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Rezensionen verfasst von
sonnenblumensammler (Berlin)

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Sakrileg - The Da Vinci Code (Robert Langdon 2)
Sakrileg - The Da Vinci Code (Robert Langdon 2)
von Dan Brown
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Interessante Idee, schwache Ausführung., 27. Juni 2006
Sie ist nicht neu, die Idee von Lügen der christlichen Lehre, von Geheimnissen und Geheimgesellschaften, vom heiligen Gral. Hier beschreibt Dan Brown die Suche einer französischen Symbologin und eines amerikanischen Professors, die das Rätsel des versteckten Grals lösen wollen. Der Grossvater der Französin, der sein Geheimwissen mit dem Leben bezahlen musste, hat in versteckter und verschlüsselter Form Hinweise hinterlassen, die den beiden den Weg weisen sollen. Die Kombination aus geschulter Hellsichtigkeit und geschichtlichem Riesenwissen sorgt stets für die gerade noch rechtzeitige Lösung der Rätsel.

Spannend ist der Roman geschrieben: die Handlung ist relativ geradlinig ohne grössere Zeitsprünge oder Rückblenden. Die Zahl der handelnden Personen ist begrenzt, so daß der Überblick stets leicht fällt. Beim Lesen stösst man leider auf mehr als ein Klischee: die Gestaltung der Hinweise zum Versteck der Gralsheimnisse wirkt für die extreme Ernsthaftigkeit der Situation geradezu lächerlich, der Inspektor ist ein fordernder Choleriker, der englische Lord ist schrullig bis zur Schmerzgrenze, die Bösen bringen sich am Ende gegenseitig um.

Was den Roman wirklich auszeichnet: die spannende Darstellung der kirchlichen Geschichte aus ganz anderer Sicht. Die Schilderung der vielleicht wahreren Geschichte von Jesus Christus, die ein sehr menschliches Bild zeichnet, die gezielte Wandlung der öffentlichen Meinung in den ersten Jahrhunderten der Zeitrechnung, der Ursprung der Symbole, die in unserem alltäglichen Leben auftauchen, die ursprüngliche Bedeutung der Frau.

Was am meisten missfällt: Die Sprache. Da wird ein Thema von derartiger Tragweite angeschnitten, da finden die Romanhelden eine der (wenn es so stimmt) größten Lügen und Verschleierungen der Geschichte. Und dann findet man eine Sprache vor, die ähnlich freudlos und ärmlich daherkommt wie bei einem billigen Krimi von der Stange. Es muss wohl die überaus bedeutsame Thematik sein, die das Buch zum Bestseller gemacht hat, denn literarisch ist es Unterklasse. Personen finden so gut wie keine Beschreibungen, ebenso ist der Roman blind für Nuancen der Stimmungen oder Gefühle. Einzig Orte und Gebäude werden in Ihrer Beschaffenheit gerade so angerissen.

Ich habe mir das Buch geborgt und nicht gekauft und bin froh darüber.


Garbage
Garbage

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wuchtig. Schaurig-traurig. Toll., 27. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Garbage (Audio CD)
Das ist sicher eine der besten Platten, die ich je in das Laufwerk meines CD-Spielers geschoben habe. Sie ist aber vor allem etwas für Leute, die die Welt gern komplizierter, trauriger und ärmer sehen als unbedingt nötig. Die Platte polarisiert: so wollte ich zum Beispiel meiner Freundin ein doppeltes Exemplar schenken, das ich aber kurz darauf mit leichter Entrüstung zurückbekommen habe.

Der Klangteppisch ist phänomenal, aber überladen wirkt keines der Stücke. Das schönste Lied ist "Milk". Hier spürt man auch musikalisch die Leere, die von der Frontfrau wohl empfunden und besungen wird. Leidenschaft kommt von Leiden, das ist eine wichtige Aussage der Platte.

Eine absolute Kaufempfehlung.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2014 11:03 AM MEST


Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Sonderausgabe
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Sonderausgabe
von Horst Grobe
  Taschenbuch

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grosse Literatur., 11. April 2006
Das ist ein Buch, das beeindruckt. Sicher nichts für Depressive oder Krisengeschüttelte. Über weite Teile des Buches kann man keine großen Fortschritte in den Entwicklungsbestrebungen des Haupthelden feststellen. Ich war daher durch die letzten Seiten beruhigt, da der dunklen unproduktiven Ausweglosigkeit in seinem Denken doch noch zaghafte Tendenzen von Entwicklung hinzugefügt werden.
Der Held des Buches heißt Törleß, ist ungefähr 18 Jahre alt und beginnt eine Ausbildung an einem Militärinternat. Er ist das erste Mal von zu Hause weg und hat keinerlei Vorstellungen, was ihn erwartet und wie er darauf reagieren wird, erstmals von seinen Eltern getrennt zu sein. Ein bisher unbekanntes Heimweh plagt ihn, er ist auf einer verworrenen Suche nach einer zweiten Welt in sich, die "stärker, größer, schöner, leidenschaftlicher, dunkler" ist. Auf seine Mitschüler und Lehrer kann er nur unbestimmt und unkonkret reagieren, in Form von schemenhaften Gefühlsballungen. Viel dessen kann er nicht verstehen und nur provisorisch in seine Welt der Empfindungen einbauen. Das ist auch beklemmend schemenhaft formuliert.
Das "dunkle" meint damit in erster Linie seine undefinierbaren Bedürfnisse und Gelüste. Ziemlich am Anfang regt ihn der Anblick des halbnackten Hinterns einer Bäuerin sehr auf. Er findet hier etwas Rohes, Ungeschliffenes und Tierisches, das bisher so in seinem Leben nicht anzutreffen war. Dazu gehören auch Aggressionen und Faszination über den Schmerz anderer. Der Internatsschüler Basini hat gestohlen, wird von den Mitschülern aber nicht angezeigt, sondern per Selbstjustiz quält man Basini und zwingt ihn zu erniedrigenden homoerotischen Handlungen. Törleß interessiert das sehr, jedoch nicht die Straftat oder die Strafe dafür, sondern primär das, was an Extremgefühl im Täter vorgeht. Er greift nur auf der Ebene großer Egozentrik in die Handlung ein. Die dunklen Gefühle treffen auf eine innerlich empfundene Leere und Sinnlosigkeit. Die von Törleß immer wieder gedanklich repetierte zweiter Welt ist der Wunsch nach einer Entsprechung für seine unverstandene Gefühlswelt.
Die Handlung dieses Buches wurde vielfach als Vorzeichung der einige Jahre später in Deutschland herrschenden diktatorischen Machtverhältnisse bezeichnet. Letztlich ist Törleß in seinem bescheidenen Selbstfindungsweg nicht nur ungeformt und unfähig in Gesellschaft zu leben, sondern auch weitgehend verantwortungslos. Von Charakter und Prägung her steht ihm Basini sicher viel näher als Reitung und Beineberg. Er kann sich jedoch erst am Ende des Buches zu einer zaghaften Geste von Handlungsfähigkeit und Verantwortung durchringen und entspannt die Situation, ohne jedoch selbst wirklich in Erscheinung zu treten. Törleß scheint in seinem verworrenen und unkonkreten Inneren zwar empfindsam zu sein, jedoch ist er das nur zum Zwecke seines eigenen hochgradig egozentrischen Selbstfindung. Er kann es nicht nutzen, um Freunde zu finden oder Gedanken auszutauschen.
Man sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist große Literatur.


Anleitung zum Unglücklichsein
Anleitung zum Unglücklichsein
von Paul Watzlawick
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

32 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dieses Buch hat keinen Zauber, 23. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Anleitung zum Unglücklichsein (Taschenbuch)
Nach einem guten Buch soll man sich angeblich angenehm bereichert fühlen. Bei Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein" ist nach dem Lesen bei mir nicht viel übrig geblieben. Mühsam habe ich mich über die Seiten geschleppt (zum Glück nicht so umfangreich).
Alltägliche menschliche Eigenarten werden mit durchschnittlichem Tiefgang beschrieben. Nach kurzem Anreißen erfolgt der nächste Gedanke. Dieses Ping-Pong zwischen Philosophie und Psychologie bleibt erschreckend allgemein. Zum Schluß folgt auch noch eine Zusammenfassung im Sinne des kollektiven Gutmensch-Seins.
Ist das ein Fachbuch ? Dann kann es selbst einer durchschnittlichen Neugier nicht genügen. Ist es ein belletristisches Werk ? Die wortgewaltige Schreibweise versucht übermäßig zu gefallen und verbreitet keinen Zauber. Ist es Unterhaltung ? Dafür ist es schlicht zu langweilig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 3, 2010 6:52 PM CET


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