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kiplies

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Neurologie: unter Mitarbeit von Katharina Eger, Tobias Müller, Stephan Zierz
Neurologie: unter Mitarbeit von Katharina Eger, Tobias Müller, Stephan Zierz
von Walter Gehlen
  Broschiert
Preis: EUR 34,99

4.0 von 5 Sternen Ein erster gelungener Überblick für das Fachgebiet der Neurologie, 22. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist übersichtlich gestaltet und in drei große Bereiche gegliedert:

1. Neurologische Untersuchung
2. Neurologische Syndrome
3. Neurologische Erkrankungen

Auch innerhalb dieser Oberpunkte sind die einzelnen Themen sehr sinnvoll und strukturiert angeordnet. Die Texte sind verständlich geschrieben und enthalten die wichtigsten Hinweise bzgl. jedes Krankheitsbildes.
Dieses Buch ist meiner Meinung nach gut dafür geeignet, um einen Einstieg in das doch sehr umfangreiche Fachgebiet der Neurologie zu erhalten und wahrscheinlich dürfte es in den meisten Fällen auch zur Prüfungsvorbereitung völlig ausreichen.

Wenn man aber tiefer in die Neurologie eintauchen will, dann wird man von diesem Buch enttäuscht sein, denn ins Detail geht es nicht. Der Fokus liegt eindeutig auf den "klassischen" neurologischen Erkrankungen, seltene Syndrome und besondere Raritäten werden zwar des öfteren genannt, aber nicht näher erläutert.

Außerdem hätte ich mir mehr Bildmaterial gewünscht, da gerade dieses Fachgebiet einen immensen Schwerpunkt auf der klinischen Untersuchung legt.

Fazit:
Für den ersten Über- und Einblick sowie für die Klausurvorbereitung innerhalb des Studiums ist dieses Buch durchaus empfehlenswert.
Für sehr Interessierte und bereits mit dem Fachgebiet vertraute Leser dürfte es etwas mager sein.


Die vierte Hand
Die vierte Hand
von John Irving
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herrlich, auch wenn es bessere Irvings gibt, 25. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die vierte Hand (Taschenbuch)
John Irving „Die vierte Hand“

Ich habe schon ewig keinen Irving mehr gelesen und daher fast vergessen, wie viel Spaß es doch macht.
In seinem Roman „Die vierte Hand“ wird dem Protagonisten, einem Fernsehjournalist, vor laufender Kamera die Hand abgebissen und es wäre nicht John Irving, wenn man über diese eigentlich schockierende Tatsache nicht schmunzeln müsste. Im weiteren Verlauf will ein Handchirurg mit der ersten erfolgreichen Handtransplantation in die Geschichte eingehen und eine Frau die Hand ihres noch lebenden Ehemannes zur Verfügung stellen. Da trifft es sich gut, dass jener durch einen dummen Unfall am Super Bowl Abend sein Leben verliert und sich die frisch gebackene Witwe geistesgegenwärtig nach der Unversehrtheit der linken, da noch benötigten Hand erkundigt und diese schnellstmöglich dem Empfänger zukommen lässt.

So weit so gut – ein klassischer Irving eben. Aber in seinen Figuren steckt viel mehr als es zunächst den Anschein hat. Hinter seinen skurrilen Anordnungen und Verwirrungen versteckt Irving das höchst sensible Gefühlsleben seiner Protagonisten und deckt Kapitel für Kapitel immer mehr von dem auf, was einen als Leser so dermaßen berührt und mit nimmt. Seine Figuren stehen nahezu alle am Abgrund ihrer Gefühlswelt, hadern mit ihrer Identität und zeigen ein permanentes Abwehrverhalten gegenüber ihrer Umwelt. Ihre überzogen dargestellten Abneigungen und Begierden in einer verzehrten Welt kann man gut für sich selbst stehen lassen. Er schafft das Unglaubliche, mit wenigen Charakterzügen `zig Emotionen zu zeichnen und das auch noch mit einem Witz, der oftmals so deplaziert wirkt, dass man kaum weiß, warum einem die Tränen in die Augen schießen.
Irgendwie weiß man bei Irving nie, was einen im nächsten Kapitel erwarten könnte, ob man die Hauptfiguren eigentlich mag oder lieber als abstoßend empfinden möchte. Man findet sich plötzlich in einer Liebesgeschichte wieder – wie auch in diesem Roman - ohne überhaupt bemerkt zu haben, dass über die vorherigen Kapitel hinweg zwei Protagonisten darauf hingeschrieben wurden. Seine Figuren sind mit Bedacht so entwickelt, dass sie sich unmöglich in ein Schwarz-Weiß-Muster quetschen lassen, sondern wunderbar grau erscheinen wie im echten Leben.
Wenn man dermaßen intensiv über Gefühle schreibt wie Irving, dann zeigt sich der talentierte Schriftsteller, nämlich dann, wenn er respektvoll und authentisch ohne Wertung an dieses stark subjektive Thema herangeht. Das gelingt John Irving zweifellos, indem er sich über seine skurrilen Charaktere gleichsam von ihnen distanziert, sich über sie hinweg setzt und somit einer Wertung enthält. Dazu kommt noch sein wunderbar ausgeglichenes Sprachbild, in dem man vergebens nach langen Sätzen oder blumigen Metaphern sucht.

Ich kann dieses Buch nur weiter empfehlen und wie wohl bei allen Irvings ist es auch bei diesem Roman so: Mit einer guten Portion Selbstreflexion liest es sich gleich doppelt so gut.


Dreigroschenroman (suhrkamp taschenbuch)
Dreigroschenroman (suhrkamp taschenbuch)
von Bertolt Brecht
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

5.0 von 5 Sternen Überzeugend, 25. Oktober 2012
Dieser Roman entstand als weiterführende Betrachtung acht Jahre nach seinem weltberühmten Vorgänger „Dreigroschenoper“.
Ich habe letzteres noch nicht gelesen bzw. gesehen und kann daher nicht sagen, wie viel des Vorgängers in seinem Nachfolger steckt.
Mit dem Dreigroschenroman hat Brecht nach guter alter Manier ein Lehrstück statuiert. Er, der die Aufgabe der Kunst nicht in der Unterhaltung sah, sondern vielmehr in ihrer Verantwortung dem Leser gegenüber, diesen aus seiner politischen Unwissenheit zu führen, ihm verschiedenste ökonomische wie gesellschaftliche Zusammenhänge und Spielregeln zu erläutern, damit in ihm ein aufgeklärtes Weltbild entstehen kann.
Wer sich den Dreigroschenroman vornimmt, darf auf literarisch hochwertige Kost und einen ausgefeilten Spannungsbogen genauso wenig hoffen wie auf höchst ambivalente, aufgeschlossene, kantige Charaktere. Bei Bertolt Brecht ist alles durchgeplant und durchdacht, nichts geschieht aus einem Gefühl heraus, spontan eingeführte Personen und Handlungswendungen würde es nie geben, denn alles dient einem höheren Ziel – der Festlegung eines Exempels.
Brecht liebt es, dem Leser Botschaften zu geben, Gesetzmäßigkeiten unserer Gesellschaft vor Augen zu führen, ein kleine Welt in seinen Werken aufzubauen, die für Regelmäßigkeiten des Großen und Ganzen stehen und genau das gelingt ihm auf faszinierend präzise Art und Weise.

Im Mittelpunkt dieses Romans steht der Kleinhändler Macheath, der mehrere Filialen in London besitzt und diese mit Hehlerware am Laufen hält. Er versucht sich stetig am Aufstieg, ehelicht die Tochter eines ebenso fragwürdigen Gewerbetreibenden aus dem Untergrund, spielt seinen größten Konkurrenten gegen dessen Kreditgeber aus und feilt an seinem tadellosen Ruf in der Londoner Gesellschaft. Tatsächlich aber ist Macheath ein kleinkrimineller Emporkömmling, eine Laus unter vielen im Londoner Abschaum und verdächtig, früher unter dem Namen „das Messer“ sein Unwesen getrieben zu haben. Mittlerweile besitzt er etliche Filialen in der Großstadt und streckt seine Fühler nach Höherem aus. Es ist großartig zu lesen, wie er seinen Aufstieg und den Niedergang der Konkurrenz zustande bringt. Wie er beispielsweise seine eigene Handelsgesellschaft gründet, um die Herkunft seiner gestohlenen Waren zu legalisieren und sich damit einen Kredit bei einer angesehen Bank erschleicht, wie er im selben Atemzug die Auslieferung an seine Filialen unterbindet, um die Warennachfrage künstlich in die Höhe zu treiben – all das beschreibt Brecht mit sachdienlicher Konsequenz und zielsicherer Logik.
Noch amüsanter muten die Stimmungsschwankungen Macheaths` an, wenn er sich als von allen Verlassener in Selbstmitleid badet und die Verachtung von Seiten seiner Kleingewerbehändler, die er mit seinem kalkuliert künstlichen Warenstopp nahezu in den Ruin treibt, kaum noch ertragen kann. Als ungerechtes Los empfindet er sein Leben, hätte er doch Anerkennung und Achtung verdient, stattdessen aber immer wieder in die Mahlwerke kapitalistischer Spielregeln gerät. Man empfindet diesen Charakter als schäbig, kaum des Mitleids und der Wahrnehmung wert, doch perfiderweise steht genau derselbe Charakter für das Ansehen der Londoner Gesellschaft, für den etablierten Geschäftsmann und Wohltäter in der Not, den besorgten Arbeitgeber und gebildeten, ausgewogen patriotischen Bürger.
Bei seiner Darstellung hält sich Brecht so allgemein, dass dieser Roman, der in den 1930ern entstand, problemlos auch in die heutige Zeit übertragen werden kann. Das war das große Talent Brechts, dass er bestimmte Gesetzesmäßigkeiten im menschlichen Dasein aus seiner Zeit lösen und zur allgemeinen Darstellung bringen konnte.

Die Betrachtungsweise Brechts wirkt manchmal in seiner analytischen Art natürlich etwas steif,
bisweilen dogmatisch, aber trotzdem hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, belehrt zu werden. Dieser Roman ist kein leidenschaftliches persönliches Plädoyer, sondern eine erstaunlich objektive sachliche Darstellung, was zum einen zwar das Lesevergnügen dämpft, ich aber andererseits sehr an diesem Buch geschätzt habe.


Die verschluckte Musik: Roman
Die verschluckte Musik: Roman
von Christian Haller
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit beeindruckender Erzählkunst durchs letzte Jahrhundert..., 15. September 2012
Der Autor begibt sich in die Vergangenheit seiner Mutter und Großeltern mütterlicherseits – eine Reise in das Bukarest zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man es noch das Paris des Ostens nannte.

Seine Mutter wird zunehmend dement und vergisst aktuelle Geschehnisse, schwelgt dafür aber umso intensiver in der Vergangenheit, erinnert sich an Gerüche, Farben und Ausflüge, die sie als kleines Kind in der Familie mit gutbürgerlicher Strenge regelmäßig unternahm.
Christian Haller schwankt zwischen den Zeiten – man liest über den Großvater, wie er erhabenen Hauptes in Bukarest ankommt, von der Schönheit der Stadt sogleich überzeugt ist und seiner Familie als Generaldirektor eines Textilwerkes ein angenehm vorteilhaftes Leben in wohlsituierter Gesellschaft ermöglicht.
Dann plötzlich befindet sich die Familie im Internierungslager in Linz und muss auf engstem Raum zusammen leben, nichts mehr zu ahnen von der statthaften Villa, die sie vorher bewohnten. Der 1.Weltkrieg ist ausgebrochen.
Schließlich besucht man mit dem Ich-Erzähler das Bukarest der Gegenwart, auf der Suche nach der Vergangenheit. Doch statt der prunkvollen Häuserfassaden, der stilsicheren und eleganten Architektur, dem prall bunten Leben aus den Erinnerungen seiner Mutter läuft jener gegen grauen Beton und triste Apathie.
Ich muss gestehen, dass ich vorher noch nie etwas über Bukarest in jener noch in sonst irgendeiner Zeit gelesen und daher mit großer Neugier die Atmosphäre dieser Stadt aufgesogen habe, die Christian Haller meines Erachtens hervorragend und einprägsam darstellen konnte.

Die Stärke des Buches liegt absolut in der Erzählkunst des Autors. Mit seinem poetischen Stil hat er permanent sehr starke Bilder in meinem Kopf entstehen lassen und nicht der Ich-Erzähler oder sein Großvater befanden sich in Bukarest, sondern ich selbst fuhr mit dem Landauer über die harten Pflastersteine und drückte mich gegen die heißen Sitzpolster, während ich die wenigen Passanten mit tief ins Gesicht gezogenen Sonnenhüten auf dem hitzeflimmernden Gehsteig beobachtete.
Diese Art des Erzählens gelingt nicht immer und aus ungeübten Federn wirkt sie aufdringlich und lieblos, allerdings konnte ich diese Entgleisung bei Christian Haller nicht entdecken. Er benutzt zwar unglaublich viele Worte und Beschreibungen, wirkt dabei aber dennoch sehr ausgeglichen. Zudem haucht er dem Roman eine unfassbar bedrückende Realität ein, indem er manche Sachen nur andeutungsweise nennt. Manchmal habe ich mich wie auf einem äußerst lebhaftem Familientreffen mehrerer Generationen gefühlt, auf dem bruchstückhafte Erinnerungen angedeutet werden, nur um sie sogleich totschweigen zu können, denn man lebte in einem Katastrophenjahrhundert.

Ich konnte mich jedenfalls wunderbar in diesem Roman verlieren und kann ihn daher nur weiter empfehlen.


Jeder stirbt für sich allein: Roman (Fallada)
Jeder stirbt für sich allein: Roman (Fallada)
von Hans Fallada
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mitmachen beginnt im Kopf, Widerstand auch ..., 9. September 2012
Anfang der 40er Jahre, die Quangels erhalten Nachricht vom Tod ihres Sohnes und damit auch die Gewissheit, dass sich etwas ändern muss. Bisher lebten die Eheleute angepasst und unauffällig in ihrer kleinen Berliner Wohnung. Hitler und der Krieg ging sie in ihrem tristen Alltag gewissermaßen nichts an. Sie wollten sich nur aus allem raus halten, doch das Telegramm bringt mit dem Verlust des einzigen Kindes auch die rohe Gegenwart in die Quangelsche Isolation.
Das Ehepaar beginnt damit, eindeutige Botschaften gegen das Naziregime als auch gegen den Krieg auf Postkarten zu schreiben und in belebten Häuserkomplexen abzulegen. Anfangs noch mit viel Nervenkitzel und großer Vorsicht unterwegs, wird das Schreiben und Ablegen der Postkarten irgendwann zu gefährlicher Routine.
Schon seit Monaten ist die Gestapo auf diesen Fall angesetzt und wartet mit beunruhigender Geduld nur auf einen einzigen Fehler der Quangels, der die Spur direkt zu ihnen führen wird.

Das Berliner Ehepaar gab es wirklich, ihren Widerstand, die Postkarten, ihre Verhaftung mit anschließender Hinrichtung und Fallada schafft aus dieser wahren Begebenheit einen Spiegel für die kleinen Leute. Erzählungen und Romane über den Widerstand jener Zeit gibt es zahlreich, aber Falladas Werk ist so besonders einzigartig, weil es den Widerstand, das sich zur Wehr setzen gegen eine scheinbar unbesiegbare Sache in den Alltag der kleinen Leute integriert.
Fallada macht den Widerstand endlich mal zu einer privaten Sache jedes Einzelnen und so hat man eben darüber noch nie gelesen. Es gibt keine Helden, es gibt keine großartig beeindruckenden Plan und selbst Anna Quangel zeigt sich enttäuscht, als ihr Mann ihr seine Idee nahe legt, denn sie hatte von ihrem Otto etwas viel Größeres erwartet als einfach nur Postkarten.
Jede Figur in diesem Roman ist unauffällig, ein kleiner unbedeutender Fisch mitten in Berlin, genau jene Leute, von denen man immer wieder gern behauptet, sie hätten nur weg schauen können. Fallada besaß aber genug Spürsinn, um in seinem Roman den Widerstand auf bisher unbekannte Weise darzustellen.
So ist es zum Beispiel auch als eine Form des Widerstandes annehmbar, wenn sich die Postbotin Eva Kluge zu ihrer Schwester aufs Land flüchtet, die Hergesells sich immer mehr in ihr privates Glück zurück ziehen oder der Kammergerichtsrat Fromm die alte Rosenthal versteckt.
Fallada selbst haderte wohl oft mit seinem Alltag in Deutschland. Trotz Naziregime war er nicht bereit, seine Heimat zu verlassen und zog sich immer mehr in sein Privatleben zurück. Er litt darunter, dass er nicht frei schreiben konnte und schreiben musste, was er nicht schreiben wollte. Umso mehr hatte ich das Gefühl, dass ihm dieses Buch schon deshalb besonders am Herzen lag, da auch er sich zu seiner Rechtfertigung nur auf das Plädoyer „Widerstand beginnt im Kopf“ berufen konnte.
Wo Widerstand ist, muss es auch einen Widersacher geben. In dem Roman stellt sich dieser zum einen in Form der Gestapo, zum anderen wiederum im Kleinbürgertum dar. Überaus interessant ist, dass Fallada auch hierbei nicht von seiner Betrachtungsweise abrückt. Komissar Escherich bemüht sich besonders um diesen Fall, um seine Aufstiegschancen und das eigene Ansehen zu nähren, der Kleinkriminelle Barkhausen gleicht einem Aasfresser, der gewissenlos sein Fähnchen nach dem Wind hängt und Baldur Persicke findet Befriedigung seines enormen Ehrgeizes in der Aufnahme in eine Napola. Letztendlich beginnt nicht nur der Widerstand, sondern eben auch das Mitmachen im Kopf.

Dieser Roman entstand innerhalb weniger Wochen und aufgrund seines Umfangs ist das schon beachtlich. Andererseits hatte ich auch manchmal das Gefühl, dass Fallada zu viel auf zu wenigen Seiten schreiben wollte, so dass an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre. Die Personen an sich sind allesamt interessant und bieten so viel Erzählfläche, dass ich mir manchmal die Konzentration auf weniger Charaktere, dafür aber noch etwas ausführlicher gewünscht hätte.
Insgesamt ist dieser Roman meiner Meinung nach aber trotzdem sehr gelungen, empfehlens- und lesenswert, wenn für mich persönlich auch nicht Falladas bestes Werk.


Die Kameliendame: Roman
Die Kameliendame: Roman
von Alexandre (Sohn) Dumas
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen An Tragik wird nicht gespart..., 4. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kameliendame: Roman (Taschenbuch)
Dieses Werk gehört ohne Frage nicht in unsere Zeit und daher wird es einem als Leser auch nicht immer leicht gemacht, am Ball zu bleiben.
Die tragische Geschichte der Kurtisane Marguerite Gautier, die selbstlos ihre Liebe zu einem Mann dessen gesellschaftlichem Ansehen zuliebe aufgibt, ist an und für sich auch heutzutage noch ein brisantes Thema.
Die Dramatik und das Sprachbild allerdings, mit welchem Dumas die Geschehnisse schildert, wirken weniger zeitgemäß. Es ist alles zu viel, zu viel Leidenschaft, zu viel Tragik, zu viel Leiden und zu viel Schmachten.

Die Charaktere werden nicht langsam aufgebaut, sondern fallen mit der Tür ins Haus. Die Handlung wird von hinten aufgerollt: Man erfährt zuallererst, dass diese Liebe ein tragisches Ende nehmen wird, um anschließend von Armand Duval zu hören, wie er Marguerite kennen und lieben lernte. Dabei steht nun also schon die erste Begegnung der beiden unter keinem guten Stern und das Wissen um den tragischen Ausgang dieser Liebe gepaart mit der übermäßigen Leidenschaft, mit der sich die beiden einander hingeben, gibt dem Ganzen eine beachtenswerte Dramatik.
Armand leidet und liebt wie ein Besessener, wie in einem Rausch bleibt im jede Vernunft versagt und diverse Eifersuchtsszenen treiben seine Qualen ins Unermeßliche und da der größte Teil des Romans aus seiner Sicht heraus geschildert wird, bleibt dem Schriftsteller Dumas uneingeschränkter Spielraum für die Darstellung intensivster Gefühlsschwankungen des Liebenden.
Wie gesagt, der Roman ist mächtig und trotzdem will ich das dieser Geschichte nicht negativ anlasten. Unter Rücksichtnahme der Entstehungszeit und nach Überstehen der ersten Seiten habe ich mich doch wunderbar in diese Geschichte eingelesen und bin froh, Marguerite und Armand kennen gelernt zu haben.

Eine Liebe, die an gesellschaftlichen Konventionen scheitert, ist letztendlich eben doch so zeitlos wie die Liebe selbst.


Jakob der Lügner.
Jakob der Lügner.
von Jurek Becker
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Bewegend ohne Kitsch und Moralkeule..., 31. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Jakob der Lügner. (Taschenbuch)
Jakob, der unter Nazibewachung in einem polnischen Ghetto lebt, gerät eines Abends in eine missliche Lage, die zur Folge hat, dass ihm Informationen über den Frontverlauf und den sowjetischen Vorstoß gegen die Deutschen zu Ohren kommen.
Getrieben von dieser hoffnungsschwangeren Neuigkeit vertraut er diese seinem Arbeitskollegen Mischa an. Da dieser ihm nicht glauben will, es aber noch viel weniger tun würde, wenn er die tatsächliche Quelle dieser Information aus jenem Abend genannt bekäme, greift Jakob zu einer Notlüge: Er hätte ein Radio.
Diese Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Ghetto und von nun an warten die armen Seelen täglich auf neue Nachrichten aus Jakobs Munde, die ihnen Hoffnung auf eine baldige Befreiung durch die Russen geben. Jakobs Lüge hingegen wird zum Selbstläufer mit immer untragbarerem Risiko und schwerwiegenden Folgen.

Die Geschichte wird von einem Ich-Erzähler erzählt, ebenfalls ein Ghetto-Häftling, jedoch kein eigenständiger Charakter. Jurek Becker hat diese Gestalt vornehmlich als Brücke zum Leser benutzt und so bekommt man die Geschichte einerseits wertfrei erzählt und hat andererseits den Blick von innen, da auch der Ich-Erzähler das Ghetto bewohnt.
Der Autor vergeudet nicht viel Zeit und schon auf den ersten Seiten erfährt man, wie Jakob in diese Notlüge stolpert. In nüchternem Ton geht es dann auch direkt weiter, unnötige Längen gibt es in diesem Buch keine und die Personen sind so dermaßen weich und v.a. menschlich gezeichnet, dass sie einem einfach ans Herz wachsen müssen.
So ist man dann auch von der ersten Seite an zum Weiterlesen 'verdammt'.
Jurek Becker benutzt eine einfache, klare Sprache, die einem das Lesen sehr angenehm macht. Man kann sich problemlos in die Charaktere und ihre Emotionen hinein fühlen, mitfühlen und mitfiebern. Die Hoffnung der Ghettobewohner, meines Erachtens das zentrale Thema dieser Geschichte, überträgt sich auch auf den Leser und man erliegt beinahe dem Glauben, Jakobs Lüge könne sich doch noch als wahr herausstellen und die erhoffte Rettung kommen. Die Figur des Jakob habe ich bei all ihren Bemühungen, die Hoffnung im Ghetto aufrecht zu erhalten als ein Sinnbild für unantastbare Menschlichkeit empfunden, was auch am Ende der Geschichte noch einmal wunderbar verdeutlicht wird.

Alles in allem ein Roman, der bewegt, zum Nachdenken anregt und dabei auch noch wunderbar erzählt wird.
Ebenfalls ist es mir wichtig zu betonen, dass Jurek Becker auf Rührseligkeiten sowie auf moralische Wertungen verzichtet, was ich in Anbetracht des Themas doch außerordentlich finde und sehr schätze.


Intensivkurs Biochemie mit StudentConsult-Zugang
Intensivkurs Biochemie mit StudentConsult-Zugang
von Ulf Dettmer
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen unübersichtlich und lieblos, 2. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hatte mir von diesem Buch wirklich mehr erhofft und wurde ziemlich schnell enttäuscht.

Die Aufmachung hat mich überhaupt nicht angesprochen - zu bunt, zu viel Überschriften, zu viele Bilder mitten im Text. Dadurch wirkte das Gesamtbild der Seiten sehr unübersichtlich auf mich. Auch die thematische Gliederung und Unterteilung innerhalb der einzelnen Themen hat mir nicht so zugesagt.
Weiterhin sind mir viele Themen zu kurz gekommen und ich hätte mir doch mehr Details gewünscht (wobei hier der Fehler wahrscheinlich bei mir lag, denn von einem "Intensivkurs" kann man eben keine ausführlichen Erläuterungen erwarten). Auch die klinischen Bezüge haben mir gefehlt bzw. hätten es ruhig ein paar mehr sein können.
Außerdem enthält das Buch recht viele Fehler, was dann der ausschlaggebende Punkt für mich war, mir ein anderes Buch zuzulegen.

Biochemie kann sehr faszinierend sein und umso mehr hat es mich geärgert, wie lieblos und ungegliedert hier damit umgegangen wird. Ich denke nicht, dass man mit diesem Buch für das eigentlich doch sehr interessante Fach der Biochemie zu begeistern ist, geschweige denn gut für Klausuren vorbereitet wird. Ich habe letztendlich mit der Dualen Reihe gelernt (zugegeben recht umfangreich) und Klausuren sowie Physikum bestens damit bestanden.


Basiswissen Medizinische Statistik (Springer-Lehrbuch)
Basiswissen Medizinische Statistik (Springer-Lehrbuch)
von Christel Weiß
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für das trockene Thema ganz gut gemacht, 2. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Medizinische Statistik gehört wohl bei den wenigsten Studenten zum Lieblingsfach, aber mit diesem Buch macht das Lernen manchmal sogar fast ein bißchen Spaß.

Das Buch ist sehr übersichtlich und logisch gegliedert, die Kapitel kurz und knapp gehalten.
Die enthaltenen Informationen sind absolut ausreichend für das, was von Medizinstudenten verlangt wird und dankenswerterweise verzichtet die Autorin auf unnötig umfangreiche Erläuterungen. Für die besonders Wissbegierigen sind Formelherleitungen in markierten Kästchen abgedruckt.
Wichtige, relevante Sachen sind absolut verständlich und knapp erklärt, weiterführende Erklärungen sind als solche markiert und daher auch gut zu überspringen (v.a., wenn man unter Zeitdruck steht).

Weiterhin sind zu jedem Thema sehr anschauliche und einprägsame Beispiele aufgeführt, die das ganze noch etwas auflockern.

Ich kann dieses Buch nur weiter empfehlen, denn ich habe die Klausur damit mit 1,0 bestanden (und ich bin wahrlich kein Statistikfreund). Vergleiche zu anderen Büchern habe ich allerdings nicht.


Der alte Mann und das Meer
Der alte Mann und das Meer
von Ernest Hemingway
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kleiner Schatz, wie man ihn öfter finden möchte, 2. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Der alte Mann und das Meer (Taschenbuch)
Dieses Buch zu lesen ist, als würde man nach jahrelanger ergebnisloser Schatzsuche endlich auf Gold stoßen. Hemingway erzählt in dieser Geschichte beispielhaft von dem Streben und Scheitern menschlicher Willenskraft.

Der alte Mann fährt vor Havanna allein aufs Meer hinaus, um nach mehr als 80 erfolglosen Tagen endlich einen richtig großen Fang zu machen. Schon bald hat er einen Fisch am Haken, der so enorm kräftig und groß ist, dass er das kleine Boot über drei Tage und zwei Nächte hinweg durch das Meer zieht.
Das verlangt dem alten Mann sehr viel ab, der schon bald von Müdigkeit, Hunger, Durst und schmerzenden Wunden an den Händen geplagt ist. Allein mit sich und seinen Gedanken führt er Selbstgespräche, spricht sich immer wieder Mut zu und entschuldigt sich im Voraus bei dem Fisch dafür, dass er ihn töten muss. Als dieser dann schließlich an die Oberfläche schwimmt, kann der alte Mann seine ganze Pracht und Schönheit bewundern und es tut ihm beinahe leid, dass er gerade dieses beeindruckend schöne und kräftige Tier am Haken hat, aber für eine Umkehr ist es zu spät. Schließlich gelingt es ihm, den geschwächten Fisch mit seiner Harpune zu töten und seitlich des kleinen Bootes zu befestigen.
Zufrieden macht er sich auf den Rückweg nach Havanna, wird aber bald von Haien angegriffen, die ihre Zähne gierig in das Fleisch des Fisches hauen und ihn mehr und mehr zerstören. Wieder nimmt der alte Mann all seine Kräfte zusammen, um seinen Triumph zu beschützen, doch diesmal wird er scheitern.

Diese Geschichte ist wirklich wunderschön erzählt, denn Hemingway hat eine sehr eindrückliche Sprache. Er wird nie kitschig oder anrührend, drückt nicht auf die Tränendrüse und wird nicht dramatisch. Vielleicht ist es aber gerade der nüchterne, realistische Ton, den er so gut trifft und der dieses kleine Drama um den Mann und seinen Fisch so bewegend macht. Es ist schon ein kleines Kunstwerk, wenn man nicht mehr zur Verfügung hat als einen Fisch, einen Mann und das weite Meer und daraus trotzdem etwas schafft, das nie langweilig oder langatmig wird.

Dieses Buch hat mich wirklich erstaunt und ist zu einem kleinen Schatz für mich geworden. Ich wünschte, man könnte jeden Tag solch eine Entdeckung machen.


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