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Rezensionen verfasst von
O. Kraft (Salzburg)
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Requiem/Maurer.Trauermusik
Requiem/Maurer.Trauermusik
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 31,44

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine neue Fassung des Requiems, 23. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Requiem/Maurer.Trauermusik (Audio CD)
Das wichtigste vorweg: ' Wer das 'übliche' Mozart-Requiem erwerben will, sollte nicht diese CD kaufen, denn anstelle der Süßmayr Fassung, erklingt hier eine andere. Es wird vermutlich ohnedies jeder Leser dieser Zeilen wissen, was gemeint ist, dennoch sei das wichtigste nochmals kurz zusammengefasst: Mozart starb während der Komposition am Requiem, seine Frau Constanze wollte das Werk vervollständigen lassen, um die Vorauszahlungen nicht zurückzahlen zu müssen. Erst gab sie es Joseph Eybler, der aber die fehlenden Teile nicht neu komponierte, sondern lediglich ins Mozartsche Autograph der bereits fertig gestellten Teile kleine Ergänzungen bezüglich der Instrumentation schrieb. Süßmayr schließlich komponierte die noch fehlenden Teile. Diese Arbeit Süßmayrs war Anlass zahlreicher Diskussionen, die einen nannten sie großartig und vermuteten, dass Süßmayr Notizen von Mozart zur Verfügung standen, da seine sonstigen kompositorischen Leistungen dem nicht entsprechen, die anderen empfanden sie als große Enttäuschung. Deshalb gab es auch immer wieder neue Versuche einer Fertigstellung; ' auf der CD ist eine solche neue Fassung zu hören: die von Duncan Druce .

Wer nun eine andere Fassung zum Vergleich der üblichen erleben will, der sollte hier zugreifen, denn Druce geht wirklich andere Wege als Süßmayr, die durchaus überzeugend sind - das ist alles sehr gut gemacht. Wer einfach nur das Requiem haben will, der sollte vielleicht doch zu einer anderen Einspielung greifen.

Zur Interpretation selbst: Die Aufnahme ist sehr durchsichtig, transparent gehalten, der Chor ist klein besetzt, die Stimmen der Solisten sind ebenfalls eher klein, recht vibratolos. Die Tempi sind teilweise sehr schnell, die Artikulation deutlich, ... aber irgendetwas fehlt mir einfach. Die Musik ist für mich zu distanziert, zu kühl, ich vermisse das spirituelle Erlebnis, dass ich etwa bei der Harnoncourt Einspielung empfinde.

Dass dem Requiem die 'Maurische Trauermusik' vorangestellt wird und das 'Ave verum' nachgestellt wird, ist schlüssig und wertet diese Aufnahme auch auf.
Zur Bewertung: Wie soll man so was bewerten? Es ist toll, eine neue Fassung erleben zu können, zudem auf hohem Niveau musiziert, gleichzeitig aber berührt mich die Interpretation nicht. Dennoch 4 Sterne - denn für alle jene, die wie ich mehrere Aufnahmen des Requiems haben, ist diese sicherlich sehr interessant.


Das weiße Gedicht: Essays
Das weiße Gedicht: Essays
von Reiner Kunze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch, 24. November 2007
Kunze - für mich DER deutschsprachige Lyriker der Gegenwart: Hier gewährt er hier Einblicke in sein Arbeiten, beschreibt, was für ihn poetische Bilder sind, wie sie entstehen, wie man aus anderen Sprachen sie in deutsche "übersetzt", nein viel mehr, wie man im Deutschen nachdichtet. Er vermittelt seinen Musikgeschmack, schreibt dabei wirklich interessante persönliche Kommentare über Liszts Spätwerk oder Mozarts Messen ... beschreibt, wie das Leben als Schriftsteller im geteilten Deutschland war, lässt uns an seinem Erleben eines Textes von Kleist teilhaben und noch vieles mehr. Für mich ein ganz besonderes Buch, eines, das ich immer wieder zur Hand nehme, das, obwohl schon so oft gelesen, immer wieder neue Erfahrungen beim Lesen ermöglicht und das v.a. auch mein Lesen anderer Literatur bereichert hat. Fünf Sterne sind zu wenig, aber mehr gibt es hier leider nicht!


gedichte
gedichte
von Reiner Kunze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige Lyrik, 24. November 2007
Rezension bezieht sich auf: gedichte (Gebundene Ausgabe)
Natürlich 5 Sterne: Kunzes Lyrik ist so tiefgründig, sprachlich faszinierend, reduziert und doch alles sagend, voller poetischer Bilder - einfach höchste Kunst! Und deshalb diese 5 Sterne! Man mag das für verrückt halten, was jetzt kommt, aber eigentlich ist es für mich schrecklich, dass fast das gesamte lyrische Werk dieses großen Schriftstellers in einem einzigen Buch für ein paar Euro zu haben ist. Wie viel mehr bedeuten mir seine einzelnen Bücher, am liebsten in gebundener Ausgabe. Es ist eigentlich traurig, dass diese Gedichte, die mich nun schon mehr als mein halbes Leben begleiten, die ich immer aufs neue lese, mich immer erneut berühren, mir neue Blickwinkel vermitteln, mir neue Erkenntnisse erschaffen, alle gesammelt in einem Buch um gleich viel Geld zu haben sind, wie ein Abendessen im Restaurant. Was für einen Wert hatte es damals, als ich von meinem Taschengeld als Schüler mir den ersten Gedichtband Kunzes leisten konnte, ihn wie ein Heiligtum nach Hause trug und dann, einige Jahre später bei einer Lesung signieren lassen konnte.

Jedem wirklichen Lyrikleser, der nicht am absoluten Existenzminimum leben muss, empfehle ich, ein finanziell größeres Opfer zu bringen, und sich die Lyrikbände als Einzelausgaben zu kaufen - für mich macht es einen Unterschied und im Vergleich, was diese Gedichte für mein Leben bedeutet haben, ist es immer noch unglaublich wenig Geld, selbst wenn ich die Einzelausgaben zu zahlen habe.


Great Recordings Of The Century - Ravel / Rachmaninoff (Klavierkonzerte)
Great Recordings Of The Century - Ravel / Rachmaninoff (Klavierkonzerte)
Preis: EUR 11,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine großartige Einspielung, 20. Oktober 2007
Für mich ist diese Aufnahme von Ravels G-Dur Konzert und Rachmaninoffs viertem Konzert völlig einmalig. Vor 25 Jahren kaufte ich sie LP, als sie nach einiger Zeit schon so "zerpielt" war, dass bei den leisen Tönen des wunderbaren Adagio Assais von Ravels Konzert das Rauschen lauter war, als die feinen Klavierklänge, kaufte ich die LP erneut, und einige Jahre später folgte dann auch noch die CD. Ich habe seither v.a. das Ravel Konzert auch oft live erlebt - mit großartigen Pianisten und großartigen Orchestern, aber nie hat mich eine Interpretation so berührt wie diese, nie hat mich die Rhythmik des 3. Satzes so mitgerissen, nie habe ich die Kantilenen des 2. Satzes lyrischer erlebt. Man muss unbedingt auch festhalten, dass nicht nur Michelangeli einzigartig spielt, sondern auch das Orchester eine ganz wundervolle Leistung erbringt.


Tommy
Tommy
Preis: EUR 7,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Werk der späten 60er, 16. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Tommy (Audio CD)
An sich ist "The Who" nicht ganz so mein Fall, schon deshalb, weil ich als Musiker nicht nachvollziehen kann, warum man ständig seine Instrumente zerstört - das werde ich wohl nie begreifen. Aber natürlich war The Who eine ungemein wichtige Band, die viele Impulse gab und so entschloss ich mich, mir mal Tommy zu besorgen. Zu meinem Erstaunen kannte ich eigentlich doch jeden Takt dieser Musik, obwohl ich die Platte nie besessen hatte. Für mich ein Zeichen, was für ein Klassiker dieses Album ist.

Das Album ist wirklich bahnbrechend: Schon alleine die Tatsache, dass es ein Konzeptalbum ist, quasi eine Rock Oper (wobei man da den Begriff Oper schon sehr weit fassen muss) macht es für seine Zeit außergewöhnlich. Die Texte sind großartig: Sie sprechen nichts klar aus und dennoch sagen sie alles. Die Story ist zutiefst berührend und durchaus nahvollziehbar. Sigmund Freud hätte wohl seine Freude daran gehabt (man denke nur an den Fall der Anna O.): Ein Kind, das durch ein traumatisches Erlebnis taub, stumm und bild wird, aber das geheilt werden kann - der zerbrechende Spiegel als Symbol für eine psychoanalytische Aufarbeitung?

Der Sound ist natürlich den späten 60er Jahren entsprechend, der Mix ist trocken, fast könnte man sagen
"gnadenlos", das Schlagzeug weit weg, die Plektrongeräusche der Gitarre oft fast lauter als die klingenden Saiten. Und der Gesang ist oft ein Hochstemmen in eigentlich nicht vorhandene Höhen. Aber dadurch ist dieser Gesang auch gleichzeitig so berührend, denn Daltrey und wohl oft auch Townshend (ich bin da leider kein Who Speziallist, um das im Detail raushören zu können) singen (oder sollte man teilweise zumindest auch sagen: schreien) sich die Seele aus dem Leib.

Das ist keine Musik für Nebenbei, keine Sounds zum Genießen, nichts zum Tanzen, .... das ist einfach Kunst, der man genau zuhören muss, am besten mit dem Textbuch in der Hand. Man muss sie als Dokument der später 60er Jahre sehen, so wie man viel Kunst eben nur im historischen Kontext sehen oder erleben kann. Aber wenn man sich auf dieses Werk einlässt, dann kann man auch wirklich etwas Großes erleben.

Ich werde dieses Album vermutlich nicht oft anhören, aber wenn ich es tue, dann wird meine ganze Aufmerksamkeit vorhanden sein. Unbestreitbar ist ohnedies, dass es sich bei den vier Musikern um Meister ihres Faches handelte: Der exzentrische Moon am Schlagzeug, ein wahrer Wirbelwind in seinen schnellen Läufen, der einen oft hektischen aber auch einen unverkennbaren Stil hat, Townshend, der hier viel mehr auf der akustischen Gitarre spielt, als man vielleicht als nicht eingefleischter Who Hörer erwartet - aber er kann das, was er macht, wirklich. Entwistle war ohnehin ein ganz besonderer Bassist mit einem eigenen Stil und spielt hier sogar noch die Horn Passagen - und Daltrey, der Sänger: Er passt einfach zu Tommy.


A Midsummer Night'S Dream
A Midsummer Night'S Dream

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Romantischer Gitarrenklang, 13. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: A Midsummer Night'S Dream (Audio CD)
Ich habe mir die CD gekauft, weil die Rezensionen alle sehr positiv waren und ich schon lange wieder mal wissen wollte, was Hackett für verschiedene Seiten als Gitarrist beschritten hat. Ohne jeden Zweifel: Hackett spielt sehr gut seine Konzertgitarre, es ist beeindruckend, wie vielseitig dieser Mann ist, wie er, der zu seinen Zeiten als Genesis Gitarrist immer für ganz eigene Gitarrensounds sorgte und so überhaupt nicht ein typischer Rockgitarrist war, auch auf der akustischen Gitarre eine klangliche Vielfalt erreicht, er zupft mit Nägeln, mit der Kuppe, spielt am Steg und dann wieder über dem Griffbrett, ... und er kann richtig gut die akustische Gitarre spielen.

Dennoch, ich finde keinen Zugang zu dieser CD. Das fängt schon damit an, dass ich die Orchestrierung als richtig schlecht empfinde: das Orchester mit seinen unglaublich vielen Möglichkeiten ist derart phantasielos behandelt, dass ich schockiert bin. Außer einer Hauptmelodie, die fast ausschließlich in den 1. Violinen gespielt wird, und einem aufgefüllten 4-stimmigen Satz ist da nichts zu hören. Welche Leistung da Mat Dunkley erbracht hat, der für die Orchestrierung verantwortlich ist, kann ich nicht erkennen. Jeder bessere Musikstudent sollte da mehr Einfallsreichtum zu bieten haben. Diese Orchestrierung erinnert an schlechte Filmmusik, und ich wäre froh, wenn das Orchester gar nicht vorhanden wäre - wie wohl tut es, wenn auf Nr. 14 mal eine Farbe zu hören ist (da spielt ganz zum Ende John Hackett die Bassflöte, greift ein Motiv von Debussy auf, und es entsteht mal für ein paar Sekunden ein Sinn, warum nicht nur die Gitarre erklingt.

Aber auch die Kompositionen von Hackett erreichen mich leider nicht. So sehr ich seine Vielseitigkeit bewundere, dennoch, ich finde diese Musik bis auf wenige Stellen platt. Es gibt für mich so wenig zu entdecken, weder harmonisch noch rhythmisch noch melodiös - es geht so dahin, sehr ans 19. Jahrhundert anlehnend, ab und zu verratend, dass er doch einer anderen Zeit entspringt um dann doch wieder das sicher Terrain der Neo-Romantik zu betreten.

Wer so etwas mag, dem sei diese Musik ans Herz gelegt, denn diese musikalische Seite erfüllt sie gut, wer aber in der Musik mehr als nur nette, neo-romantische Klänge mit einem starken Hang zur orchestralen Filmmusik sucht, wer die Innovationsfreude des damaligen Genesis-Gitarristen sucht und hofft, dass sein großartiges musikalisches Potential in einer Spannungsreichen und unerwarteten Art und Weise auch auf die Konzertgitarre und das Orchester sich auswirkt, der wird, so vermute ich, keine rechte Freude mit dieser Musik haben.

Hackett ist und bleibt für mich ein großer Künstler, aber diese CD sagt mir leider sehr wenig. 2 Sterne - denn bis auf die Orchestrierung ist sie zumindest gut und sicher auch sehr ambitioniert gemacht.


György Ligeti: Le Grand Macabre (Oper) (Gesamtaufnahme)
György Ligeti: Le Grand Macabre (Oper) (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von O-V-G
Preis: EUR 23,85

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DIE anti-anti Oper, 13. Oktober 2007
Ligetis "Le Grand Macabre" ist für mich ein Meilenstein der Oper der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ligeti ist ohnedies eine der schillerndsten Komponistenpersönlichkeiten seiner Zeit: innovativ, witzig, ironisch, experimentell, .... die Liste der wertschätzenden Adjektive müsste sehr lange werden. Alleine wie er auf derart unterschiedliche Art und Weise Klang und die Bewegung von Klangmassen realisierte - vom großen Orchester bis zum Cembalo (bei "Continuum") - ist großartig.

Seine einzige Oper ist ein weiterer Beweis seiner Genialität - sie ist die komischste Oper des 20. Jahrhunderts, die ich kenne, gleichzeitig hat sie in sich aber auch unglaublich berührende Momente. Nachdem er anfänglich ein rein phonetisches Libretto für seine Oper im Auge hatte, also ein Textbuch ohne irgend einen semantischen Bezug, war sein nächster Plan die Ödipusgeschichte zu vertonen - doch schließlich entschloss er sich, beides nicht zu machen. Den Gedanken eine Anti-Oper zu schreiben (reine Phonetik) ließ er fallen und er entschloss sich eine anti-anti Oper zu schreiben, also doch eine mit einem Text und einer Handlung. Er griff auf Ghelderodes Stück: "La Balade du Grand Macabre" zurück, ein Stück des absurden Theaters. Ligeti selbst hat am Libretto mitgearbeitet - er zielte darauf ab, dass die Oper ein Gegensatz zur herkömmlichen Literaturoper werden sollte: die Charaktere entwickeln sich nicht, keine Psychologie findet statt, alles ist wie "verrückt".

Das Resultat ist genial, unglaublich witzig, dabei sind auch alle Seiten von Ligetis kompositorischem Schaffen vertreten: die großartigen Klangflächen, die Polyphonie, das Spiel mit Periodizitäten, die Collage-Technik, .... Die Aufnahme ist eine Live-Aufnahme einer konzertanten Aufführung die 1987 im Konzerthaus Wien stattfand. Ich hatte das große Glück, live dabei gewesen zu sein. Howarth leitete das ORF-Symphonie Orchester mit unglaublicher Übersicht, die Musiker und der Chor waren an gewissen Stellen im ganzen Saal verteilt, was eine ganz besondere Wirkung hervorbrachte, der Applaus war heftig und lang, und Ligeti war natürlich da und nahm ihn entgegen.

Ich habe seither versucht, dieses Werk so oft wie möglich zu erleben, das faszinierende aber ist, dass die konzertante Aufführung durchaus in ihrer Wirkung mit szenischen Aufführungen mithalten konnte.
Mit persönlich gefällt die deutsche Fassung auch erheblich viel besser, als die englischsprachige, die Ligeti für die Produktion der Salzburger Festspiele herstellte. Das mag auch daran liegen, dass man schon englisch auf Muttersprachenniveau sprechen muss, um den unglaublichen Wortwitz, der in der deutschen Fassung sich natürlich sofort und direkt vermittelt, verstehen und v.a. auch unmittelbar genießen zu können.
Wenn es etwas auszusetzen gibt, dann natürlich, dass bei einem ORF Live Mitschnitt der späten 80er Jahre nicht der heute denkbare Stand der tontechnischen Möglichkeiten vorhanden war. Aber das macht die Energie und Genialität der Interpretation leicht wett. Das booklet lässt auch etwas zu wünschen übrig, mit Mühe und Not lassen sich die ausführenden Musiker und Sänger herauslesen, was aber genau sie da machen, ob sie diese oder jene Rolle singen, das ist unerklärlicher Weise nicht erwähnt. Da hilft dann nur noch das originale Programmheft von 1987, aber das ist leider unauffindbar.

Dennoch, 5 Sterne reichen nicht.


Quatre Chants pour Franchir le Seuil
Quatre Chants pour Franchir le Seuil
Preis: EUR 14,50

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tief berührende Auseinandersetzung mit dem Tod, 13. Oktober 2007
Griseys Musik habe ich erst vor kurzem kennen gelernt. Nach und nach höre ich mich nun durch sein außergewöhnliches Schaffen - zum Glück hat Kairos ganz wunderbare Einspielungen von Griseys Musik veröffentlicht.

Als Komponist gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der so genannten "spektralen Musik". Beim erstmaligen Hören äußert sich das zunächst in dem Erleben von mikrotonalen Klängen, von einer instabil wirkenden Klanglichkeit. Das mag im ersten Moment selbst für Hörer zeitgenössischer Musik eine ungewöhnliche und sich nicht sofort erschließende Klangerfahrung sein, aber wenn man der Musik mit voller Aufmerksamkeit zuhört, wird dieser amorph wirkende Klang schon sehr bald der einzig denkbare für diese Musik und man kann eine wirklich großartige, vielschichtige, aber sich ständig wandelnde Klanglichkeit erleben.

Das Stück setzt sich in fünf Abschnitten mit dem Tod auseinander. Auch die vertonten Texte haben etwas nicht greifbares, amorphes - wenn etwa im 2. Abschnitt Texte, die auf ägyptischen Sarkophagen entziffert wurden, verwendet werden. Da heißt es dann z.B.: "n° 811 et 812 (presque entièrement disparus) n° 814: «Alors que tu reposes pour l'éternité?»". Diese wenigen erhalten Schriften sind berührend, anregend, lassen vieles offen, wenn es etwa - dieses Mal in der deutschen Übersetzung hier wiedergegeben - heißt: "Der Erleuchtete fällt in das Innere des...".

Die CD ist in ihrer künstlerischen Kraft dieser Musik wirklich angemessen: C. Dubosc ist eine großartige Sängerin, das Klangforum Wien unter Cambreling spielt wunderbar. Das Booklet, wie man es von anderen Kairos CDs kennt, ist sehr gut gestaltet.

Für Menschen, die klangliche Erfahrungen machen wollen, die sich auf eine musikalische Entdeckungsreise begeben wollen, die tiefgründige Auseinandersetzungen mit einem der großen Themen des Menschseins - nämlich mit dem Tod - suchen, ist diese CD sehr (!!) Empfehlenswert.


Olivier Messiaen - Éclairs sur L'Au-Dela
Olivier Messiaen - Éclairs sur L'Au-Dela

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Messiaens letztes Orchesterwerk, 2. Oktober 2007
Messiaen ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist unverkennbar in seiner Sprache und dennoch ist jedes Werk einzigartig. Die Éclairs sind sein letztes großes Werk, uraufgeführt nach seinem Tod. Wie so oft bei ihm ist auch dieses ein religiöses Werk, er verwendet biblische Bilder als Inspiration, er greift auf indische Rhythmen zurück, er lässt unzählige Vogelstimmen erklingen. Das riesige Orchester (es gibt allein z.B. 10 Querflöten) wird nur ganz selten in voller Größe eingesetzt, vielmehr verwendet er es, um aus einem großen Pool aus Farben für jeden Satz eine eigenständige Farbpalette auszusuchen.

Die Aufnahme ist wundervoll und kann jedem, der Messiaens Musik mag, nur wärmstens empfohlen werden. Es ist eine Art Abschiedswerk, zutiefst berührend; und wer nie "Le Christ, lumière du Paradis" gehört hat (das letzte Stück), dem fehlt eine Erfahrung dessen, wie innerer Frieden und Zuversicht einen musikalischen Ausdruck finden können.


Tabula Rasa
Tabula Rasa

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige CD, 2. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Tabula Rasa (Audio CD)
Das erste Mal hörte ich Tabula Rasa am Telefon - ein Freund meinte, ich müsse das einfach hören und spielte mir die CD übers Telefon vor. Ich kaufte sie umgehend und seither höre ich sie immer wieder. Mittlerweile kenne ich sehr viele Werke von Pärt, er hat seine ganz eigene unverkennbare Sprache, sehr simpel, sehr archaisch und sehr berührend. Ein großartiger Komponist - und auf dieser CD sind welche seiner ergreifendsten Werke zu erleben. V.a. die Interpretation von Tabula Rasa mit Kremer und Grindenko ist etwas Besonderes und für mich, obwohl sie als Live-Aufnahme tontechnisch nicht völlig tadellos ist (man hört halt doch ab und zu was vom Publikum), ohne Konkurrenz. Ich zumindest ziehe sie den Studio-Aufnahmen, die ich auch besitze, vor.


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