Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug b2s Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16
Profil für C. Kästner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von C. Kästner
Top-Rezensenten Rang: 852.512
Hilfreiche Bewertungen: 187

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
C. Kästner "Pittiplatsch" (Berlin)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Nesthäkchen - Alle 6 Episoden der Serie [3 DVDs]
Nesthäkchen - Alle 6 Episoden der Serie [3 DVDs]
DVD ~ Kathrin Toboll

38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lehrstück, 20. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe die Serie erst spät kennen gelernt, bin aber mit den (unzensierten!) Büchern aufgewachsen. Davon ausgehend weicht die ZDF-Serie inhaltlich stark vom Original ab. Auffällig ist dies besonders in Annemaries drei engsten Bezugspersonen, der Mutter, der Großmutter und dem Fräulein, das hier erstmals einen Namen - Lena - bekommt.
Mutter und Großmutter sind im Buch vor allem lieb und fürsorglich, sie achten auf eine angemessene Erziehung, welche auch die zeitgenössischen Leserinnen selbstverständlich kannten. Da dieser Rahmen dem ZDF-Publikum der 80-er Jahre fehlt, musste die kaiserzeitliche Erziehung extra personifiziert werden - und führt leider dazu, dass Mutter Braun als bildhübsche aber enorm standesbewusste, anstrengende und humorlose Weibsperson und die Großmutter als verschrobene Kaiserschranze dargestellt werden. Wäre nicht der unkonventionelle Vater, würde man denken, das Nesthäkchen findet nur bei den Hausangestellten echte Zuneigung. Anders ist es mit Lena, die als damalige Frau zwischen Beruf (in diesem Fall ihre Stellung als Kindermädchen) und der Ehe entscheiden muss und dies selbstverständlich zugunsten der Ehe tut. Die Dramaturgie ihrer Geschichte erklärt gewissermaßen die Lücke, die das Verschwinden von Stubenmädchen Frieda und Fräulein in den Büchern haben - Else Ury hat dieses Wissen wohl vorausgesetzt. Nesthäkchen, der Vater und die Brüder sind im Kontrast eher dem heutigen Zeitgeist entsprechend dargestellt, insbesondere den fortschrittlichen und pazifistischen Vater sucht man so im Buch vergebens.
Es sind manchmal sehr lehrerhafte Dialoge und dramaturgische Kniffe, mit denen aus dem Bildungs-Mädchenroman ein Lehrfilm über die Kaiserzeit wird: Freilandturnen, Kindergarten, Barfußlaufen, Luftschiff und Telefon werde eingeführt, und - das Wunder von Bern lässt güßen - auch "dieser neue englische Sport...Fussball" (Bitte indignierte Stimme von wohlfrisierter Mutter Braun vorstellen!). Sehr gelungen sind Ausstattung und Kostüme, die Bildqualität könnte besser sein, stört aber auch nicht wirklich beim Anschauen. Dafür findet man in der Serie sehr viel weniger, und oft auch stark veränderte Abenteuer aus den Nesthäkchen-Büchern. Das ist in den meisten Fällen vertretbar, bis auf die letzte Folge: Die ZDF-Macher opfern den sehr symbolischen Schluss des dritten Buches für ein weihnachtstischtaugliches Happy End. Auch im Film fällt Annemaries Puppe auf der Flucht von Amrum ins Wasser, das symbolische Ende ihrer Kindheit. In den Büchern werden die bis dahin ständig präsenten Puppen von diesem Zeitpunkt an nicht mehr erwähnt. Im Film greift sich Annnemarie als sei nichts geschehen nach der Heimkehr die erstbeste ihrer Puppen und geht wie in der ersten Folge in die Sprechstunde des Vaters, um ihr krankes Puppenkind behandeln zu lassen. Die durch Krankheit, Trennungen, Kinderheim, Flucht und Kriegsbeginn gereifte Annemarie ist wieder Pappis kleines Mädchen, und obwohl der Vater die Uniform über den Arztkittel zieht sind alle glücklich. Liebes ZDF, ein bisschen mehr hättet Ihr Euren ZuschauerInnen schon zutrauen können!


Nesthäkchen und der Weltkrieg (= Nesthäkchen - Eine Reihe Erzählungen, Band 4)
Nesthäkchen und der Weltkrieg (= Nesthäkchen - Eine Reihe Erzählungen, Band 4)
von Else Ury
  Gebundene Ausgabe

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisches Zeitzeugnis, 18. Mai 2011
Es versteht sich wohl von selbst, dass eine Rezension hier nur bedingt funktioniert, da dieses Buch in einem bestimmten historischen Kontext geschrieben wurde. Und als solches halte ich es für historisch Interessierte für absolut empfehlenswert.

Ich habe genau die abgebildete Ausgabe bei den Kinderbüchern meiner Mutter gefunden und sie ebenso wie die restliche Reihe als Kind verschlungen (ohne zu wissen, wer Königin Luise und Hindenburg waren!). Erst später, beim nochmaligen Lesen, ist mir der deutsche Patriotismus der Autorin richtig aufgefallen (was ihr Schicksal noch tragischer erscheinen lässt). Dennoch zählt dieses nach dem 2. Weltkrieg indizierte und nicht wieder aufgelegte Buch zu einem der besten und dichtesten in der Nesthäkchen-Reihe.
In erster Linie ist auch dieser Nesthäkchen-Band ein Bildungsroman. "Nesthäkchen im Kinderheim" endet sehr symbolisch damit, dass Annemarie ihre Lieblingspuppe auf der Flucht verliert - ihre Kindheit ist mit dem Kriegsausbruch zuende. In diesem Band wird Nesthäkchen noch vor seiner 'Backfischzeit' erwachsen und lernt, Verantwortung zu übernehmen, als die sonst omnipräsenten Eltern und das Fräulein ausfallen. Mit dem Vater und später auch dem großen Bruder an der Front, und der Mutter in England interniert, sorgt sie für die zur Beaufsichtigung der Enkel eingezogene Großmutter, strickt - zunächst widerwillig - Wintersachen für die Front, sammelt Spenden für die Soldaten und kümmert sich um ein Flüchtlingskind.
Freilich atmet dieser Nesthäkchen-Band den Geist der ausgehenden Kaiserzeit und fängt die Kriegseuphorie 1914 ein: Da werden Fahnen genäht und Siege geflaggt, Extrablätter verteilt und "die braven Feldgrauen" mit Blumen verabschiedet und mit Paketen bedacht. Der "Dienst am Vaterland" ist eine heilige Pflicht, auch der älteste Bruder wird das Notexamen machen und sich zur Marine melden. Für Nesthäkchen Momente des Stolzes - und damit ein unschätzbares Zeitzeugnis für uns heute, die wir die Kriegsbegeisterung damals schwer nachvollziehen können. Denn diese Begeisterung ist nicht rückblickend mit heutigem Geschichtswissen erzählt, sondern eben damals entstanden - eine unverfälschte Quelle der ersten beiden Kriegsjahre.
Liest man mit dieser notwendigen Distanz, ist es sogar eine ausgesprochen reflektierte Erzählung: Zu Beginn betet Annemarie um einen Sieg, bis ihr einfällt, dass auch englische und französische Kinder zum gleichen Gott beten - eine Haltung, die in Deutschland 1914 selten gewesen sein dürfte. Immer wieder wird für Toleranz jenseits von Sprach- und Standesgrenzen plädiert, dafür, sich selbst für andere zurück zu nehmen. Nesthäkchens patriotisch motivierte Unarten werden sofort als solche kritisiert: das "dumme Mädel" weigert sich, die "Feindessprache" Französisch zu lernen; ihr Lehrer erklärt, dass es für den Wiederaufbau nach dem Krieg eine gebildete Jugend brauchen wird. Auch das unhöfliche Verhalten einem im Haus wohnenden Ausländer gegenüber stellt Ury als ungezogen und darüber hinaus dumm dar. Geradezu tragische Folgen hat ein falsch verstandener Patriotismus der polnischen Mitschülerin Vera gegenüber. Ury bezieht auch hier klar Position - nicht, weil sich Vera nach dem "Heldentod" ihres Vaters als "Verbündete" entpuppt, sondern weil Mitmenschlichkeit und Toleranz als wichtige Werte über jeder "Vaterlandsliebe" gehandelt werden.
Von Anfang an werden die negativen Seiten des Krieges benannt: Der Tod von Freunden und Eltern, Lebensmittelknappheit, unterbrochener Schulunterricht, Flüchtlinge und das bange Warten auf Nachrichten von den Liebsten. Die Sehnsucht nach Frieden und Harmonie im Kleinen wie im Großen beschließt das Buch - dass Ury einen "siegreichen Frieden" für Deutschland wünscht, dürfte die aufgeklärte Leserin mit dem heutigen Wissen verschmerzen können.


Cousins' War 02. Red Queen
Cousins' War 02. Red Queen
von Philippa Gregory
  Taschenbuch

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen alte Zeiten, heutiges Denken, 17. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Cousins' War 02. Red Queen (Taschenbuch)
In ihrem Buch "The Red Queen" beschreibt P.G. einen sehr widersprüchlichen Charakter: Margaret Beaufort, die fromme und politisch aktive Mutter von Henry VII, die ihrem Sohn und damit der Tudor-Dynastie durch geschicktes Taktieren zum englischen Thron verholfen hat. Wie in den anderen historischen Romanen lässt Gregory die spätere Königinmutter selbst sprechen. Ein erfolgreicher Weg, wenn es darum geht, der Leserin die Wirrungen der Rosenkriege und zahlloser Edwards, Richards, Elizabeths und Marys nahe zu bringen.
Leider vollkommen erfolglos, wenn es darum geht, das Innenleben Margarets zu erforschen. Aus einem einfachen Grund: Margaret, Kind des 14. Jahrhunderts, denkt wie eine Frau des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Sie reflektiert als Zwölfjährige in einer arrangierten Ehe, dass ihr Mann ein Kind heiratet und sie quasi vergewaltigt, verurteilt die Haltung ihrer Mutter, die sie - immerhin die reichste Erbin Englands - hauptsächlich als Ehepartie sieht, stellt infrage, dass sie nicht allein über ihr Leben bestimmen kann. Doch all diese Grausamkeiten waren für ein adlig geborenes Mädchen zu dieser Zeit normal: Das Mindestalter für Ehen war 12, Mädchen (und Jungen) wurden meistes schon als Kinder verlobt. Es ist unwahrscheinlich, dass Margaret Beaufort das Wort "Vergewaltiger" überhaupt kannte; damals war es eine "Erfüllung ehelicher Pflichten", zumal auch sie sich der Wichtigkeit männlicher Erben bewusst gewesen sein dürfte. Gerade in so hohen Familien hatten die Menschen keine Individualität, sondern in erster Linie eine Rolle im geltenden System.
Frauen- und Menschenrechte waren damals unbekannt, der Tod im Kindbett normal, und dass im Ernstfall das Leben des Neugeborenen vor dem der Mutter gilt, war teilweise bis ins 20. Jahrhundert in katholischen Kreisen anerkannter Fakt. Es kann sein, dass Margaret nach dieser Erfahrung beschlossen hat, dass Ehe und Mutterschaft nichts für sie sind (zumal die Geburt so traumatisch gewesen sein muss, dass sogar historische Quellen davon berichten), ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie ihre Mutter wie beschrieben konfrontiert hat. Ebenso unwahrscheinlich sind die konstanten Vorwürfe der Lieblosigkeit an die Mutter. Margaret Beaufort war eine fortschrittliche und gebildete Frau, auch für ihre Zeit, aber sie wird das sie umgebende Gesellschaftssystem niemals so grundsätzlich in Frage gestellt haben, wir wir es heute tun. Das macht sie als Protagonistin unglaubwürdig. Man hätte ihr hartes Leben auch verstanden, ohne dass die Autorin sie ständig aus heutiger Sicht darüber reflektieren lässt.


Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht
Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht
von Slavenka Drakulic
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blick in seelische Abgründe, 5. August 2009
Das Zeugnis des Drazen Erdemovic ist das aufwühlendste in dieser Reihe von Charakterstudien. Ein einfacher Soldat, der Befehle befolgt hat, bis er eine Blase am Daumen hatte - nachdem er einen halben Tag lang mechanisch Männer und Jungen bei Srebrenica erschossen hat. Weil man ihm gedroht hatte, das Gleiche mit ihm zu tun. Eine Antwort auf die vielen Warums, die die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulic in die Gerichtssäle von Den Haag getrieben hat, wo man versucht, über die Verbrechen der jugoslawischen Zerfallskriege zu richten.
Mit scharfer Beobachtungsgabe und klarer, anschaulicher Sprache beschreibt Drakulic diese Angeklagten, und beweist dabei ein sicheres Gespür für menschliche Eigenschaften und Details, die sie in einer Mischung aus Journalismus und Literatur aufarbeitet. Auch wenn bisweilen ein persönliches Urteil einfließt, geht es Drakulic vor allem um die Konstellation von Charaktereigenschaften, die zu diesen undenkbaren Taten geführt haben. Die einzigartige Beziehung zwischen Milosevic und seiner Frau. Die ungläubigen Mienen der Soldaten, die wegen Massenvergewaltigungen verurteilt werden und damit offenbaren, dass sie ihre Taten bis zum Schluss nicht als Verbrechen begreifen.
"Sie könnten keiner Fliege was zuleide tun" - der Ausspruch einer Dorfbewohnerin über die wegen Greueltaten angeklagten Nachbarjungs ist der schlecht übersetzte Originaltitel und der rote Faden dieser Sammlung von Porträts. Sie spielen ausnahmslos im ehemaligen Jugoslawien, doch man versteht die Texte ohne geschichtliche Vorkenntnisse, weil die Autorin das Problem auf die menschliche Ebene zieht, und damit universell macht. Unbedingt empfehlenswert.


Vom Wasser: Roman
Vom Wasser: Roman
von John von Düffel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poesie und Geschichte, 5. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Vom Wasser: Roman (Taschenbuch)
Diese Sprache umhüllt das Gehirn und zieht einen in den Text, bis man nicht mehr aufhören kann zu lesen. Die Beschreibung des schwarzen Orpe-Flusses und der sonnenglitzernden Diemel, von schmutzigen Ratten und festen silbrigen Forellen. Sie gehören zum Wasser wie die Familie, die am und mit dem Fluss eine Papierfabrik betreibt, und deren Geschichte John von Düffel über drei Generationen erzählt.
Vom Thema her klingt das an wie die monumentalen Verfilmungen a la Buddenbrooks und Krupp. Die beiden vielversprechenden Firmenerben müssen in den Krieg, und der dritte, verkrüppelte Sohn ist gezwungen, Verantwortung zu übernehmen. Tatsächlich ist es auch die Geschichte vom Niedergang einer Familiendynastie, die jedoch nie perfekt war. Und dadurch verspürt der Leser auch selten Trauer oder Reue, sondern bleibt vor allem mit einer Akzeptanz für das Unvorhersehbare des Lebens zurück, er sieht Entscheidungen und Möglichkeiten, und in jeder Möglichkeit immer auf etwas Unvermeidliches. Was die Geschichte aber fesselnd macht von der ersten bis zur letzten Seite, ist die leise Poesie, die Düffel hineingewoben hat. Der Autor beherrscht die Kunst, an entscheidenden Stellen durch Auslassung mehr zu sagen als mit langen Erörterungen. Manchmal scheint es, dass die Geschichte nur eine Hülle für die Sprache ist. Das Buch ist einfach schön.


Beim Leben meiner Schwester: Roman
Beim Leben meiner Schwester: Roman
von Jodi Picoult
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,50

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen spannend und psychologisch dicht, 4. August 2009
"Ich bin nicht der Aufpasser meiner Schwester" ("I'm not my sister's keeper") sagt Bruder Jesse an einer Stelle, und verbindet damit den biblischen Ausspruch über Verantwortung und Konsequenz mit dem Titel des Buches und seiner eigenen Rolle in diesem vielschichtigen Familiendrama. Was ist besser, nicht gebraucht zu werden, oder ständig - auch wenn es die eigenen Kräfte übersteigt?
"Die Sicherheit des Helfers ist wichtiger als die des Opfers", sagt Vater Brian, seines Zeichens Feuerwehrmann, auch im häuslichen Kampf gegen die Leukämieerkrankung seiner ältesten Tochter. Doch der einzige wirkliche Helfer ist das jüngste Kind Anna, das allein zu diesem Zweck erschaffen wurde: Als Blut-, Knochenmark- und schließlich sogar Nierenspender.
Jodi Picoult beschreibt anschaulich und sehr glaubhaft, wie diese Konstellation die Familie zusammenkettet und gleichzeitig auseinandertreibt. Mit der Prämisse, dass alle nur aus Liebe handeln, nimmt sie sich damit von vornherein jeden leichten Ausweg und zeichnet in den Familienmitgliedern vier sehr glaubhafte Figuren: Die vollkommen erschöpfte Mutter, die jeglichen Realitätssinn verliert und trotzdem in ihren Handlungen nachvollziehbar bleibt. Der Vater, der sie in Frage stellt und trotzdem nicht den Mut hat, sich gegen sein ältestes Kind zu entscheiden. Der Sohn, der sich seit dem negativen Bluttest zweitrangig fühlt, und Anna, die gleichzeitig die wichtigste Person ist und dennoch nicht wahrgenommen wird. Die Erkundung dieser Konstellation ist die Stärke des Buches, und das Stilmittel, aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, eine geeignete Form. Ein Minus bekommt nur die sehr konstruierte Liebesgeschichte zwischen dem Anwalt und der Verfahrenspflegerin.
Überraschend und zwiespältig ist das Ende. Schlecht, weil Anna die Entscheidung genommen wird, um die sich das gesamte Buch dreht, und damit die vorher aufgebauten Handlungsstränge und Erwägungen sozusagen durch ein "Gottesurteil" ad absurdum geführt werden. Man fühlt sich um die eigentliche Antwort betrogen. Gut, weil es in gewisser Weise den Kreis mit absoluter Konsequenz und Brutalität schließt - am Ende ist Anna genau das, als was sie ihre Eltern erschaffen haben. Und statt weitere 200 Seiten mit Annas Entscheidung zu füllen, wird das "was wäre wenn?" an den Leser zurück gegeben.


Bella und Edward: Bis(s) zur Mittagsstunde
Bella und Edward: Bis(s) zur Mittagsstunde
von Stephenie Meyer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

31 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gruseliges Rollenvorbild, 30. Juli 2009
Die meisten Geschichten funktionieren über die Identifikation mit der Hauptperson. Und in dieser Hinsicht hat New Moon vollständig versagt.

Zur Erklärung: Man kann die Figur Bella sympathisch finden oder nicht. Wenn man sie nicht mag, können die meisten LeserInnen vermutlich trotzdem noch verstehen, wie man sich fühlt, wenn einem der Traumtyp der Schule seine Aufmerksamkeit schenkt oder wie es ist, bedingungslos geliebt zu werden. Das driftet zwar arg in die Sektion Kitsch ab, ist aber auf der emotionalen Ebene durchaus verständlich und vermutlich der Grund für den Erfolg der etwas plotarmen und mittelprächtig geschriebenen Biss-Reihe.

Nur, was Bella und Edward im zweiten Buch anstellen ist auch für absolute Emos und Taschentuchabonnenten nicht mehr verständlich. Und außerdem komplett vorhersehbar. Er verlässt sie, weil er sie liebt (hallo??), und zwar indem er ihr sagt, dass sie nicht gut genug für ihn ist. Nach so einer Abfuhr weint man dem Typen üblicherweise keine Träne nach, andere Mütter haben ja auch hübsche Söhne und ein solches Exemplar - wieder endlos gutausehend etc. stolpert natürlich auch gleich ins Leben der immer noch stolperden Bella (kein Kommentar mehr dazu, wer das immer noch niedlich findet, bitte).

Nur: Die Leserin (bewusst feminine Form) weiß schon, dass Edward gar nicht wirklich mit Bella Schluss gemacht hat. Was es an sich schon mal schwer macht, sich mit Bella zu identifizieren, die Edwards Pseudotrennung sofort ernst nimmt. Statt ihre angeblich beste Freundin Alice anzurufen und die ganze ach so liebevolle Familie samt Emo-Edward auf den Pott zu setzen, macht sie brav was Edward sagt (Schlag mich baby noch einmal...!)und verfällt anschließend in ein halbjähriges Wachkoma. SUPER Rollenvorbild.

Dabei sage ich nicht mal was gegen die sechs leeren Seiten - das hat emotional reingehauen und jeder, der schon mal eine schmerzhafte Trennung durchgemacht hat, wird diese Wortwahl vermutlich voll unterstützen. In der Dauer vielleicht ein bisschen übertrieben, aber geschenkt. Ich hätte allerdings vermutet, dass man ein bisschen länger um die Liebe seines Lebens kämpft (sofern das mit 17 schon einzuschätzen ist).

Der Jacob-Plot könnte dann zumindest der coming-of-age-Teil dieser ohnehin etwas unbalancierten Bella-Edward-Beziehung sein. Nämlich die Erkenntnis, dass jemand, der einen ständig beschützt, nicht unbedingt der beste Umgang ist. Eine Weile hatte ich tatsächlich Hoffnung, dass hier die große Wende in der Geschichte kommt. Aber kaum schnüffelt Bella wieder Vampir, wird das Hirn ausgeschaltet. Und zwar so dermaßen ohne Begründung, dass Stephenie Meyer spätestens in Volterra, allerspätestens in Bellas Schlafzimmer oder zumindest in der Konfrontation mit ihrem Vater sämtliche LeserInnen verlieren müsste. Weil es nicht plausibel ist, dass die beiden Personen, die tatsächlich Vernunft in die Geschichte bringen (Jacob und Charlie) ständig abgekanzelt werden.
Abgekanzelt gehört dafür Glitzergranit-Edward. Selbst wenn sie ihn anschließend zurücknehmen SOLLTE. Aber selbst diese Katharsis bleibt dem Leser verwehrt, stattdessen wird geschmachtet und Bella gibt am Ende des Buches auch ihren letzten Rest Individualität auf.

Unter dem eingangs zitierten Aspekt der Identifikation finde ich deshalb, dass dieses Buch für Teenager auf den Index gehört. Weil es ohnehin verunsicherten jungen Frauen suggeriert, dass 1. Liebe gleich Verliebtheit ist, 2. ein gutaussehender Freund wichtiger ist als Selbstachtung, Persönlichkeit und eigene Erfahrungen. Und dass man 3.dem Freund alles verzeiht, wenn ers "aus Liebe" oder "nur zu deinem Schutz" tut. Wo das hinführt? Richtig: Zwangsehe, Vergewaltigung und Ehrenmord.

FAZIT. Mütter: Haltet Eure Töchter fest. Und versucht ihnen zu erklären, dass es im wahren Leben anders läuft.
Mädchen unter 19: Finger weg. Wirklich. Dieses Buch ist nicht gut für Euch. Nach Eurer ersten Beziehung dürft ihrs gerne lesen. Nicht eher.
Jungs unter 19: Wenn ihr soweit seid, DAS zu lesen, seid ihr vermutlich ohnehin ganz liebe Frauenversteher und würdet Euch NIE wie Edward verhalten. Oder annehmen, dass Ihr eine wie Bella findet.
Andere Fans der Biss-Reihe: Ihr seid Fans, also werdet ihrs vermutlich lesen. Leiht es Euch, kaufen ist überflüssig. Oder überspringt es und macht mit Band 3 weiter.
Alle anderen: Ihr mögt Lagerfeuer? Na dann....sonst: Bücher in die blaue Tonne.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 24, 2012 11:54 AM CET


Leila: Ein bosnisches Mädchen
Leila: Ein bosnisches Mädchen
von Alexandra Cavelius
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

64 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbeschreiblich, 7. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Leila: Ein bosnisches Mädchen (Taschenbuch)
Eins sollten Sie mit diesem Buch ganz sicher nicht tun: Sich irgendwo drei Tage verkriechen und es in einem Zug durchlesen. Oder vielleicht genau das, denn das, was man da liest, macht einen fertig und verfolgt einen auch, wenn das Buch wieder sicher im Regal steht. Das ist Krieg, das sind Graeueltaten, ungeschminkt und in allen Einzelheiten beschrieben von einer jungen Frau, die diese Hoelle selbst durchlebt hat. Sie geht zurueck an diesen Ort und nimmt den Leser dahin mit. Und dafuer (genauso wie fuer die Tatsache, dass sie in Den Haag gegen ihre Folterer ausgesagt hat!) verdient sie unheimlichen Respekt, denn sie hat nicht nur ueberlebt, sondern sie hat es gewagt, darueber zu sprechen. Was das fuer Folgen hat fuer eine Frau in der muslimischen Gesellschaft Bosniens kann man sich vorstellen.
Ich weiss nicht, ob ich dieses Buch weiterempfehlen soll, denn manche Dinge sind so schrecklich, dass man schon von der Vorstellung weiche Knie und Magenkraempfe bekommt. Aber wer wissen will, was der Bosnienkrieg fuer diese Frauen konkret bedeutet hat, wer es wirklich wissen will, der sollte dieses Buch lesen!


Star Wars: The New Jedi Order - Balance Point
Star Wars: The New Jedi Order - Balance Point
von Katherine Tyers
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,20

4.0 von 5 Sternen Angekommen, 29. August 2002
Vorwarnung: Ich bin ein Fan, und ich habe noch nicht alle NJO-Bücher gelesen. Soviel dazu.
"Balance Point" dreht sich - wie schon seine Vorgänger - um die fortschreitende Invasion durch die Yuuzhan Vong, eine technikhassende Spezies mit einem Hang zur Selbstverstümmelung aus religiösen Gründen. Da die Yuuzhan Vong inzwischen eine große Anzahl der Neue-Republik-Welten erobert haben, entsteht dem Senat ein stetig anwachsendes Flüchtlingsproblem, das Leia und Han, beide auf ihre Weise, aber unabhängig voneinander (und trotzdem auf dem gleichen Planeten...) zu lösen versuchen. Dabei wird man einmal mehr Zeuge der politischen Grabenkämpfe im Senat, verschiedener Raumschlachten und Rettungsaktionen. Und zwischendurch erfahren wir, dass es wohl demnächst Skywalker-Nachwuchs geben wird...!
Ich will die Handlung nicht vorwegnehmen. Was ich besonders mochte an dem Buch war die Tatsache, dass man mal wieder die gesamte Solo-Skywalker-Familie zusammen agieren sieht. Leia und Han, deren Entfernung über Chewies Tod einen Höhepunkt erreicht hat, kommen sich wieder näher. Jacen wird endlich mal wieder aktiv. Und natürlich gibt es ausgesprochen humorvolle Szenen zwischen Luke, Mara und ihren Neffen und Nichten ("Sabber nicht auf den Teppich, Anakin!"). Das Buch konzentriert auf die Charaktere, aber seit "Der Pakt von Bakura" hat sich im Schreibstil von Kathy Tyers einiges geändert. Zum Positiven. Man könnte sagen, sie ist endgültig im Expanded Universe angekommen.
Einziger Nachteil: Jacen philosohiert immer noch viel zu viel. Ein Sternchen Abzug dafür.


Harry Potter und der Feuerkelch
Harry Potter und der Feuerkelch
von Joanne K. Rowling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es wird ernst, 29. August 2002
Was ich an HP4 am meisten mochte, war nicht die wunderbare Art, die Zaubererwelt zu beschreiben. Auch nicht die altbekannt-humorvollen Einlagen (ich sage nur: Hagrid verliebt, Prof. McGonagall in Festkleidung und natürlich die gesamte Weasley-Familie). Es sind auch nicht die liebevoll ausgefeilten Charaktere, zu denen man jedes mal etwas Neues erfährt. Nein, was ich am besten fand, ist, dass die Handlung jetzt langsam in Fahrt kommt. HP 1-3 waren ja eher zusammenhanglose Abenteuer, doch die Zeit, wo Harry mit großen Augen durch die Zaubererwelt gelaufen ist und auf Besen fliegen gelernt hat, ist vorbei. Natürlich lernt er weiter, aber jetzt klopft das Böse an die Tür, und aus dem (Zauber-)Spass wird bitterer Ernst. Am Ende wird sich Harry mit Voldemort duellieren und einen guten Freund verlieren.
Joanne K. Rowling kann sich wirklich gut in junge Menschen hineinversetzen, wenn man Potter liest, macht man selbst das Erwachsenwerden noch einmal durch. Und bei Harry Potter heisst das, dass seine anfangs so perfekte Zaubererwelt ihre dunklen Seiten offenbahrt. Die Dursleys verkommen endgültig zu komischem Beiwerk (stellt euch einfach mal vor, was "Würgzungen-Toffee" sein könnte), und dafür nimmt die schon vorher im Schatten lauernde Bedrohung durch Voldemort Gestalt an. Harry sieht sich in seinem 4. Schuljahr mit Herausforderungen konfrontiert, bei dem ihm die Erwachsenen nicht mehr weiterhelfen können. In gewisser Weise kann man sagen, dass Joanne K. Rowling ihn - und die Leser - hier an die Realität heranführt. Wie erklärt man die Unverzeihlichen Flüche und die Tatsache, dass Menschen einander foltern und töten? Und die Debatte um die Schuld der (ehemaligen) Anhänger Voldemorts erinnert stark an die deutsche Nachkriegszeit und die Mauerschützenprozesse - haben die Todesser auf einen Befehl oder aus freiem Willen gehandelt?
Harry muss mehr als zuvor seine eigenen Antworten suchen und auch erkennen, dass die Person, der er am meisten vertraut hat, nicht ist, was sie zu sein vorgibt. Das Ende lässt Vieles offen, und die Welt um Harry Potter ist wieder dunkler und gefährlicher geworden.
Doch HP4 ist keinesfalls ein Horrorroman. Rowling kontert mit Humor und Alltagssorgen, und so gibt es auch in diesem Buch Kapitel, wo Snapes Unterricht oder die Suche nach einer Partnerin für den Weihnachtsball größere Probleme sind als Todesser und Drachen - menschlich eben. In bewährter Weise sind nach der Konfrontation mit dem Bösen immer wieder die Guten zur Stelle, die sich um Harry kümmern und den aufgeregten Leser gleich mit in den Arm nehmen. "Solange Menschen sich lieben und füreinander sorgen", so die Botschaft, "kann man jedem Erzbösewicht gegenübertreten."


Seite: 1