischer Fächer), die grammatischen Erklärungen sollte man jedoch mit einer gewissen Vorsicht genießen. Es empfiehlt sich auf alle Fälle, sich zusätzlich eine (deutschsprachige) Grammatik zuzulegen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 11, 2011 2:07 PM MEST


Stolen Heart
Stolen Heart
von Maki Kanemaru
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein lüsterner Meisterdieb, zwei bekloppte Schülervertreter und eine Liebe in Zeiten des Wahlkampfs, 16. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Stolen Heart (Taschenbuch)
Der Band "Stolen Heart" ist ein Gemeinschaftswerk von Maki Kanemaru (Handlung) und Yukine Honami (Zeichnungen) und besteht aus insgesamt vier Geschichten.

In "Stolen Heart" (98 Seiten) geht es um einen jungen Adligen, der ebenso schön wie eingebildet ist und sich die Zeit mit zahllosen homosexuellen Affären vertreibt. Da taucht plötzlich ein geheimnisvoller Dieb auf, der mit scheinbar sinnlosen Raubzügen von sich Reden macht. Bald dringt er auch in die Villa des "jungen Herren" ein - aber nicht, um sich am Tafelsilber zu vergreifen, sondern um auch mal "in den Genuss" des schönen Hausherren zu kommen...
Ein "lüsterner Phantomdieb", der in einem nicht näher bezeichneten Land in einem nicht näher bezeichneten Jahrhundert einer angeblich hochpolitischen Geheimmission nachgeht, indem er mit Aphrodisiakum um sich wirft und ständig mit einem adligen Schönling die Laken zerwühlt? Es ist mehr als offensichtlich, dass die sogenannte Handlung von "Stolen Heart" nichts als ein Vorwand für die zahlreichen Bettszenen ist. Letztere sind allerdings wirklich ein Vergnügen, denn Honami-san weiß, dass zu einer erotischen Szene mehr gehört, als nur zwei nackte Körper "in Aktion" zu zeigen. Das soll nicht heißen, dass er hier nichts zu sehen gebe - ganz im Gegenteil! Aber im Gegensatz zu Kolleginnen wie Ayano Yamane hält die Mangaka nicht "voll drauf" (auf den Genitalbereich), sondern bemüht sich, die Leidenschaft und Erotik vor allem auch durch die Gesichter und Gesten der Personen zu vermitteln - was ihr auf sehr sinnliche Weise gelingt.

"Be nice" (13 Seiten), das inhaltlich mit "Stolen Heart" zusammenhängt, erzählt von dem Waisenjungen Jean, der nach einer ziemlich unglücklichen Kindheit Bediensteter bei einer Adelsfamilie wird. Der Sohn des Hauses ist der Erste, der sich wirklich um ihn kümmert, und bald verbindet die beiden ein Gefühl, das mehr ist als Freundschaft. Der Standesunterschied steht jedoch unüberwindbar zwischen ihnen und das lässt der "junge Herr" den unterwürfigen Jean mehr als deutlich fühlen.
Was sich in meiner Zusammenfassung eventuell noch romantisch-tragisch anhört, gehört leider in die Kategorie "Hart an der Grenze zur Pädophilie". Das blonde Engelchen Jean, das auf Befehl seines Herren den Hausgästen "zu Diensten" sein muss, sieht nämlich aus wie ein Zehnjähriger. Gott sei Dank ist die Sexszene kurz und nicht allzu explizit, aber auch so hinterlässt die Geschichte einen äußerst unangenehmen Nachgeschmack, den auch die Schlusspointe nicht mildern kann.

In "Der Schein trügt nicht" (32 Seiten) wird der Highschool-Schüler Naruse dazu verdonnert, in der Schülervertretung auszuhelfen. Eine wirklich harte Strafe, denn die Vertretung besteht aus zwei absoluten Spinnern: dem freakigen Ken und seinem angebeteten Bruder, einem blondierten Schönling, der keine Gelegenheit auslässt, sich mit eindeutig zweideutigen Sprüchen an die neue Aushilfskraft heranzumachen. Dass Naruse von dieser Gesellschaft alles andere als begeistert ist, versteht sich von selbst...
Mit dieser Geschichte wollte sich die Autorin offensichtlich von ihrer lustigen Seite zeigen. Dementsprechend bekommt man in "Der Schein trügt nicht" viele Gags und nur sehr wenig Yaoi geboten. Das muss nicht verkehrt sein, nur liegt mir diese Art von eher plumpem Nonsens-Humor leider nicht besonders. Naruses peinliche Erlebnisse haben mich daher ziemlich kalt gelassen.

"Kiss Scandal" (32 Seiten) spielt ausnahmsweise mal nicht in Japan, sondern in den USA - genauer gesagt in der us-amerikanischen Politszene. Die Hauptpersonen sind der junge, aufstrebende Kongressabgeordnete Colin Rudd und sein Sekretär Paul. Bisher konnten die beiden vor der Öffentlichkeit verbergen, dass sie ein Liebespaar sind, aber die Spekulationen um Colins Privatleben nehmen immer mehr zu. Paul, der sich sehr um Colins Karriere sorgt, kommt daher zu der Überzeugung, dass er sich von ihm trennen und ihn heiraten lassen muss. Für seine große Liebe ist er dazu auch bereit - aber da hat er die Rechnung ohne Colin Rudd gemacht...
Und wieder einmal kommt das Beste zum Schluss! Diese Geschichte, bei der sich Kanemaru-san von us-amerikanischen Filmen inspirieren ließ, hat alles, was ein guter Yaoi-Manga braucht:, Männer, die nicht nur schön UND männlich sind, sondern sogar noch über Charakter verfügen, eine durchdachte Handlung sowie das richtige Maß an Spannung, Romantik und Erotik. So viele Bettszenen wie in "Stolen Heart" gibt es zwar nicht - dazu ist "Kiss Scandal" auch schlicht zu kurz. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen?) würde ich behaupten, dass die Liebe zwischen den beiden sehr sympathischen Protagonisten hier am überzeugendsten dargestellt wird.

Eine abschließende Gesamtbewertung fällt schwer, denn wie bei den meisten Sammelbänden besteht auch "Stolen Heart" aus besseren ("Stolen Heart", "Kiss Scandal") und schlechteren Manga ("be nice", "Der Schein trügt nicht"). Meist vergebe ich in so einem Fall durchschnittliche drei Sterne, diesmal gibt es aber einen vierten obendrauf - für Honami-sans schöne und vor allem sinnliche Zeichnungen.


Taisho Era Chronicles
Taisho Era Chronicles
von Yū Higuri
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kann man lesen, muss man aber nicht, 16. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Taisho Era Chronicles (Taschenbuch)
"Taisho Era Chronicles" besteht aus insgesamt vier kurzen Geschichten, von denen drei in der Vergangenheit spielen und sich mit Onmyôji beschäftigen - einer Art japanischer Geisterbeschwörer. Das kann ich allerdings nur vermuten, denn leider gibt es, abgesehen von einem wenig erhellenden Kurzkommentar der Autorin, keine weiteren Erklärungen dazu, was genau ein Onmyôji nun ist beziehungsweise war.
Offensichtlich geht es Yû Higuri weniger darum, japanische Religionsgeschichte und Mythologie zu vermitteln, als Bishônen in malerisch wehenden Gewändern bei magischen Ritualen zu zeigen. Das Ganze sieht denn auch gut aus, bleibt dabei aber handlungs- und charaktertechnisch äußerst flach.
Die letzte Geschichte fällt aus dem historischen Rahmen, denn sie spielt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft und wird von der Mangaka selbst als "Science-Fiction-Boys-Love" beschrieben. Leider gehört dieses Frühwerk von Yû Higuri eindeutig in die Kategorie "Jugendsünden" und hätte lieber still und heimlich dem verdienten Vergessen anheimfallen sollen, als nochmal hervorgeholt zu werden. Die melodramatische Liebesgeschichte zwischen dem ach so armen und süßen Agata und dem rotäugigen Albino-Superagenten von der FBI-Spezialgeheimtruppe "Ghost" (Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, das steht da wirklich!) liest sich nämlich wie die dilettantische Fanfiction eines zwölfjährigen Yaoi-Fangirls und ist einfach nur peinlich.
Und so vergebe ich alles in allem nur 2 Sterne. Denn lesen kann man "Taisho Era Chronicles" zwar - aber man verpasst wirklich nichts, wenn man es nicht tut.


Restart
Restart
von Shoko Hidaka
  Taschenbuch

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle, 23. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Restart (Taschenbuch)
So wie "Not Enough Time" und "Geliebter Freund" besteht auch "Restart" wieder aus mehreren Geschichten - expliziten Yaoi-Geschichten, falls das jemand noch nicht mitbekommen haben sollte.

Das titelgebende "Restart" umfasst fünf von den insgesamt sieben Kapiteln dieses Mangas und handelt von Tadashi und Aki, die als Dressmen, also männliche Models, arbeiten. Aki ist noch neu in dem Beruf, aber bereits ein echter Star und inzwischen viel gefragter als Tadashi, was diesen mehr verunsichert, als er zuzugeben bereit ist. Weiter verkompliziert wird seine Einstellung zu Aki dadurch, dass die beiden nach einer feuchtfröhlichen Feier zusammen im Bett gelandet sind, Aki ihm seitdem aber ostentativ die kalte Schulter zeigt. Tadashi, dessen Erinnerungen an diese Nacht alkoholbedingt ziemlich lückenhaft sind, kann sich darauf keinen Reim machen und ist von der ganzen Situation mehr als frustriert.
Alles in allem ist die Geschichte um die beiden Dressmen und den holprigen Start ihrer Beziehung ganz nett, allerdings hat Tadashi mehr Charakter abbekommen als der durchgehend blasse Aki, dessen häufig kindisches Verhalten auf mich eher nervig als niedlich wirkt. Schade ist auch, dass die Mangaka sich ausschließlich auf die beiden Hauptpersonen konzentriert und so interessante Nebenfiguren wie Noguchi-san, die Chefin der Model-Agentur, zu reinen Stichwortgebern degradiert.

Auch die zweite Geschichte ("Für Dich") spielt im Model-Mileu. Hier geht es um den Highschool-Schüler Shunsuke, der schon seit seiner Kindheit modelt und bei seinem neuen Projekt an einen ziemlich merkwürdigen Fotografen namens Kishida gerät. Dieser erklärt Shunsuke beim gemeinsamen Shooting aus heiterem Himmel, dass er ihn liebt, um dann begeistert Aufnahmen von seinem fassungslosen Gesicht zu machen. Shunsuke hält das zuerst für einen dämlichen Scherz, aber Kishida versichert ihm, es völlig ernst zu meinen...
Diese Geschichte ist eindeutig die schwächste des ganzen Bandes. Erstens sind das engelsgesichtige Jungmodel und sein Fotograf das reinste Klischee-Paar, wie Shoko Hidaka im Nachwort selbst gesteht, und zweitens finde ich es alles, nur nicht erotisch, wenn in einer Geschichte mit Sexszenen einer der Beteiligten aussieht wie ein Zwölfjähriger.

In der dritten und letzten Geschichte ("Es soll sich fügen") geht es mal nicht um ein Model, sondern um den Studenten Tatsumi, der im Bus plötzlich Shinozaki, seine erste große Liebe, wiederzuerkennen glaubt - was allerdings völlig unmöglich ist, da dieser tot ist. Und tatsächlich handelt es sich nicht um Shinozaki, sondern um seinen jüngeren Bruder, der ihm zwar äußerlich ähnelt, aber unfreundlich und abweisend auftritt. Tatsumi, der über Shinozakis Tod nie wirklich hinweggekommen ist, zieht es dennoch wie gegen seinen Willen immer wieder in dessen Nähe, bis es an einem flirrendheißen Sommertag zu einer folgenschweren Konfrontation zwischen den beiden kommt.
"Es soll sich fügen" ist für mich die mit Abstand beste der drei Geschichten. Auf nur 32 Seiten gelingt es der Mangaka hier besser als in "Restart", ihren Protagonisten Persönlichkeit und emotionale Tiefe zu verleihen und eine glaubwürdige und berührende Liebesgeschichte zu erzählen.

Summa summarum: Dieses Werk von Shoko Hidaka besteht aus einer eher durchschnittlichen ("Restart"), einer schlechten ("Für Dich") und einer sehr guten Geschichte ("Es soll sich fügen") und erhält somit von mir die Gesamtnote drei. Ob sich der Kauf lohnt, muss anhand obiger Zusammenfassungen jeder selbst für sich entscheiden.


Krähen 02
Krähen 02
von Marie Sann
  Broschiert

2.0 von 5 Sternen Eine unausgegorene Horror-Fantasy-Geschichte in schönen Bildern, 29. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Krähen 02 (Broschiert)
Beginnen wir mit dem Positiven - mit Marie Sanns Zeichnungen, die sich seit der Veröffentlichung ihres Mangadebüts "Sketchbook Berlin" (2006) stark weiterentwickelt haben. Ihre beeindruckend detaillierten Bleistiftzeichnungen sind nicht nur schön anzusehen, sondern lassen auch deutlich erkennen, dass die Zeichnerin solche Dinge wie eine überzeugende Raumperspektive, korrekte Proportionen und die realistische Darstellung von Bewegung beherrscht.

Die in Zusammenarbeit mit Guido Neukamm entstandene Geschichte selbst enttäuscht jedoch leider. Was sich im ersten Band noch düster-geheimnisvoll anließ, entpuppt sich nun im zweiten als wenig innovatives und eher schwach umgesetztes Horror-Fantasy-Allerlei.
Die drei Hauptpersonen Ice, Cassandra und Rif sind fast die gesamte Handlung über damit beschäftigt, von einem blutigen Kampf zum nächsten zu laufen - wenn sie nicht gerade so sinnvolle Dinge tun wie Reizwäsche anzuprobieren, mit einer alten Flamme in die Kiste beziehungsweise in die Badewanne zu hüpfen und auf der Gitarre weltschmerzgetränkte Liedtexte zu klimpern. Das soll wohl jugendlich-cool wirken, kam mir aber eher albern vor. Zusätzliche Abzüge gibt es dafür, dass hier allzu viele Unbeteiligte um des reinen Schockeffekts willen von den bösen Krähen-Wesen umgebracht werden, ohne dass diese grausamen "Intermetzel" für die eigentliche Handlung von Bedeutung wären.

Und so komme ich zum Schluss zu dem bei Comic-Rezensionen schon häufiger gezogenen Fazit, dass selbst die schönsten Zeichnungen eine schwache Geschichte nicht wettmachen können. Vielleicht sollte es Marie Sann mal mit einem anderen Co-Autor versuchen?


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