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Herr Odes "hdpi"

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Der Distelfink: Roman
Der Distelfink: Roman
von Donna Tartt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Möchtegern-Epik, von der nichts bleibt, 31. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Für ein Werk von solch umfangreichen Ausmaßen ist es dann doch ernüchternd, wie wenig einem im Gedächtnis verbleibt, sobald man die 1000 Seiten erst mal gelesen und den Buchdeckel nach den letzten Sätzen wieder zugeschlagen hat. Da war doch was mit einer Explosion und einem Bild, zugedröhnten Jungs in Vegas, bisschen Möbel polieren in NY und schließlich Ballerei in einer Tiefgarage irgendwo bei Amsterdam. Ach ja, und dann noch eine banale Predigt über den tieferen Sinn unseres Daseins. Ende gut, alles gut.

Leider nein. Denn Donna Tartt bietet dem Leser auf so vielen Seiten sehr wenig an gehaltvollem Inhalt oder auch nur nachdenkenswertem Kopfkino. Sobald man nämlich sein Hirn beim Lesen nicht ausschließlich auf Standby schaltet, löst sich der Erzählteppich sehr schnell in die Versatzstücke eines reichlich konzeptlos zusammengeschusterten Flickwerks auf, das von Donna Tartt zwar durchaus fesselnd über die lange Distanz gebracht wird, dem es aber zu jeder Zeit an Tiefe und Glaubwürdigkeit fehlt. Die Protagonisten, die gewählten Orte, die einzelnen Storyelemente - alles wirkt konstruiert, oftmals erzwungen, und leider zu oft auch nicht nachvollziehbar.

Ich finde es schade, wie wenig Donna Tartt mit dem Distelfink abliefert. Denn alles das, was sie dank ihres Talents, anspruchsvollere Belletristik zu schreiben, aufbaut - und ich meine hier vor allem die Technik des Erzählens, die Dialogführung, den Spannungsaufbau -, wird zugleich durch die krude Story, schablonenhafte Charaktere und oftmals an der Oberfläche verbleibende Erzählstränge wieder entwertet, der Eindringlichkeit und auch der Nachhaltigkeit beraubt. So bleibt ein kurzweiliger Spaß, der trotz der ausschweifenden Länge wie Fast-Food schmeckt. Beim ersten Reinbeissen eine geschmacksintensive Dröhnung, von der nach dem Runterschlucken nur ein fader Nachgeschmack bleibt.


Der Trafikant
Der Trafikant
von Robert Seethaler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unauthentisches Possenspiel vor geistlos verharmlosender Kulisse, 4. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Trafikant (Taschenbuch)
Leser, die eine tiefgründige und glaubwürdig erzählte Geschichte erwarten, seien gewarnt. Außer einem leidlich sympathischen und bemüht bodenständigen Stil hat Herr Seethaler nur wenig zu bieten. Tatsächlich muss sich der Autor den Vorwurf des Kalküls gefallen lassen, da dieser Roman de facto so wenig an Gehalt bietet, dass man den historischen Hintergrund sowie die lose und absurd belanglose Verflechtung mit der Personalie Freuds schnell als Aufhänger für eine alberne und inhaltslose Schmonzette entlarvt. Die Trafik, Freud, das Dritte Reich und seine verheerenden Auswüchse in der damaligen Zeit sind dabei nur Kulisse. Diese Art der Geschichtsverblödelung und Verharmlosung sind schon etwas bedenklich, vor allem wenn man bedenkt, welche Literatur es zu diesem Thema und auch zu jugendlichen Hauptakteuren zu lesen gibt, die sich zum Zeitpunkt der Geschichtsschreibung im gleichen Alter wie Seethalers Protagonist Franz Huchel befunden haben. Welche Motivation wird Herr Seethaler wohl verspürt haben, so etwas auf den Markt zu werfen?

Ein kleines Buch, das man nach dem Lesen schnell und beschämt wieder aus der Hand gibt, und das sich in seiner Bedeutungslosigkeit nahtlos einreiht in die anderen Werke desselben Autors.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 25, 2015 6:50 PM CET


Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell
Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell
von George R.R. Martin
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,00

2 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fantasy-Soap ohne jeden Tiefgang, 28. Februar 2015
Eigentlich muss jede Rezension zum Hauptzyklus von G.R.R. Martin vernichtend ausfallen. Ein Blick auf die aktuelle Ausgabe genügt. Wie fast alle Bücher von Blanvalet besticht auch diese Reihe durch geschmacklose Aufmachung, billiges und haptisch nur wenig ansprechendes Papier, gruseliges Schriftbild und nicht zuletzt eine eingedeutschte Namensgebung, die hier nicht zu Unrecht bereits hohe Wellen geschlagen hat. Auch die Veröffentlichungspolitik sucht an Dreistigkeit der Geldmacherei ihresgleichen. Somit deckt sich das Äußere, Oberflächliche sehr gut mit dem trivialen Inhalt.

G.R.R. Martin hat sich das clever ausgedacht. Er mixt bisschen Fantasy mit Familienintrigen und Macht-Rangeleien und bietet dem Leser häppchenweise den Fortgang der Geschichte aus der Sichtweise der einzelnen Akteure. So sind also die einzelnen Kapitel immer den jeweiligen Figuren zugeordnet, die für diesen Abschnitt im Mittelpunkt der weiteren Story-Entwicklung stehen. Am Ende der Kapitel wird meist noch ein kleiner Cliffhanger eingebaut, damit der Leser auch ja den Anreiz verspürt, weiter zu lesen, auch wenn die Geschichte zunächst mit einer anderen Person fortgesetzt wird.

Das Konzept entspricht somit dem einer trashigen Soap, wie wir es z.B. von GZSZ und Konsorten bereits bis zum Abgewöhnen kennen. Game Of Thrones schlägt erschreckend unoriginell in genau dieselbe Kerbe. Auf hunderten von Seiten geschieht ultimativ wenig, aber das, was sich zuträgt, wird einem dermaßen dröge und albern dargeboten, dass hierfür fast ein neues Genre, nämlich dasjenige der Fantasy-Vergackeierung, ins Leben gerufen werden muss.

Es ist das elementare Versagen von G.R.R. Martin, dass er in sprachlicher Hinsicht in keinster Weise über die Fähigkeiten verfügt, qualitativ hochwertige Fantasy zum Leben zu erwecken. Dort, wo beispielsweise Tolkien ein Universum und eine Welt vor dem geistigen Auge entstehen läßt, serviert uns Martin bestenfalls eine Landkarte in schwarz-weiß. Dazwischen liegen Welten an Unvermögen. Traurig aber wahr. Außer einer langatmigen, konstruierten und dennoch auf jeder Seite vorhersehbaren Abfolge von Ereignissen bietet G.R.R. Martin dem Leser nichts, rein gar nichts, was Anreiz sein könnte, sich über das Gelesene zu erfreuen und atemlos dem zu folgen, was uns hier vorgesetzt wird. Das Lied von Eis und Feuer entbehrt vor allem einer Seele, Originalität, Stil und Epik. Drei Bände habe ich bislang gelesen, meistens auf der Toilette unserer WG, denn dort stehen einige dieser Machwerke, und mit jeder einzelnen Seite hätte ich mir genausogut den Hintern abwischen können. EPISCH!

Wie so viele andere Epigonen einer pseudoliterarischen Moderne versteckt sich Grrrrrr Martin hinter der konzeptionellen Struktur seiner Saga. Es mag für ihn günstig sein, stets die Perspektive und den Fokus im Rahmen der personenbezogenen Kapitel zu wechseln. Auch für den Leser birgt das grundsätzlich eine Abwechslung, die es zunächst nicht zu kritisieren gilt. In dem Moment, in dem jedoch regelmäßig maßgebliche Ereignisse dann aus dem Off bzw. durch die Nacherzählung anderer Personen quasi indirekt wiedergegeben werden, stellt sich die Frage, wieso gerade solche Szenen nicht aus der psychologisch so viel gehaltvolleren Perspektive der jeweiligen Hauptakteure geschildert werden. Wohl aus demjenigen Grund, dass Grrrr Martin gar nicht in der Lage ist, derartiges sprachlich niederzuschreiben. Stattdessen wählt er immer wieder banale Augenzeugenberichte Dritter in solchen Fällen und verbleibt damit - getreu der gesamten Ausrichtung dieses Machwerks - an der belanglosen Oberfläche.

Die Herren von Winterfell und all die Nachfolger sind ein schönes Beispiel für Bücher auf der Bestenliste des Spiegels. Triviale, nichtssagende Zeitfresser, die zumindest einen hübschen Aufkleber auf dem ansonsten hässlichen Cover prangen haben. Ein Buch für die dumpfe Masse. Stupide und bedeutungslos. Literarisch nichtssagend und durchweg unoriginell. Jeder Charakter so platt wie ein zertretener Kaugummi auf dem Asphalt, jede Handlung so vorhersehbar wie die Witze einer Büttenrede. Keine Fantasy sondern bestenfalls ein episches Fiasko von fantastischen Ausmaßen. Abschreckend und nicht empfehlenswert. Es sei denn, man hat Lebenszeit zu verschenken. Aber da draußen warten noch so viele GUTE Bücher...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 5, 2015 8:56 PM CET


Der scharlachrote Buchstabe: Roman
Der scharlachrote Buchstabe: Roman
von Nathaniel Hawthorne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Buchstabe im Auge Gottes, 22. Februar 2015
Unbestritten zählt 'A Scarlet Letter' zu den berühmtesten und in seiner symbolträchtigen und bildgewaltig düsteren Metaphorik auch zu den geheimnisvollsten Werken der Weltliteratur. Zugleich steht es vom Erscheinungszeitpunkt her (1850) vereinzelt und bis auf ganz wenige Ausnahmen, wie vielleicht noch Melvilles Jahrhundertroman 'Moby Dick', fast für sich alleine für den Ausgangspunkt der literarischen Moderne Amerikas.

Dieses Werk hat auch heute noch nichts von seiner finsteren Faszination, dem Gewicht des puritanischen Alpdrucks und der psychologischen Raffinesse verloren. Es widmet sich im Mikrokosmos eines überschaubaren Personenkreises der Siedlergesellschaft Bostons von 1642 der maximalen Bandbreite gesellschaftlichen Konfliktpotenzials. Meisterhaft seziert Hawthorne darin das puritanische Sittenbild des 17. Jahrhunderts und die Wirkungsweise von Intoleranz, gesellschaftlicher Ausgrenzung und religiöser Obsession.

Es ist aber nicht der anprangernde Zeigefinger, der sich hier schwer und moralinsauer auf die im Fokus stehenden Mißstände legt, sondern es sind vielmehr die leisen Töne, mit denen Hawthorne so virtuos auf der Klaviatur der zwischenmenschlichen Sehnsüchte spielt, stets oszillierend zwischen Moral und Leidenschaft, Schuld und Buße, gesellschaftlichen Zwängen und Selbstbestimmung.

All die sprachliche Finesse und Tiefgründigkeit kommt mit dieser Neuauflage des Klassikers bei Hanser um so mehr und - literarisch gesehen - um so betörender zur Geltung. Die Neuübersetzung von Jürgen Brôcan ist famos, denn sie vereint Werkstreue und historische Genauigkeit mit Modernität dank sensibler Anpassungen und dem Wissen um sprachliches Einfühlungsvermögen. Hier fehlt 'Das Zollhaus' als Einleitung und wichtige Brücke der Zeitebenen zwischen Erzähler und Erzähltem ebensowenig, wie eine interessante und aufschlußreiche Kommentierung zum Ende des Bandes.

Auch wenn aufgrund einer immerfort wachsenden Sekundärliteratur deutlich wird, dass der vollumfänglichen Interpretationsmöglichkeiten dieser 'Phantasie' keine Grenzen gesetzt sein mögen, darf kein Zweifel im Kern der Sache bestehen: Beim 'Scharlachroten Buchstaben' handelt es sich um große Weltliteratur, die es mehr als wert ist, gelesen zu werden.


Haus der Stummen: Roman
Haus der Stummen: Roman
von John Burnside
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Blick in den Abgrund einer schwarzen Seele, 3. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Haus der Stummen: Roman (Gebundene Ausgabe)
John Burnsides Debüt liefert ein in nicht wenigen Details auch für den Leser schmerzvolles und abstoßendes Psychogramm einer kranken Seele, eines fehlgeleiteten selbsternannten Forschers und Wissenschaftlers, der sich auf seine ganz eigene infantile und durch mütterliche Märchenstunden geprägte Sicht der Dinge dem philosophisch-wissenschaftlichen Ziel verschreibt, den Sitz oder auch die Beschaffenheit der Seele ausfindig zu machen. Aufgrund der Annahme, dass vor allem die Sprache, mit der wir Dinge in der Außenwelt voneinander unterscheiden und uns auch selbst als Individuen in der Welt identifizieren, hierbei eine wichtige Rolle spielt, installiert er ein einzigartiges Experiment, in dem er neugeborene Zwillinge separiert und ihre Sprachentwicklung ohne weitere Einflüße von außen beobachtet. Doch das Experiment schlägt fehl, und 'Luke', wie der Protagonist an einer Stelle des Buches auch genannt wird, sieht sich zu finalen Konsequenzen, das Projekt betreffend, genötigt...

Tatsächlich nimmt dieses Experiment, von dem schon auf dem Klappentext die Rede ist, nur einen geringen Teil des Romans ein. Vielmehr steht im 'Haus der Stummen' die Entwicklung des Protagonisten vom Kind über den Heranwachsenden bis zum jungen Mann und 'Forscher' im Vordergrund. Denn Schritt für Schritt führt uns Burnside mit klinisch kühler Sprache in die morbid-finstere, emotionslose und abschreckende aber zugleich auch höchst faszinierende Welt seines Ich-Erzählers ein. Durch die Augen dieses Soziopathen nehmen wir teil an Kadaveruntersuchungen, Vivisektionen, wir tauchen ein in feucht schwülstige Naturerfahrungen, ritualisierte Sex-Spielchen, und werden Zeuge mitleidloser und kaltblütiger Gewaltexzesse.

Trotz brutalster Nüchternheit und steriler Kälte, mit denen der Ich-Erzähler sein Vorgehen beschreibt und kommentiert, verbleibt der Leser aber nicht ohne Motivhinweise für das Handeln und die Prägung des Protagonisten zurück. Dass das 'Haus der Stummen' nicht in die Trivialität einer abgeschmackten Norman Bates Variante zurückfällt, verdankt sich primär Burnsides literarischer Souveränität sowie seiner thematischen Radikalität. Die leidenschaftslos kühle, nüchterne und doch bis ins kleinste Detail klar herausziselierte Beschreibung diverser im Volksmund vielleicht gemeinhin mit Abartigkeit bezeichneter Handlungen und Erlebnisse jagt dem Leser bisweilen unheimliche Schauer der Widerwärtigkeit über den Rücken. Dennoch sind diese Erlebnisse in einen fiktiven biographischen Hintergrund eingebettet, nämlich der Entwicklungsgeschichte dieses selbsternannten Forschergeistes, und so wirken all die Grauenhaftigkeiten weniger um ihrer selbst willen plakativ und aufgesetzt als vielmehr in ihrer unabwendbaren Abfolge notwendig und ausweglos.

Leser, die sich von abseitigen Themen nicht abschrecken lassen, und die das Standvermögen haben, auch mal einen tiefen Blick in den menschlichen Abgrund zu wagen, werden ihre Freude an Burnsides 'Haus der Stummen' haben. Dies ist eine wahrlich willkommene Abwechslung im Einerlei belletristischer Belanglosigkeiten der Spiegel Bestsellerlisten. Ein Buch gegen den Mainstream und gegen all die orientierungslosen Querleser-Hipster, die Wohlfühl-Kuschel-Schreibe mit Anspruch und Eigenständigkeit verwechseln.


Der letzte Weynfeldt
Der letzte Weynfeldt
von Martin Suter
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der letzte Suter, 28. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Weynfeldt (Broschiert)
Herr Suter wirft in einer erschreckenden Regelmäßigkeit Bücher auf den Markt, dass man sich als Leser fragen muss, was es denn wohl alles so interessantes zu erzählen gibt. Liest man dann hinein in seine Bücher, stellt man sehr schnell fest, dass Qualität eben nur selten mit Quantität einhergehen kann. Der 'Weynfeldt' ist dabei ein ganz besonders trauriges Beispiel in der Büchervita dieses Schreiberlings. Selten habe ich ein Buch gelesen, das sprachlich wie inhaltlich so nichtssagend ist. Der Stil ist zwar charmant unprätentiös, gewährleistet per se aber noch keinen Lesegenuß. Hinzu kommt eine Geschichte, die von Anfang bis Ende banal und vorhersehbar ist. Null Inspiration, null Einfallsreichtum - gewürzt mit minimalem Witz. Aber NULL multipliziert mit ganz wenig, ist immer noch NULL. Dreihundert Seiten Belanglosigkeit. Letztendlich bleibt keine einzige Szene dieses Buches im Gedächtnis haften. Einzig das Gähnen bleibt einem noch eine Zeit lang wie ins Gesicht gemeißelt. Zeitvergeudung par excellence. Wer unbedingt Lebenszeit verbrennen möchte, sollte ein Nickerchen machen. Das ist ergiebiger.


Liebeswahn
Liebeswahn
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bestenfalls als Gute-Nacht-Lektüre geeignet, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Liebeswahn (Taschenbuch)
McEwan wird nachgesagt, er sei ein guter Schriftsteller, und sicherlich geben ihm die Verkaufszahlen seiner Werke zumindest in finanzieller Hinsicht recht. Sprachlich, inhaltlich und erzähltechnisch konnte mich aber auch 'Liebeswahn' nicht mal ansatzweise überzeugen. Dafür wirkt die Geschichte auf mich einfach zu sehr konstruiert und in ihrer Hinführung auf eine finale Eskalation gewollt. Als Leser wusste ich stets, was mich erwartet. Schlimmer noch: Ich hatte meist das Gefühl, dass es McEwan am schriftstellerischen Format fehlt, auch mal leise Zwischentöne anzuschlagen. Stattdessen muss es immer großes Kino sein. Man nehme nur die missglückte Eröffnungsszene des Ballondramas. Die Entschleunigung der Darstellung und Extrapolation von Raum und Zeit mittels einer maßlos detailgetreuen Darstellung der szenischen Entwicklung wirkt unglaublich selbstgefällig und dem ''Event'' nicht angemessen. Zudem raubt der minutiös berichtende Charakter dem Leser eine primäre Lesefreude, nämlich die Eigenkreativität subjektiven Kopfkinos. Noch dazu ist dieses Stilmittel 'literarischer Bullet-Time' unglaublich abgegriffen. Immerhin bleibt McEwan sprachlich durchschnittlich und unauffällig, so dass man nicht auch noch von stilistischen Sperenzchen genervt wird.

Solchen formulierungswütigen Bestandsaufnahmen stehen dann wiederum psychologisch zu kurz gegriffene Andeutungen und Analysen gegenüber, die zwar ein müßig Popcorn mampfendes Fernsehpublikum zufriedenstellen mögen, nicht jedoch einen halbwegs interessierten und noch nicht dem Tiefschlaf anheim gefallenen Leser, welcher eben nicht bei simpler Nennung des Begriffs 'Clerambault-Syndrom' in ehrfürchtige, kopfnickende Schockstarre fällt. Auch die im Anhang nachgeschobene Studie hierzu ist doch etwas mager und kann nicht verbergen, was der Geschichte per se fehlt: Glaubwürdigkeit.

Es ist schon dreist, wie McEwan seinen Joe Rose hier instrumentalisiert, um immer wieder laienhafte Exzerpte pseudowissenschaftlicher Themen zu platzieren. Auch wenn dadurch die mediokre Profession des Protagonisten untermauert werden sollte/könnte, empfand ich diese Ausführungen darüber hinaus als nichtssagend und die zugegebenermaßen sehr simple Handlung streckend.

Letztendlich sind dann selbst die Szenen, die durch ihre Bizarrerie komisch wirken sollen (z.B. die Episode um den Waffenkauf), aufgrund ihrer altmodisch und bemüht 'freakigen' Art nur eines: Anbiedernd. Wie oft haben wir solche Szenen schon in schlechten Filmen gesehen? Zu oft! Die Typen, die Szenen, die Handlung... alles Schema F. Wie langweilig.

Was bleibt denn nun übrig von diesem Buch? - Fast nichts. Denn nicht nur das Trauma eines solchen Unfalls wird - bis auf das Küchengequatsche - wirklich tiefgründig beleuchtet. Genauso verhält es sich mit der Beziehung und dem Liebeswahn. Die Aktionen der Figuren bleiben nicht nachvollziehbar. Und wenn die Beziehung so gut war, wieso fällt dann alles so schnell in sich zusammen? ... Und ist der Schritt unseres kühlen Rationalisten Joe Rose wirklich so zwingend, dass er sich nach dem vermeintlichen Anschlag dazu genötigt fühlt, über den Kontakt eines uralten 'Freundes', den er zwanzig Jahre nicht gesehen hat, eine Waffe zu kaufen? - Na, Hauptsache es wird dann auch noch damit herumgeballert... Gähn. Eine gute Gute-Nacht-Lektüre. Mehr nicht. Das ist mir immerhin einen Stern wert.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 26, 2015 3:23 PM CET


Conan
Conan
Wird angeboten von dvdseller24
Preis: EUR 44,97

3.0 von 5 Sternen Der Tod ist billig in Hyboria, 7. September 2013
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Conan (Videospiel)
Ein bisschen Mitleid hatte ich dann schon mit dem legendären Barbaren, denn in diesem trashigen NoBrainer Slasher aus dem Jahr 2007 sieht sein virtuelles Ich eher wie eine abgehalfterte Transe aus. Die Zeit geht eben an niemandem spurlos vorüber. Deswegen wirken heutzutage nicht nur die Charaktermodelle in Conan etwas erbärmlich, sondern generell spart das Game an grafischer Pracht. Da sehen selbst die GoW-Teile aus der PS2-Ära besser aus.

Grafik ist aber bekanntlich nicht alles, und Conan spielt sich dafür erfrischend oldschool-derbe. Barbarisch primitiv hackt, schlägt und metzgert man sich fröhlich durch äußerst geradlinige Level, in denen immer wieder dieselben strunzdummen Gegner ohne Rücksicht auf eigene Verluste auf einen zustürmen. Das macht zunächst wirklich Laune und hat B-Movie-Flair. So levelt man sich mühelos nach oben und lernt für die verschiedenen Waffen (einhändige Waffen mit Schild, Zweihänder, Doppelschwerter, usw.) jede Menge gemeiner Kombos, z.B. den Juwelenschnitzer, bei dem man einem Gegner zuerst in den Unterleib tritt, bevor man den strauchelnden Knilch danach mit dem Zweihänder durch einen erbarmungslosen Finisher massakriert.

Auch wenn die bescheidene Anzahl verschiedener Gegner und die schlauchigen Levels wenig Abwechslung versprechen, so ist diese doch durch die verschiedenen Tötungsarten geboten, die Conan zur Verfügung stehen. Nicht nur können diverse von Feinden fallengelassene Waffen verwendet werden, sondern auch anderweitige Umgebungsdetails lassen sich zum Aufspießen und Köpfen usw. der Gegner nutzen. Mit Gore und Brutalität wird in der unzensierten Fassung zu keiner Sekunde gespart.

Besonders willkommen waren mir die vollbusigen Jungfrauen, die man immer wieder befreien darf. Meistens kläglich festgebunden und nur mit einem kleinen String bekleidet, wollen diese nach der Befreiung sofort ihre Zuneigung für unseren Barbaren unter Beweis stellen. Doch oftmals hört man dann ihre erschreckten Ausrufe: Wo sind meine Kleider? - Tja. Nicht nur der Tod ist billig in Hyboria.

Fazit:
Conan spielt sich wie ein B-Movie. Die Handlung, die Kulissen, die Akteure… alles trashig. Auch wenn die Action nicht gerade fordernd ist, hat es mir dann aber doch Spaß gemacht. Vor allem nach einem nervenaufreibenden Arbeitstag mit einer Flasche Bier auf der Couch. Ein NoBrainer, den ich all denjenigen empfehlen kann, die sich immer mal wieder gerne eine hirnlose Schlachtplatte reinziehen, und denen Grafik UND ALLES ANDERE nicht so wichtig ist.


Fiese Kerle?: Unterwegs mit Aufreißern. Ein hautnahes Experiment.
Fiese Kerle?: Unterwegs mit Aufreißern. Ein hautnahes Experiment.
von Clarisse Thorn
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenn die Biologie zum Game wird..., 9. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Spätestens mit dem großen Erfolg von 'Die perfekte Masche' ist die PUA-Szene auch in Deutschland im Mainstream angekommen. Da verwundert es schon ein bißchen, dass es im deutschsprachigen Raum nicht allzu viele und v.a. qualitativ gute Bücher zu diesem Thema gibt. Clarisse Thorns 'Fiese Kerle?' kann diesbezüglich leider auch keine positiven Impulse setzen. Hauptproblem ihrer 'Studie' ist, dass sich ihr Experiment wie eine verschwurbelte Melange aus PUA, BDSM und Feminismus liest. Es fehlt aber an Struktur, analytischer Herangehensweise und einer zumindest ansatzweise wissenschaftlichen Fundierung (z.B. im Sinne einer seriösen sozialpsychologischen Interpretation).

Zugegeben: Thorns subjektive und stets selbstreflektierende Herangehensweise liest sich durchaus sympathisch, leider verbleibt alles im experimentellen, unausgegoren Verquasten. So gewinnt man u.a. den Eindruck, PUA würde sich stets auch irgendwie zu Feminismus und (eingeschränkt) BDSM positionieren (müssen). Dies sind aber lediglich die Interessensschwerpunkte der Autorin. Hinzu kommen von Thorn aufgestellte Kategorisierungen, z.B. im Hinblick auf verschiedene PUA-Typen, die nur aufgrund von Thorns eigenen Erfahrungen in einer lokal eingeschränkten Szene begründet werden, ... oder abgeleitete Interpretationen aus persönlichen Affären mit Pseudo-PUAs, die dann wiederum für Generalisierungen herhalten müssen.

'Fiese Kerle?' kann zwar dennoch durchaus einen Einblick in die Szene geben, die Perspektive ist aber m.E. bestenfalls als schräg zu bezeichnen. Gerade die massive Einbindung der zugegebenermaßen dämlichen Termini Technici für strategische Aufriss-Strategien zeichnet ein äußerst artifizielles Bild der PUA-'Community'. Dabei mag man dann schon mal den Fokus verlieren, um was es eigentlich geht: Es geht nämlich schlichtweg darum, Frauen erfolgreich anzuquatschen und abzuschleppen. Moral hin oder her. Das Abschleppen ist primär das Ziel. Ein mancher mag nun denken, dass das doch nicht so schwer sein kann. Bisschen dumm daher labern und dann Hose runter. Alles easy, usw... Aber einige Menschen haben nun mal Probleme damit. Eigentlich sind diese Personen die relevante Zielgruppe in den PUA-Seminaren. Aber es gibt auch andere, die solche Techniken ebenfalls nutzen wollen, um noch erfolgreicher im Hinblick auf die Abschlepp-Quote zu werden, usw... Nicht zu unrecht stellt Thorn hier die Frage, inwiefern es sich dann um Manipulation handelt, die nur dazu betrieben wird, Frauen auszunützen und ein Spiel (The Game) zu spielen.

Inwiefern Menschen miteinander interagieren, welche Symbole, Gesten und Zeichen sie geben/austauschen, ist dabei kein neues Thema in der Psychologie/Sozialpsychologie/Soziologie. Schade, dass Clarisse Thorns Experiment hier lediglich an der Oberfläche verbleibt. Generell liest sich 'Fiese Kerle?' eher als ein endlos gestreckter Internet-Blog. Das mindert die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft im Hinblick auf eine kohärente Entwicklung von Thesen und Argumenten. Stattdessen geht es kreuz und quer. Letztendlich verbleibt die Thematik im Belanglosen. Die Aufzählung der unterschiedlichen PUA-Techniken mit ein bisschen verquirlter persönlicher BDSM-Erfahrung und Sex-Sperenzchen ist dann doch zu wenig. Und dies ist das Schlimmste, was geschehen kann, dass man sich nämlich beim Lesen bereits die Frage stellt: Wieso soll ich mir das überhaupt antun? Was wird eigentlich vermittelt, das auch nur ansatzweise interessant und weiterführend ist?

Letztendlich scheitert Thorn am eigenen Anspruch. Im Untertitel bezeichnet sie ihr Werk als 'hautnahes Experiment'. Als solches betrachtet ist es sicherlich nett zu lesen. Ein Erlebnisbericht oder ein Roman wäre hier angebrachter gewesen. Aber was bleibt übrig, abgesehen von der stets subjektiven Willkür ihrer Ausführungen? Persönliche Einflüsse mögen in ihren Kontexten die Wirkung zeigen, die man sich erhofft. In diesem Fall entsteht leider ein sehr zwiespältiges Bild, das lediglich einzelne Fragen im Rahmen der PUA-Thematik aufwerfen kann, ohne jedoch seriöse und glaubwürdige Antworten zu liefern.


Slowenien: 53 Touren zwischen Julischen Alpen und Adriaküste. Mit GPS-Daten
Slowenien: 53 Touren zwischen Julischen Alpen und Adriaküste. Mit GPS-Daten
von Evamaria Wecker
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Slowenien erleben, 7. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Slowenien mag den meisten wohl eher als Durchreiseland Richtung Kroatien bekannt sein. Ein Blick auf die Karte verdeutlicht dann aber schnell, was dieses relativ kleine Land v.a. für Bergsteiger und Wanderfreunde für Schätze bereit hält. Die Julischen Alpen und der Triglav Nationalpark, der Karst, die Karawanken, die Steiner Alpen... Da weiß man zunächst gar nicht, wohin man sich wenden soll!

Entsprechend den verschiedenen Gebirgszügen gibt es neben dem hier von Evamaria Wecker im Bergverlag Rother im Juli 2013 neu herausgebrachten Wanderführer auch noch andere Tourenbücher, die für eine Planung der Wanderungen und Bergtouren hilfreich sein können. Zum Beispiel sind ebenfalls bei Rother die Wanderführer für die Julischen Alpen und die Karawanken/Steiner Alpen erschienen, und bei Bruckmann gibt es in 'Die Königstouren der Ostalpen' gegen Ende des Buches drei königliche Pflichttouren, die sich fortgeschrittene Bergsteiger nicht entgehen lassen sollten.

Den komplettesten Überblick gibt uns nun aber dieser Tourenführer 'Slowenien', der 53 Touren beinhaltet, und diese in bewährter Rother-Qualität darbietet: Gesamteinschätzung der Tour (1-3 Sterne), Schwierigkeit (blau, rot, schwarz), Gehzeiten, Höhenunterschiede, Anforderungen, Einkehrmöglichkeiten, Varianten, zusätzliches Kartenmaterial, usw.... Natürlich sind die Gehzeiten und die Schwierigkeit stets mit subjektiver Note zu werten, allerdings werden die unterschiedlichen Einschätzungen stets begründet und schwierigere Stellen konkret benannt. Zudem begrüße ich die Sterne-Wertung bzgl. Gesamteinschätzung, weil es bei der Vielzahl der Touren oftmals schwer fällt, sich zu entscheiden, v.a. wenn man das erste Mal in Slowenien unterwegs ist.

Die Touren umfassen sowohl gemütliche Wanderungen als auch Ziele für ambitionierte Bergsteiger. Durch Vorschläge aus dem Gesamtgebiet Sloweniens kann man sich ein vollumfängliches Bild machen und die Planung entsprechend danach ausrichten. Der Fokus auf Slowenien und nicht nur einen einzelnen Gebirgszug bringt es natürlich mit sich, dass man ggfs. einiges an Wegstrecke als Anfahrt einplanen muss, ja nachdem wo man seinen 'Stützpunkt' hat. Zudem fehlen aufgrund der Beschränkung auf das Land Slowenien die Touren in den westlichen (italienischen) Julischen Alpen, die ebenfalls beeindruckend sind (z.B. Jôf di Montasio oder Jôf Fuart, etc.).

Trotz der 53 Touren - eine zunächst groß erscheinende Anzahl - mögen dem einen oder anderen auch hier wieder wichtige Touren fehlen. Slowenien hat in dieser Hinsicht wahrlich viel zu bieten. Natürlich gibt es auch immer wieder diverse Varianten, die Berge zu besteigen. Allein auf den Triglav führen mehr als ein halbes Dutzend Wege, die auch noch miteinander kombinierbar sind, sofern man Aufstieg und Abstieg als Rundtour plant. Eine Aufzählung aller dieser Möglichkeiten ist im Rahmen so eines Wanderführers nicht machbar. Geht man eine ganze Reihe der Tourenvorschläge und vielleicht auch noch Touren aus anderen Führern, wie ich es z.B. gemacht habe, so stellt man fest, dass die einzelnen Vorschläge mit Bedacht gewählt worden sind. Anspruch und Genuß halten sich bei den Touren je Schwierigkeitsgrad angenehm die Waage.

Der Führer ist aktuell und beinhaltet - nach eigener Einschätzung und nachdem ich damit nun einige Zeit in Slowenien unterwegs gewesen bin - alle relevanten Fakten. Einzig fehlte mir der Hinweis, dass die Gondel auf den Kanin seit dem Vorfall im letzten Jahr bislang nicht mehr in Betrieb genommen worden ist. Somit ist diese Tour (3) zumindest von der slowenischen Seite aus (Alternativroute über Sella Nevea) so nicht zu bewerkstelligen. Dass man sich im Hinblick auf Betriebszeiten von Bahnen und auch im Hinblick auf zusätzliches Kartenmaterial als eigenverantwortlicher Wanderer/Bergsteiger noch selbst Gedanken machen sollte, versteht sich m. E. aber von selbst.


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