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Beiträge von Judith Schmidt
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Rezensionen verfasst von
Judith Schmidt "Bücherschreckse"
(REAL NAME)   

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Sobald ich vor der Leinwand saß. Künstlerinnen aus fünf Jahrhunderten
Sobald ich vor der Leinwand saß. Künstlerinnen aus fünf Jahrhunderten
von Frances Borzello
  Broschiert

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "... war ich glücklich. Denn es war eine Welt und in ihr konnte ich tun und lassen, was ich wollte." Alice Neel, 20. November 2013
"Sobald ich vor der Leinwand saß ..." ist in eine Einleitung und sechs Kapitel unterteilt, die den Leser chronologisch vom 15. bis zum 21. Jahrhundert führen und jeweils etwa eine Kunstepoche umfassen. Das Buch ist, wie sich das bei diesem Thema gehört, reich bebildert.

Jedem Kapitel stellt Frances Borzello auf einer Doppelseite "Schlüsselfiguren" voran, d.h. einige Künstlerinnen der betreffenden Epoche, die mit ihren wichtigsten biografischen Angaben kurz vorgestellt werden. Dann folgt das eigentliche Kapitel, das wieder in mehrere Unterpunkte gegliedert ist, die sich unter anderem mit den Ausbildungsmöglichkeiten, der Förderung, dem Ansehen und dem Erfolg von Künstlerinnen beschäftigen.

Interessant ist, dass die Autorin sich zwar speziell mit Künstlerinnen beschäftigt, also das Wirken von Frauen in der Kunstgeschichte betrachtet, sich dabei aber ausdrücklich von der gängigen feministischen Betrachtungsweise distanziert, die sie für verzerrend hält: "Wenn man sich auf die negative Haltung der Welt der Kunst gegenüber den Malerinnen konzentriert, berücksichtigt man nur einen Aspekt weiblicher Erfahrung. Eine Existenz als Frau mit einer Existenz als Künstlerin in Einklang zu bringen war schwierig, aber offensichtlich doch möglich. Beschäftigt man sich nur mit den Problemen, mit denen Frauen konfrontiert waren, verliert man eine wichtige Tatsache aus den Augen: dass diese Frauen den größten Teil ihrer Zeit damit verbrachten zu malen." (S. 12) Borzello bemüht sich daher in ihrem Buch zu zeigen, "dass es nicht automatisch entmutigend ist, Künstlerin in einer männlich dominierten Welt zu sein, und dass viele Frauen dem Kampf mehr als gewachsen waren." (S. 215)

Dementsprechend bietet "Sobald ich vor der Leinwand saß ..." eine angenehm frische und ermutigende Sichtweise, mit vielen interessanten, neuen Details. Man kann hier zum Beispiel erfahren, dass Malerinnen bereits im 18. Jahrhundert eigene Ateliers hatten und Lehrlinge ausbildeten, oder einen Blick in das Arbeits- und WG-Leben der Frauen werfen, die im 19. Jahrhundert in die ersten speziell für Frauen gegründeten Malschulen in Paris strömten.

Leicht irritiert hat mich allerdings eine gewisse Ungenauigkeit der Autorin, die sich nicht durchgängig an ihre eigene Gliederung hält, manchmal vom eigentlichen Thema abschweift und Dinge aufgreift, die man der Übersicht halber besser in einem eigenen Unterpunkt untergebracht hätte. Auch finde ich es schade, dass viele der Schlüsselfiguren aus der Kapiteleinleitung anschließend nur noch ein-, zweimal kurz erwähnt werden, um eine Aussage zu illustrieren, obwohl ich gerne mehr über ihre Karriere und auch ihr Privatleben erfahren hätte.

Im Großen und Ganzen ist "Sobald ich vor der Leinwand saß ..." aber ein gut recherchiertes und interessantes Buch über das Leben und Schaffen erfolgreicher Künstlerinnen verschiedener Epochen. Zum Schluss noch ein Hinweis: "Ihre eigene Welt" ist exakt dasselbe Buch, nur als gebundene Ausgabe und mit einer anderen Umschlagsillustration.


Preußische Profile
Preußische Profile
von Sebastian Haffner
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Preußen - der deutsche Sonderweg ins sozialistische Paradies, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Preußische Profile (Taschenbuch)
In diesem Buch stellen zwei Autoren in kurzen Essays 12 Persönlichkeiten der preußischen Geschichte vor, unter anderem Friedrich den Großen, Otto von Bismarck, Friedrich Engels und Wilhelm II. Wer jedoch zu den "Preußischen Profilen" greift und eine vielleicht wohlwollende, aber dennoch einigermaßen sachlich-objektive Darstellung erwartet, der lasse alle Hoffnung fahren und mache sich auf eine geballte Ladung ideologiesierender Heldenverehrung und haarsträubenden Schwachsinns gefasst.

Haffners Preußen-Porträts sind eindeutig preußophil und das mitunter bis zur Lächerlichkeit, etwa wenn er allen Ernstes behauptet, Kaiser Wilhelm II. habe seine blutrünstig-pathetischen Reden nur deshalb gehalten, weil er so empfänglich für Stimmungen war und diese Gefühle "damals nur allzu sehr in der Luft, in der deutschen Luft [lagen]. Der Kaiser mit seiner medialen Begabung fing es auf, strahlte es zurück (...)." (S. 250) Der arme Mann konnte also schlicht nicht anders.

Venohrs Texte aber sind mehr als nur einseitig und beschönigend. Aus seinen Essays spricht ein Weltbild, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Das beginnt schon in der von ihm verfassten Einleitung, in der er wie selbstverständlich feststellt, dass das alte feudal-agraische Preußen die moralisch überlegene, einzig wahre deutsche Nation gewesen sei, die jedoch mit der Gründung des bürgerlich-industriellen Deutschen Reiches 1871 auf perfide Weise vernichtet wurde. (S. 11 ff)

Schuld daran ist für Venohr eine kosmopolitisch-liberal-bourgoise Verschwörung samt marxistischer Kollaboranten. (S. 16) Diese hat damit auch die folgenden zwei Weltkriege zu verantworten, in denen das unnachahmliche preußische Offizierkorps gezwungen war, im Namen zuerst des bürgerlichen Imperialismus und dann des Faschismus verlorene Schlachten zu schlagen. (S. 14 und 15) Für den Autor jedoch "nähert sich der Tag, an dem man den gigantischen Irrtum des bourgoisen Fortschritts erkennen und sodann auch begreifen wird, daß das Wirken des aufgeklärten Abolutismus preußischer Provenienz in Richtung einer volksfreundlichen Arbeitsmonarchie für die niederen Volksschichten ungleich segensreicher war als jede Spielart bürgerlicher Klassenherrschaft, wie sie sich in Westeuropa oder Nordamerika verwirklichte." (S. 62)

Das ist Venohrs fixe Idee: Dass Preußen eine Art idealen, deutsch-nationalen Sozialismus vorgelebt habe und darum von seinen in- und ausländischen "Feinden" zerstört wurde. Der einzige Weg aus dem gegenwärtigen Jammertal der deutschen Machtlosigkeit führt für ihn folgerichtig über die Rückkehr zur "preußischen Façon" (S. 21), unter der sich Venohr eine preußische DDR vorzustellen scheint, in der ein absolutistischer König bei seinem deutschen Volk mit harter, aber väterlicher Hand für Zucht, Ordnung, Arbeit und Brot sorgt.

Ganz abgesehen davon, dass Venohr den Beweis für seine steile These schuldig bleibt, vermischt er typisch marxistische Phrasen von liberaler Bourgoise, Proletariat und Klassenkampf mit tiefbraunem Vokabular von Verausländerung, Überfremdung und alliierter Umerziehung und Gleichschaltung. (S. 61, 72 und 15) Die übrigen europäischen Länder, charmant als "Randvölker" bezeichnet (S. 21), sind für ihn ohnehin eine einzige Ansammmlung feindlicher Mächte, denen es "ein tiefes inneres, offenbar unwiderstehliches Bedürfnis [ist], an Deutschland und an Mitteleuropa herumzuschneiden, zu teilen und zu halbieren, zu gängeln und zu manipulieren." (S. 21)

Es hat mich schließlich kaum gewundert zu erfahren, dass Wolfgang Venohr als 16-Jähriger freiwillig in die Waffen-SS eintrat. Das Muster ist ganz deutlich: Hier hat sich ein von Hitler Enttäuschter einen neuen Götzen gesucht und seine nationalistischen Großmachtsfantasien vom Führer und dem Dritten Reich auf Preußen und seine Könige übertragen. Das Objekt der Anbetung ist ein anderes, aber Geist und Ton sind exakt dieselben. Armes Preußen. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde. Und arme Leser, die mit diesem rot-braunen Schwachsinn traktiert werden.


Unser die Straße, unser der Sieg
Unser die Straße, unser der Sieg
von Tilo Köhler
  Broschiert

3.0 von 5 Sternen Nur für Leser, die bereits über viel Hintergrundwissen verfügen, 1. August 2013
"Unser die Straße - unser der Sieg" ist ein Spaziergang durch die Stalinallee in Berlin, die Prachtstraße der DDR. Tilo Köhler beschränkt sich dabei nicht nur darauf, vom Bau der Straße zu erzählen, und die Architektur und Funktion der wichtigsten Allee-Bauten zu beschreiben. Er nutzt die Allee und ihre Gebäude als Ausgangspunkte für zahlreiche und ausgiebige Exkursionen in die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte.

Da wird unter anderem von der Nacht-und-Regen-Aktion zur Schleifung des Stalindenkmals 1961 berichtet, von den seltsamen Blüten, die die DDR-Kulturpolitik trieb, vom Prager Frühling und stürmischen Parteitagen. Sehr wichtig ist Köhler offensichtlich auch das Alltagsleben der Menschen in der DDR; was sie aßen, was sie tranken, welche Möbel sie sich in die gute Stube stellten, was sie im Fernsehen sahen und vieles mehr. Dabei beweist der Autor ein enormes Detailwissen, das sich bis zu den beliebtesten DDR-Waschmittelmarken und den Speisekarten der Restaurants auf der Stalinallee erstreckt.

Das Manko seines Buches ist jedoch die Art und Weise, wie er dieses Wissen dem Leser präsentiert, nämlich beinahe ausschließlich durch metaphernreiche Anspielungen, abgewandelte Zitate und mitunter arg spitzfindige Wortspiele. Manchmal ist das durchaus gelungen und amüsant, etwa wenn er feststellt:
"(...) den tiefsten Griff ins Staatssäckel machte der Palast der Republik erforderlich, und doppelt war insofern 1976 vor dem Neuten SED-Konvent die Überraschung, als Bedachte wie Bedenker ausnahmsweise gleicher Sinn vereinte: dieses war ganz zweifellos ein Haus, das man sich schenken konnte." (S. 12)

Viele von Köhlers langen und gewundenen Sätzen sind jedoch bis zur völligen Unverständlichkeit mit gewollt witzigen und dabei nicht näher erklärten Verweisen auf Personen und Ereignisse überfrachtet, die sich nur dem Autor selbst völlig erschließen dürften. Etwa, wenn es heißt:
"Die Wirbel aus dem Vorjahr glaubte man durch kluges Einlenken beruhigt, jetzt hieß es, mit Kirschmilch und Zitronenflip schon den Verbraucher anzumahnen, welcher später in Kampagnen die Versorgungsmängel hier als Born des dauerhaften Wohlbefindens nur verschönern würde." (S. 46)

Oder: "Doch die Fortschrittsbremsen, namentlich für progressive Investoren, wurden Opfer eines Gegners in den eigenen Reihen, der zum Hörer griff und chronologisch wieder Klarheit schuf und der das Gold nicht sehen wird, das dieser Anruf wert war: denn noch war das Schloß nicht abgerissen, als das Stadion schon stand!" (S. 114)

Ein Leser, der nicht bereits über das nötige Hintergrundwissen verfügt, steht verwirrt vor einem solchen Satz und wird von dem Gefühl beschlichen, dass Tilo Köhler mit "Unser die Straße - unser der Sieg" weniger unterhaltsam Wissen vermitteln, als in trauter Eingeweihten-Runde mit ganz privaten Witzeleien protzen möchte.

Fazit: Wer ein Faible für Wortspielereien und bereits einiges Hintergrundwissen zu dieser Zeit hat, darf gerne zugreifen, allen anderen ist eher abzuraten.


Das kleine Schwarze
Das kleine Schwarze
von Hannes Neubauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine (schwarze) Comic-Perle, 21. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Das kleine Schwarze (Gebundene Ausgabe)
Das kleine Schwarze ist nicht nur der Titel, sondern auch die Hauptfigur dieser Sammlung abgedrehter Comicstrips. Es lebt mit seinen WG-Kumpels, einer (Sofa-)Kartoffel und einer betuchten Krawatte, in einer Welt, die wie unsere aussieht, aber von Kleidern, Würsten, Zigaretten, Bananen und Ähnlichem bevölkert wird. Diese Parallelwelt nutzt Hannes Neubauer sehr amüsant zu bildlichen Wortspielen oder auch wörtlich genommenen Sprachbildern, etwa wenn das kleine Schwarze mit dem Schwarzen Block als Anarchisten-Duo duch die Straßen zieht oder abends "von der Stange kommt". Dabei gelingt es ihm, mit einfachen Formen und wenigen Strichen absolut lebendige und ausdrucksvolle Charaktere zu schaffen.
Kurz gesagt, "Das kleine Schwarze" ist äußerst kurzweilige Comic-Unterhaltung mit viel und auch hübsch verquerem Humor, die ich nur empfehlen kann.


Liselotte von der Pfalz Briefe
Liselotte von der Pfalz Briefe
von Liselotte von der Pfalz
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hier meinen die Damen, dass sie ohne Vollsaufen nicht lustig sein können.", 4. Juni 2013
Eine Sammlung von Briefen, die eine adlige Dame von 1659 bis 1722 an ihre Verwandten und Bekannten geschrieben hat - wer hätte gedacht, dass ich mich bei der Lektüre dieser Korrespondenz so wunderbar unterhalten würde, dass ich mitunter vor Lachen kaum weiterlesen konnte? Dabei muss man, wenn man auf die biografischen Daten von Liselotte von der Pfalz blickt, zu dem Schluss kommen, dass ihr selbst oft eher nach Weinen als nach Lachen zumute gewesen sein dürfte.

Mit 19 Jahren wird sie aus politischen Erwägungen heraus mit Philipp I. verheiratet, dem Bruder des französichen Königs Ludwig XIV. Philipp ist homosexuell, bringt seiner Frau keine besondere Zuneigung entgegen und gibt einen guten Teil ihres Geldes für seine zahlreichen Liebhaber aus. Am Hof wird Liselotte geschnitten und schließlich verwüsten im Pfälzischen Erbfolgekrieg französische Truppen ihre Heimat. Von den alltäglichen Sorgen wie Krankheiten, Geldschwierigkeiten und dem frühen Tod ihres ersten Kindes erst gar nicht zu sprechen.

Aber Liselotte, in Frankreich schlicht Madame genannt, hat einen starken Charakter und lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Als Frau muss sie sich zwar dem fügen, was andere beschließen, aber niemand kann sie daran hindern, ihre Meinung dazu zu sagen. Und das tut sie in ihren Briefen, von denen sie insgesamt 60.000 geschrieben haben soll, unverblümt, mitunter schockierend derb, aber auch mit einem Humor, der ihr erlaubt, weder sich allzu ernst noch das Leben allzu tragisch nehmen:

"[Mein Mann hat] vor 200 000 Gulden Chargen gekauft (...), um junge Bürschchen zu recompensiren, so ihn nicht in allen Ehren divertirt haben. Und hierauf wird nichts gespart, welches das Verdrießlichste ist, denn sonsten würde ich wohl gar nichts darnach fragen und von Herzen zu denen Bürschchen sagen: Friss du die Erbsen, ich mag sie nicht." (S. 166)

"Es ist eine große Ehre, in der Predigt an des Königs Seite zu sitzen, allein ich möchte gerne die Ehre einem andern überlassen, denn Ihre Majestät wollen mir das Schlafen nicht erlauben. Sobald ich einschlaf, stößt mich der König mit dem Ellenbogen und macht mich wacker, kann also weder recht einschlafen noch recht wacker werden, und das tut einem wehe im Kopf."
(S. 188)

"In diesem Augenblick erfahre ich, dass Mad. de Maintenon beste Freundin (...) gestorben ist. Nun ist ein bös Weib weniger in der Welt. Gott bekehre alle, so es noch seind, und nehme sie in sein Paradeis. Amen." (S. 235)

Man darf natürlich nicht erwarten, dass sich in ihren Briefen eine Pointe an die nächste reiht. Madame schreibt über alles Mögliche, über Amüsantes wie Trauriges, Interessantes wie Banales. Ein immer wiederkehrendes Thema sind die Klagen über ihre schlechte Behandlung bei Hofe. Auch ihre persönlichen Betrachtungen über Gott und das Leben lässt sie mit einfließen, die sich häufig durch eine erstaunlich moderne Toleranz und Nüchternheit auszeichnen.

Besonders wichtig sind ihr selbstverständlich alle Angelegenheiten der Familie, die sich in ihrem Fall über die Herrscherhäuser halb Europas verteilt, so dass sie unter anderem auch nach England und Spanien schreibt. Ich muss gestehen, dass ich nicht immer einordnen konnte, in welcher verwandschaftlichen Beziehung der betreffende Briefpartner zu ihr stand. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, der sich aus dem manchmal aufrichtig bis groben, manchmal trocken-humorvollen Ton Madames ergibt und sie so sympathisch macht:

"[Meine Tochter wird heute] recht ernstlich eine Frau werden, denn ihr Herr und sie sollen diese Nacht beisammen schlafen; das wird ihr spanisch vorkommen... (...) Mich verlangt unerhört, zu vernehmen, wie die erste Nacht abgeloffen ist." (S. 229)

"Es ist ein groß Unglück, dass die schöne Gräfin Bückeburg so einen dollen Mann hat. Sie sollte den Mann in Krieg schicken, möchte ihn vielleicht los werden." (S. 265)

"Die Fontanges war ein dumm Tierchen, aber sie hatte ein gar gut Gemüt und war schön wie ein Engel." (S. 208)

Annedore Haberl hat, soweit ich das beurteilen kann, eine gelungene Auswahl der Briefe Liselottes getroffen und deren im Original äußerst merkwürdige und uneinheitliche Rechtschreibung lesefreundlich überarbeitet. Ihr Buch enthält außerdem einen Abriss über das Leben Madames samt biografischer und historischer Daten, einige Ahnentafeln, die zumindest einen groben Überblick über die verwandschaftlichen Beziehungen und Verflechtungen der in den Briefen erwähnten Personen erlauben, sowie ein Register der verwendeten französischen Begriffe, in dem allerdings einige Wörter zu fehlen scheinen. Ich empfehle dieses Buch allen, die bereit sind, sich in eine etwas altertümliche Ausdruckweise einzulesen. Sie werden mit dem Vergnügen belohnt werden, eine starke und witzige Frau mit einer erstaunlich lebendigen und ausdruckstarken Sprache kennenzulernen. Außerdem bietet Madames Korrespondenz gleichzeitig einen äußerst intimen und direkten Einblick in das (Hof-)Leben der damaligen Zeit, von dem Liselotte selbst sagt:

"Ich glaube, dass, wenn die Nachkommen unsere Zeitgeschichte lesen werden, werden sie es vor romans halten und gar nicht glauben können." (S. 319)


Mademoiselle Populaire
Mademoiselle Populaire
DVD ~ Déborah François
Preis: EUR 7,99

8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine allzu vorhersehbare 50er-Jahre-Liebesgeschichte, 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Mademoiselle Populaire (DVD)
Ich habe von "Mademoiselle Populaire" eine spritzige französische Liebeskomödie im 50er-Jahre-Schick erwartet. Letzteren gibt es in dem Film tatsächlich reichlich: fröhlich-bunte Petticoats, elegante Cocktailkleider, spießige Inneneinrichtungen, alte Citroen-Modelle - alles sehr hübsch anzusehen. Was die spritzige Liebeskomödie betrifft, habe ich allerdings eine herbe Enttäuschung erlebt.

Die Filmhandlung ist nämlich von Anfang bis Ende vorhersehbar und wartet obendrein mit einem dermaßen zuckrigen Finale auf, dass es auch direkt aus Hollywood stammen könnte. Und das meine ich nicht positiv. Keine einzige originelle Idee, keine noch so kleine Überraschung hat es in "Mademoiselle Populaire" hineingeschafft; von ironischen Seitenhieben auf die doch nur im verklärten Rückblick so idyllischen 50er Jahre gar nicht erst zu reden.
Passend dazu wurde auch das Frauenbild 1:1 aus der damaligen Zeit übernommen. Rose (Déborah François) kann bezaubernd lächeln und rasant tippen, sonst aber auch nichts; und nur allzu bald scheint ihr einziges Lebensziel darin zu bestehen, das Herz ihres oft reichlich unfreundlichen Chefs Louis Richard (Romain Duris) zu erobern. Ein Ziel, das trotz einiger pflichtschuldigst eingebauter Standard-Missverständnisse niemals glaubhaft in Gefahr gerät. So kommt es, dass die Geschichte der guten Rose nach einer Weile beginnt, den Zuschauer langsam aber sicher zu langweilen.

Fazit: Ein Filmchen, das man sich, vor allem als Retro-Fan, an einem verregneten Sonntagnachmittag gerne mal anschauen kann, danach aber auch sofort wieder vergisst. "Mademoiselle Populaire" mag nämlich hübsch anzuschauen sein, hat aber inhaltlich nichts als reichlich angestaubte Klischees zu bieten.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2013 1:18 PM MEST


Die Favoritin des Königs: Roman
Die Favoritin des Königs: Roman
von Claudia Ziegler
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Von der Hure zur Heiligen, 9. Mai 2013
Im Nachwort ihres Buches "Die Favoritin des Königs" legt Claudia Ziegler dar, wie einseitig negativ die Mätresse des französischen Königs lange dargestellt wurde und wie sie bei ihren Recherchen ein durchaus anderes Bild der Marquise de Pompadour gewonnen hat. Dieses will sie nun an ihre Leser weitergeben und tappt dabei in eine typische Falle: Von dem Wunsch beseelt, die als männlich-abwertend empfundene Sichtweise auf eine historische Frauenfigur zu korrigieren, verfällt sie ins andere Extrem und idealisiert ihre Heldin bis zur völligen Unglaubwürdigkeit.

Claudia Zieglers Jeanne-Antoinette Poisson, denn so lautet der bürgerliche Geburtsname der späteren Marquise, ist ein Ausbund an Schönheit, Charme und Tugend, mit einem ganz großen, goldenen Herzen. Die erste Begegnung mit Louis XV. ist ein reiner Zufall, aber natürlich ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Um ihrem Liebsten nahe zu sein, würde Jeanne alles tun, aber persönliche Vorteile aus dieser Verbindung zu ziehen, fällt ihr im Traum nicht ein. Bittet sie den König doch einmal um etwas, dann nur, weil die Umstände oder der intrigante Hof sie dazu zwingen. Der Hochadel ist ohnehin eine wahre Schlangengrube und die arme Jeanne ist immer wieder tief schockiert, wenn sie in diesen Abgrund von Bosheit, Neid und Verdorbenheit blickt. Mon Dieu! Wäre die echte Marquise de Pompadour ein derart zartbesaitetes Naivchen gewesen, hätte sie Versailles spätestens nach einem Monat verlassen, um ins Kloster einzutreten.

Dazu kommt, dass die Autorin die Beziehung zwischen der maitresse en titre und dem König als wahre Liebe darstellen möchte, sie jedoch lediglich gnadenlos verkitscht. Stellen wie diese könnten auch aus einem Nackenbeißer-Roman stammen: "Aber im selben Moment suchten seine Lippen schon die ihren und erstickten jeden Einwand. Es lag etwas Leidenschaftliches und Forderndes in seinem Kuss, das ihr den Atem raubte und jeden Widerstand von ihr zum Schmelzen brachte." (S. 159)

Kurz gesagt, Claudia Ziegler erweist Marquise de Pompadour, die sie so gerne rehabilitieren möchte, einen Bärendienst, indem sie sie von der geldgierigen und intriganten Mätresse zum süßen Unschuldslamm umretuschiert und damit zu einer unrealistischen und schlicht langweiligen Figur macht. Ein Fehler, den übrigens viele Schriftstellerinnen begehen, die sich mit bekannten und berühmten Frauen beschäftigen. Ich verstehe, dass dies einer guten Absicht entspringt, aber es verflacht und trivialisiert deren Lebensgeschichten. Außerdem ärgert mich das Frauenbild, das aus dieser Schönfärberei spricht. Muss denn eine Frau wirklich durch und durch perfekt sein und höchsten moralischen Ansprüchen genügen, um als positive Heldin auftreten zu dürfen? Warum darf sie nicht auch ihre schwachen oder sogar dunklen Seiten haben, so wie alle großen Männer der Geschichte?


Ein gefährlicher Gegner
Ein gefährlicher Gegner
von Agatha Christie
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein schwaches, aber sympathisches Frühwerk der Queen of Crime, 6. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Ein gefährlicher Gegner (Taschenbuch)
Zwei Dinge sprechen für dieses Buch:
- hier tritt zum ersten Mal das sympathische Heldenduo Tuppence und Tommy auf, das auch später noch ermitteln wird,
- und die Autorin ist Agatha Christie, die ich für Hercule Poirot und Miss Marple liebe.

Trotzdem handelt es sich bei "Ein gefährlicher Gegner", das 1922 veröffentlicht wurde, eindeutig um ein reichlich schwaches Frühwerk der Queen of Crime. Statt eines feingesponnenen Kriminalfalls wird einem hier eine hanebüchene Räuberpistole serviert, in der eine mysteriöse Geheimorganisation in England eine Revolution anzetteln will und der Geheimdienst ihrer Majestät aus Jux und Tollerei zwei totale Laien auf die Finsterlinge ansetzt.

Naive Vorurteile der Autorin (beziehungsweise der damaligen Zeit) treten deutlich hervor, wenn die Bösen (fast) alle ausländische Bolschewiken mit starkem Akzent und verschlagenem Blick sind. Die Identität des ach so geheimnisvollen Anführers der Verbrecher ist lange vor dem Ende offensichtlich und obendrein lassen einen Liebesgeständnisse in der Art von "Ach Darling, ich habe dich vom ersten Augenblick an geliebt!" mit den Augen rollen.

Da es aber nun mal ein Buch der Autorin ist, mit deren Krimis ich aufgewachsen bin, und da man über die Klischees von damals heute nostalgisch schmunzeln kann, vergebe ich freundliche drei Sterne für Tuppence und Tommys ersten Fall, der im Übrigen als Hörbuch von Johannes Steck sehr gut gelesen wird.


Die Frau des Germanen: Roman
Die Frau des Germanen: Roman
von Gisa Pauly
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Aufrechte Germanen, verdorbene Römer und zerbissene Brustwarzen, 26. April 2013
"Die Frau des Germanen" fängt einigermaßen spannend an, lässt aber nur allzu bald nach, um sich schließlich als Enttäuschung auf ganzer Linie zu entpuppen. Das liegt zu allererst an den unglaublich flachen Figuren. Es gibt die Guten, zu denen Arminius, Thusnelda sowie einige Freunde gehören, und es gibt die Bösen, das sind Arminius Bruder, Thusneldas Vater, die verdorbene Severina sowie das gesamte Römische Reich. Die Guten sind gut (sowie reichlich naiv), können aber nicht in Frieden leben, weil die Bösen böse sind, und das bis zur Karikatur. Irgendeine Art von Charakterentwicklung findet nicht statt.

Der historische Hintergrund, die Niederlage dreier römischer Legionen gegen die vereinten Kräfte der Germanen in der Varusschlacht, spielt so gut wie keine Rolle, außer als reiner Handlungsauslöser. Der Autorin steht es natürlich frei, sich nicht auf das Schlachtengetümmel, sondern auf das Innenleben ihrer Protagonisten zu konzentrieren, nur sollte dieses dann mehr Tiefe als ein leeres Blatt Papier haben.

Besonder unangenehm aufgefallen ist mir außerdem der Handlungfaden um Thusneldas Dienerin und Freundin Inaja, die sich in masochistischer Liebe zu Arminius brutalem Bruder Flavus verzehrt. Immer wieder wird der Leser von Pauly mit Sexszenen traktiert, in denen Inaja von Flavus gequält wird. Ein, zwei davon wären mehr als genug gewesen, um das Krankhafte dieser Beziehung darzustellen, aber so oft, wie man sie hier ertragen muss, möchte man meinen, dass man blutig gebissene Brustwaren und brutale Vergewaltigungen aufregend finden soll.

Kurz gesagt, von mir gibt es ein entschiedenes "Daumen runter!" für "Die Frau des Germanen".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2014 12:12 PM MEST


Die Tochter des Tuchkaufmanns (Historische Romane im GMEINER-Verlag)
Die Tochter des Tuchkaufmanns (Historische Romane im GMEINER-Verlag)
von Susann Rosemann
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ich will`s auch ganz gewiss nicht wieder tun!, 15. Februar 2013
Historische Kriminalromane weiblicher Autoren boomen ja schon seit seit Längerem. In den Buchhandlungen stapeln sich die dicken Schwarten mit altertümlich gewandeten Schönheiten auf dem Titelbild und Heilerinnen, Alchemistinnen, Henkerstöchtern und Wanderhuren im Titel. Jedes Mal, wenn ich eines dieser Bücher durchgestanden habe, schwöre ich mir wie die fromme Helene: "Ich will`s auch ganz gewiss nicht wieder tun!" Und jedes Mal werde ich nach einer Weile wieder schwach und riskiere es erneut. Bei so vielen Büchern, denke ich dann, müssen doch einfach auch ein paar gute Schriftstellerinnen dabei sein. Bedauerlicherweise gehört Susann Rosemann eindeutig nicht dazu.

"Die Tochter des Tuchkaufmanns" krankt an all dem, was mir bereits die Lektüre so vieler historischer Romane vermiest hat. Es beginnt mit der Heldin, Jolanthe, die dem Willen der Autorin nach mutig und emanzipiert sein soll, tatsächlich aber abwechselnd wie eine vorlaute Göre und ein naives Mägdelein wirkt. Die übrigen Figuren sind komplett eindimensional: der sture, alte Vater, die neidische große Schwester, und deren eingebildeter und dummer Ehemann. Diese drei tragen das Etikett, was sage ich, die Plakatwand "Bösewichter". Auf der Seite der Guten stehen neben der Heldin noch das wandelnde Klischee der kräuterkundigen Heilerin und ein ach so geheimnisvoller Fremder, der sich nur allzu bald und vorhersehbar als Jolanthes Mittelalter-Romeo zu erkennen gibt.

Die Handlung, die um diese Stereotypen gestrickt wurde, fällt ebenfalls nicht durch Originalität auf, dafür aber durch zahlreiche Ungereimtheiten. Da wird zum Beispiel Jolanthes Vater in der Stadt von einem Karren überfahren und muss schwer verletzt von mehreren Männer heimgetragen werden. Trotzdem scheint niemand etwas davon bemerkt oder auch nur gehört zu haben, denn alle Welt glaubt seiner Tochter die Lüge, er sei auf einer Geschäftsreise und daher nicht zu sprechen. Merkwürdigerweise darf außerdem die angeblich daheim so schrecklich unterdrückte Jolanthe für mehrere Wochen zu einer Freundin verschwinden, um mit ihr klammheimlich auf eine Geschäftsreise nach Venedig zu gehen.

Was mich aber vielleicht am allermeisten gestört, ja gequält hat, ist das mangelnde Sprachgefühl der Autorin. Der Roman soll im Ulm des 15. Jahrhunderts spielen, und doch stolpert man ständig über Wörter wie "überwachen", "kurzfristig", "angemietet", "häusliche Qualitäten" oder "Eingewöhnungszeit". Den Vogel schießt diese Stelle ab, in der Jolanthe ihrem Vater Trost zuspricht: "Ihr dürft euch nicht so hängen lassen, Vater", sagte sie, kurz bevor sie aus dem Raum floh. (S. 238)

Ganz zum Schluss, sozusagen als I-Tüpfelchen, sei noch darauf hingewiesen, dass der Untertitel "Historischer Kriminalroman" schlicht gelogen ist. Dieses Buch mag ja alles mögliche sein, vor allem schlecht, aber ein Krimi ist es nicht. Das einzige Rätsel, das hier zu lösen wäre, ist nämlich die Frage, warum Papier zum Drucken solcher Bücher verschwendet wird. Mal sehen, wie lange ich meinen Schwur dieses Mal halten kann.


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