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Rezensionen verfasst von
Helga König
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Romantik 2.0: Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet
Romantik 2.0: Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet
von Christian Schuldt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Im Internet gibt es aber auch nonverbale Kontakte, die ganz ohne Worte und Zeichen funktionieren.",, 29. April 2013
Christian Schuldt, der Autor dieses Buches, ist Redaktionsleiter von BRIGITTE Digital. Seinen Text habe ich deshalb gerne gelesen, weil dieser Autor wirklich gut schreiben kann.

Die bunten Herzen auf dem Cover des Buches erinnern mich an spezielle, sehr süße Bonbons während meiner Kindheit. Dass die bedenklichen Farbstoffe keine sofortigen tödlichen Folgen hatte, wundert im Nachhinein schon. Das haben sie vermutlich mit Internetromanzen gemeinsam, obschon gerade solche Romanzen dem Seelenleben einen nachhaltigen Schaden zufügen können, wenn man bestimmte Grenzen nicht einhält. Wie auch immer, die bunten Zuckerherzen assoziiere ich mit etwas Angenehmem. Kein schlechter Einstieg für ein Buch.

Seit dem Roman "Nordwind" habe ich mich mit dem Thema "Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet" nicht mehr befasst. Damals stand ich Internetromanzen rein theoretisch positiv gegenüber. Das hatte vielschichtige Gründe. Zwischenzeitlich habe ich meine Haltung geändert, weil ich mittlerweile glaube, dass man nicht daran vorbeikommt, zuerst einen visuellen Eindruck von einer Person zu haben, auch die Stimme nicht unbekannt sein darf, um sich tatsächlich verlieben zu können und sich daran letztlich auch in Internetzeiten nichts geändert hat. Man muss die Augen sehen und den Duft seines Gegenübers wahrnehmen, nur dann kann man sich wirklich verlieben. Der Rest ist zumeist Selbsttäuschung. Die Chemie eines Gegenübers ist im Internet nicht vermittelbar. Es ist eher ein Zufall, wenn es beim ersten Treffen dann immer noch funkt.

Viele junge Menschen werden nicht meine Meinung vertreten und die Statistik gibt ihnen ja auch Recht. Über sieben Millionen deutsche Singles nutzen das Netz für die Partnersuche und jeder dritte hat seinen Lebenspartner im Netz kennengelernt, (vgl.: S.10). Ich staune. Doch sind diese Beziehungen wirklich von Dauer?

Schuldt hält fest, dass Online-Dating eine zeitgemäße und extrem populäre Form des Kennenlernens darstellt. Auch er hat seine Lebenspartnerin im Internet kennengelernt. Weil er den romantischen Mechanismen des Online-Datings auf die Spur kommen möchte, geht er im Buch zuerst den Fragen nach, auf welche Weise das Internet unseren Alltag prägt und wie wir die Facebook-Gesellschaft leben.

Das erste Kapitel nennt er die "Ausweitung der Flirtzone". Es stimmt wohl, wenn er schreibt, dass das Netz unzählige neue Bindungen ermöglicht, manche Begegnungen auch zu Treffen von Angesicht zu Angesicht führen und man gewiss viele Flirtmöglichkeiten im Internet hat. Es stimmt auch, dass die Mixtur aus körperlicher Abwesenheit und sinnlicher Präsenz romantische Beziehungen entstehen lassen und das platonische Liebesideal erfüllt wird.

Ob es stimmt, dass das "wahre Selbst" im Internet eher offenbart wird als im realen Leben, möchte ich bezweifeln und auch, dass beim Online-Dating ein hohes Maß an Selbstreflexion notwendig ist. Nicht Infrage stelle ich die Notwendigkeit von Eigeninitiative und kommunikativer Kompetenz in der Sache.

Obschon der Autor sich sehr überzeugend über die Romantik im Internet äußert und mit vielen hilfreichen Ratschlägen aufwartet, habe ich meine Vorbehalte. Dennoch, dass Buch kann ich all jenen empfehlen, die sich anschicken Liebe im Internet zu suchen. Sie werden hier die Pfade kennen lernen, die eventuell zum Liebensglück führen und auch über Stolpersteine nicht im Ungewissen gelassen. Bei allem, rate ich in jeder Beziehung zur Vorsicht. Lassen Sie keine emotionale Tiefe entstehen, bevor Sie ihrem Gegenüber nicht in die Augen geblickt haben. Sie können sich auf diese Weise viel Kummer ersparen.

Ein gut recherchiertes Buch, das hoffentlich viele Leser findet.

Die Spielregel (la règle du jeu) - Edition Cinema Francais Nr. 28 (Mediabook)
Die Spielregel (la règle du jeu) - Edition Cinema Francais Nr. 28 (Mediabook)
DVD ~ Nora Gregor
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschaftliche Konventionen und ihre Tücken.,,, 28. April 2013
Der Regisseur des vorliegenden Schwarz-Weiß-Films ist Jean Renoir. Er war der Sohn des berühmten impressionistischen Malers Auguste Renoir. Aufgrund seiner Erlebnisse im 1. Weltkrieg wurde Jean zum Pazifisten und schuf aus seiner Grundhaltung heraus, einen den wohl berühmtesten Antikriegsfilm - "Die große Illusion" -, den ich übrigens rezensiert habe.

Sein Film "Die Spielregel" zählt laut der Filmzeitschrift "Sight und Sound" zu den zehn besten Filmen aller Zeiten. Er wurde 1939 als "demoralisierendes Werk" zensiert und verboten. Erst 1965 wurde er erneut in Pariser Kinos gezeigt und ein Jahr später mit dem dänischen Filmpreis "Bodeil" ausgezeichnet.

Die Spielregel ist eine Studie der dekadenten Vorkriegsgesellschaft in Frankreich, in der alte Standesregeln zu Farce geworden sind. Der Pilot André Jurieux (Roland Toutain) muss nach einem waghalsigen Flug, den er aus Liebe zu der mit dem Marquis de la Cheyniest (Marcel Dalio) verheirateten Österreicherin Christine (Nora Gregor) unternommen hat, feststellen, dass seine Herzensdame ihn nicht am Boden willkommen heißt. Sie weilt stattdessen bei ihrem Gatten. Christine fühlt sich nicht verpflichtet, denn sie begreift sich als bloße Freundin des Piloten. Ihre Haltung ändert sich, als sie erfährt, dass ihr Ehemann einen Geliebte hat. Die Österreicherin kann sich zunächst nicht in die Gepflogenheiten der französischen Adelsgesellschaft einfinden und begreift die Spielregeln nicht. Daraus entstehen große Schwierigkeiten, nachdem André, aber auch die Geliebte des Marquis zu dessen Jagdgesellschaft auf seinen Landsitz eingeladen werden...

Über die Hauptdarsteller im Film erfährt man im Begleitheft zur DVD Näheres.

Ich fand die einzelnen Szenen beeindruckend und kann die Zensur nicht nachvollziehen, denn das damalige Frankreich kannte die Dekadenz in der Adelsgesellschaft ja schon seit Hunderten von Jahren. Was war plötzlich anstößig und weshalb?

Sehr gut sind die Dialoge und die Landschaftsaufnahme. Die Handlung selbst ist alles andere als atemberaubend. Gut, Gouvernanten und Oberlehrerinnen könnten vielleicht noch heute den Streifen auf den Index setzen, entspannte Zeitgenossen allerdings dürften kein Problem damit haben und finden die Handlung vermutlich einfach nur amüsant.

Empfehlenswert.

Vivienne Westwood
Vivienne Westwood
DVD ~ Gillian Greenwood
Preis: EUR 19,72

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der einzige legitime Grund Geld zu haben, ist die Kunst zu fördern." (Vivienne Westwood),,, 28. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Vivienne Westwood (DVD)
Die vorliegende DVD- Dokumentation zeigt das Leben und Schaffen der britischen Modedesignerin Vivienne Westwood. Diese kreative, sehr nachdenkliche Frau finde ich ungemein sympathisch. Sie passt so gar nicht in die blasierte Modeszene und doch ist sie eine der einflussreichsten Modeschöpferinnen der Welt.

Viele ihre witzigen Kreationen lernt man übrigens auf der DVD kennen, die in deutscher Sprache zu hören ist. Die Designerin stammt aus dem Arbeitermilieu und wurde 1941 in Mittelengland geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung als Grundschullehrerin, lernte nach einer kurz andauernden Ehe mit Derek Westwood den Künstler, Designer und Musiker Malcolm Mc Laren kennen, der später Manager der Punk-Band Sex Pistols wurde und realisierte gemeinsam mit Vivienne seine Visionen. Die beiden eröffneten 1971 die Boutique "Let it Rock" in London. Sowohl Malcolm als auch Vivienne sprechen in der Dokumentation über ihre gemeinsamen Zeiten, in denen sie für eine rebellische Generation das Outfit gestalteten und dabei sehr erfolgreich waren.

Die Modeschöpferin trennte sich 1983 von Mc Laren und etablierte sich eigenständig in der Modeszene. Jetzt begann sie traditionelle Stoffe, Muster und Formen zu analysieren und auf ihre Tauglichkeit zur Innovation zu überprüfen. Als Quelle hierfür diente ihr, wie sie sagt, das modische und historische Erbe Englands. Westwood demontierte Uniformen und Trachten (auch den Schottenrock sowie typische Jagdkleidung) und kombinierte diese neu mit höchst ironischer Distanz.

Wie man sich überzeugen kann, ist ihre Mode für Menschen gedacht, die sich ganz bewusst für einen pikanten Look entscheiden und über Geschmack und Esprit verfügen. Das Unkonventionell-Konventionelle setzt natürlich einen gewissen Grundhaltung voraus, um es entspannt tragen zu können.

Westwood ist nicht nur Modeschöpferin, sondern sie besitzt auch eine Firma, die ihren Namen trägt mit Dependancen in Paris und Tokio. Sie gab ihr Wissen als Professorin in Wien und Berlin weiter und engagiert sich an politisch- humanistischen Projekten.

Ein beeindruckender Film über eine wirklich tolle Frau mit ganz natürlicher Ausstrahlung und hellwachen Augen.

William Turner
William Turner
DVD ~ Daniel Wiles
Preis: EUR 19,72

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gibt es etwas Faszinierenderes als Licht?,,, 27. April 2013
Rezension bezieht sich auf: William Turner (DVD)
Diese DVD ist eine Kunst-Dokumentation in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Gezeigt und erläutert werden Bilder des englischen Malers Joseph Mallord William Turner. Mein Interesse hat sie geweckt, nachdem ich kürzlich die Ausstellung "Rheinromatik" im Museum Wiesbaden sah und dort einige Originalgemälde von Turner bewundert habe.

Dieser Maler gehörte zu den bedeutendsten Künstlern der englischen Romantik und nimmt noch heute auf dem Kunstmarkt eine führende Rolle ein. Die astronomischen Preise seiner Gemälde werden in der Dokumentation auch immer wieder genannt.

Ein wesentlicher Teil der Werke dieses Malers wird seit 1987 in der Clore Gallerey, einem separaten Bau der Tate Britain gezeigt. Diesbezüglich erhält man sehr gute Einblicke und erfährt Wissenswertes seitens zahlreicher Experten und Künstler im Hinblick auf Turner, speziell zur Frage, wieso seine Bilder bis heute noch faszinieren.

Turner, der Maler des Lichts, galt zu Lebzeiten als exzentrisches Genie. Seine malerischen Experimente haben ihn zum Wegbereiter der Expressionisten werden lassen. Man erfährt von seiner Kindheit in einfachen Verhältnissen, seiner Begabung, die sein Vater vorausschauend gefördert hat. Eine Kunstakademie hat der begabte Sohn nicht besucht, sondern er eignete sich seine Fähigkeiten selbst an. Gleichwohl wurde er als 14 jähriger Stipendiat der Künstlervereinigung Royal Academy. Sie wurde von da an sein zweites Zuhause.

In jungen Jahren malte er überwiegend Aquarelle, doch er fand bald zur Ölmalerei. 1776 stellt er sein erstes Ölgemälde "Fischer auf See" in der Royal Academy aus. Drei Jahre später bereits wurde er außerordentliches Mitglied und als 26 jähriger dann offizielles Mitglied des erlauchten Kreises.

Man erfährt von den vielen Reisen des Malers durch ganz Europa und auch davon, dass er, was damals unüblich war, auch in privaten Räumen Kaufinteressierten seine Werke präsentierte.

Turner, der Sohn eines Babiers, wurde Professor für Perspektive an der Royal Academy und avancierte zu einem der bedeutendsten englischen Landschaftsmaler. Seine Eindrücke vom Licht während seiner Reisen durch den Süden Europas führten dazu, dass er das Licht für seine Malerei zu erforschen begann.

Da er sehr anerkannt und finanziell unabhängig war, konnte er es sich erlauben, in seiner Kunst über Vorangegangenes hinauszuwachsen. Er zeigt auf seinen Werken einzelne Pinselstriche und mit ihnen sein gesamtes Temperament. Wie in der Dokumentation anhand der Werke erläutert wird, werden beim näheren Hinsehen das Licht, die Architektur und die Menschen zu einer Komposition, die aus der Unschärfe eine einzigartige Stimmung erzeugt.

Turner hat vor seinem Tode 300 Ölbilder und 20 000 Zeichnungen sowie Aquarelle dem englischen Staat vermacht, mit der Bitte sie in einer eigenen Galerie auszustellen. 1987 wurde sein Wunsch dann endlich erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt war er schon 136 Jahre nicht mehr unter den Lebenden.

Es macht Freude Fachleuchte in der Dokumentation von ihren Lieblingsbildern reden zu hören, aber vor allem diese Werke aus unmittelbarer Nähe sehen zu können und auf Einzelheiten aufmerksam gemacht zu werden.

Empfehlenswert.

Alles Boulevard: Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst
Alles Boulevard: Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst
von Mario Vargas Llosa
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mario Vargas Llosa fragt nicht grundlos auf S. 214.: "Bedeuten Wörter wie Geist, Ideal und Solidarität, Liebe und Lust,,, 26. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Alles Boulevard: Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst (Gebundene Ausgabe)
und Schöpfung, Schönheit, Seele, Transzendenz noch etwas, und wenn ja, was?"

Der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa wartet in seinem neuen Buch "Alles Boulevard" mit beeindruckenden Essays auf, die dem Leser verdeutlichen, dass Kultur in unseren Zeiten vollständig verramscht wird. Dabei stimmt der Untertitel des Werkes sogleich ein wenig nachdenklich und lässt die Frage aufkommen, habe ich mich bereits verloren und wann ist es geschehen?

Der Autor schreibt, dass die Buchkultur ihre Stellung eingebüßt habe und marginalisiert werde. Diese Entwicklung durften wir hier alle im Netz mitverfolgen und erleben täglich ihre Auswirkungen. Die Buchkultur existiert nur noch am Rande der heutigen Kultur, so Vargas Llosa. Die jetzige Kultur hat fast gänzlich mit der klassischen, humanistischen Bildung gebrochen. Dies muss man einfach zur Kenntnis nehmen.

Unsere Gegenwartskultur steht im Zeichen der Globalisierung. Erstmals wurden in der Geschichte kulturelle Referenzen hervorgebracht, auf die sich Gesellschaften und Individuen aller fünf Kontinente verbindlich beziehen, gleichgültig wie verschieden die jeweiligen Traditionen, Religionen und Sprachen sind. Eine solche Kultur ist nicht länger elitär, gelehrt und exklusiv, sondern stattdessen eine echte Massenkultur. Nun geht es darum, den Menschen zu unterhalten, Vergnügen zu bereiten, eine einfache, allen zugängliche Flucht zu eröffnen, ohne irgendeine Bildung oder kulturelle Orientierung zur Bedingung zu machen. Die Massenkultur entwickelt sich aus der Dominanz des Bildes und des Tons, zum Nachteil des Wortes. Beschleunigt hat sich dieser Prozess durch die sozialen Netzwerke im Internet, (vgl.: S.25).

Vargas Llosa schreibt in der Folge über die Kultur des Spektakels. Darunter zu verstehen ist eine Kultur, in der Unterhaltung das Wichtigste ist, in der Eskapismus und Spaß die allesbeseelenden Leidenschaften darstellen, (vgl.: S.31). All das dürfen wir nicht nur im Internet tagtäglich zu Kenntnis nehmen.

Einen Satz des Nobelpreisträgers, den ich hier zitieren möchte, ist folgender: "Wenn eine Kultur der Ausübung des Denkens in die Rumpelkammer verbannt und die Gedanken durch Bilder ersetzt werden, sind es Marketingtechniken, die über Wohl und Wehe eines Produktes entscheiden, die konditionierten Reflexe des Publikums, das über keine geistigen und intuitiven Schutzmaßnahmen mehr verfügt, um die Konterbande oder Erpressung zu erkennen, der es zum Opfer fällt," (Zitat S.36).

Nach einen Jahr Facebook und teilweise sehr guten Erfahrungen mit Künstlern, muss ich in der Gesamtheit meiner Beobachtungen schon feststellen, dass narzisstische Bilderwelten, die seitens gewiefter Marketingstrategen für völlig andere Zwecke eingesetzt werden, mehr als bedenklich sind. Wenn Bilder Sprache ersetzen, kann auf Dauer selbst eine Bildreflektion nicht mehr stattfinden, denn zu dieser benötigt man natürlich Worte. Immer mehr dieser Worte geraten in Vergessenheit.

Vargas Lllosa hält fest, dass neben der Vermassung Frivolität ein weiteres Merkmal unserer Zeit sei und die Kultur des Seichten und des Flitters, des Klamauks und der Pose nicht genüge, um Gewissheiten und Rituale der Religion zu ersetzen, (vgl.: S. 42). Es ist wohl wahr, in unserer Zeit verschaffen Betäubungsmittel und der Alkohol zeitweilige Ruhe des Geistes. Doch sind diese Sicherheiten und Erleichterungen gleichbedeutend mit dem, was einst durch Gebet und Beichte, die Kommunion und Gebet uns zuteil wurden? Schaue ich mir täglich den Frust und die hohe Aggression vieler Menschen im Netz gerade zum Wochenende hin an, die zu verstärkten Trinkgelagen genutzt werden, dann muss ich bei der Antwort nicht eine Sekunde überlegen. Aus all diesen Menschen schreit die Leere und die Sehnsucht nach Sinn.

Immer häufiger verarmen die Ideen, die ein weiteres Merkmal und treibende Kraft des kulturellen Lebens sind, (vgl.S.45). Unsere Kultur wurde auf dem Altar des Hedonismus geopfert, Spektakel all überall, auch in der Politik.

Erotik gibt es nicht mehr, so der Autor, sie ist zeitgleich mit der Kritik und der Hochkultur verschwunden, (vgl.S.52). Über die Vorgeschichte dieses Abhandenkommens schreibt Vargas Llosa ausführlich. Ich stimme ihm zu, wenn er resümierend festhält, dass wir, sofern wir möchten, dass die körperliche Liebe dazu beiträgt, das Leben zu bereichern, wir uns von Vorurteilen befreien, jedoch keineswegs von der Form und den Ritualen, die sie veredeln und zu zivilisieren, (vgl.: S.121). Der Autor schreibt u.a. auch über Catherine Millet, einen angesehene Literaturkritikerin in Frankreich und über ihr Buch "Catharine M." und dass hier die Liebe, indem man sie zum Zeitvertreib herabgewürdigt, banalisiert wird, (vgl.: S.133).

Es ist überall ein Mangel an Ernsthaftigkeit feststellbar. Das zeigen auch seine weiteren Betrachtungen. Wie Vargas Llosa so treffend konstatiert, ist es heute eine Form von Eskapismus, der uns gestattet Problematisches zu ignorieren, Dringliches beiseite zu schieben und in ein "künstliches Paradies" einzutauchen, (vgl.: S.215).

Leider befürchte ich, man wird diesen Rufer in der Wüste nicht hören, wenn er sagt: "Vertrauen wir einer Software die Bewältigung aller kognitiven Aufgaben an, reduziert dies die Fähigkeit unseres Gehirns, stabile Wissensstrukturen aufzubauen. Mit anderen Worten, je intelligenter der Computer wird, desto dümmer wir selbst." (Zitat S.226).

Empfehlenswert.

Hugo von Hofmannsthal - Jedermann
Hugo von Hofmannsthal - Jedermann
DVD ~ Ulrich Tukur
Preis: EUR 25,13

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der Geist sucht das Wirkliche, der Ungeist haftet am Unwirklichen." (Hugo von Hoffmansthal),,, 25. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Hugo von Hofmannsthal - Jedermann (DVD)
ARTHAUS Musik hat diverse "Jedermann"-Aufführungen im Programm. Ich entschied mich für die Liveaufführung mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle, obschon ich zunächst mit Ben Becker seiner tollen Stimme wegen liebäugelte. Ulrich Tukur schätze ich wegen seiner fröhlichen und dabei betont intellektuellen Ausstrahlung, die ihn zu einer interessanten Besetzung in dem Spiel vom Sterben eines reichen Mannes werden lässt, den der Tod weit vor der erhofften Zeit ereilt.

Die Kostüme sind sehr farbenprächtig, sieht man mal vom Tod ab, der ganz hervorragend von Otto Sander gespielt wird. Immer wieder erhält man Eindrücke von Salzburg, kann auch hinter die Bühne blicken, sieht die Schauspieler, wie sie teilweise fast erschöpft sind von ihren Kostümen, insbesondere der Darsteller des Reichtums, sieht Schauspieler bei einer kurzen Zigarettenpause oder beim Trinken einer Limo und fühlt sich wirklich live dabei.

Inszeniert und bearbeitet wurde Hugo von Hoffmannsthals "Jedermann" diesmal von Gernot Friedel. Die fantastischen, farbenfrohen Kostüme wurden von Anna Maria Heinrich designt. Durch die vielen Rot- und Gelbtöne bilden sie den idealen Gegensatz zum bevorstehenden Tod von Jedermann.

Das Stück wird vor der Fassade des Salzburger Doms aufgeführt. Dem Begleitheft zur DVD kann man Wissenswertes zu diesem Spektakel, das jeden Sommer in Salzburg aufgeführt wird, lesen. Dabei berichtet Dr. Werner Thuswaldner auch sehr spannend von den Anfängen der Jedermann-Inszenierungen.

Die vorliegende Aufzeichnung war bestrebt über eine bloße Dokumentation hinauszugehen. Wie ich vorhin schon erwähnte, geht die Kamera mit dem Geschehen mit, konzentriert sich nicht auf die Totale, sondern greift auch Details heraus. Bemerkenswert ist der Moment, wo Otto Sander als Tod im Dom eine Kerze spendet, bevor er auftritt und dadurch dem Tod ein anderes, weniger Furcht einflößendes Anlitz verleiht. Kann man vor dem Tod, der dem Licht die Ehre erweist, Angst haben? Ich denke eher nicht. Sanders Handlung finde ich höchst spirituell. Sie verleiht dem Spiel eine völlig neue Komponente.

Man erfährt einige wichtige biografische Daten zu Ulrich Tukur, der damals 43 Jahre alt war und fast wie ein jugendlicher Held erscheint. Dr. Thuswaldner erwähnt die überbordende Vitalität des Schauspielers, die auch ich sofort sah und die mich begeistert hat. Tukur erfährt als Jedermann eine ungeheure Verwandlung, nachdem der Tod auftritt und er sich zutiefst verzweifelt und voller Angst vor dem was kommt, gebärdet. Dieser Jedermann wirkt in erster Linie hedonistisch. Dass er hartherzig und geldfixiert ist, weiß man, aber man nimmt es auf den ersten Blick nicht wahr. Sein bester Freund, der Gute Gesell (Johannes Krisch) ist zynisch und unangenehm, Jedermanns Mutter, (Christine Ostermayer), eine energische und dabei reflektierte Frau.

Man mag diesen Jedermann nicht sterben sehen, weil man den Eindruck gewinnt, dass er sich noch weiterentwickeln wird, sein Hedonismus nichts Endgültiges ist. Man wünscht ihm, dass er sich von seinem eitlen Hofstaat befreit und einen Neuanfang macht. Sterben, nein. Das ist noch zu früh.

Die Musik von Werner Preisegott Pirchner lässt tatsächlich an Carl Orff denken. Der Teufel und die Engel wirken wie eine unwirkliche Staffage aus einer anderen Zeit. Sie haben mit diesem Jedermann nur noch wenig zu tun, vielleicht weil er von einem Tod umgeben ist, der eine Kerze anzündet und damit andeutet, dass das Licht den Tod letztlich überdauert.

Empfehlenswert.

Bleib dran, wenn dir was wichtig ist: Die Kunst, Zweifel zu überwinden und Ziele konsequent zu verfolgen
Bleib dran, wenn dir was wichtig ist: Die Kunst, Zweifel zu überwinden und Ziele konsequent zu verfolgen
von Gene C. Hayden
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Menschen entwickeln Stärken, wenn sie es müssen und wollen." (Gene C. Hayden),, 24. April 2013
Die gebürtige Kanadierin Gene C. Hayden hat einen Ratgeber geschrieben, der sich damit befasst, Zweifel zu überwinden und Ziele konsequent zu verfolgen. Ich gehöre zu dem Leserkreis, die Ratgeber sehr zu schätzen wissen, weil man stets etwas hinzulernen kann, sofern man kein ignoranter Besserwisser ist.

Die Autorin zeigt in den einzelnen Kapiteln die Gedanken von Menschen auf, die sich selbst versprochen haben, ihre Ziele allen Widrigkeiten zum Trotz zu verfolgen. Dabei erfährt man, wie diese sich motivieren weiterzumachen, sobald sie mit realen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Hayden erläutert des Weiteren bewährte Strategien und praktische Übungen, die dabei helfen, eine Vereinbarung mit sich selbst zu treffen und sie hierbei zu festigen.

Jedes Kapitel befasst sich mit einem "Aber", das sich negativ für den Weg zum Erfolg erweist und insofern beseitigt werden muss. Gezeigt wird, was Menschen mit dem Dranbleib-Faktor unternehmen, um all diese Hürden zu überwinden. Die Hürden sind nicht immer die gleichen, während man seine Ziele verfolgt. Das aber ist ohnehin klar.

In den ersten vier Kapiteln wird der Dranbleibfaktor näher erläutert. Man lernt hier u.a. Strategien kennen, die erfolgreiche Menschen einsetzen, um Rückschläge zu vermeiden. Des Weiteren gibt es in diesem Buch einige Tipps für das Selbst. Gezeigt wird wie man mit Kritikern umgeht, die dazu drängen unsere Pläne aufzugeben. Der übelste Kritiker von allen ist unser innerer Kritiker. Das nur am Rande.

Alles in allem ein hilfreiches Buch mit ausgezeichneten Tipps für das Selbst.

Empfehlenswert.

Die Kräuter-Liesel: 300 Heil- und Gewürzkräuter anbauen und anwenden: Meine besten Heil- und Gewürzkräuter
Die Kräuter-Liesel: 300 Heil- und Gewürzkräuter anbauen und anwenden: Meine besten Heil- und Gewürzkräuter
von Liesel Malm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mariendistel ist das Gegenmittel zum giftigen grünen Knollenblätterpilz. Wussten Sie das schon?,,, 24. April 2013
Da die aus dem Westerwald stammende beinahe 80 jährige Autorin den Vornamen Liesel trägt und sich seit vielen Jahren mit der Heilkraft von Kräutern befasst, muss man sich nicht wundern, dass der Titel des reich bebilderten Buches "Die Kräuterliesel" heißt.

Liesel Malm war vor 27 Jahren an Krebs erkrankt und stellte damals ihre Ernährung vollständig um. Dies rettete ihr das Leben. In ihrem ca. 2000 Quadratmeter großen Heilpflanzengarten baut sie 600 Heilpflanzen und Kräuter an und schwört dabei auf Vollwerternährung.

Sie schreibt u.a. über gesundes Getreide und lässt den Leser mehr über Dinkel, Weizen, Vollkornreis, Roggen, Buchweizen, Grünkern, Hafer und Hirse wissen. Sie schreibt auch über Salate und Gemüse in der Vollwertküche, über ihre Heilbäume und über Feng-Shui im Garten.

Ihre gut 300 Heilkräuter hat sie alphabetisch geordnet und beschreibt jedes einzelne ausführlich, erteilt jeweils kleine Pflanz- und Pflegeanleitungen und wartet mit Rezepten für Tees, Tinkturen, Tropfen, Pasten, Salben, Liköre etc. auf.

Anhand der Fotos kann man sich einen visuellen Eindruck von den Heilkräutern verschaffen.

Neugierig hat mich soeben die sogenannte Zuckerpflanze werden lassen. Im Volksmund nennt man sie Süßkraut. Das aus ihr gewonnene Pulver soll 200- mal süßer als Zucker sein und keine Kalorien haben.

Wer einen Tinnitus hat, sollte im Frühling nach dem Austrieb der Gingkoblätter eine Tinktur damit zubereiten, offenbar hilft diese Tinktur. Zwei Freundinnen und ein Freund von mir leiden an Tinnitus. Ihnen frohe Botschaften diesbezüglich zu vermitteln, ist mir eine Freude.

Bei Erschöpfungszuständen hilft ein Entspannungstee aus wilden Majorankraut, Frauenmantelkraut, Scharfgarbenblättern, Hopfenzapfen und Kamillenblüten. Wer Schlafprobleme hat, erhält die Gelegenheit sich Gute-Nacht-Tees zuzubereiten.

Auf den letzten Seiten lernt man zudem noch Koch-und Backrezepte der Autorin kennen, darunter "Intelligenzplätzchen nach der heiligen Hildegard". Wer bei dem Gedanken noch schlauer zu werden als er ohnehin schon ist Bauchweh bekommt, sollte einen Magenbitter trinken. Das Rezept steht auf Seite 116.

Ein sehr gutes Kräuterbuch, mit dem Sie viel Freude haben werden.

Frankfurter Anthologie: Sechsunddreißigster Band<br /> Gedichte und Interpretationen
Frankfurter Anthologie: Sechsunddreißigster Band
Gedichte und Interpretationen
von Marcel Reich-Ranicki
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "In manchen Seelen wohnt so tief die Kindheit/Dass sie den Zauber niemals ganz durchbrechen/"(Hermann Hesse), 24, 24. April 2013
Die "Frankfurter Anthologie 36" wartet mit 50 Gedichten aus unterschiedlichen Jahrhunderten und deren Interpretationen auf.

Bei den Gedichten handelt es sich u.a. um Werke von: Matthias Claudius, Johann Wolfgang von Goethe, Justinius Kerner, Josef von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff, Heinrich Heine, Theodor Storm, Ricarda Huch, Hugo von Hoffmannsthal, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Gottfried Benn, May-Herman Neiße, Berthold Brecht, Hilde Domin, Karl Krolow, André Heller und andere mehr.

Die Interpretationen stammen u.a. von Uwe Wittstock, Ulrich Greiner, Peter Härtling, Silke Scheuermann, Michael Braun, Hans-Ulrich-Treichel, Wulf Segebrecht und Norbert Hummelt.

Auf den letzten Seiten des Gedichtbandes erfährt man übrigens Wissenswertes zu allen Interpreten.

Marcel Reich-Ranicki startete am 15. Juni 1974 in der Samstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein in der Literaturgeschichte einmaliges Unternehmen, in dem er jeden Samstag Gedichte aus sämtlichen Epochen der Lyrik vorstellte. Jedes der Gedichte wird von einem namhaften Interpreten erläutert. Die Bände der "Frankfurter Anthologie" beinhalten immer die Gedichte und Interpretationen eines Jahrgangs. Zwischenzeitlich liegen über 1950 Gedichte vor.

Jedes der im Buch vorgestellten Gedichte verdient es, immer und immer vorgetragen zu werden. Die Interpretationen sind allesamt exzellent. Doch was soll man auch anderes erwarten, schließlich ist Reich-Ranicki der Herausgeber.

Gedichte von Erich Fried habe ich erst vor sechs Jahren kennengelernt, als ich auf der Amazon-Plattform gemeinsam mit einem Mitrezensenten Rezensionen zu Gedichtsbänden verfasste, in der Absicht etwas für Lyrikbände zu tun, da diese ja leider stets stiefmütterlich behandelt werden.

Wie Wolfgang Schneider im Rahmen seiner Interpretation schreibt, erreichten Lyrikbände von Erich Fried in den 1980ern die Hunderttausender-Auflage. In jener Zeit befasste ich mich mit Betriebswirtschaft - oft 14 Stunden am Tag - und hatte keinen Sinn für Liebeslyrik. Damals las ich in meiner Freizeit ausschließlich Sachbücher.

Es freut mich, dass Marcel Reich-Ranicki das Gedicht "Was es ist" in die Frankfurter Anthologie Nr. 36 aufgenommen hat.Genau dieses Gedicht möchte ich heute hier stellvertretend für alle Gedichte im Buch vorstellen, weil es meiner Ansicht eines der schönsten Liebesgedichte ist, die ich kenne.

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe.......

Schneider schreibt u.a., dass die starke Verbindung von Nüchternheit und Pathos zum Reiz des Gedichtes gehört, dass es zeitlos sei und doch in den Zeitgeist passe. Das sehe ich ähnlich wie er und bin übrigens generell sehr angetan von seiner Interpretation.

Hätte ich in Erinnerung an 2006 nicht Erich Fried gewählt, so wäre meine Wahl auf das Gedicht von André Heller gefallen, weil kaum ein anderer Lyriker durch seine Sprache meine Seele so berührt wie er.

Ein bemerkenswertes Buch mit wunderbaren Gedichten und überaus eloquenten Interpretationen.

Empfehlenswert.

Durch Deutschland wandern: Auf der Suche nach den wilden Tieren
Durch Deutschland wandern: Auf der Suche nach den wilden Tieren
von Andreas Kieling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles Buch, sehr gute Bilder, interessante Texte,,, 22. April 2013
Dieser sehr beeindruckende Bildband des Tierfilmers Andreas Kieling ist bei NATIONAL GEOGRAFIC erschienen. Kieling wanderte auf der Suche nach wilden Tieren durch Deutschland und berichtet von seinen Erlebnissen. Seine Texte sind gehaltvoll sowie sehr spannend zu lesen und die Bilderwelt, die sich in diesem Buch entfaltet, ist geradezu atemberaubend.

Das Vorwort zum Buch hat übrigens Markus Lanz verfasst, der den Leser wissen lässt, dass Andreas Kieling sich etwas wagt, was in unserer rationalen Welt selten geworden ist. Der Tierfilmer folgt seinem Herzen und seinem Instinkt.

Anhand von Verweisen auf einer Landkarte wird gezeigt, wo überall in Deutschland Bilder realisiert worden sind. Kieling beginnt mit dem Berchtesgadener Land und der Steinböcken dort, in denen er die interessantesten Tiere der Alpen sieht. Diese Tiere lassen die Menschen sehr nah an sich heran. Der Autor vermutet, dass dies damit zusammenhängt, dass sie ihren Kletterkünsten vertrauen, die ihnen erlauben in Sekundenschnelle in steile, schroffe Felswände zu verschwinden, (vgl.: S.12).

Traumhafte Bilder von Steinböcken lernt man kennen, die sich von Gräsern, Mosen und Flechten ernähren. Auch über Schlangen im Hochgebirge berichtet Kieling und über seine Erfahrungen, die er damit machte. Wundervolle Fotos von einer Kreuzotter, einem Alpenschneehuhn und von Murmeltieren beenden das erste Kapitel.

Anschließend berichtet Kieling von seinem Leben mit Wildschweinen. Hier sammelte er seine ersten Erfahrungen mit diesen Tieren in der Eifel, lernte später deren Sozialleben und Verhaltensweisen kennen, schreibt von seiner Rotte und den Beobachtungen, die er dort machte, z.B. was deren Sprache anbelangt. Er schreibt auch von Keilerattacken und man kann sich aufgrund der Fotos einen sehr guten Eindruck verschaffen, bevor man an seinen Erkundungen in der Eifel und der Pfalz teilnimmt.

Es ist bedauerlich, dass ich nicht über all das, was Kieling schreibt, in Kurzform hier berichtet kann, denn mich faszinieren Seite um Seite nicht nur der Bilder, sondern auch der Naturschilderungen. Neugierig las seine Pfalzbeschreibung. Gelungen. Bravo!

Man erfährt Wissenswertes auch von Schwarzstörchen, Uhus, auch von Eulenvögeln und hat Gelegenheit zwei Rothirsche beim Kampf zu beobachten. Nicht gewusst habe ich, dass die Spannweite des UHU 1,70 m beträgt und dass derzeit in der Eifel 156 Uhupaare brüten. Immer wieder erfährt man Näheres über das Sozialverhalten von Tieren, lernt pittoreske Ausblicke von alten Burgruinen kennen, liest von einer großen Wanderung Kielings von Bayern bis zur Ostsee und darf sich dabei immer wieder neuen wunderschönen Landschafts- und Tierbilder erfreuen, auch von einem scheuen Rhönschaf, das zu einer der ältesten Nutztierassen Deutschland zählt.

Allerliebst ist ein Foto von Jungluchsen und ein weiteres, das Nandukücken zeigt. Begeistert hat mich Kielings Bericht über seinen Besuch bei Wildpferden und hier auch die Bilder der Dülmener Wildpferde. Ich hatte keine Ahnung, dass es solche Pferde in Deutschland überhaupt gibt.

Faszinierende Naturaufnahmen aus Brandenburg und aus Mecklenburg haben mich ebenso überzeugt, wie die Fotos aus Helgoland von den Kegelrobbenbabys und den Silbermöwen dort.

Zum Schluss schreibt Andreas Kieling über seine magischen Orte, an denen alle Sorgen von ihm abfallen und wo er sein Wesen spürt und seinen Weg sehen kann.

Ein wunderschönes Buch, das dem Leser die Natur durch Wort und Bild vielschichtig näher bringt und ganz am Ende noch mit einem kleinen Wildnis-Knigge aufwartet. Daraus zitiere ich in der Kopfzeile. Schweigen im Wald ist also nicht angesagt, das steht jetzt fest.

Empfehlenswert.

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