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Rezensionen verfasst von
Fabian Osbahr (Bad Segeberg)
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Wie Wir Leben Wollen (Limited Digipack)
Wie Wir Leben Wollen (Limited Digipack)
Wird angeboten von ImLaden
Preis: EUR 7,85

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pseudointellektuelles Getue, das schwer auf die Nerven geht, 25. August 2013
Mir erschließt sich (seit Jahren) nicht der mediale Hype, der um die Musik von Tocotronic gemacht wird.
Schreiben die ganzen Kritiker voneinander ab, womöglich aus Angst, nicht en vogue zu sein oder sich den Vorwurf von Tocotronic-Jüngern gefallen lassen zu müssen, diese Musik einfach nicht (mehr) zu verstehen?

Ich weiß es nicht, jedenfalls halte ich die Texte dieser Band einfach nur für unerträgliches Geschwurbel, suffléartig aufgeblasene Sprache, die eigentlich nichts (Bedeutendes) ausdrückt, gleichzeitig aber so tut, als würde sie über den Tellerrand des Lebens blicken und in geistige Tiefen vorrücken. Schrecklich!

Und es ist NIX dahinter! Nur sprachkünstlerisches Getue. Schon das Vorgängeralbum "Kapitulation", das zumindest noch 2-3 Lieder hatte, die textlich/musikalisch okay waren, ging mir mit seiner katzenjammerigen Thematik "Alles ist so schlimm, lasst uns das NICHTS zum großen, geheimnisvollen ETWAS erheben!" auf den Geist. Und nun wird es noch schlimmer! Da hält sich wirklich hartnäckig eine Indie-Szene am Leben, die eigentlich nur sich selbst dafür feiert, sprachlich (halbwegs) kreativ sinnleere Sätze zu entwerfen und anti-mainstreamig zu sein, ohne aber selbst substanziell gesellschaftlich/thematisch ein Lebensfeld zu besetzen.

Diese ganze Musik ist künstlerisch eine Riesenlachnummer im Gegensatz zu wirklich tiefgründigen, feingeistigen und außergewöhnlich guten deutschen Künstlern wie Gisbert zu Knyphausen oder herrlich-schräg-bierlaunigen und trotzdem substanzreichen Bands wie Element of Crime.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2013 2:40 PM MEST


Erbarmen: Der erste Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
Erbarmen: Der erste Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Flott zu lesen, aber arg unrealistisches Handlungsgerüst!, 18. September 2011
Im Vergleich zu den von mir bereits kritisierten, weil völlig überschätzen Krimis von Stieg Larsson kann man diesen Krimi-Thriller vergleichsweise zügig runterlesen. Die Handlung tritt nicht so schlimm auf der Stelle wie bei Larsson, zum Ende hin wird "Erbarmen" sogar außerordentlich spannend und packend. Zudem wirkt der Ermittlungsverlauf aus kriminologisch-ermittlerischer Sicht interessant, die Aufdeckung von Ungereimtheiten des alten Falls ist recht schlüssig und stringent.

Allerdings durchziehen VIELE SEHR GROBE LOGIKFEHLER das Buch, bei denen ein Leser mit gewissem Grundanspruch an Kohärenz und Wahrscheinlichkeit schier verzweifelt:

Wie UNREALISTISCH ist es bitte, 5 Jahre in einer hermetischen, dunklen Kammer ohne menschlichen Kontakt etc. zu überleben bzw. durchzuhalten? Psychologische Studien beweisen, dass es praktisch unmöglich ist!

Was aber noch VIEL SCHLIMMER und unrealistischer ist, ist das an den Haaren herbeigezogene Tätermotiv
(WER DIE LÖSUNG NICHT ERFAHREN WILL, BITTE JETZT NICHT WEITERLESEN!).

Wie kommt man darauf, einem damals 14-jährigen Mädchen, das auf dem Rücksitz eines Autos mit dem Bruder tobt, die SCHULD an einem daraus resultierenden Autounfall zu geben, weil der Vater (DER ist, wenn überhaupt, SCHULD!!!) sich umdreht und dadurch den Unfall verursacht?! Wie absurd ist so eine Handlungsgrundlage?!!

Und selbst wenn man diese krude Idee hinnimmt: Aus welch absurder psychologischer Motivation heraus gelingt es dann auch noch dem Täter, sowohl die eigene Mutter als auch noch den leicht debilen Bruder von seiner krankhaften Tat und der aktiven Beteiligung daran zu überzeugen und zu Komplizen zu machen?!!!

Ich habe selten eine so schwach zusammengeschusterte Grundhandlung bei einem Krimi gelesen.

Jedem, der wirklich gut gemachte und originell-glaubwürdige Krimis mit mehr Tiefgang und Profil lesen möchte, sei die gesamte Barbarotti-Reihe von Hakan Nesser ans Herz gelegt!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 22, 2011 3:34 PM MEST


Unendlicher Spaß
Unendlicher Spaß
von David Foster Wallace
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,99

23 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine heilige Kuh, die geschlachtet werden muss, 22. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Unendlicher Spaß (Taschenbuch)
Ich gebe gleich zu Beginn zu: Ich habe dieses Buch nicht zuende gelesen. Nach rund 250 Seiten des Kämpfens, Hoffens, Durchbeißens war für mich definitv Schluss. Aufgrund meines literaturwissenschaftlichen Studiums sind mir im Laufe meines Lebens schon reichlich komplexe und sprachlich überbordende Werke begegnet. Ein 1100-Seiten-Werk wie etwa Joyce' "Ulysses" schätze und achte ich außerordentlich hoch - keine Alltagskost, intellektuell herausfordernd, aber voller kluger Gedanken und durch eine wundervolle Sprache atmosphärisch dicht und außergewöhnlich.
Die Lorbeeren, die hingegen dieses Foster Wallace-Buch erhält, erschließen sich mir keinswegs. Zäh und kaugummiartig schleppt die Handlung sich voran, man quält sich durch jede Seite, deren oberste Maxime eigentlich nur intellektuelles Angebertum und sprachwissenschaftliche Überheblichkeit zu sein scheinen. Eine qualvoll ermüdende Bezugnahme auf EINE Sportart (Tennis) sowie medizinische Spezialausdrücke bis zum geistigen Ermüdungsbruch machen einem das Buch von Blatt zu Blatt mehr madig. Es entsteht nicht der geringste Handlungsfluss, von wirklicher Handlungsdichte und lyrischer Stimmung ist überhaupt nicht zu sprechen. Wie eine solche Vielzahl von Lobhudeleien gerade auch anspruchsvoller Kritiker möglich ist, erschließt sich mir einfach nicht! Hängt das womöglich mit dem von mir so verachteten "Pseudointellektualismus" der Gegenwart zu tun, wo alles in den Himmel gelobt wird, was vollkommen unverständlich und abgedreht ist, ohne jedoch über einen ernsthaften narrativen Kern und wirklichen Lebensweltbezug zu verfügen? Ich fürchte es fast. Joyce, Goethe, Mann, Roth, Hesse, Yates und Co. hatten solche Schwurbeleien, deren Grundgedanke ist, möglichst viele Fachlexikabegriffe pro Seite unterzubringen und die Kunst des Nicht-Verstehens zu preisen, zu keinem Zeitpunkt ihrer Leben nötig und werden doch so lange gelesen und zu Recht verehrt, wie die Welt existiert.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2011 7:22 PM MEST


Die Korrekturen
Die Korrekturen
von Jonathan Franzen
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich eines der 3 besten Bücher der letzten Dekade, 30. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Korrekturen (Taschenbuch)
"Die Korrekturen" gehört für mich in Hinblick auf die Auseinandersetzung mit dem Konstrukt "Familie" und den dazugehörigen Problemfeldern zu den brillantesten Büchern, die bisher geschrieben worden sind.

Das ewig wiederkehrende Konfliktfeld von Eltern und Kindern, die im scheinbar lebenslang andauernden Prozess der Autonomiegewinnung und -akzeptanz immer wieder aneinandergeraten, wird in diesem Meisterwerk bis in die kleinsten Winkel beleuchtet und seziert. "Die Korrekturen" widmet sich mit Inbrunst in einer sachlichen, ruhigen Sprache diesem Kernstück menschlichen Lebens.

Das in vielen Familien zu beobachtende Problem von Eltern, ihre eigene "Brut" mitsamt deren Weltansichten und erworbenen Fähigkeiten als völlig selbstständige Individuen, die keiner gutgemeinten "Dauerbelehrung" bedürfen, zu akzeptieren, kommt hier literarisch hochverdichtet zur Sprache.

Das Gefühl der Kinder, nie zu 100 %, sondern höchstens zu 80 % von den eigenen Eltern als "er-" und letztlich "entwachsen" ernstgenommen zu werden, weil sie ja vor langen Zeiten von ebendiesen gezeugt und erzogen wurden, wird von Franzen in messerscharfen und genial realitätsnahen Dialogen vertieft.

Darüber hinaus wird nicht nur die Eltern-Kinder-Ebene formidabel betrachtet: Genauso meisterhaft widmet Franzen sich dem Konfliktfeld der älter gewordenen Eheleute, die miteinander mehr aus piefig-gemütlicher Gewohnheit als aus tiefer innerer Zuneigung und gegenseitiger Achtung (= Liebe) zusammenbleiben oder vielmehr "aushalten".

Ein Buch, das wirklich jeder gelesen haben sollte! So klug und analytisch hat schon lange niemand mehr über so relevante Menschheitsthemen geschrieben...


Freiheit
Freiheit
von Jonathan Franzen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Im Vergleich zu den "Korrekturen" blass und mängelbehaftet, 30. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Natürlich hat ein Franzen-Neuling es nach der sehr hoch liegenden Messlatte der brillanten und meisterhaften "Korrekturen" per se schwer. Aber auch losgelöst von diesem Vergleich bleibt mir zu "Freiheit" nur wenig Positives zu sagen.
Ich muss mich den sehr klugen, kritischen Kommentaren meiner Rezensionsvorgänger, die 2 oder 3 Sterne erteilt haben, anschließen: Das Buch hält bei weitem nicht, was der Hype darum verspricht.

Franzen scheint sich diesmal übernommen zu haben.
Weder fesselt die Handlung noch gelingt es ihm, im Ansatz interessante Charaktere richtig aufzubauen. Auch wenn bisweilen am Rande kluge Bemerkungen zu unserer fragil(er) gewordenen (Familien-)Welt auftauchen, bleibt die Haupthandlung äußerst unspektakulär und tritt sehr auf der Stelle.
Wo in den "Korrekturen" beißende, messerscharfe und die Gesellschaft regelrecht sezierende Dialoge standen, kommt er hier eher zu oberflächlichen Gesprächen ohne Substanz.

Besonders nervig wirken die stark ausgedehnten Auslassungen zu Sexualität und entsprechenden Praktiken. Das passt überhaupt nicht zu Franzens sonstigem, wenig effekthaschenden Schreibstil und erinnert rudimentär eher an altersgeile Werkstücke eines Updike oder Walser.

Dazu kommt, dass man sich mitunter zu oft an Versatzstücke aus dem Vorgängerwerk erinnert fühlt, vor allem mit Blick auf das Eltern-Kinder-Verhältnis, das hier aber mitunter nur zum Schema gerät. Die Auslassungen zu den Umweltthemen von "Freiheit" haben darüber hinaus einen etwas aufdringlichen Ökotouch und ermüden mit der Zeit sehr.

Franzen hat zu viele Charaktere aufgefahren, sie alle nur angerissen und sich dabei selbst zuviel bei seinem Vorgängermeisterwerk abgeschaut, und das leider auch nur auf recht banalem Niveau.

Sehr schade, denn ich halte "Die Korrekturen" für eines der 3 besten Bücher des letzten Jahrzehnts weltweit. Dieses Buch aber kann ich wirklich nicht weiterempfehlen, dafür kämpft man sich zu sehr durch die 730 Seiten und ist hinterher auch nicht nennenswert bereichert mit Blick auf gesellschaftskritische Analysen.


Verblendung
Verblendung
von Stieg Larsson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unausgegoren, langatmig, unspektakulär, 22. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Verblendung (Taschenbuch)
Der Hype, der um Stieg Larsson medial betrieben wird, erscheint angesichts der literarischen Qualität von "Verblendung" ausgesprochen fragwürdig. Verglichen mit den besseren Krimis von z.B. Nesser oder Mankell bleibt mir hier nur zu sagen, dass es sich bei "Verblendung" um einen völlig unausgegorenen Roman handelt, den man mühelos auf 300 (statt fast 700!!) Seiten komprimieren könnte. Unzählige, vollkommen belanglose Nebenhandlungen werden eröffnet, der eigentliche Kriminalfall, der den roten Faden darstellen sollte, wird über weite Strecken sehr fahrlässig fast nebenbei abgehandelt. Stattdessen verliert Larsson sich in klischeehaften Banalitätsereignissen (fast jede Frau im Buch geht mit der Hauptfigur ins Bett! James Bond lässt grüßen) und unwichtigen historischen Rückblicken zur Chronik der Familie, in der der Kriminalfall sich ereignet hat.
Die einzelnen Figuren werden psychologisch äußerst rudimentär entwickelt, womit Larsson qualitativ deutlich seinen Landsmännern Mankell und Nesser hinterherhinkt.
Nach etwa der Hälfte der Buches ist es einem als Leser regelrecht egal, WER nun der Mörder des verschwundenen Mädchens ist, weil alle in Frage kommenden Figuren so blass oder stereotyp gezeichnet sind, dass eine emotionale Bindung des Lesers an die Charaktere kaum aufkommt. Zudem nerven die ständigen 08/15-Nebenhandlungen, bei denen die männliche Hauptfigur sich mal im Bett mit XY vergnügt oder uninteressante Probleme in seinem Zeitungsverlag geschildert werden.
Im Ansatz spannende Fährten und Motive (z.B. Zitate aus Bibeltexten) werden fast nie bis zum Ende verfolgt und lassen die berechtigte Frage aufkommen, ob Larsson sein Buch vor der Veröffentlichung nicht lieber noch einige (!!!) Male hätte Korrektur lesen und verbessern sollen. Die Auflösung, die übrigens mindestens 100 Seiten zu früh kommt, ist arg banal und aufgesetzt und man hat sie so oder ähnlich auch schon mindestens 20-mal in anderen Krimis gelesen oder gesehen.
Die letzten 100 Seiten schleppen sich dann auch noch einmal zäh und ledern hin, man merkt dem Schreibstil an, dass Larsson dann auch irgendwann das Buch zu Ende bringen wollte. Alles in allem ein Krimi, der seinen Namen kaum verdient, so selten gelingt es Larsson, über Strecken von mehr als 20 oder 30 Seiten am Stück ernsthafte Spannung aufzubauen. Immer wieder stellt er sich mit unwichtigen Fakten und Banalitäten ein Bein, was Handlungsatmosphäre und -dichte anbelangt.
Überflüssig! Man sollte lieber zu den besten Mankells oder Nessers greifen.


Paradiso: Roman
Paradiso: Roman
von Thomas Klupp
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebkindmachen als Lebensprinzip, 13. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Taschenbuch)
Ein Roman, den man sehr zügig und leicht herunterlesen kann, und der, gleichwohl er in einer dynamisch-alltäglichen Sprache geschrieben ist, über einen subtilen und unaufdringlichen gesellschaftskritischen Grundton verfügt. Die Hauptfigur, ein Subjekt, das es irgendwie nur in der Gegenwartswelt mit seiner in Mode geratenen Tendenz zu flüchtigen Beziehungen, Bekanntschaften, Freundschaften geben kann, ist sehr ambivalent angelegt:
Einerseits ein 08/15-Typ, ohne besondere Hobbies, Lebensziele oder Vorlieben, auf der anderen Seite ein Nutznießer und Taktiker, der mit geringstem Aufwand das Beste erreichen will. Was das "Beste" ist, bleibt allerdings auch ihm selbst meist verborgen. Entsprechend orientierungslos tingelt er durch alle seine Erlebnisse, kann sich nicht recht für Fisch oder Fleisch, Freundin oder Ex-Freundin, Gehen oder Bleiben und vieles mehr entscheiden. Prototypisch für die Gegenwartszeit wird er auch dadurch, dass er, aus wohlbetuchtem Hause und mit den enstprechenden Benimmregeln ausgestattet, seine Mitmenschen oft nur als Mittel zum Zweck für seine Grundbedürfnisbefriedigung benutzt, ohne es diese merken zu lassen. Man könnte es einen "latenten Egoismus" nennen, denn die Hauptfigur sieht zwar immer nur ihren vordergründigen Nutzen, aber dieser ist i.d.R. nie wirklich böswillig oder schädlich, eben weil er so schwammig und ungerichtet ist beim Umherpendeln in der Welt und zwischen den Menschen seiner Umgebung.
Man ertappt sich bisweilen als Leser selbst bei der Frage, ob man diese oder jene Handlung nicht genauso vollzogen hätte, dieses Sich-Liebkindmachen bei Mitmenschen, um ein banales Ziel zu erreichen, und möge es nur darin bestehen, seine Ruhe zu haben. Nachdenklich stimmt einen diese unaufdringlich platzierte Selbstreflektion schon, denn wenngleich man nicht die Extremausprägung der Hauptfigur haben mag, so wirft der Roman doch einen kritischen Blick auf die grassierende Gleichgültigkeit der Gesellschaft und die höchst fragwürdige Tendenz, Unverbindlichkeit zu nahestehenden Personen und Bekannten zur neuen Maxime der Umgangsformen zu erheben und dabei Empathie und Rückgrat zu zertrümmern.


Stille. 5 CDs
Stille. 5 CDs
von Tim Parks
  Audio CD

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellent geschrieben, toll und stimmungsvoll gelesen!, 28. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Stille. 5 CDs (Audio CD)
Mit "Stille" ist Tim Parks ein brillanter Roman gelungen, der in der Entwicklung seiner Hauptfigur wie auch der übrigen Charaktere bestechend gut ist. Das Buch ist atmosphärisch brillant, die Lebenszeit, die die Hauptfigur in der vermeintlich einsamen Berghütte zubringt, ist komplex und teilwese herrlich lakonisch beschrieben. Das Buch entfaltet einen Lese-/Hörsog, die wesentliche Spannung entsteht weniger aus der äußeren Handlung als vielmehr aus dem in der Tiefenebene hervorragend beschriebenen Seelenleben der Hauptfigur, die eine interessante und authentisch geschilderte Entwicklung im Verlauf der erzählten Zeit durchmacht. Die Nebencharaktere sind teilweise äußerst bizarre, aber glaubwürdig geschilderte Bergdorfbewohner, deren Rolle im Roman der Gesamthandlung einen sehr speziellen Charme verleiht. Auf teilweise recht subtile Weise bringt Parks gesellschaftskritische Töne zum Thema "Menschliches Miteinander" sowie zu den Themen Liebe und Generationenkonflikte unter. Axel Milberg brilliert auf kauzig-trockene Weise als Sprecher der Hörbuchs, das auf jeden Fall einen Kauf wert ist und insbesondere an regnerischen Herbstabenden den Hörern gemütliche und unterhaltsame Stunden bereiten dürfte.


Der Gotteswahn
Der Gotteswahn
von Richard Dawkins
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlüssig und hochintellektuell argumentiert, 28. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Gotteswahn (Taschenbuch)
Das Buch ist in der Lage, einen intellektuellen (Nach-)Denkanstoß all denjenigen zu geben, die sich nicht blind und unkritisch hinter eine der Volksreligionen stellen bzw. diesen angehören, ohne wirklich jemals intensiv und kritisch über den Sinn /Unsinn von Religionen und Gottesideen nachgedacht zu haben. Dawkins beleuchtet das Thema "Gott-Ja/Nein/Vielleicht?" äußerst ausführlich und auf der Basis wesentlicher naturwissenschaftlícher und logisch-rationalistischer Erkenntnisse und Argumente. Er besticht in der Nachvollziehbarkeit seiner Begründungen, die sich nicht ausschließlich gegen jegliche Gottesidee oder -vorstellung per se richten, sondern primär alle organisierten Religionsgemeinschaften mit ihren mangelhaften Schlüssigkeiten und fragwürdigen Menschen-/Weltbildern auf den harten, bisweilen zynisch betrachtenden Prüfstand stellen. Mit diesem Buch, das allenfalls für seinen etwas rüden Tonfall zu kritisieren wäre, ist dankenswerterweise ein aufklärerisch-rationaler Stein ins Rollen gebracht worden, der wohltuend ein Gegengewicht gegen all jene naiv-esoterisch anmutenden Literatur pro Religion und Gott darzustellen versucht, die nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern einzig auf halbherzig-argumentierenden Stimmungsbildern fußt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2009 6:07 PM MEST


Der kleine Bruder: Roman
Der kleine Bruder: Roman
von Sven Regener
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der schwächste der 3 Teile - aber starke letzte 100 Seiten!, 12. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Der kleine Bruder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Leider wurde ich vom dritten heißersehnten Teil doch etwas enttäuscht. "Herr Lehmann" und "Neue Vahr Süd" sind tolle, amüsante, lebensnahe und -kluge Bücher mit viel Wortwitz und absurder Situationskomik. Teil drei nun lässt einiges vermissen. Die ersten 15 Seiten sind noch recht heiter, typisch Lehmann-mäßig in ihrer Kauzigkeit. Dann lahmt der Roman aber deutlich, es passiert unglaublich wenig. Zwar sind Regenerromane durchaus typisch für mitunter redundante äußere Handlung und gleichzeitig starke innere Figurenbeschreibungen und -entfaltungen, aber hier passiert sowohl außen- wie innenpersepektivisch äußerst wenig bis fast gar nichts. Die neu eingeführten Figuren (bis auf Karl, der ist authentisch angelegt und wird seinem Typus in Teil 1 gerecht)wirken oft blass und bedeutungslos, ohne rechte Kraft, es gelingt selten ein wirklich knackig-spritziger, eben typischer Lehmann-Dialog, der einem im Gedächtnis haften bleibt. Erst ab etwa Seite 200/210, als der Roman thematisch zum Bereich "Kneipe" changiert, kommt Regener wieder so in Fahrt, wie man es von ihm gewohnt ist. Die vorangegangen beschriebene Hausbesetzerszene liegt ihm entweder narrativ nicht oder bietet sich schlicht nicht für seine Talente als Autor an, was an der faden und egalitären Art der von Regener real erlebten Menschenvorbilder liegen mag. Der Schluss mit vielen erstklassigen Situationen voller sprühendem Wortwitz, denkwürdigen Ereignissen und amüsanter Beoachtungsgaben seitens Regener entschädigt noch einmal kräftig für 180 etwas farblose, ereignislose Seiten, so dass man am Ende das Buch doch noch erheitert und durchaus nicht reuig ob der der dafür aufgewandten Lesezeit zur Seite legt.


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