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Rezensionen verfasst von
Mario Pf. (Oberösterreich)
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Into the Void: Star Wars (Dawn of the Jedi) (Star Wars: Dawn of the Jedi - Legends)
Into the Void: Star Wars (Dawn of the Jedi) (Star Wars: Dawn of the Jedi - Legends)
von Tim Lebbon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ist das noch Star Wars? - Tim Lebbons vergebliche Pionierarbeit, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jahrtausende vor der Gründung der Alten Republik hat eine unbekannte Macht Mystiker, Gelehrte und Zauberer allerlei Spezies an Bord der geheimnisvollen Tho Yor-Raumschiffe ins Herz der Galaxis nach Tython gebracht. Über Generationen entdeckten diese Gruppen aus allen Winkeln der Galaxis eine Gemeinsamkeit: sie besitzen alle Kontakt zu einem mysteriösen Energiefeld - der Macht. Und aus den Traditionen der verschiedenen Machtanwender der Galaxis entstand der Orden der Je'daii. Doch nach einer Ewigkeit in Abgeschiedenheit, in der sich die Kinder der ersten Siedler Tythons über das gesamte Sonnensystem ausgebereitet hatten, naht der Zeitpunkt da die künftigen Gründer des Jedi-Ordens in die Galaxis ausziehen werden. Doch erst einmal muss die Je'daii Rangerin Lanoree Brock Ermittlungen gegen eine Gruppe beginnen, die den Frieden auf den Besiedelten Welten gefährden könnte. Nachforschungen die sie in Kontakt mit einer totgeglaubten Person ihrer eigenen Vergangenheit bringen – ihrem Bruder Dalien, einst ein Je'daii Anwärter wie sie...

~ Wie katholisch war Jesus? - Star Wars ohne Hyperraum und Lichtschwerter ~

Jesus war kein Katholik und die Je'daii sind keine Jedi, etwas das dem Leser am Beispiel Lanorees sehr früh und eindrucksvoll bewusst wird. Generell ist die Ära von Dawn of the Jedi Lichtjahre von fast allem entfernt, was man typisch Star Wars nennen würde. Und ja die Doppeldeutigkeit dieser "Lichtjahre" ist in diesem Zusammenhang beabsichtigt. Tython liegt fern der bekannten Galaxis, der Zeitpunkt der Geschichte liegt ebenfalls in grauer Vorzeit. Es ist eine Zeit als Coruscant noch weite Flächen freier Agrarflächen vorzuweisen hat, die noch von keiner ambitionierten Stadt-Verwaltung in Baugrund umgewidmet wurden. Mandalorianer existieren noch keine, die Sith sind ein bestenfalls feudal organisiertes Bauernvolk und die Supermacht der Galaxis steuer auf ihren eigenen allmählichen Untergang zu. Doch Hyperraumantriebe existieren noch nicht, zumindest außerhalb der Flotten der Rakata, die allerdings schon in wenigen Jahrhunderten feststellen dürften, dass sie nicht mehr in der Lage sind ihre eigene Technologie zu verwenden. Ein Schicksal dass auch die noch in einer späten Blüte stehenden Gree ereilen wird.

Und ohne einen Jedi-Orden ist die dominierende Macht der Galaxis natürlich ein Imperium der dunklen Seite. Die Invasion der Rakata und ihr Wunsch sich Tythons zu bemächtigen spielt in der Comicreihe eine große Reihe und wird zur Zäsur in der galaktischen Geschichte... jedenfalls in der Legende, da Dawn of the Jedi ja bekanntlich ebenso aus der Kontinuität geworfen wurde, wie der Rest aller Star Wars-Werke vor Mai 2014.

Auch wenn es nach Star Wars klingt, an vertrauten Elementen ist wenig drin. Bricht man Star Wars auf die Formel Lichtschwert, Macht und Raumschlachten herunter fehlen einem hier gleich zwei von drei Elementen die Star Wars ausmachen würden, denn Lichtschwerter wurden hier noch lange nicht erfunden und Raumkämpfe kommen in der Story einfach keine vor. Wer sich auf Into the Void einlässt landet also gewissermaßen in einer, doch zumindest die Macht spielt noch eine Rolle, wenn auch in sehr ungewohnter Form

Da Dawn of the Jedi auch nur in einem einzigen Sonnensystem spielt sind die Schauplätze im Roman zur Comicreihe ebenfalls sehr überschaubar. Ohne Hyperraumantrieb können selbst Je'daii einige Wochen brauchen von Planet zu Planet zu reisen.

Doch der wirklich große Schock liegt für die meisten Leser sicherlich in der ungewohnten Philosophie des Je'daii Ordens. Dieser hat sich zwar der Wahrung des Gleichgewichts von hell und dunkel verschrieben, ist dabei allerdings in der Praxis weit skrupelloser veranlagt als seine späteren Erben. Und genau hier ist Tim Lebbon ein wirkliches Meisterstück gelungen, denn sowohl das von ihm in Rückblenden beschriebene Training Lanorees und ihres Bruders Dalien, sowie weite Strecken der Je'daii-Philosophie finden in den Comics der Koryphäen John Ostrander und Jan Duursema bestenfalls oberflächliche Erwähnung.

Lebbons Lanoree Brock jedoch zeigt uns welche badass-Qualitäten die frühen Je'daii vorzuweisen hatten. Dabei balanciert Lanoree auf einem schmalen Grat zwischen typischen Verhaltensweisen für Anhänger der dunklen oder hellen Seite. Die Bereitschaft der Je'daii die Macht auch auf eine Weise einzusetzen, wie es Jahrtausende später nur noch die Sith wagen werden ist jedenfalls beinahe schockierend.

~ Die Story selbst beeindruckt weniger ~

Into the Void ist eine Offenbarung wenn man sich für Konzepte interessiert, wie eben das der Je'daii. Als Geschichte beeindruckt der Roman jedenfalls weit weniger. Die Geschichte ist halb vorhersehbar und bleibt einem vor allem wegen der Fremdartigkeit des Settings in Erinnerung.

Zumindest hat man sich mit Dalien Brock eines Charakters bedient, der sich im Verlauf der Rückblenden tatsächlich entwickelt. Charakterentwicklung! Ein Hoch auf Tim Lebbon der es im Gegensatz zu so vielen Star Wars Autoren geschafft hat einen Charakter zu erschaffen, der sich im Laufe seiner Erzählung tatsächlich entwickelt, um am Ende als glaubwürdiger Charakter dazustehen.

~ Trotzdem: Das Fazit ~

Trotz eher mittelmäßiger Story und nur einem in meinen Augen interessanten Charakter eine Geschichte die ich gerne wiederlesen werde, weil sie eben so erfrischend anders ist, als das Star Wars, das man sonst gewöhnt ist. Weniger in das ehemalige EU vertiefte Leser könnten sich aus den gleichen Gründen jedoch wieder abgestoßen fühlen.


Scoundrels: Star Wars (Star Wars - Legends)
Scoundrels: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Timothy Zahn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Vorbote vom bitteren Ende, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Timothy Zahn ist wohl der prominenteste und bekannteste unter allen Autoren, die das Star Wars Franchise je für seine Romansparte gewinnen konnte. Zahns Thrawn-Trilogie hat das Expanded Universe der 90er-Jahre regelrecht dominiert und überhaupt erst den Grundstein für die Geburt jenes Universums gelegt, das im April 2014 zu Grabe getragen wurde. Umso passender, dass es gewissermaßen auch Zahn war, der ungewollt und indirekt zum Vorboten des Untergangs geworden ist.

~ Zahns Werk und Disneys Beitrag ~

Zahn, dessen Name ja zeitweise fast Synonym mit seiner legendären Thrawn-Trilogie verwendet wurde, schuf mit Scoundrels seinen 10. Star Wars-Roman und den ersten der sich nicht in eine Duologie oder Trilogie fügen wollte. Tatsächlich ist Scoundrels ein Standalone-Roman geworden, der durchaus auch als Wunschprojekt des Autors gesehen werden kann, immerhin reichte Zahn die Idee mal ein und bekam den Zuschlag ein entsprechendes Buch zu schreiben. Zahns Han Solo-Buch ist auch als erster der 10 Zahn-Romane (die Thrawn-Trilogie, Hand of Thrawn-Duologie, Outbound Flight-Duologie, Hand of Judgement-Duologie sind die anderen) nicht in die größere Geschichte der restlichen 9 Romane eingewebt, ein Symptom des späten EU.

Das bereits 2012 langsam auf sein Ende zusteuernde Expanded Universe litt gegen sein Ende hin zunehmend daran sich wahrhaftig aufzulösen. Große Comic- und Romanreihen wurden eingestellt und teilweise haben Rezensenten wie meine Personen, diese Entscheidung damals auch noch bejubelt. Der Applaus schien angebracht, die Reue folgt heute. Das EU steuerte in seinen letzten Atemzügen in den 10er-Jahren wieder in Gewässer, die scheinbar gefahrlos scheinen sollten. Vielleicht auch um künftig die Kontinuität zu gefährden spielten sich die meisten Romane wie Scoundrels, Kenobi, Razors Edge oder Honor Among Thieves zunehmend in der so genannten klassischen Ära ab. Jedenfalls blieb dieser Eindruck bei mir als Buchleser so hängen, denn Romane wie Into the Void blieben ja die Ausnahme. Gerettet hat das diese Werke vor Disneys Dampfwalze auch nicht. Mit Stand des heutigen Tages ist auch das alles nicht länger Teil des Kanon und indirekt nicht länger Star Wars, auch wenn man im Falle von hoher Nachfrage nach alten Titeln diese noch mit dem Legends-Banner schmücken würde.

Scoundrels krankt am selben Syndrom wie viele der letztjährigen Romane, er versucht eine Abenteuergeschichte zu erzählen und sich zu verkaufen, bietet allerdings wenig neues. Weder in Hinsicht auf Charaktere, noch weiterführenden Handlungsbögen. Charakterentwicklung oder Neuinterpretation haben da nichts zu suchen. Es verhält sich wie mit Einzelfolgen einer Serie, sie sind nette Lückenfüller, doch man kann daraus keine Staffel basteln und hoffen auf Sendung zu bleiben. Das EU hat es dennoch versucht und 2014 damit vielleicht sogar zurecht einen Reboot erlebt.

~ Was bleibt ~

Scoundrels ist ein Zahn, immerhin hat ihn Timothy Zahn geschrieben, doch es ist nicht der Zahn, den manche seiner Fans gerne gelesen hätten. Als Zahn-Fan spreche ich da vielleicht ja nicht nur für mich. Wenn Autoren experimentieren und ihre Fans ihnen in diese neuen Gewässer folgen wollen bleiben einige zurück und andere bereuen den Umzug, ich würde mich zur letzteren Gruppe zählen. Zahns Han Solo-Roman (für mich wird er immer dieser Projekttitel bleiben) ist nicht das was ich mir von einem Zahn-Roman erwarte. Das bedeutet nicht, dass er schlecht geschrieben wäre oder dergleichen. Es bedeutet nur, dass er mir als Zahn- und Star Wars-Fan nicht gefällt.

Warum? Weil ich von Geschichten wie Oceans Eleven tendenziell übersättigt bin. Sogar das PS-Franchise Fast and Furious ist auf diesen Zug aufgesprungen und das sehr sprichwörtlich, wenn man an Fast and Furious V denkt. Außerdem bin ich kein allzu begeisterter Fan von derartigen Ensemble-Geschichten, wie sie ja auch wie von Sylvester Stallone mit seinen Expendables allmählich regelmäßig aufgeführt werden. Dass man auch unter dem Titel Star Wars auch auf der Leinwand erfolgreiche Ideen imitiert ist nichts neues, aber es muss nicht jedem gefallen und so auch nicht jedem loyalen Star Wars-Leser.

Was zumindest bei mir als Leser von diesem Roman auch langfristig haften blieb ist der Eindruck, die gleiche Geschichte schon zig mal anderen Orts gelesen oder erlebt zu haben. Die Verwendung allerlei gewohnter Archetypen durch Zahn hat dem nicht unbedingt geholfen und den Eindruck bei mir nur vertieft, hier eine Geschichte präsentiert bekommen zu haben, die ich doch schon von irgendwoher kenne. Ein diffuses Gefühl, doch es existiert eben.

Unterm Strich ist Scoundrels wohl das Buch welches Zahn schreiben wollte, ein Han Solo-Roman im Oceans-Stil. Wie Aaron Allstons Mercy Kill wohl eines jener Werke, welche den Abgesang des EU noch einmal Glanz verleihen sollten.

~ Fazit ~

Ein Zahn im zahnschen Stil, doch mit ungewohnten Thema. Für manche Fans wie mich wohl zu gewöhnungsbedürftig.


Mercy Kill: Star Wars (X-Wing) (Star Wars: X-Wing - Legends)
Mercy Kill: Star Wars (X-Wing) (Star Wars: X-Wing - Legends)
von Aaron Allston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschende Nostalgie-Beschwörung, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Zweite Galaktische Bürgerkrieg ist geschlagen, der jüngste Putschversuch altimperialer Militärs abgewendet und die Gefahr durch einen verlorenen Stamm von Sith Lords und das Macht-Wesen Abeloth gebannt.

Dennoch konnte man nicht aller Verschwörer aus den höchsten Rängen des Militärs der Galaktischen Allianz habhaft werden. Einer der korrupten Generäle hat es bis jetzt geschafft, dass alle Ermittlungen gegen ihn im Sande verliefen. Grund genug für diesen Job eine der erfolgreichsten Spezialeinheiten der Allianz aus dem Ruhestand zu holen, das Wraith Squadron soll es richten und General Face Loran gibt sich in persönliche Gefahr ein neues Team mit teils altbekannten Gesichtern aufzustellen...

~ Lieber zu spät als nie? ~

Ein Jahrzehnt nach Enemy Lines und 13 Jahre nach dem letzten echten X-Wing-Roman mit den Wraiths (diese besiegelten 1999 auch das Ende der Bantam-Ära in der Geschichte der Star Wars-Romane) schaffte es Mercy Kill 2012 einen damit bereits 10 Jahre alten Wunsch der Fangemeinde zu erfüllen. Endlich wieder ein X-Wing-Roman! Oder eher: Leider jetzt gerade ein X-Wing-Roman?

Aaron Allston hat 2014 diese Welt verlassen und war mitunter einer der aktivsten Autoren des Franchises seit der Jahrhundertwende. Doch Allstons Glanzzeiten als Autor lagen in den 90ern als er mit Michael Stackpole den legendären und kultigen X-Wing-Zyklus schuf. Dabei wird der weniger auf Selbstverwirklichung bedachte Allston mit seiner Trilogie um die Gespensterstaffel gerne als der bessere der beiden Autoren genannt, auch wenn Stackpole eine ganze Reihe von X-Wing-Comics in Zusammenarbeit schuf und praktisch die gesamte Lore um die Rogue Squadron aufbaute.

Allston war auch mir lieber. Denn Allston verstand es seine ganz eigene Art von Humor zu verwirklichen, die sich in Charakteren wie Face Loran oder Wes Janson niederschlug. Allstons Charaktere waren ein bunter Haufen, die mehr dem Pilotenbild der Filme und Serien wie Kampfstern Galactica entsprachen.

Allstons beide New Jedi Order-Romane stellten dabei den krassen Widerspruch zum Corran Horn-zentrischen Beitrag Stackpoles zur gleichen Reihe dar. Allston schrieb über Raummanöver, Kampfpiloten, Jägerstaffeln und in Band 2 von einer Wraith-typischen Mission auf das besetzte Coruscant. Entsprechend fiel die Ära den wirklich letzten X-Wing-Roman zu schreiben dann auch ihm zu. Die Entscheidung mag in der Rückschau etwas problematisch erscheinen und zum Unglück des Buchs beigetragen haben, denn so wurde aus dem Rogue Squadron ein Wraith Squadron-Buch und die sind anders.

Das größte Problem des Buchs ist allerdings nicht einmal, dass es nicht um das Rogue Squadron geht, sondern die Ära in die es gedrängt wurde. Als Kollaborateur bei den teils schon extrem unbefriedigenden Zyklen Legacy of the Force und Fate of the Jedi hat Allston aktiv an der Gestaltung einer Ära mitgewirkt, die im Fandom mit einer breiten Front der Freude verabschiedet wurde als der Untergang des Expanded Universe verkündet wurde. Bane ist weg, die Romane James Lucenos sind weg, alle Dark Horse Comics... doch wenigstens ist damit auch die Legacy-Ära Geschichte. Mercy Kill spielt in dieser Ära, der Roman war bis zum Erscheinen Crucibles sogar der Schlusspunkt in der Timeline der Romane. Und hätte man dem Roman-EU mit Mercy Kill den Gnadentod gewährt, hätte sich so mancher die Grausamkeiten Crucibles erspart.

~ Inhaltlich und Erzählerisch ~

Allston konnte wohl nichts dafür, dass er seinen Roman in der Legacy-Ära schreiben musste. Doch dem Werk hat das definitiv geschadet. Selbst ungeachtet meiner Vorbehalte, dass der finale X-Wing-Roman ausgerechnet ein Wraith-Roman und noch dazu in der Legacy-Ära sein musste, das Buch hat seine Probleme.

Neben gelegentlichen Rückblicken aus der Perspektive Voort saBinrings, wie die Staffel über die Jahre allmählich zerfiel und die Tode oder Ausstiege der Kameraden Piggy selbst dazu trieben in den Ruhestand zu gehen, erfahren wir auch was aus so manchem Ex-Wraith wurde.

Ausgerechnet den Helden und ehemaligen Staffelführer der Wraiths, Face Loran, vermisst man jedoch über weite Strecken. Stattdessen stellt Allston den Veteranen Piggy (ähnlich wie Rocket Rackoon aus Guardians of the Galaxy der einzige seiner Art) ins Rampenlicht und macht ihn zum zentralen Angelpunkt zwischen Vergangenheit und "Zukunft".

Doch Piggy ist auch schon das einzig vertraute Gesicht mit dem man sich länger konfrontiert sieht. Von den ehemaligen Kampfgefährten ist keiner geblieben. Stattdessen ist der Roman ein Legacy-Fest für Fans und Kritiker der Ära. Anstatt der alten Wraiths treiben sich reihenweise deren Kinder in der Story herum. Zwar sind diese bereits in ihren 20ern oder 30ern angekommen, doch ändert das kaum noch etwas am Problem.

Die Story an sich versucht zumindest spannend zu sein und die Protagonisten mit einer ganzen Reihe von Problemen zu konfrontieren. Doch es ist nicht mehr wie früher. Wer die Feinde sind ist längst nicht mehr so klar wie zu guten alten Zeiten, als die Bösen noch in imperialen Uniformen steckten. Stattdessen ist der große Böse in Mercy Kill ein ehemaliger imperialer Ausbildungsoffizier, der nach Jahrzehnten im Dienste der demokratischen Nachfolgeregierung des Imperiums doch noch zum Anhänger einer Verschwörung Unbelehrbarer wurde. 30 Jahre nach Endor, Kriegsherren und derartigen Krisen in unzähligen Bantam-Romanen wieder das gleiche, nur diesmal mit den Kindern der Helden von damals. Da fühlt man sich selbst in seinen 20ern noch als wäre man alt und hätte in den letzten Jahren irgendwo den Anschluss verpasst, aber genau dieses Risiko ist man für einen Roman über die Kinder der Helden von damals eingegangen.

~ Resümee und Bitte um Entschuldigung ~

An dieser Stelle meine offizielle Entschuldigung für die unfreundliche Bewertung des Romans, doch er hat mich enttäuscht und ich bin ungewillt das unter den Teppich zu kehren. Könnte ich über die Fakten hinausblicken, dass Piggy und Face die einzigen Charaktere sind, die mir in Mercy Kill noch bekannt vorkommen, das ganze in der ungeliebten Legacy-Ära spielt und noch dazu nach zwei Buchreihen die in meinen Augen reinste Platzverschwendung im Regal waren, wäre ich vielleicht in der Lage das Gute an diesem Buch zu sehen. Doch so sehe ich die mögliche Schönheit dieses Waldes vor allerlei Wildwuchs nicht mehr.


Lockdown: Star Wars (Maul) (Star Wars - Legends)
Lockdown: Star Wars (Maul) (Star Wars - Legends)
von Joe Schreiber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Darth Maul in seinem Element, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Waffenhändler Iram Radique ist ein Mythos, doch einer der sehr wohl real sein soll. Genau deshalb hat Darth Sidious seinen persönlichen Attentäter und heimlichen Schüler auf die Spur des geheimnisvollen Waffenhändlers gesetzt, der sich in einem Hochsicherheitsgefängnis versteckt halten soll. Als Häftling getarnt muss Maul auf seiner Mission allerdings ohne Gebrauch der Macht auskommen, um seine Deckung nicht zu gefährden. Eine simple Aufgabe für den ausgebildeten Killer? Wäre da nicht das einträgliche Nebengeschäft der Gefängnisdirektorin, die ihre Häftlinge auf Leben und Tod gegeneinander antreten lässt, um diese Kämpfe live an gut betuchte Klienten in der gesamten Galaxis auszustrahlen...

~ Third Strike? ~

Joe Schreiber hat sich als Autor im Star Wars Franchise zwar scheinbar etabliert (sonst wäre er nie bis zu seinem dritten Roman gekommen), doch auch viele harsche Kritiker gemacht. Ich selbst ließ ihm beim Erstling Death Troopers noch vieles durchgehen, was er in Red Harvest noch schlimmer zu Papier brachte, doch das ist die Vergangenheit, wie auch das Expanded Universe in welchem alle drei Geschichten spielten.

Entsprechend gering waren zumindest meine Erwartungen an diesen Roman und man möge mir die ganzen persönlichen Erklärungen in diesem Absatz verzeihen, aber ich möchte gerne erklären wieso es überhaupt zu dieser Rezension kam, was ja durchaus ein Pro oder Con für Interessierte sein kann.

Schreibers Romane besaßen bereits in der Vergangenheit immer eine Neigung sich irgendwo anzulehnen, da war ein Event(?) mit Zombiesturmtruppen im MMORPG Star Wars Galaxies, das auf Death Troopers folgte und Red Harvest versucht sich an das nächste Star Wars MMO The Old Republic anzugliedern, indem es eine Sith-Akademie auf Odacer-Faustin etablierte (die als Name eines PVE Servers verewigt wurde, ehe dieser im Sommer 2012 stillgelegt wurde). Lockdown hingegen versucht sich an den erfolgreichen Darth-Maul-Arc aus der TV-Serie The Clone Wars und James Lucenos aus der Kontinuität gestrichenen Roman-Meisterwerk Darth Plagueis anzulehnen und das auf eine etwas widerspenstige Weise. Einerseits hat man zeitweise versucht Lockdown als Beiwerk zu Plagueis zu inszenieren, dann aber schnell gegengesteuert, um den Roman bloß nicht als Fortsetzung zu Plagueis erscheinen zu lassen, da Schreibers Werk diesem Vergleich nicht einmal ansatzweise stand hält.

Warum nach zwei Enttäuschungen überhaupt noch einen Roman Schreibers lesen? Weil Darth Maul darin die Hauptrolle einnimmt!

Als Fan des Maul-Arcs in TCW und überhaupt der Fan-Überlegungen, ob Cyborg-Maul nicht ein besserer Widersacher für die Episoden II-III gewesen wäre als Count Dooku (Cyborg+Droiden, würde passen, auch als Vorspiel auf Vader) war ich doch plötzlich geneigt mir Lockdown zu kaufen.

~ Zur Story und zum Inhalt ~
WARNUNG: DIESER ABSATZ KANN VERUNGLIMPFEND WIRKEN

Schreiber mal lesbar, dass ich das dann noch erleben durfte war es vielleicht sogar wert. Man darf sich zwar immer noch keinen Stil wie aus der Feder James Lucenos erarbeiten, denn Joe Schreiber bleibt dem Stil eines Joe Schreiber treu, doch das stört diesmal viel weniger. Die mangelnden Charaktermomente werden einfach dadurch ausgeglichen, dass Schreiber sich gefühlte 90% der Zeit mit Darth Maul beschäftigt.

Natürlich ist das Rätsel um Iram Radique etwas, das manche Leser vielleicht schon von vornherein erraten haben dürften. Doch wer sich auf die Story einlässt und beginnt den Hinweisen zu folgen, der wird tatsächlich feststellen können, dass da eine bemerkenswerte Spannung verborgen ist. So präsentiert uns Joe Schreiber gleich eine ganze Reihe Verdächtiger, die allesamt der mysteriöse Iram Radique sein könnten, der Häftling und Vater, der Häftling der einem alles besorgen kann oder doch das Tech-Genie, welches die Computersysteme des Gefängnisses wartet?

Die Suche nach Radique treibt die Story voran und Mauls Beweise seiner Kompetenz als Sith-Schüler verleihen ihr zusätzlichen Pepp. Endlich erfahren wir, was für ein Sith Darth Maul wohl geworden wäre, hätte er auf Naboo nicht versagt. Maul der Gangsterboss oder Maul der Kriegsherr, der mit seinen Kriegerhorden die Galaxis unterwirft. Die Anlagen dazu weist der junge Maul in Lockdown bereits vor.

Schreibers Maul wiederum spricht und denkt nun deutlich mehr als vor über 10 Jahren noch Michael Reaves Shadow Hunter. Im Kern sieht man aus heutiger Sicht doch, dass es ein und dieselbe Person ist, die Kontinuität zwischen Maul vor 10 Jahren und Maul nach TCW durchaus gegeben ist. Und Maul bleibt faszinierend. Maul noch einmal auszugraben mag von Beginn an angefeindet worden sein und immer noch vielen Prequel-Gegner Munition über Jar Jar Binks hinaus liefern, doch die Möglichkeit Mauls Charakter auch Jahre später noch einmal zu ergründen wurde genutzt und das ist auch gut so, weil spannend und guter Gesprächsstoff. Dass mittlerweile mehr über Maul geschrieben wurde als Dooku ist wiederum ein Fehler, der sich nach dem Reboot der extracineastischen Ausläufer des Franchise ja noch beseitigen lässt. Ein Count Dooku-Roman von James Luceno... oh bitte ihr mächtigen Macht-Geister. Nach einem bereits angekündigten Tarkin-Roman DAS Buch auf das ich hoffen würde.

War Maul in Shadow Hunter praktisch der fleischgewordene Terminator, ist er in Lockdown weit menschlicher. Maul will seinem Meister gefallen, er ist loyal und missionsorientiert. Dieses Maul-Bild vom noch weniger ambitionierten Maul passt zum stummen Killer aus Shadow Hunter und Episode I, sowie dem bereits gesprächigen Maul aus der vierten und fünften Staffel The Clone Wars.

Joe Schreibers Idee eines Gefängnisses als Austragungsort eines illegalen Fight Clubs erinnert besonders findige Leser vielleicht sogar an eine Folge aus Das A-Team (Staffel 1, Folge 4, Pros And Cons, dt. Titel: Auf Leben und Tod).

~ Resümee ~

Stilistisch einfach gehalten, doch für Schreibers Verhältnisse ein fast schon zahmer Roman. Wer mehr über Darth Maul lesen möchte ist hier richtig, mehr über ihn erfahren lässt sich jedoch kaum. Der Roman baut die Figur Mauls nicht wirklich aus, die Basics kennt man bereits aus Film und Serie. Ein Buch auf das man nun durchaus verzichten kann und als Schreiber-Skeptiker vielleicht auch sollte. Doch es ist Darth MAUL und zumindest leistet einem Joe Schreiber noch den Gefallen, die Geschichte simpel, spannend und actionreichen belassen zu haben. Keine Offenbarung, nicht einmal ein gutes Buch oder eine gute Darth Maul-Story, doch bei der nicht vorhandenen Auswahl ist zumindest das schon besser als nichts (3,5 Fäuste für ein MTFBY).


Lost Tribe of the Sith: Star Wars: The Collected Stories (Star Wars: Lost Tribe of the Sith - Legends)
Lost Tribe of the Sith: Star Wars: The Collected Stories (Star Wars: Lost Tribe of the Sith - Legends)
von John Jackson Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,20

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Star Wars meets Foundation, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
~ Rolltext ~

5000 Jahre vor der Schlacht um Yavin tobt der Große Hyperraumkrieg in der Galaxis. Das antike Sith-Reich hat mit einem Überraschungsangriff der Republik den Krieg erklärt. Doch dieses Imperium der dunklen Seite ist nicht frei von internen Konflikten und die Offensive droht bereits ins Stocken zu geraten. So hat der regierende dunkle Lord, Naga Sadow, die beiden Bergbau-Schiffe Omen und Harbinger entsandt eine wertvolle Fracht an Kristallen an sich zu bringen, die den Krieg zu Gunsten der Sith entscheiden könnte. Doch nicht alles verläuft nach Plan...

~ Der Inhalt ~

Lost Tribe of the Sith: Precipice
Lost Tribe of the Sith: Skyborn
Lost Tribe of the Sith: Paragon
Lost Tribe of the Sith: Savior
Lost Tribe of the Sith: Purgatory
Lost Tribe of the Sith: Sentinel
Lost Tribe of the Sith: Pantheon
Lost Tribe of the Sith: Secrets
Lost Tribe of the Sith: Pandemonium

Der Lost Tribe of the Sith umfasst alle neun jemals geschriebenen Kurzgeschichten über den Lost Tribe of the Sith. Die zunächst als Tie-in zum Auftreten des Lost Tribe in der Buchreihe Fate of the Jedi gedachte Kurzgeschichtenreihe entwickelte vielleicht auch dank des Autors John Jackson Miller (bekannt für seinen Roman Kenobi, die Comicserien Knights of the Old Republic und Knight Errant) ein gewisses Eigenleben, die in einem eigenen Comic und einer neunten Kurzgeschichte mündete. Noch einige Zeit vor dem Disney-Deal scheiterte das Projekt jedoch genau an diesem Wechsel vom Medium E-Book in das Comicprogramm und endete mit dem ersten und einzigen Comic-arc Spiral.

~ Kurzer Abriss des Inhalts ~

Ohne allzu viel zu spoilern: Precipice beginnt mit genau jener verhängnisvollen letzten Mission des Kreuzers Omen, der zum Absturz des Schiffs auf dem vom Rest der Galaxis abgeschnittenen Planeten Kesh führt. Dort müssen sich die Schiffsbrüchigen schnell damit abfinden, dem Planeten aufs erste nicht entfliehen zu können und beginnen ihre eigene Gesellschaft zu errichten, die eines Tages ihren rechtmäßigen Platz in der Galaxis einnehmen will. Doch der Weg ist weit und neben feindseligen Eingeborenen sind die Sith selbst ihr größter Feind, der Aufstieg des Verlorenen Stamms verläuft nicht ohne Zäsuren.

~ Zum Inhalt ~

Der Verlauf der Kurzgeschichten lässt sich grob in drei Epochen teilen: Gründung, Krise und Reformation. Erleben wir zuerst den Überlebenskampf der Crew und den Aufstieg der Korsin-Dynastie erfahren wir auch früh genug vom potentiell zweischneidigen Schwert, dessen sich die Sith bedienten, um ihren Herrschaftsanspruch gegenüber den eingeborenen Keshiri zu rechtfertigen - sie stellen sich als die mystischen Beschützer aus der Keshiri-Überlieferung dar. Doch genau diese Legende und ihre Verbindung von Beschützern und Zerstörern könnte die Sith auch als die Zerstörer erscheinen lassen.

Autor John Jackson Miller (JJM) bedient sich bei seiner Erzählung eines episodenhaften Stils, der wie manch andere Konzepte aus dem Star Wars-Franchise kundigen Lesern des Science Fiction-Meisterwerks Foundation ein Begriff sein dürfte. So sind es auch in der Geschichte des Tribe Seldon-Krisen die erzählt werden und den Weg für das jeweils nächste Kapitel bereiten. Doch anders als im SciFi-Klassiker ist Großlord Korsin I. kein Hari Seldon und der Tribe bleibt an vielen Scheidewegen sich selbst überlassen.

~ Die Charaktere ~

JJM war und ist Minimalist. Als ehemaliger Comicautor versteht sich Miller vorwiegend darauf durch subtile Andeutungen Charakterzüge darzustellen, die allerdings oft genug überlesen werden können. Es ist diese Andeutung, dass da etwas zwischen den Zeilen zu lesen sein wird und der Ansporn die eigene Fantasie einzusetzen, anstatt nach dem schnöden geschriebenen Wort zu gehen, die jedoch mit dem Interesse des Lesers entweder steht oder fällt. Kurzum, je nach Lesart wird man Millers Charakterzeichnung entweder als oberflächlich oder Interesse erweckend verstehen.

Allzu tiefgründige Überlegungen seiner Charaktere darf man von Miller jedenfalls nicht erwarten, der Anspruch von Lost Tribe of the Sith ist ein ganz anderer als etwa der eines George R.R. Martin im Song of Fire and Ice. Miller hingegen folgt mehr in den Fußstapfen eines Isaac Asimov, der seinen Protagonisten in den Foundation-Kurzgeschichten, die später zum Roman zusammengefasst wurden, auf den auch wieder einige Sequels und Prequels folgten, auch wenig tiefgründiges mit auf den Weg gab. Asimovs Charaktere waren geschaffen, um ihren Weg zu gehen und meist so zu handeln wie es der große Plan für sie vorsah. Millers Charaktere handeln da nicht anders, doch der Schreibstil ist halt ein anderer. Millers Stil entwickelt sich erst im Verlauf der Story dorthin, wo man ihn Jahre später in seinem Kenobi-Roman vorfinden kann, nämlich zu seiner Blüte.

~ (K/M)ein Votum ~

Millers Wagemut auf den Spuren eines der ganz großen des Genre zu wandeln und sich allerlei möglicher Kritik willig auszusetzen ist bewundernswert. Ebenso wie das Endresultat, welches im Franchise zu meinem Leidwesen bis dato keine Nachahmung gefunden hat. So wie Asimov zur Foundation inspiriert wurde weil er sich mit Edward Gibbons 'History of the Decline and Fall of the Roman Empire ' beschäftigte ist vielleicht auch Millers Geschichte über den Aufstieg des verlorenen Stamms vielleicht trotzdem eher etwas für jene Leser, die mehr geschichtlich als an Abenteuergeschichten interessiert.

Weil meine Lektüre bereits einige Zeit zurückliegt und sich mir keine herausstechenden Makel an diesem Werk im Gedächtnis erhalten haben, bin ich als Rezensent durchaus positiv gestimmt. Doch zugleich hat der Autor John Jackson Miller einen eher wenig markanten Eindruck bei mir hinterlassen. Wenn zwar die Begeisterung für das Konzept und die Leistung hängen bleibt, doch das Werk an sich weder noch sehr positiv oder negativ hervorsticht ist eine Höchstwertung in meinen Augen doch nicht gerechtfertigt. Eine ausgezeichnete Idee (5 Sterne), gut umgesetzt (4 Sterne), doch sonst bleibt wenig in Erinnerung (3 Sterne, Mittelmaß - move along) - ergibt in unbestechlicher Berechnung 12 von 15 Punkten und 4 Sterne.

~ Eine Art Nachwort ~

Eigentlich war es nicht meine Absicht eines Tages doch noch einmal eine Rezension abzufassen. Doch das Expanded Universe mit dem ich als Star Wars-Fan aufgewachsen und vertraut geworden bin ist tot. Legends sind Mythen, Lügen denen mancher immer noch anhängt. Rein praktisch ist jene Welt mit der man bis 2014 vertraut war nun nicht mehr Star Wars und steht fast auf einer Stufe mit Fan Fiction. Dennoch hat man bereits vollmundig verkündet aus diesem toten nunmehrigen Paralleluniversum (der Disney-Aufkauf hat Star Wars nun auch in dieser Hinsicht Marvel ähnlicher gemacht) auf Jahre noch manche Edelsteine abbauen zu wollen. Das erspart es den Autoren, die nun das EU praktisch neu verfassen, allzu viele Dinge neu erfinden zu müssen. Stattdessen erwarten uns unzählige befriedigende wie unbefriedigende Reboots bereits bekannten Materials.

So wie man George Lucas und anderen Science Fiction-Schöpfern vorwerfen mag, sie hätten etwa bei ihren Vorgängern abgekupfert (man bedenke nur einmal die ganzen Inspirationen die Lucas selbst aus Isaac Asimovs Foundation bezogen haben dürfte), wird sich jeder künftige Autor in diesem Franchise den Vorwurf gefallen lassen müssen, sich bei seinen direkten Vorgängern bedient zu haben. Was in der unkanonischen Ära gut gelang wird sich wohl früher oder später eines solchen Reboots erfreuen dürfen, wie wohl auch der Lost Tribe of the Sith.

~ Resümee ~
Von Trantor bis nach Terminus - pardon, von Coruscant bis Tatooine eines der interessantesten multimedialen Projekte aus den letzten Jahren des Expanded Universe. Ruhe in Frieden und möge die Macht mit dir sein.


Crucible: Star Wars (Star Wars - Legends)
Crucible: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Troy Denning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Expanded Universe kehrt in den Schmelztigel zurück, 9. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In Folge der finalen Auseinandersetzung und Enthüllung um die Macht-Entität Abeloth hat Großmeister Skywalker zehn Jedi-Ritter auf die Suche nach dem heiligen Gral aller eingeweihten Machtanwender entsandt - den geheimnisvollen "Planeten" Mortis. Mit der Wiederentdeckung Mortis würde Luke darauf hoffen auch den Dolch von Mortis zu finden, mit dem es eines Tages möglich wäre Abeloth ein endgültiges Ende zu bereiten, sollte sie jemals zurückkehren. Doch zumindest einer der 10 Ritter ist vor geraumer Zeit von der Bildfläche verschwunden.

Währenddessen steckt Lando Calrissian mit seinem neuesten Projekt in Schwierigkeiten und hat die Solos um Hilfe und ein Treffen in einer Cantina gebeten. Doch anstatt Lando treffen die beiden dort nur den Asteroiden-Schürfer Captain Omag Kaeg an, der die beiden zwar in Empfang nehmen soll, aber derzeit über beide Ohren in Spielschulden steckt, was eine Gruppe Mandalorianer auf den Plan ruft...

CRUCIBLE hat es als das chronologisch am weitesten in der Zukunft des Star Wars-Universums angesiedelte Buch nicht leicht. Einerseits droht mit Episode VII ohnehin ein sehr wahrscheinlicher Rollback der gesamten Geschichtsschreibung nach Endor, anderseits hat sich das EU in der Legacy-Ära ohnehin bereits weitest möglich von seinen Ursprüngen in den klassischen 3 Episoden entfernt. Entsprechend dieser Umstände lässt sich vielleicht auch verstehen warum die Rezensionen im Fandom zu gerade diesem Buch derart unterschiedlich ausgefallen sind. CRUCIBLE schwankt zwischen Verdammung und Lobpreisung und in dieser Tradition ist auch die vorliegende Rezension nur eine weitere, allerdings in Richtung einer Abrechnung mit dem EU der letzten Jahre (weil eben kein Buch sich mehr dazu eignet) und eben voluminös (was natürlich eine weiträumige Angriffsfläche bieten dürfte).

- Autor und Ära -

Als eine Art Vorwarnung für Leser, die aus dieser Rezension tatsächlich Informatives zu erhalten hoffen: CRUCIBLE ist in meinen Augen ein eher durchschnittlicher Troy Denning-Roman und das einer denkbar exponierten Stelle.

Es fällt also schwieriger als in den diversen Zyklen der Vergangenheit Probleme des Romans unter den Teppich zu kehren und als Enttäuschungen Empfundenes zu vergeben. CRUCIBLE kommt eine verantwortungsvolle Rolle zu, das Buch beendet eine Ära, die in den 90ern ihren Anfang nahm und das EU nach Endor zu dem machte was es bis jetzt war. Zugleich ist CRUCIBLE wohl das letzte Buch des "alten" EUs, welches von Episode VII aus dem Kanon getilgt werden könnte. Grund genug also etwas melancholisch zu werden und Enttäuschungen Luft zu machen.

Troy Denning ist nicht unbedingt einer der großen Stars unter den im Star Wars-Universum verewigten Autoren, er ist kein George R.R. Martin des EU, sondern eher ein John Grisham oder Stephen King. In diesem Sinnbild wäre er ein Massenautor, regelmäßig in den Neuerscheinungen eines Jahres vertreten, aber selten wirklich herausragend, dafür eben immer dabei. Genauso wie jeder Fan seine eigene Auffassung von Star Wars hat (war diese früher wohl noch enger mit Raumschlachten verbunden, dominieren durch die Prequels und The Clone Wars in jüngeren Fan-Generationen die Gleichsetzung Star Wars=Lichtschwerter und Jedi-Ritter), schafft sich auch jeder Autor in diesem Universum eine eigene Interpretation des Kriegs der Sterne. Troy Denning kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu, den kaum ein Autor hat dieses Universum in einer Ära derart geprägt wie Denning, der seit STAR BY STAR (2001) und THE NEW JEDI ORDER in jedem der großen Nach-Endor-Zyklen vertreten war. Denning brachte Anakin Solo um, schuf die Barabels, die Killiks, führte Alema Rar auf die dunkle Seite, brachte Jagged Fel zurück ins Spiel und belebte Raynar Thul wieder. Die Wieder- und Weiterverwertung dieser Charaktere und Themen hat durch Dennings Involvierung in LEGACY OF THE FORCE und FATE OF THE JEDI zwar ein beinahe ungekanntes Ausmaß an Kontinuität gewährleistet und Denning sicher auch eine loyale Fangemeinde verschafft, dennoch auch mindestens genauso viele Fans wieder gestört. Überlagert wurde Unmut mit Denning während FATE dann vorwiegend durch die üblichen Fan-Unstimmigkeiten zu einem ganz anderen Thema: Karen Traviss und ihre noch weit stärker und störender ausgeprägte Vorliebe für die Mandalorianer, obwohl die Autorin damit nur ihren Job ernst nahm, immerhin hatte sie auch damit begonnen und war dafür ausgewählt worden eine mandalorianische Sprache als Star Wars-Gegenstück zum Klingonischen zu schaffen.

Traviss ging, Golden kam und mit ihr holte man sich gleich eine dritte Inkarnation der Sith in die Erzählung, diesmal sicherheitshalber einen ganzen Planeten. Die Legacy-Ära ist reich an solchen Themen, die sich perfekt für den Ausbruch des einen oder anderen Flame Wars eignen. Die Bücher verkauften sich trotzdem, weil es Star Wars ist und Markenloyalität wohl auch die Qualität trumpft.

Schlussendlich ist CRUCIBLE das was man aus der Vergangenheit erwarten hätte sollen, ein Denning-Roman in der Legacy-Ära. Das mag nun nach einem stupiden Urteil klingen, doch es soll zumindest eines vermitteln, weder hat sich Denning um einen besonderen Stil bemüht, noch der Ära einen wirklichen Schlussstrich verliehen. Die Geschichte ist derart in sich abgeschlossen wie Tatooine Ghost, beinahe wie ein Epilog zu APOCALYPSE.

- Der Kreis schließt sich = zurück zu den großen Drei -

Womöglich DIE tragende Idee hinter CRUCIBLE war wohl auch im aktuellen "Zeitalter der Ungewissheit" die zumindest temporäre Rückkehr der großen Drei einzuleiten. Immerhin, wer weiß schon welche Eigenkreationen der SW-Autoren die Animationsserie REBELS und Episode VII überleben werden. Mehr noch als CRUCIBLE beschäftigen sich vor allem die EMPIRE AND REBELLION Romane mit den großen Drei in ihren besten Jahren.

Die Ära in der das große Abenteuer Lukes, Leias und Hans spielt ist angesichts der Konzeption der Geschichte fast egal. Eine Gemeinsamkeit mit dem letzten anderen Standalone-Roman der Nach-Endor-Ära, SCOURGE. Man könnte durch das Streichen einzelner Charaktere bzw. ihrer Umbesetzung (etwa Bens in Kyp Durron oder Vestara Khai in eine ehemalige Jüngerin des Imperators) sogar in die frühen Tage des neuen Jedi-Ordens und der damaligen neuen Republik zurückkehren, wäre nur der Abeloth-Bezug nicht.

- Nebendarsteller -

Die definitive Nummer 1 unter den Nebendarstellern ist selbstverständlich Lando Calrissian, der es auch diesmal versteht seine alten Freunde in ein unerwartetes und lebensbedrohliches Abenteuer zu stürzen, das über das Schicksal der Galaxis entscheiden könnte. Allzu viel Charakterentwicklung sollte man von Lando allerdings ebenso wie von den großen Drei nicht erwarten, müssen sie doch komme was wolle ihrer Schablone treu bleiben.

Mehr Freiheit genießt Troy Denning da schon bei seinen Eigenkreationen wie Savara Raine, Dena Yus oder Omad Kaeg. Während Captain Kaeg als Prospector einem jungen Han Solo ähnelt, sich genauso wie Solo in Spielschulden verstrickt hat, nun von Mandalorianern verfolgt wird und alles für sein Schiff tun würde, werden uns Yus und Raine schon früh als Persönlichkeiten mit möglicherweise ganz eigenen Agenden vorgestellt. Nebenbei darf man sich auch auf ein Wiedersehen mit Tahiri Veila, Ben Skywalker und Boba Fetts Enkeltochter Mirta Gev freuen.

- Schurken -

Die Zielsetzung des Romans setzt CRUCIBLE auch kreative Grenzen, es geht darum den Mortis-Handlungsstrang abzuschließen. Und das in einem Standalone-Roman der sich nicht hinter möglicherweise abfallenden Spannungslevel der restlichen 8 Bücher einer Serie wie LOTF verstecken kann. Das Problem mit "solchen" Romanen kennt man vielleicht noch aus Vor-iPhone-Zeiten, der Bantam-Ära in den 90er-Jahren. Ob nun die Darksaber-Krise, das Auge Palpatines, die Umtriebe Lord Hethrirs, Seti Ashgads, der Ssi-ruuk oder Kuellers - sie alle mussten den geneigten Lesern schon damals etwas bieten, damit der Einzelroman nicht einfach übergangen wurde.

Mit den Qreph-Brüdern hat Troy Denning nun zwei Bösewichte aus dem Hut gezaubert die in keiner Beziehung zu früheren Bedrohungen stehen, welche schon einmal die Galaxis heimsuchten. Ein weiterer Aspekt der CRUCIBLE zeitlos wirken lässt, wenn man wie bereits erwähnt nur einige der Umstände und Charaktere des Buchs umgeschrieben hätte. Keine Killiks, keine imperialen Verbindungen, kein Kontakt zu den Yuuzhan Vong oder Putschisten aus den Rängen der Galaktischen Allianz. Die Qrephs kamen aus dem Nichts, besitzen keine Machtfähigkeiten und sind höchst unpolitisch. Die Qrephs sind gewissermaßen die dunkle Seite eines Lando Calrissian, hochintelligente, doch auch rachsüchtige und skrupellose Geschäftsleute mit einer Mission. So etwas hatte man ja noch nicht, andererseits ist die Bemühung "böser Geschäftsleute" auch ein frisch aufgetautes Phänomen der Jahre nach 2008. Huttenkartell war gestern, Wirtschaftskartell ist heute.

Wäre der Ansatz die Qrephs als neureiche und skrupellose Aufsteiger darzustellen für sich genommen ja noch innovativ, so ist er dann doch weniger geeignet in einem Star Wars-Umfeld die nötige Bedrohung darzustellen und Luke Skywalker vs. The Wall Street klinge zwar reisserisch, aber für die Mehrheit der Leserschaft eben auch zu öde. Also verleiht man den beiden Columi zum ihrer Rasse inhärenten Genie-Status auch Charakterzüge von klassischen Superschurken.

An der Seite der Qrephs profiliert sich unterdessen eine mysteriöse Savara Raine, eine Machtnutzerin die sich weder als Sith noch Jedi bezeichnen lässt und somit nach fast einem Jahrzehnt permanenter Rückkehren der Sith als frisch abhebt. Derart ungebundene Machtnutzer, die nicht im Konflikt zur Prophezeiung um den Auserwählten stehen würden sind jedoch überaus rar. Der Grund dafür ist eine Lucas-Direktive, dunkle Jedi wegen ungenauer Beschreibung (was denn ein dunkler Jedi ist) rauszuhalten. Im Zweifel heißt böse+Machtanwender also Sith. Ein schlechtes Omen für Raine, die als Beraterin für die Qrephs fast deren Sicherheitschefin Mirta Gev den Rang abläuft wenn es um taffes Auftreten geht. Doch wie das mit Machtanwendern fern der hellen Seite eben so ist, auch Raine hütet ein dunkles Geheimnis und ihre ganz eigene Agenda.

Schon Raines Name lässt vielleicht bei manchem Fan wie mir die Hoffnung reifen, dass nach all den auf Eis gelegten Romanprojekten der nächsten Jahre eine Fortsetzung Drew Karpyshyns DYNASTY OF EVIL ihren Weg ins Romanprogramm finden könnte.

- Stärken und Schwächen -

CRUCIBLE ist... ein zumindest von meiner Warte aus typischer Denning. Ein Schlussstrich, allerdings unter jene 22 Romane und Geschichten die mit dem ersten Band von DARK NEST ihren Anfang nahmen. Doch ein eher kleinformatiges weniger episches Abenteuer wie sie in den letzten 8 Jahren anfielen. Der Rahmen ist familiärer und darauf beschränkt den Handlungsbogen um Mortis fortzuschreiben, abzuschließen und einfach um einen Schlusspunkt hinter APOCALYPSE zu setzen.

Für diese Aufgabe war Troy Denning vielleicht nicht der richtige Autor, doch aus Offiziellen-Sicht war er als Verfasser der Schlussromane von LOTF und FOTJ geradezu prädestiniert. Dennings besondere Stärke lag immer schon darin etwas mehr in den metaphysischen Bereich der Macht einzutauchen und uns einige Aspekte dieses Mysteriums Macht auch zu erklären. Davon ist in CRUCIBLE zumindest für meinen Geschmack eher wenig zu spüren.

- Abschweifungen -

Warum hat man es als Fan überhaupt soweit kommen lassen? Warum liest man Romane eines Franchise, das eher von lieblosen Auftragsarbeiten als interessanten oder zumindest kultigen Werken dominiert ist? Weil es Star Wars ist. Unter diesem Credo liest man von den jüngsten Umtrieben der bisweilen dritten Rückkehr der Sith, wie man sich auch eine Lieblingsserie ansehen würde, die ihre Glanzzeiten eher schon hinter sich gelassen hat. Natürlich es gibt auch gute und schlechte Episoden, doch ergibt sich diese Unterscheidung nicht mehr aufgrund qualitiativer Merkmale sondern persönlicher Vorlieben für bestimmte Plots und Charaktere. Warum Qualität keine Rolle mehr spielt? Weil sich im Rahmen mancher Serien einfach nicht mehr allzu viel an der Qualität drehen lässt, ein CBS-Drama ist etwa keine HBO-Serie die mit Millionenbudget gedreht werden kann wie ein ehrgeiziger Spielfilm. Das Expanded Universe als Serie reicht nicht oft an ein Hochglanzprodukt wie Game of Thrones oder Rome heran, dafür fehlt auch schon die Existenz einer energischen personifizierten Triebkraft. In Serien sind dies nicht selten einflussreiche Produce, in Filmen meist die Regisseure und in Büchern die Autoren. Star Wars als Roman-Zyklus ist ein Gemeinschaftswerk mit all jenen unerfreulichen Facetten die Allmende-Güter eben zu bieten haben. Zugleich hat bis jetzt jede Fan-Generation ihr eigenes Star Wars entdeckt, waren das zu Beginn doch noch öfter tollkühne Piloten und Rebellen, wurde das Phänomen mit den Prequels verstärkt auf Jedi, Sith und Lichtschwerter heruntergebrochen. The Clone Wars fügte diesen Kernbegriffen dann nur noch neue Facetten hinzu. Dieser Wandel schlug sich unweigerlich im EU nieder. Die X-Wing-Romane gerieten in Vergessenheit, die Jedi Academy entsprach nicht mehr dem Bild des Frischbluts in der Fan-Gemeinschaft. So wandelte sich Lukes Orden etwa immer mehr in ein Abziehbild seines Prequel-Vorgängers.

Ist es gut, dass es nun zu einem Neustart kommt? Womöglich. Immerhin, wird die Geschichte der weit entfernten Galaxis mit Episode VII zum Teil auf eine Stunde 0 zurückgesetzt haben alle bisherigen und neu hinzukommenden Fans die Chance die Entwicklung dieser neuen Ära aktiv mitzuerleben. Nur CRUCIBLE wird damit eben überflüssig, wie wohl auch zig andere Romane.

- Resümee -

Als ein Lackmustest für die Entwicklungen des EU der letzten Jahre ist CRUCIBLE meiner Meinung nach nicht in der Lage das "Ende" des Roman-EU mit einer Erlösung zu besiegeln. Wäre der Roman aus seiner Ära herausgelöst und für sich hingestellt, er würde wohl in der Liga eines Tatooine Ghost spielen. Ein mittelmäßiger Roman an einer Stelle, die zumindest nach etwas mehr als Mittelmaß verlangt hätte.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2014 8:19 AM MEST


Scourge: Star Wars (Star Wars - Legends)
Scourge: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Jeff Grubb
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein unsicherer Jedi Meister, eine kesse Schmugglerin und die Jagd nach einem mysteriösen Spicelord, 7. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich hätte Jedi-Ritter Toro Irana für den Jedi Orden mit Popara the Hutt über die Koordinaten einer Route durch die Indrexu Spirale verhandeln sollen, doch in einem Anfall mörderischer Rage läuft der junge Jedi auf Makam Te Amok und stürzt aus dem Fenster eines Restaurants. Toros Amoklauf hat jedoch Konsequenzen und auf diplomatischen Druck hin entsendet die Neue Republik Jedi Meister Mander Zuma, um zu ermitteln was Toro zugestoßen ist und auch um dessen Mission fortzuführen.

Doch Mander Zuma ist alles andere als das Musterbeispiel für einen der neuen Jedi Meister. Als einer der ersten Schüler Tionne Solusars hat Mander den Weg eines Jedi Archivisten gewählt, auch da er weder sehr elegant im Umgang mit einem Lichtschwert ist, noch weil er sich bedingungslos auf seine Machtfähigkeiten verlassen traut. Auf gewisse Weise ist der Meister somit viel unsicherer als sein verstorbener Schüler, dessen Tod Mander schnell Rätsel aufgibt. Zwar war Toro durchaus keiner der emotional kühleren Jedi, doch ein Wutausbruch wie auf Makam Te erscheint auch seinem alten Meister unwahrscheinlich. Und tatsächlich, irgendetwas scheint Toro verändert zu haben. Eine seltsame spice-artige Substanz könnte für Toros Ableben verantwortlich sein. Doch nicht nur Mander sondern auch Toros Schwester, die pantoranische Schmugglerin Reen Irana und ihr Co-Pilot, der Bothan Eddey Be'ray, sind an der Verschwörung hinter Toros Tod interessiert. Gemeinsam beschließen die drei daher auf Nar Shadaa die Verhandlungen mit Popara the Hutt fortzuführen, einem der scheinbar wenigen gerechten Hutten. Doch ihre Ermittlungen und Schützenhilfe für Popara und dessen Sohn Mika bringen die drei schnell ins Visier eines mysteriösen Spicelords, der für die Verbreitung des mit katastrophalen Nebeneffekten belasteten Tempest-Spice verantwortlich ist...

Nach bzw. neben den großen Kriegen, Krisen und Katastrophen der Trilogien und längeren Zyklen der letzten Jahre hat sich im Expanded Universe auch eine Reihe von Standalone-Romanen und weniger epischen Mehrteilern etabliert, die sich auch hin und wieder mehr oder weniger neuen Charakteren abseits der großen Drei zuwandten. Coruscant Nights, Shadow Games und die beiden Jaden-Korr Romane haben bewiesen der Held muss nicht immer ein Galaxien rettender Skywalker oder Solo sein. Sogar Timothy Zahn höchstselbst schlägt in diese Kerbe, indem er mit seinem nächsten Star Wars Projekt Han Solo, Lando, Chewie und eine Reihe alter und neuer Bekannter in einen Oceans 11-Plot verstrickt. Weg vom großen, hin zum kleineren Drama. Und das angenehme daran, diese mehr abseits gestellten Romane lassen sich auch schon mal getrost überlesen, aber auch mehr genießen. Sie tragen selten zum Voranschreiten der großen Geschichte der weit weit entfernten Galaxis bei, sind aber schon mal humorvoll, reflektiv und kratzen an sonst nie gestellten Fragen. SCOURGE entspricht nun ganz diesem Trend, soweit man überhaupt man überhaupt von einem sprechen kann.

SCOURGE ist eine Art Wiederaufleben der Tradition der Star Wars-Kurzgeschichten, in denen sich die Autoren auch gerne mit aus den Star Wars-Rollenspielen stammenden Charakteren und Plots beschäftigten. Auch diese beschritten schließlich Pfade abseits vom großen Geschehen und der Skywalker-Dynastie. Grubbs Hutt/Spice-Roman basiert sogar direkt auf dessen Rollenspiel-Szenario TEMPEST FEUD (2002), in dem es galt den auf einem unter Blockade durch die CSA stehenden Planeten gestrandeten Mika the Hutt zu retten. Mit einer Empfehlung von Troy Denning (dem Mastermind hinter so vielen Star Wars Zyklen der letzten Jahre) hat es Grubb nun geschafft sein Rollenspielszenario in Romanform zu adaptieren und flugs in die Ära der späten Neuen Republik verlegt, in der es ja ohnehin eher wenig Literatur gibt.

Dass Grubb seiner Lektionen als Autor gelernt hat merkt man bereits an der Öffnung mit einem Knall. Grubb zeigt Toro in der Endphase seiner Tempest-Sucht und schon bevor überhaupt der Name der Droge einmal aufkommt, ihre verheerende Wirkung. Der junge Jedi verliert völlig sein emotionales Gleichgewicht und findet sich auf einem selbstzerstörerischen Pfad aus Aggression und Zorn wieder, der wie wir wissen, normalerweise eine Einbahnstraße auf die dunkle Seite darstellt. Grubb mag zwar allgemein mehr mit Philosophie und Metaphysik (in Bezug auf die Macht und den Jedi Orden) geizen, doch der Autor spielt hier durchaus interessant mit dem "Fall" eines jungen Jedi Ritters.

Was folgt ist weniger eine Macht-lastige Erzählung über den Willen der Macht, ein Zuflüstern durch den Verstorbenen oder der Versuch alte Star Wars-Klischees/Archetypen wie Ben Kenobi zu beschwören, sondern Jeff Grubbs konsequent ausgeführter Ansatz seine Geschichte mehr "realistisch" zu erden. So tritt Toros Meister zunächst eher als eine Art im Außendienst unwohl fühlender mönchischer Charakter. Mander Zuma wird uns durchaus clever als typisch anmutender Vertreter von Lukes erster Generation der neuen Jedi vorgestellt. Spät zur Macht gekommen, bei weitem nicht so sehr mit ihr im Einklang wie die jüngere Generation und eben ein Archivar, der nur deshalb einen jungen Jedi ausgebildet hat weil es dem Orden noch an Meistern mangelte. Doch auch Mander hat seine Qualitäten. Mehrsprachig, intelligent und gelehrt, wenn auch kein ausgebildeter Diplomat, so doch eine gute Wahl mit einem Hutt zu verhandeln und Ermittlungen anzustellen.

- Die Hutten -

Auch im weiteren Verlauf der Geschichte greift Grubb auf bewährte Erfolgsrezepte zurück. So präsentiert er die Hauptcharaktere zunächst allesamt halbwegs sympathisch und stellt sogar die Anjiliac-Hutts als positivere Abkömmlinge ihrer Spezies dar. Anstatt großer Reichtümer hat sich Popara the Hutt lieber Loyalität gesichert, immerhin ist seine "Familia" eher eine der mittleren bis kleineren Hutt-Familien und mit Syndikaten wie dem Jabbas kaum konkurrenzfähig. Bei seinen Söhnen fühlt man sich jedoch mehr an "Der Pate". Auf der einen Seite der huttischere Zonnos, dem die Skrupellosigkeit seiner Artgenossen mehr liegt, auf der anderen Seite der Michael Corleone der Familie - Mika, der verhätschelte jüngere Sohn, der Poparas gemäßigten Wesen entspricht. Smart, Basic sprechend und hilfsbereit ist Mika jedoch auf Endregaad gestrandet, das mittlerweile unter Quarantäne durch die CSA steht. Verständlich, wenn sich die beiden Brüder nicht unbedingt lieben und Zonnos das geringste Problem damit hätte wenn Mika dort verbleiben würde. Doch Popara hat auch eine "Adoptivtochter", Vago, ehemals aus einer von Popara vernichteten rivalisierenden Hutt-Familie stammend ist sie gewissermaßen die rechte Hand des ältlichen Huttlords geworden. Auch wenn Popara schwört er würde nicht mit hartem Spice, wie Temepest dealen, was man ihm sogar glaubt, irgendjemand mit Verbindungen zu seinem Haushalt scheint es zu tun.

Der mysteriöse Spicelord könnte jeder der drei jüngeren Hutten sein. Doch der Schurke bleibt für lange Zeit im Dunkeln und tritt nur in Szenen als verschleierter Auftraggeber für seine Mittelsmänner und Söldner in Erscheinung. Allerdings bleibt es dem Leser überlassen zu spekulieren wer der Spicelord ist. Jeff Grubb gibt sich wenig Mühe bei Begegnungen mit den Hutten Verdachtsmomente zu beschwören. In manchen Augen durchaus eine Schwachstelle des Buchs. Im Rückblick wird so manchen die Auflösung dann auch deshalb enttäuschen, weil es so wenig Hinweise gab oder man eine elaboriertere Variante vermutet hätte. Dabei lässt sich ohne zu spoilern behaupten, Jeff Grubb hat durchaus ein ausgefallenes Finale für SCOURGE bereit, wenn er es logischerweise auch nicht allen recht machen kann.

- Die Helden -

Weniger ist mehr, mag ein Ratschlag gewesen sein, den sich Jeff Grubb auch aus einem Creative Writing Workshop mitgenommen hat und ein von seinen Fans gefeierter Autor wie Drew Karpyshyn immer wieder gerne vorexerziert. Anstatt erschöpfenden Beschreibungen über Hintergrundgeschichte und Gedankenwelt von Charakteren lieber subtile Anspielungen und dafür eine geringere Seitenzahl, damit die Handlung (als Aneinanderreihung von Action- und Spannungsszenen) mehr zum Tragen kommen kann. Nur allzu viel ist in dieser Hinsicht auch nicht gerade los. Mit der Konzentration auf das "wichtige" und essentiellere kommen auch die mehr kritisierbaren Aspekte zum Vorschein.

SCOURGE verfügt ja über vier nicht zu vernachlässigende Protagonisten, die allesamt interessante Aspekte zu bieten haben. Die ältere Schwester, die ihren Bruder zwar nicht so gut kannte, aber dennoch nicht einfach so gestorben lassen sein will, ihr vielseitiger Co-Pilot, der Held wider willen und eine CSA-Offizierin, die über ihren Schatten springen muss, um zu einer weiteren helfenden Hand zu werden. In dieser Gruppendynamik entsteht zwar hin und wieder ein heiterer Moment oder mehr, aber Aklänge an die großen Drei oder die Konstellationen der Michael Reaves-Romane (Coruscant Nights, Shadow Games) sind eher gering. Die Chemie ist leider nicht ganz so ideal.

Reen mag etwa der Prüfstein für Manders Selbstzweifel sein, doch ihre Rolle bleibt ebenso wie die ihres Chewbaccas Eddey eher auf die Unterstützung des Helden beschränkt. Anders sogar die tatsächliche Nebencharakterin Angela Krin, die eine deutlich erkennbarere Entwicklung durchläuft. Man sollte sich allerdings keine Illusionen machen, der Held und einzig wahre Protagonist ist am Titelbild zu erkennen und heißt eben Mander Zuma. Nur macht es einem Mander eben auch nicht so einfach mit ihm mitzufiebern. Der zunächst eher trockene Archivar pflegt Zweifel wie die eines unsicheren Padawans. Auch Paul Kemp hat mit CROSSCURRENT Jaden Korr als einen von Selbstzweifeln geplagten Jedi-Ritter vorgestellt, nur zweifelte der nicht an seinem Skillset, sondern der Rolle der Jedi überhaupt, die zu diesem Zeitpunkt Komplizen der Galaktischen Allianz im Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg gewesen waren und moralisch unsicheren Grund beschritten. Wo sich Korr durchaus reizvoll der Frage stellte was es bedeutet ein Jedi-Ritter zu sein, stellt sich Zuma gewissermaßen die Frage ob er als Jedi im Außendienst überhaupt geeignet ist.

- Resümee -

Für meinen Geschmack ist SCOURGE zeitweise einfach zu lau. Es ist zwar angenehm nach vielen Jahren wieder einmal einen SW-Roman in Händen zu halten, der durch die Star Wars-Rollenspiele inspiriert wurde und im Grunde eine ganze Palette von erfolgversprechenden Zutaten enthält. Selbstzweifelnde Jedi die über den Verlauf einer Geschichte endlich mit sich ins Reine kommen gab es in den letzten Jahren aber auch einige. Zayne Carrick in den Knights of the Old Republic Comics beispielsweise, dem es als Padawan sogar noch mehr an Selbstvertrauen fehlte als einem Mander Zuma. Oder eben Jaden Korr, der sich zwar seiner Fähigkeiten bewusst, aber etwas tiefsinniger mit der Frage beschäftigte was einen Jedi nun überhaupt ausmacht. In beiden Fällen spielte sich die persönliche Unsicherheit allerdings vor dem Hintergrund eines größeren Konflikts der jeweiligen Ära ab, während der unverbesserliche Pechvogel Zayne durch die Mandalorianischen Kriege stolperte, rang Jaden Korr mit den Folgen des letzten Krieges und der Rolle der Jedi-Ritter in diesem. SCOURGE und Mander Zumas Reise hätten jedoch von der Alten Republik bis 40 Jahre nach Endor angesiedelt können, wie das RP-Szenario auf dem das Buch eben basiert. Da fehlt schon mal etwas.

Was an SCOURGE bemängelt werden kann ist die Art und Weise wie der Roman von seiner Ära loslösbar ist. Er fügt im Grunde nichts hinzu oder erklärt das vielseitige Universum, in dem sein Roman spielt. Die Corporate Sector Authority (CSA) tritt zwar hier erstmals seit langem in einer entscheidenden Rolle wieder auf (das letzte Mal spielte sie eine derartige Rolle in den fast schon antiken Han Solo-Romanen Brian Daleys), bleibt jedoch auf ihre Rolle als farblose überbürokratisierte paramilitärische Polizei beschränkt.

- Etwas persönliche Meinung -

Für meinen Geschmack ist SCOURGE einfach zu lau. Die Zutaten für einen soliden Spannungsbogen sind vorhanden, aber das ganze wirkt für mich zu sehr nach einem Malen nach Zahlen. Es fehlen schlichtweg "die" Innovationen, großen Momente und dramatischen Szenen. Ich würde sogar noch soweit gehen meine Unzufriedenheit mit Mander Zuma als Protagonisten darauf zurückzuführen, dass er nur ein weiterer selbstzweifelender Jedi Ritter ist und im Grunde kaum herausragende Eigenschaften mitbringt, die man an seinen Ordensgenossen in den letzten 20 Jahren nicht schon bestaunen durfte - zu farblos. Und die interessant angelegten unterstützenden Charaktere reißen das Ruder auch nicht rum. Im großen und ganzen blieben meine Erwartungen da deutlich enttäuscht zurück. Wer damit etwas anfangen kann, SCOURGE erinnerte mich an einen der schwächeren Romane Troy Dennings.

Fazit:
Ein mittelmäßiger Star Wars-Roman, der Potential für mehr ausgewiesen hätte.


Apocalypse: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
Apocalypse: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
von Troy Denning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen (K)ein Weltuntergang, 16. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
- Vorsicht, es folgen Spoiler aus ASCENSION -

Kurz sah es so aus als würde sich das Schicksal der Galaxis zum besseren wenden, doch dann betrat Abeloth die Bühne der galaktischen Politik und nach kurzer Zeit regiert sie, mit dem Lost Tribe als willigen Werkzeugen, von Coruscant aus eine krisengebeutelte Galaktische Allianz. Doch während Abeloth ihre Tentakel von Corusant aus selbst in den imperialen Raum ausstreckt und den Machtkampf zwischen Daala und Jagged Fel zu beeinflussen beginnt, sind die Jedi mehr als gewillt mit aller Härte zurückzuschlagen. Unterstützt von Admiral Nek Bwua'tu planen sie der Machtergreifung der Sith und Abeloths mit Gewalt ein Ende zu setzen. Eine letzte Schlacht muss geschlagen werden...

Schon das Ende von ASCENSION geriet nach einem durchaus vielversprechenden Auftakt zu einer Farce. Mit aller Gewalt wurden die vielversprechenden Entwicklungen ins Negative verkehrt, ein hoffnungsvoller neuer Staatschef kurzerhand wieder ermordet und die 5000 Jahre in Abgeschiedenheit lebendenden Sith des Lost Tribe zu Meistern der Infiltration erklärt, die nun praktisch alle wichtigen Machtpositionen der GA besetzt halten. Allzu viel Logik sollte man nun von APOCALYPSE daher auch nicht mehr erwarten. Und Troy Denning tut dazu sein übriges indem er über Abeloth noch eine Verbindung zu den Celestials, alias, Vater, Tochter und Sohn herstellt (die heilige Dreifaltigkeit der neuen reformierten Star Wars-Mythologie). The Clone Wars lässt grüßen und die Rolle Anakin Skywalkers als vermeintlichen Auserwählten wird einmal mehr in Frage gestellt.

- War der Ärger vorprogrammiert? -

FATE OF THE JEDI war eine Reihe mit ihren Hochs und Tiefs, allerdings in den Augen dieses Rezensenten eine mit besserer Balance als noch LEGACY OF THE FORCE. Doch auch das Finale von FATE tritt nun in LEGACYs Fußstapfen, nach einigen durchaus großen Momenten steht einmal mehr Troy Denning vor der Aufgabe diese über acht Bände erzählte Geschichte in einem glorreichen Finale aufgehen zu lassen... und verwandelt APOCALYPSE wie INVINCIBLE in einen überlangen Epilog. Es passiert was halt noch passieren muss, aber richtig Schwung kommt nicht mehr hinein. Auch weil Christie Golden in ASCENSION bereits eine Überleitung geschaffen hat die die wichtigsten Entwicklungen schon vorhersehbar machte.

Blicken wir auf FATEs Entwicklung zurück sehen wir einen lauen Beginn, einen wendungsreichen Mittelteil, aber nicht wenige Logikprobleme und nun ein krampfhaft vom Happy End abgerücktes Finale. Meinte mancher Leser wärhend ASCENSION vielleicht noch nun ergäbe alles plötzlich Sinn was seit DARK NEST geschehen ist, APOCALYPSE ruiniert diesen Enthusiasmus endgültig. Von 21 aufeinander aufbauenden Romanen seit dem Ende der wirklich apokalyptisch angelegten NEW JEDI ORDER-Reihe stammen nicht weniger als 9 aus der Feder Troy Dennings, dessen Einfluss unverschweigbar in DARK NEST, LOTF und FOTJ erkennbar ist. Und Denning hattte immer so seine Lieblinge, wie Raynar Thul und andere Charaktere "seiner" DARK NEST-Trilogie. Mit APOCALYPSE wirft Denning die Galaxis auf einen Stand wie vor bzw. während DARK NEST zurück. Mochte man diesen 21 Büchern seit Ende der NJO-Ära also noch Bedeutung zumessen, in APOCALYPSE geht die Hoffnung unter, dass dieser Mega-Zyklus mehr war als nur ein Wiedergänger vergangener Bantam-Zeiten. Selbst die One Sith feiern am Ende noch einen kurzen Gastauftritt, auch wenn das weitere Schicksal des Lost Tribes, Jagged Fels und Tahiris neuermals offen bleibt.

So sehr FOTJ zeitweise mit Querverbindungen zu John Ostranders kultigen LEGACY-Comics begeistern konnte, Troy Denning tritt das alles scheinbar wieder in die Tonne. Die diversen Transformationen, der Rückzug des Jedi Ordens nach Ossus ausgenommen, werden plötzlich wieder aufgehoben. Dabei war es Denning der am Ende von DARK NEST Luke zum Großmeister aufsteigen und den Jedi-Rat wiederauferstehen ließ. Und es war auch dieser Troy Denning der Jag Fel am Ende von LEGACY OF THE FORCE zum imperialen Staatschef kürte. Am Ende hängt das Schicksal der Galaxis seit DARK NEST nun am Leben und Erfolg Allana Solos, die auch in FATE OF THE JEDI noch kurzerhand zum Zentrum des Konflikts erkoren wird.

- Troy Dennings Eigenheiten -

Schon seit STAR BY STAR und nicht zuletzt ABYSS gehört Troy Denning zu den momentan aktiven Star Wars Autoren die sich immer auch gerne ein wenig mehr mit der metaphysischen Seite der Macht beschäftigten. Da sollte es nicht überraschen wenn er Abeloth nun genauso wie die Killiks und ihre einstigen Dienstherren, die Celestials aka Force Wielders, unter einem Buchdeckel zusammenbringt. Die Killiks sind immerhin die einstigen Arbeitssklaven der Erbauer gewesen, welche Centerpoint, Sinkhole Station, den Maw und das Corellia System erschufen. Also auch für die Inhaftierung Abeloths auf ihrem Planeten verantwortlich waren. Um mehr über diese Verbindung zu erfahren entsendet man neben den Ex-Joinern Lowbacca und Tekli gerade auch Raynar Thul, dessen Weg vom UnuThul zum alten Raynar kein gerade leichter war. In einigen der vorigen Romane durfte er sogar wieder sein Lichtschwert schwingen und Kenner der Young Jedi Knights-Romane sich freuen, dass auch Raynar endlich seinen Weg zum Stammcast der Legacy-Ära gefunden hat, wobei seine Freundschaft zu Wynn Dorvan ungenutztes Potential für eine Nebenhandlung versprach.

- Fortsetzung folgt? -

Das Schicksal der Killiks lässt bereits das schlimmste vermuten - einen weiteren Schwarmkrieg vielleicht? So unwahrscheinlich wäre das nicht, immerhin hat man eine weitgehend befriedete Galaxis in LEGACY OF THE FORCE in ihren zweiten Galaktischen Bürgerkrieg gestürzt und wenn selbst Darth Caedus und Admiralin Daala noch fröhlich mit ihrer Anti-Jedi-Politik und sogar einer Belagerung des Tempels durchkommen konnten, dann ist wohl alles erlaubt, egal wie einfallslos und ausgelutscht das für die müden Augen älterer Fan-Generationen wirken mag. Zum Zeitpunkt von APOCALYPSEs Veröffentlichung ist die Zukunft Nach-Abeloth jedenfalls ungewiss. Zwar gab es einst diese durchaus glaubwürdige Versicherung es würden nun mehr Trilogien und Einzelromane anstatt unbefriedigender Mega-Reihen folgen, doch eine Personalrochade im lucasschen Romanuniversum später kündigt die neue Dame auf Sue Rostonis Stuhl an, größere Reihen seien sicher eine Option. Wenn der Del Rey Verlag endgültig die nächste Verlängerung seines Star Wars-Lizenz erreicht hat werden wir es erfahren.

Unmittelbar wird FATE OF THE JEDI jedenfalls von Aaron Allstons MERCY KILL fortgesetzt, einen X-Wing-Roman der auf die rasch abgewürgte und in einigen Bänden gar nicht vorkommende Lecersen-Verschwörung Bezug nimmt. Wedge Antilles Tochter und die Wraiths inklusive, ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

- Das Positive -

APOCALYPSE steht für vieles was in den Augen treuer Leser in den letzten Jahren mit Star Wars-Romanen so falsch gelaufen ist und bleibt auch für sich genommen eher ein Kieselstein im Schuh als eine Perle. Um bei aller Enttäuschung noch positives zu finden ist guter Wille gefragt. Zumindest wird Jaina Solo endlich zur Jedi Meisterin erhoben und damit signalisiert, dass die ehemaligen Young Jedi Knights (sofern sie denn noch leben und die Gnade der Erwähnung finden) eigentlich die Fakel der ersten Jedi Generation (Luke Corran Horn, Kam und Tionee Solusar, Kyle Katarn, Kyp Durron) übernommen haben sollten. Tatsächlich ändert aber auch APOCALYPSE nichts an der Abkehr von diesem anfangs auch noch von Troy Denning mitgetragenen Trend (in STAR BY STAR und DARK NEST) die nächste Generation (die Young Jedi Knights alias Jacen, Jaina und Anakin Solo, Tenel Ka, Lowbacca, Tahiri, Raynar Thul, Tekli und Co.) aufzubauen. Die Führung des Jedi Ordens bleibt fast ausschließlich in Händen Lukes, gelegentlich assistiert von jeweiligen Autoren-Lieblingen wie Dennings Saba Sebatyne, aber der Jedi-Rat ist nachwievor mit Altlasten anderer Autoren (Corran Horn, Kyle Katarn, Kyp Durron) und gesichtslosen Unbekannten besetzt, die alle wenig beizutragen haben, vielleicht auch weil die meisten Autoren wenig mit ihnen anzufangen wissen.

Plötzlich ins Rampenlicht gerückt wird nun Allana, die ähnlich wie in Dark Nest einst ihr Großcousin Ben Skywalker als große Hoffnungsträgerin installiert wird. Angelegt ist der jüngste Spross der Skywalker-Dynastie durchwegs sympathisch, tierlieb wie Jacen Solo, sturköpfig wie ihre Großeltern Han und Leia, ganz die heranwachsende Kriegerprinzessin die man sich als Enkelin einer Leia erwarten würde. Setzt der nächste um die Großen Drei und Anhang aufgebaute Zyklus auch wieder nach einem Zeitsprung an könnte man im nächsten Abschnitt der LEGACY-Ära die Geburt Fels II., ein Wiederaufeinandertreffen des gestandenen Jedi-Ritters Ben Skywalker mit Sith Lady Vestara Khai und die Lehrjahre der künftigen Jedi-Königin Allana erleben. Wer wohl ihr Meister bzw. viel wahrscheinlicher ihre Meisterin werden würde? Allana verspricht einiges von dem Potential das von wenigen Zyklus-Autoren der letzten Jahre genutzt wurde. Sie ist gewissermaßen die Reinkarnation der Solo-Kinder, der Young Jedi Knights und auch der erzählerisch auf eine Nebenrolle reduzierten Prinzessin Leia. Wahrscheinlich würde ihr weiteres Schicksal allerdings fest in der Hand Troy Dennings bleiben, wenn auch eine Autorin wie Christie Golden, die mit Vestara Khai schon interessante Arbeit geleistet hat, vielleicht doch die bessere Wahl wäre einen starken weiblichen Charakter zu porträtieren.

Neben der heimlichen Heldin der Reihe (Allana) und der oft leider marginalisierten Jaina Solo ist Ben Skywalker an der Seite seines Vaters in FOTJ nun durchaus groß eingeführt worden und im EU als Charakter angekommen. Sollte sich ein Autor doch eines Tages dazu durchringen können Luke wie es schon Paul S. Kemp wagte vom Immerinvolvierten zur grauen Eminenz im Hintergrund zu machen, kann Ben dessen Rolle perfekt ausfüllen und ließe sich sogar flexibler einsetzen als sein Vater. Schon jetzt erfüllt Ben die Rolle Anakins bzw. Jacen Solos, des Teenagers in den Fußstapfen Luke Skywalkers, nur dass er im Gegensatz zu den beiden Solos in den NJO-Romanen noch immer im Schatten Lukes steht.

Eine etwas andere "Lichtgestalt" ist zweifellos Vestara Khai, die entfernt ein wenig an eine unverbrauchte Lady Lumiya erinnert. Von Beginn an bewies Vestara das Potential sich von der Agentin der Sith zu einer Heldin zu wandeln, doch auch für sie geht die Geschichte nicht ganz so aus, wie es ihr lieb gewesen wäre und sie landet zwischen den Stühlen. Gerade was das von Ship in ihr gesehene Potential betrifft dürfte Vestara noch Größeres bevorstehen.

APOCALYPSE mag das Happy End fehlen, doch nicht die Verheißungen auf Künftiges das kommen könnte. Gerade mit dem eher offenen Ende und einigen "Rückschlägen" bietet sich eine offene Zukunft an, wie man sie zuletzt nach 19 Bänden NEW JEDI ORDER erleben durfte. Die Hoffnung, dass mit Allana Solo jedenfalls eine Ära relativen Friedens am Horizont zu sehen ist, ehe eines fernen Tages Roan Fel und die One Sith der Galaktischen Allianz das Messer in den Rücken rammen, ist lebendiger denn je. Auch die Bewusstwerdung, dass es neben dem Lost Tribe noch andere Sith geben könnte und ob es zu einer Allianz des Sith-Clans mit Krayts Kultisten kommen wird, würde Stoff für den einen oder anderen Roman bieten. Interessant bleibt natürlich der Hintergrund des künftigen Krieges mit Krayts Sith: ob die Jedi zu Zeiten eines Kol Skywalker um die Existenz von Krayts Sith wussten, also bereits einige Jahrzehnte mit diesen aneinander geraten sind und welche Entwicklungen die Djo-Solo-Dynastie durchlaufen hat.

Würde man sich auf die Zersplitterung der Großreihen auf Einzel- und Mehrteiler konzentrieren, ließen sich diese potentiell interessanten Geschichten ja auch so erzählen und würden nicht unter der Last einer Menge zwangsläufig abzuhandelnder Nebenhandlungen erdrückt werden. Kurzum, dann würde selbstverständlich auch jeder Autor ohne schlechtes Gewissen mit explizit seinen Kreationen hantieren und begeistern dürfen.

- Das Negative -

Gegen Ende des Zyklus fühlt man sich wieder ein wenig zu sehr an die Probleme LEGACY OF THE FORCEs erinnert. Gerade Troy Denning beginnt wieder mit seinen Charakteren zu spielen und wie in INVINCIBLE (Band 9 und Finale besagter Vorgängerreihe) kann nach dem richtungweisenden Vorgänger ASCENSION gar nicht mehr allzu viel unerwartetes passieren. Ein paar Tode hier und diskussionswürdige Enthüllungen da vermögen zumindest etwas abzulenken. Das Bewegendste an APOCALYPSE ist das was rückgängig gemacht wird, sich daher eben nicht weiterentwickelt und zu einer unbefriedigenden Auflösung der Handlung führt. Zumal einem spätestens in ASCENSION ja auch klar gemacht wurde, dass dieser Riesen-Zyklus mit Troy Denning und DARK NEST begann und nun anscheinend wieder endet.

Gerade nachdem unter Dennings Federführung Lukes neuer Jedi Orden vom durch Kevin J. Anderson und Tom Veitch geprägten Konzept eines weniger doktrinären Ordens (wie in den TALES OF THE JEDI) abgebracht und in das Prequel-Korsett gezwängt wurde, kam es nicht überraschend, dass man auch die Anhänger der Potentium-Lehre (es gibt nur die Macht, keine helle oder dunkle Seite) wie Jacen Solo zu notirischen Sith-Adepten erklärte und doch bleibt Jedi Meisterin Saba Sebatyne für ihren praktisch kaltblütigen Mord an Kenth Hamner ungestraft. Ja es scheint sich nach einem Reihenauftakt mit einer Staatschefin die auf Popularitätswerte, Umfragen und Medienberichte schielte kaum einer mehr um den kurzerhand durchgeführten Staatsstreich zu kümmern, der im Gange ist.

Generell, am Ende von APOCALYPSE scheint nichts entschieden und alles nur vertagt zu sein. Vielleicht sollten sich der Fortführung all der losen Fäden dann doch lieber frische Autoren oder lange abstinente Star Wars-Größen annehmen. Ein wenig Abwechslung von Dennings erzählerischen Vorlieben (Hapes, Killiks, Allana Solo, Raynar Thul) und der Erdrosselung von Aaron Allstons einst kultigen Stil ist jedenfalls begrüßenswert.

- Von Mortis in den Maw -

Ob es wirklich sein musste, dass man gerade in der Post-Endor-Ära, deren Anhänger tendenziell weniger freundlich gegenüber vielem im Umfeld der Prequels gestimmt sind (insbesondere The Clone Wars), die Celestials als götterähnliche Wesen einzuführen ist eine Frage die man sich bei der Lektüre von APOCALYPSE lieber nicht gestellt hätte. Dennoch ist es nun einmal so, der Titel scheint daher sehr passend gewählt. FATE OF THE JEDI 9 ist durchaus ein Weltuntergang, nämlich für alle die mit der evangelikal angehauchten Idee einer Trinität der Macht zwischen Vater, Sohn und Tochter nichts anfangen konnten oder wollten. Diese Götter bzw. gottähnlichen Wesen sind zwar zum Zeitpunkt der Apocalypse schon tot, aber nun wird ihnen in der neuen Mythologie der Macht noch eine Botin des Chaos und Neubeginns zur Seite gestellt,zumindest nicht die irdische Discordia, Eris oder Pandora, sondern Abeloth, eine ehemals Sterbliche die in der Gegenwart der Celestials (die ohnehin ein wenig an Stargates Antiker bzw. Ancients und Ori erinnern) über ihre Ebene der Existenz hinausgewachsen ist und nach ihrem Sündenfall im Maw interniert werden musste. Durch diese Hinzufügung einer antik-mystischen Komponente zum Kanon mag man unter George Lucas handeigener Federführung zwar einen interessanten neuen Aspekt geschaffen haben, doch auch einen der so manchen Ärger schüren kann.

So ist es vielleicht an der Zeit auch ein wenig über die Mortis-Trilogie zu resümieren. Nach Dave Filoni war George Lucas stark in die Entstehung dieser TCW-Trilogie involviert, legte also zu keinem Zeitpunkt sein Veto dagegen ein. Und Mortis sollte ja generell mysteriös und undurchschaubar angelegt sein, so dass es am Ende keine definitiven Erkenntnisse geben sollte und die Zuschauer über vieles im Unklaren gelassen bleiben. Mortis sollte Dikussionsstoff bieten, etwas das die Fans zumindest wach hält, ob mit Ärger, Bewunderung oder Unverständnis. Doch Troy Denning spann diesen Gedanken weiter. FATE OF THE JEDI war schon geboren als die betreffenden Mortis-Folgen noch gar nicht gab, über die lange Laufdauer der Buchreihe kam es aber dazu, dass diese Idee nun auf dem Tapet landete. Man könne doch die mysteriösen Celestials der Bücher irgendwie mit Vater, Sohn und Tochter in Verbindung bringen. Denning tat es und ist damit vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus geschossen, hat er mit seiner Geschichtsstunde bei den Killiks trotz Hinweis auf deren Problem, nur schwer zwischen Fakt und Mythos unterscheiden zu können, Mortis doch einiges an Ungewissheit beraubt. Vater, Sohn und Tochter sind nicht länger irgendwelche Wesen, sondern DIE Schöpfer des Universums gewissermaßen oder in den Worten der Killiks, das was aus in die Macht Aufgestiegenen werden kann. Vom Machtgeist zurück zur körperlichen Form eines gottähnlichen Wesens? Moment das kennt man doch. Ja hier schwingt ein wenig eine der Ideen aus einem früheren Drehbuchentwurf zur heutigen Episode VI mit, nach der Obi-Wan Kenobi für ein finales Duell mit Darth Vader mächtiger als es sich dieser je vorstellen konnte durch die Macht neu manifestiert erscheienen wäre.

Denning greift also "nur" auf eine verworfene Idee aus George Lucas eigener Feder zurück und verbindet diese mit Dave Filonis Mortis-Trilogie. Ein Stück Star Wars Mythologie wurde also einfach nur vereinfacht und verschlankt, indem Celestials und Force Wielders durch Dennings Kunstgriff zu einer "Spezies" fusioniert. Und dank Jason Frys ESSENTIAL GUIDE TO WARFARE ist das ganze bereits einigermaßen Kanon, auch wenn die Option offen bleibt irgendwann durch einen Retcon die Celestials wieder von den Force Wielders zu trennen, immerhin behaupten die Killiks ja Vater, Tochter und Sohn wären das was Celestials "werden". Da fragt man sich unwillkürlich wo sind denn die Anderen und fühlt sich einmal mehr an Stargates "The Others" erinnert, die streng an ihre Regeln der Nichteinmischung glaubenden Aufgestiegenen, die Grenzgängern in ihren Reihen die Existenz schwer machen.

In Summe eine nette Idee, antike Mythologie meets Star Wars oder umgekehrt und so gibt es einmal mehr etwas zu diskutieren und philosophieren. Mit der Einführung von Quasi-Göttern die regelrecht über die Macht und ihren dualen Aspekt verfügen können aber auch ein krasser Stilbruch zum Konzept einer Macht wie wir sie aus den Filmen kannten, wobei Yodas Lehren von einer gesichtslosen Macht in Episode V auch aus dem Wissen heraus stammen können, dass die alten Götter tot sind und die Macht nun frei ist. So ist die Potentium-Lehre (Es gibt nur die Macht, die dunkle Seite ist keine separte Entität) nach Mortis plötzlich gar nicht mehr so falsch, ohne Sith wäre sie jedenfalls tragfähig für einen Jedi-Orden der nicht mehr endlos der dunklen Seite zugewandten Feinde bekriegen muss.

- Resümee -

Dass dieses Finale enttäuschend wird war schon nachdem Turnaround in ASCENSION relativ absehbar. Die Mühe davon noch etwas zu retten scheint sich Troy Denning erst gar nicht gemacht zu haben, stattdessen bringt er es noch zustande den Logiklöchern die Krone aufzusetzen und versucht seine Leser mit einer Verbindung zu den Celestials und der Mortis-Trilogie abzulenken, während am Ende vieles auf einen früheren Stand zurückgesetzt wird. Das ließe sich positiv wie negativ betrachten. Fakt ist, viele Handlungsstränge bleiben offen und bieten Raum für Fortsetzungen wie sie Aaron Allston mit MERCY KILL bereits 2012 bereits vorzulegen gedenkt. Nach allem Ärger über eigensinnige Charakternutzung durch die diversen Autoren und deren Neigungen gelegentlich fremde Handlungsstränge hintanzustellen ist es vielleicht besser wenn man in Zukunft die Damen und Herren jeweils ihre eigenen Romane schreiben lässt, anstatt sie in ein leidiges Gemeinschaftsprojekt zu zwängen.

Fazit:
Wohl einer der schlechteren Star Wars-Romane der letzten Jahre.


Terminator Salvation: Cold War
Terminator Salvation: Cold War
von Greg Cox
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vorgeschichte zum Film, 21. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Terminator Salvation: Cold War (Taschenbuch)
Das Merchandising zu Terminator Salvation wirkt im Nachhinein ein wenig chaotisch. Da ließ man Timothy Zahn ein Buch zum Film schreiben, das wenig bis nichts mit diesem zu tun hatte und die Vorgeschichte aus der Feder Greg Cox erschien erst einige Zeit danach. Wie auch immer das schief gelaufen ist, Cox COLD WAR ist "der" Terminator Salvation Roman. Während sich Zahns mittlerweile zwei Salvation Romane als überraschende Leisetreter entpuppt haben ist es der als Schriftsteller vermeintlich weniger renommierte Tie-in Autor Cox der in COLD WAR genau jene Mischung aus Action und Spannung + einen waschechten Terminator-Moment zu liefern versteht, die das Franchise ursprünglich ausgezeichnet haben.

Russland 2003. Ein Nuklearschlag der USA gegen russische Ziele zwingt Russland zum Gegenschlag und Captain Dimitri Losenko ist es, der mit seiner Crew den Gegenangriff auf Alaska durchführen soll. Die Mission wird ausgeführt, doch was nun? Die Erzählung springt in das Jahr 2018 wo eine von Molly Kookesh geführte Widerstandsgruppe Skynets automatisierte Minenoperationen in Alaska sabotiert wo sie nur können. Doch das Oberkommando des Widerstands unter der Führung General Ashdowns nimmt Milizen wie Mollys selten ernst und verschafft ihnen daher auch kaum Nachschub. Dennoch planen die Widerständler von Alaska einen großen Coup...

Auf der 2003er Zeitebene entpuppt sich COLD WAR als überraschend düstere Dystopie. Es ist die Welt nach dem Judgement Day die sich vor Captain Losenko und seiner Crew auftut. Albträume und Schuldgefühle quälen sie, der atomare Gegenschlag auf Alaska ist nicht psurlos an ihnen vorbeigegangen und als sie nach einem Monat wieder auftauchen gibt es keine neuen Befehle. Alle sind tot. Und John Connor, die Stimme aus dem Radio kann noch sehr wenige überzeugen. Selbst im globalen Widerstand weisen sich die Nationen untereinander die Schuld zu. Vorerst scheint Skynet vor einem menschlichen Gegenangriff sicher zu sein, man ist zu zerstritten und noch in Gedankenmuster der Welt vor dem J Day verwurzelt.

Die größte Hoffnung der Menschheit scheint tatsächlich John Connor zu sein. Nicht wegen überragender Fähigkeiten, sondern weil er sein in jungen Jahren schon angehäuftes Survival Wissen und bruchstückhafte Informationen über den Feind via Kurzwelle mit der Welt zu teilen bereit ist. Den Wert seiner Übertragungen erkennt man daran wie Mollys Widerstandszelle dieses Wissen tatsächlich anwenden kann und so den Widerstand am Leben hält. Wie konnte sich allerdings die reine Maschinenmacht Skynet nach dem J Day so leicht als globale Bedrohung durchsetzen? COLD WAR verrät es. Wohl durch seine Kontrolle der militärischen Nachrichtenkanäle dürfte sich Skynet eine Schar menschlicher Kollaborateure verschafft haben, die weltweit abgesetzt den Bau von Terminatorfabriken erzwingen konnten.

Der eigentliche Held des COLD WAR ist Dimitri Losenko, der schuldgeplagte Kämpfer, der mit eigenen Augen erkennen lernte was geschehen war und durch eine Fügung des Schicksals schließlich dort landen sollte wo man ihn in Terminator Salvation vorfindet, als zweiter Mann an der Seite des Widerstands-Oberkommandierenden General Ashdown. Der 2003 Handlungsbogen überrascht in seiner Dramatik und Tragweite, das hätte man von einem simplen Tie-in wohl nicht erwartet. 2018 sehen die Dinge schon etwas anders aus. Der J Day liegt hier schon über ein Jahrzehnt zurück und die Menschen kämpfen immer noch und solange sie kämpfen ist der Widerstand sprichwörtlich am Leben, ihr Überleben ist das eigentliche Ziel. Doch auch wenn man annehmen könnte dieser Handlungsbogen wäre jetzt vernachlässigt worden, 2018 verzichtet Greg Cox zwar etwas auf Dramatik, doch setzt umso mehr auf Action und Spannung. Wird es dem Widerstand in Alaska gelingen, Skynet ein Schnippchen zu schlagen?

Und 2018 erlebt man auch wie sich ein T-600 beschädigt und mit nur noch eingeschränkter Waffenkapazität aus einer Lawine befreit, um dem Widerstand in sein Nest zu folgen. Dabei kommt es natürlich früher oder später zu einigen wirklichen Terminator-Szenen, doch zunächst trifft der T-600 einmal auf einen Grizzly Bären - Terminator vs. Grizzly! Um dem Roman zumindest zeitweise so etwas wie einen Antagonisten zu geben, erlebt der T-600 seine Jagd aus seiner ganz eigenen Perspektive. Etwas das man sich von Timothy Zahns beiden Terminator Romanen vergeblich gewünscht hätte.

- Resümee -
Ein überraschend gut gelungener Terminator Salvation Tie-in, der die wirkliche Vorgeschichte zum Film enthält. Action, Spannung, Tragik und ein waschechter Terminator - alles da, was man sich vom Franchise wünschen würde.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2012 1:02 PM CET


Terminator Salvation: Trial by Fire
Terminator Salvation: Trial by Fire
von Timothy Zahn
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,46

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine fast beschauliche Feuerprobe, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In der Wildnis des postapokalyptischen Kalifornien stolpert Jik auf der Flucht vor einem Terminator vor sich hin. Doch woher weiß die Maschine seinen Namen und reagiert als wäre sie klüger als der übliche T-600? Und ist Jik überhaupt noch ein Mensch?

Währenddessen begräbt der Widerstand gerade seine Toten der letzten Auseinandersetzung mit Skynet. Barnes hat sich des jungen Kyle Reese angenommen und plant demnächst seinen toten Bruder bei der Radarstation zu beerdigen, wozu sich auch Blair Williams einlädt, der gegenüber Barnes noch immer offene Feindseligkeiten wegen ihrer Parteinahme für Marcus Wright hegt. Dort angekommen entdecken Blair und Barnes jedoch etwas in den Bergen, eine bisher unbekannte Siedlung anderer Überlebender...

TRIAL BY FIRE ist schon Timothy Zahns zweiter Terminator-Roman und gibt sich mit ein paar Anspielungen auch den Anstrich eines Sequels zu FROM THE ASHES. So wirklich ist es allerdings keine. Die Protagonisten sind Barnes, Blair, Jik und die Bewohner von Bakers Hollow. Angesiedelt ist das ganze freilich nach den Ereignisse von Terminator 4 und überraschenderweise ist der Roman eine Art Aufarbeitung eines verworfenen früheren Drehbuchkonzepts. Manch einer wird sich vielleicht noch erinnern dass Terminator 4 anfangs mit einem John Connor Slogan im Sinne von "Ich dachte ich kenne die Zukunft, doch diese ist anders" beworben wurde, damit es so aussah als wären die Karten neu gemischt worden und alles offen. Mit einer alternativen Zukunft spielten schon die Sarah Connor Chronicles und fielen dann der Absetzung zum Opfer. Schlussendlich wurde das vielfach überarbeitete T4 Drehbuch dann doch auf eine konventionelle Terminator-Zukunftsversion hingebogen, in der wieder "alles stimmt".

"Project Angel" wurde dabei verworfen. Was wäre wenn Skynet nämlich nicht versucht Maschinen wie den T-800 in Menschen zu verwandeln, sondern Menschen in Maschinen (womit sich Dr. Serena Kogan das Leben hätte retten können)? Der Cyborg Marcus Wright wäre dann der Prototyp gewesen. Diese Ankündigung verrät womöglich schon zuviel darüber wohin TRIAL BY FIRE steuert, aber es ist auch ein Grund diesem Roman überhaupt Aufmerksamkeit zu widmen.

Timothy Zahn mag zwar ein Hugo Awarad Gewinner und in Kreisen von Star Wars Fans legendärer Autor sein, doch seine Terminator Romane sind keine Glanzstunden in Zahns Karriere. Wie schon FROM THE ASHES liegt auch die Stärke von TRIAL BY FIRE in interessanten Ansätzen bei der Charakterzeichnung und der Schaffung einer authentischen Umwelt, nur leider ist der Plot wenig berauschend und man meint dass ein bisschen sehr wenig Herzblut in der ganzen Auftragsarbeit steckt. Was man wie schon in Zahns erstem T-Roman vermisst, ist eine immanente Bedrohung. Skynet wirkt einfach ständig absent und auch wenn die Terminator Bakers Hollow nahe kommen oder Jik jagen, es fehlt diese Faszination des Unvermeidbaren wie in den originalen Terminator-Filmen. Der Flair fehlt. Dabei würde man meinen gerade Zahn würde es verstehen eine künstliche Intelligenz von überlegenem Intellekt und strategischen Feingefühl inszenieren zu können. Er versucht es scheinbar nicht einmal. Und was soll man mit einem Terminator Roman ohne Action und mit viel zu wenig Spannung?

Das positive an TRIAL BY FIRE ist noch wie Zahn etwa die Post Judgment Day Gesellschaft beschreibt, in der die Jugend etwa zum Überleben trainiert wird, anstatt wie in den "guten alten Tagen" deren sich noch mancher erinnern kann eine klassische Schulbildung erhält. Statt einem "oberflächlichen" Actionadventure widmet sich Zahn auch so Frage, wie sich der Widerstand Munition und Waffen beschafft und deutet an wie der verwundete John Connor als letzter Überlebender der Widerstandshierarchie nun zur fernen doch inspirierenden Symbolfigur avanciert, seit das Oberkommando in Skynets Falle getappt sein Ende gefunden hat.

- Resümee -
Im Vergleich zu Greg Cox wirklicher Terminator 4 Vorgeschichte COLD WAR ist auch TRIAL BY FIRE eine leider viel zu kühle und spannungs- wie actionarme Geschichte, die sich mit Nebencharakteren in einem beschaulichen Setting viel zu gemächlich voranbewegt. Ganz im Gegenteil dazu, wofür der Name Terminator einst stand.


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