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Rezensionen verfasst von
Dr. Reinhard Lahme "t 43 t" (Borgwedel SH)
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Zuflucht DDR: Spione und andere Übersiedler
Zuflucht DDR: Spione und andere Übersiedler
von Bernd Stöver
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von West nach Ost, 8. Januar 2010
Frage: Wieviele Menschen sind zwischen 1949 und 1989 von der BRD in die DDR umgesiedelt?

Antwort I: Das können nur verschwindend wenige Menschen gewesen sein, denn freiwillig verließ doch wohl kaum jemand die Freiheit des Westens.

Bernd Stöver durchstöberte unzählige Akten und stieß dabei auf viele Daten und Statistiken. Abgesehen von den Berichten einiger weniger Prominenter wie Stefan Heym oder Ralph Giordano konnte er aber nicht viel über die jeweils individuellen Beweggründe herausfinden. Immerhin aber dann doch so viel, um festhalten zu können, daß nicht etwa politisch-ideologische, sondern eindeutig private Gründe wie Familienzusammenführung oder Hoffnung auf bessere berufliche Bedingungen überwogen.

Intensiver beschäftigt sich der Autor z.B. mit Otto John oder zwei flüchtigen Bundeswehroffizieren oder den Terroristinnen Viett und Albrecht. Das interessiert den Leser natürlich. Nur: Diese Leute hatten nichts gemein mit den "normalen" Übersiedlern, die sicher viel Interessantes zu ihren privaten Hintergründen oder zum Aufprall ihrer Hoffnungen auf dem harten Boden der Realität im DDR-Sozialismus hätten beisteuern können.

Dennoch: Ein gut lesbarer, wichtiger Beitrag zur historischen Aufarbeitung des "Kalten Krieges", auf dem weitere Forschung aufbauen kann.

Antwort II: Es waren knapp 600 000 Menschen!


Wer ein Leben rettet...: Die Geschichte einer Liebe in Auschwitz
Wer ein Leben rettet...: Die Geschichte einer Liebe in Auschwitz
von Jerzy Bielecki
  Gebundene Ausgabe

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Häftling Nr. 243, 26. Dezember 2009
1943. In einem Getreidespeicher außerhalb des Lagers treffen sich ein junger Mann und eine noch jüngere Frau. Er ist ein katholischer Pole namens Jerzy Bielecki; sie heißt Cyla Cybulska und entstammt einer wohlhabenden jüdischen Familie. Bielecki, dem die Nr. 243 auf den linken Unterarm tätowiert wurde, traf bereits im Sommer 1940 mit dem ersten Transport politischer Häftlinge in Auschwitz ein. Er wurde durch Verrat von der Gestapo gefaßt, als er sich mit Freunden dem polnischen Widerstand anschließen wollte. Cybulska ist in Birkenau tagtäglich vom Tod bedroht, ihre Eltern und Geschwister sind dort bereits ermordet worden. Bald lieben sich die jungen Leute. Unglaublich, aber wahr: Ihnen gelingt auf abenteuerlich-spektakuläre Weise die gemeinsame Flucht. Wie es mit ihnen weitergeht, sei hier nicht verraten.

Jerzy Bielecki, der nach dem Krieg Lehrer in Nowy Targ wurde, hat seine Erinnerungen als sachlichen, distanzierten, mitunter lakonischen Bericht angelegt, der die Darstellung des Schrecklichen im Konzentrationslager besonders eindringlich auf den Leser wirken läßt. Auch dieses Buch wirft wieder die Frage nach dem Bösen im Menschen auf, wenn man zum Beispiel liest, daß unter dem in der Mitte des Lagers stehenden Weihnachtsbaum keine Geschenke, sondern Leichen lagen.

Bleibt die Frage, warum dieses notwendige Buch erst 20 Jahre nach der Veröffentlichung des polnischen Originals in die deutsche Sprache übersetzt wurde.


Laduuuuuma!: Wie der Fußball Afrika verzaubert (Kulturgeschichte)
Laduuuuuma!: Wie der Fußball Afrika verzaubert (Kulturgeschichte)
von Bartholomäus Grill
  Gebundene Ausgabe

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage an den afrikanischen Fußball, 23. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Vorfeld der Fußball-WM 2010 in Südafrika hat der Journalist und Fußball-Liebhaber Bartholomäus Grill fünfzehn Reportagen und Essays als Sammelband herausgegeben, die er seit 1993 als Afrika-Korrespondent der ZEIT mit Sitz in Johannesburg verfaßte.

Grill, als Verfasser des exzellenten Buches "Ach, Afrika" und als Egon-Erwin-Kisch-Preisträger 2006 längst als Afrika-Experte ausgewiesen und anerkannt, verknüpft mit seinem Buch ein besonderes Anliegen: "Es ist eine Hommage an den afrikanischen Fußball, an seine Versöhnungskraft, seine Verführbarkeit, seine unwiderstehliche Magie". Er weist auf die besondere Bedeutung der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft für die Afrikaner hin: "Die Außenwelt hat Afrika jahrhundertelang geplündert... Es wurde immer nur genommen, nie gegeben, und die Afrikaner waren die ewigen Verlierer. Deshalb empfinden sie den Zuschlag für die Fußball-WM auch als kompensatorische Geste - endlich begegnet man ihnen auf Augenhöhe, endlich werden sie als gleichwertige Mitglieder der internationalen Gemeinschaft anerkannt".

Für mich sind Höhepunkte des Buches: Das Fußballmärchen Togo (WM 2006 in Deutschland); eine Jungengruppe wählt den Autor zu ihrem Trainer; der Haudegen Burkhard Pape, der als Trainer quer durch den afrikanischen Kontinent zog, 1968 - 1973 die Nationalelf von Uganda (Idi Amin!) trainierte und der mit 77 in Bayern auf einen Anruf aus Afrika wartet; bitter: Fußball schützt nicht vor Mord und Totschlag (Ruanda 1994); aber auch: Der Jahrhundertspieler Didier Drogba (Elfenbeinküste) trägt im Herbst 2005 entscheidend dazu bei, daß der Bruderkrieg beendet wird.

Ein wichtiges Buch, das jeder lesen sollte, bevor er sich auf die Fußball-WM 2010 in Südafrika konzentriert.

Nachbemerkung: "Laduuuuuma!" heißt "Tooooor!"


Verbrechen: Stories
Verbrechen: Stories
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

106 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszination und Eitelkeit, 2. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Gebundene Ausgabe)
Vorbemerkung: Die Stories des Berliner Strafverteidigers Ferdinand von Schirach habe ich an einem längeren Leseabend regelrecht "verschlungen". Ich war einerseits begeistert; andererseits aber blieb ein mir zunächst unverständliches Mißbehagen zurück. Also las ich "Verbrechen" nach ein paar Tagen noch einmal. Jetzt verstehe ich, warum ich nicht ungeteilt loben mag...

Der Autor versammelt elf Geschichten, die allesamt eins gemeinsam haben: Die Protagonisten geraten mit den Gesetzen in Konflikt. Zum Beispiel der Arzt im Ruhestand, den ein in jungen Jahren geleisteter Eid zu einer entsetzlichen Tat treibt; die beiden aggressiven Glatzköpfe, die in der Person eines eher unscheinbar wirkenden Herrn an den Falschen geraten; die Schelmengeschichte mit den 9 libanesischen Brüdern; oder - für mich die beste, weil anrührendste Geschichte ("Der Äthiopier") - der Bankräuber, für den die Schöffen zusammenlegen, um ihm ein Flugticket zu schenken... Die spannenden Stories sind in einer an amerikanischen Vorbildern geschulten souveränen, glasklaren,kunstvoll schlicht gehaltenen Sprache gehalten, die man einem Juristen kaum zutrauen würde, wenn man nicht wüßte, daß auch ein Goethe, ein Storm, ein Kafka usw. Juristen waren. Ob die Geschichten "wahr" sind, wie es der Waschzettel suggerieren möchte? Nein, natürlich nicht; allenfalls einige bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Versatzstücke mögen aus realen Prozessen stammen. Abgesehen davon, daß von Schirach seine Approbation als Anwalt aufs Spiel setzen würde - nicht zufällig stellt er seinem Buch ein bestimmtes Motto von Werner K. Heisenberg voran ("Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich").

Was mir weniger gefällt? Der gar nicht so heimliche "Held" der meisten Geschichten ist - Ferdinand von Schirach selbst, als kenntnisreicher, gewitzter, cleverer, belehrender, eben: großartiger und damit erfolgreicher, aber auch eitler Anwalt seiner Mandanten agierend. Sein Plädoyer für ein "abwägendes Schuldstrafrecht" hätte er wohl besser an anderer Stelle gehalten. Hier stört es, mich jedenfals, nur - bis hin zur in diesen Textpassagen eher juristisch-ausschweifenden Sprache.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 28, 2011 1:37 AM MEST


Golfkalender 2010: Deutschlands schönste Golfplätze
Golfkalender 2010: Deutschlands schönste Golfplätze
von Ralph Dörnte
  Kalender

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Golfkalender im Großformat, 1. Dezember 2009
Der PAR-Verlag legt bereits zum 10. Mal seinen Golf-Kalender im Quer-und Großformat 62 x 42 cm in bemerkenswerter Aufmachung vor. Mit wenigen Ausnahmen haben die 12 Farbbilder von den für 2010 ausgewählten 12 deutschen Golfplätzen ein einheitliches Motiv, das die Golferherzen höher schlagen läßt: Green, Bunker, Wasserhindernis und Bäume.

Sollte ein Golfreisender auf die Idee kommen, den jeweiligen "Monats-Golfplatz" spielen zu wollen, muß er quer durch unsere Republik reisen: Von Greifswald ins Neckartal, nach Leipzig und Hanau, an den Plöner See, in die Köln-Düsseldorfer Region, nach Ansbach in Franken, dann wieder nach Hamburg, von dort in den Schwarzwald, weiter an den Starnberger See, nach Unna - bis die Reise schließlich in Frankfurt am Main endet.

Auf der Rückseite des Kalenders finden sich Informationskarten zu allen 12 Golfplätzen, die herausgetrennt werden können. Sie enthalten jeweils alle für den interessierten Golfer erforderlichen Daten samt Anfahrtsbeschreibungen. Das Greenfee bewegt sich zwischen 40.-- € und 70.-- € (wochentags). Acht der Golfclubs gewähren bei Vorlage der Informationskarte einen Greenfeerabatt von 10% bis 30%. Die einzelnen Platzbeschreibungen sind natürlich möglichst elegant formulierte Werbetexte: Alles, was in ihnen als das Besondere des jeweiligen Courses hervorgehoben wird, gibt es sicher auch in der Realität. Ob dies jedoch den Gesamtcharakter des jeweiligen Platzes wirklich trifft, steht dahin. Beispiele: Zwei der Golfanlagen habe ich persönlich gespielt. Gut Waldshagen in der Nähe des Plöner Sees soll "Parkcharakter" haben? Nicht wirklich! Der Platz liegt auf einem von Wald begrenzten Plateau und zeichnet sich durch die Länge einzelner Bahnen und vor allem durch seine ungewöhnlich vielen Sandbunker aus (es gibt sogar ein Sand-Insel-Grün). Der GC Lichtenau-Weickershof in der Nähe von Ansbach dagegen verschweigt, daß die meisten der neuen 9 Löcher aus dem "parkähnlichen Gelände" und "Wald" der alten 9 Löcher ausgelagert werden mußten. Sie können keineswegs, abgesehen von 17 und 18, das hohe Niveau der alten Löcher halten.

Wie dem auch sei: Ein wunderbarer, hochwertiger Golf-Kalender, bestens auch als Weihnachtsgeschenk für Golfliebhaber geeignet.

Nachbemerkung: Wer ist eigentlich für die "Produktbeschreibung" verantwortlich? Amazon? Der Verlag? Sie ist ausgesprochen schlampig formuliert; mehrere Zeilen wiederholen sich; sie nennt 12 völlig andere Golfplätze... Das hat dieser gelungene Kalender nicht verdient.


Jütländische Kaffeetafeln
Jütländische Kaffeetafeln
von Siegfried Lenz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen merkwürdig hyggelig, 25. November 2009
Wer wie ich in Norddeutschland in der Nähe der dänischen Grenze lebt, weiß, daß unsere sympathischen Nachbarn Gastlichkeit und Geselligkeit in hohem Maße pflegen. Die Dänen haben es gern "hyggelig", gemütlich also, ja: behaglich. Es gibt allerdings eine Form der "Hyggeligkeit", die sich zum beklemmenden Alptraum auswachsen kann. Von solch einem Alptraum berichtet Siegfried Lenz in seiner schmalen Erzählung "Jütländische Kaffeetafeln" - er nennt ihn seinen "Kummer". Über 20 Jahre lang habe er ihn aus Rücksicht verschwiegen, nun aber dränge er hinaus in das Licht der Öffentlichkeit.

Wer in Jütland zu einer Kaffeetafel eingeladen wird, findet sich erst nach dem Abendessen im Haus der Gastgeber ein. Zunächst wird ein kräftiger, stark gebrannter Kaffee gereicht und ständig nachgeschenkt. Dazu werden nacheinander aufgetischt: gebutterte Brötchen, Kranzkuchen (Blätterteig), lagkage (Torte), Napoleonschnitte (Blätterteig, gefüllt mit Vanillepudding), Nußtorte mit Buttercreme, schließlich Kleingebäck. Ablehnen mangels freier Kapazitäten oder wenigstens einen Kuchengang auslassen ist aus Höflichkeitsgründen undenkbar. Irgendwann wankt man mit bleischwerem Magen und zugleich mit einem veritablen Kaffeerausch nach Hause.

Siegried Lenz, der über Jahrzehnte den Sommer über in Jütland lebte und arbeitete, schlägt erneut den in "So zärtlich war Suleyken" so trefflich gelungenen Sprachton zwischen vorgeblicher Einfalt, Humor und feiner Ironie an.

Der Erstdruck erfolgte bereits 1981 in einem Merianheft. Die jetzt herausgegebene Einzelausgabe enthält kongeniale Illustrationen von Kirsten Reinhold, die das Büchlein zum schönen kleinen Geschenk aufwerten. Sehr empfehlenswert auch zum Vorlesen in vorweihnachtlicher Zeit bei Kaffee, Tee und Kuchen oder Gebäck in hyggeliger Runde bei Kerzenschein.


Walter Jens - Reden zum Sport: Nachdenkliches und Kritisches 1964 - 1999
Walter Jens - Reden zum Sport: Nachdenkliches und Kritisches 1964 - 1999
von Helmut Digel
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sturm des TV Eimsbüttel, 26. Oktober 2009
Nur Kennern der Sport-, vor allem der Fußballgeschichte dürfte geläufig sein, daß der Hamburger TV Eimsbüttel dereinst eine großartige Mannschaft hatte. Ausgerechnet der emiritierte und mittlerweile an Demenz erkrankte Tübinger Professor für Rhetorik Walter Jens, der seiner Fußballleidenschaft aufgrund seines Asthmas schon in früher Jugend entsagen mußte, ist ein solcher Kenner. Vor dem Hintergrund seiner Krankheit klingt es makaber, wenn man heute folgenden Satz von ihm aus dem Jahr 1974 liest: "Wenn ich den letzten Goethe-Vers vergessen habe, werde ich den Eimsbütteler Sturm noch aufzählen können".

Helmut Digel und Ommo Grupe vom Institut für Sportwissenschaft wollten ihren berühmten Tübinger Kollegen zu seinem 80. Geburtstag durch ihre Herausgabe seiner "Reden zum Sport" ehren. Das Projekt verzögerte sich. Zum Glück ist aufgeschoben nicht aufgehoben, so daß die Sammlung heute vorliegt. Es handelt sich im Kern um 5 Ansprachen, die Jens zu verschiedenen Sport-Anlässen gehalten hat. Als "mustergültige Beispiele seines ausschweifenden Stils" (Andreas Platthaus) verlangt die verschriftlichte Form seiner für den mündlichen Vortrag konzipierten Reden dem Leser konzentrierte Aufmerksamkeit ab. Doch es lohnt die Mühe!

Empfehlenswert für Sportinteressierte.

Nachbemerkung: 1990 wußte Walter Jens den Eimsbütteler Sturm noch namentlich zu benennen: "Ahlers, Panse, Rohwedder, Muhr, Maack".


Corti-Drama: Tod und Rettung am Eiger 1957-1961
Corti-Drama: Tod und Rettung am Eiger 1957-1961
von Daniel;Rettner Anker
  Gebundene Ausgabe

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cortis Rehabilitation, 11. März 2009
Jeder, der sich für Bergliteratur interessiert, kennt die Eiger-Nordwand-Katastrophe von 1957, symbolisiert im berühmten Photo von Claudio Corti auf dem Rücken seines Retters Alfred Hellepart, das von Albert Winkler aufgenommen wurde.

Der Historiker, Journalist und Bergbuchautor Daniel Anker und sein Co-Autor Rainer Rettner, der ein umfangreiches Privatarchiv zur Geschichte der Eiger-Nordwand besitzt, haben die Tragödie in einem großformatigen Bild-Text-Band noch einmal aufgerollt.

Zur Erinnerung: Eine Viererseilschaft, bestehend aus den Italienern Claudio Corti und Stefano Longhi sowie den jungen Deutschen Günter Nothdurft und Franz Mayer, kommt viel zu langsam voran. Die Italiener können schließlich erschöpft und verletzt nicht mehr weiter; die Deutschen klettern weiter - und verschwinden spurlos. Spontan schließen sich Bergsteiger aus mehreren Nationen zu einer gefährlichen Rettungsaktion zusammen, können aber nur noch Corti retten. Eine unrühmliche Rolle spielen die einheimischen Bergführer und Funktionäre, die sich zunächst nicht an der Rettung beteiligen wollen. Zwei Jahre lang war die Leiche Longhis, die für alle sichtbar in den Sicherungsseilen baumelte, schauerliche "Touristenattraktion", bis Einheimische ihn 1959 bargen. 1961 wurden die beiden toten Deutschen endlich durch Zufall in der Eiger-Westflanke gefunden.

Zahlreiche Photos, für die auch der Nachlaß von Albert Winkler gesichtet werden konnte, und informative, gut formulierte Texte führen die Bergkatastrophe dem heutigen Betrachter und Leser über 50 Jahre später eindringlich vor Augen. Vor allem aber wird endlich Claudio Corti rehabilitiert, dem lange Zeit zu Unrecht die Schuld am Tod seiner drei Bergkameraden angelastet wurde. Ausgerechnet der weltberühmte Eiger-und Tibetheld Heinrich Harrer ist mit den entsprechenden Passagen in seinem Bestseller "Die weiße Spinne" Verursacher dieser ehrabschneidenden Diffamierung. Wider besseren Wissens dachte Harrer trotz mehrfacher Aufforderung gar nicht daran, für Neuauflagen sein Buch entsprechend umzuschreiben und damit Corti die gestohlene Ehre zurückzugeben.

Ein großartiges Buch, das in jede Bergbibliothek gehört.


Der Glanzrappe
Der Glanzrappe
von Robert Olmstead
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Apokalypse, 10. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Glanzrappe (Gebundene Ausgabe)
Amerikanischer Bürgerkrieg. Sommer 1863. Schlacht bei Gettysburg. An die 6000 tote und 45 000 verletzte Soldaten auf beiden Seiten. General Jackson ist gefallen. Soweit der historische Hintergrund zu Robert Olmstaeds Roman, der jedoch mit jedem anderen Krieg der Moderne ausgetauscht werden könnte.

Mai 1863. Eine Farmersfrau schickt ihren 14jährigen Sohn auf die Suche nach dem Vater, der als Soldat der Konföderierten in den Krieg gezogen ist. Der Sohn soll den Vater nach Hause holen. Der Mutter ist bewußt, daß sie damit ihr Kind in die von Menschen verschuldete Apokalypse schickt,in der keine juristischen, geschweige denn moralischen Gesetze mehr gelten. Das menschliche Leben ist reduziert auf den Kampf um das nackte Überleben - um welchen Preis auch immer.

Robey hat zunächst Glück, denn ihm wird ein herrlicher, pechschwarzer Hengst, der Glanzrappe, geliehen, der ihm weit überlegen ist und mehrfach das Leben retten wird. Robeys Ritt in das Herz der Finsternis beginnt fast idyllisch. Doch dann prallt er unvermittelt auf die Grausamkeiten des Krieges, die er, und mit ihm der Leser, in allen Facetten ertragen muß.

Der Sohn findet den schwerverwundeten Vater - doch es ist zu spät. Dennoch kehrt er nicht allein nach Hause zu seiner Mutter, deren Haare weiß geworden sind, zurück.

Robert Olmstead, der viel von Cormasc McCarthy gelernt hat, bewältigt das Furchtbare, das er zu erzählen hat, in einer auffällig kargen Sprache. Franz Lettner schreibt in seiner Rezension zutreffend: "Weil er nichts erklärt, nur beschreibt, dabei immer konzentriert bleibt auf den Jungen. So wird der Krieg auf Distanz gehalten, obwohl wir nicht näher dran sein könnten".

Ein harter, ein notwendiger Roman. Unbedingt empfehlenswert.


Sport: Geschichte, Technik und Regeln von über 50 Disziplinen
Sport: Geschichte, Technik und Regeln von über 50 Disziplinen
von Tim Hammond
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Informationen zum Sport, 4. März 2009
Es ist schon bemerkenswert, auch welch' angenehme Weise Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sich mit Hilfe der Reihe "Sehen.Staunen.Wissen" ein solides Basiswissen über viele Aspekte des menschlichen Lebens und der Welt überhaupt aneignen können. Mittlerweile liegen 112 Bände vom "Affen" bis zu den "Wüsten" vor, die allesamt nach dem folgenden Muster konzipiert sind:

Der Leser nimmt zunächst zahlreiche Farbaufnahmen und Illustrationen wahr; er staunt vor allem über Bilder, die seiner Themenerwartung nicht unbedingt entsprechen; er will, neugierig geworden, mehr wissen - also liest er die meist kurz gehaltenen, prägnant-informativen Texte.

So auch im Themenband "Sport", in dem 22 Sportarten mit über 50 Disziplinen vorgestellt werden: Fußball; American Football; Rugby; Feld-und Eishockey; Basketball; Baseball; Kricket; Tennis; Tischtennis und Badminton; Squash und Racquetball; Leichtathletik; Turnen; Gewichtheben; Boxen, Kampfsport; Fechten; Bogenschießen; Schießen; Kegeln, Boule und Bowling; Golf; Billard.

Obwohl ich mich als "Kenner" bezeichnen würde, der sich ein Leben lang aktiv, aber auch lesend mit Sport beschäftigt, habe ich so manche mir neue Information entdecken können. Besonders die Bilder und textlichen Hinweise zur Entstehung und historischen Entwicklung der jeweiligen Sportart erweckten mein Interesse. Übrigens: Wer sich, angeregt durch das hier vorgestellte Buch, noch gründlicher mit einer Disziplin auseinandersetzen möchte, kann z.B. das erheblich umfangreichere "Das visuelle Lexikon Sport", das im gleichen Verlag erschienen ist, zu Rate ziehen.

Sehr empfehlenswert ! -

auch wenn der Autor Tim Hammond oder das Lektorat bei einer Neuauflage die Texte nochmals überprüfen sollten. Beispiel Golf: Verwandtschaft mit Bowling? Nur der Abschlag wird "aufgeteet". Und: Neben Holz-und Eisenschlägern werden heute oft auch sog. "Rescues" eingesetzt...


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