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Rezensionen verfasst von
Christian Bucher "cbx" (Baden Württemberg)
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Sony VAIO Pro SVP1121M2EB  29,5 cm (11,6 Zoll Touch) Ultrabook (Intel Core i5 4200U, 1,6GHz, 4GB RAM, 128GB SSD, Intel HD 4400, NFC, Win 8) schwarz
Sony VAIO Pro SVP1121M2EB 29,5 cm (11,6 Zoll Touch) Ultrabook (Intel Core i5 4200U, 1,6GHz, 4GB RAM, 128GB SSD, Intel HD 4400, NFC, Win 8) schwarz

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Gerät - Aber Achtung an alle LINUXer, 30. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe mir letzte Woche den nagelneuen SONY Vaio Pro 11 Ultrabook gekauft. Am Wochenende habe ich dann das Linux meiner Wahl (Gentoo) installiert, ein wenig damit herum gespielt, das teure Wunderwerk wieder in sein Schächtelchen gepackt und beschlossen, es erst nach dem Urlaub (Ende August) wieder daraus hervor zu holen. Bis dahin wird mein treuer (und um fast 800€ günstigerer) eeePC-1005PE mir weiter gute Dienste leisten.

[Wer hier kurz innehält und ein dreifaches “WTF?” durch seinen Kopf hallen hört, hat Tendenzen zum Geek]

[Oder er ist ein Mann]

“WAS?” Der kauft sich ein maximal teures Gadget, dessen Aktualität und Coolness eine mittlere Halbwertszeit von gerade mal 5 Tagen hat und dann lässt er es einen Monat in der Schachtel liegen? Hat sich in der Hitze der letzten Woche die letzte lebende Gehirnzelle verabschiedet?

Nun, vielleicht ist das so. Vielleicht aber verfüge ich auch nur über die heutzutage großteils unbekannte Eigenschaft der so genannten Geduld. Ich habe nämlich beschlossen, zu warten. Ich werde warten, bis dieses wahrhaft geile Stück Hardware vom Linux-Kernel wirklich gut unterstützt wird. Und das wird vermutlich bis mindestens Kernel 3.12 dauern. Und ich warte gerne, denn was der Vaio Pro 11 bietet, ist fast genau das, was ich mir von einem Notebook wünsche.

Er ist wirklich winzig, gerade mal ein paar Millimeter breiter als mein eeePC, aber er wiegt nur ein Drittel und ist ein Viertel so dick. Er wirkt unglaublich leicht, ist aber - nachdem ich ihn schon einmal habe fallen lassen - robuster als man ihm zutraut. Das Display löst (endlich) vernünftige 1920×1080 auf – damit kann man sinnvoll arbeiten. Mit 4GB RAM und einem Core i5 Prozessor aus der Haswell-Generation ist er mehr als gut motorisiert und die 128GB große SSD legt ein Tempo an den Tag, dass mir schier Hören und Sehen vergeht. Die direkt vom eeePC übernommene Installation startet (via openRC, nicht Upstart oder systemd!) innerhalb von 3 Sekunden zum kdm-Login und weitere vier Sekunden später läuft mein KDE4 mit allen Programmen (Firefox, Thunderbird, Shell, gkrellm, Skype). Derlei habe ich nie zuvor erlebt. Mit zwei USB-3.0 Ports, HDMI, 802.11abgn WLAN, Bluetooth-4.0, Kartrenleser, NFC und beleuchteter Tastatur ist er für seine Größe ausreichend ausgestattet und wird so schnell keine Wünsche bei mir aufkommen lassen.

Allerdings erst, wenn all das funktioniert – und das ist der Punkt. Im Prinzip funktioniert eh schon fast alles, aber für im Prinzip bin ich inzwischen etwas zu alt. In der Praxis ist die Funktion des nagelneuen Intel-7260 WiFi noch ziemlich instabil, suspend und resume führen zu kreativen Effekten, das eingebaute Mikrofon funktioniert nicht und die sensationellen Energiesparfunktionen der Haswell-Chips liegen brach, sodass man der Akkuanzeige derzeit beim Sinken zusehen kann.

Ich habe aber nach dem, was ich auf der LKML gelesen habe, keinerlei Bedenken, dass die Kernel-Hacker sich sehr schnell dieser Themen annehmen werden und der Pro 11 schon in wenigen Wochen das rundum stabile und performante System sein wird, wie ich es mir als würdigen Nachfolger meines eeePC (stabil und absolut nicht performant) wünsche. Bis dahin übe ich mich in Geduld und beschäftige mich mit Arbeit und (haha!) Urlaub!

Damit übrigens nicht der Eindruck entsteht, SONY würde mich für diese Lobhudelei bezahlen – es gibt durchaus ein paar Kritikpunkte anzuführen, die auch der beste Linux-Kernel nicht beheben kann.

Der Full HD Touchscreen beispielsweise liefert ein – nach meinem persönlichen Empfinden – sehr scharfes und knackiges Bild, übermäßig entspiegelt oder gar matt ist er allerdings mit Sicherheit nicht. Ich kann damit leben, weil ich mich inzwischen (wie Millionen Smartphone-Benutzer) an spiegelnde Touchoberflächen gewöhnt habe, nie in der prallen Sonne am Rechner arbeite und die Hintergrundbeleuchtung ohnehin recht hell leuchtet.

Ein traurigeres Kapitel ist die Tastatur. Die leuchtet zwar im Dunkeln und sieht im Chicklet-Design auch recht edel aus, bietet aber – im direkten Vergleich mit der des (wesentlich dickeren) eeePC-1005PE ein ziemlich armseliges Schreibgefühl. Das ist wohl ein unvermeidlicher Tribut an das ultradünne Gehäuse. Schon nach wenigen Stunden aber habe ich mich daran gewöhnt (naja, eher wohl abgefunden), denn funktionieren tut sie immerhin zuverlässig.

Die USB-3.0 Ports sind ziemlich wählerisch, was USB-2.0 Peripherie betrifft. Meine externe PLATINUM-USB-Festplatte beispielsweise hat erst mit einem ziemlich kurzen und dicken Kabel zuverlässig funktioniert – und das obwohl sie sich bisher einen Ruf als vollkommen unproblematisches Arbeitstier erworben hat.

Das Fehlen einer physischen Ethernet-Schnittstelle schließlich stört außer mir vermutlich kaum jemanden im wireless century. Wobei – so ganz stimmt der Begriff “Fehlen” gar nicht. In der Schachtel liegt ein kleiner Klotz mit einem USB-A Stecker und einer RJ-45 Buchse. Dieser Klotz kann an das Netzteil gestöpselt werden (dieses hat eine USB-Buchse, an der man nebenbei auch andere Geräte laden kann) und fungiert dann als WLAN-Router, der das Ethernet-Interface via WLAN an den Vaio weiter reicht. Ich habe das allerdings noch nicht getestet und werde dies gelegentlich nachreichen. Wie schrill auch immer diese – in manchen Hotels durchaus hilfreiche – Lösung auch sein mag, sie ersetzt natürlich keine echte Ethernet-Schnittstelle (Stichworte: promiscuous mode, Wake on LAN usw).

Damit aber endet meine “Mängelliste” auch schon. Jetzt werde ich mich einfach in Geduld üben und in ein paar Wochen – wenn der Linux-Kernel so weit ist – meinen eeePC durch ein geniales und wirklich geiles Gadget ersetzen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 23, 2014 8:37 AM MEST


AKG K328 In-Ear Kopfhörer mit Mikrofon und Apple iPhone Steuerung lila
AKG K328 In-Ear Kopfhörer mit Mikrofon und Apple iPhone Steuerung lila
Wird angeboten von 77records
Preis: EUR 23,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nett und praktisch, 9. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe mir den K328 gekauft, weil es mich auf Dauer doch ziemlich genervt hat, dass ich meinen iPod touch mit meinem Sennheiser CX200 mangels Fernbedienung nicht vernünftig bedienen kann. Da ich seit vielen Jahren AKG-Fan bin, habe ich ohne größere Zweifel zugeschlagen und muss sagen, dass ich insgesamt auch sehr zufrieden bin.

Bis jetzt (und das sind jetzt schon einige Monate) kann ich weder am Stecker noch am Fernbedienteil irgendwelche Verschleißerscheinungen erkennen, insofern ist das Gerät qualitativ wohl in Ordnung und den Preis wert. Die Fernsteuerung funktioniert ähnlich "gut" wie das Apple-Original, auf jeden Fall aber deutlich besser als die meisten Zwischenstecker-Lösungen.

Der Tragekomfort ist für meine Begriffe besser als bei vielen anderen In-Ears, weil man den K328 dank seiner Bauform relativ einfach in die Ohren stecken kann und nicht wie die winzigen Kapseln des CX200 quasi implantieren muss. Nachteil dieser Form ist, dass die Hörer dann nicht ganz so fest sitzen und aufgrund des langen Hebelarms schon durch leichtes Ziehen am Kabel wieder aus dem Gehörgang rutschen, was zumindest dem guten Klang ein jähes Ende setzt. Dafür aber überträgt sich wesentlich weniger Körperschall über das Kabel, sodass man sich auch während des Hörens noch bewegen darf.

Was den Klang betrifft, kann ich nur sagen, dass ich damit sehr zufrieden bin, und der K328 in meinen Ohren ein ziemlich ausgewogenes Klangbild - wenn auch mit etwas martialischen Bässen - erzeugt. Der Klang eines In-Ear Hörers hängt aber extrem von der Geometrie des Gehörgangs ab, in dem er steckt, deshalb macht es wenig Sinn, sich darüber detailliert auszulassen - Nur selbst hören macht hier schlau.

Technisch und qualitativ allerdings erfüllt der K328 für mich alle Voraussetzungen für einen guten Kopfhörer. Und in meinen Ohren klingt er auch gut.


Dual DAB 501 Kompaktanlage (CD-Player, DAB, DAB+, UKW-Tuner, 10 Watt, Aux-In) schwarz
Dual DAB 501 Kompaktanlage (CD-Player, DAB, DAB+, UKW-Tuner, 10 Watt, Aux-In) schwarz
Preis: EUR 89,97

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr durchwachsen, 7. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Grunde genommen kann das DAB-501 so ziemlich genau das, was auf der Packung (und auch auf der Produktseite) versprochen wird. Für rund 75€ kann man wohl auch keine eckigen Ostereier mit Goldfüllung erwarten, dennoch gebe ich einige Punkte zu bedenken, über die man sich klar sein sollte, wenn man dieses Gerät kauft.

Zu aller erst ist da natürlich die DAB+ Funktion, die mich bewogen hat, das Ding überhaupt zu kaufen - und ja - um Prinzip funktioniert das ziemlich gut. Allerdings ist DAB nun mal eine digitale Übertragung und das bedeutet, dass man in ungünstigen Empfangslagen statt einem verrauschten Signal sehr schnell nur mehr das Schweigen der digitalen Null hört. Der Tuner ist in Verbindung mit der Wurfantenne nicht besonders empfangsstark, sodass der Betrieb außerhalb von Ballungsgebieten (wie hier in Böblingen) durchaus zum Glücksspiel werden kann, denn einen Antennenanschluss hat das Gerät nicht.

Der FM-Tuner hingegen liefert - trotz der nicht gut angepassten Antenne - durchaus passable Leistungen ab.

Der CD-Teil spielt keine MP3-CDs ab. Derlei wird zwar auch nirgends behauptet, ist aber für ein so junges Gerät schon etwas erbärmlich. Aber auch MP3-Lizenzen kosten natürlich Geld. Mit Audio-CDs gefüttert funktioniert der CD-Teil sauber, zuverlässig und geräuscharm.

Zwei Dinge sind mir aufgefallen, die bisher noch nicht erwähnt wurden. Einerseits ist da die Uhrzeitanzeige, die auch bei ausgeschaltetem (Standby, um genau zu sein) Gerät noch so hell leuchtet, dass die Aufstellung in einem Schlafzimmer durchaus den sozialen Frieden stören kann. In Gegenzug aber gibt es an der Rückseite einen echten mechanischen Schalter, das das Gerät vollständig vom Netz trennt.

Klanglich fällt vor allem auf, dass das Gerät über eine - nach meinen Versuchen - nicht abschaltbare "Loudness"-ähnliche Funktion verfügt, die dafür sorgt, dass der Klang bei leiserer Wiedergabe (Stichwort Schlafzimmer) sehr dumpf ist und erst bei gehobener Lautstärke einigermaßen neutral wird.

Als besseres Küchenradio, das in guter Empfangslage gegen Mixer und Dunstabzug anplärrt, kann ich das DAB 501 durchaus empfehlen, ansonsten würde ich angesichts der spezifischen Eigenheiten vor der Anschaffung sehr genau über das Einsatzprofil nachdenken.


Glad Rag Doll
Glad Rag Doll
Preis: EUR 11,99

24 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Opfer Amok laufender Tontechniker?, 4. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glad Rag Doll (Audio CD)
Nun, dass ich keinerlei Geschmack und Stil habe, ist nicht neu. Dass ich von Musik erst recht nichts verstehe, auch nicht. Und das habe ich in dieser Woche wieder eindrucksvoll bewiesen, indem ich mir die ganz ganz nigelnagelneue CD von Diana Krall gekauft habe. Außerdem habe ich damit natürlich ein weiteres Mal bewiesen, dass ich ein in ferner Vergangenheit verhafteter Idiot bin, weil ich mir einen physischen Datenträger kaufe, anstatt mir (legal? illegal? egal!) einfach die notwendigen digitalen Daten herunterzuladen. Aber dann hätte ich natürlich auch auf das Coverbild verzichten müssen - allein über dieses könnte man seitenlang Kontroverses schreiben.

Immerhin aber bin ich konsequent. Seit “Stepping Out” habe ich jede CD gekauft und das bisher eigentlich nicht bereut. Diana Krall ist eine fantastische Jazz-Pianistin mit einer interessanten Stimme und das hat ihren bisherigen CDs immer eine attraktive Würze gegeben. Der Höhepunkt ihres Schaffens aber schien mir mit “The Girl In The Other Room” überschritten zu sein. Dieses Album, das erstmals eine Abkehr vom Reproduzieren uralter Standards hin zu herrlich arrangierten und unnachahmlich interpretierten Eigenkompositionen brachte, hat gezeigt, was man von dieser Künstlerin noch hätte erwarten können.

Und dann kam – nichts dergleichen mehr. Die aktuellen Tiefpunkte markieren die aufeinander folgenden CDs “Quiet Nights” und jetzt eben “Glad Rag Doll”. Ursprünglich hatte ich die ziemlich uninspiriert dahinsäuselnden Schnulzen-Standards auf “Quiet Nights” noch als Ausrutscher in den Extremkommerz verziehen, jetzt aber wird mir klar, dass dies nur ein Meilenstein auf dem konsequenten Weg in die falsche Richtung war.

Auf dem Debutalbum “Stepping Out” konnte man sich noch umfassend von Dianas virtuoser Beherrschung des Klaviers begeistern lassen, beispielsweise in dem Stück Jimmy, das dankenswerterweise gänzlich auf Gesang verzichtet. Im Lauf der Zeit aber begann der Gesang immer mehr das Klavierspiel zu dominieren, wobei eben auf “Quiet Nights”, als vorläufiger Schlusspunkt, nur mehr beliebiges Geklimper und bemühtes Hauchen und Säuseln zu hören war.

Deshalb war ich durchaus gespannt, was die neue CD so bieten würde, zumal der Feuilleton sich größtenteils im artigen Bückling übte und beispielsweise im Focus lobhudelte:

»[…] der Neuling ist alles andere als niedlich. Krall ist darauf verschmitzt wie selten, das aber mit einem gerüttelt Maß an klanglichem Ruch – was zum einen an der Songauswahl liegt. Vieles entspringt dem 1920ern und 30ern. Dazu gibt es unter anderem den Doc-Pomus-Klassiker “Lonely Avenue”, den Ray Charles 1956 zu einem Rhythm’n’Blues-Hit gemacht hatte, Kralls sehr zeitgemäße Version der alten Gene-Austin-Nummer “Let It Rain” oder ihr Remake der Ballade “Wide River To Cross”, die 2004 von dem in Nashville lebenden Songwriter-Gespann Buddy und Julie Miller geschrieben wurde. Es liegt aber auch und vor allem an den fantastischen Musikern, die Krall verpflichten konnte, allen voran der großartige Gitarrist Marc Ribot […] oder Schlagzeuger Jay Bellerose […]. Sie verwandeln „Glad Rag Doll“ in ein sehr intimes, wunderbar kraziges Stück Musik mit deutlichem Blues-Einschlag. Reinhören!«

Nun, am Reinhören hat es nicht gemangelt, ich habe mir auf Amazon drei Tracks (also die legal vorhörbaren 30-Sekunden-Schnipsel) angehört und war durchaus angetan, auch, weil ich dort ein authentisches (und wohl leicht verstimmtes) Piano aus dem frühen 20. Jahrhundert hörte, wie es in so manchem Saloon gestanden sein mag. Seit ich die CD besitze, weiß ich aber, dass dieses Piano viel zu selten wirklich zu hören ist und stattdessen wieder viel Gesang. Da helfen auch die “fantastischen Musiker” nicht viel, wenn das “wunderbar krazige Stück Musik” mit stellenweise planlos drauf los rumpelnder Percussion (→“You know – I know…”), weit aus dem Panorama fallenden Instrumenten (→“There Ain’t No Sweet Man…”) und einem bisweilen wie aus der Dose gepressten Klangbild (→“Loneley Avenue”) nervt. Dass viele Tracks letztlich – auch mit relativ gutem Equipment – klingen, als wären sie von einem gehörlosen Dreijährigen versehentlich mit seinem Fisher Price Kassettenrecorder aufgenommen worden, wird der zweifellos vorhandenen Klasse der beteiligten Musiker einfach nicht gerecht.

Zugegeben – diese Kritik entspringt primär meiner Aversion gegen die immer wieder anzutreffende Unsitte, im Jahr 2012 Aufnahmen mit “Stilmitteln” von vor 20 oder 50 Jahren (wie Ping-Pong-Stereo, künstlichen Verzerrungen und Klokabinen-Akustik) künstlerisch zu verunstalten.

Wenn man sich damit erst einmal arrangiert hat, dann klingt das neue Album immerhin sehr erfrischend anders. Nachdem ich mir für diesen Text die einzelnen Tracks noch einmal in ausreichender Lautstärke durch den Kopfhörer gejagt habe, möchte ich sogar fast so weit gehen, zu behaupten, ich hätte meinen Frieden mit diesem Werk geschlossen und würde den Kauf gar nicht (mehr) bereuen. Ist es nicht herrlich, was man sich mit etwas gutem Willen so alles herbeischreiben kann?

Den jenseits der Erwartung trifft den Biegsamen gelegentlich eine freudige Überraschung.


Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
von Hadmut Danisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,90

48 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein genialer Thriller - aber ein Sachbuch?, 26. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hatte für meinen Urlaub den Kindle für die unvorstellbare Summe von 0.00€ mit einem richtungsweisenden Werk der, naja, zeitgenössischen Weltliteratur bestückt. Außerdem hatte ich mich im Vorfeld durch diverse Sekundär- und Tertiärliteratur gekämpft, mir ein Übungsbuch (samt Lösungsheft, versteht sich) besorgt und beschlossen, mir den Bart stehen zu lassen sowie vorwiegend Bier zu trinken.

Solcherart vorbereitet wollte ich eine uralte Scharte auswetzen und einen zweiten Versuch starten - einen zweiten Versuch, Ulysses von James Joyce zu lesen, an dem ich vor knapp 15 Jahren nach rund 70 Seiten nachhaltig gescheitert war. Damit ich einerseits näher an der enormen literarischen Qualität des Werks stünde, sowie andererseits mein stets mögliches Scheitern besser begründen könnte, habe ich diesmal die Originalversion (in irischem Angelsächsisch) gewählt.

Und - was soll ich schreiben? Es hat funktioniert. Jedenfalls anfangs. Dank der intensiven Vorarbeit mit Sekundärliteratur und Übungsheft war mir klar, dass die Suche nach einem roten Faden, evidenten Handlungssträngen oder kausaler Logik in diesem Werk fehlschlagen musste und sich die fein gesponnenen Zusammenhänge (sowie der gesamte Stadtplan von Dublin) erst nach der vollständigen Rezeption des gesamten, nicht gerade leichtgewichtigen, Werks erschlössen. So gelang es mir dann auch, trotz einiger kurzer Schlafattacken und unter heftiger Ausnutzung des kindle-internen Oxford Dictionary das ganze erste Kapitel und den Beginn des zweiten, längsten Kapitels (insgesamt 18%) zu lesen. Und - was mich ziemlich erstaunte - es war sogar durchaus unterhaltsam zu lesen.

So las ich also mit moderater Anstrengung bedeutende Weltliteratur und fühlte mich gut dabei. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem ich es erfuhr. Durch Zufall.

Auf der Suche nach einer Erklärung, ob es in einer Snickeri etwas zu Essen gäbe und wie Loppis wohl schmecken, stolperte ich im Browser über einen Blogeintrag. Um auch meinem Bildungsauftrag nachzukommen, mochte ich hier kurz aufklären, dass es in einer Snickeri bestenfalls für die dort Arbeitenden etwas zu essen gibt (weil es eine Tischlerei ist) und Loppis überhaupt nicht schmecken. Loppis ist nämlich ein (Garagen-)Flohmarkt.

Der schicksalhafte Blogeintrag aber, der sich kurzzeitig einer erfolgreichen Übersetzung in den Weg gestellt hatte, setzte mich in Kenntnis, dass der auch auf meiner Zimtrolle verlinkte Herr Danisch eben ein Buch von ähnlichem Umfang (naja, 500 Seiten) veröffentlicht hatte. Unter dem vielsagenden Titel "Frauenquote" sollten darin "die Denkweise, die Fehler, die Betrugsmethoden und die perfide Taktik der Gender-Ideologie und der feministischen Gleichstellungspolitik" auf wissenschaftliche Weise dargelegt und analysiert werden.

Regelmäßige Leser des Blogs von Hadmut Danisch (wozu ich mich inzwischen zweifellos zähle) wissen, dass wenn immer Danisch auf Feminismus trifft, nicht eben mit Wattebäuschen geworfen wird und mit Sicherheit kein Auge trocken bleibt. Deshalb habe ich mir die Kindle-Ausgabe (für immerhin 10€) noch am selben Tag gekauft.

Tja, das war's dann auch gewesen für die Schriften des Herrn Joyce, denn gegen den Thriller, den Hadmut Danisch geschrieben hat, liest sich die geballte literarische Kompetenz eines James Joyce so aufregend wie die Endbenutzerlizenz (EULA) von Microsoft-Word. In weniger als vier Tagen (genau genommen: Nächten) hatte ich statt der fein ziselierten vermischten Gedankenströme des Herrn Joyce den nicht eben schlanken Wälzer des bloggenden IT-Diplomingenieurs geradezu verschlungen.

An dieser Stelle sollte jetzt natürlich, der überkommenen traditionellen Dramaturgie folgend, eine literaturkritische Erörterung des Werkes folgen, welches mich abermals an der Erlangung höherer literarischer Weihen und Erkenntnis scheitern ließ. Indes - ich weiß nicht, was ich schreiben soll, ohne mich gleichzeitig der Kritik und dem Spott sowohl der Geistes- als auch der Naturwissenschaftler auszusetzen.

Andererseits macht ja genau das den Reiz des Bloggens aus und wenn ich die lobhudelnden 5-Sterne-Rezensionen der Danisch-Jünger auf Amazon so lese, dann lasse ich mich doch lieber für eine abweichelnde Meinung anbrunzen als mich einfach in die Reihe der Fahnenschwenker zu stellen. Denn, obwohl ich mich durchaus zur Kaste der Ingenieure zähle, stimme ich mit vielen Schlüssen des Herrn Danisch nicht überein. Nach der Lektüre von "Frauenquote" komme ich zu folgender (welche Überraschung - subjektiven) Executive Summary:

"Frauenquote" ist ein packend geschriebener dokudramatischer Thriller. Raffiniert verbindet der Autor historische Fakten, seine persönliche Geschichte und Internet-Quellen zu einem in sich durchaus stimmigen Gesamtbild, das - im positiven Sinne - mit dem Prädikat Verschwörungstheorie durchaus zutreffend beschrieben wäre.

Danisch entwirft ein mögliches Szenario, das seine Beobachtungen und Rechercheergebnisse erklärt. Er erläutert, wie von Feministinnen und Genderideologen durch sukzessives Uminterpretieren des Gleichberechtigungsgrundsatzes (Art. 3 GG) in einen Gleichstellungsgrundsatz auf eine konsequente Bevorzugung von Frauen hingearbeitet werden soll. Anhand von Texten der neu ernannten Verfassungsrichterin Dr. Susanne Baer legt Danisch dar, dass (nach seiner Auffassung) das Ziel der Genderisten- und Feministengruppe um das von Dr. Baer geleitete GenderKompetenzZentrum unter anderem die Ächtung naturwissenschaftlicher Arbeitsweise in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen die Qualifizierung von Frauen in eben diesen Fächern erheblich erleichtern soll. Nicht zu Unrecht fürchtet Danisch durch solche Manipulationen einen erheblichen Schaden für Wissenschaft und Technik.

Man kann das durchaus glauben. Man kann auch glauben, dass die Hardcore-Feministinnen wirklich ein derart niederschmetterndes Bild von ihrem eigenen Geschlecht haben, dass sie wiederum glauben, Frauen würden ohne eine vollständige Dequalifizierung in Wissenschaft und Technik nichts erreichen können. Man kann wohl, muss es aber nicht glauben. Denn Gleichzeitig ist Hadmut Danisch auch ein knallharter Positivist (ja, das ist jetzt vereinfachend), der die ingenieurwissenschaftliche Methodik und Logik zur Erklärung seiner gesamten Umwelt verwendet. In dieser Welt ist für Geisteswissenschaft - wozu ich jetzt Gender und Feminismus als Teilereiche der Soziologie einfach mal zähle - kein erklärbarer Sinn zu finden.

Damit passiert in dem Buch etwas - mit Abstand betrachtet - sehr witziges. Ein extrem einäugig dogmatisch positivistischer Ingenieur wirft einäugig dogmatisch poststruktulalistischen Genderisten und Feminismten einäugige Dogmatik vor. Andauernd wirft er den Genderisten vor, deren Ausführungen würden an keiner Stelle ihre Axiome hinterfragen (oder gar beweisen, was aber in der Geisteswissenschaft eher sinnlos ist). Gleichzeitig aber stellt auch er seine Methode, sämtliche Vorgänge auf diesem Planeten ausschließlich durch seine Ingenieursbrille zu betrachten niemals in Frage. Das kann man natürlich tun und das funktioniert auch erstaunlich oft erstaunlich gut, heißt aber keineswegs, dass diese Betrachtungsweise einen Alleinanspruch auf Gültigkeit und Richtigkeit hat. Und nur weil er - wie sehr viele Ingenieure - für Geisteswissenschaften keine Existenzberechtigung erkennen kann, heißt dies nicht, dass diese objektiv nutzlos sein müssen.

Es ist schade - wenngleich zugegebenermaßen unterhaltsam - dass Herr Danisch es nicht lassen kann, permanent und durchaus auch auf penentrantem Stammtischniveau auf Feminismus und Gender herumzubashen, denn die Glaubwürdigkeit seiner eigentlichen Geschichte leidet (im Gegensatz zur Lesbarkeit) durchaus an diesen Entgleisungen. Dennoch habe ich die Bewertung von drei auf vier Sterne angehoben, weil ich nach weiteren eigenen Recherchen durchaus besser verstehen kann, warum Danisch gelegentlich das Stammtischschweinderl heraus lassen muss.

Letztlich kann ich die Lektüre, auch wenn es sich dabei meiner Meinung nach nicht um ein reines Sachbuch handelt, dennoch durchaus empfehlen, allein schon, weil sie eine enorm unterhaltsame, sehr schlüssig und sauber gegen den Mainstream gestrickte Erklärung vorstellt, warum manche Dinge bei uns so laufen, wie sie gerade laufen. Wer sich damit beschäftigen will, wie heute bei uns Professuren vergeben und Verfassungsrichter bestellt werden, welchen Projekten staatliche Fördermittel mit welchen Hintergedanken zufließen und warum so manch harmloser Begriff vielleicht gar nicht so harmlos gemeint sein könnte, der sollte - starke Magennerven vorausgesetzt - ein paar Stunden für dieses, nicht gerade billige, Buch aufwenden. Man muss ja nicht jeden Schluss unreflektiert glauben den der Autor dort zieht, für etliche interessante Denkanstöße sollte es aber auf jeden Fall reichen.


Boys Don't Cry (Special Edition)
Boys Don't Cry (Special Edition)
Preis: EUR 21,98

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön, aber auch etwas schade, 23. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Boys Don't Cry (Special Edition) (Audio CD)
Ich habe mich anlässlich des SWR3 New-Pop Festival 2011 spontan in die Musik von Rumer verliebt und mir sofort die CD gekauft. Das erste Album 'Seasons Of My Soul' hat mich dann auch von der ersten Minute an begeistert. Herrlich leichten Pop gab es da zu hören, handwerklich äußerst solide eingespielt und technisch sehr sauber ausgenommen. Über allem schwebte die einmalige Stimme von Sarah Joyce, die jedem Vergleich mit jener der unvergessenen Karen Carpenter stand hält, in ihrer zeitgemäßeren Akzentuierung und entspannteren Modulation aber auch deutlich darüber hinaus geht.

Zehn der 13 Tracks auf der CD sind Eigenkompositionen und das ist gut so, denn sie passen einfach nur ganz hervorragend zu der Band und der Stimme davor. Mit den Coverversionen 'Goodbye Girl', 'Alfie' und 'It Might Be You' zeigt Sarah Joyce dann, dass sie auch modernen Klassikern problemlos gewachsen ist.

Deshalb erwartete ich das neue Album mit Spannung ' immerhin scheitern nicht wenige Künstler an dem Versuch, an einen bestehenden Erfolg anzuknüpfen. Zu meiner Überraschung findet sich auf der neuen CD 'Boys Don't Cry' keine einzige Eigenkomposition. Stattdessen bekommt man nicht weniger als 16 Titel zu hören, die allesamt Covers von mehr oder weniger bekannten Songs aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts sind. Unter den Spendern finden sich bunt gemischt Leute wie Isaac Hayes, Daryl Hall und John Oates, Ron Wood, Terry Reid, Gilbert O'Sullivan, Bob Marley und Neil Young.

So bunt gemischt wie die Aufzählung klingt dann auch die CD. Ob es einen roten Faden gibt, weiß ich auch nach mehrfachem Durchhören noch nicht. Ich bin inzwischen aber für mich selbst zu dem Schluss gekommen, dass mir die alte CD besser gefällt. Einerseits, weil die Musik handwerklich besser gemacht ist und andererseits, weil mich das schlichte aber sehr geradlinige und transparente Mastering des alten Albums viel intensiver angesprochen hat. Wenn ich den Sound der Siebziger hören will, dann höre ich Musik, die in den Siebzigern aufgenommen wurde. Aufnahmen aus 2012 dürfen durchaus auch so klingen; Das war ja gerade einer der der Reize von 'Season Of My Soul', dass man dort quasi eine verbesserte Karen Carpenter, teleportiert nach 2010, hören konnte.

Trotz dieser Worte soll das kein Verriss sein. Ich kann mich immer noch (wie auch bei Lizz Wright) in dieser einmaligen Stimme verlieren ' und das ist Genuss genug. Rumers Musik wirkt ' auch auf der neuen CD ' derart unmittelbar entschleunigend, dass ich mich auf meinem gestrigen Heimweg in Richtung Stuttgart von einem termingeplagten LKW-Fahrer anhupen lassen musste, weil sich beim Hören wohl nicht nur mein Kopf, sondern auch mein Auto massiv entschleunigt hatte.

Auf der nächsten CD wünsche ich mir dennoch wieder mehr Eigenkompositionen (bzw. überhaupt welche), weil ich finde, dass Singer-Songwriter eben genau dann am besten und authentischsten sind, wenn sie eigene Werke interpretieren ' wie beispielsweise auch Madeleine Peyroux.


Die Geschlechterlüge: Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann
Die Geschlechterlüge: Die Macht der Vorurteile über Frau und Mann
von Cordelia Fine
  Broschiert

30 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieder ein feministisches Buch erlegt! Und wieder kein Verriss!, 27. Mai 2012
Wie vor längerer Zeit angekündigt, habe ich mich nun endlich durch das etwas längere und ' vor allem ' etwas schwerere Werk von Cordelia Fine mit dem Titel 'Delusions of Gender: The Real Science Behind Sex Differences' gefressen.

Dass ich das umfassende sekundärwissenschaftliche Werk in angelsäschsischer Sprache rezipiert habe, ist in diesem Fall, wie ebenfalls schon erwähnt, meinem Geiz zuzuschreiben - die Kindle-Version in Englisch kostet nämlich keine 6€. Wer mal eben 22€ in die Hand nehmen will, kann das ganze aber auch auf Deutsch (und auf totem Baum) lesen.

Bevor ich wieder der militanten Misanthropie bezichtigt werde, möchte ich gleich vorausschicken, dass ich zu alt bin, um der Idiotie anzuhängen, die Wahrheit wäre in einem Buch (egal wie alt es sein mag) niedergeschrieben. Insofern richtet sich derzeit mein gerechter Zorn auch gegen die heimtückischen Algorithmen von Amazon, die mir, seit ich 'Die Kunst des klaren Denkens' gekauft habe, nur mehr sehr, extrem und absurd esoterische Lebenshilfe-Literatur anbieten. Nein, liebe Algorithmen und Datenbanken, ich lese so etwas primär, um mein altersschwaches und zunehmend ins Unelastische mutierendes Gehirn wenigstens rudimentär in Schwung zu halten und nicht, um daraus die ultimative Wahrheit zu extrahieren.

Nichtsdestotrotz ist das Buch von Cordelia Fine recht flüssig und unterhaltsam zu lesen. Wenn man bedenkt, dass die Literaturreferenz fast 40% des Umfangs ausmacht und unterstellt, dass die Autorin die meisten der referenzierten Werke auch gelesen hat (gähn!), dann quillt ihre Metastudie sogar geradezu über von Humor und Witz.

Das Buch teilt sich in drei Hauptkapitel:

* Half changed world ' half changed minds
* Neurosexism und
* Recycling Gender

Darin geht es grob um eine Bestandsaufnahme der jüngeren Geschichte sowie des Status quo zur ' naja, ich schreibe mal einfach ' Gleichstellung der Geschlechter, um eine Abrechnung mit den aktuellen wissenschaftlich-modischen Trends zur Erklärung der verbleibenden Unterschiede und schließlich einige Gedanken und Anregungen zur weiteren Vorgehensweise zur Erreichung einer wirklichen Gleichstellung von Männern und Frauen.

Gerade das erste Kapitel liest sich für Männer etwas anstrengend, weil Cordelia Fine keinerlei Hehl aus ihrer feministischen Gesinnung und Intention macht und dabei mehrfach unmissverständlich darlegt, dass für sie unter Gleichstellung eine Gleichstellung der Frauen zu verstehen ist. Wer das allerdings durchsteht, wird in den folgenden Kapiteln ' besonders im dritten ' mit einer deutlich faireren und umfassenderen Betrachtung, die auch die Belange der Männer betrifft, entschädigt.

Ansonsten bringt das erste Kapitel einen netten Exkurs über 100 Jahre Feminismus und die Folgen, sowie einige ' ich nenne es mal ' Zahlen und Fakten über einen Effekt, der mit dem griffigen Begriff stereotype threat umschrieben wird. Dabei geht es grob darum, dass Menschen immer die Tendenz haben, sich so zu verhalten, wie sie meinen, dass es ihre Umwelt von ihnen erwartet. Dazu gibt es dann allerhand Statistiken, die zeigen, dass ein nicht unerheblicher Teil der 'allgemein bekannten' geschleschtsspezifischen Begabungen (beispielsweise Frauen und Sprache, Männer und räumliches Vortsellungsvermögen) bereits durch geringe Modifikationen im Umfeld der Untersuchung signifikant verändert werden können. So schneiden Frauen, denen vorher erklärt wird, ein Visualisierungstest sei speziell auf Frauen ausgerichtet, bei identischen Tests signifikant besser ab. Und nein, solche Tests werden für Männer offenbar nicht durchgeführt ' auch das ist schon ein selbstreferentielles Stück impliziter Sexismus, über das man sich so seine Gedanken machen sollte.

Im zweiten Kapitel nimmt das Buch dann richtig Fahrt auf und erklärt die Erklärungen der bildgebenden Verfahren der Neuropsychologie als das, was sie auch meiner Meinung nach sind: Unscharfe Messungen wenig relevanter Größen in einem System, das bestenfalls ansatzweise verstanden wird. Dennoch wird uns seit Jahren anhand von bunt gefärbten Gehirnbildern der evidente biologische Grund präsentiert, warum Frauen besser nicht Auto fahren und Männer besser nicht reden (geschweige denn Bloggen!) sollten. Die fest verdrahteten Unterschiede in den Gehirnen von Frauen und Männern liefern ' zusammen mit den erwähnten bunten Bildern aus den Tomographen ' die ersehnte Erklärung, warum es immer einen Unterschied zwischen dem geben muss was Männer können, dürfen und wollen und dem, was Frauen können, dürfen und wollen. Als witziges Beispiel für den naturgegebenen Unterschied der Geschlechter wird unter anderem angeführt, dass in einer Tierstudie mit unterschiedlichen Spielzeugen männliche Schimpansen wesentlich länger mit einem Polizeiauto spielten, während weibliche Schimpansen länger mit einer ' Achtung ' Bratpfanne spielten. Welch unergründliche Weisheit der Natur, die schon im Gehirn der Schimpansin die Lust zur Bratpfanne einprogrammiert hat!

Cordelia Fine kann diese ehernen Wahrheiten natürlich nicht mit ein paar Zitaten und Fußnoten vom Tisch diskutieren, sie schafft es aber immerhin, mit gezielten Nadelstichen dem Bild eines geschlossenen und sicheren Theoriegebäudes ein paar anständige Kratzer und Dellen beizubringen. Sogar wenn die Gehirne konstruktiv geschlechtsspezifische Unterschiede aufweisen sollten, dann heißt das noch lange nicht, dass ein derart flexibles und anpassungsfähiges System wie das Gehirn sich nicht unabhängig davon an die selben Aufgaben adaptieren kann.

Als Techniker verstehe ich, dass auch auf unterschiedlichen Rechnerarchitekturen die selben Algorithmen mit identischen Ergebnissen laufen können ' warum sollte das mit einem so viel leistungsfähigeren System wie dem Gehirn nicht funktionieren?

Cordela Fines Erklärungsansatz für die zweifelsfrei beobachtbaren genderspezifischen Unterschiede geht in eine andere, mindestens ebenso plausible Richtung. Die Präferenzen sind erlernt. Insbesondere im dritten Teil wird anhand zahlreicher, teilweise durchaus als schräg zu bezeichnender, Studien gezeigt, wie die Anpassungs- und Lernfähigkeit der Menschen (gerade) schon im Kindesalter dazu führt, dass die nachwachsenden Menschen mit all den Stereotypen (bis hin zu rosa Prinzessinnen) geprägt werden, die sie ein ihrer Umgebung vorfinden. Und diese Prägung ist weit stärker und allgegenwärtiger als jeder Versuch von Erziehung reichen kann. In einem Beispiel wird beschrieben, zu welchen Extremen Eltern gehen können, wenn sie ihre Kinder explizit genderneutral erziehen wollen ' und wie das restliche Umfeld all diese Bemühungen quasi im Handumdrehn obsolet werden lässt. Dennoch gibt es abschließend den einen oder anderen Tipp, wie man seine eigenen Kinder einen Schritt weiter in eine gerechtere Zukunft bringen könnte.

Und dieser Schritt könnte damit beginnen, die bequeme Theorie von den fest verdrahteten Geschlechtsunterschieden als genau das zu sehen, was sie ist ' eine bequeme Theorie. Wer dann auch noch daran interessiert ist, ein wenig über den Tellerrand zu schauen und seine Neuronen etwas zu kitzeln, der sollte dieses Buch lesen und ' wichtig ' seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Durch Selbstdenken ist noch niemand blöder geworden.


BLOG DICH REICH - Geld verdienen mit Blogs
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Preis: EUR 0,99

45 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Negativrekord, 21. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dank des kindle habe ich heute (in ca. 32 Minuten) das schlechteste Buch gelesen, das ich jemals in Händen hielt - und das obwohl ich auch "Mein Krampf" (ich will ja hier keine Nazis anlocken) gelesen habe. Ich habe in meiner Zeit als Lehrer (bzw. FH-Dozent) auch "wissenschaftliche Arbeiten" von Studenten betreut, doch niemals zuvor ist mir ein auch nur ansatzweise so lieb- und konzeptlos hingeschmiertes, werbeverseuchtes Stück Texkrement untergekommen. Wer oder was auch immer diesen "Text" verfasst hat, dürfte zweifellos nicht mehr als 60 Minuten Arbeit investiert haben - doch dem Ergebnis nach zu urteilen waren das mindestens zwei verschwendete Stunden Lebenszeit.

Auch wenn man die, selbst für meine durch Foren und Chats gestählten Magennerven, vollkommen abstrakte Orthographie außer Acht lässt, so bleiben immer noch Sätze wie

"Gerade hierzulande gibt es eine Menge, ich ist immer gerne nenne 'Wald und Wiesen-Blogger'"

die sich auf praktisch jeder Seite finden. Große Teile der Seiten, die nicht mit Werbung für andere Bauernfänger verkleistert sind, werden von mittelmäßig liebevoll aufbereiteten Screenshots eingenommen, die dem angehenden Power-Blogger zeigen sollen, wo er hinklicken muss, um zu seinem eigenen Blog bei blogger.com oder wordpress.com zu kommen. Ich persönlich bin mir ja nicht so ganz sicher, ob jemand, der das nicht ohne bebilderte Anleitung hinbekommt, wirklich in 30 Minuten ein reicher Power-Blogger werden kann.

Wirklich schlimm aber wird es, wenn dann die erfolgsrelevanten Faktoren dargelegt werden. Ich fasse das Kompenduim mal - wie gewohnt sinnstörend - zusammen:

* Blogge nicht, was Dich interessiert. Blogge stattdessen, was eine kleine Lesergruppe interessieren könnte. So umgehst Du eine Konkurrenzsituation
* Benenne Deinen Blog nach diesem Nischenthema
* Wenn Du einen neuen Beitrag schreiben willst, so prüfe, ob dieser sich auf ein gutes Keyword bezieht. Nutze dazu das Heilige Google AdWords Keyword Tool. Wenn das Thema keinen guten Rank verspricht, wähle ein anderes.
* Verwende dieses Keyword mindestens drei mal im Text und zwei mal in einem Bild. Schreibe es außerdem fett.
* Besorge Dir so viele Affiliate-Links wie Du nur irgendwie in das Layout Deines Blogs quetschen kannst. Denn nur wenn Deine eigenen Texte zwischen den Werbebannern nicht mehr auffallen, können sie den kommerziellen Erfolg Deines Blogs nicht mehr stören.
* Bespamme die Kommentarbereiche anderer Blogs mit Links auf Deinen Blog, um auch die Leser anderer Blogs in Deine Nische zu führen.
* Lass Dich in allen denkbaren sozialen Netzwerken (also facebook) liken und verlinken.
* Trage Deinen Blog bei allen auffindbaren Feedreadern und RSS-Verzeichnissen ein.

Naja, das war's so ungefähr. Der geneigte Leser kann sich mit der Befolgung dieser einfachen Schritte die 1.50€ sparen, die das Originalwerk kosten würde. Oder er kann es bleiben lassen, denn die konsequente Befolgung dieser kruden Mischung aus längst obsoleten SEO-Tricks aus dem letzten Jahrzehnt, penetrantem Spammen und Werbeterror dürfte bei jedem normalen Blog bestenfalls dazu führen, dass er schon nach wenigen Tagen nur mehr von Bots gelesen wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 9, 2012 6:45 PM MEST


Saffronia
Saffronia
Preis: EUR 12,99

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Seelenlos oder nur ungewöhnlich, 6. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Saffronia (Audio CD)
Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal eine Musik-CD auf Amazon rezensiere, aber in diesem Fall ist der Leidensdruck zu hoch. Ich kaufe hier so ca. 3 CDs im Monat und habe bisher genau ein mal daneben gegriffen - mit Saffronia von Lyambiko.

Meine Hörgewohnheiten sind angesiedelt zwischen Lizz Wright, Joy Denalane, Diana Krall, Silje Nergaard, Malene Mortensen, Ulita Knaus usw. Ich habe die CD gekauft, weil sie mir von Amazon geradezu penentrant immer wieder empfohlen wurde und muss mich jetzt den Negativ-Rezensenten anschließen. Ich habe noch nie eine CD gekauft, die mich derart wenig anspricht.

Die Interpretation der zahlreichen Klassiker ist mir so fremd, dass ich die CD dreimaligem "Schönhören" verschenkt habe. Auch Holly Cole bringt teils sehr eigentümliche Interpretationen der bekannten Standards, aber an die Gefühlskälte und fehlende Dramatik von Lyambiko reicht nichts davon heran.

Der Sound hingegen ist OK, die CD klingt stimmig und gut abgemischt. Dennoch rate ich jedem Neukäufer, vorher zu einer ausgiebigen Hörprobe.


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