wintersale15_finalsale Hier klicken Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Bauknecht TK EcoStar 8 A+++ Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV
Profil für www.lit4u.de > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von www.lit4u.de
Top-Rezensenten Rang: 5.069.271
Hilfreiche Bewertungen: 105

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
www.lit4u.de

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Wie Thomas Bitterschulte sich von seinem Daseinszweck verabschiedete
Wie Thomas Bitterschulte sich von seinem Daseinszweck verabschiedete
von Alfons Huckebrink
  Broschiert

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen westfälischer Roman, 22. April 2002
Thomas Bitterschulte hat Flashbacks. Er erinnert sich an früh Erlebtes: An Emslake, seine Heimatstadt im Münsterland. An die Verwandten und Tanten. An seine Schulzeit in den 50-ern und 60-ern, die Beatles-Platten und den gestrengen Alt-Nazi-Lehrer. An die prägende Wirtschafts-Wundermacht von Unternehmertum und Kirche und das schnelle Vergessen nach dem "Zusammenbruch" von 45. Bitterschulte memoriert sein früh gewecktes Interesse für Sprache und Literatur, die intellektuelle Opposition gegen den Mief des Kleinstädtischen. In den Erinnerungsfluss gestreut sind Geschichten diverser Nebenfiguren: Die von der Krankenschwester und Nachbarin Heidrun, die einen verwundeten Wehrmachtssoldaten pflegt und sich verliebt. Die seiner ehedem BDM-braunen Tante, die aus Verehrung den Urin des Führers trinken wollte. Die des Milchmanns Poschmann, der in seiner Freizeit gerne Bilder malt. Oder auch die vom Kriegskrüppel Otto, mit dem sich Jung-Thomas gern über Politik unterhält. Nachkriegsleben, wie es im Buche steht. Die Idee ist gut: Ein Schreibmensch, der Bruchstücke seines Lebens in kurze Geschichten gefasst und in den Schubladen seines Schreibtischs eingelagert hat. Der Erzähler greift rein in Bitterschultes Privatarchiv und montiert die Texte zu einem westfälischen Panorama der Kinderjahre der BRD. Geschichten vor dem Hintergrund von Geschichte. Ein Roman aber ist das nicht! Der versprengte Steinbruch der Erinnerungen gerät zur zusammenhanglosen Anekdotensammlung. Es ist ein persönliches Buch: Huckebrink und Bitterschulte teilen nicht nur Herkunft, Alter und alle fünf Vokale im Namen. Das stilistisch Dumme ist nur: Der Schreibstil ist von Thomas Mann, doch leider heißt der Autor anders. Schachtelsätze, Wortschraubereien, seitenlange Reflexionen. Es wird viel ausgewalzt und oft biederer Sprachwitz angepeilt, wo alles eh schon ziemlich platt geredet ist (In der Milchmann-Geschichte zum Beispiel zeugt das Kompositum "Milchmädchenrechnung" von großem Einfallsreichtum). Und Handlung, ein roter Faden, der Daseinszweck eines Romans sozusagen, ist vor lauter Erinnern, Belehren und Fabulieren nicht mehr zu erkennen. Und so verabschiedet sich ein westfälischer Leser. Leider.


Hart am Rand
Hart am Rand
von Ralph Gerstenberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,40

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rasante und lebensechte Dialoge, 19. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Hart am Rand (Taschenbuch)
Bereits zum dritten Mal schickt der Berliner Autor und Journalist Ralph Gerstenberg seinen sympathischen Gelegenheitsdetektiv Henry Palmer in den Dschungel der "neuen Berliner Mitte". Dort, wo Gerstenberg selbst lebt und bereits mit seinem Debüt "Grimm und Lachmund" (1998) und dem folgenden "Ganzheitlich sterben" (2000) Aufmerksamkeit erregte. Dort, wo die Schickimicki-Szene sich breitmacht und nach und nach den farbenprächtigen Kiez verdrängt, wird das Klima rauher. Mafiöse Strukturen erhalten Einzug ins Nachtleben, und eine Bande, die als die 'Tresengangster' bezeichnet wird, hält die Wirte zusätzlich in Atem. Henry Palmer führt inmitten dessen eigentlich ein ruhiges Leben, arbeitet als Locationscout und trauert seiner kürzlich verstorbenen Liebe nach. Doch als sein bester Freund Theo Trepka aus dem Knast entlassen wird, überrollen ihn die Ereignisse. Henry verliebt sich in eine Prostituierte, lernt einen abgedrehten Waffenhändler kennen, gerät zwischen die Fronten von Tresengangstern und Russenmafia, und macht sich mit Theo zusammen auf die Suche nach dessen plötzlich verschwundenem Vater. Was an dieser Stelle vielleicht wie eine Aneinanderreihung gängiger Krimi-Sujets anmutet, die der Schmelztigel Hauptstadt natürlich zuhauf bietet, gerät bei Gerstenberg mitnichten platt. Bevor sich die benutzten Klischees dem Leser aufdrängen, werden sie bereits karikiert. Der Held Henry Palmer betrachtet die Ereignisse mit der Distanz des in die Jahre kommenden Überlebenskünstlers ("Ich war Mitte dreißig und extrem gefährdet, ein Monument des Stillstands zu werden"), den das Leben rechts zu überholen scheint. Und so spürt man denn auch die Solidarität Henrys (und seines Autors) mit der völlig unspektakulären Realität derer, die bei der Schickimickisierung ihres Kiez' hinten runterfallen. Dabei schreibt Gerstenberg nicht nur rasante und lebensechte Dialoge, sondern auch, und nicht nur nebenbei ein Stück Chronik der neuen Hauptstadt mit. Zeitgemäße, spannungsgeladene Krimi-Unterhaltung von einem vielversprechenden Autor.


Insomnia
Insomnia
von Barbara Voors
  Gebundene Ausgabe

26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewalt gegen Frauen und die Verarbeitung von Verlust., 19. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Insomnia (Gebundene Ausgabe)
Seit ihrem elften Lebensjahr nimmt Savanna Brandt in der Welt keinen Platz mehr ein. Dass ihr Sohn Martin vor vier Jahren starb, hat die Situation noch verschlimmert. Savanna lebt nicht, sie überlebt, kapselt sich ab, ist unsichtbar. Doch plötzlich ist dieses Nicht-Leben bedroht. Erst kommt quälende Schlaflosigkeit, dann entsetzliche Angst. Ausgelöst durch die E-Mails eines Fremden, die anfangs wie die eines heimlichen Verehrers wirken, schnell aber immer bösartiger werden. Er fordert von Savanna, sich weiter still zu verhalten, niemandem zu erzählen. Doch was soll sie nicht erzählen? Savanna weiß nicht, wovon er spricht. Erst nach und nach ahnt sie, dass sie das Verbindungsglied zu einem Mord ist, der vor beinahe 25 Jahren in einer Pension geschah und bald verjährt. Damals war sie elf Jahre alt und mit ihrer Familie dort in den Ferien. Aber ihre Erinnerung ist wie ausgelöscht. Auf der Suche nach Antworten wendet sie sich an Kommissar David Fawlkner, der seinerzeit die Ermittlungen leitete und bringt damit nicht nur sich, sondern auch einen Menschen, der ihr sehr nahe steht, in Lebensgefahr. Mit "Insomnia" hat die schwedische Journalistin und Autorin Barbara Voors alles andere als leichte Kost serviert. Über weite Strecken wird der Roman nur durch die komplizierten Gedankengänge der Protagonistin getragen und befasst sich hintergründig mit Themen, vor denen mancher zurückschrecken mag: Gewalt gegen Frauen und die Verarbeitung von Verlust. Doch Voors zeichnet ein sehr differenziertes Bild ohne abgedroschene Phrasen, ohne Sensationsgier und ohne schroffen Feminismus. Dadurch und dank eines zweiten Erzählstrangs über den mysteriösen Tod einer Schriftstellerin, mit dem Savanna sich in ihrer Dissertation befasst und den sie schließlich aufdeckt, hält die Autorin ihre Leser bei der Stange. Ein Buch, das nachwirkt.


Affären: Eine transatlantische Liebesgeschichte
Affären: Eine transatlantische Liebesgeschichte
von Alison Lurie
  Taschenbuch

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Literatur für Stadtneurotiker, 19. April 2002
Wer es aus Trägheit, Angst und einer gewissen Resignation vorzieht zwischenmenschliche Beziehungen lediglich zu beobachten statt zu leben, den erwischt es am Ende doch selbst. "Sie heißt Virginia Miner und ist 54 Jahre alt, klein, unscheinbar und nicht verheiratet - eine Frau die man nicht weiter beachtet...." Ein Forschungsprojekt über Reime in der Kinderliteratur führt jene amerikanische Literaturprofessorin in die Londoner Intellektuellen-szene und damit in eine Welt der unbegrenzten Eitelkeiten und Verquickungen. Mittendrin der attraktive und getrennt lebende Kollege Fred Turner und außen vor die eigentlich so wenig reizvolle Flugzeugbekanntschaft Chuck Mumpson. Eine Expedition durch den soziokulturellen Gefühlsdschungel unterschiedlichster Menschen beginnt. Mit "Affären" (1988) legt Alison Lurie ein komödiantisches Spottporträt der Londoner Literaturszene vor, welches sie mit "Die Wahrheit über Lorin Jones" (1992) für die New Yorker Kunstszene fortgesetzt hat. Ihr kritisch-argwöhnischer Blick ist ein Pfadfinder in die Herzen primär kopfgesteuerter Menschen, und ihr trockener, bisweilen vernichtender Humor am Ende eine Liebeserklärung an alle Stadtneurotiker. Eine transatlantische Liebesgeschichte - so steht es im Untertitel. Transatlantisch nicht nur im Sinne von überseeisch sondern auch von überseelisch.


Shopping
Shopping
von Gavin Kramer
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen humoristischer "Kulturverfall", 19. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Shopping (Taschenbuch)
Alistor Meadowlark ist zurückhaltend, konservativ und von enormer Körpergröße. Die Porträts von Elisabeth II. und Margret Thatcher in der Wohnung des Londoner Anwalts zeugen von seinem vordergründig frigiden Frauenbild. Doch als er nach Tokio geschickt wird, offenbart sich ein ganz anderer Wesenszug. Denn in der pulsierenden Metropole mit ihrer unterschwelligen Perversität, in der an Automaten benutzte Unterwäsche junger Schulmädchen für ein paar Yen zu haben ist, lernt er bald Sachiko kennen. Sie ist eine dieser 16-jährigen Schülerinnen, die sich von reichen "Gönnern" mit Unmengen teurer Geschenke aushalten lassen. Als Gegenleistung geben sie ihre kindlichen Körper her für alle möglichen und unmöglichen sexuellen Phantasien. Zwischen Maedowark und ihr beginnt ein ungleiches Abhängigkeitsverhältnis, das ihn immer weiter in einen Strudel von Demütigung und Verlangen zieht, bis schließlich für beide nichts mehr so ist wie es einmal war. "Shopping" ist die Geschichte zweier Kulturen, die, in ihrer extremsten Ausprägung durch die Figuren Meadowlark und Sachiko personifiziert, im Moment ihres Aufeinandertreffens aneinander kaputt gehen. Gavin Kramer zeichnet diesen "Kulturverfall" unaufdringlich, leicht humoristisch, teilweise mit leiser Ironie und ohne einseitige Bewertung. Der Erzähler, als Kollege Meadowlarks selbst Handlungsfigur, ist beobachtend gestaltet und dem Geschehen skeptisch gegenüber eingestellt. Der Roman bedient somit zwar gängige Klischees, aber dankenswerterweise ohne moralischen Unterton. Ein amüsantes Buch.


Der fünfte Winter des Magnetiseurs: Roman
Der fünfte Winter des Magnetiseurs: Roman
von Per Olov Enquist
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,50

26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gegenwartstauglich!, 15. April 2002
Nachdem der "Besuch des Leibarztes" im letzten Jahr sämtliche hiesigen Bestsellerlisten gestürmt hat, schickt Hanser nun einen weiteren Roman von Per Olov Enquist ins Rennen, der im schwedischen Original allerdings schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Wie sein großer Bruder spielt auch "Der fünfte Winter des Magnetiseurs" im 18. Jahrhundert; hier wie dort vermischen sich fiktive Quellen und echtes Zeitkolorit zu historischen Romanen mit überraschender Gegenwartstauglichkeit. Der fünfte Versuch: Die vermeintlichen Fortschritte der Aufklärung Lügen strafend, setzt sich ein ewig wanderndes Sandkorn, der Wunderheiler und Magnetiseur Friedrich Meisner, im Getriebe eines unbedeutenden Landfleckens im deutschen Südwesten fest und vermittelt all denen, die fest genug an ihn glauben, das Gefühl, für einen Augenblick im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Was er mit sich bringt, sind Ahnungen vom "next big thing", der Romantik mit all ihren Ungereimtheiten, und so ist Meisner auch mehr Künstler als Mediziner, Messias und Heimsuchung in einem. Aber heilt er die Menschen wirklich oder gewinnt er Macht über sie durch die Kunst von Lüge und Illusion? Lebt es sich gut in der zugig-kalten Aufklärung, mit ihren unfähigen Medizinprofessoren oder darf es lieber ein bisschen mehr Irrationalität sein? Jedenfalls schon damals ein schmaler Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn, dessen Begehung hier aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben wird. Ein wichtiges Buch, wenn es sich die Zeit nimmt, ins Philosophische abzuschweifen; ein gelungener historischer Roman, der sich nicht damit begnügt, das Fremde der Geschichte à la ‚Medicus' detailgenau aufzulisten und abzustempeln.


Der Liebessalat: Roman
Der Liebessalat: Roman
von Joseph von Westphalen
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weiberheld, 15. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Liebessalat: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Schriftsteller Victor Goldmann bezieht die Inspirationen für seine literarischen Ergüsse aus der nie versiegenden Quelle weiblicher Liebe. Die Liebe, die seine Ehefrau Nummer drei ihm zuteil werden lässt, reicht dem nimmersatten Literaten jedoch bei weitem nicht aus. Jeden Tag seines Lebens verbringt Victor damit, neue Liebschaften aufzuspüren, die seine Ideen beflügeln könnten. So kreiert er einen Liebessalat aus einer "Nasenring - Tina", einer charmanten Exehefrau, einem Schuss "Tscherkessinnen - Schönheit", etwas "Gazellen - Penelope" und einem Hauch "Fräulein Strindberg". Bei all den Verabredungen gerät Victor schließlich in Terminschwierigkeiten, gegen die seine Frau eine grandiose Taktik entwirft. Sie enterotisiert Victors Liebschaften, indem sie sich in seine Angelegenheiten einmischt und Victor paradoxerweise auch noch dazu drängt, mit all diesen wunderschönen Frauen doch endlich ins Bett zu gehen, dieses auch gerne in der gemeinsamen Wohnung. Die Aktivitäten seiner Frau stürzen Victor in eine Schreibkrise, aus der es nur einen einzigen Ausweg geben kann: Es müssen neue Geliebte ins Spiel, von denen Ehefrau Ellen nichts ahnt. Wer darauf steht, einen ältlichen, mageren Vierzigjährigen bei seinen immer neuen, jedoch wenig erotischen Frauengeschichten über 479 Seiten zu begleiten, ist mit diesem Roman gut bedient. Victor Goldmann ist ein Gigolo unserer Zeit, dessen Eskapaden bei weltfremden Romantikern sicher gut ankommen. Auch wenn Westphalen für seinen "Liebessalat" von der Presse gelobt wird und die Story sogar verfilmt werden soll, so hätte die Hälfte der Seiten völlig ausgereicht und der amüsanten Idee eines literarischen Weiberhelden wesentlich mehr Biss und Tempo geben können. Ein Roman für Introvertierte, die sehr viel Zeit zum Lesen haben.


Metaphysik der Röhren
Metaphysik der Röhren
von Amélie Nothomb
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diplomatenkind, 15. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Metaphysik der Röhren (Gebundene Ausgabe)
Die ersten drei Lebensjahre eines Diplomatenkindes in Japan oder die Autobiographie der frühen Kindheit von Amelie Nothomb. Bei der Geburt gab sie keinen Laut von sich. Auch danach blieb sie nahezu leblos, bis ein Stück weiße Schokolade sie aus der Lethargie befreite. Somit wurde aus hohler Materie der Röhre eine Gemüsepflanze. Ein Lebewesen mit ungewöhnlichen Gedanken, sensitiv und un-berechenbar. Genauso wie dieser Roman. Der Leser wird mitgenommen auf eine Ent-deckungsreise durch die Gärten Japans und nimmt teil an den Zerschmelzungen asiatischer Disziplin. Nicht so spannend wie "Der Professor" (1997) und nicht so sinnlich wie "Quecksilber" (2001). Dafür aber eben metaphysisch. Die skurrilsten und ungeahntesten Gründe und Zusammenhänge des menschlichen Seins aus der Sicht eines Kindes - jedoch alles andere als kindisch. Jeder Erwachsene, und solcher der es zu sein glaubt, wird an die Grenzen seiner Vorstellungskraft, ja vielleicht sogar an den Rande des Wahnsinns gelangen. Und stehen am Ende des Romans drei Karpfen die ein Leben verändern, so ist es für den ein oder anderen Leser gewiss der Roman als solcher. Eine literarische und psychologische Herausforderung, welcher man sich mutig stellen sollte.


Das Haus am Bahndamm
Das Haus am Bahndamm
von Dietmar Sous
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen tolles Buch, 5. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Haus am Bahndamm (Gebundene Ausgabe)
Dietmar Sous lebt als freier Schriftsteller in Belgien, geboren wurde er in Stolberg im Rheinland. Und im Rheinland steht auch das Haus am Bahndamm, die Menschen kommen und gehen, was bleibt sind Haus und Bahndamm. Als erstes ist da Leonie, die zusammen mit den anderen Mädchen frierend auf mögliche Freier wartet, doch die sind rar und arm in diesen kalten Kriegstagen. Jupp gibt alles, was er hat: "Isch han bluß en Mark zweiunveezisch, sagte Jupp. Un dat hee. Er öffnete eine fleckige Stofftasche, holte eine Scheibe Blutwurst hervor, zwei schwindsüchtige Kartoffeln mit langen Keimen, ein gekochtes, bereits geschältes Hühnerei, eine halbe Handvoll Ersatzkaffee und etwas nasses Brennholz." Und dann ist da noch Stummel, der in Leonie verliebt ist, nicht nur weil sie ihn nicht wie die anderen Stummel nennt, oder weil er ihren Busen anfassen darf, ohne dass sie zählt wie die anderen, bei denen eine Sekunde einen Pfennig kostet. Friedrich, der Boss, wird abgelöst von Serge. Manfred, der auf dem Weg zum Bahnhof Gila in das Haus folgt, von der er glaubt sie sei seine Angebetete, vergisst dort seinen Koffer. Und am Ende tötet Barbara einen Stammfreier und Serge merkt, dass er zu alt geworden ist. Ein halbes Jahrhundert zieht so an dem Haus am Bahndamm vorüber. Unaufdringlich, ohne falsches Pathos lässt Dietmar Sous sie aus ihrem Leben erzählen. Tragische Figuren vor wechselnden Hintergründen, aus verschiedenen Perspektiven, und doch ändert sich nichts, die Sehnsucht bleibt die gleiche. Alle sind auf der Suche nach ein bisschen Glück in einer glücklosen Welt. Ein kleines eigentümliches, sehr menschliches Buch - es wäre schade, es zu übersehen


Die SPD: Vom Proletariat zur Neuen Mitte
Die SPD: Vom Proletariat zur Neuen Mitte
von Franz Walter
  Gebundene Ausgabe

26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Genossen, 5. April 2002
Die mehr als hundertjährige Geschichte der Sozialdemokratie in Deutschland war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Die wohl fundamentalsten historischen Schlüsselereignisse, aber auch die prägenden Persönlichkeiten der Partei werden von Franz Walter in seiner Chronik "Die SPD - Vom Proletariat zur Neuen Mitte" präzise dar- und vorgestellt. Die vielen Epochen brachten viel Unglück, aber auch eine Menge Stolz über die damalige Arbeiterbewegung und heutige bürgerliche Volkspartei. Jahrzehntelang galten die Genossen als vaterlandslose Gesellen, wurden verfolgt und unterdrückt, zwangsvereinigt und unterschätzt. Nichts desto trotz können die Sozialdemokraten auch auf durchaus erfolgreiche Zeiten zurückschauen, die nicht zuletzt durch die herausragende Stellung der unterschiedlichsten Polit- und Geschichtsgrößen zustande gekommen sind. Trotz vieler verloren gegangener Traditionen, wie zum Beispiel die selbstverständliche Verbindung zwischen Arbeiterschaft und Partei, macht der Autor deutlich, dass sich ein Umstand nicht verändert hat: Die vom Volk anerkannten und akzeptierten SPD-Politiker wie Brandt, Schmidt und Schröder, die an der Spitze des Staates stehen und standen, waren innerhalb der Partei zumeist unbeliebt. Die innerparteilichen Macher und Strippenzieher Wehner und Lafontaine wurden hingegen von den Bürgern aufgrund ihrer Biografie oder ihrer unsympathischen Selbstdarstellung oftmals abgelehnt. Der Schritt zur politischen Mitte ist jedoch kein neuartiges Phänomen, sondern eine Konsequenz der Geschichte. Die SPD orientierte sich nach Phasen der Opposition und Unterdrückung fast immer erfolgreich in Richtung Bürgertum. Die Tatsache, dass sie diesen Weg nach sechzehn Jahren Orientierungslosigkeit wieder beschritten hat, ist insofern nicht verwunderlich, da die für Wahlen entscheidende Mitte 1998 durch die offensichtliche Reformunfähigkeit der Regierung Kohl nicht besetzt war. Franz Walter gelingt es die Hintergründe für die Höhen und Tiefen einer Partei durch einen Blick hinter die Kulissen zu verdeutlichen.


Seite: 1