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Rezensionen verfasst von
Carsten Jekel "Jekob" (Meerbusch)
(REAL NAME)   

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Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
von Hape Kerkeling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

103 von 120 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Respekt, Herr Kerkeling, 3. Januar 2007
Mit Hape Kerkeling habe ich gemein, dass wir beide aus Recklinghausen stammen. Ansonsten kann ich viel und gern über den Komiker Kerkeling lachen, würde mich aber nicht als echten "Fan" bezeichnen. Deshalb habe ich zwar interessiert zugehört, als begeisterte Freunde von diesem Buch erzählten, wäre selbst aber nie auf die Idee gekommen, es mir zu kaufen. Bis es dann an Weihnachten "zufällig" in meine Hände fiel - jemand hatte es doppelt gekommen und ich fand mich als dankbarer Abnehmer...

Danach habe ich das Buch verschlungen und mich glänzend unterhalten gefühlt. Vielleicht kann Kerkeling auch gar nicht anders als unterhalten; er ist nun mal Entertainer. Und vielleicht ist es auch das, was andere an dem Buch stört. Doch mit Verlaub, liebe Pilgerinnen und Pilger, liebe nach-der-Erleuchtung-Suchenden, liebe Spiritualisten - ihr habt doch von Kerkeling wohl auch nichts anderes erwartet?

Mich erinnerten viele Passagen an meine Interrailreisen, die ich als 17-, 18-Jähriger unternommen hatte: irgendwie hatte man schon nach zwei Tagen keine Lust mehr und reiste doch mehr oder minder munter weiter; man fluchte über die Mehrbettzimmer in den Jugendherbergen und freute sich doch über die vielen interessanten Kontakte, die man dort machte. Alles in allem wäre ein Bericht über eine dieser Reisen in vielem dem Kerkelings recht ähnlich geworden. Und ich glaube, so ähnlich muss man Kerkelings Buch auch lesen. Als amüsanten, rein subjektiven Bericht über eine sehr persönliche Reise.

Aber: Wer auch nur ein klein wenig zwischen den Zeilen liest, der merkt, dass dieser "Trip" für Kerkeling zu weit mehr geworden ist, als zu einer "späten Interrailreise". Vieles, was dieser Weg bei seinen "Beschreitern" bewirken soll, ist bei ihm tatsächlich so angekommen. Und auch diese "ganz eigene Nähe zu Gott" (Klappentext) hat er wohl wirklich so empfunden - und das ganz ohne Komik, Verulkung oder gar dem Wunsch nach Geldmacherei. Insofern ist "Ich bin dann mal weg" ein wirklich ehrliches Buch; ehrlicher vielleicht als manche "echten" Pilger-Bücher über den Jakobsweg.

Und: verblüffend ist auch die Offenheit, mit der Kerkeling an mancher Stelle sehr Privates preisgibt. Von der Schilderung, wie ihm der Einstieg ins Showgeschäft gelang bis hin zu Erzählungen über seine Erfahrungen mit dem Tod - vieles hätte man so nicht von ihm erwartet.

Insofern ist "Ich bin dann mal weg" nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch überraschendes Buch. Keine Anleitung zum Pilgern, schon gar nichts Spirituelles, aber ein wirklich lesenswertes, nettes, kleines Buch, das mir meinen ehemaligen Nachbarn noch sympathischer gemacht hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 11, 2014 5:52 PM MEST


Die Selbstmord-Schwestern
Die Selbstmord-Schwestern
von Jeffrey Eugenides
  Gebundene Ausgabe

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitter, verstörend, brilliant, 27. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Selbstmord-Schwestern (Gebundene Ausgabe)
In Kriminalromanen gibt es zwei unterschiedliche Formate. In dem einen - dem klassischen „Who dun it-Krimi" - passiert am Anfang ein Mord und bis zum Schluss bleibt der Täter offen. Im anderen Format ist der Täter bekannt und es geht vielmehr um die sozio-psychologischen Umstände und Hintergründe, die zu der Tat geführt haben. Wäre „Die Selbstmordschwestern" ein Krimi, dann würde er wohl auch in die zweite Kategorie fallen.
Denn dass sich die Töchter der Lisbon-Familie umbringen werden, dass wird ja im Prinzip schon im Titel des Romans deutlich, zum Teil auch schon im Klappentext angedeutet, spätestens aber auf den ersten Seiten offen benannt. Deswegen verrät man auch nichts, wenn man darüber spricht, dass die Schwestern Selbstmord begehen. Denn es geht in Eugenides Debut-Roman auch nicht darum, den Leser bis zum Schluss im Unklaren darüber und mitfiebern zu lassen, ob und wenn ja wie viele der Schwestern sich umbringen; sondern vielmehr geht es um die Begleitumstände und Gründe für die Taten.
Und genau das ist das raffinierte an dem Roman: Einerseits wird sehr schnell deutlich, dass es die allzu puritanische, stockkonservative und mit für die Zeit (der Roman handelt in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts) überkommenden Moralvorstellungen versehene Erziehung der Eltern - insbesondere der Mutter - ist, die die Mädchen in einen Käfig steckt, aus dem auszubrechen sie nur die Möglichkeit des Selbstmordes sehen. Doch andererseits drängt sich dieser Grund für den Leser zu schnell auf, um als alleiniger gelten zu können.
Was es aber sonst noch an Gründen gegeben hat, die zu den Selbstmorden führten, dass wird bis zum Schluss stets nur angedeutet und bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Pubertäre Todessehnsucht? Unerfüllte Liebe? Fehlende Anerkennung? Zig Gründe mögen zusammen kommen. Gerade das ist das Verstörende an Eugenides' Roman: Als Leser bleibt man von der ersten bis zur letzten Zeile allein gelassen, hilflos und damit Spielball des Autors. Manchmal möchte man den Akteuren in der Handlung zurufen „Tut doch endlich was dagegen" - und doch wehrt man sich dagegen, es bei „Die Selbstmordschwestern" mit einer offenen Kritik an der „Wegschau-Mentalität" der provinzamerikanischen Mittelschicht zu tun zu haben. Manchmal sucht man sein Heil zu schnell in den naheliegendsten Gründen - und wehrt sich wiederum dagegen, es mit einem psychologischen Entwicklungsroman zu tun zu haben. Eingebettet ist das zudem in die regelmäßig wieder kehrende Metapher des Verfalls, die schlicht zu regelmäßig auftaucht, um zufällig zu sein: Ob es die „Teppiche" toter Eintagsfliegen sind, die die (fiktive?) Seestadt plagen, ob es der Verfall des Lisbon'schen Familienhauses ist, der nach dem völligen Rückzug der Eltern unaufhörlich seinen Gang nimmt und in einer Totalentrümpelung des Nachbesitzers mündet oder ob es die Fällung sämtlicher Bäume in der der Handlung zugrunde liegenden Siedlung aufgrund einer Baumkrankheit ist - überall ist dem Roman das Thema Verfall immanent. Warum - schließlich haben sich die Lisbon-Schwestern durch den Selbstmord mit einem Schlag aus dem Leben gekappt und sind nicht mit der Zeit „verfallen" - das ist mir bis zum Schluss offen geblieben.
Es bleibt das Fazit eines ruhig und stringent erzählten Romans, der einen von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt wie eben doch ein Krimi und mit einer Reihe offener Fragen beunruhigt zurück lässt. Und es bleibt die Anerkenntnis des enormen Erzählertalents Eugenides (ich verweise vor allem auf die fantastische Figureneinführung und -zeichnung) - vor allem für all jene (mich eingeschlossen), die sich bisher noch nicht an das „Dickschiff" „Middlesex" getraut haben.


Gefährliche Geliebte
Gefährliche Geliebte
von Haruki Murakami
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastischer Einstieg in japanische Literatur, 11. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Gefährliche Geliebte (Taschenbuch)
Dass es in der Geschichte des Nobelpreises für Literatur relativ wenige asiatische Preisträger gibt, mag daran liegen, dass das Nobel-Komitee und mit ihm die Verleihung des Preises fest im westlichen Kulturkreis verwurzelt ist und seine Bewertungen überwiegend aus dieser Tradition speist.
Auch ich muss zugeben, bisher keinen Zugang - oder sollte ich sagen: Interesse? - zu asiatischer Literatur gefunden zu haben. Zu gering erschien mir wahrscheinlich das Identifikationspotenzial mit Protagonisten, Orten und Denkweisen.
Das hat sich mit der Lektüre von "Gefährliche Geliebte" geändert. Haruki Murakami mag nicht zwingend ein typischer Vertreter des japanischen Literatur-Kanons zu sein. Und natürlich "hilft" es dem Leser, dass das Ambiente des Romans mit Cocktailbar, amerikanischem Jazz und BMWs eher westlich angehaucht ist. Dennoch (oder gerade deswegen) hat mir die Lektüre Murakamis die Scheu vor asiatischer, zumindest aber japanischer Literatur genommen.
Darüber hinaus ist es aber vor allem die literarische Qualität des Buches, die die Lektüre für mich so fesselnd machte. Murakamis ruhiger, unaufgeregter, aber präziser Erzählstil lässt einen Treiben wie ein Papierschiffchen auf einem plätschernden Bach. Doch immer dann, wenn man Gefahr läuft, sich in der Handlung und im Stil des Romans zu verlieren, wird man durch ein, zwei beißende Sätze herausgerissen, die einem durch Mark und Bein fahren. Das, verbunden mit den nei gelösten inhaltlichen "Geheimnissen" des Romans, machen "Gefährliche Geliebte" zu einem außerordentlich anregenden Leseerlebnis.
Die deutsche Fassung bei btb ist übrigens eine Übersetzung aus dem Englischen, nicht aus dem japanischen Original. In ihrer Rezension bemängelte die "Neue Zürcher" die sprachliche Qualität der Übersetzung, die mir persönlich nicht aufgefallen ist. Ich stelle mir allerdings vor, welche sprachliche Kraft dann erst das Original haben muss.
Schade allerdings, dass der Verlag das Taschenbuch mit einem Ranicki Zitat zur erotischen Qualität des Romans auf der Titelseite (sic!) bewerben muss. Reißerische Bewerbungen hat Murakami nicht nötig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2008 3:09 PM MEST


Sturzflug ins Leben oder Wie ich meinen 30. Geburtstag doch noch überlebte
Sturzflug ins Leben oder Wie ich meinen 30. Geburtstag doch noch überlebte
von Mike Gayle
  Gebundene Ausgabe

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Generation Golf" als Roman, 2. Mai 2002
Zunächst ein Wort an den Verlag: Ohne Zweifel hat die Übersetzerin einen guten Job gemacht. „Sturzflug ins Leben" liest sich sehr flüssig und an vielen Stellen tritt der trockene Humor des englischen Originals zum Vorschein. Doch für die wirklich grausame Titelgebung der deutschen Fassung - die bei Droemer für Mike Gayles Romane Gesetz zu sein scheint - sollte der Verlag eigentlich durch Kaufverweigerung bestraft werden! Wie um alles in der Welt kommt man von „Turning 30" (so das Original) zu „Sturzflug ins Leben. Oder wie ich meinen dreißigsten Geburtstag doch noch überlebte."? Dieses Unheil nahm bereits bei Gayles Debutroman „My legendary Girlfriend" seinen Anfang, der bei Droemer „Mein Bett, das Telefon und sie" betitelt wurde.
Doch dafür kann Mike Gayle ja nichts. Daher will ich den Roman guten Gewissens empfehlen - wer möchte, kann ja das Original lesen. Gayle, im Jahr 2000 selber 30 geworden, hat sich mit seinem im selben Jahr erschienenen dritten Roman ein Geschenk zur „dritten Null" gemacht und damit offenbar auch die eigenen Überlegungen zu diesem für viele (Männer?) bemerkenswerten Geburtstag verarbeitet.
Im Mittelpunkt des Romans steht der bis kurz vorm Ende noch 29jährige Matt Beckford, ein Engländer, der in der New Yorker Filiale einer britischen Computerfirma arbeitet. Als die Beziehung mit seiner Freundin in die Brüche geht, möchte er New York den Rücken kehren und sich von seiner Firma versetzen lassen. Die macht ihm das Angebot, eine neue Filiale in Australien als Teamleiter aufzubauen. Einziger Haken: der neue Job könne erst in drei Monaten beginnen. Da Matt nicht mehr länger mit seiner Ex-Freundin unter einem Dach wohnen möchte und auch keine Lust auf eine ausgiebige Reise verspürt, beschließt er, für die drei Monate zu seinen Eltern zu ziehen, alte Freunde zu besuchen und in der Heimatstadt Birmingham seinen dreißigsten Geburtstag zu feiern. Mit diesen Vorgaben entwickelt sich der Roman zu einer munteren Geschichte über Freundschaft und Liebe, nostalgische Gefühle und das Erwachsenwerden eigentlich bereits Erwachsener.
„Turning 30" ist irgendwie eine Roman gewordene Version von Florian Illies' „Generation Golf". Hier wie da ist es eine anekdotische Rückschau auf die Zeit zwischen Beginn der Oberschule und dem Abitur und eine Standortbestimmung darüber, was aus den Träumen und Vorstellungen von einst geworden ist. Doch während Illies nur bruchstückhaft Erinnerung aneinander reiht (was auch lesenswert ist), liefert Gayle ganze Lebensläufe mit. Und in denen kann sich jeder wiederfinden: Der bereits jung Verheiratete, der mit 30 über seinen Job stöhnt und sich oft fragt, was er in den 20ern verpasst hat; die 30jährige auf der Suche nach der Liebe des Lebens, die dabei aber meist Enttäuschungen erlebt; der fast 30jährige, der sich fragt, warum die einst so engen Freundschaften der Jugend so leichtfertig auseinander gehen konnten. Gerade dieses hohe Identifikationspotenzial mit den Figuren des Romans macht ihn für die „Generation Golf" so lesenswert. Denn es gibt wohl kaum jemanden, der 30 wird und sich nicht einige der Fragen stellt, die sich Matt und seine Freunde in „Turning 30" stellen.
Dennoch bleibt Gayles Roman „Popcorn-Literatur" - ein Buch das man an einem verregneten Wochenende verschlingt, das noch einige Tage nachhallt, aber das man mit 40 wohl nicht noch einmal aus dem Regal holen wird, wenn einen ganz andere Gedanken und Sorgen bedrücken. Insofern ein ganz kleiner Stern Abzug, weil Gayle - wie so viele, gerade auch deutsche „Popliteraten" - leider gar nicht erst versucht, Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu geben, sondern die Leser mit ihren Gedanken zurück und allein lässt. Dennoch: „virtuelle" fünf Sterne für die glänzende Unterhaltung!


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