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Tessa
Tessa
von Nicola Karlsson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tessa, 15. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Tessa (Gebundene Ausgabe)
Nicola Karlsson schreibt in ihrem Debütroman über eine Generation junger Leute, die früh berühmt geworden und zu Geld gekommen ist. Stellvertretend für diese Generation steht ihre Protagonistin Tessa. Tessa verdient ihr Geld mit Modeln und Werbespots für Fernsehen und Kino. Dementsprechend ist auch ihr Aussehen: groß, gut gebaut, hübsch. Nur glücklich sein kann sie nicht. Sie glaubt, dass ihr Freund sie betrügt und gegen ihre Beziehungsängste schluckt sie haufenweise Tabletten, die ihr ihre Psychiaterin verschrieben hat. Und weil das noch nicht reicht, um in Berlin zu überleben, vertreibt sie sich die Abende auf Partys und bei Freunden mit reichlich Wein und Wodka. Und weil sie findet, dass Drogen ihr durch ihr bes********* Leben helfen, konsumiert sie reichlich Koks. Auf der Suche nach Liebe lässt sie sich durch die Stadt treiben, von Affäre zu Affäre, bis sie mit allen bricht und ein einschneidendes Erlebnis sie scheinbar zur Besinnung bringt.

Nicola Karlsson schreibt schonungslos und mit einer klaren, jugendhaften Sprache und schafft es meistens die Innenwelt Tessas dem Leser zu vermitteln. Sie macht glaubhaft, warum Tessa handelt, wie sie handelt, zeigt aber auch andere Wege auf, die Tessa jedoch nicht beschreitet. Die ist so gefangen in ihrer Welt voller Beziehungsängste und Todessehnsucht, dass sie nicht merkt, wie jeder ihr helfen will. Egoistisch geht sie einen Weg, der nur nach unten führt, und den man wahrscheinlich nur auf Arten verlassen kann, ähnlich, wie in diesem Buch gezeigt.

Ich glaube, dass sich einige Leser an der Art stören könnten, wie das Thema Alkohol- und Drogenmissbrauch in diesem Buch beschrieben wird. Doch Karlsson schreibt darüber sehr authentisch. Ich finde „Tessa“ ist ein gutes, ein lesbares Buch mit Message, auch wenn diese vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Und wenn man darüber nachdenkt hat die Autorin mit ihrem Buch geschafft, was gute Bücher schaffen sollten: sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzten.


Und konnten es einfach nicht fassen
Und konnten es einfach nicht fassen
von Sabine Thomas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die tragischsten Geschichten schreibt das Leben, 15. September 2013
Der Ullstein-Verlag dachte wohl, was bei Piper mit den Geschichten von Ferdinand von Schirach funktionierte, kann bei uns auch funktionieren. Denn mit "Und konnten es einfach nicht fassen" legt der Verlag ein Buch vor, in dem Rechtsanwältin Sabine Thomas einige Fälle ihrer Karriere vorstellt. 16 Geschichten sind in diesem Buch vertreten. Bis auf eine Ausnahme, ("Jedes Wort ist wahr", in der er es um einen Kriegsverbrecherprozess geht), handeln alle von Beziehungen, die in die Brüche gehen; von Liebe, die nicht mehr erwidert wird; vom Auseinanderleben und von den täglichen Kämpfen vor dem Familiengericht.

Vergleicht man Frau Thomas‘ Geschichten mit denen von Schirach, sind Schirachs Fälle besser und spannender geschrieben. Auch findet man bei Schirach eine größere Bandbreite an Themen.

Vergleicht man beide Autoren aber nicht, was man auch nicht sollte, findet man bei Sabine Thomas gefühlvoll erzählte Geschichten voller Sympathie gegenüber ihren Mandanten und voller Mitgefühl für deren Situation. Vor allem zeigt sie aber, wie schnell das Schicksal im Leben zuschlagen kann, wie schnell man vom Alltag ins Chaos katapultiert werden kann. Und am Ende von jeder Geschichte steht auch immer ein kleines bisschen Hoffnung, wie es auch im Leben ist.

Sabine Thomas hat mich mit ihrem Debütroman überzeugt. Auch wenn etwas Abwechslung fehlt und vieles sich wiederholt, sind die Geschichten doch packend. Sabine Thomas arbeitet nun einmal als Anwältin für Familienrecht, da hat man es selten mit einem spektakulären Raub- oder Mordfall zu tun. Wer also nach den Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach neue Geschichten aus dem Alltag eines Anwalts lesen möchte, ist mit diesem Buch bestens aufgehoben. Und jeder andere Leser natürlich auch.


Das größere Wunder: Roman
Das größere Wunder: Roman
von Thomas Glavinic
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

12 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das größere Wunder, 26. August 2013
Es gibt so Bücher, da fühlt man sich nach dem Lesen erwachsener, gereifter. Es gibt Bücher, die berühren, die etwas in einem Auslösen, eine positive Reaktion, ein besseres Lebensgefühl oder einfach nur Freude, weil man gerade dieses Buch gelesen hat und es am besten jeden weiterempfehlen will, weil es einen so beglückt hat. Und genau so ein Buch ist "Das größere Wunder" von Thomas Glavinic.

Thematisiert wird die Lebensgeschichten von Jonas, der als Kind zusammen mit seinem Bruder Mike zwangsadoptiert wird von einem einflussreichen, mysteriösen Mann, eine Art Pate, dem alle Respekt zollen. Durch ihm wird Jonas eine anständige Bildung und wohlbehütete Jugend zu teil, die ihm und seinem Stiefbruder aber auch einiges abverlangt. Da Geld keine Rolle spielt, können sich die Jungen toll entwickeln, und ihre Erfahrungen sammeln, was auch die Liebe einschließt.

Trotz allem, was Jonas geboten wird, ist er Zeit seines Lebens auf der Suche. Wonach weiß er selbst nicht genau. Und so zeigen sich ihm immer neue Wunder des Lebens. Gerade besteigt er den Mount Everest, wohl die extremste Erfahrung, die er je gemacht hat. Dabei begleiten wir ihm als Leser. Immer abwechselnd erzählt Glavinic von Jonas' Erlebnissen am Berg und seinen Erlebnissen aus Kindertagen. Nach und nach ergibt sich so ein traumhaftes Gesamtbild. In einer mitreißenden Sprache geschrieben und ohne unnötige Längen ist dieses Buch für mich eines der schönsten dieses Bücherherbstes.

Am Ende des Buches hat Jonas über 200 Länder bereist, immense Erfahrungen gesammelt und allerlei Wunder des Lebens erlebt. Und wir als Leser konnten ihm ein Stück dabei begleiten. Und so kann jeder Leser für sich selbst entscheiden, welches Wunder jetzt das größte für ihn selbst war. "Das größere Wunder" ist ein grandioser Roman, wie man ihn nur selten liest, eine tolle Würdigung des Lebens und der Liebe.


Die Springflut: Roman
Die Springflut: Roman
von Cilla Börjlind
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Olivia Rönnings erster Fall, 24. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Springflut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Olivia Rönning ist angehende Polizistin in Stockholm. In ihrem zweiten Ausbildungsjahr soll sie sich mit einem Cold Case beschäftigen. Bewusst wählt sie einen Fall, an dem ihr Vater, ein Kriminalkommissar, mitgearbeitet hat. Auf der schwedischen Insel Nordkoster wurde Ende der 80er Jahre eine schwangere Frau mit Hilfe einer Springflut getötet. Als sie den damals verantwortlichen Beamten, Tom Stilton, ausfindig machen will, scheint dieser spurlos verschwunden. Parallel dazu werden in Stockholm Obdachlose überfallen und brutal verprügelt. Kurz nach der Tat finden sich im Internet Filme von den Taten. Bald ist Olivia, obwohl sie keinerlei Ermittlungsbefugnis hat, in beide Fälle verwickelt.

Mit „Die Springflut“ legen die in Schweden sehr bekannten Drehbuchautoren Cilla und Rolf Börjlind nun ihr Romandebüt in bester schwedischer Krimitradition vor. Der Plot ist spannend und abwechslungsreich gestaltet, die Sprache angenehm leicht, sodass sich das Buch sehr schnell lesen lässt. Die Charaktere sind interessant jedoch noch nicht ausgereift, was bei einer Krimireihe auch nichts Ungewöhnliches ist. Der Charakter von Olivia hat mich beim Lesen etwas an Sarah Lund erinnert. Mal sehen, ob sich das in den weiteren Bänden fortsetzt. Gespannt bin ich auch auf die Entwicklung von Abbas, der mir persönlich leider zu kurz wegkommt in diesem Buch.

Begabte schwedische Autoren und Kriminalroman, das passt einfach gut zusammen. Also, wer gute Krimis mag, kann hier getrost zuschlagen.


Tigermilch: Roman
Tigermilch: Roman
von Stefanie de Velasco
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tigermilch – ein berührender Roman, 13. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Tigermilch: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Glauben ist, wenn man will, dass Sachen stimmen, von denen man eigentlich weiß, dass sie unmöglich sind.“ (Seite 21)

Nini und Jameelah könnten eigentlich unterschiedlicher nicht sein. Nini ist in Deutschland geboren und in einer relativ intakten Familie aufgewachsen, Jameelah ist mit ihrer Mutter aus dem Irak nach Deutschland geflohen, weg von Tod und Verwüstung. Trotzdem sind beide unzertrennlich, und das seit der ersten Klasse. Sie teilen alles, am liebsten Tigermilch, ein Mixgetränk aus Milch, Mariacron und Maracujasaft. Sie rauchen, gehen auf Partys, experimentieren mit Drogen und üben mit Freiern auf der Kurfürsten, um nicht unvorbereitet ihr erstes Mal zu erleben. Beide sind vierzehn Jahre alt und ihre Entjungferung ist für die Sommerferien geplant, geeignete Partner stehen schon bereit.

Das klingt jetzt erst einmal alles sehr drogenverherrlichend und leicht pornographisch, was das Buch definitiv nicht ist. Davon sollte man sich keinesfalls abbringen lassen, das Buch zu lesen. Aber es ist schwierig den Einstieg in das Buch anders zu beschreiben. Denn hinter dieser ganzen Abgeklärtheit der beiden Freundinnen, ihr Gefühl erwachsen zu sein und das Gefühl es mit der ganzen Welt aufzunehmen, kaschiert eigentlich ihre ganzen Ängste und Unsicherheiten. Ängste, die sehr schnell in ihre heile Welt hereinbrechen, als beide einen Mord beobachten, der in der Folgezeit ihre ganze Freundschaft auf eine harte Probe stellt und ihre Sicht auf die Welt definitiv verändern wird. Und auch wenn sich Nini und Jameelah zu Beginn des Buches nur erwachsen fühlen, am Ende des Buches werden sie es sein.

Stefanie de Velasco schreibt mit einer jungen, erfrischenden Sprache. Sie saugt den Sound und das Gefühl der Straße einer Großstadt auf und lässt ihn in die Seiten ihres Buches fließen. Dabei schafft sie es einen Ton zu treffen, der mitreißend und emotional zugleich ist und mich in jeden Fall berührt hat. Nach dem Lesen des letzten Wortes setzte bei mir eine Wehmut ein, die ich selten habe. Von mir aus, hätte das Buch ruhig noch 500 Seiten weitergehen können, so viel Spaß macht es, über die Freundschaft der beiden Mädchen zu lesen. „Tigermilch“ ist ein Roman mit dem man lachen und weinen kann; ein Roman, den man verschlingt und den man auf jeden Fall noch ein zweites Mal liest, eben weil er authentisch ist und weil die Charaktere der Mädchen so genau getroffen sind.

Grob vom Thema des Buches betrachtet, kann man natürlich eine gewisse Ähnlichkeit zu Herrndorfs „Tschick“ nicht von der Hand weisen. Bei „Tschick“ sind es zwei Jungen, hier sind zwei Mädchen die Hauptpersonen, die ihren Weg in der Welt suchen und denen echte Freundschaft über alles geht. Das war es dann aber auch schon mit den Parallelen. „Tigermilch“ hat mit persönlich besser gefallen, weil Velasco sensibler und emotionaler schreibt. „Tigermilch“ ist ein berührendes, ein grandioses Buch, dem ich viele Leser wünsche. Man muss sich nur darauf einlassen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 22, 2013 11:42 AM MEST


Der Mann im Park: Roman
Der Mann im Park: Roman
von Pontus Ljunghill
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mann im Park, 10. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Mann im Park: Roman (Broschiert)
Vereinzelt Spoiler!

Kommissar John Stierna quittiert deinen Dienst und fährt nach Gotland um seinen Ruhestand zu genießen. Doch im Gepäck hat er einen Fall, der ihn seit 25 Jahren begleitet und den er nie lösen konnte. Damals wurde auf einer stillgelegten Werft in Stockholm ein achtjähriges Mädchen ermordet aufgefunden. Trotz intensiver Suche konnte der Mörder nie gefasst werden. Durch einen Reporter, der eine Serie für eine Zeitschrift über alte Mordfälle schreiben will, beginnt Stierna den Fall in neuem Licht zu sehen. Währenddessen rückt das Verjährungsdatum des Mordfalls immer näher.

Mit „Der Mann in Park“ reiht sich Pontus Ljunghill nahtlos in die Reihe guter schwedischer Krimischriftsteller ein. Ljunghill schreibt ruhig und geradlinig, verzichtet auf haufenweise Action, setzt mehr auf subtile Spannung. Seine Hauptperson ist gut charakterisiert, die Nebenfiguren bleiben leider nur Statisten, aber Ljunghill geht es hauptsächlich um seinen Kommissar, und seine Last, die er zu tragen hat. Ausgehend aus dem Jahr 1953, als Stierna in Gotland auf den Reporter trifft, erzählt Ljunghill die Geschichte der Ermittlung rückblickend. Dabei beschreibt der die ergriffenen Maßnahmen ebenso, wie das schwedische Alltagsleben der 20er Jahre.

Wenn man beim Lesen eines Buches Seite um Seite verschlingt, kann man behaupten, dass der Autor gut und spannend schreiben kann. Doch je länger das Buch dauert, weiß man, wie es ausgehen wird. Das ist einerseits schade, mildert es doch den großen Überraschungseffekt am Ende des Buches. Andererseits lässt sich nur so das zweite große Thema, um das sich dieses Buch dreht, aufarbeiten. Nämlich welche sozialen Umstände einen Menschen verändern und ihn unter Umständen sogar zum Mörder machen können.

„Der Mann im Park“ ist für mich ein typischer schwedischer Kriminalroman. Ljunghill vereint meisterhaft den Krimiplot mit der Sozialkritik und schafft es das nordische Lebensgefühl glaubhaft darzustellen. Eine klare Empfehlung.


Die hohe Kunst des Bankraubs: Roman
Die hohe Kunst des Bankraubs: Roman
von Christopher Brookmyre
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Illusion und Ablenkung, 10. August 2013
Es ist schwer über dieses Buch zu schreiben ohne dabei zu viel zu verraten. Deshalb werde ich mich kurz fassen, denn obwohl in diesem Buch vieles nicht wichtig erscheint, ist es dies am Ende doch.

Am helllichten Tage wird in Glasgow eine Bank überfallen. Die Räuber sind als Clowns verkleidet und ziehen eine Art Zirkusshow durch. DI Angelique de Xavia soll in der Bank mit den Dieben verhandeln, was jedoch nicht gelingt. Am Ende sind die Clowns samt Geld verschwunden, doch niemand wurde verletzt, ja es wurden alle sehr zuvorkommend behandelt und sogar mit einem Theaterstück bespaßt. Dann meldet sich der Anführer der Bande bei de Xavia und es beginnt ein intelligentes Katz-und-Maus-Spiel.

Die beiden Hauptpersonen sind perfekt getroffen. Beide haben Stärken und vor allem Schwächen und ergänzen sich super. Die Handlung wird, die ersten 50 Seiten mal ausgenommen, rasant vorangetrieben und es gibt allerhand Wendungen, die Spannung erzeugen. „Die hohe Kunst des Bankraubs“ ist ein klasse Kriminalroman, subtil und ab und zu auch actionreich, und hat dabei auch einen Blick auf die sozialen Probleme in Glasgow. Es ist aufgemacht wie eine riesen Zirkus- und Zaubershow. Mich hat das Buch super unterhalten. Am Ende werden nicht alle offenen Fragen geklärt, was auf eine sehr wahrscheinliche Fortsetzung schließen lässt. Es sei denn, auch dabei handelt es sich nur um eine Illusion.


Dreimal im Leben: Roman
Dreimal im Leben: Roman
von Arturo Pérez-Reverte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dreimal im Leben, 1. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Dreimal im Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
In bester spanischer Erzähltradition entwirft Arturo Pérez-Reverte mit diesem Buch einen spannenden und gefühlvollen Roman, der den passenden deutschen Titel „Dreimal im Leben“ trägt. Denn genau dreimal kreuzen sich die Wege von Max Costa und Mecha Inzunza: zwei unterschiedliche Menschen, die durch eine lebenslange Liebe zueinander gebunden sind.

Das erste Mal begegnen sie sich in den zwanziger Jahren auf einem Ozeandampfer nach Südamerika. Er ist Eintänzer für allein reisende Damen, sie Gast der ersten Klasse mit ihrem Mann, einem berühmten Komponisten. Im Laufe der Reise werden sie durch die Liebe zum Tango zusammengeschweißt. Zu eng, wie sich bald herausstellt. So eng, dass sich Max mit einer wertvollen Perlenkette Mechas aus dem Staub macht.

Das zweite Mal sehen sich die beiden eher zufällig in Nizza. Es sind die dreißiger Jahre, Europa ist in Aufruhr, Veränderungen kündigen sich überall an und Max hat es durch seine charmante wie manipulative Art geschafft ohne Sorgen zu leben. Da tritt die italienische Regierung an ihn heran. Er soll geheime Dokumente stehlen oder er landet im Gefängnis. Dabei trifft er auf Mecha, die ebenfalls in Nizza lebt. Allein, denn ihr Mann wurde während des spanischen Bürgerkriegs verhaftet. Sofort flammt ihre alte Affäre wieder auf. Aber Max hat sich auf ein gefährliches Spiel eingelassen.

Das dritte Treffen ist jedoch das wichtigste für diesen Roman, denn es dient Pérez-Reverte als Aufhänger seiner Geschichte. Max lebt inzwischen in Italien, ist 64 Jahre alt und verdient sein Geld auf ehrliche Art und Weise. Eines Tages meint er eine Frau zu erkennen, die ihn an Mecha erinnert. Also heftet er sich ihr an die Fersen, und während er ihr durch die Straßen und Gassen folgt, beginnt er sich zu erinnern an ihre glücklichen Stunden.

„Dreimal im Leben“ ist ein klug verschachtelter Liebes- und Spannungsroman, der erst auf den letzten Seiten alle Geheimnisse lüftet. Arturo Pérez-Reverte versteht es gekonnt von der Liebesbeziehung der beiden zu erzählen, frei von Kitsch und Klischees. Gewürzt ist das Ganze mit einem Schuss Erotik ohne platt oder pornografisch zu wirken. Pérez-Reverte kann einfach mit Worten umgehen, genau so schön wie seine Sprache ist auch sein Roman, der auch ein bisschen den Glanz dreißiger und vierziger Jahre wieder aufleben lässt. Ein Lob gebührt zum Schluss auch noch dem Insel-Verlag, der diesen zauberhaften Roman mit einem würdigen Cover ausgestattet hat, das den Flair des Buches auf den Punkt trifft. Wer also auf schön geschriebene Liebesgeschichten mit dem gewissen Etwas steht, ist mit diesem Buch bestens aufgehoben.


Agatha Raisin und der tote Richter: Kriminalroman
Agatha Raisin und der tote Richter: Kriminalroman
von M.C. Beaton
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leichte Krimilektüre, 19. Juli 2013
Agatha Raisin hat genug von London und verkauft ihre PR-Agentur um in ein malerisches Cottage in den ländlichen Cotswolds zu ziehen. Während sie noch damit beschäftigt ist, sich beliebt zu machen und auch nicht davor zurückschreckt, bei einem Backwettbewerb eine gekaufte Delikatessen-Quiche zu präsentieren, wird der Preisrichter tot aufgefunden: vergiftet durch ihre Quiche. Schnell hat sie das Gefühl, dass da etwas nicht stimmen kann und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Was nicht ganz einfach ist, denn die Dorfleute sind sehr argwöhnisch ihr gegenüber.

M.C. Beatons Krimi lebt jetzt nicht unbedingt von Gänsehautspannung und krachender Action, lässt sich aber genau deshalb sehr gemütlich lesen. Beaton charakterisiert ihre Personen sehr gut und schnell hat man seine Favoriten bei den handelnden Personen gefunden. Ebenso detailliert sind ihre Landschaftbeschreibungen und ihre Beschreibung des Dorfalltags, der fast schon parodistische Züge annimmt. Freunde des britischen Humors kommen auf alle Fälle auf ihre Kosten.

In Großbritannien und in anderen Ländern haben die Krimis um Agatha Raisin längst Kultstatus erlangt. Es grenzt fast schon an ein Verbrechen, dass man in Deutschland jetzt erst ihre Fälle lesen kann, und das nach nahezu 20 Jahren, denn 1993 erschien dieses Buch in England. Voraussichtlich im Januar 2014 wird der Bastei Lübbe Verlag den zweiten Teil der Agatha Raisin-Reihe veröffentlichen. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann alle Teile auf Deutsch erhältlich sein werden. Denn ich bin sicher, M.C. Beaton wird mit jedem Teil besser.


Joyland
Joyland
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Joyland, 15. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Joyland (Gebundene Ausgabe)
Stephen King war schon immer am besten, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, wenn er über Kinder oder Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden schrieb. Das war in "Es" so, in "Nächtliche Brandung" (einer grandiosen Kurzgeschichte aus "Nachtschicht") und es ist in "Joyland" so. Nur kommt der Horror in seinem neuen Buch etwas hintergründiger und subtiler vor, nicht so vordergründig, wie in z.B. "Es". Fast hat man den Eindruck auch Stephen King ist auf seine alten Tage erwachsen geworden. Was sich schon in "Der Anschlag" und auch in "Wind" angedeutet hat, wird hier von King fortgesetzt. "Joyland" ist weniger ein Horrorroman, es ist mehr ein Gesellschaftsroman aus den USA der siebziger Jahre.

Joyland, das ist ein Vergnügungspark, der seine besten Tage hinter sich hat. Jahr für Jahr kämpft sein Besitzer um das Überleben des Parks. Wie lange das noch gut geht, steht in den Sternen. Beim Lesen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Joyland steht als Synonym für Amerika, sei es das Amerika von heute oder das Amerika der siebziger. Und doch nimmt der Park Devin Jones ganz in seinen Bann, als er einen Sommer lang als Aushilfe im Park arbeitet. Es ist kein leichter Sommer für Devin, der von seiner Freundin verlassen wurde und noch ziemlich grün hinter den Ohren ist. Trotz allem findet er schnell Freunde im Park und stößt auf eine Gruselgeschichte, die ihn nicht mehr los lässt. Vor vier Jahren wurde im Park ein Mädchen ermordet und soll seitdem als Geist durch die Geisterbahn spuken. Und da gibt es da auch noch den Jungen Mike, der an einer schweren Krankheit leidet und seine geheimnisumwitterte Mutter, die Devin den Sommer über beschäftigen.

Grob kann man sagen, dass "Joyland" aus drei Komponenten besteht. Zum einen gibt es die Krimigeschichte um das ermordete Mädchen, die auch aufgelöst wird und die mit etwas Horror versehen ist. Zum zweiten ist da der Teil, der Devin auf seinem Weg zum Erwachsenen nachspürt. Tiefgründig und auch etwas melancholisch erzählt King davon, was es heißt jung zu sein und das Leben noch vor sich zu haben. Und zum dritten ist da noch die Magie, die vom Vergnügungspark ausgeht, der Duft nach Popcorn und die Begeisterungsschreie der Besucher.

Stephen King ist nicht mehr "nur" der Horrorschriftsteller, als der er einmal gesehen wurde. Vielmehr ist er gereift zu einem Romancier, der wunderschöne, berührende Geschichten schreiben kann, natürlich gemischt mit Horror- und Gruselelementen, die aber versteckter auftreten. Ich kann verstehen, dass King-Fans der ersten Stunde von diesem Buch vielleicht enttäuscht sind. Für all diejenigen lohnt sich möglicherweise das Warten auf die Fortsetzung von "Shining", die für den Spätherbst angekündigt wurde und auf die auch ich sehr gespannt bin. Aber vielleicht finden sich gerade durch "Joyland" neue Fans, die durch Kings jüngste Werke auch die alten entdecken. Ich jedenfalls war von diesem Buch und seinem mitreisenden und unterhaltsamen Ton sehr begeistert. Und ich hoffe, es wird anderen Lesern genauso gehen.


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