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KalyanaMitrah (Wien)

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Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst: Eine Um- und Fortschreibung (suhrkamp taschenbuch)
Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst: Eine Um- und Fortschreibung (suhrkamp taschenbuch)
von Alice Miller
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Schmerz der Kindheit, den wir um jeden Preis verbergen, 15. Februar 2013
"Das vordringlichste Ziel der Neufassung des Dramas ist es, den Lesern die Tatsache bewusst zu machen, dass es unmöglich ist, wirkliche therapeutische Hilfe anzunehmen oder zu geben, solange die persönliche, emotionale Konfrontation mit der eigenen Geschichte gemieden wird." (S. 220)

Alle paar Jahre besucht mich Alice Miller und erinnert mich an etwas sehr Wichtiges. Sie erinnert mich daran, dass es nicht genügt, intellektuell nachzuvollziehen, was mir in der Kindheit widerfahren ist. Sie reicht mir den Schlüssel, der mir zu einer körperlich erlebten, tiefen Erfahrung verhilft, damit ich Mitgefühl mit mir habe, weil ich einsehe, warum ich so bin wie ich bin und es schaffe, auch meine Eltern so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Sie schreibt darüber, dass Kinder den Zugang zu den eigenen Gefühlen verlieren und ihre Lebendigkeit einbüßen, weil sie von den Eltern als brave, nette, anpassungsfähige Wesen erzogen werden. Warum? Weil die Eltern selber auf diese Weise erzogen wurden. Sehr oft ist zumindest ein Elternteil selbst sehr bedürftig und verhält sich wie ein emotional verarmter Mensch, der versucht, die als Kind unerfüllt gebliebenen Wünsche und Bedürfnisse (z.B. Wut ausdrücken, Sich Gehör verschaffen, Respektiert werden) nun mithilfe der eigenen Kinder zu befriedigen. Dadurch wächst die nächste Generation emotional zurechtgestutzer Menschen heran. Oh, und welch Geschrei sich da erhebt unter den Menschen, wie empört sie sind über diese Frau, die dieses Thema direkt anzusprechen wagt! "Unerhört! Wir tun doch wirklich alles für unser Kind. Für unser Kind nur das Beste!" Das sagen in der Regel genau jene Eltern, die sich von ihren Kindern Achtung, Verständnis, Dankbarkeit erwarten und von ihnen verlangen, als Autorität ernstgenommen zu werden ("weil ich es sage!"). Oft genug entwickeln Kinder, die sich um ihre Eltern (und Geschwister) kümmern und sorgen, im Laufe ihres Lebens ein einzigartiges Gespür, was die Bedürfnisse anderer betrifft. Sie ergreifen als Heranwachsende bzw. Erwachsene dann oft therapeutische, helfende Berufe. Und sie tun dies, ohne jemals mit dem tiefen Schmerz in Berührung gekommen zu sein oder überhaupt zu ahnen, dass es diesen Schmerz gibt - denn dann müssten sie sich mit der unterdrückten Kinderseele auseinandersetzen - und sie müssten mitunter akzeptieren, dass es in Wahrheit genau der ignorierte Schmerz ist, der dadurch, dass er nicht (an)erkannt wird, so vielfältiges Leiden verursacht und zu dem grausamen Verhalten auf unserer Welt beiträgt, das sich in Diktatoren, Mördern, Drogensüchtigen sowie anderen Flüchtigen (nämlich vor der eigenen Geschichte) manifestiert. Vergessen wir nicht: Selbstverleugnung (Depression) und Selbstüberschätzung (Grandiosität) sind zwei Seiten einer Medaille und weisen darauf hin, dass wir den "tiefen Schmerz über den Selbstverlust, der aus der Verleugnung der Realität resultiert" (S. 105), nicht wahrhaben wollen.

Wer viel von dieser Autorin gelesen hat und nun etwas betrübt zurückbleibt, dem sei Eckhart Tolle empfohlen. Zur Erweiterung, zur Ergänzung, zum Ausgleich.


Zeit aus den Fugen
Zeit aus den Fugen
von Philip K. Dick
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo taucht das grüne Männchen als nächstes auf?, 6. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Zeit aus den Fugen (Gebundene Ausgabe)
Philipp K. Dick (1928-82), der Metaphysiker unter den SF-Autoren, ist immer genial zu lesen. Er schrieb an die 60 Romane und war fünfmal verheiratet. Mysteriöse Visionen brachten ihn etwa zehn Jahre vor seinem Tod zu der Frage, ob sie göttlichen oder psychotischen Ursprungs waren. Seine Romanfigur Ragle Gumm beschleicht eine ähnliche Unsicherheit. Ragle nimmt seit mehreren Jahren an einem Gewinnspiel in der Tageszeitung teil und liegt seither immerzu richtig! Er bekommt das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt. Lebt er in einer Scheinwelt? Warum gewinnt er jedes Mal wieder - ist das alles ein abgekartetes Spiel? Das Buch ist wahnsinnig spannend zu lesen, sehr schwer aus der Hand zu legen. Ein echter Pageturner.

Manche Details, die im Buch vorkommen, werden nicht restlos aufgeklärt, z.B. die Papierstreifen, die zurückbleiben, nachdem Gegenstände und Gebäude plötzlich spurlos verschwinden. Wer dieses Genre mag, dem wird bestimmt auch Lems "Der futurologische Kongress" oder Dicks "Die drei Stigmata des Palmer Eldritch" gefallen.


Leben nach dem Tod: Die Erforschung einer unerklärlichen Erfahrung
Leben nach dem Tod: Die Erforschung einer unerklärlichen Erfahrung
von Raymond A. Moody
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trost spendend, Angst lindernd, dem Tod den Stachel nehmend... eine menschliche und wertvolle Arbeit!, 6. Februar 2013
Hier zeigt ein aufrichtig interessierter Mensch, was möglich ist, wenn du dich mit dem unerklärlichen Phänomen von Nahtoderfahrungen beschäftigst und fähig bist, "diese Erfahrungen weder ab[zu]tun, weil sie keine wissenschaftliche oder logisch stichhaltigen Beweise darstellen, noch sie senstationell auf[zu]bauschen, indem man sich auf wolkige, emotionsgeladene Beteuerungen zurückzieht, dadurch werde 'bewiesen', dass es ein Leben nach dem Tode gibt." (S. 173) Diese gesunde Einstellung hat Dr. Raymond A. Moody und sie ist mir allemal sympathischer als jegliche vermeintlich wissenschaftliche Objektivität, die ihre eigenen Bedingtheiten, Zirkelschlüsse oder blinden Flecken ignoriert oder schlichtweg leugnet.

Der Autor untersucht in diesem erstmals 1975 erschienen Buch ("Life After Life") die Erlebnisse und beschreibt charakteristische Elemente, die den Erlebnissen gemeinsam sind, wie z.B. Gefühle von Frieden und Ruhe, Lichtwesen, Tunnel, Begegnung mit anderen Verstorbenen sowie die Folgen der Erfahrung. Er zieht Parallelen zu Platon, Bibel, Swedenborg und dem Tibetanischen Totenbuch. Anschließend beantwortet er häufig gestellte Fragen und stellt schließlich verschiedene alternative Erklärungen für diese Phänomene dar, die er in natürliche, übernatürliche und psychologische Erklärungen unterteilt. Moody gibt zu, dass es Parallelen gibt, dass die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, dass wir manches einfach nicht wissen können, und dass seine Bemühungen in diesem Forschungsfeld weitergehen werden, nicht zuletzt um Gemeinsamkeiten & Unterschiede zu anderen Phänomenen herauszuarbeiten. "Isolation könnte demnach sehr wohl neben Halluzinogenen und neben der Berührung mit dem Tod einer von vielen Wegen sein, auf denen man in neue Bewusstseinsbereiche vorstoßen kann." (S. 169)

Ich war anfangs skeptisch und hielt das Buch für billiges, eklektizistisches Okkulto-Esoterik-Machwerk: eine plumpe Ansammlung empirischer Befunde und persönlicher Aussagen, die dem Mainstream entsprechen (Tunnel, Licht, Verstorbene wiedersehen, über dem eigenen Körper schweben, das ganze BiBaBo). Doch im Laufe der Lektüre änderte sich meine Einstellung, weil ich die Absicht des Autors besser verstehen lernte. Das Buch liest sich flüssig und hilft dabei, den Tod als wunderbares, einzigartiges, unbeschreibliches Ereignis zu sehen. Wer sich mit diesem Thema weiter auseinandersetzen möchte, dem seien folgende Bücher empfohlen: "Glücklich leben - Friedlich sterben" (Thubten Ngawang), "Topografie des Unbewussten" (Grof), "Kosmos und Psyche" (Grof), "Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben" (Sogyal Rinpoche) und natürlich der geniale Film "Enter The Void" (Gaspar Noe).


The Book of Floating: Exploring the Private Sea (Consciousness Classics)
The Book of Floating: Exploring the Private Sea (Consciousness Classics)
von Michael Hutchison
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 1. History, 2. Theory and 3. Applicability/Methodology of Floating, 28. Januar 2013
The floating tank is often referred to as a tool to tap into the unconscious level of the mind/body phenomenon and it has led me to become aware of subtle changes of it. In this extraordinary book you are going to get information on how the floating tank was developed, what a floating tank is, what it does. You are going to read about numerous studies showing that and how the relaxation response (instead of the fight-or-flight-response) is being triggered by entering the floating tank, a device enabling you to abandon the world of gravity for a period of time.

When it comes to talk about one's experience in the tank though, explanations only go so far... one has to actually enter the tank. When one does, there can be a unique sense of mental alertness combined with the feeling of deep relaxation so that you are on "the interface between the infinite and the present space and time." (190) This state correlates with the brain indicating theta waves, i.e. long, synchronous brain waves conducive to deep relaxation and mental imagery, along with increased left/right hemisphere as well as vertical brain communication and control of the parasympathetic nervous system (the visceral brain) so that a new communication with oneself can emerge that is able to transform negative patterns of thinking and acting.

The tank is meant to be invented for everyone who is interested in exploring the private sea, the vast regions of the unconscious, decreasing muscle tension, ameliorating chronic back pain by releasing the spinal column from the constant pull of gravity... also for athletes who want to have a 'gravity break' and thus, speeding up recovery enormously while training to increase peak performance by visualisation techniques, decreasing oxygen consumption as well as rapidly reducing lactic acid concentration in the blood and muscles... for people who simply and effortlessly would like to lose weight, gain strength, support healing processes, get access to mind/body-traumata and accelerate the healing of them... for and kind of person who wants to increase his/her tolerance for stress, decrease automatic responses and get rid of habits and addictions, acquire a happier attitude towards life by increased levels of endorphins, heighten his/her sensitivity in order to understand the nature of the mind/body-complex in a new way, stabilise the immune system or improve IQ, learning, memory and concentration. It goes without saying that this is the ideal tool for meditative and contemplative practice.


The Genius and the Goddess: A Novel (P.S.)
The Genius and the Goddess: A Novel (P.S.)
von Aldous Huxley
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,20

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen What it means to be near a genius... and to love a goddess., 12. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
This book was written in 1955. I very much like this edition's gold cover. Looks precious. And it is definitely worth the time! And what's more, there is an essay from the 1920s at the end titled "Fashions in Love" which I highly recommend to everyone who is interested in exploring human nature, instinct, passion, desire and the "two coexisting and conflicting conceptions of love".

I have to admit, it was tough to keep my interest going as the on-set of "The Genius and the Goddess" is kinda slow. It all starts with two people talking about the past in front of an open fire. Come on... And yet, as I took on reading and letting myself believe the story John Rivers is about to reveal to his friend I grew more and more intrigued by how the characters develop in what they think, say and do and how the relations between them turn increasingly intricate.

In the course of events, John Rivers, who is working as an assistant to Nobel Prize winner Mr. Henry Maartens and also living at the Maartens' house, happens to experience deeply ambiguous feelings as Katy, the beautiful wife of his mentor, approaches him to make love. Her mother has died recently. Henry is sick. So she is in need of someone to regain her inner strength. Consequentially, Mrs. Maartens and John Rivers engage in an affair which enables Katy to find God's virtue again and at the same time saves Henry who is "empty of God, swept clean of common manhood and garnished like a Christmas tree, with glittering notions" and who falls into deep despair on the brink of suicide when he is without a muse to nurture, inspire and worship him. To make matters worse, Mr. Maartens daughter Ruth is in love with Rivers, using make-up, writing love poems and, as soon as she suspects betrayal, contributing to his guilty conscience in bitter contempt.

You want to know how it ends, right? Read it. As I said, it is worth your time!


Shenzhen
Shenzhen
von Guy Delisle
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Comic für einen regnerischen Vormittag... und dann weiterschenken., 12. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Shenzhen (Taschenbuch)
Ich war noch nie in China. Für die Darstellung von Delisles Tagebucheintragungen gibts auch ein paar Sternchen (= Nicht schlecht). Was für mich ein richtiges Graphic Novel auszeichnet, ist Inhalt, Stil und künstlerische Phantasie. Vom Inhalt her dreht es sich in Shenzhen um graue Menschen, Bewusstseinskontrolle und Langeweile. Innerhalb von einigen Tagen werden hier Betonpilze aus dem Boden gestampft. Wohnungstüren und -fenster sind vergittert. Die Ausreise fürs Fußvolk ist erschwert bis unmöglich. Arbeiter werden ausgebeutet. Kommunikationstabus, Scheuklappenmentalität und Sprachbarrieren überall. Katzen, Hunde, Schlangen, Fische, Strauss werden verspeist. In einem Panel lacht der verdammte Autor doch tatsächlich über Katzen, die in körpergroßen Kisten eingschlossen sind. Was gibt's da zu lachen, Mann? Alles in allem eine ziemlich triste Angelegenheit. Was für den Autor drei Monate waren, war für mich zum Glück bloß ein Vormittag.

Ich schätze mal, es gibt bemühte, begabte und begnadete Künstler. Und Guy Delisle gehört zu ersteren. Wer zum Thema etwas sucht: Ich empfehle Nina Pelkas "Rangzen" (nicht über Amazon erhältlich). Das ist mal ein in die Tiefe gehendes Graphic Novel über das tibetische Volk im Zusammenhang mit dem chinesischen Regime und mit einiges mehr an Recherche verbunden als "Shenzhen", das mich in seinem hingefetzten Stil an Ullis "Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens" erinnert.

Zu den meines Erachtens begabten und begnadeten Künstlern dieses Genres gehören Joe Sacco, Azzarello und Risso sowie Jiro Taniguchi und Grant Morrison.


Leviathan (Faber Fiction Classics)
Leviathan (Faber Fiction Classics)
von Paul Auster
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spannende Nacherzählung persönlicher Verwicklungen, 12. Januar 2013
Paul Auster ist ein Meister seines Faches. Er versteht es, einen packenden Plot mit einem flüssigen Stil zu vermitteln, der einen die Seiten nicht spüren lässt. Das Englisch, das er dabei verwendet, finde ich sowohl bei "Mr. Vertigo" (das ich nebenbei erwähnt berührender fand) als auch bei "Leviathan". Zuerst dachte ich, die Geschichte hätte mit dem biblischen Seemonster oder dem Staatsverständnis des guten alten Hobbes (1588–1679) zu tun. Und wer versteht, zwischen den Zeilen zu lesen und sich in der Philosophiegeschichte beheimatet fühlt, wird auch Zusammenhänge erkennen, die anderen verborgen bleiben könnten.

Im Buch wird der Werdegang von Benjamin Sachs aus der Sicht seines vertrauten Freundes (der ebenfalls Schriftsteller ist), geschildert, so wie sich dieser daran erinnert - mit dem wiederholten Verweis, dass seine Version der Geschichte keinen Anspruch erhebt, vollständig oder wahr zu sein. Er schreibt einfach auf, was ihm auf der Seele brennt und beschreibt aus seiner subjektiven Sicht den Gang der Ereignisse, wie er sie erlebt hat bzw. was er von anderen erfahren hat. Ich finde es faszinierend, wie es Auster schafft, die Lebensfäden der Protagonisten miteinander zu verstricken, sodass die Charaktere lebendig werden. Mehr noch, mir schien es oft, dass hier eine wahre Begebenheit nacherzählt wird. Denn oft werden (ähnlich wie in Austers "Buch der Illusionen") die Themengebiete, mit denen sich die Hauptperson (Ich-Erzähler) beschäftigt, so phantasievoll und detailreich dargestellt, dass der Eindruck entsteht, das sei zu plausibel oder hat zumindest deutliche Anleihen an der Realität, um erfunden zu sein.


Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn
Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn
von Gerald Hüther
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie wir unser Gehirn verwenden, so wird es sich organisieren..., 8. Januar 2013
... und seine Organisation bestimmt wiederum die Möglichkeiten und Wege seiner Nutzung. Der Aufbau und die Nutzung des menschlichen Gehirns beeinflussen sich somit wechselseitig. Es ist ein "Sozialorgan", das uns im besten Fall ermöglicht, Achtsamkeit zu entwickeln und Betroffenheit zuzulassen. Unser Gehirn ist formbar. Um die in deinem Gehirn angelegten Potenziale optimal zu verwirklichen, ist es unabdinglich, dass du die eigenen Werte, Überzeugungen, Einstellungen usw. immer wieder überprüfst sowie das, was dich umgibt und was in dir vorgeht. Es ist essentiell, umfassende, übergreifende Gedankengebäude zu errichten, damit wir weder eingefahrenen Mustern blind folgen noch völlig haltlos und beliebig re-agieren.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben. Ich habe es im Anschluss an "Biologie der Angst" gelesen. Die Hauptaussagen der beiden Bücher ähneln einander, sowohl im Stil auch von der Terminologie her. Wenn von Umleitungen, Straßen, Autobahnen und Umwegen geschrieben wird, sind vernetzte Strukturen neuronaler Verschaltungen gemeint.

Kapitel 1 dient zur Einleitung. Kapitel 2 vermittelt die Art und Weise, wie sich Angst in der frühkindlichen Entwicklung auswirken kann. Kapitel 3 beleuchtet die Tatsache, dass das menschliche Gehirn zeitlebens programmierbar ist. In Kapitel 4 schildert der Autor, was wir tun müssen, um Ungleichgewichte ausgleichen zu können - das war das interessanteste Kapitel für mich. Im fünften Kapitel beschreibt er schließlich (und hier wird es philosophisch - im besten Sinne des Wortes: "Liebe zur Weisheit"), wie wir uns auf der Stufenleiter der Wahrnehmung, der Erkenntnis und des Bewusstseins weiter entfalten. Auch dieses letzte Kapitel war ausgesprochen lesenswert!


Wie der Mensch wurde, was er isst: Die Evolution menschlicher Nahrung
Wie der Mensch wurde, was er isst: Die Evolution menschlicher Nahrung
von Franz M. Wuketits
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Evolutionsforschung und Kulturkritik, 16. Dezember 2012
Der Autor meinte einmal über Balluchs "Kontinuität von Bewusstsein": "Selbst dort, wo man mit Herrn Balluch nicht unbedingt übereinstimmen will, muss man seine Bemühungen und seine Sachkenntnis würdigen." Das Gleiche sage ich nun über das Buch von Franz M. Wuketits himself. Die Hauptaussage des Buches besteht darin, dass Darwins These des Überlebens des Anpassungsfähigsten auch auf die Entwicklung menschlicher Ernährungsformen anwendbar ist. Im Lauf der Evolution mussten sich verschiedene Gattungen immer wieder flexibel an veränderliche Bedingungen anpassen. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass unsere steinzeitlichen Vorfahren sich nicht aufgrund irgendwelcher moralischer Bedenken beim Wählen der Nahrung zurückgehalten haben. Ergo ist der Mensch "von Natur aus" ein Mischstratege, m.a.W. ein Allesfresser. Herr Wuketits zeigt auf, wie die Gattung der Hominiden sich im Laufe der Evolutionsgeschichte ernährt hat und plädiert dafür, dass wir abseits von Diätgurus, Ernährungswissenschaften und Gesundheitsaposteln einfach darauf hören und uns danach richten, welche Bedürfnisse der eigene Körper anmeldet. Denn der weiß schließlich ganz genau, was und wieviel uns gut tut. Wir wählen von Grund auf auch vielfältige und qualitativ hochwertige Nahrung, doch wird uns in der heutigen Kultur bloß der Schein von Vielfalt angeboten, und auch was die Qualität betrifft, tragen die Entwicklungen von Massenproduktion, Gentechnik und Werbestrategien zur Verunsicherung der Konsumenten bei. In den letzten Kapiteln schreibt Wuketits von der Veränderung in Richtung Nahrungsaufbereitung, -bewahrung und verschwendung. Fraßen sich unsere Vorgänger noch aus Angst vor zukünftigem Mangel voll, so schlagen sich Menschen heutzutage in Industrieländern im Zuge der Völlereikultur den Wanst voll.

Da ich das Buch im Allgemeinen lesenswert finde, möchte ich meine Entscheidung, einen Stern abzuziehen, erläutern: Ich erinnere mich, dass ich während des Buches einmal an Einsteins Aussage dachte: "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind." Auf mich persönlich machte das Büchlein einige Male den Eindruck, als wäre der Autor nicht der interdisziplinär denkende Mensch, als den ich ihn bisher kannte. Vielmehr scheint er in diesem Buch eine Art Scheuklappenmentalität zu üben, indem er die Evolutionsbiologie von anderen Wissensgebieten isoliert, vielleicht um seine spezielle Perspektive noch deutlicher herauszuarbeiten. Das ist verständlich und wenn es nur das wäre, dann gäbe es immer noch fünf Sterne. Die Argumente zur Verteidigung der Natürlichkeit einer (von Jägern und Sammlern stammenden) omnivoren Ernährung lassen, gelinde gesagt, Lücken offen. VegetarierInnen werden als in Sachen Evolution schlecht informiertes Völkchen vorgestellt, die die Bedingung für allumfassenden Weltfrieden in der pflanzlichen Ernährung aller Menschen sehen. (S. 29) Ich fand die Argumentation in dieser Hinsicht keinesfalls überzeugend und bisweilen mühsam konstruiert, wenn z.B. der menschliche Verdauungsapparat als Beweis für unseren natürlichen Allesfresser-Status gelten soll und die zahlreichen Fleisch-Erkrankungen (Darmkrebs, Geschwüre, Entzündungen...) sowie die Länge des menschlichen Verdauungstraktes im Vergleich zu dem von "Räubern" keinen Platz in der Argumentationslinie findet. (S. 54) Und dafür gibt es halt einen Stern Abzug.

Wie dem auch sei - Selbst dort, wo man mit Herrn Wuketits nicht unbedingt übereinstimmen will, muss man seine Bemühungen und seine Sachkenntnis würdigen.


Alle Menschen sind sterblich
Alle Menschen sind sterblich
von Simone de Beauvoir
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Traum vom ewigen Leben: Segen oder Fluch?, 29. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Alle Menschen sind sterblich (Taschenbuch)
Raymond Fosca hat sich im 13. Jahrhundert dazu entschlossen, durch einen geheimnisvollen Trank unsterblich zu sein. Durch die Jahrhunderte hinweg lebt er als Fremder unter Sterblichen. Er begegnet den Idealen, Hoffnungen und Sehnsüchten der Menschen, die unterm Rad der Zeit zerbröselt und zerschmettert werden. All die Enttäuschungen, die die Menschen jetzt erleben, hat er bereits durchgemacht und er weiß, für ihn wird Wahrnehmung kein Ende nehmen. Niemals. Alles vergeht und ist für immer fort. Er allein bleibt. Und bleibt allein. Wir erfahren als Lesende einen Ausschnitt von etwa 6 Jahrhunderten aus seinem Leben. Ein Leben, das ihm immer mehr zur Last und zur Qual wird, denn: was soll man machen auf dieser Welt, und 'wenn wir den Mond ersteigen könnten und tief in den Ozean tauchen, so würden wir doch Menschen bleiben inmitten einer Menschenwelt.' (S. 387). Sechs Jahrhunderte begleiten wir also sein seltsames Schicksal als Machthaber, Berater, Forscher, Lebemann, Revolutionär... dann entschwindet er wieder unserem Blick. Doch sind das zusammenfassende Sätze, die den literarischen Sog dieses Romans schlecht wiedergeben.

Die Sehnsucht, Spuren zu hinterlassen auf dieser Erde und andere von der Wichtigkeit der eigenen Existenz in Kenntnis zu setzen, ist für Fosca bloß der Größenwahn einer Ameise von Millionen Ameisen. Sein Gemüt wird zermürbt durch die Kriege, durch das Vergießen von Blut und Tränen, die erfüllten ebenso wie die zerstörten Hoffnungen. Mitunter wirkt sich das auch auf das Gemüt der lesenden Person aus. Sein Überblick über die Sinnlosigkeit der Bemühungen im Laufe der Zivilisationsgeschichte lässt seine Seele verkümmern und das Feuer in seinem Herzen ausgehen, das Glitzern in seinen Augen erlöschen, das er dadurch nur um so deutlicher bei anderen wahrnimmt. Fosca hungert nach Augenblicken, die ihn seine zur Ewigkeit verdammte Existenz vergessen lassen und die unvorstellbare Einsamkeit und Angst lindern können, sodass er zumindest für den Moment an den Wert des Lebens wieder zu glauben vermag, und sei es auch bloße Illusion: 'Was es auch ist! Ich will daran glauben!' (S. 68) Dabei begleitet ihn stets die Angst, als jener Un-Mensch entlarvt zu werden, für den er sich selbst hält. Denn was den Menschen letztlich mit anderen verbindet ist die Tatsache des zukünftigen Todes. 'Die einen flüchteten, die anderen beteten, die dritten tanzten lieber; und alle mussten sie sterben.' (S. 142)

Das Buch erinnerte mich Goethes Faust ('Dafür ist mir auch alle Freud entrissen/Bilde mir nicht ein, was Recht's zu wissen/Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren/Die Menschen zu bessern und zu bekehren...), Oscar Wilde, außerdem an Nietzsches 'Wiederkehr des ewig Gleichen', an französische Existenzialisten/Humanisten wie Camus und Sartre (z.B. das Erblicktwerden durch andere, das zu Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung führt) und außerdem an den bemerkenswerten Film 'The Man From Earth'.

Simone de Beauvoir ist mit diesem Buch etwas Außergewöhnliches gelungen. Sie zeigt uns einen Menschen, der bekommen hat, was er sich einst wünschte: Unsterblichkeit. Im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, worin der Stachel selbstbewusster Gegenwartslosigkeit besteht. Sie lässt erahnen, was Ewigkeit für Fosca bedeutet: Leere. Überdruss. Verzweiflung. Erstarrte Einsamkeit und tiefer Schmerz. Sie ist fähig, sich sowohl in die Bemühungen Sterblicher wie auch in die Hoffnungslosigkeit Unsterblicher einzufühlen. 'Jetzt hatte ich vollends verstanden: Carmona war zu klein, Italien war zu klein, ein Universum gab es nicht.' (S. 284) Der ganze 'feile Tand', den wir im Laufe des Lebens ansammeln, um uns zu vergewissern, dass wir waren; all die Dramen, Tragödien und Komödien, die wir spielen, um uns als Existenz zu spüren; all die Pläne, die wir schmieden, um das Paradies in die Zukunft zu projizieren und das Glück im Erreichen des jeweils nächstgelegenen Zieles erhoffend. Und jeder glaubt, anders zu sein, etwas ganz Besonderes zu sein ' und gerade in dieser Geisteshaltung sind alle Menschen gleich.

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, diese Rezension zu lesen. Sie ist doch etwas lang geraten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 17, 2013 7:48 PM CET


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