Profil für Skatersally > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Skatersally
Top-Rezensenten Rang: 395
Hilfreiche Bewertungen: 4791

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Skatersally "skatersally"
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Die guten Frauen von Christianssund: Sommerdahls erster Fall
Die guten Frauen von Christianssund: Sommerdahls erster Fall
von Anna Grue
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sieben Tage für die Aufklärung eines Verbrechens, 14. Dezember 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Die dänische Kleinstadt Christianssund ist ein kleines Paradies, glaubt man Anna Grues Krimi „Die guten Frauen von Christianssund“. Dan Sommerdahl, Kreativdirektor einer Werbeagentur, musste seinen Job wegen einer schwere Depression für einige Zeit aussetzen. Kurz bevor er wieder mit seiner Arbeit beginnen möchte, wird in seiner Firma die Putzfrau ermordet. Mit diesem Mord beginnt der spannende Krimi. Das Verbrechen wird dabei aus einer ungewöhnlichen Perspektive geschildert. „In ein paar Stunden werde ich ein Mörder sein“ verheißt der erste Satz. Der Leser lauscht den Gedanken des Mörders, der schon seit Stunden im Schrank auf sein Opfer wartet. Er wird exklusiv in seine Planung und Absichten eingeweiht. Während noch die grausame Stimmung aufgebaut wird, wird aber auch eine vielbekannte Auswirkung von beengtem Sitzen beschrieben: Dem Mörder schlafen die Beine ein.

Anna Grue hat in ihrem Krimidebut viele Verbrechen verarbeitet. Es geht um Mord, Erpressung, Frauenhandel, Prostitution und Schwarzarbeit. Durch Dan Sommerdahl und seinen Freund Flemming Torp darf man der Ermittlungsarbeit im beschaulichen Dänemark folgen. Da die Arbeitsweisen der beiden Herren zum Teil sehr konträr sind, kommt es auch zu manchem Disput zwischen ihnen. Der Schreibstil ist fesselnd und spritzig mit überraschenden Wendungen. Auch die Handlung wirkte nie einfach konstruiert. Sie fängt die dänische Lebensart ein und verpasst dem Krimi einen gemächlichen Anstrich. Erst am Ende fügt sich alles logisch zusammen, sodass keine offenen Fragen nach Täter und Motiv bleiben.

Die dänische Autorin versteht es, relativ unblutige Krimis zu kreieren. Dan Sommerdahl löst hier seinen ersten Fall, dem hoffentlich noch einige folgen werden. Normalerweise entwickeln sich in den Folgebänden auch die Protagonisten. Das wäre hier auch wünschenswert. Trotz allem konnte mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite fesseln.


Was uns glücklich macht: Roman
Was uns glücklich macht: Roman
von Mike Greenberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

3.0 von 5 Sternen Leben am Wendepunkt, 14. Dezember 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Brooke ist seit 17 Jahren mit Scott verheiratet. Sie führen eine glückliche Ehe, in der sie sich die Faszination des Verliebtseins bewahrt haben. Samantha hingegen war genaugenommen nur zwei Tage mit Robert verheiratet. Durch einen Zufall findet sie heraus, dass ihr Gatte sie mit einer deutlich älteren Frau betrügt. Auch Katherine versucht, mittels Meditation über eine Trennung hinwegzukommen. Sie ist beruflich sehr erfolgreich und lebt in New York. Drei Frauen, die an verschiedenen Orten in den Staaten wohnen und sich nicht einmal kennen, bis sie ein gemeinsames Schicksal zusammenführt.

Mike Greenberg greift in seinem Romandebut ein ernstes Thema auf. Eine Krebsdiagnose verändert ein Leben schlagartig. Jeder geht anders damit um. Während die einen sofort andere ins Vertrauen ziehen, schweigen die anderen zunächst. Die drei Frauen stehen stellvertretend für moderne Lebensformen, die im ersten Teil des Buches eingehend beschrieben werden. Der Autor stellt damit dar, dass es wirklich jeden treffen kann. Über ein Internetforum geben sich die drei so unterschiedlichen Charaktere Kraft und Unterstützung, um die großen Hürden des Lebens zu überspringen. Aus Leidensgenossen werden Freunde. Dieses Thema gemeinsam mit Familie und sozialem Umfeld scheint Greenberg auch sehr wichtig zu sein. Zwischen den Zeilen wird immer wieder dargestellt, wie wichtig ein harmonischer Umgang mit seinen Mitmenschen ist.

Das schwere Thema lässt sich dennoch leicht lesen. Der Sprachstil ist leicht und mindert damit ein wenig die aufkommende Traurigkeit. Durch die umfassende Einführung der Umstände, empfindet der Leser sofort Empathie für die Patientinnen. Mancher Entscheidung von ihnen stimmt man sofort zu, andere erscheinen abwegig. Dennoch wirkt am Schluss alles rund. Dieses Buch wird vermutlich nicht jeden Leser glücklich machen. Das verständlicherweise amerikanisierte Herangehen hat auch mich in manchen Abschnitten ermüdet. Wer Frauenbücher mit Problempotential nicht scheut, wird hier auf seine Kosten kommen.


Das Licht zwischen den Meeren: Roman
Das Licht zwischen den Meeren: Roman
von M. L. Stedman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn Sehnsucht die Moral verdrängt, 14. Dezember 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Tom und Isabel lernen sich in dem kleinen Ort Partageuse kennen. Schnell erkennen sie, dass sie ihr Leben miteinander verbringen wollen. Als Tom für den Job des Leuchtturmwärters auf der Insel Janus Rock ausgewählt wird, holt er Isabel zu sich. Das Glück scheint perfekt, wird aber immer wieder durch Fehlgeburten getrübt. Als eines Tages nach einem Unwetter ein Boot angetrieben wird, in dem die Leiche eines Mannes und ein greinender Säugling sind, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Isabel schließt das kleine Mädchen sofort in ihr Herz und überredet Tom, den Vorfall nicht der Behörde zu melden. Sie nehmen das Kind als ihr eigenes an. Während sich Isabel keine Gedanken über die Herkunft des Kindes macht, regen sich in Tom die Zweifel, ob sie richtig gehandelt haben.

Margot L. Stedman bringt ihre Leserschaft mit ihrem Debut zum Nachdenken. Im ersten Teil ihres Romans beschreibt sie das Paar in einer wildromantischen Umgebung. Die beiden sind Sympathieträger und man gönnt Isabel die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches nach einem Kind. Die moralischen Bedenken von Tom werden kaum registriert, da er zunächst schweigt. Erst bei der Rückkehr auf das Festland droht das Kartenhaus aus Lügen zusammenzubrechen. Die Medaille hat auch hier zwei Seiten. Die Freude der einen, ist gleichzeitig das Leiden der anderen. Die leibliche Mutter kommt fast um vor Sorge nach dem Verbleib ihres Kindes. Die Gefühle werden so plastisch wiedergegeben, dass man nicht unbedingt selber Mutter sein muss, um diese Qual zu verstehen.

Die aus Australien stammende Autorin setzt in ihrem Buch auf Moral und Emotionen. Die Geschichte behandelt zudem die Zeit zwischen den Weltkriegen vor der Küste Australiens mit den seinerzeit vorherrschenden wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Sie wirft die Frage auf, ob ein dritter überhaupt über das Wohl eines anderen entscheiden kann. Der Säugling hätte ohne Hilfe nicht überlegt, aber hätte man nicht mit allen Mitteln versuchen müssen, ihn wieder seiner leiblichen Mutter zurückzugeben? Es ist nicht leicht, eine derartige Entscheidung zu treffen, wenn nicht alle Aspekte bekannt sind. Der Roman ist weit mehr als eine historische Familiengeschichte.


Die Analphabetin, die rechnen konnte
Die Analphabetin, die rechnen konnte
von Jonas Jonasson
  Audio CD
Preis: EUR 15,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sechsmal eins gleich sieben, 13. Dezember 2013
Jonas Jonasson beweist mit der Analphabetin, die rechnen konnte erneut seine Gabe, aus verschiedenen politischen und historisch belegten Ereignissen eine skurrile Kulisse für eine fiktive Handlung zu kreieren. Diesmal geht es um die Südafrikanerin Nombeko Mayeki, die in ihrer Heimat in einen Verkehrsunfall verwickelt wird. Als Strafe legt der Richter eine unverhältnismäßig lange Zeit fest, in der sie den Haushalt des Ingenieurs sauber halten soll. Nombeko nutzt die wenige verbleibende Freizeit, um in der hauseigenen Bibliothek wissenschaftliche Bücher zu studieren. Der Ingenieur bekommt unterdessen den Auftrag, für sein Land sechs Atombomben zu bauen. Aus Versehen entsteht dabei noch eine siebte. Diese Bombe, die es eigentlich nicht geben darf, sorgt im weiteren Verlauf für einige Turbulenzen, in denen außer einigen Schweden auch der israelische Mossad und drei chinesische Dienstmädchen involviert sind.

Der schwedische Autor findet, wie schon in seinem ersten Roman um den verschwundenen Hundertjährigen, in seinem Land einige spezielle Charaktere. So lässt er einen überzeugten Monarchisten auf den schwedischen König treffen. Die Treue zum König wandelt sich durch die unfreundliche Behandlung in ein anarchistisches Verhalten. Es geht sogar soweit, dass langfristige geplant wird, den König abzusetzen. So erfährt der Hörer von dem Zwillingspaar Holger und Holger. Was zeitweise irritierend ist, ergibt aber durchaus einen Sinn und beinhaltet auch einen gewissen Humor, wenn man sich vorstellt, dass es den einen Bruder eigentlich nicht gibt. Immer wieder überraschen neuen Ereignisse, die unglaublich erscheinen. Aber immer bleibt auch ein Rest Zweifel, ob es nicht vielleicht doch so geschehen sein könnte.

Die Charaktere sind recht einfach gehalten und ergeben erst in der Vielzahl eine komplexe Handlung. Sie folgen einer simplen, fast schon naiven Denkweise. Jonassons Erzählstil fängt die skandinavische Atmosphäre ein und lässt ein farbenprächtiges Kopfkino entstehen. Das Hörbuch wurde mit Katharina Thalbach vertont, die den Figuren eine typgerechte Stimme verleiht. Die sechs CDs haben eine Laufzeit von knapp acht Stunden. Die gediegene Sprechweise ist gewöhnungsbedürftig, fängt den Hörer im Idealfall ein und trägt ihn durch das Begebenheiten. Zum Teil kam es mir vor, dass jedes Wesen exakt platziert wird, um wie beim Spiel den Ball immer in der Luft zu halten. Dabei ist der rote Faden die Atombombe, die in einem Lieferwagen über Schwedens holprige Straßen transportiert wird. Die Geschichte fordert, dass man sich auf sie einlässt und keinen Wert aufs Hinterfragen legt. Wer mit dem Hundertjährigen Spaß gehabt hat, wird es mit der Analphabetin auch haben.

Die Ähnlichkeit der beiden Bücher hat mich nicht gestört, da sie vom selben Autor stammen. Die versteckte Kritik an der Gesellschaft bietet verschiedene Betrachtungsweisen, sodass beide Bücher ihre Berechtigung haben. Seine Protagonisten berichten aus der Welt mit ihren eigenen, wohlüberlegten Blickwinkeln. Nahezu alle Handlungen enden mit einer Pointe, die zum Teil laut auflachen, aber zum Teil auch nur schmunzeln lässt. Der Ausflug in die Historie ist meist auf ein Menschenleben begrenzt. So wird an die Apartheit Südafrikas mittels Nombekos Jugend erinnert, genauso wie die Vorlieben von Carl-Gustav, die erst kürzlich in den Medien waren. Für das Verständnis der politischen Seitenhiebe ist es allerdings von Vorteil, wenn man sich ein wenig in der Politik auskennt. Der Unterhaltungswert ist dennoch sehr hoch, sodass ich auch gerne einen dritten Ausflug in die Welt der Nuklearwaffen-Spezialisten machen würde.


Woran erkennt man ein Arschloch?: Für jeden Quälgeist eine Lösung
Woran erkennt man ein Arschloch?: Für jeden Quälgeist eine Lösung
von Monika Wittblum
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kampf den Besserwissern, Radfahrer und Distanzlosen, 9. Dezember 2013
Wenn der Buchtitel bereits einen Kraftausdruck enthält, ist das nicht nur einen zweiten Blick wert, sondern setzt auch sofort einen gewissen Gedankenprozess in Gang. Die Mehrzahl der volljährigen Leser wird sofort wissend nicken und mehr oder weniger Erinnerungen parat haben. Schlechte Erfahrungen in Bezug auf Behandlung und Vertrauen hat wohl jeder im Umgang mit Kollegen, Freunden oder sogar Familie schon gemacht. Meist erkennt man erst im Nachhinein, dass man von jemandem über den Tisch gezogen wurde.

Die Autorinnen Monika Wittblum und Sandra Lüpkes haben in diesem Buch zwölf Typen dieser unangenehmen Zeitgenossen zusammengetragen. Jedes Kapitel beginnt mit einer allgemein bekannten Situation, in die man sich leicht hineinversetzen kann. Anschließend wird die Vorgehensweise analysiert und es gibt Tipps, wie man sich künftig gegen eine derartige Behandlung schützen kann. Es geht dabei nicht um das Offensichtliche, sondern vielmehr um die getarnten Schikanen. Den maßlosen Abgreifer oder den ungerechten Choleriker kann man leicht durchschauen. Schwieriger wird es mit den Mustern der Querulanten, Verharmloser oder Schnorrer. Und wer würde wohl der lebenserfahrenen älteren Kollegin deutliche Worte an den Kopf werfen, wenn sie sich wiedermal als Unheilsprophetin aufspielt?

Abschließend kann man das eigene Potential testen, eine Qual für seine Mitmenschen zu werden. Mit einem zwinkernden Auge erfährt man durch seine Spontanantworten, wie erträglich das eigene Handeln eingestuft werden könnte. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und bieten lediglich einen Ausflug in die Verhaltenspsychologie. Der Hinweis, dass niemand bereits mit dem Fieslings-Gen geboren wird, lässt ahnen, dass dort eine Menge Kriterien beachtet werden müssen. Manchmal reicht aber auch ein Schubs in die richtige Richtung, um sich im Umgang mit anderen wohler zu fühlen oder die notorischen Miesmacher zu meiden. Dieses Buch bietet einen unterhaltsamen, aber kurzen Blick hinter so manche Stirn. Nicht nur für Opfer zu empfehlen.


Im Land der weiten Fjorde: Norwegenroman
Im Land der weiten Fjorde: Norwegenroman
von Christine Kabus
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Was in Norwegen seinen Anfang nahm, 7. Dezember 2013
Die Fotografin Lisa hat eine vielversprechende Zukunft vor sich. Ihre Arbeit wird geschätzt und ihr Freund Marco will mit ihr in Hamburg eine Agentur eröffnen. Doch nach dem Tod ihrer Eltern erfährt sie, dass ihre Mutter von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Ihre Wurzeln sind vielmehr in Norwegen. Nach einer Recherche findet sie den Hof der Pferdezüchter in Nordfjordeid und beschließt, eine Dokumentation darüber zu machen. Nach und nach erfährt sie von dem Familiengeheimnis, das seit 1940 gut gehütet wurde.

Christine Kabus weiß mit ihrem Debut zu unterhalten. Sie führt ihre Leser in die Weite der Fjorde und lässt sie dort gleich in zwei Zeitebenen die Umgebung betrachten. Während Lisa 2010 das heutige Leben beschreibt, betrachtet man durch die Geschichte Maris die Umstände des Zweiten Weltkriegs. Norwegen wurde seinerzeit von Deutschland besetzt. Als Mari den deutschen Soldaten Joachim kennen und lieben lernt, ist ihr Vater von der Verbindung nicht sehr angetan. Diese Ablehnung hält erst recht an, als Mari schwanger ist. Joachim sieht nur noch den Ausweg, dass er mit seiner Verlobten zu seiner Familie in seine Heimat Ostpreußen reist. Aber nach einiger Zeit wütet der Krieg dort schlimmer und zwingt die Menschen, in andere Gebiete zu fliehen.

Die beiden Handlungsstränge werden aus Sicht der Frauen geschildert. Obwohl bereits früh der Ausgang der Geschichte erkennbar ist, weckt die Erzählweise auch die Neugier. In jedem Abschnitt bekommt man mehr Erkenntnisse über die damaligen Vorfälle, sodass sich bald ein Gesamtbild ergibt. Die Kriegszeit in Norwegen fand bisher in der Belletristik nicht allzu oft Erwähnung. Die skandinavische Stimmung mit den Weiten des Meeres und den nahegelegenen Bergen sowie die Lebensart wurden bildhaft eingefangen. Die Figuren der Vergangenheit sind mit ihren Handlungen uneingeschränkt glaubhaft gezeichnet. Die Gegenwart ist für mich natürlich einfacher zu beurteilen und weist ein paar kleine Schwächen auf, die den Lesespaß aber nur wenig trüben. Lisa ist mir auf der einen Seite zu zögerlich im Umgang mit ihrem direkten Umfeld und auf der anderen Seite viel zu schnell mit gravierenden Entscheidungen. Mit etwas mehr Ausgewogenheit hätte man auch hier ein authentisches Agieren kreieren können.

Abgerundet wird der Roman mit einem Stammbaum und einer Karte, um die Orte geografisch mühelos zuordnen zu können. Der Inhalt ist leichtgängig und bewegt auch noch einige Zeit nach Beenden der letzten Seite. Gerade die Frage nach den eigenen Wurzeln lässt die Menschen nicht eher ruhen, bis sie eine Antwort gefunden haben. Dieses Umtriebige kann man selbst bei Lisa in der zweiten Generation noch feststellen. Von daher ist Das Land der weiten Fjorde empfehlenswert.


Christiane F. - Mein zweites Leben: Autobiografie
Christiane F. - Mein zweites Leben: Autobiografie
von Christiane V. Felscherinow
  Broschiert
Preis: EUR 17,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was kommt nach dem Bahnhof Zoo?, 1. Dezember 2013
Das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" endet damit, dass die 14-jährige Christiane F. in der Nähe von Hamburg ein neues Leben ohne Drogen beginnen will. Eine ganze Generation wünschte ihr seinerzeit, dass sie es schafft. Das Buch wurde im Deutschunterricht vieler Schulen besprochen, wo es einerseits die Schüler vor Drogenkonsum abschrecken sollte, andererseits aber auch genügend Faszination auslöste, wenigstens die harmloseren Varianten einmal zu probieren. Christiane F. erlangte so Berühmtheit, die noch heute anhält.

So polarisierend wie das erste Buch ist auch die 35 Jahre später erscheinende Biografie. Die heute 51-jährige berichtet offen über ihr Leben. In neun Kapiteln legt sie ihre Beweggründe für ihr Handeln dar. Einiges ist nachvollziehbar, anderes nicht. Während man anfangs immer wieder über Kontakte zu Prominenten liest, die offenbar über Straftaten ebenso locker hinwegsehen wie Christiane selbst, wendet sich nach der Geburt ihres Sohnes Phillip ihre Ansicht. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht sie nun, dem Jungen ein normales Leben zu bieten. Dank der Tantiemen von Buch und Film hat sie ein regelmäßiges Einkommen, das dieses halbwegs sorgenfreie Leben ermöglicht. Erst zu diesem Zeitpunkt erkennt man, dass sie Verantwortung übernehmen will. Da das Leben aber nicht immer einfach zu bewältigen ist, gewann die Sucht nach den Drogen auch immer wieder die Überhand.

Von diesen Aufs und Abs handelt dieses Buch. Wäre es nicht Christiane F., die hier schreibt, hätte ich vermutlich nach der Hälfte aufgegeben. Meine Suche nach dem Besonderen, das diesen Lebensweg von denen der Tausend anderen Abhängigen unterscheidet, blieb erfolglos. Natürlich macht das Lesen solcher Lebensbeichten auch ein Stück weit betroffen und wirft Fragen zu unserer Gesellschaftsform auf. Es ärgert aber auch, weil sich viel zu selten den Problemen des Alltags gestellt wird. Der aus dem Elternhaus geprägte junge Mensch hat sich auf dem Weg der vielen Möglichkeiten vertan und ist auf der schiefen Bahn abgerutscht. Immer wieder bekommt er Hilfe, um sich wieder zu rappeln, nur um dann 40 Jahre später immer noch unreflektiert mit der schweren Kindheit zu entschuldigen. Das war mir einfach zu klischeebehaftet.

Christiane Felscherinow und Sonja Vukovic haben dennoch einen gut lesbaren Erfahrungsbericht geschrieben. Die immer wieder abschweifenden Gedanken lassen den roten Faden vermissen und wirken entnervend. Da ich Christiane F. aber nicht kenne, kann ich mir nur vorstellen, dass diese Art der Erzählweise authentisch ist. Das ist dann wiederum ein großes Plus, wenn man ihren Charakter mit Worten so einfangen kann. Auch die durch Studien belegten Einschübe dienen zur Aufklärung über das Los der unzähligen Drogenabhängigen. Dennoch würde ich diese Biografie nicht als Meilenstein der Literatur einstufen. Wer neugierig ist, wie es der jungen Berlinerin in den Folgejahren erging, kommt hier auf seine Kosten. Allen anderen ist es vielleicht diesmal ein abschreckendes Beispiel, auch wenn Themen wie Entzug, Gefängnis und vor allem Drogenkonsum den Eindruck wie ein Feriencamp machen.


Agatha Raisin und der tote Richter: Kriminalroman
Agatha Raisin und der tote Richter: Kriminalroman
von M.C. Beaton
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Quiche des Todes, 27. November 2013
Für Agatha Raisin erfüllt sich am Tage ihrer Pensionierung ein langgehegter Traum. Gleich nach der Abschiedsfeier in ihrer P. R. Firma wird sie in ein Cottage in den Cotswolds umziehen. In dem pittoresken Dorf Carsely will sie sich endlich den schönen Dingen im Leben widmen. Um die anderen Dorfbewohner besser kennenzulernen, macht sie bei einem Backwettbewerb für Quiches mit. Um ihre Gewinnchance zu erhöhen, führt sie erst den Preisrichter samt Ehefrau in ein teures Restaurant und ersteht dann noch vorsichtshalber das Backwerk bei der besten Quicherie Londons. Als einen Tag nach dem Wettbewerb der Richter tot aufgefunden wird, wird der Umstand näher betrachtet. Agatha muss zugeben, dass sie die Spinat-Quiche gar nicht selbst gebacken hat und demnach auch nicht für die giftige Zutat verantwortlich ist. Schnell wird das Ableben des Preisrichters als Unfall zu den Akten gelegt. Nur Kommissar Bill Wong und Agatha hegen weiterhin Zweifel.

M. C. Beaton ist eines der zahlreichen Pseudonyme der britischen Autorin Marion Chesney, unter dem sie die Reihe um Agatha Raisin veröffentlicht. Der Fall um den toten Richter ist der Auftakt einer Krimiserie, die in der idylischen Gegend Cotswolds spielt. Die inzwischen 24-teilige Serie wurde 20 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung in Großbritannien auch auf Deutsch übersetzt. Die Protagonistin wird ausführlich mit all ihrer Verschrobenheit gezeichnet. Die 53-jährige lebt seit ihrer Scheidung allein und ist es gewohnt als Chefin einer Werbeagentur andere Menschen anzuweisen. Sie zeigt ihren Charme erst auf den zweiten Blick, sodass sie nicht leicht Anschluss zu den anderen Dorfbewohnern findet. Als ehemaliges Arbeiterkind aus Birmingham hat sie dennoch das Herz am richtigen Fleck und weiß auch Kleinigkeiten zu schätzen. Ihr Lebensstil ist so, wie man ihn sich bei Briten vorstellt. Agatha erfüllt hier jedes Klischee und erinnert in ihrem Auftreten stark an Miss Marple.

Die Autorin führt ihre Leser ausführlich in die Welt Raisins ein, sodass der Kriminalfall streckenweise hinter Ausflüge nach Bath und Oxford verschwindet. Das Buch vermittelt trotz des hinterlistigen Mordes ein Wohlgefühl. Schritt für Schritt kommt man dem Täter auf die Spur. Das fulminante Ende wird auf spärlich markierten Fährten und nach einigem Rätseln erreicht und bietet sogar einen Helden, der hoffentlich auch in einem der Folgebände wieder auftaucht. Die Weichen für ein aufregendes Leben in Carsely sind gestellt und drängen späteren Quereinsteigern vermutlich ein chronologisches Lesen der Serie auf. Der ruhige Krimi sorgt mit seinen 250 Seiten für kurzen aber smarten Lesespaß.


Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman
Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman
von Lauren Weisberger
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Rache blättert höchstens in der Vogue, 27. November 2013
Acht Jahre sind vergangen, nachdem Andrea Sacks ihren Job bei Runway gekündigt hat. Noch immer leidet sie unter den Erlebnissen mit ihrer damaligen Chefin Miranda Priestly. Dabei gibt es dafür derzeit überhaupt keinen Grund. Andy steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Traummann Max, der auch im Verlagswesen tätig ist. Beruflich läuft auch alles bestens. Mit ihrer damaligen Erzfeindin Emily Charlton gibt sie ein Hochzeitsmagazin heraus. Die beiden haben ihren Zickenkrieg begraben und sind nun beste Freundinnen. Alles könnte so schön sein, würde nicht aus heiterem Himmel ein Übernahmeangebot von Miranda auf den Tisch flattern, dem Emily nicht widerstehen kann, Andy jedoch nicht zustimmt.

Lauren Weisberger hat vielen Fans von "Der Teufel trägt Prada" den Wunsch nach einer Fortsetzung erfüllt. Das Debüt um die unglaublich fordernde Chefin und ihren Assistentinnen war lange Zeit auf den Bestsellerlisten vieler Länder. Wer nun allerdings glaubt, der Teufel kehre in altbekannter Manier zurück, wird enttäuscht werden. Die vergangenen acht Jahre haben die Charaktere arg verändert, sodass die Aufeinandertreffen nicht annähernd so spektakulär sind. Die Idee und der rote Faden sind durchdacht, doch fehlt es an Dynamik und Biss. Vielleicht lag es daran, dass meine Erwartungen zu hoch waren, dass ich von der schwangeren und ewig lamentierenden Andy gelangweilt wurde. Für den Leser sieht es so aus, als würde sie mit ihrem Ehemann das große Los gezogen haben. Lediglich das Schwiegermonster wird für Unmut sorgen. Doch bereits Stunden vor der Hochzeit überlegt sie schon, wann der geeignete Zeitpunkt für eine Scheidung wäre. Die Idee hätte weiter ausgeschmückt sicher für einigen Trubel sorgen können. So weckte sie bei mir nur Mitleid für Max.

Das Verhältnis zwischen Andy und Emily hat sich grundlegend geändert. Die beiden haben nun ihre Seelenverwandtschaft entdeckt und sind äußerst erfolgreich mit ihrer Hochzeitszeitung. Wie schon im Vorgängerband arbeiten sie im Team, nur ergänzen sie sich diesmal optimal. Diese Entwicklung wird zwar im Rückblick geschildert, erschien mir aber zu gekürzt und damit schwer nachvollziehbar. Das Zusammentreffen mit dem "Teufel" hätte auch mehr Unglaubliches beinhalten können, zumal nun eine geballte Kraft zum Gegenspieler vorhanden wäre. Zu dem Zeitpunkt, an dem Miranda wieder ihre Krallen ausfährt, ist der Leser leider nicht mehr dabei. Einzig das Wiedersehen mit Alex ist ausreichend geschildert und weckt sofort wieder Sympathie für Andys Ex. Um es im Hochzeitsjargon zusammenzufassen: ein Happily ever after wird es für mich in dieser Fortsetzung nicht geben.


Inselsommer: Eine Liebesgeschichte auf Borkum
Inselsommer: Eine Liebesgeschichte auf Borkum
von Heike Fröhling
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2.0 von 5 Sternen Seichter Seegang mit Flaute, 22. November 2013
Karin fährt das erste Mal seit Jahren wieder in den Urlaub. Ihr Vater Walter und ihre beiden Söhne Jonas und Leon begleiten sie nach Borkum. Die Zeit dort will sie nutzen, um ihren ersten Roman zu schreiben. Leider hat sie immer wieder eine Schreibblockade und beschäftigt sich mit anderen Dingen. Eins davon ist der attraktive Kommissar Andreas. Bereits wenige Minuten nach ihrer Ankunft hat sie ihn bei der Anzeige des Diebstahls ihrer Handtasche kennengelernt. Danach kümmert er sich darum, dass Jonas nach dem gefährlichen Spiel auf Bahngleisen wieder nach Hause kommt und lädt sie beim dritten Wiedersehen endlich auf einen Kaffee ein.

Das Romandebüt von Heike Fröhling wirkt stellenweise autobiografisch, wenn man sich das Nachwort durchliest. Genau wie die Protagonistin hat auch die Autorin ihren Urlaub auf einer Nordseeinsel verbracht. Die Beschreibung von Land und Leuten ist eher zurückhaltend. Auch wurde die nordisch-kühle Atmosphäre nicht eindeutig herausgearbeitet. Der Platz wirkt somit austauschbar. Ein paar regionale Besonderheiten, die über einen Strandspaziergang oder die Anreise mit der Fähre hinausgehen, hätten durchaus eingeflochten werden können.

Auch die Handlung konnte mich wegen ihrer ungleichmäßigen Entwicklung nicht überzeugen. Anfangs sind die langatmigen Dialoge um das zu erwartende Chaos mit der Familie der alleinerziehenden Mutter und ihrem Vater zu konstruiert, um mich als Leser zu fesseln. Auch das zögerliche, beinahe schon zickige Verhalten gegenüber dem potentiellen Beau ist für die geringe Seitenzahl zu anhaltend. Zum Ende hingegen hat man das Gefühl, die Ereignisse überschlagen sich, ohne dass sich der Spannungsbogen maßgeblich ändert. Karin scheint der Mittelpunkt ihrer Familie samt Ex-Mann und Neu-Bekanntschaft zu sein. Die daraus entstehenden Reibereien haben etwas Alltägliches und auch deren Lösungen sind nicht außerordentlich gewitzt. Vielleicht hätte der Roman gut 100 Seiten mehr verkraftet, um die vielen Gedanken auch ausreichend zu einer komplexen Handlung entwickeln zu können. So bleibt es ein schnell zu lesendes Buch, von dem man sich einfach berieseln lassen kann.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20