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perlentaucher "rudolf.plagemann@koeln.de" (Köln, Deutschland)

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Wassermusik/Feuerwerksmusik
Wassermusik/Feuerwerksmusik
Preis: EUR 19,98

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom anderen Stern, 7. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Wassermusik/Feuerwerksmusik (Audio CD)
Nur noch wenige Jahre sind wir entfernt vom 300. Jahrestag der Wassermusik, die Händel 1717 der Überlieferung nach komponiert hatte, um sich mit seinem Hannoveraner Kurfürsten und späteren König Georg I von England mit schlagartiger Wirkung zu versöhnen: Sie wurde zur Popmusik des Barock und spricht in ihrem Tanzcharakter und Melodienreichtum bis heute ungebrochen auch alle Hörer spontan an, die sich nicht unbedingt als Freunde orchestraler Musik der Hochkultur bezeichnen.

Zum zehnjährigen Bestehen seines Labels AliaVox hat Jordi Savall nun endlich die Aufnahme mit seinem Orchester Le Concert Des Nations aus dem Jahre 1993 wiederveröffentlicht. Um es vorwegzunehmen: Das Warten hat sich gelohnt - über alle Maßen!

Warum nur klingt bei ihm alles anders als je zuvor gehört? Da sind doch auch nur Streicher, Cembalo, Hörner, Trompeten, Fagotte, Oboen, Flöten und Pauken am Werk. Und doch - was da abgebildet wird, überwältigt einfach ab dem ersten Takt, der die Musik in Fluss bringt. Sicher fasziniert die sensationelle Klangtechnik, die durch ihre genaueste Ortung bis zu ihrem letzten Platz alle Spieler geradezu sichtbar macht und von daher spektakulär wirkt. Musiker auf Begleitbooten als Dekor für eine königliche Schifffahrt die Themse herauf und hinunter, diese Vorstellung wollte mir bei diesen Stücken nie passen, weil doch eher alle Züge einer Ballettmusik ohne Thema im Vordergrund stehen. Savall fasst die ursprünglich drei Suiten auf zwei zusammen und lässt sein Orchester in einer unmittelbar belebenden Art tanzen, die über die Ohren ins Blut übergeht: zupackend, schwebend, betörend, einschmeichelnd.

Die Aufmerksamkeit ist aber keineswegs einem Dirigat zu danken, das sich durch ungewohnte Phrasierungen der abzubildenden Literatur bemerkbar machte. Im Gegenteil steht hier absolute Notentreue im Vordergrund. Allein die spielerische Freude am Einsatz und Klang der Originalinstrumente nimmt hier gefangen. Die Darmsaiten federn, die Hörner bringen sich erhaben ein oder keck, die Trompeten mischen seidig mit, die Oboen und Fagotte singen oder gackern - und den geschmeidigen Einsatz von Pauken (Pedro Estevan) wünscht man sich endlos. Dieses Orchester funkelt sich weich und überaus wohlklingend durch die möglichen Farben seiner Instrumente freiluftig hinein in eine Darstellung für die einsame Insel.

Ich kenne viele, viele Aufnahmen der Wassermusik. An diese reicht klanglich überhaupt keine weitere heran. Die von Zefiro, die wegen ihrer ungewohnten Artikulation so erfrischend wirkt, folgt auf Rang zwei.

Die Uraufführung der Feuerwerksmusik brachte auch immerhin 12000 Londoner in den Hyde Park. Das war die vom König erwünschte, von Händel ungeliebte Fassung für Bläser und Schlagwerk. Hier hören wir die tradierte Fassung mit zusätzlichen Streichern. Die Musik kommt ihrem Charakter nach um ein Vielfaches pompöser und weniger wohnzimmertauglich zu Ohren. Aber Savall verleiht ihr in vielem lautmalerische Akzente, die ein Barockfeuerwerk nachvollziehen lassen, wie ich es 1988 einmal zur 600-Jahrfeier der Kölner Albertus-Magnus-Universität erlebt habe: Ob sich zu Beginn von Track 24 mit den Verzierungen der Trompeten leuchtende Girlanden in den nächtlichen Himmel schrauben oder in Track 28 feine Farbkugeln jonglieren, bleibt nur noch der Fantasie überlassen.


Wassermusik/Feuerwerksmusik
Wassermusik/Feuerwerksmusik
Preis: EUR 19,98

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom anderen Stern, 18. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Wassermusik/Feuerwerksmusik (Audio CD)
Nur noch wenige Jahre sind wir entfernt vom 300. Jahrestag der Wassermusik, die Händel 1717 der Überlieferung nach komponiert hatte, um sich mit seinem Hannoveraner Kurfürsten und späteren König Georg I von England mit schlagartiger Wirkung zu versöhnen: Sie wurde zur Popmusik des Barock und spricht in ihrem Tanzcharakter und Melodienreichtum bis heute ungebrochen auch alle Hörer spontan an, die sich nicht unbedingt als Freunde orchestraler Musik der Hochkultur bezeichnen.
Zum zehnjährigen Bestehen seines Labels AliaVox hat Jordi Savall nun endlich die Aufnahme mit seinem Orchester Le Concert Des Nations aus dem Jahre 1993 wiederveröffentlicht. Um es vorwegzunehmen: Das Warten hat sich gelohnt - über alle Maßen!
Warum nur klingt bei ihm alles anders als je zuvor gehört? Da sind doch auch nur Streicher, Cembalo, Hörner, Trompeten, Fagotte, Oboen, Flöten und Pauken am Werk. Und doch - was da abgebildet wird, überwältigt einfach ab dem ersten Takt, der die Musik in Fluss bringt. Sicher fasziniert die sensationelle Klangtechnik, die durch ihre genaueste Ortung bis zu ihrem letzten Platz alle Spieler geradezu sichtbar macht und von daher spektakulär wirkt. Musiker auf Begleitbooten als Dekor für eine königliche Schifffahrt die Themse herauf und hinunter, diese Vorstellung wollte mir bei diesen Stücken nie passen, weil doch eher alle Züge einer Ballettmusik ohne Thema im Vordergrund stehen. Savall fasst die ursprünglich drei Suiten auf zwei zusammen und lässt sein Orchester in einer unmittelbar belebenden Art tanzen, die über die Ohren ins Blut übergeht: zupackend, schwebend, betörend, einschmeichelnd.
Die Aufmerksamkeit ist aber keineswegs einem Dirigat zu danken, das sich durch ungewohnte Phrasierungen der abzubildenden Literatur bemerkbar machte. Im Gegenteil steht hier absolute Notentreue im Vordergrund. Allein die spielerische Freude am Einsatz und Klang der Originalinstrumente nimmt hier gefangen. Die Darmsaiten federn, die Hörner bringen sich erhaben ein oder keck, die Trompeten mischen seidig mit, die Oboen und Fagotte singen oder gackern - und den geschmeidigen Einsatz von Pauken (Pedro Estevan) wünscht man sich endlos. Dieses Orchester funkelt sich weich und überaus wohlklingend durch die möglichen Farben seiner Instrumente freiluftig hinein in eine Darstellung für die einsame Insel.
Ich kenne viele, viele Aufnahmen der Wassermusik. An diese reicht klanglich überhaupt keine weitere heran. Die von Zefiro, die wegen ihrer ungewohnten Artikulation so erfrischend wirkt, folgt auf Rang zwei.

Die Uraufführung der Feuerwerksmusik brachte auch immerhin 12000 Londoner in den Hyde Park. Das war die vom König erwünschte, von Händel ungeliebte Fassung für Bläser und Schlagwerk. Hier hören wir die tradierte Fassung mit zusätzlichen Streichern. Die Musik kommt ihrem Charakter nach um ein Vielfaches pompöser und weniger wohnzimmertauglich zu Ohren. Aber Savall verleiht ihr in vielem lautmalerische Akzente, die ein Barockfeuerwerk nachvollziehen lassen, wie ich es 1988 einmal zur 600-Jahrfeier der Kölner Albertus-Magnus-Universität erlebt habe: Ob sich zu Beginn von Track 24 mit den Verzierungen der Trompeten leuchtende Girlanden in den nächtlichen Himmel schrauben oder in Track 28 feine Farbkugeln jonglieren, bleibt nur noch der Fantasie überlassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 8, 2009 12:05 AM CET


Noels a L'orgue
Noels a L'orgue
Preis: EUR 15,86

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heilig's Pfeifle, ..., 8. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Noels a L'orgue (Audio CD)
... wie lecker klingt DAS denn? Schalmeien, Krummhörner, Block-, Quer- und Piccoloflöten, Oboen, Fagotte, Klarinetten, Zimbeln, Zinken, Tuben, Posaunen, Trompeten und sogar dicke Trommeln - alle von einem einzigen Instrument erzeugt: So klangdurstig habe ich noch nie einer Orgel zugehört, wie jeweils diesen beiden Französinnen aus der Sainte Chapelle von Schloss Ducal in Chambéry (Südalpen) und der Serassi aus der Kathedrale zu Tende (nahe Nizza).

Traditionsreiche Weihnachtsliedchen aus dem eigenen Land wurden im Frankreich des 18. Jahrhunderts als sog. Noels mal provencal, mal suisse, mal bourgeois von den beiden Organisten Ludwigs XV, Daquin und Balbastre, in pastoral intimem Grundcharakter vertont. Diese Kompositionen vor allem (nebst den Pastoralen von Zipoli und Bach) ermöglichen es René Saorgin, die Klangfarben der bespielten Orgeln jeweils voll auszureizen. Außer bei J.S. Bach ähneln sich die Strukturen nämlich darin, musikalisch an der einfachen Melodie im Grunde wenig bis gar nichts zu verändern; diese wird nur immer wieder von Neuem vorgebracht, dafür aber mit sich steigerndem Rhythmus und vor allem ständig wechselnden Registrierungen der Orgeln sowie effektvollem Einsatz von Trillerfiguren, so dass dem Hörer der Pfeifenwind aus allen Richtungen nur so um die Ohren weht, doch stets bei angenehmer Stärke zwischen eins und vier. Genuss steht weit vor aller Besinnlichkeit, es geht mehr um die Faszination des Rückzugs in eine stille, heilige Nacht, die hier expressiv zelebriert wird.

Die Aufnahmen entstanden zwischen 1976 und 1980, als Harmonia Mundi noch glänzte durch Tiefenstaffelung und präsente Darstellung des Klanges wie kaum ein anderes Label zu der Zeit. So wird die raumgreifende Kraft der übersichtlich aufspielenden Barockzier dieser Orgeln von meterweit entferntem Pedalgetrappel bis zum ohrensäuselnden Dialog von Piccoloflöten in luftiger Höhe über dem Hörplatz zu einem nachhallenden Erlebnis.

Die über Frankreich hinaus kaum bekannten Noels werden eingeläutet durch das Glockenspiel am Schloss von Chambéry, eine Aufmerksamkeit jenseits üblicher Kirchenglocken, die den Hörer gleich zu Beginn ganz in ihren Bann zieht.

Dazu passen reines Kerzenlicht und ein kräftig würziger Rot- oder Glühwein.


L'Orchestre de Louis XIII
L'Orchestre de Louis XIII
Preis: EUR 20,30

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Königsklänge, 1. November 2006
Rezension bezieht sich auf: L'Orchestre de Louis XIII (Audio CD)
Vom Sonnenkönig, dem 14. Ludwig von Frankreich, ist seine Liebe zur Musik bekannt. Selbst Balletttänzer, engagierte er Lully zum Hofkomponisten, um sich leidenschaftlich mit ihm über die zu erreichenden Ziele auseinanderzusetzen. Dass ihm solche Interessen durch seinen Vater Louis XIII vorgelebt worden sind, weiß man vielleicht weniger. Anders nach dem Anhören dieser CD. Nur bei der musikgeschichtlichen Wissensbereicherung bleibt es natürlich nicht. Zum Glück!

Entscheidend ist wieder einmal, was Jordi Savall mit seinem Le Concert Des Nations daraus macht. Er versetzt sich titelgegebend in das Orchester Ludwig XIII und befreit mit dem neugierigen Ohr des heutigen Hörers gut archivierten musikalischen Dekor für offizielle und private höfische Anlässe von jahrhundertelangem Verschluss.
Dabei gestalten sich diese Gebrauchskompositionen zu einem akustischen Ereignis der luxuriösen Sonderklasse: Durch die Raumdarstellungen von Hallen, Höfen, Musikzimmern hindurch, je nach Zweck der Aufführung, erreicht das Trommelfell der warme Klang von unvergleichlich berührten Trommeln, von rotgold funkelndem und hellsilbern glänzendem Blech, von poliertem Holz bei Streichern und Bläsern. Kein Kratzen, kein Schräpen - ganz königlich dazu auch die unbändige Spielfreude, wie sich hier alle bestgelaunt miteinander unterhalten.

Ob hier Menschen sich selbst oder Pferde im Ballett bewegen, ob sie im Prunk erstarren oder feierlich schreiten, das bleibt der Fantasie des Hörers überlassen, der wohl eher wie Louis XIII "ganz hingerissen und begeistert" teilnimmt. "Er saß reglos da und hörte den Stimmen und der [...]Musik zu, man kann ihn nicht wegziehen, so aufmerksam ist er", so schrieb sein Arzt über den jungen König und so mag es ein Außenstehender gegenüber jemand tun, der dieser CD lauscht.


Les Grandes Eaux Musicales de
Les Grandes Eaux Musicales de
Preis: EUR 18,95

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie Cashmere ..., 29. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Les Grandes Eaux Musicales de (Audio CD)
... nackter Haut, so schmeichelt Jordi Savall dem Ohr. Sein geschmeidiger Klang vermeidet jede Spitze, wie sie bei Originalinstumenten in den Violinen und Bläsern oft unangenehm mittönt. Er verleiht der höfischen Gebrauchsmusik von Ludwig XIII und XIV französische Aromen und tänzelnden Duft. Dabei eine Frische aufkommen zu lassen, als ob die Musik genau im Entstehen des Klanges gerade erst komponiert würde, bleibt wohl in allen Aufnahmen Geheimnis wie Markenzeichen des Dirigenten und der beiden von ihm gegründeten Orchester; so hält sich der Bogen von noch so alter Musik zum Ohr des heutigen Hörers immer gespannt.

Die getroffene Auswahl mixt Kompositionen von zwei CDs, die jeweils einem der Könige gewidmet und ebenfalls bei ALIA VOX erschienen sind. Man erwarte unter dem neu gefundenen Titel eben keine tonmalende Wassermusik. Niemals angeblich haben die Stücke den Anblick der Fontänen von Versailles begleitet. Den Charakter von Freiluftkonzerten mit teilweise kräftig auffahrender Batterie vermitteln dennoch fast alle, ganz wunderbar dabei die fantastische Minute der Echos aus Alceste von Lully, der musikalischen Entsprechung von Spiegeln in den Palästen und Tunneln von Heckenarkarden in den Gärten, die im Barock Unendlichkeit versinnbildlichen wollten. Dem höfischen Glanz werden zwischenzeitlich in den Partien II und V der CD besonnene Klänge sich zuspielender Gamben entgegengesetzt, wodurch das Hören en suite auch die nötige Abwechslung erfährt.

Besonderen Eindruck hinterlässt der unnachahmliche Einsatz der Trommeln und Pauken: eine Berührung von Häuten und Fellen, so angenehm wie die durch Samt und Seide - oder heute halt Cashmere.


Villancicos Y Danzas Criollas
Villancicos Y Danzas Criollas
Preis: EUR 17,78

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berauschendes Klangabenteuer, 3. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Villancicos Y Danzas Criollas (Audio CD)
Ein Fest der Lebensfreude, das mich mit immer neuen Gänsehäuten überzieht, so ansteckend, so unmittelbar ergreift der Schatz dieser Himmelsmusik.

Sanft, aber satt angeschlagene Trommeln und Schellen, Kastagnetten und Barockgitarre des Hesperion XXI ergründen von überall her die räumlichen Tiefen der Kirche, in der die Aufnahmen entstanden sind. Truhenorgel, Laute, Harfe, Kornett mischen sich mit Viola da Gamba (Savall selbst mit von der Partie sowie auch Rolf Lislevand), Violinen und weiteren aufregend klingenden Originalinstrumenten in wunderbar durchsichtiger und zugleich greifnaher Aufstellung. Wie schützende Begleiter umgeben sie die im Ensemble wie solistisch fiebernde Gesangsformation der Capella Reial de Catalunya. Allein schon die hier zu Gehör gebrachte Tontechnik des von Savall gegründeten Labels ALIA VOX erregt die Klangsinne, alle Bewertungssterne funkeln zu lassen.

Mit dem barcelonetischen A LA VIDA BONA huldigen Chor, Orchester und Dirigent gleich zu Beginn in atemberaubendem Musikfeuerwerk ihrer für Lebensfreude geradezu synonym stehenden Heimatstadt. Das lässt ahnen: Hier wird kein Platz sein für Depression, bei dem was noch kommen mag - und darin wird der Hörer in den noch folgenden 70 Minuten nicht enttäuscht.

Dieses Intro verweist auf eine ursprünglich indianische Quelle, eine Chaconne, die sich in der europäischen Barockkomposition zur beliebten Tanzform entwickelte. Solche Spurensuche bestimmt das Programm:
Wie Columbus von Barcelona ablegte, so gehen auch die Musiker von hier aus auf Entdeckungsreise nach Lateinamerika und kehren schließlich zurück ins nahe gelegene Kloster Montserrat, um musikalische Querbezüge zur iberischen Halbinsel während des 16. und 17. Jahrhunderts aufzuzeigen.

Mitreißend federnder Rhythmus und wohlgefällig ausgesungene Melodie, vor Freude berstende und vor Innigkeit schmelzende Stimmen, raffinierte Klangfarben, sauberst intoniert, akkurat, zart und energisch, werden hier mit Genuss und Eleganz in Szene gesetzt. Inniges Gebet und ausschweifender Tanz wechseln einander, und der Hörer hat alle Ohren voll zu erlauschen und sich zu ergötzen an den nicht enden wollenden Delikatessen, dem unglaublichen Einfallsreichtum von instrumentaler und vokaler Gestaltung, die sich vor ihm ausbreiten.

Ein an Farben und Formen über und über reiches Barockbuffet hat Jordi Savall mit Hebung, Auswahl und Deutung von iberischen und lateinamerikanischen Schätzen hier angerichtet, das Leben mit allen sinnlichen Klangfreuden zu genießen. Die Ausführenden scheinen einer Magie ergeben, die von seinen Vorstellungen ausgeht. Ich bin es auch.

Savall, der Zauberer von Klang(t)räumen, was macht er nur mit mir?
Mehr und mehr und mehr davon!


Rolf Lislevand-Nuove Musiche
Rolf Lislevand-Nuove Musiche
Preis: EUR 21,99

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Befreiungsschlag, 18. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Rolf Lislevand-Nuove Musiche (Audio CD)
Ah ja, so hat man das in sehr viel früheren Zeiten also aufgeführt und zu Ohren bekommen:
Mal mehr, mal weniger Bekanntes vor allem aus dem Musikbarock wurde durch die Pflege des Originalklangs seit Harnoncourt eines neben dem anderen neu aufpoliert in seine eigene Vitrine gesetzt und zur akustischen Ausstellung gebracht.

Aber wozu hören wir heute bis zu 400 Jahre alte Musik unter ihren damaligen Klangbedingungen, allzu oft wissenschaftlich dröge zu diesem alleinigen Zweck fetischiert, beraubt um Wärme und Sinnlichkeit?

Das ungute Gefühl, als heutiger Mensch mit 400 Jahren mehr an (Musik-)Geschichte nicht ernsthaft ohne große und größte Einengung in solchen Darbietungen seelisch Platz nehmen zu können, mag den Norweger Rolf Lisveland, selbst als Lautenist und Gambist Exeget solcher Aufführungspraxis, beschlichen haben. Mit in dieses Boot nimmt er gleich noch zwei weitere Größen aus dem Umfeld Jordi Savalls: dessen Tochter Arianne als Sopranistin und Harfinistin und den Mann für das Schlagwerk schlechthin, Pedro Savall. Allesamt weltweit anerkannte Profis für die lebendige Ausgestaltung alter Musik auf Originalinstrumenten, wagen sie das gemeinsame Experiment, mit "Nuove Musiche" die Abtrennung von der heutigen Zeit radikal zu beseitigen. Das wirkt wie ein überfälliger Befeiungsschlag.

Wie das denn? Über die Originalkompositionen aus der italienischen Literatur des späten 17. Jahrhunderts wird auf Originalinstrumenten dieser Zeit unter Einbeziehung heutiger Studioakustik, Klangraffinessen und Hörerfahrungen improvisiert. Dazwischen bereichern dann schon einmal Flamenco oder keltische Töne durchaus passend den mitunter volkstümlichen Charakter der Ursprungswerke (Kapsberger, Narvaéz, Piccinini), mischt sich eine Truhenorgel unter zeitgenössische Klänge dennoch alten Schlagwerks. Die Studioqualität lässt das Ensemble ohne reproduzierten Zusatzraum direkt im Wohnzimmer aufspielen und erzeugt somit echte Kammermusik.

Ob das denn alles jemals so geklungen haben mag? Niemals! Die Musiker nutzen nur die im italienischen Barock des 17. Jahrhunderts sowohl in der Commedia dell'Arte als auch in der Musik übliche freie Improvisation geschickt für das Einbringen der Gegenwart.
Die so gelungene Aufhebung der zeitlichen Schranken macht für uns heutige Hörer bruchlos erfahrbar, was diese Musik wohl auch zur Entstehungszeit bei ihren Zeitgenossen ansprechen wollte: Intimität, Wärme, Wohlgefühl, Lebensfreude, Klanggenuss.


Le Quattro Stagioni
Le Quattro Stagioni
Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 37,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen al gusto, 26. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Le Quattro Stagioni (Audio CD)
Il Giardino Armonico:
Welch eine Truppe!
Sie spielen weit jenseits aller Konventionen aus dem Bauch heraus und bringen sie dem Hörer zurück, die pure Lust auf eine Musik, die sich nicht länger bloß als geistige Notenfolge, sondern auch als sinnliche Hingabe an den Klang von Originalinstrumenten ausdrückt. Da fidelt, quietscht und jault und strotzt und klopft es aus allen Ecken, von allen Kanten, da erweckt wirkliches Holz in allen Farbtönen eine Partitur zum Leben, die man trotz ihrer vermeintlichen Berühmtheit noch nie zuvor gehört hat.
Die begeisternde Tontechnik beugt sich dem Klangwillen der Akteure, durch ihr präsentes Spiel direkt und ohne Distanz auf den Hörer einzuwirken und somit barocke Musik auch körperlich erfahrbar zu machen. Abenteuerlich.
Ich bin für diese eine und einzige Aufnahme verloren:
Welch ein Gewinn - zu jeder Jahreszeit!


Der Nussknacker
Der Nussknacker
Preis: EUR 21,32

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spielzeugland, 30. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Nussknacker (Audio CD)
Tschaikowskis berühmte musikalische Wanderung aus dem Jahr 1892 durch E.T.A. Hoffmanns Märchen "Nussknacker und Mausekönig" erweist sich hier als engagiert, verspielt, farbenreich, zärtlich, auftrumpfend, akkurat, lebendig, spritzig, als überaus natürlich und kunstvoll zugleich, mit Feinsinn für Puppen und Blechspielzeug, für Dramatik und Tanz.

Die pausenlos zum Gesamtballett ineinander gearbeitete Nummernfolge auch der durch die Suite hinlänglich bekannt geglaubten "Reißer" lässt den Erzählfluss niemals stocken. Letztere erklingen nur entfernt vertraut, indem sie sich als Teil des unablässigen Geschehens einfügen und dabei eine eigene, bisher unerhörte Dynamik und Phrasierung entwickeln. Die immer wieder unterschiedliche Tongebung, z.B. in der Abfolge der Charaktertänze im zweiten Akt, erreicht eine Natürlichkeit, die ganz und gar nicht anders klingen dürfte.

Das Geschehen vollzieht sich vor dem Hörer klangdicht, in allen Instrumentengruppen präsent und dabei doch transparent und bühnentief für allerfeinste Nuancen aufgestellt. Die Tontechnik öffnet sich sensibel, detailfreudig von bassgrundtief bis glöckchenhell dem natürlichen Klang der Instrumente und trägt ihren maßgeblichen Anteil zum Meisterstück des gesamten Balletts auf einer einzigen CD (81 Minuten!) bei.

Valery Gergiev und dem Kirov Orchester aus St. Petersburg gelingen hier samt Chor eine beispielhafte Kongenialität mit der Partitur.
Bisherige Referenzen, wie etwa die Aufnahme mit Dorati und dem LSO, haben alle Beteiligten hinter sich gelassen.
Märchenhaft!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 30, 2012 3:46 AM MEST


Round About A Midsummer's Dream
Round About A Midsummer's Dream
Wird angeboten von marvelio-germany
Preis: EUR 9,36

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberwelt, 3. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Round About A Midsummer's Dream (Audio CD)
Drei Trios stellen hier eine musikalische Melange aus Hochkultur und Folklore Italiens und Jazz zusammen, die ihresgleichen sucht und allerhöchst selten findet.
Was sie dabei als Zauber einer Sommernacht entfalten, ist sonst wohl nur in schönsten Träumen möglich: ein fantasievolles Gebilde voller Inspirationen und angenehmster Überraschungen, exzellent aufspielend, tänzerisch leichtfüßig; federnd elegant und traumwandelnd sicher greifen die Stile ineinander, wechseln die Szenen.
Für alle Gourmets feiner Instrumentalmusik, die dabei die Mitte zwischen Elfenbeinturm und Bodenhaftung, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Körper und Geist bevorzugen, ist dieser Trovesi ein reines 5-Sterne-Glück.
Das muss man gehört haben - immer und immer wieder!
Anspieltipp: Animali in marcia


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