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sonnenblumensammler (Berlin)

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Briefe in die chinesische Vergangenheit: Roman
Briefe in die chinesische Vergangenheit: Roman
von Herbert Rosendorfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Science Fiction in Bayern., 26. Oktober 2007
Der hohe chinesische Beamte Kao-Tai reist mit einem Zeit-Kompaß volle 1000 Jahre in die Zukunft und landet, wegen der Fehlberechung der Erddrehung, im München heutiger Tage. Die etwas platte Grundidee wird aber mit Liebe zum Detail zu einer Reflexion unseres hektischen, rastlosen und konsumorientierten Lebens. In Zeit und Ort maximal fremd (ein Reptil aus ferner Zeit geradezu) scheitert Kao-Tai anfangs an Erfindungen wie Auto, Straßenbahn und Toilettenbenutzung. In der eingebildeten und dünkelhaften Art eines bedeutenden Mannes reflektiert er Aussehen, Stadtleben, Kultur, Politik und Musik. Dabei erteilt er nicht gerade gute Noten: Schmutz, Lärm, Eile, Unhöflichkeit und Traditionslosigkeit der Gegenwart kommen schlecht weg. In der hohen Politik der chinesischen Vergangenheit erfahren, findet Kao-Tai viele Gleichnisse, die auf die Unverbesserlichkeit der Machthaber über mehr als 1000 Jahre hindeuten: "Regieren ist lügen". Seine Einschätzungen zur Politik und Religion der Gegenwart sind in ihrer Kürze ein analytisches Meisterwerk.

Erhebliche Seelenverwandtschaft gibt es bei einigen sinnlichen Genüssen der Gegenwart: live vorgetragene klassische Musik rührt Kao-Tai zu Tränen. Während er die Ernährung verachtet (bis auf Mote-Schangdong - man errate die Champagnermarke!), hat sich an der Faszination des weiblichen Körpers über die Jahrhunderte wohl nichts geändert.

Kao-Tais Art des Berichtens ist anfangs sehr unterhaltsam: Hochnäsigkeit, Neugier und Naivität wechseln einander ab, melancholisch wegen der schrecklichen Entwicklung, die die Welt in 1000 Jahren nehmen wird. Die teilweise halbseitenlangen ultrahöflichen Anredefloskeln sind zum Lachen, die Kunst der richtigen Verbeugung hat mich sehr erquickt, die Abschweifungen zu den kleinen aber feinen Problemen des Lebens sind erfrischend (zum Beispiel das Furunkel der Hauptfrau).

Toll ist es Rosendorfer gelungen, die von Kao-Tai verwendeten Eigennamen knapp an der Grenze des Verständlichen zu halten. So werden einige Berichte zum unterhaltsamen Rätsel: Min-chen läßt sich noch zweifelsfrei als München identifizieren, aber von Shao-bo bis zum Schlauchboot ist es schon etwas weiter, kompliziertere Wortschöpfungen wie We-to-feng (Beethoven) erschließen sich zum Teil aus dem Zusammenhang und riefen bei mir oft ein Lächeln hervor.

Leider ist die Entwicklung von Kao-Tai im Verlauf seines Aufenthalts gering. Bericht um Bericht reiht sich mit hoher Rate an semantischen und wörtlichen Wiederholungen aneinander. Schneller und schneller wird über die Errungenschaften der Gegenwart berichtet, dabei im Urteil einseitig, pauschal und undifferenziert. Seine anfängliche Voreingenommenheit gibt mit den Monaten kaum nach. So flacht die Leselust allmählich ab, die Neugier sinkt, Kao-Tai bei seinem Besuch in München weiterzubegleiten. Die anfängliche Ironie, mit der er gewisse Gleichnisse zwischen damals und jetzt feststellt, die das Jahrtausend überdauert haben, weicht einer recht störrischen Rechthaberei. Im Vergleich zur vielgepriesenen Ordnung von Himmel und Erde", hier stets als höchstes Gut dargestellt, wird die Gegenwart ziemlich pauschal schlechtgemacht. Dabei vergisst der Autor, daß diese vermeintliche Harmonie mit strengster Hierarchie und drakonischen Strafen erkauft wurde und daß die Freiheit, die wir genießen (auch wenn sie dem Chaos sicher förderlich ist) eine große Errungenschaft ist. In überheblicher Weise macht sich Kao-Tai beispielsweise über das Einnehmen von Tabletten lustig und stellt die seelische Einheit und Selbstfindung als Alternative entgegen. Dabei wird außer Acht gelassen, daß damals kleine und für uns banale Erkrankungen den Tod bedeutet haben und die Lebenserwartung 35 Jahre sicher nicht überstiegen hat. Auch die Ignoranz gegenüber seiner Großfamilie zu Gunsten seiner Haustiere kann er sich nicht wirklich auf die Fahne schreiben. Die Frauen scheinen damals vor allem im Haus eingeschlossen gewesen zu sein. Von Armut, die es damals mit Sicherheit gab, hat Kao-Tai als bequemer Beamter keine Ahnung. All diese Dinge lassen Kao-Tai nicht gerade selbstkritisch erscheinen und riefen bei mir zunehmend Ärger ob der Engstirnigkeit hervor.

Fazit: Nett und erfrischend auf den ersten Seiten, wird dieser Roman im Verlauf zum monotonen, arroganten und Selbstironie vermissenden Reisebericht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 31, 2007 1:28 PM CET


Schöne Geschichte der Fotografie
Schöne Geschichte der Fotografie
von Péter Nádas
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ärgerlich., 13. Oktober 2007
Der detail- und farbenfrohen Welt der Fotografie im Wort gerecht zu werden ist eine besondere Herausforderung. Peter Nadas, so liest man bei Wikipedia.de, war ursprünglich Fotograf, bevor er Autor wurde.

"Schöne Geschichte der Fotografie" wählt die Zeit der Anfänge der Fotografie, in denen Plattenkameras geschleppt werden mußten und an die Mengen-inflationäre Kleinbild- oder Digitalfotografie noch nicht zu denken war. Er beabsichtigte damit wohl, die Langsamkeit der Bilder zu betonen und damit die Intensität des Eindruckes zu steigern.

Dies ist jedoch in jeder Hinsicht schiefgegangen: die Personen wirken glanz- und geschichtslos, völlig platt. Die Dialoge sind einschläfernd in ihrer rituellen Floskelsprache. Das Skizzieren von Bildern, zwischen denen im Text rasch gewechselt wird (teilweise satzweise), bleibt in ihrer Kürze völlig hinter dem Zurück, was nötig wäre, um in der Phantasie ein Bild zu entwickeln. Dazwischen folgen bindemittelfrei und daher höchst überraschend erotisch-frivole Szenen, die ebenfalls platt bleiben, aber beim Durchhalten der Lektüre helfen. Die Intention, dem Leser in verkürzter Form Gedanken in beinahe lyrischem Format darzubieten, resultiert in redundanten und schlafanstoßenden Weisheiten wie der folgenden (BVT-Ausgabe S. 42): "Selbst die individuellen Eigentümlichkeiten jedes einzelnen zeigen Gleichförmigkeit in ihren Äußerungen, sonst könnten wir uns unseren Bekanntschaften mit den Personen und unserer Beobachtung ihres Betragens niemals ihre Gesinnung erfahren und unser eigenes Benehmen danach einrichten".

Fazit: Zu schönen Bilder hat dieser Roman mir nicht verholfen, lediglich zu Langeweile und einer ab Seite 12 nicht mehr nachlassenden Lesemüdigkeit.


Warten auf die Barbaren: Roman
Warten auf die Barbaren: Roman
von J.M. Coetzee
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bedrückendes Gleichnis über Moral, Macht, Schuld, Verantwortung., 3. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren: Roman (Taschenbuch)
Romane, die dem Leser Allegorien verkaufen wollen, können einschläfernd moralisch sein. Da werden hochkomplexe Szenerien konstruiert, um dann mit erhobenem Zeigefinger Moral zu predigen, am besten noch in komprimierter Art und Weise am Ende des Buches. Genau das habe ich nach den ersten paar Seiten erwartet und war hocherfreut, daß es dann ganz anders kam. Sicherlich, Moral, Schuld, Verantwortung, Identität sind, wonach die Romanfigur sucht. Klaren Antworten auf die vielen Fragen werden aber nicht gefunden.

Der Stadtmagistrat einer Grenzsiedlung wird als unspektakulär und gar nicht moralisch geschildert: ein alternder und zu Grübeleien neigender Herr, alleinstehend, mit zahlreichen sexuellen Kontakten zu Prostituierten und Bediensteten. Ein archäologischer Antiquitätensammler, dem die verantwortungsvolle Stellung im Städtchen so gar nicht zu stehen scheint. Ein Verlierertyp, dessen Zaudern und Scheitern sich durch den ganzen Roman zieht. Das Nomadenvolk, Barbaren genannt, bedroht die Siedlung, tritt aber als Bedrohung nie wirklich in Erscheinung. Eher schon die Geheimpolizei des Reiches, die Krieg führt, Gefangene foltert, Häuser plündert. Der Magistrat beherbergt ein gefoltertes Nomadenmädchen und bringt sie zu ihrem Volk zurück. Wegen dieser Kontakte zum Feind wird er selbst gefoltert und fast umgebracht. Am Ende ist die Siedlung durch Plünderungen zerstört, verarmt, ungeschützt und wartet auf die Vernichtung durch die Barbaren.

Verlieren und Scheitern sind für den Stadtmagistrat im Roman bestimmend: er ist ein kauziger, alleinstehender Alter, vergreift sich an den jungen Mädchen des Städtchens, an Prostituierten. Das zurückgebliebene und gefolterte Barbarenmädchen will er von der durchgemachten Folter reinwaschen, pflegt und versorgt sie und tut doch nichts Gutes für sie. Er bringt sie zur unpassenden Jahreszeit zu ihrem Volk zurück und setzt dabei das Leben seiner Soldaten aufs Spiel. In gänzlich unproduktiver Art und Weise wirft er den Machthabern seine Vorwürfe und seinen Protest vor die Füße und muß das fast mit dem Leben bezahlen. Als hungernder Bettler muß er sein Leben mit Almosen bestreiten. Am Ende ist er nicht wirklich klüger oder gereifter, sondern voller unbeantworteter Fragen, verwirrter Empfindungen und unbefriedigter Regungen. Es könnte gut ein Entwicklungsroman sein (ist es aber nicht), bei allem, was der Hauptheld des Romans durchmacht und bei der Geschlossenheit von Anfangs- und Endhandlung.

Geschickt beeinflußt Coetzee die Wahrnehmungen des Lesers: während in diesem Roman kaum Namen fallen (Hauptfigur und das Barbarenmädchen zum Beispiel) werden die militärischen Machthaber und Folterer namentlich genannt und sind so viel präsenter als die Bewohner und das Nomadenvolk, das kaum je einmal in Erscheinung tritt.

Fazit: Ein einzigartiger Roman, der durch klare, unaufdringliche Wortwahl trotz der im Dunkeln gelassenen Ort- und Zeitdetails große Realität erzeugt. Ohne belehrende Aufdringlichkeit werden Verantwortung, Macht, Schuld und Wahrheit diskutiert.


Deutschstunde: Roman
Deutschstunde: Roman
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger und trotz der gemächlichen Schilderungen spannender Roman., 7. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde: Roman (Taschenbuch)
Ich verstehe, dass viele Leser diesen Roman langatmig und langweilig finden. Es hängt wohl davon ab, ob die Liebe zum Roman trotz der raumgreifenden und zeittrotzenden Schilderungen erhalten bleibt: bei mir blieb sie erhalten. Ich stelle mir aber den Zeitgeist der heutigen Schulklassen vor und kann gut nachfühlen, dass die Geschichte dort bei vielen nicht gut wegkommt. Bei mir sieht die Paperback-Ausgabe nach dem Lesen nicht mehr gut aus: Ergebnis von 6-wöchigem vielfachem Herumtragen, Einpacken, Herausnehmen, auch Nassregnen.

Ein Thema dieser Geschichte ist die Malerei: spontan hat mich auch die Art des Erzählens und Beschreibens ans Malen erinnert: Lenz lässt sich viel Zeit: mit ein paar Pinselstrichen skizziert er die Stimmung, durch zaghaft und langsam aufgetragene Farben füllt er die Handlung mit Leben, es kann schon ein paar Seiten dauern, bis das Bild fertig ist.

In Rückblenden reflektiert ein Jugendlicher seine Kindheit und das Verhältnis zu seiner Familie mit einer Ausdauer, Detailtreue und Einfühlsamkeit, dass ich den Roman spontan ins Herz geschlossen habe. Sehr betroffen hat mich der im Elternhause Jepsen herrschende Ton gemacht: hier fehlen Liebe und Verständnis völlig. Darüber hinaus kommt es einer gemeinen Vergewaltigung des Kindes Siggi gleich, dass er von der Eltern als Horchposten und Helfershelfer missbraucht wird. Für den Vater soll Siggi den Maler ausspionieren, mit dem er befreundet ist. Seine Mutter benutzt ihn, um die Sachen des von den Eltern gehaßten (aber von Siggi geliebten) Schwiegersohnes zu packen, als dieser aus dem Haus gewiesen wird. Zwischen den Eltern und der Zuneigung zum Maler zerrieben und verwirrt entwickelt er Ängste und kleptomanische Neigungen, die ihn schließlich in die Besserungsanstalt bringen.

Dass die Eltern in ihrer Sturheit derart aufgehen (hier mit dem Wort Pflicht verwechselt) zeugt von übergroßem Haß gegen alles und jeden. Aber so geht es allen drei Kindern: Klaas muß fürchten, von seinen Eltern an die Kriegsgerichtsbarkeit ausgeliefert zu werden, Siggi wird zwischen den Familienfronten zerrieben, Hilkes Freund wird aus dem Hause verwiesen, da der den Vorstellungen von einem Schwiegersohn nicht entspricht. Die Eltern haben alle ihre Kinder verraten. Somit ist die Freude an der Pflicht nur ein Synonym für die kalte, gefühlsstarre Welt des Hauses Jepsen. Und so gleitet Siggis Stimmung von Melancholie beim Betrachten des Eises auf dem Fluß bis zu tiefer Traurigkeit bei den Rückblenden zur Kindheit in Rugbüll.

Während ich die Kapitel des Romans las, hatte ich schon die Stimmen meiner ehemaligen Deutschlehrer und -lehrerinnen im Ohr: Widerstandskampf, NS-Zeit, Wertung des Romans im Kontext der damaligen Zeit. So ein Quatsch. Ist dieser Roman nicht gänzlich unpolitisch? Da ist ein Mensch, der malt und ein anderer, der sich hinter dümmlich starrer Pflichterfüllung versteckt und hier seine Bestimmung zu finden glaubt. Am Anfang sind es immer Menschen, die den Ton vorgeben, bevor dann andere hinterhertrotten. Denn es lohnt sich für sie: trotz seiner relativ unbedeutenden Landpolizisten-Autorität kann er sich auf, ja über das Niveau des Malers erheben.

Fazit: ein toller Roman voller Gefühl, trauriger Erinnerungen und vielfältiger Nordseestimmungen.


Berlin - Moskau: Eine Reise zu Fuß
Berlin - Moskau: Eine Reise zu Fuß
von Wolfgang Büscher
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Berlin - Moskau: eine Reise im Schneckentempo, 7. August 2007
Während der Lektüre dieses Buches habe ich versucht, ein Bild von Wolfgang Büscher zu finden. Ich habe mich gefragt, wie jemand aussieht, der solch einen Dreimonats-Marathon plant, durchzieht und verkraftet. Er beschreibt mit wachem Auge und großer Unvoreingenommenheit, ein wenig melancholisch, was gut zum Osten passt. Das Foto dann: mittleres Alter, etwas grobe Züge, lebhafte Augen. Man kann sich diesen Mann gut vorstellen als Landstreicher.

Was ist nötig, um auf einer Reise herausragende Erlebnisse zu haben ? Reise allein, belaste dich nicht mit zuviel Gepäck, respektiere die Menschen, die du triffst, nimm alle Unbequemlichkeiten in Kauf. Besonders der völlige Verzicht auf alle Behaglichkeiten hat mich beeindruckt: zwei Hemden, zwei Hosen, ein Hut, außerdem Bier, Wasser und Schokolode bringen Büscher bis nach Moskau. Ganz wunderbar unvoreingenommen sieht Büscher die Städte und Menschen. Er beschreibt statt zu urteilen. In der Welt von rastlosem Internet-Tempo und der Allmacht des Marktes und Marktwertes wirkt das Unternehmen Berlin-Moskau so beschaulich langsam und mühselig, dass dem Leser schmerzlich klar wird, was im Wahn der Alltagshetze verloren gegangen ist. Die schneckenhafte Geschwindigkeit vermittelt Andersartigkeit und Fremdheit, trägt zum melancholischen Nachgeschmack bei.

Ein zweigeteiltes Erlebnis: am Anfang eine nuancenreiche Vermengung von Städte- und Menschenporträts, Anekdoten und geschichtlichen Reflektionen, später ein Ringen um Kilometer in der Stumpfheit der russischen und weißrussischen Unendlichkeit. Obwohl Büscher die Welt zunehmend mit "russischen Augen" sieht, werden die Reisebekanntschaften mit fortdauerndem Weg immer seltener. Ist es die Reflektion der Andersartigkeit des östlichen Menschen oder die fortschreitende, nicht bewußt wahrgenommene Vereinsamung des einsam Reisenden ? Viel länger hätte die Fußreise jedenfalls nicht dauern dürfen: die Ankunft in Moskau ist zugleich das Ende des Herbstes und das Ende von Wolfgang Büschers Erzählenergie.

Fazit: Ein herausragender Reisebericht am Anfang, eine grenzwertige Selbsterfahrung am Ende, spannend und mit großer Ehrlichkeit berichtet.


HP Pavilion w2207v 55,9 cm (22 Zoll) Widescreen TFT LCD-Monitor schwarz/silber DVI-D (Kontrast 1000:1, 5ms Reaktionszeit)
HP Pavilion w2207v 55,9 cm (22 Zoll) Widescreen TFT LCD-Monitor schwarz/silber DVI-D (Kontrast 1000:1, 5ms Reaktionszeit)

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gutes Preis-Leistungsverhältnis, einige Schwächen., 23. Mai 2007
Ein guter Monitor zum fairen Preis. 22 Zoll Bildschirmmass in der empfohlenen Auflösung garantiert ein entspanntes Arbeiten. Der Monitor ist edel verarbeitet und hat einen massiven, standfesten und problemlos zu verstellenden Fuß. Das Display ist leicht nach oben zu neigen, nicht jedoch nach unten. Befindet man sich (z.B. beim DVD-Gucken in entspannter Sofa-Rückenlage), dann befindet man sich unter Umständen unterhalb des optimalen Einblickwinkels.

Durch die reflektierende Monitoroberfläche erscheinen die Farben brillant und satt. Es gibt im häuslichen Umfeld bei mir keine Probleme mit übermässigen Reflektionen heller Lichtquellen. Etwas enttäuschend sind die Abbildungseigenschaften bei stockdunkler Umgebung: ist der Monitor erst einmal warmgelaufen, ist der Hintergrund keineswegs schwarz sondern eher fleckig-dunkelgrau (DVI-Anschluss an ATI Radeon 9600). An der Ober- und Unterkante des Displays ist ein noch hellerer Rand zu sehen - beim DVD-Gucken ist es, als wenn im Kino ein Deckenlicht und die Notausgangsleuchte noch brennen würden. Es würde mich interessieren, ob andere das Problem mit dem ungleichmässigen hellen Schwarz auch haben.

Ansonsten eine mustergültige Ausstattung: alle Kabel sind beiliegend, eine Inbetriebnahme ist sofort möglich.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 28, 2009 7:02 PM MEST


Das sterbende Tier
Das sterbende Tier
von Philip Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine grossartiger und grundehrlicher Monolog über Liebe, Lust, Verantwortung und Prinzipien., 18. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
Mir scheint es, als hätte man Roth mit diesem Roman etwas mißverstanden. Viele fühlen sich abgestossen von Sexualität in diesem Alter. Dass Kepesh als fast 70-jähriger nicht an heimischen Eisenbahnanlagen bastelt und sich dem körperlichen und geistigen Verfall des Seniums hingibt - das kann man ihm vorwerfen. Dass er die Klischees des Alters nicht erfüllt - dessen macht er sich schuldig.
Wer sich von solch einem intensiven sexuellen Trieb in diesem Alter abgestoßen fühlt, wird wohl in einigen Jahren selbst eher der Eisenbahnbastler-Fraktion angehören. Wer sich von David Kepesh abgestoßen fühlt, bei dem wollte Roth händereibend sicher genau dies bezwecken. Frauen kommen schlecht weg im Monolog Kepeshs - blasse Sexualobjekte. Ist man also als Frau von diesem Roman abgestoßen, folgt man wohl einem durchaus berechtigten Gefühl.

David Kepesh ist in seiner Selbstbezogenheit kaum zu überbieten. Seine Freundinnen werden ins Gesamtbild seiner musikalischen und sexuellen Ästhetik gepresst. Wo er ihnen gegenüber ehrlich sein müsste, lügt er, damit sein Lebensentwurf bestehen bleibt. Doch zuletzt scheitert er, und das ist das Kernstück der Geschichte. Eine 24-jährige, wenn auch sehr schön und mit atemberaubendem Körper gesegnet, jedoch sonst geradezu gewöhnlich (ich verstehe Herrn Reich-Ranicki nicht), bringt seine Konstruktion zu Fall.
Kepesh selbst spürt von Anfang an, dass ihn mehr als sexuelle Obsession an sie bindet. Als sie schließlich an Brustkrebs erkrankt, empfindet er einen völligen Verlust der sexuellen Anziehungskraft. Doch ganz entgegen seiner Lebensphilosophie ist er erfüllt von Besorgnis und Hilflosigkeit. Trotz aller Distanz und alternder Intellektualität ist Kepesh vor diesen Dingen nicht gefeit.

David Kepesh ist ein Mann mit Prinzipien, das muss man ihm lassen. Sein Leben folgt einem festen Drehbuch. Bindungen kann und will er nicht eingehen, will nichts von sich preisgeben. Er bezahlt es mit Einsamkeit, die die Grundstimmung seiner Geschichte ist: nicht besonders tief, nicht besonders verzweifelt, aber wie in alter Bekannter, mit dem zusammen man lebt und den man weder liebt noch hasst. Sein bester Freund stirbt, seine junge ehemalige Geliebte ist sterbenskrank. Es sieht so aus, als würde er allein zurückbleiben. Seine Beteuerungen gegenüber Consuela, in denen er die Krankheit und die Aussichten verharmlost, sind reine Hilflosigkeit und panische Angst vor der Einsamkeit. Ist das der Preis, den er für seine Vitalität, seine Wachheit und den hohen Vergnügungswert in seinem Leben bezahlt ? Angst vor dem Tod hat er, er sieht die Jahre verrinnen und sieht Freunde sterben. Dieses elementare Gefühl Angst feuert seine elementaren Triebe an.

Roth schafft es, Kepeshs Prinzipien gekonnt zu spiegeln, indem er die Ansichten von dessen Sohn schildert. Auch der hat das Bedürfnis nach wilder Sexualität und betrügt seine Ehefrau, bleibt jedoch im Stadium von Selbstbetrug und Heuchelei stehen, da er sich weder für die radikale Lösung seines Vaters entscheiden kann noch seine Bedürfnisse unbefriedigt lassen kann. David Kepesh will nichts beschönigen oder rechtfertigen, er ist ehrlich gegenüber sich selbst und verurteilt sich nicht weniger als seinen Sohn.

Fazit: es ist eine eigentümliche Lebens- und Liebesgeschichte eines vitalen Endsechzigers, mit dem Roth die Toleranzgrenze des Lesers austestet. Dies ist ein Roman der (alt)männlichen Emanzipation, der durch Roths meisterhafte Erzählkunst schon allein zum Erlebnis wird. Es ist Liebe, von der Kepesh in so hohem Alter aus der Bahn geworfen wird.


Ansichten eines Clowns: Roman
Ansichten eines Clowns: Roman
von Heinrich Böll
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

52 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielen Dank für diesen wunderbaren Roman., 30. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Ansichten eines Clowns: Roman (Taschenbuch)
Ein Roman des unspektakulären Alltags, ein Roman der großen Gegensätze: arm und reich, schuldig und unschuldig, Wahrheit und Lüge. Hans ist am Ende: die Trennung von seiner Frau gibt ihm den Rest. Seine oberflächliche, gekünstelte und liebesunfähige Mutter hat in seinem Innern eine große Leere hinterlassen. Nun erliegt er dem Schmerz seiner unerfüllten Bedürfnisse und versinkt in Alkohol, Melancholie und Selbstmitleid.

Ein Spielverderber ist er, im goldenen Wirtschaftswunderland will er es den anderen nicht gleichtun, will sich nicht hinter Materialismus und geschickten Lügen verstecken. Sohn wohlhabender Industrieller - und er wird Clown. Umringt von maskierten Menschen will er selbst keine Maske tragen. Voller unverstandener Traurigkeit und leider auch viel Selbstmitleid steht er einem Volk von Wichtigtuern und Heuchlern entgegen. Rigide und unglaubhaft praktizierter Katholizismus verwoben im verlogenen Parteiensumpf (Zeiten also, in denen CSU und CDU sich das heuchlerische C im Namen genehmigten). Mit Schlagfertigkeit, Sarkasmus und triefendem Selbstmitleid rechnet er ab mit seiner Familie und den falschen Katholiken. Aber: Wahrheiten machen einsam, ebenso Traurigkeit und Sarkasmus, wenn man sie an der Oberfläche trägt. Kläglich kommt von klagen, Hans wirkt jetzt so.

Leise und verletzlich gleiten Bölls Worte. Er lässt die Menschen durch ihre Gedanken, Zweifel und Gespräche erstehen. Grosse Wortgewalt ist Bölls Sache nicht, ebenso wenig verwendet er viel Zeit für Beschreibungen von menschlichen Äußerlichkeiten. Der eigenen Fantasie wird viel Raum gelassen. Es ist die Kraft der klaren, feinfühligen Worte, die den Leser die große Wahrheit spüren lässt.

Meine Zeit ist es nicht, die Zeit des Romans. An mich war 1963 noch nicht zu denken. Kriegsschmerz, Kriegsschuld, katholische Diskutiervereine, politische Vergangenheitsbewältigung - eher nicht meine alltäglichen Sorgen. Trotzdem war ich von der ersten Seite an verzaubert von soviel Feingefühl für die kleinen und großen Schmerzen der Seele. Wenn ich im erstickenden Alltag mit seiner enormen Geschwindigkeit des Zeitverflugs ebendiese nicht mehr zu fühlen imstande bin - Romane wie dieser führen mich zurück.

Dieser Roman ist für alle, die die leisen Töne besonders lieben. Es gibt niemand, der über die Kleinigkeiten des Alltags so schön schreiben kann.


Solaris
Solaris
DVD ~ George Clooney
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 13,20

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein geniale Verfilmung im surrealistischen Stil., 30. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Solaris (DVD)
Unerklärliche Dinge passieren auf der Raumstation nahe Solaris: geliebte und vermisste Menschen, denen die Besatzung im Traum begegnet, erscheinen in Wirklichkeit. Äußerlich identisch, besitzen sie ähnliche Gefühle und Erinnerungen wie diese Person, können sich jedoch selbst ihres Daseins als Kopie bewusst werden. Da sie dies schmerzvoll erkennen, streben diese Doppelgänger danach, sich selbst zu vernichten.

Chris (George Clooney) hat seine sprunghafte und depressive Frau Rheya (Natascha McElhone) bei einem Tablettenselbstmord verloren. Die Vergangenheit wird bei Chris wieder gegenwärtig, als er Solaris erreicht. In einer doppelten Handlung gleicht nun das erneute Erscheinen dem ehemals Geschehenen: Rheya setzt ihrem Leben ein Ende. In surrealistischer Weise vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Schließlich verzichtet Chris auf die letzte Chance zur Rückkehr zur Erde und hofft auf das erneute Erscheinen seiner Frau.

Menschlich ist es dabei stets, nach dem Zweck zu suchen: zuerst will man Antworten haben und dann Lösungen erarbeiten. Kaum begreiflich für den Zuschauer, dass die unglaublichen Vorkommnisse bei Solaris keinen Zweck erkennen lassen. "Es gibt keine Antworten, nur Alternativen", wird es von einem Besatzungsmitglied treffend formuliert.

Natascha McElhone mit ihrem strahlend schönen, klaren Gesicht vermag die verführerische Rheya ebenso glaubwürdig darzustellen wie die rätselhaft-ahnungslose Rheya in der Raumstation bei Solaris. George Clooney beherrscht das Hin und Her von panischem Verdrängen und sehnsüchtigem Zulassen beim Wiederauftauchen seiner Frau. Obgleich das bekannte Gesicht den Zuschauer durchaus ablenken kann. Genial ganz besonders Jeremy Davies in seiner Rolle als läppisch-bösartiger Wissenschaftler Snow.

Effekte und Kulisse sind meisterhaft karg gehalten. Seidig-weich und mit phänomenaler Gegenwärtigkeit klingen die Stimmen der handelnden Personen aus dem Lautsprecher. Mit den knappen Hintergrundgeräuschen, der sachlichen Raumstationsatmosphäre und dem gleichmäßigen Dahingleiten der Filmbilder wird der Zuschauer in den Bann gezogen.

Fazit: Eine gelungene Verfilmung - ein Film mit glaubhafter Schauspielerleistung und stimmungsvoller Atmosphäre. Er zeigt den ursprünglichen Beweggrund des Science-Fiction-Kinos: nicht effektüberladene Materialschlachten, sondern Hintergrund für unglaubliche Situationen und Geschichten, die im Erdenalltag so niemals unterzubringen wären.


Middlesex. Roman
Middlesex. Roman
von Jeffrey Eugenides
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bunt. Unglaublich. Meisterhaft., 7. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Middlesex. Roman (Taschenbuch)
Dies ist die Geschichte von Schwester und Bruder im Griechenland der Zwanziger Jahre, die durch Kriegswirren und Flucht zu Mann und Frau werden. Jahre später hat der Inzest überraschende Folgen: der Hermaphroditismus eines Enkels, des Erzählers Callie Stephanides, der genetisch ein Mann ist, als Mädchen aufwächst, und im pubertären Alter seine zweite Geburt in einem anderen Geschlecht erlebt.

Ein Roman, der alles sein will: packendes Geschichtszeugnis, Liebesgeschichte, Familiensaga, wissenschaftlicher Exkurs in die Genetik, Selbstfindung eines Heranwachsenden und eine Geschichte der Stadt Detroit. Kann so etwas gut gehen ? Mit origineller und erfrischender Sprache schafft es Eugenides stets, den überaus weiten Bogen zu spannen. Man merkt dem Roman die Ordnung und Organisiertheit an, die nötig ist, um dem gerecht zu werden. Aber ist es nicht genau das, was das Leben ist: ein Potpurri aus Diesem und Jenem? Mit einem originellen Wortreichtum wie einem bunten Blumenstrauss hat Eugenides die Zügel stets fest in der Hand. Die Häufigkeit, mit der sich in diesem Roman unglaubliche Begebenheiten aneinanderreichen, stellt allerdings das Durchschnittsleben mit Sicherheit in den Schatten. Herzerfrischend kommt der Roman daher, die über 700 Seiten werden so zum kurzweiligen Vergnügen.

Zwischendurch stösst man im Text immer wieder auf wirklich sensationelle Passagen, hier vor allem zu nennen die erste Liebe zu dem Mädchen, das nur "das Objekt" genannt wird (ab Seite 451 der rororo-Paperback-Ausgabe). Frei von sexuellen Vorurteilen und Erfahrungen erlebt der Romanheld eine überaus feinfühlige Flut erster sexueller Regungen. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm sein männliches Geschlecht noch nicht bekannt, wenngleich er es an seinen Gefühlen zu diesem Mädchen schon spürt.
Auch beeindruckend: die letzten Sekunden im Leben des Vaters von Callie. Nach einem Autounfall stürzt er, im Auto sitzend, in den Fluss. Dass das Leben in den letzten Sekunden vor dem Tod wie Filmbilder vor den Augen abläuft, das hat man schon oft gehört und gelesen. Aber noch niemals habe ich es mit solch einer Gegenwärtigkeit und Bildhaftigkeit miterlebt, die direkt ins Herz trifft (ab Seite 707).

Sucht man im Internet nach mehr Informtionen über den Autor des Romans, stösst man auf frappierende Ähnlichkeiten zu Callie Stephanides: beschreibt sich der Romanheld im Erwachsenenalter, ähnelt diese Schilderung dem Bilde von Eugenides ziemlich, ebenso andere Details: der Wohnsitz in Berlin und eine Ehefrau/Freundin mit asiatischer Abstammung. Anscheinend hat der Autor sich seinen Platz im Roman geschaffen.

Fazit: Ein toller Roman, ein buntes Kaleidoskop voller unglaublicher Begebenheiten. Eine wilde Achterbahn, die es verdient, vom Leser verschlungen zu werden.


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