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Rezensionen verfasst von
Victoria Cotta "Somerset"
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Immanuel Kant
Immanuel Kant
von Karl Vorländer
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seine Arbeit und sein Leben, 26. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Immanuel Kant (Taschenbuch)
Nicht nur ein Schatz mit einem vollständigem Verzeichnis einer Bibliographie zum Werk dieses Philosophen, sondern auch eine gelungene Biographie im Sinne der Darstellung seines Lebens. Detailliert geschrieben über Einfluss- und Wirkungsgeschichte des Denkens von Kant.

Hier wird auch Menschliches von Kant geschildert, was uns den grossartigen Philosophen näher bringt.


Ich, Claudius, Kaiser und Gott
Ich, Claudius, Kaiser und Gott
von Robert von Ranke Graves
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaiser wider Willen, 26. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Ich, Claudius, Kaiser und Gott (Taschenbuch)
Diesem Buch merkt man an, dass der Autor sich nicht nur ausgiebig mit Tiberius Claudius Nero beschäftigt hat und somit auch eine enorme Forscherarbeit leistete, sondern auch eine Liebe zu diesem Thema entwickelte, wie er selbst einmal sagte. Es muss ihn sehr gestört haben, dass Claudius bei Zeitgenossen wie Geschichtsforschern schlecht wegkam.

Das erstaunliche ist, dass er anhand von einer fiktiven Autobiographie versucht, dem Leser näherzubringen, dass es sich hier nicht nur um einen Stotterer oder Schwachsinnigen handelt, sondern um einen Historiker und einen Kaiser, der im Grund genommen nichts von der Monarchie hielt, ja sie sogar verabscheute. So tritt Claudius nur die Herrschaft an, um schnellstmöglich die Republik auszurufen. Er ist fleissig und strebsam und führt viele Verbesserungen und Neuerungen in seinem Reich ein. Privat scheint er kein grosses Glück gehabt zu haben, denn wenn er auch seine Frauen geliebt und ihnen vieles nachgesehen hat, so ist er immer betrogen worden. Dies mag dafür sprechen, dass er im Grunde seines Herzens sehr altruistisch war.

Graves hat ein Werk geschaffen, dass uns dem vierten Kaiser des Römischen Reiches näher bringt und ihn uns von der menschlichen Seite zeigt. Dabei hat er sich auf literarische Quellen von Tacitus bis Sueton gestützt. Das ist ihm so gut gelungen, dass man nach den ersten gelesenen Seiten mehr und mehr glaubt, es handelt sich hier um ein zeitgenössisches Werk. Humor und Ironie, die Claudius in den Mund gelegt werden, sind einmalig und kommen für mich einem typisch englischen Humor sehr nah.

Für mich eine grandiose Idee, anhand eines fiktiven Stoffes eine historische Person und ihre Zeit wieder auferstehen zu lassen. Leider ist die deutsche Übersetzung an manchen Stellen nicht sehr gelungen, was mir etwas den Lesespass nimmt. Das tut aber dem Inhalt und keinen Abbruch.


Der Arschloch-Faktor: Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen
Der Arschloch-Faktor: Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten im Unternehmen
von Robert I. Sutton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Despoten und Consorten, 29. April 2007
Dieses Buch hat einen enormen Wiedererkennungswert, denn jedem in seinem Berufsleben ist sicherlich schon mal einer dieser miesen Vertreter des Intrigierens und Aufschneidens begegnet.

Robert Sutton, renommierter Management-Autor und Professor in Stanford, zeigt uns in seinem Buch auf, was jeden Tag in vielen Unternehmen passiert. Wenn er auch eine lockere Schreibweise hat, so ist dieses Thema sehr viel ernster zu nehmen. Was tyrannische Egomanen, wenn sie in führenden Positionen sind, anrichten können, zeigt eines der Beispiele in seinem Buch. Demnach sind bei einem amerikanischen Unternehmen die Kosten für die immer wiederkehrende Suche und Ausbildung einer neuen Assistentin auf $ 85.000 angelaufen. Diese Spezies von Mensch ist also nicht nur schwer zu ertragen, sie ist auch wirtschaftlich nicht vertretbar und richtet in einem Unternehmen grossen finanziellen Schaden an.

Es geht aber auch um Psychoterror am Arbeitsplatz und das in jeder erdenklichen Form. Sutton unterscheidet die temporären und amtlichen Übeltäter, wobei er sein Augenmerk auf die permanenten Fieslinge legt, die über einen meist langen Zeitraum ihre Stellung, Mitarbeiter und Kollegen auf unverschämte und unmoralische Art und Weise ausnutzen. Er hat wohl bewusst eine lockere Umgangssprache gewählt, um dieses ernste Thema erträglicher zu machen. Schmunzel-Faktor ist hier inbegriffen, da es auch an Anekdoten nicht fehlt. Es wird dem Leser ein Leitfaden anhand gegeben, wie man solche unkontrollierten Despoten identifizieren und somit kaltstellen kann. Keine Sorge, wenn das nicht gleich klappt (man muss ja den Umgang mit Tyrannen erst einmal lernen), denn nun erfährt man weiterhin, wie man ihnen geschickt ausweicht, ohne Schaden zu nehmen. Diese Ausweichmöglichkeit soll helfen, bis man gestärkt und mit mehr Abstand wieder auf dem Schlachtfeld erscheinen kann.

Mann sollte dieses lehrreiche Buch in seiner Schreibtischschublade haben, denn es gehört einfach - und auch wohl leider - mit zur Grundausstattung. Wie wäre es, wenn man es hübsch verpackt und mit roter Schleife dem Widersacher anonym auf den Schreibtisch legt ?


Der Schakal
Der Schakal
DVD ~ Edward Fox
Preis: EUR 7,34

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Schakal, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Schakal (DVD)
Vor dem historischen Hintergrund der OAS, der geheimen Organisation von in Algerien lebenden Franzosen, wird ein berufsmässiger Killer angeheuert, um Charles de Gaulle bei einer Parade zu erschiessen. Was vorher schon einmal versucht wurde, aber nicht gelang, soll jetzt durch eine bessere finanzielle Lage sowie gut durchdachte Vorbereitungsphase realisiert werden. Der Killer, der beabsichtigt nicht aus den OAS-Kreisen gewählt wurde, da diese bereits von Spitzeln aus dem französischem Geheimdienst unterwandert sind, bedingt sich aus, im Alleingang ans Werk zu gehen, was er mit äusserster Präzision und fast gewissenhaft tut. Parallel dazu laufen die ersten Ermittlungen, doch die Polizei tappt sehr lange im Dunkeln, da niemand das Aussehen des Killers kennt.

Zu den Zeiten des Kalten Krieges war der Verlust einer Kolonie, der von Algerien, für die OAS nicht akzeptabel. Somit geht es hier nicht nur um ein geplantes Attentat, sondern um eine viel weitreichendere Angelegenheit, denn die OAS verstand dies als einen Verrat an Frankreich und das Ganze mutierte zu einer Blutfehde, die mit Terroranschlägen ihren Anfang fand.

Auf beiden Seiten wird mit Sachlichkeit und Kälte operiert. Es werden Mittelsmänner eingeschleust, die entweder kalt gestellt werden, oder gefoltert. Der Schakal wie der Inspektor reagieren ihrem Berufsbild entsprechend, der eine wird auf Auftrag töten, der andere schreckt auch vor Folterungen nicht zurück. Beide sind im eigentlichen Akt der Fehde nicht eingebunden, sondern bekommen eine Sonderstellung und somit ihren persönlichen Machterwerb, da sie ihr eigenes Ziel verfolgen.

Ein vor dem Hintgergrund des Kalten Krieges hervorragend recherchiertes Werk, ausgestattet mit Höchstspannung.


Der Schakal: Thriller
Der Schakal: Thriller
von Frederick Forsyth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Schakal - nomen est omen, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Schakal: Thriller (Taschenbuch)
Vor dem historischen Hintergrund der OAS, der geheimen Organisation von in Algerien lebenden Franzosen, wird ein berufsmässiger Killer angeheuert, um Charles de Gaulle bei einer Parade zu erschiessen.

Was vorher schon einmal versucht wurde, aber nicht gelang, soll jetzt durch eine bessere finanzielle Lage sowie gut durchdachte Vorbereitungsphase realisiert werden. Der Killer, der beabsichtigt nicht aus den OAS-Kreisen gewählt wurde, da diese bereits von Spitzeln aus dem franzöischem Geheimdienst unterwandert sind, bedingt sich aus, im Alleingang ans Werk zu gehen, was er mit äusserster Präzision und fast gewissenhaft tut. Parallel dazu laufen die ersten Ermittlungen, doch die Polizei tappt sehr lange im Dunkeln, da niemand das Aussehen des Killers kennt.

Zu den Zeiten des Kalten Krieges war der Verlust einer Kolonie, der von Algerien, für die OAS nicht akzeptabel. Somit geht es hier nicht nur um ein geplantes Attentat, sondern um eine viel weitreichendere Angelegenheit, denn die OAS verstand dies als einen Verrat an Frankreich und das Ganze mutierte zu einer Blutfehde, die mit Terroranschlägen ihren Anfang fand.

Auf beiden Seiten wird mit Sachlichkeit und Kälte operiert. Es werden Mittelsmänner eingeschleust, die entweder kalt gestellt werden, oder gefoltert. Der Schakal wie der Inspektor reagieren ihrem Berufsbild entsprechend, der eine wird auf Auftrag töten, der andere schreckt auch vor Folterungen nicht zurück. Beide sind im eigentlichen Akt der Fehde nicht eingebunden, sondern bekommen eine Sonderstellung und somit ihren persönlichen Machterwerb, da sie ihr eigenes Ziel verfolgen.

Absolut gut recherchiertes Werk vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und mit Hochspannung ausgerüstet.


Die Schönheit der Schimpansen
Die Schönheit der Schimpansen
von Dieter Wellershoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Früher Sturz, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Schönheit der Schimpansen (Taschenbuch)
Der Konflikt wird schon in der Tatsache der Terminverschiebungen vorbereitet respektive durch die daraus entstehenden schlechten Gefühle des Protagonisten. Sein alltägliches Leben gerät scheinbar aus den Fugen und nur in einem Nebensatz erfahren wir, dass seine Frau ihn betrügt.

Der Konflikt im Leben der Hauptfigur fing wohl schon in seiner Jugendzeit an. In Rückblenden wird beschrieben, dass er seine Klausurarbeit kopierte, ohne die eigentliche moralische Verworfenheit darin zu sehen, da seine Angst zu versagen grösser war und somit sein Handeln bestimmte. Die Strafe, die auf den Fuss folgte, nämlich der Verweis von der Universität, setzte seinem Hochmut zu und liess ihn als gebrochenen Intellektuellen zurück.

Das Herumreisen als Automatenaufsteller unterstützt das zerrissene Bild des Protagonisten. Klaus Jung hat kaum Freunde und vereinsamt, hält sich immer noch der Oberschicht zugehörig, weiss aber, dass er sich den Aufstieg selber vermasselt hat. Er stürzt recht früh, bevor er seine Karriere beginnen konnte und steht nicht mehr auf, da ihm der Überlebenswille fehlt. Nun ist es nur noch eine Frage, bis ihn die Todessehnsucht vollends hinunterziehen wird. Auf dem Weg dorthin tötet er seine Geliebte, die eher eine Gelegenheit ist, als dass man sie als seine Begleiterin sehen könnte, aus nichtigem Grund. Eiskalt, so scheint es, "erledigt" er sie. Das Vergessen eines Fotos und das darauffolgende Suchen, findet unberührt und losgelöst von der eigentlichen Tat statt. Selbst ein Kater muss dran glauben und wird ins Jenseits befördert. Wer bis zur Ermordung der Geliebten noch meint, es handelt sich um einen verworrenen Charakter, muss hier erkennen, dass Jung an seinem eigenen Schicksal erkrankt ist und die Dinge bereits selber voraussehen kann. Er geht diesen Plan als eine gebrochene Figur zu Ende und bringt sich selber, gut durchdacht aber kurz in der Planung, sozusagen nebenher, um.

Sehr gute Studie eines Mannes, der sich von Anfang an selber aufgegeben hat. Der aber auch an der Ich-Bezogenheit dieser Gesellschaft leidet.


Herzog. SPIEGEL-Edition Band 13
Herzog. SPIEGEL-Edition Band 13
von Saul Bellow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selbstreflektion an sich und der Gesellschaft, 29. April 2007
Der Konflikt fängt mit der Äusserung des Protagonisten an, er habe den Verstand verloren. Nach zwei gescheiterten Ehen, gerät Moses Herzog in eine Identitätskrise. Auf Bitten seiner zweiten Frau gab er seine Laufbahn an der Universität auf und hat somit auch seine berufliche Basis verloren. Als er erfährt, dass sie ihn mit seinem besten Freund betrogen hat und darüber hinaus weit voraus geplant hat, ihn zu verlassen, ist es mit seiner Selbstsicherheit endgültig vorbei. Er zweifelt an seinem Verstand und fängt an, sich selber in Frage zu stellen. Er plant einen Mord, verwirft ihn aber wieder. Die Kette von Desastern scheint nicht abzubrechen, als er einen Autounfall hat und sogar wegen unerlaubten Waffenbesitzes ins Gefängnis kommt.

Aus einer Selbstanalyse und Rechtfertigung des Geschehenen heraus, fängt er an zahllose Notizen und Briefe zu verfassen, die er erst fragmentös lässt, sie aber zunehmend entwickelt und schliesslich nicht nur zu seinem eigenen Leben Stellung nimmt, sondern nun auch eine Analyse an politischen, gesellschaftlichen und philosophischen Themen vornimmt. Um dem Ganzen eine Wichtigkeit zu vermitteln, schreibt er Briefe an Personen aus dem öffentlichen Leben, ja sogar an Verstorbene und schliesslich auch an Gott. Er schickt die Briefe nicht ab und somit könnte man meinen, dass dies eine Therapie ist, die er bewusst oder unbewusst einsetzt.

Der Konflikt für Herzog besteht darin, dass er mit der Reihe von Schiksalsschlägen nicht fertig wird, sich selber, aber auch die Gesellschaft, in Frage stellt und einen Weg sucht, sich zu heilen. Das scheint ihm zu gelingen, denn am Ende hört er auf, endlos Briefe zu schreiben.

Nicht umsonst ist Saul Bellow Nobelpreisträger für Literatur. Hier ist ihm ein Werk der Selbstreflektion gelungen, der sich jeder einmal unterziehen sollte.


Die Verwandlung: Leipzig 1916
Die Verwandlung: Leipzig 1916
von Joseph Kiermeier-Debre
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sich selber sehen, so wie man wirklich ist, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung: Leipzig 1916 (Taschenbuch)
Der Konflikt besteht darin, dass sich ein Mensch in einen Käfer verwandelt hat. Der eigentliche Konflikt ist aber wohl der Tatbestand, dass Gregor seinen Beruf nicht gern ausübt (Zugreisen, Anschlüsse heraussuchen etc.). Des weiteren leidet er unter den Intrigen in der Firma und einem grossen Misstrauen ihm gegenüber. Die Angst vor seinem Chef ist so gross, dass er darüber mehr nachdenkt, als an eine Möglichkeit, wie er aus der misslichen Lage des Käferdaseins wieder herauskommen könnte. Die Sorgen um seine berufliche Existenz und die der Familie beherrschen Gregor. Es fällt auf, dass er eine sehr liebevolle Rücksichtnahme, ja sogar ein Pflichtgefühl seiner Familie gegenüber hat. Es macht ihm z.B. grosse Sorge, sie nicht durch ein plumpes Runterfallen aus dem Bett zu erschrecken.

Die Reaktion der Familie ist die, dass sie bei seinem Anblick mit Ekel erfüllt ist; man scheucht ihn wieder in sein Zimmer und schreckt selbst vor Misshandlungen nicht zurück.

Die Frage ist, ob die Verwandlung in ein Insekt wirklich geschieht, oder aber ob Gregor an diesem Morgen seine missliche und hoffnungslose Situation im Leben plötzlich erkennt: seine devote Haltung der Familie gegenüber, seine Schwäche, sich zu entscheiden (z.B. seine Stellung zu kündigen und sich beruflich zu verändern), der fehlende Freundeskreis und letztlich das Akzeptieren, dass er der Alleinverdiener der Familie ist. Am Ende sehnt er sich sogar nach dem Tod.

Hervorragende Literatur und eines der Meisterwerke von Kafka. Der Deutungsmöglichkeiten gibt es viele, so wie man auch autobiografische Züge erkennen kann. Gehört für mich in jeden Bücherschrank.


Der Prozess
Der Prozess
von Franz Kafka
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,95

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vermeintliche Schuld, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Prozess (Gebundene Ausgabe)
Der Konflikt wird im ersten Satz genannt und erzählt uns von der Verhaftung von Josef K.

Niemand sagt ihm, warum er verhaftet wird. Bei seinen Überlegungen gerät er immer tiefer in eine verwirrende Situation, die er bald nicht mehr auflösen kann. Das System nimmt zunehmend Eingriff in sein Leben, lässt aber entscheidene Dinge, wie Offenlegung der vermeintlichen Schuld, unbehandelt. Auch wenn Josef K. Einzelheiten in Erfahrung bringen kann, so kann er nicht bis zur Spitze dieser Maschinerie vordringen. Die Struktur dieser Behörde, die aus vielen weitverzweigten Instanzen besteht, ist undurchschaubar. Er muss erkennen, dass die meisten Menschen in seiner Umgebung zu diesem System gehören und letztendlich auch er selbst.

Es wird ihm eine Parabel erzählt, die ihn aber nur noch konfuser zurücklässt. Obwohl sich alle diese Instanzen in einem unklaren, teilweise versteckten und halbseidenen Bild zeigen, ist es klar, dass niemand einen Prozess anerkennen muss. Er könnte also aus freien Stücken auch gehen, genauso, wie es der Mann vom Lande in der Parabel hätte tun koennen.

Zum Schluss geht er bei seiner Verhaftung noch voran, da er sich aufgegeben hat und wird letztendlich getötet.

Auch hier wird wieder die Ohnmacht des Volkes gegenüber einer Machtinstanz gezeigt. Unter der Oberfläche kommt aber die Unmündigkeit, Bequemlichkeit, Schutzbedürfnis und Abhängigkeit hervor, mit der man als Machtapparat rechnen kann.


Das Schloss: Roman
Das Schloss: Roman
von Franz Kafka
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Machtapparat, 29. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Schloss: Roman (Taschenbuch)
Der Protagonist K. reist an, um als Landvermesser zu arbeiten, seine Berufung bleibt allerdings ungeklärt. Man lässt ihn im Unklaren darüber und fordert von ihm eine Aufenthaltserlaubnis, die er allerdings nicht vorweisen kann. Die Dorfbewohner entgegnen ihm mit Misstrauen, was seine Situation verschlimmert, zumal hierfür kein genauer Grund für K. ersichtlich ist.

Das Schloss und seine Beamten scheinen einen grossen Einfluss auf die Bevölkerung zu haben und halten somit die Macht in Händen. Für K. ist die gesamte Lage rational nicht greifbar. Das alltägliche Leben ist von Bestimmungen und Vorschriften diktiert, die nicht gebrochen werden dürfen, da sonst Strafe droht. Jeder Bürger fügt sich aus Angst und passt sich somit an. K. versucht sich ebenfalls anzupassen, um hinter das System des Schlosses zu kommen, versagt aber. Er bleibt orientierungslos, da er weder die Gesellschaft des Dorfes noch des Schlosses ergründen kann. Der Machtapparat bleibt geheimnisvoll im Dunkeln.

K., der einmal als ehrgeizig beschrieben wird, wird zunehmend schwächer, da er immer mehr an sich zweifelt. Zum Schluss ist er nicht mehr in der Lage, sich aus dieser reduzierten, kalten Welt zu lösen.

Hier sind Menschen einem System gegenübergestellt worden, die durch materielle Abhängigkeit sowie durch ihr Sicherheitsbedürfnis zum Bleiben gezwungen werden. Die Akzeptanz des Systems stellt gleichzeitig eine Unterwerfung dar; sie macht sie zu Helfern und Helfershelfern und schwächt sie zugleich. Sich herauszulösen und einfach zu gehen, also eine Nichtakzeptanz frei zur Schau zu tragen, scheint nicht möglich zu sein.


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