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Rezensionen verfasst von
KalyanaMitrah (Wien)

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Die Morgenlandfahrt: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
Die Morgenlandfahrt: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
von Hermann Hesse
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Macht und Machtlosigkeit der Worte, 1. April 2012
Hesse skizziert die Regungen des Verstandes und die Reinigung des Gewissens wie kaum ein anderer Schriftsteller es vermag...

Er zeigt auch in diesem Buch auf, wie meisterhaft er versteht, die Macht und Machtlosigkeit der Worte vor Augen zu führen. Die Morgenlandfahrt ist die Reise nach Innen, nach Osten, nach dem Jenseits, der Weisheit des Lebens im Augenblick, das Abenteuer der Selbstfindung und der Traum der Einswerdung mit dem bedeutsamen Ganzen: dem Bund des Lebens! "Und ihr wisset, sobald das Leid groß genug ist, geht es vorwärts... Diesseits dieser Verzweiflung leben die Kinder, jenseits die Erwachten..." (91f)

Die hundert Seiten habe ich an zwei Nachmittagen mit wachsender Begeisterung gelesen. Dabei habe ich Bilder, Farben, Töne, Klänge, Melodien, Stimmungen, Täuschungen und Ent-Täuschungen miterleben dürfen. Hesse hat wie im "Steppenwolf" und "Demian" einen Teil des Weges seiner Selbsterkenntnisreise nachgezeichnet und beschreibt die Schwierigkeit, eben dies zu tun. Zugegeben, die ersten 20 Seiten erschienen mir etwas schleppend, doch könnte dies nicht am Aufbau des Buches, sondern an der eigenen Erwartungshaltung liegen?

Der Protagonist H.H. erzählt aus der Ich-Perspektive seine Erfahrungen, Fehlinterpretationen, Einbildungen und Projektionen. Wir erfahren nach und nach, was es heißt, die eigene Verzweiflung und Entmutigung anderen Menschen anzudichten und aufzulasten, um schließlich zu merken, dass sich Dünkel mit dem Deckmantel der Demut tarnen kann und dass Übereifer und Geltungsdrang (also Symptome eines aufgeblasenen Egos) nicht Loyalität beweisen, sondern etwas ganz Anderes darstellen: "Novizendummheiten... die sich dadurch erledigen, dass wir über sie lächeln." (87)

Klare Leseempfehlung fürs nächste Wochenende. Ein einzigartiger Lesegenuss. Ich wünsche Dir von Herzen viel Freude und Einsicht.


Selbstgespräche und Konversationen.
Selbstgespräche und Konversationen.
von Miguel de Unamuno
  Broschiert
Preis: EUR 19,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Streifzug durch Unamunos politisches und poietisches Querdenken bietet Einblicke in seine spanische Seele, 31. März 2012
"Jedes Mal, wenn ich dran denke,
dass ich einst sterben muss,
breit' auf den Boden ich die Decke
und schlaf mich richtig aus."

Sehr gute Auswahl an Essays des baskischen Philosophen, der 36 Jahre im 19. Jh. und 36 Jahre im 20. Jh. gelebt hat. Die Übersetzerin Erna Pfeiffer hat hier wirklich großartige Arbeit geleistet. Sie gibt uns Lesenden in der Einleitung und im Nachwort hilfreiche Kommentare, aber auch in (keine Bange: maßvoll eingesetzten...) Fußnoten historisch relevante und den sozialen Kontext betreffende Informationen. Damit trägt sie zum Verständnis dieses fast vergessenen, außergewöhnlichen Schriftstellers bei. Der Autor Miguel de Unamuno wurde 1924 verbannt und lebte nach seiner Amnestierung noch weitere 4 Jahre im freiwilligen Exil an der spanischen Grenze. Ihm waren jegliche Ismen und Ideologien ein Gräuel. Widersprüchlichkeit und Kreativität waren für Unamuno Lebensprinzip und Maxime seines Schreibens und Wirkens.

Das Buch ist eingeteilt in drei Kapitel:
(1) Meditativ-philosophische, physische ("Phantasie einer sommerlichen Siesta") und metaphysische Essays
(2) Spaniens sozio-kulturelle Identität und Selbstoffenbarung
(3) Persönliche Kommentare, LeserInnenbriefe und feministische Anliegen (mit erstaunlicher Voraussicht und Differenzierungsfähigkeit)

Einige Themen sind in den Essays dieses Buches stets präsent: Zum Beispiel die Kunst, aus dem Bauch heraus zu denken; die Relativierung der Zeit; der Drang nach Ewigkeit und Unsterblichkeit; die Tatsache der Vergänglichkeit und Sterblichkeit; die Selbstironie und der mal charmante, mal bissige Witz des Miguel de Unamuno. Er weiß Bescheid über volkswirtschaftliche Zusammenhänge; spricht über Politik, Religion und Geschichte... er will LeserInnen aus der geistigen "modorra" (Gedankenfaulheit) aufrütteln. Dazu braucht es manchmal geistige Schmerzen, die entstehen, wenn Ideen- und Gefühlsassoziationen, Vorurteile und gewohnte Sichtweisen durch schneidende Worte eines aufmerksamen Querdenkers zerfetzt werden.

Ich habe Unamuno als selbstreflexiven Schriftsteller mit ehrlichem Bemühen um Integrität wahrgenommen. Er ist sich bewusst, dass die Eigenschaften, die er anderen ankreidet, eben jene sind, mit denen er selbst am meisten zu kämpfen hat: Neid, Posen, Ruhmsucht, Verzweiflung etc... und solche Selbsterkenntnis tut beim Lesen einfach wohl. Er beschreibt auch den inneren Kampf, den psychischen Konflikt und Krieg und geht soweit, ihn seine Nahrung und seinen Trost zu nennen. Doch er ist eben fähig mit Ideen zu spielen, weil er sie als Ideen verwendet. Er lebt in der Welt der Poesie, verstanden als eine Welt der willommenen Paradoxien und häretischen Ansichten. Er kennt die Tücken der Verstandestätigkeit und die Grenzen intellektueller Versuche, die Wirklichkeit zu erfassen. Noch besser als diese Essay-Sammlung gefällt mir jedoch sein "Plädoyer des Müßiggangs"...


Vom Wesen der Welt
Vom Wesen der Welt
von Janez Drnovsek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anthropo-Kosmo-Logie eines Präsidenten in Zeiten des Umbruchs, 7. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Vom Wesen der Welt (Gebundene Ausgabe)
Der Autor war Sloweniens Premier (1992-2002) und Präsident (2002-2007), sprach sechs Sprachen fließend und verstarb im Jahr 2008. In diesem Buch stellt er seine Sicht der Welt, des Lebens und das (mögliche) Schicksal der Menschheit dar.

Drnvosek beschreibt zunächst, wie die hochtechnologisierte und zugleich auf einer niedrigen Bewusstseinsstufe lebende Menschheit auf die Katastrophe zusteuert. Wir laufen Gefahr, uns im Ego-Terror-Kriegs-Mauer-Profit-Wahn selbst zu vernichten. Er schildert eine Welt des Leids und spekuliert: "Vielleicht ist der Sinn dieser Welt, dass Seelen mit einem niedrigen Bewusstsein durch das Leid der Sprung auf eine höhere Bewusstseinsebene ermöglicht wird." (S. 14)

MITGEFÜHL UND BEWUSSTWERDUNG MEINER SELBST
Nach und nach blüht und leuchtet Drnovseks Verständnis des kosmischen Geschehens auf. Er plädiert für andere Werte, die den blinden Glauben an den Verstand sowie die Bindung an das physische Ich auflösen und im Laufe der Entwicklung das Bewusstsein erhöhen. Können wir uns über das physische Bewusstsein erheben, dann nähern wir uns dem kosmischen Bewusstsein an und gehen in dieses ein. Darum dreht sich diese Schrift: Um die Erhöhung des Bewusstseins, das Erkennen der Vergänglichkeit, das Entfalten von Mitgefühl und um die lebendige Verbundenheit mit der Schöpfung, in lebenspraktischer Hinsicht um das Vertrauen in die eigene Intuition beim Treffen von Entscheidungen.

Er geht auf Themen ein, die unsere Verantwortung im Leben als Individuum, Gemeinschaft, als Bewusstsein und Energie betonen, u.a. auf Sterbehilfe, Abtreibung, Selbstmord. Dieses Kapitel fand ich interessant, da er hier auf die Konsequenzen nicht nur des Einzelnen, sondern auf das Schicksal der im unendlichen Kosmos kreisenden Seelen "mit menschlicher Prägung" eingeht. Seine Vermutungen reichen weiter als das Auge sieht... und kristallisieren in seiner Darstellung der Folgen, die eine Anhebung des spirituellen Bewusstseinsniveuas der Menschheit haben wird.

Abschließend erläutert der Autor die Grundlagen seiner "Anthropo-Kosmo-Logie" im 2. Teil des Buches und erläutert, was er unter den Begriffen Bewusstsein, Seelenteile, Energie etc. versteht. Vieles von dem, was der Autor schreibt, ist nichts Neues, so z.B. Religion ohne Bewusstwerdung bleibt bedeutungslose Institution, Hinduismus/Buddhismus/Christentum haben in der Selbstrealisierung der Seele, im Erwachen, im Heil(ig)werden einen gemeinsamen Hinweis auf die Chance des wahrhaften Mensch-Seins. Doch er schreibt mit so viel Herz, dass es fast unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen... und wenn, dann nur um innezuhalten und das zu verarbeiten, was er zu sagen hat. Ich wollte fünf Sterne vergeben, entschied mich dann aber für vier, weil mich das Buch in Stil und Gehalt weder vollends begeistert noch überzeugt hat. Und nur solche verdienen fünf Sterne.


Geistestraining durch Achtsamkeit: Die buddhistische Satipatthana-Methode
Geistestraining durch Achtsamkeit: Die buddhistische Satipatthana-Methode
von Nyanaponika
  Broschiert
Preis: EUR 18,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sicher eine der klarsten Darstellungen der Achtsamkeitspraxis, 2. März 2012
Klare Empfehlung an alle, die sich der Übung im Vertraut-werden-mit-dem-Geist (bhavana) widmen.

Nyanaponika weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht und schreibt. Der Autor weist auf die Wichtigkeit des Reinen Beobachtens hin und zeigt, dass Satipatthana (die vier Objekte bzw. Grundlagen der Achtsamkeit behandelnd) ein Weg der Selbsthilfe mit dem Ziel der "Stillung der Daseinsgebilde" (sankharanam vupasamo) ist und einen Ausgleich einseitiger Entwicklung bewirkt: "es füllt aus, wo Mangel ist, und beschränkt das Übermaß." Ein Weg der Mitte ist es, den Buddha vorgezeigt und vorgelebt hat. Nyanaponika ist in jedem Fall ein würdiger Übermittler und Interpret seiner Lehren und inspiriert uns, diese Methode selbst auszuprobieren und als Pfad der Selbsterkenntnis zu nutzen. Er beschreibt die Wirkungskraft der Achtsamkeit als ordnend/benennend, zwangsfrei, innehaltend und unmittelbar in der Anschauung und geht in einem eigenen Kapitel auch auf all diese genannten Aspekte ein.

Dieses Buch ist meines Erachtens mehr als nur eine Einführung. Es ist ein großartig gelungenes Stück Tiefenpsychologie und Geistesforschung. Wo sich die durch Praxis einstellenden Erfahrungen und Entwicklungen der übenden Person einem Grad nähern, der mit Worten schwierig zu beschreiben ist, hält er inne und erläutert auf verständliche Art und Weise, dass bis hierhin die Unterweisungen bzw. Hinweise ausreichen, um eine erste Orientierung auf dem Pfad von Weisheit zu vermitteln. Er verzichtet dann nach einigen Schritten auf weitere Ausführungen von Übungsergebnissen, da sich diese bei jedem Einzelnen durch die Praxis selbst erschließen werden und auch um Erwartungshaltungen vorzubeugen. Es hat schließlich keinen Sinn, Ergebnisse herbeiführen zu wollen oder auf diese abzuzielen. Man stünde sich nur selbst im Wege, da sich Ergebnisse von selbst ergeben, wenn die Bedingungen dafür reif sind.

Das Buch ermutigt somit dazu, die eigene Meditationspraxis anzugehen oder damit fortzufahren. Denn es hilft, die Schwierigkeiten zu erkennen, die dabei durch Gewohnheiten, äußere Störungen, schweifende Gedanken und sogenannte geistige Befleckungen (Ärger, Ungeduld, Trägheit etc.) unweigerlich auftauchen. Wir werden angeleitet, die Methoden zur Überwindung ebendieser Hindernisse aus eigener Erfahrung selbst kennenzulernen und Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.


Am Rand der Dimensionen: Gespräche über die Physik am CERN (edition unseld)
Am Rand der Dimensionen: Gespräche über die Physik am CERN (edition unseld)
von Rolf Landua
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen Unfassbare Manifestation des menschlichen Forschergeistes, 22. Februar 2012
"Die Geschichte der Physik ist voll von Modellen, die sich später als nur bedingt richtig oder gar falsch herausgestellt haben. Wie in der biologischen Evolution überleben nur Modelle, die sich in der freien Wildbahn der Beobachtungen und Experimente am besten bewähren." (S. 81)

Wie im Laufe der Lektüre ersichtlich wird, ist es sprichwörtlich unfassbar: kein einziger Ingenieur, keine einzige Physikerin und auch sonst kein Techniker am CERN hat ein detailliertes Verständnis sämtlicher Vorgänge. Gemeinsam bilden sie allerdings ein kollektives Gehirn, das sich mit Fragen beschäftigt wie: Wodurch bekommen Objekte ihre soliden Eigenschaften? Wozu dient die Suche nach dem postulierten Higgs-Teilchen, den (hypothetischen) supersymmetrischen Selektronen und Photinos? Wodurch unterscheiden sich Fermionen (Leptonen und Quarks) von Bosonen? Was sind überhaupt Anti- oder besser: Spiegel-/Komplementär-Teilchen? Und dunkle Materie: Ist es das, was die Welt im Innersten zusammenhält - oder im Äußersten? Diesen und anderen öffentlich bisher unbeantworteten Fragen stellt sich der Autor. Dabei kommen wir als Lesende in den Genuss, die Erkenntnisse der modernen Physik und ungelöste Phänomene seit Einstein, Maxwell, Faraday, Feynman, Orsted, Higgs etc. kennen zu lernen. Wo die WissenschaftlerInnen selbst nicht mehr weiter wissen, werden spekulative Überlegungen, Theorien und schließlich das Vorhaben, mit dem LHC neue Erkenntnisse zu gewinnen, recht verständlich dargelegt.

Der LHC (Large Hadron Collider) ist ein 27km langer Tunnel bei Genf, der für den LEP (das Vorgänger-Modell) um drei Milliarden Euro gebaut worden ist. Das CERN-Team besteht aus mehr als 2000 PhysikerInnen, TechnikerInnen und IngenieurInnen von 150 Instituten aus 35 Ländern. Im LHC werden 10 Jahre lang Elementarteilchen kollidieren. Die wesentlichen Ergebnisse werden herausgefiltert und gemessen. Dazu dienen vier Detektoren namens CMS, ATLAS, ALICE und LHCb. Dadurch soll klarer werden, was einige Millardstel Sekunden nach dem Urknall an Partikeln, Vakuumfluktuationen, existierte. Wozu? Um den Aufbau und die Entwicklung von Materie besser zu verstehen. Dazu braucht es eben einen Doppelring mit Niob-Titan-Magnetspulen, die 35 Tonnen wiegen und 8,4 Tesla (150.000-faches Magnetfeld der Erde) stark sind und die Protonen annähernd mit Lichtgeschwindigkeit durch den Tunnel jagen. Das muss ja furchtbar heiß werden! Richtig... ähh.. falsch: das Ganze wird mit superflüssigem Helium nahezu auf den absoluten Nullpunkt gekühlt. Und das alles, um eine Stecknadel in 1 Million Heuhaufen ausfindig zu machen. Bei allem Staunen und Wundern blieb doch bei mir auch der Gedanke nicht aus, dass die Probleme von Hunger, Krieg, Not und Elend dabei scheinbar unberührt bleiben. Aber immerhin:

"Durch solche Experimente können wir bald gesicherte Aussagen über die Evolution der Materie während und nach diesem Zeitpunkt machen. Die Entdeckung neuer Teilchen und Felder könnte aber auch Hinweise für die Entwicklung neuer Theorien geben, die es uns erlauben, weiter 'zurück' in Richtung Urknall zu extrapolieren." (S. 86f.)

Das Buch ist eingeteilt in fünf Kapitel und wirklich flüssig in (idealisierter) Dialogform verfasst. In diesen wird 1. der Stand der modernen Physik, 2. die ungelösten und teilweise unlösbaren Fragen der Physik, 3. der Aufbau und 4. das Ziel bzw. der Nutzen des LHC auch für den Laien mehr oder weniger verständlich erläutert. Schließlich findet sich im abschließenden 5. Kapitel eine Vorausschau auf ein erweitertes Verständnis der Natur, das durch neue Erkenntnisse am CERN entstehen kann. Das Beeindruckendste war für mich, wie anschaulich die Entwicklungen seit dem Urknall in einer 137-teiligen Serie geschildert wurde. (S. 46-49) Gewaltige Zeiträume und komplexe Zusammenhänge werden von Rolf Landau ebenso humorvoll wie anschaulich mit Hilfe von Analogien und Beispielen gut erklärt: Das Universum als Party-Raum, spontane Symmetriebrechung als kippende Bleistiftspitze, LHC-Detektoren als zylindirsches Kaufhaus...

FAZIT: Auf jeden Fall lesenswert! ... Und sei es um deutlich zu sehen, dass binäres Bewusstsein stets dualistische Konzepte einer materiellen Realität konstruiert, was sich bei den (notwendigen) Hypothesen von Spiegel-Teilchen, Higgs-Teilchen, dunkler Materie und besonders bei der Hypothese der supersymmetrischen Teilchen (...jedem Elementarteilchen seinen Superpartner mit verhältnismäßig großer Masse...) zeigt.


Befreit - Verbunden. Der buddhistische Weg zu einer glücklichen Liebesbeziehung
Befreit - Verbunden. Der buddhistische Weg zu einer glücklichen Liebesbeziehung
von Matthias Ennenbach
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buddhismus, Beziehungskunst und Befreiung inmitten aller Belange, 18. Februar 2012
Wenn dir diese Rezension zu lang erscheint, kannst du getrost zum Fazit im letzten Absatz springen. (Vielleicht willst du ja danach hier weiterlesen)

Das Buch bietet wertvolle Denkanstöße und inspiriert uns immer wieder dazu, mit der Meditationspraxis zu beginnen und diese in den Beziehungsalltag zu integrieren. Besonders die Beschreibung einer Session (S. 107-110) bildete für mich ein Highlight des Buches, das mich zum Schmunzeln und Reflektieren einlud. Unwissenheit in Form von Unaufmerksamkeit, Verleugnen, Geistestrübungen und dem Anhaften an der Illusion von Stabilität und Getrenntheit führt zu Leiden. Und dieses Leiden verstärkt wiederum die Tendenz zu Unwissenheit und blindwütigen Reaktionsmustern. Den inneren edlen Kern ("Buddha-Natur") verortet der Autor in jedem einzelnen von uns. Den edlen Kern des Dharma erkennt er in der Erkenntnis, der Verinnerlichung und schließlich der Realisierung der 4 Edlen Wahrheiten, des Mittleren Weges und des Lebens im Hier und Jetzt. Es käme stets drauf an, ob wir den zornigen grauen Wolf oder den sanften weißen Wolf in uns füttern... Thich Nhat Hanh spricht in diesem Kontext von heilsamen und unheilsamen Samen, die wir gießen.

Als wichtigen Hinweis erachtete ich die Beobachtung des Autors, dass sich Menschen nicht von, sondern vielmehr INMITTEN ihrer Gefühlen, Gedanken, Beziehungen, Lebensumständen etc. befreien. Welche Ursachen, Bedingungen und nachteiligen Auswirkungen naiver Idealismus (auf der Suche nach der perfekten Partnerschaft), das Recht-haben-Syndrom (willst Du glücklich sein oder Recht behalten?) und Eifersüchteleien (Gewalt und Kummer durch Anhaftung, Widerstand, Verwirrung) haben können, wird vom Autor eingehend beleuchtet. Was bleibt nach der Ent-Täuschung, sobald die Täuschung vertrieben wurde? Anhand der vier edlen Wahrheiten ruft er die LeserInnen auf, die eignen Motive, Absichten, Vorurteile, Meinungen und Erwartungen zu überprüfen und zu hinterfragen und sich somit konsequent einer kritischen Selbstanalyse zu unterziehen. Dabei verweist er ein Dutzend Mal auf insgesamt etwa 250 Seiten auf sein Buch "Buddhistische Psychotherapie", das auf verschiedene Themen näher eingeht, die hier nur angeschnitten werden können (z.B. Karma, Geistesgifte, Leerheit bzw. Intersein, Erleuchtungsqualitäten). Da begann sich Widerstand zu regen, vermutlich weil dieses Buch für mich nicht das Richtige war, da es zu sehr an der Oberfläche dahinplätscherte mit Hinweisen, die zumindest meinem eigenen Verständnis von Common Sense entsprechen. Also: Haben wir die Wahl oder folgen wir nur einem Wiederholungszwang? Während in der Psychotherapie das Hauptaugenmerk (v.a. zu Beginn) bei der Schulung der Selbstwahrnehmung, Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen, gesunder Egoismus etc. liegt, ist das Ziel im Buddhismus die BEFREIUNG. Und somit auch die Befreiung vom Konstrukt des Selbst und ein geschickter Umgang mit den Rollenbildern (Vater, Mutter, Partner etc.), Gesellschafts- und Geschlechtsidentitäten (Frau, Mann, Homo, Hetero, Bi, Trans, Queer etc.) durch die Einsicht, dass wir nicht (nur) der Körper, der Kopf, das Herz, der Verstand, die Emotionen sind, die wir erleben.

Zugegeben, das Buch ist elegant geschrieben und liest sich deshalb auch recht schnell. Ich empfehle es durchaus als buddhistische Einsteigerlektüre und Ratgeberliteratur für Paare, die im Umgang mit sich und der Welt achtsamer leben möchten. Was mir auch gut gefällt, ist des Autors Hinweis, dass gerade jene Themen, über die wir schon etwas gehört haben, genau die Themen sind, über die oft recht viele Missverständnisse und Unklarheiten bestehen. Erich Fromm, Dalai Lama, Ayya Khema u.v.a. spielen in diesem Buch eine große Rolle. Warum vergebe ich nur vier Sterne? Mein Bauchgefühl sagt eben, dass es für fünf wirklich nicht reicht. Die Kapiteleinteilung ist ok, doch werden sie gegen Ende des Buches immer kürzer - warum bloß? - genau hier dreht es sich um Paare, Familie, Papa-/Mama-Rolle, Sexualität und es hätte mich interessiert, wie der Autor selbst damit im Alltag umgeht, statt mir die ohnehin wohlbekannten silas (Richtlinien) zu präsentieren sowie an die für Buddhistenpärchen so wesentliche Verantwortlichkeit, den wechselseitigen Respekt und die selbstkritische Haltung zu erinnern. Vielleicht war es ja so gemeint, dass die vorherigen Kapitel als Grundriss buddhistischer Konzepte und Werte und die Abschlusskapitel als Felder bzw. Anwendungsgebiete ebendieser aufgefasst werden sollen? Ich schätze jedenfalls, dass ein Mensch, der nur ein Viertel der Empfehlungen im Buch im Rahmen einer in den Alltag integrierten Meditationspraxis verwirklichen kann, sich selbst und damit der Mitwelt schon einen außergewöhnlichen Dienst erweist. Und obendrein glücklich ist. Denn die Meditation wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Leben aus: Wir reagieren weniger und wählen mehr. Es gibt auch keine Wartezeiten mehr, weil jegliche Situation als Übung verstanden werden kann. Wir machen uns vertraut mit citta (Bewusstsein/Herz/Geist) und lernen, zwischen Körper, Verstand, Emotionen und Geist zu differenzieren. Wir befreien uns von emotionalen Automatismen. Das erhöhte Körperbewusstsein wirkt sich positiv auf unsere (verbale wie non-verbale) Kommunikation aus.

Fazit: Ich bin perfekt wie ich bin und muss doch etwas ändern! Befrei dich inmitten deiner Gefühle, Beziehungen und Lebensumstände von Anhaftung (an Rollen, Fantasien, Egospielen), von Widerständen (gegen Veränderung) und von Verblendung (in Form deiner Vorurteile). Bist du im Loch, dann hör auf zu graben. Sei eine Insel - und wie jede Insel am Meeresgrund mit allen anderen Inseln verbunden...


Über das Fernsehen
Über das Fernsehen
von Pierre Bourdieu
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über die Kräfteverhältnisse und Strukturzwänge zeitgenössischer Medien, 11. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Über das Fernsehen (Taschenbuch)
Die Länge meiner Rezension möge darauf hinweisen, wie gut mir das Buch gefallen hat - ich hoffe nicht bloß deshalb, weil es sich dem annähert, was ich selbst zu denken geneigt bin...

"Ich mache hier wirklich Utopie, und ich bin mir dessen auch bewusst. Aber denen, die dem Soziologen immer seinen Determinismus und Pessimismus vorwerfen, möchte ich nur entgegenhalten, dass ein Bewsstsein von den strukturellen Mechanismen, aus denen unmoralisches Verhalten hervorgeht, es ermöglichen würde, etwas zu ihrer Kontrolle zu unternehmen." (S. 79)

Bourdieu geht in seinen beiden 40-seitigen Fernsehvorträgen ("Das Fernsehstudio und seine Kulissen" und "Die unsichtbare Struktur und ihre Auswirkungen") vom Sichtbarsten, vom Offensichtlichsten aus, um zu den vor Akteuren und Rezipienten verborgenen Aspekten, Strukturen, Mechanismen vorzudringen. Er fragt: "Kann man denken, wenn man es eilig hat?" Und er sagt dazu: "Ja, in Gemeinplätzen." (S. 38) "Fast-thinkers" bieten in dafür vorbereiteten Räumen geistiges Fast-food, vorgekaute, banale, konventionelle Vorstellungen, oft mit hohem Moralingehalt. Sie passen sich damit dem Geschmack des Publikums an und sorgen für eine hohe Einschaltquote - "dem verborgenen Gott dieses Universums." (S. 33) Wissenschaftlich ausgedrückt: "Das Thema wird entsprechend den Wahrnehmungskategorien der Rezipienten konstruiert." (S. 63) Die Jagd nach dem Scoop, der Sensation, dem Ungewöhnlichen, dem Drama, dem Exklusiven prägt dementsprechend das journalistische Feld - "ein Mikrokosmos mit eigenen Gesetzen." (S. 55) Der Druck, dem die Menschen in diesem Bereich kultureller Produktion ausgesetzt sind, wirkt sich auf andere Felder aus: Wirtschaft, Politik, Literatur, Kunst, Wissenschaft, Rechtssprechung. Weitere Punkte, die hier untersucht und offengelegt werden:
1. Nachrichten kreisen in einem geschlossenen Zirkel (scheinbar) verschiedener Zeitungen, was zu Homogenisierung und Uniformisierung der Sendeanstalten beiträgt. In ihrem Pochen auf Unterschiedlichkeit, Besonderheit und Individualität sind sich ebenso gleich wie in ihrer Existenz unter der Fuchtel des ökonomischen Feldes.
2. Die unsichtbaren Strukturen kollektiver Zwänge, die durch die Konkurrenz um Marktanteile und durch die ubiquitäre "Einschaltquoten-Mentalität" entstehen, haben Auswirkungen auf Individuen. Sie führen zu einer zynischen und voreingenommenen "Sensations-Brillen"-Haltung bei alten Hasen, hingegen zu häufiger Enttäuschung von jungen Neulingen im Busy-ness.
3. Heteronome Intellektuelle kollaborieren mit Sendern, um Breitenwirkung zu erzielen und bewirken, dass ökonomische Gesetze ins journalistische Feld Einzug halten. Sie verhalten sich somit wie trojanische Pferde und sind für Bourdieu deshalb unbedingt zu bekämpfen. (S. 90)
4. Sowohl "toujours ainsi" als auch "jamais vu" - Beides sind im und durch das Fernsehen oft produzierte bzw. aufrechterhaltene Illusionen: die Haltung "alles wie gehabt" als auch die Auffassung, dass es sich um etwas "nie dagewesenes" handelt. Bourdieu wählt einen Mittelweg und spricht bei der Frage der Konsquenzen, die das Auftauchen des Fernsehens für das journalistische Feld mit sich bringt, von einem "Gegensatz, der schon früher bestanden hat, aber nie in dieser Schärfe. (S. 62)
5. Bei Fernsehdebatten müssen wir stets die Positionen der verschiedenen Presseorgane im Gesamtspektrum journalistischer Tätigkeit einerseits und die Position der Vertreter innerhalb dieser Organe andererseits berücksichtigen, um zu verstehen, was warum gesagt werden kann und was warum ungesagt bleiben muss.

Seine Vorträge sorgten für Aufregung und Verwirrung, auch für Kritik und Missverständnissen von seiten der Redakteuren, Journalisten und Moderatoren, obwohl er mehrmals betont, dass seine Ausführungen nicht ad hominem gerichtet seien, sondern sich aus der Überzeugung speisten, dass die Kenntnis bestimmter Mechanismen und Zwänge zu mehr Freiheit führt. Im Fernsehen, v.a. in so genannten Nach-Richten werden oft Omnibus-Sendungen gebracht, das bedeutet etwas, das "alle interessiert, aber so, dass sie nichts Wichtiges berühren." (S. 22) Durch Scheinprobleme und aufgebauschte "vermischte Meldungen" wird Sendezeit vergeudet, damit Informationen, die wirklich wichtig wären, nicht gezeigt werden, der Zuschauer aber dennoch der Meinung ist, informiert zu sein - nach dem Prinzip "Verstecken durch Zeigen". (S. 24ff.)


Plädoyer des Müßiggangs - ESSAY 31
Plädoyer des Müßiggangs - ESSAY 31
von Miguel de Unamuno
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,50

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Sokrates der Neuzeit, 4. Februar 2012
"Der Mensch arbeitet, um Arbeit zu vermeiden, er arbeitet, um nicht zu arbeiten. Es ist unglaublich, welche Arbeiten der Mensch auf sich nimmt, nur um nicht arbeiten zu müssen. Und schließlich und endlich: Wer weiß schon, was Arbeiten ist und was nicht?" (S. 21)

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Miguel de Unamuno (1864-1936) lädt dich dazu ein, das Gewohnte zu hinterfragen. Beim Lesen der fünf Essays begab ich mich für einen Nachmittag auf einen Streifzug durch die Geschäftigkeit Bilbaos Anfang des 20. Jahrhunderts ("Plädoyer des Müßiggangs"). Dem folgte auf dem Fuß ein Dialog zwischen "Berganza und Zapiron", einem Dialog zwischen einem Hund und einer Katze, bei dem die Vor- und Nachteile eines Lebens auf der Straße oder im Haus, eines Lebens in Freiheit oder Abhängigkeit, in bohemischer Lebenslust oder dankbarer Gefolgsamkeit. Daraufhin erfuhr ich in einem quasi Intermezzo von einem "geheimnisvollen Abgrund", in dem die Menschen spurlos verschwanden. Eine fantastische und spannend zu lesende Fabel, die jedoch abrupt abbricht mit dem Hinweis, dass es sich "nicht um ein Symbol, nein, sondern um eine sehr reale Realität" handle. (S 44) Das Bewusstsein einer Landschaft sowie auch die Idee des Recycling kommt in einem unvollendeten und unvollendbaren Brief zum Ausdruck ("Sommerphantasie"). "Vielleicht hast du recht, wenn Du meinst, man meditiere nie mehr und besser, als wenn man schlafe wie ein Sack." (S. 47) In diesem Brief gibt es einige Stellen, die mich innehalten ließen.

Im abschließenden Essay "Die Pflicht und die Pflichten" spricht er sich vehement gegen alles Kategorische aus. Somit wendet er sich auch gegen alles unüberlegte und dabei überbetont (Neu-)Kantianische, gegen all das Ideologische, Imperative und Intolerante, gegen das metaphysisch überhöhte PFLICHT- und REINHEITS-Bewusste und gegen die daraus geborenen fanatischen Verzerrungen der empirischen und materiellen Wirklichkeit, die es ermöglichen, "mit dem ruhigsten Gewissen die kleinen Glücke in Grund und Boden zu treten, das kleingeschriebene Glück, das Glück von diesem und von jenem und von diesem dritten". (S. 58) Tiefsinnig sind seine Fragestellungen an uns Lesende. In Bezug auf Glück oder Leben fragt er: Was bedeutet das eigentlich, Recht oder kein Recht auf Glück, Recht auf Leben oder Recht auf Strafe zu haben? (S. 56) Fragen wie diese sind es, die dich wieder in die Gegenwart holen und dir veranschaulichen, wie krank die BEGRIFFS-Menschen ihre Ideen verfolgen und dabei glückliche Menschen unglücklich machen, weil sie z.B. von der fixen Idee des idealen GLÜCKS in Großbuchstaben besessen sind und soweit gehen, "Leiber zu töten, um Seelen zu retten". (S. 59)

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Ich finde, dass der Preis etwas hoch ist für knapp 70 Seiten. Wer allerdings Qualität statt Quantität zu schätzen weiß und sich mit den Implikationen dieses dünnen Büchleins zu beschäftigen gewillt ist, dem sei dieses hier wärmstens empfohlen. Außerdem gibts ja auch noch die guten alten Büchereien, in denen man sich diese Essays in aller Ruhe zu Gemüte führen kann...


Das Buch der Illusionen
Das Buch der Illusionen
von Paul Auster
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Schicksal, Genie, Wahnsinn und Stummfilme, 4. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Buch der Illusionen (Taschenbuch)
Welches Schicksal? Der Universitätsprofessor David Zimmer verliert durch einen Flugzeugabsturz mit einem Schlag seine Familie und damit seinen Halt und Sinn im Leben. Um darüber hinwegzukommen, fängt er an zu trinken... bis er eines Tages bei einer Slapstickszene des Stummfilmkomikers Hector Mann laut auflachen muss und sich in den Kopf setzt, sich in die Geschichte und die Filme dieses Mannes zu vertiefen. Schließlich schreibt er ein Buch, und nachdem es erschienen ist, bekommt er Besuch von einer Dame, die ihm erzählt, dass Hector Mann tatsächlich noch am Leben sei und ihn sehen will, bevor er stirbt. NAch anfänglichem Zaudern machen sich die beiden auf, Hector Mann auf seiner Ranch zu besuchen.

Welches Genie? Hector Mann ist nicht irgendein Mann. Er hat es geschafft, im Jahr 1929 spurlos zu verschwinden. Wir erfahren im Laufe der Zeit immer mehr über die Hintergründe seiner Filme, seines Wirkens, seiner Reisen und seines angeblichen Ablebens. Senor Mann erinnerte mich dabei irgendwie an Homer Simpson, der auch unzählige Jobs übernimmt, weil sie sich ihm bieten. Hector Mann stellte sich mir als Charakter dar, der spontan ist und seiner Intuition folgt - man könnte allerdings auch sagen: einer, der tut, was er tut, weil er einfach keine Wahl hat.

Welcher Wahnsinn? Die Zerstörungswut, die Verzweiflung und der Fanatismus, dem wir als Lesende besonders gegen Ende des Buches der Illusionen (aber auch schon inmitten der Erzählungen über das Treiben des Hector Mann) begegnen, ließ mich mit den Protagonisten mitfühlen und stimmte mich nachdenklich, wie viele großartige Werke niemals an die Öffentlichkeit gelangen, weil Intrigen, Komplotte, Boykotts, Lobbying, Seilschaften, Allianzen, Feindschaften oder familiäre Bündnisse, kurz: die weitreichenden Einflüsse von Beziehungen dies verhindern.

Alles in allem kein schlechtes Buch. Ich vergebe diesmal nur durchschnittliche drei Sterne aufgrund des teilweise langatmigen und durchaus vorhersehbaren Plots. Mir persönlich hat vom gleichen Autor sein 1994 erschienener Roman "Mr. Vertigo" und auch "Timbuktu" (1999) besser gefallen...


Am Tor zur Hölle: Der Weg eines Soldaten zum Zen-Mönch
Am Tor zur Hölle: Der Weg eines Soldaten zum Zen-Mönch
von Claude A Thomas
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht mehr leugnen, sondern Zeugnis ablegen, 22. Januar 2012
Ein großartiges Buch, ein wachrüttelndes Buch. Claude Anshin Thomas spricht über seine Vergangenheit als Soldat, seine Existenz als Vietnam-Veteran und er legt als pilgernder Zen-Mönch Zeugnis ab, indem er an jene Orte reist, an denen Leiden geschieht: überall auf dieser Erde. Vieles in diesem Buch erinnert an seinen Lehrer Bernie Tetsugen Glassman (Autor von "Herz der Vollendung") sowie an den vietnamesischen Zen-Meister Thich Nhat Hanh. Von letzterem sind vor allem die Meditationstechniken inspiriert, mit denen Claude Anshin Thomas uns hier bekannt macht. Der Autor beschreibt eindrücklich und herzergreifend, wie er selbst und die Menschen der Mitwelt ihre Verantwortung (response-ability to what is present now) abstreiten und verleugnen, was passiert ist. Er betont wiederholt, dass wir uns bekannt machen müssen mit den Gefühlen, die mit den Erinnerungen (flashbacks) und Gedanken an Gewalt und Krieg in unserem Leben auftauchen und dass wir außerdem eine Möglichkeit finden müssen, sie sprachlich zu artikulieren, weil sie uns sonst beherrschen und unser Leiden perpetuieren. Wenn wir uns unserer Gefühle und unseres Schmerzes nicht bewusst werden, recyclen wir die Umstände, die zu Leiden führen. Was mich berührt hat an diesem Buch, waren die tiefen Einsichten und die Persönlichkeit des Autors selbst. Ich hatte das Gefühl, ihn durch seine Worte zu hören und gut kennen zu lernen, seine Transformation vom eingeschüchterten, zornigen und entmenschlichten Soldaten zum Begründer der Zaltho Foundation mitzuerleben. Wenn er davon spricht, dass Frieden nicht die Abwesenheit von Konflikten, sondern vielmehr die Abwesenheit von Gewalt im Konfliktfall ist und wir das eigene Leiden auf externe Ursachen projizieren, spüre ich im Herzen die Lehre Buddhas widerhallen.

Er schreibt: "Auf das, was meine Mutter und mein Vater taten, hatte ich keinen Einfluss. Was ich hingegen mit den Folgen dieser Erfahrung anfange, liegt in meiner Verantwortung. Wenn ich weiterhin meinen Eltern Schuld zuweise und sie für mein Tun verantwortlich mache, werde ich niemals heilen." (S. 179)

Ich habe mich selbst bereits einige Male auf Pilgerreise (nach innen wie nach außen) begeben und stelle mir die gleichen Fragen wie wir alle, die engagierten Buddhismus in der Welt verwirklicht sehen möchten: Angesichts des Gefühls von Ohnmacht und Furcht: Was kann ich tun? Die Antwort: Das Leiden umarmen statt leugnen ("this is not my war..."). Achtsam ein- und ausatmen. Gehen, um zu gehen. Achtsame Rede und tiefes Zuhören, damit aus Leiden Mitgefühl erwächst. Mitgefühl auch mit uns selbst, weil alles wechselseitig miteinander verbunden ist.

Am Ende des Buches finden sich hilfreiche Meditationsübungen sowie fünf wesentliche Fragen, die in einer Gesprächsrunde behandelt werden können.


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