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Rezensionen verfasst von
KalyanaMitrah (Wien)

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Den Sprung wagen: Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien
Den Sprung wagen: Wie wir uns von destruktiven Gewohnheiten und Ängsten befreien
von Pema Chödrön
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich ist Kokon ist Angst - Sei frei, komm zu dir, sei dabei!, 12. Juli 2012
Die Intention der Autorin steht fest: Dem Wohle aller Lebewesen ein Buch zu widmen, das ihnen helfen möge, ihr Leid zu überwinden, indem sie es wagen, den gegenwärtigen Moment voll und ganz zu erleben. Die Nonne/Autorin bezieht sich in ihrem Buch oft auf ihre Lehrer Chögyam Trungpa und Dzigar Kongtrül Rinpoche. Sie lädt uns ein Pausen einzulegen, innezuhalten und zu akzeptieren was kommt. Das ist natürlich leichter geschrieben als getan. Sie gibt auch zu, dass es für sie selbst manchmal schwierig war und ist, das eigene Verstricktsein zu erkennen und den "existenziellen Juckreiz der Ruhelosigkeit und Unsicherheit" auszuhalten. Wir kratzen uns selbst durch Vergnügungssucht, Apathie und Ausleben von Aggressionen und suchen so Linderung mit falschen Mitteln, wodurch noch mehr Leid entsteht. Immer wieder rasten wir ein (und rasten aus) und verstärken dadurch leidbringende Tendenzen, verstärken "Shenpa": durch die Geschichte im Oberstübchen, die starke Sogwirkung und die Reaktionen auf die oft unangenehmen Folgen unserer eigenen Reaktivität (Selbstzerfleischung). Die Wurzeln unserer Unzufriedenheit ortet sie in der Ichzentriertheit und der Furcht vor wahrhaftiger Präsenz. Wir halten es für normal, mit unserer unmittelbaren Erfahrung nicht in Berührung zu sein.

Das Buch ist leicht zu lesen. Es mag dir auf dem Weg behilflich sein, wenn du nicht gerade in einer tiefen depressiven Verstimmung feststeckst. Ansätze, mit dem Leiden umzugehen, finden sich jedenfalls auch abseits der Atemmeditation, z.B. die "Tonglen"-Praxis, jene Praxis des Gebens(Tong) und Nehmens(Len), die Garchen Rinpoche während seines 20jährigen Gefängnisaufenthalts dazu verhalf, seinen guten Humor, sein Herz voller Mitgefühl und seine Kindlichkeit aufrechtzuerhalten. Wer von einem Buch erwartet, dass es ihn/sie vom Leid befreit, indem es ihn/sie an die Hand nimmt und den Weg zeigt, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Beginne mit der Praxis, bevor es zu spät ist. Lass los. Sei frei. Komm zu dir. Sei dabei.


Phänomenologie der Erfahrung (edition suhrkamp)
Phänomenologie der Erfahrung (edition suhrkamp)
von Ronald D. Laing
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umkehr, Rückkehr, Heimkehr in den inneren Raum, in die innere Zeit, 29. Juni 2012
Anfangs scheint die Lektüre kaum fassbar zu sein, doch im Nachhinein zeigen sich die ersten beiden Kapitel als notwendige Einleitung in die Welt der Innenschau, Reflexion und Analyse der Entfremdung, kurz: in den ganz normalen Wahnsinn, den wir für uns selbst und andere schaffen. Nichts für Zartbesaitete - oder vielmehr nur etwas für Zartbesaitete?! Wer sich mit Psychotherapie, Psychologie, Mystik, Transzendenz, Interpersonalität, sog. Ver-rücktheit und Phantasie auseinandersetzen möchte... ihr/ihm sei dieses Buch empfohlen. Und wem dieses Buch schließlich gefällt, dem seien auch William James' "Die Vielfalt religiöser Erfahrung", Andrew Weils "Drogen und höheres Bewusstsein" sowie Texte von Alan Watts (z.B. "Die Illusion des Ich") ans Herz gelegt.

Wir Menschen schieben kollektive Filme. Wir erklären gemeinsame Halluzinationen für die Wirklichkeit. Wir halten uns ständig ran, sozial bedingte Illusionen aufrechtzuerhalten. Wir leiden weil wir meinen, die Gedanken anderer zu kennen und durch unser Verhalten verändern zu können. Doch jeder ist für den Nächsten ein Anderer. Jeder lebt in einer Pseudo-Realität von Übertragung, Verdrängung, Verleugnung, Isolierung, Verzerrung etc. Und jeder ist gleichermaßen gezwungen und bestrebt, sich an eine Kultur des inneren Zwiespalts anzupassen: "... das Ergebnis solcher Anpassung ist, dass wir damit der Illusion verfallen sind, wir seien einsame 'hautverkapselte Egos'. Nachdem wir gleichzeitig unser Selbst verloren und die Illusion entwickelt haben, wir seien autonome Egos, erwartet man von uns, dass wir uns in innerem Konsensus äußeren Zwängen fügen bis zu einem fast unglaublichen Ausmaß." (S. 64f.) Die Beschreibung von Ursachen und Wirkungsweisen gesellschaftlicher Kontrolle und sein Eingehen auf die Reaktion auf familiäre Doppelbindung und Schizophrenie (= gebrochenes Herz/Seele/Gemüt/Sinn) beweist, wie tief der Autor in die Materie der Psychotherapie und Medizin - und in das Wesen der Menschlichkeit - eingedrungen ist. Die letzten Kapitel schließlich waren für mich erleuchtend, weil Dr. Laing über transzendentale Erfahrungen spricht und diesen außergewöhnlichen Geisteszuständen als einem natürlichen Weg zur Heilung aus dem Zustand der Entfremdung nachfühlt; einer Entfremdung, die wir für "normal" halten, weil wir glauben, alle anderen tun es ebenso und wir würden für verrückt erklärt und isoliert, wenn wir die allgemein akzeptierte Pseudo-Realität nicht mehr teilen.

"Wir wehren uns bereits heftig gegen das volle Ausmaß unserer egohaften Erfahrung. Um wieviel mehr reagieren wir dann wohl mit Entsetzen, Verwirrung und 'Abwehr' auf egolose Erfahrung." (s. 114f.)


Kein Werden, kein Vergehen: Buddhistische Weisheit für ein Leben ohne Angst
Kein Werden, kein Vergehen: Buddhistische Weisheit für ein Leben ohne Angst
von Thich Thich Nhat Hanh
  Gebundene Ausgabe

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eingehendes Betrachten der unaufhörlichen Manifestation, 23. Juni 2012
Aus der Perspektive der Welle werden wir in jedem Augenblick geboren. In jedem Augenblick sterben wir. Zugleich sind wir aus der Sicht des Wasser nie geboren worden und werden auch nie sterben, sondern immer fortbestehen. Denn ich bin nicht dieser Körper, ich bin nicht an diesen Körper gebunden, ich bin Leben ohne Grenzen...

Es bringt Ruhe, Frieden und Klarheit in mein Leben, wenn ich mir Thays Schriften zu Gemüte führe. Wer noch kein Buch dieses Autors gelesen hat, dem sei dieses wärmstens empfohlen. Die persönlichen Geschichten, die Thay hier erzählt, berühren mich. Die Weisheit, die mir in diesen Zeilen begegnet, inspiriert mich, die heilsamen Samen in mir selbst und anderen Lebewesen täglich zu gießen...

"Wenn wir mit dem Seinsgrund, der keine Geburt und keinen Tod kennt, in Berührung sein können, werden wir keine Angst mehr haben. Das ist die Grundlage für unser wahres Glück." (S. 98)

Das ist im Grunde die Essenz dieses Buches, die aus verschiedenen Blickwinkeln immer wiederholt wird. Wir lernen, zwischen Manifestation und Existenz zu unterscheiden. Wir erfahren von den drei Dharma-Siegeln und deren wechselseitiger Bedingtheit: alles Sein ist Inter-Sein. Buddhismus bietet keine endgültigen Wahrheiten an. Vielmehr stellt er uns Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe wir die Wirklichkeit erfahren können, wie sie ist. Nirvana, das Ende aller Ideen, Vorstellungen und Konzepte ist das Ziel der Praktizierenden und nur im Hier und Jetzt zu verwirklichen. Nirvana bedeutet somit auch das Ende jener Vorstellungen, die uns davon abhalten, glücklich zu sein, also die Vorstellungen von Geburt und Tod, Kommen und Gehen, Dasselbe und Anderes, Sein und Nichtsein. Thay (Lehrer) ermutigt uns, diese Vorstellungen ebenso wie jene, die wir vom Glücklichsein in uns tragen, auf den Prüfstand zu stellen, um zu erkennen, dass die äußere Erscheinungsform der Dinge (Wolken, Bäume, Tiere, Pflanzen, Menschen, Flamme, Kerze etc.) stetiger Veränderung unterworfen ist und sich aufgrund momentan gegebner Bedingungen auf diese oder jene Weise manifestieren kann. Auf den letzten Seiten finden wir die Praxis des Erdberührens als Weg zur Versöhnung, Überwindung der Isolation und Angst und Erfahrungen in der Sterbebegleitung. Innerhalb des Buches finden sich außerdem hilfreiche Anleitungen zu Meditationen.

"Wohin auch immer ein Praktizierender geht, er weiß, dass seine Füße das Reich Gottes berühren. Kein einziger Tag vergeht, an dem ich nicht im Reich Gottes wandele." (S. 120)


Weisheit des ungesicherten Lebens
Weisheit des ungesicherten Lebens
von Alan Watts
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrnehmen, was ist, 17. Juni 2012
Wir müssen als Menschen bereit sein, für unsere Freuden zu leiden, wenn wir völlig bewusst und lebendig sein wollen, so Alan Watts. Der Theologe, Zen-Geist und Weisheitslehrer beschreibt in diesem Buch, was nicht zu beschreiben ist. Das Unmittelbare ist zugleich auch das Unmitteilbare. Das Mysterium des Lebens ist eine Wirklichkeit, die erfahren werden muss. Wir müssen mitten hindurch und direkt hineinsehen. Wir können nichts festhalten im Fluss des Lebens, können nicht außerhalb unserer Gefühle und Triebe stehen, ohne eine illusionäre Trennung von Ich und Erfahrung hervorzurufen und ob dieser in Verwirrung zu stürzen.

"Der spirituelle Querdenker Alan Watts zieht uns den Boden scheinbarer Sicherheiten unter den Füßen weg und weist uns im Geiste Laotses den Weg in das Wunder des Augenblicks", so der Appetizer auf der Rückseite des Buches. Das trifft es ziemlich gut, finde ich. Denn der Text steckt voller Anspielungen, Aphorismen und Anekdoten. Philosophie, Daoismus und der reiche Erfahrungsschatz machen dieses Buch zu einer anspruchsvollen Lektüre. Das Ganze liest sich überraschend einfach, wenn wir uns einmal mit der Leerheit von Begriffen und Konzepten (und dem Festhalten des Geistes an ebendiesen) vertraut gemacht haben.


Nebel
Nebel
von Miguel de Unamuno
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Novelle, sondern eine Nivola, 31. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Nebel (Taschenbuch)
Das Wunder des Nutzlosen, das Kämpfen gegen die Mächte des Schicksals und eine ironisch-triste Satire über die Anstrengungen eines Don Quijote (oder Sisyphos) übernimmt in diesem außergewöhnlichen Buch die Figur namens Augusto Perez. Es ist ein außergewöhnliches Buch, das der Meister Unamuno in Anlehnung an seine eigenen Bemühungen schreibt, die Spanier aus ihren üblen Gewohnheiten und grausamen Unmenschlichkeiten zu erwecken. Und es besteht fast nur aus Dialogen. Augusto erkennt sich als Idee im Kopfe des Autors wieder und (ver)zweifelt an seiner Existenz und versucht, dem Allmachtsanspruch seines (Wort)Schöpfers zu entkommen. Schließlich wird klar, dass auch wir nicht ewig leben und dass jene, die nie geboren wurden, auch nicht sterben können. Die inneren Monologe des Augusto Perez, die Ratschläge seiner Freunde, der Beistand seines Hundes Orpheus, mit dem er die Dynamik seiner emotionalen Verfassung bespricht, die Eifersucht und ihre Konsequenzen, das Träumen und Wachen, die Suche nach Erfüllung im Diesseits und Jenseits, das menschliche Dasein im Allgemeinen und die spanische Seele im Besonderen... an all das erinnere ich mich, wenn ich an die Lektüre dieser tragik-komischen Nivola denke. Miguel de Unamuno hat mich bereits mit seinem "Plädoyer des Müßiggangs" beeindruckt. Seine Fähigkeit, humorvoll und leichtfüßig ein Maß an intuitiver Selbstreflexivität und bewusster Widersprüchlichkeit zu vermitteln, das seinesgleichen sucht, hat mich auch dieses Mal wieder restlos begeistert.

Viele von mir bis dahin gelesene philosophische Werke werden durch Miguel de Unamuno mühelos transzendiert und in einen neuartigen Zusammenhang gebracht (vor allem die deutschen Idealisten). Es gelingt dem Autor, die feinsten Nuancen zwischenmenschlicher Beziehungen zu erfassen. Zugleich ist das Buch eine Ode an die Selbstvergessenheit. Oder Selbsterkenntnis. Oder Identitätsfindung. Oder wir sehen darin ein Essay über die Liebe. Oder eine Persiflage auf Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit. Lesen lohnt sich!

Mein Lieblingszitat durchdringt den Nebel:
"Mit dem Kopfe denkt man, mit dem Herzen fühlt man, und mit dem Magen will man. Das ist höchst klar." (S. 219)


Biologie der Angst. Wie aus Streß Gefühle werden (Sammlung Vandenhoeck)
Biologie der Angst. Wie aus Streß Gefühle werden (Sammlung Vandenhoeck)
von Gerald Hüther
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Blick vom stillen Hügel auf die bewegte Szenerie des Lebens, 27. Mai 2012
Da es sich bei dem Autor um einen humorvollen Menschen und kompetenten Hirnforscher handelt und bei diesem Buch um ein außergewöhnlich kompaktes und übersichtliches Bändchen zum Thema Angst, vergebe ich ohne mit der Wimper zu zucken fünf Sterne. Worauf er sich da eingelassen hat und wo ihn die Entdeckungen auf diesem wissenschaftlichen Neuland hingeführt haben, überrascht den Autor selbst: "Ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, dass bei dem Versuch, die Ursachen, die Mechanismen und die Konsequenzen der neuroendokrinen Stressreaktion bis in das letzte Detail, bis hinunter auf die Ebene der molekularen Sequenzen und Interaktionen zu studieren und zu analysieren, irgendwann einmal so viel Information zusammengetragen werden würde, dass sich daraus, wie bei einem Puzzle, ein Bild zusammenfügen lässt. Ich hätte auch nicht geglaubt, dass dieses Bild am Ende so bestechend einfach aussehen würde, dass man es jedem Menschen, der verstehen möchte, auf wenigen Seiten nachzeichnen kann." (S. 113)

Eingefahrene Gewohnheiten, die aus einer biologischen Notfallreaktion eine Art Dauerstress werden lassen, schädigen auf Dauer dem Organismus und Spezies Mensch. Dass wir lieben, was uns die eigene Angst nimmt oder zu nehmen verspricht, mag nichts Neues sein. Doch wer hat sich diesen Umstand selbst schon einmal wirklich klar gemacht? Auch die Tatsache, dass wir im Grunde eben jene Dinge und Menschen hassen, die drohen oder scheinbar imstande sind, uns unsere Mittel zur Unterdrückung und Bewältigung der (meist unterschwelligen) Angst zu entreißen, wird allein durch die Erfahrung der eigenen menschlichen Erfahrung offenbar werden. Was mir besonders gut gefällt ist die Fähigkeit des Autors, nicht pauschal etwas als gut oder schlecht zu bezeichnen, sondern je nach Bedarfslage der Situation Sackgassen, Durchfahrtsstraßen und neue Wege aus gebahnten Denkwegen aufzuzeigen, gebahnte Wege im Gehirn nämlich, die bei Unbrauchbarkeit destabiliert und reorganisiert werden, um Platz zu machen für intelligente Auswege, die wiederum eine flexible Anpassung und Spezialisierung in Bezug auf bestimmte Aktivitätsmuster ermöglichen. Angst erfährt in diesem Buch eine differenzierte Betrachtung und Neubewertung, und das ist äußerst erfrischend. Ich finde, das ist ähnlich erfrischend wie die Tatsache, dass wir Lesenden neben den detailreichen Beschreibungen der Abläufe im zerebralen Netzwerk (keine Sorge, ein Glossar findet sich am Ende des Buches) die Metapher von Autobahnen, Nebenstraßen und kleinen Wegen zur besseren Anschaulichkeit angeboten bekommen. In diesem Zusammenhang stellt das eine wirklich brauchbare, weil auflockernde Bereicherung für den Textfluss und die Inanspruchnahme verschiedener Fähigkeiten bzw. Bereiche menschlicher Hirnstrukturen dar - analytisches, reflektierendes, betroffenes, alltagssprachliches Denken etc..

Also, wie gehe ich mit meiner Angst um? Habe ich Angst vor der Angst? Welche coping strategies wende ich an, um der Angst zu begegnen? Der Neurobiologe Gerald Hüther erwähnt Wissen, Können, Fertigkeiten; Freunde, Gespräche, Familie und auch Glaube, Gott und Liebe. Es scheint schließlich die Liebe zu sein, die sich durch tiefes Erkennen und Verstehen entfaltet und die alles umfasst. Aus dieser Perspektive gesehen bedeutet Liebe Freisein von Angst.


Drogen und höheres Bewusstsein
Drogen und höheres Bewusstsein
von Andrew Weil
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drogenbefürworter oder Drogengegner - falsche Frage!, 27. Mai 2012
"Je mehr wir beginnen, über Bewusstsein zu reden anstatt über Drogen, desto besser werden wir erkennen können, wie sehr wir übereinstimmen." (S. 110)

Mir gefiel das Buch wirklich gut, weil der Autor darin deutlich macht, wie wichtig es ist, einen differenzierten Blick auf die emotionsgeladenen und vorurteilsbeladenen Diskussionen zu gewinnen, die das Thema Drogen und deren Wirkungen auf Individuum und Gesellschaft zum Inhalt haben. Allein die zwei Kapitel über straightes und stoned Denken, d.h. über zwei grundverschiedene Arten, den Geist zu gebrauchen, machen das Buch m.E. zu einer wahren Perle und einem echten Lesegenuss.

Als Zeitgenosse von Tim Leary und Richard Alpert (Ram Dass) und wissenschaftlicher Pioniergeist weiß er genau, wovon er spricht, wenn er sagt: "Laborinformationen sind interessant und haben ihren Platz, aber letztlich ist die einzig wertvolle Informationsquelle die direkte Erfahrung." (S. 81) In diesem etwa 200 Seiten umfassenden Buch erläutert Andrew Weil, welche praktischen, gängigen, brauchbaren und unbrauchbaren Argumente es gegen den Gebrauch von Drogen überhaupt gibt. Und er zeigt auf, was dahintersteckt. Das Buch wurde 1972 zum ersten Mal veröffentlicht und hat dennoch an Aktualität keineswegs eingebüßt. Im Gegenteil. Die Angst vor und der Krieg gegen Drogen hat eher noch zugenommen, der Ruf nach Sicherheit ist lauter geworden und die vergeblichen Versuche, mit der Brechstange das Denken und Fühlen der Menschen zu manipulieren, treiben ungeahnte Blüten. Sie verschlimmern die Situation nur und erschaffen eine tiefe Kluft zwischen Usern und Nichtusern. Angst und Unwissenheit verschärfen die Fronten und schaffen das Drogenproblem erst. Ein Wasserfall der Reaktivität, der durchaus vermeidbare negative Paranoia, Zwietracht, Unmut und Gewalt bei allen Beteiligten auslöst.

Der Autor bezeichnet verschiedene Aspekte von Wirkungen und lässt seine eigenen Erfahrungen sprechen. Er beschreibt persönliche Erfahrungen im Rahmen von Experimenten mit geeignetem Set (Erwartungshaltung in Bezug auf das Erlebnis) und Setting (Umgebung als beeinflussender Faktor). Außerdem erzählt er von Laborstudien über Marihuana in Boston. Und er klärt über die wesentlichen Unterschiede dieser Zugänge auf. Allein deshalb ist das Buch schon lesenswert. Die Rolle von Ritualen, Zweckbestimmung, Motivation (z.B. Flucht, Langeweile oder Kummer) wird ebenso beleuchtet wie der Umstand, dass Drogenforschung und Drogenmissbrauch sich grundsätzlich nur dadurch unterscheiden, dass der Mensch im ersten Falle der Gesellschaft gegenüber positiv, im zweiten Falle negativ eingestellt ist.

Der Weg der Meditation scheint die natürlichste Droge zu sein, insofern bewusstseinserweiternde Fähigkeiten des Geistes betroffen sind. Meditation scheint dem Autor jeglichen synthetisch isolierten Drogen weit überlegen zu sein, weil nur so die Illusion aufgegeben wird, dass freudvolle Erfahrungen durch Joints, LSD und Heroin zum User kommen. Nur durch Selbstreflexion und Geistestraining können wir einsehen, dass ein gesundes und glückliches Leben nicht durch die zufuhr äußerlicher Mittel zu bewerkstelligen ist, deren Wirkung wir in der Substanz selbst vermuten und die wir dafür verantwortlich machen, dass wir uns für einige Zeit gut - oder zumindest nicht so schlecht - fühlen. Vielmehr, so Andrew Weil, ist es die Reaktion des Geistes auf die physiologischen Wirkungen der Substanz. Diesbezüglich unterbreitet er auch einige nützliche Vorschläge, wie in der Praxis mit Drogenabhängigen auf physiologischer und mentaler Ebene umgegangen werden könnte, um die individual-psychologische und gesamtgesellschaftliche Situation zu verbessern. Die Schwierigkeiten, die sich bei Individuum wie Gesellschaft ergeben, haben schließlich auch mit der Reinheit bzw. Konzentration bzw. Einseitigkeit der synthetisch hergestellten Derivate und medizinischen Präparate zu tun. Warum sonst gäbe es bei bestimmten Gemeinschaften im Amazonasgebiet ganz und gar kein Drogenproblem?! Aus diesem Grund behauptet Andrew Weil: "Ich betrachte die Vorliebe der Indianer für natürliche Drogen als Grund dafür, dass sie kein Drogenproblem haben." (S. 100)


In die Wildnis: Allein nach Alaska
In die Wildnis: Allein nach Alaska
von Jon Krakauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist mein Leben und ich tue damit was ich will!, 22. April 2012
Ich sah den Film und wollte mehr über diesen außergewöhnlich mutigen Menschen in Erfahrung bringen. Einige Zeit stand das Buch auf meiner Wunschliste. Nun lieh es mir ein guter Freund. Ich las die berührende Rekonstruktion eines tragischen Abenteuers in zwei Zügen durch.

Im Jahre 1990 trampte Chris J. McCandless nach Alaska. Hatte Bücher von Jack London, Leo Tolstoi und Henry David Thoreau im Gepäck. Der junge Mann war mit einem ganzen Sack voller Ideale, Talente und Fähigkeiten gesegnet. Er spielte mehrere Instrumente und konnte bemerkenswert gut singen. Er war gut im Langstreckenlauf und entwickelte innerhalb relativ kurzer Zeit ein Computerprogramm für die Firma seines Vaters. Auf der High School und im Studium war er ein Ass. Wenn er Geld verdiente, lag ihm einfach daran zu zeigen, dass er auch das gut kann. Sein ausgeprägtes soziales Gewissen ließ ihn Bedürftige mit Essen versorgen und sein Elternhaus kritisch betrachten. Dieses Elternhaus mit all der scheinbaren Sicherheit und zum Himmel schreienden Gedankenlosigkeit hatte Christopher Anfang Zwanzig gründlich satt. Er lehnte Institutionen, Regeln, Vorschriften, Normen, Autoritäten strikt ab. Und er ging mit sich selbst und anderen hart ins Gericht, wenn es um den persönlichen moralischen Kodex ging.

Jon Krakauer, Autor und Bergsteiger, versteht es, die Hintergründe, die Sehnsucht, das Vater-Sohn-Verhältnis und die tragischen Umstände packend und berührend zu schildern. Wer war Chris McCandless wirklich? Welchen Einfluss hatte er auf die Menschen, denen er begegnete? Was erzählen sie über ihn? Seine Eltern, Begleiter, Freunde und Bekannte kommen zu Wort und beschreiben ihn aus ihrer jeweiligen Sicht. Je nachdem, wie weit deren Verständnis und Einfühlungsvermögen reicht und wie sie selbst zu Leid, Gefahr, Triumph und Melancholie stehen, nennen sie ihn naiv, rücksichtslos, übermütig, eigenwillig, irrational, leidenschaftlich, heldenhaft. Jon Krakauer nimmt sich Zeit, damit diese Stimmen auch Gehör finden. Er liest Chris' Tagebuch und spricht mit Angehörigen, Weggefährten, Arbeitgebern und Studienkollegen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen: Was trieb den widersprüchlichen Charakter McCandless dazu, die Brücken zum Elternhaus und zur Zivilisation derartig auszublenden? Rettung lag tatsächlich im Bereich des Möglichen! Wie oft habe ich mir während der Lektüre gedacht: "Ach hätte er doch...!", "Das war ein solch unnötiger Tod...!" usw. usf. Dem folgte meist der Gedanke: "Wie oft haben sich seine Eltern mit solchen Fragen gequält?"

Wir erfahren auch von anderen Abenteurern wie John Muir, Everett Ruess u.v.a. Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, Grenzen ausloten und die Ideale von Freiheit und Selbstbestimmung - sei es der amerikanische Traum oder die Flucht vor der Zivilisation - verwirklichen wollen. Mehr als einmal kamen mir die Tränen. Als ich auf dem Jakobsweg unterwegs war, schrieb ich ebenfalls Tagebuch: Reise nach Westen - Reise nach innen. Es war am Beginn meiner spirituellen Suche. Deshalb kann ich auch mit McCandless' ehrgeizigen Bestrebungen etwas anfangen. Was mir an dem Buch besonders gefällt, ist eben Jon Krakauers Bemühen, die Beweggründe des hochbegabten und lebensfrohen Aussteigers auf einer tieferen, spirituellen, naturphilosophischen (statt bloß einer psychologischen und/oder analytischen) Ebene zu begreifen. Schließlich und endlich wird eine differenzierte Perspektive auf die Todesursache angeboten. Statt wie im Film kurzerhand den Tod auf ein charaktertypisches ungestümes Verhalten zurückzuführen recherchiert der Autor und lädt uns Lesende ein, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.


Hardcore Zen: Punkrock, Monsterfilme & die Wahrheit über alles
Hardcore Zen: Punkrock, Monsterfilme & die Wahrheit über alles
von Brad Warner
  Broschiert
Preis: EUR 18,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Außergewöhnlicher Durchschnitt, 20. April 2012
Da ist einer, der zieht dir den Boden unter den Füßen weg so schnell kannst gar net schaun! Das Lese-Erlebnis ist schwierig zu beschreiben, weil es, wie ein weiterer Rezensent geschrieben hat, nicht wirklich gut, nicht wirklich schlecht ist... zugleich ist es wirklich gut und wirklich schlecht. Je nachdem, wer es liest. Das trifft natürlich auf viele, wenn nicht alle Bücher zu. Doch auf dieses ganz besonders.

Ich fand die deutsche Übersetzung an einigen Stellen großkotzig und an anderen wieder gewollt cool. Mal gepimpt, mal schmalspurig. Nervig ist das nicht - schließlich kommen die eigenen ebenso wie Mr. Warners Eigenheiten, Vorlieben und Aversionen auf diese Weise ans Tageslicht.

Die ersten fünfzig Seiten waren für mich echt mit sowas wie Arbeit verbunden, irgendwie teigig und zaaach. Ich schätze mal, der Autor präsentiert die Ups'n'Downs seiner Musikerkarriere als autobiographischen Einstieg, um dann an die Fadesse von shikantaza ("einfach nur sitzen") anzuschließen. Jedoch, er warnt einen ja immerhin vor, dass Autobiographien nerven. (S. 25)

Im Großen und Ganzen liest sich das 250-Seiten-Buch aufgrund des legeren Stils locker und rasch. Es inspiriert dazu, mit der eigenen Meditationspraxis zu beginnen bzw. fortzufahren. Allerdings landet es danach im Eck oder wird weiterverschenkt, weil sich ein zweites Mal echt nicht lohnt. Wozu auch? Sei dir selbst eine Insel. Nimm nichts was irgendjemand sagt als gegeben hin. Ich finde, dass das Buch streckenweise an der Oberfläche dahintümpelt, wenn auch vielleicht nur, um die Lesenden dort abzuholen wo sie gerade sind oder vielleicht, um sie aus den tiefgründigen Assoziationsketten des Autors wieder zurück in die Realität zu holen, die wir alle gemeinsam beleben, oder vielleicht auch einfach nur so. Vielleicht bin ich mit diesem Buch auch zu streng, weil neben mir Dogens Shobogenzo liegt. Form und Inhalt des Buches stammen schließlich von einem Jünger des Punk, Junk, der sich in den letzten Kapiteln ordentlich ins Zeug legt, um gegen die auf Drogenerfahrungen basierenden Überzeugungen sowie gegen aufgeblasene selbsternannte Weisheitslehrer (er bezieht sich auf Ken Wilber) zu wettern, die ihm (wirklich) leid tun. Mit Ausnahme von einigen Zitaten vielleicht, die buddhistische Einsicht vermitteln ist das kein Buch, das ich als wertvoll einstufen möchte. Ich habe es mir ausgeborgt und gelesen. Kaufen würde ich es nicht. Ausborgen ja, geschenkt kriegen ja, weiterschenken: sicher doch!

Die Hauptaussage des Buches lautet: Hinterfrage Autorität. Setz dich auf deinen Arsch. Halt die Klappe. Schau dir dein Leben genau an. Jetzt. Hier. Los!


Center of the Cyclone: Looking into Inner Space
Center of the Cyclone: Looking into Inner Space
von M.D. John C. Lilly
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,68

4.0 von 5 Sternen Are you satori?, 9. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
This book is about exploring yet undiscovered regions in oneself. It's also about touching the Unknown, to realize the Essence. It might serve as guidance for some bum trip some day but also as an aid to explore states of consciousness beyond the version of reality we declare to be the norm. John C. Lilly takes the reader on a journey through his programming and meta-programming biocomputer by confronting himself with near-death experiences, his emotional shortcomings and scientific fervor, his personal life and his dogmas, beliefs, expectations, projections, hangups of civilisation. And he does so with a peculiar sense of humor.

He describes his travels during the 1950s (dolphin/communication research), the 1960s (LSD and isolation tank experiments) and 1970s (trance phenomena and group resonance) and in the second half of "Center of the Cyclone" we also find a detailed map of the various states of mind the author was able to experience so far - a map he has developed with the kind help of Mr. Oscar Ichazo and Esalen Institute.

Of course, there are more questions raised than answered throughout this journey. One can learn to love and be compassionate and considerate of fellow beings by becoming acutely aware of the (logical, emotional, scientific...) programs that run the show and to show respect for the unknown in one's self-metaprogrammer, transcending hidden belief structures... yes, this is what the book is about. Definitely worth the time. Four instead of five stars because of some rather tedious-to-get-through passages.


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