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Rezensionen verfasst von
Germanist

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Heilig über Nacht: Roman
Heilig über Nacht: Roman
von Björn Berenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider enttäuschend, 1. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Heilig über Nacht: Roman (Taschenbuch)
Björn Berenz hat mit FKK im Streichelzoo sein Debüt beim Lübbe Verlag gefeiert und setzte mit Heilig über Nacht seinen zweiten Roman nach.

Die Idee hat mich sofort gefesselt und mich zu dem Buchkauf "gezwungen". Leider war die Umsetzung weit weg davon.

Die Geschichte beginnt zunächst damit, dass der Ich-Erzähler Jonas, Selbstmord begehen will, weil sein Leben für ihn keinen Sinn mehr macht. Seine große Liebe, Malena, ist mit seinem besten Freund, Pedro, zusammengekommen. Sein Beruf als Bediener von Fritteusen in einer Fast Food Bude, füllt ihn nicht aus. Trotz seines Kunststudiums sieht er trotzdem keine Perspektiven auf Besserung für seine Arbeitsmöglichkeiten.
Deswegen bleibt ihm nur noch die eine Möglichkeit - Selbstmord. Jedoch misslingt ihn selbst DAS! Denn genau bei dem Versuch sich umzubringen, rettet er einem alten Bettler das Leben. Enttäuscht von seiner Unbegabtheit und etwas motiviert von seiner Tat, fährt er nach Hause.
Als er am nächsten Tag erwacht, trägt er einen Heiligenschein über seinem Kopf.
Soweit so gut.
Jedoch flacht die Geschichte genau ab diesem Moment total ab.
Der Schreibstil ist wirklich gut. Jedoch fehlt jegliche Spannung. Außerdem ist es natürlich "Fantasy", aber man kann Fantasy auch sehr realistisch manifestieren, das macht der Autor jedoch nicht. Sodass die Story einfach nur nervt und die Glaubwürdigkeit von Seite zu Seite schwindet.

Schade, denn es wäre eine Menge drinnen gewesen. Ich besitze auch das Buch FKK im Streichelzoo von dem Autor. Ich hoffe, dieses ist besser. Vom Schreibstil traue ich es ihm zu. Jedoch hat er bei diesem Buch seine grandiose Idee nicht entfalten können.


Passagier 23: Psychothriller
Passagier 23: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viele WOW-Effekte, 25. Februar 2015
Sebastian Fitzek ist bekannt dafür, dass er Geschichten strickt, die tief unter die Haut gehen.
So auch bei Passagier 23.

Martin Schwarz ist ein fantastischer Ermittler, der jedoch mehr Zeit für das Ermitteln aufbraucht, als in der Nähe seines Sohnes und seiner Frau.
Dies führt dazu, dass er ein schlechtes Verhältnis zu seinem Sohn hat und eine zerrüttete Ehe sich manifestiert. Die Frau hält das Alleinsein nicht aus und geht ihm sogar fremd.
Doch eines Tages kommen beide bei einer Reise mit dem Kreuzfahrtschiff "Sultan" ums Leben. Selbstmord ist die Diagnose. Martin will das nicht wahrhaben und verklagt das Schiff und dessen Kapitän - ohne Erfolg.
Jahre später erhält er einen merkwürdigen Anruf. Er solle sich auf dem Weg machen eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Als der unbekannte Anrufer den Namen seines Sohnes sagt, beginnt für Martin die gefährlichste Reise seines Lebens.

Das Buch hat zu jeder Zeit Spannung parat. Was noch viel wichtiger jedoch ist, es gibt kaum stellen an denen sich gähnende Leere ausbreitet und man auf Höhepunkte warten muss.
Außerdem ist die Gestaltung der Wendepunkte und Überraschungen auf einem extrem hohen Niveau und fesselt den Leser.

TOP Buch - klare Empfehlung!


Die Achse meiner Welt: Roman
Die Achse meiner Welt: Roman
von Dani Atkins
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen gute Idee - mit einigen Schönheitsfehlern, 19. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Achse meiner Welt: Roman (Taschenbuch)
Dani Atkins hatte ganz guten Grund dieses BUCH zu schreiben. Sie hatte die Erfahrung selbst gemacht, was es bedeutet die große Liebe zu verlieren und sie wieder zu finden. Aus diesem Erlebnis erstieg die fabelhafte Idee für dieses Buch.

Rachel ist 18 und in der Blüte ihres Lebens. Sie hat einen sehr attraktiven Freund, Matt, und unglaublich gute Freunde. Vor allem Jimmy. Ihr bester Freund. An dem Tag ihrer Abschlussfreier, bei der sie in einem Restaurant essen gehen, will ihr Jimmy etwas Wichtiges sagen, bzw. ihr sagen, dass er am Abend etwas Wichtiges ihr mitteilen möchte, doch dazu kommt es nie. Ein Auto rast in das Restaurant und erwischt Rachel UND Jimmy, der ihr das Leben retten wollte. Jimmy stirbt, Rachel überlebt mit einer großen Narbe auf dem Gesicht und in ihrem Herzen.
Doch das Schicksal meint es nicht ganz so schlecht mit ihr, denn eines Tages wacht sie auf und die Narbe ist verschwunden, Jimmy lebt und sie hat das schönste Leben, welches sie sich nie erträumen hätte können.
Doch welches Leben ist das Richtige? Wie kann es sein, dass sie sich an nichts erinnert. Dass in ihrer Erinnerung Jimmy tot ist?

Das Buch beginnt auch sehr spannend und reißt einen sofort in das Geschehen. Man reitet förmlich auf der Welle der Spannung und kommt nicht auf den Gedanken, dass man das Buch weglegt.
Leider fängt es ab der Mitte des Buches an sehr eintönig und langweilig zu werden. Es gab viele Momente, an denen ich einfach nicht mehr weiterlesen wollte. SCHADE. Denn gegen ENDE des Buches kam wieder eine unglaubliche Welle der Spannung und riss mich wieder in die Geschichte hinein. Welche wirklich mit einem kuriosen und tollen Ende aufwartet.


Verdorbenes Blut: Roman
Verdorbenes Blut: Roman
von Geoffrey Girard
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Beispiel für große Erwartung, 12. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verdorbenes Blut: Roman (Taschenbuch)
Der Autor Geoffrey Girard wurde in Deutschland geboren und zog früh nach Amerika. Dort schrieb er verschiedene Artikel und ist auch als Herausgeber tätig. Er wurde mehrfach ausgezeichnet.
"Verdorbenes Blut" ist das erste Buch, welches ich von ihm gelesen habe. Selten bin ich mit so großen Erwartungen an ein Buch gegangen ... aber was sagt man immer über große Erwartungen gerne: Viel erwartet - wenig bekommen.

Die Grundidee ist genial: Das Klonen von den berüchtigtsten Serienmörder aller Zeiten. Jack the Ripper, Ted Bundy, Jeffrey Dahmer usw. Was passiert, wenn all diese "Monster" wieder leben würden. Welche Auswirkungen hätte das und welche Bluttaten?
Die Geschichte beginnt wahnsinnig interessant. Man bekommt klare Vorstellungen darüber, wie das Klonen funktioniert: auf diesem Gebiet hat sich der Autor sehr gut bereichert mit Informationen.
Danach folgen die ersten Eindrücke von den neu "erstellten" Serienmördern.
Als diese aus dem Versuchslabor verschwinden, wird der ehemalige Soldat Castillo, damit beauftragt sie zu finden.
So bald wie möglich, denn ansonsten wird die Zeit, in der diese verrückten Monster herumirren, eine Erinnerung an bestialische Morde werden.

Leider artet die Geschichte in ein müdes Szenario aus. Sie entwickelt sich immer mehr zu einer unrealistischen und langweiligen Anekdote.
Außerdem werden die Serienmörder a là Ted Bundy usw viel zu wenig beschrieben und machen eigentlich keine wirklich abnormalen Sachen.

Leider ...
Als Film könnte ich mir vorstellen, dass man es, auf Grund der Brutalität, sehr gut darstellen kann.
Aber das Buch an sich enttäuscht.
Die geniale Idee und die ersten 100 Seiten waren wirklich einzigartig, aber danach ein müdes Unterfangen.


Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch
Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch
von Hans Rath
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Schreit nach einer Verfilmung, 3. Februar 2015
Hans Rath hat bereits mit seiner Trilogie (Man tut, was man kann, Da muss man durch und Was will man mehr) für exzellenten Lesestoff im Bereich der Belletristik gesorgt.
Witzig, abgefahren und saucool waren diese Bücher. Kein Wunder also, dass diese auch verfilmt wurden.
Sein "fantasy" Roman Und Gott sprach: Wir müssen reden, war ähnlich erfolgreich und ähnlich gut! Also war es nur klar, dass man die Fortsetzung davon: Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch, gelesen haben MUSS.

Das Buch dreht sich wieder um den Ich-Erzähler und Psychologen Jakob Jakobi.
Sein Leben hat sich, seit er "womöglich" Gott begegnet ist, drastisch gebessert. Er ist glücklicher, er hat Erfolg im Job und er sieht die Dinge längst nicht mehr so schwarz und drastisch, wie zuvor.
Doch dieses Mal wird es für den Psychologen deutlich schwieriger mit den äußeren Umständen und Kräften klarzukommen. Denn er begegnet Toni Auerbach, welcher vorgibt der Gesandte des Teufels zu sein und bietet ihm an, seine Seele für viel Geld abzukaufen.
Jakob glaubt natürlich nicht daran, dass er dem Gesandten des Teufels tatsächlich begegnet ist, sondern führt das Ganze auf eine psychische Krankheit zurück, so wie bei Abel Baumann, der sich damals als Gott ausgab.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf und die Eskapaden und die Tragik entfalten sich im Laufe des Plots zu einem kleinen aber gefährlichen Abenteuer.

Das Buch ist wirklich sehr gut geschrieben. Wie gewohnt von dem Autor mit prägnanten, leicht lesbaren Sätzen.
Es gab gewisse Stellen, die ich persönlich für ausbaufähig empfunden habe. Man hätte die Gestalt des Teufels und die Persönlichkeit deutlich tragender darstellen können. Das hätte der Geschichte noch ihren ganz speziellen Elan verliehen.
Deswegen der Punktabzug.
Jedoch glaube ich, dass die Story um Jakob Jakobi eindeutig eine Verfilmung für das Kino verdient hat. Könnte ein Megaerfolg werden!


Die Sünden meiner Väter: Roman
Die Sünden meiner Väter: Roman
von Liz Nugent
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

4.0 von 5 Sternen sehr einfallsreich ..., 18. Januar 2015
Liz Nugent ist eine irische Schriftstellerin und hat mit diesem Buch einen absoluten Bestseller geschrieben.
Wieso dem so ist? Weil sie einen Stoff zusammengetragen hat, den man so nur selten sieht.

Oliver Ryan ist ein internationaler Bestsellerautor von Kinderbüchern und überall beliebt. In der Gesellschaft kennt man ihn als den distinguierten Herren mit seiner reizenden Frau.
Er hat es aus dem Nichts zu etwas Großem geschafft. Jedoch ist diese Erscheinung nur ein Trugbild.
Jeder der dachte, diesen Mann zu kennen, hat sich getäuscht. Denn sein ganzes Leben, seine ganze Erscheinung ist eine absolute Lüge. Oliver Ryan ist nicht Oliver Ryan. Oliver Ryan ist ein Monster.
Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben. Jeder, der jemals was mit Oliver zu tun gehabt hat, erzählt in der Ich-Erzählung, was er über ihn weiß und wie er ihn kennenlernte und so umschreibt das Buch einen Menschen, der kontroverser nicht sein könnte.
Je länger die Geschichte dauert, desto mehr erfährt man über Oliver. Und wenn sich das Puzzlebild am Ende zusammenfügt, erschaudert man.

Ein genialer Roman. Sehr empfehlenswert!

1 Stern Abzug, weil er in der Tiefe noch viel mehr hätte sein können. Ein Roman für die Kanonliste hätte werden können.


Und dann gabs keines mehr
Und dann gabs keines mehr
von Agatha Christie
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte, die an den Film SAW erinnert, 14. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Und dann gabs keines mehr (Taschenbuch)
Agatha Christie ist eine der bekanntesten und schillerndsten Persönlichkeiten in der Literaturgeschichte.
Dieses Buch war ihr größter Erfolg. Es ist eines der meistverkauften Bücher aller Zeiten.

10 Menschen werden mit einem Brief auf eine Insel gelockt. Alle haben sie eine schwere und belastende Tat in ihrer Vergangenheit begangen. Der Brief enthält so private Details, dass die Personen mehr oder weniger bezaubert von den Worten, sich auf diese Reise einlassen.
Angekommen auf der Insel "Niggerisland", wissen sie weder etwas von den Personen, die noch mit ihnen auf die Insel gekommen sind, noch warum sie sich überhaupt eingelassen haben hierher zu kommen.
Denn auf einem Plattenspieler ertönt eine Stimme, welche die Schandtaten der Personen erläutert.
Es beginnt die Hetzjagd der Rache und der Beschuldigungen.

Selten ist man so durch ein Wirrwarr gezogen worden, wie es hier bei diesem Buch der Fall ist. Selten war der Mörder so nah und doch so fern. Das macht dieses Buch so einzigartig. Das macht es zu dem besten Krimi aller Zeiten und jeder Thrillerautor sollte sich dieses Buch durchlesen, um sich einzugestehen, egal wie gut man einen Thriller und Krimi auch konzipiert, an dieses Meisterwerk kommt keiner ran.

Ich empfehle es wirklich jedem zu lesen. Ein phänomenales Buch!


Sie ist wieder da
Sie ist wieder da
von Seidel Tamm
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen sehr gute Idee..., 12. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sie ist wieder da (Taschenbuch)
Joachim Seidel, der Autor von Himbeertoni und erdbeerschorsch und Philipp Tamm, der Autor von Billigflieger, Herrengedeck und zwei wie wir (kann ich übrigens wärmstens empfehlen, ein fantastischer Roman), haben also gemeinsame Sache gemacht und einen Roman zusammen geschrieben. Zwei, wie ich finde, sehr gute Autoren. Nur klappt so eine Kooperation meistens nicht.

In "Sie ist wieder da" geht es um die 2 Feinde Ben und Robert und ihrer großen Liebe Anna.

Ben ist DJ. Leider nicht auf Ibiza oder Mallorca, sondern auf irgendwelchen Bauernpartys, die eben keinen richtig interessieren. Er schleppt die ekligsten Frauen ab und lebt mit seinem Demenz kranken Vater in der langweiligen Idylle von Wennighausen.

Robert ist verheiratet und findet seine Frau eigentlich super. Er arbeitet bei seinem Schwiegervater in einem Sanitätshaus und verkauft Badewannen.

Die beiden verbindet eine tiefe Feindschaft seit 29 Jahren und die Liebe zu Anna.
Als Anna nach 10 Jahren wieder nach Wennighausen zurückkehrt, um das Haus ihrer Eltern zu verkaufen, beginnt der Machtkampf um Anna von Neuem.

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive geschrieben. Jedes Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Robert und Ben.
Bei 203 Seiten erwartet man natürlich keine dicke Story. Jedoch habe ich eben deswegen das Buch gekauft. Weil beide Autoren für Humor stehen und ich mir dachte, dass dieser bei 203 Seiten mir meine Lachmuskeln so richtig beanspruchen wird.
Leider war dem nicht so.

Ich finde jedoch die Idee generell sehr gut. Einige Seiten haben wirklich Humorcharakter und deswegen noch die drei Sterne.

Hoffe die beiden schreiben noch weitere Bücher., denn dass sie es besser können, haben sie schon desöfteren bewiesen!


Die Vertreibung aus der Hölle: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Vertreibung aus der Hölle: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Robert Menasse
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

3.0 von 5 Sternen gute Idee ..., 9. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Menasseh ben Israel (als Manasseh im Buch) hat als Rabbi in Amsterdam in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewirkt. Er blieb vielen Leuten in Erinnerung, weil er der Lehrer von Baruch Spinoza war und weil er das Buch „Die Hoffnung Israels“ schrieb. Dieses war damals bei den Juden und den Christen eine Art Bestseller. Er ging dem Motiv der „Verlorenen Stämme“ nach. Erst wenn die Juden am „Ende der Erde“ angekommen seien, würde der Messias kommen. Er hatte diese Wiederauferstehung auf England bezogen und damit ein gewichtiges Argument zu einer Wiederzulassung der Juden auf der Insel geschaffen.
Zu dieser historischen Figur mischt Robert Menasse die fiktionale Figur Viktor. Dieser wird in der Schule von seinem Lehrer Hochbichler als „Christusmörder“ bezeichnet und bei einer Pilgerreise nach Rom führt er ihn in eine Kirche, wo ihm in einem vatikanischen Archiv die ganze Familiengeschichte der Abravanels (seinen Vorfahren) gezeigt wird. Isaak Abravanel war nicht nur einer der bedeutendsten Bibelausleger, sondern bis zu seiner Flucht 1492 aus Spanien auch Schatzmeister von König Ferdinand und Königin Isabella. „Die Geschichte war die Hölle. Ich sah Spitzelakten und Folterprotokolle. Da wurden Menschen zerbrochen und Seelen neu zusammengesetzt“, erzählt Viktor seiner Freundin Hildegung, dann kam „die Vertreibung aus der Hölle“. Nach der Romfahrt beschloss Viktor, Spanisch zu lernen und Geschichte zu studieren.
So stößt er auf Baruch Spinoza, hält über ihn und seine Lehrer Vorträge. Das Prinzip der Vereinigung der zwei Charaktere setzt ein, indem er somit Manasseh den anderen Hauptprotagonisten »kennenlernt«. Zwar trennen die zwei Charaktere drei Jahrhunderte, aber mit der Wiederkehr der jüdischen Geschichte, schwebt auch die Wiederkehr der Erinnerung im unmittelbaren Zusammenhang hinterher.

Spannender Anfang - träge Fortsetzung

Am Anfang wird eine Katze mit Eisennägel gekreuzigt. Es wird ein Trauermarsch veranstaltet - für eine Katze! Die Katze wird in einem Sarg transportiert. Was keiner weiß ist, dass Manasseh sie gekreuzigt hat. Er wächst im 16. Jh. auf. Zu dieser Zeit waren in Portugal große Aufstände, Judenverfolgungen und Hexenjagden. Insbesondere in Lisboa, in der Großstadt, in der Manasseh lebt. Die Aufstände in Lisboa werden immer größer, sodass die Familie ihren Eisenwarenladen verkauft und in des Vaters Geburtsstadt zu dessen Mutter ziehen. Sie haben dort auf Anhieb wieder Erfolg (wieder mit einem Eisenwarenladen). Doch wo Erfolg ist, keimt auch der Neid auf. Auf Grund dessen setzt Manasseh alles daran, außerhalb der Familie akzeptiert zu werden - läuft mit der Masse mit, will unbedingt dazugehören. Als die Inquisition jedoch weite Teile Portugals einnimmt, flieht die Familie abermals und landet am Ende in Amsterdam. Einer der wenigen Städte, in der Juden willkommen waren und ein normales Leben führen konnten. Für Manasseh ist es der Beginn eines Lebens mit vielen Höhen und Tiefen.

Bei Victor setzt die Geschichte mit einem Klassentreffen an. Nach 25-Jährigen Bestehen der Matura, werden alle ehemaligen Schüler und Lehrer eingeladen, um dieses zu feiern. Der Direktor fordert vor dem Essen, dass jeder erzählt, was aus ihm geworden ist. Als Victor dran ist, sagt er, dass er Geschichte studiert hat und wie Geschichte auf einen Menschen einwirkt. Er folgert daraus, dass es doch interessant wäre, wenn die Lehrer aus ihren Leben erzählen würden. Ohne eine Antwort abzuwarten, fängt er jedoch selbst an die Lehrpersonen aufzuzählen und berichtet, welche Position sie in ihren früheren Leben eingenommen hatten, bekräftigt die Aussage mit dem Vorlesen ihrer NSDAP Nummern. Die Lehrer und die Schüler erheben sich daraufhin, beschimpfen ihn und stürmen aus dem Raum. Die Nazis, die vor dem Juden fliehen. Alle verlassen den Raum, bis auf eine ehemalige Geliebte von Viktor. Wenig später werden 30 Suppen geliefert und die Geschichte Viktors beginnt. Ein Beginn wie in einem spannenden Thrillerroman.
Doch wie auch bei der ersten Geschichte, flacht die Story ab und verliert sich in dem Irrgarten der konstruierten Anekdoten.
In gewissen Ansätzen blüht die Intelligenz des Autors auf. Beispielsweise als sein Protagonist Viktor über die Fügung der Menschen in der Welt spricht: „Früher fuhren wir Schwarz mit der Straßenbahn. Jetzt haben wir Jahresnetzkarten, plus Auto, plus Garagenplatz. Wir fuhren per Autostopp nach Italien, später mit der Bahn, dann sogar mit dem Schlafwagen, jetzt fliegst du zwei Tage nach Rom oder Florenz und kaufst Designerfetzen. Wachstum, verstehst du, das meine ich damit. Die Ansprüche wachsen, die Möglichkeiten, aus denen wir immer selbstverständlicher schöpfen, der Besitz wächst, alles nebbich, aber es wird immer mehr. Wir werden belohnt, nur weiß ich nicht wofür. Fürs bloße Älterwerden? Fürs müde Mitmachen! Wir dürfen mitnaschen am Wachstum. Es ist so lächerlich!“ Leider sind solche genialen Ansätze, eine Mangelware dieses Buches.

Fiktion oder Geschichte

Im gesamten Text gibt es keine Kapiteleinteilung, mit der Absicht die ohnehin schon fast nahtlosen Übergänge zwischen den beiden parallel erzählten Lebensläufen noch etwas unübersichtlicher zu gestalten, sodass der Leser den Eindruck vermittelt bekommt, es handelt sich bei Manasseh und Viktor um ein und dieselbe Person. Am Ende des Buches befindet sich ein Inhaltsverzeichnis mit vier verschiedenen Kapiteln. Die Absicht dahinter ist wohl, dass jeder für sich entscheiden kann, wann die jeweiligen Kapitel einzusetzen sind. Es ist wie bei den geschichtlichen Epochen.
Gewisse Stellen des Buches lassen auf einen fiktiven Roman schließen, welcher gut recherchiert wurde. Bei genauerer Betrachtung kann man jedoch auch darauf schließen, dass Menasse ein historisch-geschichtliches Buch geschrieben hat. Denn der Nachname von Viktor, Abravanel, ist auch eine reale Person in der jüdischen Geschichte. Es wirkt teilweise so, als wollte Menasse ein Buch über die jüdische Geschichte schreiben und keinen Roman für das Belletristik Genre.

Was am Ende bleibt, erscheint in Form der Erinnerung

Manaseh kritisiert zunächst seinen Vater, weil dieser melodramatisch von der Flucht der Inquisition erzählt und dabei viele Sachen verdreht. Selbst aber schreibt er ein Buch, in dem es darum geht, dass der Messias in England erscheinen werde, weil dort keine Juden leben.
Er bemüht sich, während seines Aufenthalts in Amsterdam, ein perfekter Jude zu sein, was seine Schwester kritisiert: „Allmacht bedeutet er kann Frieden bringen, nicht er will!“
Als Uriel da Costa, ein Priester der spät zu seinem jüdischen Glauben findet, ausgepeitscht wird, merkt Manasseh, dass sie (die Juden), um nichts besser sind, als die Inquisition. Er geht aber mit seiner Geschichte, über den Messias in England, den Weg den seine größten Gegner gingen. In der damaligen Zeit, in der Religion vorherrschte und Kriege hierfür geführt wurden bzw. Inquisitionen gegen Juden durchgeführt wurden, war es ein sensibles Thema und führte zu massiven Folgen. Er sucht nicht den Frieden, mit leben und leben lassen, sondern sucht die Konfrontation.
Auch Viktor, der Geschichte studiert hat und immer tiefer in sie hineinbohrt, um seine Vergangenheit zu rekonstruieren, folgt dem Weg der Konfrontation. Er versucht die Thematik wieder aufleben zu lassen. Bei der 25-Jährigen Feier macht er dies auch noch auf eine sehr dreisten Art und Weise. Beide Protagonisten lassen Geschichte nicht ihre Kapitel in Büchern füllen, sondern wollen sie aufleben lassen.
Das Leben ist ein Becken gefüllt mit Erinnerungen. Es gibt nichts Schöneres, als hineinzuspringen und tief in sie hineinzutauchen. Die Erfahrung lernt den Menschen jedoch, dass man schlimme Erinnerungen lieber in das Grab des Vergessens buddeln sollte. Denn jede schlechte und schmerzhafte Erinnerung, lässt Wut und Hass auftauen und das hat weiter zur Folge, dass die Infernalität im Menschen wächst. Durch die Handlungen der zwei Protagonisten lässt sich das ganz leicht manifestieren.
Ebenfalls muss sich Robert Menasse fragen, ob so eine Art Werk noch einmal in die Liste seiner Publizierungen landen sollte. Denn, dass die Juden eine schlimme Vergangenheit hatten, weiß man mittlerweile. Wenn ein Jude das immer wieder hört, fängt er auch an in Erinnerungen oder in Geschichtsbüchern zu bohren und seine Weltanschauung sieht anschließend sicher nicht besser aus. Der Friede kehrt dann ein, wenn der Mensch akzeptiert, Vergangenheit und Gegenwart zu trennen.


Missing. New York: Roman
Missing. New York: Roman
von Don Winslow
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bizarre, authentische Story, 9. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Missing. New York: Roman (Broschiert)
Don Winslow ist bekannt für seine sehr raffinierten und gut recherchierten Storys. Bei diesem Buch hat er dort angeknüpft und ein sehr ernstes und sensibles Thema in dem Brunnen seiner Fantasie entworfen.
"Jeden Tag werden in den USA fünf Kinder getötet. Das sind fünf Mal so viel wie in den fünfundzwanzig nächstgrößeren Industrienationen zusammengenommen, und ich frage mich, was das über unser Land sagt."

Frank Decker ist ein 34-jähriger äußerst Effizienter und guter Cop, der als Soldat im Irakkrieg mitgewirkt hatte.
Seine Beförderung steht kurz bevor, weil sein Chef sich schon in ein Alter bewegt, welches eine Pension sich wünscht.
Seine Ehe kriselt, jedoch hofft er, dass die Zeit darüber wächst und sie wieder erblühen lässt.
Als er zu einem Fall hinzugezogen wird, bei dem ein kleines, schwarzes Mädchen entführt wurde, verändert sich sein komplettes Leben.
Er arbeitet nach der klaren Deadline, die ihm sagt, wie wahrscheinlich es noch ist, dass das Mädchen lebt. Als die Deadline verstreicht, gesteht er sich ihren Tod trotzdem nicht ein. Er kann das Mädchen nicht loslassen. Kurze Zeit später verschwindet ein weiteres Mädchen, deren Leiche gefunden wird. Jedoch nicht jene von der kleinen Haley. Frank Decker hat die Chance: Die Geschichte ruhen lassen und den Fall als abgeschlossen sehen, oder sein Leben der Suche nach dem Unmöglichen schenken. Seine Ehe auf das Spiel setzen und seinen Job verlieren.
Frank entscheidet sich für letzteres und gerät in einen Strudel aus gefährlichen Intrigen und einer beispielhaften Nervenjagd.

Es ist eine sehr realitätsgetreue Geschichte. Man liest das Buch und nickt traurig mit, weil die Welt solche Gegebenheiten nun mal projiziert.
Der Schreibstil dieses Buches ist wirklich exzellent. Die Kapitel sind so klein wie nur möglich gehalten und die Sätze mit unglaublicher Prägnanz verziert. Alle Achtung!
Wieso es am Ende nicht zu 5 Sternen reicht. Ganz einfach, weil 5 Sterne für mich grandios sind. Und das Buch ist wirklich sehr gut, jedoch fehlte ihm zum ganz großen Buch, die letzte großartige Spannung.

Aber das ist nur Kritik auch zu hohem Niveau.
Ich empfehle das Buch wirklich wärmstens weiter und lade Sie ein sich von einer wirklich hervorragenden Story und einem hervorragenden Schreibstil in eine ferne Welt gleiten zu lassen!


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