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Rezensionen verfasst von
Oudeis

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Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armes Schweden ...., 7. Januar 2013
... wenn es tatsächlich so wäre, wie in diesem Roman dargestellt.

Dass die Krimihandlung selbst nicht besonders mitreißend ist, wurde schon in anderen Rezensionen ausgeführt. Anstrengender waren jedoch die Schilderungen der Personen.

Diese sind nahezu alle Varianten des gleichen Themas: Das Leben hat wenig zu bieten, an dem man sich einfach freuen kann und für das man dankbar sein darf.

In dem ganzen Buch gibt es keine einzige Gegenfigur, der es irgendwie vergönnt wäre, zufrieden auf ihr Leben zu blicken oder das Leben mit Humor - und sei es Galgenhumor - zu nehmen. Das fand ich nicht nur unrealistisch, sondern beim Lesen auch unglaublich ermüdend.

Da ist zum Beispiel die Enkelin, Klara, die wohl als Lichtblick gedacht ist. Sie zaubert jedoch kaum ein spontanes Lächeln auf die Gesichter ihrer Familie, zumindest keines, das nicht sofort philosophisch hinterfragt würde und in einer abstrakten Reflexion mündet, dass Klara irgendwie "die Zukunft" repräsentiert. Ansonsten besteht ihre Hauptaufgabe eher darin, durch ihr Weinen Telefonate zu unterbrechen.

Auch ihre Mutter Linda, die doch (anscheinend) ihre große Liebe gefunden hat und mit immerhin 36 Jahren ein gesundes Kind zur Welt bringt, fühlt sich durch diese Situation vor allem belastet.

Der Hund Jussi, zu Beginn anscheinend ein Welpe, bringt auch nicht wirklich Freude ins Leben, seine großen Szenen bestehen darin, dass er sich einen Dorn in die Pfote tritt, krank wird, im Zwinger sitzt und zu den Nachbarn gebracht wird.

Baiba Leipa scheint sich sogar zunächst mit ihrem Leben und Sterben ausgesöhnt zu haben, aber auch sie darf nicht in Würde sterben.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Die Familienidylle des amerikanischen Kollegen von Enkes wird als Fotofassade hinterfragt, der schwedische Kollege, der sein Leben zu genießen scheint, erschießt sich urplötzlich, usw.

Am meisten geärgert hat mich vielleicht sogar die Figur Signe von Enkes. Hier lässt Mankell wirklich nichts aus, um deutlich zu machen, dass manche Menschen aber über wirklich gar keine Lebensqualität verfügen: Signe hat nicht nur keine Arme, keine Stimmbänder, einen Hirnschaden und eine stark eingeschränkte Sehkraft, nein, sie leidet (aus medizinisch unklaren Gründen) bei jedem Atemzug.
Dabei hatte ich, als zuvor von ihrem Lebenswillen gesprochen wurde, sogar die Hoffnung, dass Mankell hier die Einseitigkeit seiner Darstellung unterbrechen würde, und Signe in ihrer eigenen Welt und auf eigene Art Zufriedenheit empfinden könnte.

Ich gehe davon aus, dass nahezu alle positiven Rezensionen von Lesern stammen, die Wallander, wie er in den vorherigen Büchern dargestellt wurde, liebgewonnen haben. Nimmt man aber allein diesen Band, ist Wallanders Auseindandersetzung mit dem Altwerden nicht nur deprimierend, sondern auch langweilig eindimensional.


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