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Rezensionen verfasst von
Daniel Zynda (TaoYuan, Taiwan)
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Learning
Learning
Preis: EUR 16,68

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Soundtrack für die nächsten Depressionen, 16. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Learning (Audio CD)
Perfume Genius, das ist Mike Hadreas aus Seattle. Ich wurde auf dieses eher wenig besprochene Album aufmerksam, als ich von Vergleichen mit u.a. Nick Drake hörte.

Nun, es ist wirklich schwierig, hier die richtigen Worte zu finden. Die Songs sind allsamt spärlich instrumentiert, viel Piano, sehr, sehr ruhig, fast schon sphärisch, extrem fragil und textlich sehr traurig-bizarr. Es sind Songs, für die man in der Stimmung sein muß. In der richtigen, heißt, am besten in einer tiefen Depression. Wobei ich nicht den Eindruck erwecken will, das die Musik düster sei. Irgendwie ist sie das gar nicht, die Melodien sind warm, sogar ein wenig strahlend, mit 'nem kleinen Lächeln. Die Musik kann man am besten vielleicht als Folk bezeichnen, so in der Art Elliott Smith. Ich erwähnte Sphärisch, und genau das ist mein Problem, so erstklassig auch die Texte sein mögen, die Songs verlieren sich manchmal, ähneln sich sehr. Letzteres sehe ich als den größten Schwachpunkt des Albums. Auch das Hadreas seine Stimme meist mit leichtem Hall unterlegt ist nicht so mein Ding. Aber wie gesagt, man braucht die passende Stimmung, die hab ich z. zt. wohl nicht.

Den Nick Drake Vergleich finde ich übrigens dann doch etwas weit hervorgeholt. Das Album ist Zeugnis einer tiefen Traurigkeit, doch das allein macht noch kein Meisterwerk. Trotz allem hab ich das Werk oft im Player, also irgendwie muß es mir wohl doch ziemlich zusagen. Bestimmt nicht jedermanns Sache, aber als Soundtrack für die nächste Depression perfekt geeignet.


The King Is Dead
The King Is Dead
Preis: EUR 15,98

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das bisher leicht zugänglichste Album der Band, 15. März 2011
Rezension bezieht sich auf: The King Is Dead (Audio CD)
Die von Amazon gewählte Besprechung des Albums von Motor.de sollte man nicht allzu ernst nehmen, sie erweckt den falschen Eindruck, das wir's hier mit einem reinem Country Album zu tun haben (die erwähnen das Wort ja penetrant oft). Denke, der Autor ist im Folk nicht so zuhause.

Also, "The King is dead" ist KEIN Country! Es sind die Decemberists, wie wir sie kennen, lediglich das diesmal ihr Folk weniger britisch als amerikanisch beeinflusst ist, Country (oder früher amerikanischer Folk) und etwas Blues sind lediglich weitere Einflüsse. Das Album erinnert mich stark ans Frühwerk der Band, lediglich weniger dunkle Töne, mehr sonnig-luftiges (da gebe ich Motor.de recht). Man könnte auch sagen: Einfache, melodiöse Songs - die allsamt recht kurz und knackig sind. Ein wenig befremdend nach dem progressiven Vorläufer "Hazards of Love", einem Album, mit dem sie den Höhepunkt ihrer Entwicklung feierten. Aber auch ein Album, das viele Fans etwas verschreckte, eingängig gings da nicht gerade zu. Ich fands ja toll, aber jedermanns Sache wars bestimmt nicht. In meiner Rezension des Albums schrieb ich von der langen Pause vor dem Album, vom Höhepunkt des Schaffens, und wie's danach weitergehen könne, wie sich steigern? Nun, die Band fand gleich zu ihrer üblichen Schnelligkeit in den Veröffentlichungen zurück und tat vielleicht das einzig richtige: Zurückschrauben, Rückbesinnung. "The King is dead" kam dabei heraus, ein Werk ohne allzu große Ansprüche, wie gesagt sehr einfach gehalten, kann schon fast als Folk-Pop durchgehen. Ich gebe zu: Für mich manchmal ein bißchen zu schlicht. Die Songs sind gut, einmal gehört und im Ohr, aber ich vermisse etwas die Herausforderung, den Hauch Verschrobenheit in den Songs. Was die Songs aber veredelt ist mal wieder die großartige Stimme von Sänger Colin Meloy. Ich mag übrigens am liebsten die beiden kurzen Hymns "January" und "June".

Also, komplette Abwendung vom Progressive Rock, eigentlich sogar vom Rock im Allgemeinen, und jeder Song Radiotauglich. Dies macht das Album wohl zum bisher leicht zugänglichsten der Band. Auch auf die Gefahr das ich mich wiederhole: Ein unerwartet großer Wandel nach den "Hazards of Love". Aber: Kein schlechter, das Album ist, trotz allem, gut. Jedoch kein neues Meisterwerk.


The Suburbs
The Suburbs
Preis: EUR 6,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glatter als die Vorgänger, 9. März 2011
Rezension bezieht sich auf: The Suburbs (Audio CD)
Hab ne Weile gewartet ehe ich die Suburbs rezensieren wollte oder konnte. Bei Erscheinen ging das Werk ein bißchen bei mir unter, wollte mich nicht packen, ließ mich eher kühl. Habs dann seit Januar in die Dauerrotation gepackt und siehe da, jetzt hab ichs!

Warum war ich zunächst nicht gepackt? Weil ich etwas anderes erwartet hatte, etwas, ich sag' mal "schwierigeres". "Funeral" und "Neon Bible" waren voller Kanten, poppige Ohrwürmer gabs da eigentlich nicht. Die Alben strahlten dennoch in einer eigentümlichen Schönheit, so berührend, intensiv. Im Vergleich kam mir "The Suburbs" viel schlichter vor, so viele Songs, alle gehen gleich ins Ohr, sind das, was ich unter Pop verstehe. Und so fing ich an, das Album als Pop Album zu hören - da wurd' mir dann klar, mit was für Edel-Pop es wir hier zu tun haben. Ich gebs zu, so gut ich auch die Vorgänger fand, da gabs immer ein paar Songs mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Hier hingegen gefällt mir eigentlich alles! Gut, was fehlt ist vielleicht ab und an die Größe, einzigartige Songs wie "Tunnels" oder "Intervention" - aber bei so vielen guten neuen Songs kann man das verschmerzen. Und Ohrwurmqualitäten und Pop zum Trotz: Die Kompositionen sind weiterhin natürlich erstklassig, das ist keine 08/15 Indie Musik - man höre nur "Modern World" oder "Rokoko". "Empty Room" oder auch "Half Light II" sind reiner Indie-Pop, "Month of May" ein Rocker. Meine derzeitigen Lieblingssongs kommen spät, "We used to wait" und "Sprawl II" - letzter so lieblich vorgetragen das der Song fast so klingt als hätten Blondie versucht wie Arcade Fire zu klingen.

Sechzehn Songs, kein echter Lückenfüller, wie aus einem Guss. Die Eingängigkeit des Albums gefällt mir, aber wundert mich nach wie vor. Irgendwie hätte ich diese Entwicklung der Band nicht erwartet. Eine Überraschung, und keine böse. Mit der neu gefundenen Schlichtheit stehen ja Arcade Fire nicht allein da (z.b. auch die Decemberists haben auf ihrem neuen Album stark zurückgeschraubt ohne in der Qualität nachzulassen). Viele Bands scheinen zu erkennen, das manchmal ein Schritt zurück sinnvoller ist als immer weiter nach vorn. Einziger Wermutstropfen für mich ist, wie schon anfangs erwähnt, das die Intensität ein wenig abhanden gekommen ist, die Leidenschaft der vorangegangenen Alben. "The Suburbs" ist kein Meisterwerk wie "Funeral", aber ein sehr gutes Album - besonders wenn man bedenkt, das es ja schon das dritte ist, ein Album, an dem die meisten Bands heute scheitern, wenn sie denn überhaupt so weit kommen. Deshalb: Gut gemacht!


The People's Key
The People's Key
Preis: EUR 5,99

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glaubwürdige Entwicklung, 18. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: The People's Key (Audio CD)
Vier lange Jahre hat uns Conor auf ein neues Bright Eyes Album warten lassen. Untätig war er in der Zwischenzeit zwar nicht (Solo Album, Mystic Valley Band, Monsters of Folk), aber mit all diese "anderen" Projekten konnte zumindest ich mich nicht so recht anfreunden. Besonders vom Solo Album hatte ich weit mehr erwartet, wurde ehrlich gesagt enttäuscht, das Werk berührte mich kaum.

Vor Erscheinen vom "People's Key" hies es ja fast einhellig: Alles anders, Pop, Rock. Das lies mich mit noch mehr Sorge auf das Album blicken. Doch schon gleich nach dem ersten Hören war mir klar (eigentlich sofort nach den ersten Takten von "Shell Games": Musikalisch ist das gar nicht so anders. Frag mich was manche Kritiker dazu hinreist den Popeinfluß als ach so neu zu bezeichen, scheinbar hat keiner das "Digital Ash" Album gehört. Von der Grundstimmung her erinnert mich das Album stark an "Cassadaga", setzt eigentlich genau da an. "Cassadaga" gemischt mit "Digital Ash", ja, das triffts eigentlich ganz gut. Möglicherweise befremdet viele, das hier nun fast jeder Song sowas wie Ohrwurm-Qualitäten hat - du hast die Songs nach dem ersten Hören im Ohr, und dafür brauchst du nichtmal ein Bright Eyes Fan zu sein (für mich als Fan war auch so etwas wie "Waste of Paint" ein Ohrwurm, das ist eine andere Geschichte). Ich sage, ähnliche Stimmung wie "Cassadaga". Was heißt das? Nun, gesetzte Melancholie, bittersüß. Denn eines stimmt schon: Conor hat sich gefunden. Er singt nicht mehr "stripped down", die Stimme bricht nicht, die Leidenschaft ist im Griff, keine verzweifelten Aufschreie mehr, nicht mehr diese eigentümlich-ungewöhnliche Direktheit in den Texten und auch der Stimme, jetzt singt er dann doch ein bißchen für uns... Dies "enttäuschte" ja schon viele auf seinem Solo Album, und Schreie nach den "Lifted" Zeiten wurden laut. Für mich war das nicht der Grund, warum ich das Solo werk nicht mochte, mir wars einfach zu sehr (ich sag mal) Country. Denn: Es ist nicht gleich schlecht wenn die ganz große Verzweiflung 'raus ist. Wär ja schlimm wenn das der Maßstab für Conors Musik wäre. Hier setzt ein extrem talentierter Musiker seinen Weg, seine Entwicklung fort. Er hat die düstersten Zeiten überwunden - und "tries to just keep moving on". Das nennt man Entwicklung, es wird keine Rückkehr zu "Lifted" geben, das wäre auch ein Rückschritt. Die Entwicklung seiner Alben, seiner Stimmungen macht all das, was da früher war sogar noch Glaubwürdiger. Wenn jetzt jedes Album gleich bitter wäre, über so einen langen Zeitraum, dann könnte es schnell "zur Masche" werden. Und genau deshalb gefällt mir dieses neue Album so gut. Als Bright Eyes zu erkennen, bestimmt nicht Fröhlich, aber, wie gesagt, alles gesetzter. Mit über 30 siehst du manches nun mal anders als mit 20 (geht mir zumindest so). Aber nochmal zur Klarstellung: Textlich ist hier natürlich weiterhin nichts fröhlich - nur halt nicht mehr von der ehemaligen Direktheit. Aber zumindest ich finde mich in diesen Texten noch wieder. Und genau in diesen ist Conor weiterhin seinem Alter voraus, sie sind von einer Reife die man selbst von einem 30er noch nicht erwartet.

"The people's key" ist ein überaus gelungenes Album, mit dem sich alte Fans als auch neue Hörer gleichermaßen anfreunden dürften. Jeder Song ist auf seine Weise catchy, ruhiges und Up Tempo wechseln sich gut ab, ich hör das Album die ganze Woche immer von Anfang bis Ende durch, ohne einen bestimmten Favoriten zu haben. Hm...ok, am meisten berührt werd ich vielleicht von "Beginner's mind". Jeder Song hat auf seine Weise was. So hat mich das Werk mit Conor versöhnt, erwarte mit Spannung was da noch kommt. Obwohl nicht 100%ig bestätigt das es das letzte Bright Eyes Album sein wird glaube ich nicht, das es noch eins geben wird, ganz sicher zumindest nicht für die nächsten fünf Jahre. Ich glaube, Conor und auch die anderen fühlen sich in ihren anderen Projekten wohler, da, wo sie nicht so ganz im Spotlight stehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2011 8:36 AM CET


Tonight: Franz Ferdinand
Tonight: Franz Ferdinand
Preis: EUR 7,99

3.0 von 5 Sternen Gute Ansätze verlieren sich im Plätschern, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Tonight: Franz Ferdinand (Audio CD)
Die Erwartungen an das neue Franz Ferdinand Album waren groß, hatte die Band sich doch nach sehr fleißigem Start über drei Jahre Zeit fürs dritte Werk genommen.

Die Vorabsingle "Ulysses" klang recht ungewöhnlich für die Band, fand ich nicht gut, ließ mich dem Album mit Sorge entgegenblicken. Und, nun ja, ich war dann zunächst ziemlich enttäuscht. Wie so viele andere Bands sah es Franz Ferdinand wohl als nötig an, sich auf Teufel komm 'raus neu zu erfinden, inklusive Funk & Elektroanstrich. Die Lässigkeit, die Coolheit die den Jungs zuvor eigen war ist noch da, ja ja, doch jetzt ist es die Lässigkeit von Musik, die in Lounge Bars im Hintergrund dümpelt. Der Ton, der dich aufhorchen lässt, fehlt. Die Energie ist fast komplett verschwunden. Vieles schwimmt. Also, ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, das die Band eine völlig neue musikalische Seite aufgeschlagen hat. Es sind immer noch Franz Ferdinand Songs wie wir sie kennen, nur an der Umsetzung haperts. Zu oft wird der Eindruck von Langeweile erweckt, eine klare Richtung ist nicht auszumachen. "Ulysses" ist der Opener, und wie gesagt, gefiel mir nicht und gefällt mir bis heute nicht. Die Strophen sind nah am peinlichen, da hilft auch etwas psychedelische Spieleri nichts. Auch "Turn it on" and "No you girls" plätschern, klingen seltsam fad, Nebenbei-Pop halt zum Knie-Wippen. Bin ich mit mitte dreißig vielleicht schon zu alt (oder noch zu jung?) für. Besser wirds mit "Twilight Omens" & "Send him away", schöne kleine Nummern, besonders erstgenannter mit leichtem Psych-Pop Anstrich (den die Band ja schon immer hier und da hatte). Und selbst "Live alone" gefällt mir, ein netter Popsong, klingt fast wie eine 80er New Romantic Nummer. Dann wieder Songs wie "What she came for" & "Can't stop feeling" kann ich mir schenken, "Can't stop.." auch wieder im 80er Stil, undzwar der altbackensten Sorte. Dann ihr "Lucid Dreams", das Filetstück der LP? Nein. Auch hier fröhnen sie wieder der Psychedelic, gute Ansätze verlieren sich in einem Klangbrei. Viel besser da die zwei feinen Nummern zum Ende der LP, "Dream Again" ist in ähnlichem Stil wie "Fade together" vom vorigen Album, ruhig und mit viel Patina. Erinnert etwas an Syd Barrett, etwas an die Moody Blues. Und der Folksong "Katherine kiss me" klingt wie eine Verbeugung vor Leonard Cohen. Auch Kapranos Gesang ist hier erstklassig. Würd er doch ein wenig öfter so klingen und sich nicht in Pieptönen verlieren wie sonst so oft auf diesem Album. Also, Anspieltipps: "Katherine kiss me" und "Twilight Omens".

Was lässt sich unterm Strich sagen? Ich wählte Worte wie "Nett", "Schön", "Klein" für die besseren Songs. Das heißt nicht, das das Album gelungen ist. Es ist im Vergleich zu den vorigen Alben eine Enttäuschung. Zu oft klingt es so wie manch Früh 80er Band es zum Ende der 80er tat. Oder wie LPs, die 60er Heroen 10 Jahre später machten. Ich meine nicht vom Stil her, ich meine: Etwas abgehalftert. Es misst Energie, die Coolheit ist verkrampft, es ist nicht mehr so locker wie 2004/05. Und das traurigste: Selbst die besseren Songs pushen einfach nicht. Der Treibende Sound, mit dem die Band berühmt wurde ist komplett verschwunden. Mit dem Versuch, irgendwie anders als vorher zu klingen, schufen sie ein Album, das in gewisser Weise nur als bizarr zu bezeichnen ist. Naja, warten wir mal ab wohin die Franz' Reise noch gehen wird, für 2011 ist ja ein neues Album angekündigt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2011 3:15 PM CET


You Could Have It So Much Better
You Could Have It So Much Better
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 8,68

5.0 von 5 Sternen Gut und zeitlos, 8. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: You Could Have It So Much Better (Audio CD)
Franz Ferdinand gelang ein Kunststück, das nicht viele Bands in den 00ern hinbekamen: Ein gelungenes zweites Album.

"You could have it so much better" erschien keine zwei Jahre nach dem Debut und man hat erstmal das Gefühl, die Jungs machen genau da weiter wo sie 2004 aufgehört hatten. Das Album beginnt mit einem perfektem Song nach dem anderen: "The Fallen", "Do you want to", "This Boy"; "Walk Away" - besser gehts kaum. Im weiteren Verlauf gibts dann zwar ein paar Nummern, die mir ein wenig schwächer als die Songs auf dem Debut erscheinen (das Rock'n' rollige "Evil and a heathen" und, der mich irgendwie an die Rocky Horror Picture Show erinnernde Titeltrack), aber unterm Strich passt schon alles. Spritzig, unverkrampft und, ja, lässig. Hervorzuheben natürlich auch "Eleanor put your boots on". Hat schon was von den Beatles (finde die später erschienene, "aufgepeppte" EP Version aber noch um einiges besser). Und nicht nur "Eleanor" hat was von den Beatles, auch "What you meant" atmet etwas den Geist der Fab 4 wenn man genau hinhört. "Fade together" ist wundervoll, sehr Kinks, mit viel Patina. Man kann vielleicht sagen, das "You could have it so much better" nicht "better" als das Debut ist, aber vielleicht sogar mehr catchy und abwechslungsreicher. Und die beiden Singles "Do you want to" und "Walk away" sind meine liebsten FF Stücke! (Hatte "Walk away" damals sogar als Klingelton...).

Etwas Beatles, etwas Kinks, etwas 80er Indie, etwas "Franz Ferdinand Original" - da kann nicht viel schief gehen. Diese Platte gehört ebenso wie's Debut in jede Sammlung. Schade das die Band danach vier Jahre pausierte und mit einem Album zurückkehrte, auf dem sie alles versuchten, "neu" zu klingen - wobei jede ihrer vorigen Tugenden (Lockerheit, Spaß, Drive) flöten ging.


Franz Ferdinand
Franz Ferdinand
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Ein moderner Klassiker, 3. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Franz Ferdinand (Audio CD)
Mann, mann, ist das Ding auch schon bald wieder sieben Jahre alt, kaum zu glauben. Ich seh' "Franz Ferdinand" immer noch als neues Album...Doch nein, es ist von 2004, dem Jahr, in dem es schien, das fast jede neue Band Gold produzierte. Ein Trend, der sich auch im Folgejahr fortsetzen sollte.

Allen voran Maximo Park, die Kaiser Chiefs und halt (etwas eher) Franz Ferdinand waren DIE Bands der Mitt-00er. Mit "Altem" Sound neu aufgemöbelt brachten sie frischen Wind in die britische Indie-Musikszene, die zuvor ein wenig brachgelegen hatte. Fantastische Alben. Doch leider war bei den meisten dieser Bands nach dem Debut die Luft auch schon wieder 'raus, Franz Ferdinand gelang allerdings noch ein sehr gutes Folgealbum. Das Debut jedoch ist ihr Meisterstück, ein moderner Klassiker. Über die Songs brauch ich wohl im einzelnen nicht mehr viel sagen, haben die zig Rezensenten zuvor schon getan. Durchweg vom feinsten! Lässige Songs, die verdammt cool 'rüberkommen. Catchy Melodien mit hier und da ein paar Ecken und Kanten. Klar hat das ganze oft 80er Indie Anstrich (Gang of Four; ein ausreichend bekannter Vergleich, denke ich), aber das seltsame: Trotzdem klingt es frisch - und tut es weiterhin. "Franz Ferdinand" klingt frischer als fast alles, was uns z.b. dieses Jahr angeboten wurde. Von "Jacqueline" bis "40" - hier findet sich kein Lückenfüller. Wundert mich, warum mir das Album damals nach dem ersten Hören nicht so recht zusagen wollte (ok, steckte damals tief im Folk, das mag ein Grund sein).

Also, Franz Ferdinands' Debut ist in der Tat essentiell, ein Album, das man haben sollte, das man haben muß. Und wie gesagt, auch das zweite Album ist recht gelungen - erst nach langer Pause lieferten sie dann 2009 ein Album, auf dem sie auf der Suche nach der Neuerfindung ein wenig die Orientierung verloren haben.


Nothing Worth Having Comes Easy
Nothing Worth Having Comes Easy
Preis: EUR 17,57

3.0 von 5 Sternen Kann man hören, doch weitaus schwächer als das Debut, 1. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Nothing Worth Having Comes Easy (Audio CD)
Naja, im großen kann ich mich dem anschließen, was die anderen Rezensenten schon über das Album sagten. Doch: Ein Fünf Sterne Album ist "Nothing worth having comes easy" nicht.

Nein, im direkten Vergleich zum Debut "About what you know" schneidet das Folgealbum deutlich schwächer ab. Ich will nicht sagen, das es schlecht ist, doch es lässt einfach die Knaller Nummern vom Debut vermissen. Klar sind das weiter die melodischen Gitarrenpop Songs, aber irgendwie fehlt der Kick, alles klingt weniger überzeugend, weniger "aus dem Bauch", weniger inspiriert. Zudem wurde der Sound noch etwas mehr geglättet, und besonders Jon Windle hat stark an seiner Stimme gearbeitet - wodurch ihr was abgeht. Unterm Strich bedeutet das: Nette Indiepop Songs denen das gewisse etwas fehlt, das Etwas, das sie zur Hymne macht, das Etwas, das dein Leben rettet. Wie hier bereits erwähnt wurde ist ein Schuß Ska neu (etwas, das dem Little Man wirklich nicht so recht steht). Die Vorabsingle "What your boyfriend said" ist vielleicht der Song, der dem Debut noch am nächsten kommt. Sonst plätschert viel. Angenehme Klänge, aber wie gesagt... Ah, ja, auf dem Album probiert sich die Band etwas häufiger an Balladen, das vielleicht neu. "Joined by an iPod" klingt für mich wie der Versuch, einen Noel Gallagher Klassiker zu schaffen - will auch nicht so ganz gelingen. Hm, jetzt will ich noch irgendeinen Song nennen, der die anderen überstrahlt, aber mir will einfach keiner einfallen. Alles hält sich zu sehr die Waage.

Gut, jetzt hab ich größtenteils die Nachteile des Albums aufgezählt, aber wie gesagt: Kann man hören, besonders so nebenbei. Und was bedeutet das? Durchschnitt. Ein zweitklassiges, kleines Indiepop Album. Und wenn beim zweiten Album schon die Luft 'raus ist braucht man sich nicht wundern warum sich die Band 2009 auflöste (Sänger Windle ist jetzt Solo unterwegs). Also, Leute, ich finde, Little Man Tates Debut sollte reichen für die heimische Plattensammlung.


About What You Know
About What You Know
Preis: EUR 29,13

5.0 von 5 Sternen Erstklassiges Album, 25. November 2010
Rezension bezieht sich auf: About What You Know (Audio CD)
Auch Little Man Tate kommen aus der "Bandfabrik" Sheffield. Sie waren ja schon 'ne ganze Weile unterwegs ehe dann 2007 endlich ihr Debut erschien. Darauf zu finden eine ganze Reihe "alte" Songs, die die Jungs öfters mal vorher schon live zum besten gegeben hatten, und von denen vier (oder gar fünf?) vorab 2006 als Single veröffentlicht wurden.

Ich wurde auf Little Man Tate durch den Song "What? What you got?" aufmerksam, irgendwann 2006. Starke Nummer, dachte ich mir. Kraftvoll, rauh und doch melodisch. Ließ auf eine "ernste" Band mit Punkrock Einschlag schließen. Doch ganz und gar nicht! Nein, Little Man Tate schwanken irgendwo zwischen Gitarrenpop und Rock, und das wichtigste: Sie haben Humor. Die immer wieder auftauchenden Vergleiche mit den Arctic Monkeys versteh ich eigentlich nicht so, die Ähnlichkeit ist nicht sehr groß, und der Humorfaktor bei den Monkeys ist gleich null. Little Man Tate bieten auf "About what you know" einen ganzen Reigen voll feinstem Britpop wie der geneigte Fan ihn liebt. Nette Geschichten, tolle Melodien und hier und da auch mal ein "Mitgröhl-Refrain". Der Opener "Man i hate your band" ist ein großartiger Song, ein kleiner Klassiker (irgendwann '06 hörte ich mal irgendwo das diese gehasste Band keine geringere als die Arctic Monkeys gemeint ist). Und dann Schlag auf Schlag "European Lover" (aus heutiger Sicht mein liebster Song des Albums), "Sexy in Latin", "This must be love", "House Party at Boothy's", "Who invented this list" - gitarrenbetonter Pop der Sonderklasse! Alles Songs von der Sorte, die man für immer gerne hört. Die nie altern. Viele dieser Songs gabs (wie gesagt) vorher schon auf manch EP in "frühen" Fassungen. Besonders der Sheffield Dialekt des Sängers trat da noch etwas stärker hervor, und manch Ton war noch nicht so geglättet wie es dann auf der LP der Fall war (find die frühen Fassungen teilweise noch besser). Die zweite Hälfte des Albums fällt dann etwas ab, find' ich. Ist die etwas "rauhere" Seite. Highlight hier ganz klar "3 day rule". Soll aber nicht heißen das die anderen Songs nix sind. Nein, nein, einen richtig schlechten Song gibts hier eigentlich nicht.

"About what you know" ist die richtige Musik für die "Indie Disco" oder für die Party zuhaus - uhm, zumindest für meine Partys (deshalb habens alle mit dem Gehen immer recht eilig...). Little Man Tate ließen im Folgejahr noch ein zweites Album folgen (weitaus schwächer, wie ich finde), ehe sie sich dann 2009 auflösten (Sänger Jon Windle hat grad ein Soloalbum vorgelegt). Schade, so bleibt die Band letztlich nicht viel mehr als eine Randerscheinung und wird über kurz oder lang wohl der Vergessenheit anheimfallen). Für jeden der den britischen Gitarrenpop liebt ist "About what you know" soetwas wie Pflicht für die Sammlung. Tolles Album.


Harry Brown
Harry Brown
DVD ~ Sir Michael Caine
Preis: EUR 4,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Caine - Zu cool um nur den Großvater zu geben, 11. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Harry Brown (DVD)
Als großer Fan von Michael Caine erwartete ich "Harry Brown" mit Spannung, auch deshalb, weil Caine in einem Interview mal verlauten ließ das er in diesem Film seine letzte Hauptrolle spielt.

Kurz gesagt: Der Film ist fantastisch. OK, die Story eines Bürgers der es satt hat und das Gesetz in eigene Hand nimmt ist kein bißchen neu, oft dagewesen. Aber hier ist dieser Mann Michael Caine - und das macht es besonders. Für alle die Caine heutzutage hauptsächlich in seinen eher großväterlichen Rollen in den Christopher Nolan Filmen kennen muß seine Erscheinung als "Harry Brown" sehr ungewöhnlich erscheinen. Das ist der Caine der 60er und 70er, der Caine aus Filmen wie "Get Carter". Und als Harry Brown beweist er eindrucksvoll, das er selbst mit 76 Jahren immernoch zu cool ist sich als netten Opa abstempeln zu lassen. Na gut, es mag ein bißchen komisch erscheinen wenn ein fast 80 jähriger mit kriminellen Jugendlichen aufräumt, aber es ist ganz und gar nicht komisch. Es passt. Das mit "Englands Antwort auf Gran Torino" ist in der Tat Unsinn. Eastwood begrub darin ein Klischee, "Harry Brown" hingegen lebt selbiges voll aus. Man könnte sagen: "Britische Neuverfilmung von Ein Mann sieht rot", das passt eigentlich zu 99%. "Ein Mann sieht rot" verfrachtet in eine viel realistischere Welt, einer Welt, die uns Europäern viel glaubwürdiger erscheint. Von der Grundstimmung her und wegen der sehr "echten" Milieuzeichnung fühlte ich mich auch ein wenig an "Für alle Fälle Fitz" erinnert. Und dann war Charles Bronson halt kein Michael Caine. Mann, wie kann man mit fast 80 nur immernoch so verdammt cool sein (besonders mit den Szenen im Gewächshaus der Dealer zaubert Caine mir ein Lächeln in die Visage).

Kommt selten vor das ich neue Filme mehr als einmal gucke, "Harry Brown" hatte ich nun schon vier mal im Player. Kann von diesem Film einfach nicht genug bekommen. Michael Caines Legende lebt - und sollte dies wirklich seine letzte Hauptrolle gewesen sein, dann hat er verdammt gut gewählt.


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