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Rezensionen verfasst von
Werner T. Rupprecht "Werner"
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Was ist Information? - Kritik einer Legende
Was ist Information? - Kritik einer Legende
von Peter Janich
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,80

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gedanklich schön - aber praktisch unbrauchbar, 8. November 2010
Gut 130 Seiten lang übt der Philosoph Janich Kritik am einschlägigen Schrifttum. Auf restlichen 35 Seiten beschreibt er, wie eine Informationstheorie seines Erachtens beschaffen sein sollte. Janichs Hauptkritik richtet sich gegen die weit verbreitete Meinung, nach der Information ein Gegenstand der Natur und Physik sei und nicht des Kultürlichen und Geistigen. Ursachen der Naturalisierung von Information sieht Janich in den von Irrtümern behafteten Sichtweisen von Galilei, welcher die auf Aristoteles zurückgehende Unterscheidung des Künstlichen vom Natürlichen missverstanden hat, von Heinrich Hertz, von Charles Morris und weiteren Wissenschaftlern. Zusätzlich gefördert wird die naturalistische Sicht von Information nach Ansicht von Janich noch durch unsaubere Sprache nicht nur in populärwissenschaftlichen Schriften sondern auch in der Fachliteratur, wo vielfach nicht zwischen objektsprachlichen und metasprachlichen Begriffen unterschieden wird. Dem Rezensenten, der Nachrichtentechnik-Ingenieur ist, geht Janichs Kritik bisweilen arg weit. Dass im naturwissenschaftlich-technischen Schrifttum die Sprache nicht immer klinisch rein ist, lässt sich damit entschuldigen, dass natürliche Sprache im Unterschied zur Maschinensprache lebendig und veränderlich ist. Es ist ja nicht nur so, dass einstmals gebrauchte allgemeine Ausdrucksweisen später Differenzierungen erfuhren. Auch umgekehrt wurden in der natürlichen Sprache ursprüngliche Differenzierungen später aufgegeben (in der Keilschrift wurden noch verschiedene Wörter z.B. für die Zahl vier verwendet, wenn sie sich auf verschiedene Objekte bezog). Dass Janich in seinem Buch hier und da ein Lapsus unterlaufen ist, z.B. auf Seite 119 bei der Maschenregel von Kirchhoff, ist unwesentlich. Wesentlich ist dagegen, wenn er bei seiner methodischen Reparatur auf Seite 148 fordert, dass Information und Kommunikation auf menschliche Sprache (!) begrenzt bleiben sollen. Wo bleiben da Gestik und Mienenspiel des Menschen? Darf man das organisatorische Frage-Antwort-Spiel zwischen PC und Drucker nicht mehr (Maschinen-) Kommunikation nennen? Oder wenn er bei seiner Reparatur auf Seite 158 fordert, dass Information unter anderem auch hörerinvariant sein soll, dass also auch derjenige Hörer Information empfängt, der die Mitteilung bereits vorher kannte. Würde man diese Forderung zugrundelegen, dann würde man die Informationstheorie von Shannon, die zu den wichtigsten Grundlagen moderner technischer Kommunikationssysteme gehört und bei welcher auf der Empfangsseite Unsicherheit und Wahrscheinlichkeit eine zentrale Rolle spielen, ebenso ins Abseits stellen wie die ein Vorwissen nutzenden Prädiktor-Korrektor-Verfahren der digitalen Informationsübertragung. Trotz solcher nicht akzeptabler Thesen hat der Rezensent das Buch von Janich mit Gewinn und wegen der glänzenden sprachlichen Formulierungen auch mit Genuss gelesen.
Werner Rupprecht


Schlüssel zur Mathematik
Schlüssel zur Mathematik
von Helmut Neunzert
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Noch immer aktuell, 17. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Schlüssel zur Mathematik (Gebundene Ausgabe)
Dieses vor bereits 20 Jahren geschriebene Buch ist noch immer aktuell und wird es wohl noch eine Weile bleiben. Es vermittelt einen authentischen Einblick ins exklusive Mathematiker-Milieu. Geschildert wird das fachliche Seelenleben der dort aktiv Tätigen, ob Spieler oder Sucher, ferner verschiedene dort herrschende Positions- und Glaubensrichtungen. Zu den Letzteren gehört die Frage, ob Mathematik ausschließlich von Menschen gemacht wird, oder ob Mathematik entdeckt wird, was die Platoniker unter den Mathematikern glauben. Entgegengesetzte Positionen bilden auf der einen Seite die Reine Mathematik und auf der anderen Seite die Angewandte Mathematik. Die Autoren machen deutlich, dass die unterschiedlichen Arbeitsweisen ihre Berechtigungen haben und dass sich bei aller Gegensätzlichkeit die Reine und die Angewandte Mathematik schon immer gegenseitig befruchteten. Angereichert wird der Text durch Darstellungen der geschichtlichen Entwicklung der Mathematik und ihrer Bedeutung für die heutige Zivilisation, durch Beschreibung des Bildes der Mathematik in der öffentlichen Meinung, durch Biographien und Aussagen großer Mathematiker zu allgemeinen Fragen, durch Aussagen zur Rolle von Computern, zur Verantwortung von Mathematikern und anderen Wissenschaftlern und durch Diskussionen weiterer Themen.
Das Buch wird den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht. Angesprochen werden sowohl mathematische Laien, die sich nur oberflächlich informieren wollen, und die bereits am lockeren und unterhaltsamen Stil des Buches ihr Vergnügen finden können, als auch philosophisch interessierte Leser, die am Wesen der Mathematik als Wissenschaft von den Ordnungen interessiert sind und die im Buch eine zusätzliche Fülle von Aussagen großer Geister vorfinden, angefangen bei den alten Griechen über Variationen des kategorischen Imperativs von Kant bis hin zu Wittgenstein und Popper, alles mit detaillierten Literaturangeben. Und manch mathematisch interessierter Ingenieur, zu denen sich auch der Rezensent zählt, erfährt mit dem Buch eine diesbezügliche Weiterbildung, z.B. im Zusammenhang mit der Beschreibung des Computer-Tomographen. Die wichtigste Zielgruppe sind aber wohl Schüler und Abiturienten. Mit geradezu missionarischem Eifer bemühen sich die Autoren, die Schönheit mathematischer Theorien herauszustellen,ihre Wichtigkeit für die moderne Technik zu betonen und Begeisterung für ihr Fach zu wecken.
Werner Rupprecht


Atheistischer und jüdisch-christlicher Glaube:: Wie wird Naturwissenschaft geprägt?
Atheistischer und jüdisch-christlicher Glaube:: Wie wird Naturwissenschaft geprägt?
von Hans-Joachim Hahn
  Broschiert
Preis: EUR 27,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Naturwissenschaft und Gottesglaube, 2. Dezember 2009
Bei diesem Buch handelt es sich um den Tagungsband eines Forschungs-Symposiums, das im April 2008 an der Universität Regensburg durchgeführt wurde. Ziel des Symposiums war die Klärung von Denkvoraussetzungen und Erkenntnisgrenzen bei der Entwicklung von Naturwissenschaften. Dabei ging es insbesondere auch um Fragen, ob mit Naturwissenschaften, die ja allein auf Experimenten und Beobachtungen, daraus abgeleiteten Naturgesetzen und deren logische Verknüpfung beruhen, die reale Welt inklusive die Entstehung von Leben vollständig erfassbar und erklärbar wird. Falls sichergestellt wäre, dass es physische Phänomene enthaltende Bereiche gibt, die sich mit naturwissenschaftlichen Methoden prinzipiell nicht erklären lassen, dann müsste nach Meinung des Rezensenten auch aus naturwissenschaftlicher Sicht ein Beweis für die reale Existenz eines Komplements zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vorliegen, ein Komplement, das Raum bietet für eine platonische Welt, für nicht an Materie gebundenen Geist, für unsterbliche Seele und Gott. Derzeit - das kann man dem Tagungsband entnehmen - gibt es über die Existenz eines Komplements große Meinungsverschiedenheiten.
Die Veranstalter haben das Symposium ersichtlich sorgfältig geplant und durchgeführt. Anliegen, Ablauf und Fazit sind im Tagungsband detailliert dokumentiert. Der Band enthält nicht nur alle Vorträge im vollen Wortlaut, sondern auch die wesentlichsten Diskussionsbeiträge, die Zusammenfassungen der Diskussionsleiter sowie verschiedene Abschlussstatements. Mit den einzelnen Vorträgen, die von ausgewiesenen Fachleuten verschiedenster Fachrichtungen und Bekenntnisse (sowohl bekennende Atheisten als auch gläubige Christen) gehalten wurden, wurde die gesamte Bandbreite der Thematik beleuchtet, angefangen bei philosophischen Betrachtungen über Begriffsbildung und die Entstehung von Überzeugungen, über moderne Erkenntnisse in Physik, Chemie (inklusive Biochemie), Biologie (inklusive Neurobiologie) bis hin zur Mathematik und zu Positionen protestantischer und katholischer Theologen. Erwartungsgemäß konnten in vielen Dingen keine gemeinsamen Sichtweisen erzielt werden. Der Band liefert dennoch eine reiche Fundgrube an Informationen für alle an dieser Thematik interessierten Leser. Wohltuend ist die nüchterne und von gegenseitigem Respekt geprägte Sachlichkeit aller Beiträge.
Werner Rupprecht


Verborgene Universen: Eine Reise in den extradimensionalen Raum
Verborgene Universen: Eine Reise in den extradimensionalen Raum
von Lisa Randall
  Gebundene Ausgabe

25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moderne Physik und dennoch amüsant, 19. Januar 2007
Das Buch bringt viel mehr als der Titel ankündigt. Verborgene extradimensionale Universen werden am Anfang im Teil I und am Ende im Teil V des Buches behandelt. Dazwischen kommt Relativitätstheorie, Quantenmechanik, Elementarteilchen, Standardmodell, Stringtheorie, also so ziemlich alles aus der modernen (nicht klassischen) Physik dran. Das Buch wendet sich an Laien. Alle Zusammenhänge werden ohne Zuhilfenahme von mathematischen Formeln beschrieben. Obwohl sich das Buch deutlich angenehmer lesen lässt als etwa die populärwissenschaftlichen Bücher von Stephen Hawking, ist der Text nicht überall leicht zu verstehen. Manchmal wären mir Formeln viel lieber gewesen als umständliche verbale Beschreibungen. Ich bin nämlich Elektroingenieur und schätze mathematische Beschreibungen sofern sie nicht zu kompliziert sind. Ich habe das gesamte Buch mit Genuss von vorn bis hinten durchgelesen. Im gesamten Text spürt man die Begeisterung und das Engagement der Autorin für die Sache. Ihr Stil ist keineswegs trocken. Dafür sorgen nicht nur ihre vielen amüsanten Vergleiche, manche Stellen glänzen geradezu von hintergründigem Humor, der manchmal schwarz wird und bis zum Sarkasmus reicht mit Seitenhieben auf gewisse politische Zustände. Das Buch hat mir große Einsichten vermittelt. Ich weiß jetzt besser, warum immer größere Teilchenbeschleuniger wie der Large Hadron Collider gebaut werden und was man damit herausfinden will.

Werner Rupprecht


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