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Rezensionen verfasst von
J. Huber (Wien)
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Apocalypse No!
Apocalypse No!
von Bjoern Lomborg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,00

12 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fortschritts-Litanei und Weltflucht, 12. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Apocalypse No! (Gebundene Ausgabe)
Die Welt des Björn Lomborg, das sind die Zahlen! Mit Statistiken und Zahlen ist er bemüht, sein Weltbild zu untermauern. Er verfährt dabei streng nach dem Motto: "Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen."
Was kommt, ist eine Hymne an die Technik, ein Lobpreis des Fortschritts. Die Schattenseiten der Technik, soferne diese Erwähnung finden, werden stets reflexartig und systematisch in den Hintergrund gestellt, und es wird betont, wie sehr die Vorteile überwiegen.
Der Autor spricht gerne von der "wirklichen Lage der Welt", von "Grundtatsachen" und führt dem Leser vor, wie sich mit Zahlen und Statistiken selbst die haarsträubendsten Behauptungen beweisen lassen.

Kleine Probe gefällig?

S. 93: "Wir sind häufig der Meinung, daß sich das Leben in den Entwicklungsländern verschlechtert und daß der Anteil der Armen zunimmt. Die Fakten belegen eindeutig das Gegenteil."

S. 102: "Mit unseren höheren Einkommen können wir öfter essen gehen und noch mehr Zeit einsparen [...] Zur gleichen Zeit wurden die relativen Lebenshaltungskosten immer niedriger, weil wir einerseits mehr verdienen und weil andererseits die Lebensmittelpreise seit 1957 um zwei Drittel gesunken sind."

S. 143: "Grundsätzlich sind die Wälder jedoch nicht in Gefahr. Historisch gesehen sind überhaupt nur etwa 20 Prozent des Waldes verschwunden. [...] Die Entwicklungsländer gehen mit ihren Wäldern gelegentlich gedankenlos und unverantwortlich um, aber dem ist am besten mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum beizukommen, das die ökonomische Grundlage für langfristiges Denken schafft."

S. 164: "Wie sich gezeigt hat, bewegen wir uns eindeutig nicht auf eine Energiekrise größeren Ausmaßes zu. Es ist im Gegenteil jede Menge Energie vorhanden. Zwar verbrauchen wir immer mehr fossile Energie, aber wir finden noch weitaus mehr, als wir verbrauchen."

S. 185: "Fassen wir zusammen: Mehr als 96 Prozent der Weltbevölkerung ist zur Zeit ausreichend mit Wasser versorgt. Auf sämtlichen Kontinenten hat die Pro-Kopf-Verfügbarkeit von Wasser zugenommen"

S. 195: "Wir sehen in der Luftverschmutzung meist ein modernes Phänomen, das neuerdings immer schlimmer wird. Wie sich im folgenden zeigt, war die Luft aber in der westlichen Welt lange nicht mehr so sauber wie heute."

S. 383: "Unsere Meere sind nicht verdreckt, unsere Flüsse sind sauberer geworden und bieten mehr Lebensraum ..."

S. 384: "Und schließlich sind unsere Chemieängste und die Befürchtungen bezüglich der Auswirkungen von Pestiziden unangebracht und kontraproduktiv. Erstens würde der Verzicht auf Pestizide wahrscheinlich Ressourcen verschwenden und mehr statt weniger Krebserkrankungen verursachen."

Es gibt offenbar einen mächtigen Bedarf an dieser Schönfärberei. Verschafft der Griff nach dem dargereichten Strohhalm doch unerhörte Erleichterung: Viele Rezensionen hier geben Zeugnis davon.

Sogar auf seinem selbstgewählten Terrain, der Welt der Zahlen, mißrät dem Autor vieles, so z.B. S. 151: "Der hohe Ölpreis 1973 bis Mitte der achtziger Jahre wurde durch eine künstliche Knappheit erzeugt [...] Bis 2020 soll laut US-Energieministerium der Preis wieder sinken, von 27 auf 20 US-Dollar oder unwesentlich darüber. Diese Erwartung bewegt sich im Mittelbereich der 17 bis 30 US-Dollar, die acht weitere internationale Studien erst kürzlich prognostiziert haben. Es ist unwahrscheinlich, daß die langfristige Preisentwicklung von diesen Voraussagen in nennenswertem Maße abweichen wird, ganz einfach deshalb, weil hohe Preise zu einer Einschränkung des Verbrauchs führen. [...] Zugleich verfügen wir, wie Abbildung 66 dokumentiert, über mehr Ölreserven als je zuvor."

Der Autor hat sich durch dieses Buch grundlegend diskreditiert. Aber jene, die durch diese Art von Wirklichkeitsverleugnung und Schönrederei in Euphorie und Ekstase geraten, werden sicherlich nach dem neuen Wurf des Autors greifen: "Cool it".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 27, 2014 12:22 PM CET


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