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Rezensionen verfasst von
S. Ganser "SamBruce" (Aachen, NRW)
(REAL NAME)   

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#1| FrontUSB3.0| Windows7 Professional 64Bit, STROM SPAR Office / Multimedia COMPUTER Eco-Tec PC 80PLUS, BeQuiet 300W Netzteil mit 80Plus Bronze, Triple-Core! AMD Athlon2 X3 455 (3x3.3GHz), 500GB SATA III, 8GB DDR3, MSI 760GMA-P34 AM3+ Mainboard, AMD Grafik HD3000 mit DVI, DVD-Brenner, CardReader, 5.1 Sound, GigabitLAN
#1| FrontUSB3.0| Windows7 Professional 64Bit, STROM SPAR Office / Multimedia COMPUTER Eco-Tec PC 80PLUS, BeQuiet 300W Netzteil mit 80Plus Bronze, Triple-Core! AMD Athlon2 X3 455 (3x3.3GHz), 500GB SATA III, 8GB DDR3, MSI 760GMA-P34 AM3+ Mainboard, AMD Grafik HD3000 mit DVI, DVD-Brenner, CardReader, 5.1 Sound, GigabitLAN
Wird angeboten von trendalarm24

4.0 von 5 Sternen Entspricht den Erwartungen, 12. Juli 2011
Wie sagt man so schön bei Special Effects: am besten sind sie, wenn man sie nicht wahrnimmt. Ähnlich ergeht es mir mit diesem PC, der einen sechs Jahre alten Vorgänger ablöst mit der Aufgabe, vorwiegend Internet- und Office-Anwendungen auszuführen.
Auf diesem Bereich verhält sich das Gerät in den bisherigen Wochen des Betriebs ausgesprochen professionell; Rechenvorgänge bleiben unsicht- und unhörbar, alles läuft schnell und leise. Diese Anforderungen habe ich im Vorfeld gestellt und sie werden wenigstens bislang erfüllt. Einzige Ausnahme macht das Laufwerk, das sich der praktisch unhörbaren Betriebs-"Laut"-stärke leider nicht anpasst und auf durchschnittlichem Niveau rauscht. Auch die Festplattengröße mag inzwischen eher zum unteren Durchschnitt gehören und wäre angesichts der Ausrichtung als Office-PC durchaus auch in doppelter Größe vorstellbar gewesen.
Davon abgesehen haben sich bislang noch keine Mängel feststellen lassen. Was der Langzeittest bringt, wird sich zeigen müssen wie bei jedem anderen Gerät.


The Simpsons (Soundtrack in Donut-Box Limited Edition)
The Simpsons (Soundtrack in Donut-Box Limited Edition)
Wird angeboten von musikdrehscheibe
Preis: EUR 38,86

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hmmm... Rosa!, 3. August 2007
Es ist jetzt müßig zu überlegen, weshalb nicht Danny Elfman den Score zum Simpsons-Kinofilm übernahm, wo er schließlich schon die weltberühmte Titelmelodie komponierte; oder gar Alf Clausen, der es seit Jahrzehnten versteht, die Gags in der TV-Serie mit seinen verschrobenen Stücken treffend zu pointieren.
Tatsache ist, Hans Zimmer lieferte wider der Erwartungen so mancher Skeptiker einen erstaunlich soliden Score, der das bodenständige Simpsons-Universum nicht allzu sehr mit orchestralem Bombast beschießt, sondern darum bemüht ist, eher die Leichtigkeit nachzuempfinden, die Springfield umgeben soll. Es war vielleicht ganz gut, dass er zeitgleich an "Pirates of the Carribean 3" arbeitete und sich der Strahl seiner Aufmerksamkeit auf zwei Projekte gleichzeitig richtete; so treibt alles schön laissez-faire vor sich hin und die Musik klingt so, wie sie klingen soll: Beiläufig und unbeschwert.
Was nicht bedeuten soll, dass Zimmer nicht auch hier für so manche Überraschung gut ist: "Release the Hounds" etwa erinnert angenehm an hektisch-rhythmische Trash-TV-Serien aus den 60er Jahren und "Recklessly Impulsive" kauzt mit einem merkwürdigen Techno-Beat und Geflöte herum.
Sicher kein Meisterwerk, aber sehr zweckdienlich und angenehm aufbereitet, so dass der eigentliche Kinofilm schließlich voll durchschlagen konnte (und oh ja, das tat er).

Die eigentlich wichtige Frage: Lohnt sich die Donut-Special Edition oder kann man auch mit der normalen Variante vorlieb nehmen? Ich behaupte letzteres. Die Limitierungszahl (sofern vorhanden) ist mir nicht geläufig, aber sie kann nicht so signifikant niedrig sein, dass sie einen größeren Differenzbetrag rechtfertigen würde. Die Aufmachung als Donut ist zweifellos unheimlich originell und sollte auch dementsprechend gewürdigt werden, nur muss man fairerweise auch konstatieren, dass die Verpackung letztendlich nicht nach mehr ausschaut als nach einem Plastik-Kinderspielzeug. Was zählt, ist aber der Gedanke, und so ist die Donut-Box für absolute Harcore-Fans (hier, ich!) eine schöne Sache und eben mal was anderes als ein schnödes Jewel Case. Nur wirklich brauchen tut man's eben nicht.

Ein paar technische Details: Die Pappbox (aus stabiler, 2 mm dicker Pappe) ist 13,6 cm hoch, 14,8 cm breit und 4,5 cm tief. Der Donut hat einen Durchmesser von etwa 12 cm, so dass gerade eine CD darin Platz hat. Der "Deckel" hat erwartungsgemäß kein Loch, sondern lediglich eine Einhöhlung. Er lässt sich genau in der Mitte des Donuts abheben und legt den Blick frei auf die mittig platzierte CD, die auf einer Halterung vom Bodenteil sitzt, was alles in allem recht sicher gemacht ist. Auch ein Booklet (ein Band mit 6 Seiten, u.a. inkl. eines 3-seitigen Nachwortes von Simpsons-Produzent James L. Brooks) ist vorhanden.


Tokyo Powerman (Uncut Version)
Tokyo Powerman (Uncut Version)
DVD ~ Jackie Chan

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lucky Stars Superior Shine..., 21. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Tokyo Powerman (Uncut Version) (DVD)
Der deutsche Verleih kann schon ein Bastard sein. Splendid brachte vor einiger Zeit in einer Box und nun einzeln vier Jackie Chan-Filme auf den Markt, die sich "Powerman I-III" und "Tokyo Powerman" nannten - offenbar also eine zusammenhängende Reihe. Dem ist aber nicht so. "Powerman I" und "Powerman III" sind zwei komplett eigenständige Filme, während "Tokyo Powerman" das erste und "Powerman II" das zweite (eher inoffizielle) Sequel von "Winners & Sinners" ist.

Verwirrend, oder?

Jedenfalls gehört "Tokyo Powerman" ebenso wie sein Nachfolger "Powerman II" der "Lucky Stars"-Reihe an, die mit dem Film "Winners & Sinners" begründet wurde (den man übrigens u.a. in der Metall-Edition von Splendid erwerben kann). Markenzeichen dieser Reihe ist ein Grüppchen von fünf Freunden (hier Sammo Hung, Richard Ng, Eric Tsang, Charlie Chin und Shui-Fan Fung), die nur Unsinn und Frauen im Kopf haben. Die Lucky Stars-Filme leben im Wesentlichen von den absurd-komischen Situationen, in die sich die fünf geistigen Brüder immer wieder hineinbugsieren. Sehr albern, aber auf eine infantile Art auch sehr amüsant.

Jackie Chan hat traditionell in diesen Filmen nur eine kleinere Nebenrolle als Cop und hat diesmal nur zu Anfang und am Ende ein paar kleinere Actioneinlagen zu verbuchen - sein Partner Yuen Biao ist komplett verschenkt. Dennoch bietet "Tokyo Powerman" durchweg gemütliche Unterhaltung, wenn man auf die Art von Humor steht und auch eine plump erzählte Story verkraften kann.

Die DVD bietet den Film in wirklich ordentlicher Bild- und Tonqualität; das Bild ist sehr sauber und tonal gibt es sogar einige effektive Einsätze der Rearspeaker zu verbuchen. Vor allem ist der Film aber erstmals ungeschnitten in Deutschland erhältlich. In der Powerman-Box war er an Handlung geschnitten. Die wurde nun wieder eingefügt, und zwar im Originalton mit deutschen Untertiteln, was vermutlich daran liegt, dass für diese Szenen keine deutsche Synchronisation existiert. Wen diese O-Ton-Einlagen stören, der muss sich eben die geschnittene Fassung zulegen.

Das Menü ist lieblos gestaltet und Extras sind abgesehen von ein paar Trailern auch nicht enthalten, ansonsten aber eine recht lohnenswerte Anschaffung für Anhänger des Trio Infernale um Jackie Chan, Sammo Hung und Yuen Biao, auch wenn letzterer einen eher unbefriedigenden Auftritt hat.


Everyone Into Position
Everyone Into Position
Preis: EUR 17,78

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stillstand? Autarkie? Von wegen!, 1. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Everyone Into Position (Audio CD)
Was Oceansize sich gleich von Beginn an selbst an Last auferlegt haben, ist nahezu beispiellos in der Rockhistorie. "Effloresce" klang nach allem, nur nicht nach einem Debüt. Sicherlich, die Inspirationen waren erkennbar. Tool, A Perfect Circle, Nine Inch Nails. Pink Floyd. Vielleicht sogar etwas Porcupine Tree. Ebenso war aber die Eigendynamik erkennbar, eine hermeneutische Spirale der Tiefe von epischen Klangkompositionen als solchen. Oceansize, das beschreibt ein undurchdringbares Volumen, welches, will man ihm auf den Grund gehen, unzähliger Durchläufe bedarf, um es auch nur annähernd erfassen zu können..
Im Kontrast dazu Mike Vennarts kristallklare Stimme, die sich deutlich von dem abhebt, was ein James Maynard Keenan (Tool), ein Trent Reznor (NIN), ein Gavin Hayes (Dredg) vorgelegt haben - freilich nicht qualitativ, aber doch stilistisch. Oceansize ist ein dichter Hybrid aus Pop und Indie, er bedient sich beider Sphären, um das Beste aus ihnen für die eigenen Zwecke zu extrahieren.
Die Weiterentwicklung, die Metamorphose ist ein zentrales Thema auf den Ebenen, über welche die fünf Musiker aus Manchester hinweggleiten. Das eigenwillige Zusammenspiel der Instrumente von der aggressiven Gitarre über die Percussions zu den Synths zu orchestralen Elementen setzt sich dadurch zu einem erst schwerlich durchdringbaren Gesamtkunstwerk zusammen, dass die einzelnen Fragmente sich ablösen, um den roten Faden immer weiterzureichen.
Nach dem grandiosen Debüt war nun natürlich die größte Sorge, diese Weiterentwicklung sei nicht mehr gewährt. Mag generell das dritte Album einer Band der Knackpunkt einer Band sein, muss es aufgrund der ungewöhnlichen Reife in diesem Falle schon "Everyone into Position" sein. Zumal sich der Musikstil, der von Oceansize verfolgt wird, minimal Richtung Mainstream orientiert hat; Alben wie Dredgs "Catch Without Arms", letztlich aber auch Oceansize selbst erfreuen sich auch in der Breite schon größter Beliebtheit. Vielleicht auch ein wenig, um der Verdummung durch banale Seichtheit entgegenzuwirken, die sich wie eine Pest an der Spitze der Maincharts festgesetzt hat: Denn dies hier ist höchste Kunst, und selbst eine relativ gesehen herbe Enttäuschung wäre immer noch die qualitative Speerspitze der Musik, die in der Breite gehört wird.
Und tatsächlich wurde das zweite Album, vermutlich in Anbetracht der strahlenden Größe von "Effloresce", von den Kritikern angegriffen, wenn auch nicht in der Luft zerrissen. Die Klangkompositionen erschienen zu eingängig, zu adaptiv, schienen tatsächlich die Variabilität vermissen zu lassen, mit welcher der gewaltige Vorgänger glänzte, das Medium CD bis zum Anschlag ausreizte und es nahezu sprengte. Es fehlte offenbar wirklich eine Weiterentwicklung, eine Emanzipation vom Erstling, an den man noch zu viele Zugeständnisse machte und zu dem man zu viele Brücken baute.
Nach etwa fünfzehn Durchgängen kann ich nun von einem komplett anderen Album berichten. Der erste Durchlauf war ein Erlebnis, das dem von "Effloresce" in nichts nachstand, und kaum etwas hat sich an dieser Einschätzung geändert. Sicherlich, die festgestellten Parallelen sind da, in "A Homage to a Shame" glaubt man sogar, kurzzeitig kompositorischen Selbstklau festzustellen - doch ist es das nicht, was schon "Effloresce" ausmachte? Oceansize besteht nun mal nicht aus autarken Einzelfragmenten; jene Fragmente sind viel mehr interdisziplinär aufeinander abgestimmt und entwickeln sich erst durch die Interaktion mit dem, was vorher da war. Und wie soll es nun Weiterentwicklung geben, wenn man "Effloresce" vollkommen ignoriert? Die Parallelen dienen vielmehr als Antriebsfeder, um sich abzustoßen.
Das Vorhaben gelingt. "Everyone into Position" ist deutlich konsequenter, lässt Gitarrengewitter auf den Hörer einkrachen, um ihn unmittelbar darauf in ruhigen Klanggemälden gefangenzunehmen. "A Homage to a Shame" gehört neben einigen Passagen aus dem 5-Song-Vermittlungspool "Music for a Nurse" zum Härtesten, was Oceansize bislang hervorgebracht haben, bevor nur zwei Tracks später mit "Music for a Nurse" auch eine inhaltliche Referenz an das EP-Zwischenspiel erfolgt. Die Klänge sind hier simpel, leicht und klar, eingebettet in schwelgende Sanftheit und sich gemächlich Zeit nehmend, um jede einzelne Note in einem Raum von etwa zwei Sekunden stehen und für sich selbst sprechen zu lassen, schließlich durch ein anderes Instrument noch mit einem Echo zu untermalen. Mit "New Pin" und "No Tomorrow" folgen dann zwei eingängige Popstücke, bevor mit der abschließenden Song-Trilogie einmal mehr ein Höhepunkt gesetzt wird, der erstmal in Zukunft übertroffen werden muss. Hier erhebt sich die Band in Gefilde, bei denen man normalerweise nicht nur Übermut und gnadenlose Selbstüberschätzung feststellen müsste - wäre die Musik nicht so dermaßen perfekt. Für das grandiose Finale wird sogar ein ganzes Kirchenorchester aufgebahrt. Es löst die Rockelemente ab, die sich langsam in einem Fade Off verabschieden, während wir perplex mit den letzten Tönen einer Kirchenorgel alleine gelassen werden.
Sicherlich fehlen im Endeffekt, betrachtet man das Album für sich alleine stehend, ein wenig die sich überschneidenden Grenzen, welche den Vorgänger zu einem einzigen Gemälde von undurchdringlicher Intensität machten. "Everyone into Position" bietet vielmehr einzelne Stücke, und das war das Hauptangriffsziel einiger Kritiker, zumal man diesen Schritt auch als Zugeständnis an den Mainstream und damit an die Kapitulation vor ihm interpretieren kann. Bezieht man jedoch "Effloresce" mit ein, ergibt sich ein wunderbares Spiel aus Bezugnahme und Weiterentwicklung. Ich bin nicht geneigt, zu sagen, das zweite Album der Engländer sei das bessere; nahezu gleichwertig ist es aber allemal.


Cecil B.
Cecil B.
DVD ~ Melanie Griffith
Wird angeboten von docu-films
Preis: EUR 8,79

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Cecil, be demented!, 5. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Cecil B. (DVD)
Die inhaltlichen Aspekte dieser Rezension, also alles, was sich auf den Film bezieht, wurde von meiner eigenen Rezension auf einer anderen Internetseite übernommen.
Gute Hollywoodsatiren sind rar gesät. Deswegen ist man als kritischer Cineast immer dankbar, wenn einem mal wieder ein Exemplar über den Weg läuft. "Cecil B." von John Waters ist wieder eines, und zwar im Gegensatz etwa zu "Schnappt Shorty" aus der Anarcho-Ecke.
Durch die recht offensichtliche Planlosigkeit des Films stellt sich dieser ganz deutlich auf die Gegenseite der Hollywood-Fraktion, ohne dabei jedoch auf Selbstironie zu verzichten; oder auch auf den Umstand, dass Filme jenseits des Mainstreams normalerweise auch eine Reaktion auf diesen und dadurch von ihm abhängig sind. Das verdeutlicht alleine die Tatsache schon, dass Regisseur Cecil B. Demented (Stephen Dorff) eine Diva des großen Kinos (Melanie Griffith) zum Kernstück seines neuen Werkes auserkoren hat. Zwar muss er sie dazu kidnappen und mit der Waffe zwingen, ihren Text aufzusagen, doch die Wirkung erreicht diese unkonventionelle Rollenbesetzung nur durch die glorreiche Vergangenheit der gekidnappten Honey Whitlock. Um sich also von etwas lösen zu können, muss es auch etwas geben, von dem man sich lösen kann. Und das ist der Mainstream.
Wenn dieser dargestellt wird, hat John Waters Film seine stärksten Momente. Immer noch überraschend aktuell wird bevorzugt die Remake-, Sequel- und Director's Cut-Wut der Hollywood-Produzenten aufs Korn genommen. Diese wird hier natürlich enorm übertrieben, indem man etwa dem zweifellosen Meisterwerk "Forrest Gump" eine Fortsetzung spendiert mit dem unsäglichen Titel "Forrest Gump 2 - Gump Again". Natürlich ohne Tom Hanks. Und "Patch Adams" bekommt eine vom Regisseur abgesegnete erweiterte Fassung - endlich, wird der Cineast sagen. Ach ja, und filmische Meisterwerke aus Übersee werden gleich mal neu verfilmt... "man kann dem amerikanischen Publikum doch keine Untertitel vorsetzen."
Was wirklich schockiert, ist der Umstand, dass diese kranken Hirngespinste von John Waters gar nicht mal so abwegig sind. Wer würde heutzutage schon seine Hand dafür ins Feuer legen, dass es niemals ein Sequel zu "Forrest Gump" oder einen DC zu "Patch Adams" geben wird? Das ist ein Punkt, über den es sich nachzudenken lohnt. Remakes, Sequels oder sonstige Expansionen erfolgreicher Franchises mögen in Einzelfällen auch künstlerisch zu rechtfertigen sein, aber hier wird deutlich, dass der primäre Antrieb die wirtschaftliche Komponente ist.
Melanie Griffiths Charakter Honey Whitlock verdeutlicht darüber hinaus zu Beginn die Verlogenheit des Hollywood-Systems. Sie ist wie eine Münze, der auf der einen Seite der Satz "Ich liebe euch alle" aufgedruckt wurde und auf der anderen Seite "Ihr kotzt mich an". Welche Seite dem Publikum zugewandt und welche hinter den Kulissen offenbart wird, muss wohl nicht extra betont werden.
Insgesamt kommt jene direkte Kritik an Hollywood jedoch leider viel zu kurz, beschäftigt sich Waters doch fast durchgehend mit der Crew um Cecil B. Demented und den Dreharbeiten zu seinem neuen Film, der mit echten Menschen an echten Schauplätzen gedreht wird. Und leider kann dieser Teil nur selten überzeugen, wenn auch der gute Wille, innovativ zu sein, stets erkennbar bleibt.
Die durchwachsene Qualität dieses Hauptteils liegt vor allem an den Charakteren. Melanie Griffith macht ihre Sache an sich nicht schlecht, doch fehlt es ihr - und das ist eine Meta-Ebene für die intendierte Wirkung der Figur Honey Whitlock - an der geeigneten Schauspielbiographie. Man stelle sich stattdessen folgendes Szenario vor: Julia Roberts, von mir persönlich nicht allzu sehr geschätzt, dennoch der weibliche Weltstar schlechthin, befände sich ganz deutlich auf dem absteigenden Ast. Sie würde also immer mehr Rollen annehmen von zunehmend minderer Qualität und zu immer niedrigeren Gagen. Und dann würde sie mit der gleichen Konsequenz wie Melanie Griffith die Honey Whitlock spielen. Das hätte aufgrund ihrer glanzvollen Vergangenheit einen vollkommen neuen Effekt. Griffith jedoch war nie der Weltstar, den sie zu Beginn des Films spielt. Eine mögliche Selbstironisierung bleibt deswegen auf der Strecke und die Wirkung ihrer Rolle eher verhalten. Obgleich Griffith schauspielerisch ihr Bestes tut, wäre eine erfolgreichere Schauspielerin hier wohl besser gewesen; ja, vielleicht hätte man die Figur im Drehbuch sogar als alternden Star auslegen sollen, der sich bereits in den späten 50ern befindet.
Die Filmcrew ist sichtlich darum bemüht, alternativ und unberechenbar zu erscheinen, wodurch sie paradoxerweise hochgradig vorhersehbar bleibt. Eine interessante Idee ist es, dass jedes Crewmitglied den Namen eines Regisseurs eintätowiert hat, der in irgendeiner Weise - seien es Sex, Drogen oder Gewalt - die Extreme des Filmemachens ausgereizt haben, darunter Sam Peckinpah und Rainer Werner Fassbinder. Ansonsten jedoch sind die Charaktere nur wenig reizvoll. Sehr viel wird mit sexuellen Ausrichtungen experimentiert - einer bedauert sogar seine Heterosexualität, weil er so nicht die Liebe seines schwulen Kollegen erwidern kann - ansonsten auch mit Glaubensrichtungen (Satanismus) und kulturellen Gruppierungen bis hin zu musikalischen Stilrichtungen und Kleidung. Das ist alles andere als originell. Deswegen bleiben die Crewmitglieder sowohl als reale Personen als auch als satirische Überspitzungen, die sie ja eigentlich sein sollen, uninteressant. Und wer dann auch noch eine Identifikationsperson sucht, ist völlig auf verlorenem Posten, denn so etwas gibt es nicht einmal ansatzweise. Lediglich Stephen Dorff ("Blade", "SFW") und Michael Shannon ("Bad Boys II", "8 Mile") vermögen es, ihre Figuren zumindest ansatzweise interessant erscheinen zu lassen.
Von strukturellem Aufbau kann nicht die Rede sein, und das einzige Ziel ist die Fertigstellung des Films. Der Weg dorthin ist geprägt von einem unmotivierten Wechsel zwischen den Dialogen im Unterschlupf und den folgenden Actionsequenzen im Rahmen der spontanen Dreharbeiten. Mittendrin erlebt die einstmals zickige Diva Honey Whitlock eine Metamorphose hin zum vollwertigen Mitglied der Cecil B.-Posse, die natürlich wie fast alles an diesem Film beabsichtigterweise fern jeglicher realer Verhaltensweisen liegt.
Das Finale im Autokino kann inszenatorisch leicht hinausstechen, verwirrt aber ebenfalls mit seltsam stakkatohaft frequentierten Verhaltensfolgen der Filmemacher, deren Anführer Cecil B. Inzwischen zum Volkshelden geworden ist. Positiv herauszuheben ist die freudestrahlende Reaktion der besorgten Eltern von einem der Cecil-Crew-Mitglieder, als dieses mit einer Kugel im Knie zwar zerdeppert, aber eben noch lebend auf die Autohaube knallt. Die sorgenfreie Freude im Gesicht der Eltern erinnert an die Wirkung des Videos zu Soundgardens "Black Hole Sun": eine übermalte Wirklichkeit, die keine Grauzonen kennt und sich nur zwischen den beiden Sphären himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt bewegt. Hier kommt wiederum eine spärliche Genialität zum Vorschein, die darauf hinzielt, dass Hollywood nichts ist als eine gelackte Oberfläche.
Jedoch hat man über weite Strecken das Gefühl, John Waters übernimmt sich mit seinem stilistischen Overkill und will zu viel auf einmal einbauen. Das Endprodukt ist wirr und kaum benutzerfreundlich. Als Stärke erweist sich aber wiederum, dass die zahlreichen Schwächen, die man finden kann, stets negiert und gar positiv ausgelegt werden können. Die Anarchie, die Ungeordnetheit, das fehlende Feingespür für Bildfolgen, die klischeebeladenen Charaktere, der dem geschehen oft entgegenstoßende Underground-Score, all diese Mängel vertragen sich mit der Aussage des Films, die ja eben darauf hinaus will, eine Alternative zu den Hollywood-Regeln zu sein, auf denen die oben genannten Kritikpunkte basieren. Im Prinzip entzieht sich John Waters Film daher jeglicher Kritik.
Wie schon der Name des Regisseurs sagt, ist "Cecil B. Demented" ein durchgeknalltes und total irrsinniges Stück Satire auf das uns bekannte Filmbusiness. Die durch Hollywood normierten Regularitäten, denen zufolge man einen guten Film macht, ignoriert Regisseur Waters völlig und hält sich stattdessen voll und ganz an seine Eigendynamik, die sich letztendlich zu einem wirren Film zusammensetzt, der Independent-Aspekte und Hochglanzoptik miteinander vereint. Der Umstand, dass teilweise Konventionelles geschaffen wird, wo man Unkonventionelles schaffen wollte, trübt allerdings die unter dem Strich recht frische Inszenierung gewaltig, was sich vor allem in den unmotivierten Charakteren bemerkbar macht. Alles in allem ein durchwachsenes Vergnügen, das sicherlich auch ein wenig vom Betrachterstandpunkt abhängig ist.
Die DVD-Umsetzung ist für einen solchen Backkatalog-Titel insgesamt recht zufriedenstellend. Bild und Ton sind überdurchschnittlich gut, und die animierten Menüs stimmen angemessen auf den Hauptfilm ein. Dass kein Booklet beiliegt, sind wir ja leider schon gewöhnt, aber immerhin ist die Amarayhülle durchsichtig und die Innenseiten des Covers mit einer Kapitelliste bedruckt.
Das Bonusmaterial hingegen wurde ein wenig aufgeplustert und bietet komprimiert betrachtet so gut wie gar nichts. Das, was drauf ist - eigentlich nicht mehr als ein paar Kinotrailer, Hintergrundinfos und ein paar Bilder - sollte als DVD-Standard betrachtet werden.
Unter dem Strich ist die DVD also Cineasten zu empfehlen, die sich recht gut mit der Filmhistorie auskennen und dementsprechend weitaus mehr Spaß am Film haben dürften als Laien.


Paradoxien der neuen Weltordnung: Politische Essays (edition suhrkamp)
Paradoxien der neuen Weltordnung: Politische Essays (edition suhrkamp)
von Ulrich Menzel
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,00

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine historische Herleitung aktueller globaler Strukturen, 20. April 2005
Ulrich Menzel beschreibt mit "Paradoxien der neuen Weltordnung" aus einer höchst aktuellen Perspektive die globalen Strukturen unserer Welt mit all ihren teilweise gegenläufigen Verstrickungen. Es wird erläutert, wie es aus historischer Perspektive zu diesen Verstrickungen kam, welche Positionen sich in der Literatur und bei den politischen Akteuren herausgebildet haben und welche Schlüsse wir daraus für die Zukunft ziehen können.
Der Ausgangspunkt ist die Definition unserer Gesellschaft. Es dürfte bekannt sein, dass ihr viele Etikette anhaften: "Zeitalter der Globalisierung", "Zeitalter der Kommunikation", "Zeitalter der Beschleunigung" oder "Zeitalter der Emanzipation". Letzterer Begriff, nämlich die Emanzipation, wird als zentraler Punkt herausgestellt, mit dem die Paradoxien erklärt werden können.
Langsam werden dann zuerst die historischen Vorläufer der Globalisierung angerissen, also der Zeitpunkt, wann Globalisierung begonnen habe. Zehn mögliche Ansatzpunkte werden herausgehoben: angefangen bei den frühen Neunzigern, in denen sich der Begriff "Globalisierung" überhaupt erst ausgebreitet hat, über die virtuelle Ökonomie in den 80ern zur Industriellen Revolution bis hin zu Kolumbus' versuchter und Vasco da Gamas tatsächlicher Entdeckung des Seewegs nach Indien im jahre 1498. Ja, einer Theorie zufolge sei Globalisierung sogar 15.000 Jahre alt.
Ausgehend von diesem Globalisierungsvorlauf wird dann das internationale System unserer Zeit skizziert. Die USA als dominierende Hegemonialmacht, der Kalte Krieg als letzter hegemonialer Ausscheidungskampf mit der UdSSR als Verlierer, Robert Coopers Dreiteilung der Welt in die Postmoderne (EU), Moderne (Russland, China) und Prämoderne (Afrika, Zentralasien) Zone, das spannungsreiche Verhältnis zwischen diesen Zonen, Anti-Amerikanismus, Terrorismus, Allgegenwärtigkeit der Medien, Multilateralismus versus Unilateralismus, das Anstreben einer "Global Governance"... all diese Punkte werden thematisiert und miteinander in Verbindung gesetzt, bis hin zur Kosovo-Debatte, die vor allem für Deutschland von entscheidender Bedeutung war und das außenpolitische Verhalten stark veränderte.
Unterstützt wird die Diskussion durch teilweise eingefügte Grafiken und Tabellen und Auszüge aus Dokumenten, wie etwa der "Defence Planning Guidance".
Fragen von der Art, weshalb etwa die USA dazu tendieren, die Probleme in der Welt mit Waffengewalt zu lösen, oder weshalb Europa gleichzeitig dazu tendiert, die Grenzen zu öffnen, wieso China ein aufstrebender Staat mit stark aufholendem Sozialprodukt geworden ist und Afrika gleichzeitig immer mehr anarchischen Strukturen ausgeliefert wird, diese Fragen werden durch Menzels Ausführungen transparenter und greifbarer. Vor allem deshalb, weil die aktuellen Geschehnisse historisch erklärt werden, so dass die Herleitung nachvollziehbar wird. "Paradoxien der neuen Weltordnung" ist ein recht aktuelles Werk, dass wirtschaftliche, politische, kulturelle und sonstige Dimensionen verständlicher macht.


Metallica: Some Kind of Monster (OmU) [2 DVDs]
Metallica: Some Kind of Monster (OmU) [2 DVDs]
DVD ~ Jason Newsted

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Offenbarung nicht nur für Metalheads, 14. Februar 2005
(Anmerkung: Die Ausführungen zum inhaltlichen Aspekt dieser DVD sind von meiner eigenen Rezension auf einer anderen Internetseite übernommen worden)
Es mag sein, dass ich nicht unbedingt der neutralste Rezensent bin, der von dieser Musikdokumentation über die wohl größte, traditionsreichste und bedeutendste Heavy Metal-Band aller Zeiten berichten kann. Ich kann aber mit ruhigem Gewissen behaupten, dass meine These auch in die objektive Sichtweise hinein verallgemeinert werden kann. Diese These lautet: „Some Kind of Monster" ist ohne Zweifel eine der besten Musikdokumentationen überhaupt und geht damit über den Tellerrand der Zielgruppe „Metallica-Fan" weit hinaus.
In gut 140 Minuten komprimierten Joe Berlinger und Bruce Sinofsky das Wichtigste aus hunderten von Stunden an Videomaterial, das im Konsens der Vorbereitungen für das bis dato letzte Album „St. Anger" aufgenommen wurde. Die quasi durchgehende Begleitung von James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett durch die Kameras ermöglichen einen tiefen, analytischen Blick in die Probleme rund um die Band, die ja der Kern des Inhalts sind. Angereichert werden die aktuellen Einblicke durch gelegentliche Einwürfe von Archivmaterial, bei denen bevorzugt auf den bei einem Autounfall verunglückten Ursprungsbassisten Cliff Burton eingegangen wird. Dazu aber später mehr.
Erwartungsgemäß bilden sich Frontmann James Hetfield und Drummer Lars Ulrich als Protagonisten heraus. Dreh- und Angelpunkt aller Probleme ist nämlich der Kampf um die Machtposition, um den goldenen Thron, von dem aus das Endresultat „Metallica" entscheidend geprägt wird. Hetfields Alkoholprobleme, der Streit zwischen Hetfield und Ulrich, die Napster-Problematik, Jason Newstedts Ausstieg... all das lässt sich deduktiv aus eben diesem Streben nach dem entscheidenden Machtanteil ableiten.
Die Struktur der Dokumentation orientiert sich deshalb auch an eben diesem Kern. Einleitend mit einer Anhäufung von Interviewfragen (ohne Antwort) läuft dieser Interview-Zusammenschnitt letztendlich auf eine simple, an Hetfield gerichtete Frage hinaus: „Wie würdest du die gesamte Geschichte von Metallica mit einem Wort umschreiben?" Hetfield lacht zuerst, dann versteinert sich sein Blick, gedankenverloren, nach Worten suchend... und keine Antwort findend.
Es folgen einige Informationen zur Bandgeschichte, dann steigen Berlinger und Sinofsky sofort drei Jahre vor dem Release von „St.Anger" ein, gehen über Newstedts Ausstieg, Hetfields Auszeit bis hin zu seiner Rückkehr, wo sich dann die entscheidenden Ereignisse anhäufen. Produzent Bob Rock als provisorisches Bandmitglied, die „Ego-Collision" zwischen Hetfield und Ulrich schließlich als Auslöser für das Hinzuziehen eines Psychologen, was von Ex-Bassist Jason Newstedt aus dem Hintergrund noch kritisch hinterfragt wird. Dann das emotionale Treffen mit Ex-Mitglied und Megadeth-Frontmann Dave Mustaine, schließlich die Napster-Klage, bevor sich die Arbeiten an „St. Anger" intensivieren und in der Konsequenz verstärkt nach einem neuen Bassisten gesucht wird, den man in Robert Trujillo, ehemals Suicidal Tendencies und Ozzie Osbourne, findet. Abgeschlossen wird das emotionale Bilderfeuerwerk schließlich mit einem Höhepunkt in jeder Hinsicht: dem ersten Auftritt seit Jahren.
Einer der roten Fäden, die das Geschehen durchziehen, geht von der Bassisten-Position aus. Cliff Burtons Tod kommt laufzeitmäßig eigentlich verhältnismäßig kurz; in einer anderen Dokumentation über die Band wird er weiter ausgeführt und untersucht. Dennoch spielt er hier eine nicht zu verachtende Rolle, stellt er sich doch bei näherem Hinsehen als entscheidender Baustein für den weiteren Verlauf heraus. Wir erfahren, dass nur einen Tag nach Burtons Beerdigung nach einem neuen Bassisten gesucht wurde. Überhaupt hatte Newstedt bei seinem Einstieg ein schweres Erbe zu tragen, denn die Band trauerte noch und verschloss sich dem Neuen, der sich zwar als technisch brillant herausstellte, sich jedoch trotz allem nicht in den Kreis eingliedern durfte. Nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten hatte sich Newstedt zwar lange als vollständiges Mitglied etablieren können, doch selbst hier war er nicht mehr vollkommen zufrieden, fühlte sich nicht ausgefüllt. So rief er diverse Nebenprojekte ins Leben, darunter die Combo „Echobrain". Das wiederum konnte Hetfield nicht akzeptieren, weil er den Gedanken nicht ertragen konnte, dass sich eines der Bandmitglieder durch Metallica nicht vollkommen ausgelastet fühlen könnte und weil er niemanden verlieren wollte. Doch genau das passierte: Newstedt stieg aus, denn er fühlte sich eingeengt.
Ganz andere Voraussetzungen also als bei der Verpflichtung von Robert Trujillo. Hier musste der Neue auch zwischenmenschlich passen, was dann auch zu einem entscheidenden Kriterium bei der Auswahl wurde. Die Vorstellung des neuen Bassisten darf daher als positiver Neuanfang verstanden werden.
Doch so schnell ging es natürlich nicht. Die Zeit zwischen Newstedt und Trujillo war eine steinige. Hier wandelte man zeitweise bedrohlich nahe am Abgrund. Wie nahe das Aus wirklich war, wird auf bedrückende Art dargestellt. Ausgangslage nach Newstedts Ausstieg war - wie nicht zum ersten mal - der Alkohol. Nicht umsonst hat man sich während all der Jahre des Tourens und Saufens den Namen „Alcoholica" erarbeitet. So gerät Hetfield bei einem Urlaub wieder in die Alkoholspirale und benötigt Hilfe, um ihr wieder zu entfliehen. Es ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat, zwischen Familie (sowohl Hetfield als auch Ulrich sind Väter) und Depression. Die Auszeit verändert alles: Als Hetfield zurückkehrt, will nichts mehr funktionieren. Er erweist sich als Egozentriker, fordert ein Arbeitsende täglich um Punkt vier Uhr nachmittags, will aber unter keinen Umständen, dass die anderen noch weiterarbeiten, damit er selbst nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Hier beginnt der Zweikampf, der mitunter an eine „King Kong vs. Godzilla"-Paarung erinnert. Zwei Minuspole, von denen keiner nachgeben will, und die positive Quintessenz will sich auch nicht herausstellen. Hatte sich das schon in der Auseinandersetzung zwischen Hetfield und Newstedt angedeutet, gibt es nun endgültig kein Zurück: Es gibt keine andere Wahl, will man das Monster namens „Metallica" am Leben erhalten, darf man keinen Rückzieher machen.
Hetfield befindet sich also erneut in einer Endlosschleife, diesmal zusammen mit Kollege Ulrich. Beide stoßen gegen die Wand. Kirk Hammett versucht zu schlichten und will mit der Zurücknahme des eigenen Egos den anderen ein gutes Beispiel sein, doch es bedarf einer Kraft von außen. Also heuert man einen Psychologen an. Der Rest ist bekannt.
In den Auseinandersetzungen zwischen Hetfield und Ulrich findet man ein Stilelement, das neuerdings sehr gerne vor allem in Filmbiographien angewandt wird (sei es in „Aviator" oder in „Ray"), und nun scheinbar auch in Realdokumentationen: die Selbstkritik. In einer offiziell beglaubigten Dokumentation sollte man davon ausgehen, dass die Betroffenen den Inhalt gutheißen. Oftmals war dies in der Vergangenheit ein Problem, Objektivität zu bewahren, denn in der Regel will niemand schlecht aussehen, so dass immer die Schokoladenseite betont wurde. Nun springt das Publikum aber offenbar besonders auf Ehrlichkeit an, was auf das Gesamtwerk natürlich den positiven Effekt hat, dass gnadenlose Unverblümtheit und Unverfälschtheit gewährleistet werden kann. Natürlich muss man nun aufpassen, dass dieses Stilmittel nicht zum Selbstzweck verkommt, dass man also negative Charaktereigenschaften um des Ehrlichkeitseffektes Willen einbaut. Allerdings kann davon in „Some Kind of Monster" keine Rede sein. Die Offenheit wirkt in keiner Einstellung gekünstelt, ganz im Gegenteil lernt man die Menschen James, Lars und Kirk viel besser und vollständiger kennen. Psychische Beweggründe werden deutlich, Entscheidungen nachvollziehbarer. Auch hieraus schöpft das Werk von Berlinger und Sinofsky eine Tiefe, die vielen anderen Dokumentationen einfach fehlt: Die Subjekte werden in ihrer Vollständigkeit gezeigt, nichts wird dem Zuschauer vorenthalten.
Das neue Album „St. Anger" dient währenddessen als Kulisse, die Arbeit daran als Vorwand für die Aufeinandertreffen der Protagonisten. Vielmehr darf der Titel aber auch als Metapher auf das fragile Bandgerüst und den Befreiungsschlag verstanden werden, der das schon zerbrochen geglaubte Fundament wieder mit einem einzigen Knall aufrichtete.
Interessanterweise wurde das Album bei Erscheinen von vielen Fans und Kritikern trotz guter Verkaufszahlen eher verhalten aufgenommen. Vielleicht fehlte einfach das erklärende Gegenstück, das nun mit „Some Kind of Monster" nachgereicht wurde. Denn Vieles, was missverstanden oder übersehen wurde, klärt sich hiermit auf. Prägnante Textzeilen wie „All The Shots I Take, I Spit Back At You" werden in ihrer Entstehung gezeigt und daher um so nachvollziehbarer, zumal man sich durch Parallelen zu gezeigten realen Geschehnissen selbst noch weiter ein Bild von der Bedeutung aufbauen kann.
So, wie also die Probleme rund um die Band das Album beeinflusst haben, dient dieses Album also auch wieder als Reflexion dieser Probleme. Fast stellt sich die berühmte Frage, ob nun das Huhn oder das Ei eher da war.
Eine gewisse Aussage ist auch herauszufiltern. Bei aller Selbstkritik ist man letztendlich doch der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Newstedts Äußerung, es sei unverständlich, die Probleme durch fremde Hilfe lösen zu wollen, wird negiert: Der Psychologe führt die Band wieder ins Licht; einmal dort angekommen, nimmt sie das Zepter wieder gemeinsam in die Hand, diesmal vereint, verstärkt und mit einer durch die adrenalingetriebene Gangart des neuen Albums symbolisierten positiven Kraft versehen. Jeder geht seinen Weg. Ob die Richtung, die Metallica eingeschlagen haben, wirklich so sinnvoll war, wie es dargestellt wird, lässt sich zum derzeitigen Stand der Dinge noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass alles wieder gesünder erscheint als noch vor zwei, drei Jahren.
Fazit: Der Titel ist Programm. Das Phänomen Metallica ist eine Art Monster, bestehend aus zusammengefügten Teilen, die für sich alleinestehend nicht existieren können und nur zusammen einen Sinn ergeben. Der schmale Grat zwischen Leben und Tod ist dabei präsenter, der Lebensfaden dünner gewesen, als man es als Außenstehender je für möglich gehalten hätte. Immer wiederkehrende Schicksalsschläge wie Cliff Burtons Tod oder Jason Newstedts Ausstieg bohrten tiefe Wunden in das Fleisch, die nun mit dem Einstieg von Rob Trujillo und der schieren Wucht von „St.Anger" wieder geheilt werden sollen. Joe Berlinger und Bruce Sinofsky schaffen es, diese Thematik technisch und inhaltlich geradezu perfekt in Szene zu setzen und verzichten dabei auch nicht auf Tiefgang und Vielschichtigkeit. Ein wahres Monster unter den Dokumentationen.
Auch die DVD gibt sich keine Blöße und wird der Dokumentation mehr als gerecht. Zumindest die Erstauflage steckt in einem stabilen Rundumschuber im Stil von "Blow" oder "Underworld", allerdings mit einer besseren Qualität. In der Amaray-Hülle stecken dann zwei DVDs. Auf Disc 1 findet man die Dokumentation in ungewöhnlich guter Bild- und Tonqualität (nach Doku-Maßstäben), auf Wunsch mit Audiokommentaren von Band und Filmemachern, die optional untertitelt sind.
Die Menüs sind bei beiden Discs sehr ansprechend mit Bildern gestaltet, die durch das Albumartwork von St. Anger inspiriert wurden, wobei nur jeweils das Hauptmenü animiert ist. Jeder Menüabschnitt ist dabei allerdings durch einen anderen Metallica-Song untermalt, was die Vorfreude auf Film und Bonusmaterial erheblich steigert.
Kernpunkt der Bonus-Disc dürften die 40 entfallenen Szenen sein, die vom Unterhaltungswert an die "auserwählten" Szenen aus der Doku durchaus herankommen. Allerdings ist es schon verständlich, dass sie es nicht in das Endprodukt geschafft haben.
Weiterhin bekommt man die Gelegenheit zu hören, wie sich Metallica über das Werk äußern. Zudem gibt es die Highlights von Festivals und Premieren sowie die obligatorischen Trailer und ein Musikvideo. Alles in allem ein mehr als stimmiges Gesamtprodukt, das jeden Cent wert ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 27, 2008 12:13 PM CET


The Audio Injected Soul
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Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 21,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Still Danish Dynamite!, 15. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: The Audio Injected Soul (Audio CD)
"Mechanical Spin Phenomena" war für das Debüt einer dänischen Metalcore-Band ein verdammt gelungener Brecher, ganz in der Tradition von Fear Factory. Allerdings wurde trotz diverser Anleihen schon damals darauf geachtet, einen eigenen Stil zu kreieren, was definitiv auch gelungen ist. Selbst nennen sie es "Future Fusion Metal", worunter eine Symbiose aus hämmernden Drums, dunklen Riffs, melancholisch-aggressivem Gesang und pochenden Industrial-Elementen zu verstehen ist.
Der Erstling war deswegen auch schwer verdaulich und erschloß sich nicht jedem sofort. Die sehr ähnlichen Songstrukturen führten dazu, dass "Mechanical Spin Phenomena" ein einstündiger, brachialer Metalklumpen mit sich überschneidenden Grenzen wurde. Die Klasse des Albums wurde dann mit zunehmender Laufdauer deutlich. Langsam, aber sicher stachen einzelne Details heraus, die den Sound endgültig unverwechselbar machten.
Mit dem Nachfolger hat sich nicht viel verändert. Mnemic sind sich selbst treu geblieben. Erneut ist es schwer, sich einzuhören. Die tiefgelegten Gitarren und pochenden Drums hämmern derart auf einen ein, dass es schon mehrerer Durchgänge braucht... dann aber ist es wieder da, das Besondere, das die Dänen von den unzähligen anderen Metalbands abhebt.
Nichtsdestotrotz muss man relativieren: Mnemic sind zwar Spitzenreiter, allerdings in der zweiten Liga. Die Klasse von Fear Factory etwa wird noch nicht ganz erreicht. Auf dem besten Weg ist man aber, das steht fest. Mnemic ist moderner und doch zeitloser Metal mit melancholischen Zügen. Hypnotizing.
Die neue Technologie, mit der das Album arbeitet, hat sich mir nicht so ganz offenbart; nur im Albumhöhepunkt "Death Box" kann man eine Gänsehaut kriegen, wenn Shouter Michael abwechselnd in linke und rechte Ohr schreit. Dabei bedarf es solcher Spielereien gar nicht unbedingt, denn der Sound als solcher spricht schon für sich.
Definitiver Geheimtipp. Nicht besser, aber auch nicht viel schlechter als das grandiose Debüt.


Van Helsing (Collector's Edition, 2 DVDs)
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DVD ~ Hugh Jackman
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Popcorn-Mix auf schöner DVD, 11. September 2004
Ein Kritiker, der was auf sich hält, muss Stephen Sommers neuesten Streich natürlich in der Luft zerreißen. Klar, wir haben es hier mit einem zweidimensionalen Monster-Mix zu tun, der in einem visuellen Overkill zuviel auf einmal erzählen will und dabei wie eine riesige CGI-Bombe vor den Augen des Zuschauers zerplatzt, wobei dieser anschließend nicht sehr viel mitnimmt aus dem Kino.
Keine Frage, von einem Film wie "Donnie Darko" oder den letzten Lynch-Psychotrips hat man mehr. Ich bin aber dafür, einen Film immer danach zu beurteilen, wie gut er seinen Zweck erfüllt. Und da hat das Blockbuster-Spektakel durchaus was zu bieten.
Eines kann muß man dem Film lassen: er drückt von Beginn an mächtig aufs Tempo. Der an sich schon sehr aufwändige Kampf gegen Mr. Hyde dient z.B. nur als Prolog. Es reihen sich Actionsequenz an Actionsequenz, zwei volle Stunden lang, ohne dass es wirklich langweilig wird. Das ist vor allem den vielseitigen und vor allem sehr atmosphärischen Sets zu verdanken. Burgen, Dörfer, Wälder... das ganze gothische Programm wird aufgefahren.
Die animierten Figuren werden ebenfalls oftmals als gelungen bishin zu grauenvoll bewertet. Ich persönlich hatte Spass dran. Man darf nicht vergessen, dass Sommers keinerlei Horroratmosphäre intendiert hatte, sondern stattdessen auf puren Monsteraction-Trash aus war. Für diesen Zweck sind sowohl Frankenstein als auch der Wolfsmensch als auch Dracula und seine Bräute genauso geworden, wie ich sie mir für einen Popcornfilm wünsche. Das Hirn sollte man natürlich während des Filmgenusses ausschalten, damit man bloss nicht auf die Idee kommt, irgendwo nach Realismus zu suchen.
Die absolut schwachsinnige Story fällt daher schonmal als Kritikpunkt raus. Wen zum Teufel interessiert schon die Geschichte bei einem Crossover der berühmtesten Monster der Filmgeschichte?
Ein paar Kritikpunkte sollte man dennoch anmerken. Zum einen nimmt sich der Film stellenweise zu ernst. Dass die innere Zerrissenheit Draculas oder die wütende Trauer Frankensteins sich nicht in einem Big-Budget-FSK12-Hollywood-Action-CGI-Event darstellen lassen, sollte von Anfang an klar gewesen sein. Die Versuche, den Monstern so etwas wie Emotionen einzuhauchen, wirken daher etwas lächerlich. Das sollte man lieber den Originalen überlassen.
Auch kann - so ungerne ich das sage - Richard Roxburgh als Dracula keineswegs überzeugen. Ein Vergleich mit einem Bela Lugosi oder Gary Oldman wäre natürlich unfair, aber ein bisschen mehr hätte es schon sein können. Auch Van Helsing selbst wird mir in seiner Rolle zu sehr Popstar. Eine stoischere Einstellung wie etwa die vom Farmer aus "Undead" hätte vielleicht besser gepasst.
Was bleibt, ist ein überaus kurzweiliger Snack für zwischendurch, den man mit einer gewissen Offenheit begrüßen sollte, um ihn zu geniessen. Er ist jedenfalls besser, als er dargestellt wird. Trotz seiner zahlreichen Schwächen.
Erfreulich auf ganzer Linie ist dagegen die DVD-Umsetzung. Universal hat sich dazu hinreissen lassen, mal wieder ein Digipack mit zwei DVDs zu spendieren (neben der Single-Disc). Das Bild ist gut, der Sound setzt leider teilweise aus, ist zumindest nicht der angekündigte Kracher.
Das Bonusmaterial erinnert ein wenig an das von "Fluch der Karibik". In dem recht umfangreichen Angebot (ca. 150 min.) findet man unter anderem virtuelle Rundgänge durch Draculas Schloss. Ausserdem diverse Making Ofs, Trailer und Ähnliches. Mehr als zufriedenstellendes Angebot mit Schwerpunkt auf Sets und Special Effects, allerdings auch ein bisschen Werbung.
Unter dem Strich ein Vier-Sterne-Paket.


Happy Tree Friends, Vol. 1: First Blood
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DVD ~ Kenn Navarro
Wird angeboten von Dreamlands
Preis: EUR 9,99

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drollige Blutorgie, 2. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Happy Tree Friends, Vol. 1: First Blood (DVD)
Pokemon. Braindead. Ren & Stimpy. Sam & Max. Teletubbies. South Park. Glücksbärchis. Itchy & Scratchy. Die Monchichis. Die Schlümpfe. Das Texas Chainsaw Massacre.
Nimmt man all diese Schlagworte und presst sie in einen Mixer, dann kommt ein blutiger Klumpen namens "Happy Tree Friends" dabei heraus.
Der Gegensatz von niedlichen Figuren, denen grauenvoll blutige Sachen passieren, hat mit der eintretenden South Park-Welle Ende der 90er Einzug erhalten in den Main Stream der Fernsehlandschaft. Wahrscheinlich ist das eine natürliche Reaktion auf die davor herrschende Knuddel-Welle, bei der Diddl und Konsorten die Menschen terrorisiert haben. Still und heimlich hat sich dann wohl ein Hass auf die süßen Knuddelviecher entwickelt.
Die "Happy Tree Friends" dienen also primär als Ventil. Endlich kann man sich als Zuschauer auch mal abreagieren, indem man dabei zusieht, wie die heile Welt der naiven Waldbewohner sich auf lustige und blutige Art in die Hölle verwandelt. Nicht mal kleine Bärenkinder bleiben verschont.
Sicherlich ist das geschmacklos. Die übertrieben glückliche Gestaltung des Szenarios, die durch den sehr einfachen und kindlichen Animationsstil unterstrichen wird, sorgt aber dafür, daß man trotz allem herzhaft über die Mißgeschicke der Tiere lachen kann. Wer hier Parallelen zur realen Welt zieht, ist fehl am Platz. Wenn es dann zu den derben Szenen kommt, bleibt der Zuschauer wirklich von keinem Detail verschont. Augen rollen, Blut spritzt, Gehirne fliegen...
Die Kurzfilme von nicht mehr als zwei Minuten Dauer wollen nicht anspruchsvoll sein oder irgendwelche versteckte Sozialkritik vermitteln, wie es noch bei den frühen Simpsons oder South Park der Fall ist. Hier geht es wirklich um pure Unterhaltung ohne jeglichen Tiefgang. Die kurze Laufdauer der Episoden ist daher nicht störend.
Die angegebene Laufzeit von 140 Minuten bezieht sich auf sämtliches auf der DVD enthaltenes Material. Es gibt 14 Episoden, von denen einige bereits auf der Homepage der Happy Tree Friends zu bewundern sind; viel länger als 30 Minuten dauert die reine Laufzahl der Episoden nicht. Die DVD ist dennoch empfehlenswert aufgrund des interessanten Bonusmaterials und der schönen Aufmachung - eben so, wie man es von Anbieter mc-one gewohnt ist.
Two Thumbs Up!


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