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Rezensionen verfasst von
Mario Pf. (Oberösterreich)
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Star Wars(TM): Gegenwind
Star Wars(TM): Gegenwind
von Paul S. Kemp
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jedi am Scheideweg, 24. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Star Wars(TM): Gegenwind (Taschenbuch)
Es geschah in der finalen Phase des Großen Hyperraumkriegs. Naga Sadow hatte zwei seiner Kreuzer nach Phaegon III geschickt, um dort das Machtkräfte verstärkende Lignan Erz abzubauen und sich damit eine Trumpfkarte im Krieg gegen die Jedi und ihre Republik zu verschaffen. Doch die Mission, die Sadows Niederlage in einen Sieg hätte verwandeln können scheiterte auf eine katastrophale Weise. Während die Omen unter Yaru Korsin auf einem unbekannten Planeten stranden sollte, verschwand die Herold unter ihrem ehrgeizigen Captain Saes im Hyperraum und ward nie mehr gesehen. Es war Saes einstiger Jedi Meister Relin Druur, der die Galaxis an diesem Tag völlig im Stillen vor der Herrschaft der Sith rettet, zumindest auf Zeit...

Rund 5000 Jahre später und 41,5 Jahre nachdem Luke Skywalker den Todesstern über Yavin 4 zerstört hat stehen die Nachfahren der Crew der Omen kurz davor auf Kesh durch die Ankunft "Schiffs" zum ersten Mal seit Jahrtausenden in die Weiten der Galaxis aufbrechen zu können, doch davon weiß noch niemand etwas. Dafür quälen Jedi-Ritter Jaden Korr neben Zweifeln an den Taten der Jedi während des letzten Bürgerkriegs Visionen von einem neuen Unheil, das in den Unbekannten Regionen heraufdämmert. Aber nicht nur Jaden Korrs Visionen führen ihn in die Unbekannten Regionen, auch der mysteriöse Meister des auf Korriban beheimateten Sith-Kults teilt diese Vorahnung und so entsendet man einen ganz speziellen Agenten, um der Sache auf den Grund zu gehen. Doch schon bald interessiert sich dieser mehr für Jaden als seine eigentliche Mission...

Die Inhaltsangabe des Verlags ist irreführend, Jaden lässt sich in den Unbekannten Regionen nicht mit einem Sith Lord sondern einem antiken Jedi Meister ein, den es genau wie die Herold und ihre Crew durch die Fehlfunktion des Hyperantriebs in die Gegenwart verschlagen hat. Doch die in die Gegenwart katapultierten Sith sind nur eines der Probleme auf die Jaden Korr trifft. Vor allem der machtsensitive Anzati-Kopfgeldjäger Kell Douru entpuppt sich als Jadens primärer Antagonist und was Jaden in den Unbekannten Regionen auch immer noch entdeckt spielt in der GEGENWIND-Fortsetzung eine tragende Rolle.

Nach "Jedi Knight 3: Jedi Academy" ist das Aufeinandertreffen mit der Crew der Herold und Kell Douru nicht Jadens erste Begegnung mit Sith und ihren Verbündeten, doch so sehr sich Kemp mit seinem Star Wars-Debüt auch in der Tradition Jedi Knight 3s bewegt, die schon etablierte Hintergrundgeschichte Jaden Korrs scheint er nur in groben Ansätzen eingebracht zu haben. Aus Jadens vergangenen Begegnungen mit Sith und dunklen Jedi hätte man jedenfalls mehr machen können, vor allem da er sich damals sogar mit dem wiedererweckten Geist Marka Rangos duelliert hat, immerhin Naga Sadows Vorgänger. Was Kemp dessen ungeachtet schon in seinem Debüt sehr gut gelungen ist, war es den Roman mit gleich mehreren Romanreihen und Großevents des Erweiterten Universums zu verknüpfen, obwohl er mit dem 2011 auf Englisch erscheinenden RIPTIDE nur eine Duologie bildet. Der Roman wurzelt wie schon The Old Republic im Untergang des antiken Sith-Imperiums, beschreibt das Ereignis das zum Absturz der Omen führte, womit auf Kesh eine Sith-Kultur entstehen konnte (wie in John Jackson Millers Lost Tribe of the Sith-E-book-Serie), die in der nach GEGENWIND spielenden 9teiligen Reihe Verhängnis der Jedi-Ritter in die Weiten der Galaxis zurückkehrt, um die Herrschaft für die Sith einzufordern. Zugleich spinnt Kemp den losen Handlungsfaden aus Wächter der Macht fort, in dem die damals noch anonym agierenden Einen Sith (Darth Krayts Anhänger auf Korriban) erstmals vorkamen und auch inhaltlich greift GEGENWIND jenes Glaubenskrise der Jedi auf, die in Wächter der Macht noch zu kurz kam. Und Kemps Erstling nimmt sich auch noch gleich der Frage an, wie die Einen Sith in das EU integriert werden können.

Obwohl sein Talent zur Charakterzeichnung in seinem zweiten Star Wars Roman BETROGEN noch weit besser zur Geltung gelangt ist, zeigt Kemp schon in GEGENWIND was die Besonderheit seines Stils ausmacht. So macht er Jaden Korr zu einem einfachen Jedi Ritter um die 40 der nach Centerpoint und dem Zweiten Galaktischen Bürgerkrieg von Zweifeln darüber zerfressen ist, ob die Jedi überhaupt noch das Richtige tun und entwickelt dabei die Jaden von Kyle Katarn beigebrachte Philosophie, das die Macht nur ein Mittel zum Zweck ist folgerichtig zu einem Problem für die Sinnkrise des Jedi Ritters weiter, denn sie vermittelt ihm keinen wirklichen Halt. An den gleichen Wendepunkt bringt Kemp Relin Druur, der sich die Frage stellen muss, ob er nicht doch gescheitert ist.

Eine gänzlich andere Perspektive pflegen Khedryn Faal und sein erster Maat Marr. Während ersterer als Überlebender des Extraterrestrischen Flugprojekts trotz allem nie so richtig auf die Beine gekommen und mit Horrorgeschichten über die Jedi aufgewachsen ist, tritt sein Co-Pilot als Navigationsgenie in Erscheinung, kann er doch die Macht nutzen um seine navigatorischen Fähigkeiten zu steigern. Doch Marr ist nicht der einzige Charakter mit außergewöhnlichen Machttalenten. Gerade Kell Douru, als Anzati ohnehin schon mit besonderen Gaben und Jahrhunderten an Erfahrung gesegnet, trumpft mit der Fähigkeit auf Schicksalslinien wahrnehmen zu können - eine vage an Mace Windus Talent Bruchlinien wahrnehmen zu können erinnernde Gabe. Nur der gefallene Jedi und Sith-Antwärter Saes fällt als Stereotyp aus diesem Rahmen eher untypischer Charaktere. Das einzige womit der Sith auftrumpfen kann ist dass er wie General Grievous (und am Cover, wo er sich mit Relin Druur duelliert) ein Kaleesh und durch die dunkle Seite und das Lignan ein beinahe übermächtiger Gegner ist.

Das faszinierende an Kemps Charakterzeichnung ist dass auch seine Helden keineswegs perfekte Persönlichkeiten sind. Auch sie zeigen Schwächen und dunkle Seiten. Doch gerade ihr Zweifeln und Bestreben unerreichbaren Idealen nachzueifern ist, in Kemps Worten, das was sie auf der hellen Seite hält. Ihre Antagonisten hingegen haben alle Zweifel aus ihren Gedanken verbannt, sie handeln daher auch umso fanatischer. Aber auch die Denkweise von Kemps Charakteren ist der Wirklichkeit nicht so fremd, wie vielleicht bei manch anderen Autoren.

- Resümee -
Bis auf kleine Unstimmigkeiten, die man als noch ungenütztes Potential summieren kann ist GEGENWIND ein mehr als gelungenes Debüt, das nicht durch ein großes Spektakel sondern persönliche Dramen und Epen zu beeindrucken versteht. Es ist Kemps faszinierende Charakterzeichnung die den Reiz seines Erstlings ausmacht, etwas das andere Autoren im Erweiterten Universums in der Vergangenheit oft missen ließen. Kemps Charaktere entwickeln sich und sind in ihrem Denken alles andere als abgehoben.


Star Wars - The Clone Wars, Bd. 3: Sklaven der Republik
Star Wars - The Clone Wars, Bd. 3: Sklaven der Republik
von Henry Gilory
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Clone Wars dunkle Seite, 24. Juli 2011
Wie so viele unschuldige Welten droht auch das friedliche Kiros zu einem Schauplatz der Klonkriege zu werden. Doch die Kolonie der Togruta besitzt keine Waffen und Krieger, sie ist völlig darauf ausgerichtet ein friedvolles Utopia zu sein, das nun von Klonen und Kampfdroiden zu zerstört werden droht. Als Meister Yoda sich mit dem Gouverneur in Verbindung setzt ist es allerdings bereits zu spät, Count Dooku und seine Truppen sind eingetroffen und planen auf dem Planeten einen Brückenkopf zu errichten, der natürlich die Aufmerksamkeit der Republik erwecken würde. Doch der sinistre Count unterbreitet Gouverneur Roshti ein Angebot dass der kaum ablehnen kann, Asyl auf einem anderen Planeten.

Wenig später erobern die Jedi Generäle Obi-Wan Kenobi und Anakin Sykwalker den Planeten im Sturm, doch von den Togruta ist keine Spur zu finden und der Separatisten-Commander droht die Stadt in die Luft zu jagen. Doch selbst als diese Gefahr gebannt ist findet sich außer einer Kontaktaufnahme des Commanders mit zygerrianischen Sklavenhändler kein Hinweis auf den Verbleib der 80 Millionen Einwohner Kiros. Könnten die mit den Separatisten verbündeten Zygerrianer für das Verschwinden der Togruta verantwortlich sein?

Als Comic-Autor war Henry Gilroy vor allem durch die Comicadaptionen von Episode 1 und 2, sowie etwas nachrangig auch seinem Beitrag zu den Episode 1 Adventures bekannt. Als einer der Hauptautoren hinter Star Wars: The Clone Wars (nettes Wortspiel übrigens, grenzt auch vom alten Clone Wars ab) ist er nun zurück und hat neben dem Film auch an einigen der besten Episoden der Serie mitgewirkt. Als es hieß man würde auch zur nun schon zweiten Clone Wars-Serie wieder Comics im auf den Animationen basierenden Zeichenstil beisteuern waren zumindest meine Erwartungen eher gering. Doch dass The Clone Wars (TCW) anders ist als Clone Wars (CW) und hinter der vordergründig jungend- und kindergerechten Fassade wie einst auch die klassische Trilogie sehr ernsthafte Themen behandelt stellte sich schnell heraus und jetzt darf ich's sagen, es war eine angenehme Überraschung. Mit dem sechsteiligen Sklaven der Republik hat Henry Gilroy einen Handlungsbogen geschaffen der sich grob auf die Serie umgenützt in kaum weniger als 3 Folgen/Episoden abhandeln ließe. Und das ganze ist auch noch äußerst wendungsreich gelungen, klammert man manche der "Unzulänglichkeiten" aus, so kann sich Sklaven der Republik in dieser Hinsicht sogar mit dem thematisch ähnlich positionierten Dark Times-Story arc "Der Weg ins Nichts" messen.

Wo die Dark Times düster und bedrohlich den Aufstieg des Imperiums in all seiner Abscheu erregenden Brutalität zeigen, setzt The Clone Wars auf das für manche Fans ärgerlich gewordene Konzept Action, Spaß und Spannung. Dabei muss man bedenken dass TCW sich redlich darum bemüht dem Franchise "Star Wars" neue Fans zuzuführen, was scheinbar auch gelingt und selbst ältere Fan-Generationen mobilisiert. TCW ist Star Wars ohne direkt in der etablierten Kontinuität zu stehen und auch das gilt es zu bedenken, es ist ein massiver Widerspruch zu jenen Klonkriegsromanen und Comics der Prequel-Generation, die hier grob gesagt ihre "dunkle Bedrohung" erlebt und vor Augen geführt bekommt dass Star Wars als Märchen um den Bestand des Franchise zu garantieren sich beständig um das Rekrutieren neuer Fans sorgen muss. Und verglichen mit CW ist TCW schon mehr als gelungen, auch wenn die Animationen und folglich auch Zeichnungen oft stark an eine Animation der Nussknacker Suite erinnern. Kurzum, Sklaven der Republik geht nur marginal andere Wege als die Serie, es steht durch die Person Henry Gilroys in der besten TCW-Tradition und repräsentiert so auch die besseren Seiten von The Clone Wars.

Wäre Gilroys Story noch dereinst im Rahmen der Republic-Comics erschienen, sie wahrscheinlich eher den Touch von Path to nowhere angenommen, in welchem ebenfalls ein ganzes Volk nur dort vom Imperium sanktioniert in die Sklaverei verkauft wird. Ist es in den Dark Times der Widerstandskämpfer Bomo Greenbark, der an der Seite des Jedi Ritters Dass Jennir nach Frau und Tochter sucht und sich schlussendlich mit einem düsteren Ausgang seiner Odyssee abfinden muss, ist in TCW Ahsoka die "Betroffene" immerhin wurden Angehörige ihres Volkes entführt. Dennoch zeigt Sklaven der Republik ziemlich offen was Sklaverei in einer weit weit entfernten Galaxis zu bedeuten hat. Bereits einmal von den Jedi in die Schranken gewiesen und vernichtend geschlagen, haben die Zygerrianer durch ihre Unterstützung für die Separatisten wieder etwas von der einstigen Macht zurück gewonnen. Doch obwohl er als Sith und Artistokrat eher wenig Probleme damit hat sich mit Sklavenhaltern zu verbünden, kann es sich Dooku nicht leisten durch die Massenauktion der Millionen Togruta diskreditiert zu werden, immerhin hat er das Verschwinden der Bewohner Kiros in seiner Propaganda als Völkermord der Republik dargestellt. Die Jedi sind also nicht die einzigen welche auf Zygerria intervenieren.

Sechs Einzelcomics machen Sklaven der Republik aus und diese maximale Länge erreichten auch nicht viele andere Republic-Story arcs, womit schon einmal klar ist dass es nicht so schnell vorbei ist. Gilroy nutzt dieses Volumen geschickt aus, er lässt seine Helden mehrmals nahe an einen Erfolg herankommen, nur um sie dann eine herbe Niederlage erleiden zu lassen. Es fällt kein Zuckerschlecken auf das sich sich das Jedi-Trio und Captain Rex eingelassen haben und nicht selten gerät jemand in Gefangenschaft. In Sachen Charakterzeichnung und Tiefgang merkt man halt dass es Clone Wars ist, die Beschränkungen durch die Zielgruppenorientierung sind vorhanden, aber trotzdem ist dieser Rahmen kein Hindernis für eine spannende und actionreiche Story, die sich durchaus nicht scheut auch Ernsthaftigkeit zu beweisen. Mit dem Titel wird man allerdings über weite Strecken nicht recht etwas anzufangen wissen, denn dass Jedi und Klone gewissermaßen Sklaven der Republik sind und trotz anfänglicher Vorbehalte schließlich widerspruchslos den Willen des Obersten Kanzlers ausführen, darüber handeln erst die letzten Seiten.

Fazit:
Nicht schlecht und obwohl The Clone Wars drauf steht durchaus auch etwas das ältere Fans interessieren könnte. Actionlastig, locker, doch auch sehr wendungsreich und somit spannend.


The Great Empires of Asia
The Great Empires of Asia
von Jim Masselos
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 35,88

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Asiens imperiale Geschichte, 24. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: The Great Empires of Asia (Gebundene Ausgabe)
Noch heute gilt das von Dschingis Khan geschaffene Reich der Mongolen als größtes der Menschheitsgeschichte, was angesichts der damaligen Kommunikationsmöglichkeiten und Fortbewegungsmittel noch umso erstaunlicher ist. Wie das mongolische Imperium haben auch das Osmanische Reich oder das chinesische Kaiserreich unter der Dynastie der Ming Ausmaße und Einflüsse erreicht, mit denen erst manch weit später aufgetretene europäische Kolonialmächte mithalten konnten. Doch in der europäischen Geschichtsschreibung spielen die Imperien Asiens oft nur die Rolle des grausamen Feindes oder unterlegenen Gegners, weshalb wir oft auch nur so wenig über sie wissen. Als australischer Historiker und Asienexperte verkörpert Jim Masselos einen objektiveren Blickwinkel auf die größten oder zumindest bedeutendsten Reiche Asiens. In seiner Funktion als Herausgeber hat sich Masselos für "The Great Empires of Asia" Experten ins Boot geholt, die sich in ihrer Forschungsarbeit intensiv wenn nicht fast ausschließlich mit den von ihnen präsentierten Imperien Asiens beschäftigen. Thematisch sind alle Kapitel so aufgebaut dass neben, Aufstieg und Fall der Imperium, auch deren Kultur, Erbe und Instrumente des Machterhalts vorgestellt werden können.

Den Anfang macht sogleich das wohl größte asiatische Imperium der Mongolen (1206-1405) mit sich Timothy May auseinandersetzt. Von der Vereinigung der mongolischen Stämme unter Temüdschin (dem späteren Dschingis Khan) bis zum Tod Timurs (Tamerlans) spannt er dabei den Bogen seiner Erzählung. 1206 hat May deshalb gewählt weil Temüdschin es erst damals gelang mit der Verleihung des Titels Dschingis Khan seine Autorität durchzusetzen und die mongolischen Stämme wirklich zu vereinen. Mit Temüdschins Herrschaft wurden schließlich alte Abstammungslinien überwunden und eine neue Hierarchie geschaffen, die sich stark an die Armeestruktur, aus Zehner-, Hundert- und Tausendschaften anlehnen sollte. Nach dem Tod Dschingis Khans sollte sein Sohn Ögädäi den Krieg weiter führen, doch um ein derart plötzlich entstandenes und ausgedehntes Reich auch regieren zu können war es schlicht unumgänglich auf religiöse Toleranz zu setzen, um nicht allzu früh durch Aufstände und Rebellionen in der weiteren Expansion gehindert und des Imperiums verlustig zu werden.

Der militärische Erfolg der Mongolen sollte sich vor allem auf ihren überlegenen Einsatz der Reiterei begründen, auch wenn mit der Eroberung Südchinas Infanterie erstmals notwendig wurde und man allmählich auch schwere und technische Truppen für Belagerungen zu rekrutieren begann. Hatte Dschingis Khan das alte feudale Clansystem zerschlagen, so begann er sich mit der Leibgarde der "Keshik" ein neues Reservoir für die Rekrutierung loyaler Statthalter und Generäle aufzubauen. Standen 1206 nur 95.000 Soldaten unter dem Bann des Großkhans, befand sich 1260 bereits eine Million in Diensten des mongolischen Reichs. Doch trotz der Schaffung einer neuen politisch-militärischen Elite griffen die mongolischen Eroberer auf unteren Ebenen gerne auch auf bewährte Bürokrateneliten zurück. Mit dem Tod des Dschingis Khans begann jedoch trotz dessen Konsolidierung seiner Macht auch der Niedergang seines Imperiums einzusetzen, als sich etwa seine Erben nicht länger zur Wahl vor den mongolischen Früsten stellten und oft nur noch nominell die Macht über das Imperium innehatten. Eine Balkanisierung begann Einzug zu halten und diese macht es auch schwierig ein definitives Ende der mongolischen Herrschaft zu bestimmen, da viele Nachfolgereiche wie die mongolisch-chinesische Yuan-Dynastie oder das Mogulreich begannenen ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Inhaltlich sehr klug mit Timothy Mays Mongolen-Kapitel verbunden folgen J.A.G Roberts 22 Seiten über China unter der Dynastie der Ming (1368-1644) welche auf die mongolische Yuan-Dynastie gefolgt sind und zur letzten einheimischen Kaiserdynastie avancieren sollten. Unter den Ming sollte schließlich das berühmte chinesische Porzellan nach Europa gelangen und eine fast 276 Jahre anhaltene Friedensperiode anbrechen, in der China trotz Erweiterungen der Großen Mauer zunächst seinen Isolationismus aufgab und große Seeeexpeditionen wie die Fahrten Admiral Zheng Hes, sowie Expansionen nach Süden wagte. Doch obwohl die Ära der Ming von einer erstarkenden Wirtschaft, territorialer Expansion und einer dynamischen städtischen Kultur gezeichnet war, entwickelten die Kaiser eine immer absolutistischere Herrschaft.

Deutlich weniger gut auf das vorangegangene Kapitel abgestimmt entpuppt sich Helen Ibbitson Jessups Darstellung der Khmer (802-1566) bei der auf 28 Seiten aufgrund der schwachen Quellenlage vor allem kulturelle wie architektonische Leistungen in den Mittelpunkt gestellt werden, was auch am kulturhistorischen Hintergrund der Autorin liegen mag. Gerade einmal das politisch und religiös bedeutende Zentrum der Khmer Angkor dürfte dem westlichen Leser bekannt sein und allzu viel, das sich nicht aus Lexikaartikeln erfahren ließe erfährt man auch nicht. Nur dass die Khmer bereits Kanäle bauten und Flüsse umleiten konnten, aber im Mittelpunkt stehen schlussendlich die künstlerischen Hinterlassenschaften.

Dem auf gleich drei Kontinenten fußenden Imperium der Osmanen wendet sich Gábor Ágoston in seinem sogar 32-seitigen Abriss über die Geschichte des Osmanischen Reichs (1281-1922) zu und zeichnet die Entstehung eines auf drei Kontinenten fußenden Weltreichs nach, das sich zu seinen Glanzzeiten sowohl gegen die österreichischen wie auch die spanischen Habsburger behaupten konnte. Eine Macht die zweimal Wien belagerte, Russland am Balkan schlug und Byzanz vernichtete, ja sogar im Ringen um das Mittelmeer zur Gefahr für die Weltmacht Spanien wurde. Das Ringen mit den Habsburgern beschreibt Ágoston als nur mit dem Kalten Krieg der USA mit der UdSSR oder den Kriegen des Hauses Valois mit den Habsburgern vergleichbar. Das multiethnische und multireligiöse Großreich sollte entstehen als es noch als eines der Rest-Fürstentümer des einstigen Seldschukenreichs begann das durch den Mongolensturm geschaffene Machtvakuum in Kleinasien auszufüllen, um schließlich bis nach Ungarn, Algerien, den Irak und Jemen zu reichen. Zum Erfolg der Osmanen beigetragen mag auch ihre dreigliedrige Heeresgliederung haben, in der neben einem stehenden Heer der Janitscharen und unverheirateten als Fußsoldaten dienen Bauern (Azabs) auch Sipahis als Reitersoldaten dienten, die mit einem Militärlehen für ihre Dienste belohnt Waffen, Rüstung und Pferde selbst stellen mussten. Der im 19. Jahrhundert aufkeimende Nationalismus sollte schließlich auch dem Osmanischen Reich zum Verhängnis werden.

Sussan Babaie wiederum beschäftigt sich mit dem persischen Reich der Safawiden (1501-1722) das sich als langlebigstes islamisches Staatswesen im Iran halten sollte. Unter Shah Ismail, dem Großmeister des Sufi-Ordens Safawiyya sollte ein prachtvolles kulturelles Erbe seinen Anfang nehmen, in dem bereits die Herausbildung des modernen Irans ihren Anfang nahm und das sich sich trotz der beständigen Rivalität zu den sunnitischen Nachbarn behaupten konnte.

Dem indischen Mogulreich (1526-1858) hat Catherine Asher ihren Beitrag gewidmet und schildert darin wie Babur, der Nachfahre Timurs (Tamerlanes) in einem hinduistischen Land eine sunnitische Dynastie begründen konnte. Auf der Suche nach einem Reich für sich gelang es Babur den Sultan von Delhi zu schlagen, doch schon sein Nachfolger sollte lange Zeit aus dem eroberten Territorium vertrieben werden, ehe Baburs Enkel Akbar (dessen Name allerdings bereits der Große bedeutet) dieses instabile Staatswesen zu einer frühen Blüte führen sollte. Seine dauerhafte Erweiterung und Festigung des Territoriums beruhte zum großen Teil auch darauf, dass er sich bemühte die lokalen Fürsten unter Beibehaltung deren Herrschaftssysteme in sein Reich einzugliedern, indem er ihnen nur die Anerkennung seiner Oberherrschaft abverlangte. Schon Akbars Kalkül mit "föderalen" Strukturen zu reüssieren sollte manch Tradition der heutigen Union vorwegnehmen. Unter Akbar und den Moguln sollte das Land eine moderne Verwaltung erhalten und architektonischb und künstlerisch mitgeprägt werden.

Das abschließende Kapitel bildet Elise Kurashige-Tiptons Zusammenfassung über die Medji-Restauration in Japan (1868-1945) durch die Japan zunächst auf die heutige Größe anwuchs, ehe man die Schwäche Chinas und der europäischen Kolonialmächte nutzte um mit als Anti-Imperialismus getarnten eigenen imperialen Ambitionen ein wenn auch kurzlebiges asiatisches Großreich zu schaffen. Diese "Erfolgsgeschichte" beginnt mit 1868 durchgeführten Sturz der Tokugawa-Shogune und der Verbindung westlicher Technologien mit japanischer Gesinnung.

- Resümee -
Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann " The Great Empires of Asia" freilich nicht erheben, dazu gäbe es noch zuviel mehr zu erzählen, wie die Geschichte des Abbassiden-Kalifats, das neben Berührungspunkten mit den Mongolen auch einige Bemerkungen zu den Kreuzzügen und Sultan Saladin erlaubt hätte. Man kann Jim Masselos aber zu Gute halten dass er für sein Werk eine überlegte Autorenauswahl getroffen hat, nämlich genau solche Historiker die auch ihren Forschungsschwerpunkt auf die jeweiligen Länder und ihre imperiale Geschichte gelegt haben. Manche der Untersuchungsgegenstände (wie die Khmer) machen es allerdings auch sehr schwer eine politisch-militärische Geschichte herauszuarbeiten.

Fazit:
Eine mehr als gelungene Überblicksdarstellung der imperialen Geschichte Asiens.


Living Dolls: The Return of Sexism
Living Dolls: The Return of Sexism
von Natasha Walter
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,80

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Rückkehr des Sexismus, 24. Juli 2011
So hatte sich Natasha Walter als Feministin die Zukunft nicht vorgestellt. Die Gleichberechtigungspolitik stagniert und Sexismus ist stärker denn je in der Gesellschaft verankert, so sehr sogar dass biologischer Determinismus und die Reduzierung von Frauen auf ihre Rolle als Sexobjekte fröhliche Urständ feiern. Nur arbeiten viele Frauen mehr oder weniger bewusst daran mit dass die Ideale des Feminismus heute beinahe ins Gegenteil verkehrt wurden und selbst in Großbritannien gerade promiske Celebrities, Nacktmodelle und Prostituierte als Verkörperungen des Feminismus gelten und scheinbar für nicht wenige junge Damen selbst aus der Mitte der Gesellschaft als Role Modell gelten.

Dennoch stand am Beginn von Walters eine sehr persönliche Erkenntnis dass die überwunden geglaubte Trennung in eine rosa- und bläulichfarbene Welt klammheimlich wieder Einzug in die Kinderzimmer gehalten hat und sich die Marketingexperten der Spielzeugkonzerne schamlos dieser Klischees bedient haben. Wenn ein Mädchen heute Gefallen an einer Rolle als Dornröschen findet sie im Spielwaren und Kostümsortiment bereits alles vor um mit der idealisierten Filmfigur zu verschmelzen und selbst zur lebenden Puppe zu werden. Würde es nur dabei bleiben, denn viele der Heranwachsenden richten sich dann am Role Modell Barbie aus und in einer von fortwährender Sexualisierung geprägten Gesellschaft, in der Kinder oft schon nicht mehr Kinder sein sollen und wollen, kann das natürlich auf lange Sicht nicht ohne Konsequenzen ausgehen, so dass Achtjährige mit einem bauchfreien Top mit der Aufschrift "Bitch" längst nicht mehr überraschen. So wird auch das Klagen mancher Lehrer und Schulleiter die heutigen 12jährigen würden sich kleiden wie frühere 16jährige verständlicher, denn die Gesellschaft tut wenig die heutige Jugend vor diesem enormen Sexualisierungsdruck und damit dem Wiederaufkommen des Sexismus in Schutz zu nehmen und das traf auch die Mutter Natasha Walter an einem wunden Punkt.

In ihre Reportage LIVING DOLLS versucht Natasha Walter am Beispiel Großbritanniens diesen gesellschaftlichen Wandel und seiner Konsequenzen nachzuzeichnen. Dabei hat sich Walter bei ihrer Kritik an der Sexualisierung der Gesellschaft nicht nur mit der sexuellen Verdinglichung der Mädchen und Frauen auseinandergesetzt sondern auch den weiterhin kultivierten Mythen, welche sie gegen Ende des Buchs zu dekonstruieren wagt. Zunächst beginnt sie ihren Streifzug jedoch im Londoner Nachtleben, das von jeder Anrüchigkeit befreit seit 2008 mit 300 Lapdance Clubs (in den 90ern war es gerade einmal eine handvoll) aufwarten kann. Doch selbst dort wo "Sex sells" eigentlich nicht zum Geschäftskonzept gehört und man sich noch dem unverfänglichen Verkauf von Alkohol gewidmet hat haben längst Events Einzug gehalten, deren Ziel es ist dem berauschten männlichen Publikum eine feucht-fröhliche Fleischbeschau zu liefern.

Ein solches Event durfte Walter trotz kritischer Blicke der zuständigen PR-Leute tatsächlich besuchen. Für ein professionelles Fotoshooting und die schmale Chance durch ein britisches Männermagazin groß raus zu kommen galt es vor der grölenden Meute zu posieren und sich in letzter Konsequenz auch oben ohne zu präsentieren. Bei ihren Gesprächen mit angetretenen Bewerberinnen ist es Walter gelungen erhellende Einblicke in deren Motivation zu erlangen. Was sind die Gründe sich mit 18 anstatt eines Autos oder einer Weltreise eine Brust-Op zu wünschen, warum streifen sogar junge Mütter an den wenigen "freien" Tagen knapp und aufreizend bekleidet (wenn nicht gar im Playboy-Bunny-Kostüm) durch das Nachtleben?

Fragen über Fragen, die Walter auch mit Interviews von Glamour Modells, Sexarbeiterinnen, Herausgebern von Herrenmagazinen und PR-Agenten zu beantworten trachtet. Dabei stößt sie sich vor allem auch am in den letzten Jahren stark beschönigten Bild der Sexarbeit, bei dem die Faktoren Gewalt und Demütigung gerne ausgeklammert werden und so die Entstehung eines Trugbilds begünstigen, dass das alles für betroffene Frauen nicht so schlimm sei.

Den heutzutage so einfachen Zugang zu Pornografie nennt Natasha Walter als Hauptantriebsmotor für die fortlaufende Sexualisierung der Gesellschaft, welche ja nicht nur ein britisches Phänomen ist. Durch das Wegfallen aller Zugangshürden wird zugleich aber auch der scheinbar schon allgegenwärtigen Softpornografie Vorschub geleistet , welche schon längst so sehr gesellschaftlich akzeptiert ist dass sie gezielt für Werbemotive genutzt wird, um jungen Leuten ein Lebensgefühl und Idealvorstellungen zu vermitteln, die der Wirklichkeit allerdings nicht ferner sein könnten. Doch dieser Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die Zahlen kosmetischer Operationen ist nicht der einzige Ausdruck dieses weit massiveren Problemkomplexes. Der Geschlechtsakt wird zunehmend entwertet und die Verurteiltungsrate bei Vergewaltigungen liegt (zumindest in Großbritannien) nur bei 6%.

Nachdem sich LIVING DOLLS vor allem mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der Rückkehr des Sexismus auseinandergesetzt hat, widmet sich Natasha Walter im abschließenden Kapitel vor allem einer Dekonstruktion sexistischer Mythen und Stereotypen. Etwa dass Frauen schneller sprechen als Männer, wobei die Forschung nur einen insignifikanten Unterschied belegen kann, allerdings dass die Männer sogar eine unmerkliche Spur schneller sprechen würden.

- Resümee -
Bei manchen Teilaspekten greift Natasha Walter je nach Interesse zwar zu kurz, doch ihre journalistische Bravourleistung ein eindrucksvolles Panorama der Rückkehr des Sexismus geschaffen zu haben wird dadurch kaum geschmälert.


Allies: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
Allies: Star Wars (Fate of the Jedi) (Star Wars: Fate of the Jedi - Legends)
von Christie Golden
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Allianz mit Ablaufdatum, 24. Juli 2011
Gerade von Dathomir aufgebrochen stehen Luke und Ben Skywalker samt ihres neuen Gefährten Dyon Stad und der Sith Vestara Khai plötzlich einer Flotte von zwölf Sith-Fregatten gegenüber. Auch die Sith des Tribe geben vor dass ihre Schüler von jener mysteriösen Macht im Maw beeinflusst werden, hinter das Wesen Abeloth stecken könnte, mit dem Vestara Khai und ihre Crew konfrontiert wurden, ehe sie auf der Sinkhole Station auf Luke trafen. Notgedrungen schließen Luke und der High Lord der Sith eine Allianz um Abeloths Treiben ein Ende zu setzen. Dabei verfolgen Sith wie Jedi jedoch ihre ganz eigenen Ziele, während sich die Ereignisse auf Coruscant wieder einmal überschlagen, nachdem sich Großmeister Kenth Hamner weigert die zwei jüngst dem Wahnsinn verfallenen Jedi an Staatschefin Daala auszuliefern. Der Konflikt mit Daala droht einmal mehr zu eskalieren. Auch wenn Daala sich ganz ihrem privaten Feldzug widmet, fern von Coruscant drohen Aufstände gegen die jahrtausendelang bestehende Versklavung ganzer Völker und Welten die schwächelnden Hutts in die Knie zu zwingen...

Im Gegensatz zu LEGACY OF THE FORCE scheint die Zusammenarbeit der Autoren bei FATE OF THE JEDI bisher gut zu funktionieren. So beginnt ALLIES dort wo BACKLASH geendet hat und zwar im Orbit von Dathomir. Nur die Wortwahl in dieser Szene die als Vorschau bereits am Ende von BACKLASH präsentiert wurde ist im fertigen Buch nun etwas anders. Aber die Vorschau hat nicht zuviel versprochen, denn es geht rasant und spannend weiter. Noch ist kaum absehbar wie FOTJ weiter gehen und vor allem enden wird, was viel zur Atmosphäre der Reihe beiträgt denn es stehen ja noch vier Bände aus. Dennoch zeichnet sich bereits ab dass es nicht leicht für die Jedi und unsere Helden wird mit der neuen Bedrohung durch die Sith, dem Jedi-Wahnsinn und Admiralin Daala fertig gleichzeitig fertig zu werden. Die Probleme mit jedem einzelnen dieser Faktoren werden wohl die Auflösung des einen oder anderen Handlungsbogens effektiv verzögern.

Aber genug dazu, ALLIES setzt sich als zweiter Band Christie Goldens etwas intensiver mit den Sith und Vestara Khai auseinander als ihre beiden Kollegen Troy Denning und Aaron Allston. Trotzdem kann man das nicht mit jenen Eigenheiten vergleichen die in LOTF grassiert haben. Zeitweise überrascht es sogar wie sehr manche Settings wie geschaffen für einen Plot Karen Traviss scheinen, fast als wäre FOTJ noch zu Zeiten LOTFs entworfen worden, so dass möglichst viel von dessen Nebenhandlungen später fortgeführt werden können. Gerade Daalas Mandalorianer-Connection und das Pellaeon-Attentat spielen in ALLIES eine tragende Rolle, so als würde hier ein direkter Bezug auf REVEALATION genommen. Aber Traviss ist eben nicht mehr von der Partie und damit wird einem zu Gunsten des Über-Plots und der zentralen Handlungen viel an mandalorianischen Familiengeschichten erspart. Und Christie Golden muss sich auch nicht mit dem typischen Klischee konfrontiert sehen, dass die einzige Frau in einem Männer-Team sich prinzipiell um die Beziehungskisten der Charaktere kümmern muss. Golden kommt in dieser Hinsicht ohne großes Drama aus und hält sich auch nicht damit auf, Ben und Vestara krampfhaft in eine Beziehung zu drängen. Denn Vestara ist eine Sith und Ben weiß um die Neigung der Sith ihre Nächsten zu verraten und notfalls auch zu ermorden.

ALLIES bringt also gerade den Sith-Plot entscheidend voran, indem mit High Lord Sarasu Taalon und Saber Gavar Khai zwei vielversprechende Charaktere als Gegenspieler Lukes hinzu kommen, der sich nun wohl von seiner Reise auf den Spuren Jacen Solos endgültig verabschieden muss. Der Lost Tribe of the Sith ist jedoch, wie Luke nicht müde wird zu betonen, irgendwie anders als die Sith die er kennt und doch es sind Sith, ihre Tendenz zu Verschwörung und Größenwahn ist offenkundig. High Lord Taalon spinnt in ALLIES bereits erste Pläne wie seine Sith ihr vermeintliches Schicksal als Herren über die Galaxis verwirklichen können. Ganz Imperator-like startet er Geheimoperationen, von denen man in den kommenden Bänden wohl noch mehr zu sehen bekommt. ALLIES verrät hier nicht zuviel und hält die Spannungskurve hoch. Taalons Sith haben jedoch noch viel über die Galaxis zu lernen, die sie plötzlich entdeckt haben und doch nutzen sie bereits jede Gelegenheit Zwietracht und Gewalt zu säen.

Auf Coruscant wiederum reift bei Han und Leia wohl zunehmend der Beschluss Daalas Sturz zu organisieren. Die Frage ist wohl nur noch das Wie. Die Antwort könnte allerdings Wynn Dorvan liefern, der als Daalas Mann fürs Grobe doch allmählich Ressentiments gegenüber seiner Staatschefin entwickelt. Nicht zuletzt wegen ihres brutalen Vorgehens gegen die Jedi, unter denen er in Raynar Thul einen Freund gefunden hat. Dass Daala zunehmend zur Reinkarnation Darth Caedus und Cha Niathals verkommt mag an ihrer imperialen Vergangenheit liegen, derer zum Trotz sie als Staatschefin eingesetzt wurde. Einen neuen Twist neben der Verschwörung hochrangiger imperialer und alliierter Politiker, die kurz auf Eis liegt, verspricht der Aufstand der Sklaven, da sich Daala gar nicht eingestehen will dass es Sklaverei in ihrer Galaxis noch gibt. Die Jedi sehen sich jedoch im permanenten Belagerungszustand durch Daala und ihre Söldner kaum in der Lage irgendetwas zu unternehmen. Ja genau wie Daala nehmen sie das Problem Sklaverei nicht einmal wirklich wahr, nicht zuletzt weil der Experte für dieses Thema, Sothais Saar, unter den dem Wahnsinn verfallenen Jedi zu finden ist. Stattdessen sind die Sith die größte Sorge des Jedi Rats und gegen die können sie nichts unternehmen, weil ihre StealthX nicht von Coruscant abheben dürfen.

Ein anderes seit einigen Bänden virulentes Thema ist die Anklage Tahiris wegen der Ermordung Admiral Pellaeons. Nachdem es Navara Ven aufgrund seiner Verbindung zu den Jedi untersagt wurde Tahiri zu vertreten und sie nach Auflösung des Jedi Gerichtshofs vor einem normalen Gericht der GA angeklagt wird, erhält sie dank einer Intervention Jainas bei Jag Fel, mit Eramuth Bwua'tu (dem Onkel des Oberbefehlshabers der GA-Streitkräfte Nek Bwua'tu) einen smarten Verteidiger, der im Hintergrund auch noch eine eigene Agenda verfolgen könnte. Aber man wird sehen. Unbestimmtes Potential verspricht auch Reporterin Mahdi Vaandt, die sich mit den Sklaven-Aufständen befasst und in Jag Fel wohl einen bedeutenden Unterstützer finden könnte. Einen wohl noch Karen Traviss geschuldeten Gastauftritt (neben den Mandalorianern hat sie in The Clone Wars: No Prisoners und Imperial Commando 1 ja auch Djinn Altis Jedi-Sekte und Callista vorgestellt) erlebt Callista. Wäre Traviss nicht ausgestiegen, man hätte wohl auch mehr von Callista gesehen.

Will man Pessimist sein wagt man zu behaupten FOTJ könnte das bewiesene Potential noch in der letzten Hälfte der Reihe aufs Spiel setzen, aber ich persönlich glaube dass man doch aus den Fehlern von LOTF gelernt hat und Brüche in der Handlung tunlichst vermeiden wird. Optimistisch betrachtet geht die Spannungskurve mit VORTEX also noch höher. ALLIES selbst hat ein spannendes Ende, das durchaus einige Fragen offen lässt, von denen ich hoffe das VORTEX sie beantworten kann. Es wird spannend zu sehen wohin Troy Denning die Handlung treiben wird und nachdem er Abeloth in ABYSS überhaupt eingeführt hat, glaube ich dass man in VORTEX damit rechnen kann mehr über diese eigenartige Bedrohung zu erfahren. Bis auf einige nervige Schreibfehler ist ALLIES gut gelungen, Christie Golden entwickelt die Reihe in eine neue Richtung weiter, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Die Ereignisse überschlagen sich fast, doch manches dürfte wohl auch in ALLIES sein Ende gefunden haben.

Fazit:
Das Debüt Christie Goldens ist gelungen, der zweite Band eine solide Fortsetzung von Aaron Allstons Backlash.


Star Wars: Clone Wars Gambit - Siege
Star Wars: Clone Wars Gambit - Siege
von Karen Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,65

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf zur Belagerung von Lanteeb?, 24. Juli 2011
Nachdem Anakin und Obi-Wan mit knapper Not aus Lanteebs Hauptstadt und damit General Lok Durd entkommen sind, finden sie sich schon bald gestrandet in einem abgelegenen Bergarbeiter-Dorf wieder. Abgeschnitten von allen Kommunikationswegen müssen die beiden Jedi jedoch ihre Tarnung weiter aufrecht erhalten. Doch die Zeit drängt, denn Count Dooku erhöht den Druck auf Durd schon bald Ergebnisse zu liefern. Und der will möglichst geheim halten dass er der beiden Jedi nicht habhaft geworden ist.

Unterdessen ist Bail Organa auf Coruscant höchst unberuhigt, da immer noch keine Nachricht von seinem Freund Obi-Wan eingetroffen ist. Während Bails Freund Tryn Netzl fieberhaft in den Laboren des Jedi Tempels nach einem Weg sucht ein Gegenmittel für die Biowaffe der Separatisten zu finden, müssen Organa und Yoda die Mission nach Lanteeb weiterhin vor Palpatine geheim halten, vermuten sie doch einen hochrangigen Verräter in der Republik. Bei allem was auf dem Spiel steht sehen sie ihre einzige Chance darin auf eine Nachricht der beiden Jedi zu warten...

Bis zur Hälfte von SIEGE wähnt man sich entgegen des Titels und vielversprechender früherer Inhaltsangaben noch immer in STEALTH. Die Jedi bleiben weiterhin undercover, ihre Freunde auf Coruscant gebärden sich weiterhin bedeutungsvoll und so richtig scheint keiner den ersten Schritt unternehmen zu wollen, in Richtung der titelgebenden Belagerung. Erst ab dieser zweiten Halbzeit kommt etwas Dynamik in die Handlung, nachdem Lok Durd einen Psi-Kopfgeldjäger auf die Jedi angesetzt hat, seine Droiden mobilisiert und auch auf Coruscant sich die Ansicht durchsetzt man solle endlich zum Finale rüsten. Doch diese Spannungskurve leidet dann ein wenig unter dem Vergleich mit anderen Romanen des EU, in denen bis dahin weit mehr geschieht. Tatsächlich, bis auf einen Sturm und dessen Folgen hat das Gespann Kenobi-Skywalker wenig zu bewältigen, ehe Lok Durd ihre Spur wieder aufgenommen hat. Auch anderenorts passiert auf 200 Seiten so wenig dass die einzige Spannung darin liegt sich zu fragen, ob man nicht auf der nächsten Seite doch noch böse von einer hastigen Actionsequenz überrascht wird. Leider ist dem nicht so und die Dialoge holen SIEGE nicht wirklich aus diesem Dilemma heraus. Diese sind inhaltlich wenig bedeutungsvoller als alles was man je in JEDI QUEST gelesen hat und stilistisch merkt man Karen Miller immer noch an dass sie sich wohl zu sehr dazu hat überreden hat lassen die Zielgruppe in der THE CLONE WARS-Generation zu sehen, was manche Parallelen zu den Jugendbüchern erklären könnte.

Spannungstechnisch fühlt man sich zurecht an STEALTH erinnert. Dennoch gibt es diesmal bei der Gestaltung der großen Spannungsmomente, wenn Obi-Wan und Anakin der Droiden Armee gegenüberstehen, einige Verbesserungen zu bemerken. Miller handelt die "Action" nicht mehr so rasch ab. Eine andere Konsequenz die in STEALTH schon absehbar war ist die große Innovation seit WILD SPACE. Miller ist von langen Dialogszenen die etwas strapaziös gewirkt haben, weil darin hauptsächlich gestritten wurde, zu schnelleren Szenenwechseln und einem wahren Charakter-Reigen übergegangen. So gelingt es Miller größere Spannungstiefs dennoch gut zu überbrücken, wird durch die zahlreichen und schnellen Wechsel doch viel bewegt. Um eine persönliche Spekulation zu wagen, würde man Miller von TCW lösen und einen anderen SW-Roman mit diesem Stil schreiben lassen, er könnte ganz interessant werden. Denn der Zwang sich möglichst authentisch an der Serie zu orientieren drückt in meinen Augen ziemlich stark auf das Gesamtwerk.

Eindeutig diesem TCW-Stil geschuldet ist wohl auch die Charakterisierung Darth Sidious, der in SIEGE nicht mehr nur eindeutig als Palpatine identifiziert wird und sich geringschätzige Gedanken über alles und jeden erlaubt, sondern aktiv in Palpatines Privaträumen und Büros auch mit Sith-Roben via Holoprojektor Anweisungen an seinen Schüler gibt. Der Mythos ist eindeutig hinüber. Zugleich wird Yoda deutlich vermenschlicht und macht sich ein ums andere Mal Sorgen um Obi-Wan, Mace Windu und auch Anakin.

Abschließend muss ich dennoch auf die frühen Inhaltsangaben und den Buchtitel zurückkommen. SIEGE - so legte die Inhaltsangabe nahe, handle davon dass Lanteeb nach der Undercover-Mission Anakins und Obi-Wans belagert werden würde, haben die beiden ja bestätigt dass Lok Durd dort wirklich an der Entwicklung einer Biowaffe arbeitet. Doch so tragend der Titel und die dahinter stehende Idee wirken, sind sie nicht. Die Belagerung kommt erst gegen Ende in Gang und vorher tappt man quasi noch in einer wirklich überlangen Einleitung herum. Das hat dem Werk meiner Ansicht nach viel Spannung geraubt, den dass es zur Belagerung kommt ist keine große Überraschung und ihr Ausgang ist durchaus absehbar. Sie dennoch ans Ende zu verlegen, statt möglichst früh ins Spiel zu bringen, baut im Grunde keine Spannung auf, sondern lässt einen ja nur das Offensichtliche erahnen. Dagegen kann Karen Miller auch trotz ihres erfrischend schnelleren Stils nichts ausrichten. Schade, denn sie könnte doch soviel mehr aus Handlung und Franchise herausholen, würde sie sich nicht selbst so streng an das Bild der Serie anpassen. Ein wenig mehr Freiheiten wie bei ihrer Kollegin Karen Traviss würden ihren TCW-Romanen auf jeden Fall gut tun.

Fazit:
Handwerklich noch eine Spur ausgereifter als STEALTH, doch leider zu vorhersehbar und in der ersten Hälfte ohne eindrucksvolle Spannungsmomente.


STARGATE SGA-16 Homecoming - Book One of the Legacy Series (English Edition)
STARGATE SGA-16 Homecoming - Book One of the Legacy Series (English Edition)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 6 Bücher statt Season 6, 24. Juli 2011
Das vorzeitige Ende von Stargate Universe könnte vorerst auch das Ende für das gesamte Stargate Franchise gewesen sein, zumindest was TV-Produktionen betrifft, denn auch der erste Stargate Atlantis-Film "Extinction" (ursprünglich als Ersatz für eine angeblich zu teure Season 6 gedacht) ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben wurden. Vorerst sind also Jo Grahams, Amy Griswolds und Melissa Scotts sechs Bücher der als Fortführung von Atlantis-Story konzipierten Legacy-Reihe der zumindest bis 2012 laufende letzte Versuch zumindest eines der Stargate spin-offs fortzuführen.

Schwere Zeiten für die Atlantis Expedition. Nach der Schlacht mit dem Hive in der Erdumlaufbahn in der Bucht von San Francisco gestrandet ist die Zukunft Atlantis und seiner Besatzung ungewiss, denn IOA und US-Regierung sind vorerst wenig gewillt klare Entscheidungen betreffend der Fortführung der Expedition und einer möglichen Rückkehr in die Pegasus Galaxie zu treffen. Nur IOA-Mann Richard Woolsey scheint nicht aufgeben zu wollen und zieht alle Register, um eine Rückkehr Atlantis zu ermöglichen. Doch die Verzögerungstaktik der IOA führt zunächst vor allem dazu dass sich selbst Rodney McKay absetzt und Sheppard aufgrund seiner Insubordinationen in der Vergangenheit in einer karrieremäßigen Sackgasse als de facto Nachtwächter in der vom US Militär beanspruchten Antiker-Stadt wiederfindet, denn nachdem die IOA nicht willens ist Atlantis betreffend klare Entscheidungen zu treffen beanspruchen die USA kurzerhand die zumindest in ihren Gewässern ankernde Stadt und ziehen das alte Atlantis-Personal ab um die Anlage ins Stargate Command einzugliedern.

Einmal mehr in der Pegasus Galaxis scheitert Atlantis Rückkehr nach Lantea jedoch an einem durch die zahlreichen Schlachten der letzten Jahre bedingten Fehler des Hyperraumantriebs und strandet auf einem frostigen Planeten am Rande der Galaxis. Bei den ersten Besuchen auf Welten ehemals Verbündeter und Handelspartner stellt sich jedoch schnell Ernüchterung anstatt Wiedersehensfreude ein. In den wenigen Monaten von Atlantis Abwesenheit haben die Wraith unzählige Planeten heimgesucht wie seit Jahrhunderten nicht mehr, denn eine neue Königin hat sich erhoben und den Namen Death angenommen, um alle Hives entweder zu vereinen oder zu vernichten...

Genau so hätte der Auftakt zu einer sechsten Staffel Stargate Atlantis wohl ausgesehen. So wie Jo Graham und Melissa Scott die turbulente Rückkehr Atlantis jedenfalls beschreiben hätten es wohl auch die Serienmacher gewagt. Die IOA als Blockierer deren Repräsentanten man dazu zwingen muss Entscheidungen zu treffen, solche Szenen kennt man sogar schon seit der Amtszeit Elisabeth Weirs. Dass Atlantis allerdings dann überhaupt zurückkehren darf ist dem Einfallsreichtum einiger altbekannter SG-1 Veteranen zu verdanken, trotz Wirtschaftskrise (wegen der der Bau weiterer Schiffe der Daedalus-Klasse auf Eis liegt) und aufgrund von Engagements im Irak und in Afghanistan stark ausgedünnten US-Streitkräften. Es ist gewissermaßen der harte Boden einer Pseudo-Realität auf dem man sich als Leser wiederfindet, denn trotz allen Errungenschaften der Stargate-Expeditionen ist die Erde eines John Sheppard nach allen Entdeckungen der letzten Jahre nur wenig vorangekommen. So kann man zwar kleinere Schäden an Atlantis dank kompatibler Asgard-Technologien reparieren, größere Anlagen jedoch noch nicht und ZPMs bleiben ebenso Mangelware. Der enorme Energiebedarf Atlantis infolge der Schlacht um die Erde und seiner Rückkehr nach Pegasus führen schließlich trotz 3 ZPMs dazu dass sich Atlantis in einer ähnlich prekären Lage wiederfindet, wie während weiter Strecken der Serie und auch der Drohnenvorrat ist stark geschrumpft. Käme es hart auf hart wäre man wie in den guten alten Zeiten also einmal mehr auf den Erfindungsreichtum der Expeditionsmitglieder angewiesen - back to the roots. Kommt noch hinzu dass sich die Autorinnen sehr konsequent um eine möglichst glaubwürdige Weiterentwicklung der Charaktere bemüht haben und quasi, weil es eben der Auftakt zur Reihe ist, einen Round-up des Atlantis Casts liefern.

Da sich die drei Autorinnen im Sinne einer vernünftigen Arbeitsteilung auch gezielt auf bestimmte Aspekte ihrer Geschichte konzentriert haben wird man in den noch folgenden Büchern auch unterschiedliche Schwerpunkte erleben, was Charaktere anbelangt. So sei zu erwähnen dass sich Melissa Scott nach eigener Aussagen vor allem auf die Wraith, Sheppard, Ronon und Radek konzentriert, während Jo Graham sich Teylas, ebenfalls Sheppards und Radeks, sowie Sam Carters annimmt und Amy Griswold Ronon, Rodney, Radek, Major Lorne und Jennifer Keller versuchen wird mehr Leben nach Season 5 zu verleihen. Anzudeuten in welche Richtung es mit manchen Protagonisten gehen wird versucht Homecoming ja bereits, aber neben der "Wiederbelebung" unserer alten Helden müssen zunächst auch noch sehr viele Pflichtauftritte (und seien sie noch so kurz) absolviert werden, wie Jack O'Neills oder auch Bill Lees.

- Die Charaktere -

Größerer Wandel steht auf jeden Fall Ronon Dex bevor, den Carter schon auf der Erde versucht hat als Berater für eine Expedition der George Hammond in die Pegasus Galaxis anzuwerben und meinte er wäre ideales Offiziersmaterial und hätte es immer noch in sich etwas aus seinem Leben zu machen. Als Atlantis dann aufbricht scheint diese Überlegung dann doch auf Eis zu liegen, zumindest bis Ronon auf eine größere Gruppe Überlebender von Sateda trifft, die sich in der Satedan Guard auf Levanna organisiert haben.

Die lange angedeutete Romantik zwischen Sheppard und Teyla scheint ebenfalls, mit etwas Nachhilfe durch die Autorinnen, wieder neu entfacht zu werden, seit Kanaan für Teyla nur noch ein Freund ist und Sheppard sich in den Monaten auf der Erde rührend um den kleinen Torren John gekümmert hat.

Von Jennifer, Rodney und dem "B-Team" Lorne und Radek erfährt man zunächst eher weniger essenzielles, das auf eine charakterliche Weiterentwicklung hinweist. Und Woolsey scheint sich in den Fußstapfen Elisabeth Weirs unerwartet wohl zu fühlen, als gerade er, der ehemalige IOA-Bürokrat mit Verve für eine Rückkehr Atlantis in die Pegasus-Galaxis eintritt.

Todd wiederum entpuppt sich trotz der Rückkehr als verkappter Sheppard-Fan und meint sogar in Gedanken seinen Verbündeten sogar nicht einmal töten zu können. Dennoch sieht sich auch Todd außerstande zu einer Allianz mit Queen Death nein zu sagen, aber ein gewisses Misstrauen ihr gegenüber bleibt bestehen.

Während Kontrollraum-Frontman Chuck seinen Abgang feiern muss kommt mit der Psychologin Dr. Eva Robinson, die außerdem das ATA Gen besitzt, ein neuer Charakter hinzu, dem schon einmal viel Raum zur Einführung gewidmet wird und wohl auch noch eine größere Rolle wahrnehmen wird.

- Der Status der Pegasus Galaxis -

Das neuerliche Abtauchen Atlantis scheint diesmal weit weniger Folgen gehabt zu haben als noch in Season 3 als eine Gruppe Antiker die Stadt erneut für sich beanspruchte. Zumindest haben die Genii es diesmal nicht geschafft ihren Einfluss spürbar auszuweiten. Im Gegenteil, als Waffenlieferanten sind sie zwar gefragt, die Verheerungen Queen Deaths konnten aber auch sie nicht abwenden und haben daher wohl einiges an Einfluss auch verloren. Ladon Radims Regierung hat unterdessen mit den üblichen Verschwörungen zu ringen, allerdings planen die Genii demnächst auch etwas größeres und wollen daher vorerst Atlantis die Aufmerksamkeit der Wraith auf sich ziehen lassen. Nur Sora Tyrus sinnt auf Rache und will Ladons Pläne eher sabotieren als auch nur im entferntesten Sinne gemeinsame Sache mit Teyla und Atlantern zu machen.

So verheißungsvoll undurchschaubar sich die Genii entpuppen, so einfach macht man es sich mit den weitgehend vereinigten Wraith. Seit diese nun wissen dass die Erde existiert haben sie nun das letzte bisschen Rücksicht auf ihre Nährgründe in der Pegasus Galaxis fallen gelassen und die Hives nicht nur randvoll mit menschlichen Frischfleisch gestopft, sondern auch manche Planeten beinahe ausgelöscht. Für Todd ein ziemlich unvernünftiges Verhalten, doch auch die ersten Vorboten des großen Krieges der sich da nun bereits abzuzeichnen beginnt. Angeführt von der jungen Königin Death, die sich eines alten Mythos von einer ersten großen Wraith Königin bedient, wollen die Wraith scheinbar in absehbarer Zeit über die Milchstraße herfallen und damit eben auch die Erde. Die Frage ist nur wie.

Dass es zu einem heftigen Schlagabtausch kommen wird, bei dem Erfindungsreichtum auf Seiten der Menschheit angesagt ist, deutet auch die Tatsache an dass es auf absehbare Zeit keine neuen Schlachtschiffe für das SGC geben wird und das Militärkontingent auf Atlantis ebenfalls bescheidener ausgefallen ist als es für einen Präventivschlag sein sollte. Hoffnung und vielleicht eine Überraschung birgt nur die Frage des indischen IOA-Abgeordneten S.R. Desai der die Frage in den Raum stellt ob Atlantis auch ein offener Hafen für Raumschiffe anderer Nationen wäre und man erfährt auch davon dass Indien an einem experimentellen Raumschiff arbeitet.

- Kritische Anmerkungen -

Neben manchen Details wie Woolseys plötzliche Lockerheit (er lässt sich nun auf einmal auch Dick nennen) oder unerwartet unsympathischen Rolle Jack O'Neills (die irgendwie an eine negative Abwandlung seiner kurzen Auftritte in Universe erinnert) irritierte mich als Leser und Fan der Serie zunächst vor allem einmal dass in der Innenansicht der Wraith-Kultur diese plötzlich Namen wie Guide, Bonewhite, Iron, Farseer, Bloodrose, Wind, Steelflower, Edge, Snow oder Ease erhalten haben. Ein wenig wie in Star Wars The Clone Wars, man will ihnen keine Nummern geben und hat auch sonst keine besseren Ideen, also mischt man Spitznamen mit irgendwelchen Eigenschaftsnamen. Das hätte auf jeden Fall besser gelingen können.

Ungewöhnlich erweist sich auch dass plötzlich scheinbar selbst hinterwäldlerische Dorfbewohner bestens über Wraith Politik bescheid wissen zu scheinen und hervorragend Auskunft über Deaths Vereinigung der verschiedenen Hive Allianzen geben können. Dass die Wraith trotz der von Michael und seinen Hybriden verbreiteten Hoffaner Seuche noch nicht ausgerottet sind oder keine Schwierigkeiten mehr mit verunreinigter Nahrung zu haben scheinen wird mit keinem Wort erklärt, auch nicht im Zusammenhang mit Dr. Becketts humanitärem Engagement. Aber das ist nicht das einzige was irgendwo irgendwie auf der Strecke geblieben ist, auch Ronons Beziehung zu Amelia Banks wird unter den Teppich gekehrt.

Unerwartet entpuppt sich Teylas Umgestaltung von einer Führerin ihres Volkes zur Außenseiterin, die gedacht war in die weite Welt hinauszuziehen, wie schon ihre Mutter vor ihr. Dagegen schluckt man sogar die Tatsache noch leichter dass Genii und Levanna plötzlich Ränge des US-Militärs etabliert haben und man wieder einmal galaxisweit glaubte Atlantis wäre zerstört worden. Neu ist auch die große Sorge um Atlantis Energieverbrauch, denn mit nur noch 10 Prozent Energie in drei ZPMs glaubt man nicht lange durchkommen zu können. Dem folgt man zwar noch einigermaßen kritiklos, aber die aufgeworfene Frage ob man beim gegenwärtigen Energiestand auch nur begrenzt Pegasus Gates anwählen kann erweist sich dann doch als absurd, denn wie hätte das sonst in Season 1 gelingen können oder hat man diesmal keine Naquadah-Generatoren mitgebracht?

- Sieht so die Zukunft des Stargate Franchise aus? -

Vielleicht zum Teil, denn nach dem Ende von Stargate Universe hat sich auch dessen Cast und Produktionsteam in alle Winde zerstreut. Die alte Crew hinter den Kulissen also für ein neues Projekt zurückzubekommen dürfte sich als schwierig erweisen. Noch gravierender erweist sich jedoch Metro-Goldwyn-Mayers Insolvenz im Spätherbst 2010, wegen der auch der dritte James Bond Film mit Daniel Craig auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Wie auch immer, es wird dauern bis es mit Stargate wieder weiter geht. Doch genau in dieser Situation soll nun Legacy das für Stargate tun, was die 19 New Jedi Order Romane für das Star Wars Universum getan haben, nämlich mit einem neuen epischen Konflikt die Saga fortzuschreiben und nicht nur mit Romanen zu einzelnen Seasons zu ergänzen. Doch Star Wars-Fans wissen dass dieses "Expanding the Universe" bei Star Wars schon am Beginn der 1990er-Jahre seinen Anfang nahm und die NJO Romane nur ein sehr umfangreicher Versuch waren diese Tradition weiterhin fortzuführen und die Geschichte eben in eine neue Zukunft fortzuschreiben. Das könnten auch die Legacy Romane tun, nicht nur für Atlantis sondern auch SG-1 und vielleicht auch Universe, zumal die Filme ja samt den Serien vorerst auf Eis gelegt wurden. Dass es da zu Kontinuitätsproblemen kommen kann ist verständlich und Star Trek wie Star Wars Fans können ein Lied davon singen, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt und ein Franchise bzw. ein Spin-off mit der letzten Folge ganz abzudrehen wird immer mehr Fans schmerzen als dieses mehr oder weniger erfolgreich in einem anderen Medium vor allem günstiger fortzuführen.

Der Terminplan für den Release der weiteren Bände sieht vorerst so aus:

Book 1: Homecoming
Book 2: The Lost
Book 3: Allegiance - November 2011
Book 4: Avengers - 2012
Book 5: The Secret - Spring 2012
Book 6: The Inheritors - Summer 2012

- Resümee -

Fans wird an Homecoming sicher einiges auffallen das nicht so ganz zum Ende der Serie passt, aber man sollte schon anerkennen wie gut es Jo Graham und Melissa Scott gelungen ist den Charakteren der Show Leben einzuhauchen und einige konsequent weiterzuentwickeln. Wie sie das tun kann und wird nie alle Fans zufriedenstellen, aber der Versuch alleine ist schon viel wert, denn ohne wäre die Geschichte von Atlantis mit der letzten Folge von Season 5 vorbei. Und am Ende ist man gespannt wies weitergeht.


Umverteilung Neu: Ideen für die Zukunft von Wirtschaft und Finanzsystem
Umverteilung Neu: Ideen für die Zukunft von Wirtschaft und Finanzsystem
von Josef Taus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wirtschaftsdenken gestern, heute und morgen?, 22. Juli 2011
Schon zu Beginn des medialen Interesses an der gegenwärtigen Finanzkrise hat Oliver Tanzer mit Markus Wolschlager 2009 in "Alles wird gut: Wie Wirtschaftskrisen die Welt verbessern" einen historischen Rückblick genutzt, um eine Prognose für die Zukunft zu erstellen, dass Wirtschaftskrisen eben zum Lauf der Dinge gehören. 2011 im Jahr der großen Euro-Krise blickt Tanzer mit einem neuen und ungleich prominenteren Co-Autor, dem ehemaligen ÖVP-Obmann und sogar unter Kreisky noch Aufsichtsratvorsitzenden der ÖIAG Josef Taus, nun auf die Geschichte des Denkens über die Wirtschaft und die Entstehung unserer modernen Wirtschaftskonzepte zwischen Neoklassik und Keynesianismus zurück, während Taus ein Konzept für die Zukunft präsentiert, die Umverteilung des Vermögens von den Finanzmärkten zur Realwirtschaft.

So haben sich die Autoren Tanzer und Taus ihre Arbeit klar getrennt. Während Tanzer sich der Geschichte widmet, beschreibt Taus also vor allem die gegenwärtige Lage und zukunftsfähige Auswege aus der aktuellen Misere, über eine Stärkung des Mittelstands. Aus einer solchen würde nämlich nicht nur ein Zuwachs an Arbeitsplätzen resultieren, sondern auch die Furcht vor einem personellen Aussterben des Mittelstands (der immerhin 50% der Steuereinnahmen erbringt, wenngleich er nur 10% der Gesamtbevölkerung darstellt) wäre gebannt.

Tanzer beginnt seine Historiographie des Wirtschaftsdenkens, wie könnte es anders sein, bei den Griechen und entzaubert zugleich den das antike Griechenland umwehenden Hauch einer kulturell so hoch stehenden Gesellschaft, das man sich um nichts mehr zu sorgen hatte außer der Fortentwicklung von Philosophie und Redekunst. Beginnend mit spitzfindigen Philosophen wie Diogenes zeigt Tanzer durch deren Zeugnisse dass das antike Griechenland geprägt war von Sklaverei (in die man auch mühelos absinken konnte) und Nahrungsmittelknappheiten (wegen der manche Städte sogar Aufträge zum Kapern nahender Getreidetransporte ausgaben). Die wirtschaftliche (Dauer)Krise und Polarisierung der Gesellschaft sollte allerdings auch den Sprung zur Demokratie zur Folge haben, um eine die Spannung lindernde Verteilungsgerechtigkeit durchzusetzen. Krisenzeiten sind eben auch Chancenzeiten, wie schon die Botschaft von Tanzers und Wolschlagers "Alles wird gut" lautete.

Ähnlich interessant wird es vor allem wieder wenn sich Tanzer mit den Vätern der modernen wirtschaftlichen Denkschulen und deren Gegensätzen auseinandersetzt und dabei auf unerwartete Gemeinsamkeiten stößt. So polarisiert die Diskussion zwischen klassischer und keynesianischer Denkschulen auch scheint, ihre Gründerväter standen sich bei weitem nicht so unversöhnlich gegenüber wie ihre Erben. Gerade Tanzers Geschichtsexkurs ist das Highlight des Buchs, den einen solchen hätte man auch kaum erwartet. Tanzers Ausführungen lesen sich flüssig und es gelingt ihm einen soliden Überblick zu vermitteln.

Dagegen nimmt sich Josef Taus Vision einer Umverteilung zu Gunsten des Mittelstands und in Folge der Allgemeinheit etwas blass aus. Das mag auch daran liegen dass der ehemalige Staatssekretär für die verstaatliche Industrie einen gemäßigten Standpunkt einnimmt und nicht zur großen Revolution bläst, wie es schon andere im Zuge der Finanzkrise getan haben. Taus hat das Augenmerk wohl weniger auf interessante Gedankenspiele als mehr die Verwirklichbarkeit seiner Thesen gelegt und dazu eine Formulierung gewählt die eher sanft als ruppig-aggressiv oder besserwisserisch klingt.

- Resümee -
Es sind wahrhaft nicht wenige Autoren die die Finanzkrise als Anlass genutzt haben in ihren Büchern, Artikeln und Papieren von konkretem bis zur Utopie reichenden Reformgedanken anzuhängen. Was "Umverteilung Neu" von diesen unterscheidet ist einerseits die Mischung aus Experten- und Promi-Faktors Josef Taus, mit dem überaus gelungenen historischen Exkurs Oliver Tanzers. Gerade letzterer überrascht, den der Rückblick auf die Geschichte des Wirtschaftsdenkens und der Entstehung der modernen Wirtschaftsdenkschulen ist eben nicht bloß eine Einleitung für das Buch sondern ein zentraler Bestandteil, die Vergangenheit und Vorgeschichte, zur Gegenwart und möglichen Zukunft die dann Josef Taus beschreibt und eben mit seinen Thesen verknüpft. Was sich noch als Statement festhalten lässt, Umverteilung Neu ist von Standpunkt und Stil eher gemäßigt und durchaus hoffnungsvoll, eine erfrischende Abwechslung in Zeiten medialer Wirtschaftshysterie.


Die Kelten: Auf den Spuren unseres versteckten Erbes
Die Kelten: Auf den Spuren unseres versteckten Erbes
von Georg Rohrecker
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keltisches Österreich, 20. Juli 2011
Österreichs antikes Erbe ist kein germanisches, sondern ein durch und durch keltisches. Dies zu beweisen und gleichsam als Missionar zu vertreten hatte sich Georg Rohrecker zu Lebzeiten zur Aufgabe gemacht. Und so offensichtlich es auch scheint dass das Königreich Noricum und die Hallstattkultur keltischen Ursprungs waren, in der Historiografie des 19. und halben 20. Jahrhunderts wurden die Kelten als Vorfahren der modernen Österreicher weitgehend verdrängt. Die verhängnisvolle "Germanisierung" sollte allerdings die Fakten verdecken. Heute wo Deutschland allmählich auch sein keltisches Erbe entdeckt (Bücher wie Martin Kuckenburgs "Das Zeitalter der Keltenfürsten" legen darüber eindrucksvoll Zeugnis ab) wird man zunehmend stolzer auf das keltische Erbe und akzeptiert die von Rohrecker vertretene Vorstellung, dass sich die Germanen südlich des "Weißwurst-Äquators" höchstens vereinzelt niedergelassen haben.

Georg Rohreckers "missionarischer" oder auch aufklärerischer Eifer verleiht dem letzten Werk des 2009 verstorbenen einen besonderen Verve. Vor allem die Einführung, in der er mit diesem mittlerweile wohl doch bereits überwundenen Geschichtsbild eines germanischen Erbes abrechnet ist äußerst gelungen. Dabei greift Rohrecker auch die Vorstellung von den bis dahin ungekannten zivilisatorischen Leistungen der Römer an und weist daraufhin dass das römische Straßennetz durch den Alpenraum im Grunde nur noch auf keltische Vorarbeiten aufbauen musste. Die angeblich so rückständigen Kelten waren zudem äußerst fähige Handwerker und ganz und gar keine Barbaren. Auch die Mär von der kulturellen Unterlegenheit der Kelten weist Rohrecker vehement zurück. Vor allem die keltische Oberschicht war des Griechischen und der Schrift fähig, wenngleich in der keltischen Kultur ein striktes Schrift-Verbot herrschte. Zugleich war die keltische Sprache höchst kunstvoll und gerne auch auf Mehrdeutigkeit ausgelegt, was bei den römischen und griechischen Gesandten zu allerlei kulturellen Missinterpretationen und Missverständnissen führte. Rohreckers Kelten-Bild unterscheidet sich stark vom Klischee barbarischer Krieger, stattdessen erfahren die Kelten als Kulturträger ihre Rehabilitation und mit seinem Verweis auf die Praxis keltischer Redekunst, Straßenbau und handwerklicher Kunstfertigkeit stellt er sie auf eine Stufe mit den großen Griechen und Römern. Gewisse oft auch etwas überstrapaziert wirkende Seitenhiebe kann er sich dabei allerdings nicht ganz verkneifen.

Besonderes Interesse hat Rohrecker der keltischen Glaubenswelt gewidmet, welche sich von der römisch-lateinischen stark unterscheidet. Trotz dieser Unterschiede verwundert es Rohrecker nicht dass viele antike Kultplätze der Kelten später Standorte von Kirchen und Kapellen wurden. So sehr sich die christlichen Missionare auch bemühten, den Nachfahren der keltischen Heiden konnten sie manche Vorstellungen doch nie austreiben und so wurden einstige Kultorte zu Wallfahrtsorten und einstige Schutzgötter zu christlichen Schutzpatronen. Während das Christentum eher in eine lineare und dualistische Sichtweise vertieft ist, basierte die keltische Glaubenswelt stark auf einem Denken in unendlichen Zyklen. Der Tod war für die Kelten etwa nicht das Ende sondern nur eine vorübergehende Phase, in der man in den Schoß der Erde zurückkehrte. Im Unterschied zum patriarchalischen Christentum zeichnete sich die Glaubenswelt der Kelten auch dadurch aus, dass sie von einem starken, wenn auch später zunehmend abgeschwächteren weiblichen Prinzip geprägt war. Männliche Gottheiten wurden überhaupt erst als einer Göttin als Liebhaber-Söhne beigestellte Heroen eingeführt.

Nach der sehr aufschlussreichen und interessant gestalteten Einführung geht Rohrecker allerdings zu einer eher lexikalischen Abhandlung der diversen weiblichen und männlichen Gottheiten über (wie Noreia, Danu, Abfalter, Belenus oder Teutates) und spürt dann auch in modernen Namen erhalten gebliebene Verweise auf keltische Urbezeichnungen nach. Rituale & Festen, sowie Heiligen Orten und dem in ausgewählten Sagen manifestierten keltischen Erbe geht er dabei ebenfalls nach. So endet das Buch dann mit einem Verweis auf keltische Kulturschätze in österreichischen Museen.

Der verstorbene Autor Rohrecker hat als ehemaliger Journalist und SPÖ-Gewerkschaftsfunktionär eine eher schillernde Vergangenheit, von der man allerdings wissen sollte um das Buch auch entsprechend zu verstehen. Rohreckers vor allem in den einführenden Kapiteln evident gewordener Zorn über die längst noch nicht vergangenen Folgen einer gewissen "Deutschtümelei" in der Erforschung der antiken Geschichte des Alpenraums und insbesonders eben Österreichs dürften in ihrer Vehemenz etwa zum Teil durch seine politische Orientierung erklärbar sein. So sehr ihn seine aufgeschlossene und von einstigen Kapazitäten vergangener Generationen wohl als rebellisch empfundene Haltung zum Thema Kelten wohl in Konflikt mit der akademischen Fachwelt gebracht hat, ein Groll dem er ebenso freien Lauf zu lassen scheint, Rohrecker hat zumindest in "Die Kelten: Auf den Spuren unseres versteckten Erbes" die wissenschaftliche Beweisführung vernachlässigt. So muss man sich als interessierter Leser und ebenfalls Laie öfters die Frage stellen, wo man dieses oder jenes noch ausführlicher nachlesen kann oder umgangssprachlich "woher weiß er das?". Das ist für ein populärwissenschaftliches Buch eigentlich keine Pflicht, doch so ist der Leser dazu gezwungen Rohreckers Worten bedingungslos zu vertrauen.

- Resümee -
Eine faszinierende Wiederentdeckung des keltischen Erbes Österreichs, die zunächst vom Engagement und Tempo des Autors zu sprühen scheint. So wenig die gelegentlichen Wiederholungen da auch noch stören, spätestens nach dem Wechsel zum lexikalischen Teil mit der Aufzählung und Erläuterung der diversen Gottheiten, Kulte und Sagen mit Hinweisen auf keltisches Erbe geht etwas die Faszination verloren.


Ötzi 2.0: Eine Mumie zwischen Wissenschaft, Kult und Mythos
Ötzi 2.0: Eine Mumie zwischen Wissenschaft, Kult und Mythos
von Angelika Fleckinger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 20 Jahre Ötzi-Forschung, 20. Juli 2011
Schon der Titel ist ein Wortspiel, denn eine wirkliche Evolution der Ötziforschung von einer 1.0 zu einer 2.0 Version hat nicht stattgefunden, stattdessen sind nun eben schon 20 Jahre vergangen seit man den Mann aus dem Eis geborgen und damit eine einzigartige Tür in die Frühgeschichte des Alpenraums aufgestoßen hat. Und immer wieder sorgen durch den Iceman möglich gemachte Entdeckungen dafür dass Ötzi auch 20 Jahre danach immer noch für internationale Schlagzeilen sorgen kann. Kein Wunder also wenn unter der Herausgeberschaft der Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums Bozen, Dr. Angelika Fleckinger, 2011 der vorliegende populärwissenschaftliche Ötzi-Band auf den Markt gekommen ist. Und weil Jubiläen so schön sind wird es wohl nicht der letzte Jubiläumsband des Jahres bleiben.

Ötzi 2.0 trumpft vor allem mit einer bunten und nur in Einzeilern jeweils am Kapitelbeginn vorgestellten Beitragendenschar auf, die einen vielgestaltigen Blick auf das Phänomen Ötzi erlaubt. So ganz sachlich ist das ganze dabei nicht immer und so reichen die Beiträge von einer eher biederen Analyse der Medienberichte, über die Ausführungen des Pathologen und Konservators Eduard Egarter-Vigl zum Kriminalfall Ötzi, neuesten Forschungserkenntnis bis zur Fundgeschichte und dem "Fluch der Mumie aus dem Eis". Also wie der Untertitel "Eine Mumie zwischen Wissenschaft, Kult und Mythos" ein wenig von allem, wissenschaftliche Erkenntnisse, gepaart mit einer Untersuchung des Kults und klassischerweise auch des Mythos. Das lässt sich nun als von allem zu wenig oder eben auch nettes Panorama bezeichnen, letztes vor allem wenn man sich dem Phänomen Ötzi bisher eher nur durch Medienberichte angenähert hat.

Nach dem Vorwort der Herausgeberin ist es vor allem Beat Gugger, der es versteht mit seinen Ausführungen zur archäologischen Sensation die der Fund des Iceman bedeutet zu faszinieren. Ötzi ist nicht nur der älteste Kriminalfall der Weltgeschichte, sondern tatsächlich die älteste erhalten gebliebene Mumie, deren Besonderheit ist, dass er im Gegensatz zu vielen anderen "Besuchern" aus vergangener Zeit, direkt aus dem Alltag herausgerissen wurde. So sind uns gerade jene Alltagsgegenstände und Utensilien erhalten geblieben, die zu einer kleinen Revolution in der Erforschung der europäischen Frühgeschichte geführt haben. Welche Erkenntnisse durch Ötzi genau gefördert werden konnten beschreibt schließlich Andreas Putzer, wobei dieser auch beschreibt was man über die Mumie aus dem Eis selbst herausgefunden hat, wie seine Augenfarbe oder wo er wohl gelebt hat.

Ein anderes Streiflicht ist Elisabeth Elisabeth Rastbichler Zissernigs Präsentation der zufälligen Fundgeschichte, um die Frage zu beantworten wie der Ötzi überhaupt entdeckt wurde. Rastbichler Zissernig beschreibt dabei detailliert wie die Eismumie zuerst für einen erst kürzlich verstorbenen Alpinistin gehalten und daher auch nicht mit der sonst zu erwartenden größten Vorsicht behandelt wurde. Es war schließlich eine Verkettung glücklicher Zufälle, dass auch Reinhold Messner zugegen war und schon vor der sachgemäßen Altersbestimmung mit der Vermutung aufwarten ließ dass die gefundene Leiche ein weit größeres Alter aufzuweisen hat als zunächst angenommen. Durch Messners Prominenz angeregt setzte schließlich ein massives Rascheln im Blätterwald ein, dem sich Mark-Steffen Buchele gewidmet hat. Buchele untersucht vor allem auch die Medienberichte, auch hin auf Fragen mit welchen Namen Ötzi zunächst und schließlich in unterschiedlichen Kulturkreisen bekannt wurde (international ist der Ötzi vor allem als "Iceman" bekannt geworden).

Mit Eduard Egarter-Vigl kommt übrigens auch der Pathologe zu Wort (zum Kriminalfall Ötzi), der maßgeblich für die Konservierung der Mumie verantwortlich ist. Genau ein Kapitel danach setzt sich Hans Karl Peterlini dann mit Ötzis Entdecker Konrad Spindler und auch der Involvierung Egarter-Vigls auseinander. Aber auch deutlich trivialeres weiß Ötzi 2.0 zu berichten. So geht Cees Strauß auf die Geschichte der am Titelbild zu bestaunender Ötzi-Rekonstruktion der niederländischen Künstler-Brüder Kennis & Kennis ein und was wäre ein Buch über eine Mumie ohne etwas romantisch-mystisches wie einen Fluch? Auf "Ötzis Fluch" kommt schließlich Karl C. Berger zu sprechen und berichtet von den 8 Opfern die Ötzi bereits gefordert haben soll, das letzte war 2004 Entdecker Helmut Simon selbst.

Deutlich seriöser, wenn auch eher exkursorisch gestalten sich da Beitrage wie jener Reiner Sörries, über die nicht ganz in den populärwissenschaftlichen Rahmen zu passen scheinende Diskussion um das Totenrecht und die öffentliche Zurschaustellung toter Körper. Ob der Ötzi auch ein tauglicher Wirtschaftsfaktor für die Region ist, dieser Frage spüren gleich zwei Beiträge nach. Elisabeth Vallazza untersucht hierbei explizit den Wirtschaftsfaktor Ötzi, während Katharina Hersel und Vera Bedin dessen touristischen Wert einer eingehenden Untersuchung unterziehen.

- Resümee -
Ein Beitragssammelband der von allem ein wenig bietet und das ist für Leser entweder ein breiter Überblick oder von allem oder eben speziellem zu wenig. Und so würde man die einzelnen Beiträge wohl ganz unterschiedlich, je nach Interesse und eigener Informationslage bewerten, was es umso schwieriger macht dem Gesamtband eine faire Bewertung zuteil werden zu lassen.

Also die Empfehlung: Ötzi 2.0 ist ein Sammelband der eine breite Themenvielfalt zu Fundgeschichte, Erkenntnissen rundum Ötzi und allerlei mit ihm verbundene Themen bietet. Wer sich bisher nur oberflächlich mit dem Mann der aus der Kälte kam beschäftigt hat und nun einen unverbindlichen Überblick zu Ötzi sucht, dem sei das Werk empfohlen.


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