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holyrock

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Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden
Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden
von Klaus Berger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

24 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eigensinniger Widerspruch ohne überzeugende Argumente, 17. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Buchtitel suggeriert, dass es "Bibelfälscher" gibt und dass wir um die "Wahrheit" betrogen werden. Wer sind diese Bibelfälscher? Laut Klaus Berger ist es die "intelligent betriebene, liberale Bibelwissenschaft" die eine "volkskirchliche Wüste" hinterlassen hat. Er vermutet sogar eine Systematik dahinter, "von der Geburt in Bethlehem bis zur Himmelfahrt". Um welche Wahrheit werden wir denn betrogen? Mit der Wahrheit scheint Herr Berger gut vertraut zu sein. So kennt er auch die "Die Wahrheit über Jesus - den Wundertäter" Der Wundertäter - Die Wahrheit über Jesus.

Sein Wahrheits- und Wirklichkeitsverständnis beschreibt er so: "... die eine andere Ebene der Wirklichkeit darstellen, aber trotzdem wirklich sind." Wahrheit und Wirklichkeit als Kopfgeburt: Ich stelle es mir vor, dann ist es auch da. Klassisches Berufsproblem von Theologen. Eines hat der Mann schon richtig erkannt: Wenn es nach der Vernunft geht, ist (mindestens) die Hälfte der Bibel nicht zu gebrauchen. Die legendenhaften Wundergeschichten sind für Herrn Berger scheinbar überzeugender als der offensichtliche Widerspruch gegen die Naturgesetze. Er behauptet: "die Physik sollte zunächst einmal das Phänomen der Levitation erklären, bevor sie Einspruch erhebt ..." Warum sollte die Wissenschaft sich mit diesem parapsychologischen Unsinn beschäftigen Herr Berger? Wer außergewöhnliche Behauptungen aufstellt (Jesus ist in den Himmel geflogen) sollte diese überprüfbar belegen können.

Nach 300 Seiten schwer verständlichem Theologen-Kauderwelsch im Stil von "Der Heilige Geist hebt die Grenzen auf zwischen Himmel und Erde daher kann man im Geist den Himmel wahr beschreiben ..." und ohne wirklich überzeugende Argumente gegen die unzähligen Widersprüche der biblischen Texte, kommt Herr Berger zu seinem wie mir scheint wichtigsten Anliegen im Umgang mit der Bibel: "Ich verlange strikten und reinen Gehorsam gegenüber dem Text. Der Exeget muss den Text nicht richterlich beurteilen oder in seiner Qualität abschätzen sondern sollte glücklich sein, wenn er den Text mit Leidenschaft lieben kann ..."

Damit war für mich alles gesagt, eine Argumentation nach dem Muster "die Bibel ist wahr, weil es so in der Bibel steht" und "ordne deinen Verstand den überlieferten Legenden unter".

Mein Fazit: Dieses Buch kann ich nur christlich fundamentalistischen Bibellesern empfehlen, die sich ihres unkritischen Glaubenswahns selbstversichern wollen ("Lasst mich in meiner Märchenwelt glücklich und zufrieden leben!") und dafür die Reputation eines angesehen Bibelauslegers benötigen. Mich haben folgende Bücher zu diesem Thema stärker überzeugt: Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung und Jesus? Tatsachen und Erfindungen.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 11, 2014 5:50 PM CET


Warum die Kreter lügen, wenn sie die Wahrheit sagen: Eine Anleitung zum Philosophieren
Warum die Kreter lügen, wenn sie die Wahrheit sagen: Eine Anleitung zum Philosophieren
von Stephen Law
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trainieren Sie Ihr philosophisches Denken!, 8. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was ist eigentlich Philosophie genau? Die Philosophie beschäftigt sich mit Grundsatzfragen, von denen es nicht sicher ist, ob sie die Naturwissenschaft je beantworten kann. Zum Beispiel mit der Frage: Warum gibt es etwas und nicht nichts? Warum existiert das Universum, und warum existiert überhaupt etwas? Die Astrophysiker erzählen uns, dass das Universum mit dem Urknall seinen Anfang nahm. Aber damit ist das Rätsel nicht gelöst, denn daraus folgt zwangsläufig die Frage, warum es den Urknall gab. Was immer die Naturwissenschaftler als Ursachen für die Existenz der Welt angeben: Bei jeder Ursache stellen wir erneut die Frage nach ihrer Ursache. Die Naturwissenschaft kann das Rätsel, warum es etwas gibt, nicht lösen.

Auch an ethisch-moralischen Fragen scheitert die Naturwissenschaft. Sollen wir unsere Kinder genetisch vorbestimmen? Vielleicht wird es eines Tages möglich sein, aber die Naturwissenschaftler, die für die nötigen Techniken gesorgt haben, können uns nicht sagen, ob wir sie tatsächlich anwenden sollen. Mit derartigen Fragen schlägt sich die Philosophie herum, mit Fragen die Grenzen überschreiten, die der Naturwissenschaft gesetzt sind.

Aber welchen Nutzen bringt uns das philosophische Denken ganz praktisch? Dieser liegt darin, dass man die intellektuelle Fähigkeit erwirbt, unabhängig zu urteilen und Dinge zu hinterfragen, die andere kritiklos zur Kenntnis nehmen. Ich bin überzeugt, dass die größte Gefahr für eine Gesellschaft nicht von Seiten der kritisch Denkenden droht, sondern von den treudoofen Schafen, denen jeder Gedanke zu viel ist. Diese Fähigkeiten, die man beim angestrengten Nachdenken über die großen Fragen gewinnt, können in allen Lebensbereichen angewandt werden. Darüber hinaus immunisieren sie uns gegen die Verführung des Religionswahns, der Esoterik und anderer Anbieter von übernatürlichem Plunder.

Um ein zwingendes Argument zu formulieren, einem komplexen Gedankengang zu folgen und einem logischen Schnitzer auf die zu Spur kommen, bietet Ihnen dieses Buch einen spannenden Kurs im philosophischen Denken. Jedes der zwanzig Kapitel behandelt eine philosophische Frage mit jeweils drei Schwierigkeitsstufen (leicht, knifflig, herausfordernd). Diese sind abwechslungsreich in Dialogszenen, Gedankenexperimenten und Geschichten geschrieben und fördern dadurch das Lesevergnügen. Mit den sogenannten "Denkwerkzeugen" lernt man verschiedene Arten von Beweisführungen kennen, die einem das philosophische Diskutieren erleichtern. Am Ende des jeweiligen Kapitels wird die eigentliche Frage oft offen gelassen, damit der Leser die Argumentation mit seinem neu erworbenen Wissen selbst zu Ende führen kann.

Mein Fazit: Eine sehr gute und flüssig zu lesende Einführung in das philosophische Denken und dazu ein ausgezeichnetes Trainingsbuch zum rational kritischen Denken und Argumentieren. Ausgezeichnet mit dem Mindelheimer Philosophiepreis 2009!


Glauben Sie nicht jeden Bullshit: wie Sie mentale Verführer durchschauen
Glauben Sie nicht jeden Bullshit: wie Sie mentale Verführer durchschauen
von Stephen Law
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hilfreiche Strategien gegen die Schwarzen Löcher des Geistes, 8. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Selbst bei hochgebildeten und wissenschaftlich belesenen Menschen sind alberne Glaubenssysteme weit verbreitet. Eine große Anzahl vertraut der Astrologie, religiösen Wunderheilern, Hellsehern sowie der heilenden Wirkung von Magneten und Steinen. Andere bestehen darauf, dass das ganze Universum, wie in der Bibel steht, nur ein paar tausend Jahre alt ist. Was die Anhänger von Esoterik und "Christlicher Wissenschaft" auszeichnet, ist die Art Vernünftigkeit, die sie vorzuspielen vermögen, der pseudowissenschaftliche Glanz, den sie ihren Grundüberzeugungen verleihen können. Sie kreieren die Illusion, dass das was sie glauben, vernünftig ist, ohne zu merken, dass sie einer Täuschung aufsitzen.

Weshalb werden selbst intelligente, akademisch gebildete Mitbürger zu Erfüllungsgehilfen solchen Humbugs? Wie schaffen es echte Gläubige, sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass sie selbst vernünftig sind und alle anderen irregeleitet werden?

Dieses Buch von Stephen Law, Dozent für Philosophie an der University of London, ist in der Tradition von Carl Sagans "Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven" und Michael Shermers "Why People Believe Weird Things" geschrieben. Law ist davon überzeugt, dass unsere gegenwärtige kulturelle Umgebung zahlreiche "schwarze Löcher, die unser Denken aufsaugen" enthält. Diese Glaubenssysteme sind so beschaffen, dass unvorsichtige Passanten, denen intellektuelle Robustheit und psychische Abwehrkräfte fehlen, von diesen verschlungen werden.

Mit seinem Buch will Stephen Law seine Leser darin unterstützten, sich gegen Taschenspielertricks von Verschwörungstheoretikern, Sektierern, politischen Eiferern, religiösen Spinnern und Fürsprechern wirkungsloser Alternativmedizin zu immunisieren. Es werden die wichtigsten Täuschungsstrategien und lächerlichsten Glaubensblasen aufgezeigt, die es ermöglichen, resistent gegen rationale Kritik zu werden und den Anschein von Plausibilität zu wahren. Für jeden dieser acht Mechanismen legt Stephen Law die Strategie im Detail dar, erklärt was daran falsch ist und liefert praktische Beispiele für ihre Anwendung.

Zum Schluss einen Mut machenden Hinweis des Autors: "Wenn Sie sich nach der Lektüre dieses Buches selbst verdächtigen, von einem Schwarzen Loch verschlungen worden zu sein, gibt es keine Grund sich als Depp zu fühlen. Leute die viel gescheiter sind als Sie und ich, sind schon Opfer geworden."

Mein Fazit: Bulls*** ist lebhaft, witzig und engagiert geschrieben und bietet viele hilfreiche Tipps zur Vermeidung von geistigen Schwarzen Löchern. Daher lesen und anfangen zu denken!


Folge dem weißen Kaninchen: ... in die Welt der Philosophie
Folge dem weißen Kaninchen: ... in die Welt der Philosophie
von Philipp Hübl
  Broschiert
Preis: EUR 11,99

47 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dem Kaninchen auf der Spur ... in das Wunderland der Wirklichkeit, 31. Juli 2012
So wie Alice von der Wirklichkeit in eine Phantasiewelt reist, indem sie in den Kaninchenbau fällt, so können die Leser dieses Buches dem weißen Kaninchen in ein anderes Wunderland folgen: die Wirklichkeit. Denn wer philosophische Fragen stellt, wer durch die philosophische Brille schaut, sieht Altbekanntes und Alltägliches mit einem schärferen Blick.

Philipp Hübl, Philosophieprofessor an der Uni Stuttgart, schreibt nicht über die alten Denker und deren schwerverständliche Theorien, in seinem Buch stehen die guten Argumente im Vordergrund. Er sieht sich dem Ideal der Analytischen Philosophie verpflichtet. Die Philosophen dieser Schule streben danach, sich so einfach wie möglich auszudrücken und Fachwörter nur dort zu verwenden, wo es nötig ist. Sie begründen ihre Argumente, wollen Probleme lösen, sind in der Logik geschult und bringen ihre Thesen präzise auf den Punkt.
Diesem Anspruch wird Philipp Hübl meines Erachtens gerecht, insbesondere, da er zu den Fragestellungen immer wieder erfrischende Alltagsbezüge zum modernen Leben herstellt.

In zehn Kapitel gibt er klare Antworten auf große philosophische Fragen: Kann man ohne Gefühle leben? Gibt es Gott? Sind wir frei in unseren Entscheidungen? Was können wir wissen? Wie erhalten unsere Worte ihre Bedeutung? Kann man Bewusstsein wissenschaftlich erklären? Haben Träume eine Funktion? Wie erleben wir unseren Körper? Warum ist uns Schönheit so wichtig? Hat der Tod einen Sinn?
Dabei steht jedes Kapitel für sich und ist unabhängig von den anderen verständlich.

Mein Fazit:
Eine auch für den philosophischen Einsteiger klar und verständlich formulierte Einführung in die moderne Philosophie, flott zu lesen, mit interessanten Fragestellungen und Alltagsbezügen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 1, 2013 7:33 PM MEST


Das können Sie glauben!: Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch
Das können Sie glauben!: Die großen Religionen dieser Welt im Selbstversuch
von Stefan Kuzmany
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von einem der auszog glauben zu lernen ..., 29. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Welcher Gläubige hat, bevor er sich für eine Religion entscheidet, vorurteilsfrei die auf dem Markt angebotenen Heilsvermittlungen verglichen und überprüft? Entweder entscheiden andere über unseren Beitritt zu einer religiösen Gruppe (Kindertaufe in den Volkskirchen) oder wir werden schon früh als Kind von Eltern, Angehörigen oder kirchlichen Gruppen mit christlichen Botschaften indoktriniert (Freikirchen, die eine Erwachsenentaufe praktizieren). Die Wahrscheinlichkeit in Europa Buddhist zu werden sind relativ gering, falls Sie in Asien geboren sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie Christ sind. "Spiegel Online"-Redakteur Stefan Kuzmany will über seine kulturelle Prägung hinausgehen und unterzieht den Sinnstiftungsangeboten auf dem religiösen Jahrmarkt einen knallharten (Selbst-)Test.

Seine Glaubensreise beginnt er in Berliner Moscheen, um herauszufinden, was es mit dem Islam auf sich hat. Er trifft auf den gemäßigten Moslem (ein ehemaliger Evangelikaler Christ!) Mohammed Herzog. Dieser Imam verheiratet Muslime auch mit Nicht-Muslimen, nur bei Homosexuellen kann er kein Auge zudrücken. Die Predigt des ultra-konservativen Salafiten-Prediger Pierre Vogel in der Al-Nur-Moschee fasst Kuzmany so zusammen: "Kein Sex vor der Ehe, sonst Hölle".

Sein Begegnung mit dem Christentum beginnt mit aufdringlichen Zeugen Jehovas an der Wohnungstür. Seine Nachbarin, eine bibeltreue amerikanische Christin, berichtet von Gottesbegegnungen durch Visionen und von ekstatischen "Verzückungen im Heiligen Geist", und auf der Straße begegnen ihm Gitarre klimpernde christlich-fundamentalistische Jugendprediger die nach eigenen Aussagen einmal eine Verkäuferin in einem Unterwäsche-Laden gesegnet haben.

Als Mitglied der evangelischen Landeskirche (er sei bis jetzt aus Bequemlichkeit nicht ausgetreten, bekennt Kuzmany in einem Interview) findet er nur Beliebigkeit. Der Protestant Volker erklärt ihm, dass es nicht schlimm sei, wenn er Zweifel an der Auferstehung, der Dreieinigkeit oder anderen Mirakeln habe. Das einzig wichtige sei, dass er glaube, dass es einen Gott gebe (welchen auch immer?), der etwas von ihm wolle (was auch immer?).

Nach seiner Glaubensreise formuliert Kuzmany sein persönliches Testergebnis wie folgt: "Ich bin keinen Schritt weitergekommen. Richtig protestantisch fühle ich mich schon lange nicht mehr, vor den Zeugen Jehovas habe ich Angst, vor den Evangelikalen sowieso, und den Katholizismus hat mir Gloria von Thurn und Taxis verdorben (In Talkshows lässt sie gern Aussagen wie «Der Schwarze schnackselt gern» vom Stapel oder empfiehlt Homosexuellen «viel zu beten.»)".

Mein Fazit: Stefan Kuzmanys religionskritisches Buch ist unterhaltsam und frech, ohne verletzend zu sein. Das Buch stößt Gläubige vor den Kopf und verärgert sicher so manchen Leser. Aber daher ist der Kopf ja rund, damit das Denken auch die Richtung verändern kann - das können sie glauben!

Wer an weiteren Glaubenskuriositäteten interessiert ist empfehle ich auch folgende
DVD Religulous (tlw. OmU).
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 16, 2012 6:05 PM CET


Falsche Zeugen: Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand
Falsche Zeugen: Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand
von Hermann Detering
  Broschiert
Preis: EUR 19,00

19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie geschichtlich ist der christliche Glaube?, 17. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
... fragt Hermann Detering, promovierter Theologe mit dem Forschungsschwerpunkt frühes Christentum, in seinem neuen Buch. Dass es sich bei dem Gott-Menschen Jesus Christus um eine historische Gestalt handelt, wird von Theologen aller Richtungen angenommen. So behauptet selbst der in seinem Lehramt unfehlbare Papst Benedikt XVI in seinem ersten Jesusbuch "Jesus ist kein Mythos ... er steht ganz real in der Geschichte." Auch der gelehrte Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben."

Doch wo sind die Belege für diese Behauptungen? Wo sind die Urkunden, die diese Geschichtlichkeit begründen? Die Bibel selbst, also christliche Quellen, ob kanonisch (Evangelien, Paulusbriefe) oder apokryph taugen dazu nicht. Diese sind tendenziöse Erbauungs- und Bekehrungsschriften von Christen für "Noch-nicht" Christen. Selbst so bedeutenden Theologen wie Küng räumen inzwischen ein, das "diese keine neutrale wissenschaftliche Geschichtsschreibung sind, sondern vielmehr als engagierte Zeugnisse verfasst, um Jesus als den Messias, Herrn und Gottessohn zu verkündigen".

Daher bleiben nur die außerchristlichen Zeugnisse übrig, um die Geschichtlichkeit des Wanderpredigers aus Nazareth zu überprüfen. Über so einen bekannten Mann der Weltgeschichte und (angeblicher) Begründer einer Weltreligion, müssten doch "eine beträchtliche Zahl sehr verschiedenartiger nichtchristlicher Zeugnisse" vorliegen wie der Tübinger Theologe Martin Hegel meint. Um das zu überprüfen, ruft Hermann Detering "sechs Kronzeugen" in den Zeugenstand:

1. Das Zweifache Zeugnis des jüdischen Historikers Flavius Josephus
2. Das Zeugnis des römischen Historikers Tacitus über den Brand von Rom und die neronische Christenverfolgung
3. Der der Bericht des römische Statthalters Plinius des Jüngeren in einem Brief an den Kaiser Trajan und dessen Antwort
4. Zwei Stellen aus dem Werk des römischen Geschichtsschreibers Sueton
5. Ein erst neuerlich ins Spiel gebrachter Brief des Syrers Mara bar Serapion an seinen Sohn Serapion, der irgendwann nach 72 nach unserer Zeitrechnung geschrieben sein soll
6. Und eine ominöse Passage aus dem verloren gegangenen und nur bei Julius Africanus und Georgius Synkellos in Auszügen erhaltenen Geschichtswerk des Thallus (nach 50 u.Z.).

Nach seiner ausführlichen Prüfung aller außerchristlichen Quellen kommt Detering zu eine ernüchternden Resultat: Mit ihrer Hilfe kann weder die historische Gestalt des Jesus von Nazareth noch die Existenz eines frühen Christentums im 1. Jahrhundert bewiesen werden. Aus historischer und theologischer Hinsicht sind diese Quellen nicht nur relativ unergiebig, sondern entpuppen sich dabei in der Mehrzahl als spätere christliche Einfügungen um dem christlichen Glauben eine konkrete historische Gestalt zu geben.

Angesichts dieser dürftigen außerbiblischen Datenlage ist berechtigter Zweifel an der Existenz des Jesus aus Galiläa angebracht. Niemand mit gesundem Menschenverstand würde ihn unterdrücken, wenn er nicht durch kirchliche Tradition und Sozialisation daran gehindert würde. Was sollen wir von einem Menschen halten, der außer in den Schriften seiner Anhänger nirgendwo auftaucht und über dessen Herkunft, Geburts- und Todesjahr bzw. -tag selbst dort Uneinigkeit besteht?

Mein Fazit:
Eine spannende und verständliche Analyse über ein wichtiges Thema, das hoffentlich eine längst überfällige Diskussion über die historischen Grundlagen des christlichen Glaubens in Gang bringt.

Ergänzend empfehle ich auch folgende Bücher Jesus? Tatsachen und Erfindungen und Der erfundene Jesus: Unechte Jesusworte im Neuen Testament.
Kommentar Kommentare (23) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 1, 2013 10:40 PM MEST


Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?
Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?
von Stefan Bonner
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

8 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lammfromm oder einfältig wie ein Schaf?, 4. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach ihrem Bestseller "Generation Doof" widmen sich die Autoren Bonner und Weiss in ihrem neuen Buch der "Generation Fromm" und fragen: "Heilige Scheisse, wie steht es mit der Religion in Deutschland?".

Die Richtung des Buches gibt bereits das "heilige" Schaf auf dem Cover vor. Das Schaf ist als einfältiges Herdentier bekannt. Vielleicht empfiehlt die Bibel aus diesem Grund das Schaf als Vorbild für alle hingegebenen Christenmenschen. Häufig werden auch die Pfarrer und die Pastoren als Hirten dargestellt, die Gemeindemitglieder sind ihre "Schäfchen", die von ihnen geleitet (oder geschoren) werden.

In den sechs Kapiteln geht es um die christliche Leere in unseren Köpfen ("Denn sie wissen nicht, was sie glauben sollen"), darum, warum uns der Allmächtige egal ist ("Gestatten, Generation Gottlos") und was man der Bibel noch glauben kann ("Psalmen haben kurze Beine"). Wären wir ohne Kirche besser dran? ("Das Imperium tritt zurück"), wie wir uns eine eigene Religion basteln ("Es muss nicht immer Jesus sein") und dass auch Heidenkinder Heidenspaß haben ("Eden für jeden") sind weitere Themen, bevor es zum ausgewogenen Fazit kommt: "Gehet hin in Frieden!"

Bei ihren journalistischen Recherchen geht das Autorenteam bis an ihre Grenzen. In einem Selbsterfahrungsexperiment haben sich Herr Bonner und Frau Weiss in eine katholische Messe im Kölner Dom begeben. Die katholischen Zeremonien aus langen Frauengewändern und hohen Hüten erinnern sie an eine Karnevalsprozession. Doch nicht nur die konventionellen Kirchen sind Ziele ihrer Untersuchung, sondern auch Mini-Gemeinden, Jesus Freaks, Kreationisten, Evangelikale, White-Metal Bands, Esoterik-Messen und Homöopathie. Ein vorläufiges Ergebnis: selbstgebastelter Wellness-Glaube für die einen, ein starres Gebote-Verbote System mit klaren Ansagen für die anderen. Die Bedürfnisse der gläubigen Mitmenschen sind halt unterschiedlich.

Wie schon Generation Doof ist das Buch sehr lesefreundlich gestaltet, mit allerlei Einschüben, Zeichnungen und Wortwitzen. Zur Unterstreichung der Thematik ist es gespickt mit passenden Zitaten von Wilhelm Busch, Konrad Adenauer, Woody Allen, den Simpsons, bis zum Kardinal Meisner.

Was können Sie als Leser von diesem Buch erwarten? Es wirft Fragen auf. Es kann passieren, dass sie zweifeln an Gott, der Kirche, den Gläubigen und an sich selbst. Es kann aber auch passieren, dass sie lauthals lachen: über Gott, über die Kirchen, über die Gläubigen und über sich selbst. Denn Glauben ist immer etwas Persönliches. Und der eine braucht ihn, der andere nicht.

Wer Spaß an diesem Buch hatte, dem empfehle ich auch das Buch Fundamentalismus für Einsteiger.


Jesus war kein Vegetarier
Jesus war kein Vegetarier
von Sebastian Moll
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

20 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Was Jesus alles nicht war ..., 2. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jesus war kein Vegetarier (Gebundene Ausgabe)
Jesus war kein Vegetarier behauptet der evangelische Theologen Sebastian Moll. Stimmt, vieles von dem was er laut der Bibel gewesen sein soll (von einer Jungfrau geboren, der Sohn Gottes, etc.) war er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Doch Sebastian Moll geht es um mehr, als der Buchtitel "Jesus war kein Vegetarier" suggeriert.

Ihm geht es um die (seiner Meinung nach) richtige Auslegung der Bibel. Insbesondere auch zu Themen wie Frauenordination, Homosexualität und modernen Bibelübersetzungen. Seine Motivation zum Schreiben des Buches schildert er in einem Interview mit der Zeitschrift Christ und Welt wie folgt: "Mich besorgt nur, dass die Bibel inzwischen völlig verzerrt wird. Sie muss zum Beispiel als Begründung dafür herhalten, auf Fleisch zu verzichten, die Frauenquote gut zu finden und gegen Atomkraft zu sein ... Mich stört aber, wenn man die Fakten der Schrift dahingehend verdreht, dass sich Christus und Paulus bewusst für die Belange der Frauenbewegung eingesetzt hätten ... Man kann doch nicht behaupten, dass Christus und Paulus Männer und Frauen gleich behandelt haben. Sie hatten damals ganz andere Probleme als die Gleichstellung der Geschlechter. Man muss den Mut haben zu entscheiden: Will ich die Tradition anerkennen oder nicht? Die evangelische Kirche muss klar sagen: Gilt die Schrift noch oder nicht? Aber man kann doch nicht so tun, als halte man an der Bibel fest und bricht zugleich in allen praktischen Fragen mit der Schrift. Diese Heuchelei wird die evangelische Kirche nicht überleben." Diese Aussage hätte auch von einem evangelikalen Fundamentalisten stammen können ...

Ja, dass darf natürlich nicht sein, dass jeder Theologe mit der Bibel macht was er will. Weg mit diesen an den Zeitgeist angepassten Predigten! Warum immer nur diese politischen korrekten Auslegungen der Bibel? Man sollte endlich mal das Predigen was wirklich in der Bibel steht, z.B. aus Psalm 136, 10 und 15: "Sie erzürnten den Herrn ... denn sie rotteten die Völker nicht aus, wie ihnen der Herr einst befahl." Oder über ein Jesus Wort aus Matthäus 5, 22: "Wer aber zu seinem Mitbruder sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig."

Vielleicht beginnen dann noch mehr Kirchensteuerzahler diese mittelalterlichen Sinnvermittlungsstätten zu verlassen und ihr Geld wirklich sinnvoll zu spenden, z.B. für die Unterstützung kirchlicher Missbrauchsopfer oder für Tierschutzprojekte.

Mein Fazit:
Dieses Buch ist sicher eine innerkirchliche Provokation und regt Diskussionen an, für Menschen außerhalb der Kirche absolut belanglos und verschwendete Lebenszeit.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 14, 2012 9:51 AM MEST


Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung
Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung
von Heinz-Werner Kubitza
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

15 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fakten statt Fiktionen über Jesus, 2. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Inhalt des Buches wurde meiner Meinung nach von den Rezensenten Wolfgang Klosterhalfen sowie Michael Dienstbier treffend beschrieben. Betonen möchte ich noch einen aktuellen gesellschaftspolitischen Bezug des Buches. Immer wieder weisen Politiker in Sonntagsreden auf die christlichen Werten und die Bedeutung der Religion und des Glaubens für unsere Gesellschaft hin. Wie wichtig ihnen das ist zeigt, dass man vor kurzem in unserem demokratisch gewählten Parlament, einen "von Gott erwählten" Mann eines unbedeutenden Zwergenstaates sprechen lässt.

Im fünften Kapitel des Buches zeigt der Autor jedoch auf, wie wenig unsere freiheitliche Gesellschaft tatsächlich auf christlichen Grundlagen beruht. Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Menschenwürde, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit: Diese Grundpfeiler einer modernen Gesellschaft finden sich weder in den biblischen Schriften, noch in den christlichen Überlieferungen. Es war gerade die Überwindung einer religiös geprägten Menschen- und Weltsicht.

Mein Fazit:
Heinz-Werner Kubitza hat in seinem Buch überzeugend zusammengetragen, was man als denkender und aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts über den Wanderprediger Jesus von Nazareth wissen kann. Vieles davon ist dem religiösen Durchschnittsbürger sicher nicht bekannt.

Wer die von den ernstzunehmenden Bibelwissenschaftlern unbestrittenen Fakten kennen will, sollte dieses Buche lesen. Wer hingegen weiterhin seinen kindlichen "Jesuswahn" bewahren will und den Fiktionen (oder Auslegungen) der Kirchen glauben will, sollte besser ein Andachtsbuch des Mannes aus dem Vatikan mit den roten Schuhen lesen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 17, 2013 4:51 PM MEST


Jesus? Tatsachen und Erfindungen
Jesus? Tatsachen und Erfindungen
von Harald Specht
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist Jesus nur eine Kunstfigur der christlichen Urgemeinde?, 3. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über Jesus wurden mehr als 6000 Bücher veröffentlicht, warum noch ein Jesusbuch, dazu noch mit einem Fragezeichen? Die meisten dieser Bücher setzen Jesus Christus bedingungslos als historisch gegeben voraus. Dieses Buch ist anders, es fragt nach dem Wahrheitsgehalt all der Geschichten um Jesus, nach den zahlreichen Widersprüchen in diesen Berichten und nach den möglichen Ursachen für diese Ungereimtheiten.

Dr. Harald Specht ist deutscher Wissenschaftler und Autor. Um dem Jesus-Mysterium auf die Spur zu kommen, orientiert er sich in seinem Buch an folgenden Fragen: Hat Jesus wirklich gelebt? War er ein Mensch aus Fleisch und Blut? Oder ist er nur ein Phantom, die Erfindung einer frühchristlichen Sekte? Warum weist die Bibel zahlreiche Ungereimtheiten auf, wenn es um Jesu Herkunft, Geburt und Familie geht? Weshalb agierten die ersten christlichen Gemeinden im Geheimen? Was hat es mit dem rätselhaften Stern zu Bethlehem auf sich und wieso beteten noch im Mittelalter Christen vor dem Petersdom zu Rom die Sonne an?

Die Recherche beginnt mit einer eingehenden Untersuchung der traditionellen Lebensgeschichte Jesu (wie die Kirchen sie erzählen) anhand der Bibel und nichtchristlicher Quellen (Josephus, Plinius, Sueton, Tacitus). Das Ergebnis dieser Überprüfung fällt ernüchternd aus: "Die Berichte der Evangelisten sind tendenziöse Bekenntnis- und Missionsschriften, in denen auf verschiedene Weise versucht wird, für Jesus von Nazareth zu werben. Die Evangelien sind Predigttexte, Propagandaschriften für christliche Missionare." Was dem einen Glaubenszeugnisse sind, gelten dem anderen als unwahre Phantasieprodukte und Resultate bewusster apologetischer Schriftstellerei. Die wenigsten Kirchgänger wissen daher heute, worum es eigentliche geht, wenn in der Liturgie das "Wort des Herrn" aus den Evangelien verkündet wird.

Die Faktenlage in den literarischen Quellen ist unbefriedigend, resümiert Harald Specht. Die Evangelien sprechen niemals von Jesus, sondern immer nur von Christus. Dies ist geradezu eines der deutlichsten Indizien für die Nichtexistenz des "Menschen" Jesus. Doch ist es überhaupt vorstellbar, dass wir es bei der Gestalt Jesu mit einer Fiktion zu tun haben?

Im 5. Kapitel des Buches "Die Zeit ist reif für neue Götter" entwirft der Autor Szenarien, wie aus einem Mythos Geschichte werden konnte: "In der Zeit, in der das Christentum entstand und seine dogmatische Form gewann, war die westliche Welt von einem starken religiösen Bedürfnis erfüllt. Die ererbten Glaubensformen befriedigten weite Kreise nicht mehr, so dass sie nach anderen Möglichkeiten der Erbauung suchten. Einfache, ungebildete Leute glaubten an die Göttlichkeit Jesu auf Grund überarbeiteter Abschriften durch unbekannte Verfasser, die sich widersprechen und die keine Zeugen der Ereignisse sind, von denen sie berichten."

Das Fazit des Buches formuliert Harald Specht in sieben Thesen, hier bringt er den Kern seiner Argumentation nochmals auf den Punkt: "Der uns aus den Evangelien bekannte Jesus von Nazareth ist hinsichtlich seiner religiösen, ethischen aber auch äußeren Gestaltung ein Mischprodukt aus mehreren Gott-Charakteren seiner Zeit. Eine Heldenfigur der kanonischen Evangelien, die vor allem aus jüdischen, ägyptischen wie hellenistischen Elementen kompiliert wurden."

Mein Fazit:
Ein spannender Ausflug in die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, mit besonderem Schwerpunkt auf deren weithin vergessenem radikalkritischen Flügel, den "Zweiflern und Leugnern". Glänzend geschrieben und sehr anregend, kurzweilig trotz seiner 600 Seiten. Für alle, die es genauer wissen wollen und sich nicht mit frommen (Bibel-)Sprüchen abspeisen lassen.
Als Ergänzung empfehle ich das Buch Das Jesus-Puzzle: Basiert das Christentum auf einer Legende?.


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