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waxdaddy (Köln)

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Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer
Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer
von Akif Pirinçci
  Broschiert
Preis: EUR 17,80

337 von 606 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht inkorrekt, nicht populistisch, nicht rechts. Einfach nur lächerlich, 7. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ja, ich habe das Buch gelesen.
Nein, ich fand es nicht gut.

Warum?

1. Weil zwischen notwendiger Islamkritik (siehe Hitchens, Abdel-Samad, Kelek u.a.) und Ressentiments (Pirincci) ein Unterschied besteht.
2. Weil Pirincci einfach mal so behauptet, 90 Prozent aller Frauen wollen nicht arbeiten gehen, sondern zu Hause bleiben. Nicht fein, das allen Frauen zu unterstellen. Pirincci macht sich nicht mal die Mühe, das mit irgendwelchen Zahlen zu blegen.
3. Weil der CSD (Christopher Street Day) eine Schwulenparade ist, und Pirincci sich nicht wundern braucht, wenn sich dort zwei Village People gegenseitig einen blasen. Das sind Randphänomene, die Pirincci zur Allgemeinheit stilisiert. Erstens praktizieren Heteros auf jeder drittklassigen Love Parade ebenso öffentlichen Sex. Und zweitens gibt es gegen sowas bereits einen Paragrafen, Stichwort: Öffentliche Ordnung, Erregung öffentlichen Ärgernisses.
4. Weil der inflationäre Gebrauch von Fäkalsprache und Kraftausdrücken weder lustig ist, noch zu tieferen Einsichten führt. Da will einer auf Bukowski machen und hat offensichtlich nicht verstanden, worum es Bukowski ging. Der musste nämlich sein halbes Leben schwerst malochen und hatte es mit Alkis, Prostituierten und Drogenabhängigen zu tun. Pirincci wohnt in einer Bonner Luxusvilla. Ich nehme ihm die künstliche Erregung nicht ab.
5. Pirincci sagt und nichts neues. Im Gegenteil. Er sagt, was sowieso jeder weiß. Aber das Buch wirkt, als hätte es jemand in den Fünfzigerjahren geschrieben, und jetzt erscheint es erst. Wer so wie Pirincci über Homosexuelle, Frauen und Zuwanderer spricht, kommt offensichtlich nicht mit dem modernen Leben klar.
6. Pirincci nimmt jede Verbalausdünstung eines linken, sozialdemokratischen oder grünen Politikers/Parteigängers, bläst sie auf und tut so, als ob eine Mehrheit in diesem Land das gut finden würde. Nein, die Mehrheit macht sich lustig über Gender Mainstreaming, verharmlost nicht den Islam und will Kinder nicht in der Schule eine andere Sexualität aufzwingen. Im Übrigen geht das gar nicht. Man kann die Sexualität eines Menschen nicht zwangsumdrehen.

Außerdem möchte ich noch ein paar Worte an die Leser/Jünger/Anhänger des Herrn Pirincci verlieren:

1. Warum machen Sie sich über jeden Nazivergleich lustig? Ijoma Mangold in der Zeit hat dieses Buch in die Nähe von "Mein Kampf" gerückt. Irgendwelche Spinner sagen, Pirincci wäre ein Hitler unserer Zeit. Das ist natürlich Schwachsinn. Und Sie regen sich zurecht über solche Unsinns-Vergleiche auf. Gleichzeitig haben Sie aber kein Problem, von den "grünroten Faschisten" zu sprechen. Was genauso grober Unfug ist. Entweder verurteilen Sie jeden Vergleich mit dem Reich, oder Sie verwenden ihn selbst - dann müssen Sie das aber auch Ihren Gegnern zugestehen.

2. Viele Leser des Herrn Pirincci, natürlich nicht alle, tummeln sich auf Seiten wie PI-News, die sich vorbehaltlos hinter Israel stellen und antisemitische Verschwörungstheorien zurecht entlarven. Andererseits sprechen Sie von einer "rotgrün versifften" beziehungswiese "rotgrün gesteuerten" Presse. Sie wissen schon, dass Sie damit das gleiche erzählen wie die Antisemiten, die von der "jüdischen Weltverschwörung" und jüdisch gesteuerten Presseerzeugnissen faseln, oder?

3. Warum teilen Sie Akif Pirinccis Kritik am Islam, der unter anderen Frauen und Homos unterdrückt, ergießen sich dann aber selbst nur in Vorurteilen und Klischeebildern über Frauen und Homos. Klar, es gibt einen Unterschied zwischen Saudi-Arabien und den Lesern von "Deutschland von Sinnen". Niemand will hier Homosexuelle an Baukränen aufknüpfen, auch Sie nicht. Aber das wollen die meisten Muslime, zumindest die ich kenne, auch nicht Stattdessen schwafeln sie unentwegt von den Frauen, die viel zu viele Recht genießen und den perversen Homos, die sich natürlich, wie Pirincci auch in seinem Buch beschreibt, allesamt nach Asien fahren, um sich dort von 14-jährigen Jungs einen lutschen zu lassen. Homos sind also auch alle pädophil, zumindest wenn es nach "Deutschland von Sinnen" geht.

Nein, in diesem Buch ist nichts konsistent. Hier werden sprichwörtlich Äpfel mit Birnen verglichen. Nichts passt zueinander. Deutschland von Sinnen beinhaltet einige Punkte, die in Deutschland im Argen liegen. Aber es ist schlecht geschrieben, schlecht argumentiert und unterstellt der Mehrheit der Deutschen, der Medien, der Politiker von Sinnen zu sein. Das ist ausgemachter Blödsinn. Es ist eine Minderheit, von der wir reden. Irre gibt es schließlich überall. Dieser Bodensatz an Sonderlingen gehört zu jeder funtionierenden Demokratie, die sich jeden Tag neu erfinden muss. Wenn Sie keine Irren wollen, gehen Sie nach Pjöngjang, denn dort sind alle auf Linie. Das Abnormale kommt dort, zumindest aus deren Sicht, nicht vor.
Kommentar Kommentare (179) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 20, 2014 11:19 AM CET


Music Is Better Than Words
Music Is Better Than Words
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 14,43

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nostalgie pur, 2. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Music Is Better Than Words (Audio CD)
Mit seiner Kollektion von alten Big-Band-Swing-Nummern und triefenden Schmachtfetzen hat "Family Guy"- Erfinder Seth Macfarlane ein sehr schönes Album aufgenommen.

Macfarlane, über den es heißt er besitze weder Handy noch Computer, bekennt sich offensiv zu seinem altmodischen Lebensstil.
"Music is better than words" ist daher auch völlig unironisch gemeint. Es ist keine Parodie alter Ratpack-Tage. Macfarlane huldigt und würdigt den alten Sängern und Croonern aufrichtig. Was den sonst schon sehr sympathischen Macfarlane noch sympathischer macht.

Ich höre das Album sehr gerne. Tolle Klangqualität, sauber abgemischt. MacFarlanes' Stimme ist wie für diese Musik geschaffen.
Empfehlung für alle, die mit Sinatra, Dean Martin und Ella Fitzgerald was anfangen können.


F
F
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

73 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lauwarm, fast schon kühl, 4. September 2013
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Schade. Ich habe mich sehr auf den neuen Kehlmann gefreut. Doch so richtig wollte diese konstruierte Geschichte um drei Brüder bei mir nicht zünden. Und ich glaube auch zu wissen, warum das so ist.

Daniel Kehlmann gilt als Edelfeder Nummer eins im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Er sagt äußerst schlaue Sachen, hat eine tolle Schreibe und wirkt, wie ich finde, ziemlich nett, so man das aus der Distanz sagen kann.

Da ich bereits viele Kehlmann-Bücher gelesen habe (am besten fand ich sein Debüt "Beerholms Vorstellung", dicht gefolgt von "Ruhm" und erst dann "Die Vermessung der Welt") habe ich mich richtiggehend gefreut auf den neuen Roman.

Als ich zu lesen begonnen habe, war mein erster Gedanke: ja, ein klassischer Kehlmann. Die Sätze kompakt, die Atmosphäre reduziert, in allen Situationen eine angenehme Komik. Und über allem drübergestreut eine Prise Bildung und Wissen. Als Leser mag ich soetwas gerne, man hat das Gefühl, etwas en passant zu lernen. Bei Kehlmann erfährt man in der Tat viel über die ersten und letzten Dinge, über Sinn und Unsinn des Lebens.

Aber so richtig bin ich nicht in die Geschichte hineingekommen. Obwohl ein einfacher Lesefluss und viele gute Ideen, zog sich die Geschichte wie ein Kaugummi. Das ist das Stichwort: Geschichte! Besser noch: Story! Denn das Gefühl, hier eine Geschichte vor sich zu haben, wollte sich bei mir perdu nicht einstellen.

Das ist, wenn man so will, der Fehler dieses Buches - und bei genauerem Hinschauen vielleicht sogar der "Fehler" Kehlmanns. Er erzählt keine Geschichte!
Vladimir Nabokov hat sich einmal abschätzig über Thomas Mann geäußert. Nabokov meinte sinngemäßg, Mann will keine Geschichten erzählen, sondern dem Leser eine Ideologie, ein Weltbild, Philosophie vermitteln. Genau das sei das Problem.

Dieses Problem habe ich mit "F". "F" wie "Fehler" sozusagen. Ich habe nie das Gefühl, dass diese Figuren im Roman echt sind. Ein guter Schriftsteller muss das aber in mir auslösen. Murakami schafft das, Stephen King schafft das, Philip Roth oder Truman Capote schaffen das u.v.a.

Aber zu keiner Sekunde, hatte ich den Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Bei mir stellte sich ein Gefühl von Belanglosigkeit ein. Ein sicheres Zeichen von zweitklassiger Literatur.

Was mir über die ganze Strecke des Buches immer wieder unangenehm aufgefallen ist: Kehlmann befolgt eine der wichtigsten, ja wenn nicht gar DIE wichtigste Regel, erzählerischen Schreibens nicht: Show, don't tell!

Bei Kehlmann wird daraus ein Tell, don't show! Nicht in allen Szenen, aber doch zu oft für meinen Geschmack. Kehlmann zeigt nicht, wie sich seine Protagonisten fühlen, er erklärt es.

Das Buch hinterlässt bei mir ein lauwarmes Gefühl. Ich habe zum Teil jetzt schon die Handlung wieder vergessen. Ein schlechtes Zeichen.

Fazit: Ein äußerst konstruierter, angestrengter und schaler Roman.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 17, 2013 12:29 AM CET


Trouble Will Find Me
Trouble Will Find Me
Preis: EUR 10,97

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phänomenaler Sound, 21. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Trouble Will Find Me (Audio CD)
The National sind ein Phänomen. Der Mainstream-Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, bewegen sie die Jungs aus Brooklyn seit Jahren äußerst gekonnt zwischen Pop und Alternative. Und sie machen das so geschickt, dass man sagen möchte: das ist der Sound der Gegenwart.

High Violet, das letzte Album von The National, war in meinen Ohren nicht unbedingt eine Steigerung zu dessen starken Vorgänger "Boxer" aus 2007. Die beiden Alben hätten auch gut als Doppelalbum durchgehen können - mit einigen wenigen und verkraftbaren Schwächen.

Auf "Trouble Will Find Me" legen sich The National aber gleich in den ersten Nummern dermaßen ins Zeug, entwickeln ihren Sound ein bisschen zum Aufgeblasenen hin, aber so, dass es nie stört oder man die Angst haben müsste, hier entwickeln sich die neuen Coldplay.

Und was ich auch überaus sympathisch finde, dass The National, die ja hin und wieder mit Radiohead verglichen wurden, nicht in schlimme, ungenießbare Klangexperimente ausarten. Es scheint, sie machen alles richtig. Dieses Album ist keine stilistische Weiterentwicklung, aber die Songs sind einfach besser arrangiert. Bitter-süße und auch wuchtige, drückende Klangperlen sind das.


Hasenherz
Hasenherz
von John Updike
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überbewertet, willkürlich, langatmig!, 23. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Nun, was soll ich sagen. Ich habe mich an meinen ersten Updike herangewagt, und das mit viel Vorfreude. Der Autor über den Marcel Reich-Ranicki, Daniel Kehlmann und fast der gesammte deutschsprachige und amerikanische Feuilleton Lobhymnen singen. Der Autor, dem Jahr um Jahr nicht der Literaturnobelpreis zuerkannt worden war und der schließlich im Januar diesen Jahres verstorben ist.

Ich kaufte mir also jenes Buch, welches Updikes Weltruhm begründet hat: Hasenherz oder im englischen Original: Rabbit, Run.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Die Geschichte handelt von Harry Angstrom, aufgrund aüßerlicher Ähnlichkeiten auch Rabbit genannt. Dieser befindet sich gerade in seinen Mittzwanzigern und beschließt von einer Sekunde auf die andere, aus dem gewohnten Alltag auszubrechen. Er setzt sich in sein Auto und fährt, ohne Ziel, hinein in den amerikanischen Kontinent auf der Suche nach sich selbst und irgendwelchen ersehnten Abenteuern.

Leider gelingt es Updike aber weder einen einigermaßen gut durchdachten Spannungsbogen zu schaffen, noch interessiert ihn dabei seine Charaktere oder Sprache verständlich bzw. nachvollziehbar zu gestalten.

Für mich war es eine Qual, Hasenherz zu lesen. Mir erschließt sich die Absicht dieser Geschichte nicht. Es scheint eher so zu sein, als wolle Updike einer kleinen Zunft von Kritikern gefallen, als einer anspruchsvollen und willigen Leserschaft.

Leider erhärtet sich mein Verdacht, nobelpreiswürdige Literatur müsse unlesbar sein. Wie schade, da es doch so große Autoren wie Thomas Mann, Garcia-Marquez, Camus, Canetti allesamt mit anspruchsvoller, aber ebenso gutleserlicher Schreibe zum Nobelpreis gebracht haben.

Zwei Sterne für die teilweise gelungenen Dialoge.


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