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Rezensionen verfasst von
Andre Schuder (Augsburg)
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Das Kapitalismus-Komplott: Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden
Das Kapitalismus-Komplott: Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden
Preis: EUR 15,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Großartig und großspurig, 4. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Oliver Janichs Werk hat einen tollen und einen tollkühnen Teil. Der tolle Teil stützt sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Österreichischen Schule, deren Lehren gerade in diesen Zeiten unbedingt Verbreitung finden müssen. Janich bereitet diese Lehren auf plastische und einleuchtende Art und Weise auf, so dass selbst der notorischste Sozialstaatsverteidiger überzeugt werden können sollte. Deutlich kritischer muss der tollkühne Teil beurteilt werden, in dem er mit so ziemlich allen politisch tätigen Organisationen abrechnet, die seinen Darlegungen zufolge in einer Art Verschwörungswettbewerb miteinander stehen bzw. daran beteiligt sind. Hier bewegt sich Janich notgedrungen im spekulativen Bereich, auch wenn logische Begründungen angeboten werden, diverse Quellen angegeben sind und insbesondere einige Zitate von eher integren Persönlichkeiten nachdenklich stimmen. Doch selbst wenn alle behaupteten Zusammenhänge wahr sein sollten, gießt Janich hier Hochwasser auf die Mühlen aller, die „Verschwörungstheorie!“ als Totschlagargument gebrauchen. Dieser verschwörungstheoretische Teil konterkariert somit den wissenschaftlichen ersten Teil. Meiner Meinung nach können und sollten die zwingenden Erkenntnisse der Österreichischen Schule für sich selbst steht, statt durch Spekulationen in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Wenn man sich vorstellt, dass ein auf diesem Gebiet bisher unbewanderter Mensch zu Janichs Buch greift, könnte es gut sein, dass er nach gut 200 Seiten dazu bereit ist, sein bisheriges Weltbild zu überdenken. Wenn er dann aber im weiteren Verlauf über „kommunistische Langfriststrategie“ und solche Sachen liest, wird er wahrscheinlich ein innerliches Zurückzucken verspüren. Janich tut sich damit auch selbst keinen Gefallen. Angenommen, er würde in eine politische Talkshow eingeladen werden um grundsätzliche Probleme (zum Beispiel des Geldwesens) zu diskutieren. Jeder Diskussionsgegner, der es darauf anlegt, könnte ihn sofort jeder Glaubwürdigkeit und Überzeugungschance berauben, wenn er darauf zu sprechen kommt, dass Janich in seinem Buch von einem kommunistischen Masterplan schreibt. Es ist dabei nicht wichtig, ob diese Schilderungen wahr sind. Wichtig ist, dass solche Gedanken im öffentlichen Diskurs einer derart dominanten Negativbeurteilung ausgesetzt sind, dass jede darauf basierende Diskreditierungsstrategie mit ziemlicher Sicherheit erfolgreich wäre. Um es zu betonen: Ich will mich mit keiner Silbe über den Wahrheitsgehalt des verschwörungstheoretischen Teils äußern, aber ich sage, dass es nicht hilfreich ist, solche Dinge zu schreiben, wenn man die Erkenntnisse der Österreichischen Schule transportieren will. Das dient der Sache nicht. Umso mehr, als dass sich jede „Weltregierung“ sowieso von selbst erledigt hätte, wenn sich die Österreichische Schule durchsetzen würde, da diese auf Prämissen beruht, die solche Strukturen gar nicht ermöglichen würden. Insofern kann man zwar prinzipiell allen empfehlen, sich das Buch zuzulegen, jedoch ab etwa der Hälfte mit zunehmend kritischer Distanz zu lesen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2013 9:24 AM MEST


Trouble Will Find Me
Trouble Will Find Me
Preis: EUR 10,97

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tugendhaft, 22. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Trouble Will Find Me (Audio CD)
Sicher wäre es den Amerikanern ein Leichtes gewesen, ein öffentlichkeitswirksames Pop-Album aufzunehmen, das ihre erwiesene Kunstfertigkeit mit größerer Massenkompatibilität verbindet. Ein kommerzieller Paukenschlag wäre das geworden. Doch The National widerstehen der Versuchung und kredenzen mit „Demons“ ein als Single-Appetizer auserkorenen Song, der zwar unter die Haut kriecht, sich jedoch konsequent der Radio- und Musiksendertauglichkeit verweigert. Das darf man als ein Statement der Selbstbehauptung verstehen, schließlich schlägt auch das zugehörige Album der eingangs genannten Erwartung ein Schnippchen.

Waren die vorherigen Alben bei aller Geschlossenheit auch eine Abfolge starker Einzelsongs, lässt sich „Trouble will find me“ eher als ein Album-Album charakterisieren – ein organisch wirkendes Monument des Melancholischen, das besonders im Ganzen groß ist. Natürlich veredelt ein „I should live in salt“ oder „Pink rabbits“ jedes Jahres-Best-Of, aber nur wer sich wiederholt die gesamten 55 Minuten Zeit nimmt, wird den vollen Lohn seiner Investition erhalten. Denn Zeit, Muße und Geduld sind die im App-Zeitalter verloren gegangenen Tugenden, die dem Album aus jeder Note schimmern. Es sind diese Tugenden, die es braucht, um sich von der totalen Traurigkeit erfassen zu lassen, wie sie zum Beispiel in „Don’t swallow the cap“ und „Hard to find“ zum Ausdruck kommt. Und wer den charismatischen Gesang von Matt Berninger in „Heavenfaced“ zum ersten Mal nicht nur vernimmt, sondern wirklich hört, über den wird auch das sechste Album dieser großartigen Band wie ein erfrischender Sturm der Schwermut hereinbrechen.


Weather Systems (Limited Edition)
Weather Systems (Limited Edition)

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schönheit in Sicht, 20. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weather Systems (Limited Edition) (Audio CD)
Im launischen April 2012 sorgen Anathema für ein ganz besonderes Wetterereignis. Ihre eigene Schlechtwetterperiode haben sie zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise längst hinter sich gelassen. Sah es zur Mitte der ersten Jahrtausenddekade noch so aus, als hätte es die Band die längste Zeit gegeben, feierten die Briten nach ein paar Aufwämübungen im Jahr 2010 mit We'Re Here Because We'Re Here eine selbstbewusste Wiederkehr. Das Album läutete für die Band die zweite Blütephase ein. Die mediale Resonanz und der verdiente Charterfolg unterstrichen dies.

Nun bemächtigen sich Anathema also des Wetters. Ein dezenter Anflug von Größenwahn? Mitnichten, denn der Titel ist natürlich als Metapher auf das Leben mit seinen vielen Tiefs und gelegentlichen Hochs zu verstehen. Das mag zwar etwas plakativ sein, aber bekanntermaßen kann keine Band besser über Existenzielles musizieren als Anathema.

Wer in den letzten Wochen seine Nase in den Wind hielt, konnte das heraufziehende Wetterphänomen schon riechen. Vorboten wie "The beginning and the end" ließen erahnen, dass Anathema die Prog-Atmosphäre kräftig durcheinander wirbeln werden. Das nun angekommene Wettersystem übertrifft fast alle Erwartungen. Eine wird allerdings auch unterboten.

Musikalisch trumpfen Anathema mit unfassbar schönen Kompositionen aus, in denen sich jeder Stilliebhaber verlieren kann. Die Wetter-Leben-Assoziationen prasseln nur so auf einen ein: ängstlich dem Nebel entfliehen, trübe Regentage überstehen, strahlenden Sonnenschein genießen. Dieser Musik per Kopfhörer im frühlingshaften oder herbstlichen Zwielicht auf einer Wiese liegend zu lauschen, muss mit kaum zu ertragender Glückseligkeit erfüllen. Sei es das mitreißende "Untouchable part 1", das gesanglich überwältigende "Untouchable part 2", das aufwühlende "The storm before the calm" oder das epochal-sphärische "Internal landscapes" - Anathema verstehen es mit jeder Note den Hörer vollends in ihren Bann zu ziehen.

Der sollte allerdings auch eine gewisse Toleranz für sehr simple, sehr pathetische Texte mitbringen. Was sich auf "We're here because we're here" mit Zeilen wie "everything is energy and energy is you and me" schon unangenehm bemerkbar gemacht hat, wird auf "Weather systems" je nach Perspektive nochmal getoppt bzw. unterboten. Kostprobe: "This world is wonderful, so beautiful, if only you can open up your mind and see". Und das ist noch ein eher harmloses Beispiel.

Die Botschaften, die uns Anathema mitzuteilen haben, sind also nicht unbedingt von intellektueller Tiefe geprägt, aber abgesehen davon, dass sie zum Kontext passen, ist es gerade bei Anathema ohnehin seit jeher vor Allem die Musik, die ihre ganz eigene Aussagekraft entwickeln kann. Zwar mag der ein oder andere Kritiker auch hier von Kitsch reden, aber selbst falls das Kitsch ist, dann sollte der Begriff seine negative Bedeutung sofort verlieren. Musikalisch setzt "Weather systems" dem neueren Schaffen Anathemas jedenfalls die Krone auf. Herzzereißend himmlisch!


Das Kapital am Pranger: Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel
Das Kapital am Pranger: Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel
von Roland Baader
  Broschiert
Preis: EUR 18,00

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Garantieurkunde für Frieden und Wohlstand, 19. April 2011
In den Brutstätten der intellektuellen Elite Deutschlands geht ein Gespenst um. Genährt durch die Weltwirtschaftskrise injiziert es sein Ektoplasma direkt ins Stammhirn empfänglicher Individuen und veranlasst sie T-Shirts mit der Aufschrift "Kapitalismus macht Krieg" zu tragen. Spätestens seit 1968 werden Deutschlands angehende Jungakadamiker in schwierigen Zeiten durch reaktionäre Fliehkräfte aus der Linkskurve getragen. Das tief verwurzelte Misstrauen und die nahzu panische Angst vor der dämonischen Macht der freien Marktwirtschaft führt immer wieder zu öffentlichen Protesten, die ihre Ursache letztlich in mangelnder Aufklärung über das Wesen des Kapitalismus haben. Genau an diesem Punkt setzt Roland Baaders Buch "Das Kapitel am Pranger. Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel." an.
Baader führt auf knapp 300 Seiten plastisch vor Augen, was Kapitalismus eigentlich ist. Ausgehend von verschiedenen relevanten Begriffsdefinitionen erläutert er, worin die wahre Macht des Kapitalismus besteht: vereinfacht ausgedrückt in der Schaffung und Sicherung von Freiheit. Seine Argumente sind dabei so bestechend klar und einleuchtend, dass es wahrhaftig keinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften braucht, um sie zu verstehen. Sein Hauptargument, das sich wie ein roter Faden durchs Buch zieht, ist, dass Marktgeschehen unter den Bedingungen eingeschränkter Freiheit und kriegerischer Auseinandersetzungen gar nicht funktionieren kann. Wie sollte der freie, gerechte und friedliche Austausch von Waren vonstatten gehen, wenn eine übergeordnete Instanz darüber bestimmt, welche Produkte in welchen Mengen verkauft werden dürfen, wenn die Händler mit der Pistole im Nacken ihren Geschäften nachgehen müssen und wenn durch das Chaos des Krieges der Warennachschub verebbt?
Baaders Streitschrift für den Kapitalismus ist bei aller ihr innewohnenden Wahrheit und trotz zahlreicher Quellenbelege sicher kein wissenschaftliches, sondern ein eher polemisches Buch, das sich einer plakativen Sprache bedient. Aus diesem Grunde sollte es nur von denen gelesen werden, die zu distanziertem Denken fähig sind. Denn obgleich Baader durchaus auch die Widersprüche und negativen Seiten der freien Marktwirtschaft in Augenschein nimmt, handelt sich letztlich um ein relativ unkritisches Loblied auf den Kapitalismus. Insbesondere die zugrundeliegende Anthropologie übersieht weitgehend die Unvollkommenheit des Menschen, die die Notwendigkeit von Kontrolle nach sich zieht. Gerade weil die aktuelle Wirtschaftskrise durch menschliche Schwächen (Gier etc.) ausgelöst wurde, muss es jemanden geben, der den Marktteilnehmern auf die Finger schaut und ihnen auf selbige klopft, wenn sie nach etwas greifen, das nicht ihnen gehört. Allerdings wird dieser Anspruch durch die praktische Politik erfolgreich konterkariert. Die schuldigen Eliten können in ihren oberen Etagen nach wie vor schalten und walten wie sie wollen. Derweil legt die öffentliche Hand Toten Unmengen an Geld in die Gräber. Aber dieses Denkversagen auf der Akteursebene kann nicht dem System zugeschrieben werden. Baaders Buch jedenfalls gehört zur aufklärerischen Pflichtlektüre für diejenigen, die Kapitalismus für eine satanische Sache halten.


Welcome to my DNA (Limited Edition)
Welcome to my DNA (Limited Edition)
Preis: EUR 20,39

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unscheinbar schön, 2. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
War Blackfield II noch der Zwillingsbruder des ersten Teils, erkannten wohl auch Steven Wilson und Aviv Geffen, dass sie Gefahr liefen, sich nicht nur bei der Bezeichnung zu wiederholen. Kurzerhand verpasste man dem nunmehr dritten Album seit der Gründung im Jahr 2001 den vielsagenden Namen "Welcome to my DNA". Und obwohl der stilistische Unterschied zu den beiden Vorgängern entgegen anderslautender Stimmen eher unwesentlich ausfällt, ist die Neubetitelung gerechtfertigt. Wie schon beim Debüt im Jahr 2004 übernahm Aviv Geffen auch bei "Welcome to my DNA" die kreative Leitung. Fast alle Songs stammen aus seiner Feder, während Steven Wilson (der derzeit an der Fertigstellung seines zweiten Soloalbums arbeitet) lediglich die erste Single "Waving" beisteuerte, zu der auch ein recht gewöhnungsbedürftiges Video gedreht wurde.

Musikalisch steht nach wie vor prägnanter, einfühlsamer Melanchopop im Mittelpunkt, der diesmal jedoch eine Spur dezenter wirkt und weniger auf sofortige Einprägsamkeit getrimmt ist. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern braucht das Album eine gewisse Anlaufzeit. Weil man allerdings aufgrund vergangener Großtaten dazu neigt, das perfekte Popalbum zu erwarten, kann sich anfangs leichte Enttäuschung breit machen. Zwingende Ideen scheinen rar gesät und die Schwelle zur Belanglosigkeit rückt teilweise bedenklich nahe. Hat man sich jedoch erstmal daran gewöhnt, dass auf "Welcome to my DNA" die ganz großen Melodien und Songs vom Kaliber eines "End of the world" fehlen, wird man sich des erneuten blackfieldschen Popzaubers kaum entziehen können. Grenzwertig bleiben die Texte, die stellenweise arg plakativ ausfielen. Die Zeilen von "Go to hell" sollte man allerdings nicht allzu ernst nehmen. Außerdem ist das doch mal 'ne klare Ansage!
Gerade in der zweiten Hälfte können Wilson und Geffen mit ein paar starken Songs auftrumpfen. Insbesondere "On the plane", das Single-verdächtige "Oxygen" (produziert von Trevor Horn) und "Zigota" wissen zu gefallen.

Fazit: "Welcome to my DNA" ist ein unverkennbares Blackfieldalbum, das sich Fans des Duos und Freunde gut gemachten Poprocks nicht entgehen lassen sollten. Wer schon immer eher die ruhigen Momente mochte, wird tendenziell mehr Freude an dem Album haben, als diejenigen, die am liebsten eine Abfolge potenzieller Welthits wie "End of the world" (Blackfield II) oder "Pain" (Blackfield I) hören wollen. An die Qualität der ersten beiden Alben kommt es alles in allem leider nicht heran.

Ab Mitte April werden Blackfield auf Deutschlandtour sein. Auf dem Programm stehen Auftritte in Hamburg (12.04.), Berlin (13.04.), München (17.04.), Karlsruhe (23.04.), Frankfurt (24.04.), Bochum (25.04.) und Köln (26.04.).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2011 1:17 PM MEST


Die Angst des weißen Mannes: Ein Abgesang
Die Angst des weißen Mannes: Ein Abgesang
von Peter Scholl-Latour
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?, 26. Januar 2011
Das lebende Lexikon der Geschichte und Politik hat nun auch den letzten bisher unbesuchten Flecken Erde mit seiner Anwesenheit beehrt. Ausgehend von Ost-Timor spürt Peter Scholl-Latour Zeugnisse für den Bedeutungsverlust des "weißen Mannes" auf. In der ihm eigenen, machmal aufgrund exzessiver Fremdwortverwendung schwer verständlichen Wortmächtigkeit beschreibt der altgediente Ausnahmejournalist einen globalen Wandel, der ihm zufolge das Antlitz der politischen Weltkarte nachhaltig verändern dürfte. Dabei verspricht der Titel und der Anspruch des Buches mehr, als letztendlich eingelöst wird. Dem Autor gelingt es meiner Meinung nach nur bedingt, überzeugende Argumente dafür zu finden, warum die westliche Welt unter dem Eindruck der sich vollziehenden Veränderung in nackter Panik erstarren müsste.
Die Faktenlage dürfte unbestritten sein. Das enorme Detailwissen, das Scholl-Latour im Laufe seines langen journalistischen Wirkens gesammelt hat, ist schlichtweg beeindruckend, wobei es zuweilen aber auch etwas ermüdend sein kann, wenn der Autor jedem Stammesfürsten mehrere Seiten widmet. Er führt zahllose Beispiele dafür an, warum und wie die einstigen Kolonialherren auf ihre Plätze verwiesen werden. Es wird allerdings zu wenig deutlich, warum das für die westliche Welt zwangsläufig bedrohlich sein soll. Schwindende Macht ist noch lange kein Indikator für eine existenzielle Bedrohung. Und die Angst vor Überfremdung, die Scholl-Latour gegen Ende seines Buches doch noch kurz anspricht, ist allein keine ausreichende Begründung. Wie so oft bei Scholl-Latour besteht eine gewisse "Lücke" zwischen Tatsachenanalyse und den daraus abgeleiteten, höchst subjektiven Interpretationen. Zwar hat er in den letzten Jahren mit seinen Prophezeihungen oft ins Schwarze getroffen, aber sein defätistisches Weltbild, das seit jeher von einer deutlichen Abneigung gegen "den Westen" geprägt ist, bietet immer wieder Anlass zur Kritik. Zudem ist das wieder einmal angedeutete Ende des Abendlandes inzwischen doch etwas ausgelutscht.
Abgesehen davon ist "Das Ende des weißen Mannes" aber ein erneut sehr lesenswertes Buch für alle politsch und historisch Interessierten, denen der angepasste Massenjournalismus ein Dorn im Auge ist. Persönliche Anekdoten bilden einen angenehmen Kontrast zu zuweilen kleinteiligen Erläuterungen. Außerdem dient das Werk wieder einmal hervorragend zur Aneignung neuer Begrifflichkeiten. Zu wissen, was man z.B. unter "Antipoden" (Menschen, die auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs leben) und "Synkretismus" (Vermischung religiöser/philosophischer Ideen) zu verstehen hat, ist unabdingbar, um Scholl-Latours Ausführungen folgen zu können.


The King Is Dead
The King Is Dead
Preis: EUR 17,71

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentisches und traditionsbewusstes Feuerwerk des Folk-Rocks, 15. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The King Is Dead (Audio CD)
Obwohl ich diesem viel gescholtenen Genre alles andere als abgeneigt bin, empfand ich den auf "The hazards of love" erfolgten Versuch, Prog- und Folk-Rock zusammenzuführen, als zwar technisch gelungen, aber emotional irritierend. Natürlich möchte ich keiner Band vorschreiben, welche Musik sie zu spielen hat, aber die zumeist pessimistische Weltverzagtheit des einen mit dem eher positiv assozierten Lebensgefühl des anderen zu verbinden, war ein Unterfangen, das ich nur schwer mittragen konnte. Aus diesem Grund vermag mich "The hazards of love" bis zum heutigen Tag nicht richtig zu erreichen. Und umso mehr erfreut es mich, dass The Decemberists mit ihrem neuesten Album diesen in meinen Augen überflüssigen Ballast abgeworfen haben und in unwiderstehlicher Manier ihre eigene Tradition aufleben lassen. Das Ergebnis dieser Rückbesinnung ist eines der besten Folk-Rock-Platten, die mir jemals zu Ohren gekommen ist. Wenn ich "The king is dead" höre, möchte ich augenblicklich den Wanderrucksack packen, die Stiefel schnüren und zu einem abenteuerlustigen Streifzug durch freie Lande aufbrechen. Der Kontrast zu "The hazards of love" könnte kaum größer sein. Die recht vertrackten Strukturen des Vorgängers sind komplett verschwunden und haben entwaffnend einfachen Liedern das Feld überlassen, die man nahezu geschlossen auf ein Best-Of übernehmen könnte. Mir haben es vor Allem "Don't carry it all", "Calamity song", "Rox in the box", "June hymn", "This is why we fight" und ganz besonders die erste Single "Down by the water" angetan. The Decemberists geben sich hier voll und ganz der unbefangenen, von versöhnlicher Melancholie verzierten Leichtigkeit hin. "The king is dead" ist eine Liebeserklärung an den Folk-Rock, von der man nur schwer nicht begeistert sein kann. Ein aufrichtiges und wegen seiner kompromisslosen Reinheit auch mutiges Werk. Die Messlatte für das beste Album 2011 liegt nun sehr früh sehr weit oben.


7 Sinners
7 Sinners
Wird angeboten von right now!
Preis: EUR 6,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wiederbewaffnung, 23. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 7 Sinners (Audio CD)
Nach dem experimentellen Jubiläumsfehlschlag "Unarmed" besinnen sich Helloween wieder auf ihre Stärken und spielen das, was sie am besten können: schnellen, melodieträchtigen Power-Metal. "7 Sinners" wurde in vielen Rezensionen mit "The dark ride" verglichen, was meiner Einschätzung nach nicht wirklich Sinn macht. Das Album aus dem Jahr 2000 hat einen deutlich düstereren Touch. Bei "7 Sinners" kommt diese tonnenschwere Atmosphäre allenfalls in einzelnen Momenten auf (z.B. im gelungenen Opener "Where the sinners go" ). Aber das macht gar nichts, denn das Album ist als logischer Nachfolger des meiner Meinung nach überragenden "Gambling with the devil" fast genauso spaßig. Fast, weil sich doch ein paar Schwachpunkte eingeschlichen haben. Warum zum Beispiel ausgerechnet das relativ schnöde "Are you Metal?" als Single ausgekoppelt wurde, erschließt sich mir nicht wirklich. Außerdem sind Text und Titel hoffentlich augenzwinkernd zu verstehen. Ein deutlich geeigneterer Singlekandidat wäre das buchstäblich fantastische "World of fantasy" gewesen. Der Refrain hat sich einen festen Platz in meinen Gehörgängen gesichert. Gleiches gilt für "If a mountain could talk". Den großen Rest würde ich als gehobenen Helloween-Standard bezeichnen. Einen eindeutigen Skip-Kandidaten konnte ich nicht entdecken und der ein oder andere Titel mag durchaus noch Hitpotenzial offenbaren, aber insgesamt gesehen ist das eben weniger zwingend als auf "Gambling with the devil". Wo dieses Album sofort die höchste Zündstufe startete und in den Power-Metal-Himmel entschwandt, bleibt "7 Sinners" im erdnahen Orbit. Ein gutes Album, das man jedem Genrefan bedenkenlos empfehlen kann.


Lunatic Soul II
Lunatic Soul II
Preis: EUR 10,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Betörende Stille, 23. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lunatic Soul II (Audio CD)
Nachdem sich Riverside mit ihrer letzten Scheibe erfolgreich vom jenseitigen Konzept der ersten drei Alben lösen konnten und ein hochspannendes, topmodernes Prog-Meisterwerk ablegten, dessen Härtegrad deutlich in Richtung Metal schielte, lässt es Sänger Mariusz Duda mit seinem zweiten Lunatic Soul - Ausflug erneut betont ruhig angehen. Auch wenn die Musik des Albums dazu einlädt - man sollte sich hier keinen Illusionen hingeben. Lunatic Soul II klingt nicht nur wie Lunatic Soul I, es klingt auch wie etwas, das man schon vielfach in ähnlicher Form gehört hat. Das ist Genre- und Fanmusik von ihrer besten Seite. Alles schon mal dagewesen, aber vielleicht nie so konzentriert, schön und ausgewogen. Den geneigten Hörer erwarten hier ungemein stimmungsvoll Töne. Ein leichter Unterschied zum Erstlingswerk besteht allenfalls darin, dass Lunatic Soul II eine Spur kompakter und griffiger wirkt.
Wer schon immer einen Sinn für die Stille in der Musik hatte und wer fehlende Spannung nicht mit Langeweile gleichsetzt, der wird sich im Lunatic Soul - Kosmos behaglich fühlen. Wer bislang nur Riverside kannte, dem erwartet hier gewissermaßen das Fundament deren Musik. Sozusagen Riverside minus Rock- und Metalelemente. Ein typisches Drin-versinken-Album, geschaffen für leistungsstarke Kopfhörer. Unterm Strich schlagen Fans aus der Riverside/Porcupine Tree/Anathema-Ecke bedenkenlos zu.


X
X
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vollbart, 3. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: X (Audio CD)
Das selbstbetitelte Vorgängeralbum deutete bereits an, dass sich Spock's Beard auf dem Weg der Besserung befinden. X ist nun der schlagende Beweis, dass Neal Morse' Ausscheiden überwunden wurde - die Bärte musizieren wieder auf der Höhe ihres progressiven Leistungsvermögens. Mehr noch: X reicht mühelos an die Qualität der hauseigenen Klassiker heran. Die kompositorische Güte ist durchweg auf hohem Niveau und Sänger Nick D'Virgilo hat sich endgültig zu einem adäquaten Neal Morse - Ersatz gemausert. Die einzelnen Songs sind so geschmackvoll arrangiert, wie es das elegante Cover-Artwork andeutet. In der Tat kann man jazzlastigen, hochmelodischen Retro-Prog kaum besser spielen. So sind es vor Allem die ausufernden Titel, die Begeisterung hervorrufen. "Edge of the in-between", "From the darkness" und insbesondere das abschließende "Jaws of heaven" (mit seinem leider zu selten gesungenen Sahnerefrain) sind für Proggies ein sprudelnder Quell der Freude. Diesen Genrestandard kann allenfalls das aktuelle Transatlanctic-Album (The Whirlwind) halten. Und wer weiß, vielleicht weist die Mitwirkung von Neal Morse bei "The emperor's clothes" auf eine baldige Reunion hin. Dann wären Spock's Beard auch personell wiederhergestellt. X ist jedenfalls erstmal eines der Top-Alben dieses Jahres.


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