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Rezensionen verfasst von
Mario Pf. (Oberösterreich)
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Lockdown: Star Wars (Maul) (Star Wars - Legends)
Lockdown: Star Wars (Maul) (Star Wars - Legends)
von Joe Schreiber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Darth Maul in seinem Element, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Waffenhändler Iram Radique ist ein Mythos, doch einer der sehr wohl real sein soll. Genau deshalb hat Darth Sidious seinen persönlichen Attentäter und heimlichen Schüler auf die Spur des geheimnisvollen Waffenhändlers gesetzt, der sich in einem Hochsicherheitsgefängnis versteckt halten soll. Als Häftling getarnt muss Maul auf seiner Mission allerdings ohne Gebrauch der Macht auskommen, um seine Deckung nicht zu gefährden. Eine simple Aufgabe für den ausgebildeten Killer? Wäre da nicht das einträgliche Nebengeschäft der Gefängnisdirektorin, die ihre Häftlinge auf Leben und Tod gegeneinander antreten lässt, um diese Kämpfe live an gut betuchte Klienten in der gesamten Galaxis auszustrahlen...

~ Third Strike? ~

Joe Schreiber hat sich als Autor im Star Wars Franchise zwar scheinbar etabliert (sonst wäre er nie bis zu seinem dritten Roman gekommen), doch auch viele harsche Kritiker gemacht. Ich selbst ließ ihm beim Erstling Death Troopers noch vieles durchgehen, was er in Red Harvest noch schlimmer zu Papier brachte, doch das ist die Vergangenheit, wie auch das Expanded Universe in welchem alle drei Geschichten spielten.

Entsprechend gering waren zumindest meine Erwartungen an diesen Roman und man möge mir die ganzen persönlichen Erklärungen in diesem Absatz verzeihen, aber ich möchte gerne erklären wieso es überhaupt zu dieser Rezension kam, was ja durchaus ein Pro oder Con für Interessierte sein kann.

Schreibers Romane besaßen bereits in der Vergangenheit immer eine Neigung sich irgendwo anzulehnen, da war ein Event(?) mit Zombiesturmtruppen im MMORPG Star Wars Galaxies, das auf Death Troopers folgte und Red Harvest versucht sich an das nächste Star Wars MMO The Old Republic anzugliedern, indem es eine Sith-Akademie auf Odacer-Faustin etablierte (die als Name eines PVE Servers verewigt wurde, ehe dieser im Sommer 2012 stillgelegt wurde). Lockdown hingegen versucht sich an den erfolgreichen Darth-Maul-Arc aus der TV-Serie The Clone Wars und James Lucenos aus der Kontinuität gestrichenen Roman-Meisterwerk Darth Plagueis anzulehnen und das auf eine etwas widerspenstige Weise. Einerseits hat man zeitweise versucht Lockdown als Beiwerk zu Plagueis zu inszenieren, dann aber schnell gegengesteuert, um den Roman bloß nicht als Fortsetzung zu Plagueis erscheinen zu lassen, da Schreibers Werk diesem Vergleich nicht einmal ansatzweise stand hält.

Warum nach zwei Enttäuschungen überhaupt noch einen Roman Schreibers lesen? Weil Darth Maul darin die Hauptrolle einnimmt!

Als Fan des Maul-Arcs in TCW und überhaupt der Fan-Überlegungen, ob Cyborg-Maul nicht ein besserer Widersacher für die Episoden II-III gewesen wäre als Count Dooku (Cyborg+Droiden, würde passen, auch als Vorspiel auf Vader) war ich doch plötzlich geneigt mir Lockdown zu kaufen.

~ Zur Story und zum Inhalt ~
WARNUNG: DIESER ABSATZ KANN VERUNGLIMPFEND WIRKEN

Schreiber mal lesbar, dass ich das dann noch erleben durfte war es vielleicht sogar wert. Man darf sich zwar immer noch keinen Stil wie aus der Feder James Lucenos erarbeiten, denn Joe Schreiber bleibt dem Stil eines Joe Schreiber treu, doch das stört diesmal viel weniger. Die mangelnden Charaktermomente werden einfach dadurch ausgeglichen, dass Schreiber sich gefühlte 90% der Zeit mit Darth Maul beschäftigt.

Natürlich ist das Rätsel um Iram Radique etwas, das manche Leser vielleicht schon von vornherein erraten haben dürften. Doch wer sich auf die Story einlässt und beginnt den Hinweisen zu folgen, der wird tatsächlich feststellen können, dass da eine bemerkenswerte Spannung verborgen ist. So präsentiert uns Joe Schreiber gleich eine ganze Reihe Verdächtiger, die allesamt der mysteriöse Iram Radique sein könnten, der Häftling und Vater, der Häftling der einem alles besorgen kann oder doch das Tech-Genie, welches die Computersysteme des Gefängnisses wartet?

Die Suche nach Radique treibt die Story voran und Mauls Beweise seiner Kompetenz als Sith-Schüler verleihen ihr zusätzlichen Pepp. Endlich erfahren wir, was für ein Sith Darth Maul wohl geworden wäre, hätte er auf Naboo nicht versagt. Maul der Gangsterboss oder Maul der Kriegsherr, der mit seinen Kriegerhorden die Galaxis unterwirft. Die Anlagen dazu weist der junge Maul in Lockdown bereits vor.

Schreibers Maul wiederum spricht und denkt nun deutlich mehr als vor über 10 Jahren noch Michael Reaves Shadow Hunter. Im Kern sieht man aus heutiger Sicht doch, dass es ein und dieselbe Person ist, die Kontinuität zwischen Maul vor 10 Jahren und Maul nach TCW durchaus gegeben ist. Und Maul bleibt faszinierend. Maul noch einmal auszugraben mag von Beginn an angefeindet worden sein und immer noch vielen Prequel-Gegner Munition über Jar Jar Binks hinaus liefern, doch die Möglichkeit Mauls Charakter auch Jahre später noch einmal zu ergründen wurde genutzt und das ist auch gut so, weil spannend und guter Gesprächsstoff. Dass mittlerweile mehr über Maul geschrieben wurde als Dooku ist wiederum ein Fehler, der sich nach dem Reboot der extracineastischen Ausläufer des Franchise ja noch beseitigen lässt. Ein Count Dooku-Roman von James Luceno... oh bitte ihr mächtigen Macht-Geister. Nach einem bereits angekündigten Tarkin-Roman DAS Buch auf das ich hoffen würde.

War Maul in Shadow Hunter praktisch der fleischgewordene Terminator, ist er in Lockdown weit menschlicher. Maul will seinem Meister gefallen, er ist loyal und missionsorientiert. Dieses Maul-Bild vom noch weniger ambitionierten Maul passt zum stummen Killer aus Shadow Hunter und Episode I, sowie dem bereits gesprächigen Maul aus der vierten und fünften Staffel The Clone Wars.

Joe Schreibers Idee eines Gefängnisses als Austragungsort eines illegalen Fight Clubs erinnert besonders findige Leser vielleicht sogar an eine Folge aus Das A-Team (Staffel 1, Folge 4, Pros And Cons, dt. Titel: Auf Leben und Tod).

~ Resümee ~

Stilistisch einfach gehalten, doch für Schreibers Verhältnisse ein fast schon zahmer Roman. Wer mehr über Darth Maul lesen möchte ist hier richtig, mehr über ihn erfahren lässt sich jedoch kaum. Der Roman baut die Figur Mauls nicht wirklich aus, die Basics kennt man bereits aus Film und Serie. Ein Buch auf das man nun durchaus verzichten kann und als Schreiber-Skeptiker vielleicht auch sollte. Doch es ist Darth MAUL und zumindest leistet einem Joe Schreiber noch den Gefallen, die Geschichte simpel, spannend und actionreichen belassen zu haben. Keine Offenbarung, nicht einmal ein gutes Buch oder eine gute Darth Maul-Story, doch bei der nicht vorhandenen Auswahl ist zumindest das schon besser als nichts (3,5 Fäuste für ein MTFBY).


Lost Tribe of the Sith: Star Wars: The Collected Stories (Star Wars: Lost Tribe of the Sith - Legends)
Lost Tribe of the Sith: Star Wars: The Collected Stories (Star Wars: Lost Tribe of the Sith - Legends)
von John Jackson Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,20

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Star Wars meets Foundation, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
~ Rolltext ~

5000 Jahre vor der Schlacht um Yavin tobt der Große Hyperraumkrieg in der Galaxis. Das antike Sith-Reich hat mit einem Überraschungsangriff der Republik den Krieg erklärt. Doch dieses Imperium der dunklen Seite ist nicht frei von internen Konflikten und die Offensive droht bereits ins Stocken zu geraten. So hat der regierende dunkle Lord, Naga Sadow, die beiden Bergbau-Schiffe Omen und Harbinger entsandt eine wertvolle Fracht an Kristallen an sich zu bringen, die den Krieg zu Gunsten der Sith entscheiden könnte. Doch nicht alles verläuft nach Plan...

~ Der Inhalt ~

Lost Tribe of the Sith: Precipice
Lost Tribe of the Sith: Skyborn
Lost Tribe of the Sith: Paragon
Lost Tribe of the Sith: Savior
Lost Tribe of the Sith: Purgatory
Lost Tribe of the Sith: Sentinel
Lost Tribe of the Sith: Pantheon
Lost Tribe of the Sith: Secrets
Lost Tribe of the Sith: Pandemonium

Der Lost Tribe of the Sith umfasst alle neun jemals geschriebenen Kurzgeschichten über den Lost Tribe of the Sith. Die zunächst als Tie-in zum Auftreten des Lost Tribe in der Buchreihe Fate of the Jedi gedachte Kurzgeschichtenreihe entwickelte vielleicht auch dank des Autors John Jackson Miller (bekannt für seinen Roman Kenobi, die Comicserien Knights of the Old Republic und Knight Errant) ein gewisses Eigenleben, die in einem eigenen Comic und einer neunten Kurzgeschichte mündete. Noch einige Zeit vor dem Disney-Deal scheiterte das Projekt jedoch genau an diesem Wechsel vom Medium E-Book in das Comicprogramm und endete mit dem ersten und einzigen Comic-arc Spiral.

~ Kurzer Abriss des Inhalts ~

Ohne allzu viel zu spoilern: Precipice beginnt mit genau jener verhängnisvollen letzten Mission des Kreuzers Omen, der zum Absturz des Schiffs auf dem vom Rest der Galaxis abgeschnittenen Planeten Kesh führt. Dort müssen sich die Schiffsbrüchigen schnell damit abfinden, dem Planeten aufs erste nicht entfliehen zu können und beginnen ihre eigene Gesellschaft zu errichten, die eines Tages ihren rechtmäßigen Platz in der Galaxis einnehmen will. Doch der Weg ist weit und neben feindseligen Eingeborenen sind die Sith selbst ihr größter Feind, der Aufstieg des Verlorenen Stamms verläuft nicht ohne Zäsuren.

~ Zum Inhalt ~

Der Verlauf der Kurzgeschichten lässt sich grob in drei Epochen teilen: Gründung, Krise und Reformation. Erleben wir zuerst den Überlebenskampf der Crew und den Aufstieg der Korsin-Dynastie erfahren wir auch früh genug vom potentiell zweischneidigen Schwert, dessen sich die Sith bedienten, um ihren Herrschaftsanspruch gegenüber den eingeborenen Keshiri zu rechtfertigen - sie stellen sich als die mystischen Beschützer aus der Keshiri-Überlieferung dar. Doch genau diese Legende und ihre Verbindung von Beschützern und Zerstörern könnte die Sith auch als die Zerstörer erscheinen lassen.

Autor John Jackson Miller (JJM) bedient sich bei seiner Erzählung eines episodenhaften Stils, der wie manch andere Konzepte aus dem Star Wars-Franchise kundigen Lesern des Science Fiction-Meisterwerks Foundation ein Begriff sein dürfte. So sind es auch in der Geschichte des Tribe Seldon-Krisen die erzählt werden und den Weg für das jeweils nächste Kapitel bereiten. Doch anders als im SciFi-Klassiker ist Großlord Korsin I. kein Hari Seldon und der Tribe bleibt an vielen Scheidewegen sich selbst überlassen.

~ Die Charaktere ~

JJM war und ist Minimalist. Als ehemaliger Comicautor versteht sich Miller vorwiegend darauf durch subtile Andeutungen Charakterzüge darzustellen, die allerdings oft genug überlesen werden können. Es ist diese Andeutung, dass da etwas zwischen den Zeilen zu lesen sein wird und der Ansporn die eigene Fantasie einzusetzen, anstatt nach dem schnöden geschriebenen Wort zu gehen, die jedoch mit dem Interesse des Lesers entweder steht oder fällt. Kurzum, je nach Lesart wird man Millers Charakterzeichnung entweder als oberflächlich oder Interesse erweckend verstehen.

Allzu tiefgründige Überlegungen seiner Charaktere darf man von Miller jedenfalls nicht erwarten, der Anspruch von Lost Tribe of the Sith ist ein ganz anderer als etwa der eines George R.R. Martin im Song of Fire and Ice. Miller hingegen folgt mehr in den Fußstapfen eines Isaac Asimov, der seinen Protagonisten in den Foundation-Kurzgeschichten, die später zum Roman zusammengefasst wurden, auf den auch wieder einige Sequels und Prequels folgten, auch wenig tiefgründiges mit auf den Weg gab. Asimovs Charaktere waren geschaffen, um ihren Weg zu gehen und meist so zu handeln wie es der große Plan für sie vorsah. Millers Charaktere handeln da nicht anders, doch der Schreibstil ist halt ein anderer. Millers Stil entwickelt sich erst im Verlauf der Story dorthin, wo man ihn Jahre später in seinem Kenobi-Roman vorfinden kann, nämlich zu seiner Blüte.

~ (K/M)ein Votum ~

Millers Wagemut auf den Spuren eines der ganz großen des Genre zu wandeln und sich allerlei möglicher Kritik willig auszusetzen ist bewundernswert. Ebenso wie das Endresultat, welches im Franchise zu meinem Leidwesen bis dato keine Nachahmung gefunden hat. So wie Asimov zur Foundation inspiriert wurde weil er sich mit Edward Gibbons 'History of the Decline and Fall of the Roman Empire ' beschäftigte ist vielleicht auch Millers Geschichte über den Aufstieg des verlorenen Stamms vielleicht trotzdem eher etwas für jene Leser, die mehr geschichtlich als an Abenteuergeschichten interessiert.

Weil meine Lektüre bereits einige Zeit zurückliegt und sich mir keine herausstechenden Makel an diesem Werk im Gedächtnis erhalten haben, bin ich als Rezensent durchaus positiv gestimmt. Doch zugleich hat der Autor John Jackson Miller einen eher wenig markanten Eindruck bei mir hinterlassen. Wenn zwar die Begeisterung für das Konzept und die Leistung hängen bleibt, doch das Werk an sich weder noch sehr positiv oder negativ hervorsticht ist eine Höchstwertung in meinen Augen doch nicht gerechtfertigt. Eine ausgezeichnete Idee (5 Sterne), gut umgesetzt (4 Sterne), doch sonst bleibt wenig in Erinnerung (3 Sterne, Mittelmaß - move along) - ergibt in unbestechlicher Berechnung 12 von 15 Punkten und 4 Sterne.

~ Eine Art Nachwort ~

Eigentlich war es nicht meine Absicht eines Tages doch noch einmal eine Rezension abzufassen. Doch das Expanded Universe mit dem ich als Star Wars-Fan aufgewachsen und vertraut geworden bin ist tot. Legends sind Mythen, Lügen denen mancher immer noch anhängt. Rein praktisch ist jene Welt mit der man bis 2014 vertraut war nun nicht mehr Star Wars und steht fast auf einer Stufe mit Fan Fiction. Dennoch hat man bereits vollmundig verkündet aus diesem toten nunmehrigen Paralleluniversum (der Disney-Aufkauf hat Star Wars nun auch in dieser Hinsicht Marvel ähnlicher gemacht) auf Jahre noch manche Edelsteine abbauen zu wollen. Das erspart es den Autoren, die nun das EU praktisch neu verfassen, allzu viele Dinge neu erfinden zu müssen. Stattdessen erwarten uns unzählige befriedigende wie unbefriedigende Reboots bereits bekannten Materials.

So wie man George Lucas und anderen Science Fiction-Schöpfern vorwerfen mag, sie hätten etwa bei ihren Vorgängern abgekupfert (man bedenke nur einmal die ganzen Inspirationen die Lucas selbst aus Isaac Asimovs Foundation bezogen haben dürfte), wird sich jeder künftige Autor in diesem Franchise den Vorwurf gefallen lassen müssen, sich bei seinen direkten Vorgängern bedient zu haben. Was in der unkanonischen Ära gut gelang wird sich wohl früher oder später eines solchen Reboots erfreuen dürfen, wie wohl auch der Lost Tribe of the Sith.

~ Resümee ~
Von Trantor bis nach Terminus - pardon, von Coruscant bis Tatooine eines der interessantesten multimedialen Projekte aus den letzten Jahren des Expanded Universe. Ruhe in Frieden und möge die Macht mit dir sein.


Crucible: Star Wars (Star Wars - Legends)
Crucible: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Troy Denning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Expanded Universe kehrt in den Schmelztigel zurück, 9. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In Folge der finalen Auseinandersetzung und Enthüllung um die Macht-Entität Abeloth hat Großmeister Skywalker zehn Jedi-Ritter auf die Suche nach dem heiligen Gral aller eingeweihten Machtanwender entsandt - den geheimnisvollen "Planeten" Mortis. Mit der Wiederentdeckung Mortis würde Luke darauf hoffen auch den Dolch von Mortis zu finden, mit dem es eines Tages möglich wäre Abeloth ein endgültiges Ende zu bereiten, sollte sie jemals zurückkehren. Doch zumindest einer der 10 Ritter ist vor geraumer Zeit von der Bildfläche verschwunden.

Währenddessen steckt Lando Calrissian mit seinem neuesten Projekt in Schwierigkeiten und hat die Solos um Hilfe und ein Treffen in einer Cantina gebeten. Doch anstatt Lando treffen die beiden dort nur den Asteroiden-Schürfer Captain Omag Kaeg an, der die beiden zwar in Empfang nehmen soll, aber derzeit über beide Ohren in Spielschulden steckt, was eine Gruppe Mandalorianer auf den Plan ruft...

CRUCIBLE hat es als das chronologisch am weitesten in der Zukunft des Star Wars-Universums angesiedelte Buch nicht leicht. Einerseits droht mit Episode VII ohnehin ein sehr wahrscheinlicher Rollback der gesamten Geschichtsschreibung nach Endor, anderseits hat sich das EU in der Legacy-Ära ohnehin bereits weitest möglich von seinen Ursprüngen in den klassischen 3 Episoden entfernt. Entsprechend dieser Umstände lässt sich vielleicht auch verstehen warum die Rezensionen im Fandom zu gerade diesem Buch derart unterschiedlich ausgefallen sind. CRUCIBLE schwankt zwischen Verdammung und Lobpreisung und in dieser Tradition ist auch die vorliegende Rezension nur eine weitere, allerdings in Richtung einer Abrechnung mit dem EU der letzten Jahre (weil eben kein Buch sich mehr dazu eignet) und eben voluminös (was natürlich eine weiträumige Angriffsfläche bieten dürfte).

- Autor und Ära -

Als eine Art Vorwarnung für Leser, die aus dieser Rezension tatsächlich Informatives zu erhalten hoffen: CRUCIBLE ist in meinen Augen ein eher durchschnittlicher Troy Denning-Roman und das einer denkbar exponierten Stelle.

Es fällt also schwieriger als in den diversen Zyklen der Vergangenheit Probleme des Romans unter den Teppich zu kehren und als Enttäuschungen Empfundenes zu vergeben. CRUCIBLE kommt eine verantwortungsvolle Rolle zu, das Buch beendet eine Ära, die in den 90ern ihren Anfang nahm und das EU nach Endor zu dem machte was es bis jetzt war. Zugleich ist CRUCIBLE wohl das letzte Buch des "alten" EUs, welches von Episode VII aus dem Kanon getilgt werden könnte. Grund genug also etwas melancholisch zu werden und Enttäuschungen Luft zu machen.

Troy Denning ist nicht unbedingt einer der großen Stars unter den im Star Wars-Universum verewigten Autoren, er ist kein George R.R. Martin des EU, sondern eher ein John Grisham oder Stephen King. In diesem Sinnbild wäre er ein Massenautor, regelmäßig in den Neuerscheinungen eines Jahres vertreten, aber selten wirklich herausragend, dafür eben immer dabei. Genauso wie jeder Fan seine eigene Auffassung von Star Wars hat (war diese früher wohl noch enger mit Raumschlachten verbunden, dominieren durch die Prequels und The Clone Wars in jüngeren Fan-Generationen die Gleichsetzung Star Wars=Lichtschwerter und Jedi-Ritter), schafft sich auch jeder Autor in diesem Universum eine eigene Interpretation des Kriegs der Sterne. Troy Denning kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu, den kaum ein Autor hat dieses Universum in einer Ära derart geprägt wie Denning, der seit STAR BY STAR (2001) und THE NEW JEDI ORDER in jedem der großen Nach-Endor-Zyklen vertreten war. Denning brachte Anakin Solo um, schuf die Barabels, die Killiks, führte Alema Rar auf die dunkle Seite, brachte Jagged Fel zurück ins Spiel und belebte Raynar Thul wieder. Die Wieder- und Weiterverwertung dieser Charaktere und Themen hat durch Dennings Involvierung in LEGACY OF THE FORCE und FATE OF THE JEDI zwar ein beinahe ungekanntes Ausmaß an Kontinuität gewährleistet und Denning sicher auch eine loyale Fangemeinde verschafft, dennoch auch mindestens genauso viele Fans wieder gestört. Überlagert wurde Unmut mit Denning während FATE dann vorwiegend durch die üblichen Fan-Unstimmigkeiten zu einem ganz anderen Thema: Karen Traviss und ihre noch weit stärker und störender ausgeprägte Vorliebe für die Mandalorianer, obwohl die Autorin damit nur ihren Job ernst nahm, immerhin hatte sie auch damit begonnen und war dafür ausgewählt worden eine mandalorianische Sprache als Star Wars-Gegenstück zum Klingonischen zu schaffen.

Traviss ging, Golden kam und mit ihr holte man sich gleich eine dritte Inkarnation der Sith in die Erzählung, diesmal sicherheitshalber einen ganzen Planeten. Die Legacy-Ära ist reich an solchen Themen, die sich perfekt für den Ausbruch des einen oder anderen Flame Wars eignen. Die Bücher verkauften sich trotzdem, weil es Star Wars ist und Markenloyalität wohl auch die Qualität trumpft.

Schlussendlich ist CRUCIBLE das was man aus der Vergangenheit erwarten hätte sollen, ein Denning-Roman in der Legacy-Ära. Das mag nun nach einem stupiden Urteil klingen, doch es soll zumindest eines vermitteln, weder hat sich Denning um einen besonderen Stil bemüht, noch der Ära einen wirklichen Schlussstrich verliehen. Die Geschichte ist derart in sich abgeschlossen wie Tatooine Ghost, beinahe wie ein Epilog zu APOCALYPSE.

- Der Kreis schließt sich = zurück zu den großen Drei -

Womöglich DIE tragende Idee hinter CRUCIBLE war wohl auch im aktuellen "Zeitalter der Ungewissheit" die zumindest temporäre Rückkehr der großen Drei einzuleiten. Immerhin, wer weiß schon welche Eigenkreationen der SW-Autoren die Animationsserie REBELS und Episode VII überleben werden. Mehr noch als CRUCIBLE beschäftigen sich vor allem die EMPIRE AND REBELLION Romane mit den großen Drei in ihren besten Jahren.

Die Ära in der das große Abenteuer Lukes, Leias und Hans spielt ist angesichts der Konzeption der Geschichte fast egal. Eine Gemeinsamkeit mit dem letzten anderen Standalone-Roman der Nach-Endor-Ära, SCOURGE. Man könnte durch das Streichen einzelner Charaktere bzw. ihrer Umbesetzung (etwa Bens in Kyp Durron oder Vestara Khai in eine ehemalige Jüngerin des Imperators) sogar in die frühen Tage des neuen Jedi-Ordens und der damaligen neuen Republik zurückkehren, wäre nur der Abeloth-Bezug nicht.

- Nebendarsteller -

Die definitive Nummer 1 unter den Nebendarstellern ist selbstverständlich Lando Calrissian, der es auch diesmal versteht seine alten Freunde in ein unerwartetes und lebensbedrohliches Abenteuer zu stürzen, das über das Schicksal der Galaxis entscheiden könnte. Allzu viel Charakterentwicklung sollte man von Lando allerdings ebenso wie von den großen Drei nicht erwarten, müssen sie doch komme was wolle ihrer Schablone treu bleiben.

Mehr Freiheit genießt Troy Denning da schon bei seinen Eigenkreationen wie Savara Raine, Dena Yus oder Omad Kaeg. Während Captain Kaeg als Prospector einem jungen Han Solo ähnelt, sich genauso wie Solo in Spielschulden verstrickt hat, nun von Mandalorianern verfolgt wird und alles für sein Schiff tun würde, werden uns Yus und Raine schon früh als Persönlichkeiten mit möglicherweise ganz eigenen Agenden vorgestellt. Nebenbei darf man sich auch auf ein Wiedersehen mit Tahiri Veila, Ben Skywalker und Boba Fetts Enkeltochter Mirta Gev freuen.

- Schurken -

Die Zielsetzung des Romans setzt CRUCIBLE auch kreative Grenzen, es geht darum den Mortis-Handlungsstrang abzuschließen. Und das in einem Standalone-Roman der sich nicht hinter möglicherweise abfallenden Spannungslevel der restlichen 8 Bücher einer Serie wie LOTF verstecken kann. Das Problem mit "solchen" Romanen kennt man vielleicht noch aus Vor-iPhone-Zeiten, der Bantam-Ära in den 90er-Jahren. Ob nun die Darksaber-Krise, das Auge Palpatines, die Umtriebe Lord Hethrirs, Seti Ashgads, der Ssi-ruuk oder Kuellers - sie alle mussten den geneigten Lesern schon damals etwas bieten, damit der Einzelroman nicht einfach übergangen wurde.

Mit den Qreph-Brüdern hat Troy Denning nun zwei Bösewichte aus dem Hut gezaubert die in keiner Beziehung zu früheren Bedrohungen stehen, welche schon einmal die Galaxis heimsuchten. Ein weiterer Aspekt der CRUCIBLE zeitlos wirken lässt, wenn man wie bereits erwähnt nur einige der Umstände und Charaktere des Buchs umgeschrieben hätte. Keine Killiks, keine imperialen Verbindungen, kein Kontakt zu den Yuuzhan Vong oder Putschisten aus den Rängen der Galaktischen Allianz. Die Qrephs kamen aus dem Nichts, besitzen keine Machtfähigkeiten und sind höchst unpolitisch. Die Qrephs sind gewissermaßen die dunkle Seite eines Lando Calrissian, hochintelligente, doch auch rachsüchtige und skrupellose Geschäftsleute mit einer Mission. So etwas hatte man ja noch nicht, andererseits ist die Bemühung "böser Geschäftsleute" auch ein frisch aufgetautes Phänomen der Jahre nach 2008. Huttenkartell war gestern, Wirtschaftskartell ist heute.

Wäre der Ansatz die Qrephs als neureiche und skrupellose Aufsteiger darzustellen für sich genommen ja noch innovativ, so ist er dann doch weniger geeignet in einem Star Wars-Umfeld die nötige Bedrohung darzustellen und Luke Skywalker vs. The Wall Street klinge zwar reisserisch, aber für die Mehrheit der Leserschaft eben auch zu öde. Also verleiht man den beiden Columi zum ihrer Rasse inhärenten Genie-Status auch Charakterzüge von klassischen Superschurken.

An der Seite der Qrephs profiliert sich unterdessen eine mysteriöse Savara Raine, eine Machtnutzerin die sich weder als Sith noch Jedi bezeichnen lässt und somit nach fast einem Jahrzehnt permanenter Rückkehren der Sith als frisch abhebt. Derart ungebundene Machtnutzer, die nicht im Konflikt zur Prophezeiung um den Auserwählten stehen würden sind jedoch überaus rar. Der Grund dafür ist eine Lucas-Direktive, dunkle Jedi wegen ungenauer Beschreibung (was denn ein dunkler Jedi ist) rauszuhalten. Im Zweifel heißt böse+Machtanwender also Sith. Ein schlechtes Omen für Raine, die als Beraterin für die Qrephs fast deren Sicherheitschefin Mirta Gev den Rang abläuft wenn es um taffes Auftreten geht. Doch wie das mit Machtanwendern fern der hellen Seite eben so ist, auch Raine hütet ein dunkles Geheimnis und ihre ganz eigene Agenda.

Schon Raines Name lässt vielleicht bei manchem Fan wie mir die Hoffnung reifen, dass nach all den auf Eis gelegten Romanprojekten der nächsten Jahre eine Fortsetzung Drew Karpyshyns DYNASTY OF EVIL ihren Weg ins Romanprogramm finden könnte.

- Stärken und Schwächen -

CRUCIBLE ist... ein zumindest von meiner Warte aus typischer Denning. Ein Schlussstrich, allerdings unter jene 22 Romane und Geschichten die mit dem ersten Band von DARK NEST ihren Anfang nahmen. Doch ein eher kleinformatiges weniger episches Abenteuer wie sie in den letzten 8 Jahren anfielen. Der Rahmen ist familiärer und darauf beschränkt den Handlungsbogen um Mortis fortzuschreiben, abzuschließen und einfach um einen Schlusspunkt hinter APOCALYPSE zu setzen.

Für diese Aufgabe war Troy Denning vielleicht nicht der richtige Autor, doch aus Offiziellen-Sicht war er als Verfasser der Schlussromane von LOTF und FOTJ geradezu prädestiniert. Dennings besondere Stärke lag immer schon darin etwas mehr in den metaphysischen Bereich der Macht einzutauchen und uns einige Aspekte dieses Mysteriums Macht auch zu erklären. Davon ist in CRUCIBLE zumindest für meinen Geschmack eher wenig zu spüren.

- Abschweifungen -

Warum hat man es als Fan überhaupt soweit kommen lassen? Warum liest man Romane eines Franchise, das eher von lieblosen Auftragsarbeiten als interessanten oder zumindest kultigen Werken dominiert ist? Weil es Star Wars ist. Unter diesem Credo liest man von den jüngsten Umtrieben der bisweilen dritten Rückkehr der Sith, wie man sich auch eine Lieblingsserie ansehen würde, die ihre Glanzzeiten eher schon hinter sich gelassen hat. Natürlich es gibt auch gute und schlechte Episoden, doch ergibt sich diese Unterscheidung nicht mehr aufgrund qualitiativer Merkmale sondern persönlicher Vorlieben für bestimmte Plots und Charaktere. Warum Qualität keine Rolle mehr spielt? Weil sich im Rahmen mancher Serien einfach nicht mehr allzu viel an der Qualität drehen lässt, ein CBS-Drama ist etwa keine HBO-Serie die mit Millionenbudget gedreht werden kann wie ein ehrgeiziger Spielfilm. Das Expanded Universe als Serie reicht nicht oft an ein Hochglanzprodukt wie Game of Thrones oder Rome heran, dafür fehlt auch schon die Existenz einer energischen personifizierten Triebkraft. In Serien sind dies nicht selten einflussreiche Produce, in Filmen meist die Regisseure und in Büchern die Autoren. Star Wars als Roman-Zyklus ist ein Gemeinschaftswerk mit all jenen unerfreulichen Facetten die Allmende-Güter eben zu bieten haben. Zugleich hat bis jetzt jede Fan-Generation ihr eigenes Star Wars entdeckt, waren das zu Beginn doch noch öfter tollkühne Piloten und Rebellen, wurde das Phänomen mit den Prequels verstärkt auf Jedi, Sith und Lichtschwerter heruntergebrochen. The Clone Wars fügte diesen Kernbegriffen dann nur noch neue Facetten hinzu. Dieser Wandel schlug sich unweigerlich im EU nieder. Die X-Wing-Romane gerieten in Vergessenheit, die Jedi Academy entsprach nicht mehr dem Bild des Frischbluts in der Fan-Gemeinschaft. So wandelte sich Lukes Orden etwa immer mehr in ein Abziehbild seines Prequel-Vorgängers.

Ist es gut, dass es nun zu einem Neustart kommt? Womöglich. Immerhin, wird die Geschichte der weit entfernten Galaxis mit Episode VII zum Teil auf eine Stunde 0 zurückgesetzt haben alle bisherigen und neu hinzukommenden Fans die Chance die Entwicklung dieser neuen Ära aktiv mitzuerleben. Nur CRUCIBLE wird damit eben überflüssig, wie wohl auch zig andere Romane.

- Resümee -

Als ein Lackmustest für die Entwicklungen des EU der letzten Jahre ist CRUCIBLE meiner Meinung nach nicht in der Lage das "Ende" des Roman-EU mit einer Erlösung zu besiegeln. Wäre der Roman aus seiner Ära herausgelöst und für sich hingestellt, er würde wohl in der Liga eines Tatooine Ghost spielen. Ein mittelmäßiger Roman an einer Stelle, die zumindest nach etwas mehr als Mittelmaß verlangt hätte.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2014 12:17 PM CET


Scourge: Star Wars (Star Wars - Legends)
Scourge: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Jeff Grubb
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,80

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein unsicherer Jedi Meister, eine kesse Schmugglerin und die Jagd nach einem mysteriösen Spicelord, 7. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich hätte Jedi-Ritter Toro Irana für den Jedi Orden mit Popara the Hutt über die Koordinaten einer Route durch die Indrexu Spirale verhandeln sollen, doch in einem Anfall mörderischer Rage läuft der junge Jedi auf Makam Te Amok und stürzt aus dem Fenster eines Restaurants. Toros Amoklauf hat jedoch Konsequenzen und auf diplomatischen Druck hin entsendet die Neue Republik Jedi Meister Mander Zuma, um zu ermitteln was Toro zugestoßen ist und auch um dessen Mission fortzuführen.

Doch Mander Zuma ist alles andere als das Musterbeispiel für einen der neuen Jedi Meister. Als einer der ersten Schüler Tionne Solusars hat Mander den Weg eines Jedi Archivisten gewählt, auch da er weder sehr elegant im Umgang mit einem Lichtschwert ist, noch weil er sich bedingungslos auf seine Machtfähigkeiten verlassen traut. Auf gewisse Weise ist der Meister somit viel unsicherer als sein verstorbener Schüler, dessen Tod Mander schnell Rätsel aufgibt. Zwar war Toro durchaus keiner der emotional kühleren Jedi, doch ein Wutausbruch wie auf Makam Te erscheint auch seinem alten Meister unwahrscheinlich. Und tatsächlich, irgendetwas scheint Toro verändert zu haben. Eine seltsame spice-artige Substanz könnte für Toros Ableben verantwortlich sein. Doch nicht nur Mander sondern auch Toros Schwester, die pantoranische Schmugglerin Reen Irana und ihr Co-Pilot, der Bothan Eddey Be'ray, sind an der Verschwörung hinter Toros Tod interessiert. Gemeinsam beschließen die drei daher auf Nar Shadaa die Verhandlungen mit Popara the Hutt fortzuführen, einem der scheinbar wenigen gerechten Hutten. Doch ihre Ermittlungen und Schützenhilfe für Popara und dessen Sohn Mika bringen die drei schnell ins Visier eines mysteriösen Spicelords, der für die Verbreitung des mit katastrophalen Nebeneffekten belasteten Tempest-Spice verantwortlich ist...

Nach bzw. neben den großen Kriegen, Krisen und Katastrophen der Trilogien und längeren Zyklen der letzten Jahre hat sich im Expanded Universe auch eine Reihe von Standalone-Romanen und weniger epischen Mehrteilern etabliert, die sich auch hin und wieder mehr oder weniger neuen Charakteren abseits der großen Drei zuwandten. Coruscant Nights, Shadow Games und die beiden Jaden-Korr Romane haben bewiesen der Held muss nicht immer ein Galaxien rettender Skywalker oder Solo sein. Sogar Timothy Zahn höchstselbst schlägt in diese Kerbe, indem er mit seinem nächsten Star Wars Projekt Han Solo, Lando, Chewie und eine Reihe alter und neuer Bekannter in einen Oceans 11-Plot verstrickt. Weg vom großen, hin zum kleineren Drama. Und das angenehme daran, diese mehr abseits gestellten Romane lassen sich auch schon mal getrost überlesen, aber auch mehr genießen. Sie tragen selten zum Voranschreiten der großen Geschichte der weit weit entfernten Galaxis bei, sind aber schon mal humorvoll, reflektiv und kratzen an sonst nie gestellten Fragen. SCOURGE entspricht nun ganz diesem Trend, soweit man überhaupt man überhaupt von einem sprechen kann.

SCOURGE ist eine Art Wiederaufleben der Tradition der Star Wars-Kurzgeschichten, in denen sich die Autoren auch gerne mit aus den Star Wars-Rollenspielen stammenden Charakteren und Plots beschäftigten. Auch diese beschritten schließlich Pfade abseits vom großen Geschehen und der Skywalker-Dynastie. Grubbs Hutt/Spice-Roman basiert sogar direkt auf dessen Rollenspiel-Szenario TEMPEST FEUD (2002), in dem es galt den auf einem unter Blockade durch die CSA stehenden Planeten gestrandeten Mika the Hutt zu retten. Mit einer Empfehlung von Troy Denning (dem Mastermind hinter so vielen Star Wars Zyklen der letzten Jahre) hat es Grubb nun geschafft sein Rollenspielszenario in Romanform zu adaptieren und flugs in die Ära der späten Neuen Republik verlegt, in der es ja ohnehin eher wenig Literatur gibt.

Dass Grubb seiner Lektionen als Autor gelernt hat merkt man bereits an der Öffnung mit einem Knall. Grubb zeigt Toro in der Endphase seiner Tempest-Sucht und schon bevor überhaupt der Name der Droge einmal aufkommt, ihre verheerende Wirkung. Der junge Jedi verliert völlig sein emotionales Gleichgewicht und findet sich auf einem selbstzerstörerischen Pfad aus Aggression und Zorn wieder, der wie wir wissen, normalerweise eine Einbahnstraße auf die dunkle Seite darstellt. Grubb mag zwar allgemein mehr mit Philosophie und Metaphysik (in Bezug auf die Macht und den Jedi Orden) geizen, doch der Autor spielt hier durchaus interessant mit dem "Fall" eines jungen Jedi Ritters.

Was folgt ist weniger eine Macht-lastige Erzählung über den Willen der Macht, ein Zuflüstern durch den Verstorbenen oder der Versuch alte Star Wars-Klischees/Archetypen wie Ben Kenobi zu beschwören, sondern Jeff Grubbs konsequent ausgeführter Ansatz seine Geschichte mehr "realistisch" zu erden. So tritt Toros Meister zunächst eher als eine Art im Außendienst unwohl fühlender mönchischer Charakter. Mander Zuma wird uns durchaus clever als typisch anmutender Vertreter von Lukes erster Generation der neuen Jedi vorgestellt. Spät zur Macht gekommen, bei weitem nicht so sehr mit ihr im Einklang wie die jüngere Generation und eben ein Archivar, der nur deshalb einen jungen Jedi ausgebildet hat weil es dem Orden noch an Meistern mangelte. Doch auch Mander hat seine Qualitäten. Mehrsprachig, intelligent und gelehrt, wenn auch kein ausgebildeter Diplomat, so doch eine gute Wahl mit einem Hutt zu verhandeln und Ermittlungen anzustellen.

- Die Hutten -

Auch im weiteren Verlauf der Geschichte greift Grubb auf bewährte Erfolgsrezepte zurück. So präsentiert er die Hauptcharaktere zunächst allesamt halbwegs sympathisch und stellt sogar die Anjiliac-Hutts als positivere Abkömmlinge ihrer Spezies dar. Anstatt großer Reichtümer hat sich Popara the Hutt lieber Loyalität gesichert, immerhin ist seine "Familia" eher eine der mittleren bis kleineren Hutt-Familien und mit Syndikaten wie dem Jabbas kaum konkurrenzfähig. Bei seinen Söhnen fühlt man sich jedoch mehr an "Der Pate". Auf der einen Seite der huttischere Zonnos, dem die Skrupellosigkeit seiner Artgenossen mehr liegt, auf der anderen Seite der Michael Corleone der Familie - Mika, der verhätschelte jüngere Sohn, der Poparas gemäßigten Wesen entspricht. Smart, Basic sprechend und hilfsbereit ist Mika jedoch auf Endregaad gestrandet, das mittlerweile unter Quarantäne durch die CSA steht. Verständlich, wenn sich die beiden Brüder nicht unbedingt lieben und Zonnos das geringste Problem damit hätte wenn Mika dort verbleiben würde. Doch Popara hat auch eine "Adoptivtochter", Vago, ehemals aus einer von Popara vernichteten rivalisierenden Hutt-Familie stammend ist sie gewissermaßen die rechte Hand des ältlichen Huttlords geworden. Auch wenn Popara schwört er würde nicht mit hartem Spice, wie Temepest dealen, was man ihm sogar glaubt, irgendjemand mit Verbindungen zu seinem Haushalt scheint es zu tun.

Der mysteriöse Spicelord könnte jeder der drei jüngeren Hutten sein. Doch der Schurke bleibt für lange Zeit im Dunkeln und tritt nur in Szenen als verschleierter Auftraggeber für seine Mittelsmänner und Söldner in Erscheinung. Allerdings bleibt es dem Leser überlassen zu spekulieren wer der Spicelord ist. Jeff Grubb gibt sich wenig Mühe bei Begegnungen mit den Hutten Verdachtsmomente zu beschwören. In manchen Augen durchaus eine Schwachstelle des Buchs. Im Rückblick wird so manchen die Auflösung dann auch deshalb enttäuschen, weil es so wenig Hinweise gab oder man eine elaboriertere Variante vermutet hätte. Dabei lässt sich ohne zu spoilern behaupten, Jeff Grubb hat durchaus ein ausgefallenes Finale für SCOURGE bereit, wenn er es logischerweise auch nicht allen recht machen kann.

- Die Helden -

Weniger ist mehr, mag ein Ratschlag gewesen sein, den sich Jeff Grubb auch aus einem Creative Writing Workshop mitgenommen hat und ein von seinen Fans gefeierter Autor wie Drew Karpyshyn immer wieder gerne vorexerziert. Anstatt erschöpfenden Beschreibungen über Hintergrundgeschichte und Gedankenwelt von Charakteren lieber subtile Anspielungen und dafür eine geringere Seitenzahl, damit die Handlung (als Aneinanderreihung von Action- und Spannungsszenen) mehr zum Tragen kommen kann. Nur allzu viel ist in dieser Hinsicht auch nicht gerade los. Mit der Konzentration auf das "wichtige" und essentiellere kommen auch die mehr kritisierbaren Aspekte zum Vorschein.

SCOURGE verfügt ja über vier nicht zu vernachlässigende Protagonisten, die allesamt interessante Aspekte zu bieten haben. Die ältere Schwester, die ihren Bruder zwar nicht so gut kannte, aber dennoch nicht einfach so gestorben lassen sein will, ihr vielseitiger Co-Pilot, der Held wider willen und eine CSA-Offizierin, die über ihren Schatten springen muss, um zu einer weiteren helfenden Hand zu werden. In dieser Gruppendynamik entsteht zwar hin und wieder ein heiterer Moment oder mehr, aber Aklänge an die großen Drei oder die Konstellationen der Michael Reaves-Romane (Coruscant Nights, Shadow Games) sind eher gering. Die Chemie ist leider nicht ganz so ideal.

Reen mag etwa der Prüfstein für Manders Selbstzweifel sein, doch ihre Rolle bleibt ebenso wie die ihres Chewbaccas Eddey eher auf die Unterstützung des Helden beschränkt. Anders sogar die tatsächliche Nebencharakterin Angela Krin, die eine deutlich erkennbarere Entwicklung durchläuft. Man sollte sich allerdings keine Illusionen machen, der Held und einzig wahre Protagonist ist am Titelbild zu erkennen und heißt eben Mander Zuma. Nur macht es einem Mander eben auch nicht so einfach mit ihm mitzufiebern. Der zunächst eher trockene Archivar pflegt Zweifel wie die eines unsicheren Padawans. Auch Paul Kemp hat mit CROSSCURRENT Jaden Korr als einen von Selbstzweifeln geplagten Jedi-Ritter vorgestellt, nur zweifelte der nicht an seinem Skillset, sondern der Rolle der Jedi überhaupt, die zu diesem Zeitpunkt Komplizen der Galaktischen Allianz im Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg gewesen waren und moralisch unsicheren Grund beschritten. Wo sich Korr durchaus reizvoll der Frage stellte was es bedeutet ein Jedi-Ritter zu sein, stellt sich Zuma gewissermaßen die Frage ob er als Jedi im Außendienst überhaupt geeignet ist.

- Resümee -

Für meinen Geschmack ist SCOURGE zeitweise einfach zu lau. Es ist zwar angenehm nach vielen Jahren wieder einmal einen SW-Roman in Händen zu halten, der durch die Star Wars-Rollenspiele inspiriert wurde und im Grunde eine ganze Palette von erfolgversprechenden Zutaten enthält. Selbstzweifelnde Jedi die über den Verlauf einer Geschichte endlich mit sich ins Reine kommen gab es in den letzten Jahren aber auch einige. Zayne Carrick in den Knights of the Old Republic Comics beispielsweise, dem es als Padawan sogar noch mehr an Selbstvertrauen fehlte als einem Mander Zuma. Oder eben Jaden Korr, der sich zwar seiner Fähigkeiten bewusst, aber etwas tiefsinniger mit der Frage beschäftigte was einen Jedi nun überhaupt ausmacht. In beiden Fällen spielte sich die persönliche Unsicherheit allerdings vor dem Hintergrund eines größeren Konflikts der jeweiligen Ära ab, während der unverbesserliche Pechvogel Zayne durch die Mandalorianischen Kriege stolperte, rang Jaden Korr mit den Folgen des letzten Krieges und der Rolle der Jedi-Ritter in diesem. SCOURGE und Mander Zumas Reise hätten jedoch von der Alten Republik bis 40 Jahre nach Endor angesiedelt können, wie das RP-Szenario auf dem das Buch eben basiert. Da fehlt schon mal etwas.

Was an SCOURGE bemängelt werden kann ist die Art und Weise wie der Roman von seiner Ära loslösbar ist. Er fügt im Grunde nichts hinzu oder erklärt das vielseitige Universum, in dem sein Roman spielt. Die Corporate Sector Authority (CSA) tritt zwar hier erstmals seit langem in einer entscheidenden Rolle wieder auf (das letzte Mal spielte sie eine derartige Rolle in den fast schon antiken Han Solo-Romanen Brian Daleys), bleibt jedoch auf ihre Rolle als farblose überbürokratisierte paramilitärische Polizei beschränkt.

- Etwas persönliche Meinung -

Für meinen Geschmack ist SCOURGE einfach zu lau. Die Zutaten für einen soliden Spannungsbogen sind vorhanden, aber das ganze wirkt für mich zu sehr nach einem Malen nach Zahlen. Es fehlen schlichtweg "die" Innovationen, großen Momente und dramatischen Szenen. Ich würde sogar noch soweit gehen meine Unzufriedenheit mit Mander Zuma als Protagonisten darauf zurückzuführen, dass er nur ein weiterer selbstzweifelender Jedi Ritter ist und im Grunde kaum herausragende Eigenschaften mitbringt, die man an seinen Ordensgenossen in den letzten 20 Jahren nicht schon bestaunen durfte - zu farblos. Und die interessant angelegten unterstützenden Charaktere reißen das Ruder auch nicht rum. Im großen und ganzen blieben meine Erwartungen da deutlich enttäuscht zurück. Wer damit etwas anfangen kann, SCOURGE erinnerte mich an einen der schwächeren Romane Troy Dennings.

Fazit:
Ein mittelmäßiger Star Wars-Roman, der Potential für mehr ausgewiesen hätte.


Apocalypse: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
Apocalypse: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
von Troy Denning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen (K)ein Weltuntergang, 16. Mai 2012
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- Vorsicht, es folgen Spoiler aus ASCENSION -

Kurz sah es so aus als würde sich das Schicksal der Galaxis zum besseren wenden, doch dann betrat Abeloth die Bühne der galaktischen Politik und nach kurzer Zeit regiert sie, mit dem Lost Tribe als willigen Werkzeugen, von Coruscant aus eine krisengebeutelte Galaktische Allianz. Doch während Abeloth ihre Tentakel von Corusant aus selbst in den imperialen Raum ausstreckt und den Machtkampf zwischen Daala und Jagged Fel zu beeinflussen beginnt, sind die Jedi mehr als gewillt mit aller Härte zurückzuschlagen. Unterstützt von Admiral Nek Bwua'tu planen sie der Machtergreifung der Sith und Abeloths mit Gewalt ein Ende zu setzen. Eine letzte Schlacht muss geschlagen werden...

Schon das Ende von ASCENSION geriet nach einem durchaus vielversprechenden Auftakt zu einer Farce. Mit aller Gewalt wurden die vielversprechenden Entwicklungen ins Negative verkehrt, ein hoffnungsvoller neuer Staatschef kurzerhand wieder ermordet und die 5000 Jahre in Abgeschiedenheit lebendenden Sith des Lost Tribe zu Meistern der Infiltration erklärt, die nun praktisch alle wichtigen Machtpositionen der GA besetzt halten. Allzu viel Logik sollte man nun von APOCALYPSE daher auch nicht mehr erwarten. Und Troy Denning tut dazu sein übriges indem er über Abeloth noch eine Verbindung zu den Celestials, alias, Vater, Tochter und Sohn herstellt (die heilige Dreifaltigkeit der neuen reformierten Star Wars-Mythologie). The Clone Wars lässt grüßen und die Rolle Anakin Skywalkers als vermeintlichen Auserwählten wird einmal mehr in Frage gestellt.

- War der Ärger vorprogrammiert? -

FATE OF THE JEDI war eine Reihe mit ihren Hochs und Tiefs, allerdings in den Augen dieses Rezensenten eine mit besserer Balance als noch LEGACY OF THE FORCE. Doch auch das Finale von FATE tritt nun in LEGACYs Fußstapfen, nach einigen durchaus großen Momenten steht einmal mehr Troy Denning vor der Aufgabe diese über acht Bände erzählte Geschichte in einem glorreichen Finale aufgehen zu lassen... und verwandelt APOCALYPSE wie INVINCIBLE in einen überlangen Epilog. Es passiert was halt noch passieren muss, aber richtig Schwung kommt nicht mehr hinein. Auch weil Christie Golden in ASCENSION bereits eine Überleitung geschaffen hat die die wichtigsten Entwicklungen schon vorhersehbar machte.

Blicken wir auf FATEs Entwicklung zurück sehen wir einen lauen Beginn, einen wendungsreichen Mittelteil, aber nicht wenige Logikprobleme und nun ein krampfhaft vom Happy End abgerücktes Finale. Meinte mancher Leser wärhend ASCENSION vielleicht noch nun ergäbe alles plötzlich Sinn was seit DARK NEST geschehen ist, APOCALYPSE ruiniert diesen Enthusiasmus endgültig. Von 21 aufeinander aufbauenden Romanen seit dem Ende der wirklich apokalyptisch angelegten NEW JEDI ORDER-Reihe stammen nicht weniger als 9 aus der Feder Troy Dennings, dessen Einfluss unverschweigbar in DARK NEST, LOTF und FOTJ erkennbar ist. Und Denning hattte immer so seine Lieblinge, wie Raynar Thul und andere Charaktere "seiner" DARK NEST-Trilogie. Mit APOCALYPSE wirft Denning die Galaxis auf einen Stand wie vor bzw. während DARK NEST zurück. Mochte man diesen 21 Büchern seit Ende der NJO-Ära also noch Bedeutung zumessen, in APOCALYPSE geht die Hoffnung unter, dass dieser Mega-Zyklus mehr war als nur ein Wiedergänger vergangener Bantam-Zeiten. Selbst die One Sith feiern am Ende noch einen kurzen Gastauftritt, auch wenn das weitere Schicksal des Lost Tribes, Jagged Fels und Tahiris neuermals offen bleibt.

So sehr FOTJ zeitweise mit Querverbindungen zu John Ostranders kultigen LEGACY-Comics begeistern konnte, Troy Denning tritt das alles scheinbar wieder in die Tonne. Die diversen Transformationen, der Rückzug des Jedi Ordens nach Ossus ausgenommen, werden plötzlich wieder aufgehoben. Dabei war es Denning der am Ende von DARK NEST Luke zum Großmeister aufsteigen und den Jedi-Rat wiederauferstehen ließ. Und es war auch dieser Troy Denning der Jag Fel am Ende von LEGACY OF THE FORCE zum imperialen Staatschef kürte. Am Ende hängt das Schicksal der Galaxis seit DARK NEST nun am Leben und Erfolg Allana Solos, die auch in FATE OF THE JEDI noch kurzerhand zum Zentrum des Konflikts erkoren wird.

- Troy Dennings Eigenheiten -

Schon seit STAR BY STAR und nicht zuletzt ABYSS gehört Troy Denning zu den momentan aktiven Star Wars Autoren die sich immer auch gerne ein wenig mehr mit der metaphysischen Seite der Macht beschäftigten. Da sollte es nicht überraschen wenn er Abeloth nun genauso wie die Killiks und ihre einstigen Dienstherren, die Celestials aka Force Wielders, unter einem Buchdeckel zusammenbringt. Die Killiks sind immerhin die einstigen Arbeitssklaven der Erbauer gewesen, welche Centerpoint, Sinkhole Station, den Maw und das Corellia System erschufen. Also auch für die Inhaftierung Abeloths auf ihrem Planeten verantwortlich waren. Um mehr über diese Verbindung zu erfahren entsendet man neben den Ex-Joinern Lowbacca und Tekli gerade auch Raynar Thul, dessen Weg vom UnuThul zum alten Raynar kein gerade leichter war. In einigen der vorigen Romane durfte er sogar wieder sein Lichtschwert schwingen und Kenner der Young Jedi Knights-Romane sich freuen, dass auch Raynar endlich seinen Weg zum Stammcast der Legacy-Ära gefunden hat, wobei seine Freundschaft zu Wynn Dorvan ungenutztes Potential für eine Nebenhandlung versprach.

- Fortsetzung folgt? -

Das Schicksal der Killiks lässt bereits das schlimmste vermuten - einen weiteren Schwarmkrieg vielleicht? So unwahrscheinlich wäre das nicht, immerhin hat man eine weitgehend befriedete Galaxis in LEGACY OF THE FORCE in ihren zweiten Galaktischen Bürgerkrieg gestürzt und wenn selbst Darth Caedus und Admiralin Daala noch fröhlich mit ihrer Anti-Jedi-Politik und sogar einer Belagerung des Tempels durchkommen konnten, dann ist wohl alles erlaubt, egal wie einfallslos und ausgelutscht das für die müden Augen älterer Fan-Generationen wirken mag. Zum Zeitpunkt von APOCALYPSEs Veröffentlichung ist die Zukunft Nach-Abeloth jedenfalls ungewiss. Zwar gab es einst diese durchaus glaubwürdige Versicherung es würden nun mehr Trilogien und Einzelromane anstatt unbefriedigender Mega-Reihen folgen, doch eine Personalrochade im lucasschen Romanuniversum später kündigt die neue Dame auf Sue Rostonis Stuhl an, größere Reihen seien sicher eine Option. Wenn der Del Rey Verlag endgültig die nächste Verlängerung seines Star Wars-Lizenz erreicht hat werden wir es erfahren.

Unmittelbar wird FATE OF THE JEDI jedenfalls von Aaron Allstons MERCY KILL fortgesetzt, einen X-Wing-Roman der auf die rasch abgewürgte und in einigen Bänden gar nicht vorkommende Lecersen-Verschwörung Bezug nimmt. Wedge Antilles Tochter und die Wraiths inklusive, ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

- Das Positive -

APOCALYPSE steht für vieles was in den Augen treuer Leser in den letzten Jahren mit Star Wars-Romanen so falsch gelaufen ist und bleibt auch für sich genommen eher ein Kieselstein im Schuh als eine Perle. Um bei aller Enttäuschung noch positives zu finden ist guter Wille gefragt. Zumindest wird Jaina Solo endlich zur Jedi Meisterin erhoben und damit signalisiert, dass die ehemaligen Young Jedi Knights (sofern sie denn noch leben und die Gnade der Erwähnung finden) eigentlich die Fakel der ersten Jedi Generation (Luke Corran Horn, Kam und Tionee Solusar, Kyle Katarn, Kyp Durron) übernommen haben sollten. Tatsächlich ändert aber auch APOCALYPSE nichts an der Abkehr von diesem anfangs auch noch von Troy Denning mitgetragenen Trend (in STAR BY STAR und DARK NEST) die nächste Generation (die Young Jedi Knights alias Jacen, Jaina und Anakin Solo, Tenel Ka, Lowbacca, Tahiri, Raynar Thul, Tekli und Co.) aufzubauen. Die Führung des Jedi Ordens bleibt fast ausschließlich in Händen Lukes, gelegentlich assistiert von jeweiligen Autoren-Lieblingen wie Dennings Saba Sebatyne, aber der Jedi-Rat ist nachwievor mit Altlasten anderer Autoren (Corran Horn, Kyle Katarn, Kyp Durron) und gesichtslosen Unbekannten besetzt, die alle wenig beizutragen haben, vielleicht auch weil die meisten Autoren wenig mit ihnen anzufangen wissen.

Plötzlich ins Rampenlicht gerückt wird nun Allana, die ähnlich wie in Dark Nest einst ihr Großcousin Ben Skywalker als große Hoffnungsträgerin installiert wird. Angelegt ist der jüngste Spross der Skywalker-Dynastie durchwegs sympathisch, tierlieb wie Jacen Solo, sturköpfig wie ihre Großeltern Han und Leia, ganz die heranwachsende Kriegerprinzessin die man sich als Enkelin einer Leia erwarten würde. Setzt der nächste um die Großen Drei und Anhang aufgebaute Zyklus auch wieder nach einem Zeitsprung an könnte man im nächsten Abschnitt der LEGACY-Ära die Geburt Fels II., ein Wiederaufeinandertreffen des gestandenen Jedi-Ritters Ben Skywalker mit Sith Lady Vestara Khai und die Lehrjahre der künftigen Jedi-Königin Allana erleben. Wer wohl ihr Meister bzw. viel wahrscheinlicher ihre Meisterin werden würde? Allana verspricht einiges von dem Potential das von wenigen Zyklus-Autoren der letzten Jahre genutzt wurde. Sie ist gewissermaßen die Reinkarnation der Solo-Kinder, der Young Jedi Knights und auch der erzählerisch auf eine Nebenrolle reduzierten Prinzessin Leia. Wahrscheinlich würde ihr weiteres Schicksal allerdings fest in der Hand Troy Dennings bleiben, wenn auch eine Autorin wie Christie Golden, die mit Vestara Khai schon interessante Arbeit geleistet hat, vielleicht doch die bessere Wahl wäre einen starken weiblichen Charakter zu porträtieren.

Neben der heimlichen Heldin der Reihe (Allana) und der oft leider marginalisierten Jaina Solo ist Ben Skywalker an der Seite seines Vaters in FOTJ nun durchaus groß eingeführt worden und im EU als Charakter angekommen. Sollte sich ein Autor doch eines Tages dazu durchringen können Luke wie es schon Paul S. Kemp wagte vom Immerinvolvierten zur grauen Eminenz im Hintergrund zu machen, kann Ben dessen Rolle perfekt ausfüllen und ließe sich sogar flexibler einsetzen als sein Vater. Schon jetzt erfüllt Ben die Rolle Anakins bzw. Jacen Solos, des Teenagers in den Fußstapfen Luke Skywalkers, nur dass er im Gegensatz zu den beiden Solos in den NJO-Romanen noch immer im Schatten Lukes steht.

Eine etwas andere "Lichtgestalt" ist zweifellos Vestara Khai, die entfernt ein wenig an eine unverbrauchte Lady Lumiya erinnert. Von Beginn an bewies Vestara das Potential sich von der Agentin der Sith zu einer Heldin zu wandeln, doch auch für sie geht die Geschichte nicht ganz so aus, wie es ihr lieb gewesen wäre und sie landet zwischen den Stühlen. Gerade was das von Ship in ihr gesehene Potential betrifft dürfte Vestara noch Größeres bevorstehen.

APOCALYPSE mag das Happy End fehlen, doch nicht die Verheißungen auf Künftiges das kommen könnte. Gerade mit dem eher offenen Ende und einigen "Rückschlägen" bietet sich eine offene Zukunft an, wie man sie zuletzt nach 19 Bänden NEW JEDI ORDER erleben durfte. Die Hoffnung, dass mit Allana Solo jedenfalls eine Ära relativen Friedens am Horizont zu sehen ist, ehe eines fernen Tages Roan Fel und die One Sith der Galaktischen Allianz das Messer in den Rücken rammen, ist lebendiger denn je. Auch die Bewusstwerdung, dass es neben dem Lost Tribe noch andere Sith geben könnte und ob es zu einer Allianz des Sith-Clans mit Krayts Kultisten kommen wird, würde Stoff für den einen oder anderen Roman bieten. Interessant bleibt natürlich der Hintergrund des künftigen Krieges mit Krayts Sith: ob die Jedi zu Zeiten eines Kol Skywalker um die Existenz von Krayts Sith wussten, also bereits einige Jahrzehnte mit diesen aneinander geraten sind und welche Entwicklungen die Djo-Solo-Dynastie durchlaufen hat.

Würde man sich auf die Zersplitterung der Großreihen auf Einzel- und Mehrteiler konzentrieren, ließen sich diese potentiell interessanten Geschichten ja auch so erzählen und würden nicht unter der Last einer Menge zwangsläufig abzuhandelnder Nebenhandlungen erdrückt werden. Kurzum, dann würde selbstverständlich auch jeder Autor ohne schlechtes Gewissen mit explizit seinen Kreationen hantieren und begeistern dürfen.

- Das Negative -

Gegen Ende des Zyklus fühlt man sich wieder ein wenig zu sehr an die Probleme LEGACY OF THE FORCEs erinnert. Gerade Troy Denning beginnt wieder mit seinen Charakteren zu spielen und wie in INVINCIBLE (Band 9 und Finale besagter Vorgängerreihe) kann nach dem richtungweisenden Vorgänger ASCENSION gar nicht mehr allzu viel unerwartetes passieren. Ein paar Tode hier und diskussionswürdige Enthüllungen da vermögen zumindest etwas abzulenken. Das Bewegendste an APOCALYPSE ist das was rückgängig gemacht wird, sich daher eben nicht weiterentwickelt und zu einer unbefriedigenden Auflösung der Handlung führt. Zumal einem spätestens in ASCENSION ja auch klar gemacht wurde, dass dieser Riesen-Zyklus mit Troy Denning und DARK NEST begann und nun anscheinend wieder endet.

Gerade nachdem unter Dennings Federführung Lukes neuer Jedi Orden vom durch Kevin J. Anderson und Tom Veitch geprägten Konzept eines weniger doktrinären Ordens (wie in den TALES OF THE JEDI) abgebracht und in das Prequel-Korsett gezwängt wurde, kam es nicht überraschend, dass man auch die Anhänger der Potentium-Lehre (es gibt nur die Macht, keine helle oder dunkle Seite) wie Jacen Solo zu notirischen Sith-Adepten erklärte und doch bleibt Jedi Meisterin Saba Sebatyne für ihren praktisch kaltblütigen Mord an Kenth Hamner ungestraft. Ja es scheint sich nach einem Reihenauftakt mit einer Staatschefin die auf Popularitätswerte, Umfragen und Medienberichte schielte kaum einer mehr um den kurzerhand durchgeführten Staatsstreich zu kümmern, der im Gange ist.

Generell, am Ende von APOCALYPSE scheint nichts entschieden und alles nur vertagt zu sein. Vielleicht sollten sich der Fortführung all der losen Fäden dann doch lieber frische Autoren oder lange abstinente Star Wars-Größen annehmen. Ein wenig Abwechslung von Dennings erzählerischen Vorlieben (Hapes, Killiks, Allana Solo, Raynar Thul) und der Erdrosselung von Aaron Allstons einst kultigen Stil ist jedenfalls begrüßenswert.

- Von Mortis in den Maw -

Ob es wirklich sein musste, dass man gerade in der Post-Endor-Ära, deren Anhänger tendenziell weniger freundlich gegenüber vielem im Umfeld der Prequels gestimmt sind (insbesondere The Clone Wars), die Celestials als götterähnliche Wesen einzuführen ist eine Frage die man sich bei der Lektüre von APOCALYPSE lieber nicht gestellt hätte. Dennoch ist es nun einmal so, der Titel scheint daher sehr passend gewählt. FATE OF THE JEDI 9 ist durchaus ein Weltuntergang, nämlich für alle die mit der evangelikal angehauchten Idee einer Trinität der Macht zwischen Vater, Sohn und Tochter nichts anfangen konnten oder wollten. Diese Götter bzw. gottähnlichen Wesen sind zwar zum Zeitpunkt der Apocalypse schon tot, aber nun wird ihnen in der neuen Mythologie der Macht noch eine Botin des Chaos und Neubeginns zur Seite gestellt,zumindest nicht die irdische Discordia, Eris oder Pandora, sondern Abeloth, eine ehemals Sterbliche die in der Gegenwart der Celestials (die ohnehin ein wenig an Stargates Antiker bzw. Ancients und Ori erinnern) über ihre Ebene der Existenz hinausgewachsen ist und nach ihrem Sündenfall im Maw interniert werden musste. Durch diese Hinzufügung einer antik-mystischen Komponente zum Kanon mag man unter George Lucas handeigener Federführung zwar einen interessanten neuen Aspekt geschaffen haben, doch auch einen der so manchen Ärger schüren kann.

So ist es vielleicht an der Zeit auch ein wenig über die Mortis-Trilogie zu resümieren. Nach Dave Filoni war George Lucas stark in die Entstehung dieser TCW-Trilogie involviert, legte also zu keinem Zeitpunkt sein Veto dagegen ein. Und Mortis sollte ja generell mysteriös und undurchschaubar angelegt sein, so dass es am Ende keine definitiven Erkenntnisse geben sollte und die Zuschauer über vieles im Unklaren gelassen bleiben. Mortis sollte Dikussionsstoff bieten, etwas das die Fans zumindest wach hält, ob mit Ärger, Bewunderung oder Unverständnis. Doch Troy Denning spann diesen Gedanken weiter. FATE OF THE JEDI war schon geboren als die betreffenden Mortis-Folgen noch gar nicht gab, über die lange Laufdauer der Buchreihe kam es aber dazu, dass diese Idee nun auf dem Tapet landete. Man könne doch die mysteriösen Celestials der Bücher irgendwie mit Vater, Sohn und Tochter in Verbindung bringen. Denning tat es und ist damit vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus geschossen, hat er mit seiner Geschichtsstunde bei den Killiks trotz Hinweis auf deren Problem, nur schwer zwischen Fakt und Mythos unterscheiden zu können, Mortis doch einiges an Ungewissheit beraubt. Vater, Sohn und Tochter sind nicht länger irgendwelche Wesen, sondern DIE Schöpfer des Universums gewissermaßen oder in den Worten der Killiks, das was aus in die Macht Aufgestiegenen werden kann. Vom Machtgeist zurück zur körperlichen Form eines gottähnlichen Wesens? Moment das kennt man doch. Ja hier schwingt ein wenig eine der Ideen aus einem früheren Drehbuchentwurf zur heutigen Episode VI mit, nach der Obi-Wan Kenobi für ein finales Duell mit Darth Vader mächtiger als es sich dieser je vorstellen konnte durch die Macht neu manifestiert erscheienen wäre.

Denning greift also "nur" auf eine verworfene Idee aus George Lucas eigener Feder zurück und verbindet diese mit Dave Filonis Mortis-Trilogie. Ein Stück Star Wars Mythologie wurde also einfach nur vereinfacht und verschlankt, indem Celestials und Force Wielders durch Dennings Kunstgriff zu einer "Spezies" fusioniert. Und dank Jason Frys ESSENTIAL GUIDE TO WARFARE ist das ganze bereits einigermaßen Kanon, auch wenn die Option offen bleibt irgendwann durch einen Retcon die Celestials wieder von den Force Wielders zu trennen, immerhin behaupten die Killiks ja Vater, Tochter und Sohn wären das was Celestials "werden". Da fragt man sich unwillkürlich wo sind denn die Anderen und fühlt sich einmal mehr an Stargates "The Others" erinnert, die streng an ihre Regeln der Nichteinmischung glaubenden Aufgestiegenen, die Grenzgängern in ihren Reihen die Existenz schwer machen.

In Summe eine nette Idee, antike Mythologie meets Star Wars oder umgekehrt und so gibt es einmal mehr etwas zu diskutieren und philosophieren. Mit der Einführung von Quasi-Göttern die regelrecht über die Macht und ihren dualen Aspekt verfügen können aber auch ein krasser Stilbruch zum Konzept einer Macht wie wir sie aus den Filmen kannten, wobei Yodas Lehren von einer gesichtslosen Macht in Episode V auch aus dem Wissen heraus stammen können, dass die alten Götter tot sind und die Macht nun frei ist. So ist die Potentium-Lehre (Es gibt nur die Macht, die dunkle Seite ist keine separte Entität) nach Mortis plötzlich gar nicht mehr so falsch, ohne Sith wäre sie jedenfalls tragfähig für einen Jedi-Orden der nicht mehr endlos der dunklen Seite zugewandten Feinde bekriegen muss.

- Resümee -

Dass dieses Finale enttäuschend wird war schon nachdem Turnaround in ASCENSION relativ absehbar. Die Mühe davon noch etwas zu retten scheint sich Troy Denning erst gar nicht gemacht zu haben, stattdessen bringt er es noch zustande den Logiklöchern die Krone aufzusetzen und versucht seine Leser mit einer Verbindung zu den Celestials und der Mortis-Trilogie abzulenken, während am Ende vieles auf einen früheren Stand zurückgesetzt wird. Das ließe sich positiv wie negativ betrachten. Fakt ist, viele Handlungsstränge bleiben offen und bieten Raum für Fortsetzungen wie sie Aaron Allston mit MERCY KILL bereits 2012 bereits vorzulegen gedenkt. Nach allem Ärger über eigensinnige Charakternutzung durch die diversen Autoren und deren Neigungen gelegentlich fremde Handlungsstränge hintanzustellen ist es vielleicht besser wenn man in Zukunft die Damen und Herren jeweils ihre eigenen Romane schreiben lässt, anstatt sie in ein leidiges Gemeinschaftsprojekt zu zwängen.

Fazit:
Wohl einer der schlechteren Star Wars-Romane der letzten Jahre.


Terminator Salvation: Cold War
Terminator Salvation: Cold War
von Greg Cox
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vorgeschichte zum Film, 21. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Terminator Salvation: Cold War (Taschenbuch)
Das Merchandising zu Terminator Salvation wirkt im Nachhinein ein wenig chaotisch. Da ließ man Timothy Zahn ein Buch zum Film schreiben, das wenig bis nichts mit diesem zu tun hatte und die Vorgeschichte aus der Feder Greg Cox erschien erst einige Zeit danach. Wie auch immer das schief gelaufen ist, Cox COLD WAR ist "der" Terminator Salvation Roman. Während sich Zahns mittlerweile zwei Salvation Romane als überraschende Leisetreter entpuppt haben ist es der als Schriftsteller vermeintlich weniger renommierte Tie-in Autor Cox der in COLD WAR genau jene Mischung aus Action und Spannung + einen waschechten Terminator-Moment zu liefern versteht, die das Franchise ursprünglich ausgezeichnet haben.

Russland 2003. Ein Nuklearschlag der USA gegen russische Ziele zwingt Russland zum Gegenschlag und Captain Dimitri Losenko ist es, der mit seiner Crew den Gegenangriff auf Alaska durchführen soll. Die Mission wird ausgeführt, doch was nun? Die Erzählung springt in das Jahr 2018 wo eine von Molly Kookesh geführte Widerstandsgruppe Skynets automatisierte Minenoperationen in Alaska sabotiert wo sie nur können. Doch das Oberkommando des Widerstands unter der Führung General Ashdowns nimmt Milizen wie Mollys selten ernst und verschafft ihnen daher auch kaum Nachschub. Dennoch planen die Widerständler von Alaska einen großen Coup...

Auf der 2003er Zeitebene entpuppt sich COLD WAR als überraschend düstere Dystopie. Es ist die Welt nach dem Judgement Day die sich vor Captain Losenko und seiner Crew auftut. Albträume und Schuldgefühle quälen sie, der atomare Gegenschlag auf Alaska ist nicht psurlos an ihnen vorbeigegangen und als sie nach einem Monat wieder auftauchen gibt es keine neuen Befehle. Alle sind tot. Und John Connor, die Stimme aus dem Radio kann noch sehr wenige überzeugen. Selbst im globalen Widerstand weisen sich die Nationen untereinander die Schuld zu. Vorerst scheint Skynet vor einem menschlichen Gegenangriff sicher zu sein, man ist zu zerstritten und noch in Gedankenmuster der Welt vor dem J Day verwurzelt.

Die größte Hoffnung der Menschheit scheint tatsächlich John Connor zu sein. Nicht wegen überragender Fähigkeiten, sondern weil er sein in jungen Jahren schon angehäuftes Survival Wissen und bruchstückhafte Informationen über den Feind via Kurzwelle mit der Welt zu teilen bereit ist. Den Wert seiner Übertragungen erkennt man daran wie Mollys Widerstandszelle dieses Wissen tatsächlich anwenden kann und so den Widerstand am Leben hält. Wie konnte sich allerdings die reine Maschinenmacht Skynet nach dem J Day so leicht als globale Bedrohung durchsetzen? COLD WAR verrät es. Wohl durch seine Kontrolle der militärischen Nachrichtenkanäle dürfte sich Skynet eine Schar menschlicher Kollaborateure verschafft haben, die weltweit abgesetzt den Bau von Terminatorfabriken erzwingen konnten.

Der eigentliche Held des COLD WAR ist Dimitri Losenko, der schuldgeplagte Kämpfer, der mit eigenen Augen erkennen lernte was geschehen war und durch eine Fügung des Schicksals schließlich dort landen sollte wo man ihn in Terminator Salvation vorfindet, als zweiter Mann an der Seite des Widerstands-Oberkommandierenden General Ashdown. Der 2003 Handlungsbogen überrascht in seiner Dramatik und Tragweite, das hätte man von einem simplen Tie-in wohl nicht erwartet. 2018 sehen die Dinge schon etwas anders aus. Der J Day liegt hier schon über ein Jahrzehnt zurück und die Menschen kämpfen immer noch und solange sie kämpfen ist der Widerstand sprichwörtlich am Leben, ihr Überleben ist das eigentliche Ziel. Doch auch wenn man annehmen könnte dieser Handlungsbogen wäre jetzt vernachlässigt worden, 2018 verzichtet Greg Cox zwar etwas auf Dramatik, doch setzt umso mehr auf Action und Spannung. Wird es dem Widerstand in Alaska gelingen, Skynet ein Schnippchen zu schlagen?

Und 2018 erlebt man auch wie sich ein T-600 beschädigt und mit nur noch eingeschränkter Waffenkapazität aus einer Lawine befreit, um dem Widerstand in sein Nest zu folgen. Dabei kommt es natürlich früher oder später zu einigen wirklichen Terminator-Szenen, doch zunächst trifft der T-600 einmal auf einen Grizzly Bären - Terminator vs. Grizzly! Um dem Roman zumindest zeitweise so etwas wie einen Antagonisten zu geben, erlebt der T-600 seine Jagd aus seiner ganz eigenen Perspektive. Etwas das man sich von Timothy Zahns beiden Terminator Romanen vergeblich gewünscht hätte.

- Resümee -
Ein überraschend gut gelungener Terminator Salvation Tie-in, der die wirkliche Vorgeschichte zum Film enthält. Action, Spannung, Tragik und ein waschechter Terminator - alles da, was man sich vom Franchise wünschen würde.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2012 1:02 PM CET


Terminator Salvation: Trial by Fire
Terminator Salvation: Trial by Fire
von Timothy Zahn
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,40

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine fast beschauliche Feuerprobe, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In der Wildnis des postapokalyptischen Kalifornien stolpert Jik auf der Flucht vor einem Terminator vor sich hin. Doch woher weiß die Maschine seinen Namen und reagiert als wäre sie klüger als der übliche T-600? Und ist Jik überhaupt noch ein Mensch?

Währenddessen begräbt der Widerstand gerade seine Toten der letzten Auseinandersetzung mit Skynet. Barnes hat sich des jungen Kyle Reese angenommen und plant demnächst seinen toten Bruder bei der Radarstation zu beerdigen, wozu sich auch Blair Williams einlädt, der gegenüber Barnes noch immer offene Feindseligkeiten wegen ihrer Parteinahme für Marcus Wright hegt. Dort angekommen entdecken Blair und Barnes jedoch etwas in den Bergen, eine bisher unbekannte Siedlung anderer Überlebender...

TRIAL BY FIRE ist schon Timothy Zahns zweiter Terminator-Roman und gibt sich mit ein paar Anspielungen auch den Anstrich eines Sequels zu FROM THE ASHES. So wirklich ist es allerdings keine. Die Protagonisten sind Barnes, Blair, Jik und die Bewohner von Bakers Hollow. Angesiedelt ist das ganze freilich nach den Ereignisse von Terminator 4 und überraschenderweise ist der Roman eine Art Aufarbeitung eines verworfenen früheren Drehbuchkonzepts. Manch einer wird sich vielleicht noch erinnern dass Terminator 4 anfangs mit einem John Connor Slogan im Sinne von "Ich dachte ich kenne die Zukunft, doch diese ist anders" beworben wurde, damit es so aussah als wären die Karten neu gemischt worden und alles offen. Mit einer alternativen Zukunft spielten schon die Sarah Connor Chronicles und fielen dann der Absetzung zum Opfer. Schlussendlich wurde das vielfach überarbeitete T4 Drehbuch dann doch auf eine konventionelle Terminator-Zukunftsversion hingebogen, in der wieder "alles stimmt".

"Project Angel" wurde dabei verworfen. Was wäre wenn Skynet nämlich nicht versucht Maschinen wie den T-800 in Menschen zu verwandeln, sondern Menschen in Maschinen (womit sich Dr. Serena Kogan das Leben hätte retten können)? Der Cyborg Marcus Wright wäre dann der Prototyp gewesen. Diese Ankündigung verrät womöglich schon zuviel darüber wohin TRIAL BY FIRE steuert, aber es ist auch ein Grund diesem Roman überhaupt Aufmerksamkeit zu widmen.

Timothy Zahn mag zwar ein Hugo Awarad Gewinner und in Kreisen von Star Wars Fans legendärer Autor sein, doch seine Terminator Romane sind keine Glanzstunden in Zahns Karriere. Wie schon FROM THE ASHES liegt auch die Stärke von TRIAL BY FIRE in interessanten Ansätzen bei der Charakterzeichnung und der Schaffung einer authentischen Umwelt, nur leider ist der Plot wenig berauschend und man meint dass ein bisschen sehr wenig Herzblut in der ganzen Auftragsarbeit steckt. Was man wie schon in Zahns erstem T-Roman vermisst, ist eine immanente Bedrohung. Skynet wirkt einfach ständig absent und auch wenn die Terminator Bakers Hollow nahe kommen oder Jik jagen, es fehlt diese Faszination des Unvermeidbaren wie in den originalen Terminator-Filmen. Der Flair fehlt. Dabei würde man meinen gerade Zahn würde es verstehen eine künstliche Intelligenz von überlegenem Intellekt und strategischen Feingefühl inszenieren zu können. Er versucht es scheinbar nicht einmal. Und was soll man mit einem Terminator Roman ohne Action und mit viel zu wenig Spannung?

Das positive an TRIAL BY FIRE ist noch wie Zahn etwa die Post Judgment Day Gesellschaft beschreibt, in der die Jugend etwa zum Überleben trainiert wird, anstatt wie in den "guten alten Tagen" deren sich noch mancher erinnern kann eine klassische Schulbildung erhält. Statt einem "oberflächlichen" Actionadventure widmet sich Zahn auch so Frage, wie sich der Widerstand Munition und Waffen beschafft und deutet an wie der verwundete John Connor als letzter Überlebender der Widerstandshierarchie nun zur fernen doch inspirierenden Symbolfigur avanciert, seit das Oberkommando in Skynets Falle getappt sein Ende gefunden hat.

- Resümee -
Im Vergleich zu Greg Cox wirklicher Terminator 4 Vorgeschichte COLD WAR ist auch TRIAL BY FIRE eine leider viel zu kühle und spannungs- wie actionarme Geschichte, die sich mit Nebencharakteren in einem beschaulichen Setting viel zu gemächlich voranbewegt. Ganz im Gegenteil dazu, wofür der Name Terminator einst stand.


The Truce at Bakura: Star Wars (Star Wars - Legends)
The Truce at Bakura: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Kathy Tyers
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,80

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Endor nach Bakura - den Rebellen ist auch keine Verschnaufpause gegönnt, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Imperator und Darth Vader sind tot, der zweite Todesstern nur noch ein im All treibendes Trümmerfeld und die imperiale Flotte in alle Winder zerstreut - die Rebellen haben gesiegt! Doch damit fällt ihnen eine neue Aufgabe zu, die sich nicht einfacher gestaltet, denn der erst vor wenigen Jahren vom Imperium annektierte Planet Bakura ruft die imperiale Flotte um Hilfe an, nur haben die Rebellen diese eben vertrieben. Die Rebellenflotte ist zwar selbst angeschlagen, doch man beschließt als große Geste den Imperialen auf Bakura zu Hilfe zu eilen und somit einen ersten Schritt in Wiedererrichtung der Republik zu unternehmen, indem man sich als neue Schutzmacht anbietet. Unter dem Kommando Luke Skywalkers, mit der Rogue Squadron, dem Millenium Falcon und damit auch Han und Leia sollen die mysteriösen Angreifer auf Bakura zurückgeschlagen werden. Dort angekommen stellen die Rebellen zwar fest, dass die Imperialen durchaus bereit sind mit ihnen für die Dauer des Konfliktes einen Waffenstillstand einzugehen, die Bedrohung aber massiver ist als angenommen - eine Alien-Spezies aus den Unbekannten Regionen hat die imperialen Außenposten regelrecht überrannt und entführt die Überlebenden, um sie in einem brutalen Prozess in Energie für ihre Waffensysteme zu verwandeln...

Timothy Zahns Thrawn-Trilogie gilt als der Urknall der Bildung des Expanded Universe und Kathy Tyers TRUCE AT BAKURA war nichts weniger als der erste Star Wars-Roman nach Zahns THE LAST COMMAND. Schon Zahns Trilogie gab Themen und Agenden vor, die das EU in den 90er-Jahren unter der Lizenz von Bantam prägen sollten. Wird die Thrawn-Trilogie allerdings noch bejubelt und heute noch mit Kultstatus gefeiert, Tyers nicht weniger "prophetischer" Star Wars-Erstling scheint genau das Gegenteil zu sein, er wird wie viele andere Romane und Trilogien der "Bantam-Ära" unter den Teppich gekehrt. Aus gutem Grund? Tyers zeichnete schon 1993 ein Schema vor, das mitverantwortlich dafür ist, warum das EU nach dem Aufblühen mit Zahn bereits wieder viele Fans vergraulte.

- Eine kleine Geschichte des Expanded Universe -

Mit dem Sieg über und auf Endor schien der Krieg der Sterne gewonnen, doch Zahn legte das Fundament dafür, dass das Imperium danach eben nicht geschlagen, sondern in internen Konflikten zerstritten war. Dabei bewegte sich die Thrawn-Trilogie allerdings 5 Jahre in der Zukunft, Kathy Tyers hingegen sollte direkt an Episode VI anknüpfen. Ihr fiel nun die Aufgabe zu einigermaßen die Brücke zwischen dem großen Triumph und diesem langsamen Aufstieg der Neuen Republik zu schlagen, warum wurde dieser möglich? Tyers hat sich damals dem wohl noch unverbraucht anmutenden Konzept einer dritten Partei bedient, die in den Konflikt eingreift und die Rebellen zu einem Waffenstillstand mit dem überrannten Imperium zwingt. Und natürlich steht das Schicksal der gesamten Galaxis am Spiel. Nach diesem Konzept zogen diverse Autoren in den 90ern immer wieder Trilogien hoch, hier die bösen neuen aus dem Hut gezauberten Aliens, die die Welt bedrohen wie wir sie kannten, da Bürgerkriege und Krisen die nur noch sehr wenig mit dem klassischen Star Wars zu tun haben schienen. Kein Wunder, wenn sich Michael Stackpoles und Aaron Allstons, an die OT und George Lucas Faible für Pilotengeschichten angelehnte, X-Wing-Romane zu Kultwerken entwickeln konnten. Sie fingen noch am ehesten ein, was Star Wars vor den Prequels für viele war. Der Konflikt zwischen Imperium und Rebellen/Neuer Republik trat in den diversen Romanen in der Tradition Tyers stark in den Hintergrund, während jene die sich an Zahns Konzepten orientierten ohne diese kaum auskamen, aber auch andere Ideen Zahns weiterentwickelten (Schmuggler, den Wiederaufbau des Jedi-Ordens und anderes was man noch aus der OT abzuleiten pflegte). Der Gegensatz zwischen einer Beschwörung und Weiterentwicklung von Themen der OT und dem Beschreiten neuer Science Fiction-artiger Wege war also bereits 1993 geschaffen, im Jahr als nach THE LAST COMMAND eben TRUCE AT BAKURA erschien. Als Del Rey 1999 mit dem Buch zu Episode I die Lizenz für die Star Wars-Romane wiedererlangte (die Han Solo-Romane Brian Daleys und L. Neil Smiths Lando Calrissian-Trilogie waren samt den OT-Romanadaptionen und Alan Dean Fosters Splinter of Minds Eye einst noch bei Del Rey erschienen, ehe Bantam Spectra die Lizenz für Star Wars-Romane übernahm) startete THE NEW JEDI ORDER und damit eine 19bändige Reihe die sich von VECTOR PRIME (1999) an als ultimative Alien-Invasion und je nach Betrachtungsweise Abrechnung mit den Romanen der 90er-Jahre darstellte. Schon in Troy Dennings Dark Nest griff man allerdings wieder auf dieses Schema - überlegene bis dahin verborgene Spezies bedroht den Frieden in der Galaxis - zurück, nachdem man einige der unter Bantam geschaffenen Alien-Spezies von den Yuuzhan Vong sogar hat auslöschen lassen.

- Pro -

Tyers TRUCE AT BAKURA war der erste Schritt auf dem Weg hin zu einem shared universe, in dem sich Kurzgeschichte wie Romane und Comics schließlich vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Kontinuität abspielen sollten. Auch wenn Comics und Romane bis heute meist eher getrennte Wege gehen, gemeinsame "multimediale" Projekte wie der Knight Errant Roman zur Comicreihe oder Großbaustellen wie The Old Republic sind da fast schon wieder die Ausnahme. Tyers wählte genau jenen Ansatz den Zahn eben nicht verfolgte, sie versetzte ihre Handlung direkt in die Folge von Rückkehr der Jedi-Ritter und musste sich so schon einmal gar nicht so sehr damit beschäftigen ihrer Charaktere reifen zu lassen, sondern nur Luke und Co. dort abzuholen wo sie der Film zurückgelassen hat.

Und diese Übernahme aus dem Epilog aus Rückkehr der Jedi-Ritter klappt auch ganz gut. Kathy Tyers vermittelt ihren Lesern jedenfalls noch sehr deutlich das Gefühl dass das die Charaktere sind die man auf der Leinwand bzw. dem heimischen Fernsehschirm bestaunen konnte. Zumindest zunächst. Das Anknüpfen funktioniert ja noch sauber. Die Rebellen sind müde, noch siegestrunken, aber spüren deutlich die Verluste ihres großen Triumphs und die Aussichten, dass das Imperium wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt haben sich zerschlagen, die Republik wiederherzustellen wird noch ein harter und langer Kampf.

Soweit, so gut. Ähnlich konnte man die Folgen der Schlacht um Endor auch bei Zahn nachlesen. Doch anstatt die Rebellen nun gegen einen imperialen Vergeltungsschlag in die Schlacht zu werfen (was vielleicht an einige alte Star Wars Marvel Comics erinnert hätte) oder erste Planeten bei ihrem Aufstand gegen das Imperium zu befreien (was ein Vorgriff auf Michael Stackpoles X-Wing Comics gewesen wäre) wirft Tyers unsere Helden in die Schlacht gegen eine "noch größere, noch bösere" Bedrohung - die Ssi-ruuk! Was 1993 vermutlich noch frisch und neu wirkte, nicht wie ein verunstaltetes Crossover a la "Star Wars vs. Aliens". Trotzdem, so einfallslos die Idee heute auch wirkt, die darauf aufgebaute Handlung hat auch ihre Schokoladenseiten.

Auf Bakura müssen sich die Rebellen auf einen Waffenstillstand mit den dortigen imperialen Truppen einigen. Letztere sind natürlich auch nicht einfach bereit den Planeten aufzugeben und die wenig eindrucksvolle Task Force der Rebellen kann den imperialen Eindruck von den Rebellen als Terroristen und Piraten nicht unbedingt wett machen. Glaubwüridgkeit gewahrt. Ein Punkt für Kathy Tyers. Es kommt jedoch noch schlimmer. Das lange Zeit unabhängige Bakura wurde vor noch nicht einmal allzu langer Zeit annektiert, Sympathien zur alten Republik sind also wohl nicht vorhanden und der jungen Elite wurde gehörig das Gehirn gewaschen. So darf man aus Sicht der Einheimischen die heldenhaften Rebellen und Helden von Endor einmal als befremdliche Unruhestifter erleben, die man allerdings gut brauchen kann um die bevorstehende Invasion abzuwehren. Selbst die Jedi haben auf Bakura nicht den besten Ruf, dennoch entwickelt sich die junge Senatorin Gaeriel Captison für Luke schnell zum love interest, auch wenn sie zunächst als imperiale Kollaborateurin in Erscheinung tritt und das Stabilitätsversprechen des Imperiums lobpreist. Mit Captison verfügt Bakura jedenfalls schon von Beginn an über eine politische Hoffnungsträgerin für die Zeit danach, etwas das man in jüngeren Star Wars Romanen oft vergeblich suchen wird.

Ein Happy End kann es jedoch nicht für alle geben, Leia wird sich noch lange nicht damit abfinden können, dass Darth Vader ihr Vater war und auch eine Erscheinung des Machtgeists Anakin Skywalkers vermag sie nicht umzustimmen. Es sollte bis Troy Dennings TATOOINE GHOST dauern bis Leia mit sich und ihrer Familiengeschichte soweit ins Reine kommen konnte, dass auch sie Anakin Skywalker als Vater akzeptieren konnte.

- Contra -

Kathy Tyers mit Timothy Zahn zu verlgeichen mag unfair erscheinen, aber beide standen am Beginn der Expansion des Expanded Universe und stehen fast archetypisch für die zwei Trends ein, die in der Bantam-Ära dominieren sollten. Rebellen vs. Imperium und Rebellen vs. Aliens - stark vereinfacht ausgedrückt. Star Wars war vor den Prequels für viele eben der Kampf der Rebellen gegen das Imperium und beide Seiten genossen ihre Sympathien. Entsprechend etablierten sich Werke die stark mit dem Rebellen vs. Imperium-Sujet lange Zeit als die beliebteren (wie die Thrawn-Trilogie oder die X-Wing-Romane). Dennoch ging man immer wieder dazu über in Star Wars auch (heute) "klassische" Bedrohungen einzustreuen, im vorliegenden Fall eben "Seelenräuber", die nicht nur versklaven sondern Lebewesen wie Batterien aussaugen und mit ihren Lebensessenzen Droiden aus Billigproduktion betreiben. Ein Manko des Romans kann für viele also schon die Wahl der Antagonisten sein.

Im Vergleich, während Zahn mit Talon Karrde, den Rogues und Mara Jade Charaktere schuf die über seine Romane hinaus Bedeutung und Rollen erlangten, sollten Pter Thanas und Gaerial Captison erst in der Corellia Trilogie wieder in Erscheinung treten, Captisons Tochter sogar in einem NJO-Roman noch als politische Demonstrantin kurz Verwendung finden. Und wieder, der Vergleich mit der Thrawn Trilogie, mag unfair wirken, aber sollte auch eines klar machen, TRUCE AT BAKURA ist im Endeffekt ein Roman ohne Folgen. Der Waffenstillstand verblasste wieder, die Schlacht die hier geschlagen werden musste ist keine die man gelesen haben muss, sie hat nicht mehr Bedeutung als der Sturz eines der unzähligen Kriegsherren in den X-Wing Comics.

Mit allzu großen Besonderheiten will einen TRUCE AT BAKURA ja auch nicht in Erinnerung bleiben. Die Vertreter der "dunklen Seite" sind eine eher persönlichkeitslose Alien-Reptilienbrut, wie man sie aus diversen Serien und Filmen halt kennt. Nichts besonderes, leider. Denn meistens sind es herausragende Persönlichkeiten die als Personifikationen dieser Legionen des Bösen positiv in Erinnerung bleiben würden. Doch charismatische oder wenigstens gewiefte Schurken fehlen BAKURA. Die imperialen Bürokraten sind farblos geraten und auch der etwas begabtere Commander Pter Thanas ist kein Thrawn und das spiegelt sich schon an seinem bescheidenen Rang wieder.

Uninspirierte Schurken auf der einen Seite, die Großen Drei, eine Rebellin in spe und ein zu rettender Junge auf der anderen Seite. Potential hätte auch der machtsensitive Dev Sibwarra besessen, Sohn einer Ex-Padawan, von den Ssi-ruuk entführt und aufgrund seiner Machtbegabung als Medium bei ihrem Essenztransfer unverzichtbar. Doch Dev ist wenig mehr als ein Kind, das scheinbar am Stockholm-Syndrom leidend nicht erkennen kann was er tut und in seinen Szenen genau diese Perspektive eines willfährigen Hilfsmittels der Ssi-ruuk mimt.

BAKURA leidet an einem typischen Science Fiction-Problem, nämlich dem Bestreben mangelnde "Darstellerleistungen" durch "Spezialeffekte" zu kaschieren und damit eine nicht so fesselnde Handlung, uninteressante Charaktere und dergleichen zu überdecken. Was in den frühen 90ern vielleicht noch funktionierte, über 20 Jahre danach wirken die Ideen lange nicht mehr so zugkräftig die zeitlosen Makel zu übertünchen.

- Resümee -
TRUCE AT BAKURA ist kein Star Wars Roman den man gelesen haben muss. Er ist bestenfalls mittelmäßig (was erschreckend viel über die Durchschnittsqualität von Star Wars Romanen verraten könnte) und bleibt einem durch sehr wenig positiv in Erinnerung. Prädikat: Dutzendware. Kathy Tyers tut einem sogar noch den Gefallen, dass der Roman wenig weltbewegendes in das Expanded Universe eingebracht hat und tatsächlich ignoriert werden kann.


Dragon Age (Dragon Age 3)
Dragon Age (Dragon Age 3)
von David Gaider
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,20

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Sturm zieht auf, 21. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dragon Age (Dragon Age 3) (Taschenbuch)
Die Rebellion der Magier von Kirkwall hat in ganz Thedas zu einer neuerlichen Anspannung des Verhältnisses zwischen Templern und Magiern geführt. Gerade in dieser explosiven politischen Großwetterlage geht ein Gespenst im Weißen Turm in Orlais um und es mordet. Doch die Mordserie an Magieranwärtern lässt sich von den Templern nicht länger verbergen und allmählich erfahren auch die von der Außenwelt sonst abgeschnittenen Magier was vor sich geht. Doch ein Magier glaubt zu wissen wer hinter den Morden steckt und... landet mit dieser Erkenntnis selbst im Kerker, als ihn eine Templer zur falschen Zeit am falschen Ort erwischt.

Nun bietet sich für Rhys jedoch eine Chance dem Kerker und möglicherweise auch der Exekution zu entkommen, eine Heldin der letzten Verderbnis ist nach Orlais gekommen und hat den dortigen Zirkel der Magi um Hilfe ersucht. Wynne will jedoch nicht irgendeinen Magier für ihre Mission im Auftrag rekrutieren, sondern ihren Sohn - Rhys, eines der fähigsten Geistmedien des Zirkels. Doch die geheimnisvolle Natur des Auftrags Wynnes, der sie und ihre Begleiter in eine ehemalige Festung der Grauen Wächter führen wird ist auch dem Lord Seeker Lambert nicht entgangen, der nun die Kontrolle über die Templer des Weißen Turms inne hält. Um den des Mordes verdächtigen Rhys nicht aus den Augen zu verlieren und die Kirche vor wie auch immer gearteten Enthüllungen im Zuge von Wynnes Mission zu schützen, entsendet er Knight-Captain Evangeline mit auf die Reise. Doch neben ihr schließt sich auch die Magierin Adrian der Gruppe an und auch ein unsichtbarer Begleiter folgt den drei Magiern und der Templerin...

Im Endeffekt scheint Dragon Age 2 nur ein Lückenfüller gewesen zu sein und allzu viel gab die Story ja auch nicht her. Ein Aufstand brach los und die Templer tun sich seit jeher schwer ihre "Schützlinge" unter Kontrolle zu halten, nun versucht sich auch noch ein Magier daran die Göttliche Justinia V. zu ermorden und die Seeker of Truth übernehmen Führungspositionen innerhalb der Templer Kontingente, die in den Zirkeln stationiert wurden. Aus Dragon Age 2 weiß man, es kommt zum Krieg, nur in ASUNDER wirkt es so als wäre man noch einen großen finalen Akt davon entfernt. Autor David Gaider weiß natürlich bereits wie es mit Theads weiter laufen wird, immerhin ist er der Chefautor hinter den Dragon Age Games und Teil 3 harrt derzeit seiner pompösen Ankündigung, sicherlich weil man ein wenig von der Konkurrenz (Elder Scrolls V: Skyrim) eingeschüchtert ist. Es war auch Gaider der mit den vorangegangen beiden Dragon Age-Romanen stets einen Blick auf kommende Ereignisse freizugeben vermochte. THE STOLEN THRONE behandelte die Rebellion Fereldens und den Aufstieg Loghains, sowie dessen verräterische Veranlagung, THE CALLING präsentierte bereits den Architekten und stellte die Grauen Wächter mehr ins Rampenlicht. ASUNDER ist nun ein Dragon Agen Roman der nicht in der Vergangenheit spielt, sondern zwischen Dragon Age II und Dragon Age III.

Wenn es die Göttliche, die Kirche (Chantry) und den Spoiler am Ende von Dragon Age II betrifft darf natürlich Leliana nicht fehlen. Als Agentin der Göttlichen spielt sie in ASUNDER jedoch nur eine geringe Rolle. ASUNDER ist Wynnes große Stunde, denn immerhin ist ihr ihre zweite Chance im Leben für etwas bestimmtes geschenkt worden. Eine ähnlich knapp bemessene Rolle hat auch eine alte Bekannte aus THE CALLING erhalten, Fiona, die diesmal als Vorsitzende (Grand Enchanter) des Kollegiums der Ersten Verzauberer (First Enchanters) mit an Bord ist. Allerdings erst sehr viel später im Verlauf der Handlung. Zunächst fällt einmal auf dass David Gaider in ASUNDER neben Wynne noch einen dritten Dragon Age Origins Charakter aus dem Hut zaubert, den/die Golem Shale. Einige humrovolle Randbemerkungen sind also garantiert.

Rhys und Adrians Reise zur ehemaligen Grauen Wächter-Festung wird derweil für die beiden wie auch den Leser zu einem Augenöffner über die Probleme der Beziehung zwischen Templern und Magiern. Beide Fraktionen bestehen mehr oder weniger aus Menschen, mit menschlichen Bedürfnissen und Gefühlen, sonst wäre aus einer solchen Verbindung auch nie Rhys entstanden. Doch beide Seiten hegen massives Misstrauen gegen die andere, was nicht unbegründet ist. Aber auch auch die einfachen Leute aus den Dörfern Orlais, auf welche sie treffen, haben ihre Ressentiments. Die Templer, vor allem so "liberale" wie Ser Evangeline sind der Ansicht sie würden die Magier beschützen, notfalls auch vor sich selbst und dafür gäbe es schließlich auch den Zirkel. Magie ist in der Vorstellung dieser Templer nicht an sich böse, aber sie gehört besser kontrolliert. Hardliner wie Lambert hingegen sehen in den Magiern nicht allenfalls schützenswerte Kreaturen, sondern so etwas wie unverbesserliche und gefährliche Sünder und Geschehnisse wie in Kirkwall oder der Dämonenausbruch in Ferelden vor noch längerer Zeit geben ihnen scheinbar recht. Auf der anderen Seite fühlen sich die Magier von den Templern erdrückt, in allen Aspekten ihres Lebens eingeschränkt und längst nicht mehr human behandelt. Die Willkür mit der die Templer einige der ihren in die Kerker werfen, dem Ritual der Besänftigung unterziehen und Rebellionen wie in Kirkwall niederschlagen geben auch ihnen Recht.

Beide Seiten kennen ihre Abtrünnigen, doch miteinander konfrontiert müssen Rhys und Evangeline doch beginnen ihre Überzeugungen zu überdenken. Was Rhys nicht ahnte ist ja dass die Templer lyriumabhängig gemacht werden und somit auf das Wohlsinnen ihrer Dienstherren angewiesen sind, während die Magier selbst durch die Erziehung und Ausbildung im Tempel eine sehr viel höhere Bildung als einfache Bauern genießen, die zudem stets unter den zahllosen Bürgerkriegen und Aufständen des Kaiserreichs zu leiden haben. Und doch am Ende des Buchs werden Magier und Templer sich im Krieg befinden, die Reise zur Festung, ist metaphorisch bereits der Weg dorthin.

Denn in Adamant hat ein Besänftigter im Auftrag der Göttlichen höchstselbst Experimente begonnen, die scheinbar gescheitert sind und dazu geführt haben dass die Festung von Dämonen besessen ist. Und Wynnes Mission führt sie genau dort hinein, denn es war ihr alter Freund Pharamond, der sie begann. Nur Pharamond ist bzw. war ein Besänftigter, wie könnte ein solcher jemals einem Dämonen erliegen, ist Sinn und Zweck des Rituals der Besänftigung doch einen Magier vor solchen Einflüssen und somit sich selbst zu schützen, indem ihm gewissermaßen sein selbst genommen wird?

- Erzählerisch -

Im Gegensatz zu STOLEN THRONE ist ASUNDER auf keine Zeitsprünge angewiesen, was dem Buch zu seiner geradlinigen Handlung verholfen. Zumal auch nicht klar ist, ob und wer für Dragon Age 3 am Leben bleiben muss, ist auch ein gehöriges Maß an Spannung vorhanden, das einem auch versehentliches "vorblättern" nicht nehmen kann. Das Buch mag zwar an manchen Stellen stark klischeebelastet sein, doch David Gaider versteht es zu gut Enthüllungen über die Handlung verteilt einzuflechten, anstatt diese in Bausch und Bogen billig auf den letzten 30 Seiten runterzurattern. So bleibt es auch viel spannender und interessant zu lesen ist es für Dragon Age Fans ja, nicht nur weil Wynne und Shale mit dabei sind, sondern gerade weil mehr auf den Templer vs. Magier-Konflikt eingegangen wird, der schon bald eskaliert. Pharamonds Experiment und dessen Konsequenzen sind jedoch nur ein Teil der Handlung, gewissermaßen die Quest zu der Rhys mit Wynne aufbrechen darf. Es gilt ja auch einen geheimnisvollen Mörder zu fassen bzw. einen jungen Mann vor sich selbst und seinen unkontrollierten Gaben zu retten. Mit diesem "Questaufbau" und der Vorstellung vor Augen, wie das ganze in einem RPG aussehen würde, versteht man wie einfach es David Gaider fallen dürfte einen solchen Roman in ein Dragon Age Spiel einzubauen bzw. man erkennt vielleicht auch besser wie viel "Zeilen und Seiten" hinter einer solchen Quest im Game nun stecken.

- Die Charaktere -

Wer von den in ASUNDER neu eingeführten und wiederverwendeten Charakteren auch in Dragon Age 3 noch eine bedeutende Rolle einnehmen wird ist unklar, mit Sicherheit werden aber Justinia V. und Leliana (die außerdem nur als Nebencharaktere in Erscheinung treten) wieder mit von der Partie sein. Alle anderen sind also theoretisch zum Abschuss freigegeben, was der Spannung des Buchs ganz und gar nicht abträglich ist.

Deutlich zu Tage tritt zunächst allerdings einmal David Gaiders Hang zu starken weiblichen Persönlichkeiten, wie Wynne, Evangeline, Adrian, aber auch Shale. Umgeben von diesen ist Rhys der einzige Mann auf Seite der Guten, seit sich der geisterhafte Cole ja eher wie ein Kind verhält und zudem moralisch schwer einzuordnen ist, ein Grauzonencharakter wie man sie in Dragon Age immer wieder findet. Die Dominanz starker Frauen hängt aber zum Teil auch mit der Struktur der Chantry zusammen, die sich auf Andraste beruft und anstatt eines Papstes und einer Kurie alter Männer eine Göttliche und viele alte Frauen an ihrer Spitze hat. Eine Situation die unterschwellig allerdings auch Ressentiments beim Lord Seeker hervorbringt, der sich wie die Templer nicht unter eine das "Magier-Problem" zu zahnlos anpackende Göttliche einordnen will. Dabei wären ja die Templer selbst kein reiner Männerverein, aber Hardlinern die sich göttlicher als die Göttliche betrachten ist wohl jedes Vorurteil recht ihren Glauben mit Feuer und Schwert durchsetzen zu dürfen.

Zumindest beim Lord Seeker weiß man also auf wessen Seite er steht, der der Bösen. Und das obwohl es mit den sehr realen Dämonen, auf welche Wynnes Gruppe in der ehemaligen Wächterfestung trifft, eine wirklich abgrundtief bösere Variante des Bösen gibt. Doch der Lord Seeker steht zum Teil für das woran Thedas wirklich krankt, nicht den dunklen Mächten die hinter dem Schleier lauern, sondern der Verdorbenheit und Skrupellosigkeit die den Menschen schon innewohnt und einige wie Lambert auch ausleben.

Der Zweck heiligt die Mittel - ist eines der Themen mit welchen sich verschiedene Charaktere auseinandersetzen müssen. Der Mörder aus dem Weißen Turm etwa will nur leben und nicht im Nichts verschwinden, Adrian will den Templern die Stirn bieten und den Zirkel von der Aufsicht durch die Kirche befreien, selbst Wynne hat ihre Geheimnisse und Rhys erst recht, will er doch gewisse Leute schlicht beschützen.

Im Zentrum des Spannungsfelds dieser auseinanderdriftenden Ziele steht Rhys, der eigentliche Protagonist. Als Magier zwar auf Seiten der Libertarianer stehend ist Rhys durchaus jemand mit gemäßigter Perspektive, ähnlich seiner eigenen Mutter. Auf gewisse Weise repräsentiert er mit seinem Standpunkt auch jenen der Mehrheit der Magier, was ihn zum Dreh- und Angelpunkte des aufkommenden Konflikts werden lässt. Durch seine Zuneigung zu Evangeline erfährt Rhys eine klarere Sicht auf die Perspektive der Templer, wird dadurch aber nicht zum Loyalisten.

Rhys befindet sich unterdessen auch im Mittelpunkt einer spannungsgeladenen Dreiecksbeziehung, zwischen der unerwiderten Liebe seiner Magier-Kollegin Adrian, die für eine radikale Sezession der Magier von der Kirche und ihren Institutionen eintritt und den Sympathien Evangelines, die sich von der anfangs etwas naiv-loyalen Templerin zu einer eigenständigen Position durchringt. Nun überrascht es nicht, dass Adrian als eine Art Anders-Aufguss von Gaider weit weniger ausgearbeitet wird, als Ser Evangeline, die sich charakterlich im Verlauf der Handlung wie Rhys wirklich entwickelt. Dass die Hardliner wie Adrian, Fiona und Lambert allerdings am Ende scheinbar ihren Willen durchzusetzen am nächsten kommen, ist die Tragödie ASUNDERs. Während moderate Gestalten wie Rhys und Evangeline durch die Ereignisse geformt werden, bleiben die Falken am Ende dort wo sie schon am Anfang standen und fühlen sich bestenfalls noch umso mehr bestärkt in ihren Handlungen. Der Weg der Mitte, Mitgefühl, Verständnis für die anderen... er spendet Hoffnung, führt aber nicht aus dem Dilemma hinaus aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

- Resümee -
David Gaiders ASUNDER ist und bleibt ein Roman zu einem Videospiel, allzu hohe Erwartungen in Sachen Anspruch und Erzählung sollte man daher nicht hegen. Mit entsprechend reduzierten Ansprüchen an das Buch wird man dafür aber angenehm überrascht. Gaider ist ein Lead Autor aus der Spieleschmiede Bioware, seit langer Zeit bekannt für Games die sich auf faszinierende Geschichten verstehen und oft als Beispiel dafür herhalten können, dass Videospiele auch eine Form von Kunst sein können. Aber auch Gaider kocht nur mit Wasser und greift und hie und da auf manches Klischee zurück. ASUNDER ist dessen ungeachtet ein noch beklemmenderes Buch als die vorigen beiden Dragon Age Romane, man weiß aus dem Epilog von Dragon Age 2 und den über Teil 3 der Saga durchgesickerten Informationen dass es nicht gut ausgehen kann. Kirkwall hat das Stroh bereitet, ASUNDER ist der Funke der es entzünden wird.

Fazit:
Für Dragon Age Fans ein Must Have um sich die wahrscheinlich sehr lange Wartezeit auf Dragon Age 3 zumindest etwas zu verkürzen.


Shadow Games: Star Wars (Star Wars - Legends)
Shadow Games: Star Wars (Star Wars - Legends)
von Michael Reaves
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Star Wars Unterhaltung mit Thrillerflair, 20. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sein jüngster Versuch Han Solos Rekord beim Kesselflug zu brechen kostet Dash Rendar beinahe die Outrider, doch als ob das nicht genug wäre überfordern die Reparaturkosten sein ohnehin knappes Budget und so sind er, Co-Pilot Eaden Vrill und Mechanikerdroide Leebo fürs erste auf Tatooine gestrandet. Nur wie soll sich der zweitbeste Schmuggler der Galaxis eines Tages auf Platz 1 vorarbeiten können, wenn er nun sogar schon Han Solo darum bitten muss seine Fracht abzuliefern?

Eine Chance tut sich auf, als Dash und seine Crew einen potentiell ertragreichen Job als Sicherheitsberater für die Tournee des Holosternchens Javul Charn ergattern. Doch eine unbekannte Macht sabotiert Javuls Tournee auf Schritt und Tritt, sogar an Bord ihrer hochgerüsteten Raumyacht scheinen sie nicht mehr sicher zu sein. Könnte die Black Sun ihre Finger dabei im Spiel haben?

Thriller im Star Wars Universum wären eigentlich nichts ungewöhnliches, schon Episode II spielte ein wenig mit Elementen eines Detektivromans, Rückkehr der Jedi-Ritter ging sogar zur Befreiung eines charmanten Schurken aus den Klauen eines skrupellosen Paten über und die Rettung von "Prinzessinnen" steht seit Eine neue Hoffnung ohnehin immer hoch im Kurs. Doch wie schon bei Joe Schreibers Star Wars Horrorromanen (die die Existenz der Galaxy of Fear-Reihe als erste Star Wars Horror Romane völlig unberücksichtigt ließen) hat man sich erst jetzt dazu durchgerungen wirklich einen Star Wars Roman mit dem entsprechenden Genretitel zu vermarkten. Aber SHADOW GAMES geht noch etwas weiter und so haben sich Michael Reaves und Maya Kaathryn Bohnhoff daran versucht einen wirklich "typischen" Thrillerplot ins Star Wars Universum zu verpflanzen. Mit einem überraschenden Ergebnis - denn es ist den beiden tatsächlich gelungen.

Wer glaubt SHADOW GAMES wäre die erste Koopration Bonhoffs und Reaves darf überrascht feststellen dass die beiden auf eine schon einige Jahre zurückreichende gemeinsame Geschichte verweisen können und tatsächlich war schon CORUSCANT NIGHTS III: PATTERNS OF THE FORCE eine solche im Star Wars Universum, nur dass Bonhoff in dieser nicht als Autorin mitgenannt wird und gewissermaßen eher als Ghost-Co-Writerin herumspukte. In SHADOW GAMES arbeiten beide nun höchst offiziell und wohl auch zu geteiltem Lohn zusammen und das lässt sich für das findige Auge auch herauslesen, denn an einigen Stellen wenn die Perspektive von Dash Rendar zu Javul Charn wechselt meint man da auch einen anderen Schreibstil erkennen zu können.

Der Weg zum ersten Star Wars "Thriller" war nicht so weit, die entsprechenden Institutionen bestehen schon seit Jahren. Und Michael Reaves anderer Co-Autor Steve Perry (DEATH STAR, MEDSTAR) hat sich in seinem einstigen Star Wars Debüt ja für die Einführung Prinz Xizors und der Black Sun in das Expanded Universe verantwortlich gezeichnet. Seit ihren Kooperationen hat Reaves auch Elemente wie diese für "seine" Romane übernommen, namentlich Xizor und die Black Sun etwa in Coruscant Nights verwendet. Wer Reaves und Perrys Medstar-Duologie oder auch DEATH STAR kennt weiß, die beiden verstehen sich darauf die "kleinen Leute" in Szene zu setzen, die nicht einmal so galaktische Verbrechernetzwerke sprengen können und den Ereignissen tendenziell eher ausgeliefert sind, so dass ihnen nur übrig bleibt damit auf lesenswerte Weise umzugehen. In eine solche Kerbe schlägt auf SHADOW GAMES.

Dash Rendar ist kein Han Solo, sondern sein eigener Mann. Mehr ein Charmebolzen als der zeitweise ruppig agierende Solo, vor allem aber jemand mit amüsanteren Gefährten. Wer schon Reaves Kreation I-Five (I-5YQ) liebte, der wird auch von dessen eigentlichen Stammvater Leebo (LE-BO2D9) begeistert sein. Der Mechanikerdroide wurde zudem von seinem früheren Besitzer Kood Gareeda, einem rodianischen Comedian, teilweise nach dessen Persönlichkeit programmiert und so verwundert es nicht, wenn Dash gerne vergisst, dass sein treuer Mechaniker eigentlich gar kein Mensch ist. Daran erinnern darf ihn immer wieder gerne Co-Pilot Eaden Vrill, ein nautolanischer Teräs Käsi Meister (wie sollte es in einem Michael Reaves Roman auch anders sein). Die Dynamik dieses Trios lässt sich da hoffentlich schon erahnen. SHADOW GAMES gehört jedenfalls ohne Frage zu den humorvollsten Star Wars-Romanen seit Aaron Allstons X-Wing Run über die Wraith Squadron.

- Erzählerisch -

SHADOW GAMES ist trotz des hohen Humorgehalts und der Charakterdynamik erzählerisch wahrscheinlich keiner der besseren Star Wars Romane. Wer also wenig auf Unterhaltungswert bei seiner Star Wars Lektüre gibt, sollte zu anderen Werken greifen. Denn Reaves und Bonhoff halten sich zeitweise sehr eng an ein klassisches 08/15-Thriller-Schema, teils auch um das Buch überhaupt als Thriller erkennbar zu machen. Entsprechend klischeehaft und überzogen entpuppen sich dabei einige Szenen, vor allem dann wenn es um das Eingemachte oder diverse Plottwists und -turns geht. Man kann sich das natürlich schönreden, indem man behauptet es wäre eben eine Hommage auf das Genre, eine Methode die bei Funktionieren auch auf Joe Schreibers DEATH TROOPERS anwendbar ist. Zumindest lässt sich dem Autoren-Duo zugutehalten dass es die Geschichte einigermaßen undurchschaubar hält und mit den Wendungen zu überraschen versteht, vor allem wenn man dieses Wort "Thriller" und entsprechende Plotassoziationen zeitweise wegen der Überdosis Star Wars aus den Augen verliert. Es ist ja auch so, dass bis auf Leebo und Dash keiner der Beteiligten den Roman überleben müsste, um in SHADOWS OF THE EMPIRE noch auftreten zu können. Dessen ungeachtet, die Kooperation der beiden hat gut funktioniert, vor allem lesen sich die jeweils auf Dash und Javul zugeschnittenen Passagen sehr gut und unterscheidbar.

- Charaktere -

Gerade an Bord der Novas Heart führen Bonhoff und Reaves fast schon zu viele Nebencharaktere ein, dass man sie sich merken könnte. Neben der Tourmanagerin, der Kostümdesignerin, dem Schiffskapitän, dem Verlademeister samt Assisentin... einfach zu viele. Nur gut dass diese auch nicht wirklich alle benötigt werden und zeitweise sogar sprichwörtlich mit einem anderen Schiff fliegen müssen. Sehr sympatisch entwickelt sich Javul Charn, die zudem als love interest für Dash Rendar aufgebaut wird. Für Bonhoff Grund zur Begeisterung war allerdings das sie und Michael Reaves Han Solo für ihr Werk verwenden durften, ein Auftritt den man ohne das Werk gelesen zu haben, vielleicht als unnötig abtun würde. Doch es sei hier erwähnt, Solo kommt solo (ohne Chewie) und verfeinert die Dynamik zwischen den Charakteren. Auch das vielleicht eine Art Hommage an das Genre, wenn "coole" Charaktere nur deshalb in Erscheinung treten und den Tag retten weil ihr Darsteller oder im Falle eines Franchise sogar die Rolle Kultstatus genießt.

- Die Bösen -
Wer sind denn nun die Verbrecher die der hübschen Javul Charn nach ihrem Leben trachten? Das "Wer?" bleibt in SHADOW GAMES lange unbeantwortet, denn wie in Thrillern bzw. Hardboiled Detektivromanen kommt die Wahrheit nur langsam ans Licht. Die Bedrohung ist allerdings immer da und schlägt bereits zu, als Dash und Co. mit der Novas Heart von Tatooine aufgebrochen sind. Als er dann noch erfährt dass ihr erstes Tourneeziel Rodia ist, wo die Black Sun eine ihrer größten Geldwäscheoperationen unterhält, fühlt sich Dash an eine alte Rechnung mit Prinz Xizor erinnert, der seine Familie praktisch ausgelöscht hat.

- Resümee -
Michael Reaves, zwar ohne Steve Perry, aber mit Maya Kaathryn Bonhoff versteht es mit SHADOW GAMES einmal mehr zu begeistern. Es ist ein leichtlebiger, humorvoller und klischeelastiger Roman, der vor allem durch lesenswerte Paardynamiken und Unterhaltungswerte punkten kann. Wem das noch nicht reicht, CORUSCANT NIGHTS IV erscheint voraussichtlich im August 2013 und bei einem Autor mit derart langjährigen Verbindungen zum Expanded Universe ist es unwahrscheinlich dass danach nichts mehr von Michael Reaves zu lesen wäre.


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