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Beiträge von SharonBaker
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Rezensionen verfasst von
SharonBaker "SharonBaker"

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Leichenspiele: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 3)
Leichenspiele: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 3)
von Bernhard Aichner
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Max, Baroni und das Chaos ..., 23. Juli 2016
Max und Baroni führen eine wahre Männerfreundschaft, aber diesmal wird sie sehr auf die Probe gestellt. Baroni steht vor dem finanziellen Ruin und weiß nicht mehr ein noch aus, ganz Österreich weidet sich an seinem Skandal. Hilfe und Trost sucht er bei Max, doch dieser, ist nach den letzten Geschehnissen, noch nicht wieder der Alte, aber er versucht zu helfen. Nachdem sich eine Lösung gefunden hat und die Unruhen der letzten Tage gelegt haben, steht Baroni ganz kleinlaut und verzweifelt vor Max und muss ihm was beichten. Jemand hat ihn Geld vor die Tür gelegt und am Tag darauf hat er ein Paket bekommen, was jetzt verschwinden muss. Max rät ihm, das Geld und das Paket zurück zugeben, aber Baroni hat das Geld nicht mehr. Nun steht Max seinen Freund wieder bei und tut etwas, was ihn wieder einzuholen droht, denn wird es bei einem Paket bleiben? Worin sind die beiden wieder gelandet? Was steckt dahinter? Kann das die Freundschaft verkraften? Und wird Max sein Dorfidyll wieder finden?

Also, ganz ehrlich, wenn die vielen Leichen nicht wären, könnte man hier wirklich sagen, zwei Männer, eine Freundschaft und bloß nicht erwachsen werden. Max und Baroni, zwei die sich gesucht und gefunden haben, gehen durch dick und dünn und erleben wirklich die wildesten Dinge. Hier nimmt uns Bernhard Aichner mit auf eine wilde Fahrt und Verwicklungen, die am Anfang nicht zu ahnen waren.

Max geht es nicht gut, das Schicksal hat es im letzten Band nicht gut mit ihm gemeint und er sucht Zuflucht in der Einsamkeit auf einer Insel in Thailand. Dort klebt er förmlich in seinem grünen Plastikstuhl fest und glaubt, dass seine Wunden niemals heilen würden und das keiner ihn auf seinem Friedhof zurückbringt. Bis Baroni vor ihm steht und um Hilfe bittet. Zuerst will Max nichts hören und auch nicht helfen, aber dann fällt ihm ein, das Baroni ihm immer zu Seite stand, immer alles mitgemacht hat und so hört er der Beichte seines besten Freundes zu und beschließt zu helfen. Es wird kein leichter Weg zurück in die Welt des Dorfes, alles erinnert ihn, alles berührt ihn und die Leere im Inneren ist immer noch nicht geheilt. Aber er hat eine Idee ihm beizustehen und diese setzt er direkt um, Baroni wird jetzt Würstchenverkäufer. Tja, und je mehr er sich wehrt, um so mehr treibt Max ihn dazu an. Er genießt es schon, ein bisschen, ihn leiden zu sehen.

Aber dann schlägt die Geschichte um und das Pech der beiden, immer in skurrile Abenteuer hinein zugeraten, ist wieder da. Zuerst Baroni, der das Geld verzockt und dann kommt die Leiche, die vergraben werden muss. Keiner der beiden will es wahr haben, keiner der beiden kann es glauben und trotzdem tun sie es und verschließen die Augen, bis zum nächsten Paket. Da überrollt sie die Neugier und da passiert was Dummes, und Max und Baroni wollen Abbitte leisten und den armen Toten die letzte Ehre erweisen. Was sie vorher nicht wussten, ist, dass es immer noch Schlimmer kommen kann.

Max und Baroni, diese beiden verbindet so vieles, sie sind einsam in der Gesellschaft, mögen ihre Abgeschiedenheit, sind der Tatenlosigkeit nicht abgeneigt und genießen gern, das eine oder andere Bier. Für beide ist es eine ganz wichtige Freundschaft, sie stehen sich bei, helfen einander und lieben es, sich in wilde Gespräche mit vielen Lachern zustürzen, dass da auch mal ein guter Tropfen Traubensaft rinnt, ist beiden nur recht. Ich finde diese beiden Kerle wirklich amüsant und herzallerliebst, auf was sie immer ihren Kosmos richten, und wie sie sich immer unterhalten, zum brüllen. Das nimmt oft der Geschichte die Schärfe und lässt einem beim Lesen selber hoffen, alles wird gut. Außerdem fragt man sich immer, wie schaffen es zwei erwachsene Mannsbilder, in solche Schwierigkeiten zugeraten. Dazu noch ihr oft jugendlicher Übermut, ihre überbrodelnde Leichtigkeit und ihr grenzenloses Vertrauen ineinander, eben eine wahre Männerfreundschaft.

Bernhard Aichner schafft es auch hier mich in die Geschichte zu ziehen, mich nicht vorher aufhören zu lassen zu lesen, bis die letzte Seite erreicht ist. Es ist eine wahre Gaudi den beiden Protagonisten zu folgen, wenn da nicht die Leichen gewesen wären, die dem allen nochmals eine andere Richtung geben. Der Autor beweist wieder einmal sein Talent, für ungewöhnliche Fälle und trotzdem sind sie aktuell, und zeigt überall ist das Geschäft mit dem Leben und Tod zu Hause, selbst in dem kleinsten Dorf.

Herr Aichner kann einfach fantastisch Unterhalten, sein Erzählstil lässt einen nur so dahin fliegen und seine Figuren wachsen einem so sehr ans Herz. Was mir auch immer besonders, aber auch wirklich immer gefällt, sind seine Dialoge und sein darin enthaltener Humor, das kann ich gar nicht oft genug erwähnen. Außerdem liebe ich dieses Kopfkino, was automatisch beim ersten Wort bei mir ausgelöst wird, diese Bücher, sind einfach besser als jeder Blockbuster. Zudem finde ich es auch immer klasse, das seine Geschichten immer was vermitteln, denn Glaube, Freundschaft, Liebe und Hoffnung, tut unserer Welt verdammt gut und ich bin dann mal in Teil vier versunken.


Ein Monat auf dem Land: Roman
Ein Monat auf dem Land: Roman
von J.L. Carr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

4.0 von 5 Sternen Hier kommt man selbst zur Ruhe ..., 23. Juli 2016
Die Schrecken des Ersten Weltkriegs sind verklungen und die Normalität hält wieder Einzug in die Gesellschaft. So kommt es, dass Tom Birkin nach den Kriegserlebten wieder seinen Beruf als Restaurator aufnimmt und sein erster Job bringt ihn in ein Dorf namens Oxgodby, wo er ein Wandgemälde freilegen soll. Dort angekommen weiß natürlich jeder, wer er ist und warum er gekommen ist. Für Tom ist es nicht leicht zur Ruhe zu kommen, der Krieg hat ihn traumatisiert und seine Frau hat ihn verlassen, dazu kommt, dass er an chronischen Geschichtszuckungen leidet und so öfters angestarrt wird. Aber langsam, ganz langsam lässt er sich von den Menschen und der malerischen Landschaft verzaubern und mit jedem Stück freigelegten Gemäldes kommt er zur Ruhe. Nur was versteckt sich hinter der gekalkten Wand? Was wird er freilegen? Und warum genießt er die Zeit mit der Pfarrersfrau so sehr?

Diese Geschichte erblickt schon 1980 die Welt der Lesenden, hat aber erst heute die Veröffentlichung in deutscher Sprache geschafft. Dabei ist es ein sehr ruhiges, feinfühliges und doch starkes Werk von Zeitgeschichte, ein Blick auf die Welt nach dem Krieg. Ein Monument auf das Innere eines Mannes, der Schrecken und Grausamkeit erlebt hat, und versucht sein Leben weiter zu leben und mit dem vergangen klar zu kommen.

Tom Birkin ist ein ruhiger Zeitgenosse, der es liebt als Restaurator zu arbeiten, obwohl es ein brotloser Beruf ist, aber die Leidenschaft alte Kunstwerke aufzudecken und zum Strahlen zubringen, bereitet ihn einfach unglaubliche Freude. Außerdem ist es ein ruhiger Beruf, er hat kaum Gesellschaft bei der Ausübung nötig und kann sich ganz in seinen Gedanken vergraben. So kommt er in das kleine Dorf Oxgodby und hofft, dort zur Ruhe zukommen und zu sich selbst zu finden. Er hält seine Vergangenheit für sich und zieht in den Glockenturm der Kirche. So umgibt ihn Einsamkeit, Natur, Einfachheit und Arbeit sein tun und denken. Aber lange hält es nicht an, denn das Dorf ist neugierig und Schritt für Schritt wird er immer mehr zum Teil der Gemeinschaft, und bevor er es sich versieht, ist er nicht mehr ganz so allein.

J.L. Carr hat sehr behutsam die Geschichte von seinem Protagonisten Tom Birkin geschrieben. Mit viel Fingerspitzengefühl ist er um das Kriegsthema geschlichen, weil er es nicht zum Mittelpunkt machen wollte, und ließ es mehr am Rande stehen. Für den Autor war die Sicht auf die Seele eines gebrochenen Mannes viel wichtiger. So wirkte am Anfang sein Restaurator wie jemand der neben sich selbst steht, reserviert, gequält und unnahbar. Am Anfang wollte er nur Ruhe und Abgeschiedenheit und merkte schnell, dass er für die Leute ein unbeschriebenes Blatt war und nicht alles erzählen musste, er konnte sich neu definieren, zur Leichtigkeit eines Gesprächs zurückkehren und sogar zarte Gefühle der Liebe zulassen, ohne direkt an die schlimmen Erlebnisse zudenken. So hat das ruhige Landleben, mit seinen liebenswerten Bewohnern heilende Wirkung auf Tom.

Ich habe dieses kleine Buch genossen und beim Lesen selber festgestellt, das sich meine innerliche berufsbedingte Angespanntheit gelöst hatte. So hat dieser Sommer auf dem Land, eine besondere Wirkung, es war wie eine selbst gewählte Auszeit, ein innehalten und ein durchatmen. Dieser Autor hat mit sehr viel Feingefühl eine sensible Geschichte geschrieben, die gerade in unserer hektischen Zeit einer kleinen Oase gleichkommt und auch wenn man oft zwischen den Zeilen lesen musste und manchmal dachte, Tom, lassen es nicht laufen, nimm es in die Hand, war es im nach hinein genau richtig so. Es ist kein leichtes Buch, aber man spürt die Heilung der Seele und das jeder dazu beitragen kann, wenn man es selbst zulässt.


Die vier Jahreszeiten des Sommers
Die vier Jahreszeiten des Sommers
von Grégoire Delacourt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sommerbuch mit Raffinesse..., 17. Juli 2016
Der Sommer ist da und jeder freut sich auf den Urlaub, endlich ans Meer und die Sonne genießen. So fährt jeder der vier Paare nach Le Touquet, um die Liebe zu finden, zu suchen, für ewig zu erhalten oder neu zu entdecken. Jeder hängt seinem Schicksal nach, jeder möchte die Liebe leben und alle steuern auf das große Fest zum französischen Nationalfeiertag zu. Was wird dort passieren? Wie sind die vier Paare miteinander verbunden? Und welche Facette der Liebe wird jeder erleben?

Ach die Franzosen und die Liebe, wer könnte besser über die Liebe schreiben als sie. Grégoire Delacourt beweist mit seinem Buch, das er die Vielschichtigkeit der Liebe sehr gut versteht und sie in diesem Buch wunderbar wiedergeben kann. So ist dieses kleine bezaubernde Buch mein Erstes von diesem Autor und es ist ein wahres Sommerbuch mit literarischer Raffinesse.

Sein erster Abschnitt widmet sich der ersten großen Liebe, der junge Louis ist in die hübsche Victoria verliebt. Dieses 13-jährige Mädchen erwacht in ihren Sommer zur jungen Frau und merkt, dass sie nicht nur ihrem besten Freund den Kopf verdrehen kann, sondern auch anderen. Hier erlebt Louis die böse Seite der Liebe, nämlich den Liebeskummer, allerdings, gibt er auch nie auf. Wird seine Hartnäckigkeit belohnt?

Im zweiten Abschnitt lernen wir eine Frau Mitte dreißig kennen, sie hat über all die Jahre ihrer Jugendliebe Romain nachgetrauert und dies hat ihre späteren Beziehungen sehr beeinflusst. Nun ist sie Mutter und allein und möchte, einmal noch an den Ort der unbeschwerten Liebe zurückkehren. Dort begegnet sie durch Zufall Romain wieder, aber kann es noch so sein wie früher? Hat sich nicht ihr Leben und ihre Einstellung zur Liebe geändert?

Das dritte Paar ist schon lange verheiratet, jetzt sind die Kinder aus dem Haus und nur noch sie sind übrig. Es fühlt sich komisch an, wie zusammen, aber doch allein. Monique wird von ihrem Mann nicht mehr wahrgenommen und das schmerzt, so kommt sie an einen Punkt, wo beide einen Pakt eingehen und Monique allein nach Le Touquet fährt, um ihre Chancen beim anderen Geschlecht auszuloten. Wird sie Erfolg haben? Und was ist mit den Konsequenzen und ihren Mann?

Pierre und Rose haben den Krieg zusammen überlebt und das, hat sie ein Leben lang zusammengehalten. Es war nicht Liebe am Anfang, es war mehr, es war zusammen zu überleben und nun haben sie ihren fünfzigsten Hochzeitstag erlebt. Aber das Leben hat sie auch gezeichnet und so sind sie an den Ort gefahren, der ihnen viel bedeutet um ihre letzte Entscheidung umzusetzen. Was haben sie vor?

Diese vier Geschichten bilden ein großes Ganzes, denn der Autor verwebt sie alle miteinander und jeder taucht bei jeden irgendwie auf. Er lässt uns die ganzen Farben und Facetten der Liebe durchlaufen und so erleben wir ein Kaleidoskop aus hoffen, verzweifeln, neu entdecken und die wahre einzige Liebe leben. Dazu untermalt er alles mit französischen Liedern, jeder hört einen Song, lässt diesen Text für sich Revue passieren und seinen Gedanken nachhängen. Außerdem bedient er sich der Sprache der Blumen und verwendet derer Bedeutung, wenn das Mal keine romantischen Gefühle auslöst.

Grégoire Delacourt hat mich mit in den Urlaub genommen, ich konnte durch seine Paare das Meer rauschen hören, den Sand, zwischen meinen Zehen spüren und das Salz, auf meinen Lippen schmecken. Außerdem habe ich zu Chanson gesummt und mich danach gesehnt, selber mit dem Mann meines Lebens, durch die Dünen zu spazieren und die Lebens- und Liebesgeschichten der anderen Urlauber zu beobachten. Eine ganz wunderbare Atmosphäre hat der Autor geschaffen. Außerdem beschreibt Monsieur Delacourt alles sehr sensibel und rührend, so konnte man den Schmerz verstehen, den Frust des Verschmähten, die Lust des Augenblickes und die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Dieses Buch ist eine Hommage an die Liebe, ob es nun gut endet oder nicht, jeder muss seine suchen und finden und hier hat man, das perfekte Buch für den Strandurlaub, ob vor Ort oder im Kopf.


Die Küche ist zum Tanzen da: Erzählungen
Die Küche ist zum Tanzen da: Erzählungen
von Marie-Sabine Roger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichten zur passenden Lebensmusik ..., 17. Juli 2016
Ist man zu alt für das Glück? Kann man sich das Leben nicht schön machen, egal, in welchen Lebensabschnitt man sich befindet? Hier gibt es eine ganze Fülle an Kurzgeschichten, von einer älteren Dame mit ihrem Leonard, von einem Kätzchen, was ein Leben umkrempelt, oder einer Frau, die durch eine Gartentür ganz andere Perspektiven bekommt. Hier gibt es viele kleine Alltagsgeschichten, viele verschiedene Persönlichkeiten und jeder mit seinem Päckchen am Leben und doch, scheint auch die Sonne durch ihr Leben und erzählen uns was über Glück, Freundschaft, den besonderen Augenblick und natürlich, auch über die Liebe.

Das ist nicht mein erstes Buch von Marie-Sabine Roger und wird mit Sicherheit, auch nicht mein Letztes sein, aber so ein Kurzgeschichtenbuch ist ja immer noch was anderes, als ein Roman. Dieses kleine, aber feine Büchlein überrascht mit abwechslungsreichen und vielschichtigen Erzählungen und lässt den Leser oft überrascht, gerührt und nachdenklich zurück.

So erzählt die Autorin von unterschiedlichen Figuren, unterschiedlichen Lebensrichtungen und überrascht uns doch oft am Ende. Frau Roger hat nämlich ein Talent, ihre Leser ein bisschen an der Nase herumzuführen und so ist nicht immer alles so, wie es auf denn ersten Blick erscheint. Dabei hat sie viel Fingerspitzengefühl und eine gute Beobachtungsgabe was uns Menschen und unseren Alltag anbelangt. Deshalb erkennt man sich oft in irgendwelchen Begebenheiten wieder und fühlt sich entweder ertappt, oder man hofft, dass es einen so nicht trifft. So nimmt sie unterschiedliche Schicksale auf, aber meistens geht es um Einsamkeit, der Suche nach dem richtigen Platz im Leben und den perfekten Moment fürs Glück. Dass dies nicht immer einfach ist und uns oft das Leben einen Streich spielt, spiegelt jede Erzählung wieder.

Dabei erzählt sie locker, meinst fröhlich, humorvoll, sogar ein bisschen frech und überspielt so oft, den eigentlich dramatischen Inhalt. Das lässt sich natürlich so leichter lesen, hat aber am Ende doch auch einen etwas anderen Beigeschmack und lässt einen später gern nochmals darüber grübeln oder einfach beseelt lächeln. Ich fand jeden Einblick absolut gelungen beschrieben und ihre Wahl mehr als interessant. Jede Geschichte widmet sich einen ganz anderen Lebensabschnitt. Dabei zeigt uns die Autorin, dass sie mit einer so kurzen Geschichte viel bewirken kann, sie nimmt uns mit, lässt uns die beherrschenden Emotionen mitfühlen und die Pointe mit erstaunen entgegen fiebern.

Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen, vielleicht immer nur eine Geschichte pro Tag, denn sie haben Nachklang und berühren auf so unterschiedliche Weise. Marie-Sabine Roger zeigt uns, dass das Leben kein leichter Tanz ist, aber dass es auch an uns liegt, welchen Tanz und welche Musik wir selber auflegen, denn wenn das Leben schon schwer ist, müssen wir das ja nicht unbedingt so hinnehmen. Wir können bestimmen, ob wir beschwingt bleiben wollen und das Beste daraus machen, denn Hoffnung, Glück und Liebe findet man tanzend doch leichter.


Für immer tot: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 2)
Für immer tot: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 2)
von Bernhard Aichner
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Temporeich und so spannend ..., 12. Juli 2016
In Max Leben ist Ruhe eingekehrt und er fühlt sich wie angekommen. Er ist fest mit seiner Hanni glücklich und genießt seinen Männerabend mit seinem besten Freund Baroni. Beide trinken Wein und amüsieren sich über den Horrorfilm, der über die Leinwand flimmert. Beim herumalbern und gegenseitig aufziehen bemerken sie ein unbekanntes Handy, und weil der Abend spaßig ist, probieren sie die eingespeicherten Nummern aus und plötzlich steht die Welt Kopf. Bei der letzten Wahl erreicht er Tilda, seine Stiefmutter und diese, sitzt in einer Kiste vergraben irgendwo fest und hat nur dieses Handy als Kontakt zu der Außenwelt. Max will helfen, aber wie? Die Zeit rennt und das Unausweichliche kommt immer mehr auf ihn zu, aber aufgeben gibt es nicht. Soll er es selbst in die Hand nehmen? Wird er sie finden können? Und wird er es in der Zeit schaffen?

Max Broll die Zweite und was für ein zweiter Teil, ich fand diesen sogar noch besser als den Ersten und habe es an einem Stück verschlungen. Absolut spannend, rasant und lässt einen nicht los. Ein typischer Bernhard Aichner und ich liebe einfach diese Art von Geschichten.

Max Broll hat also zu sich selbst gefunden, seine Jugendliebe und sein Leben in Wien für immer begraben und fühlt sich im Jetzt und Hier gefestigt und angekommen. Er hat alles, was er sich wünscht, eine Familie mit Tilda, seiner Stiefmutter, eine wunderbare Beziehung mit seiner Hanni und die beste Männerfreundschaft mit Baroni, den Ex-Profifußballer. Er macht seinen Job als Totengräber gern, liebt die Ruhe und genießt gern ein Bad in der Sauna zum Leidwesen des ansässigen Geistlichen. Sprich es geht ihn gut, nach der dramatischen Zeit aus dem ersten Band und jetzt nimmt ihn jemand Tilda weg. Max bricht förmlich zusammen, diese Frau hat ihn sein ganzes Leben lang beschützt, ihn gehalten und war immer für ihn da. Die beiden haben schwere Zeiten hinter sich und das hat sie umso mehr zusammengeschweißt. Tilda ist mehr für Max, als nur die Frau seines Vaters, sie hat die Rolle der Mutter und guten Freundin eingenommen. Wenn man sie Max wegnimmt, hat er keine Familie mehr. Also dreht unser Held durch und nimmt es wieder Mal selbst in die Hand.

Bernhard Aichner hat es wieder geschafft und mich an die Seiten gefesselt, man kann diese Geschichte einfach nicht loslassen und muss weiterlesen. Diesmal hat er sich Tilda als Opfer vorgeknöpft, sie ist Kommissarin und hat schon viele Fälle ermittelt und gelöst, aber jetzt holt sie die Vergangenheit ein. Aus den ersten Teil erfahren wir noch nicht so viel über Tilda, außer das sie Max gern mal rückt und doch mit einem Augenzwinkern dabei anlächelt. Sie ist eine starke Persönlichkeit und weiß, wie sie mit ihrer Umwelt umgehen muss und auch für sie, ist Max die einzige Familie, die sie hat. So schreibt Bernhard Aichner die Verzweiflung von den beiden nieder, lässt uns beim Lesen selbst in rasender Unruhe die Seiten umschlagen und den Puls schneller beschleunigen, man verspürt regelrecht den Drang mit zu suchen und zu finden und genau das, macht die Bücher so einzigartig. Man ist einfach in dem Buch mittendrin, leidet, lacht, verzweifelt und ermittelt mit.

Außerdem liebe ich ja seine Dialoge, bissig, spritzig und extrem ausdrucksstark. Er spielt hier wieder ganz klasse mit unseren Gefühlen und vermischt das Zusammenspiel von ausgelassener Heiterkeit, mit dramatischen Wendungen perfekt miteinander. Wir lachen über die zwei Männer, die es nicht lassen können, sich gegenseitig aufs Korn zunehmen und erschauern im nächsten Moment, über die Bösartigkeit der Menschen. Denn nicht nur Tilda kämpft um ihr Überleben, nein, Max muss auch lernen, wie weit er für seine Lieben gehen würde und ob er danach damit leben kann. So locker Bernhard Aichners Bücher auch immer anfangen, so brenzlig an Menschlichkeit enden sie. Großartige Unterhaltung, und ich lese dann Mal weiter mit dem dritten Band.


Jenseits des Schattentores
Jenseits des Schattentores
von Beate Teresa Hanika
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Lesespaß auf jeder Seite ..., 5. Juli 2016
Aurora sucht das Abenteuer und gerät dadurch in Schwierigkeiten, das bleibt natürlich ihrem Vater nicht verborgen und so gibt es einen handfesten Streit. Dieser sorgt dafür, das Aurora so die Nase voll hat, das sie sich eine Wohnung suchen will. Tja, und dieser Umstand stürzt sie mitten in Rom, in das größte Abenteuer überhaupt. Sie trifft nämlich auf Luna, und bevor sie überhaupt versteht, was vor sich geht, hilft Aurora bei der Beseitigung einer Leiche, aber das ist erst der Anfang. Wo ist Aurora dahinein geraten? In wessen Wohnung will sie da einziehen? Und wer ist diese Luna überhaupt? Wessen Leiche beseitigt sie? Und warum ist jetzt jeder hinter ihr her?

Ich liebe Geschichten von Göttern und Sterblichen, ich fürchte, da sind meine Eltern dran schuld. Nicht nur das ich ständig die Sagen und Heldentaten vorgelesen bekommen habe, nein, auch filmtechnisch wurde ich voll bespaßt. So musste ich diese Geschichte einfach lesen und fand darin alles vereint, was ich so mag und was für mich die alten Filme und Erzählungen ausgemacht hatten. Götter, die ihren Mitmenschen unlösbare Aufgaben geben und dann das Einmischen nicht lassen können.

So fängt der Prolog doch auch gleich verheißungsvoll an. Hades ist verärgert, und zwar mächtig verärgert, so richtig tot bringend verärgert und zwar auf seinen Sohn. Da anscheinend alle erzieherischen Maßnahmen gescheitert sind und er als alleinerziehender Vater es nicht besser weiß, bekommt sein Sohn drei Aufgaben zu erfüllen, wenn er dies nicht schafft, verliert er seine Göttlichkeit und muss sterben. Das ist doch mal ein Ausgangspunkt und so lernen wir anschließend Aurora kennen. Ein junges Mädchen, was auch so mit den Geheimnissen ihrer Familie zu kämpfen und die Schnauze voll von Verboten und Einschränkungen hat. Sie nimmt jetzt ihr Leben selbst in die Hand und sucht eine Wohnung. Dass sie dadurch die Welt der Götter schneidet und in ein deren Abenteuer gerät, war so bestimmt nicht geplant.

Ich hatte wahnsinnigen Spaß bei der Lektüre, so bin ich förmlich durch die Seiten geflogen und habe mir den Bauch vor lachen gehalten. Was für ein Abenteuer und so charmant und temporeich erzählt. Am Anfang wird noch ein bisschen mit dem Ungewissen gespielt, aber das klärt sich eigentlich recht schnell und ich war gefangen im Lesefluss. So wechseln wir oft mitten im Kapitel von Auroras Geschehen zu Persephones Beobachtungen und diese, schaut durch eine Glaskugel auf die Welt und bleibt bei Aurora hängen und folgt ihr. Mir haben diese fließenden Übergänge gar nix ausgemacht und meinem Spaß nur gesteigert. Allerdings sollte man schon wissen, das Hades mit Persephone verheiratet ist und das nicht immer glücklich. Außerdem ist die eitle Freundin Kassiopeia mit am Board und sie ist bekannt für ihren Schönheitskult. Dass es in der Unterwelt einen Todesfluss namens Styx gibt und dieser nur durch den Fährmann befahrbar ist und, und, und. Mir hat das alles keine Probleme bereitet, aber ich bin da wohl etwas vorbelastet.

Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass die beiden Autorinnen selber mächtig Spaß gehabt hatten und so richtig aus den vollen geschöpft haben. Mit ihren tollen, schrägen und witzigen Figuren haben sie mich begeistert und auch das Setting, Rom, war einfach wunderbar beschrieben, man war einfach dort und mittendrin dabei. Eine richtig gut durchdachte, liebenswerte und flotte Göttergeschichte wurde hier geschaffen und natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz. Mir hat es rund um gut gefallen, es war unterhaltend, temporeich, fantasievoll und hat den Glanz der Götter gut rüber gebracht. Dieses Abenteuer kann ich nur empfehlen und traut euch, die Irrungen und Wirrungen zu entschlüsseln.


These Broken Stars. Lilac und Tarver
These Broken Stars. Lilac und Tarver
von Amie Kaufman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ein tolle Auftakt, trotz kleiner Schwächen, hat es mir super gefallen ..., 28. Juni 2016
Die Icarus, das größte und luxuriöseste Raumschiff, befindet sich auf einer Reise durchs Weltall und genau dort mitten im nirgendwo, auf einer Party, begegnen sich Lilac, das reichste Mädchen des Universums und Tarver, ein junger gefeierter Kriegsheld. Sie weiß, wer er ist und ist erstaunt, dass er nicht weiß, wer sie ist. Lilac gönnt sich den kurzen Flirt, aber sie weiß auch, das es für ihn nicht gut sein kann. Tarver mag die gehobene Gesellschaftsschicht überhaupt nicht und fühlt sich dort nicht wohl, doch dieses eine Mädchen zieht ihn an, bis er eine Abfuhr bekommt und dann erfährt, mit wem er geliebäugelt hat. Für beide steht fest, nie wieder Blickkontakt und dann passiert das Unmögliche und die Icarus stürzt ab, und wie der Zufall es will, landen ausgerechnet Lilac und Tarver zusammen auf einen Planeten und müssen um ihr überleben kämpfen. Kann das gut gehen? Wird das verwöhnte Mädchen durchhalten können? Hat Tarver die Nerven für zwei? Und was ist mit der körperlichen Anziehungskraft? Ob sie gerettet werden können?

Ich muss zuerst gestehen, dass ich beim ersten Anblick von dem Buch gedacht hatte, oh nein, nicht schon wieder so ein gehyptes Buch. Dann machte man auch noch, zuerst den Vergleich mit der Titanic Geschichte Werbung und für mich, war das dann das Ende. Bis eine Freundin sagte, jetzt lies doch mal den Inhalt und ja, der Inhalt klang richtig gut und das hatte ich nicht erwartet, ich wurde neugierig. Manchmal muss man sich halt zum zweiten Blick hinreißen lassen und es hat sich für mich gelohnt.

Die zwei Autorinnen haben wirklich was Eigenes geschaffen und für tolle Charaktere und Atmosphäre gesorgt. Dazu kommt auch noch ein gelungener abwechselnd erzählter Sichtwechsel von Lilac und Tarver dazu und die Seiten folgen nur so dahin. Der Anfang war in Kürze verschlungen, man hielt sich nicht ewig auf und konzentrierte sich wirklich auf das Zusammenspiel der beiden auf einem fremden Planeten. Außerdem fand ich die Einleitungen in die Kapitel toll, denn Tarver wird verhört, also weiß man, das sie überleben werden, nur harmonierte nicht immer das gesagte, mit dem Geschehen überein und das war aufregend. So hielt die Geschichte wirklich einige Überraschungen parat und sorgte für tolle Lesestunden.

Aber kommen wir zu den zwei Hauptfiguren. Tarver ist wirklich ein ganz toller Kerl, wer mit ihm nicht im All abstürzen mag, ist selber schuld. So wird er durch seine Herkunft oft vorab abgestempelt und als einfachen Mann der Unterschicht gesehen. Dass in ihm viel mehr steckt und er durchaus ein Mann der Poesie ist, behält er gut für sich. Seine Ausbildung kommt ihm in der Situation, auf einem fremden Planeten gelandet zu sein, sehr zugute und auch Lilac profitiert davon. Allerdings hat er am Anfang große Mühe mit ihrer zickigen Art klarzukommen und er wundert sich über sich selbst, was er an ihr faszinierend fand, zumindest sagt das sein Kopf, sein Herz pocht immer noch wild in ihrer Nähe. Allerdings ist ihm klar, das sie für ihn kein Interesse hat und er die Finger von ihr lassen soll, also geht es ums reine überleben. Was er nach dem Absturz der Icarus mehr als nur schwarz sieht.

Lilac ist nun mal, das reichste Mädchen des Universums und das wirft auf sie einen großen Schatten. Ihr Leben ist nicht immer nur Sonnenschein, jeder Schritt von ihr wird überwacht, jede Geste oder Interesse hat Folgen und so ist sie eigentlich mehr Sklave ihres Lebens, als eine eigenständige Person. Jetzt muss sie auch noch auf einen Kerl hören, der ihr Vorschriften macht und sie durch den Dschungel schleppen möchte. In ihr rebelliert alles und immerhin ist sie ja vom höheren Stand. Sie wird zickig und merkt innerlich aber selber, das sie, das, gar nicht sein möchte. Der lange Marsch in ihren Kleidern setzt ihr gehörig zu, aber ihr stolz lässt sie durchhalten, auch wenn es ihr schwerfällt, so ist sie immer mehr auf Tarver angewiesen und hört irgendwann auch mal auf ihn. Außerdem wünschte sie sich seinen Blick auf der Party zurück, denn in diese braunen Augen würde sie gern versinken, aber nach ihrer Ansage hat sie eh keine Chance mehr bei ihm.

Das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren ist das Augenmerk der ganzen Geschichte. Wie sie zusammen streiten, kämpfen, zusammenhalten und sich Stück für Stück den anderen öffnen. Dabei schleichen sie ständig um ihre Gefühle füreinander drum herum und es ist, für uns Leser zum Haare raufen. Ich mochte diese Reise, dieses Achterbahngefühl, das ständige Auf und Ab, das haben die beiden Autorinnen verdammt gut eingefangen und uns regelrecht an die Buchseiten gebannt. Außerdem war die Entwicklung wirklich schön und gelungen beschrieben. Der einzige Wermutstropfen für mich war ihre Lösung am Ende, das war für mich ein Schwachpunkt und noch nicht ganz ausgereift, oder eben Geschmacksache. Aber sie haben bei mir für innerlichen Wirbel gesorgt und ich bin angefixt und möchte sofort mehr.


Der japanische Liebhaber: Roman
Der japanische Liebhaber: Roman
von Isabel Allende
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

4.0 von 5 Sternen Berührende Lebensgeschichte ..., 26. Juni 2016
Irina ist zuversichtlich, dass sie ihr neuer Job mal längerfristig an einem Ort fesselt, denn das Lark House scheint genau das richtige für sie zu sein, allerdings plagen sie immer noch Geldsorgen. Bis eines Tages Alma Belasco im Seniorenheim auftaucht und Irina als Assistentin engagiert. Irina ist überglücklich, aber auch neugierig, wer ist diese eigensinnige Frau? Alma ist eine Einzelgängerin, unnahbar, extravagant und schon über achtzig. Bekommt jede Woche einen Brief und Blumen, verschwindet über mehrere Tage und scheint ein Geheimnis nach dem anderen zu haben. Irina ist fasziniert und Almas Enkel Seth, von Irina, zusammen versuchen sie aus allem schlau zu werden und beginnen eine Reise in die Vergangenheit. Wer schreibt die Briefe? Was werden sie entdecken? Und wohin wird Irina und Seth die Reise führen?

Isabell Allende ist bekannt für ihre großen gefühlvollen Geschichten und da ich noch nichts von ihr gelesen, aber einen Hang für Japan habe, dachte ich, es wird mal Zeit, diese Autorin zu entdecken. Immerhin lockt sie ja einen mit Geheimnissen und verbotenen Reizen. Wer möchte da nicht das große Ganze erfahren.

Die Geschichte spielt eigentlich über eine längere Zeit im Seniorenhaus und wird durch viele Rückblenden aus Almas Leben unterbrochen. So lernen wir zuerst Irina kennen und wer denkt, dass Alma allein geheimnisvoll ist, muss sich mal Irina genauer anschauen. Sie lässt sich nicht in die Karten gucken, behält ihre Vergangenheit genauso unter Verschluss und lässt Seth nicht an sich ran, obwohl er ständig ihre Nähe sucht. So wird das auf dem ersten Blick etwas verschleiert, da im Mittelpunkt Alma steht, aber man sollte diese elfenhafte Person nicht wirklich aus den Augen lassen. Sie ist ein wichtiger Punkt in Almas Leben in Seniorenhaus und eine gute Beobachterin, durch ihre Augen lernen wir diese ältere Dame nämlich zuerst kennen.

Alma ist nicht nur für ihre anderen Buchcharaktere interessant, sondern auch für den Leser, ich hatte ja mit vielen gerechnet, aber mit solch einer dramatischen Lebensgeschichte nicht. So fängt ihre frühste Erinnerung im Zweiten Weltkrieg an, wie sie Polen verlassen muss, um bei ihrem Onkel in San Francisco Unterschlupf zu finden. Dort lässt sie keinen an sich ran und blüht erst richtig durch die Freundschaft zu ihren Cousin Nathaniel und den Gärtnersohn Ichimei auf. Diese drei Schicksale werden sich im Laufe dieser Geschichte immer wieder verweben, begegnen und ganz gravierend in den eigenen Leben einmischen. Jeder der Drei wird schwere Schicksalsschläge zu verkraften haben und die Autorin gibt hier wirklich ein Gesellschaftsbild Amerikas wieder, das nicht die Sonnenseite widerspiegelt. So haben wir gesellschaftliche Zwänge, politische Auswirkungen und fehlender Mut sein Leben offen so zu leben, wie es seine Gefühlswelt gerne hätte. Was mich aber am meisten schockiert hat, waren die Gefangenen Lager für die Japaner nach dem Pearl Harbor Angriff, diese dunkle Seite der USA kannte ich noch nicht und hat mich wirklich sprachlos und überaus traurig zurückgelassen. Ich könnte mich hier noch mehr dazu auslassen, aber ich werde es nicht tun, Gesellschaften sind grausam, egal wo auf der Welt, die eine folgenden Generationen wird, dafür immer noch angeprangert und die anderen schweigen darüber.

Isabel Allende hat hier wirklich große Gefühle und eine ganz außergewöhnliche Liebesgesichte aufs Papier gebracht. Sie kann unglaublich feinfühlig und sensibel erzählen, einen fesseln und schockiert zurück lassen. Mir hat es unglaublich gut gefallen, wie sie Sehnsüchte, Traditionen, Zwänge und Träume ineinanderfließen lässt und so eine bewegende Zeit geschildert. Sie nimmt uns ja nicht nur mit in die Vergangenheit, nein, sie lässt sie vor unseren Augen aufblühen und lebendig werden. Allerdings habe ich auch recht lange für dieses Buch gebraucht und das liegt an der ganzen Dramaturgie. Jeder ihrer Figuren, aber auch wirklich jede, hat ein dramatisches Ende, ich finde gut, dass sie schwere Themen gewählt hat, aber dadurch wurde es etwas überzogen und zu viel, für mich als Leser. Es kann ja sein, dass es so viel Schicksale auf einmal trifft, aber ich finde das im realen Leben ein bisschen ungewöhnlich, wenn alles eine Familie trifft.

Ein Buch was berührt, nachdenklich macht und trotzdem an die große Liebe glauben lässt, die alles überwindet. Wer große Gefühle und dramatische Schicksalsschläge mag, der sollte sich diesem Werk widmen und Alma mit ihren Ichimei kennenlernen.


Die Schöne und der Tod: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 1)
Die Schöne und der Tod: Ein Max-Broll-Krimi (Die Max-Broll-Krimis, Band 1)
von Bernhard Aichner
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Anders, humorvoll und böse ..., 21. Juni 2016
Max Broll ist Totengräber und ist mit sich und seinem Leben recht zufrieden, bis ein Anruf alles in seinem Leben durcheinanderbringt. Emma seine erste große Liebe ruft ihn nach Jahren an und teilt ihm mit, das er ein Grab für sie schaufeln muss, denn ihre Schwester hat sich umgebracht. Also tut Max, was sein Job ist, auch wenn seine Gefühlswelt sich dreht und dadurch passiert ein Ungeschick und der Totengräber muss nach der Beisetzung nochmals graben und findet einen leeren Sarg vor. Wo ist die Leiche? Wer hat ein Interesse eine Leiche zu stehlen? Max will sich der Sache annehmen, denn auf seinem Friedhof klaut man keine Leiche. Nur ahnt Max nicht, wohin er sich da hineinmanövriert. Wird er die Leiche finden? Und was wird Max herausbekommen? Und wird er es selbst heil überstehen?

Nachdem mich Bernhard Aichners Bestatterin Blum so in ihre Fänge gezogen hat und ich zum absolut begeisterten Leser mutiert bin, muss ich doch seinen neu aufgelegten Friedhofsgräber Max Broll kennenlernen. Tja und was soll ich sagen, da hat sich der Autor ja ein ganz besonders interessantes Mannsbild einfallen lassen.

Max Broll wollte eigentlich Journalist werden und studierte dafür damals in Wien, bis ein Anruf seinen vorher geplanten Weg veränderte, denn sein Vater lag im Sterben. Er lässt alles hinter sich, Karriere, Wunschträume, seine große Liebe und kehrt in sein Heimatdorf zurück und übernimmt später den Beruf seines Vaters und wird Totengräber. So hat er es sich in seinem Leben gemütlich gemacht, lebt in Ruhe und ausgeglichen dahin. Bis zu der Minute, wo seine Jugendliebe Emma anruft und ihn bittet, oder besser, verlangt, ein Grab zuschaufeln. Hier bricht in Max alles wieder auf, alte Träume, unerfüllte Zukunftspläne und die große zerflossene Liebe. Mit aller Macht will er sich davon lösen und wieder friedlich auf seiner Terrasse mit einem Glas Wein sein Leben leben. Aber es soll anders kommen, und bevor man sich mit dem eigenen Leben zu sehr befasst, kommt so eine verschwundene Leiche gerade richtig.

Bernhard Aichner hat ein Talent für ausgefallene Charaktere, während Blum kühl und berechnend wirkt, ist sein Max kumpelhaft und immer mit dem Herz dabei. Was am Anfang friedlich und malerisch gezeichnet ist, dreht sich mit zunehmendem Alkoholkonsum und Max Frauen. Sein jetziges Leben verfängt sich mit seinen Jugendplänen und so wirbelt alles durcheinander und lässt uns an Max Suche nach seiner inneren Mitte teilhaben. An Anfang dachte ich noch, wow, was für ein toller Kerl, aber der nette gut aussehende Typ mit dem tollen Humor hat auch so seine Tücken. Er ist wirklich innerlich aufgewühlt und macht doch die eine oder andere Dummheit. Menschlich und sympathisch kommt der Max rüber, aber manchmal hätte ich ihn gern eins übergezogen. Er ist halt doch nur ein Mann.

Natürlich kommt das alles besonders gut rüber, durch den Erzählstil des Autors. Der Einstieg macht alles wieder ganz dramatisch und spannend, das man nur so durch die Seiten fliegt, um an den Punkt zu kommen, wo es um Leben und Tod geht. Dabei stechen wirklich die tollen Dialoge mit hervor, die einen öfters lachen lassen, als bei einem Krimi gedacht. Ich denke die Max Broll Reihe soll einen einfach gut unterhalten und der Krimianteil rundet das Ganze ab. Wer hier einen total durchdachten und realistischen Mordfall haben möchte, ist hier falsch. Hier herrscht das Zusammenspiel von Liebe, Suchen und wirklicher Freundschaft vor und macht diese Geschichte zu etwas Besonderen.

Mir hat es wieder richtig gut gefallen, aber ich mag ja eh ungewöhnliche Krimis am Liebsten. Bei mir darf es gern humorvoll, locker und mit vielen tollen Sprüchen einhergehen. Ich muss nicht den bösesten Serienkiller haben, sondern es darf auch gern mal schräg und abgründig zugehen. Dafür sorgt Bernhard Aichner mit seinen Büchern und seinem Hang zum Thema Tod. Der Max mit seiner Eigenbrötlerei und seiner Dickköpfigkeit stehen im Vordergrund und das ist auch gut so und genau deshalb wird jetzt Band zwei gelesen.


Jahrhundertsommer
Jahrhundertsommer
von Raoul Biltgen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Ausdrucksstark, klischeefrei und meisterhaft erzählt ..., 16. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Jahrhundertsommer (Gebundene Ausgabe)
Es ist heiß in Wien und er sitzt im Café, trinkt einen Kakao und wartet, bis es Zeit wird. Zeit um sich eine Waffe zu besorgen und seinem Dasein ein Ende zubereiten, denn sie ist nicht mehr da. Sie ist weg, gegangen, ohne ein Wort. Was soll er tun? Wie soll er weiterleben? Wie konnte das alles passieren? Und wo ist dieser unbeschwerte Jahrhundertsommer hin?

Dieses kleine Buch ist so erschreckend bewegend, mit einer unglaublichen Ausdruckskraft erzählt, dass ich total begeistert bin. Es geht um die Liebe und was man alles durchlebt, Großartiges, aber auch Verzehrendes. Eine Geschichte, die mich nach den richtigen Worten ringen lässt, um dieser gerecht zu werden.

Wir erleben in zwei Erzählsträngen beschrieben die Liebes- und Leidensgeschichte unseres Protagonisten mit. Der erste Strang ist das Hier und Jetzt in Wien, er leidet, ist verzweifelt, will nicht mehr, weiß nicht weiter und schwitz in der Sonnenglut. Der zweite Strang spielt einen Sommer davor. Sein Job hat ihn nach Bregenz gebraucht und er trifft auf sie, der Frau, die Touristen kutschiert und ihn ein wunderschönes Lächeln schenkt. Er ist verzaubert und lässt sich von der Magie mitreißen, der sonst so ernste und stille Mann, blüht auf, liebt, macht dumme Sachen und erlebt einen Sommer voller Nähe und Liebe.

Dieses Zusammenspiel zwischen Todessehnsucht und Liebestaumel ist so stark und geschickt eingefangen, dass man mitleidet und sich fragt, muss so die Liebe sein. Man möchte so gern helfen, dem Hauptcharakter die Waffe entreißen und sagen, reiß dich zusammen. Diese tiefen schweren Gefühle sind absolut greifbar beschrieben, man spürt die Einsamkeit, das machtlos sein und das nicht mehr wollen. So liest man besorgt und ängstlich weiter und möchte einfach wissen, was ist passiert. Diese Liebesgeschichte fing doch so wunderbar an.

So wechseln sich die Erzählebenen ab, spielen miteinander, verschmelzen und geben Stück für Stück das große Ganze wieder. Dieser Autor beherrscht mit wenig Worten Bilder einer Liebe einzufangen und ohne Klischees und Kitsch auszukommen. Er verwebt das große Drama mit unserer Zeit, gibt sie realistisch und ungeschönt wieder und schafft beim Leser das Gefühl, alles selbst mitzuerleben, oder es schon getan zu haben. Wer erinnert sich nicht an die erste große Liebe, wo es unvorstellbar war, das diese Endet und das es ein Danach geben könnte.

Dieser Roman braucht mehr Aufmerksamkeit, denn er kann sich mit den ganz großen Liebesgeschichten messen lassen und spiegelt die Gefühle unserer Zeit gekonnt und eindringlich wieder. Wer über eine bewegende Liebe lesen möchte, sollte mit dieser anfangen.


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