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Rezensionen verfasst von
Benedictu
(TOP 500 REZENSENT)   

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Every Thing Will Be Fine
Every Thing Will Be Fine
DVD ~ James Franco
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Metamorphose oder der Möglichkeitsraum menschlicher Autonomie, 2. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Every Thing Will Be Fine (DVD)
Zwei Jahre lang hat Regisseur Wim Wenders in Montreal und Quebec für diesen Film nach dem richtigen Drehort und dem richtigen Haus gesucht, auf dessen vorgelagerter großer Wiese er mit Charlotte Gainsbourg eine Einstellung inszeniert, die das bekannte Gemälde "Christina's World" von Andrew Wyeth (1917-2009) zum Vorbild nimmt. Leider ist diese Hommage an Wyeth am Ende nur noch bei den entfallenen Szenen zu finden.

Der Film handelt von einem zunächst wenig erfolgreichen, in sich gekehrten Schriftsteller (James Franco als Tomas), der vor dem Hintergrund eines tragischen Ereignisses, das verschiedene Lebenswege kreuzen läßt, eine Verwandlung erfährt. Wenders hat die über viele Jahre mißglückende Kommunikation zwischen dem wortkargen Tomas und seinen Lebensgefährtinnen, zunächst Rachel McAdams als Sara und dann Marie-Josée Croze als Ann, so quälend echt in Szene gesetzt, daß man als Zuschauer in den langen, wort- und ereignisarmen Passagen mit diesen Frauen mitleidet und erst am Ende erlöst wird. Seine Verwandlung widerfährt dem Literaten zwar, er steuert sie aber auch ein bißchen bzw. läßt sie zu. Insofern ist der Film auch ein schönes Beispiel für den Möglichkeitsraum menschlicher Autonomie.


Good Night & Good Luck
Good Night & Good Luck
DVD ~ George Clooney
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 7,26

5.0 von 5 Sternen Mediengeschichte und Medienkritik vom allerfeinsten, 2. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Good Night & Good Luck (DVD)
George Clooney hat sich als politisch engagierter Schauspieler und Regisseur mittlerweile einen Namen gemacht. In Syriana (2005) kam die US-amerikanische Machtpolitik unter Beschuß und in The Ides of March - Tage des Verrats (2011) die Praktiken des amerikanischen Wahlsystem. Good Night & Good Luck thematisiert in den Zeiten des "Patriot Acts" als historischer Rückblick in die McCarthy-Ära die zeitlose Herausforderung des Fernsehens zur Selbstbehauptung zwischen der Erwartung zur regierungstreuen Selbstzensur auf seiten der Politik und der Erwartung zur kurzweiligen Unterhaltung auf seiten des Publikums.

Zur Realisierung des Films mußte Regisseur und Drehbuchautor Clooney auch eine Rolle übernehmen. Die Wahl fiel auf die des Produzenten Fred Friendly. Die Hauptrolle des Fernsehjournalisten und Nachrichtensprechers Edward R. Murrow, des Gegenspielers des Senators Joseph McCarthy, kam für ihn - so Clooney im Interview - nicht in Frage, da ein Schauspieler gesucht war, dem Ernst und eine gewisse Traurigkeit wesenseigen sind. Das ist bei David Strathairn in der Tat der Fall. Im Film ist er in der Rolle des Edward Murrow mit Aussagen zu hören, deren Zeitlosigkeit verblüfft:

"We are are currently wealthy, fat, comfortable, and complacent. We have a built in allergy to unpleasant or disturbing information; our mass media reflect this. But unless we get up off our fat surpluses, and recognize that television, in the main, is being use to distract, delude, amuse, and insulate us, then television and those who finance it, those who look at it, and those who work at it, may see a totally different picture, too late".

FAZIT
Clooney ist sich über die Aktualität dieses zeitgeschichtlichen Films vollkommen im klaren. Die ängstliche Zurückhaltung der Leitmedien, kritische Fragen zu stellen, haben schließlich in unseren Tagen den letzten Irakkrieg, an dessen Folgen die Welt noch lange leiden wird, erst ermöglicht. Daß es früher einmal besser war, zeigt die Geschichte des legendären CBS-Journalisten Edward Murrow. Für den Regisseur ist das auch Anlaß zur Hoffnung, daß es nämlich auch leicht wieder einmal so werden kann wie in Good Night & Good Luck.


Citizenfour (OmU)
Citizenfour (OmU)
DVD ~ Edward Snowden
Preis: EUR 16,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Held im Dienst der Demokratie und der Menschenrechte oder Gesetzesbrecher?, 2. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Citizenfour (OmU) (DVD)
Die Liste der Auszeichnungen für diesen oscarprämierten Dokumentarfilm ist lang und der aufgeklärte Teil der westlichen Welt ist sich einig in ihrem Urteil. Das Establishment natürlich auch:
► Barack Obama: Snowden ist kein Patriot
► Bill Gates: Snowden ist kein Held. Er hat das Gesetz gebrochen.

Eine Resolution des EU-Parliaments vom 29.Oktober 2015 forderte die europäischen Mitgliedstaaten auf, Snowden als Menschenrechtler Schutz zu gewähren. Es ist zeichnend, daß es dazu nicht einmal im Ansatz gekommen ist, aber das Stimmenverhältnis bei dieser Resolution (angenommen mit 342 Stimmen gegen 274 und 29 Enthaltungen) reflektiert bereits das ethische Dilemma, das die westlichen Gesellschaften in ihrer Haltung zur Frage der Vollüberwachung der Bürger spaltet. Immerhin sehen die Cineasten klarer. Das internationale Kinopublikum votierte sehr robust und einhellig: Der Film erhielt in der IMDb arithmetisch gemittelt 8,1 von 10 Sternen (Median 8).

FAZIT
Wer möchte in einer Welt leben, in der alles, was er tut und sagt, aufgezeichnet wird? Was der ehemalige Systemadministrator, der über das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton für die NSA arbeitete, mithilfe des investigativen Journalisten Glenn Greenwald und der Filmemacherin Laura Poitras der ahnungslosen Weltöffentlichkeit, mitteilte, hört sich an wie Science-Fiction, ist aber Realität.

Die britische Tageszeitung "The Guardian", die Glenn Greenwald beherzt ein Forum bot und daher 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, lobte den Film als mutiges Aufklärungswerk zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten. Der Name Citizenfour ist ein Appell für den nächsten, den fünften Geheimnisbringer, die Fahne weiterzutragen.


Adieu Paris
Adieu Paris
DVD ~ Jessica Schwarz
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Adieu Düsseldorf aussi, 1. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Adieu Paris (DVD)
Der Film spielt in Paris und in Düsseldorf und ist mit Jessica Schwarz, Sandrine Bonnaire, Jean-Yves Berteloot, Hans Werner Meyer und Gérard Jugnot erstklassig besetzt.

Was für eine unreife Schriftstellerin die Regisseurin Franziska Buch die arme Jessica Schwarz doch spielen läßt, muß man vielleicht mittendrin denken. Das ist die Stelle, als ihr, während ihr Geliebter in Paris im Koma liegt, nichts anderes einfällt, als sich in Düsseldorf einen neuen ins Appartement zu holen. Eine Freundin hatte offenbar in Emma oder Brigritte gelesen, daß ihr das guttun würde. Als der Hirntod ihres im Koma liegenden französischen Geliebten zur Gewißheit wird, weist sie auch noch das Angebot seiner Ehefrau, über die Abschaltung der lebenserhaltenden Maßnahmen mitzubestimmen, brüsk zurück. Wer den medienbekannten Fall der Terri Schiavo kennt, wüßte das einzuordnen. An diesen Stellen im Film darf man dem Impuls nicht nachgeben abzuschalten. Der Charakter der von Jessica Schwarz verkörperten jungen Schriftstellerin stellt sich nämlich am Ende doch noch als vielschichtiger heraus, als bis dahin erkennbar ist.

FAZIT
Der Film hat einen besonderen Charme mit seinen ernsten Handlungssträngen an den verschiedenen deutschen und französischen Schauplätzen und der jeweiligen authentischen Dialogsprache. Daß es ohne ein Ende niemals einen Anfang geben wird, hieß es bedeutungsschwer zu Beginn des Films. Die herausgeschnittenen heiteren Szenen zum Schluß, die unter den Extras zu finden sind, zeigen noch ein bißchen mehr davon, wie der Anfang aussehen könnte.

Mit einer IMDB-Bewertung von 6/10 (bei allerdings nur 133 Stimmen), was 3,4 Amazon-Sternen entspricht, halte ich den Film für unterschätzt.


Dein Weg
Dein Weg
DVD ~ Martin Sheen
Preis: EUR 7,30

4.0 von 5 Sternen Warum die meisten ihren Weg nicht gehen: Jung nicht, weil zu beschäftigt, alt nicht, weil zu müde, 31. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Dein Weg (DVD)
Der Regisseur Emilio Estevez spielt Daniel Avery, den fast 40jährigen, nicht so recht erwachsen werden wollenden Sohn eines saturierten amerikanischen Augenarztes. Diese Hauptrolle übernimmt der eigene Vater des Regisseurs, Martin Sheen (alias Ramon Antonio Gerard Estevez), der in Apocalypse Now (Kinofassung & Redux) - Digital Remastered [Blu-ray] den Captain Benjamin Willard verkörperte. Neben der Besetzung sind auch die Dialoge geglückt. Nur manchmal sind sie klischeehaft, nicht selten jedoch witzig oder geistreich:

Dialog zwischen Tom Avery (Martin Sheen) und dem Captain der französischen Polizei (Tchéky Karyo), der ihm gerade die Asche seines tödlich verunglückten Sohnes aushändigt hat:
□ Tom: I'm going to walk the Camino de Santiago.
■ Polizist: Mr. Avery, if you'll pardon me, please, you are not prepared to go on this trip. You have no equipment, or...
□ Tom: I've got Danny's back pack and all of his stuff.
■ Polizist: But you haven't trained for this walk, and no disrespect, you are more than 60 years old.
□ Tom: So it'll take me a bit longer than most.
■ Polizist: You'll be lucky if you finish in two months.
□ Tom: Well, then I'd better get started. We're leaving in the morning.
■ Polizist (verwundert): "We"?
□ Tom: [deutet auf die Schachtel mit der Asche seines Sohnes] Both of us.

Dialog in der Herberge zwischen Martin Sheen und Ángela Molina:
□ Tom: Have you ever walked the Camino, senora?
■ Herbergswirtin: Never. When I was young, I was too busy. And now that I'm older, I'm too tired.

FAZIT
Antworten auf die ganz großen Fragen sollte man in diesem Pilgerfilm nicht erwarten. Es ist aber auch nicht wenig, daß er im Zeitalter der allgegenwärtigen (elektronischen) Vernetzung die Wiederverbindung bzw. Wiedervernetzung mit anderen Individuen zum Thema macht.


Kahlo
Kahlo
von Andrea Kettenmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mexikanisch und marxistisch, aber nicht surrealistisch?, 30. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Kahlo (Gebundene Ausgabe)
Die Umstände des Todes der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo werfen ein gewisses Licht auf ihr Leben und ihre Gesinnung. Sie starb 47jährig an einer Lungenembolie nur elf Tage nachdem sie von einer Lungenentzündung noch nicht genesen gegen ärztlichen Rat an einer Demonstration gegen den Sturz der demokratischen Regierung des guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán durch die CIA teilnahm.

In einem ihrer letzten Bilder "Der Marxismus wird die Kranken heilen" bringt sie ihre politisch-utopische Überzeugung einer schon religiös zu nennenden Form des Marxismus zum Ausdruck, der sie und die Welt von allem Leid erlösen wird. In einem ihrer letzten Selbstporträts zeigt sie sich mit dem Diktator Stalin als Heiligenfigur. Dabei hatte sie schon 1929, ein Jahr nach sie ihr beigetreten war, die PCM, die kommunistische Partei Mexikos, wieder verlassen. Sie folgte darin ihrem Ehemann Diego Rivera, der die stalinistische Ausrichtung der PCM nicht mehr ertrug.

Frida Kahlo war von deutscher und mexikanischer Abstammung. Ihr Vater, der Berufsfotograph Wilhelm Kahlo, kam aus Baden-Baden und ihre Mutter Matilde Calderón aus Mexiko. Auch ihr ganzes Leben mit ihren Bekanntschaften und ihren Interessen erweist sich als eng verwoben mit amerikanischer und europäischer Geschichte. Der surrealistische Vordenker André Breton und Leo Trotzki waren Gäste in ihrem "Blauen Haus" in Coyoacán, dem Casa Azul, das heute das "Frida Kahlo Museum" beherbergt. Für Trotzki, den Stalin 1940 in Mexiko-Stadt (im Stadtbezirk Coyoacán) ermorden ließ, hatten sich Frida Kahlo und Diego Rivera eingesetzt.

FAZIT
Das Buch gibt mit vielen Fotos und Werkabbildungen einen ganz guten ersten Überblick über Leben, Leid, Leidenschaft und Werk der bekanntesten und wichtigsten mexikanischen Künstlerin, die sich nicht als Surrealistin sah, da sie keine Träume, sondern nur ihre eigene Realität gemalt habe. Nur ein Personenregister fehlt leider.


21.0: Eine kurze Geschichte der Gegenwart
21.0: Eine kurze Geschichte der Gegenwart
von Andreas Rödder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über die jüngste Geschichte, die neuen Ungewißheiten und die Grenzen des Sagbaren, 29. März 2016
Bei Politik- und Geschichtsbüchern ist es ratsam, anhand einiger kritischer Themen erst einmal zu prüfen, ob der Autor den Leitmedien oder einflußreichen Politikern hinterherschreibt, oder sich seine Unabhängigkeit als kritischer Wissenschaftler behauptet hat. Manche treten ja als Gastautoren in Zeitungen auf und Zeitungen schreiben gerne, was ihre Leserschaft lesen will. Ganz typisch für die deutschen Leitmedien ist es z.B. in der Geschichte des 20. Jahrhunderts so zu tun, als ob die Eugenik, die in der NS-Zeit im Euthanasieprogramm gipfelte, in erster Linie eine nationalsozialistische Idee war. Den normalen Leser würde es empören zu erfahren, daß die Eugenik tatsächlich in einer breiten europäischen und amerikanischen Modernitätsbewegung gründete. Darauf hat vor einiger Zeit bereits der Historiker Götz Aly in Die Belasteten: >Euthanasie< 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte (Die Zeit des Nationalsozialismus) hingewiesen. Der Geschichtsprofessor Andreas Rödder aus Mainz kennt ebenfalls die einschlägige Forschung (z.B. Wie nationalsozialistisch ist die Eugenik?; What is National Socialist about Eugenics?) und er verschweigt sie in seinem Buch nicht. Weitere brauchbare Prüfsteine für unabhängiges Denken sind z.B. soziale Themen, Gerechtigkeits- sowie Kriegsfragen.

□ GOLFKRIEG
Rödder fragt, wie es sich erklären ließ, daß der amerikanische Verteidigungsminister im Februar 2003 weltöffentlich die Unwahrheit sagte. Seine Position ist hier zwar abwägend, aber nicht über die Maßen beschönigend, wenn er meint, daß plausibler denn als plumpe Lüge sich das Verhalten der US-Regierung nach dem 11. September wohl aus einem Konglomerat von Alarmismus, Selbsttäuschung und Allmachtsphantasien erklären läßt, in dem abweichende Meinungen und Argumente nicht mehr gehört wurden.

□ GERECHTE BEZAHLUNG BEI VORSTÄNDEN UND ANGESTELLTEN?
Hier beschönigt Rödder nichts, nur die nicht zueinander passenden Jahreszahlen wirken etwas konfus. Er schreibt, daß zwischen 1978 und 2012 die Vergütung der Vorstandsvorsitzenden der 350 größten börsennotierten Unternehmen in den USA preisbereinigt um 876 Prozent stieg, die Löhne und Gehälter einfacher Beschäftigter ohne Führungsverantwortung hingegen nur um 5,4 Prozent. In der Bundesrepublik fiel die Spreizung geringer aus, aber auch hier nahm die durchschnittliche Vergütung für Vorstandsmitglieder von Dax-Unternehmen zwischen 2001 und 2012 um mehr als 120 Prozent zu. Damit lag sie 53 mal so hoch wie der Verdienst durchschnittlicher Unternehmensangestellter; 1987 hatte dieser Faktor noch bei 14 gelegen. Unverkennbar sei der Trend, daß sich Spitzengehälter von der allgemeinen Lohn- und Einkommensentwicklung abkoppelten.

□ GERECHTE BEZAHLUNG BEI MÄNNERN UND FRAUEN?
Besondere öffentliche Aufmerksamkeit gilt dem Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Er betrug 2012 in Deutschland 22 Prozent. Rödder erörtert die Unterschiede und hält fest: "Ungleiche Bezahlung erfolgte überwiegend für ungleiche Berufspositionen, nicht für gleiche Arbeit, wie beispielsweise Bundesministerin von der Leyen persistent behauptete. … Der Gender-Soziologe Stefan Hirschauer konstatierte in den Debatten um Geschlechterungleichheit politisch interessierte Wahrnehmungen, die nicht unbedingt tatsächlichen Benachteiligungen entsprechen".

SPRACHE UND MACHT
In bezug auf die neuen Dichotomien wie «Gleichstellung» versus «Diskriminierung» meint Rödder: "Paradoxerweise hat die Dekonstruktion von Geschlechterdifferenz zu einer moralisch-normativen Aufladung von Geschlechterstereotypen geführt. Die geschlechtergerechte Schreibweise des großen Binnen-I wird zwar für ProfessorInnen und ManagerInnen, weniger hingegen für Betrügerlnnen und MörderInnen verwendet. «Männlichkeit» ist als Charakteristikum negativ «Weiblichkeit» hingegen positiv konnotiert. Der Genderforscher Stefan Hirschauer schrieb: «Der Kern des feministischen Bekenntnisses liegt in einer großen, stillen Hoffnung: das Böse in der Welt in einem Geschlecht verorten zu können und insofern selbst das andere zu bleiben.» Die Paradoxie hat freilich ihre Logik, und sie offenbart sich durch die reflexive Anwendung des postmodernen Dekonstruktivismus. Diskurse sind Machtformationen (Foucault), und das Prinzip des Konsenses ist ein Mechanismus zur Unterdrückung des Dissenten (Lyotard)." … "Auch der Diskurs über Inklusion ist ein Machtdiskurs: Für wen gelten welche Quoten? Die Frauenquote für Aufsichtsräte in börsennotierten Unternehmen gibt einer kinderlosen Unternehmertochter aus München-Bogenhausen den Vorzug vor einem vierfachen Familienvater aus einer Einwandererfamilie in Berlin-Neukölin, denn als ausgleichsbedürftiges Kriterium ist das Geschlecht festgelegt, nicht soziale oder ethnische Herkunft, Kinderzahl oder anderes."

FAZIT
Andreas Rödder erweist sich als unabhängiger Chronist und Interpret. Erfreulicherweise nimmt er auf politisch- korrekte Empfindlichkeiten von Politik, Publikum oder Leitmedien in vielen wichtigen Fragen keine erkennbare Rücksicht. Auch in formaler Hinsicht mit Literatur-, Stichwort- und Namensverzeichnis ist sein Buch eine gute Orientierung.

Wertvoll sind seine geisteswissenschaftlichen Bezüge, wenn er philosophische Denker wie Michel Foucault und Jean-Francois Lyotard in bezug auf die Inklusionsthematik ins Feld führt. Mit Niklas Luhmann zitiert Rödder Talcott Parsons Diktum, daß Exklusion jeder Inklusion als "logischer Schatten" nachfolgt. "Die Kultur der Inklusion führte zu einem Zuwachs an gesellschaftlicher Pluralität und Offenheit, Zugewandtheit und Emanzipation. Zugleich zog die Verschiebung des Rahmens neue Grenzen des Sagbaren und nahm ideologische Züge repressiver Toleranz an." Solche Einsichten sind höchst lesens- und bedenkenswert.


Scrum für Dummies
Scrum für Dummies
von Michael Franken
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Pace, practice, commitment: Dann doch lieber gleich ein Buch auf englisch?, 29. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Scrum für Dummies (Taschenbuch)
Das Buch ist offenbar eine Übersetzung aus dem Holländischen. Der Autor und Programmierer Michael Franken ist schließlich der erste zertifizierte holländische Scrum-Trainer. Leider ist bei der Übersetzung ins Deutsche nicht wirklich ein deutsches Buch herausgekommen, wie man an diesem Auszug von Seite 4 sehen kann:

ZITATANFANG
Ohne allzu sehr in die Details zu gehen, zähle ich hier in jedem Fall die zwölf Practices auf:
1. Pair programming
2. Planning game
3. Test Driven Development
4. Whole team
5. Continuous integration
6. Refactoring
7. Small releases
8. Coding standards
9. Collective code ownership
10. Simple design
11. System metaphor
12. Sustainable pace
ZITATENDE

Englisches Vokabular ist im IT-Umfeld zwar jedem geläufig, aber die Übersetzerin hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, Allerweltswörter wie "development team" oder "commitment" ins Deutsche zu übertragen. Soll man sich da nicht lieber gleich einen englischen Titel wie z.B. Scrum For Dummies zulegen? Wen das nicht stört, der bekommt jedenfalls eine akzeptable Einführung in die agile Software-Entwicklung.


Throwing the Elephant: Zen and the Art of Managing Up
Throwing the Elephant: Zen and the Art of Managing Up
von Stanley Bing
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,94

5.0 von 5 Sternen Vertraue deinem Elefanten so nur so weit, wie du ihn werfen kannst!, 25. März 2016
Mit satirisch-witzigen Ratschlägen wie diesem rät Fortune-Kolumnist Stanley Bing seinen Lesern zu einem gelassenen Zen-inspirierten Umgang mit dem eigenen Chef. Sehr aufschlußreich dabei sind die Zitate von vielen bekannten großen Tieren. Auch eine deutsche Ausgabe (Zen und die Kunst, einen Elefanten zu führen) ist verfügbar.

Hier eine Kostprobe:
"You can’t choose your boss. Go to the shelf of the gargantuan supermarket of ideas and no-ideas that is your local bookseller and stop in front of the Business section, which for reasons that are beyond me is usually far, far away from Philosophy and way too close to Computing.
You will see there dozens and dozens of books purporting to help the scared, scarred, leery, angry, hopeful, ambitious, hopeless, confused, frustrated, demented employee determine some strategy for dealing with the person they have been assigned to serve.
We need not go into the variety of nonsense that is suggested to people. All of it is based on the idea that power can be managed through rational means. It can’t."

FAZIT
Unterhaltsam und witzig geschrieben von Stanley Bing und in der Hörbuchversion im richtigen Tonfall und gut verständlich gesprochen von Simon Jones.


What Would Machiavelli Do?: The Ends Justify the Meanness
What Would Machiavelli Do?: The Ends Justify the Meanness
Wird angeboten von Audible GmbH

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Parodie über die Psychopathen in den Chefetagen, 24. März 2016
Man könnte die Übel der Welt, soweit sie von den Psychopathen in den Chefetagen von Unternehmen und Staaten herrühren, beklagen oder aber es dem Fortune-Kolumnisten Stanley Bing gleichtun und sich satirisch-ironisch mit ihnen auseinandersetzen.

Was - so fragt sich der Autor - würde der für sein Werk "Il Principe" (dt. Der Fürst (insel taschenbuch)) bekannte Niccolò Machiavelli tun? Was hätte der florentinische Berater und Theoretiker des 16. Jahrhunderts seinem "Prinzen" oder seiner "Prinzessin" (ja auch auf machthungrige Frauen kommt der Autor zu sprechen) geraten, um im 20. und 21. Jahrhundert ganz nach oben zu kommen und dort zu bleiben?

Bing liefert viele Beispiele aus dem Wirtschaftsleben (Donald Trump kommt darin vor ;-), aber auch aus der Politik von Bill Clinton bis Pol Pot . Von Stanley Bing amüsant in einem ausgewählten Englisch geschrieben (What Would Machiavelli Do?: The Ends Justify the Meanness) und in dieser Hörbuchfassung von Simon Jones im richtigen Ton vorgetragen.


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