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Herr Odes "hdpi"

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Ein Kampf um Rom: Historischer Roman
Ein Kampf um Rom: Historischer Roman
von Felix Dahn
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrliches Sterben, 22. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Viel Zeit habe ich in den vergangenen Wochen mit Felix Dahns bekanntestem Roman 'Kampf um Rom' verbracht. Dieses Buch, dessen Name mittlerweile für viele so dröge und altbacken klingen mag, hat sich dabei als große Überraschung erwiesen. Mitnichten erwartet einen hier die gepflegte Langeweile einer schulmeisterlichen Geschichtsstunde. Vielmehr wird man in eine Zeit zurückversetzt, die mit all ihren schicksalhaften Ereignissen, Episoden und intriganten Verwicklungen einen gewaltigen Bogen spannt.

In seinem Werk geht es Felix Dahn aber nur begrenzt um eine möglichst authentische Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge. Statt dessen steht für ihn die kompositorische Gesamtdarstellung im Vordergrund, durch die auch bestimmte weltanschauliche Ansichten verdeutlicht werden sollen. Der historisch interessierte Leser sollte sich also über einige vorgenommene 'Anpassungen' im Hinblick auf den Lauf der Geschichte nicht wundern. Die gewaltige Stoffmasse musste nicht zuletzt komprimiert werden, wobei Felix Dahn diese perspektivische Verkürzung durch eine Personalisierung der historischen Entwicklung erreicht. Letztendlich hat man als Leser den Eindruck, dass nur der im Fokus von Felix Dahns Roman stehende relativ überschaubare Personenkreis mit den jeweiligen edlen/egoistischen Motiven, Handlungen und Entscheidungen den Lauf der damaligen Geschichte bestimmt hat.

Um so plastischer gelingt Felix Dahn natürlich die tragische Darstellung der damaligen Ereignisse, quasi als direkter Ausfluss der schicksalsträchtigen Handlungen, und die mitunter stark schwarz-weiß skizzierte Charakterstudie seiner Akteure (welch angenehme Abwechslung zu den Ambivalenzen der sog. Postmoderne), deren Trachten sich stets zwischen den Polen Machtgier und Heldentum bzw. Niedertracht und Edelmut bewegt, geht einem durchaus nahe. Überhaupt wartet Felix Dahn mit wirklich allen möglichen romantauglichen Sperenzchen auf, die dem Leser eine abwechslungsreiche Unterhaltung garantieren. Von heimlichen Liebesbeziehungen, romantischen Balz-Idyllen, verborgenen Schätzen, versteckten Blaublütern bis hin zu boshaften Intrigen, prophetischen Träumen, ungestümen Racheakten, beeindruckenden Massenschlachten und bittersten Sterbeszenen. Gerade gegen Ende sterben 'die Guten' wie die Fliegen, und nachdem man als sensibler Leser bereits hunderte von Seiten für seine Helden nur das Beste hoffte, treffen die Todesstöße nicht nur einen der Goten sondern zugleich auch den Leser. Nicht selten sackte ich bei der Lektüre von den Schicksalschlägen der Helden ebenfalls schwer getroffen in meinem Ohrensessel zusammen, und meine holde Gattin sah keinen anderen Ausweg, außer mich kurzentschlossen mit unserem hauseigenen Defibrillator ins Leben zurückzuholen.

Läßt man all die Pathetik und Bedeutungsschwere im Hinblick auf die Begriffe Heldentum/Germanentum, wie sie zum Zeitpunkt des Erscheinens vor dem spezifischen historischen Hintergrund eine besondere Strahlkraft hatten, bei Seite, erschließt sich einem um so deutlicher die heutige Wertschätzung dieses zeitlosen Klassikers: 'Kampf um Rom' bietet heutzutage nicht mehr und nicht weniger als den Einblick in eine pralle Erlebniswelt, die vor Lebens-, Liebes- und Machtgier aus allen Nähten zu platzen droht. Es ist ein gigantisches Panoptikum einer dreißigjährigen Geschichte, die - wenn sie in manchen Details so auch nicht stattgefunden hat - doch zumindest den Leser die meiste Zeit eindringlichst glauben läßt, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Auch heute noch großartige Unterhaltung!


The Sullen Sulcus
The Sullen Sulcus
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen From The Bottom Of My Doomed Heart, 1. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Sullen Sulcus (Audio CD)
Tonnenschwere Riffs, düsteres Growling aus der Tiefgarage, grabsteinzerbröselnde Gitarrenleads und eine Clear-Voice des unabwendbar schicksalsträchtigen Verzagens... dazu die Getragenheit einer Leichnamsprozession, bei der noch das nackte Gebein schamlos zerfleddert dargeboten wird, und einen all die Trauer und die Trostlosigkeit des menschlichen Daseins aus den toten Augenhöhlen eines nur mehr mumifizierten Lebenstraums auf eine einstmals besser erhoffte Zukunft verhöhnt. Es bleibt nichts übrig von dieser Illusion eines glücklichen Daseins. Der Untergang und die Vergänglichkeit nagen an uns allen, und was wir auch anfassen, nach was wir auch trachten, all die Wünsche, Sehnsüchte und Träume, sie zerrieseln und zerstauben wie Asche zwischen unseren Fingern. Konvulsivisch zucken die Hände, in Agonie etwas umklammernd, das von keiner Macht der Welt zu halten ist. Statt dessen raunzt uns der Tod mitleidig zu: 'Laß ab!' Und ernüchtert und erleichert, entraubt und verloren senken wir uns selbst hinab in die Unendlichkeit und die tröstende Kühle einer Grube, die uns nicht mehr freigeben wird. Unsere Tränen verdampfen zischend im Feuer, das unsere Seele verzehrt, und wir wünschen uns das ewige Vergessen, während an unserem offenen Grab noch die letzten Akkorde dieser unfassbaren Doom-Formation verklingen.


Eschaton
Eschaton
Preis: EUR 11,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inter faeces et urinam nascimur., 21. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eschaton (Audio CD)
Ob die Mucke von Anaal Nathrakh nun als Black-Metal, Grindcore oder Death-Metal eingestuft werden sollte, ist mir ziemlich schnurz. Vor allem ist sie eines: Extrem. Um so erstaunlicher und erbaulicher ist es, wenn man als geneigter Hörer erleben darf, wie sich aus den finstersten eschatologisch-musikalischen Gewitterwolken plötzlich grandiose Melodiebögen und erhabene Refrains hervorschälen wie der blass-schimmernde Corpus einer Riesen-Achatschnecke aus ihrem zerbrechlichen Schneckenhäuschen. Es dünkt einem wie die leibhaftige Teilnahme am Schöpfungsprozess einer ganzen Galaxie. Und gerade dies ist die gloriose, epochale und exorbitante Leistung dieser Zweier-Kombo (zzgl. dem Benediction-Schreihals), dass aus ohrenbetäubendem Lärm und Hinrichtungsgekreische urplötzlich emotional-orgasmatische Huldigungsmarschmusik geboren wird, die auf jeder Prozession zu einer Verdoppelung der Geburtenrate im jeweiligen Kantonat führen würde. Und dies, obwohl die Texte, wenngleich nicht offiziell veröffentlicht und größtenteils nicht hör- sondern lediglich andeutungsweise erratbar, primär (vielleicht) apokalyptisch und (vielleicht) misanthropisch zu deuten sind. Somit spiegelt die Musik (vielleicht) ein weiteres Paradoxon unserer Zeit wider: Die Verlorenheit in der Gesellschaft, im Leben, im Kosmos,... bei gleichzeitiger Ekstase im Angesicht des Untergangs. So fühle ich mich eigentlich jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel schaue. Aber Anaal Nathrakh, deren nächstes Album 'Passion' in Kürze erscheint, wären nicht Anaal Nathrakh, wenn sie unser aller Gespür für eine verlorene und dennoch aufgabenschwere Zukunft nicht imposant auf eine Formel bringen könnten, die da lautet:

If you want a picture of the future
Imagine a boot standing on a human face.
Forever.

(Domine Non Es Dignus - Do Not Speak)

Chapeau!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 9, 2013 12:46 PM CET


Erziehung vor Verdun: Roman
Erziehung vor Verdun: Roman
von Arnold Zweig
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poesie der Grausamkeit, 21. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Erziehung vor Verdun: Roman (Taschenbuch)
Für mich persönlich ist Arnold Zweigs 'Erziehung vor Verdun' eines der eindrucksvollsten Bücher im Themenkreis des ersten Weltkriegs. Anders als Ernst Jünger, Erich Maria Remarque oder Edlef Köppen - um nur einige wenige zu nennen - nähert sich Arnold Zweig den Grausamkeiten des Krieges aus der Sicht eines kritischen und pazifistischen Schriftstellers. Zwar war Arnold Zweig selbst während des ersten Weltkriegs in Belgien, Serbien und bei Verdun eingesetzt, doch verarbeitet er seine eindringlichen Erfahrungen hier nicht in Form eines Tagebuchs oder eines Tatsachenberichts aus der Ich-Perspektive, sondern er wirft fiktive Charaktere in den Strudel eines alles zerstörenden Malstroems des Krieges und der Vernichtung. Abgesehen von der konkreten Handlung seines Romans, die in vorangegangenen Rezensionen bereits ausgiebig dargestellt wurde, nutzt Arnold Zweig seine erzählerische Perspektive zu umfassender und messerscharfer Kritik an jeglicher kriegerischen Auseinandersetzung. Der Sinnverlust im Bombenhagel wird teilweise derart brutal und zugleich poetisch in Worte gefasst, dass es einem als Leser auch fast hundert Jahre später noch körperliche Schmerzen bereitet. Für mich war der Roman 'Erziehung vor Verdun', auf den ich - ehrlich gesagt - zunächst nur aufgrund des deprimierenden Titelbilds aufmerksam wurde, Ausgangspunkt einer literarischen 'Neuentdeckung' namens Arnold Zweig.


Moby-Dick: Neu übersetzt von Matthias Jendis
Moby-Dick: Neu übersetzt von Matthias Jendis
von Herman Melville
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Ein Walbulle im Karpfenteich der Romanliteratur', 14. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als Kind sah ich vor (hunderten von) Jahren John Hustons Moby Dick Verfilmung im Fernsehen. Seitdem war ich geradezu traumatisiert. Die Bilder von Ahab (glorios: Gregory Peck), der auf dem weißen Wal kniet, und immer und immer wieder seine Harpune in den Körper des Wals rammt, und dabei in seiner maßlosen Besessenheit brüllt: 'Ich werde dich verfolgen bis zu meinem letzten Atemzug', malträtierten mich damals noch lange Zeit in meinen Träumen. Der arme Wal! Dieses Trauma ist nun glücklicher Weise überwunden, nicht zuletzt aufgrund der von Matthias Jendis neu übersetzten Ausgabe, die erstmalig auf einem gesicherten Ausgangstext beruht. Und wie es Daniel Göske am Ende seines Nachworts zu dieser Ausgabe so treffend auf den Punkt bringt (siehe Titel der Rezension), zeigt sich Moby Dick in dieser Fassung entstaubt von der naiven Romantik der Jugend- und Abenteuerromane. Statt dessen präsentiert sich Melvilles zeitloses Werk in einem Lichte, das jedem Literatur-Liebhaber den Atem verschlagen wird. Die faszinierende, teils barocke Sprache, die unterschiedlichen Erzählweisen, die stilistischen Facetten, sowie der bisweilen tiefgründige Humor, und überhaupt der gesamte Kosmos des Daseins - ob lebensnah, philosophisch oder metaphorisch - in einer Nußschale (der Pequod)zusammengepresst: Die Jagd nach dem Wal bietet all das und noch viel mehr. Da spielt es auch keine Rolle, ob einige wissenschaftliche Exkursionen aus heutiger Sicht antiquiert und überholt erscheinen mögen, denn solche thematischen Abhandlungen lassen einen nur um so mehr in die damalige Zeit eintauchen. Jeder, der gewillt ist, sich auf diese Lektüre vollumfänglich einzulassen, wird schnell feststellen, dass Melvilles Moby Dick in dieser Ausgabe wesentlich moderner ist als es viele derjenigen Autoren jemals zu sein vermögen, die sich heute in den nichtssagenden Bücher-Bestenlisten wiederfinden, und an deren Machwerke sich selbst geneigte Leser schon nach wenigen Jahrzehnten nicht mehr erinnern werden.


Der Großtyrann und das Gericht: Roman
Der Großtyrann und das Gericht: Roman
von Werner Bergengruen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kleinod, 29. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Egal, ob man Bergengruens bereits 1935 erschienenen Roman nun als Beispiel oppositioneller Literatur während der Zeit des Dritten Reichs oder aber als politisch-historischen Kriminalroman (zeitlich zwischen dem 13.-15. Jahrhundert angesiedelt) verstehen will: Dieses Werk des deutschbaltischen Schriftstellers ist ein literarisches Ausnahmeereignis. Zum einen ist die Sprache in ihrer Melodik und Dynamik geradezu von betörender Schönheit. Zum anderen dienen der anfangs verursachte Mord und die darauf folgende Aufklärung des Verbrechens, die zunächst dem simplen Schema eines Kriminalromans folgt, als vielfach genutzte Diskussionsplattform für philosophisch-moralische Themen wie Schuld, Wahrheit, Gerechtigkeit und der unterschiedlichen Beweggründe für den Plebs und dessen Alleinherrscher mit innehabender Gerichtsbarkeit. Diese Debatten sind erhellend und auch heute noch von aktuellem Gewicht. Hinzu kommt eine psychologische Ausarbeitung der Charaktere und ihrer Verstrickungen, die in ihrer Tiefgründigkeit überzeugt, auch wenn sich dem geneigten Leser, ob der humor- und liebevollen Charakterzeichnung nicht selten ein Schmunzeln ins Gesicht zeichen wird. Weniger als eine klare Leseempfehlung für dieses literarische Kleinod läßt sich nicht aussprechen.


2666: Roman
2666: Roman
von Roberto Bolaño
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Finstere Psychose jenseits der Lesegewohnheiten, 28. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: 2666: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schön, dass es auch noch gute Bücher gibt. Bücher, die Konzepte und sprachliche Umsetzungen jenseits althergebrachter Lesegewohnheiten anbieten. Denn Geschichten mit all den gleichen abgenutzten Motiven und Erzählweisen findet man schließlich zur Genüge im immer anspruchsloser werdenden Bücherdschungel, der stupide von medienmanipulierten Fastfood-Lesern durchforstet und sinnentleert niedergeholzt wird (die plumpe Metapher sei mir an dieser Stelle verziehen). Auch wenn es einem bei 2666 nicht leicht gemacht wird: Bolanos Erzähltechnik, der sprachliche Stil und seine psychologische Raffinesse - danke an die m.E. gute Übersetzung - sind faszinierend. Allein den ersten Teil der Kritiker verfolgte ich in atemloser Spannung. Dabei geschieht auf diesen knapp zweihundert Seiten kaum etwas. Dennoch zog mich die Geschichte in den Bann. Hochgradig mysteriös dünkten mir anfangs die Verstrickungen und die Begebenheiten um diesen komisch kauzigen Schriftsteller Archimboldi, von dem man lange Zeit gar nicht weiß, ob es sich vielleicht doch nur um ein Phantom handelt. Aber mit geradezu hypnotischer Anziehungskraft spinnt Bolano das Netz der Zusammenhänge, welches zunächst unübersichtlich und geradezu unentwirrbar erscheint, weiter. Spätestens bei der schmerzhaft detaillierten und nicht enden wollenden Aneinanderreihung von brutalen Frauenmorden gewinnt die Metaebene des Romans grauenhaften Raum und Tiefe, und erst dann eröffnet sich dem Leser nach und nach die ganze Dimension dieses Schauerstücks. 2666 ist neben den literarischen Ansprüchen v.a. ein psychologisches Bravourstück, das auf dem weiten Feld der Belanglosigkeiten unserer aktuellen Mainstream-Belletristik und sog. modernen Möchtegern-Literatur glücklicher und trauriger Weise zugleich völlig für sich alleine steht.


Unendlicher Spaß: Infinite Jest. Roman
Unendlicher Spaß: Infinite Jest. Roman
von David Foster Wallace
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke, DFW, 31. Juli 2010
Es mag vielleicht absurd erscheinen, aber für mich hat David Foster Wallace mit Unendlicher Spaß DEN Entwicklungsroman der Postmoderne bzw. der Neo-Postmoderne geschrieben. Seine Hauptcharaktere wandern durch das Fegefeuer einer unerfüllten oder enttäuschten Sinnsuche, eines individuellen Scheiterns, das sich auch global extrapolieren lässt. Die Welt wirkt in ihrer Komplexität befremdlich, der Leistungsdruck ist hoch, dass er nicht nur den Geist sondern auch den Körper längst deformiert hat. Die Umwelt ist völlig zugrunde gerichtet, und die Gesellschaft als solche wird als sozial abgewirtschaftet und marode beschrieben. Das Loslassen und sich Entgrenzen von einer per se vergeblichen Sinnsuche wird bei DFW noch weit mehr auf die Spitze getrieben, als dies in unserer heutigen Zeit die um sich greifende Konsum-Verblödung auf den ersten Blick nahe legen mag. Das Mastertape der sagenumwobenen 'Unterhaltung' (quasi betreutes Sterben durch die Glotze), das in Unendlicher Spaß von verschiedenen Fraktionen gesucht wird, macht schon mal gehörig Lust auf eine Zukunft ohne Trash-TV- und Multimedia-Nerds.... Auch wenn der Fokus größtenteils auf abgehalfterten Charakteren ruhen mag, die Motive sind - auf den Menschen bezogen - umfassender Natur. Dabei siedelt DFW sein skurriles Szenario in einer Zukunft an, die bisweilen so abgefahren und schräg wirkt, dass es den Protagonisten wie auch dem Leser nicht immer leicht gemacht wird, sich darin zurecht zu finden. Die Sprache steht diesem Umstand in nichts nach. Fremdwörter und Verklausulierungen en masse. Die Komplexität durchzieht jede Ebene dieses unfassbaren Werks. Aber nicht zuletzt ist es auch der kongenialen Übersetzung geschuldet, dass Unendlicher Spaß trotz allem gut lesbar bleibt. Die immer wieder eingestreuten Slang-Ausprägungen und Idiolekte - bei sprachlich unsensiblen Übersetzungen meist eine Zumutung für den Leser - wie auch die umfassende Wortakrobatik wirken hier authentisch und anregend. So bitter die Schilderungen oftmals sein mögen: Unendlicher Spaß ist nicht nur finster, unangenehm und verstörend, sondern auch humorvoll, spannend und reich an Situationskomik. Ein großartiges literarisches Ausnahmeerlebnis.


Tom Clancy's Splinter Cell: Conviction (uncut)
Tom Clancy's Splinter Cell: Conviction (uncut)
Wird angeboten von gamedealer online - Preise inkl. Mwst - Impressum und AGB finden Sie unter Verkäuferhilfe
Preis: EUR 7,99

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungene Frischzellenkur, 30. Juni 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Zunächst: Der umstrittene und hier auch heftig debattierte Kopierschutz soll an dieser Stelle außen vor bleiben. Dies auch deswegen, da ich beim Spielen keinerlei Probleme damit hatte. Keine Abstürze, keine Savegame-Verluste, und auch das Auto-Updating funktionierte problemlos.

Zum Game selbst:

Ich habe bislang alle SC-Teile am PC durchgespielt. Pandora Tomorrow und v.a. Chaos Theory halte ich nach wie vor für herausragende Spiele-Entwicklungen, die nicht nur vom Gameplay her sondern auch von der Grafik zur jeweiligen Zeit Vorzeigestatus hatten. Mit Double Agent gab es dann m.E. einen lieblosen und völlig verhunzten Ableger, der eine Wiederbelebung dieses Spiel-Genres dringend erforderlich machte. Mit SC Conviction ist dies durchaus gelungen. Aber das Rad der Zeit hat sich nun mal weiter gedreht, und auch Sam Fisher ist nicht mehr der Alte aus den vorangegangenen Teilen. Denn nach dem angeblichen Ableben seiner Tochter Sarah hat er sich aus dem Business zurückgezogen. In SC Conviction wird er erneut 'angeworben'. Allerdings arbeitet er nun quasi auf eigene Rechnung. Diesen Hintergrund sollte man im Auge behalten, wenn man die Wegrationalisierungen einiger vormals stilprägenden Handlungselemente kritisiert. Denn in Conviction wird in der Tat weniger geschlichen, Schlösser geknackt (nun gar nicht mehr), leblose Körper versteckt, und an Balustraden herumgetänzelt. Aber mal ehrlich: Wenn ich primären Wert auf diese 'alten' Qualitäten lege, kann ich auch die vorangegangenen Teile spielen, denn besser als in PT oder CT geht es eigentlich eh nicht.

Statt dessen serviert uns Ubisoft mit SC Conviction eine gelungene Mischung aus Schleich-Action-Shooter in hervorragendem graphischem Gewand. Die neuen Deckungs-Funktionen, die Farbwechsel zwischen hell/sichtbar (Farbe) und dunkel/unsichtbar (schwarz-weiß), die v.a. dynamisch ansprechende Eliminierung mittels der Markierungen, die komprimierte Steuerung, und die erwachsene Präsentation machen ungemein Spaß. Natürlich wird das Gameplay dadurch in manchen Dingen auch simplifiziert, ABER der Spielspaß bleibt erhalten, auch wenn sich der Fokus ändert, und das ist für mich entscheidend.

Eine Sache muss an dieser Stelle nochmal ganz klar hervorgehoben werden: Es ist richtig, dass es einige Spielabschnitte gibt, in denen zwangsläufig ziemlich herumgebolzt werden muss. Aber die meiste Zeit hat es der Spieler in der Hand, wie er selbst die Situationen löst. Natürlich kann ich oftmals auch durch wildes Geballer durch die Gegnermeute rennen, und hoffen, dass ich zum nächsten Checkpoint komme, ohne vorher niedergestreckt zu werden, oder ich schieße aus wechselnder Deckung alle nieder. Aber Spaß macht das nur wenig. Wem es nur darum geht, das Game schnell durchzuzocken, der wird hier in der Tat enttäuscht sein. Denn SC Conviction schiebt dieser Vorgehensweise nur selten einen Riegel vor. Fette Punkte und v.a. weniger Streß und Freude am eigenen Vorgehen erntet man primär dann, wenn man clever spielt. Und das heißt: Gegnerroutinen ausspechten, isolierte Feinde per Hand-to-Hand-Action killen, Gruppierungen mittels Markierungsmethode schnell ausschalten, gezielt vorrücken, usw... und das kommt den alten SC Teilen dann wieder sehr nahe. Und das Wichtigste: Das neue SC Conviction macht ordentlich Laune. Einzig die Kürze des Games verleitet mich dazu, 4 statt 5 Sterne zu geben.


Wipeout HD Fury
Wipeout HD Fury
Wird angeboten von dvdseller24
Preis: EUR 27,97

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Euphorie und Wahnsinn in HD, 15. Mai 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Wipeout HD Fury (Videospiel)
Wipeout war damals das Spiel, das mich zum Kauf der PSX veranlaßt hat. Das ist mittlerweile unfassbare 15 Jahre her. Aber keinen Wipeout-Ableger spielte ich leidenschaftlicher und verbissener wie den Nachfolger Wipeout 2097. Allein die erste Strecke im Tournament spielte ich damals auf Perfect Lap mit einem Kumpel um die Wette, und oftmals nach der Schule gab es Hiobsbotschaften über neue Rundenrekorde des anderen, die einen sofort und stundenlang vor die Konsole zwangen, um die neue Bestzeit zu unterbieten. Dann kam das etwas mäßigere WipeOut 3 und später für die PS2 Wipeout Fusion mit einigen neuen Modi usw. Ich spielte alle diese Teile bis zum Abwinken. Allerdings besitze ich keine PSP, so dass ich um so erfreuter war, als ich hörte, dass es auch für die PS3 ein 'neues' Wipeout geben würde. Mittlerweile habe ich den Titel natürlich zu Hause, und ich habe sowohl FURY als auch HD auf 'schwer' vergoldet. Der Weg bis dahin war allerdings sehr mühsam, denn schaltet man in höheren Ligen (z.B. Aftermath) nicht die Pilotenunterstützung zu, was ich aus Gründen des Stolzes freilich ablehne, ist die Verzweiflung stets des Spielers innigster Begleiter. Und ich muss zugeben, dass ich selten derbere Wutanfälle und Aggressionsschübe vor meiner Glotze bekommen habe, wenn ich z.B. noch in der letzten Kurve mit zittrigen Händen die Bande touchierte, und mich statt auf der ersten sofort auf der letzten Position wiederfand. Eines der fast unzerstörbaren PS3-Gamepads musste dran glauben, Knochenabsplitterungen am Handgelenk und Polizeibesuche zu morgendlicher Stunde wegen ruhestörendem Wutgeheul musste ich in Kauf nehmen, bis ich schließlich die letzte Goldmedaille eingefahren hatte. Das Balancing war von jeher ein Problem bei Wipeout, und auch im neuesten Ableger ist das wieder der Fall. Denn wenn man sich z.B. in den Einzelrennen erst mal per glücklichem Zufall ob der Waffenauswahl schon nach einer Runde bis vor in die Spitzengruppe (1-3) schieben kann, ereilt einen die zumeist unvermeidbare Rache der konsolengesteuerten Mitstreiter. Es tobt dann sogleich ein derartiges Bombardement, dass alles zu spät ist. Generell ist zu sagen, dass sich Wipeout, wie schon in den früheren Ablegern, mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad immer mehr zu einem bedingungslosen Ballerspiel entwickelt. Sofern man hier nicht mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen antwortet, ist man bald allein auf weiter Flur ... nämlich als Letzter des Feldes. Ähnlich ärgerlich ist der Umstand, dass man in den hochrangigen Tournaments aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit oftmals von der Strecke fliegt oder sogar in der Architektur der Strecke hängenbleibt, was bei mir gegen Ende hin wiederum zu fast schon pathologischen Wutausbrüchen geführt hat. Hier noch ohne Berührung der Bande und dennoch auf Sieg (Gold) zu spielen, ist fast unmöglich. Es bedarf viel Übung und genauer Kenntnis der Strecke, um eine Chance zu haben.

Pro:
- Die Grafik ist 1A. Teilweise sind die einzelnen Strecken aufgrund der Detailfülle fast schon unübersichtlich. Da es sich um ein futuristisches Rennspiel handelt, ist die Optik kühl und steril.
- Das Gleiter-Feeling ist bislang immer noch einzigartig.
- Es gibt wieder einen Turbostart in den dafür relevanten Challenges (Einzelrennen, Turnier, Eliminator usw.).
- Auch weiterhin gibt es Turniere in den verschiedenen Rennklassen.
- Die elektronische Musikuntermalung ist selbst beim zigsten Spielen angenehm und motivierend
- Viele spassige Modi, die einen beim Zocken immer besser werden lassen (Detonator, Zonekampf, Eliminator, Zone-Trophy, Zeitrennen, Schnellste Runde, usw.)
- langanhaltende Motivation und viel Spielspass, sofern man vor dem Durchspielen nicht noch eine Gewalttat gegen die Konsole und ihre peripheren Gerätschaften aufgrund des stellenweise hohen Frustlevels begeht

Contra:
- Balancing in höheren Wettkämpfen unausgegoren
- die Übersicht leidet bei Waffenterror
- Streckenführung bei höchsten Geschwindigkeiten (Phantom+++) in vielen Fällen suboptimal.

Da ich bislang nur Offline gespielt habe, kann ich zum Multiplayer an dieser Stelle nichts sagen.

Trotz der Kritik und dem Frust: Ich hatte viel Spaß beim Durchspielen (meine Nachbarn wohl weniger). Selten habe ich bei einem Game mehr gebrüllt - und mehr gejubelt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 24, 2014 12:30 PM MEST


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