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Hajo von Kracht "rhadamanthys" (Zurich, Switzerland)
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Die Kehrseite des Himmels
Die Kehrseite des Himmels
von Ljudmila Ulitzkaja
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gigantisches Geflecht aus Myriaden von Fäden, 19. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Kehrseite des Himmels (Gebundene Ausgabe)
Das Buch (Im russischen Original heisst es: “свяще́нный му́сор”, was soviel bedeutet wie "heiliger Müll") ist eine Sammlung von 33 Texten (einer davon – die Ausein­andersetzung mit ihrer Krebserkrankung besteht wiederum aus 7 Einzeltexten). Einige sind datiert. Der älteste ist von 1991.

Das Buch ist nicht zu trennen von den heutigen Verhältnissen in Russland, die uns westlichen Europäern als “System Putin” entgegentreten: aggressiv nach aussen, repressiv nach innen, weg von Europa. Keine Frage: Ulitzkaja kritisiert dieses System scharf und schonungslos. Trotzdem ist das Buch – und ist die Autorin – nicht in plattem Sinne “politisch”. Nur einzelne Texte setzen sich mit der Politik Putins direkt auseinander – vor allem eine Rede, die sie 2014 in Salzburg bei der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur erhalten hat (die eindrucksvolle Rede gibt es online).
Gleich der erste Text gibt Aufschluss über den Titel des Buches. Er ist überschrieben: “Heiliger Kram” . Hierin erzählt Ulitzkaja liebevoll, wie sie über Jahre in einem Karton sammelte, wovon sie sich schwer trennen konnte: Bruchstücke, Nippes, Erinnerungsfetzen. Und wie sie diesen Karton irgendwann auf den Müll schmiss. – “Ich kann offenbar nichts wegwerfen. Das Bewusstsein hält an dem Plunder aus Glas, Metall, Erfahrungen und Gedanken, Wissen und Ahnungen hartnäckig fest. Was dabei wichtig und bedeutend ist und was ein Nebenprodukt der menschlichen Existenz, weiss ich nicht. Zumal der ‘Misthaufen’ mitunter wertvoller ist als die ‘Perle’.”

Ich kann ja verstehen, dass der Hanser-Verlag den Titel “Heiliger Kram” nicht genügend verkaufsfördernd fand und nach etwas anderem Aussschau hielt. Er wurde fündig in einem Text, in dem Ulitzkaja über ihren Ehemann Andrej Krassulin schreibt. Er ist Maler und Bildhauer. – “Andrejs Arbeiten der letzten Jahre sind monochrome Räume, erfüllt mit einem erregenden, aber nicht in Worte zu fassenden Gehalt, sie sind jener Ort der Betrachtung, des Schweigens und der Stille, nach dem wir uns in der erdrückenden Stadt sehnen, wenn wir atemlos herumhetzen und dabei fast zusammenbrechen. Ich schaue sie mir an und suche nach Worten: Die Kehrseite des Himmels? Das Tor zum Jenseits? Der Tod der Koordinaten? – Ein dummes Unterfangen”.

Immer wieder tauchen in ihren Texten religiöse Motive auf. Mit zwei jüdischen Grossvätern, christlich getauft, freier Geist, tut sie sich mit diesem Thema nicht leicht. “Ich habe einen schlechten Charakter, keine seriöse Kirche würde mich behalten. Vor kurzem ist mir klar geworden, was ich bin: eine Freiwillige im Christentum. Das heisst, sobald mir etwas nicht passt, verziehe ich das Gesicht und gehe. Und dann, wenn ich mich zurücksehne nach dem Kostbaren darin, klopfe ich wieder an und sage: Hier bin ich, ich will die Brosamen unter eurem Tisch aufsammeln.”

Obwohl aus dem Zusammenhang gerissen, charakterisiert “Kehrseite des Himmels” Ulitzkajas Werk nicht schlecht, und ich würde es eher so interpretieren, dass wir die Rückseite des Himmels sehen, weil er sich von uns abgewandt hat und wir unsere Probleme alleine lösen müssen. – “Heilige gibt es genug auf der Welt … doch es gibt zu wenige Gerechte, Menschen, die den Regeln folgen, anständige, barmherzige Menschen, die frei sind von Habsucht und Grausamkeit“.

Ulitzkajas Texte durchströmt grosse Zuneigung zu den konkreten Menschen und Dingen, über die sie schreibt. Und Traurigkeit, wenn sie ihr geschundenes Land beschreibt, für das sie sich mehr als einmal schämt. Aber sie verurteilt selten. Sie verrät in diesem Buch viel über sich selbst, witziges und intimes, wichtiges und unwichtiges. Diese Dinge nicht auseinander zu halten, ist Teil ihrer schriftstellerischen Methode. Auch diese beschreibt sie. – “Die Literatur erforscht mit künstlerischen Mitteln die Verflechtungen zwischen Mensch und Welt.” Die Lektüre Pasternaks hat sie überzeugt, “dass die Welt aus hauchdünnen Fäden gewebt ist, dass jedes lebende Wesen tausend Valenzen hat, die es mit seiner Umwelt und mit anderen Wesen verknüpfen. … Du berührst einen beliebigen Faden, und er führt dich in die Tiefe des Musters, durch Leidenschaft, Schmerz, Leiden und Liebe.”

Das ist der Unterschied zwischen grossen Literaten einerseits und politischen oder journalistischen Schreiberlingen wie mir andererseits: Wir verraten die Gegenstände, über die wir schreiben, weil wir zu Ergebnissen kommen wollen. Ulitzkaja sagt ausdrücklich: “Eine Erzählung, ein Roman oder ein Poem liefern nie einen Beweis oder eine Beweiskette für einen Gedanken oder eine Hypothese.”

Am Schluss des Textes “Der Mensch und seine Verbindungen” folgert sie: “Der Reichtum eines einzelnen Menschenlebens hängt davon ab, wie viele Fäden dieser Mensch festhalten kann. Die gesamte menschliche Kultur ist nichts anderes als ein gigantisches Geflecht aus Myriaden von Fäden, in dem genau so viele bewahrt werden, wie du selbst festhalten kannst.“


Schluss mit der Umerziehung!: Vom artgerechten Umgang mit den Geschlechtern. Wie Frauen in Unternehmen endlich aufsteigen und Jungen in der Schule nicht weiter abstürzen
Schluss mit der Umerziehung!: Vom artgerechten Umgang mit den Geschlechtern. Wie Frauen in Unternehmen endlich aufsteigen und Jungen in der Schule nicht weiter abstürzen
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Frauen in Unternehmen: Umerziehung oder Entfalten der eigenen Fähigkeiten?, 8. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schon 1987 hat Gisela Erler mit ihrem Schluss mit der Umerziehung Müttermanifest mutig und erfrischend anders über die Geschlechterfrage nachgedacht. In ihrem Buch von 2012 stellt sie fest, dass - nach vielen Jahren Frauenbewegung und Gleich­stellungs­massnahmen - Frauen in der Unternehmenswelt immer noch nicht "oben angekommen" sind. Sie fragt sich, woran das liegt, und was man da tun kann, oder - mit ihren Worten - "warum die vielen Bemühungen der globalen Wirtschaft, Frauen in wirkliche Führungspositionen zu befördern, so hartnäckig und gründlich scheitern und welche Strategien vielleicht erfolgreicher sein könnten."
Ihre Hauptthesen sind, dass erstens Männer und Frauen sich in ihrer Art, mit Situationen und Problemen umzugehen, tiefgreifender unterscheiden, als mit manchen egalitären (vor allem feministischen) Theorien vereinbar ist, dass zweitens soziale Institutionen optimiert sind auf die Kompetenzen des einen oder anderen Geschlechts, und dass man drittens - nachdem man die unterschiedlichen Bedürfnisse gut genug verstanden hat - nicht die Menschen den Institutionen anpassen soll, sondern die Institutionen den Menschen.
Das Buch ist schon deshalb lesenswert, weil es sehr persönlich und lebendig die Erfahrungen der Autorin mit dem von ihr aufgebauten, und von Frauen geführten PME Familienservice schildert; allein das ist schon eine beachtliche Lebensleistung. Gisela Erler präsentiert die beeindruckende Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens als beispielhaft dafür, wie Frauen (erfolgreich) beruflich agieren können, und auch wie Leitungs- und Entscheidungsstrukturen unter weiblicher Regie funktionieren (oder nicht). Das ist hochinteressant zu lesen, auch wenn ich nicht sicher bin, wie weit man das als allgemein gültige Erkenntnisse über Frauen-Unternehmen lesen kann, oder nicht doch eher als die eines erfolgreichen Gisela-Erler-Unternehmens. Sie scheint die "business rules" dieser Organisation nachhaltig persönlich geprägt zu haben.

Nun zu ihren Thesen.

Der nicht ganz so kleine Unterschied: Angeboren oder erworben?

Mit etlichen Studien belegt Gisela Erler, dass Knaben und Mädchen schon von Geburt an alles andere als gleich sind, wenngleich es nicht immer einfach ist, zu sagen, worin genau die Unterschiede jenseits der körperlichen bestehen. Unbestritten und offenbar vererbt ist etwa die unterschiedliche Grösse, auch wenn diese durch Umwelt­faktoren (Er­nährung usw.) beeinflusst wird. Aber nicht nur sichtbare und leicht messbare körperliche Unterschiede bestehen, sondern auch solche der Art, Probleme anzugehen, sich einzubringen, in Teams erfolgreich zu sein. Hier betritt Gisela Erler ein seit Jahrzehnten heiss umkämpftes Terrain. Es gibt - wohl dokumentiert und seit Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus auch wild popularisiert - typisch männliche und weibliche Lebens-Strategien. In der Schule führen diese unterschiedlichen Strategien dazu, dass Knaben öfter scheitern, im Berufsleben dazu, dass Frauen weniger Erfolg haben - trotz Umerziehung, Förderung, Coaching, Gleichstellung.

Gisela Erler stellt fest, dies habe nichts damit zu tun, dass mentale Fähigkeiten verschieden ausgeprägt sind - dass also die einen dümmer sind als die anderen - sondern dass die unterschiedlichen Strategien die Herangehensweise betreffen, wie Männer respektive Frauen mit Wettbewerbssituationen, Hierarchie, deduktivem vs. induktivem Schliessen usw. umgehen. Das ist alles unbestreitbar. Die Frage ist: kann und soll man das ändern?

Traditionell stossen hier zwei Denkschulen aufeinander: die einen sagen: diese Unterschiede sind anerzogen, deshalb können sie auch umerzogen werden. Gisela Erler berichtet von solchen Versuchen und ihrem wiederholten Scheitern. Die andere Denkschule sagt: Umerziehung ist zwecklos, denn die unterschiedlichen Dispositionen der Geschlechter sind angeboren, oder wie man heute sagt: genetisch bedingt.

Umerziehung ist Gisela Erlers Sache aus guten Gründen nicht. "Die Schaffung des neuen Menschen von oben oder von außen kann nicht Ausgangspunkt von Politik sein", und sie stellt kritisch fest: "Während heute der pädagogische Grundsatz, Kinder in ihren erkennbaren Talenten zu bestärken und zu fördern, relativ unbestritten ist, scheint auf dem Feld der Geschlechterrollen genau die umgekehrte Maxime zu gelten: Wehret den Anfängen!"

Weil sie gegen die Umerziehung ist, stellt sich Gisela Erler auf die Seite derer, die eine genetische Basis für die unterschiedlichen Gender-Lebensstrategien annehmen. Damit schwächt sie meiner Meinung nach ihre Position. Denn im Fall der Menschen ist die biologische und die kulturelle Identität unentwirrbar vermengt. Oder, wie Albrecht Lamparter in unserem alten ökolibertären Club vor vielen Jahren prägnant formuliert hat: Die Natur des Menschen ist die Kultur. Damit meine ich, Kultur prägt den Menschen viel tiefgreifender als ein paar Umerziehungs-Sitzungen im Kinderladen oder Umschulungen, Coachings usw. je aufheben können. Kultur wird nicht anerzogen sondern aufgesogen. Versuche verschiedener Despoten, Neugeborene ohne Kontakt zu Mitmenschen aufwachsen zu lassen, um den "natürlichen" Menschen zu studieren, endeten mit dem Tod der armen Kreaturen. Die These "weil kulturell erworben, deshalb umerziehbar" verkennt die kulturellen Tiefenschichten, die uns formen - und die sich auch mit der Zeit verändern - die aber willkürlichen Umerziehungsmassnahmen ganz verschlossen sind.

Gleichwertig, nicht gleichartig

Mit vielen Beispielen belegt Gisela Erler, wie die Institutionen Schule und Unternehmen heute die typischen Eigenschaften von Männern und Frauen bewerten. Ganz platt: Heisst es in der Schule, es wäre besser, die Jungen wären wie die Mädchen, gilt im Berufsleben, es wäre besser, die Frauen wären wie die Männer. Und dann wird umerzogen. Mit dem Ergebnis, dass die jeweiligen Ressourcen der Umerziehungs-Subjekte nicht gefördert sondern zugedeckelt werden. Das ist alles schön und gut lesbar beschrieben, selbst wenn man nicht jedem einzelnen Argument und Beispiel beipflichtet. (Ich selbst habe aus der Perspektive der Mitarbeiter den im Buch behandelten Fall der ehemaligen HR-Chefin bei SAP ganz anders erlebt und mein Bedauern mit der Dame hält sich in Grenzen.)

Das Interesse der Autorin gilt eindeutig dem gesellschaftlichen Bereich der Unternehmen, der auch in ihrem Buch viel mehr Platz einnimmt als das eher knapp behandelte Subsystem Schule. Insofern ist die im Titel angedeutete Symmetrie "Frauen in Unternehmen, Jungen in der Schule" etwas irreführend, und wer das Buch hauptsächlich liest, um das Erziehungswesen besser zu verstehen, mag enttäuscht sein.

Für die Behandlung der Situation von Frauen in Unternehmen ist aber die Kontrastierung mit der Welt der Erziehung sehr erhellend, weil sie klar macht, dass sich hier ein - im Habermas'schen Sinne - gesellschaftliches Subsystem zeigt mit einer eigenen Logik. Andere Subsysteme mit wieder jeweils anderen Logiken (Familie, Kirche, Politik, Militär) werden am Rande gestreift.

Da alle diese Subsysteme sich fortlaufend weiterentwickeln, und ausserdem aufeinander ausstrahlen, ergibt sich, dass die Bewertung von "typisch" männlichen und weiblichen Verhaltensmustern in diesen Systemen ebenfalls verändert werden kann. Ein interessantes, und meiner beruflichen Erfahrung in einem globalen Unternehmen nahes Nebenthema des Buches ist auch, dass sich diese Systeme und ihre Wertigkeiten in verschiedenen Kulturen durchaus verschieden darstellen.

Ressourcen freisetzen und Spass haben

Vielleicht ist der Einband des Buches ein wenig vollmundig. "Wie Frauen in Unternehmen endlich aufsteigen" (mit Betonung auf "endlich") - nein, ein weiterer How-to-Guide ist dieses Buch nicht. Stattdessen ist es ein Plädoyer. Frauen (und Männer) sollen aufhören, sich zugunsten von äusserlich aufgedrückten Normen zu verbiegen. Stattdessen sollen sie Interesse und Respekt zeigen vor der Verschiedenheit anderer Menschen, aber auch vor den in ihnen selbst ruhenden Fähigkeiten. Nicht, weil ein Normsystem das von aussen aufzwingt, sondern weil alles dann mehr Spass macht und die eigenen Ressourcen freisetzt.

Damit steht dieses Buch zu Recht in direktem Zusammenhang mit dem, was unter dem Etikett ökolibertär vor dreissig Jahren in einem kleinen Kreis von Menschen diskutiert wurde - auch ich war einer der Teilnehmer - als wir uns überlegten, wie wir politisches Handeln ableiten können nicht aus dem Geist kollektiver Vorschriften und Verbote (damals dem sozialistische Normensystem, das grosse Teile der Grünen beherrschte), sondern als Angebote, anknüpfend an die Interessen der Menschen. Patentrezepte haben uns nie so interessiert wie die Freisetzung einer Dynamik. Gisela Erler ist sich treu geblieben.


Leben im Quadrat
Leben im Quadrat
von Dagmar Schifferli
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,00

5.0 von 5 Sternen Die Kraft der leisen Stimme, 1. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Leben im Quadrat (Gebundene Ausgabe)
In Dagmar Schifferlis neuem Roman erleben wir Antonia Weber, die ein ganz normales Leben führt. Es passiert nichts wirklich dramatisches. Als Lehrerin ist sie gefordert, Pflegeschülerinnen auf Altenarbeit vorzubereiten, und ihnen persönlich Halt zu geben, auch dort, wo sie in Wirklichkeit wenig tun kann. Von ihren Eltern dachte sie, sie habe sie sich abgenabelt, bis dort neue Bedürftigkeiten entstehen, aus denen Ansprüche erwachsen, durch die sie ihre Unabhängigkeit in Frage gestellt fühlt. Das Kind einer Freundin bleibt übers Wochenende - eine willkommene Begegnung, die sich doch als anspruchsvolle und anstrengende Aufgabe erweist. Eine Beziehung tut sich am Horizont auf, erwünscht, aber auch diese erscheint ungemütlich problembehaftet.

Wie gesagt, passiert nichts dramatisches in dem Buch. Und doch nagt dieses Leben - als wenn von vier Seiten an ihr gezogen wird - an Antonias Substanz. Schön ist an dem Buch, dass dieses Nagen, so unspektakulär es daherkommt, glaubwürdig ist. Dass man versteht, warum Antonia irgenwann nicht mehr kann. Und warum es dann doch irgendwie weiter geht.


Anker® Ultra Slim Wireless Bluetooth Mini-Tastatur (Deutsch) für Smartphones und Tablets - schwarz
Anker® Ultra Slim Wireless Bluetooth Mini-Tastatur (Deutsch) für Smartphones und Tablets - schwarz

4.0 von 5 Sternen Gute Sache, professionell geliefert, 16. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schnell und gut geliefert. Auspacken. Einschalten. Funktioniert tadellos.
[Womit ich bis jetzt noch nicht klargekommen bin: Ich verwende die Tastatur an meinem Samsung Galaxy Note 3, und einige der Sonderzeichen kommen im Smartphone falsch an. Ich weiss nicht wo ich die Tastatur konfigurieren kann/muss. Weder die Beschreibung der Tastatur noch die des Smartphone geben mir Hinweise.]


Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen
Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen
von Constanze Kurz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unbefangener Blick in eine Umwälzung, die uns alle betrifft, 4. Februar 2014
Das Buch "Arbeitsfrei" von Constanze Kurz und Frank Rieger beschreibt die enorm fortgeschrittene Automatisierung traditioneller Wirtschaftszweige u.a. anhand der Produktion von Brot: vom Getreideanbau bis zum Vertrieb. Ich fand es erfreulich, dass sie sich - bis auf den Epilog - weitgehend mit Bewertungen zurückhalten und versuchen, die neue Qualität der "arbeitsfreien" Wirtschaft unbefangen darzustellen. Natürlich drängen sich dabei Fragen auf, was denn die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser (unaufhaltsamen und sich immer weiter beschleunigenden) Entwicklungen sind. Darauf hat wohl derzeit niemand eine Antwort.


Geheimnis und Gewalt: Eine Bericht
Geheimnis und Gewalt: Eine Bericht
von Georg K Glaser
  Broschiert
Preis: EUR 19,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das unter die Haut geht, 10. Dezember 2013
Glasers Buch beschreibt ein deutsches Schicksal - vor dem repressiven Vater flieht V.H. jung auf die Strasse und schlägt sich als Landstreicher durch, begegnet den esoterisch-Suchenden der Weimarer Zwischenkriegszeit, schliesst sich der KP an, erlebt deren Aktivismus, Versagen und vollständige Niederlage, flieht vor den NS-Schergen ins besetzte Saarland, und nach dem Wiederanschluss der Saar ans Reich nach Frankreich. Dort wird er zur französischen Armee eingezogen und kommt als französische Kriegsgefangener zurück an seinen Heimatort, wo er nach langer Gefangenschaft unerkannt das Kriegsende erlebt.
Ich habe mich mit dem Autor wenig auseinandergesetzt und nur das Buch auf mich wirken lassen. Es berichtet aus einer Welt, von der selten die Rede ist, und das in einer Intensität, die ans Mark geht. Ein tolles Buch.


Change (Seagull Books - What Was Communism?)
Change (Seagull Books - What Was Communism?)
von Mo Yan
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,40

4.0 von 5 Sternen Blick von unten, 9. Juni 2013
Ich habe das kleine Büchlein im Foreign Languages Bookstore in Beijing gekauft, wo auch andere Werke von Mo Yan zu haben sind. Mo Yan gehört also zu den in China offiziell zugelassenen Autoren. Ich kenne seine grösseren Werke nicht und kann auch nicht sagen, wie weit der Text im Detail autobiographisch ist; er scheint es in groben Zügen zu sein.
Mo Yan redet in dem Büchlein nicht über die grossen politischen Ereignisse, trotzdem sind sie immer präsent. Er gibt keine Erklärungen ab - wo das ungeheure Tempo der Veränderungen in China seine Quellen hat, wer oder was dahinter steckt.
Aber er beschreibt in einer Sprache, die mir glaubhaft erscheint, wie sich diese Veränderungen auswirken - erst gar nicht, dann langsam, dann rasend schnell - auf den Sohn eines Mittelbauern, also des Angehörigen einer Schicht, die in den Sechzigerjahren ausdrücklich an den Pranger gestellt wurde. Gerade das nicht-reden über die grosse Politik und die Beschäftigung mit den kleinen Dingen des Alltags machen dieses Buch für mich zu einer sehr lesenswerten und erhellenden Lektüre.


Der Diskos von Phaistos - Kretas erster Krimi?
Der Diskos von Phaistos - Kretas erster Krimi?
von Verena Appenzeller
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf die Schippe genommen, 31. Oktober 2005
Man merkt sofort, dass der Autorin das Schreiben dieses Büchleins diebische Freude bereitet hat. Etwas von diesem Vergnügen überträgt sich auf den Leser.
Gegenstand ihres Romans ist - wie der Titel eindeutig kundtut - die berühmte in Phaistos gefundene Tonscheibe. Diese ist paradigmatisch für das ganze minoische Kreta: Mangels ausreichender Daten ist sie - obwohl ästhetisch und handwerklich offenkundig das Werk eines entwickelten Geistes - rettungslos unterdeterminiert, was bedeutet, dass sie vielleicht sogar entziffert werden kann, diese Entzifferung aber in keinem Fall zwingend ist. Das trifft auf unglaublich viele Aspekte der minoischen Kultur zu, was damit zu tun hat, dass es trotz einer Fülle von architektonisch und künstlerisch faszinierendem Material einfach zu wenig schriftliche Dokumente gibt, und das Wenige in geradezu absurder Weise verschieden interpretiert werden kann.
Verena Appenzeller spielt in ihrem Roman ein Spielchen. Sie konstruiert eine Geschichte so, dass sie in den bekannten archäologischen Fakten resultiert, aber auf eine Art, die alle ernsthaften Bemühungen der Wissenschaft auf die Schippe nimmt, aus diesen Fakten rückwärts auf die Geschichte zu kommen. Ihr Buch ist leicht und amüsant zu lesen, selbst wenn man daran glaubt, dass eine "wirkliche" Entzifferung des Diskos immerhin möglich ist.
Mir gefällt an dem Buch besonders, dass sie ihren eigenen Text nicht ganz ernst nimmt. Anachronismen, sprachliche Verniedlichungen, ihr Hang zu alemannischem Sprachgebrauch, fügen sich gut zur ironisch konstruierten Handlung des neuen Buchs ein.
Auch gelingt es ihr, den Handlungsstrang durch mehrere Windungen und überraschende Wendungen bis zum Schluss hin spannend zu halten, obwohl man ja in gewissem Sinn von vorneherein weiss, was herauskommt.
Bewertung: Eine angenehme, leichte und unterhaltsame Lektüre, die den Ernst aus der Beschäftigung mit dem mysteriösen Diskos herausnimmt. Mit Sicherheit war alles völlig anders als Verena Appenzeller es beschreibt. Dummerweise steht alle Sicherheit in diesem Fall auf sehr tönernen Füssen.


Die Minoer
Die Minoer
von J Lessley Fitton
  Gebundene Ausgabe

29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine gute Gesamtdarstellung der Minoer - mit Schwächen, 30. August 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Minoer (Gebundene Ausgabe)
Endlich eine Gesamtdarstellung der Minoer, die sowohl den aktuellen Wissensstand wiedergibt, als auch für ein Laienpublikum lesbar ist - das war meine Erwartung, als ich anfing das Buch zu lesen.
Die Einleitung beginnt vielversprechend: nicht an Fachleute richte sich das Buch, sondern an Studenten und Urlauber, die mehr über die minoische Kultur wissen möchten. Vor allem ein Buch über Menschen soll es sein.
Dann stellt die Autorin, die am British Museum in London arbeitet, in sehr lesbarer Form die minoische Kultur in den Zusammenhang ihres Kontexts: Landschaft, Nahrungsmittel, Tierhaltung, verfügbares Rohmaterial, und stellt sehr gut die Datierungsprobleme dar, mit denen sich Wissenschaftler seit Jahren herumschlagen. Dabei reißt sie eine Reihe spannender Themen an (ein Beispiel: Import von Kupfer aus Attika und Zinn gar aus Afghanistan). Hinter jedem dieser Themen steht eine Geschichte, aber hier setzt Lesley Fittons wissenschaftliches Rasiermesser an: auf keinen Fall will sie sich "in wilden Spekulationen oder haarsträubenden Interpretationen darüber ergehen".
Und so folgen auf den ersten, vielversprechenden Auftakt vier eher brave Kapitel über die Vorpalastzeit, die alten und neuen Paläste, sowie die Nachpalastzeit, die durchaus solide Information enthalten, aber zu Spekulationen und Interpretationen gar wenig anregen. In diesem - dem Hauptteil des Buches - wird die Autorin ihrem Anspruch nicht gerecht, von Menschen zu handeln, stattdessen bestimmen (mit Ausnahmen) Fundstücke und ihre Datierung (LM I B2 oder doch LM II A1 ?) das Bild.
Interessanter wird das Buch im Schlusskapitel über die Rezeption des minoischen Kreta. Die Mythen, die sich im antiken Griechenland um den kretageborenen Zeus, König Minos, Theseus und viele andere Gestalten rankten, sind gut dargestellt. Dass sich im 20. Jahrhunder eine neue Schicht von Mythen um das minoische Kreta herum gelegt hat, an deren Entstehung Arthur Evans großen Anteil hat, haben andere ebenfalls ausführlich beschrieben. Dass aber auch moderne Künstler und Wissenschaftler (Fitton nennt Henry Miller, Evelyn Waugh, Lawrence Durrell, Michael Ayrton u.a.) sich mit dem minoischen Mythos auseinandergesetzt haben, ist für mich eine neue Dimension der Auseinandersetzung mit dem Thema, die eine ausführliche Darstellung verdient.
Auffallend ist für mich allerdings, dass für einen Gesamtüberblick über das minoische Kreta zwei Dinge total weggelassen sind: der Diskos von Phaistos und (im Kapitel über die Rezeption) das Thema Atlantis. Ich könnte verstehen, wenn sie beiden Themen nicht viel abgewinnen kann, aber diese totale Ausblendung ist doch verblüffend.
Insgesamt gibt das Buch - trotz einiger Schwächen - eine gute und aktuelle Gesamt­darstellung der minoischen Epoche.


Labyrinth Revisited: Rethinking 'Minoan' Archaeology
Labyrinth Revisited: Rethinking 'Minoan' Archaeology
von Yannis Hamilakis
  Taschenbuch
Preis: EUR 40,52

4.0 von 5 Sternen Die Minoer 100 Jahre nach Arthur Evans: Eine Streitschrift, 10. Juli 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Herausgeber und Co-Autor Hamilakis will mit dem Buch etwas bewirken: Er wirft den minoischen Archäologen (er ist selbst einer!) vor, einseitige Paradigmen und methodische Prinzipien zu vertreten, die das Verständnis damaliger sozialer Verhältnisse, wirtschaftlicher und sozialer Aktivitäten, Geschlechterrollen, Herrschaftsverhältnisse etc. behindern. Insbesondere wirft er seinen Gegnern 'Evolutionismus' vor, womit er meint, dass eine Epoche nicht in ihrem eigenen Recht, sondern nur als Vorläufer der nachfolgenden gewürdigt wird.
So ist das Buch eine akademische Streitschrift, bei der die Autoren manchmal mehr darum bemüht sind, sich vor Gegenangriffen ihrer Wissenschaftlerkollegen zu verschanzen (etwa durch einschüchternde Literaturlisten zu jedem einzelnen der elf Beiträge), als um Lesbarkeit für Laien wie mich.
Nur wenige der Beiträge handeln ohne Umschweife direkt vom Gegenstand dieser Wissenschaft: Marianna Nikolaidou versucht, den Menschen der ersten minoischen Staaten ein Gesicht zu geben (mir gefällt's, aber es ist gerade der Typ von "Erzählung", der derzeit unter strengen Wissenschaftlern verpönt ist), Peter M. Day und David E. Wilson beschreiben eindrücklich die Bedeutung der Landschaft für die besondere Rolle von Knossos
Die meisten Beiträge aber behandeln weniger den Gegenstand als die Wirkungsgeschichte, wissenschaftssoziologische oder allgemein soziologische Fragen, wobei sie einen gewaltigen methodischen Überbau vor sich her tragen.
John C. McEnroes Aufsatz über die Geschichte der Ausgrabungen auf Kreta im politischen Umfeld der Vorkriegszeit 1898-1913, Louise Hitchcocks und Paul Koudounaris' Abrechnung mit Arthur Evans' Beton-Rekonstruktion von Knossos, sowie Donald Preziosis Essay über die Bedeutung des Museumsbetriebs als national[istisch]er Erziehungsanstalt sind dabei durchaus lesenswert. (Sein Hinweis auf die Freimaurerei als Ursprung des Museums-Gedankens hat mich ziemlich verblüfft.)
Ein Negativbeispiel ist für mich ein Aufsatz von Carl Knappett, der die Keramikfunde mit der damaligen Gesellschaft in Beziehung setzet, dafür einen riesigen soziologischen Schematismus aufbaut, und von Bourdieu über Durkheim und Malinowski alles bemüht, was einen soziologischen Namen hat, dies alles aber einfach nur dogmatisch behauptet. (Dies ist auch John Bennet aufgefallen, der - originell - als letzten Aufsatz dieses Sammelbandes gleich eine Buchbesprechung des Buches selbst liefert.)
Bei all dieser methodischen Selbstreflektion fällt mir beispielsweise auf, dass Aleydis Van de Moortel sich in ihrem Beitrag zwar sehr darum bemüht, Keramikfunde in Beziehung zu setzen zu sozialen und politischen Verhältnissen, dabei aber "Kostenreduktion", "Profit", "Preis" und andere auf Geldwirtschaft bezogene ökonomische Begriffe verwendet, ohne klarzumachen, was diese Begriffe in Abwesenheit von Geld bedeuten. Wie kann ein eigenständiges ökonomisches Subsystem denn ohne eine durch Geld vermittelte Warenwirtschaft existierten? Vielleicht fehlt mir ja der wissenschaftliche Hintergrund, das zu verstehen. Oder aber die Selbstreflektion ist doch weniger voraussetzungsfrei als den Autoren klar ist.


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