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Mario Pf. (Oberösterreich)
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The Truce at Bakura: Star Wars (Star Wars - Legends)
The Truce at Bakura: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Kathy Tyers
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,84

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Endor nach Bakura - den Rebellen ist auch keine Verschnaufpause gegönnt, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Imperator und Darth Vader sind tot, der zweite Todesstern nur noch ein im All treibendes Trümmerfeld und die imperiale Flotte in alle Winder zerstreut - die Rebellen haben gesiegt! Doch damit fällt ihnen eine neue Aufgabe zu, die sich nicht einfacher gestaltet, denn der erst vor wenigen Jahren vom Imperium annektierte Planet Bakura ruft die imperiale Flotte um Hilfe an, nur haben die Rebellen diese eben vertrieben. Die Rebellenflotte ist zwar selbst angeschlagen, doch man beschließt als große Geste den Imperialen auf Bakura zu Hilfe zu eilen und somit einen ersten Schritt in Wiedererrichtung der Republik zu unternehmen, indem man sich als neue Schutzmacht anbietet. Unter dem Kommando Luke Skywalkers, mit der Rogue Squadron, dem Millenium Falcon und damit auch Han und Leia sollen die mysteriösen Angreifer auf Bakura zurückgeschlagen werden. Dort angekommen stellen die Rebellen zwar fest, dass die Imperialen durchaus bereit sind mit ihnen für die Dauer des Konfliktes einen Waffenstillstand einzugehen, die Bedrohung aber massiver ist als angenommen - eine Alien-Spezies aus den Unbekannten Regionen hat die imperialen Außenposten regelrecht überrannt und entführt die Überlebenden, um sie in einem brutalen Prozess in Energie für ihre Waffensysteme zu verwandeln...

Timothy Zahns Thrawn-Trilogie gilt als der Urknall der Bildung des Expanded Universe und Kathy Tyers TRUCE AT BAKURA war nichts weniger als der erste Star Wars-Roman nach Zahns THE LAST COMMAND. Schon Zahns Trilogie gab Themen und Agenden vor, die das EU in den 90er-Jahren unter der Lizenz von Bantam prägen sollten. Wird die Thrawn-Trilogie allerdings noch bejubelt und heute noch mit Kultstatus gefeiert, Tyers nicht weniger "prophetischer" Star Wars-Erstling scheint genau das Gegenteil zu sein, er wird wie viele andere Romane und Trilogien der "Bantam-Ära" unter den Teppich gekehrt. Aus gutem Grund? Tyers zeichnete schon 1993 ein Schema vor, das mitverantwortlich dafür ist, warum das EU nach dem Aufblühen mit Zahn bereits wieder viele Fans vergraulte.

- Eine kleine Geschichte des Expanded Universe -

Mit dem Sieg über und auf Endor schien der Krieg der Sterne gewonnen, doch Zahn legte das Fundament dafür, dass das Imperium danach eben nicht geschlagen, sondern in internen Konflikten zerstritten war. Dabei bewegte sich die Thrawn-Trilogie allerdings 5 Jahre in der Zukunft, Kathy Tyers hingegen sollte direkt an Episode VI anknüpfen. Ihr fiel nun die Aufgabe zu einigermaßen die Brücke zwischen dem großen Triumph und diesem langsamen Aufstieg der Neuen Republik zu schlagen, warum wurde dieser möglich? Tyers hat sich damals dem wohl noch unverbraucht anmutenden Konzept einer dritten Partei bedient, die in den Konflikt eingreift und die Rebellen zu einem Waffenstillstand mit dem überrannten Imperium zwingt. Und natürlich steht das Schicksal der gesamten Galaxis am Spiel. Nach diesem Konzept zogen diverse Autoren in den 90ern immer wieder Trilogien hoch, hier die bösen neuen aus dem Hut gezauberten Aliens, die die Welt bedrohen wie wir sie kannten, da Bürgerkriege und Krisen die nur noch sehr wenig mit dem klassischen Star Wars zu tun haben schienen. Kein Wunder, wenn sich Michael Stackpoles und Aaron Allstons, an die OT und George Lucas Faible für Pilotengeschichten angelehnte, X-Wing-Romane zu Kultwerken entwickeln konnten. Sie fingen noch am ehesten ein, was Star Wars vor den Prequels für viele war. Der Konflikt zwischen Imperium und Rebellen/Neuer Republik trat in den diversen Romanen in der Tradition Tyers stark in den Hintergrund, während jene die sich an Zahns Konzepten orientierten ohne diese kaum auskamen, aber auch andere Ideen Zahns weiterentwickelten (Schmuggler, den Wiederaufbau des Jedi-Ordens und anderes was man noch aus der OT abzuleiten pflegte). Der Gegensatz zwischen einer Beschwörung und Weiterentwicklung von Themen der OT und dem Beschreiten neuer Science Fiction-artiger Wege war also bereits 1993 geschaffen, im Jahr als nach THE LAST COMMAND eben TRUCE AT BAKURA erschien. Als Del Rey 1999 mit dem Buch zu Episode I die Lizenz für die Star Wars-Romane wiedererlangte (die Han Solo-Romane Brian Daleys und L. Neil Smiths Lando Calrissian-Trilogie waren samt den OT-Romanadaptionen und Alan Dean Fosters Splinter of Minds Eye einst noch bei Del Rey erschienen, ehe Bantam Spectra die Lizenz für Star Wars-Romane übernahm) startete THE NEW JEDI ORDER und damit eine 19bändige Reihe die sich von VECTOR PRIME (1999) an als ultimative Alien-Invasion und je nach Betrachtungsweise Abrechnung mit den Romanen der 90er-Jahre darstellte. Schon in Troy Dennings Dark Nest griff man allerdings wieder auf dieses Schema - überlegene bis dahin verborgene Spezies bedroht den Frieden in der Galaxis - zurück, nachdem man einige der unter Bantam geschaffenen Alien-Spezies von den Yuuzhan Vong sogar hat auslöschen lassen.

- Pro -

Tyers TRUCE AT BAKURA war der erste Schritt auf dem Weg hin zu einem shared universe, in dem sich Kurzgeschichte wie Romane und Comics schließlich vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Kontinuität abspielen sollten. Auch wenn Comics und Romane bis heute meist eher getrennte Wege gehen, gemeinsame "multimediale" Projekte wie der Knight Errant Roman zur Comicreihe oder Großbaustellen wie The Old Republic sind da fast schon wieder die Ausnahme. Tyers wählte genau jenen Ansatz den Zahn eben nicht verfolgte, sie versetzte ihre Handlung direkt in die Folge von Rückkehr der Jedi-Ritter und musste sich so schon einmal gar nicht so sehr damit beschäftigen ihrer Charaktere reifen zu lassen, sondern nur Luke und Co. dort abzuholen wo sie der Film zurückgelassen hat.

Und diese Übernahme aus dem Epilog aus Rückkehr der Jedi-Ritter klappt auch ganz gut. Kathy Tyers vermittelt ihren Lesern jedenfalls noch sehr deutlich das Gefühl dass das die Charaktere sind die man auf der Leinwand bzw. dem heimischen Fernsehschirm bestaunen konnte. Zumindest zunächst. Das Anknüpfen funktioniert ja noch sauber. Die Rebellen sind müde, noch siegestrunken, aber spüren deutlich die Verluste ihres großen Triumphs und die Aussichten, dass das Imperium wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt haben sich zerschlagen, die Republik wiederherzustellen wird noch ein harter und langer Kampf.

Soweit, so gut. Ähnlich konnte man die Folgen der Schlacht um Endor auch bei Zahn nachlesen. Doch anstatt die Rebellen nun gegen einen imperialen Vergeltungsschlag in die Schlacht zu werfen (was vielleicht an einige alte Star Wars Marvel Comics erinnert hätte) oder erste Planeten bei ihrem Aufstand gegen das Imperium zu befreien (was ein Vorgriff auf Michael Stackpoles X-Wing Comics gewesen wäre) wirft Tyers unsere Helden in die Schlacht gegen eine "noch größere, noch bösere" Bedrohung - die Ssi-ruuk! Was 1993 vermutlich noch frisch und neu wirkte, nicht wie ein verunstaltetes Crossover a la "Star Wars vs. Aliens". Trotzdem, so einfallslos die Idee heute auch wirkt, die darauf aufgebaute Handlung hat auch ihre Schokoladenseiten.

Auf Bakura müssen sich die Rebellen auf einen Waffenstillstand mit den dortigen imperialen Truppen einigen. Letztere sind natürlich auch nicht einfach bereit den Planeten aufzugeben und die wenig eindrucksvolle Task Force der Rebellen kann den imperialen Eindruck von den Rebellen als Terroristen und Piraten nicht unbedingt wett machen. Glaubwüridgkeit gewahrt. Ein Punkt für Kathy Tyers. Es kommt jedoch noch schlimmer. Das lange Zeit unabhängige Bakura wurde vor noch nicht einmal allzu langer Zeit annektiert, Sympathien zur alten Republik sind also wohl nicht vorhanden und der jungen Elite wurde gehörig das Gehirn gewaschen. So darf man aus Sicht der Einheimischen die heldenhaften Rebellen und Helden von Endor einmal als befremdliche Unruhestifter erleben, die man allerdings gut brauchen kann um die bevorstehende Invasion abzuwehren. Selbst die Jedi haben auf Bakura nicht den besten Ruf, dennoch entwickelt sich die junge Senatorin Gaeriel Captison für Luke schnell zum love interest, auch wenn sie zunächst als imperiale Kollaborateurin in Erscheinung tritt und das Stabilitätsversprechen des Imperiums lobpreist. Mit Captison verfügt Bakura jedenfalls schon von Beginn an über eine politische Hoffnungsträgerin für die Zeit danach, etwas das man in jüngeren Star Wars Romanen oft vergeblich suchen wird.

Ein Happy End kann es jedoch nicht für alle geben, Leia wird sich noch lange nicht damit abfinden können, dass Darth Vader ihr Vater war und auch eine Erscheinung des Machtgeists Anakin Skywalkers vermag sie nicht umzustimmen. Es sollte bis Troy Dennings TATOOINE GHOST dauern bis Leia mit sich und ihrer Familiengeschichte soweit ins Reine kommen konnte, dass auch sie Anakin Skywalker als Vater akzeptieren konnte.

- Contra -

Kathy Tyers mit Timothy Zahn zu verlgeichen mag unfair erscheinen, aber beide standen am Beginn der Expansion des Expanded Universe und stehen fast archetypisch für die zwei Trends ein, die in der Bantam-Ära dominieren sollten. Rebellen vs. Imperium und Rebellen vs. Aliens - stark vereinfacht ausgedrückt. Star Wars war vor den Prequels für viele eben der Kampf der Rebellen gegen das Imperium und beide Seiten genossen ihre Sympathien. Entsprechend etablierten sich Werke die stark mit dem Rebellen vs. Imperium-Sujet lange Zeit als die beliebteren (wie die Thrawn-Trilogie oder die X-Wing-Romane). Dennoch ging man immer wieder dazu über in Star Wars auch (heute) "klassische" Bedrohungen einzustreuen, im vorliegenden Fall eben "Seelenräuber", die nicht nur versklaven sondern Lebewesen wie Batterien aussaugen und mit ihren Lebensessenzen Droiden aus Billigproduktion betreiben. Ein Manko des Romans kann für viele also schon die Wahl der Antagonisten sein.

Im Vergleich, während Zahn mit Talon Karrde, den Rogues und Mara Jade Charaktere schuf die über seine Romane hinaus Bedeutung und Rollen erlangten, sollten Pter Thanas und Gaerial Captison erst in der Corellia Trilogie wieder in Erscheinung treten, Captisons Tochter sogar in einem NJO-Roman noch als politische Demonstrantin kurz Verwendung finden. Und wieder, der Vergleich mit der Thrawn Trilogie, mag unfair wirken, aber sollte auch eines klar machen, TRUCE AT BAKURA ist im Endeffekt ein Roman ohne Folgen. Der Waffenstillstand verblasste wieder, die Schlacht die hier geschlagen werden musste ist keine die man gelesen haben muss, sie hat nicht mehr Bedeutung als der Sturz eines der unzähligen Kriegsherren in den X-Wing Comics.

Mit allzu großen Besonderheiten will einen TRUCE AT BAKURA ja auch nicht in Erinnerung bleiben. Die Vertreter der "dunklen Seite" sind eine eher persönlichkeitslose Alien-Reptilienbrut, wie man sie aus diversen Serien und Filmen halt kennt. Nichts besonderes, leider. Denn meistens sind es herausragende Persönlichkeiten die als Personifikationen dieser Legionen des Bösen positiv in Erinnerung bleiben würden. Doch charismatische oder wenigstens gewiefte Schurken fehlen BAKURA. Die imperialen Bürokraten sind farblos geraten und auch der etwas begabtere Commander Pter Thanas ist kein Thrawn und das spiegelt sich schon an seinem bescheidenen Rang wieder.

Uninspirierte Schurken auf der einen Seite, die Großen Drei, eine Rebellin in spe und ein zu rettender Junge auf der anderen Seite. Potential hätte auch der machtsensitive Dev Sibwarra besessen, Sohn einer Ex-Padawan, von den Ssi-ruuk entführt und aufgrund seiner Machtbegabung als Medium bei ihrem Essenztransfer unverzichtbar. Doch Dev ist wenig mehr als ein Kind, das scheinbar am Stockholm-Syndrom leidend nicht erkennen kann was er tut und in seinen Szenen genau diese Perspektive eines willfährigen Hilfsmittels der Ssi-ruuk mimt.

BAKURA leidet an einem typischen Science Fiction-Problem, nämlich dem Bestreben mangelnde "Darstellerleistungen" durch "Spezialeffekte" zu kaschieren und damit eine nicht so fesselnde Handlung, uninteressante Charaktere und dergleichen zu überdecken. Was in den frühen 90ern vielleicht noch funktionierte, über 20 Jahre danach wirken die Ideen lange nicht mehr so zugkräftig die zeitlosen Makel zu übertünchen.

- Resümee -
TRUCE AT BAKURA ist kein Star Wars Roman den man gelesen haben muss. Er ist bestenfalls mittelmäßig (was erschreckend viel über die Durchschnittsqualität von Star Wars Romanen verraten könnte) und bleibt einem durch sehr wenig positiv in Erinnerung. Prädikat: Dutzendware. Kathy Tyers tut einem sogar noch den Gefallen, dass der Roman wenig weltbewegendes in das Expanded Universe eingebracht hat und tatsächlich ignoriert werden kann.


Dragon Age (Dragon Age 3)
Dragon Age (Dragon Age 3)
von David Gaider
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,30

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Sturm zieht auf, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dragon Age (Dragon Age 3) (Taschenbuch)
Die Rebellion der Magier von Kirkwall hat in ganz Thedas zu einer neuerlichen Anspannung des Verhältnisses zwischen Templern und Magiern geführt. Gerade in dieser explosiven politischen Großwetterlage geht ein Gespenst im Weißen Turm in Orlais um und es mordet. Doch die Mordserie an Magieranwärtern lässt sich von den Templern nicht länger verbergen und allmählich erfahren auch die von der Außenwelt sonst abgeschnittenen Magier was vor sich geht. Doch ein Magier glaubt zu wissen wer hinter den Morden steckt und... landet mit dieser Erkenntnis selbst im Kerker, als ihn eine Templer zur falschen Zeit am falschen Ort erwischt.

Nun bietet sich für Rhys jedoch eine Chance dem Kerker und möglicherweise auch der Exekution zu entkommen, eine Heldin der letzten Verderbnis ist nach Orlais gekommen und hat den dortigen Zirkel der Magi um Hilfe ersucht. Wynne will jedoch nicht irgendeinen Magier für ihre Mission im Auftrag rekrutieren, sondern ihren Sohn - Rhys, eines der fähigsten Geistmedien des Zirkels. Doch die geheimnisvolle Natur des Auftrags Wynnes, der sie und ihre Begleiter in eine ehemalige Festung der Grauen Wächter führen wird ist auch dem Lord Seeker Lambert nicht entgangen, der nun die Kontrolle über die Templer des Weißen Turms inne hält. Um den des Mordes verdächtigen Rhys nicht aus den Augen zu verlieren und die Kirche vor wie auch immer gearteten Enthüllungen im Zuge von Wynnes Mission zu schützen, entsendet er Knight-Captain Evangeline mit auf die Reise. Doch neben ihr schließt sich auch die Magierin Adrian der Gruppe an und auch ein unsichtbarer Begleiter folgt den drei Magiern und der Templerin...

Im Endeffekt scheint Dragon Age 2 nur ein Lückenfüller gewesen zu sein und allzu viel gab die Story ja auch nicht her. Ein Aufstand brach los und die Templer tun sich seit jeher schwer ihre "Schützlinge" unter Kontrolle zu halten, nun versucht sich auch noch ein Magier daran die Göttliche Justinia V. zu ermorden und die Seeker of Truth übernehmen Führungspositionen innerhalb der Templer Kontingente, die in den Zirkeln stationiert wurden. Aus Dragon Age 2 weiß man, es kommt zum Krieg, nur in ASUNDER wirkt es so als wäre man noch einen großen finalen Akt davon entfernt. Autor David Gaider weiß natürlich bereits wie es mit Theads weiter laufen wird, immerhin ist er der Chefautor hinter den Dragon Age Games und Teil 3 harrt derzeit seiner pompösen Ankündigung, sicherlich weil man ein wenig von der Konkurrenz (Elder Scrolls V: Skyrim) eingeschüchtert ist. Es war auch Gaider der mit den vorangegangen beiden Dragon Age-Romanen stets einen Blick auf kommende Ereignisse freizugeben vermochte. THE STOLEN THRONE behandelte die Rebellion Fereldens und den Aufstieg Loghains, sowie dessen verräterische Veranlagung, THE CALLING präsentierte bereits den Architekten und stellte die Grauen Wächter mehr ins Rampenlicht. ASUNDER ist nun ein Dragon Agen Roman der nicht in der Vergangenheit spielt, sondern zwischen Dragon Age II und Dragon Age III.

Wenn es die Göttliche, die Kirche (Chantry) und den Spoiler am Ende von Dragon Age II betrifft darf natürlich Leliana nicht fehlen. Als Agentin der Göttlichen spielt sie in ASUNDER jedoch nur eine geringe Rolle. ASUNDER ist Wynnes große Stunde, denn immerhin ist ihr ihre zweite Chance im Leben für etwas bestimmtes geschenkt worden. Eine ähnlich knapp bemessene Rolle hat auch eine alte Bekannte aus THE CALLING erhalten, Fiona, die diesmal als Vorsitzende (Grand Enchanter) des Kollegiums der Ersten Verzauberer (First Enchanters) mit an Bord ist. Allerdings erst sehr viel später im Verlauf der Handlung. Zunächst fällt einmal auf dass David Gaider in ASUNDER neben Wynne noch einen dritten Dragon Age Origins Charakter aus dem Hut zaubert, den/die Golem Shale. Einige humrovolle Randbemerkungen sind also garantiert.

Rhys und Adrians Reise zur ehemaligen Grauen Wächter-Festung wird derweil für die beiden wie auch den Leser zu einem Augenöffner über die Probleme der Beziehung zwischen Templern und Magiern. Beide Fraktionen bestehen mehr oder weniger aus Menschen, mit menschlichen Bedürfnissen und Gefühlen, sonst wäre aus einer solchen Verbindung auch nie Rhys entstanden. Doch beide Seiten hegen massives Misstrauen gegen die andere, was nicht unbegründet ist. Aber auch auch die einfachen Leute aus den Dörfern Orlais, auf welche sie treffen, haben ihre Ressentiments. Die Templer, vor allem so "liberale" wie Ser Evangeline sind der Ansicht sie würden die Magier beschützen, notfalls auch vor sich selbst und dafür gäbe es schließlich auch den Zirkel. Magie ist in der Vorstellung dieser Templer nicht an sich böse, aber sie gehört besser kontrolliert. Hardliner wie Lambert hingegen sehen in den Magiern nicht allenfalls schützenswerte Kreaturen, sondern so etwas wie unverbesserliche und gefährliche Sünder und Geschehnisse wie in Kirkwall oder der Dämonenausbruch in Ferelden vor noch längerer Zeit geben ihnen scheinbar recht. Auf der anderen Seite fühlen sich die Magier von den Templern erdrückt, in allen Aspekten ihres Lebens eingeschränkt und längst nicht mehr human behandelt. Die Willkür mit der die Templer einige der ihren in die Kerker werfen, dem Ritual der Besänftigung unterziehen und Rebellionen wie in Kirkwall niederschlagen geben auch ihnen Recht.

Beide Seiten kennen ihre Abtrünnigen, doch miteinander konfrontiert müssen Rhys und Evangeline doch beginnen ihre Überzeugungen zu überdenken. Was Rhys nicht ahnte ist ja dass die Templer lyriumabhängig gemacht werden und somit auf das Wohlsinnen ihrer Dienstherren angewiesen sind, während die Magier selbst durch die Erziehung und Ausbildung im Tempel eine sehr viel höhere Bildung als einfache Bauern genießen, die zudem stets unter den zahllosen Bürgerkriegen und Aufständen des Kaiserreichs zu leiden haben. Und doch am Ende des Buchs werden Magier und Templer sich im Krieg befinden, die Reise zur Festung, ist metaphorisch bereits der Weg dorthin.

Denn in Adamant hat ein Besänftigter im Auftrag der Göttlichen höchstselbst Experimente begonnen, die scheinbar gescheitert sind und dazu geführt haben dass die Festung von Dämonen besessen ist. Und Wynnes Mission führt sie genau dort hinein, denn es war ihr alter Freund Pharamond, der sie begann. Nur Pharamond ist bzw. war ein Besänftigter, wie könnte ein solcher jemals einem Dämonen erliegen, ist Sinn und Zweck des Rituals der Besänftigung doch einen Magier vor solchen Einflüssen und somit sich selbst zu schützen, indem ihm gewissermaßen sein selbst genommen wird?

- Erzählerisch -

Im Gegensatz zu STOLEN THRONE ist ASUNDER auf keine Zeitsprünge angewiesen, was dem Buch zu seiner geradlinigen Handlung verholfen. Zumal auch nicht klar ist, ob und wer für Dragon Age 3 am Leben bleiben muss, ist auch ein gehöriges Maß an Spannung vorhanden, das einem auch versehentliches "vorblättern" nicht nehmen kann. Das Buch mag zwar an manchen Stellen stark klischeebelastet sein, doch David Gaider versteht es zu gut Enthüllungen über die Handlung verteilt einzuflechten, anstatt diese in Bausch und Bogen billig auf den letzten 30 Seiten runterzurattern. So bleibt es auch viel spannender und interessant zu lesen ist es für Dragon Age Fans ja, nicht nur weil Wynne und Shale mit dabei sind, sondern gerade weil mehr auf den Templer vs. Magier-Konflikt eingegangen wird, der schon bald eskaliert. Pharamonds Experiment und dessen Konsequenzen sind jedoch nur ein Teil der Handlung, gewissermaßen die Quest zu der Rhys mit Wynne aufbrechen darf. Es gilt ja auch einen geheimnisvollen Mörder zu fassen bzw. einen jungen Mann vor sich selbst und seinen unkontrollierten Gaben zu retten. Mit diesem "Questaufbau" und der Vorstellung vor Augen, wie das ganze in einem RPG aussehen würde, versteht man wie einfach es David Gaider fallen dürfte einen solchen Roman in ein Dragon Age Spiel einzubauen bzw. man erkennt vielleicht auch besser wie viel "Zeilen und Seiten" hinter einer solchen Quest im Game nun stecken.

- Die Charaktere -

Wer von den in ASUNDER neu eingeführten und wiederverwendeten Charakteren auch in Dragon Age 3 noch eine bedeutende Rolle einnehmen wird ist unklar, mit Sicherheit werden aber Justinia V. und Leliana (die außerdem nur als Nebencharaktere in Erscheinung treten) wieder mit von der Partie sein. Alle anderen sind also theoretisch zum Abschuss freigegeben, was der Spannung des Buchs ganz und gar nicht abträglich ist.

Deutlich zu Tage tritt zunächst allerdings einmal David Gaiders Hang zu starken weiblichen Persönlichkeiten, wie Wynne, Evangeline, Adrian, aber auch Shale. Umgeben von diesen ist Rhys der einzige Mann auf Seite der Guten, seit sich der geisterhafte Cole ja eher wie ein Kind verhält und zudem moralisch schwer einzuordnen ist, ein Grauzonencharakter wie man sie in Dragon Age immer wieder findet. Die Dominanz starker Frauen hängt aber zum Teil auch mit der Struktur der Chantry zusammen, die sich auf Andraste beruft und anstatt eines Papstes und einer Kurie alter Männer eine Göttliche und viele alte Frauen an ihrer Spitze hat. Eine Situation die unterschwellig allerdings auch Ressentiments beim Lord Seeker hervorbringt, der sich wie die Templer nicht unter eine das "Magier-Problem" zu zahnlos anpackende Göttliche einordnen will. Dabei wären ja die Templer selbst kein reiner Männerverein, aber Hardlinern die sich göttlicher als die Göttliche betrachten ist wohl jedes Vorurteil recht ihren Glauben mit Feuer und Schwert durchsetzen zu dürfen.

Zumindest beim Lord Seeker weiß man also auf wessen Seite er steht, der der Bösen. Und das obwohl es mit den sehr realen Dämonen, auf welche Wynnes Gruppe in der ehemaligen Wächterfestung trifft, eine wirklich abgrundtief bösere Variante des Bösen gibt. Doch der Lord Seeker steht zum Teil für das woran Thedas wirklich krankt, nicht den dunklen Mächten die hinter dem Schleier lauern, sondern der Verdorbenheit und Skrupellosigkeit die den Menschen schon innewohnt und einige wie Lambert auch ausleben.

Der Zweck heiligt die Mittel - ist eines der Themen mit welchen sich verschiedene Charaktere auseinandersetzen müssen. Der Mörder aus dem Weißen Turm etwa will nur leben und nicht im Nichts verschwinden, Adrian will den Templern die Stirn bieten und den Zirkel von der Aufsicht durch die Kirche befreien, selbst Wynne hat ihre Geheimnisse und Rhys erst recht, will er doch gewisse Leute schlicht beschützen.

Im Zentrum des Spannungsfelds dieser auseinanderdriftenden Ziele steht Rhys, der eigentliche Protagonist. Als Magier zwar auf Seiten der Libertarianer stehend ist Rhys durchaus jemand mit gemäßigter Perspektive, ähnlich seiner eigenen Mutter. Auf gewisse Weise repräsentiert er mit seinem Standpunkt auch jenen der Mehrheit der Magier, was ihn zum Dreh- und Angelpunkte des aufkommenden Konflikts werden lässt. Durch seine Zuneigung zu Evangeline erfährt Rhys eine klarere Sicht auf die Perspektive der Templer, wird dadurch aber nicht zum Loyalisten.

Rhys befindet sich unterdessen auch im Mittelpunkt einer spannungsgeladenen Dreiecksbeziehung, zwischen der unerwiderten Liebe seiner Magier-Kollegin Adrian, die für eine radikale Sezession der Magier von der Kirche und ihren Institutionen eintritt und den Sympathien Evangelines, die sich von der anfangs etwas naiv-loyalen Templerin zu einer eigenständigen Position durchringt. Nun überrascht es nicht, dass Adrian als eine Art Anders-Aufguss von Gaider weit weniger ausgearbeitet wird, als Ser Evangeline, die sich charakterlich im Verlauf der Handlung wie Rhys wirklich entwickelt. Dass die Hardliner wie Adrian, Fiona und Lambert allerdings am Ende scheinbar ihren Willen durchzusetzen am nächsten kommen, ist die Tragödie ASUNDERs. Während moderate Gestalten wie Rhys und Evangeline durch die Ereignisse geformt werden, bleiben die Falken am Ende dort wo sie schon am Anfang standen und fühlen sich bestenfalls noch umso mehr bestärkt in ihren Handlungen. Der Weg der Mitte, Mitgefühl, Verständnis für die anderen... er spendet Hoffnung, führt aber nicht aus dem Dilemma hinaus aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

- Resümee -
David Gaiders ASUNDER ist und bleibt ein Roman zu einem Videospiel, allzu hohe Erwartungen in Sachen Anspruch und Erzählung sollte man daher nicht hegen. Mit entsprechend reduzierten Ansprüchen an das Buch wird man dafür aber angenehm überrascht. Gaider ist ein Lead Autor aus der Spieleschmiede Bioware, seit langer Zeit bekannt für Games die sich auf faszinierende Geschichten verstehen und oft als Beispiel dafür herhalten können, dass Videospiele auch eine Form von Kunst sein können. Aber auch Gaider kocht nur mit Wasser und greift und hie und da auf manches Klischee zurück. ASUNDER ist dessen ungeachtet ein noch beklemmenderes Buch als die vorigen beiden Dragon Age Romane, man weiß aus dem Epilog von Dragon Age 2 und den über Teil 3 der Saga durchgesickerten Informationen dass es nicht gut ausgehen kann. Kirkwall hat das Stroh bereitet, ASUNDER ist der Funke der es entzünden wird.

Fazit:
Für Dragon Age Fans ein Must Have um sich die wahrscheinlich sehr lange Wartezeit auf Dragon Age 3 zumindest etwas zu verkürzen.


Shadow Games: Star Wars (Star Wars - Legends)
Shadow Games: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Michael Reaves
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,85

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Star Wars Unterhaltung mit Thrillerflair, 20. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sein jüngster Versuch Han Solos Rekord beim Kesselflug zu brechen kostet Dash Rendar beinahe die Outrider, doch als ob das nicht genug wäre überfordern die Reparaturkosten sein ohnehin knappes Budget und so sind er, Co-Pilot Eaden Vrill und Mechanikerdroide Leebo fürs erste auf Tatooine gestrandet. Nur wie soll sich der zweitbeste Schmuggler der Galaxis eines Tages auf Platz 1 vorarbeiten können, wenn er nun sogar schon Han Solo darum bitten muss seine Fracht abzuliefern?

Eine Chance tut sich auf, als Dash und seine Crew einen potentiell ertragreichen Job als Sicherheitsberater für die Tournee des Holosternchens Javul Charn ergattern. Doch eine unbekannte Macht sabotiert Javuls Tournee auf Schritt und Tritt, sogar an Bord ihrer hochgerüsteten Raumyacht scheinen sie nicht mehr sicher zu sein. Könnte die Black Sun ihre Finger dabei im Spiel haben?

Thriller im Star Wars Universum wären eigentlich nichts ungewöhnliches, schon Episode II spielte ein wenig mit Elementen eines Detektivromans, Rückkehr der Jedi-Ritter ging sogar zur Befreiung eines charmanten Schurken aus den Klauen eines skrupellosen Paten über und die Rettung von "Prinzessinnen" steht seit Eine neue Hoffnung ohnehin immer hoch im Kurs. Doch wie schon bei Joe Schreibers Star Wars Horrorromanen (die die Existenz der Galaxy of Fear-Reihe als erste Star Wars Horror Romane völlig unberücksichtigt ließen) hat man sich erst jetzt dazu durchgerungen wirklich einen Star Wars Roman mit dem entsprechenden Genretitel zu vermarkten. Aber SHADOW GAMES geht noch etwas weiter und so haben sich Michael Reaves und Maya Kaathryn Bohnhoff daran versucht einen wirklich "typischen" Thrillerplot ins Star Wars Universum zu verpflanzen. Mit einem überraschenden Ergebnis - denn es ist den beiden tatsächlich gelungen.

Wer glaubt SHADOW GAMES wäre die erste Koopration Bonhoffs und Reaves darf überrascht feststellen dass die beiden auf eine schon einige Jahre zurückreichende gemeinsame Geschichte verweisen können und tatsächlich war schon CORUSCANT NIGHTS III: PATTERNS OF THE FORCE eine solche im Star Wars Universum, nur dass Bonhoff in dieser nicht als Autorin mitgenannt wird und gewissermaßen eher als Ghost-Co-Writerin herumspukte. In SHADOW GAMES arbeiten beide nun höchst offiziell und wohl auch zu geteiltem Lohn zusammen und das lässt sich für das findige Auge auch herauslesen, denn an einigen Stellen wenn die Perspektive von Dash Rendar zu Javul Charn wechselt meint man da auch einen anderen Schreibstil erkennen zu können.

Der Weg zum ersten Star Wars "Thriller" war nicht so weit, die entsprechenden Institutionen bestehen schon seit Jahren. Und Michael Reaves anderer Co-Autor Steve Perry (DEATH STAR, MEDSTAR) hat sich in seinem einstigen Star Wars Debüt ja für die Einführung Prinz Xizors und der Black Sun in das Expanded Universe verantwortlich gezeichnet. Seit ihren Kooperationen hat Reaves auch Elemente wie diese für "seine" Romane übernommen, namentlich Xizor und die Black Sun etwa in Coruscant Nights verwendet. Wer Reaves und Perrys Medstar-Duologie oder auch DEATH STAR kennt weiß, die beiden verstehen sich darauf die "kleinen Leute" in Szene zu setzen, die nicht einmal so galaktische Verbrechernetzwerke sprengen können und den Ereignissen tendenziell eher ausgeliefert sind, so dass ihnen nur übrig bleibt damit auf lesenswerte Weise umzugehen. In eine solche Kerbe schlägt auf SHADOW GAMES.

Dash Rendar ist kein Han Solo, sondern sein eigener Mann. Mehr ein Charmebolzen als der zeitweise ruppig agierende Solo, vor allem aber jemand mit amüsanteren Gefährten. Wer schon Reaves Kreation I-Five (I-5YQ) liebte, der wird auch von dessen eigentlichen Stammvater Leebo (LE-BO2D9) begeistert sein. Der Mechanikerdroide wurde zudem von seinem früheren Besitzer Kood Gareeda, einem rodianischen Comedian, teilweise nach dessen Persönlichkeit programmiert und so verwundert es nicht, wenn Dash gerne vergisst, dass sein treuer Mechaniker eigentlich gar kein Mensch ist. Daran erinnern darf ihn immer wieder gerne Co-Pilot Eaden Vrill, ein nautolanischer Teräs Käsi Meister (wie sollte es in einem Michael Reaves Roman auch anders sein). Die Dynamik dieses Trios lässt sich da hoffentlich schon erahnen. SHADOW GAMES gehört jedenfalls ohne Frage zu den humorvollsten Star Wars-Romanen seit Aaron Allstons X-Wing Run über die Wraith Squadron.

- Erzählerisch -

SHADOW GAMES ist trotz des hohen Humorgehalts und der Charakterdynamik erzählerisch wahrscheinlich keiner der besseren Star Wars Romane. Wer also wenig auf Unterhaltungswert bei seiner Star Wars Lektüre gibt, sollte zu anderen Werken greifen. Denn Reaves und Bonhoff halten sich zeitweise sehr eng an ein klassisches 08/15-Thriller-Schema, teils auch um das Buch überhaupt als Thriller erkennbar zu machen. Entsprechend klischeehaft und überzogen entpuppen sich dabei einige Szenen, vor allem dann wenn es um das Eingemachte oder diverse Plottwists und -turns geht. Man kann sich das natürlich schönreden, indem man behauptet es wäre eben eine Hommage auf das Genre, eine Methode die bei Funktionieren auch auf Joe Schreibers DEATH TROOPERS anwendbar ist. Zumindest lässt sich dem Autoren-Duo zugutehalten dass es die Geschichte einigermaßen undurchschaubar hält und mit den Wendungen zu überraschen versteht, vor allem wenn man dieses Wort "Thriller" und entsprechende Plotassoziationen zeitweise wegen der Überdosis Star Wars aus den Augen verliert. Es ist ja auch so, dass bis auf Leebo und Dash keiner der Beteiligten den Roman überleben müsste, um in SHADOWS OF THE EMPIRE noch auftreten zu können. Dessen ungeachtet, die Kooperation der beiden hat gut funktioniert, vor allem lesen sich die jeweils auf Dash und Javul zugeschnittenen Passagen sehr gut und unterscheidbar.

- Charaktere -

Gerade an Bord der Novas Heart führen Bonhoff und Reaves fast schon zu viele Nebencharaktere ein, dass man sie sich merken könnte. Neben der Tourmanagerin, der Kostümdesignerin, dem Schiffskapitän, dem Verlademeister samt Assisentin... einfach zu viele. Nur gut dass diese auch nicht wirklich alle benötigt werden und zeitweise sogar sprichwörtlich mit einem anderen Schiff fliegen müssen. Sehr sympatisch entwickelt sich Javul Charn, die zudem als love interest für Dash Rendar aufgebaut wird. Für Bonhoff Grund zur Begeisterung war allerdings das sie und Michael Reaves Han Solo für ihr Werk verwenden durften, ein Auftritt den man ohne das Werk gelesen zu haben, vielleicht als unnötig abtun würde. Doch es sei hier erwähnt, Solo kommt solo (ohne Chewie) und verfeinert die Dynamik zwischen den Charakteren. Auch das vielleicht eine Art Hommage an das Genre, wenn "coole" Charaktere nur deshalb in Erscheinung treten und den Tag retten weil ihr Darsteller oder im Falle eines Franchise sogar die Rolle Kultstatus genießt.

- Die Bösen -
Wer sind denn nun die Verbrecher die der hübschen Javul Charn nach ihrem Leben trachten? Das "Wer?" bleibt in SHADOW GAMES lange unbeantwortet, denn wie in Thrillern bzw. Hardboiled Detektivromanen kommt die Wahrheit nur langsam ans Licht. Die Bedrohung ist allerdings immer da und schlägt bereits zu, als Dash und Co. mit der Novas Heart von Tatooine aufgebrochen sind. Als er dann noch erfährt dass ihr erstes Tourneeziel Rodia ist, wo die Black Sun eine ihrer größten Geldwäscheoperationen unterhält, fühlt sich Dash an eine alte Rechnung mit Prinz Xizor erinnert, der seine Familie praktisch ausgelöscht hat.

- Resümee -
Michael Reaves, zwar ohne Steve Perry, aber mit Maya Kaathryn Bonhoff versteht es mit SHADOW GAMES einmal mehr zu begeistern. Es ist ein leichtlebiger, humorvoller und klischeelastiger Roman, der vor allem durch lesenswerte Paardynamiken und Unterhaltungswerte punkten kann. Wem das noch nicht reicht, CORUSCANT NIGHTS IV erscheint voraussichtlich im August 2013 und bei einem Autor mit derart langjährigen Verbindungen zum Expanded Universe ist es unwahrscheinlich dass danach nichts mehr von Michael Reaves zu lesen wäre.


Darth Plagueis: Star Wars
Darth Plagueis: Star Wars
von James Luceno
  Gebundene Ausgabe

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Prequel für die Prequels, 20. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Darth Plagueis: Star Wars (Gebundene Ausgabe)
Yoda: Always two there are, no more, no less. A master and an apprentice.
Mace Windu: But which was destroyed, the master or the apprentice?

Der Aufstieg eines jeden dunklen Lords der Sith seit den Tagen Darth Banes beginnt mit dem Mord an seinem Meister. Jahrzehnte vor den Ereignissen der Filme beerbt auch Darth Plagueis seinen langjährigen Mentor Darth Tenebrous. Doch im Gegensatz zu früheren Generationen von Banes Sith fühlt sich Plagueis dem Ziel des Großen Planes näher als je ein Sith Lord zuvor und daher kaum gedrängt der Tradition von Banes Regel der Zwei folgend sofort einen neuen Schüler zu suchen, im Gegenteil - Plagueis sieht sich als die Krönung des Ordens und nur noch dadurch in seinen Möglichkeiten beschränkt sterblich zu sein. Doch nicht durch Klonen, Essenztransfer oder dem Raub von Lebenskraft will Plagueis sein Ziel erreichen, sondern durch die Manipulation der Midichlorianer an sich, ein Lebenswerk das, wie den Großen Plan, zu vollenden er in einem jungen adeligen Rebell auf Naboo einen geeigneten Partner findet...

Kaum ein anderes Buch des Star Wars Romanuniversums kann auf eine derart unwahrscheinliche Entstehungsgeschichte zurückblicken wie James Lucenos DARTH PLAGUEIS. Nach Episode III angekündigt, hitzig debattiert und sehnsüchtig erwartet... 2007 gecancelt. Doch der 3D Re-Release der Prequels und scheinbar auch der Erfolg der The Clone Wars Animationsserie machten die Wiederbelebung dieses Projekts 2010 schließlich doch möglich. Ganz ohne Unterschriftenaktionen und jahrelange Fanproteste. Das Ergebnis ist aus Sicht der Macher nun wohl "das was sich die Fans all die Jahre gewünscht haben", aber auch nicht mehr ganz das was das Buch 2007 hätte sein können. Dazu später mehr.

Lucenos DARTH PLAGUEIS ist und war schon immer als eine Art finaler Tie-in zu den Prequels gedacht. Gerade als Episode III in die Kinos kam und kurz danach genossen diese eine sehr positive Resonanz. Luceno hatte mit LABYRINTH OF EVIL und DARK LORD nicht einen sondern sogar zwei Tie-ins zu Episode III geschrieben, eine Vor- und eine Nachgeschichte, während sich die Romanadaption des Films dank der Feder Matthew Stovers zum wohl meistgelobten Star Wars-Roman überhaupt mauserte. Da erschien es nur logisch wenn der Mann, der schon einen gefeierten Tie-in zu Episode I (CLOAK OF DECEPTION) geliefert hatte und nun seine Arbeit im Star Wars Universum mit zwei an Episode III gebundenen Romanen krönte die "ultimative" Vorgeschichte zur Saga schreiben würde. Nur es kam nicht dazu. Bis 2012. Während Lucenos hochkarätiger CLOAK OF DECEPTION als MANTEL DER TÄUSCHUNG es 2012 überhaupt zu einer deutschen Erstübersetzung brachte (im Gegensatz zum auf deutsch schon früher veröffentlichten bestenfalls mittelmäßigen Episode II Tie-ins Alan Dean Fosters APPROACHING STORM/EIN STURM ZIEHT AUF) setzt er mit DARTH PLAGUEIS den vermutlich vorläufigen Schlussstein unter die Aufarbeitung der Prequels im star warschen Romanuniversum.

Ältere Semester unter den Fans stört und störte an den Prequels seinerzeit vieles, auch weil sie in einem völlig anderen Setting als die klassische Trilogie positioniert sind. Aber auch weil zwischen den Filmen eine von George Lucas höchstselbst erdachte Handlung besteht, die es in ihrer Tragweite nur teilweise in die Filme und auch nur einige Romane schaffte. Ohne die Prequels zu verteidigen, Lucas packte sie mit einer überraschenden Dosis Politik voll, um wohl älteren Fans etwas entgegenzukommen und den Untergang der Republik detailreicher darstellen zu können. Eine Dimension die außer in den ohnehin eher politisch angehauchten Star Wars Romanen Lucenos kaum ein Autor aufzugreifen wagte. So war es schließlich Lucenos CLOAK OF DECEPTION der eine plausible Hintergrundgeschichte zu Episode I und teils auch Episode II schuf, eine Tradition in die sich nun auch DARTH PLAGUEIS stellen darf. Eine Chance die allerdings bei Episode II, dem wohl politischsten aller Star Wars Filme dann aber doch völlig unter den Tisch fiel. Die Vorgeschichte dazu, von Alan Dean Foster (immerhin "der" Mann hinter der Romanadaption des allerersten Star Wars Films Eine neue Hoffnung und dessen Romanfortsetzung SPLINTER OF MINDS EYE) ähnelte allerdings mehr jener Unzahl von kurzweiligen Jugendbüchern zu Episode I und II die sets immer nur Abenteuergeschichten in den Vordergrund stellen durften. Die Aufgabe den Fans also Episode II einmal so "auszudeutschen" wie es CLOAK OF DECEPTION und LABYRINTH OF EVIL mit Episode I und III getan haben blieb also offen, bis 2012.

DARTH PLAGUEIS ist...
Ein Roman der sich vielen Ansprüchen und Aufgaben zu stellen hat. Gewiss keine leichte Aufgabe, zumal sich viele Leute viele Gedanken über jene Tehmen gemacht haben, die Luceno nun in offiziellem Auftrag abhandeln darf und nicht jedem gefällt es nun mit ganz anderen Tatsachen konfrontiert zu werden, als den eigenen erdachten. Der Roman behandelt wirklich viele der offenen Handlungsfäden die sich durch die Filme aufgetan haben, allerdings nicht (mehr) alle. Denn als Luceno 2007 wohl eine erste Version des Romans schuf war diese laut eigenen Aussagen zu lange und zu sehr bemüht wirklich allem gerecht zu werden. Das 2012 nun vorliegende Werk sieht auch deutlich gestrafft aus und muss sich zudem mit der Einarbeitung ganz neuer "Probleme" beschäftigen, etwa der Origin-Story Darth Mauls. So ganz frisch kann DARTH PLAGUEIS 2012 also nicht mehr wirken und dieser Eindruck bleibt einem bei der Lektüre auch oftmals schmerzlich erhalten.

- Die Idee dahinter-

Man hätte das Buch vielen Ideen basierend schreiben können, in einer ursprünglichen Version des Skripts etwa konzipierte Luceno den Roman als ein Wettrennen zwischen Plagueis und Qui-Gon Jinn auf der Suche nach Unsterblichkeit, das Qui-Gon mit seinem geschnittenen Auftritt als Machtgeist-Stimme in Episode III schließlich gewinnen sollte. Es hätte auch ein verkappter Palpatine-Roman werden können, wie später auch noch viele enttäuschte Palpatine-Fans annehmen und sich darüber ärgern sollten. Oder eine Art Darth Bane-Story wie sie Fans Drew Karpyshyns wohl gefallen hätte, auch wenn das nur auf ein dumpfes Abkupfern hinausgelaufen wäre. Oder eine große mit Behind the Scenes-Details gespickte Vorgeschichte über Anakins wahre Herkunft, das Wesen der Macht, die Midichlorianer und so weiter. All das findet sich ja durchaus im Roman, zentral folgt Luceno allerdings der Lebensgeschichte Plagueis, vom Aufstieg bis zum Ende, daher auch die an Plagueis Leben ausgerichtete Kapiteleinteilung. Dabei muss natürlich zum gegebenen Zeitpunkt auch Palpatine eingeführt werden, was zu einigen Abschweifern führt und auch den kurzzeitigen Perspektivenwechsel erklärt. Im Endeffekt ist Luceno in DARTH PLAGUEIS nur dann doch auf die Idee verfallen, seine Geschichte am ehesten noch am eingangs präsentierten Zitat aufzuziehen und eine gewisse Tragik zu verleihen.

- Plagueis Einzigartigkeit -

Luceno beschreibt Plagueis Besonderheit schon darin dass er anders als so viele von Banes Sith vor ihm, nicht als vom Leben gezeichneter Erwachsener rekrutiert werden musste, sondern im Auftrag seines späteren Meister gezeugt und geboren wurde. Ein Tribut an den stets logisch-mathematisch arbeitenden Verstand des Bith Darth Tenebrous, der langlebig wie Plagueis fast ein Menschenalter mit diesem Akolythen in einer Meister-Schüler-Partnerschaft verharren sollte. Doch im Gegensatz zum eher traditionellen Sith Lord Tenebrous und dessen Alter Ego Rugess Nome (Raumschiffdesigner und die Galaxie bereisender Abteneurer) sollte Hego Damask alias Darth Plagueis in die Machtsphäre des Bankenclans geboren werden. Ein verbrecherisches Mastermind für das Jahr 2012, der abgrundtief böse Banker und Geheimbündler, der nichts weniger will als sich die Galaxis gefügig zu machen. Als Hego Damask ist Plagueis all das was man am sinistren Fädenzieher Palpatine/Darth Sidious später bewundern wird, die Spinne im Netz und noch mehr als Sidious der die Korruption des Senats für seine politischen Ziele nutzt, kann Damask durch Damask Holdings Vigos genauso zu seinen Klienten zählen wie Senatoren. Betrachtet man die Szenen in denen Plagueis als Hego Damask die Geschicke der Galaxis in die eigene Hand nimmt stellt man überrascht Parallelen zu Palpatine fest. Dessen "Talent" für Verschwörungen kommt also nicht von ungefähr.

Aber nicht nur als Strippenzieher sticht Plagueis hervor und lässt damit sogar seinen als brillant bekannten Schüler Sidious verblassen. Als "Alchemist" ist Plagueis tiefer und skrupelloser in die Geheimnisse der Macht vorgedrungen als je ein Machtnutzer vor ihm. Im Gegensatz zu den Jedi ist er nicht an moralische Restriktionen gebunden und hat schon vor seiner Meisterschaft einen Großteil seines sehr langen Lebens auf die Erforschung der Mysterien der Midichlorianer verwendet. Durch Plagueis erfahren wir schließlich warum es vor ihm keinem Forscher gelungen ist mit Midichlorianern zu experimentieren, denn diese haben ihren eigenen Willen und sehen es nicht gerne wenn man mit ihnen experimentiert. Auch durch Plagueis erklärt wird wie es den Sith für Jahrhunderte gelungen ist ihre Regel der Zwei aufrecht zu erhalten, ohne dass die Linie eines Tages erloschen wäre. Im Gegensatz zu den auf Bluttests angewiesenen Jedi verstehen es Banes Sith nämlich eine Machttechnik anzuwenden, mit der sie das Potential bzw. die Midichlorianeranzahl eines Wesens erfüllen/abschätzen können. Und aus Plagueis Beschäftigung mit Palpatine erfahren wir dass die Midichlorianer-Anzahl längst nicht alles ist, es kommt auch darauf an, wie willfährig diese sind und etwa ein Individuum sogar derart abschirmen können, dass dessen Machtsensitivität nicht erfühlbar ist.

Am Ende ist man geneigt Plagueis seinen Beinamen "der Weise" nicht nur deshalb zuzugestehen weil er Zeit seines Lebens vor allem mehr als Gelehrter denn als Krieger agierte, sondern auch weil er seine enormen Talente und Gaben nutzte um sich ein Verständnis über die Macht anzueignen wie es kaum einem zweiten gelang. Bei ihm macht diese Skrupellosigkeit wirklich Sinn. Plagueis hat sein Leben nicht mit Frondienst an einem schikanösen Meister verschwendet, es auch nicht für seinen Schüler geopfert, sondern die Regel der Zwei, seine persönlichen Ambitionen und Sith Traditionen hinter sein Ziel hintangestellt die Midichlorianer zu beherrschen und damit Banes Regel überhaupt obsolet zu machen. Doch Plagueis "Weisheit" und Distanziertheit zu den "Niederungen" eines gewöhnlichen Sith Lebens sollten den Keim seines Untergangs in sich tragen.

- Palpatine -

So faszinierend James Luceno Hego Damask alias Darth Plagueis auch gestaltet, das Rampenlicht für nicht wenige gebührt dessen mörderischen Schüler, auch wenn das Buch DARTH PLAGUEIS und nicht SIDIOUS heißt. Palpatines Herkunft, Jugend und generell frühen Jahre waren bis PLAGUEIS ein streng behütetes Geheimnis, eines von dem manche schließlich sogar intrinsisch gar nichts wissen wollten, um eigene Vorstellungen und sich auch vor Enttäuschungen durch offizielle Darstellungen zu schützen. Im Fahrwasser jüngster Enthüllungen um Darth Mauls Leben und "Sterben" samt hitziger Debatten über Sinn und Unsinn dieser Geschichtsumschreibung erscheint es fast wie Overkill nun gerade auch Darth Sidious, den Senator, obersten Kanzler und einzig wahren Imperator eines Stücks seines Mythos zu berauben.

Man kann nun jedenfalls darüber streiten ob Palpatines Herkunft vielleicht für manche Überzeugungen wieder zu wenig herausragend ist. Der spätere Imperator war kein verwaistes Kinderklappenkind, das von einer bösen dunklen Macht als Mann ohne Vergangenheit großgezogen wurde, sondern ein früh vom rechten Weg abgekommener Spross eines (italienisch-französisch angehauchten) Adelshauses mit einem Hang zu Straßenrennen und Problemkind-Attitüden. Palpatines einschlägige Erfahrungen als Möchtegern-Rennfahrer sind schlussendlich nur ein Indikator für seine herausstehende Machtbegabung, wie nur wenige Machtnutzer ist er außerdem von Haus aus fähig sich von der Macht regelrecht abzukapseln (Darth Vaders Enkel, der junge Ben Skywalker wäre ein anderes Beispiel). Trotz allen Bad Boy Potentials fehlt einem auf dem konservativen und braven Naboo wohl doch der Zugang zur Organisierten Kriminalität wie der Black Sun, so dass Palpatine zur Zeit seiner "Entdeckung" durch Hego Damask noch nicht so tief gefallen ist, dass er sich für ein ziviles Leben nicht mehr eignen würde. Er hegt sogar noch diffuse jugendliche Träume, von einem Leben in dem er etwas bewirken kann. Eine Neigung die der auf einen politischen Inside Man hoffende Plagueis sofort zu bestärken beginnt. Als Hego Damask, wie auch als Darth Plagueis. Zugute kommt dem Karrierestart des jungen Palpatine dabei, dass Damask sich als Mittelsmann in die Politik Naboos eingebracht hat und so zum wirtschaftlichen Aufstieg des Plasma-reichen Planeten beitragen wird.

Und was ist Palpatines Vorname? Der spätere oberste Kanzler und Imperator hat ihn abgelegt, als Zeichen seiner Rebellion gegen den übermächtigen Vater und sogar überlegt den Namen einer Nebenlinie seines Adelshauses anzunehmen. Als schlussendlich letzter seiner Linie (die Ereignisse des Romans werden ihn zum Waisen machen) sollte diese aus jugendlichem Trotz heraus getroffene Entscheidung aber unverhofften Symbolgehalt erlangen und nicht etwa seinem Ruf schaden.

Wie auch immer, Palpatines "Vaterkomplex", die privilegierte Aufbringung, sein Interesse an Politik, spezielle Machttalente und die Ausbildung unter einem noch viel einflussreicheren Fädenzieher sorgen für eine höchst solide und interessante Einführung dieses mächtigen Charakters.

- Einige Mysterien bleiben dann doch -

Auf die Empörung, PLAGUEIS würde irgendwie wirklich alles an Mysterien und jeden Mythos im Zusammenhang mit den Prequels und auch Sequels zerstören, folgt dann doch wieder Ernüchterung. PLAGUEIS verrät und enthüllt viel, aber nicht alles. Ob Anakin nun der "Sohn" Plagueis durch dessen Experimente mit Midichlorianern ist, das dürfen Fans weiterhin mit sich selbst ausmachen. Luceno persifliert diese Frage sogar, indem er Plagueis etwa selbst in eine "Can it be? Can it be??"-Szene hetzt und Anakin nicht erreichen lässt.

Selbst über Palpatine, von dem man auch vorher schon wusste dass er von Naboo stammt erfährt man nicht unbedingt weltbewegend neues. Alter Adel, ja das hätte man sich vielleicht denken können. Ein Hobbyrennfahrer, nette Anspielung. Das schwarze Schaf der Familie, das ist wirklich neu. Wie Luceno Palpatines "Familienprobleme" inszeniert, man fühlt sich vage an shakespearsche Dramen erinnert. Nicht unpassend jedenfalls.

- Dooku -

Ex-Jedi Meister, Diplomat, Graf, Renegat und politischer Aufwiegler - Count Dooku war schon vor DARTH PLAGUEIS ein faszinierender Charakter, dem bisher kein Autor Genüge tun konnte. Der Count der in Episode II inhaltlich aus dem Nichts auftauchte und sich schließlich sogar als Sith Lord entpuppte hätte durchaus einmal einen eigenen Roman verdient, ein Makel der bis heute auf Episode II lastet keinen adäquaten Tie-in Roman erhalten zu haben, der Dooku und die Separatisten standesgemäß einführen würde. Auch DARTH PLAGUEIS kann ein solches Werk nicht ersetzen, bemüht sich aber zumindest alle Figuren in Position für die Filme zu bringen. So behält Plagueis Dooku als potentiellen Ersatzmann für Palpatine im Auge, sollte diesem eines Tages etwas zustoßen. Die nach Plagueis Ableben brach liegenden Kontakte der Sith zu den Gilden dürften außerdem erklären wieso Dooku schließlich ein Bündnis mit diesen forcieren musste. Die Hoffnung Luceno möge eines Tages "den" Roman über Dooku und die bisher kaum behandelten 10 Jahre zwischen Episode I und II verfassen dürften jedenfalls noch lange auf taube Ohren stoßen, vielleicht bis zum nächsten Re-Release der Prequels.

Was DARTH PLAGUEIS jedenfalls vermag ist Dookus Überzeugungen zumindest etwas genauer zu umreißen. Korruption - das ist der Antrieb für Dookus große Empörung und im Gegensatz zum zu duldsamen und in dieser Hinsicht wortkargen Jedi Rat ist Dooku sogar jemand er öffentlich gegen die von den Sith geförderte Korrumpierung der Senatoren zu Felde zieht. Lucenos Dooku hat erkannt woran die Republik krankt, doch der Jedi-Rat sieht sich gezwungen ihm einen Maulkorb zu verpassen, eine Maßnahme die Dookus Austritt aus den Orden nur weiter beschleunigen wird. Es ist die typische Situation die die Jedi bis in Episode III verfolgen wird, um die Republik zu retten müssten sie ihre Führung übernehmen, doch würde das schlussendlich einem Staatsstreich gleich kommen. Doch in Lucenos Inszenierung ist Dooku auch ein tragischer Charakter, seinen Fähigkeiten zum Trotz ist er seiner eigenen Meinung nach kein guter Lehrer. Seine Schülerin Komari Vosa hat sich beim Massaker an den Mandalorianern auf Galidraan als willfährige Mörderin erwiesen, ehe sie auf einer Mission verschollen ist und selbst Qui-Gon Jinn scheint es mit dem Jedi Kodex nicht allzu ernst zu nehmen. Zumindest in Sifo-Dyas hat Dooku noch einen Freund, der um das Wohl der Republik besorgt ist und sich mit dem Gedanken beschäftigt, was denn wäre wenn es in der Republik zu einem Krieg kommen sollte.

- Helden? -

Ja DARTH PLAGUEIS ist ein Sith-Roman, allerdings ein solcher der ähnlich Drew Karpyshyns DYNASTY OF EVIL gänzlich ohne Helden auskommen muss. Die einzig aufrechten Gestalten in Plagueis Ränkespiel sind allesamt nur Statisten. Im Rampenlicht steht vor allem ein Muun der sich selbst für die Krönung des Sith Ordens hält und im Verlauf der Geschichte immer näher an sein Ziel gerät Unsterblichkeit zu erlangen und die Midichlorianer selbst seinem Willen zu unterwerfen. Die Regel der Zwei wendet er schon gar nicht mehr an und doch unterrichtet er Darth Sidious, nicht als Schüler sondern Partner/Handlanger für das politische Tagesgeschäft. Am Ende will Plagueis jedoch selbst als Schattenkanzler alle Fäden in der Hand behalten. Selbst Plagueis Antagonist Sidious ist ein Egoist vom gleichen Schlag. Auch er meint als Meister eines Tages auf die Regel der Zwei verzichten zu können, wird bei seinem Streben nach Macht jedoch unerwartet zum Herold der alten Ordnung Banes.

Es ist nicht leicht auszumachen welcher von beiden nun der "bessere" ist, Plagueis strebt zwar nach etwas Höherem, doch nur um dadurch die Regel der Zwei zu betrügen und so gar nicht altruistisch ewig an der Macht bleiben zu können, wenn sie dann erlangt ist. Palpatine hingegen hätte sich ja nicht zu beklagen, Plagueis behandelt ihn mehr als Partner denn als Schüler und so weiß er um die großen Geheimnisse Plagueis Macht, doch was wenn das Ziel einmal erreicht ist, soll er dann die ersetzbare Marionette eines außerhalb des Rampenlicht weilenden Plagueis bleiben oder gar vor dem dann wohl an seiner Macht berauschten Meister zurücktreten müssen. Palpatine will die Galaxis verändern und regieren, auch nicht altruistisch, aber zumindest hätte er vor so die Korruption zu bekämpfen, während Plagueis sich damit abfinden könnte eine durch und durch korrupte Republik für ewige Zeiten aus dem Schatten heraus zu manipulieren.

Und im Schatten des Ringens dieser beiden vollzieht sich der Wandel des ausgesprochenen Korruptionskritikers Meister Dooku zum separatistischen Grafen, der die Gräuel von Galidraan nicht abschütteln kann und sich von den Jedi im Stich gelassen fühlt. Auch kein Held. Der einzige auf den die Beschreibung "Held" passen würde wäre der junge Qui-Gon Jinn, der sich sprichwörtlich zum rechten Zeitpunkt vom verderblichen Einfluss Hego Damasks abwendet.

- Erzählerisch -

Zu allererst, James Luceno bedient sich eines etwas aufwendigeren Englisch als man es von aus der Science Fiction/Fantasy/Tie-in Dutzendliteratur gewohnt ist. Entsprechend schwieriger gestaltet sich die Lektüre, aber dafür ist auch der Anspruch an die Leser höher. Luceno versteht es außerdem wie kein zweiter im Star Wars Universum tätiger Autor die politischen Zusammenhänge der Prequel-Ära aufzuarbeiten, so faszinierend und eindringlich wie in guten Geschichtsbüchern. Soviel dazu.

DARTH PLAGUEIS beginnt eher klassisch, ein Prolog in dem Palpatine gerade Plagueis ermordet hat und eine Romanerzählung die mit dem obligatorischen Ableben von Plagueis eigenen Meister beginnt. Einfach und effektiv. Und schnell führt Luceno den Leser in Tenebrous und Plagueis Meister-Schüler-Beziehung ein, die gerade ihr Ende findet. Gut strukturiert geht es weiter, wir erfahren von Hego Damasks persönlichen "Bilderberger"-Treffen in dessen Privatressort auf einem Mond und wie er bei diesen die kriminelle, wirtschaftliche und politische Elite der Galaxis manipuliert, aber auch dass er als Darth Plagueis sehr eigene Ansichten zu seiner Aufgabe als nunmehrig alleiniger dunkler Lord hegt, aber auch welche Faszination für ihn von den Midichlorianern ausgeht. So temporeich der Beginn und so faszinierend der Mittelteil wenn der junge Palpatine in Erscheinung tritt, gegen Ende hin verliert der Roman etwas an Tempo, wird spürbar holpriger, was aber gut und gerne an den sicherlich sehr massiven Kürzungen und Änderungen liegen dürfte, unter denen schon das ursprüngliche Skript 2007 zu leiden hatte (daher eigentlich nur 4,5 von 5 möglichen Sternen).

Mit einigen Rückblenden zwischendurch erfährt man auch so manches über Plagueis Kindheit, die Origin Story sozusagen. Definitiv kein "Abenteuerroman" wie so viele Star Wars Bücher, sondern eine interessante Mischung aus Politthriller, Biografie und Geschichtsexkurs aus der Perspektive Darth Plagueis und Darth Sidious. Gerade diese Sith-Perspektive die sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht ist es was ihm einen besonderen Unterton verleiht. DARTH PLAGUEIS ist nicht nur eine Vorgeschichte zu den Prequels, sondern auch eine Vorgeschichte aus Sicht der Sith, deren Perspektive hier soviel Raum wie sonst nur in einem Darth Bane-Roman gewidmet wird.

- Resümee -
DARTH PLAGUEIS ist vieles und versucht vielen Ansprüchen zu genügen, was vielleicht auch das Problem dieses Romans ist, denn das kann er nicht. Wer einen Palpatine-Roman erwartet wird enttäuscht, wer schwarz auf weiß nachlesen will was Anakin ist, wird enttäuscht werden, wer "das" Buch über Count Dooku sucht, wird noch viel mehr enttäuscht werden und wer mehr über Darth Maul lesen will, ist hier ohnehin falsch. Allen losen Fäden zum Trotz, die James Luceno hier zusammenführt, das Buch ist und bleibt eine Lebensgeschichte Darth Plagueis und als solche sollte sie auch gelesen werden. Eine Lebensgeschichte in der Darth Sidious eine wichtige Rolle spielt und als der Überlebende auch ein gutes Recht darauf hat, dass die Geschichte zeitweise aus seiner Sicht erzählt wird.

Noch knapper: DARTH PLAGUEIS ist die höchst lesenswert, doch eine sprachlich wie inhaltlich über das Durchschnittsniveau des Expanded Universe hinausgehende Erzählung der Lebensgeschichte eines der mächtigsten Sith Lords aller Zeiten, kein simpler Abenteuerroman.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 22, 2013 9:09 AM CET


Star Wars: The Old Republic - Revan
Star Wars: The Old Republic - Revan
von Drew Karpyshyn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,45

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Verschwinden eines Helden, 23. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Er war der Held der Mandalorianischen Kriege, doch als er aus dem Krieg zurückkehrte war er bereits der dunkle Lord der Sith - Darth Revan. Von seinem Schüler und einstigen Kampfgefährten Darth Malak verraten und einem Einsatzkommando der Jedi bezwungen versuchte der Jedi-Rat auszulöschen wer Revan war und nahm ihm seine Erinnerungen. Doch nur Revan konnte schließlich seinen einstigen Schüler Malak stoppen und die antike Sternenschmiede vernichten, die Malaks Sith unaufhaltsam hätte machen könnten. Und Revan erlangte einen Teil seiner Erinnerungen zurück.

Wie man aus Knights of the old Republic II - The Sith Lords weiß, verschwand Revan jedoch einige Jahre nach seinem großen Triumph auf der Suche nach den "wahren Sith", die in den Unbekannten Regionen lauern sollten. Revans ehemalige Kampfgefährtin, die Verbannte, welche den Orden nach einer verheerenden Vernichtungskampagne durch ein Triumvirat selbsternannter Sith Lords wieder aufrichtete, begab sich schließlich auch auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Bedrohung und ihrem einstigen Mentor.

Was ist geschehen? Eine Frage die KotOR-Spieler seit langen Jahren beschäftigte und immer wieder Rufe nach KotOR III laut werden ließ. Ein solches Spiel wird es aber nie geben, denn was auf das eher verunstaltete KotOR II folgt ist das MMORPG The Old Republic, welches gut 300 Jahre nach Revan die von diesem in den Unbekannten Regionen aufgespürte dunkle Bedrohung, durch ein geheimes Sith Imperium, über die Galaxis hereinbrechen lässt. Nun darf Drew Karpyshyn, seines Zeichens ehemals einer der führenden Köpfe hinter KotOR I und später auch TOR, die wahre Geschichte von Revans Verschwinden aufdecken. Interessante Lektüre, selbst für Leser die das MMORPG strikt ablehnen und sich stattdessen KotOR III gewünscht hätten.

-- Inhaltsangabe --

Nach seinem Sieg über Darth Malak wurde Revan zwar von offizieller Seite mit Ehrungen überhäuft, wegen seines unkonventionellen Verständnisses der Macht (zwischen heller und dunkler Seite) jedoch vom Jedi Orden auf Distanz gehalten. So blieb ihm nur zu versuchen mit Bastilla ein ruhiges Leben auf Coruscant zu führen. Doch seine Vergangenheit sollte ihn einholen. Bruchstücke seiner Erinnerungen an einen sturmgebeutelten Planeten und düstere Ahnungen warum er und Malak sich vor Jahren überhaupt der dunklen Seite zuwandten suchen ihn heim und so beschließt Revan etwas zu recherchieren. Zunächst vor allem warum, Mandalore the Ultimate damals überhaupt die Mandalorianischen Kriege entfesselte, wozu er auf Canderous Ordo zurückgreift. Stück für Stück fügt Revan seine Erinnerung zusammen und trifft dabei Entscheidungen, welche die Galaxis auf Jahrhunderte beeinflussen werden.

Unterdessen kehrt auf der fernen Welt Dromund Kaas ein Sith Lord aus den fernen Provinzen des Imperiums zurück, um sich einer neue Aufgabe zu widmen. Der Imperator höchstpersönlich hat ihn Darth Nyriss empfohlen, einer Angehörigen des dunklen Rats, die nun bereits mehrfach Ziel hinterlistiger Anschläge geworden ist. Darth Scourge, soll ihr von nun an als Leibwächter und Agent dienen, die Verschwörung gegen sie aufzudecken. Doch könnte da nicht mehr dahinter stecken, als das übliche Ränkespiel unter den Mitgliedern des dunklen Rats?

REVAN ist ein Roman der mit vielen und oft zu hohen Vorerwartungen ins Rennen geht, noch dazu weil gewissermaßen der beste Revan-Kenner des Expanded Universe, Drew Karpyshyn, als Autor fungiert. Also die ultimative Revan-Geschichte? So ganz leider nicht. Revan beschäftigt sich vor allem damit eine Brücken zwischen KotOR, KotOR II und TOR zu schlagen, wobei Karpyshyn damit auch ein Werk einbeziehen muss, mit dessen Entstehung und Ausrichtung er gar nichts zu tun hatte. Das ungeliebte Stiefkind heißt KotOR II und wurde ja einst von Obsidian entwickelt, unter solchem Zeitdruck, dass der Plot löchrig zurückblieb und auch das Spielvergnügen im Vergleich darunter litt. Die Geschichte der Verbannten und KotOR II integriert Karpyshyn zwar, aber man meint doch an einigen Stellen den fehlenden Enthusiasmus ausmachen zu können.

Das Interessante an REVAN ist vorwiegend das Fans lange auf der Seele gebrannte Fragen geklärt werden. Warum ging Revan in die Unbekannten Regionen? Warum ließ er seine Gefährten zurück? Und warum versuchte er irgendwann die Verbannte zu erreichen? Aber auch, was wurde aus Revan? Wer Bioware-Spiele liebt und schätzt, der wird hier mit einem immanenten Problem konfrontiert, es ist unter Umständen nicht "der" Revan den man sich geschaffen hat und über viele der geliebten Nebencharaktere erfährt man erschreckend wenig. Was mit Revan geschah ist eine Geschichte die eigentlich schon vor langem festgelegt wurde, entsprechend eingeschränkt sind Karpyshyns Möglichkeiten diese Geschichte zu erzählen, er muss einige Punkte einfach abhacken und man darf davon ausgehen, dass sich das auch an einigen Stellen so erkennen lässt. Nicht unbedingt ein Manko, aber es trägt doch schleichend zum Gesamteindruck bei.

-- Die Handlung --

Grob formuliert ist REVAN zweigeteilt, zwischen einem sich relativ geradlinig entwickelenden Verschwörungsplot auf Dromund Kaas und Revans Suche, die auch halbwegs zu einem Hin und Her wird, ehe Revan "verschwindet" und die Verbannte das Ruder übernimmt. Zu diesem Zeitpunkt naht das Finale aber auch schon. Die Geschichte ist durchaus reich an Enthüllungen und Wendungen, auch wenn man von vornherein schon ahnt wie sie wohl ausgehen wird. Aber nur durch die Lektüre kann man sich eben Gewissheit verschaffen und mit seinen Perspektiven- und Handlungsstrangwechseln schafft es Drew Karpyshyn ja gekonnt Spannung zu erzeugen. Überlegungen und Lesereinwänden Karpyshyn hätte doch mehr aus einem Buch über Revan rausholen können hat der Autor allerdings schon vor langem einen Riegel vorgeschoben, er schreibt nun einmal lieber kurze und prägnante Bücher, die dann entweder zünden oder nicht.

-- Das Positive --

Der Wechsel zwischen den Erzählperspektiven ist es worauf sich Drew Karpyshyn exzellent versteht, man könnte gerade einmal bemängeln, dass er das ruhig auch noch öfter machen könnte. Auch mit der Darstellung Revans als Mann zwischen heller und dunkler Seite ist überaus faszinierend. Karpyshyns Revan darf (weil George Lucas nach THE NEW JEDI ORDER die Potentium-Lehre, also es gibt nur die Macht, die dunkle und helle Seite sind in uns, aus seinem Star Wars-Universum verbannt hat) die Stärken der beiden Seiten nutzen, ohne in das eine oder andere Extrem abzudriften (wie es mit Jacen Solo geschehen ist). Und genau das wollte der Autor auch erforschen, Revan als Charakter der über der Trennung der Welt in Gut und Böse steht. Welche Wirkung der einstige Revanchist auf seine Anhänger in den Mandalorianischen Kriegen zu entfalten vermochte lässt Karpyshyn am Beispiel der Verbannten deutlich werden, die er zudem als einstige Nummer 3 der Befehlshierarchie hinter Revan und Malak vorstellt. Nach Malaks Verrat und Tod ist sie die einzige Vertraute die Revan geblieben ist. Das vermag er durchaus glaubwürdig zu inszenieren, auch Revans schlechtes Gewissen über seine Taten und schließlich Revans "Wiedergeburt". REVAN hat jedenfalls so seine Momente, in denen man das Buch nur ungern wieder aus der Hand legen würde.

-- Das Negative --

Ohne Licht kein Schatten. Man kann REVAN durchaus als das akzeptieren was es ist, ein unterhaltsamer Roman der die KotOR-Duologie mit TOR verbindet und das Schicksal eines großen Helden schildert, der nach seinem legendären Abenteuer verschwunden ist. Das ändert freilich wenig an den Mankos, die sich an REVAN ausmachen lassen und angesichts der ungebändigten Vorerwartungen in den USA etwa auf Amazon.com zu einem wahren Kritik-Hagel auf REVAN geführt haben, der von Karpyshyn in dessen Blog locker mit verärgerten Unterton kommentiert wird. Jeder hatte seinen Revan und entsprechend seine eigenen Erwartungen an Karpyshyns Buch. Für mich persönlich ist REVAN (über die Grenzen von Karpyshyns Beteiligung am Star Wars-Universum hinaus) einer der schwächeren Romane aus der Feder eines zu besserem fähigen Autors.

Eines aus meiner Sicht spürbarsten Probleme REVANs ist dessen zwiegespaltener Plot. Auf der einen Seite Revan von dem man gerne mehr erfahren möchte, auf der anderen ein augenscheinlich nur zum Zweck des Spannungsaufbaus geschaffener Sith-Lord samt Verschwörung im innersten Zirkel des Imperators. Man bekommt also nur halb das was man sich erwartet hat, nämlich einen verglichen mit dem Sith-Handlungsstrang einigermaßen zusammengeflickt wirkenden Plot um Revan und später die Verbannte. Dazu kommt dass sich der Handlungsstrang um Revan bis auf einige Highlights meist eher unspannend gestaltet, so dass ihm Darth Scourge den Rang ablaufen kann, doch wegen Scourge hat man sich kein Buch mit dem Titel REVAN gekauft. Der Sith-Anteil der Geschichte wirkt als wäre er ein erzwungener Tribut an die DARTH BANE-Romane und eben zweckdienlich um ein weiteres Mal schon halbwegs bekannte Fakten der THE OLD REPUBLIC-Hintergrundgeschichte zu erzählen. Das wirklich wichtige, das Geheimnis des Imperators hätte auch Revan entdecken können, es wäre vielleicht sogar interessanter gewesen.

Während Revan vor sich hinstolpert bewegen sich die Sith viel zielstrebiger durch die Handlung und ihr Aufeinandertreffen wirkt in meinen Augen einfach nur gezwungen. So als hätte Karpyshyn mittendrin festgestellt, er müsse ja noch die Verbannte einführen und das tut er dann auch. Für meinen Geschmack hat sich der erfolgsverwöhnte DARTH BANE-Autor es sich mit REVAN einfach zu leicht gemacht, darf man als Star Wars-Fan ja anscheinend auch nicht zuviel von den im Franchise tätigen Autoren erwarten. Scourges Wandel gegen Ende hin gehört für mein Empfinden auch noch zu den Dingen, bei denen Karpyshyn mehr in die Tiefe hätte gehen sollen. Diverse Wendungen wie diese sind aber schon vorher einigermaßen absehbar, man will es nur nicht wahrhaben, dass sich Karpyshyn so halbwegs billiger Lösungen bedient hat.

"Die" große Geschichte ist Karpyshyn mit REVAN jedoch meiner Meinung nach nicht gelungen, er hat seine Aufgabe diesen wichtigen Brückenroman zu schreiben schlicht auf die leichte Schulter genommen und damit sollte man sich als Fan einfach nicht abspeisen lassen. Es wäre soviel mehr aus dieser Geschichte herauszuholen gewesen, so wie sie sich viele vielleicht bereits in ihren Köpfen ausgemalt hätten. Stattdessen bekommt man einen blutleeren Lückenfüller geboten, der meinem Gefühl nach so wirkt als hätte Karpyshyn einfach aus der Pflicht heraus und ohne besonderen Enthusiasmus diese Geschichte schreiben "müssen", weil es die seine ist und sich mit seinem Namen auf dem Cover wohl bei den Fans die meisten Ausgaben verkaufen lassen. Damit ist es zwar schon jetzt ein Bestseller, aber Bestseller heißt noch lange nicht Meisterwerk.

-- Die Helden --

Die Heldenriege REVANs ist wie man nach Karpyshyns DARTH BANE-Romanen vermuten kann eher schmal besetzt. Revan, Bastilla, T3, Canderous, die Verbannte - damit hat es sich dann auch schon. Und die Jedi Archivarin Atris darf einen Gastauftritt als missgünstige Konservative feiern, die Revan seinen Status als Trotz-allem-noch-Jedi-Meister missgönnt. Wobei der Droide T3 wenig spricht, Canderous sich nach der Hälfte der Geschichte aus der Erzählung verabschiedet und die Verbannte erst nach Revans Verschwinden eine Rolle einnimmt. Vorwiegend ist die Geschichte eben auf Revan konzentriert und durch Bastilla und die Verbannte wirft Drew Karpyshyn auch einen Blick auf die unterschiedlichen Facetten dieses von ihm einst mitgeschaffenen Charakters. Aus KotOR II weiß man dass Canderous es (mit Revans Hilfe) zum neuen Mandalore, Mandalore den Bewahrer, brachte. REVAN verrät nun wie es dazu kam und liefert in der Grabkammer eines antiken Sith Lords eine Szene, die wirklich klassisch Bioware schreit und unzählige Erinnerungen an ähnliche Momente aus anderen Bioware RPGs wachruft. Durch die Fokussierung Karpyshyns auf Revan, dessen Mysterium allerdings dennoch möglichst erhalten wird, bleiben manch andere Charaktere zwar blaß, aber ein bisschen verraten sie doch über sich. Denn eines beherrscht Karpyshyn sehr gut, nämlich Passagen erkennbar aus der Sicht bestimmter Charaktere zu schreiben und dabei verraten diese natürlich auch einiges über sich.

-- Die Schurken --

Zeitweise stiehlt der um die Sith aufgebaute Handlungsstrang Revans sogar die Show, was auch daran liegen mag, dass Revans Kapitel zwar auch oft auf einem Cliffhanger, doch einem weniger dramatischen enden. Mit Darth Scourge (ein weiteres Wortspiel: nach dem Fluch/Verderben Bane, die Geißel Scourge) schafft Karpyshyn sich zweckmäßig einen Protagonisten auf der dunklen Seite, der zunächst mit der typischen Arroganz eines reinblütigen Sith-Abkömmlings und ehemaligen Starschülers der Sith-Akademie agiert, doch schon bald einen gehörigen Dämpfer erhält. Es ist Scourge durch den man in die Sith-Gesellschaft und -Politik eingeführt wird und der vor allem in Richtung Finale als weiteres Instrument fungiert, das besondere und selbst für Vertreter der dunklen Seite attraktive an Revan und dessen Machtphilosophie darzustellen. Und wer weiß, vielleicht wird man Scourge auch in THE OLD REPUBLIC begegnen. Scourge ist überdies neben Revan und noch vor der Verbannten der am besten vorgestellte Charakter. Ein Anfangzwanziger mit aristokratischen Gehabe, der sich zunächst in einem Netz von Intrigen und schließlich mit der erschütternden Wahrheit über den Imperator höchstpersönlich zurechtfinden muss. Faszinierender als Scourge ist aber eindeutig der Sith-Imperator selbst. Karpyshyn vermag es ihn nämlich so darzustellen, wie auch der letzte Stand der Spieleentwicklung ist. Sogar seit Alexander Freeds BLOOD OF THE EMPIRE Comic hat sich nämlich einiges getan. Der Imperator ist nun mehr eine Bedrohung wie sie zum modern gewordenen Konzept überlegener Macht-Entitäten passt. Er erinnert gar an Darth Nihilus.

-- Die Vergessenen --

Wie bereits erwähnt und auch von Karpyshyn selbst in einigen Interviews zu Protokoll gegeben ist ein Roman kein Videospiel, man hat deutlich eingeschränkte Möglichkeiten bekannte und beliebte Charaktere auftreten zu lassen. Dass manche aber gänzlich entfallen sind, kommt dann doch überraschend. Carth Onasi etwa, der in einem der möglichen KotOR II Szenarien der Verbannten mitteilte sie solle Revan ausrichten er würde auch als Admiral weiterhin seinen Anweisungen folgen, wird mit keinem Wort erwähnt. Der einzige Nebencharakter der es neben Bastilla und T3-M4 zu einem "physischen" Auftritt in REVAN geschafft hat ist Canderous und auch nur weil er Mandalore werden muss, wie es die Kontinuität zu KotOR II verlangt. Zumindest erfährt man was aus den anderen geworden ist. Mission Vao und Zaalbarr haben auf Coruscant ein Import-Export-Geschäft, Juhani und Jolee Bindo sind scheinbar wieder zu treuen Anhängern des Jedi Ordens geworden. Und HK-47 ist nach der Verbannten der zweite der auf eigene Faust seinem verschwunden Meister hinterher jagt, in TOR wird man ihm wohl 300 Jahre später wiederbegegnen. Dass KotOR II eher stiefmütterlich behandelt wird mag schon gerechtfertigt sein, Karpyshyn ist immerhin Bioware-Angestellter, The Old Republic ein Bioware-Spiel und das ganze auch eine Bioware-Idee gewesen. Dennoch kommt es unerwartet, dass die Gefährten der Verbannten so gar keine Erwähnung finden, man hätte ja auch ihren Lebensweg ähnlich dem Revans und Meetra Suriks. Das Sith-Triumvirat, das unter der Führung Revans ehemaliger Mentorin Kreia entstand wird zudem auch ohne größere Enthüllungen abgehandelt und dient nur dem Zweck die Verbannte einzuführen.

-- Die Enthüllungen --

Dass Großmeisterin Satele Shan eine Nachfahrin Bastillas ist war seit ihrer Vorstellung schon klar, auch dass die in THREAT OF PEACE gemachten Andeutungen der Sith nur eines nahe legen konnten, dass sie die Nachfahrin eines Kinds Revans und Bastillas ist. Der Sohn Revans spielt in REVAN nur insofern eine Rolle, dass er zur Motivation Revans gehört sich dieser großen dunklen Bedrohung entgegenzustellen, die da fern der Grenzen der Republik lauern könnte. Und REVAN etabliert auch dass die Machtsensitivität in Revans und Bastillas Blutlinie wohl immer auch eine Generation überspringt. Wie stand Revan allerdings lange vor Bastilla zur Verbannten? Eine Beziehung zwischen beiden wollen manche Fans ja während KotOR II herausgelesen haben, doch REVAN hält fest, dass ihre Beziehung eine andere war, mehr die zwischen Kameraden oder Meister und Schüler, jedenfalls für Jedi deutlich geziemlicher.

Den wirklichen Knaller, neben Revans Verbleib, liefert Drew Karpyshyn mit der Enthüllung der Hintergrundgeschichte des Sith-Imperators. Erzählt durch Darth Nyriss, die selbst zugibt, das manches davon zwar Mythos sein könnte, wer den Imperator aber kenne, durchaus gewillt sei diesen Mythos zu glauben. Kaum war REVAN veröffentlicht fand sich die schmutzigen Geheimnisse des Imperators aber auch schon auf Wookiepedia.

--- Resümee ---

REVAN ist kein Roman der mich mit besonderer Begeisterung zurückgelassen hätte, einige Szenen sind zwar interessant geraten und manches liest sich auch ganz spannend, aber Meisterwerk ist Drew Karypshyns erster THE OLD REPUBLIC-Roman in meinen Augen keiner geworden. Zumindest wurden einige Fragen geklärt und Hintergründe offengelegt. Am Ende bleibt nur die Hoffnung Karpyshyn könnte sich eines Tages des Aufstiegs Revans annehmen, wie er es mit Darth Bane getan und da mit allen möglichen Freiheiten ausgestattet eine Geschichte erzählen, die wirklich zum guten Ruf des Autors passt. Für Star Wars-Verhältnisse immer noch ein "guter" Roman (4 Sterne), für Drew Karpyshyn Mittelmaß (3 Sterne), für enttäuschte Erwartungen (2 Sterne).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 25, 2011 12:39 PM CET


Riptide: Star Wars (Star Wars - Legends)
Riptide: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Paul S. Kemp
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,93

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Klone sind los, 12. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hätte RIPTIDE nicht zu sehr den schalen Beigeschmack einer Fortsetzung, es hätte ein besseres Buch werden können. Doch Paul S. Kemp hat zu stark auf ein bewährtes Erzählschema und eine simple Vermehrung der Bedrohungen gesetzt, um noch innovativ dabei zu wirken. Die einem Debütanten zugestandene Schonzeit in Hinsicht auf solche Dinge ist vorbei, RIPTIDE ist Kemps dritter Star Wars-Roman und auch wenn er in vielen Bereichen immer noch besser abschneidet als andere, so komme zumindest ich nicht umhin eine verglichen mit bisherigen Leistungen Kemps geringere Wertung abzugeben. Hoffen lässt vor allem, dass Kemp mit RIPTIDE bereits bewiesen hat, sich an Feedback zu orientieren und das Fundament für einen weniger "Fortsetzung" schreienden dritten Teil bereits gelegt sein könnte.

~ Detailfassung ~

Drei Finger, Blut und seine Zweifel hat Jaden Korr auf jenem namenlosen Mond hinter den Grenzen des bekannten Raums zurückgelassen, auf dem er einem wahnsinnigen Klon Kam Solusars und einem unbekannten Anzati-Attentäter begegnet ist. Doch dafür hat er einen Schüler und neue Selbstsicherheit als Jedi gefunden, auch wenn die Zerstörung des Sith-Dreadnaughts im Orbit Meister Relin Druur das Leben gekostet hat. Doch der Klon war nicht allein. Mit dem Schiff des Agenten der One Sith sind die Klone aus ihrem eisigen Gefängnis ausgebrochen und nur ein Jedi ist in der Lage sie rechtzeitig aufzuhalten, Jaden Korr. Diesmal ist er nicht allein, konnte er Großmeister Skywalker doch davon überzeugen den machtsensitiven Navigator Marr Idi-Shael zum Jedi auszubilden. Weil er sich dazu anbietet ist auch der Pilot der Junker, Khedryn Faal, wieder mit von der Partie. Diese Unterstützung kann Jaden auch gut gebrauchen, denn neben der von ihnen gejagten Schiffsladung Jedi-Sith-Klonen haben es einmal mehr auch die One Sith auf ihn abgesehen. Neben Kell Douro hat Darth Wyyrlok nämlich noch andere Agenten mit ganz besonderen Fähigkeiten auf Lager, die nicht notwendigerweise Machtsensitive sind. Um Jaden ein für allemal auszuschalten, festzustellen ob sich unter den Klonen ein "Prime" befinden könnte und um die geheimnisvolle Iteration einzusetzen, greift Wyyrlok auf die Nenn-Geschwister zurück, Umbaraner die in der Lage sind nicht nur Machtfähigkeiten sondern sogar die Klingen von Lichtschwertkristallen zu stören...

Mit CROSSCURRENT scheint Paul S. Kemp schon mit seinem Debüt die Verantwortlichen bei Del Rey und LucasBooks so überzeugt zu haben, dass sie ihn gleich für den zweiten The Old Republic-Roman DECEIVED einspannten. Mit diesem verblüffte der Newcomer dann auch alteingesessene Fans und nun knüpft RIPTIDE dort an, wo CROSSCURRENT aufhörte, im Orbit eines unbenannten frostigen Mondes irgendwo weit hinter dem Outer Rim. Genau dort - "wo die Drachen lauern" - hat Jaden seinen Weg aus jener Sinnkrise gefunden, in die sich unzählige Jedi nach dem letzten Bürgerkrieg gestürzt sahen. Wie kann man einen solchen Helden der das Ende seiner Odyssee bereits schon erreicht noch überraschen und herausfordern? Indem man ihn auf eine andere Weise mit sich selbst konfrontiert. Sprichwörtlich. Erfahrenere Sci Fi-Konsumenten werden bereits erahnen mit welchen Elementen Kemp in diesem Zusammenhang zu hantieren beginnt und auch wo sich das Potential für eine mögliche Fortsetzung in den nächsten Jahren verbergen könnte.

- Von Zeitreisen zu Klonen -

War die in CROSSCURRENT zentrale Zeitreise ein Novum, das gerade einmal theoretisch in mancher Sekundärliteratur (etwa den uralten FactFiles) angedacht worden war, Klone und deren Neigung sich als wahnsinnig zu erweisen sind es nicht, schon seit der Geburtsstunde des Expanded Universe und dem irrlichternen Joruus C'baoth. Kemp beweist dass er auch als "Frischling" im EU seine Hausaufgaben gemacht und die ihm zur Verfügung gestellten Essential Guides studiert hat (wenngleich er manches in den Augen pedantischer Zeigenossen vielleicht wieder zu liberal interpretiert hat). Aus Großadmiral Thrawns Befehl einige Klonzylinder zu verlegen und einen mental stabileren Jedi für seine Zwecke zu klonen macht Kemp nun ein ganzes Klonprojekt und dessen Versuchssubjekte stehen dem irren Meister C'baoth in nichts nach, man meint sogar ein wenig von dessen spezifischen Wahnsinns auch in ihnen zu erkennen. Anders als C'baoth leiden Thrawns Klon-Jedi jedoch an einer degenerativen Erkrankung, die ihr Leben massiv bedroht und sie auf der Suche nach Mitteln ihr Leiden zu lindern zu blutrünstigen Mördern werden lässt. Mörder die durch Lumiyas Klon Seer in Verbindung zu einer geheimnisvollen "Mutter" zu stehen scheinen, deren Ruf sie bedingungslos folgen zu glauben müssen.

- Zur Handlung I: Der Themenmix -

Angesichts des eher bescheidenen Umfangs seines Romans hat sich Paul S. Kemp einmal einer breiten Themenvielfalt angenommen, die selbst das Autoren-Trio Allston/Denning/Golden mit ihrer Fate of the Jedi-Reihe vor Neid erblassen lassen könnte. Dabei bewegt sich Kemp jedoch eher auf den Spuren Michael Reaves oder Steve Perrys, sein Held ist einer der "kleinen Leute" dessen Schicksal nur indirekt auf die große galaktische Politik Einfluss nehmen könnte. So ist auch Luke Skywalker für ihn vor allem die ferne graue Eminenz, der Mensch mit dem er über seine Probleme, Sorgen und Nöte sprechen würde ist Kyle Katarn, der leider nur erwähnt wird. RIPTIDE ist wie CROSSCURRENT ein Roman dem Kemp je nach Sichtweise vielleicht zuviel zugemutet hat. Die Klone wurden zwar bereits im ersten Teil dieser "Jaden Korr-Duologie" eingeführt, doch nun stehen sie im Mittelpunkt, wie zuvor der Sith-Dreadnaught. Dazu gesellt sich einmal mehr ein sinistrer Plot der One Sith, die Jaden nicht bloß nach dem Leben trachten, sondern lebend benötigen, um sich so einen Spion im Jedi Orden zu verschaffen. Nach dem Fast-Machtbegabten Anzati-Attentäter sind es zwei Meuchelmörder die genau dessen Gegenteil darstellen und Machtkräfte unterdrücken können, ganz ohne Ysalamiri. Nebenbei erfährt man einiges über Jadens eigene Hintergrundgeschichte, aber auch mehr über die in den Schatten agierenden One Sith. In Summe ein interessanter Mix, aber im Detail oft doch wieder zu wenig. Kemp reißt interessante Themen an, kann diese dann aber oft nicht mehr weiter ausbauen. Sogar die "Klon-Thematik" käme zur Sprache, nämlich inwieweit ein unter völlig anderen Umständen aufgewachsener Klon dennoch Charaktereigenschaften seines Vorbilds teilen würde. Einige Fragen bleiben außerdem offen.

- Jaden Korr: The lost years -

Ein Ärgernis in CROSSCURRENT war es, dass der damalige Neuling Paul S. Kemp für manchen Geschmack zu wenig von Jaden Korrs doch sehr bedeutender Vorgeschichte eingebracht hat. Immerhin hat dieser als Jedi Schüler schon den Geist und die Anhänger eines antiken Sith-Lords bezwungen, dieser, Marka Ragnos, war zudem ja nicht irgendwer. Davon ist in RIPTIDE zumindest bereits die Rede. Kemp scheint sich die Kritik bzw. das Feedback nach CROSSCURRENT zu Herzen genommen zu haben. So lobenswert das auch ist, auch in RIPTIDE ist er für seine Möglichkeiten nicht weit genug gegangen. Aus Jadens Konflikt mit den Jüngern von Ragnos, eventuelle Verbindungen zu den One Sith (die immerhin auch auf Korriban residieren) und dergleichen wird nicht eingangen. Dass Darth Wyyrlok, der nun auch erstmals beim Namen genannt wird, aber ein besonderes Interesse an Jaden entwickelt hat durchaus mit dessen Vergangenheit zu tun und einer erschütternden Wahrheit. Von Jaden erfährt man nebenbei auch dass ihm schon vor Jahren ein Meistertitel angeboten worden wäre, er aber die Verantwortung eines so hohen Amtes scheute. Nun da er sich mit Marr eines Schülers angenommen hat, deutet Großmeister Skywalker in ihrem Gespräch jedoch an, dass sich das ja ändern könnte. Dass Jaden das Zeug dazu hätte ein Jedi Meister zu sein (und immerhin ist er zu diesem Zeitpunkt ja auch schon deutlich über 40) beweist er mehrfach, ohne dabei zum Übermenschen zu mutieren. Kemp zeichnet Jaden, geklont wie auch als Original, sehr sympatisch, wobei er seine Stärke nicht in Machtkräften sondern einer Art höheren Moral bzw. bestimmender Ethik manifestiert. Von soldatisch anmutender Treue zum Orden und seiner Mission geprägt, sowie jenen Skrupeln, die ihn schon in CROSSCURRENT an Kyle Katarns Lehre von der Macht als Werkzeug zweifeln ließen, ist Jaden dem mönchischen Jedi-Ideal früherer Zeiten sehr nahe. Jadens Auftreten als Wiedergänger eines typischen enthaltsamen Kriegermönches ist jedoch nicht ganz freiwillig, wie Kemp explizit festhält. Vielmehr hat es sich einfach so ergeben, dass er seine Eltern bei einem Unfall früh verloren hat und Onkel Orn bei dem er aufgewachsen ist, im Zuge der Yuuzhan Vong Invasion auch ums Leben kam. So lebt er nun quasi in den Baracken des Jedi-Tempels und auch nicht als Meister sondern devoter Ritter, der sich dem Willen der Macht und den Idealen des Ordens fügt. Exzellentes Heldenmaterial, weil ihn dabei auch nicht viel in Versuchung führen kann, für "persönliche Ziele" oder den Schutz einer Familie skrupellos auf die dunkle Seite zurückzugreifen.

- Marr, der neue Schüler -

Einen der interessantesten Charaktere mit denen Paul S. Kemp das EU bereichert hat ist natürlich Marr Idi-Shael, mit dem man die Hoffnung zu verbinden wagen könnte einen neuen Ki-Adi Mundi (immerhin haben sie die gleiche Spezies) heranwachsen zu erleben. Der Großmeister macht jedoch rasch deutlich, dass er auch eine Gefahr in der Ausbildung des bereits älteren Marr erkennt. Nicht wegen dunklen Vorahnungen, Visionen oder charakterlicher Schwächen, sondern weil Marr seine Ausbildung vielleicht nicht abschließen könnte und nach Luke gibt es nichts gefährlicheres als eine Sache nur halb abzuschließen (eine Lektion für die er ja einst mit dem Verlust einer Hand bezahlen musste). Da sich die Handlung RIPTIDES in nur wenigen Tagen abspielt sind Marrs Fortschritte verständlicherweise eher begrenzt, vieles kommt nur begrenzt zum Tragen, was aber die Tür für eine mögliche Fortsetzung offen lässt.

- Die Charakterzeichnung -

Eine Wohltat mit der sich Paul S. Kemp von nicht wenigen im EU tätigen Autoren abzuheben versteht ist sein Talent interessante Charaktere zu erschaffen, wobei er sowohl innovativ wie auch sehr konsequent an diese Sache herangeht. Entweder gab es Charaktere wie sie Kemp verwendet noch nicht oder sie wurden noch nie so durchgehend glaubwürdig beschrieben. Im Grunde eine gute Leistung, die unter den oft unterdurchschnittlichen seiner Star Wars-Autorenkollegen als sprichwörtlich herausragend gelten kann. Kemps Romane sind kürzer, aber dafür auch hintergründiger als der Durchschnitt. Frei von Fehlern ist aber auch er nicht. So kann er seine Charakterdarstellungen in RIPTIDE beim überlebenden Anteil des Casts, wie eben Marr und Khedryn nicht gerade vertiefen und auch Jaden gerät noch einen Tick mehr als im Vorgänger ins Hintertreffen, denn die Antagonisten-Riege wurde sichtbar aufgefüllt und will natürlich auch ausgiebig vorgestellt werden. Vielleicht auch eine der Fananregungen, immerhin ist Darth Wyyrloks großer Auftritt gekommen. Dafür macht RIPTIDE vieles "richtig" was an Legacy of the Force und Fate of the Jedi ausgesetzt wurde. Für Jaden Korr ist Großmeister Luke Skywalker etwa eine Respektsperson, die hier mehr als Graue Eminenz und deutlich großmeisterlicher in Erscheinung tritt als man sie in 18 Bänden LotF und FotJ erleben durfte und dass nicht alle Jedi das Hin und Her im Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg so hinnehmen konnten ist auch einmal notwendig zu erwähnen gewesen. Womit Kemp in RIPTIDE allerdings zu ringen hat ist es seine Handlungsstränge zusammenzuhalten, denn zwei Sith-Agenten, ein Heldentrio und eine schrumpfende Anzahl Klone, sowie eine dunkle Macht im Hintergrund wollen koordiniert werden. In DECEIVED ist Kemp genau das besser gelungen weil er mit weniger Charakteren zu jonglieren hatte, RIPTIDE ist da fast ein Rückschritt. Die mehr oder weniger offensichtlichen Mankos stehen jedoch einigem gegenüber das für RIPTIDE spricht, wie bereits erwähnt so mancher Klarstellung und glaubwürdigen Inszenierung die große Reihen in den letzten Jahren schmerzlich vermissen ließen. In diesem Vergleich schneiden die eher unterdurchschnittlich umfangreichen, mit ähnlichen Themen arbeitenden, doch in Bezug auf das schriftstellerische Handwerk oft ungleich besseren Romanen Kemps auch besser ab.

- Handwerklich: Die Handlung, der Spannungsbogen und mehr -

Dass Jaden in RIPTIDE die entkommenen Klone jagen wird ahnte man bereits am Ende von CROSSCURRENT, was den scharfen Augen einiger Beobachter damals schon als etwas wenig Stoff für eine Fortsetzung erschien. Hatte Kemp in CROSSCURRENT mit primär drei Handlungsfäden begonnen, setzt er dies nahtlos fort. Soweit so gut, man ist also immer noch dort wo CROSSCURRENT aufhörte. Anstatt eines durch die Zeit geschleuderten Sith-Kreuzers ist es nun eine Schiffsladung voll irrer Jedi-Sith-Klone die es aufzuhalten gilt und auch die vakante Stelle eines Sith-Agenten wird rasch nachbesetzt. Da kann durchaus ein wenig Unmut über diese "klassische Fortsetzung" aufkommen, wenn eben nach dem selben Rezept nur mit veränderten Zutaten nachgekocht wird. Ohne zuviel zu spoilern und daher chiffriert, Kemps Klon-Saga mag zwar einer guten Idee des Autors entsprungen sein, zumal sich vor ihm noch keiner seiner Kollegen im EU an einer solchen versucht hat, aber sie ist ein wahrer Overkill, zuviel des guten. Ein doppeltes Lottchen wäre noch leichter verkraftbar gewesen. Dabei fing es noch deutlich besser an, ehe Kemp zunehmend mit Klischees zu punkten versuchte. Klone namens Soldier, Seer, Alpha, Two-Blade oder Runner, müsste nicht sein. Als wäre das noch nichts genug ruft dann noch eine Macht-Entität (Abeloth lässt grüßen) die Klone zu sich, als wären diese in ihrem Zustand auf sich allein gestellt nicht bereits gefährlich genug. Fast meint man Kemp würde mit seiner Duologie versuchen der FotJ-Serie Konkurrenz zu machen und nach einer Schiffsladung Sith halt mit weniger gefährlichen Klonen und Schmalspur-Abeloth weitermachen. Positiv anzumerken ist jedoch dass Kemps Konstruktionen ausnahmslos glaubwürdiger wirken, selbst auf weniger Seiten und mit weniger Szenen in denen er das zum Ausdruck bringen kann. Kemp geht mehr auf den Leser zu, erzeugt besondere Momente die zu Kristallisationspunkten der Handlung und Charakterzeichnung werden und kann dennoch nicht auf Wasser wandeln. So hart es klingen mag, besonders wenn man DECEIVED und CROSSCURRENT mochte, RIPTIDE erinnert in vielerlei Hinsicht zu sehr an eine typische Fortsetzung die vor dem Dilemma steht entweder Leser durch das Beschreiten neuer Wege zu vergraulen oder durch ein Beharren auf alten Rezepten zu enttäuschen. Mehr vom selben, aber doch nicht das was man erwartet hätte. Das Potential wäre dagewesen.

- Zur Handlung II: Fortsetzung folgt? -

Seit Del Rey verlautbart hat, dass man das Star Wars Programm von langjährigen Serien auf mehr Einzelromane, Trilogien und auch Duologien umstellen will ist alles anders im EU. Eine Ära die mit The New Jedi Order und 19 Bänden begann, sich über Dark Nest, Legacy of the Force und Fate of the Jedi auf sage und schreibe 40 Bücher erstreckte (Einzelromane und E-Books in diesem Zeitraum nicht miteingerechnet) geht zu Ende. Was das im konkreten heißt wird man noch sehen, eines durfte man aber bereits in den letzten Jahren beobachten, manche "Einzelromane" wirken nicht unbedingt als könnten sie ohne Sequel auskommen, wie CROSSCURRENT oder auch Timothy Zahns ALLEGIANCE. Und nachdem auch RIPTIDE einiges offen lässt, Jaden Korr in Fate of the Jedi immer noch "nur" Ritter ist liegt die Vermutung auf der Hand dass RIPTIDE eines Tages Teil 2 einer Trilogie sein könnte und die sind ja nach einer Faustregel fast immer problematisch (The Empire Strike Back einmal außer Acht gelassen). Dass auch halbwegs geschlossene Enden noch für Fortsetzungen taugen und selbst Trilogien zu Quadrologien werden können hat einst Douglas Adams mit The Hitchhikers Guide to the Galaxy vorgemacht und jüngst wurde ja auch die immer schon etwas diffus als nicht so ganz aufeinander aufbauende Trilogie auftretende Coruscant Nights-Trilogie mit Jedi Dawn (2013) zum Vierteiler erweitert. Gerade die Rakatantischen Technologien, welche die One Sith wieder ausgegraben haben beinhalten Potential, ebenso die Möglichkeit die Existenz von Darth Krayts Anhängern in weiteren Romanen zu verankern.

- Die dunkle Seite -

Das faszinierende an Paul S. Kemps Star Wars-Romanen ist mit Abstand dessen Talent glaubwürdigere Charaktere zu erschaffen, als man sie aus dem EU ansonsten gewohnt ist. Gerade auch was die dunkle Seite betrifft. Darth Wyyrlok I. etwa, manche vermuteten nach CROSSCURRENT der erste Wyyrlok wäre vor seiner Karriere als Sith-Lord Jurist gewesen, was aufgrund dessen sprachlicher Eigenheiten und der aus der angloamerikanischen Film- und Serien-Welt bekannten Praxis Anwälte als Mittelsmänner einzusetzen durchaus naheliegend ist. So erinnert der im Konferenzraum auf Korriban Nyss Nenn zu seinem neuen Auftrag verpflichtenede Wyyrlok auch an eine Art Geschäftsführer, Prokuristen oder Parteisekretär, der sich durchaus bewusst ist die Pläne seines Vorgesetzten nicht zu kennen, aber dennoch treu Folge leistet. Das warum mag offen bleiben, Kemp deutet aber zumindest an, dass die One Sith zu diesem Zeitpunkt (genau wird das wohl noch zu klären sein) eher an eine Mischung aus Verschwörergruppe, Geheimgesellschaft und Sekte angelehnt sein dürften. Kaum 10 Jahre nach dem Ende der Yuuzhan Vong Invasion, aber angesichts der politischen Turbulenzen, kein so großes Wunder und immerhin kann Krayt auch auf Technologien des Infinite Empire (der Rakata, die auch die Sternenschmiede und damit Darth Revans Geheimwaffe schufen) zurückgreifen, über die er möglicherweise durch alte Sith-Holocrone und seine einstige Sith-Mentorin gestolpert ist. Klonexperimente und die Plünderung alter Labore Thrawns betreiben Krayts Sith ohnedies, Stoff für weitere sicher nicht uninteressante Geschichten also.

Gewissermaßen das Highlight auf das man sich als Kenner von Kemps beiden vorigen Romanen zu freuen beginnt ist aber welche besonderen "Agenten" er diesmal aus den Hut zaubert. Kell Douro war bereits faszinierend, doch was Kemp dann in DECEIVED mit Darth Malgus gelungen ist, sollte ihm einen soliden Respekt verschafft haben, hat er aus dem "Vader-Verschnitt" doch einen durchaus tiefsinnigen Charakter geformt, der nicht von ungefähr an einen glaubwürdigen Darth Caedus angelehnt scheint. Diesmal bedient sich Kemps eines Geschwisterpaares, das dem Bestreben der Sith aus den Schatten zuzuschlagen eine ganz neue Bedeutung verleiht, denn die beiden Umbaraner (wie die kalkweiße glatzköpfige Sly Moore, Beraterin Kanzler Palpatines) Nyss und Syll Nenn nehmen das sehr wörtlich. Ähnlich den Ysalamiri können Nyss und seine Schwester Syll Machtkräfte blockieren, indem sie gewissermaßen die Machtsinne eines Opfers verdunkeln, wobei die beiden selbst über keine eigenen Machtkräfte verfügen. Dafür wirkt sich ihr Talent jedoch auch auf von der Macht geprägte Lichtschwertkristalle aus, sodass sie einen Jedi gar doppelt entwaffnen können. Im Kampf gegen einen Jedi-Ritter der von Kyle Katarn ausgebildet wurde jedoch kein sicherer Sieg, immerhin haben Jaden und auch sein Schüler Marr kein Problem damit notfalls auf so unelegante aber effektive Waffen wie Blaster zurückzugreifen. Jacen Solo hätte mit seinem tieferen Verständnis der Unified Force seine Freude an den beiden gehabt, Jaden, seine Verbündeten und auch die Klone müssen jedoch eigene Wege finden sie zu bekämpfen. Glaubwürdig wenn auch nicht klischeefrei ist auch Kemps Darstellung der besonderen Beziehung der beiden Geschwister zueinander, die aufgrund ihres hintergründigen Andersseins sogar auf ihrer Heimatwelt schon eher ausgegrenzt wurden und folglich lieber unter sich blieben, sodass ein starkes Band entstand, das mit Gewalt und Mord zu durchtrennen den ungebändigten Zorn des Überlebenden entfesseln kann

- Schlussbetrachtungen -

Nach eigener Ansicht findet Paul S. Kemp dass RIPTIDE sein bis dahin bester Star Wars-Roman ist. Bei CROSSCURRENT sei er sich noch zu unsicher gewesen und bei DECEIVED war er zu sehr in seiner Kreativität eingeschränkt. Das mag auch daran liegen, dass der Autor selbst viele jener Antworten hat, auf die seine Leser, möglicherweise bis zum nächsten Roman oder dem einen oder anderen klärenden Interview, warten müssen. Vielleicht haben auch die Recherchen und Überlegungen zu manchen der angeschnittenen Themenkreise mehr Spaß gemacht als vom eher minimalistischen Endprodukt zu lesen, dass dann übrig geblieben ist. Ist man mit dem Werk also unzufrieden, meint aber auch dass Kemps Romane sich sehr gerne etwas hinterhältig gestalten und dadurch einen ganz eigenen Reiz gewinnen, entwickelt das Buch dann doch erneut Wiederlesenswert.

Immerhin, Kemp kann es durchaus mit den bestenfalls durchschnittlichen Titeln einer Christie Golden, Karen Traviss, eines Aarron Allston oder Troy Denning der letzten Jahre aufnehmen. Man fragt sich liegt es an der Ära oder den Erzählern? Vermutlich liegt es aber an den Lesern, die einfach schon zu lange mit dabei oder mit zu vielen Schemen der Erzählkunst vertraut sind. Je länger ein Franchise existiert, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich manche Trends und Plots eben wiederholen, gerade auch wenn von Seite der Verlage und Lucas Licensings ausgegangen wird, dass sich die Zielgruppe immer wieder mal verjüngt und das ältere Material nicht kennt. Diese Rechnung kann aufgehen, wer etwa FotJ nie gelesen hat wird sich kaum daran stoßen, wenn Kemp eine dunkle Bedrohung beschwört die an Abeloth erinnert und wessen Appetit auf Geschichten mit Klonen noch nicht übersättigt ist schluckt vermutlich auch das "dreifache Lottchen" leichter, das trifft "Casual Readers" weniger als solche mit ausgeprägter SciFi-Affinität und damit auch die semiprofessionellen Kritiker der diversen Portale. Das dazu, um präventiv bereits einigem Unverständnis und Unmut über nicht-positive Urteile eine Erklärung entgegensetzen zu können, warum es so gekommen ist.

Möglicherweise liegt es aber auch an der Ära, immerhin hat sich auch MILLENIUM FALCON aus der Feder James Lucenos (immerhin einer der großen Fan-Favoriten) als Standalone-Roman und Tie-in zu FotJ nicht als der große Wurf erwiesen, wie seine NJO-Romane, gar nicht zu sprechen von seinen brillanten Tie-ins zur Prequel-Trilogie. Aber wie könnte es an der Ära liegen, wenn doch die Autoren für die Ideen verantwortlich sind? Manch ein Fan mag die "Krise" des EU nach der NJO dem Einfluss Troy Dennings (der immerhin Anakin Solo ermordet hat und seit dem Beginn von Dark Nest den Ton in der Post-NJO-Ära angibt) anlasten, dessen Beiträge in ihrer Qualität ja auch als schwankend bezeichnet werden können. Aber an Kemps Jaden Korr-Romanen war Denning, dessen Einfluss auf diese Ära des EU sich wohl nur mit dem Michael Stackpoles und Timothy Zahns während der 90er-Jahre vergleichen lässt, nicht beteiligt, ebenso wenig wie an Lucenos MILLENIUM FALCON. Das gibt zu denken, zumindest wenn man sich darüber den Kopf zerbrechen will.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 26, 2011 2:12 PM CET


Die Indianer Nordamerikas. Geschichte, Kultur, Mythos
Die Indianer Nordamerikas. Geschichte, Kultur, Mythos
von Alexander Emmerich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Einführung, wenig mehr, 9. November 2011
Mit "Der Wilde Westen: Mythos und Geschichte" hat Alexander Emmerich eine faszinierende Einführung in die Geschichte des Wilden Westens geschaffen, die sich großen Anklang bei Wild West-Enthusiasten und Interessierten erfreuen durfte. Entsprechend natürlich wirkt es wenn sich Emmerich aus diesen Erfolg heraus für ein Buch über "die" Indianer Nordamerikas gewinnen ließ. Als Historiker auf die USA und Deutschland, sowie deren wechselhafte Beziehung zueinander konzentriert bewegt sich Emmerich auch mit "Die Indianer Nordamerikas" auf sicheren Boden.

Emmerich beginnt noch durchaus begeisterungsfähig. Er betont dass uns ein Bild von den Indianern eingeprägt wurde, das nie eine Trennung zuließ, dabei wurden unter diesem Sammelbegriff seit eh und je verschiedene Völker mit ihren individuellen Sprachen und Lebensweisen zusammengefasst. Dieses Klischeeartige und Nachteilige hat sich aber auch in der Sprache niedergeschlagen, während die Bezeichnung Indios für südamerikanische Natives abwertend klingt, ist dass deutsche Indianer deutlich unbelasteter als das amerikanischen Indians. Ja die kulturhistorische Untersuchung der europäischen bzw. vor allem deutschen Sicht auf die Thematik ist etwas dem Emmerich sehr hohen Stellenwert einräumt. Dabei verspielt der Historiker schon in der Einführung etwas "Tempo" für eine rein seitenmäßig doch sehr knappe Einführung und da kommen noch einige Wiederholungen hinzu. Kurzum die Einführung lässt Prägnanz vermissen, ein klares Statement über die Zielsetzung des Werks. Stattdessen breitet Emmerich hier bereits eine Themenvielfalt vor dem Leser aus, die das Buch dann gar nicht ausgiebig abhandeln kann. Kommt noch hinzu dass man im Laufe der Lektüre mit nicht wenigen Wiederholungen konfrontiert wird.

Fenimore Coopers Lederstrumpf, Karl Mays Winnetou, Romane über die "edlen Wilden" gibt es nicht wenig und sie haben unser (europäisches) Bild von den Indianern Nordamerikas durchaus geprägt. Auf dieses baut Emmerich auf. Dass das amerikanische Geschichtsbild logischerweise ein anderes ist als das europäische, das sich eben aus populärer Literatur und ihren Verfilmungen gespeist hat spielt hier gar keine besondere Rolle. Die Kontroverse darum bleibt ausgeklammert. Auch die "Wiederentdeckung" indianischer Wurzeln durch diverse Hollywoodberühmtheiten - Emmerich nennt Chuck Norris und Johnny Depp - bleibt ziemlich unkommentiert. Dabei spielt Emmerich sogar kurz zuvor noch das bekannte Zahlenspiel, dass die "Indianer" oder sollte man lieber sagen nordamerikanischen Ureinwohner auf dem Staatsgebiet der heutigen USA, zu ihren Glanzzeiten wohl 10-12 Millionen Personen zählten ehe sie am Ende des 19. Jahrhunderts auf registrierte 237.000 dezimiert waren. Heute könnten es bereits wieder 4 Millionen sein, so zumindest die von Emmerich vorgetragene Schätzung. Ob hier allerdings vielleicht das gleiche Phänomen zu Tage tritt, wie im Fall einiger südamerikanischer Urvölker, die auch lange Zeit als fast ausgelöscht galten, bis sich, durch kulturelle Förderprogramme angestoßen, immer mehr zu ihrer lange verdrängten Abstammung auch bekannten, ist eine Frage auf die man keine Antwort erhält. Dass die "Indianer" in der öffentlichen Wahrnehmung des modernen Amerika endlich einen einigermaßen angemessenen Stellenwert genießen ist ein Fakt, der nicht näher erläutert wird.

In groben Zügen liest sich "Die Indianer Nordamerikas" wie eine Aneinanderreihung von gegen oder mit den indianischen Stämmen geführten Feldzüge. Dabei war die erste Begegnung der europäischen Siedler mit den Wampanoag durchaus von Freundlichkeit geprägt. Im Rahmen einer de facto Nachbarschaftshilfe halfen die Wampanoag den Siedlern überhaupt erst in diesem fremden Lebensraum zu überleben, indem sie die Siedler den Anbau von Mais oder die Orientierung in den Wäldern lehrten. Auf lange Sicht blieben die friedlichen Erstkontakte dann aber doch die Ausnahme, denn das Streben der Siedler nach mehr Lebensraum führte sie zwangsläufig in Konflikte mit der bereits ansässigen Urbevölkerung und so zu einer blutigen Indianerverfolgung. Was man Emmerich bei aller Kritik doch zugutehalten darf, er hilft dem ahnungslosen noch von Klischees geprägten europäischen Leser mit einigen Missverständnissen abzurechnen, etwa was die soziale-politische Struktur der Stämme betrifft. So wurden gerade die Indianer des amerikanischen Ostens oft von einem Ältestenrat regiert, dessen Häuptling oder Sachem anders als europäische "gekrönte Häupter" oder adelige Statthalter eben nicht bemächtigt war allein mit Abgesandten Verträge zu schließen. Ein Clash of Civilisations also, der auch zu reichlich stammensinternen Konflikten führte. Zum Leidwesen der Uramerikaner sollten jedoch neben skrupellosen Landkäufern gerade die aus Europa vertriebenen religiösen Fanatiker zu ihren ärgsten Häschern werden. Wenn man die europäischen Glaubenskriege betrachtet, in denen sich keine je mit Waffengewalt aufgetretene Konfession mit Ruhm zu bekleckern pflegte außer in der eigenen Geschichtsschreibung, dann versteht man auch wie es die ihren Landesherren entflohenen Siedler als gottgegebene Aufgabe empfinden konnten die "Heiden" mit Fackel, Schusswaffen und ungebremsten Missionierungsdrang zu bekehren. Dem stand das komplexe politische Mächtesystem der Stämme, die in diesem ja oft selbst miteinander verfeindet waren plötzlich chancenlos gegenüber.

- Resümee -
Eine Aneinanderreihung von Feldzügen gegen die Indianer und einigen bemühten Einschüben zu Geschichte und Kultur. Es gibt wohl bessere Bücher über die Indianer Amerikas, auch solche die nicht an den üblichen Symptomen eines "Schnellschusses" leiden. Nach einer Einführung die schon massiv an Emmerichs "Der Wilde Westen" angelehnt ist und außer kulturgeschichtlichen Bezügen Ausführungen zur amerikanischen Geschichte und kolonialer Politik vergangener Jahrhunderte tendenziell zu kurz kommen lässt, stört man sich vielleicht bereits an den nicht wenigen Wiederholungen und einer wohl durch Umfang und Zeitdruck stark verkürzten Geschichtsaufarbeitung. Als sehr grundlegende Einführung zwar tauglich, aber leider eben nicht mehr.


Teuflisches Österreich: Geschichten aus einem höllischen Land
Teuflisches Österreich: Geschichten aus einem höllischen Land
von Reinhard Pohanka
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Österreich in Teufelshand?, 31. Oktober 2011
Im Krampus und den Perchten finden sie sich, die alten Götter und der Teufel, mit Lokis Schläue, Hörnern und Pans Ziegenbeinen ist in seiner populären Darstellung auch ein Relikt aus den Zeiten vor der Christianisierung. Mit einem kulturgeschichtlichen Abriss zur Entstehung und Verbreitung des populären Teufelsbildes beginnt Reinhard Pohanka seinen Streifzug durch ein teuflisches Österreich. Das Buch ist nicht wirklich ein Reiseführer, sondern eine Art illustrierte Lesereise, die mit einem geschichtlichen Ausflug beginnt, zu den Wurzeln unseres Teufelsbildes, aber auch der früheren Verfolgung vermeintlicher "Teufelsanbeter". Nichts zum Gruseln, aber interessieren und faszinieren.

Nach der Einführung geht es weiter mit dem "Hofstaat des Teufels", Dämonen, Zauberern und Hexen, also auch einem Exkurs zur Hexenverfolgung. Und hier dürfte allmählich deutlich werden, dass "Teuflisches Österreich" trotz entsprechenden Formats auch kein Bildband ist, denn nicht Fotografien und Bilder sondern allerlei Geschichten und Geschichte stehen im Mittelpunkt. So folgt ein Ausflug zu Teufelsorten und Teufelssagen, wo man sogar im Wiener Stephansdom fündig wird oder in Niederösterreich wo es gar zwei Teufelskirchen gibt.

"Teuflisches Österreich" bietet das, was man sich immer noch von einem populärwissenschaftlichen Sachbuch erwarten darf, einigen Unterhaltungswert. Pohankas Rundreise durch ein teuflisches Österreich hört jedoch nicht nach einem Besuch diverser Lokalitäten auf, es geht weiter. Mit Teufelsfiguren die einen ganz besonderen Charme besitzen, wie den Krampus oder auch Kasperl und den Teufel. Der Teufel in Kunst Alltag, wie in Form von Wasserspeiern erfährt ebenso seine Würdigung, wie die "Natur des Teufels", also die sprichwörtlichen "Teufelskräuter" wie Tollkirchen, Stechäpfel und Fliegenpilze, immerhin auch Hexen nutzte diese als Medizin. Und was wäre ein Buch über den Teufel, ohne die Tiere des Teufels- teuflische Mythen die mit bestimmten Tierarten verbunden sind, wie Wolf, Fliege, Hund und Katz.

Fazit:
Reinhard Pohanka versteht es zu unterhalten, wenn er je nach Geschmack mit Teuflisches Österreich auch schon fast zu viele "teuflische" Themen und Geschichten aufgedeckt hat.


Maxentius: Der letzte Kaiser in Rom
Maxentius: Der letzte Kaiser in Rom
von Hartmut Leppin
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kaisersohn, erfolgreicher Usurpator und schicksalhafter Gegenspieler Konstatins des Großen, 28. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In die Geschichtsbücher mag er nur als der Widersacher Konstantins des Großen eingegangen sein, der an der Milvischen Brücke sein Leben ließ, doch die auf diesen Moment verkürzte Darstellung Maxentius tut dem Kaisersohn, Usurpator und letzten in Rom residierenden Kaiser Unrecht. Mit Hartmut Leppin, der für den vorliegenden Bildband die erste deutschsprachige Monografie des Kaisers verfasst hat, ist allerdings ein höchst fähiger Biograf angetreten, Maxentius doch einmal ins rechte Licht zu rücken. War doch Maxentius wie zunächst auch Konstantin ein Usurpator, der sich anschickte die von Diokletian begründete Tetrarchie zu sprengen und doch nur nach alten römischen Brauch die Nachfolge seines Vaters als Augustus anzutreten. Doch Maxentius verfügte nie über das mächtige Heer eines Konstantin und als er sich anschickte seinem Vater, den Ex-Augustus Maximian, nachzufolgen konnte er daher auch nicht seine Anerkennung durch die anderen Tetrarchen erzwingen. Dennoch gelang es ihm sechs Jahre als Usurpator zu überleben und der Stadt Rom, die sich schon länger nicht mehr rühmen konnte als Kaiserresidenz zu fungieren, mit seinem Bauprogramm etwas neuen Glanz zu verschaffen. Neben Augustus und Traians sind es gar schon Maxentius Bauwerke welche durch ihre Zahl das Stadtbild prägen und die Jahrtausende überdauern sollten.

Für den vorliegenden Band aus der Reihe "Zaberns Bildbände zur Archäologie" haben sich mit dem auf die Spätantike spezialisierten Althistoriker Hartmut Leppin und der gar auf die maxentischen Bauten spezialisierten Archäologin Hauke Ziemssen zwei veritable Experten gefunden, die Kaiser Maxentius ein gerechtere Würdigung als nur als "Widersacher Konstantins" angedeihen lassen können. Entsprechend gestaltet sich auch die Arbeitsteilung zwischen Ziemssen und Leppin als durchschaubar, während Leppin von S. 11 bis 34 die Biografie des Kaisers beisteuert, übernimmt Ziemssen die Aufgabe von S. 35 bis 122 die Aufarbeitung der archäologischen Hinterlassenschaften Maxentius, wie seine Bauten oder das durch Münzen und architektonische Kunstwerke hinterlassene Herrscherbild.

Als Maxentius am 28. Oktober 312 ausgerechnet am 6. Jahrestag seiner Kaiserausrufung in Rom im Zuge der Schlacht an der Milvischen Brücke in den Tiber fiel und ertrank endete eine außergewöhnliche Karriere, die der Konstantins des Großen ja nicht unähnlich war. Am Ende konnte der Usurpator der wohl versuchte mit dem Sohn Constantius I. gleichzuziehen der Stadt Rom sogar mehr seinen Stempel aufdrücken als der Reichseiniger und von der christlichen Geschichtsschreibung zum Großen erhobene. Als Diokletian seine Tetrarchie schuf hatte er damit eine Stabilisierung des Reiches im Sinn, sollten doch von nun zwei Augusti mit zwei Caesaren und ihren jeweiligen Amtsbereichen das Imperium regieren. Doch so bewundernswert diese Neuverteilung der Mächte aus heutiger Sicht scheinen mag, sie hatte eine Schwäche, die sich schließlich Konstantin und auch Maxentius zu Nutze machen sollten, die Söhne der Herrscher waren nämlich von der Nachfolge ausgeschlossen. Ein durch Heirat und Verwandtschaft bestens in das tetrarchische Herrschaftssystem integrierter Maxentius sollte also niemals die Chance bekommen dem von den Römern und in der Armee andererseits noch in höchsten Ehren gehaltenen dynastischen Prinzip Folge zu leisten, war sein Vater Maximian doch schon Augustus gewesen.

Als der Augustus Constantius in Britannien verstarb und das dort stehende Heer dessen Sohn Konstantin zum neuen Augustus ausrief war jedoch ein Präzedenzfall geschaffen, der die fein justierte Tetrarchie erschüttern sollte. Um eine Meuterei des Heeres zu verhindern sah man sich gezwungen Konstantins Teilhabe an der Tetrarchie hinzunehmen, allerdings zum Preis einer Degradierung zum Caesar. In einer Zeit da die Caesaren und Augusti jedoch in weit von Rom entfernten Amtssprengeln residierten war die einstige Hauptstadt des Reichs verweist. Diokletian hatte gar damit begonnen einen Abbau alter Privilegien in Angriff zu nehmen und überlegt die Prätorianergarde aus der Stadt abzuziehen. Entsprechend erbittert sollte sich der immer noch glanzvolleren früheren Zeiten anhängende Stadtadel erweisen. Genug um mit den Prätorianern schließlich Maxentius zum Augustus zu erheben, als dieser in Rom seine Chance gekommen sah, ebenso wie Konstantin sein Geburtsrecht einzufordern. Nur diesmal weigerten sich die bereits ausgelasteten Tetrarchen einen Usurpator in ihre Riege aufzunehmen und so sollte Severus ausrücken, sich des sprichwörtlich fünften Rads am Wagen zu entledigen. Scheinbar hatte der Augustus allerdings nicht damit gerechnet dass sich in seinem Heer noch viele Legionäre befinden sollten die einst unter Maxentius Vater Maximian gedient hatten und dessen dynastisch legitimierten Anspruch anerkennen wollten, indem sie Severus ihre Gefolgschaft verweigerten. Nachdem auch noch besagter Maximian nach Rom zurückgekehrt war, um seinen Sohn vorgeblich zu unterstützen sah sich Severus gezwungen sich nach Ravenna zurückzuziehen, wo ihn daraufhin auch bald der tot fand.

Selbst ohne starkes Heer war es Maxentius gelungen einen der Tetrarchen zurückzuschlagen, sodass sich der dienstälteste der Tetrarchen, Galerius, selbst dazu aufraffen musste gegen Rom zu ziehen. Und wieder gelang es Maxentius mit einem Verweis auf seine dynastische Legitimation, den guten Ruf des Vaters bei den Truppen und der unwiderstehlichen Verlockung durch enorme Donative den Abfall großer Truppenteile von Galerius zu bewirken. Stützen konnte sich Maxentius derweil nur Italien und die Provinz Africa, doch trotz zweier Waffengänge gegen ihn war Maxentius immer noch um Anerkennung seiner Augustus-Würde bemüht, war er doch sogar Galerius Schwiegersohn. Von den Tetrarchen, auch Konstantin, dem er seine Schwester Fausta zur Frau anbot, bekam er allerdings nur die kalte Schulter vorgezeigt und auch sein Vater Maximian schien kein verlässlicher Verbündeter zu sein, der wenig durchschaubare eigene Ambitionen verfolgte, die ihn sogar dazu trieben sich zweimal neuerlich zum Augustus ausrufen zu lassen. Sein Geschick oder auch Glück als Herrscher konnte Maxentius sogar beweisen als er mit einem bescheidenen Prätorianeraufgebaut einen Aufstand in Africa niederschlagen ließ. Die wachsende Macht der neuen Caesares innerhalb der Tetrarchie die sogar deren Beförderung zu vollwertigen Augusti nach sich zog, sollte jedoch auch das Ende Maxentius besiegeln, denn als mit Galerius 311 der letzte Verfechter der alten tetrarchischen Ordnung verstarb waren bereits deutliche Sturmwolken am Himmel erkennbar, früher oder später würden die Augusti übereinander herfallen und damit auch Maxentius Regentschaft ein Ende setzen.

Hartmut Leppin gelingt es Maxentius als eine faszinierende Persönlichkeit vorzustellen, die er auch zutiefst menschlich zu erfassen versteht. Leppin verweigert sich einer Verunglimpfung Maxentius als Tyrannen und stellt dessen Griff nach der Augustus-Würde als aus der Tradition und Psychologie der Spätantike heraus verständliches dar. Selbst als Kaisersohn, meint Leppin, dürfte die Frage ob er Maximian nicht nachfolgen könne den jungen Maxentius bereits geprägt haben. In dieser Deutung steht Maxentius wie auch Konstantin für eine Ära und Leppin geht sogar noch weiter, um die Macht der dynastischen Legitimität zu illustrieren spielt er auch auf seine Biografie Theodosius des Großen an, hatte doch dieser seine Karriere zunächst als Stütze Kaiser Valens begonnen und seine eigenen Söhne Honorius und Arcadius aus dem politischen Machtkampf heraus gehalten, solange die valentinische Dynastie noch in Amt und Würden war. Anders als Konstantin konnte Maxentius jedoch nie mit genügend militärischer Macht aufwarten, um die Anerkennung seiner dynastischen Ansprüche durchzusetzen, ein fatales Manko seit dem Aufstieg der Soldatenkaiser.

- Resümee -
Nach dem 28. Oktober 312 schrieb einmal der Sieger die Geschichte, doch Maxentius war nicht der Tyrann den eine übereifrige christliche Historiografie aus ihm gemacht hat, um Konstantin den Großen umso strahlender erscheinen zu lassen, indem man Gegner herabwürdigte. Zwar hat Maxentius nie eine christliche Konfession angenommen, doch durchaus Duldsamkeit wenn auch nicht gezielte Förderung gegenüber den römischen Christengemeinden bewiesen. Während Hauke Ziemssens Anteil an diesem Werk sich auf die sehr vielseitigen archäologischen Hinterlassenschaften konzentriert ist der Dreh- und Angelpunkt doch die Biografie Maxentius Hartmut Leppins und diese ist hervorragend gelungen. Sie liest sich (zumindest für mich) gar so, dass man beginnt mit dem Usurpator mitzufiebern und Leppin rattert nicht einfach Fakten herunter, sondern versucht auch die Geschehnisse zu interpretieren, teils sogar von Maxentius Standpunkt aus verständlich zu machen.


Zwischen den Blöcken. NATO, Warschauer Pakt und Österreich
Zwischen den Blöcken. NATO, Warschauer Pakt und Österreich
von Manfried Rauchensteiner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 69,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Neutralität in historischer Retrospektive, 26. Oktober 2011
Aus der Not geboren, nur durch sie die Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht zum Staatsvertrag erlangt zu haben, ist uns die österreichische Neutralität doch überraschend lange über das Ende des Kalten Krieges hinaus erhalten geblieben. Entsprechend heftig geladen stellen sich heutige politische Diskussionen um Abschaffung, Beibehaltung oder im Sinne eines österreichischen Mittelweges, zumindest der Neuinterpretation des Neutralitätsgesetzes. Da kann es natürlich interessant sein sich die historische Perspektive vor Augen zu führen. Hätte die Neutralität im Ernstfall halten können was sie verspricht? Wie haben sich die militärischen Stabstellen mit ihr befasst? Und welche konkreten Pläne zur Landesverteidigung lagen dem Bundesheer tatsächlich vor? Fragen der Militärgeschichte die "Zwischen den Blöcken" beantworten kann. Unter der Herausgeberschaft des wohl bekanntesten österreichischen Militärhistorikers Manfried Rauchensteiner hat sich eine nicht weniger renommierte Autorenmannschaft eingefunden, die großen Fragen zur Geschichte der österreichischen Neutralität im Kalten Krieg zu beantworten. Es sind Bruno Thoß, Michael Gehler, Wolfgang Mueller, Hans Rudolf Fuhrer, Hannes Philipp, Friedrich Korkisch, Peter Jankowitsch, Andreas Resch, Martin Malek, Horst Pleiner und Berthold Molden die den Rückblick auf ein Österreich zwischen den Blöcken wagen und dabei höchst interessantes aus den Archiven ans Tageslicht bringen.

Schon die Einführung Manfried Rauchensteiners lässt eines deutlich durchscheinen, ohne die NATO hätte ein neutrales Österreich kaum im Sog der sowjetischen Einflusssphäre bestehen können. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kann man diesen Tatsachen endlich auch offener ins Gesicht blicken, vor allem der Frage ob es überhaupt möglich gewesen wäre dieses "Relikt" der Nachkriegszeit zu verteidigen. Um diese Fragestellung zu beantworten kann Rauchensteiner in seinem Beitrag zu "Operative Annahmen und Manöver des Bundesheeres 1955-1979" auf die tatsächlichen Einschätzungen der Militärs zurückgreifen. Tatsächlich ist diese Studie Rauchensteiners in meinen Augen sogar das Kernstück des gesamten Werks.

Dem Bedeutung der NATO als Schutzmacht des neutralen Österreichs räumt bereits der erste auf Rauchensteiners Einleitung folgende Beitrag Bruno Thoß ein, die sich der Entstehungs- und Konsolidierungsphase des westlichen Bündnissystems von 1947-1967 aus österreichischer Sicht widmet und damit natürlich auch einen Großteil der Besatzungszeit behandelt. So beschäftigt Thoß auch mit den divergierenden Ansichten der alliierten Besatzungsmächte und auch dem Wunsch des Sowjets an Sicherheitszugewinnen. Durch die Auseinandersetzung mit diesen für die österreichische Neutralität grundlegenden Motivationslagen schafft es Thoß gar eine noch intensivere Einführung in die Thematik zu schaffen. So hält bereits Thoß fest, dass Österreich zwar von den USA mit begrenzter Hilfe bedacht worden wäre, doch die Hauptverteidigungslinie Europas würde eher entlang des Rheins anstatt der Donau gesehen. Um die Überlegungen der Alliierten zu illustrieren, wie mit Österreichs Selbstverteidigungsfähigkeit überhaupt gerechnet wurde, betont Thoß auch dass durch in der Nachkriegszeit ausgebrochenen Kolonialkriege die französische Besatzungsmacht personell etwa um 40% reduziert werden musste.
Die Neutralität als fauler Kompromiss, zwischen sowjetischen Sicherheitsinteressen und alliierter Schwäche. Da Thoß Beitrag ja über 1955 hinausreicht lässt er auch anklingen woran die österreichische Neutralitätspolitik stets kranken sollte, nämlich dass das Vorbild Schweiz weit besser verteidigt war, auf mehr Truppen und Material zurückgreifen konnte und das obwohl die Eidgenossenschaft bei weitem nicht die exponierte Lage eines als Durchmarschgebiets interessanten Ostösterreichs genoss.

An Thoß Auseinandersetzung mit der Nachkriegsordnung Europas knüpft bereits der renommierte Historiker der österreichischen Außenpolitik Michael Gehler an, indem er sich explizit den Westmächten und Österreichs territorialer Integrität 1955-57 zuwendet. Nach der NATO und den Westmächten ist es schließlich Wolfgang Mueller der auf die Beziehungen des Warschauer Pakts zu Österreich von 1955 bis 1991 genauer eingeht. Ins Auge sticht nämlich dass der Warschauer Pakt mit dem 14. Mai 1955 nur einen Tag vor dem österreichischen Staatsvertrag unterzeichnet wurde. Zufall oder doch mehr? Die offizielle, sowohl in der UdSSR und noch im modernen Russland kolportierte Version, der Warschauer Pakt wurde als auf die NATO-Gründung 1949 bzw. den Beitritt der BRD zum westlichen Bündnissystem 1955 aus der Taufe gehoben. Doch wie Mueller argumentiert waren dies eben nicht die einzigen Gründe für die Schaffung eines Warschauer Pakts als Gegengewicht zur westlichen Bündniskonstellation. Ein Faktor auf den die Autoren wie beim häufigen Vergleich mit anderen neutralen Staaten wie die Schweiz und Schweden auch zu sprechen kommen, ist dass sich bei den Quellen allerdings nicht immer sicherstellen lässt ob diese oft streng geheimen Papiere ernste Überlegungen oder nur theoretische Fingerübungen waren. Einen expliziten Vergleich Österreichs mit der als Vorbild in Sachen Neutralität geltenden Schweiz unternimmt Hans Rudolf Fuhrer.

Gewissermaßen die Essenz dieser sehr breit und tief angelegten Abhandlung zur Geschichte der österreichischen Neutralität bildet schließlich Manfried Rauchensteiners schon eingangs erwähntes Kapitel zu den Operativen Annahmen des Bundesheeres 1955-1979. Hier wird militär-/zeitgeschichtlich interessierten Lesern eine spannende Lektüre geboten, anhand der konkreten Planungsszenarien des österreichischen Bundesheeres. Rauchensteiner berichtet sehr interessant über die Illusionen der Regierung und die Tatsache dass man sowohl die NATO wie auch den Warschauer Pakt faktisch nicht am Grenzübertritt hätte hindern können. Mangels Rüstung und Mannschaftsstärke wäre dem Bundesheer wohl nur der Rückzug geblieben. Vom Frust der von Seiten der Politik überzogenen Erwartungen, weiß Rauchensteiner mittels Verweis auf die Stimmungsbilder innerhalb des Heeres zu berichten. Zwar war durchaus eine hinreichende Ausbildungskapazität gegeben, doch es fehlte schlussendlich auch daran dieses Potential überhaupt mobilisieren zu können. Man muss sich nur der Vergleich vor Augen führen dass in neutralen Staaten wie der Schweiz oder Schweden mit einer 10%igen Mobilisierbarkeit gerechnet werden konnte, in Österreich allerdings gerade einmal 2%. Die vertrauliche Einschätzung vonseiten der USA war entsprechend deprimierend, das österreichische Bundesheer sei zwar geeignet für innere Ruhe zu sorgen und kleinere Grenzzwischenfälle zu regeln, allerdings nicht mehr. An die von Rauchensteiner vorgestellten Überlegungen des Bundesheeres knüpft anschließend Hannes Philipp an, der sich auf den Operationsfall A und die Gesamtbedrohung im Zeichen der Raumverteidigung (1973-1991) widmet.

Mit der nuklearen Bedrohung, wie sie auf der "Insel der Seligen" grundlegend aus der öffentlichen Diskussion verdrängt wurde, setzt sich Friedrich Korkisch auseinander. So ausgeprägt die Defizite der österreichischen Landesverteidigung auch erschienen sein mögen, dass zur Erleichterung eines sowjetischen Durchmarschs auch die nukleare Option eingesetzt werden würde wäre nicht auszuschließen gewesen. Zudem verfügte das neutrale Österreich kaum über Luftabwehr und hegte insgeheim Hoffnungen die NATO würde alleine schon aus Eigeninteresse Österreich mitverteidigen.

Fast ein wenig als Ausklang lassen sich die darauf folgenden und abschließenden Kapitel verstehen. Peter Jankowitsch geht dem Problem der Äquidistanz und der Suche der Zweiten Republik außenpolitischen Leitlinien nach, Andreas Resch betrachtet den österreichischen Osthandel im Spannungsfeld der Blöcke (neben Finnland war die Zweite Republik bei Importe wie Exporten in diesem Bereich führend), Martin Malek konzentriert sich bereits auf Österreich und den Auflösungsprozess des Warschauer Pakts 1989-1991 (wobei er festhält dass die mit den 90ern einsetzende Abrüstung des Bundesheeres nicht alleinig deshalb zustandekam, sondern Ausdruck einer grundlegenden Veränderung der politischen und strategischen Rahmenbedingungen war), woraufhin Horst Pleiner sich bereits mit "Österreich und die Nato am Ende des 20. Jahrhunderts" beschäftigt. Den Abschluss bildet überraschend dann doch aber Berthold Molden mit seiner Analyse der österreichischen Medien im Kalten Krieg, insbesonders auch der Rolle des ORF.

Fazit:
Von Themendichte und schierem Umfang her definitiv ein Standardwerk, das aber nicht nur Historiker interessieren dürfte, denn stilistisch lässt sich das Werk auch von interessierten Laien mit Gewinn erschließen.


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