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Bücheresel

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Gierige Bestie: Erfolg. Demütigung. Rache
Gierige Bestie: Erfolg. Demütigung. Rache
von Thomas Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Urbane Märchen, 9. Dezember 2006
Auch in seinem neuen Buch versteht es Prof. Müller, den Leser gekonnt hinter das Licht zu führen, das ihm selber noch nicht aufgegangen ist. Hier wird spekuliert und wahrgenommen, verdreht und phantasiert. Die Details der Handlung kauft man ihm nicht ab, die Story im ganzen gibt nichts her. Es ist kein Roman, aber auch kein Sachbuch. Müller hält den Mythos eines Monsters hoch, das anhand irgendwelcher Merkmale, die er uns einerseits verschweigt und die es andererseits auch irgendwie (Täter tragen kein Kainsmal) nicht gibt, obwohl man sie doch erkennen kann! -nur wie, das erzählt Müller anderen, nicht dem Leser. Man hat den Eindruck, der Autor hat keine Ahnung wovon er schreibt. Keine Spur psychologischen Gespürs, rutscht er auf den plattesten Clichés dahin, hantiert dabei mit vorgestrigen Dogmen und träumt sich eine Welt aus Zuckerwatte zurecht, in der das Böse eliminiert werden kann, indem man das Monster isoliert. Was George Bush in der Irakfrage nicht versteht, ist auch Müller zu hoch. Kurzum: ein Sachbuch ohne Information mit Anwandlungen an den Groschenroman zum überhöhten Preis.


Bestie Mensch: Tarnung. Lüge. Strategie
Bestie Mensch: Tarnung. Lüge. Strategie
von Thomas Müller
  Taschenbuch

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kriminalpsychologisches "Wissen" von vorgestern - peinlich!, 5. März 2006
Eine dürftiges, seichtes, vor Rechtschreibfehlern wimmelndes, oberflächliches, reißerisches und peinliches Buch von einem der profiliertesten Kriminalpsychologen Europas! Und es macht Angst: Wenn wir von solchen Stümpern beschützt werden, dann gute Nacht! Müllers Märchengeschichten bedienen die abgegriffendsten und plattesten Clichévorstellungen, deren Grundlage eine Psychologie von vor-vorgestern bildet. Das dieser Mensch bei den (angeblich) Besten der Welt (FBI) gelernt hat, läßt verzweifeln: Mörder und Terroristen werden sich einen ablachen und in Zukunft ihr Geschäft noch ungezwungener und lockerer angehen. Seine Argumentation läuft in etwa so: Wenn ein Mörder klein war (oder dick, zu groß, Segelohren hatte oder völlig gleich) dann hatte er was? Richtig, er hatte natürlich einen Komplex! Vorzugsweise von seiner Mutter. Als er dann in die Pupertät kam, mischten sich dieses zur Aggression angewachsene Unterlegenheitsgefühl (des körperlichen oder was auch immer Defizits) mit sexuellen Phantasien: Fertig ist der Serienkiller! Echt peinliche Vorstellung. (Jeder weltliterarische Roman läßt tiefere Einsichten in die Psyche des Menschen zu -es geht ja nicht um den "Gestörten" an sich, den es so ja nicht gibt, prinzipiell kann jeder zum Mörder werden kann, dazu bedarf es keiner Präposition.)


Schöne neue Welt: Ein Roman der Zukunft
Schöne neue Welt: Ein Roman der Zukunft
von Aldous Huxley
  Taschenbuch

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassiker der uropischen Literatur!, 27. Januar 2006
Aldous Huxley hatte interessante Freunde: Albert Hoffmann zum Beispiel; jener Schweizer Chemiker, der erstmals das Halluzinogen LSD aus dem Mutterkorn synthetisiert hatte. Vor der Begegnung mit Hoffmann war Huxley stark von der buddhistischen Lehre beeinflusst -hinterher schrieb er dieses Buch.
Die Einflüsse sind mehr als deutlich. Vor allem die Idee, das sich jeder Bürger dank Genmanipulation und Dauersuggestion während seiner Babyphase den anderen Menschen überlegen fühlt, selbst wenn er die Dreckarbeit für die anderen macht, finde ich symptomatisch für unsere Zeit.
„Schöne neue Welt“ war bei Erscheinen 1932 eine utopischer Roman, heute ist er (beinah) Wirklichkeit. Er handelt von einer Welt, die frei ist von Elend, Hunger, Krankheit und Not –auf Kosten der Humanität. Für Freiheit, Religion, und Kunst ist kein Platz. Dafür gibt es portioniertes Glück für jeden einzelnen dieser „Wohlstandsgesellschaft“ das man mit derselben gelangweilten Spannung erwartet wie ein Insasse eines Altersheim sein tägliches Mittagessen.
Jede Form von Individualismus wird als asozial und gemeinschaftsgefährdend gewertet. Deshalb rebellieren die Aussenseiter und einer von ihnen fordert:
„Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!“


Von der Schönheit des Guten: Betrachtungen und Beobachtungen
Von der Schönheit des Guten: Betrachtungen und Beobachtungen
von Egon Friedell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

51 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dichtung & Wahrheit in Vollendung vereint!, 1. Januar 2006
„Kinder des Waldes“, so nannte Emerson die Gedanken dieses Buches, eine Sammlung verdichteter Verse, die sich mühelos ins Gedächtniss meiseln: unvergesslich, atemberaubend!
Eines der ganz wenigen Werke der westlichen Literatur, das Wahrheit und Dichtung in so vollendeter Schönheit vereint, das einem vor Ehrfurcht die Tränen rollen, während man auf die Knie sinkt und diesem Meisterwerk huldigt.
Eines der grössten, vielleicht DAS Grösste Meisterwerk amerikanischer Literatur. Meine Einschätzung und aufrichtige Verehrung für das Werk -wie auch für den Autor dieser herrlichen, erhabenen Zeilen, gründen sich auf Emerson´s tiefe Einsichten in die Wahrheiten transzendentaler Welten und deren Gefühlsentsprechungen, die er in so vollendetem Stil und bestechend klarer Sprache vorträgt, das uns die Sinne taumeln, während wir mit jedem Wort der Schönheit der schlichten Wahrheit lauschen, die keinen Zweifel an der Echtheit seiner Empfindungen lässt; und das alles serviert uns Emerson mit so bedrohlich-scharfer Intelligenz, das wir verloren und voller Angst im Raum herumtrieben, wäre da nicht sein heiter-weiser Stil, der uns inmitten der Schwebe als Kompass diente.
Auf jeder Seite habe ich so viele, geniale Zitate gefunden und notiert, dass am Ende mein Block ebenso dick war wie das Buch.
Bei Emerson bekommt man keine seichten Allerweltseinsichten in Welt, Weib & Wein, sondern transzendentale Erkenntnisse von einem Mann, der lebt, wovon er kündet.
Die zahlreichen Prediger in seiner Familie dürften dem Ausreifen seines Dichterkopfes und der Veredelung seiner Sprache kein Hinderniss gewesen zu sein, im Gegenteil, sie scheinen sie noch vertieft zu haben. Emerson´s Geist entschwebt dem Banalen, dem Profanen auf natürliche Art –weil er just keine Ahnung davon besitzt- er triumphiert über jegliche Naturverzückung; leblose, aus verstaubten Fäden der Metaphysik gesponnene, theologische Glaskästen, sucht man vergeblich.
Ein Buch, dass ich noch auf meinem Sterbebett lieben werde; verfasst von einem Genius, der die Jahrhunderte überdauern wird. Das Werk Emerson´s kann nicht ausreichend gewürdigt werden. Kein Wunder, dass Emerson schon zu Lebzeiten als Prophet verehrt wurde. Hätte Emerson eine Orthodoxie zur Verehrung seiner Person hinterlassen, gäbe es heute eine 6. Weltreligion.
Für den, der Emerson liest, gewinnt das Wort „begnadet“ eine neue Bedeutung. Emerson empfängt seine Einsichten direkt aus den lichten Höhen, aus denen er lebt und spricht; anders als Goethe, der wie eine gigantische Enzyklopädie das Wissen der Welt aufsaugte, ohne je etwas Rechtes über sie zu wissen.


Der futurologische Kongreß: Aus Ijon Tichys Erinnerungen (suhrkamp taschenbuch)
Der futurologische Kongreß: Aus Ijon Tichys Erinnerungen (suhrkamp taschenbuch)
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,00

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuro-chemische Revolution á la Stanislav Lem - superb!, 1. Januar 2006
„Der futurologische Kongreß“, an dem Wissenschaftler aus aller Welt, darunter der Raumfahrer Ijon Tichy, teilnehmen, steht dieses Jahr unter keinem guten Stern. Auf der Strasse kämpft eine brutale Militärregierung mit Insurgenten, schon bald werden auch die Teilnehmer des Kongresses in die Kämpfe verwickelt und müssen in die Kanalisation flüchten, um den chemischen Kampfstoffen zu entkommen. Immer wieder verliert Tichy das Bewusstsein, schläft ein oder halluziniert, bis er Wirklichkeit und Einbildung kaum mehr voneinander unterscheiden kann.
Tichy wird nach schweren Verletzungen in Tiefschlaf versetzt und erwacht im Jahre 2039, wo mittlerweile das Zeitalter der Psychemie (Wortschöpfung aus „Psyche“ und „Chemie“, in der Bedeutung dem heutigen Begriff „Neuro-Chemie“ nicht unähnlich.) angebrochen ist. Alle Sinneseindrücke und Empfindungen werden mit Drogen beeinflusst, es gibt keine Wirklichkeit mehr, die nicht chemisch manipuliert wäre. Besucher eines Kaufhauses etwa, werden schon vor dem Eintreten mittels eines Zerstäubers über der Tür, in eine chemische Wolke gehüllt, welche die entsprechenden Gefühle provoziert und einem in Kauflaune versetzt.
Widerständler gegen das Regime werden gnadenlos mit „Nächstenliebe“ bombardiert, bis sie sich um Schläge bettelnd vor ihren Feinden auf die Knie werfen. Aber die lückenlose Manipulation klappt nicht immer: Auch Polizisten bekommen Prügel, nachdem sich ihre Sauerstoffmasken als durchlässig erwiesen haben, und bitten die Revoluzzer um ein paar zusätzliche „Watsch´n“.
Ausser minderwertiger Nahrung wird nichts mehr produziert in dieser Welt, wozu auch? Geht man ins Kino, Theater, zur Wahl, ins Freibad oder auf Urlaub, genügt ein sanfter Sprühstoß über der Eingangstür. Man glaubt dann nur noch, man wäre in Urlaub gewesen, hätte einen Film gesehen oder seine Stimme abgegeben. Ist auch billiger. Wozu der Aufwand, eine reale Zivilisation in Betrieb zu halten, wenn die Illusion genauso befriedigt? Und weniger Arbeit macht?
Die meisten Bewohner dieser surrealen Welt scheinen kein Problem zu haben mit dieser Art der Führung. Denn es gibt kaum noch Situationen, in denen man sich aufraffen, anstrengen oder überwinden müsste; die entsprechende Chemie wird die richtige Einstellung schon herbeizaubern!
Die Welt -so wie sie ist- wird nur noch von einigen Auserwählten wahrgenommen: mittels einer Pille, welche sämtliche durch Drogen überlagerte Illusionsschichten abträgt und den Blick frei gibt auf die Wirklichkeit. Aber die will niemand sehen: denn die ist hässlich, stinkt und selbst die Nahrung ist der reinste Dreck. Ohne die ständige, chemische Manipulation des Bewusstseins würde schon längst niemand mehr hier leben wollen. Die echte Welt wurde zur Müllhalde, grau und verdreckt. Der Rest: die Farben und Formen, die Düfte, das alles ist Halluzination.
Ein Lesevergnügen der besonderen Art, weil das Buch in einer völlig irren Welt spielt, die der unseren immer ähnlicher wird.
(Dieser Satz mag sinnwidrig erscheinen, ist er nach dieser Lektüre aber bestimmt nicht mehr.)


Neurologic: Zur Neuprogrammierung des eigenen Bio-Computers
Neurologic: Zur Neuprogrammierung des eigenen Bio-Computers
von Timothy Leary
  Broschiert
Preis: EUR 7,50

42 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selber denken macht schlau!, 1. Januar 2006
Wissenswertes zum Autor:
Dieses dünne Heft von gerade mal 60 Seiten hat Timothy Leary im Gefängniss geschrieben, kurz bevor er ausgebrochen ist.
Schon im Vorwort des „Klassiker der neurologischen Evolutionstheorie“ weist uns Timothy Leary darauf hin, dass es sich hierbei um Science-Fiction, also reine Fiktion handle. Die Aussagen des Essay beruhen lediglich auf Erfahrungsergebnisse, seien also nur wissenschaftlich in dem Sinne, in dem es auch die Ergebnisse von Physik, Physiologie, Genetik oder Pharmakologie seien; als Hypothese also. Wäre Leary nicht selbst Wissenschaftler, hätten ihn seine Fachkollegen für diese Aussage wahrscheinlich sofort gelüncht, aber so dauerte es noch eine Weile, bis sich ihr Hass gegen ihn so weit zuspitzte, bis selbst die CIA auf ihn aufmerksam wurde, die ihn dann ins Gefängniss warf.
Inhalt:
Leary geht davon aus, dass es analog zur Entwicklung eines Schmetterlings, der sich von einer larvalen Raupe bis zum fertigen Insekt entwickelt, auch beim Menschen eine phasenweise Entwicklung des Gehirns gibt. Er unterscheidet 7 Stadien der Entwicklung, die ich hier nur kurz aufliste:
- Der bio-vegetative Schaltkreis (Sicherheit im Raum)
- Der Erregungs-Fortbewegung Schaltkreis (Freiheit im Raum)
- Der mental-manipulative Schaltkreis (Dexterität im Raum)
- Der Sexual-Sozial Schaltkreis (Elternschaft & Kinderaufzucht)
- Der Entzückungs-Schaltkreis (beteiligt an der Körper-Zeit)
- Der Extase-Schaltkreis (beteiligt an der neurologischen Zeit)
- Der Neuro-genetische Schaltkreis (Lebens-Zeit der Spezies)
Obwohl dieses 7-Phasen Modell der Neuro-Evolutionstheorie bis heute zu 8 Phasen konkretisiert (nicht erweitert) wurde, und es mittlerweile bessere Bücher zum Verständniss dieser Phasen gibt, ist Timothy Leary´s Essay bis heute ein Klassiker, weil niemand je seinen Humor in der Beschreibung übertroffen hat!
Das Buch ist unglaublich witzig zu lesen, weil man Tim durch die Buchseiten hindurch auf all die verkorksten Professoren hinunterlachen hört, denen er Jahrzehnte voraus war.
Turn on, Tune in, Drop out! Leary forever!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 1:39 AM MEST


Buch der Lieder: Vollständige Ausgabe nach dem Erstdruck von 1827
Buch der Lieder: Vollständige Ausgabe nach dem Erstdruck von 1827
von Joseph Kiermeier-Debre
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heinrich Heine - DER Dichter der Liebeslyrik!, 31. Dezember 2005
Heinrich Heine, der deutsche Dichter der Romantik, legt uns hier sein wahrscheinlich schönstes Buch vor. In unzähligen Variationen erforscht und durchleidet Heine das wohl intensivste Gefühl des Menschen. Die Angebetete stellt sich dabei in den unterschiedlichsten Gestalten dar, erscheint mal als verlockende Kindfrau, mal als unnahbare Göttin, mal als Dame, "schön und hold", mal als "banges, bekümmertes Weib".
Durch alle Stadien der Liebe, von der ersten Verliebtheit in Kindertagen zum besinnungslosen Taumel der Jugend, über Enttäuschungen, Wirrungen und Verwirrungen des Herzens hindurch, bis hin zur völligen Taubheit desselben, verzaubert uns Heine mit jeder Zeile, jedem Vers auf´s Neue und hinterlässt bei seinen Lesern nichts als ein tiefes Säufzen der eigenen Seele. Heines Gedichte erweichen selbst versteinerte Herzen, angesichts der ehrlichen wie auch hoffnungslosen Zuneigung des Liebenden, und malt uns so ein Bild von der Zerbrechlichkeit der (meist ungleichen) Liebe. Die Eindringlichkeit seiner Verse ist unübertroffen und für mich der unumstritten beste Dichter, nicht nur der Liebeslyrik.
Heinrich Heine ist der Dichter der Echten, der Wahren, aber auch der unerfüllten, unerwiderten und hoffnungslosen Liebe. Ein MUSS für alle Liebenden!


Montaigne: Essais
Montaigne: Essais
von Michel de Montaigne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Selbstreflexion der kollektiven Bürgerseele!, 31. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Montaigne: Essais (Gebundene Ausgabe)
"Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden."
Friedrich Nietzsche
Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Immerhin hat uns dieser Mann mit "Also sprach Zarathustra" einer der genialsten Prosa-Dichtungen der Weltliteratur hinterlassen, und wenn er sich auch manchmal geirrt haben mag, in diesem Fall behält er Recht.
Nietzsche hat ja zeit seines Lebens (nicht immer explizit, aber doch) den Übermenschen propagiert, um gleichzeitig den in Konvention, Furcht und Aberglaube verstrickten Bürger zu verlachen.
Ähnliches unternimmt Montaigne in seinem Essayband "Um recht zu leben", doch ohne zu jammern, oder gar Verdrossenheit aufkommen zu lassen.
Schon im Vorwort warnt er die Leser, dass durch diesen Text seine private und persönliche Sicht der Dinge weht. "Dies ist ein aufrichtiges Buch", leitet er sein Vorwort ein und wettert -nicht ohne Humor!- über die Kurzsichtigkeit und Engstirnigkeit der Normalos dieser Welt.
Hier das "Schöne, durch Zucht veredelte", dort das "Träge, durch Zufall enstandene".
Auch bei Montaigne gibt es die Gegensätze. Aber er weiss, dass Gut und Böse eine Frage des Standpunktes sind. Und nicht zuletzt deshalb -weil das Angenehme selten das Gute ist- wird der Übermensch wohl noch eine Weile warten müssen, bis er in Abrahams Wurstkessel zu einem serienreifen, für die Massenproduktion zugelassenen Prototypen herangereift ist.
Bis dahin viel Spass beim Lesen, Schmunzeln und Lachen dieser Selbstreflexion der kollektiven Bürger-Seele!


Psychologie der Massen
Psychologie der Massen
von Gustave Le Bon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,90

142 von 152 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Le Bon - Begründer der Massenpsychologie in seinem Hauptwerk, 31. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Psychologie der Massen (Gebundene Ausgabe)
Gustave Le Bon avancierte mit seinem Buch „Psychologie der Massen“ zum Begründer der Massenpsychologie. Sein positiver Einfluss auf Psychologie und Soziologie ist unbestritten und wurde nur dadurch etwas getrübt, dass sich Adolf Hitler seines Werkes ermächtigte, um die Massenseele für seine Zwecke zu studieren.
Le Bons Hauptthese konzentriert sich darauf, dass das Individuum in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und Dinge macht, die er als Einzelner ablehnen würde. In der Massensituation kommt es zur „psychischen Ansteckung“ und der Einzelne neigt zu affektivem, primitiv-barbarischen Verhalten.
Der Einzelne gibt in der Massensituation sein individuelles Bewusstsein zugunsten eines Massenbewusstseins auf und lässt seine Handlungen davon leiten. Gefühle, Moral und geistiges Niveau können im Massenkollektiv höher oder niedriger sein als beim Einzelnen. Die Versuchung ist gross, sein eigenes, höheres Niveau auf das Niveau der Masse abzusenken, wodurch ein Volk, welches durch die Masse beherrscht wird, zwangsläufig eine Abwärtsspirale in geistig-kultureller Hinsicht durchmacht, bis die Dekadenzerscheinungen die Kultur zum Untergang zwingt.
Wichtig zu verstehen ist, dass Masse nicht die Summe vieler Einzelmeinungen ist, auch nicht ein Durchschnitt davon, sondern ein völlig eigenständiges Kollektiv. Massenbewusstsein wird nicht durch Denken oder Logik, sondern von Gefühlen und Bildern beherrscht. Es kann zu Hochkulturen, aber ebenso in die Diktatur führen. Die Masse zieht die Täuschung immer der Realität vor. Massen sind nicht durch Beweise zu überzeugen. Und wer die Masse beherrschen und manipulieren will, muss deren Trägheit vor Augen haben.
Le Bon unterscheidet veränderliche und unveränderliche Meinungen, die genauso wie Ideen manchmal ein paar Jahrzehnte, in anderen Fällen –etwa beim Christentum- Jahrhunderte überdauern können. Wer dem Volke, also der Masse, das Schnellerreichbare um sonst vor die Füsse wirft –auch wenn es nur eine Attrappe ist- wird es für sich gewinnen. So absurd die Verheissungen der Machthaber auch sind, das Volk wird es glauben. Je offensichtlicher die Lüge, umso bereitwiller wird es das Volk schlucken. Der Mensch ist dumm, und in der Gesellschaft noch mehr! Grund dafür ist die Angst, die ihm davon abhält der Wahrheit ins Auge zu schauen, weshalb er lieber die Illusion kauft, die ihn zwar nicht vor der Realität bewahren kann, sich dafür aber wie betäubendes Opium um seine Synapsen schlängelt.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 11, 2013 12:39 AM MEST


Ich - ein anderer. Roman
Ich - ein anderer. Roman
von Imre Kertész
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Identität im 21. Jahrhundert? - eine Farce!, 31. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Ich - ein anderer. Roman (Taschenbuch)
„Was sind meine höheren Fähigkeiten?“ fragt sich der Protagonist dieses dünnen Romanheftes, nachdem er auf einer Konferenz einem alten Freund in die Arme läuft, an den er sich allerdings nicht erinnern kann. Auch kann er die Bewunderung des Fremden (für seine Bücher) nicht nachvollziehen:
„Ich bin der einzigen Inspiration dieses Landes nicht gefolgt: jenem permanenten verführerischen Sirenengesang, der zum seelischen, geistigen und physischen Selbstmord verleitet, und das zeugt von einer gewissen Vitalität. Doch wäre es höchst unbesonnen, ja verblendet, dieses Minimum als Sieg zu werten.“ Eine Persönlichkeit –nein, das war er nicht. „Alles ist falsch (durch mich, wegen mir: meine Existenz verfälscht es)“, resümiert er in Erinnerung an seine Kriegsgefangenschaft.
Eine verzweifelte Suche nach der eigenen Identität beginnt, wohl wissend, dass sie ins Nichts führt. „Ich“ ist eine Fiktion, bei der wir bestenfalls Miturheber sind. Ich ist ein anderer“, erinnert sich der Protagonist an Rimbaud´s Worte.
„Ich – ein anderer“ ist ein existentielles Dokument eines 1929 geborenen Prager Juden, der sich auf die Suche begibt nach dem Essentiellen, den Kern seines Lebens und dabei seine eigene Jugend wieder findet. Trotz der Erkenntniß, das Leben-langes-leiden bedeutet und Wahrheit nur um den Preis eines ungeheuerlichen Schmerzes zu erkennen ist, findet Kertész eine späte Zufriedenheit.
Imre Kertész gelang 1975 mit seinem Buch „Roman eines Schicksallosen“ der internationale Durchbruch, gewann mehrere Preise und wurde 2002 für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 13, 2013 6:41 PM MEST


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