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Rezensionen verfasst von
Mario Pf. (Oberösterreich)
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Lords of the Sith: Star Wars
Lords of the Sith: Star Wars
von Paul S. Kemp
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Free Ryloth!, 19. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
~ Kurzbeschreibung ~

Die Prämisse von LORDS OF THE SITH ist schnell erklärt: Was wurde aus den Rebellengruppen, die während der Klonkriege auf Seiten der Republik und des Jedi-Ordens gegen die unterdrückerischen Separatisten kämpften? Paul S. Kemp pickt sich aus der Reihe der in der in THE CLONE WARS eingeführten Rebellen" Cham Syndulla heraus und schafft damit auch den Bezug zum TCW-Nachfolger STAR WARS REBELS, in welchem Syndullas Tochter Hera eine der Hauptrollen spielt. Als Ziel für den Start einer galaxisweiten Rebellion und der Befreiung Ryloths hat Syndulla es auf den Imperator und Darth Vader abgesehen. Ein Attentat soll die Welt retten.

~ Inhaltsangabe ~

Cham Syndulla behielt Recht. Kaum waren die Separatisten von Ryloth vertrieben wurden die republikanischen Befreier zum neuen Besatzungsregime und nach dem Ende der Klonkriege wurde die Republik auch offiziell zur Diktatur. Syndulla hat seinen Kampf für ein freies Ryloth jedoch nie aufgegeben und eine der größten Rebellenbewegungen der Galaxis geschaffen. Nun bietet sich für die Free Ryloth-Bewegung eine einmalige Chance als Imperator Palpatine und Darth Vader einen Staatsbesuch auf Ryloth planen...

~ Der Bezug zu The Clone Wars und Rebels ~

Cham Syndulla war ein Clone Wars Charakter, der im mehrteiligen Finale der ersten Staffel seinen großen Auftritt feierte. Man hätte Syndullas Existenz wohl auch ganz vergessen, wäre er nicht durch markante Feststellungen aufgefallen, die bereits vorwegnahmen was in und nach Episode III geschehen würde: "Another armed occupation is not a free Ryloth. How long before I am fighting you, Master Jedi?",

"Not a terrorist, but a freedom fighter" ist in LORDS OF THE SITH Syndullas Mantra und eines der späteren Grundprinzipien der Rebellen-Allianz. Vor den Klonkriegen mag Syndulla vielleicht wirklich ein Radikaler gewesen sein, der zu früh zu den Waffen rief, doch seit Palpatines Aufstieg steht er auf der einzig richtigen Seite - den Rebellen. An Cham erkennt man bereits woher Heras Feuer und ihr Eifer für die Sache der Rebellen stammen. Doch was wurde eigentlich aus Cham Syndulla? Warum ist er vielleicht kein Teil der Rebellen-Allianz? Starb Cham als Märtyrer für die Freiheit Ryloths? Diese Fragen beeinflussen auch einen möglichen Gastauftritt Chams in REBELS, auch wenn die Frage eher lauten sollte, ob man dafür einen Flashback braucht oder ihn in the flesh auftreten lassen kann.

In LORDS OF THE SITH ist Syndulla jedenfalls bedeutend mächtiger, als Hera in REBELS den Anschein erweckt. Was geschah hier vielleicht? Warum spielt die Free Ryloth Bewegung keine tragende Rolle in Bail Organas Rebellennetzwerk? LORDS OF THE SITH gibt die Antwort darauf.

~ Zum Inhalt ~

Wer THE CLONE WARS nicht kennt und REBELS ignoriert erhält mit LORDS OF THE SITH einen Roman geboten, der Vader und den Imperator ausnahmsweise in die Opferrolle schlüpfen lässt und alle Trümpfe erst einmal den Helden zuspielt. Für die Serienkenner ist der Roman allerdings vielmehr, weil er eine wichtige Hintergrundgeschichte aufdeckt, Cham Syndulla vielleicht sogar zum Kultcharakter aufsteigen lässt und eine wichtige Verbindung zwischen drei Ären des Star Wars-Universums schafft.

Mit Paul S. Kemp hat man einen Autor für diesen Roman gewonnen, der schon in seinen drei Werken aus dem Reich der Star Wars LEGENDS mit Sith zu tun hatte und diese unterschiedlich interessant dargestellt hat. LORDS OF THE SITH erinnert allerdings eher an Kemps DECEIVED als CROSSCURRENT und RIPTIDE, denn das Werk dreht sich erneut um einen Attentatsversuch und Bösewichte wie Helden müssen mit ungewohnten Rollen umgehen. In DECEIVED wurde der große Sieger Malgus seines Triumphs beraubt und die Jedi-Ritterin Aryn Leneer plante den Tod ihres Meisters durch die Ermordung Malgus zu rächen. In LORDS OF THE SITH werden nun Darth Vader und Palpatine zu den Gejagten der Widerstandsbewegung und selbst ihre übermenschlichen Fähigkeiten reichen nicht aus manche Katastrophen abzuwenden. Die Helden sind wiederum durchaus noch heldenhaft, wenn sie auch in Graubereichen agieren.

~ Die dunkle Seite des neuen Kanons ~

Attentatspläne sind in Star Wars eigentlich nichts ganz neues, doch in anderen Bereichen betritt LORDS OF THE SITH Neuland. Nach den Horrorromanen Joe Schreibers, die allerdings nur noch Legends sind, ist Paul S. Kemps Roman wohl einer der härtesten Star Wars-Romane die je geschrieben wurden und das überrascht. Angesichts der Verbindungen zu REBELS und TCW hätte man ja davon ausgehen können, dass LotS den genreüblichen Grenzen folgen würde und in Hinsicht auf Gewaltdarstellungen tut er das auch. LotS ist in seinen Darstellungen physischer Gewalt genauso harmlos wie die meisten anderen Star Wars-Romane, doch in Hinsicht auf die Gewaltformen hat man sich vom Mainstream fortbewegt. Man hat es angesichts der leicht bekleideten Twi'lek-Tänzerinnen immer schon vermutet, doch Kemp hält es schriftlich fest - die Versklavung der Twi'leks hat auch eine sexuelle Komponente. Mätressen, Escorts, Drogenmissbrauch und Rachemorde - LotS führt durch die Ex-Sklavin Isval auch auf die dunkle Seite des Star Wars-Universums.

~ Vader und Palpatine ~

Das Buch nennt sich ja LORDS OF THE SITH, also muss die Beziehung Darth Vaders und Imperator Palpatines eine Rolle spielen und das tut sie auch. Kemps Darstellung genießt einen vorläufigen Sonderstatus, weil es der erste offizielle" Vader-Imperator-Team-up ist und daher künftig als Referenzwerk herhalten muss, während der gesamte alte Kanon als Legends marginalisiert wird. Gerade was den frühen Darth Vader betrifft hatte James Luceno als Fortsetzung zu Episode III vor fast 10 Jahren DARK LORD geschrieben und in meinen Augen ist dieses Buch immer noch relevant, was die Charakterisierung des jungen Vaders betrifft. LotS ist nur einige Jahre nach Episode III angesiedelt und widerspricht Lucenos Fassung nicht wirklich, auch wenn das Werk des neuen Kanons meiner Meinung nach nicht an Lucenos Meisterwerk heranreicht, was die Darstellung Vaders betrifft.

Paul S. Kemps Darth Vader erinnert noch mehr an einen zur dunklen Seite bekehrten Anakin Skywalker, als die furchterregende Gestalt aus Episode V. Emotional wirkt Kemps Vader noch weicher als in anderen, meist auch später angesiedelten Darstellungen. Grundsätzlich würde ein noch etwas zu sehr an der Vergangenheit Vader ja ins Bild passen, denn man ist den Prequels noch näher als der OT. Durch LotS erfahren wir aber auch wozu Vaders Anzug im Stande ist und dass dieser die physischen Fähigkeiten seines Trägers verstärkt. Vader ist ein Cyborg und Kemp lässt ihn die Vorzüge eines Cyborg-Daseins ausspielen. Generell mangelt es LotS nicht an Zurschaustellungen von Vaders unheimlichen Kampffähigkeiten. In den Filmen konnte man diese nur begrenzt zeigen, doch in LotS erfährt man warum Darth Vader wirklich eine Naturgewalt ist, wenn es darauf ankommt.

Bereits in der ersten Leseprobe zu LotS demonstrierte Vader seine Fähigkeiten, als er im Alleingang ein Schiff der Widerstandskämpfer enterte und sich der gesamten Crew entledigte. Doch auf Ryltoh kommt es zu einer wahrhaft epischen Szene, die mich an eine Passage aus Matthew Stovers SHATTERPOINT erinnert hat. Genau wie Mace Windu muss sich Vader nämlich gegen schwerbewaffnete Luftunterstützung der Rebellen zur Wehr setzen. Ein Mann gegen einen Kampfhubschrauber, auch Darth Vader brauchte irgendwann einen solchen Rambo-Moment.

Im Dschungel Ryloths erhalten Vader und Palpatine schließlich auch Gelegenheit als Team zu kämpfen und man fühlt sich an jene Situationen erinnert, in denen Anakin und Obi-Wan in den Klonkriegen Seite an Seite kämpften. Was mich an der Vader-Palpatine-Beziehung stört ist Kemps Betonung, dass Vader sich ständig so vorkommt als würde Palpatine seine Gedanken lesen. Die Vader-Palpatine-Beziehung hätte ein anderer Autor vielleicht besser hinbekommen. Für einen Vader-Imperator-Roman fehlt dem Werk allerdings ein Ziel. Es ist fast so als wären Vader und Palpatine nur rein zufällig auf Ryloth oder es wäre nur wieder einer von hunderten Tests, denen sich Vader als Schüler durch seinen Meister immer wieder ausgesetzt sieht. Zumindest im letzten Drittel des Buchs entspricht der Inhalt auch dem was man auf dem Cover sieht, Vader und Palpatine metzeln sich durch die einheimische Flora und Fauna.

~ Moff Delian Mors ~

Delian Mors wirkt zunächst nur wie ein lästiges Anhängsel der Story, doch dieses Schicksal teilt sie mit anderen Charakteren. LotS könnte jedoch ihre große Einführung in das Star Wars-Universum sein, denn gerüchteweise plant man noch andere Projekte mit ihr als Antagonistin. Mors ist auch der erste offiziell bestätigte homosexuelle Charakter in der GFFA und wer vom Rummel" um diesen Fakt nichts mitbekommen hat könnte den entsprechenden Nebensatz auch überlesen. Wichtiger als Mors sexuelle Orientierung ist allerdings die Metamorphose die sie in LotS durchmacht.

Zu Beginn ist die imperiale Gouverneurin scheinbar faul und verwöhnt. Belkor Dray vermutet sogar, dass sie von Spice abhängig ist und sie trinkt eindeutig zuviel Wein. Auch körperlich ist die ehemalige Offizierin längst nicht mehr fit und sie lebt abgeschottet in einer prunkvollen Residenz auf einem der Monde Ryloths. Warum? Mors ist nicht von Haus aus dekadent veranlagt und um zur Moff ernannt worden zu sein muss sich Mors als Offizierin in den Klonkriegen verdient gemacht haben. Hat man TARKIN gelesen weiß man natürlich, dass es auch in LotS nur eine handverlese Gruppe von etwa 20 Moffs im Imperium gibt. Doch Mors hat sich seit den Unfalltod ihrer Ehefrau immer weiter zurückgezogen. Die Intrigen Belkor Drays und der Aufstand Cham Syndullas zwingen Mors jedoch sich wieder aufzurappeln und es wäre sicher spannend zu sehen was aus ihr in anderen Werken der neuen Einheitskontinuität werden könnte.

~ Resümee ~

LORDS OF THE SITH ist höchst spannend, soviel lässt sich auf jeden Fall feststellen. Mit Ausnahme Vaders und des Imperators könnte jeder Charakters das Zeitliche segnen und ein Twi'lek-Widerstandskämpfer zu sein ist fast so tödlich wie zu den Redshirts zu gehören. Schlechte Aussichten für Cham Syndulla und dessen rechte Hand Isval? Ausgerechnet Syndullas Vollstreckerin und ihrer Hintergrundgeschichte wird im Buch am meisten Zeit gewidmet und dabei ist ihr Überleben deutlich unsicherer, als im Fall von Charakteren wie Delian Mors. Ansonsten bleiben die meisten Charaktere eher platt und das Buch überschlägt sich in Actionsequenzen.

Was bleibt einem unterm Strich in Erinnerung? In Vaders Welt hat Palpatine wohl die Rolle seines früheren Meisters Obi-Wan übernommen und man kann sich dank LORDS nun sehr gut Kunstwerke vorstellen, in denen die beiden Sith-Lords Rücken an Rücken stehen. Die Zurschaustellung von Vaders Fähigkeiten ist spektakulär und übertrumpft in den Romanen bisher dagewesenes, man ist nicht mehr allzu weit von bestimmten Momenten aus THE FORCE UNLEASHED entfernt. Ist der Anschlagsversuch der Free Ryloth Bewegung nur eine Kulisse? Eigentlich ist es umgekehrt und der Roman dreht sich mehr um Cham Syndullas Plan, als Vaders und Palpatines Kampffertigkeiten, doch LORDS OF THE SITH verkauft sich eben besser als FREEDOM FIGHTER.

Wie TARKIN blieb auch LORDS OF THE SITH hinter meinen Erwartungen zurück, doch das kann an meinen überzogenen Erwartungen gelegen haben. LORDS ist zumindest ein spannender Star Wars-Roman, der viele Querverbindungen schafft und das Schicksal eines wichtigen Charakters aus TCW erklärt.


Heir to the Jedi: Star Wars
Heir to the Jedi: Star Wars
von Kevin Hearne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wie Luke Skywalker lernte eine Nudel zu bewegen, 11. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit Ben Kenobis Tod schienen sich Lukes Chancen zerschlagen zu haben eines Tages ein Jedi-Ritter zu werden. Zwischen seinen Missionen für die Rebellen-Allianz findet der Held von Yavin 4 aber auch wenig Gelegenheiten nach Anleitungen für seine Jedi-Ausbildung zu suchen. Eine Reise nach Rodia bietet ihm allerdings eine Gelegenheit etwas mehr über sein Erbe als Jedi-Ritter zu erfahren...

~ Aus dem alten in den neuen Kanon ~

Kevin Hearnes Luke Skywalker-Roman war eigentlich als dritter Band der Romanreihe EMPIRE AND REBELLION geplant. Damit wäre Hearnes Roman noch ein Teil des alten Expanded Universe gewesen und somit auch seit 2014 nur noch ein Stück der Star Wars Legends. Der Roman steckte wohl bereits in der Pipeline, als es zum Reboot des Kanons kam, so dass er nicht ein Verbindungsglied zwischen dem alten und neuen Kanon darstellen könnte. Genauso wie RAZOR’S EDGE und HONOR AMONG THIEVES ist ein bestenfalls mittelmäßiger Star Wars-Roman, der allerdings einen der Großen Drei in den Mittelpunkt stellte und sich auf die Jahre nach Episode IV und vor Episode V konzentriert. Angesichts des Erfolges der Comicserie um Prinzessin Leia ist es schon irgendwie schade, dass RAZOR’S EDGE vom neuen Kanon unter den Teppich gekehrt wird.

~ Das Ziel des Romans ~

Kevin Hearne ging mit einer klaren selbst gestellten Aufgabe an HEIR TO THE JEDI heran und diese war zu erklären wie Luke lernte Telekinese einzusetzen, um in Episode V sein Lichtschwert in seine Hand schweben zu lassen. Ben Kenobi konnte ihm diese Fähigkeit nicht mehr beibringen und Yoda lehrte ihn nur eine bereits entwickelte Fähigkeit zu verfeinern. Jeder fängt natürlich klein an, weshalb Luke in HEIR TO THE JEDI noch nicht einmal Lichtschwerter durch die Lüfte befördert.

Warum brauchte Luke aber überhaupt Telekinese? Wir erfahren es bei seinem Aufenthalt auf Rodia und Lukes Abschiedsgeschenk von Rodia könnte auch erklären, wo und wann Luke begann sich für den Bau eines eigenen Lichtschwerts zu interessieren.

~ Die obligatorischen Episode VII-Bezüge ~

Im Vorfeld von Episode VII kommt man nicht umhin hinter jeder Andeutung und jedem Ereignis einen Episode VII-Bezug zu erwarten. Als Nakari Kelen zum ersten Mal als Lukes love interest Erwähnung fand entstanden so erste Theorien dazu, sie wäre die Mutter von Lukes Sohn oder Tochter. 2016 wird man über diese teilweise haltlosen Theorien lachen können, aber bis dahin ist es heute noch ein weiter weg.

HEIR TO THE JEDI ist kein Teil der ROAD TO THE FORCE AWAKENS-Romane und daher auch kein Tie-in zum Film. Dessen ungeachtet kann der Roman einige Hinweise auf Hintergründe des Star Wars-Universums und damit auch jener Spielregeln liefern, an die sich auch THE FORCE AWAKENS halten wird. Kann man ohne eine Jedi-Ausbildung Jedi-Fähigkeiten entwickeln und vielleicht sogar ein Lichtschwert bauen? Kevin Hearnes Roman gelesen zu haben lässt mich diese Frage mit einem vorsichtigen Ja beantworten. Selfmade-Jedi wie Kyle Katarn oder andere Gestalten des alten Kanons könnten nach HEIR TO THE JEDI zu urteilen auch im neuen Kanon wieder auftauchen.

Auch Nakari Kelens Heimatplanet Pasher schürte einige Spekulationen, das könnte der ominöse Wüstenplanet aus TFA sein. Mittlerweile weiß man, der Wüstenplanet aus Episode VII heißt Jakku. Trotzdem hat man aus HEIR eine wichtige Erkenntnis gewonnen, es gibt auch nach dem Reboot noch mehrere Wüstenplaneten in der GFFA und wir kennen bereits drei davon.

~ Über die Handlung ~

HEIR beginnt ähnlich wie manche der alten und neuen Star Wars-Comics ziemlich einfallslos. Luke wird zu einer Besprechung gerufen, erhält seinen Auftrag, erhält ein Raumschiff und macht sogar noch die Bekanntschaft seines späteren love interest, ehe er nach Rodia aufbricht Waffenhändler von einer Zusammenarbeit mit den Rebellen zu überzeugen.

Auf Rodia wird die Situation schließlich brisant, denn wir kennen den Planeten mittlerweile aus altkanonischen und neukanonischen Quellen (The Clone Wars), so dass es interessant zu erfahren ist, wie diese beiden Welten miteinander verbunden werden. Clans, Clanfehden, Dschungel und offiziell ist man dem Imperium treu ergeben, das passt auch zum alten Rodia-Bild. The Clone Wars hat das alte Rodia damit wohl nicht umgebracht, es existiert dank HEIR weiter. Aber TCW hat auch rodianische Jedi und vor allem einen entführten rodianischen Jüngling ins Spiel gebracht, worauf HEIR mit einer Nebenbemerkung eingeht. Der oder die Entführte gehörte einem anderen Clan an, dem Luke in HEIR nicht über den Weg läuft. Könnte der Imperator nach Episode III zurückgekehrt sein und die Jünglinge eingezogen haben, um sie zu Inquisitoren auszubilden? Es ließe sich nicht ausschließen.

Der Part auf Rodia ist nun nicht gerade spannend und es überrascht auch etwas, das man einen einzelnen und nicht gerade sehr erfahrenen Rebellen entsandt hat diplomatische Beziehungen zu knüpfen. Musste man wirklich Luke entsenden? In-universe klingt es vielleicht unlogisch, doch mit Lukes Solo-Abenteuer ist die Sache deutlich spannender, als wenn man ihm einen vergessenswürdigen Rebellenführer zur Seite gestellt hätte.

Rodia ist jedoch nur ein Teil der Story und nach Lukes Rückkehr zur Flotte geht der Plot ganz andere Wege, so dass HEIR fast so wirkt als hätte man hier einige Kurzgeschichten zusammengemischt. Mit Nakari Kelen erlebt Luke ein Alien-artiges Abenteuer, eine Agenten-Exfiltration, eine Flucht vom Imperium und einen Showdown in einem trügerischen Paradies.

~ Der Erbe der Jedi-Ritter ~

Was ist er Anspruch, den man an einen Luke Skywalker-Roman stellt, der dessen Jedi-Erbe beleuchtet? Man möchte wissen wie Luke zum Jedi wurde und wie weit er die Macht verstand, ehe er von Yoda unterwiesen wurde. In dieser Hinsicht wartet HEIR mit einigen Enthüllungen auf, denn so genau wurde dieses Thema nie angeschnitten und ich bin froh, dass der Roman Teil der neuen Einheitskontinuität ist, denn was Kevin Hearne über Luke in der Ego-Perspektive schreibt gilt für die nächsten 20-30 Jahre.

Luke kann die Macht nach Episode IV bereits fühlen und in Kampf- oder Stresssituationen sogar für sich nutzen. Er ist in der Lage sich von ihr führen zu lassen, kann sie aber noch nicht bewusst einsetzen. Das Talent ist da, der Wille ist da, doch Luke fehlt eine Anleitung. Von Ben weiß Luke zumindest ein paar Dinge, die Jedi können und anderes dürfte er sich aus den Legenden über die Jedi-Ritter zusammengereimt haben, doch wie er diese Fähigkeiten entwickeln kann ist ihm noch völlig unklar. Luke beginnt sein selbstgemachtes Jedi-Training daher mit kleinen Schritten.

HEIR TO THE JEDI wirft interessante Fragen auf, nämlich wie weit Luke auch ohne Yoda zum Jedi-Ritter geworden wäre und was es bedeutet hätte, wenn auch Anakin keine Jedi-Ausbildung zuteilgeworden wäre. Die Andeutungen und ersten konkreten Aussagen zu Lukes Werdegang als Jedi sind der Grund, warum man diesen Roman als Fan kennen sollte, doch allzu empfehlenswert machen sie das Buch trotzdem nicht.

~ Resümee ~

HEIR TO THE JEDI ist ein Referenzwerk was Lukes Jeditum nach Episode IV betrifft, aber als Geschichte ist das Buch nur more of the same und ziemlich genau auf dem Level des alten Expanded Universe.


Tarkin: Star Wars
Tarkin: Star Wars
von James Luceno
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Werdegang eines Tyrannen, 19. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tarkin: Star Wars (Gebundene Ausgabe)
Grand Moff Tarkin war der Count Dooku der klassischen Trilogie. Er wurde als großer Bösewicht eingeführt und er starb ehe man mehr über ihn erfahren konnte. Seither haben sich mehr Romane, Comics und Kurzgeschichten mit Tarkins Handlangern beschäftigt, als mit dem Statthalter des Imperators selbst. Jene Ehre die Count Dooku immer noch vorenthalten wird, wurde in TARKIN nun dem Grand Moff zuteil, er erhält eine detaillierte Hintergrundgeschichte, die erzählt, wie aus dem ambitionierten Kriegshelden und Vertrauten des Imperators der Grand Moff werden konnte.

Mit James Luceno hat man gleich einen der profiliertesten Star Wars-Autoren aus gewonnen, um den zweiten Roman der neuen Einheitskontinuität zu etwas ganz besonderem zu machen. Luceno schrieb schon Tie-ins zu Episode I und III, die allesamt hoch gelobt wurden, da liegen die Erwartungen natürlich höher als bei anderen Autoren. Doch Luceno wird auch gerne kritisiert, weil er in der Vergangenheit zu viele Seiten darauf verwendete uns die GFFA samt ihrer politischen Intrigen zu erklären. Wohl um das Buch massentauglicher zu gestalten muss der Luceno-Fan deshalb in TARKIN einige Abstriche in Kauf nehmen. So ließ der Roman zumindest diesen Fan mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Es ist jedenfalls keine Empfehlung im Sinne von: Die definitive Erklärung wie aus der Republik das Imperium wurde!

- Inhalt -

Fünf Jahre sind seit dem Ende der Klonkriege vergangen, doch vom versprochenen Frieden und Wohlstand ist in den Outer Rim Territories wenig zu spüren. Die ehemaligen Bastionen der Separatisten liegen in Trümmern, leiden unter der imperialen Besatzung und grassierender Korruption. So verwundert es wohl niemanden, wenn sich mancherorts auch Widerstand gegen das imperiale Regime regt. Eine brandgefährliche Situation, sollten sich die lokalen Widerstandsgruppen eventuell zu einer interplanetaren Bewegung zusammenschließen, denn im zum Sperrgebiet erklärten Orbit von Geonosis arbeitet das Imperium an seiner mächtigsten Waffe und der nach Sentinel Base verbannte Tarkin ist ihr Wächter. Bisher konnten die Imperialen noch verhindern, dass Unbefugte auch nur einen Blick auf die im Bau befindliche Kampfstation über Geonosis werfen konnten...

- Prämissen -

Tarkin, Todesstern, Separatisten die Rebellen werden, go! - TARKINs Schlagwörter klingen wie ein Roman aus dem sich mehr machen ließe. Das Buch bleibt in Hinsicht auf die Tragweite der Ereignisse leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Schuld liegt vielleicht bei der Serie REBELS, sollte der Beginn des Zusammenschlusses lokaler Rebellenbewegungen erst auf 1-5 Jahre vor Yavin datiert werden. Auch wenn wir 2014 noch nicht wissen, wie genau sich die Geburt der Rebellion in einigen Jahren darstellen wird, muss TARKIN schon heute in dieses Muster passen und daher erfahren wir nur oberflächliche Informationen über die Unzufriedenheit im Outer Rim.

TARKIN könnte ein Buch über viele Dinge sein, doch man sollte auf die Zeitangabe achten - 5 Jahre nach Episode III - denn damit ist klar, der Roman ist kein Werk darüber, wie eine Rebellengruppe zufällig über die Pläne des Todessterns stolperte. Mit der Erwähnung der Sicherheitsmaßnahmen und bisheriger Erfolge der Spionageabwehr lässt Lucenos TARKIN die Tür für einen der Ablegerfilme oder einen weiteren Roman sperrangelweit offen. Dem interessierten Leser wird jedoch schnell klar, die neukanonische Variante der Ereignisse dürfte sich klar von dem undurchschaubaren Geschichten-Knäuel aus dem alten Expanded Universe unterscheiden. So wird der Todesstern im neuen Kanon nun über Geonosis gebaut, auch wenn Wookie-Sklaven weiterhin am Bau beteiligt sein könnten.

- Ein Buch für Tarkin-Versteher? -

Im Grunde hat TARKIN vorwiegend eine Aufgabe und die ist Wilhuff Tarkin endlich eine Hintergrundgeschichte zu verschaffen. Diese Aufgabe erfüllt der Roman vollends, auch wenn man als Leser glaubt an manchen Stellen eine gewisse Lustlosigkeit des Autors beim Abarbeiten dieses Lebenslaufs zu erkennen. Wer war Wilhuff Tarkin? Aus den Filmen erfahren wir sogar noch mehr über Count Dooku als über den ersten Grand Moff des Imperiums.

Schon im mittlerweile den Star Wars Legends zuzurechnenden CLOAK OF DECEPTION fand Tarkin im Vorfeld von Episode I als stellvertretender Gouverneur von Eriadu Erwähnung. Legenden haben schon ein Körnchen Wahrheit in sich, so auch Lucenos CLOAK OF DECEPTION. Tarkin war in seiner Karriere so einiges: Commander in Eriadus Miliz, Offizier der Judicial Forces, Gouverneur von Eriadu, Captain und später Admiral in der GAR und schließlich einer von nur 20 Moffs, die der Imperator nach Kriegsende höchstpersönlich in diesen Rang befördert hat. Abgesehen vom Zwischenspiel als Gouverneur seiner Heimatwelt war Tarkin also doch immer vor allem ein Offizier, womit Tarkin gegenüber anderen Admirälen und Generälen des frühen Imperiums gleichziehen kann.

Als erster Star Wars Roman überhaupt widmet TARKIN sich auch den Judicial Forces der Alten Republik (der Kaderschmiede für die spätere republikanische Flotte, der sich auch der spätere Großmoff anschloss). So erlaubt uns TARKIN auch Rückschlüsse auf die Herkunft und Einstellung der ersten Generation imperialer Offiziere und es sollte niemanden verwundern, wenn sich dieser Offizierskader auch vorwiegend aus den Sprösslingen gutbürgerlicher Familien der Kernwelten rekrutierte. Die Akademie aus Episode IV war in der Alten Republik noch etwas, das einem Luke Skywalker wohl kaum zugänglich gewesen wäre. Erst das Imperium weitete das Akademien-System aus und gewann dadurch einen steten Nachschub an Rekruten, die vom Imperium außerdem vor einer Existenz am Rande der Gesellschaft bewahrt wurden.

Tarkin selbst ist aufgrund seiner Herkunft von Eriadu auch ein Aushängeschild der Rekrutierungsbemühungen des Imperiums, selbst wenn er in Wahrheit genauso wie Yularen, Motti, Tagge & Co. aus einer Familie an der Spitze der Gesellschaft stammte. Doch Eriadu liegt im Outer Rim und ohne den eisernen Willen und die Skrupellosigkeit der Tarkins hätte Eriadu nie den Ruf einer Kernwelt im Outer Rim gelangt. In einer Galaxis ohne stehendes Heer waren die Tarkins doch so etwas wie eine Offiziersfamilie. Und begabten Sprösslingen des Hauses Tarkin wurde auch eine besondere Ausbildung in der Wildnis zuteil. Es fehlen nur noch Blockhütten und Pilgerväter, dann könnte man Parallelen zu den USA ziehen.

Man fragt sich im Fall Tarkins gerne, ob dieser Junge, der auf einem Hochplateau lernte einheimische Bestien zu töten, vielleicht einfach durch seine Erfahrungen geschädigt war. Was muss dem jungen Wilhuff zugestoßen sein, dass er Jahrzehnte später die Zerstörung Alderaans befahl? Hätte sich diese Prägung vermeiden lassen? James Luceno bleibt uns die klare Antwort schuldig. Es gibt keinen defintiven prägenden Moment für Tarkin und es gibt auch keine Seldon-Krisen die Tarkins Wandlung beschreiben. Für manche Leser kann das Fehlen klarer Antworten frustrierend sein, denn am Ende lässt sich nicht feststellen, ob Tarkin tatsächlich ein Soziopath oder einfach nur verroht ist. Wie auch immer, Tarkin ist ein Produkt seiner Umwelt. Andere mögen sich dieser widersetzt und rebelliert haben, Tarkin hat sich dem Druck gebeugt und zu einer lebenden Waffe formen lassen, die der Imperator in Episode IV auch einsetzt.

- Anti-Held -

Ein möglicher Kritikpunkt an TARKIN ist auch das Fehlen eines starken Gegenpols zu Tarkin. Tarkin ist der Protagonist des Romans, der sich einer zunächst undurchschaubaren und später auch kaum persönlichen Herausforderung stellen muss. Das ganze läuft ganz auf eine Geschichte hinaus, die mehr für einen Serien-Mehrteiler oder Comic gepasst hätte: Imperial Team-Up - Darth Vader und Moff Tarkin gegen eine Gruppe Dissidenten. Dazu passt auch die Absicht des Imperators, die beiden durch ihren gemeinsamen Einsatz etwas mehr Teamgeist entwickeln zu lassen. Das Verhältnis zwischen Vader und Tarkin ist angespannt, seit Tarkin die Anklage gegen Ahsoka Tano führte und damit zu Ahsokas Austritt aus dem Jedi Orden beitrug. Der Imperator kann jedoch auf beide nicht verzichten und erhofft sich eine Aussöhnung oder zumindest die Stärkung des gegenseitigen Respekts.

Dem Team-up fehlen zumindest aus meiner Sicht jedoch Momente, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen würden. Jahrelang wurde uns Vader zwar an der Seite des einen oder anderen Tarkin-Abklatsches präsentiert, doch zwischen Vader und dem Original sprühen anfangs auch keine Funken. TARKIN vollbringt es zwar den TCW-Tarkin mit dem späteren Großmoff in Einklang zu bringen, doch es wirkt ganz so, als wäre dies erst der Anfang einer möglichen Dreiecksbeziehung zwischen Vader, dem Imperator und Tarkin. Vielleicht ist dieser Eindruck aber auch gewollt und soll die Vorstellungskraft der Leser anregen, denn weiteres Tarkin-Material könnte es wegen der anstehenden Episode VII-Veröffentlichung und des damit wohl einhergehenden Fokuswechsels von der Rebels-Ära zu den Jahrzehnten zwischen den Episoden VI und VII vorerst nicht geben. Als Fan ist man daher auch darauf angewiesen möglichst viel für sich aus diesem Roman herauszuholen und daher stellenweise auch etwas milder auf diesen Roman zu blicken, weil es eben keine Alternative gibt.

Tarkin als Held seines eigenen Romans, dieses Konzept scheint sich nur schwierig umzusetzen zu lassen. Beim Bau des Todessterns war Tarkin unbestritten ein gnadenloser Sklaventreiber, der später einen ganzen Planeten ausradieren ließ und als Statthalter im Outer Rim alles andere als gnädig gestimmt war. Tarkin herrschte mit eiserner Faust und stalinistischem Eifer, wie soll man einen solchen Charakter sympatisch finden, da er nicht wirklich als charismatisch präsentiert wird? Tarkin ist ein unzugänglicher Bürokrat, dessen persönliche Ideologie es ist Furcht vor der Macht des Imperiums zu verbreiten. Keine Spur von Reue oder Pragmatismus, was bei einem sonst sehr auf Facettenreichtum zielenden Autor wie James Luceno etwas enttäuscht. Vielleicht waren die Auflagen Tarkin als möglichst eisern darzustellen auch zu erdrückend für Lucenos Stil.

Zumindest wird Tarkins Talent als Stratege an einigen Stellen thematisiert, wobei er vor allem zu Beginn des Romans Hoffnungen weckt im künftigen Kanon vielleicht an die Stelle eines Großadmiral Thrawn vorzurücken. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass der mächtige Tarkin während seiner militärischen Karriere nur sehr kurz im aktiven Kampfeinsatz stand und nach seiner Befreiung aus der Kriegsgefangenschaft rasch hinter den Kulissen verschwand, um in administrativen Funktionen zu brillieren. Der große Kriegsheld war also vorwiegend ein Schreibtischhengst und könnte mit seiner übertriebenen Härte fehlende Erfolge auf den Schlachtfeldern der Klonkriege kompensieren.

In TARKIN steht der Moff Gegnern gegenüber, die auch nicht alle Register ziehen oder versuchen Tarkin durch kluges Taktieren auszumanövrieren. Tarkins Gegenspieler sind blasse und vergessenswürdige Charaktere, von denen wir wahrscheinlich nie wieder hören werden. Sie wollen öffentlichkeitswirksame Anschläge auf das Imperium verüben, doch ihr Auftritt erfolgt wie aus dem nichts. Wenn Tarkins Darstellung schon nichts wirklich neues oder aufregendes zu bieten hat, dann hätte man ja seine Antagonisten zu diesem Zweck nutzen können. TARKIN wäre genau in der richtigen Ära angesiedelt, um einen anderen Faden aus The Clone Wars aufzugreifen, nämlich die Frage ob die idealistischen Loyalisten in den Klonkriegen nicht auf der falschen Seite standen. Zwischen Padme Amidala, Bail Organa und manchen separatistischen Senatoren bestanden vor dem Krieg noch enge Bündnisse, man wollte die Republik noch vor der erdrückenden Korruption retten und doch spielten beide Seiten am Ende nur den Sith in die Hände. Zumindest für mich enttäuschend bezieht TARKIN keine Stellung in Hinsicht auf die Verhältnisse nach den Klonkriegen, wir erfahren nichts über Euphorie über das Ordnung schaffende Imperium, die Depression der Kriegsverlierer und das blanke Entsetzen der Republiktreuen. Andere Romane und sogar Comics haben dieses Stimmungsbild weit besser eingefangen, sind aber seit 2014 allesamt den Star Wars Legends zugeordnet.

- Lesenswert? -

Wer sich von TARKIN eine Art Biografie wie DARTH PLAGUEIS erwartet hätte wird wenig begeistert feststellen, dass das einzig Biografische an dieser Geschichte die diversen Rückblenden sind. Im Kern enthält der Roman zwar so einiges, was ihn zu einer für Star Wars-Fans lesenswerten Lektüre macht, doch er besticht weder durch faszinierende Charaktere, einen fesselnden Plot oder die Beschreibung eines Das-muss-man-gelesen-haben-Ereignisses in der neuen Einheitskontinuität. Seinen Platz im Pantheon der Star Wars-Romane erhält TARKIN nur weil der Roman den Werdegang des Großmoffs beleuchtet und damit wichtige Grundlagenarbeit geleistet hat.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2015 9:01 AM CET


Star Wars: Darth Maul: Son of Dathomir
Star Wars: Darth Maul: Son of Dathomir
von Jeremy Barlow
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,21

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Darth Mauls Ende?, 11. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Maul wurde besiegt doch nicht bezwungen. Nach seiner Niederlage gegen Darth Sidious hat ihn sein einstiger Meister in einen Kerker Count Dookus geworfen und nun droht ihm wohl die unvermeidbare Hinrichtung als Bedrohung für die Regel der Zwei. Doch es wäre nicht das erste Mal, wenn Maul seinem Tod entgehen würde...

- Maul lebt! -

Hiermit ziehe ich meine vergangene Kritik an The Clone Wars förmlich zurück. Die Serie war doch auf ihre Weise das beste was Star Wars nach Episode III passieren konnte und sie hat etwas erstaunliches vollbracht, sie wurde mit jeder Staffel interessanter. Die guten gehen immer zu früh uns und so waren es auch bei TCW nicht sinkende Zuschauerzahlen oder zu hohe Produktionskosten, sondern der Verkauf des gesamten Franchises an Disney, das zum Ende führte. Die Serie endete mitten in ihrer Blüte.

The Clone Wars war jedoch auch über die Grenzen des Fandoms des Expanded Univers hinaus kontrovers und bot Stoff für aufgeregte Diskussionen. Etwas mehr als ein Jahrzehnt nach Episode I brachte man Darth Maul in der vierten Staffel zurück und entfesselte zuerst einmal einen Sturm der Entrüstung. Ohne den zurückgekehrten Maul auch nur einmal in Aktion gesehen zu haben wurde diese von George Lucas höchstselbst mitgetragene Idee heftigst kritisiert. Doch Lucas und Dave Filonis Mut wurde doch belohnt. Der wiederauferstandene Darth Maul erwies sich als einer der faszinierendsten und beliebtesten The Clone Wars-Charaktere, der auch bereits nicht mehr ganz so jungen Fans der Prequels in seinen Bann schlagen konnte. Maul 2.0 war zwar weniger wortkarg und weniger gelenkig, entsprach aber ganz und gar dem, was manchen bisher nur als Fan-Theorie vorgeschwebt war. Maul Reborn demonstrierte Raffinesse, Ambition und alles was man sich von einem Lehrling Darth Sidious erwartet hätte.

- Das Serienende und die Folgen für Darth Maul -

Nicht nur Darth Sidious hatte in TCW noch Pläne mit Maul, auch die Schöpfer der Serie wollten Mauls Arc noch "abschließen". Disney war jedoch wohl bereits mehr an REBELS als an einer Fortführung von TCW interessiert und so blieben viele Handlungsbögen offen. Diese sollen nun doch größtenteils abgeschlossen werden, denn Drehbücher gab es während der Arbeiten an Staffel 6 bereits für Staffel 8. In Comics oder Romanen plant man in den kommenden Jahren auf The Clone Wars zurück zu kommen und manchen Charakteren vielleicht doch noch eine Art Happy End zu schenken. Am Serienende war Darth Maul jedoch verschollen und keiner wusste wohin, was aus ihm wurde klärt nun SON OF DATHOMIR.

- Die Handlung -

Im Gegensatz zu den Dreiteilern innerhalb der Serie erscheint mir SON OF DATHOMIR relativ kurz, so als hätte man mehr als notwendig Wert auf eine straffe Erzählung gelegt. Dafür kann sich diese Erzählung jedoch sehen lassen, auch wenn man bereits zu anfangs einige Wendepunkte richtig vermuten könnte. Vorsicht Spoiler: Man sollte die Durchtriebenheit eines Darth Sidious niemals unterschätzen.

Die große Frage ist natürlich gleich zu Beginn: Wird Darth Maul sterben? Der weitere Verlauf der galaktischen Geschichte scheint es ja nahe zu legen, denn Maul könnte als ehemaliger Sith-Schüler doch jederzeit selbst einen zweiten Sith-Orden begründen, indem er einen eigenen Schüler annimmt. Zugleich muss auch Mauls Herrschaft über die galaktische Unterwelt enden.

SON OF DATHOMIR hat so einige Erklärungen zu bieten und schafft es nebenbei sogar noch die Hintergrundgeschichte Mauls und Mutter Talzins zu vertiefen. Wenn Maul, Dooku, Grievous, Talzin und Sidious ins Spiel kommen sind großartige Duelle natürlich unvermeidlich und der Leser fühlt sich schon darum betrogen, dass es ausgerechnet diese nie in Animationsform bringen dürften. Außer man verfilmt den Comic irgendwann im The Clone Wars-Stil, was ja auch nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

Am Ende bleiben jedoch viele Fragen offen und es liegt eine melancholische Atmosphäre in der Luft, bei der man sich doch wieder an die Hoffnung klammert, es könnte weiter gehen. Mauls Einfluss auf Death Watch könnte ja auch in REBELS noch eine Rolle spielen und irgendjemand könnte ja auch die Ruinen Dathomirs besuchen.

- Der Anti-Held -

Was würde ein ehemaliger Sith-Lord tun, wenn er sich von seinem Meister verraten fühlt und seiner Hinrichtung nur knapp entwischt ist? Er plant seine Rache und riskiert dabei auch Verbündete oder zumindest ein Heer an Fußsoldaten zu verlieren.

In SON OF DATHOMIR denkt Maul erst einmal nicht daran sein Imperium zu vergrößern oder sich zu verstecken, sondern weiß, dass er handeln und sich seinen Gegnern stellen muss. Einem Gegner wie Maul ist jedoch der erfolgsverwöhnte Count Dooku, denn Maul erweist sich genauso skrupellos wie sein Ersatz an Sidious Seite. Mauls militärische Stärke wirkt im Comic jedoch stellenweise eher bescheiden und man fragt sich wie viele Truppen er auf Mandalore zurücklassen musste, um die dortigen Aufständischen unter Kontrolle zu halten.

- Die Sith -

Große Charakter-Momente erleben weder Count Dooku noch Darth Sidious oder General Grievous. Sidious in einer Separatisten-Zitadelle herumspazieren und Grievous an Bord von Sidious Shuttle zu sehen wirft jedoch Fragen auf, wie viel Grievous von Sidious wahrer Identität wusste und woher Dooku sein Vertrauen nahm, dass Sidious wirklich hinter der Sache der Separatisten stand.

Während Dooku einigermaßen wie der meinungslose Erfüllungsgehilfe des dunklen Lords erscheint zeigt sich Grievous zumindest von einer ungewohnt respektlosen Seite. Der Droiden-General scheint Dooku doch nicht so unreflektiert zu vertrauen, wie es der Count vielleicht glaubt. Nach SON OF DATHOMIR scheint es sogar möglich, dass Grievous eigentlich nur Darth Sidious treu ergeben war und Grievous Kontaktaufnahme mit Sidious in Episode III ergibt deutlich mehr Sinn. Beide kannten sich nicht nur, Grievous war Sidious gegenüber sogar loyal.

- Resümee -

Insgesamt erscheint mir der Comic zu kurz, auch wenn es ihm gelingt die Geschichte bestens auf den Punkt zu bringen. Diese Kürze und das zurückbleibende Gefühl, dass hier nur das Gerippe einer vielschichtigeren Geschichte vorliegt könnten auch dazu führen, dass SON OF DATHOMIR eben leider nicht jenen Kultstatus entwickeln wird, den der Comic bräuchte um irgendwann vielleicht doch in einen Animationsfilm verarbeitet zu werden.


The Last Jedi: Star Wars (Star Wars - Legends)
The Last Jedi: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Michael Reaves
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,70

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Choice is loss. Indecision is all loss., 11. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Nach seinem großen Showdown mit Darth Vader ist der dunkle Lord zwar vermisst, doch Jax Pavan hat keinen Zweifel daran, dass der Mann der einst Anakin Skywalker war überlebt haben muss. In Vaders Abwesenheit drohen Jax und seine Gefährten jedoch in einen bedrohlichen Alltagstrott zu verfallen, denn die Untergrundorganisation Whiplash wird zwar mit jedem Tag stärker, doch die Angriffe auf die Whiplash-Führung nehmen zu. Um den Whiplash-Anführer Thi Xho Yimmon aus der Schusslinie von Vaders Schergen zu bringen hat man daher beschlossen ihn von Coruscant zu evakuieren und dabei die Hilfe der Antares Ranger in Anspruch zu nehmen. Doch die Rettung des Rebellenführers endet in einem Desaster...

- Eine unerwartete Fortsetzung -

Die Spätzeit des Erweiterten Universums hatte einige Überraschungen zu bieten, auch wenn keine großen Projekte mehr gewagt wurden. Neben dem John Jackson Miller Roman KENOBI oder Aaron Allstons MERCY KILL (der letzten Fortsetzung zu den legendären X-Wing-Romanen) stand auch eines Tages eine Fortsetzung zu CORUSCANT NIGHTS im Raum mit der eigentlich keiner gerechnet hatte. Wie auch manch andere Werke vor dem "Ende" des EU versuchte auch THE LAST JEDI noch krampfhaft sich mit dem heutigen Kanon zu versöhnen und doch war schon klar, dass zuviel Porzellan zerschlagen worden war. Jedi-Meister Even Piell starb in THE CLONE WARS und nicht erst Jahre später in CORUSCANT NIGHTS. Doch Michael Reaves und Maya Kaathryn Bohnhoff entwickelten deshalb keine Vorbehalte gegenüber TCW sondern versuchten in THE LAST JEDI sogar Entwicklungen und Orte aus den Klonkriegen in ihren Roman miteinzubeziehen und mit dem Rest des EU zu verbinden. Nur konnten die Versöhnungsbemühungen THE LAST JEDI auch nicht davor retten als Legends abgestempelt zu werden.

- Doch eine Coruscant Nights Fortsetzung -

Man sollte sich vom fehlenden Serientitel nicht täuschen lassen, denn THE LAST JEDI ist durch und durch eine Fortsetzung zur ohnehin etwas lose verbundenen Coruscant Nights Trilogie. TLJ greift die Ereignisse dort wieder auf wo sie in PATTERNS OF THE FORCE endeten. Vader wird von den Rebellen für tot gehalten und Jax ist sich ziemlich sicher, dass Vader und Anakin Skywalker ein und dieselbe Person sind. Kajin Savaros ist als potentieller Padawan für Jax keine Option mehr und Inquisitor Probus Tesla hegt einen intensiven Groll gegen Pavan, der ihm einmal mehr die Pläne durchkreuzt hatte.

- Prämissen -

Schon PATTERNS OF THE FORCE war eine Zusammenarbeit von Michael Reaves und Maya Kaathryn Bohnhoff, wobei Reaves Co-Autorin damals noch ungenannt quasi als Co-Ghostwriterin agierte. Und so ganz unterschiedlich sind sich die beiden Romane nun auch nicht. Jax Pavan ist der letzte Jedi und muss sich einmal mehr der Frage stellen, was das für ihn und die Zukunft seines Ordens bedeuten soll.

Wenn einem schon die Fähigkeiten Kajin Savaros in PATTERNS zu weit hergeholt wirkten, der sollte sich auch THE LAST JEDI darauf einstellen, dass hier ziemlich fantastisches mit der Macht vollbracht werden wird. Visionen der Zukunft und Vergangenheit, Überlegungen wie man den Verlauf der Zeit manipulieren könnte, so manches kommt einem zwar aus später angesiedelten Buchreihen und von den Fähigkeiten Jacen Solos bekannt vor, doch TLJ spielt auf eigene Weise mit diesen Ideen. Zeitreisen und Star Wars, das passt irgendwie nicht zusammen, egal ob man dabei auf Flow Walking zurückgreift oder das Wissen Darth Ramages. Zumindest die Cephalon-Prophezeiung an Jax, der sich ganz in Jedi-Manier einer großen Entscheidung stellen muss, treibt das Buch sehr gut an und genießt in meinen Augen durchaus eine Existenzberechtigung. Prophezeiungen sind ja immerhin etwas, das gut zum Franchise passt.

Neben Jax Pavans Hader mit seinem Jedi-Erbe, einer düsteren Prophezeiung und Darth Ramages Offenbarungen beschäftigt sich das Buch allerdings auch erneut mit Tuden Sals Ambitionen als führender Widerstandskämpfer, Racheplänen und Pol Haus Rolle im Whiplash-Netzwerk. Dazu kommt nun auch noch I-Fives Experimentierfreude mit neuen Körpern, nachdem sein ursprüngliches Chassis ein unerfreuliches Ende erleidet.

- Jax Pavan: Skywalker für Arme? -

Jax Pavan macht zwar aller Welt Vorwürfe die Dunkelheit in Anakin Skywalker nicht erkannt zu haben, doch wer im Glashaus sitzt sollte nicht Steinen werfen. Über weite Strecken wird Pavan zwar als sehr von sich überzeugter Jedi-Ritter dargestellt, doch seine eigenen Leidenschaften bleiben lange Zeit unreflektiert. Pavans Zuneigung zur verblichenen Laranth, sein Bedürfnis den gefangenen Yimmon zu befreien und die Galaxis im Rahmen seiner Möglichkeiten zu retten machen ihn zu einem Getriebenen. Die fehlende Reflexion könnte nun entweder zur Charakterdarstellung gehören oder durchaus ein Lapsus der Autoren sein, bei denen die linke Hand vielleicht nicht wusste, was die rechte Hand gerade aus dem Protagonisten macht.

Und in TLJ ist Jax Pavan nun genau wie sein alter Jugendfreund mit einer Prophezeiung auf sehr persönliche Weise bedroht. Handelt Jax anders oder wird er sich auch des Wissens eines Sith Lords bedienen, um sich seinen größten Wunsch zu erfüllen? Immerhin besitzt Jax ja das Holocron Darth Ramages, er müsste nur einen Weg finden es zu öffnen.

- Ein gescheitertes Versöhnungswerk -

Die Black Sun dominiert auf Mandalore und Prinz Xizor ist auch dabei. Beim Versuch TCW mit dem alten EU zu verbinden hat man sich wohl freiwillig in die Nesseln gesetzt und eine Steilvorlage geliefert, um den Rauswurf des Buchs aus dem Kanon auch zu rechtfertigen, nur war es eben nicht so gewollt.

Dathomir, Mandalore, Black Sun, Prinz Xizor und die Hexen - Bohnhoff und Reaves haben es wenigstens versucht die heutigen Legenden mit dem neuen Kanon zu versöhnen, doch die Geschichte machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Vor einem Jahr las sich der Roman allerdings noch ganz anders und hatte eine faszinierende Wirkung, brachte er doch alles ohne Scheu zusammen. Mutige Versuche werden jedoch nicht immer belohnt.

- Die Handlung -

Es hat mich selbst über ein Jahr gekostet das vorliegende Werk zu rezensieren und nur ein Teil der Schuld liegt an meiner Desillusionierung mit den Spätwerken des EU oder den Erfolgen des kompletten Reboots des Story-Kanons im Frühling 2014.

THE LAST JEDI lies zumindest mich als erfahrenen Star Wars-Fan eher unzufrieden zurück und je mehr Zeit zwischen der Veröffentlichung und meinem Rückblick liegt, desto weniger eindrucksvoll erscheint mir dieses Werk. Es war eine Story wie man sie irgendwo schon einmal gelesen zu haben glaubte und es könnte eine Geschichte sein, die wir in anderer Form in kommenden Jahren wieder und wieder präsentiert bekommen könnten.

2013 erlaubte es der Versuch EU und TCW zu versöhnen noch eine mildere Betrachtungsweise. 2014 wissen wir jedoch, zur Fortsetzung des offenen Endes wird es nicht mehr kommen und der neue Jax Pavan und Ferus Olin heißt Kanan Jarrus. Das macht den Roman ähnlich wie die THE LAST OF THE JEDI Jugendbücher zu einer möglichen Inspirationsquelle für Rebels oder die Kanan Comics, schmälert aber seine Bedeutung. Stellenweise erinnerte mich THE LAST JEDI auch nicht bloß wegen des ähnlichen Titels an die genannte Jugendbuchreihe, denn auch Ferus Olin war ein ehemaliger Studienkollege Anakin Skywalkers und musste sich der Frage stellen, ob er nicht die Pflicht hätte den Jedi-Orden wiederaufzubauen.

- Resümee -

Vor einem Jahr hätte ich dem Buch noch 3,5 Sterne verliehen und vermutlich auf 4 aufgerundet. Nachdem das alte Erweiterte Universum jedoch aufgelöst wurde, die ganzen alten Geschichten nicht mehr verbindlich sind und Coruscan Nights tendentiell im Weg neuer Geschichten über die gleiche Ära steht fällt mein Urteil mittlerweile weniger versöhnlich aus. In einer Ära da Legends-Romane sich durch ihre mögliche Auswirkung auf den neuen Kanon oder exzellente Geschichten auszeichnen müssen fällt THE LAST JEDI einfach durch. Die Geschichte ist "nett" und bittet einige humorvolle Szenen mit I-Five, sowie einen doch einigermaßen unvorhersehbaren Plot (bei dem einfach alles und jeder ja auch den Heldentod sterben könnte), aber sie bleibt eben durch nichts herausragendes im Gedächtnis hängen. Einzige Ausnahme ist eben noch die einprägsame Prophezeiung an Jax Pavan.


A New Dawn: Star Wars
A New Dawn: Star Wars
von John Jackson Miller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Beginn einer neuen Ära für das Star Wars Universum, 8. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A New Dawn: Star Wars (Gebundene Ausgabe)
Die Klonkriege sind bereits Geschichte, der Jedi-Orden wurde zerschlagen und das Galaktische Imperium dehnt sich von den Kernwelten ausgehend immer weiter aus. Um diese Expansion voranzutreiben und abzusichern braucht das Imperium immer mehr Rohstoffe und hat skrupellose Aufseher für seine Industrie-Regionen eingesetzt, die zum Bau tausender neuer Sternenzerstörer wichtige Metalle und Komponenten bereitstellen müssen. Ein solcher Effizienzexperte und Statthalter des Imperiums ist der Cyborg Count Dentrius Vidian, der nun nach Gorse aufgebrochen ist, um die dortigen Minen und Raffinerien zu "inspizieren"...

- Zum Buch -

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet John Jackson Millers A NEW DAWN die neue Ära des Expanded Universe eröffnet und dazu ausgerechnet diesen Titel gewählt hat. 37 Jahre voll mit Romanen, Comics und Videospielen sind seit diesem Jahr "Legenden" und für den Kanon nicht länger von Belang, als wären sie nie geschehen. A NEW DAWN ist das erste Werke der neuen Einheitskontinuität, die sicherstellen soll, dass sich künftig nichts mehr so deutlich widerspricht. Eine bedeutende Aufgabe, die alle Erwartungen an diesen Roman ins unermessliche erhöht.

A NEW DAWN ist bis zur Veröffentlichung der nächsten Star Wars-Romane auch das erste und einzige Werk mit dem sich die "Öffentlichkeit" auf der Suche nach Episode VII-Spoilern beschäftigen kann. Damit gerät ein Star Wars-Roman zum ersten Mal seit Jahren wieder in das Blickfeld einer Öffentlichkeit, die mit dem EU, Reboot-Ängsten und –Befürchtungen bis dato nichts am Hut hatte. Man könnte auch sagen, das Buch ist deshalb auch schon Leuten in die Hände gefallen, die ganz und gar nicht zur Zielgruppe gehören würden.

Die erhöhte Aufmerksamkeit sollte dem Buch allerdings nicht wirklich schaden. Der eigentlich als Tie-in angelegte Roman war eigentlich nur als Vorgeschichte zur neuen TV-Serie Rebels vorgesehen und Tie-ins können ja von oft sehr bescheidener Qualität sein. Im Fall von A NEW DAWN ist jedoch deutlich mehr daraus geworden. Das Werk muss sich der Aufgabe stellen, die Ehre des neuen Kanons zu retten und zu zeigen, dass die neuen Romane den durchaus oft mit Kultstatus verehrten nun "legendären" Vorgängern gewachsen sein können.

Es sticht bereits ins Auge, dass A NEW DAWN etwa ganz ohne die früher typische Timeline daherkommt und zumindest in der Hardcover-Fassung auch ein Vorwort von Dave Filoni besitzt. Das unterstreicht Dave Filonis Stellenwert im neuen Star Wars-Universum, hat er in den letzten Jahren doch mit THE CLONE WARS eine ganze Generation neuer Fans mit Star Wars vertraut gemacht. Und Filonis TCW ist auch das erste Werk neben den Filmen, welches in den neuen Kanon aufgenommen wurde. Womöglich dürfte die in TCW praktizierte "Aufarbeitung" des alten Expanded Universe auch zum Vorbild für kommende Werke in Text und Bild werden.

Aber als Kenner des alten Universums ist man immer etwas skeptisch. So hatte auch THE CLONE WARS damals einen von Karen Traviss beigesteuerten Roman zum Film, der sich durchaus besser las als viele der Star Wars-Romane dieser Zeit und vor allem gegen Ende des alten EUs. Doch auch dieser Erfolg erwies sich nicht einfach auf die anderen Star Wars-Romane der Zeit übertragbar. So sehr mir Traviss TCW-Roman auch gefiel, so verärgert war ich über einige ihrer Republic Commando-Werke. Kurzum, nur weil ein Start gut gelungen ist, muss der Rest des Fluges nicht auch so verlaufen.

- Zum Inhalt -

A NEW DAWN klingt von der Prämisse her sehr deutlich nach einem "klassischen" Star Wars-Roman. Für Leser die mit diesen typischen Produkten der letzten Jahrzehnte an Star Wars-Literatur nicht vertraut sind, klassisch bedeutet bestenfalls mittelmäßig und irgendwie vorhersehbar. Ein skrupelloser imperialer Statthalter der irgendwelchen Einheimischen das Leben zur Hölle macht - diese Outline ist für EU-Kenner eigentlich nichts neues.

Doch dabei bleibt es nicht und wer John Jackson Millers vergangene Werk kennt könnte das auch bereits geahnt haben. Miller lässt die Handlung sehr typisch aussehen, zeigt allerdings sehr schnell, dass er hier nicht die Fehler des alten Kanons wiederholt und stattdessen auf eine sehr wendungsreiche und sogar relevante Story setzt.

In A NEW DAWN spielt Kanan Jarrus eindeutig die Hauptrolle, vergleichbar mit Darth Bane in der Bane-Trilogie. Es mag andere Charaktere geben, doch Kanan ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, auch wenn ihm Count Vidian zeitweise die Show stiehlt. Über Hera Syndulla wollte man wohl noch nicht zuviel verraten, von Kanan erfahren wir jedoch sowohl den Namen seiner Jedi-Meisterin, als auch eine Erklärung, was er in den Jahren seit Order 66 getrieben hat und wie er so einfach überleben konnte. Man kann es JJM hoch anrechnen, dass er sich dabei durchwegs auf schlüssige Erklärungen stützt und sehr viel Mühe in diesen Roman investiert hat. Die Paarung Kanan Jarrus und Autor John Jackson Miller ist jedoch auch ein Idealfall, hat Miller doch mit KENOBI einen Western-artigen Star Wars-Roman vorgelegt, der ihn zur besten Wahl für eine Geschichte über den Cowboy-Jedi Kanan machen würde. Dass KENOBI auch unter Fans und Kritikern hohes Ansehen genießt, sowie einige Preise gewonnen hat macht JJM als Herold der neuen Ära in Sachen Star Wars-Romanen zu einer würdigen Besetzung.

Wie in KENOBI gelingt es JJM mehr als einmal das Blatt zu wenden und Helden wie Schurken vor Herausforderungen zu stellen, die man nicht erwartet hätte. Zumindest für meinen Geschmack hat JJM eine erzählerische Glanzleistung vollbracht, die sich mit Kenobi messen kann und viele der vergessenen Werke der letzten Jahre völlig in den Hintergrund treten lässt.

- Die Helden -

Rebels-Schöpfer Dave Filoni nennt Kanan Jarrus gerne den Cowboy-Jedi und John Jackson Miller lässt Kanan in A NEW DAWN auch in diese Rolle schlüpfen. A NEW DAWN erklärt was es mit dieser Bezeichnung auf sich hat und dass da mehr dahinter steckt als ein einfach hingeworfene Bemerkung. Der nie lange an einem Ort bleibenden Kanan ist ein guter Mensch, der aber auch nicht vor Barschlägereien und Romanzen zurückschreckt. So sehr Kanan auch versucht sein Jedi-Erbe zu unterdrücken, er kommt nicht umhin gelegentlich als Lebensretter aufzutreten und für Schwächere einzuspringen. Doch im Gegensatz zu anderen derartigen Gestalten aus dem Star Wars-Universum ist Kanan weit unbelasteter. Er lebt sein Leben und macht sich nicht allzu viele Vorwürfe. Kanan flüchtet auch nicht wirklich vor dem Imperium, er flüchtet vor Langeweile und natürlich sobald er seine Jedi-Fähigkeiten nicht mehr vollständig verbergen kann.

Der Herumtreiber Kanan ist ein Ergebnis seiner Jedi-Ausbildung. Auch als Padawan war Kanan nicht allzu viel Komfort gewöhnt und wurde gelehrt möglichst wenig emotionale Verbindungen zur Welt um ihn herum einzugehen. Das erlaubte ihm seine Flucht von Coruscant und von den Kernwelten als relativ schmerzfreie Angelegenheit abzuwickeln. Damals war er 14, nun ist er Anfang 20 und hat sich an ein Leben als Frauenheld und Jobhopper gewöhnt. Er erinnert zwar in seinen Grundzügen an Han Solo, hat aber ein freundlicheres Wesen und ist auch spaßiger aufgelegt.

Über Hera Syndulla erfahren wir hingegen weniger. Sie ist eine Frau mit einer Mission und einem bemerkenswerten Skillset. Hera ist nach Gorse aufgebrochen, um Count Vidian zu studieren und einen Informanten zu treffen. Ihrer Selbstbeschreibung nach ist Hera eine Aktivistin, mit politisch wachen Verstand. In Heras Kopf schwirrt bereits die Idee einer Rebellen-Allianz herum, doch noch ist sie nur eine Aktivistin auf dem Weg durch die Galaxis. Hera hat jedoch scheinbar all das was man von einer Agentin der Rebellen-Allianz erwarten würde, Raumschiff, Training und Erfahrung. Man fragt sich, ob Hera nicht vielleicht bereits Teil einer Organisation ist. Heras politisches Engagement erinnert an Prinzessin Leia, doch ihre Talente rücken sie mehr in Richtung einer Mara Jade, wenngleich ihr dafür die Machtempfänglichkeit fehlt. Hera hat eine Idee und Rebels wird wohl auch zeigen wie diese Idee bei den richtigen Leuten wie Bail Organa auf offene Ohren stoßen wird.

Zaluna Myder ist eine sullustanische Überwachungsspezialistin und bis zu Count Vidians Ankunft eigentlich eine treue Stütze des Systems. Seit den Tagen der Republik leitet Zaluna ihr Team an Überwachungsexperten, die sich liebevoll Myders Mynocks nennen, um über ein weitläufiges Netzwerk an Kameras und Abhörgeräten nach Verbrechen zu suchen. Vor langer Zeit beschäftigte sich Zalunas Überwachungsfirma noch damit für Marketing und dergleichen relevante Informationen zu sammeln, doch diese Zeiten hatten sich mit den Klonkriegen rasch geändert. Der Diebstahl von Sprengstoffen war zu klären und immer mehr trat auch die Überwachung von kriminellen Suspekten und potentiellen Verrätern in den Vordergrund. Mit dem Aufstieg des Imperiums wird die Schlinge nun immer enger gezogen und Leute verschwinden spurlos, nachdem sie etwa staatsfeindliche Parolen von sich gegeben haben. Und die imperiale Repression nimmt auch für Zalunas Mynocks nicht Halt.

Der Klonkriegsveteran und Sprengungsexperte Skelly ist hingegen der typische durchgedrehte Kriegsveteran, der gegen Ende der Klonkriege einen Arm und wohl auch Teile seines Verstandes verloren hat. Nach Kriegsende saß er praktisch auf der Straße, wie auch viele andere Kriegsveteranen. Im Gegensatz zu den Klonen fanden die Freiwilligen wohl doch nicht alle Aufnahme in die Imperialen Streitkräfte. Skelly hat sich neben teilweise durchaus einleuchtenden Verschwörungstheorien auch der Frage verschrieben, was die Sprengungsarbeiten auf dem Mond Cynda anrichten könnten.

- Die Schurken -

Mit Count Vidian ist John Jackson Miller ein erstaunlich vielschichtiger Antagonist gelungen, was mich als Kenner gleich vermuten lässt, dass er in seinen Comics nie den Spielraum hatte seine Antagonisten auch nur annähernde Tiefe zu verleihen.

An Vidian scheint zunächst alles ziemlich eindeutig zu sein. Ein imperialer Bürokrat ohne Gewissen, das kennt man doch aus hunderten Star Wars Geschichten der letzten Jahrzehnte. Man wartet zunächst nur darauf Vidians Biografie vorgelesen zu bekommen und diese macht den Count zunächst einmal greifbarer in seinen Handlungen. Ein solcher Kurzabriss zur Hintergrundgeschichte, der den Antagonisten allerdings zusätzliche Tiefe und dem Leser einen Schlüssel zum Verständnis für Vidians Handlungen verleiht ist etwas, das schon einen guten Star Wars-Roman ausmachen würde.

Nachdem Vidians Motivation klar ist und auch seine Methoden immer deutlicher werden macht JJM diesen Schurken jedoch noch menschlicher. Er mag ein Cyborg sein, der wegen eines fleischfressenden Virus ganze Körperteile ersetzen lassen musste, doch er ist auch ein Getriebener. Vidians Motivation mit Effizienz war der Ausweg für ihn vom Krankenbett aus Rache zu üben und sich neu zu erfinden. Entsprechend hat der Count auch weitere Körperpartien freiwillig geopfert, weil ihn das sogar noch effizienter macht.

Vidian ist nicht bloß irgendein böswilliger Bürokrat, er ist ein Mann mit einzigartiger Hintergrundgeschichte und wie Darth Vader jemand er unglaubliche Widrigkeiten überstand, weil er sich an eine sehr düstere Motivation klammerte. Vidian ist ein Mann der erkannt hat, dass er nur dann weiterleben und seinen Schmerz hinter sich lassen kann, wenn er sich vorwärts bewegt. Sein Schicksal hat ihn jedoch auch dafür prädestiniert jemand zu sein, der eine Art Celebrity-Status genießt und entsprechend erfolgreich mit Management-Ratgebern wurde. Auf eine gewisse Weise ist Vidian ein Seelenverwandter Darth Vaders, der durchaus auch als beispielhaft und Vorbild für das überwinden tödlicher Verletzungen und einer lebenszerstörenden Krise gesehen werden kann.

Doch so allmächtig uns Vidian in einem Moment erscheint, im nächsten ist der visuell irgendwie sehr an Großmoff Trachta (einem Charakter der alten Star Wars Comics) orientierte Count ein weiterer Fußabstreifer in der imperialen Hierarchie. Noch einen Moment vorher agiert er wie der persönliche Statthalter des Imperators, da ereilt ihn der Anruf eines Untergebenen, der ihn süffisant über die erhöhten Forderungen des Imperators informiert. Vidian steht unter einem enormen Leistungsdruck und ist wirklich das Opfer einer Intrige seines Adjutanten Baron Danthe, der als Erbe einer Droidenmanufaktur und Höfling deutlich fähiger ist, sich souverän im Imperium zu bewegen. Dahingegen ist der ranghöhere Aufsteiger Vidian, ohne aristokratische Verbindungen ein leichtes Opfer.

Die große Enthüllung bezüglich Vidian kommt in einem späteren Abschnitt des Buchs und lässt den anfangs so souverän und eindimensional wirkenden Bösewicht noch raffinierter ausgearbeitet erscheinen, als man es für einen simplen "Tie-in Roman" möglich gehalten hätte. Vidians beschränkte Fähigkeiten in sozialen Dingen und seine Opferrolle gegenüber dem intriganten Danthe lassen sich vielleicht gar auf Vidians wahre Hintergrundgeschichte zurückführen. Einmal kleiner Bürokrat und Fußabstreifer, immer kleiner Bürokrat und Fußabsteifer?

Ein anderes Kalliber ist hingegen Baron Danthe. Der junge Industrielle und Erbe eines stattlichen Familienvermögens gehört zur neuen imperialen Elite. Wie die von Marvel geschaffene Tagge-Dynastie ist Danthe eine wichtige Stütze des Imperiums, doch was bei den Tagges noch unklar blieb wird bei Danthe deutlich. Danthes hohe soziale Stellung im Imperium beruht nicht nur auf dessen Hintergrund als aristokratischer Industrieller, sondern was seine Fabriken herstellen, nämlich genau jene Minendroiden, die auch Count Vidian für den Abbau der benötigten Rohstoffe brauchen würde. In den Klonkriegen endeten die meisten Droidenhersteller auf Seiten der Separatisten. Nun ist der Krieg schon einige Jahre vorbei und die Fabriken der einstigen Staatsfeinde wurden eingezogen und teilweise an Günstlinge des neuen Regimes verteilt. So wurden die Loyalisten und Kriegsgewinnler auf Seiten Palpatines mächtig und zu den Stützen des Imperiums.

Ein anderes Gesicht des Imperiums ist Captain Rae Sloane. Die imperiale Offizierin ist gerade einmal 30 und bereits in den Rang eines Captains aufgestiegen, doch ihre Stellung ist keineswegs sicher. Wie Baron Danthe gehört sie zur neuen Generation, den ersten wirklich im Imperium aufgewachsenen Imperialen. Doch während Danthe zu den wahrhaft bösen dieser neuen Ära gehört ist Sloane mehr eine Gefangene des Systems, wie auch Count Vidian. Sloanes Ausweg aus einem kargen Dasein in den Fabriken ihrer Heimatwelt war die Imperiale Akademie. Sie wurde Flottenoffizierin und ist dem Imperium auf diese Weise nicht nur verpflichtet sondern auch verfallen. Ohne dieses ständig wachsende Heer hätte Sloane es nie von ihrer Heimatwelt weg geschafft. Ohne Imperium und diese enorme Militärmaschinerie wären viele Imperiale einfach arbeitslos oder zu einem wenig beneidenswerten Dasein verdammt.

So wenig Facetten JJM Sloane auch gegeben hat, sie ist ein wichtiger Bestandteil dieses Buches, auch wenn sie keinen allzu erinnerungswürdigen Charakter abgibt. Am Schicksal Sloans werden zwei Dinge deutlich, einerseits, dass das Imperium über mehr Truppen als Schiffe verfügt, andererseits, dass man eben noch immer mächtiger wird. Das Imperium befindet sich zum Zeitpunkt von A NEW DAWN erst am Beginn seines Aufstiegs. Projekte wie den Todesstern zu verlieren ist ein herber Schlag, aber keineswegs eine kaum wieder zu korrigierende Niederlage für das Imperium. Das Imperium rekrutiert auch nicht einfach eine gewissenlose Meute oder Klone, sondern jene die keine andere Chance haben. Man bietet den Leuten eine Karriere, ein Dach über dem Kopf und regelmäßige Bezahlung. Dass dabei eine beachtliche Treue gegenüber dem Regine entsteht ist wohl selbstverständlich. Nur hat eben genau diese Aspekte bis A NEW DAWN kein anderer Autor je so unverblümt zur Sprache gebracht. Der neue Kanon unternimmt schon hier in einem Werk, das eigentlich belanglos sein könnte, deutlich mehr für die Schaffung einer logischen Kontinuität als die Mehrheit der Romane und Comics in den letzten Jahrzehnten.

- Count Vidians Kodex -

Keep moving! Destroy barriers! See everything!

Klingt fast wie das Motto der neu eingesetzten Story-Group, ebenso wie Vidians:

Forget the old way!

Neue Wege zu beschreiten ist die Aufgabe des von Palpatine ausgerufenen Imperiums und so fassen Vidians Schlagwörter wohl auch das Lebensgefühl der neuen Generation junger Imperialer zusammen, die fortan das Schicksal der Galaxis bestimmen werden.

Keep moving: With an able body, the mind can achieve anything
Destroy barriers: Get information directly, whenever possible
See everything: He who has the data has the upper hand

Interessant wie Vidians Lebensphilosophie eigentlich auch auf Darth Vader zu passen scheint. Der Sith-Lord handelte bereits in den Comics der vergangenen Ära oftmals nach diesen Direktiven. Warum muss Darth Vader selbst mit einem Agenten sprechen oder höchstpersönlich an irgendeiner Kampagne teilnehmen? "Destroy barriers!"

Count Vidians Kodex eröffnet interessante Möglichkeiten für künftige Geschichten, da Vidian in A NEW DAWN ja als ziemlich prominenter Charakter der letzten Jahre dargestellt wurde. Auch mit seinem Schicksal ist eine Rückkehr in irgendeiner Form ja nicht ausgeschlossen. Nachdem man sich bereits im ersten Roman eine derart vielseitige ideologische Grundlage für das sehr um Effizienz bemühte Imperium geschaffen hat könnte es den Eindruck einer starken Einheitskontinuität ja noch deutlich untermauern, wenn Vidians Kodex nicht in Vergessenheit gerät und schon in einer Publikation des kommenden Jahres Verwendung findet.

- Die Bedeutung dieses Buches für das Erweiterte Universum -

A NEW DAWN ist ein in vielerlei Hinsicht interessantes Werk. Es markiert den Beginn einer neuen Ära, aber inwieweit es bereits charakteristisch für seine Ära sein wird steht völlig offen. Nur eines ist sicher, was A NEW DAWN bereits verwendet und wiedereinführt muss auch zwangsläufig Teil der neuen Einheitskontinuität bleiben. Imperial-Klasse Sternenzerstörer, Bauprojekte wie die Supersternenzerstörer und der Todesstern, alles bestätigt, ebenso die Existenz von nicht geklonten Soldaten in den Klonkriegen.

Vielleicht liegt es nur an der REBELS und TCW-Connection, doch A NEW DAWN scheint auch deutlich bemühter als vergangene Romane Zusammenhänge zu erklären und das Universum etwas auszuschmücken. So scheint mir A NEW DAWN wie THE CLONE WARS zu versuchen eine Erklärung dafür zu liefern, was gegen Ende der Klonkriege mit den Separatisten-Firmen geschehen ist. So wie TCW erklärte, dass der Bankenclan und die Handelsföderation bis gegen Ende der Klonkriege beide Seiten belieferten, so erklärt A NEW DAWN nun, dass wohl nach Kriegsende viele der feindlichen Firmen beseitigt und die Konkursmasse loyalistischen Freunden des Imperators zugeschlagen wurde.

Romane die durchaus etwas mehr in die Tiefe gehen was die Geschichte des Star Wars-Universums betrifft, das freut mich. Aber AND vollbringt noch deutlich mehr. Der Roman verbindet altes mit neuem und sucht Antworten auf offene Fragen, schafft aber auch einen Andockpunkt für künftige Werke. Wenn ein Industrieller wie Count Vidian bereits beim Auftakt der neuen Einheitskontinuität eine derartige Rolle spielt, was könnte dann in den neuen Star Wars-Marvel Comics geschehen? In den antiquierten Marvel-Comics der 70er und 80er gab es damals die Tagge-Dynastie, potentielle Nachfolger Baron Danthes und Count Vidians. Die Tagges hatten sich in den Klonkriegen auf die richtige Seite geschlagen und danach praktisch ehemalige Konkurrenzfirmen als Kriegsbeute kassiert. Sie dienten fortan als Industrielle und hochrangige imperiale Offiziere dem Regime Imperator Palpatines. In einem politischen Klima, das in skrupellosen Managern und Industriellen die Tarkins einer neuen Generation sieht könnte uns in den nächsten Jahren in REBELS, den Comics und vielleicht sogar den Romanen eine Rückkehr der Tagges bevorstehen.

- Der neue und der alte Kanon -

"There are truths, and there are legends touched with truth, and all can teach you something"

Nur weil die alten Star Wars-Romane nun "Legends" sind muss man sie nicht entsorgen, außer es sind vielleicht jene Werke die man ohnehin am liebsten gleich wieder weggegeben hätte. 27 Jahre an Star Wars-Geschichten nachzubauen und zu ersetzen wird sehr viel Zeit erfordern, weshalb es schon rein aus praktischen Gründen geschehen kann, dass manche der Legenden wieder relevanter werden können als andere.

Auch wenn eine Geschichte wegen des der neuen Kontinuität völlig entgegenlaufenden Ausgangs irrelevant scheint, die darin vorkommenden Ereignisse und Motive können durchaus Bestandteil des neuen Kanons werden. Manches taucht vielleicht wieder auf.

Anstatt alles zu entsorgen und von 0 wieder anzufangen hat man bereits einige Dinge wieder übernommen. Die Tarkin-Leseprobe etwa verrät uns die Existenz von Victory-Sternenzerstörern. Eine ganze Schiffsklasse, die in den Filmen und TCW nie vorkam. Aber auch die Headhunter (welche in The Clone Wars vorkamen) finden Erwähnung. Der X-Wing-Vorgänger scheint im neuen Kanon genauso Bestandteil der frühen Rebellen-Armada zu werden wie im alten Kanon. Selbst auf den wenigen Seiten dieser Leseprobe wird einem Moff Tarkin schon als ein militärisch versierter Mann dargestellt, der vielleicht in künftigen Romanen zu einer Art Ersatz für Großadmiral Thrawn werden könnte. Womit wir bei einem von A NEW DAWN und TARKIN vermittelten Gefühl dieser neuen Zeiten wären.

Die praktisch entrümpelte Dark Times und Rebellion-Ära ist ein sehr furchtbares Gebiet. Es gab hier im alten Kanon einfach viel zu viele Geschichten und sehr viele waren keinesfalls erinnerungswürdig. Nun eine neue Ordnung für diese Ära zu schaffen und den ohnehin immer problematischem Verhältnis Prequels und klassische Trilogie einen sauberen Übergang zu verschaffen ist eine gewaltige Aufgabe, die nur mittels des Reboots möglich war.

Und seien wir mal ehrlich, der Großteil der Faszination einer Nach-Endor-Ära kam auch daher weil hier eine Menge von Geschichten geschrieben wurden, die sich mit dem Kampf der Rebellen gegen das Imperium beschäftigten. Und genau diese Geschichten werden in den kommenden 10 Jahren im Mittelpunkt stehen. Keine Solo-Urenkel und corellianischen Bürgerkriege mehr, sondern simples Imperium vs. Rebellion-Geplänkel. Nach 37 Jahren auf diversen Abwegen ist man drauf und dran genau jene zusätzlichen Star Wars-Geschichten zu schreiben, die uns zuletzt vor über 20 Jahren vorgelegt wurden. Tom Veitch, Timothy Zahn, Aaron Allston und Michael Stackpole waren neben Dave Wolverton die einzigen Star Wars-Autoren die sich wirklich eingehend mit der Nach-Endor-Phase beschäftigt hatten und immens viel zur Lore beitrugen. Ihre Werke sind nun nicht mehr Teil der Kontinuität, aber ihr Vermächtnis bleibt.

Die Nachfolgekrise des Imperiums wird nach Episode VII wohl auch eine große Spielwiese für die Autoren bieten, um alles mögliche aus dem goldenen Zeitalter der Star Wars-Romane wieder hervorzukramen. Doch Star Wars-Romane werden sich künftig wieder mehr wie Star Wars lesen und nicht wie im Fall der Dunkles Nest-Trilogie mehr wie Enders Game oder Starship Troopers.

Mit der Story Group ist auch garantiert, dass die künftigen Star Wars-Geschichten zumindest für die nächsten Jahre wohl auch wie aus einem Guss wirken werden. Es wird nicht mehr wild durch alle Ären geschossen und REBELS kann auch kein eigenes Süppchen mehr kochen, alles MUSS nun abgestimmt sein und darf sich nicht mehr widersprechen. Das schafft auch eine höhere Sicherheit für uns Fans, dass das was wir in den Romanen lesen, auch auf der Leinwand noch stimmt und umgekehrt. Ob diese neue restriktivere Lizenz-Politik allerdings der Kreativität oder Qualität der neuen Werke förderlich ist, sei dahingestellt. Die Befürchtung die jährlichen Star Wars-Filme würden viel von ihrer Einzigartigkeit opfern und sich mehr in Richtung der Marvel-Filme entwickeln ist sicher berechtigt. Doch für die nächsten Jahre kann man gut von Filmen und Geschichten leben, die noch keine wirklich eigenen Wege gehen müssen und sich eng an das Quellenmaterial binden lassen.

- Fazit -

Ein gelungener Start für eine neue Ära und ein weit besseres Buch als ich erwartet hätte. John Jackson Millers Romanerstling KENOBI war bereits eine Art Meisterwerk, sein zweiter Roman unterstreicht Millers Talent noch, selbst aus wenig spannend oder bedeutend wirkenden Prämissen eine großartige Geschichte zaubern zu können.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2014 9:10 PM CET


The Star Wars
The Star Wars
von JW Rinzler
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Star Wars wie es hätte sein können, 11. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Star Wars (Taschenbuch)
THE STAR WARS ist eines jener Werke, die man als Fan durchaus gerne als Pflichtlektüre empfehlen würde. Dabei ist der 2014 erschiene Comic noch nicht einmal allzu tief ins Fandom vorgedrungen. Zu einem Zeitpunkt als praktisch das gesamte Werk an Star Wars-Comics und Romanen aus 37 Jahren in die Tonne getreten wurde, um Raum für eine neue Kontinuität und Geschichten zu schaffen, veröffentlichte man wohl die "unkanonischste" aller Star Wars-Geschichten - eine Comic-Adaption des Original-Drehbuchs von George Lucas Star Wars. Eine Geschichte die übrigens im Original in acht Heften veröffentlicht wurde und damit schon einmal den Rahmen sprengt, werden die meisten Star Wars-Geschichten und auch Comic-Adaptionen der Filme in vier bis sechs Heften erzählt.

- Zum Autor -

Johnathan W. Rinzler ist im Star Wars-Franchise eigentlich eine Erscheinung, die keinem direkt ins Auge springt. Der LucasBooks-Redakteur war allerdings bereits der Autor mehrerer "Star Wars Non Fiction-Werke" und zweier Episoden von The Clone Wars. Er betreute unter der Bezeichnung Non Fiction etwa die "Star Wars Visionaries" oder "The Making of Revenge of the Sith".

Als Rinzler nun als Autor an THE STAR WARS hervortrat war sicher so mancher Fan überrascht, die Wahl Rinzlers passt jedoch zum Konzept. Bei THE STAR WARS ging es ja nicht darum eine neue Geschichte zu schreiben, sondern ein Skript in Comicform zu bringen. Ein Job, um welchen sich immer noch einige Autoren gerissen hätten, der aber eben auch einem erfahrenen und vertrauenswürdigen Lucas Licensing-Mitarbeiter übertragen werden konnte. Im Endeffekt ist es ja George Lucas Geschichte, die wir in THE STAR WARS zu sehen bekommen, J.W. Rinzler hat als Editor nur den Schnitt vorgenommen und das ganze in eine ansehbare Form gebracht.

- Inwieweit gleicht THE STAR WARS der späteren EPISODE IV? -

Star Wars durchlief in seiner Entstehung viele Evolutionsstufen und jede zeigt einige Ideen, welche George Lucas wie auch Namen und Konzepte dann in späteren Werken aufgegriffen hat. Der Fundus, aus welchem auch THE STAR WARS stammt inspiriert auch Jahrzehnte später noch und hatte seinen Einfluss auf THE CLONE WARS und REBELS. Diese Entwicklung erinnert auch an die Worte des bekannten DARTH BANE-Autors Drew Karpyshyn, der einmal erklärte, wenn er zu einem seiner Romane gefragt würde, wüsste er oft nicht mehr von welcher Version des Srkipts die Rede sei.

THE STAR WARS ist eine Urform von STAR WARS, in der die Wookies noch dem Concept Art entsprechen, auf welchem nun der REBELS-Held Zeb basiert und Owen Lars ein Siedler auf einem ganz anderen Planeten war. Wenn George Lucas von seinem Unverständnis gegenüber dem Expanded Universe sprach, dann auch weil er in seinem Kopf teils ganz andere Hintergründe für dieses oder jenes ersonnen hatte. THE STAR WARS zeigt auch umso deutlicher woher Lucas seine Inspiration genommen hätte, nämlich den Akira Kurosawa Filmen.

R2-D2 spricht, Han Solo ist ein grünes Alien, Annikin Starkiller der Sohn eines Jedi-Bendu, der halb Cyborg ist, Darth Vader ist nur ein General und die Sith-Ritter erinnern an eine Mischung aus den uns heute bekannten Sith Lords und Samurai. Lichtschwerter trägt praktisch jeder, die Sturmtruppen nutzen STAPs und so mancher bekannter Charakter existiert in THE STAR WARS noch nicht.

In manchen Kritiken ist natürlich gerne die Rede davon, wie ähnlich sich STAR WARS und THE STAR WARS ja wären, aber die Unterschiede überwiegen doch. Bis auf einige Namen und den Look von Prinzessin Leia ist sehr wenig hier tatsächlich so wie man es kennt. Das macht die Geschichte auch umso spannender. Die Fremdartigkeit dieses Universums lässt einen jede Seite völlig vorurteilsfrei wahrnehmen, man weiß ja immerhin auch gar nicht wie es weiterlaufen wird. Und mit über 160 Seiten wird einem hier auch eine sehr umfangreiche Geschichte geboten.

THE STAR WARS verkörpert jedenfalls auch ein sehr starkes STAR WARS-Feeling. Der Comic wirkt in mancherlei Hinsicht sogar durchdachter als gewisse Ereignisse aus den Prequels, wenngleich so mancher Twist extrem plump wirkt und wirklich zu heftiger Kritik führen könnte, wäre es eben etwas anderes als eine Adaption eines ohnehin verworfenen frühen Drehbuchentwurfs.

- Die Helden -

General Luke Skywalker ist der vermeintlich letzte der Jedi-Bendu und sieht auch so aus wie Obi-Wan Kenobi. General Skywalker ist wohl jener Mann, der George Lucas in Episode IV ursprünglich als General Kenobi vorgeschwebt ist, vor den Prequels hätte die Hintergrundgeschichte General Kenobis daher vielleicht auch eher der des Generals Luke Skywalker geglichen. Skywalker ist ein immer noch fitter Veteran, der Jahre zuvor eine Jedi-Rebellion anführte, in deren Zuge vermeintlich alle Jedi-Bendu ermordet und vom Imperium verstoßen wurden, dem sie bis dahin treu gedient hatten.

Doch Skywalker ist nicht der einzige Jedi-Bendu, der überlebt hat. Sein alter Freund Kane Starkiller ist jedoch einigermaßen vom Weg abgekommen und hält sich samt seiner beiden Söhne Annikin und Deak auf Utapau versteckt. Aus Kane wird in einer späteren Iteration der Geschichte Anakin Skywalker/Darth Vader werden, der gute Mann der Darth Vader einst war. Doch Starkillers Fehler in THE STAR WARS ist dessen Bruch mit dem Kodex der Jedi-Bendu. Starkiller hat sich einem weltlichen Leben hingegeben und zwei Söhne gezeugt, etwas das einem Jedi-Bendu eigentlich untersagt wäre.

Annikin Starkiller erinnert mit seiner ungestümen Art deutlich mehr an den Bauernjungen von Tatooine als der spätere Luke Skywalker. Annikin birgt jedoch auch deutlich mehr von Anakin Sykwalker in sich als Luke. Der junge Starkiller ist abenteuerlustig, etwas unbeholfen, ein wenig Frauenheld, allerdings bei weitem nicht so schlagfertig oder aggressiv wie Anakin Skywalker. Außerdem trägt er die in den Prequels von Episode zu Episode den Träger wechselnde Langhaarperücke.

Und dann wäre da noch Prinzessin Leia, die in THE STAR WARS zwar einige Zeit im Rampenlicht erhält und immerhin als Thronfolgerin praktisch Königin in spe ist, aber längst nicht an die Prinzessin Leia aus Episode IV heranreicht, da die Entwicklung dieser Figur durch Carrie Fishers Performance nicht vorhersehbar war. Die Ur-Leia oder Proto-Leia ist weniger schlagfertig und irgendwie nur das wichtige Anhängsel für das Helden-Duo Skywalker-Starkiller.

Und Han Solo? Der heimliche Held der klassischen Trilogie ist ein grünes Alien, das ganz ohne Chewbacca und Raumschiff ein Handlanger General Skywalkers wird.

- Die Bösen -

Darth Vader trägt zwar in späteren Szenen seinen ikonischen Helm ist jedoch nur ein General und scheinbar der Kommandant der imperialen Kampfstation, die Aquilae belagern und für das Imperium einnehmen soll. Auch dieser Darth Vader trägt Narben und es ist gut möglich, dass er diese von der Jedi-Rebellion davongetragen hat, er scheint jedoch weder Sith noch ehemaliger Jedi-Bendu zu sein, könnte jedoch durchaus auch ein Cyborg geworden sein. Was überrascht ist jedoch wie der Monolight Darth Vader auch ohne den typischen Vader-Look funktionieren kann. Wenn Vader herumsteht und schweigt erinnert er stark an die bedrohliche Präsenz des Darth Vaders aus Episode IV-VI.

Crispin Hoedaack ist in THE STAR WARS der Prototyp für Gouverneur Tarkin und auch Hoedaacks Ziele könnten jenen Tarkins geglichen haben. Hoedaack geht mit Vader um wie Tarkin mit seiner Inkarnation Vaders und behandelt diesen durchaus etwas von oben herab, sodass man sich fragt, ob und warum sich Vaders das denn gefallen lässt. Hoedaack plant (vielleicht ein kleiner Spoiler für den kommenden Tarkin-Roman) jedoch auch den amtierenden Imperator zu stürzen und mit seiner Kampfstation selbst zum obersten Herrn des Imperiums zu werden. Erst einmal soll er jedoch Aquilae einnehmen, wofür er zum Gouverneur und ersten Lord (praktisch zum imperialen Statthalter und Vizekönig) des Systems ernannt wird.

Der zweite im Comic auftreten Sith-Ritter, neben jener unglücklichen Gestalt, die zuerst den Tod Deak Starkillers verursachte, ehe er von Kane Starkiller niedergestreckt wurde, ist Prinz Valorum. Der Ritter der Sith scheint in typischer Star Wars-Manier wie der spätere Count Dooku einen Adelstitel zu tragen, der eigentlich für die gesamte Geschichte ohne Belang ist. Prinz von wo? Egal. Valorums Rolle als Antagonist entspricht in etwa der Darth Mauls in Episode I. Valorum jagt die Jedi und allein das ist seine Aufgabe, vielleicht sogar ein heißer Tipp auf die Story von Episode VII? Allzu viel erfahren wir weder über die Sith, noch Valorum. Aber genau genommen hielt sich die klassische Trilogie ebenso zurück, wenn es um die Sith ging.

- Schwächen -

Um zu verstehen wie Star Wars zu dem wurde was es heute ist und woraus sich manche Star Wars-Werke immer noch speisen ist THE STAR WARS sicher Pflichtlektüre für interessierte Fans. Für sich genommen leidet der Comic jedoch darunter eine ziemlich unkorrigierte Übernahme des Drehbuchs zu sein. Alles was man vielleicht wegen Logik-Löchern, politischer Unkorrektheit (da schlägt Starkiller die Prinzessin einfach mal mit einem Faustschlag K.o.) oder schlichtweg einfach billig wirkender Inszenierung gestrichen oder umgeschrieben haben könnte ist wohl so geblieben wie es George Lucas erstmals zu Papier gebracht hatte.

Der Comic leidet so auch etwas an einem B-Movie-Syndrom. Hätte einem die Geschichte als Kind oder Jugendlicher nicht viel ausgemacht, als Erwachsener hätte man sich vielleicht geschämt und erkannt wie schlecht sie ist. Ich will das nicht beschönigen, aber der Comic erinnert durchaus an jene diffuse Erinnerung die man vielleicht an Flash Gordon hat. Es ist ein Werk aus einer Ära, als Science Fiction sich noch aus der B-Movie-Ecke bewegen musste und THE STAR WARS hätte diese Aufgabe kaum bewältigt.

THE STAR WARS ist wegen seiner Schwächen jedoch nicht weniger interessant. Im Gegenteil, der Comic überzeugt auch mit einigen einleuchtenderen Szenen, als sie die Filme bieten. So werden die Rebellen in der gesamten klassischen Trilogie von Planet zu Planet gehetzt. Als der Imperator schließlich stirbt sind die Rebellen immer noch eine heimatlose Bande. In THE STAR WARS haben die Rebellen einen Heimatplaneten, nämlich Aquilae und einen solchen Planeten als Bezugspunkt bräuchte die Rebellion nach Episode VI auch, um wirklich etwas permanentes auf die Beine zu stellen.

Nichtsdestotrotz ist der Comic an manchen Stellen doch wieder schmerzhaft im Nachteil gegenüber den Filmen. Selbst oder vielleicht gerade die vielerorts verhassten Prequels zeigen mehr Mut zu Emotionen und Konsequenzen als THE STAR WARS. Der Tod Deak Starkillers zwingt zwar Kane Starkiller zum Umdenken, doch die Auswirkungen auf Annikin bleiben völlig offen, dabei war es der ältere Starkiller-Sohn, dem sich ein Versagen als Beschützer Deaks anlasten ließe. Und dann gibt es natürlich noch die Eröffnungsszene, in der Deak praktisch als der begabtere der beiden Söhne ins Spiel gebracht wird. So sehr man Episode II auch nervig finden mag, hier hätte man sich ein wenig Lamentieren Annikins gewünscht. Das George Lucas seine beste Romanze immer noch mit Prinzessin Leia und Han Solo geschaffen hat liegt vielleicht mehr an den beiden Schauspielern Carrie Fisher und Harrison Ford, die das irgendwie gedeichselt haben. In THE STAR WARS fühlt man sich hingegen an den weit verbreiteten Ärger über die Inszenierung von Annkin+Padme erinnert.

- Resümee -

THE STAR WARS ist Star Wars in Rohform, im guten wie im schlechten. Empfehlenswert für interessierte Fans, jedoch stellenweise auch etwas wo man froh ist, dass es gerade diese Szene in keinen der Filme geschafft hat.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 14, 2014 9:09 AM MEST


Star Wars: Dawn of the Jedi Volume 3 Force War
Star Wars: Dawn of the Jedi Volume 3 Force War
von John Ostrander
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,17

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Entscheidungsschlacht im Herzen der Galaxis, 11. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Rakata sahen, kamen und siegten... zumindest bis die Gegenoffensive der Je'daii und ihrer Verbündeten sie vor einem weiteren Vordringen in das Tython-System aufhalten konnte. Die Lage ist derweil in beiden Lagern sehr angespannt. Während sich die Invasion ganz anders entwickelt hat, als es sich Predor Skal'nas wünschen würde. Der zähe Widerstand der Je'daii droht seine Pläne in einem blutigen Grabenkampf versanden zu lassen. Doch keiner von Skal'nas Offizieren ahnt auch nur wonach der Rakata-Befehlshaber auf Tython wirklich strebt.

Auf Seiten der Je'daii hat man sich zu unglaublichen Schritten entschlossen und den verbannten Daegen Lok nicht nur von Bogan zurückgeholt, sondern gar zum General der Je'daii-Streitkräfte ernannt. Nur Meister Rajivari ist ihm jetzt noch übergeordnet, denn der befehligt die Gesamt-Streitmacht. Die Je'daii haben nach Xeshs Bauplänen Machtschwerter gebaut und um diese zu nutzen eine sehr problematische Entscheidung gewagt, nämlich die dunkle Seite für die Abwehr der Rakata zu nutzen. Das Gleichgewicht der Macht wurde gekippt...

- Ein "legendäres" Finale -

DAWN OF THE JEDI war eine der letzten längeren und vielleicht sogar die epischste Star Wars-Comicserie unter dem Banner von Dark Horse. Mit dem Wechsel der Comic-Lizenz zu Marvel und dem vollständigen Reboot des Expanded Universe von DAWN OF THE JEDI bis LEGACY ist DAWN nun praktisch ins Reich der "Legenden" gewandert, ziemlich sprichwörtlich. Bis irgendwann einmal irgendjemand die Ereignisse aus Dawn aufgreift oder streift wird unklar bleiben, ob die Geschichte weiterhin relevant ist oder gänzlich aus der Kontinuität fällt. Mit den Tho Yors, der zeitlichen Ansiedlung und allerlei auch kritisch betrachteten Entscheidungen (wie Noghri, Dathomiri und Sith als Je'daii) hätte man DAWN jedenfalls auch in eine Position gebracht, die anders als der Rest des EU etwas abseits steht und vielleicht auch deshalb eher überleben könnte als Geschichten wie KNIGHTS OF THE OLD REPUBLIC.

Wie auch immer etwa die Entstehungsgeschichte der Sith oder des Jedi-Ordens nach Episode VII-IX aussehen wird (Rückblenden sind nicht zu erwarten, aber dafür vielleicht so mancher mal so hingeworfene Satz), die Je'daii könnten einen Platz in dieser neuen Ordnung einnehmen und aus Daegen Loks Anhängern könnten dann durchaus die ersten Sith werden.

- Geschichte schreiben anstatt Geschichten schreiben? -

Lässt man die für Laien derzeit unverständlichen Verwerfungen in der Star Wars-Kontinuität einmal außer Acht, so bietet FORCE WAR ein lesenswertes Finale für den DAWN OF THE JEDI-Arc. Was mir als Leser eines großen Franchises immer wieder gefällt sind Werke die Lücken füllen und Hintergründe ausarbeiten, anstatt irgendwo irgendjemanden irgendetwas achso tolles erleben zu lassen. Letzteres bringt Star Wars-Werken auch immer wieder mal den Vorwurf ein, kaum besser zu sein als Fan Fiction. Und ehrlich gesagt, so unberechtigt ist diese Kritik nicht. Einen völlig austauschbaren Jedi-Meister wie Mander Zuma in ein völlig austauschbares Abenteuer zu schicken (wie in SCOURGE eben geschehen) könnte man genauso gut in Fan Fiction erleben. Star Wars als Roman- und Comic-Franchise beeindruckt auch eher selten durch die Qualität der unter dem Star Wars-Banner veröffentlichten Geschichten. Hier wird an keinem Game of Thrones, Herr der Ringe, dunklen Turm oder sonstigen Genre-Epos geschrieben sondern oftmals nur an lizenzierter Fan Fiction.

Was können Franchise-Verwalter nun tun, um in diesem neuen Zeitalter noch Kapital aus ihrer Marke zu schlagen? Man nutzt die offizielle Kontinuität als Alleinstellungsmerkmal der offiziellen Werke. Und die erste Welle an Star Wars-Romanen nach dem großen Reboot von 2014 entspricht genau dieser Strategie. Ein Roman über Tarkin, Luke nach Episode IV und das Gespann Vader & Sidious mitten im Feindesland. Jeder dieser Romane erzählt nicht bloß irgendeine Geschichte wie EMPIRE AND REBELLION ein Jahr zuvor, sondern jeder dieser Romane schreibt Geschichte. Jeder Roman dieser neuen Einheitskontinuität ist hochgradig relevant für die neue Kontinuität. Alles was James Luceno in Tarkin beschreibt wird das Fundament dafür legen, wie diese Person bis zum Reboot des Franchises wohl dargestellt werden wird. Diese neuen Geschichten dürfen sogar anderen im Weg stehen, späteren Geschichtsschreibern die Richtung vorschreiben und praktisch auch die "Kreativität" einschränken.

FORCE WAR ist genau ein solcher Geschichte schreibender Comic gewesen, er leidet nur darunter eben vor dem Reboot entstanden zu sein. WAR verknüpft die Geschichte der Je'daii mit den Rakata, beleuchtet was zum Niedergang des Unendlichen Imperiums führte, erzählt aber auch von einer noch früheren Epoche der galaktischen Geschichte, als die Kwa nach Dathomir flohen und ihre Version eines Stargate-Netzwerks abschalteten.

- Ein spannendes Stück Geschichte -

In manchen Szenen wirkt FORCE WAR wirklich überstürzt und das liegt an der Kürze dieses Story-arcs, der in fünf Heftausgaben eine bereits zehn Hefte umfassende Vorgeschichte abschließen musste. Im ersten Machtkrieg kommt nun alles zusammen. Xeshs neue Rolle wird auf die Probe gestellt, Trill wird gezwungen ihren Liebhaber Sek'nos Rath zu verraten, Daegen Lok scheint seine Lebensaufgabe gefunden zu haben und dann sind da noch die Rakata, von denen wir ja nur wissen, dass sie irgendwann an einer versagenden Machtverbindung zu Grunde gehen werden, deren gesamte Technologie aber eben auch auf dem Gebrauch der Macht basiert. Inwieweit Tython den Rakata zum Verhängnis wurde und ob die legendären Force Wielder (Mortis) eine Rolle dabei gespielt haben könnten verrät FORCE WAR.

Und so nebenbei lässt FORCE WAR auch die Force Wars aus THE OLD REPUBLIC in einem anderen Licht erscheinen. Wie wir dort erfahren gehörte Meister Rajivari ja zu den Gründern des Jedi-Ordens, führte dann jedoch wohl eine Rebellion gegen diesen neuen der hellen Seite verschriebenen Orden an. Rajivaris Force Wars und die Existenz der Flesh Raider auf Tython einige Jahrtausende später könnten Hand in Hand mit FORCE WAR gehen. Das für meinen Geschmack jedenfalls schöne am Finale von FORCE WAR ist die Art und Weise wie John Ostrander und Jan Duursema diese Entwicklungsmöglichkeiten offen lassen.

- Lose Fäden -

Endet DAWN OF THE JEDI zu früh? Wie KNIGHT ERRANT, INVASION oder LOST TRIBE OF THE SITH ist auch DAWN schlussendlich zu einem der "gescheiterten" Projekte der späten Dark Horse-Ära geworden. Es sah ja eigentlich wirklich gut für die Reihe aus, doch anders als bei LOST TRIBE und KNIGHT ERRANT liegt es weniger an fehlenden Umsätzen, dass die Reihe frühzeitig eingestellt wurde, sondern schlicht und einfach dem Wechsel der Comiclizenzen von Dark Horse zu Marvel. Damit mussten DAWN OF THE JEDI und das eigentlich auch erfolgreiche LEGACY Volume 2 enden. Nun kann man vielleicht kritisieren, man hätte bei DAWN wegen dieser Möglichkeit ohnehin schon viel früher den Gang ein bisschen höher schalten und mehr Ausgaben in kürzeren Zeiträumen veröffentlichen sollen (um etwa mit LEGACY II Schritt zu halten), doch dafür ist es jetzt ohnehin zu spät.

Schlussendlich bleiben uns von DAWN OF THE JEDI einige lose Handlungsfäden, die sich zwar zum Teil eigenhändig mit Bestandteilen des alten Kanons verknüpfen lassen, aber manchmal auch Leser sehr unbefriedigt zurück lassen. Was geschieht nun mit den Anhängern Daegen Loks? Wird Sek'nos Rath vielleicht zum legendären Sith-König Adas? Wie steht Meister Ketu als Vorsteher des Tempels des Gleichgewichts zum Geschehenen? Was wird aus den Tho Yor?

Doch der erste Machtkrieg wird zumindest mit einem eindeutigen Schlussstrich besiegelt. Vielleicht keiner mit einem Happy End für jeden, doch das Ende ist trotzdem etwas runder, als in manch anderen Werken.

- Das hat was von einem Krieg der Sterne -

Star Wars oder Krieg der Sterne - man kann das Franchise nennen wie man will, doch im Kern beruht es auf einer diffusen Ansammlung von erzählerischen Konzepten und Prinzipien. Ein Held, der erst zum Helden werden muss und sich schlussendlich der größten persönlichen Herausforderung seines Lebens stellt, zuvor aber erst ein paar Mal auf die Nase fallen muss. Und all das während eine böse Supermacht über einen unterlegenden Gegner herfällt, der sich erst mit viel Mühe aufraffen kann Widerstand zu leisten und immer in der Rolle des Underdogs gefangen zu sein scheint.

DAWN OF THE JEDI teilt nicht nur das Label mit STAR WARS, die Reihe bemüht sich auch wirklich das schwer zu fassende Star Wars-Feeling aufkommen zu lassen. Sogar Lichtschwerter bietet DAWN bereits und auch die Farb-Bandbreite hat im Gegensatz zu den Vorgängern zugenommen. Nur sehen die Rakata-Walker eher wie aus Zeichnungen zu Krieg der Welten aus, denn wie jene Walker die man aus den Filmen kennt. Die Rakata als Alien-Rasse spielen jedoch eine überzeugende Rolle als Widersacher für die Helden.

Das Rakata-Imperium ist abgrundtief böse und nutzt diese Bösartigkeit sprichwörtlich als Antrieb. Kenner von KNIGHTS OF THE OLD REPUBLIC I wissen warum. Die Rakata benutzen die dunkle Seite der Macht als Antrieb und Schlüssel für all ihre Technologien. Rakata-Waffen lassen sich nur von Machtempfänglichen bedienen, ihre Schiffe nur von Machtempfänglichen steuern und genau deshalb wird es nach dem Untergang des Unendlichen Imperiums Jahrhunderte dauern, bis sich die ehemaligen Sklaven der Rakata in der Lage sehen werden ebenfalls Lichtschwerter und Hyperraumantriebe in Betrieb zu nehmen. Zudem ist die Rakata-Technologie eben auf die dunkle Seite eingestellt, was eine weitere Hürde darstellt.

Die Rakata sind außerdem eine Art antike Barbaren-Rasse, die durch die Kwa viel zu früh mit hochentwickelter Technologie in Kontakt gebracht wurden. Die kannibalischen Rakata zogen folglich aus und unterwarfen sich den Großteil der Galaxis, sie konnten kaum anders und würden sie sich eines besseren belehren und von der dunklen Seite ablassen, sie würden jede Fähigkeit verlieren, ihre Raumschiffe, Waffen und Technologie zu nutzen. Eine perfekte Zielscheibe für jene Rakata, die weiterhin als barbarische Herren der Galaxis leben wollen.

Dem gegenüber stehen die Je'daii, ein Orden der vielleicht genau deshalb von höheren Mächten geschaffen wurde, um die Rakata eines Tages an der Einnahme Tythons zu hindern. Dabei lebten die Je'daii im Einklang mit der Macht, bis die zunehmende Dunkelheit nun zum Problem wird. Die Je'daii sind keine perfekten Helden, sie haben ihre Abtrünnigen und erinnern in ihrer zeitweisen Fehlerhaftigkeit auch an den verknöcherten Jedi-Orden der Klonkriege. Das Ergebnis erinnert dann auch irgendwie wieder an die Geschichte der Skywalker-Familie, nur dunkler, was einem bei Autor John Ostrander nicht verwundern sollte, zumal dieser bereits das schon sehr düstere LEGACY Volume I geschrieben hat.

- Ein zu großes Charakter-Ensemble? -

Wie das späte LEGAVY Vol. I leidet auch DAWN unter einer Überzahl an Charakteren, die immer wieder mal ins Rampenlicht gerückt wurden und nach mehr Aufmerksamkeit verlangt hätten. Nachdem FORCE STORM so wirkte als hätte man hier einmal jeden eingeführt, der fortan eine wichtige Rolle spielen wird, kamen mit PRISONER OF BOGAN noch weitere Charaktere hinzu. Zugleich tut sich das Finale nun sogar schwer damit überhaupt auch nur den vier Hauptcharakteren gebührende Zeit im Rampenlicht zuzugestehen. Stattdessen driftet FORCE WAR in Richtung einer Xesh-Shae Koda-Geschichte ab. In den Nebenrollen Sek'nos Rath, Trill, Daegen Lok und Tasha Ryo. Mit Special Guest Appearance of Predor Skal'nas. Und so nebenbei taucht auch der Rest noch auf.

Während sich Ostrander abmüht alle seine Handlungsstränge noch einmal unter einen Hut zu bekommen wirkt die Geschichte so als würde sie immer sprunghafter werden und nicht mehr jedem der Charaktere ausreichend Zeit zur Entfaltung zu bieten.

Ein Beispiel dafür wie manche Handlungsstränge praktisch zur Pflichtübung verkommen sind ist der Fall Sek'nos Raths. Dieser muss schmerzhaft erfahren wie sich ein echter Krieg anfühlt und wird dann auch noch von Trill verraten. Sek'nos gesamte Vorstellung davon, was es bedeutet ein Je'daii zu sein wird in Zweifel gezogen. Der strahlende Ritter und Frauenheld ist auch keineswegs davon begeistert, zum Gebrauch seines Machtschwerts auf die dunkle Seite zurückgreifen zu müssen. Nur wird er durch diese Verbitterung ein Anhänger Daegen Loks oder Gründungsmitglied des Jedi-Ordens, der sich der Bekämpfung der dunklen Seite verschrieben hat?

- Ein Resümee -

DAWN OF THE JEDI hatte es nicht leicht seine Fans zu finden. Manche Fans zürnten John Ostrander noch wegen Legacy, da wählte er für sein nächstes Projekt eine gänzlich unerschlossene Ära. Und Ostrander machte es sich nicht leicht. Das wohl auf 50 Hefte ausgelegte Projekt geriet sehr früh ins Stocken. Die Hefte kamen eher gemächlich und als dann die Comiclizenz für Star Wars-Werke zurück an Marvel fiel war man nicht unbedingt sehr weit gekommen, was den Fortschritt von DAWN betraf. Anders als KNIGHT ERRANT oder LOST TRIBE OF THE SITH war DAWN OF THE JEDI jedoch als eine wirklich fortlaufende Erzählung angelegt und keine Ansammlung verschiedener Episoden.

Zusammen mit Tim Lebbons Roman hat die Reihe trotz ihres unrühmlichen Endes viel geleistet und eine interessante Epoche des Star Wars-Universums geöffnet. Man hat eine eigene Geschichte erzählt und trotzdem die Frühgeschichte des Jedi-Ordens beleuchtet, die Rakata darin eingebunden, eine Verknüpfung zu THE OLD REPUBLIC geschaffen und so nebenbei noch an die Mortis Trilogie angeknüpft. All das obendrein noch mit einer durchaus Star Wars-tauglichen Geschichte.


Foundation
Foundation
von Isaac Asimov
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,89

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloses Meisterwerk, 9. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Foundation (Taschenbuch)
Die Ära des Galaktischen Imperiums nähert sich ihrem Ende. Doch noch sind die Zeichen des Zefalls der alten Ordnung noch für wenige erkennbar. Von einem möglichen Niedergang der Herrschaft des Kaisers zu sprechen ist auf Trantor, dem Herzen des Imperiums, ohnehin verpönt. Doch der Psychohistoriker Hari Seldon hat die Zeichen der Zeit erkannt und plant auf das kommende Zeitalter der Barbarei und des Blutvergießens zu reagieren...

- Wenn antike Geschichte Science Fiction schreibt -

Was wäre wenn... sich menschliche Geschichte voraussagen ließe oder jemand den Untergang des weströmischen Imperiums erkannt und darauf reagiert hätte? Isaac Asimovs legendärer Foundation-Zyklus entstand durch die Eindrücke, welche der Autor aus Edward Gibbons "The History of the Decline and Fall of the Roman Empire" gewann. Und auch die Geschichte von Roms Untergang endet mit dem langsamen Zerfall des römischen Imperiums, dem Aufstieg der Barbaren, dem Verlust ganzer Regionen und endet schlussendlich im dunklen Mittelalter.

Die Antike als Inspirationsquelle für die Science Fiction ist ein ergiebiges Thema. Unter dem Titel 'Umwege in die Vergangenheit' hat sich die Innsbrucker Altphilologin Otta Wenskus vor einigen Jahren sogar des Beispiels Star Trek und die griechisch-römische Antike angenommen. Was sich in Star Trek teils auch offensichtlich niederschlug, etwa bei der Etablierung von entsprechenden Planeten togatragender Außerirdischer, liegt in anderen SciFi-Werken verborgener. So mag man beim Foundation-Zyklus auch Rom mit Trantor vergleichen und die letzten Kaiser mit Kindkaisern wie den Brüdern Honorius und Arcadius, doch der Bezug geht viel tiefer. Asimov erforscht in Foundation ein Szenario, wie sich ein dunkles Mittelalter nicht abwenden, doch verkürzen ließe. Wirkliche Science Fiction sind dabei die Methoden Hari Seldons, der Menschheitsgeschichte entlehnt jedoch das politisch-geschichtliche Geschehen rundum die Foundation.

- Foundation: Stiftung und Fundament -

Die doppelte Bedeutung des Wortes Foundation ist auch ein Element, das dem ursprünglichen Kurzgeschichten-Zyklus einen Teil seiner Faszination verleiht. Die Foundation ist eine Stiftung des Imperiums, doch tatsächlich nur eine Front hinter der sich das künftige Fundament eines neuen Imperiums verbergen soll.

Die Enzyklopädisten sind praktisch antike Schriftgelehrte, die wegen ihrer politischen Ansichten möglichst weit aus der Hauptstadt verbannt werden und während die Welt um sie zu Grund geht, haben sie in ihrem Besitz die Reste der alten Kultur bewahrt. Es ist sogar ihre Aufgabe gewesen, Altes zu bewahren und nun sind sie die letzten Vertreter eines goldeneren Zeitalters.

Das Schicksal der Enzyklopädisten erinnert ein wenig an das früher Klostergemeinschaften. Auch diese bewahrten die Schriftkundigkeit und antike Schriften. Nur durch sie und dank ihnen wurde eine Renaissance erst möglich. Dennoch sahen sich die mit Grundbesitz ausgestatteten kirchlichen Stiftungen auch immer wieder Anfeindungen und dem Begehren weltlicher Herrscher ausgesetzt, selbst wenn Kaiser des Heiligen Römischen Reichs als Schutzherren gelten mochten.

Die Foundation ist jedoch anders. Hari Seldon hat Wissenschaftler zusammengebracht und keine devoten Mönche. Die Gemeinschaft wächst und entwickelt sich entlang des großen Plans den die Psychohistoriker für sie projiziert hatten. Seldons Foundation lebt von der Wissenschaft und erhebt diese später auch zur dominanten Religion.

- Seldon-Krisen -

Foundation hat auch ein Schlagwort geprägt, mit dessen Hintergründen man sehr gut aus der Historik vertraut ist. Wichtige Ereignisse und Wenden werden in jedem Geschichtswerk gerne in das Zentrum eines Kapitels gerückt. Die großen Krisen eines Imperiums etwa. So auch in Foundation, wo es darum geht die von Seldon hervorgesehenen Krisen und Wendepunkte in der Geschichte der Foundation zu behandeln.

Der Prophet Seldon vermag zwar anfänglich noch immer zum rechten Zeitpunkt zu erscheinen und gewissermaßen eine Warnung auszusprechen, doch Asimov trägt der Realität hinter wissenschaftlichen Projektionen Rechnung und so erscheint Seldon in späteren Kapiteln sogar zu spät. Auch ist Hari Seldon trotz aller wissenschaftlicher Voraussicht nicht in der Lage seinen Erben genau vorherzusagen, wie sie eine Krise zu lösen haben. Er schildert ihnen lediglich die ungefähren Rahmenbedingungen, welche er und seine Zeitgenossen errechnet haben. Die Berechnung der Zukunft ist also eine Wissenschaft mit Schwankungsbreiten. Es wird erst in Foundation and Empire der Fall sein, dass Seldon sogar falsch liegen wird, weil unerwartete Einflüsse auftraten. Seldon als Prophet ist dennoch ein faszinierendes Kapitel für sich und unterstreicht Isaac Asimovs Bedeutung als Science Fiction-Autor.

- Zeitlosigkeit trotz Veraltung -

Der Zahn der Zeit ist auch an Foundation nicht vorbeigegangen. Zu Asimovs Lebzeiten noch zukunftsweisende Technologien wirken heute bereits veraltet. Die Atomenergie der Foundation wäre heute wohl eher Fusions-Energie und die gesamte Rückfall-Thematik (als die neuen Königreichen wieder mit Kohle und Öl zu arbeiten begannen) würde sich auch etwas anders gestalten (etwa der Verlust von Technologien wie Lithium-Ionen-Akkus). Aber auch die Schreibmaschine mit Spracheingabe wirkt heute heillos nach Steampunk. Genau das passiert eben, wenn Science Fiction in die Jahre kommt. Dennoch ist es die Idee die zählt und verständige Leser wissen Asimovs Überlegungen hinter all diesen Dingen zu schätzen.

- Ursprünglich ein Kurzgeschichtenzyklus -

Kritik an einem Science Fiction-Klassiker? Die gibt es natürlich. Doch entsteht diese oftmals auch dadurch, dass man über das Werk nicht eingehend informiert war und zugriff, weil es eben als Klassiker gilt.

So liegt manche Kritik an Foundation darin begründet, dass das Werk aus einer Reihe von Kurzgeschichten zusammengesetzt wurde, was mit sicher einleuchtenden Einschränkungen verbunden ist. Wenn Charakter nicht wie gewünscht tiefgründig erforscht werden, dann liegt das durchaus am ursprünglichen Medium. Wenn die Geschichten oft nur lose verbunden scheinen ist auch das ein Resultat der Verfassung als Kurzgeschichten. Auch manch stilistische Schwankungen, die sich "mit freien Augen" kaum wahrnehmen lassen, liegen in den unterschiedlichen Verfassungszeitpunkten der einzelnen Kapitel begründet. Vorwürfe gegenüber Autor oder Werk auf Basis der eben geschilderten Problemzonen liegen also zum Großteil auch in falschen Erwartungen enttäuschter Leser begründet.

- Von Trantor nach Coruscant: Asimovs Einfluss -

Ausgerechnet Asimovs Vergangenheitsbezug hat Foundation in meinen Augen zu einem zeitlosen Werk gemacht. Die von Asimov aufgegriffenen Themen und Aspekte menschlicher Geschichte haben in Form seines Werks vielleicht sogar mehr Menschen erreicht als die entsprechenden Geschichtsbücher. So ist nicht klar, ob sich mancher von Asimov oder der tatsächlichen Quelle hat inspirieren lassen.

Dinge, die Asimov schuf haben jedenfalls auch Jahrzehnte später noch großen Einfluss auf aktive Science Fiction-Geschichten. Wenn man in George Lucas Star Wars-Filmen immer wieder ein Deja-vu zu Foundation zu erleben glaubt ist das vielleicht nicht einmal weit hergeholt. Lucas Coruscant ist vom Namen her zwar eine Kreation des Autors Timothy Zahn, doch die Idee zum Stadtplaneten und Zentrum des Galaktischen Imperiums stammt wohl durchaus noch von Asimov. Ebenso ließe sich Tatooine als am weitesten vom Zentrum der Galaxis entfernter Planet mit Terminus gleichsetzen und auch dort wacht eine Foundation in Gestalt Obi-Wan Kenobis über die Zukunftshoffnung der Galaxis. Während eine zweite in Form von Lukes Schwester bestand. Selbst das Wiedererscheinen Obi-Wans als Machtgeist an entscheidenden Wendepunkten von Lukes Lebensgeschichte erinnert an die holografischen Botschaften Hari Seldons. In einem frühen Drehbuchentwurf hätte George Lucas sogar ein Galaktisches Imperium angedacht, das selbst bereits seit Jahrtausenden bestand, in dieser Version der Geschichte wäre der Imperator auch nicht böse, sondern nur desinteressiert gewesen und ein an Trantors geothermale Energiequellen erinnernder Abschnitt Coruscants hätte in Episode VI zum Ort des Showdowns werden können.

Augenfälliger ist allerdings die Konkurrenzstellung der von Asimov ersonnenen Encyclopedia Galactica zum Hitchhikers Guide of the Galaxy, in der dazugehörigen Buchreihe aus der Feder Douglas Noel Adams. Dieser nahm einen ganz anderen Aspekt von Foundation als Inspiration und schuf ebenfalls einen legendären Beitrag zur Science Fiction.

Die Enzyklopädie-Einträge an jedem Kapitalanfang haben seit Asimov zudem tiefe Wurzeln im Science Fiction-Genre geschlagen und auch wenn ihr Ursprung an gänzlich anderen Orten zu finden sein mag, durch Asimov hat dieses Stilmittel sicherlich den größten Bekanntheitsschub für seine Verbreitung erhalten.

- Resümee -

Eines der einflussreichten Science Fiction-Werke des 20. Jahrhunderts. Immer noch lesenswert, weil zeitlos und voller Inspiration versprechender Ideen. Eine Kurzgeschichtensammlung die man gelesen haben sollte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 17, 2015 4:22 PM MEST


Ender's Game (Ender Wiggin Saga)
Ender's Game (Ender Wiggin Saga)
von Orson Scott Card
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,79

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Recht ein Klassiker, 9. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zwei Invasionen durch die Formics musste die Erde bereits ertragen und nur dank des militärischen Genies des Commanders Mazer Rackham konnte die Vernichtung der Menschheit im Zuge der zweiten Invasion verhindert werden. Doch Rackhams Heldentat liegt 80 Jahre zurück und die dritte Invasion könnte jederzeit über die Welt hereinbrechen.

Der Beinahe-Untergang der Menschheit hat die Menschheit zwar zur Gründung der International Fleet (IF) geführt, doch längst nicht alle Konflikte auf Erden vergessen gemacht. Um Überbevölkerung zu bekämpfen musste in fast allen Ländern eine Zwei-Kind-Politik durchgesetzt werden. Um Russland hat sich ein zweiter Warschauer Pakt formiert und Englisch wurde wieder zur internationalen Standardsprache. Trotz aller Zerwürfnisse werden Kinder aus allen Herren Länder auf ihr Potential untersucht der nächste Mazer Rackham zu werden. So auch der Third Andrew 'Ender' Wiggin, dessen hochbegabte Geschwister bereits von der IF abgelehnt wurden...

- Ein unerwarteter Erfolg -

Ähnlich wie sich die IF-Führung im Roman nicht sicher sein konnte, dass das dritte Kind von John Paul und Theresa Wiggin nach dem sadistischen Peter und der barmherzigen Valentine nicht nur deren Intellekt sondern auch die ideale Mischung aus den Charakterzügen beider Geschwister besitzen, so konnte auch Orson Scott Card nicht geahnt haben, welcher Erfolg 'Ender's Game' beschieden sein würde.

'Ender's Game' entstand mehr aus Zufall wie Autor Orson Scott Card im Vorwort gesteht und dem Vorwort zur Fortsetzung 'Speaker of the Dead' noch einmal untermauert hat. Das Buch bestand zunächst nur aus der Idee des Battleroom und dem Training der jungen Rekruten in einer schwerelosen Umgebung. Dass es überhaupt zustande kam ist der glücklichen Fügung zu verdanken, dass Card beim Abschluss des Vertrages zu 'Speaker of the Dead' bereits bezweifelte die Vorgeschichte des im Roman vorkommenden Ender Wiggin dort ausreichend beleuchten und abhandeln zu können. So erhielt er dann doch für das als wirklich zentrales Buch geplante Werk 'Speaker of the Dead' die Vorgeschichte 'Ender's Game' zu schreiben.

Doch Ender's Game brauch durch und entwickelte ein starkes Eigenleben. Mit Würdigungen wie dem Hugo UND Nebula Award gesegnet sorgte Ender's Game dafür, dass Card fortan gerade wegen dieses einen Buches in einer Reihe mit einem Autoren wie Robert Heinlein genannt wurde. Die an Heinleins Starship Troopers erinnernden Aspekte Ender's Games brachten dem Buch dann wohl auch seine 2013 veröffentlichte Verfilmung ein, in welcher der Plot um Valentine und Peter Wiggin erst gar nicht vorkommt.

- Auch ein Buch für Fans des Films? -

Wer vielleicht gerade durch den überraschend tiefgründigen Film auf 'Ender's Game' gestoßen ist und sich nun tiefer in die Hintergrundgeschichte und das 'Enderverse' vertiefen möchte ist bei der Romanvorlage schon richtig und sollte auch hier anstatt mit einer der Fortsetzungen beginnen.

Das Buch behandelt im Gegensatz zum Film weit mehr als nur die Manipulationen, welche Ender durchlaufen musste, um schlussendlich zum vermeintlichen Retter der Menschheit zu werden. Denn im Buch ist Ender nur der jüngste von drei brillanten Wiggins und seine beiden auf der Erde verbliebenen Geschwister beginnen im Verlauf der Geschichte ihre ganz eigenen Ambitionen in Hinsicht auf ein Ende des dritten Formic-Krieges zu entwickeln. Diese Nebenhandlung, die in einem Film unweigerlich das Fundament für ein cineastisches Ender-Franchise geschaffen hätte, wurde jedoch gänzlich aus der Filmhandlung gehalten. Auch wenn der Film äußerst gelungen sein mag, ob man die Nebenhandlung auch so gut getroffen hätte wäre nicht garantiert gewesen.

- Zwei Völker mit ähnlichen Problemen -

Überbevölkerung, zwischenstaatliche Konflikte und der Zug ins All als einziges Ventil. Zumindest in späteren Kapiteln erfährt man mehr über die Ähnlichkeiten zwischen Formics und Menschen, auch wenn wir und die Aliens uns biologisch nicht unähnlicher sein könnten.

Menschen wie Formics standen zum Beginn der Invasionen bereits an einem ähnlichen Scheideweg, der die menschlichen Verluste im Zuge des ersten Formic-Krieges wohl auch nur kurzfristig entgegen wirkten. Die Erde ist überbevölkert und selbst die externe Bedrohung durch eine globale Apokalypse macht die alten Konflikte nicht vergessen, nein sie sorgt nur für deren Vertagung auf einen späteren Zeitpunkt. Die Formics kamen, um sich neuen Lebensraum zu verschaffen und die Menschheit blieb erdgebunden weil man noch nicht über weit fortgeschrittene Technologien besaß selbst permanente Kolonien außerhalb unseres Sonnensystems zu errichten.

Der Erstkontakt geriet zum Erstschlag und wie zu erwarten war der weitere Konfliktverlauf damit bereits weitgehend vorgezeichnet. So sehr man sich als Mensch dadurch bestätigt fühlt, dass man auf der richtigen Seite steht, es hätte auch anders kommen können, wären die Menschen der Aggressor.

Dass die Formics allerdings zuerst zuschlugen ist ganz im Sinne von Autor Card, denn all das dient der Konstruktion des moralischen Dilemmas, in welches er Ender Wiggin für den Rest seines Lebens versetzen will.

- Tablets, intelligente Fasern und Blogs -

Schon 1985 schrieb Orson Scott Card wie auch ein Douglas Adams über Technologien, die erst über 20 Jahre später zum alltäglichen Anblick geworden sind. Wenn man den "desk" eines Ender Wiggin als Tablet-PC identifiziert, die erstarrenden Flashsuits der Rekruten die nächste Entwicklungsstufe intelligenter Fasern identifziert und in Valentines und Peters Online-Treiben nur noch den Alltag mancher Blogger erkennt weiß man wie weit sich die Gegenwart bereits wieder die Science Fiction eingeholt hat.

Das wirft natürlich auch die Frage auf, ob es die Wirkung der Geschichte schmälern wird, wenn diese heute noch modernen Technologien in 10-20 Jahren bereits veraltet sein werden, wenn man etwa an Schreibmaschinen mit Spracheingabe denkt, die unter anderem in Isaac Asimovs Foundation-Kurzgeschichte in vorkamen. Das mag zwar nicht die Bedeutung der Geschichte reduzieren, durchaus aber ihre Zugänglichkeit durch künftige Generationen beeinträchtigen.

- Eine Dystopie -

Ender's Game zeichnet eine Dystopie der Welt von morgen, wie man sie ähnlich auch aus Robert Heinleins Starship Troopers kennt. Doch Cards von Krieg gezeichnete Welt ist auf gewisse Weise dystopischer als Heinleins Konzept einer vereinten Menschheit. Cards Welt bewegt sich so etwa in einem immer noch schwelenden Ost-West-Konflikt und steht am Rande eines katastrophalen Bodenkrieges. Die Menschen sind nur soweit zusammengerückt, eine gemeinsame Internationale Flotte aufzustellen, um den bereits Jahrzehnte auf sich warten lassenden Raumkrieg mit den Formics zu schlagen. Intern ist die Menschheit weiterhin zerrissen und das mag auch von den Jahren des relativen Friedens seit der Zweiten Invasion liegen.

Cards Menschheit ist weniger perfekt und hat die irdischen Streitigkeiten nur vertagt, während Heinlein eine in dieser Hinsicht zumindest mehr utopische Variante gewählt hat. Cards Menschen sind schlicht und einfach nicht über sich hinausgewachsen und so ist die IF anders als das Militär in Heinleins Starship Troopers, wo es zur dominanten Macht geworden ist. Die IF ist eine Zweckgemeinschaft, eine die bisher nicht in der Lage zu sein schien ein wirkliches Eigenleben zu entwickeln. Wohl weil sie trotz aller ihr zur Verfügung gestellten Ressourcen fest im Griff der irdischen Politik ist. Ein Versuch der IF ihre Waffen gegen die irdischen Regierungen zu richten würde scheitern, allerdings aufgrund von Dingen, die wir erst gegen Ende des Buchs erfahren. Selbst nach dem dritten Formic-Krieg stünde die IF vor logistischen Problemen (Rückholung der Truppen von der Front). So erweist sich Cards Militär zwar als skrupelloser in manch anderer Hinsicht, aber zumindest zahmer und weniger glorifiziert.

- They are only kids? -

Der Erfolg des Romans Ender's Game mag auch daran liegen, dass das Buch eben im Young Adult-Genre platziert wurde. Eine Entscheidung die Orson Scott Card dem Vorwort nach nicht unbedingt bewusst traf. Als er zum ersten Mal mit Ideen für das spätere Werk aufkam war es Kindheit und Jugend die er einfach noch am besten zu verstehen glaubte. Es hat dem Werk jedoch keinesfalls geschadet. Neben der Öffnung für immer neue Generationen von Jugendlichen, denen hier eine Identifikationsfläche für ihre eigenen Probleme, Ängste und Nöte geboten wird, hat Card dem Werk eine Alterslosigkeit verliehen, weil das Alter der Charaktere an manchen Stellen doch nur eine kosmetische Rolle spielt.

Die Verwendung von Heranwachsenden macht Ender's Game auch um eine ganze Ecke glaubwürdiger, als die Verwendung von Erwachsenen, wo selten so reine Motive anzutreffen sind. Ender und seine Mitschüler werden hingegen von den Erwachsenen fortlaufend manipuliert und dass man überhaupt auf Kinder zurückgreift ist auch verständlich, wenn man bedenkt, dass Talente, Neigungen und Überzeugungen bei diesen noch offener liegen als in Erwachsenen. Ein Wunderkind kann in die Mittelmäßigkeit abdriften und als Erwachsener gänzlich übersehen werden, als Kind jedoch sticht es noch aus der Masse heraus. Und genau der Suche nach solchen Wunderkindern hat sich die IF verschrieben.

Werden Motive und Handlungen bei Erwachsenen oft genug verzerrt dargestellt, bei Kindern ist es meistens ziemlich klar, was der Auslöser ist, wenn sich zwei in die Haare geraten. Kinder sind unkomplizierter und deutlicher in ihren Absichten.

- Locke und Demosthenes -

Der Nebenplot um Peter und Valentine Wiggin spannt sich mittlerweile über einige Romane im Enderverse. Doch das überraschende an ihm ist, wie faszinierend er doch ist, auch wenn sich die primäre Erzählung um Ender zu drehen scheint. Peter und Valentine stehen ihrem kleinen Bruder in nichts nach, doch sie sind auf der moralischen Skala an zwei völlig verschiedenen Punkten angesetzt.

Peter ist ein aggressiv handelnder Soziopath, Valentine die mitfühlende passive und doch besitzt jeder der beiden Aspekte des anderen. Genauso wie Ender Charakterzüge seiner beiden Geschwister aufweist, weist auch Valentine Züge Peters auf, der umgekehrt auch wie Valentine handeln kann.

Enders Erfolg und Auserwählten-Status hat seiner Familie allerdings nichts eingebracht, auch weil die IF ihre Pläne mit Ender ohnehin geheim halten zu pflegt. So ist es für die beiden verbliebenen Wiggins völlig egal, wozu ihr Bruder auserkoren ist und sie müssen sich viel mehr miteinander auseinandersetzen. Ohne ihren Dritten sind die beiden gegensätzlichen Geschwister nur ein Paar und überraschenderweise mindert gerade das die Spannungen zwischen beiden.

So wie Ender auserwählt ist schon als Teenager zum größten militärischen Kommandanten der Menschheit zu werden, strebt Peter auch nach seinem rechten Platz in der Menschheitsgeschichte. Doch anders als der kleine Bruder genießt er keine staatliche Förderung seiner Ziele und Ambitionen. Während der kleine Bruder noch Valentine gleich die Dinge lieber über sich ergehen lässt, kämpft Peter auf eigene Faust sogar noch bedeutender zu werden als Ender.

Zu diesem Zweck schließt Peter dann auch seinen Pakt mit Valentine. Als politische Kommentatoren (und Blogger) wollen die beiden als Locke und Demosthenes zu Macht und Einfluss in der politischen Landschaft der westlichen Hemisphäre gelangen. Doch dabei ist Peter ganz klar, dass der gemäßigtere Locke potentiell der mächtigere von beiden werden könnte. Eine Rolle die wie auf Valentine zugeschnitten wäre. Doch Peter überredet sie zum Rollentausch, während er als gemäßigter Locke dabei auf ihren Rat angewiesen ist (und sich insgeheim selbst lehrt öffentlich eine Valentine-eske Fassade zu errichten), sieht sich Valentine genötigt sich Inspiration für den paranoiden Demosthenes von Peter zu holen.

Peters Rollentausch ist einerseits eine brillante Idee, die einmal mehr sein Genie unterstreicht, andererseits aber auch etwas, das umso harmloser erscheint, wenn man das Alter der Charaktere bedenkt. Peters Wunsch am Ende als der bessere Mensch und umjubelte Politiker aus der Affäre hervorzugehen führt dazu, dass er auch bereit ist sich selbst zu verleugnen und von Valentine zu lernen. Zugleich ist er noch ein Kind, dass um mehr Anerkennung zu erhalten praktisch sein Lieblingsspielzeug mit dem der kleinen Schwester tauscht, weil er sich davon die Erfüllung seines Wunsches verspricht. Da steckt womöglich auch ein gewisser Neid auf den auserwählten Ender und die mit ihrem Wesen weit besser positionierte Valentine dahinter. Doch beiden fehlt der Wille zur Macht.

- Lessons from the Battleroom -

Orson Scott Card war und ist kein Wissenschaftler und gibt das im Vorwort auch zu. Er hat sich als Autor sogar selbst die Frage gestellt, wie er Science Fiction schreiben kann, ohne vom Science Aspekt wirklich viel verstanden zu haben. Doch wie Ender's Game beweist muss man nicht Wissenschafts- oder Technologie-affin sein, um eine legendäre Science Fiction Geschichte zu Papier zu bringen.

Aber ausgerechnet Cards zentrale Idee, mit der alles seinen Anfang nahm, ist etwas womit viele spätere Science Fiction-Autoren und Schöpfer von Science Fiction-Medien so ihre liebe Not haben. Der Battleroom ist der Beweis dafür, wie faszinierend und schwer verständlich Schwerelosigkeit sein kann. Schwerelosigkeit verweigert sich unserer irdischen Lebenserfahrung und führt dazu, dass wir uns Raumschiffe auch immer noch als Schiffe vorstellen. Doch genau diese Vorstellung von der Notwendigkeit eines obens und untens ist eines der wichtigsten Paradigmen, welches Ender Wiggin gebrochen hat. Mit oscar-premierten Filmen wie Gravity gibt es bereits so manche Ansätze unser Denken in Zukunft mehr auf Enders Erkenntnis zu lenken.

Was Orson Scott Card seinen Ender Wiggin schnell erkennen lässt, in der Schwerelosigkeit ist unser altes Bezugssystem mit oben und unten völlig überflüssig. Sich daran zu halten ist für Ender ein Witz und die Anpassungsschwierigkeiten ein Thema bei den ersten Battleroom-Exkursionen der Launchies. Die wichtige Lektion die wir daraus lernen sollten, wenn es keine Schwerkraft gibt, gibt es auch keinen Zwang sich an sie zu halten. Doch genau diese Anpassungsschwierigkeit im Verständnis des schwerelosen Raums bereitet nicht nur den Launchies Kopfzerbrechen, sondern hat auch bereits Generationen von Science Fiction-Designern in Kino, TV und Videospielen dazu verleitet Raumschiffe und Schwerelosigkeit an irdische Gegebenheiten anzupassen. Ein RaumSCHIFF ähnelt immer noch mehr einem Schiff als es für seine Umgebung angemessen sein sollte. Schwerelose Umgebungen werden immer noch mit Upside-Downside-Elementen versehen, wohl um das Publikum nicht schwindelig zu machen.

Eine weniger technische Lektion aus dem Battleroom ist auch der Erfolg von Enders Strategien gegenüber dem Scheitern so vieler seiner Mitschüler. Wer sich für Team- oder Strategiespielen und dergleichen interessiert findet in Enders Erlebnissen vieles was einem selbst vertraut sein dürfte.

So treffen wir auf den autoritären Perfektionisten Bonzo Madrid, der es liebt allerlei fein orchestrierte Manöver zu proben, die ihn allerdings anfällig für Unvorhergesehenes machen und individuellen Einsatz oder Improvisation ausschließen. Bonzos Manöver sind hochkomplex und aus seiner Sicht zu schwierig einfach jemand neuen darin zu integrieren. Diese Inflexibilität kommt ihn teuer zu stehen, wie auch sein autoritäres Gehabe.

An späterer Stelle trifft man schließlich auf den Laissez-faire Commander Rose de Nose, der das exakte Gegenteil zum Perfektionisten Bonzo darstellt. Nose ist völlig desinteressiert daran seinen "Mitspielern" Vorschriften zu machen und delegiert die Verantwortung für die Manöver und Koordination an seine Platoon Leader. Sein Glück und Erfolg hingen dabei von talentierteren Offizieren ab, wie Toon Leader Dink Meeker, der sich selbst bereits mehrfach einer Beförderung zum Commander verweigert hat. Meeker ist es dann auch, der Ender wirklich in die Battleroom-Manöver einführt und Wege findet, den ehemaligen Launchie erfolgreich einzusetzen. Doch Meekers Paranoia gegenüber den Spielemachern und den Lehrern der Battleschool generell trüben auch seine Erfolge.

Dass sich Ender schlussendlich als der erfolgreichste Commander erweist ist zum Teil auch dem Einfluss Meekers zu verdanken, der ihn über die Sinnlosigkeit des Spieles aufgeklärt hat. Das Spiel selbst mag sinnlos sein und nur eine Show für die Lehrer sein, doch der Sieg ist irgendwie anders. Enders Spielweise verweigert sich der Konventionen und sorgt dann sogar dafür, dass die Regeln immer weiter verschärft werden, um ihm und seiner Truppe eine Niederlage zuzufügen. Doch Ender spielt das Spiel nicht mehr mit und gewinnt trotzdem oder genau deshalb. Ender verweigert sich des sogenannten Zergs. Anstatt zu versuchen die Armee des Gegners zu besiegen (was eben auch nach Sun-Tzus Kunst des Krieges eine grober Fehler ist) setzt Ender auf den Sieg. Gelingt es ihm einen Spieler durch das gegnerische Tor zu befördern hat er gewonnen und so unternimmt Ender alles was notwendig ist, um diese Siegesbedingung zu erfüllen.

Ender verweigert sich eine glanzvolle Schlacht (ein gutes Match) zu liefern, wählt oft verlustreiche, doch schlussendlich erfolgreiche Strategien und treibt Konkurrenten wie Lehrer damit zur Verzweiflung. Man hat ihm die schlechtesten Spieler und eine unterlegene Streitmacht gegeben, doch anstatt diese in einen Zweikampf zu schicken, den er verlieren müsste. In einem Mannschaftssport würde man ihn bestenfalls des Betrugsvorwurfs aussetzen, doch wie im Fußball zählen die Tore und nicht welche Mannschaft auf dem Platz die bessere Figur macht. Wenn der Underdog mit der richtigen Strategie gewinnen kann und die besten Spieler leer ausgehen ist das schnell mal etwas, das unfair genannt wird. Aber auch glanzlose, schmutzige Siege führen zum Erfolg.

- Resümee -

Ein Meisterwerk der Science Fiction das viel Diskussionsstoff und Anregungen zum Nachdenken bietet. Ein Werk das gerade so erfolgreich ist, weil es im Young Adult-Bereich beheimatet ist und genau wegen der Jugend seiner Protagonisten auch derart beeindruckende Charakterzeichnungen bietet.


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