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Rezensionen verfasst von
Mario Pf. (Oberösterreich)
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Star Wars Comics, Bd. 71: Knights of the Old Republic - Krieg
Star Wars Comics, Bd. 71: Knights of the Old Republic - Krieg
von Jackson John Miller
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Knights of the Old Republic-Comic den man sich schon früher gewünscht hätte, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Mandalorianischen Kriege haben die Galaxis fester im Griff den je zuvor. Unter der Führung des Revanchisten formieren sich nun auch die Jedi zum Gegenangriff auf die Mandalorianer, doch nicht alle glauben auf der richtigen Seite zu stehen, als selbst Ex-Jedi Zayne Carrick zur republikanischen Flotte einberufen wird...

- Ein kurzes Wiedersehen -

Knights of the Old Republic war vorbei und gelaufen, nach 50 Heften wurde die Comicreihe nach dem Schmelztigel-Handlungsbogen eingestellt. Doch wie im Falle der Minireihen-Fortsetzung zu Star Wars Legacy erblickte auch eine Fortsetzung zum zweiten großen Comic-Erfolg aus diesem goldenen Zeitalter der Star Wars-Comics das Licht der Welt. Und 'Krieg' führt die KotOR-Handlung ungewohnt tief zurück in die Mandalorianischen Kriege. Wer die Schilderungen des Kriegsverlaufs in der ursprünglichen Comicreihe schmerzlich vermisst hat wird nun einigermaßen entschädigt. In der Nachspielzeit widmet sich John Jackson Miller den Mandalorianischen Kriegen intensiver denn je.

- Fan-Service -

Miller führt in 'Krieg' nicht nur Mandalorianische Ritter ein (ein weiteres nettes Extra für Fans der Ära oder Mandalorianer im Allgemeinen), er wimdet sich auch eingehend der Beschreibung der Mandalorianischen Neo-Kreuzritter und ihres von Cassus Fett formulierten Erfolgsrezeptes. Nach 50 Heften in denen wir gerade einmal erfahren durften, wie Malak zu seinem späteren Namen und Vollglatze kam geht es nun plötzlich zur Sache. Unverhofft kommt oft.

- Großartig, doch leider zu kurz -

Ein KotOR-Comic der sich endlich mehr mit der Vorgeschichte zu den Spielen beschäftigt, das war jahrelang mein Wunsch. Nur schade, dass JJM erst nach Beendigung der KotOR-Comics dazu gekommen ist eine solche Geschichte zu schreiben. Zugegeben, mein Verhältnis zu den KotOR-Comics war nicht immer das Beste. Ansprechend gezeichnet (wie auch 'Krieg') war es immer wieder die sich scheinbar ewig hinziehende Story um die falschen Anschuldigungen gegen Zayne Carrick, die mir über weite Strecken den Spaß an der Reihe verdarben. Manche Enthüllung kam mir zu spät und die KotOR-Referenzen (Anspielungen an die von mir heiß geliebten klassischen Videospiele) schienen mir zu rar gesät.

- Mandalorianische Ritter -

Das von JJM in 'Krieg' eingesetzte Konzept mandalorianischer Jedi-Ritter ist etwas, das man so auch in Karen Traviss Romanen kennen lernte, nachdem sich Bardan Jusik vom Orden ab- und den Mandalorianern zugewandt hatte. Die Beliebtheit der Mandalorianer im Fandom (nach TCW beinahe eine Konkurrenz zu den Sturmtruppen) dürfte allerdings auch dazu führen, dass diese Idee eines Tages ins neue Erweiterte Universum gerettet wird und seine Wiederauferstehung feiert. Ein Grund mehr ein Original wie 'Krieg' in der Star Wars-Sammlung zu haben.

- Keine Höchstwertung -

'Krieg' bietet vieles was ehrenhalber eine Höchstwertung rechtfertigen könnte, dennoch betrachte ich die Story zwar als gut, aber eben nicht sehr gut oder ausgezeichnet. Das Ende ist vielleicht ein wenig zu vorhersehbar, mache Charakterzüge dem EU-Veteranen ein bisschen zu vertraut und die Handlung abseits des Konzepts und der Erklärungen auch nicht so überwältigend.


Star Wars Comics, Bd. 76: Dawn of the Jedi II - Der Gefangene von Bogan
Star Wars Comics, Bd. 76: Dawn of the Jedi II - Der Gefangene von Bogan
von John Ostrander
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auftakt zum Endspiel, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nachdem es den Je'daii gelungen ist den Machthund der Rakata in ihre Gewalt zu bringen, hat man diesen als Kreatur der dunklen Seite kurzerhand auf den Mond Bogan verbannt. Bogan, der Mond auf den Je'daii verbannt werden, die zu nahe an die dunkle Seite geraten sind. Doch Xesh ist nicht einmal ein Je'daii? War es vielleicht ein Fehler ihn dorthin zu verbannen und gleich vorweg ein unfreundliches Bild vom Je'daii Orden zu vermitteln? Den ungewohnt mächtigen Xesh auf Bogan einzukerkern hat ihn jedenfalls in die Arme des 'Gefangenen von Bogan' getrieben, des dort seit Jahren im Exil lebenden Je'daii Meisters Daegen Lok, selbst einst einer der größten Je'daii, Held des Despotenkrieges und Mörder der Despotenkönigin Hadiya...

- Je'daii vs. Jedi: Gewohnte Fehler, andere Methoden -

Das Askaban der Je'daii bietet die Bühne für das Drama, welches sich aus einer Fehlentscheidung des Je'daii-Rats ergibt, den Fremdling Xesh wie einen der ihren nach Bogan zu entsenden, um ihm dort den Weg zur hellen Seite finden zu lassen. Auf einer Welt der dunklen Seite kann jemand der nur die Dunkelheit kennt wohl kaum vom Gegenteil seiner gewohnten Sichtweise überzeugt werden? Selbst befreit von den Rakata ist Xesh einmal mehr ein Gefangener, diesmal der Je'daii. Mit ihrer gewohnheitsmäßigen Entscheidung auch auf Ausnahmefälle nicht anders zu reagieren, stehen die Je'daii dem letzten Jedi-Rat der Alten Republik in nichts nach. Auch dieser weigerte sich für den Auserwählten Ausnahmen zu machen und versuchte ihn in das gleiche Korsett zu zwängen wie 1000 Generationen von Jedi-Rittern vor ihm, weil man eben immer schon so verfahren ist. Die Je'daii sind da nicht anders und irgendwann wird dieser virulente Fehler in der Ordensgeschichte den Jedi in Gestalt Darth Vaders eines Tages eben zum tragischen Verhängnis. Xesh hingegen scheint den Orden ja wohl ausgelöscht zu haben, sonst hätte es die Jedi nie gegeben oder doch? Es wäre ja möglich, dass der Jedi-Orden von den Überlebenden eines Massakers durch Xesh gegründet worden sein könnte.

Interessant ist am Je'daii Orden auch zu sehen wie er mit seinen abtrünnigen Glaubensbrüdern umgeht. Als Orden der ganz klar dem Gleichgewicht der Macht verschrieben ist und dabei auch die helle Seite ablehnt stehen die Je'daii zwischen allen Stühlen und wären bei einer Konfrontation mit den Rakata doch gezwungen auf die helle Seite zu wechseln, um deren Dunkelheit auszugleichen? Einer der philosophischen Konflikte aus dem Serienfinale wirft hier bereits seine Schatten voraus. Anstatt unausgeglichene Je'daii in den Kerker zu werfen oder aus dem Orden zu verstoßen und damit in eine aktive Oppositionsrolle zu drängen vesuchen die Je'daii es noch derartige Problemfälle intern zu lösen. Dafür eignen sich die beiden isolierten Monde Ashla und Bogan, benannt nach den althergebrachten Namen für die helle und dunkle Seite der Macht. Wer dem Licht zu nahe gerät wird nach Ashla verbannt, wer sich in der Dunkelheit verliert den sendet man nach Bogan. Das hat bis vor einigen Jahren auch gut funktioniert, doch dann kam Daegen Lok und dieser ließ sich nicht bekehren.

Eine Weile als Eremit zu verbringen sollte nach der Je'daii-Vorstellung also reichen, sein Gleichgewicht wiederzufinden. Doch die Theorie versagt bei Personen wie Xesh, die weder die helle Seite noch ein Gleichgewicht zwischen hell und dunkel kennen. Aber auch der von seiner Vision getriebenen und vom Rat für wahnsinnig erklärte Daegen Lok ist mit konventionellen Methoden nicht mehr ins Gleichgewicht zu bringen. Auch Lok ist ein Gefäß der Macht und hat eine Bestimmung.

- Daegen Lok: Der Anakin Skywalker im Sirius Black-Look -

Der Gefangene von Bogan sieht dem Gefangenen von Askaban ja nicht unähnlich, doch die Hintergrundgeschichte Loks ist eine gänzlich andere. Zu seiner Zeit galt der Je'daii Meister als der womöglich vielversprechendste Je'daii seiner Zeit. Er bezwang praktisch im Alleingang die Despostenkönigin, als diese bereits Tython belagerte und alles schien im möglich. Doch in seinem Übermut entschied sich der aufgrund seiner Taten schon früh zum Meister berufene Lok mit seinem Freund Hawk Ryo in den Spalt hinabzusteigen und auch dessen Schrecken zu bezwingen. Das Unterfangen endete in einem Desaster, bescherte Lok eine markante Narbe und trieb ihn auf die dunkle Seite. Denn Daegen Lok hat eine Vision und ein Ziel. Das Gleichgewicht der Macht ist für ihn nicht länger von Interesse. Von seiner Vision und dem Wunsch getrieben sie zu erfüllen kann Loks Weg nur auf der dunklen Seite enden.

An Lok sieht man auch wie selbst der Graubereich in welchem sich die Je'daii bewegen, für manche immer noch nicht befreiend genug sein kann bzw. wie einem das Streben nach Gleichgewicht wieder wie Fesseln vorkommen kann. Der Pazifismus der späteren Jedi-Generationen ist den Je'daii jedenfalls fremd, mitunter ein Grund für den Unmut im Tython-System gegenüber den Je'daii. Wenn diese moralisch schon nicht die Oberhand besitzen und mit mystizistischen Formeln um sich werfen, was rechtfertigt dann ihren Vormachtanspruch? Die Macht, aber das war es auch schon.

Lok hingegen, der Auserwählte im Despotenkrieg, ist zum Teil wegen der moralischen Ambivalenz des Ordens zu dem geworden was er nun ist. Sein Weg zur dunklen Seite hat nicht unbedingt erst mit seiner gescheiterten Expedition begonnen, sondern vielleicht bereits während seiner Infiltration des gegnerischen Lages im Despotenkrieg. Auf Seiten der Anti-Je'daii-Armeen Hadiyas dürfte Lok eindrucksvoller als jeder andere Je'daii erfahren haben, welche andere Sichtweise auf die Je'daii existiert.

Daegen Lok ist außerdem einer der interessantesten Charaktere der gesamten Reihe, immerhin wird ihm hier praktisch fast die gesamte Geschichte gewidmet. Nach dem viel zu viele Charaktere auf etwa gleicher Wichtigkeitsstufe einführenden ersten Band wird einem mit Lok nun ein ziemlich eindeutiger Widersacher für die Helden des Je'daii Ordens geboten. Loks Skrupellosigkeit qualifziert ihn zwar als den Bösen und John Ostrander gibt sich große Mühe ihn auch so aussehen zu lassen, doch es bleiben Zweifel daran, ob Lok in mancher Hinsicht nicht doch richtig liegen könnte.

- Was bleibt? -

Ein starker zweiter Band für eine Reihe, die Leser im ersten Band noch mit Charakteren überschüttete und nun endlich auch deutlicher erkennen lässt, wer wohl welche Rolle einnimmt. Zudem ein Band der bereits wichtige Vorarbeiten für das Finale leistet, auch wenn die eigentliche Geschichte davon ablenkt, was sich gerade zusammenbraut. Doch genau dieses Ablenkungsmanöver, der Ausbruch Daegen Loks und Xeshs aus ihrem Gefängnis auf Bogan, macht 'Der Gefangene von Bogan' zu einer spannenden Lektüre. Daneben bietet Dawn of the Jedi II auch den unerwarteten Gastaufttritt eines gewissen Meister Rajivari, der Old Republic-Kennern ein Begriff sein sollte.


Star Wars Comics, Bd. 72: Dawn of the Jedi I - Machtsturm
Star Wars Comics, Bd. 72: Dawn of the Jedi I - Machtsturm
von John Ostrander
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Quellwolken über Tython, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
- Der Inhalt -

Jahrtausende vor der Gründung der alten Republik herrschen die machtsensitiven Rakata mit eiserner Faust über weite Gebiete der Galaxis. Keine der großen Spezies der galaktischen Antike war in der Lage ihnen Stand zu halten. Die Gree wurden zurückgedrängt, die Kwa beinahe vernichtet. Hunderte Spezies wurden versklavt und Machtempfängliche werden von den Rakata entführt und in ein Leben als besonders wertvolle Sklaven gezwungen. Nun haben die Rakata auch den Planeten Tatooine eingenommen und rächen sich für die Gegenwehr der rebellischen Bevölkerung mit der Verwandlung des einstmals blühenden Paradieses in eine harsche Wüste aus Sand und Stein. Doch im Tiefkern der Galaxis könnte eine noch deutlich fettere Beute lauern und so bricht ein Scoutschiff der Rakata, mit dem Machthund Xesh und dessen Meister an Bord, genau dorthin auf...

Im Tiefkern liegt auch das Tython-System, mit dem namensgebenden Planeten Tython als zentralen Planeten. Vor Äonen hat eine unbekannte Macht dutzende Mystiker, Philosophen und Krieger hierhergebracht, die alle ein mysteriöses Energiefeld entdeckt hatten, dass alles Lebende miteinander verbindet. Die Entdecker der Macht wurden hier vor den Rakata verborgen. Doch über die Jahrtausende ist die Bevölkerung extrem angewachsen und nicht jeder Sprössling der alten Siedler erwies sich empfänglich für die Macht. Entsprechend wurden auch die restlichen Welten des System besiedelt und schufen ihre eigenen Kulturen. Vor etwa einem Jahrzehnt verbanden sich vieler dieser Welten jedoch unter Königin Hadyia, um der Vormachtstellung der auf Tython residierenden Je'daii ein Ende zu setzen. Der Krieg war verlustreich und hat die Verhältnisse zwischen den Welten deutlich angespannt...

Genau jetzt legt das Schiff der Rakata auf Tython eine Bruchlandung hin und macht die Je'daii mit einer ihrer mächtigsten Waffen bekannt...

- Eine neue Ära -

Als John Ostrander und Jan Duursema die Dawn of the Jedi-Ära schufen betraten sie gänzliches Neuland. Niemand zuvor hatte es gewagt in diesen unbekannten Raum der alten Kontinuität vorzustoßen. Zwar war man über Vergangenheitsbezüge wie aus den Knights of the Old Republic-Videospielen über die Existenz der Rakata unterrichtet und Gree wie Kwa stießen über die Jahre als große Völker hinzu, doch eine Geschichte aus der Zeit als Hyperraumantriebe noch eine Seltenheit waren hatte niemand je gewagt. Ausgerechnet in einer Zeit als The Old Republic ein Schlaglicht auf die Relikte der Gree und das Vermächtnis der Rakata warf, entschied man sich in unbekanntes Terrain vorzustoßen.

Die Gründung des Jedi-Ordens ist eine Geschichte, die selbst in der Vielzahl an Guides immer nur gestriffen wurde. Philosophen und Mystiker galten jahrelang als Ahnherrn des späteren Jedi-Ordens und auf eine gewisse Weise fängt Dawn of the Jedi diese Vorstellung auch ein. Doch wie in vielen Werken der späten Jahre des alten Erweiterten Universums bzw. der Nach-Mortis Epoche im alten EU sieht auch Dawn of the Jedi eine quasigöttliche Intervention vor, die zur Formierung der ersten organisierten Hüter des Gleichgewichts der Macht führte. Man könnte spekulieren, ob es nicht die Celestials (Vater, Sohn und Tochter) waren, deren Geschichte im Roman Apokalypse sogar noch weiter ausgeführt wurde, welche die Tho Yors (jene fliegenden Pyramidenschiffe, in denen sich auch Mortis verstecken könnte) entsandten, um die künftigen Je'daii vor den Rakata zu retten.

Um hier den Kontext zu formulieren. Nach Apocalypse lebten die großen Völker der galaktischen Urzeit (Rakata, Gree, Kwa und Killiks) friedlich zusammen, ehe die Rakata gegen die Celestials rebellierten und den Göttern der Macht praktisch das Feuer stahlen. Doch anstatt es zu verbreiten, nutzten sie es, um selbst zu den Herren der Galaxis zu werden. Die Killiks wurden vertrieben, die Kwa beinahe abgeschlachtet und die Gree in ihre Kernsysteme zurückgedrängt. Und die Celestials? Verzogen sich nach Mortis. Dass die in Apocalypse so formulierten Ereignisse natürlich gelogen sein könnten bzw. vom Standpunkt des Betrachters abhängen (dem viel benutzten Obi-Wan-Zitat) ist möglich, schließlich stammen die Schilderungen von den Killiks und sind auch für diese eine Legende. Braucht die Macht gottähnliche Wesen? Mortis ist mit dem Rest von TCW zwar im April 2014 Kanon geworden, doch die Schilderungen zur wahren Natur der mysteriösen Machtwesen nicht. Das neue EU bietet demnach ab 2015 die Chance andere Erklärungen zu finden.

Neben diesen geschichtlichen Aspekten war jedoch vor allem die Urgeschichte des Jedi-Ordens, das wirklich interessante am Projekt Dawn of the Jedi. Eine Geschichte, die allerdings wie der Rest des EU und sein direkter Umfeld viel mit Retcons und allerlei Widersprüchen zu kämpfen hatte. Auch ein Grund, warum sich durchaus freundliche Worte für eine künftige Top-Down-Verwaltung des EUs durch die Story Group finden lassen. Immerhin erwähnt auch das MMO The Old Republic die Gründung des Jedi-Ordens und verwendet dabei Charaktere, von denen nur ein einziger im Verlauf von Dawn of the Jedi vorkommt und das ist ausgerechnet der vermutlich älteste aller Beteiligten.

Einen Proto-Jedi Orden zu erschaffen kam auch mit der Aufgabe, diesen möglichst anders als seinen Nachfolger zu gestalten. Dabei dürfte sich auch die Auflage eingeschlichen haben den Je'daii Orden als Ausgangspunkt für den Sith- UND Jedi-Orden zu etablieren. Beide Ordensphilosophien sollten also bei den Je'daii ihren Ausgang finden. Auch wieder ein Aspekt des alten EUs, der mit Irrungen und Verwirrungen für heilloses Chaos sorgen konnte und Retcons immer wieder nötig machte. Neben gefühlten 10 Schismen trieben sich in Jahrtausenden alter SW-Geschichte Legionen von Lettow, Ajunta Palls dunkle Jedi, Sith-Könige und noch andere mir entfallende Gruppierungen herum, die fast alle kein einziges Mal in einem Roman oder Comic verwendet wurden. Dennoch waren alle EU-Macher vor 2014 daran gebunden auch diese komplett chaotisch anmutende Chronologie zu berücksichtigen und vielleicht auch noch zu verwenden. Die Schuld daran lag imho auch daran, dass praktisch jeder RPG-Guide und jeder Essential Guide seit Anbeginn der Zeit versucht dem Universum etwas hinzuzufügen und hier eine Ebene schuf, die selbst aktivsten Roman- und Comiclesern völlig entgangen sein könnte. Inquisitoren wie sie in Rebels künftig Verwendung finden dürften waren auch eine kuriose Erscheinung der Guides, die dann durchaus in einigen Jugendbüchern (Last of the Jedi) und Coruscant Nights Verwendung fanden. Doch dann gab es auch Gruppen wie Palpatines dunkle Jedi, COMPNOR, Propheten der dunklen Seite und mehr. Der Versuch eine Reihe zu erschaffen, die fernab ausgetretener Pfade, einerseits die alte Ordnung respektieren und zugleich etwas völlig neu erschaffen sollte, das zu einer neuen Kontinuität hätte beitragen können wäre jedenfalls als gescheitert anzusehen, sollte es überhaupt je ein solcher gewesen sein.

Was von Dawn of the Jedi bleibt sind Ideen und Konzepte, die es vielleicht sogar irgendwann in ein neues kohärenteres Erweitertes Star Wars-Universum schaffen könnten.

- Der Inhalt, die Reihe, die Charaktere -

'Machtsturm' erzählt die Geschichte der Ankunft des Machthundes Xesh auf Tython und die Ereignisse die darauf folgten. Xeshs Mission ist jedoch nur der Vorbote einer drohenden Rakata-Invasion und eines Kataklysmus, der den Je'daii Orden auf immer verändern wird. Viele Rätsel werden im Laufe der folgenden beiden Sonderbände gelöst, andere leider nicht. Die Reihe endet dann schlussendlich wohl einige Jahre vor den aus Old Republic bekannten Machtkriegen, welche der Gründung des echten Jedi Ordens folgten.

Der erste Band führt uns erst einmal in die Geschichte des Tython-Systems und die etwas ungewohnten Praktikten der Je'daii ein. Ein mit freien Oberkörper trainierender Frauenschwarm, der mit einem Macht-Kugelblitz experimentiert? Hallo Sek'nos Rath, Angehöriger der Sith-Spezies und jüngster Abkömmling einer Reihe legendärer Je'daii. Ja Dawn of the Jedi ist anders und hat neben den voluminösen Oberweiten, welche zu Jan Duursemas Zeichenstil gehören zu scheinen, diesmal auch männliches Eye Candy zu bieten. Neben dem strahlenden Ritter mit freien Oberkörper gehören dann auch zwei Damen zur Kerngruppe von Je'daii Anwärtern, um die es zu gehen scheint. Die von Dathomir stammende Shae Koda steht Sek'nos ist eine der aussichtsreichsten jungen Alchemistinnen des Ordens und ebenfalls sehr kampfstark. Die dritte im Bunde ist allerdings Tasha Ryo, Tochter einer Je'daii Meisterin und eines Verbrecherfürsten, die sich nicht nur weigert in die Fußstapfen des ansonsten erbenlosen Vaters zu treten, sondern auch auf den Gebrauch eines Schwertes verzichtet. Alle drei werden zur ersten Begegnung des Machthundes auf Tython.

Natürlich, Machtsturm ist der erste Band der Reihe und Duursema und Ostrander haben alle Hände voll zu tun ihre drei Helden einzuführen und einen umfangreichen Cast an Nebendarstellern aufzustellen. Doch manchmal wirken diese Nebendarsteller interessanter als die eigentlichen Helden der Geschichte. So zum Beispiel der in seiner Karriere als Ranger stecken gebliebene Hawk Ryo, Bruder des Verbrecherfürsten Baron Volnos Ryo und Onkel Tasha Ryos. Der Je'daii wird sich im Laufe der Serie sogar zunehmend in Richtung eines der Hauptcharaktere entwickeln und einer der wohl wichtigsten Je'daii wird einem in Machtsturm auch nur kursorisch vorgestellt.

Zwischen meiner ersten Lektüre und dem Datum dieser Rezension liegen zwar bereits über 2 Jahre, doch mein ursprünglicher Eindruck der Geschichte hat sich eigentlich nur verfestigt. 'Machtsturm' schafft sich einen Ensemble-Cast in welchem oft nicht mehr zu unterscheiden ist, wer nun in der ersten Reihe spielt und wer nicht. Das Gewicht welches die Reihe immer wieder auch schon derart früh auf Nebendarsteller liegt trägt vorwiegend zur Irritation des Lesers bei, der sich fragt, wer nun überhaupt wichtig ist? Ein ähnliches Problem hatten Ostrander und Duursema zuletzt gegen Ende von Star Wars Legacy, als die Zahl der Nebenhandlungen sich regelrecht überschlug und am Ende nicht mehr alle losen Fäden aufgegriffen werden konnten. Zuviel Zeit mit Nebencharakteren zu verbringen, mag in Serien mit höheren Heftzahlen ein netter Fan-Service sein, doch bereits zu Beginn damit anzufangen hat der Reihe in meinen Augen eher geschadet.

Bei der Einführung der Charaktere hat man sich zwar auf die aus Legacy bekannten Graubereiche verlassen, was durchaus zur Je'daii-Philosophie passt, aber angesichts der schieren Menge an Charakteren die in die erste Reihe drängen eine Menge loser Fäden geschaffen, welcher das Autoren-Duo kaum noch habhaft werden konnte. Was eine Serie wie Game of Thrones bewältigen vermag, in einem Comic fehlt der Raum dafür.

- Resümee -

Was die Feinheiten der Je'daii Philosophie und die Eigenheiten des Ordens anbelangt ist der Dawn of the Jedi-Roman Tim Lebbons ('Into the Void') eindeutig empfehlenswerter. Trotzdem ist Lebbons Roman eher ein Begleitwerk, das über die Verknüpfung zum Comic, durch eine dem Buch angefügte Kurzgeschichte, zu einer lose angehängten Vorgeschichte wurde. Die wirklich wichtige Geschichte erzählen eben die Comics, doch diese sind zugleich jenes Werk, das sich weniger mit dem Je'daii Orden und mehr mit Politik und Geschichte des Tython-Systems (Stichwort Despotenkrieg) beschäftigen, ist ja auch der bevorstehende Konflikt mit den Rakata in der Rubrik Politik und Geschichte zu verorten. Entsprechend ist der Comic zugleich jene Form der Geschichte, die geringere Chancen hat Einfluss auf das neue Erweiterte Universum zu haben, zumindest aus meiner heutigen Perspektive.

An sich bin ich als Freund der Je'daii ja begeisterungsfähig was diese Ära betrifft, empfand den ersten Band der Comicreihe allerdings als mein Interesse weniger zufriedenstellend.


Star Wars Comics: Bd. 75: Der vergessene Stamm der Sith I - Teufelsspirale
Star Wars Comics: Bd. 75: Der vergessene Stamm der Sith I - Teufelsspirale
von John Jackson Miller
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein loser Faden, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
5000 Jahre vor der Schlacht um Yavin stürzte auf Kesh ein Bergbauschiff des alten Sith-Imperiums ab. An Bord eine Schiffsladung voll seltener Lichtschwertkristalle und eine menschliche Crew, die unter Sith Lord Naga Sadow sogar im Umgang mit der Macht unterwiesen worden war. 2000 Jahre später sind die Sith in der weiteren Galaxis praktisch ausgelöscht. Nur auf Kesh existiert noch der verlorene Stamm. Nach einem Zeitalter der Krisen und Jahrhunderten des Bürgerkriegs stand der Stamm am Rande seiner Vernichtung. Doch der Aufstieg des ehemaligen Archivars Varner Hilts zum neuen Großlord führte zur Restauration der alten Ordnung. Nach der Entdeckung und Eroberung eines neuen Kontinents plant Hilts nun auch die letzten unerforschten Reste des Planeten zu erforschen. Doch auf einer Welt voller Sith droht die größte Gefahr aus den eigenen Reihen. Der Anarchist Parlan Spinner plant einen Mordanschlag auf den Großlord...

- Der Verlorene Stamm: Prequel, Spinoff und loser Faden -

Selbst zu Zeiten des alten Erweiterten Universums standen die Geschichten um den Verlorenen Stamm der Sith auf tönernen Füßen. Die Idee zur Geschichte um eine solche Gruppe entstand aus dem Vorschlag in Verhängnis der Jedi-Ritter doch wieder Sith zu verwenden. Eine Erklärung musste her, wie ein Planet voller Sith über Jahrtausende unentdeckt bleiben konnte. Also ließ man 5000 Jahre vor der Schlacht um Yavin das Raumschiff Omen auf dem abgelegenen Planeten Kesh abstürzen, dessen Atmosphäre Kommunikation mit der größeren Galaxis verhinderte, während er zudem fern aller Hauptverkehrsrouten lag. Hat man früher nicht auch mal das fast gleiche über Dathomir behauptet? Ja und so ganz brillant war die Idee ja auch nicht. Doch die Ausführung konnte sich sehen lassen.

Neben der Verwendung des Stamms in den über 5000 Jahre nach dem Absturz angesiedelten Verhängnis-Romanen schuf man eine Reihe von anfangs kostenlosen E-Books über die Geschichte des Stamms. Ebenfalls aus der Feder John Jackson Millers, der den vorliegenden Comic geschrieben hat. Etwas am Stil der Foundation-Kurzgeschichten Isaac Asimovs orientiert erzählte Miller in den Kurzgeschichten die Geschichte des Stamms vom Absturz bis zur sogenannten Hilts-Restauration. Zugleich schrieb Paul Kemp einen Roman ('Gegenwind') über das Schicksal des Schwesterschiffs der Omen, das nach einem Defekt des Hyperraumantriebs durch die Zeit befördert wurde, um Jahrtausende später Jedi-Ritter Jaden Korr (Held des als Jedi Knight: Jedi Academy bekannten Jedi Knight III-Videospiels) Probleme zu bereiten.

Nach dem Ende der Kurzgeschichten wollte man die Geschichte des Stamms in Form von Comics fortführen und die Teufelsspirale wäre der erste Band dieser neuen Geschichte geworden, die vielleicht auch den Foundation-Stil der Kurzgeschichten aufgegriffen hätte (jeder weitere Band hätte demnach auch Jahre später mit älteren oder neuen Charakteren/Nachfahren alter Charaktere beginnen können). Doch die Reihe wurde bereits nach diesem Band beendet und zum Symptom jener Krankheit an denen das alte Erweiterte Universum in seinen letzten Jahren litt. Neue Reihen wurden begonnen und abgebrochen, ganze Projekte abgesagt und man versuchte immer öfter die Abwesenheit von neuen Ideen mit Nostalgiebeschwörung in Form von Geschichten über die großen Drei zu verdecken. Es mag am absehbaren Disney-Ausverkauf des Franchise gelegen sein, doch mit einem großen Knall hat sich das alte EU samt altem Kanon jedenfalls nicht verabschiedet, eher mit langer Krankheit und einem Gnadenschuss.

- Eigenheiten des Comics -

Wie 'Dawn of the Jedi' ist 'Der vergessene Stamm der Sith' eine Erzählung, die oft nur sehr wenig mit Star Wars gemein zu haben scheint. Wenigstens verwendet der Stamm ikonische Lichtschwerter. Die Sith des Stamms haben mit einem Darth Sidious eher wenig gemein, auch wenn sie in den Jahrtausende später angesiedelten Romanen durchaus auf die gewohnten Schlagworte reduziert wurden. Es mag an Autor John Jackson Miller liegen, dass der verlorene Stamm auch nicht über jene ausgeprägte eigene Macht-Philosophie verfügt wie die Je'daii in Dawn of the Jedi. Ohne eine solche treten die Sith jedoch lediglich wie irgendwelche Vertreter der herrschenden Ordnung in einem Fantasy-Roman mit Lichtschwertern auf. Man könnte Großlord Hilts und seine Gemahlin gar nach Westeros versetzen oder sonst eine Dungeons and Dragons-inspirierte Welt. Aber es ist Star Wars, weil Lichtschwerter verwendet werden. Autor Miller tut dem Comic auch keinen großen Gefallen wenn er am Südpol des Planeten noch eine geflügelte Mystikerin einführt, seine Sith mit Booten unterwegs sind und die gesamte Welt extrem feudal aussieht.

Mit der Etablierung der Verdammten und der Verwendung des antiken Sith-Lords Baron Remulus Dreypas verwendet Miller zwar interessante Story-Elemente, verschleist diese allerdings für eine eigentlich ziemlich belanglose Geschichte. Musste es Dreypa sein, um eine Verbindung zur weiteren Galaxis zu schaffen? Mal abgesehen von diversen Logik-Problemen in Bezug zu den Verdammten wirkt das Werk als wäre hier eine mittelmäßige Geschichte noch unnötig aufgebauscht worden.

- Resümee -

Ein (zumindest für mich) enttäuschender Comic zu den Kurzgeschichten. Eine unnötig aufgebauschte Geschichte, die schlussendlich überhaupt sehr wenig bewirkt, weil es nie zu einer Fortsetzung gekommen ist und auch nie mehr zu einer kommen wird.


Star Wars Comics: Bd. 73: Knight Errant III - Flucht
Star Wars Comics: Bd. 73: Knight Errant III - Flucht
von John Jackson Miller
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lord Odions Origin-Story und das frühzeitige Serienende, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Seit ihrer Rückkehr in das Reich der Sith ist Kerra Holt zu einem Stachel im Fleisch der Sith-Herrscher geworden, doch die Reise der fahrenden Ritterin ist noch nicht zu Ende. Nachdem sie auf ihrem einstigen Heimtplaneten zuletzt eine heiße Spur zu ihren vermissten Eltern gefunden hat ist Kerra einmal mehr undercover in das Odionat eingedrungen und bemüht sich von dessen Scouts als Akolythin angeworben zu werden. Denn wie Kerras Eltern ist auch Lord Odion auf der Suche nach dem legendären Helm von Ieldis, einem Sith-Artefakt, dass seinem Träger die Kontrolle über ganze Armeen verschaffen könnte...

- Irreführendes Coverart -

Seit der ersten Veröffentlichung des ersten Hefts des dritten Knight Errant-Story-arcs ließe sich von den Covern ausgehend eine bedeutend düsterere Geschichte annehmen als der Comic tatsächlich bietet. Ein Fall in dem man den Inhaltsangaben der Einzelhefte bzw. des Bandes lieber blind vertrauen sollte, wenn man wissen will, um was es wohl wirklich geht. Zugegeben, auch ich habe mich damals täuschen lassen. Warum? Inhaltsangaben können manchmal ja doch irreführend oder extrem oberflächlich verfasst sein, so dass sie gänzlich am Inhalt eines Werks vorbeischiessen. Im Fall von Knight Errant III leider nicht.

Die Geschichte, die auf den Covern aussieht als würde Kerra Holt in den Strudel der dunklen Seite geraten und Gefahr laufen selbst zu einer Sith zu werden, ist ein Täuschungsmanöver. So visuell aufregend wie die Geschichte auf den Covern aussieht ist sie dann gar nicht, zumindest über weite Strecken. Es ist durchaus schade, gerade auf den Covern eine derart interessante Geschichte präsentiert zu bekommen, die im Comic selbst keine Resonanz findet. So als würden Cover und Comic zwei verschiedene Geschichten erzählen. Und für meinen Geschmack ist dabei die von John Jackson Miller geschriebene zugleich die weniger brisante.

- Der tatsächliche Inhalt -

Knight Errant bleibt sich treu und die Differenz zwischen Cover und Inhalt ist wieder einer der Fälle warum dieser Rezensent kein 100%iges Vertrauen zu Autor John Jackson Miller entwickelt. Bei allen Glanzleistungen die Miller gelungen sind, wirklich frei von Schattenseiten sind für meinen Geschmack sehr wenige (Millers Kenobi-Roman wäre der einzige mir auf Anhieb einfallende). So mögen Leser, die bis zu dieser Stelle vorgedrungen sind, also gewarnt sein, was folgt wird keine Miller-Lobpreisung.

Seit 'In Flammen' hat JJM Kerra Holt auf eine Odyssee durch das Reich der Sith-Lords geschickt, die nun schlussendlich zu einer Suche nach ihrer lange verlorenen Familie geworden ist. Damit hat sich die Reihe schon einmal deutlich von jenen großen Zielen wegbewegt, mit denen sie gestartet ist, nämlich Kerras langen Guerilla-Kampf gegen die im Knight Errant-Roman vorgestellten Erben der Sith-Matriarchin Vilia Calimondra. Mit der Einstellung der Reihe nach Arc III ist sicher ein starker Drang dagewesen Kerras persönliche Story vorzuziehen, doch man darf um ein verschwendetes tolles Konzept trauern. Der Wechsel der Comiclizenz von Dark Horse zu Marvel und die Auslöschung des alten Erweiterten Universums (alle vor Ende 2014 geschriebenen Star Wars-Geschichten sind nicht länger Teil der Kontinuität) durch die neuen von Disney eingesetzten Verantwortlichen bei LucasArts machen jede Fortsetzungshoffnung bereits einmal zunichte. Nicht jedoch die Möglichkeiten, dass sich der ehemalige Marvel-Autor JJM (immerhin auch einmal einer der Autoren der Iron Man-Comics) eines Tages wieder eines Star Wars-Comics widmen wird und vielleicht sogar in der neuen Kontinuität zur Auferstehung altbekannter Charaktere beiträgt.

Neben der Familiensuche existiert allerdings durchaus eine zweite Haupthandlung, nämlich um Lord Odions Endspiel. Hierbei wird in Form von Rückblenden mehr von dessen Origin-Story enthüllt und der Charakter durchaus vermenschlicht. Odion, der wie manche seiner Verwandten an einer Art degenerativer Erkrankung leidet, die sein Verständnis der Macht auf einzigartige Weise geprägt hat ist wie die beiden Kinder der Dyarchie (vorgestellt im Knight Errant-Roman) besonders machtbegabt, doch auch gezeichnet. Wie im Falle des Sith-Lords Quillan hätte man auch Odion vielleicht helfen können, doch als Sith-Prinz ist Hilfe etwas, das Odion nie angeboten wurde. Der junge Mann, der jedes fühlende und denkende Lebewesen in der Macht spüren kann, leidet unter diesem besonderen Talent. Es verursacht ihm massive Kopfschmerzen und als sein Bruder Daiman geboren wurde, hat ihm sogar die eigene Mutter die Liebe entzogen, ein weiteres Trauma für den jungen Sith. Jahre später ist Odion deshalb einer der grausamsten und psychopathischsten Sith Lords geworden, denn seine Erkenntnis, wie er mit seinen Schmerzen umgehen kann war - töte alles und jeden der sie dir versucht. Zugleich ist der Hass auf seinen jüngeren Bruder, der als verwöhntes und verhätscheltes Bürschchen irgendwann zur Annahme gelangt ist, er wäre Herr und Schöpfer der Welt, immer nur stetig gewachsen.

Wären Odion und Daiman nicht Fürsten in einem Reich, in welchem keiner ihrer Untertatenen gegen ihre Macht ankommt, man hätte sie wie den wahnsinnigen König Aerys Targaryan in Game of Thrones wohl bereits ermordet. Doch die Sith-Lords sind wahrhaft Fürsten in einer quasifeudalen Ordnung, wo Adelsfehden an der Tagesordnung sind und Untertanen ihr alltägliches Leid ertragen. Was ja wieder zur Idee Knight Errants als Ritter-Roman-Hommage des Star Wars-Universums passt.

- Charakterzeichnung -

Mein Eindruck von Kerra Holt als einigermaßen gefühlskalter Jedi-Ritterin, der JJM nie wirklich eindrucksvolle emotionale Szenen zukommen ließ, hat sich auch in 'Flucht' nicht verbessert. Allerdings schafft es JJM durchaus mit Lord Odion eine massive Wende einzulegen und dem zunächst als reinen Bösewicht auftretenden Sith-Lord eine menschliche Seite zu verleihen. Er ist zwar immer noch der irre Superschurke, der am liebsten alles Leben auslöschen würde, um einen Tag ohne Schmerz zu verbringen, doch man man weiß nun warum er so geworden ist. Zugleich ist Odion nicht mehr zu retten, es sei dann man könnte ihn mit der zu Zeiten Nomi Sunriders noch bekannten Wand aus Licht bekannt machen, praktisch also seine Verbindung zur Macht trennen. So gesehen wäre der Fall Odion ja nicht ganz hoffnungslos gewesen.

- Resümee -

Ein durchaus angemessenes Finale für eine Reihe die allerdings hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist und wenigstens mich als Leser mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Ein lesenswerter Twist mit Lord Odion, eine enttäuschende Fortsetzung von Kerra Holts Suche und ein Finale, das gekünstelt wirkt, weil es ja einfach so kommen musste. Trotzdem 4 Sterne gerade wegen der Odion-Story, die sich sehr interessante mit dem Roman verbinden lässt und vielleicht ein Konzept geschaffen hat, das es auch in das neue Erweiterte Universum schaffen könnte, das Ende 2014 beginnen wird.


Annihilation: Star Wars (The Old Republic) (Star Wars: The Old Republic - Legends)
Annihilation: Star Wars (The Old Republic) (Star Wars: The Old Republic - Legends)
von Drew Karpyshyn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Fall für Theron Shan, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im geheimen ist er einer der größten Helden der Republik, hat er doch für die Zerstörung des imperialen Sun Razers geführt. Einer von Darth Mekhis konstruierten Weltraumfabrik, die basierend auf der Technologie der Sternenschmiede der Rakata, eingesetzt wurde um eine ganze Reihe imperialer Superwaffen-Projekte voranzutreiben. Mit Mekhis Ableben und der Zerstörung des Sun Razers scheint die Gefahr gebannt. Doch nicht alle der Superwaffen wurden zerstört.

Mit dem Wiederausbruch des Krieges zwischen Sith-Imperium und Galaktischer Republik hat sich vieles verändert. Die neue Oberste Kanzlerin Leontyne Saresh hat unter anderem den Kriegshelden Jace Malcom zum neuen Supreme Commander bestimmt, gerade aufgrund von dessen vermeintlich starker Bande zum Jedi-Orden. Doch Malcom und Großmeisterin Satele Shan weisen ein durchaus belastetes Verhältnis auf, von dem die Öffentlichkeit nichts weiß. Vor Jahrzehnten gingen Malcom und Satele eine im Jedi-Orden verbotene Beziehung ein, die beiden einen gemeinsamen Sohn bescherte, den Satele allerdings nicht nur vor ihren Meistern, sondern auch Malcom versteckte. Jahre später ist dieser Sohn nun vielleicht die größte Hoffnung der Republik.

Ein republikanischer Überraschungsangriff auf Dromund Kaas, das Verstummen des Imperators und der Usurpationsversuch des legendären imperialen Kriegshelden Darth Malgus haben die Imperialen ins Hintertreffen geraten lassen. Doch die Gegenoffensive der Republik könnte schon bald im Sand verlaufen, denn mit dem Schlachtschiff Ascendant Spear hat die ehemalige Malgus-Schülerin Darth Kharrid eine der von Darth Mekhis kreierten Superwaffen in ihren Besitz gebracht...

- Der Inhalt, sein Bezug zum Spiel und mehr -

Drew Karpyshyns 'Annihilation' ist der vierte und womöglich letzte The Old Republic-Roman, der es ans Licht der Öffentlichtkeit geschafft hat. Nach dem kaum ins Spiel eingebundene 'Fatal Alliance', der Prequel-Geschichte 'Deceived' und Karpyshyns Origin/Prequel-Geschichte zum Sith-Imperator 'Revan' ist 'Annihilation' ein direktes Bindeglied zwischen dem Hauptspiel und den Ereignissen des ersten Addons 'Rise of the Hutt Cartel'. Zugleich versteht sich der Roman als eine Fortsetzung des dritten Old Republic-Comics 'The Lost Suns' aus der Feder Alexander Freeds, des ehemaligen Lead Writers der Klassenstory des Imperialen Agenten. Auch Karpyshyn war als Senior Writer und Berater in Sachen Revan am Aufbau des Projektes beteiligt und ging danach quasi in Rente.

Die von Karpyshyns ehemaligen Kollegen Freed in Lost Suns erzählten Ereignisse sind es auch welche die Vorgeschichte zu Annihilation bilden. Der von Freed erstmals eingeführte Theron Shan (seit April 2014 und Game Update 2.7 Forged Alliances auch Questgeber im Spiel) nimmt daher auch in dieser Fortsetzung die Hauptrolle ein und sieht sich mit der Nach-Nachfolgerin Darth Mekhis konfrontiert. Mekhis direkte Nachfolgerin als Kopf des imperialen Technologie-Ministeriums und Mitglied des Dunklen Rats war immerhin Darth Hadra und diese Dame wurde von einem republikanischen Helden bei der Rückeroberung Corellias erschlagen (praktisch im letzten Kapitel des Republik Planeten-Arcs auf Corellia).

Wer das Spiel spielt dürfte sich auch im Klaren sein, dass eine Darth Kharrid innerhalb der Story nicht vorkommt und Darth Hadras Nachfolgerin einen ganz anderen Namen trägt. Im Roman hingegen ist der Kampf um Hadras Nachfolge gerade voll entbrannt und der konservative Anteil des dunklen Rats würde Darth Gravus für die Position bevorzugen. Die Alien-Dame Kharrid hingegen ist die Favoritin Darth Marrs und der genießt trotz seiner informellen Vorsitzenden-Funktion im Rat nicht unbedingt den uneingeschränkten Respekt seiner Ratskollegen. Dass Marr überhaupt den Rat ohne den Spielercharakter des Inquisitors/Lord Kalligs zusammentreten lässt erklärt auch warum man als Sith Inquisitor seit dem finale seiner Klassenquest nicht mehr in die Neuernennungen von Ratsmitgliedern eingeweiht wurde. Marr ruft lediglich die seiner Ansicht nach entscheidenden Ratsmitglieder zusammen. Das soll also erklären warum selbst das Ratsmitglied Darth Imperius/Occulus/Nox mit Verblüffung immer wieder neuen Kolleginnen und Kollegen wie Darth Acina oder Darth Arkous begegnet.

Nachdem nun auch die Ascendant Spear die Zerstörung des Sun Razer überstanden hat und neben der allerdings vom Trooper zerstörten Gauntlet und dem von Lord Kallig wiederaufgenommenem Silencer-Projekt die dritte der Superwaffen aus Darth Mekhis Arsenal ist darf man sich natürlich fragen, ob nicht noch andere Superwaffen des Imperiums auf ihre Wiederentdeckung warten. Vor allem die schon in Lost Suns vorgestellte imperiale Version der Sternenschmiede, sowie die Existenz der als Kriegsbeute an die damaligen Ratsmitglieder verteilten besonders gesicherten Sternensysteme harren ingame einer konkreten Erwähnung. Unter anderem hat sich auch der bis dato nur als Meister und Auftraggeber des gescheiterten Lord Hagrevs erwähnte Darth Rictus noch nie ingame gezeigt.

So spielt Annihilation zwar eindeutig im selben Universum wie das Spiel, führt uns allerdings ganz andere Seiten dieser Welt vor. Um das Werk auf seine für die Spielgeschichte wichtigste Funktion zu reduzieren, es erzählt die Geschichte der Nachbesetzung von Darth Hadras Posten. Eine Aufgabe die dem Rat schlussendlich aber wieder offscreen von der Hand des Imperators abgenommen wurde.

- Zu den Charakteren -

Darth Malgus ist tot, seine Anhänger jedoch haben den gescheiterten Putschversuch des falschen Imperators überdauert. Darth Marr wird einige von ihnen, wie Lord Cytharat oder Captain Hanthor sogar begnadigen und für seine Reform des Imperiums einspannen. Doch auch wenn Malgus Geschichte ist, er könnte Schüler gehabt haben? Ein solcher ist wohl der auf Makeb in der imperialen Fraktions-Story in Erscheinung tretende Lord Cytharat, doch auch Darth Kharrid hat einst zu Füßen des falschen Imperators die dunkle Seite studiert und sich im rechten Augenblick von ihrem einstigen Mentor abgesetzt. Als Malgus auf der entführten Raumstation des Sith-Imperators sein Leben lassen musste fand sich Kharrid auf der sicheren Seite wieder.

Kharrid ist jedoch mehr als nur eine von vielen austauschbaren Sith. Die ehemalige Jedi war früher der Padawan Meister Gnost-Durals und genau der soll seiner Ex-Schülerin in Annihilation mit Therons Hilfe Einhalt gebieten. Kharrids Weg zur dunklen Seite bleibt unterdessen nur als Abriss dokumentiert. Sie sollte die Sith studieren und an der Seite Malgus für die Republik als Spionin arbeiten. Doch die Agentin wurde umgedreht und man fragt sich, wie viele andere Ex-Jedi in kommenden ingame-Geschichte noch eine Rolle spielen könnten.

Gnost-Durals erster Auftritt abseits der Timeline-Videos ist auch nett. Nur schade, dass sich der von Lance Henrikson gesprochene Gnost-Dural bis jetzt nicht finden ließ, auch wenn Henrikson auf eine längere Verbindung zu Bioware hinweisen könnte. Immerhin sprach Henrikson über Jahre die Rolle des Admiral Hackett im Mass Effect-Franchise und konnte ja auch für die Timeline-Videos gewonnen werden.

Theron Shan wiederum ist als Superspion der Republik dank Forged Alliances und dem Storybogen des Jahres 2014 endlich ingame angekommen. Immerhin gewinnt der SIS gerade auch ingame immer mehr an Gewicht, was selbst einen Auftritt von Shans Boss Direktor Marcus Trant (immerhin der Ex-Mann General Garzas) in der Zukunft wahrscheinlich erscheinen lässt.

Aber auch die Schmugglerin und Angehörige der Old Tion Brotherhood (eine Organisation die abseits der Beschreibungen von Crew Skill Missionen ingame ebenfalls noch keine Rolle spielte) Teff'ith ist wieder mit dabei. Die wahrscheinlich machtempfängliche Twi'lek-Dame beweist im Roman einmal mehr ihren Wert und Widerwillen.

- Zum Inhalt -

'Annihilation' spielt in einer Ära, die das Überleben von Charakteren über die aktuelle Geschichte hinaus nicht garantiert. Wenn selbst groß plakatierte Charaktere wie Darth Malgus vor einer verfrühten Tod nicht sicher sind, dann sollte man sich auch keine Garantien für einen Nachfahren Bastila Shans und Revans erwarten. Die Geschichte selbst ist eine der weniger "klassischen" Star Wars-Geschichten, wobei klassisch in den letzten Jahren auch nur noch hieß dass Lukle & Co darin verwendet wurden und zum 10. Mal ein typisches EU-Szenario erlebten. Die Old Republic-Ära kennt keinen Luke Skywalker und Theron Shan ist eher ein patriotischer Han Solo als Luke oder Leia. Immerhin fehlt dem jungen Mann auch die in seiner Familie sonst so hoch gewürdigte Verbindung zur Macht.

Ein erfahrener Jedi-Meister, ein republikanischer Top-Agent und eine widerwillige Schmugglerin stellen sich einer Cyborg-Sith Lady und ihrem persönlichen Sternenzerstört. Doch erst einmal müssen die Helden an Bord des Schiffs geraten und dafür tief ins imperiale Gebiet vorstoßen. Was auch wieder auf einen Planeten führt, der ingame zwar erwähnt wird, aber bisher nie besucht werden konnte. Ziost, eine der ehemalige Kernwelten des Sith-Imperiums und nunmehr Sitz des von Darth Vowrawn (der Verbündete des Sith-Kriegers im Finale von dessen Klassenstory) geführten Ministeriums für Logistik, neben Korriban und Dromund Kaas die drittwichtigste Welt des Imperiums und bis dato (Stand der Rezension ist Mai 2014 bzw. Patch 2.7.1) auch die einzige der drei Welten, welche ingame noch keine selbst kurzfristige Invasion durch die Republik erdulden musste.

- Resümee -

Jeder der vier The Old Republic-Romane kann irgendetwas für sich verbuchen. War Sean Williams Fatal Alliance dessen Rehabilitation nach zwei enttäuschenden Romanadaptionen The Force Unleasheads, erwies sich Paul Kemps Deceived für meinen Geschmack als der beste Roman in dieser Epoche, woran auf Karpyshyns Revan nicht mehr kratzen konnte. Das für mich etwas enttäuschende Revan und Williams de facto völlig fern des Spiels angesiedelte Erzählung sind auch der Grund warum ich persönlich Annihilation neben Deceived als meinen liebsten Old Republic-Roman ansiedeln würde. Der Roman hat einen sympathischen Hauptcharakter, Humor und Drew Karpyshyn als Autor, da brauche ich auch keine weltbewegenden Enthüllungen wie in Revan, um mit diesem Werk zufrieden zu sein. Fans der Old Republic-Romane sei das Werk jedenfalls wärmstens empfohlen, ebenso wie Freunden von eher nicht machtempfänglichen Charakteren.

- Als Nachtrag: Die letzte Bastion des alten Expanded Universe -

Mit der faktischen Auslöschung des alten EUs aus der offiziellen Kontinuität der GFFA wurde auch SWTOR praktisch aus dem Kanon getilgt. Doch das Spiel läuft noch immer gut und hält stolz an einer alten Ordnung fest, in der etwa Korriban noch Korriban hieß und es mehr als vier Lichtschwertfarben gab. Solange SWTOR noch live existiert besteht ein Teil des alten EUs fort, daran kann auch eine völlig neu geschriebene Hintergrundgeschichte für die Sith (die etwa ohne Sith-Volk auskommt) vorläufig nichts ändern. So sehr ich als Fan von den Entscheidungen der neuen Story Group im April 2014 zunächst auch schockiert war, es hat meine Bereitschaft unermesslich gesteigert mich auf die Seiten The Old Republics zu stellen. Immerhin erkennt die Geschichte SWTORS nach wie vor die Existenz eines Exar Kun, Naga Sadow und Revan an. Es mag zwar nur noch 'Legends' sein, doch lieber virtuell eine imperfekte Legende am Leben halten, als Jahre darauf warten müssen, dass irgendjemand diese Ära mit einem Remake ruiniert. Unter anderem wurde ja auch Knights of the Old Republic mittels Bannhammer erschlagen, was die Chancen auf das mystisch beschworene KOTOR III völlig erledigt hat. SWTOR hingegen lebt aufs erste noch und ist zur letzten Bastion des alten Expanded Universe aufgestiegen, wer hätte das gedacht.


Kenobi: Star Wars (Star Wars - Legends)
Kenobi: Star Wars (Star Wars - Legends)
von John Jackson Miller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ben - Star Wars meets Western, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lässt sich aus einer bedeutungslosen Geschichte ein interessanter und lesenswerter Roman gestalten? Ja, denn John Jackson Miller ist es mit 'Kenobi' gelungen.

'Kenobi' setzt da an, wo Episode III endete. Der einstige Jedi-Meister und Kriegsheld Obi-Wan Kenobi steht vor dem nichts und sucht nach einem Leben als einsamer Eremit in der Wüste. Dort wird er Jahre verbringen und über die letzte Hoffnung des Jedi-Ordens und der Galaxis wachen...

Von dieser Prämisse ausgehend, kann in 'Kenobi' ja kaum viel passieren? Doch eines vergisst man dabei vielleicht, nämlich die Tatsache dass Tatooine zwar fernab des Zentrums der Galaxis liegen mag, doch ist das Leben der Siedler hier nicht weniger hart als auf unserer Welt in einer anderen Zeit im Wilden Westen. 'Kenobi' lebt von einer Verbindung jener Einblicke in das Leben auf Tatooine, die uns vor allem die Prequels und Episode IV vermittelt haben. John Jackson Miller entführt seine Leser in diese Welt, die zum Großteil aus Episode IV geschnitten wurde und gerne übersehen wird. Tatooine mag auf jemanden wie Luke Skywalker fade und ereignislos erscheinen, doch JJM beweist, auch diese Welt ist keineswegs gefahrenlos.

- Turbulentes Tatooine: Der Inhalt -

Über Kenobi wurden ausgesprochen viele beeindruckende Rezensionen geschrieben und dass das Buch im Fandom durchaus hoch gefeiert und als Überraschungserfolg gelobt wurde hat seinen Grund, denn es ist eben ausgesprochen gut gelungen. Vor allem weil 'Kenobi' so viele Zutaten besaß eigentlich zu einem vergessenswürdigen Fehlschlag zu geraten. Ereignisloses Setting, keine große Bedrohung, keine großen Ereignisse... nur Sand und die erbarmungslose Sonne. Selbst die Aussicht auf 'Kenobi' wirkte wie der Anblick einer erbarmungslosen und endlosen Wüstenlandschaft. Doch Tatooine besitzt Oasen, Schluchten und vor allem Menschen bzw. Sandleute. Und diese Charaktere treiben die Geschichte voran.

Bedeutend für 'Kenobi' ist unter anderem auch, dass Autor JJM sich für den Roman sehr genau mit allen möglichen bekannten geografischen Fakten zu Tatooine auseinandergesetzt hat und im Roman die erste (ehemals?) offizielle Karte der Siedlungen vorlegen konnte. Nach dem EU-Reboot 2014 könnte diese Pionierarbeit zwar hinfällig sein, doch damals war es eine beeindruckende Leistung.

Was Miller mit seinem Kenobi-Roman geschaffen hat, braucht den Vergleich mit anderen Perlen des alten EU kaum zu scheuen. Das Buch mag unkanonisch geworden sein und vielleicht auch künftigen (vor allem auch in Hinblick auf die Serie Rebels und Episode VII) Darstellungen des Exils von Obi-Wan Kenobi widersprechen, doch es ist trotz seiner Jugend bereits zur Legende geworden und wie wir wissen sind Legenden immer eines: tot (durchaus passend also, welchen Titel man dem alten EU verliehen hat).

Miller ist gelungen, woran 90% der jemals im Star Wars-Universum tätigen Autoren definitiv gescheitert wären, nämlich aus den kärglichen Zutaten für seine Geschichte ein Werk zu verfassen, dass sich als erster Star Wars-Western bezeichnen kann. Und dabei ist ein Western entstanden, in dem selbst die Indianer nicht unbedingt die Bösen sind. Millers Tatooine ist eine raue Welt, in der Bürgerwehren und Alarmsysteme das einzige sind, was die zerstreut lebenden Siedler davor rettet, Opfer der gnadenlosen Tusken-Räuber zu werden. Die Sandleute sind zum Zeitpunkt von Ben Kenobis Auftauchen auf Tatooine allerdings geschlagen und der zunächst unbekannte Grund dafür liegt erst einige Jahre zurück. Ein Massaker unter den Tusken führte dazu, dass nun die einäugige Kriegerin A'Yark ihrem Stamm vorsteht und diesen in einen Kampf ums nackte Überleben führt, in dessen Folge die Tusken selbst mit einigen ihrer heiligsten Traditionen brechen müssen.

Auf der anderen Seite der Wüste führt unterdessen die Ladenbesitzerin Annileen Calwell das Lebenswerk ihres verstorbenen Ehemanns fort und bemüht sich so gut wie möglich ihre beiden Kinder Kallie und Jabe vor dem eigenen Übermut zu retten, als ein mysteriöser Fremder namens Ben Kenobi in ihr Leben tritt. Calwell und die Bewohner der Siedlung Dannar's Claim sind jedoch auch der Mittelpunkt im Leben des geschäftstüchtigen Feuchtfarmers Orrin Gault, der mit seinen Kindern eine eigene Bürgerwehr ins Leben gerufen hat, um die umliegenden Siedlungen vor künftigen Übergriffen der Sandleute zu bewahren. Dafür verlangt Orrin nur einen kleinen Mitgliedsbeitrag. Jüngere Angriffe der Tusken geben Gaults Initiative zur Selbstverteidigung jedenfalls recht, auch wenn sich viele Siedler noch dagegen streuben dem Settler's Call Fund beizutreten...

- Zur Story -

Über weite Strecken erweist sich 'Kenobi' als eine Geschichte mit vielen Grautönen. Die Tusken kämpfen um ihr Überleben, die Siedler um das ihre und zwischendrin weiß der ehemalige Jedi-Ritter Kenobi noch nicht recht, wie er sich in diese Gesellschaft fügen soll. Kenobi belässt es zunächst bei Passivität, auch wenn das bedeuten wird Unrecht geschehen zu lassen. Die Gefahr durch seine Intervention größeres Übel heraufzubeschweren erscheint ihm zu groß und so ganz Unrecht hat er ja nicht.

Millers Tatooine-Roman schafft es selbst innerhalb der oft sehr einengenden Fesseln des Star Wars-Universums zunächst einmal vielschichtige Charaktere zu etablieren, unter denen erst einmal keine direkte Trennung zwischen gut und böse möglich ist. Selbst der Ex-Jedi Ritter erweist sich in seinem Versuch die Deckung aufrecht zu erhalten, als zögerlicher Passant, der zwar Unrecht mitansieht, aber mit sich ringen muss, eben nicht einzugreifen. Millers Kenobi, der eine Synthese des Kenobis der Prequels mit jenem der Klassischen Trilogie und des The Clone Wars-Kenobis darstellt ist eine unerwartet beeindruckende Schöpfung. Und das aus der Feder eines ehemaligen Comicautors, der zumindest lange Zeit nicht zu meinen Favoriten gehörte. In 'Kenobi' bringt es JJM zustande, aus allen drei Kenobis einen zu schmieden und diesen als Ben lebendig werden zu lassen. Künftige Werke über Obi-Wans Exil mögen diesem eine aktivere Rolle zusprechen (wer will schon den neben C3PO und R2-D2 einzigen in allen sechs Episoden vorkommenden Charakter für die 18 Jahre dauernde Ära zwischen Ep III und Ep IV im Exil verstauben lassen), doch Anhängern altkanonischer Kenobi-Vorstellungen wird hier die Genese ihres Ben Kenobis geboten, der 18 Jahre auf Tatooine praktisch nur in seiner Hütte hockte.

Die Fühler in Richtung einer Fortsetzung ausgestreckt hätte 'Kenobi' dennoch, auch wenn diese unwahrscheinlich war. A'Yark mit einem gewissen A'Sharad in Verbindung zu bringen und die Hoffnungen der Tusken auf ihren Auserwählten, hätten dafür vielleicht sogar eine Grundlage geliefert. In groben Zügen wurde diese mögliche Fortsetzung ja in einer Rückblende in den Legacy-Comics allerdings behandelt.

Neben dem guten alten Ben spielen allerdings vor allem zwei Frauen die Hauptrollen, einerseits die gute Seele von Dannar's Claim, Annileen Calwell, anderenseits die Tusken-Häuptling A'Yark. Während A'Yark die alleinige Aufgabe zufällt den Tusken-Handlungsstrang zu tragen und dabei die Ereignisse aus ihrer Perspektive darstellt, bietet Annileen die andere Perspektive. Insgesamt ergeben sich so vereinfacht die drei dominierende POV-Perspektiven des Romans, A'Yark, Ben und Annileen, von kleineren Abstechern einmal abgesehen. Ein weiteres Stilmittel, das man von JJM trotz des 'Knight Errant'-Romans und der 'Lost Tribe of the Sith'-Kurzgeschichten nicht erwartet hätte. Beide Damen sind unbeabsichtigt für ihre jeweilige Gemeinschaft in die Rolle der Matriarchin gerutscht und stehen ihren männlichen Gegenübern, wie Ben oder Orrin Gault in nichts nach. Während Annileen allerdings von der Macht ihrer Position Abstand nimmt und damit Orrin Gault die Chance gibt als inoffizieller Bürgermeister von Dannar's Claim aufzutreten ist A'Yark eine Anführerin mit Vision und klaren Vorstellungen. A'Yark führt und die Überreste ihres einst mächtigen Clans folgen ihr, dennoch fehlt der fähigen Anführerin das Selbstbewusstsein sich selbst als Retterin des Clans zu sehen, eine Rolle die sie stattdessen immer mehr einem möglichen Auserwählten zuschreibt.

Orrin Gault hingegen ist der Inbegriff eines umtriebigen Bauernführers, der uns als tatkräftig und ambitioniert vorgestellt wird. Gault, der mit seiner Gruppe Freiwilliger ein Frühwarnsystem gegen Tusken-Überfälle geschaffen hat und dessen Reichweite nun weit über die Grenzen des Dannar's Claim hinaus ausdehnen möchte. Ein Mann der zwangsläufig in Konflikt mit A'Yark und den als sympatisch vorgestellten Tusken geraten muss. Die Tusken mögen einst über Siedlungen hergefallen sein und durch ihre Entführung der Frau Cliegg Lars ihren Beitrag zur Transformation Anakin Skywalkers in Darth Vader geleistet haben, doch nur einige Jahre später sind die Töchter und Söhne der Zwillingssonnen die Bedrohten.

- Resümee -

Wohl der letzte wirklich gute Roman des alten Expanded Universe. Ein Werk über Licht und Schatten unter den Zwillingssonnen Tatooines. Faszinierende Charaktere und packende Erzählung in einem literarischen Überraschungserfolg, der John Jackson Miller in die erste Reihe der im Star Wars-Franchise aktiven Autoren katapultiert hat.


Honor Among Thieves: Star Wars (Empire and Rebellion) (Star Wars - Legends)
Honor Among Thieves: Star Wars (Empire and Rebellion) (Star Wars - Legends)
von James S.A. Corey
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,10

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Han Solo and the Secrets of the K’kybak, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Mission für die Rebellen-Allianz führt Han Solo tief in das Herz des Imperiums. Doch selbst auf einer Welt, wo Sternenzerstörer den Verkehr regulieren und Sturmtruppen an scheinbar jeder Ecke patrouillieren ist Solo weder vor Kopfgeldjägern, noch anderen unvorteilhaften Schicksalswendungen sicher...

- Zum Konzept -

Neben Darth Vader ist Han Solo wohl jener Star Wars-Charakter dem seit 1977 die meisten Haupt-, Neben- und Gast-Rollen in Star Wars-Veröffentlichungen zugekommen sind. Auf der hellen Seite ist es demnach Han dem gefühlte 100 Romane und Comics gewidmet sind. Sogar Timothy Zahn, hat Han Solo mit 'Scoundrels' ein Denkmal gesetzt. Brian Daleys Romane über Han Solos Abenteuer im Corporation Sector sind zwar ewig her, doch immer noch Klassiker, genauso wie die A.C. Crispins Han Solo-Trilogie. Nach Zahns Solo-Roman im Rahmen der Reihe 'Empire and Rebellion' einen weiteren 'Solo' präsentiert zu bekommen überraschte zunächst einmal. Zugleich stellte sich allerdings die Frage (zumindest für mich), was man mit einem weiteren Han Solo-Roman anfangen sollte, der nicht einmal den Anspruch stellen kann, Solos Hintergrundgeschichte weiter auszubauen oder irgendeine relevante neue Epoche in Solos Leben zu beleuchten. Am Ende der Ära des alten EU scheute man sich jedoch davor in diese Hintergrundgeschichten einzutauchen, etwas das nach 2014 und dem Reboot des EU eine der ersten Aufgaben der Story Group sein wird. Mit dem Wegfall des alten EU und der Öffnung der GFFA für neue Möglichkeiten und kreative Köpfe bestehen die Hintergrundgeschichten für Solo & Co. jedenfalls wieder aus einem leeren Blatt Papier.

Das Buch zu kaufen erwies sich rückblickend tendenziell als Fehler. Im Gegensatz zu den Klassikern ist es nämlich umso belangloser. Während man unter dem Legends-Banner wohl noch in 10 Jahren Han Solo at Stars End lesen wird, dürfte sich keiner mehr darum scheren was das Autoren-Duo James S.A. Corey in 'Honor Among Thieves' geschrieben hat. Und selbst wenn Corey eine irgendwie relevante Geschichte zu Papier gebracht hätte, sie wäre mit dem Legendes-Banner ohnehin aus dem Kanon getilgt worden.

- Zum Buch -

Ähnlich wie auch Martha Wells 'Empire and Rebellion'-Roman leidet auch 'Honor among Thieves' unter dem Zeitpunkt und Trend seiner Entstehung. Ein Solo-Roman der uns nichts neues über Han Solo verraten darf, zugleich aber versucht dieses Problem noch zu umschiffen, das konnte nicht gut gehen. Was unterm Strich und in der Erinnerung bleibt, Han Solo bricht zu einem Abenteuer auf und nimmt die Hauptrolle in der Geschichte ein. Das kann doch nicht alles gewesen sein? Ist es aber. Im Vergleich mit den bereits erwähnten Kultwerken um Han Solo nimmt sich 'Honor among Thieves' wie die Romanadaption eines Comiczweiteilers um Han Solo aus, allzu viel mehr gibt die Story nicht her. Vielleicht hätte die Story allerdings auch zu einem Sonderband/Sammelband füllenden Vierteiler oder Dreiteiler gereicht, will man das etwas von den legendären Lando Calrissian-Stories abgekupferte Finale ebenfalls nicht aus der Erinnerung streichen.

- Zur Story -

Solos Ausflug in das Kernland des Imperiums hätte sich als Comic wunderbar inszenieren lassen. Die Geschichte liest sich auch durchaus amüsant und bietet humorvolle Momente. Doch der Schwenk von einer heiteren Buchfassung eines klassischen Empire/Rebellion-Comics zu einer Geschichte, die mehr an L. Neil Smiths Lando Calrissian-Geschichten angelehnt scheint, stört dann doch etwas das Lesevergnügen, zumindest wenn man nicht unbedingt ein Fan besagter Erzählungen war. Doch bis dahin verläuft die Geschichte ja sehr nett, wie die Mehrheit der auf Solo zentrierten Comics vergangener Jahre.

Störend erweist sich allerdings die etwas plumpe Einführung des Schmugglers/Kopfgeldjägers Baasen Ray, die allzu erzwungen wirkt. Auch Rays unglaubliches Talent ein ums andere Mal den Behörden zu entwischen und Solo auf den Fersen zu bleiben, um in seiner Charakterentwicklung eine eher unplausible Entwicklung durchzumachen... die Geschichte hätte in meinen Augen ohne Ray und Konsorten wohl sogar besser funktioniert, wären die Kopfgeldjäger an Solos Fersen anonyme No-names geblieben, die versehentlich in die Mission der Rebellen hineingeplatzt wären.

Der Versuch mit der Verbindung einer typischen Solo-Story und etwas Klassik in Form der Anklänge zu Geschichten wie 'Lando Calrissian and the Mindharp of Sharu' ein erinnerungswürdiges Werk zu schaffen, dass als Legende überdauern könnte ist jedenfalls nicht geglückt. Stattdessen wird das Buch künftig wohl auf die Formel "Random Han Solo Adventure, trying to imitate Mindharp of Sharu" reduziert werden. Zu spät veröffentlicht um noch zum Klassiker zu werden und zu jung, um in den nächsten 10 Jahren von irgendwelchen neuen oder alten Autoren im Franchise aufgegriffen zu werden (die damit irgendwelche Erinnerungen verbinden, wie an Daleys Solo-Romane) wurde 'Honor among Thieves' leider geschrieben um vergessen zu werden.

- Zu den Charakteren -

Chewbacca tritt kürzer, Luke und Leia kommen kaum vor, Baasen Ray nimmt die Rolle des Antagonisten ein und Scarlet Hark beweist in Kombination mit Solo zumindest gelegentlich an die Han-Leia-Beziehung angelehnte Chemie, ohne dabei zur Leia-Imitation zu verkommen. Während Hark als Ersatz-Leia durchaus funktionell verwendet wird, also als eigenständige Person erkennbar ist und nicht bloß dem Klischee "Leia-Ersatz" entspricht (ja die Dame hat ihren eigenen Job und weis diesen auch auszuüben), verwenden S.A. Corey ihren Schurken Baasen Ray fast plump. Das mag auch als Hommage an die fast antiken Calrissian-Romane gedacht sein oder ein besonderes Stilelement sein, weil es ein wenig an den "schlechtes Drehbuch"-Stil des bewusst so gestalteten 'Luke Skywalker and the Shadows of Mindor' erinnert, doch es verdirbt zumindest mir als Leser etwas die Freude an der Geschichte.

- Resümee -

Leider nicht die erinnerungswürdige Han Solo-Geschichte, die sich die Autoren vielleicht erhofft hatten. Ein Buch das einerseits am selben Syndrom leidet wie Martha Wells 'Empire and Rebellion'-Roman, andererseits aber zu sehr die Verbindung zu wirklichen Klassikern sucht (wie die Lando Calrissian-Romane) und dabei zuerst einmal wie eine der vielen Geschichten aus den Empire und Rebellion (unbeabsichtiges Wortspiel) Comics aus dem Hause Dark Horse wirkt.


Razor's Edge: Star Wars (Empire and Rebellion) (Star Wars - Legends)
Razor's Edge: Star Wars (Empire and Rebellion) (Star Wars - Legends)
von Martha Wells
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine vergebene Chance, 5. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als die Rebellen-Allianz ein Treffen mit einer Gruppe freier Händler anberaumt, die sich als wertvolle Verbündete im Kampf gegen das Imperium erweisen sollten ist es Prinzessin Leia, die als Unterhändlerin entstandt wird. Doch die Mission gerät zur Katastrophe als die Rebellen von einer Gruppe Piraten abgefangen werden...

Prinzessing Leia in Gefahr, ein klassisches Konzept, das seit 1977 in unzähligen Formen beschworen wurde und wiederauferstanden ist. Und so muss es dann auch wohl im ersten offiziellen Leia-Roman sein. Die Prinzessin in Gefahr von skrupellosen Gangstern gefangen genommen und das Imperium verkauft zu werden. Insofern ja nichts neues und wieder einmal schade, dass das EU einmal mehr daran gescheitert ist, Leia von ihrer stärksten Seite zu zeigen. Aber so fügt sich der Roman eben in seine Ära und Reihe, die der Mutlosigkeit. Als das EU 2013/2014 unterging wagte man sich im Romanbereich kaum noch über die Nostalgie-Beschwörung hinaus, aber immerhin so gehen Imperien nun einmal unter, man enfernt sich zuerst weit von seinen Wurzeln und zelebriert am Ende eine Tradition, die schon lange begraben wurde. Nachdem das alte EU seit den 90er-Jahren zunehmend in die Zukunft vorstieß, in der bereits Solo-Enkel die Geschicke der Galaxis zu bestimmen begannen... endet es mit einer Nabelschau.

~ Warum dieses Buch? ~

Ein Leia-Roman, das kann ja nichts werden. Leia-Geschichten waren im alten EU rar gesät und wenn, dann waren sie vor allem Geschichten in denen die Prinzessin unbedingt der Rettung bedurfte. Eine unabhängige und starke Leia, die der Padme Amidala aus The Clone Wars nachempfunden wäre, hat man uns im alten EU recht gerne vorenthalten. Wieso also dann trotz der schlimmen Vorahnungen und Vorurteile dieses Buch kaufen? Weil einige Kritiken ihm doch schmeichelten und am Ende dann doch nicht so falsch lagen, als dass ich nun sauer auf sie wäre. Die Wahrheit ist eben doch eine Frage des Standpunkts.

Vielleicht wird es das neue EU künftig besser machen, denn immerhin ist TCW mit seiner Darstellung Padme Amidalas kanonisch und Leia damit Tochter des TCW-Anakins und der TCW-Padme, während allerlei Ballast aus über 30 Jahren alter EU-Kontinuität beseitigt wurde. Nicht der im Todessterns eingekerkerten und auf Rettung hoffenden Prinzessin, sondern der das Blastergewehr schwingenden und die Haut ihrer Befreier rettenden Senatorin könnte also die Zukunft gehören. Die Hoffnung meinerseits, nach sechs Staffeln TCW und über 3 Jahrzehnten gewandelten Frauenbildes hier auf die modernere Leia zu treffen wurde allerdings enttäuscht. Was aber auch am Buch liegen kann.

~ Makel die man gewohnt sein sollte ~

Razor's Edge ist Durschnitt. Eine "solide" Lektüre, die ich weder als schlecht, noch als ausgesprochen gut bezeichnen würde. Das bedeutet die Geschichte läuft vor sich hin, lässt uns um den obligatorischen Verräter in den eigenen Reihen rätseln, bietet ein paar Wendungen und ein moralisches Dilemma. Und das war es dann auch. Gute und schlechte Bücher bleiben in Erinnerung, Razor's Edge hingegen ist für mich eines der dutzenden die in Vergessenheit geraten werden und daher vielleicht auch sollten.

Es gibt an diesem Buch ja auch sehr wenig erinnerungswürdiges, außer einer Crew von alderaanischen Piraten, die sich unter ihrer adeligen Kommandantin weigerten nach Alderaans Zerstörung zur Rebellen-Allianz überzulaufen und stattdessen, auf eigene Faust gegen das Imperium losschlagen wollten. Doch Reparaturrechnungen und Kosten zwangen sie früh in den Dienst einer Gruppe von Piraten. Das ist dann auch schon der Kern der Geschichte, Leia, Captain Metara und eine Runde vergessenswerter Nebendarsteller ringen mitsamt Han Solo (in einer Nebenrolle) darum, Leias Identitä zu verbergen, eine Gruppe Gefangener zu retten und die Alderaaner zu einem Seitenwechsel zu überreden.

Doch gerade Metaras Argumente (wenigstens eine zweite Alderaanerin als Hauptcharakter) unabhängig zu bleiben schaffen es nicht zumindest mich zu überzeugen. Dabei hätte es sich wirklich gelohnt, mehr aus diesem Twist zu machen und mehr in die Tiefe zu gehen. Game of Thrones-Kenner seien etwa an die Worte Lord Varys erinnert (Three great men, a king, a priest, and a rich man. Between them stands a common sellsword. Each great man bids the sellsword kill the other two. Who lives, who dies?), wie unberechenbar Entscheidungen manchmal ausgehen können. Gerade im Rahmen eines auf die Zielgruppe der Erwachsenen ausgerichteten Leia-Romans (der Senatorin, der Diplomatin, der Tochter Padme Amidalas) könnte man sich schon etwas mehr Charakterstudien erwarten. Man sollte sich nur wohl keine erwarten oder zumindest eingestehen wie sehr man von Romanzyklen wie Game of Thrones für einfache Vergnügen verdorben wurde.

~ Pro und Contra ~

Ein simpler, wenig herausragender Roman, mit angemessen hohen Leia-Anteil, doch wenig neuem. Die Handlung ist halb vorhersehbar, die Beweggründe der Charaktere bestenfalls ein "Okay, bin ich bereit so zu schlucken" und 99% der Charaktere wird man nach der Lektüre gleich wieder vergessen. Mut zur Neuentdeckung einer klassischen Heldin, ihres Traumas die Heimatwelt und alles verloren zu haben, ihre möglichen Beweggründe sich künftig ohne Vorbehalte einzig und allein der Rebellion zu verschreiben all jene schönen Charakterzüge, die man Leia eben einmal andichten könnte... hat man sich wohl für die Ära des künftig neuen Kanons aufgespart. Ob und wie das funktionieren könnte darf 2015 bereits Kevin Hearne in seinem Luke Skywalker-Roman vorführen der sich genau dieser Aufgabe widmen könnte, Luke Skywalker in der Ära der klassischen Filme offiziell authorisierte Gedanken und Charakterzüge anzudichten. Alternativ würde Hearnes Roman sonst zu einer Quasi-Neuauflage von Ryder Windhams Rekapitulationen der Geschichten von Personen wie Luke, Darth Vader, Darth Maul oder Ben Kenobis geraten. Vielleicht erschien der Leia-Roman also einfach 2 Jahre zu früh und man sollte die Reihe 2015 neu starten.

Leia in Kontakt mit überlebenden Alderaanern zu bringen ist leider keine allzu neue Idee, auch nicht, dass diese Überlebenden der Rebellion gegenüber verschlossen sind. Wir durften Geschichte wie diese bereits in den Empire-Comics 20-21 (A Little Piece of Home) oder den Rebel Force-Jugendbüchern erleben. Doch mit dem Reboot des EU wird auch dieses Kapitel in der Geschichte des Kriegs der Sterne wieder offen für neue Möglichkeiten.

~ Zur Reihe ~

'Empire and Rebellion' nennt sich die letzte lose zusammenhängende Buchreihe, mit der das alte Expanded Universe besiegelt wurde. Ursprünglich als Trilogie mit Fokus auf jeweils eine der großen drei Persönlichkeiten angelegt hat der Rauswurf des alten EU aus der künftigen Star Wars Kontinuität dazu geführt, dass der finale Band der Reihe (Kevin Hearnes Luke Skywalker-Roman) nun als Standalone-Roman veröffentlicht wird, um auch die letzten Spuren des alten EU in Form des Reihentitels zu tilgen. Es bleibt zu hoffen, der Roman erweist sich als eindrucksvoller als seine beiden verstoßenen Vorgänger. Immerhin, die Grundlage für faszinierende und lesenswerte Romane hätte Empire and Rebellion ja geboten, hätte man versucht uns die großen Drei einmal näher zu erklären. Genau diese Aufgabe des Erklärens und über die Handlungen in den Filmen hinaus interpretierbar machens war etwas, das bis 2014 vorwiegend durch das alte EU möglich war. Im neuen Kanon könnte die Lektüre der Han Solo-Trilogie, der Han Solo-Romane Brian Daleys und unzähliger zusätzlicher Werke, um verstehen wieso Han Solo in Episode IV dort ist wo er ist, überflüssig werden, wenn man neue Werke schafft, die auf den Punkt gebracht, bereits formulieren, wer die großen Drei sind. Die Story Group legt Solos-Hintergrundgeschichte fest, ein Solo-Roman erwähnt sie und baut auf diesem Leitfaden auf und sie steht für die neue Ära fest. Die veränderte Situation des EU lässt einen als Fan so zwar darum trauern, dass das alte EU praktisch ungültig ist, als wäre es nie Teil von Star Wars gewesen, doch zugleich bietet es die Möglichkeit in Zukunft vieles nicht bloß neu sondern auch besser zu gestalten. Ob das auch die Qualität der Veröffentlichungen heben wird? Fraglich, doch zumindest könnte das neue EU ungewohnte Sicherheiten für Leser wie Autoren bieten.

~ Resümee ~

Ein solider Star Wars-Roman wie man ihn gewohnt ist. Das ist nicht einmal sarkastisch gemeint, sondern bestätigt nur die vorliegende Durchschnittsleistung, die einem weder besonders positiv noch negativ in Erinnerung bleiben könnte. Ein Roman von vielen, doch ausnahmsweise mit Leia auf dem Cover und in der eindeutigen Hauptrolle. Lobenswert, doch nicht rettenswert.


Into the Void: Star Wars (Dawn of the Jedi) (Star Wars: Dawn of the Jedi - Legends)
Into the Void: Star Wars (Dawn of the Jedi) (Star Wars: Dawn of the Jedi - Legends)
von Tim Lebbon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,60

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4.0 von 5 Sternen Ist das noch Star Wars? - Tim Lebbons vergebliche Pionierarbeit, 30. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jahrtausende vor der Gründung der Alten Republik hat eine unbekannte Macht Mystiker, Gelehrte und Zauberer allerlei Spezies an Bord der geheimnisvollen Tho Yor-Raumschiffe ins Herz der Galaxis nach Tython gebracht. Über Generationen entdeckten diese Gruppen aus allen Winkeln der Galaxis eine Gemeinsamkeit: sie besitzen alle Kontakt zu einem mysteriösen Energiefeld - der Macht. Und aus den Traditionen der verschiedenen Machtanwender der Galaxis entstand der Orden der Je'daii. Doch nach einer Ewigkeit in Abgeschiedenheit, in der sich die Kinder der ersten Siedler Tythons über das gesamte Sonnensystem ausgebereitet hatten, naht der Zeitpunkt da die künftigen Gründer des Jedi-Ordens in die Galaxis ausziehen werden. Doch erst einmal muss die Je'daii Rangerin Lanoree Brock Ermittlungen gegen eine Gruppe beginnen, die den Frieden auf den Besiedelten Welten gefährden könnte. Nachforschungen die sie in Kontakt mit einer totgeglaubten Person ihrer eigenen Vergangenheit bringen – ihrem Bruder Dalien, einst ein Je'daii Anwärter wie sie...

~ Wie katholisch war Jesus? - Star Wars ohne Hyperraum und Lichtschwerter ~

Jesus war kein Katholik und die Je'daii sind keine Jedi, etwas das dem Leser am Beispiel Lanorees sehr früh und eindrucksvoll bewusst wird. Generell ist die Ära von Dawn of the Jedi Lichtjahre von fast allem entfernt, was man typisch Star Wars nennen würde. Und ja die Doppeldeutigkeit dieser "Lichtjahre" ist in diesem Zusammenhang beabsichtigt. Tython liegt fern der bekannten Galaxis, der Zeitpunkt der Geschichte liegt ebenfalls in grauer Vorzeit. Es ist eine Zeit als Coruscant noch weite Flächen freier Agrarflächen vorzuweisen hat, die noch von keiner ambitionierten Stadt-Verwaltung in Baugrund umgewidmet wurden. Mandalorianer existieren noch keine, die Sith sind ein bestenfalls feudal organisiertes Bauernvolk und die Supermacht der Galaxis steuer auf ihren eigenen allmählichen Untergang zu. Doch Hyperraumantriebe existieren noch nicht, zumindest außerhalb der Flotten der Rakata, die allerdings schon in wenigen Jahrhunderten feststellen dürften, dass sie nicht mehr in der Lage sind ihre eigene Technologie zu verwenden. Ein Schicksal dass auch die noch in einer späten Blüte stehenden Gree ereilen wird.

Und ohne einen Jedi-Orden ist die dominierende Macht der Galaxis natürlich ein Imperium der dunklen Seite. Die Invasion der Rakata und ihr Wunsch sich Tythons zu bemächtigen spielt in der Comicreihe eine große Reihe und wird zur Zäsur in der galaktischen Geschichte... jedenfalls in der Legende, da Dawn of the Jedi ja bekanntlich ebenso aus der Kontinuität geworfen wurde, wie der Rest aller Star Wars-Werke vor Mai 2014.

Auch wenn es nach Star Wars klingt, an vertrauten Elementen ist wenig drin. Bricht man Star Wars auf die Formel Lichtschwert, Macht und Raumschlachten herunter fehlen einem hier gleich zwei von drei Elementen die Star Wars ausmachen würden, denn Lichtschwerter wurden hier noch lange nicht erfunden und Raumkämpfe kommen in der Story einfach keine vor. Wer sich auf Into the Void einlässt landet also gewissermaßen in einer, doch zumindest die Macht spielt noch eine Rolle, wenn auch in sehr ungewohnter Form

Da Dawn of the Jedi auch nur in einem einzigen Sonnensystem spielt sind die Schauplätze im Roman zur Comicreihe ebenfalls sehr überschaubar. Ohne Hyperraumantrieb können selbst Je'daii einige Wochen brauchen von Planet zu Planet zu reisen.

Doch der wirklich große Schock liegt für die meisten Leser sicherlich in der ungewohnten Philosophie des Je'daii Ordens. Dieser hat sich zwar der Wahrung des Gleichgewichts von hell und dunkel verschrieben, ist dabei allerdings in der Praxis weit skrupelloser veranlagt als seine späteren Erben. Und genau hier ist Tim Lebbon ein wirkliches Meisterstück gelungen, denn sowohl das von ihm in Rückblenden beschriebene Training Lanorees und ihres Bruders Dalien, sowie weite Strecken der Je'daii-Philosophie finden in den Comics der Koryphäen John Ostrander und Jan Duursema bestenfalls oberflächliche Erwähnung.

Lebbons Lanoree Brock jedoch zeigt uns welche badass-Qualitäten die frühen Je'daii vorzuweisen hatten. Dabei balanciert Lanoree auf einem schmalen Grat zwischen typischen Verhaltensweisen für Anhänger der dunklen oder hellen Seite. Die Bereitschaft der Je'daii die Macht auch auf eine Weise einzusetzen, wie es Jahrtausende später nur noch die Sith wagen werden ist jedenfalls beinahe schockierend.

~ Die Story selbst beeindruckt weniger ~

Into the Void ist eine Offenbarung wenn man sich für Konzepte interessiert, wie eben das der Je'daii. Als Geschichte beeindruckt der Roman jedenfalls weit weniger. Die Geschichte ist halb vorhersehbar und bleibt einem vor allem wegen der Fremdartigkeit des Settings in Erinnerung.

Zumindest hat man sich mit Dalien Brock eines Charakters bedient, der sich im Verlauf der Rückblenden tatsächlich entwickelt. Charakterentwicklung! Ein Hoch auf Tim Lebbon der es im Gegensatz zu so vielen Star Wars Autoren geschafft hat einen Charakter zu erschaffen, der sich im Laufe seiner Erzählung tatsächlich entwickelt, um am Ende als glaubwürdiger Charakter dazustehen.

~ Trotzdem: Das Fazit ~

Trotz eher mittelmäßiger Story und nur einem in meinen Augen interessanten Charakter eine Geschichte die ich gerne wiederlesen werde, weil sie eben so erfrischend anders ist, als das Star Wars, das man sonst gewöhnt ist. Weniger in das ehemalige EU vertiefte Leser könnten sich aus den gleichen Gründen jedoch wieder abgestoßen fühlen.


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