Profil für Brigitte Hilgner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Brigitte Hilgner
Top-Rezensenten Rang: 2.665
Hilfreiche Bewertungen: 469

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Brigitte Hilgner (Vienna Austria)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Die maritime Seidenstrasse: Küstenräume, Seefahrt und Handel in vorkolonialer Zeit
Die maritime Seidenstrasse: Küstenräume, Seefahrt und Handel in vorkolonialer Zeit
von Roderich Ptak
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

3.0 von 5 Sternen Ein gigantischer Themenkomplex, 15. Juni 2014
Wie so oft ist der Buchtitel irreführend und wohl aus Marketinggründen gewählt worden: es geht in dem Buch um Schiffsrouten im Pazifik und Indischen Ozean (ostasiatische Meere, Südchinesisches Meer, Sulu-See, Meere Ostindonesiens, Malakka-Straße, Andamanisches und Bengalisches Meer, Arabisches Meer, Persischer Golf, Rotes Meer), und der Autor beginnt mit den frühesten Aufzeichnungen und verfolgt die Entwicklung bis in die Frühe Neuzeit. In zwei Anhängen werden die Handelswaren und der Schiffbau behandelt.
Es gibt einige Übersichtskarten im Buch, die sehr hilfreich sind aber auch viel Blättern erfordern - ein aufgeschlagener Atlas hilft etwas beim Lesen (Problem: viele Ortsnamen ändern sich im Lauf der Jahrhunderte).
Um das Buch wirklich schätzen zu können, braucht man wohl Kenntnisse der Geschichte der einzelnen Länder, die hier behandelt werden (vor allem Chinas, Japans und der Malaiischen Halbinsel) und zwar möglichst über den gesamten betrachteten Zeitraum - mir fehlt dieses Wissen und so ist es ein gewisser Kampf, bei den ständig wechselnden Dynastien und Wanderungen ganzer Völker oder Bevölkerungsgruppen einigermaßen den Überblick zu behalten. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Überlieferung jahrhundertelang nicht nur sehr bruchstückhaft ist, sondern das Erfassen von Zusammenhängen auch durch Sprachprobleme erschwert wird - wer will nach Tausend Jahren noch feststellen, ob ein bestimmtes Wort im Chinesischen einem anderen Wort im Arabischen entspricht, oder ob beide doch verschiedene Sachverhalte bezeichnen? Außerdem entsteht nach einiger Zeit ein gewisses Gefühl der Monotonie - unter der Herrschaft der X wird die Route von A nach B befahren, dann werden die X durch die Y verdrängt und die Route ändert sich von A nach C, aber nachdem die Y durch die Z besiegt wurden, kehrt man ungefähr wieder zur alten Route zurück.
Abgesehen von der eher theoretischen Einleitung schreibt der Autor klar und verständlich und meine nur durchschnittliche Bewertung beruht einerseits auf meiner Enttäuschung (der Buchtitel ließ mich etwas anderes erwarten) und andererseits auf meiner Unfähigkeit, mangels ausreichender Hintergrundkenntnisse das Buch richtig zu würdigen.


Ein todsicheres Rezept: Roman
Ein todsicheres Rezept: Roman
von Diane Mott Davidson
  Taschenbuch

1.0 von 5 Sternen Die Köchin ist nicht der Mörder, 3. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Ein todsicheres Rezept: Roman (Taschenbuch)
Wer schreibt eigentlich diese Sätze auf Rückseiten von Büchern (TB) oder Buchumschlägen (gebundene Ausgaben), die mich in Kombination mit einem ansprechenden Titel schon mehr als einmal verleitet haben ein Buch zu kaufen, nur um dann festzustellen, dass dessen Inhalt weder mit dem Titel noch mit den euphorischen Worten ganz zum Schluss etwas zu tun hatte? Kann ich der Voodoo-Puppe den Namen „Marketingtextschreiber von Verlagen“ geben und dann Nadeln ins Kollektiv piksen?
Okay, dieses Buch habe ich nicht gekauft, sondern aus einem dieser Bücherkästen genommen, die an mehreren Orten in der Stadt stehen und in die man nicht (mehr) gewollte Bücher stellen kann bzw. aus denen man sich bedienen darf. Die Entnahme ist nicht mit der Auflage verbunden, anschließend nur Positives über das Werk zu äußern, das sei hier ausdrücklich betont.
„... vor allem mit einer Sache hätte Goldy nie gerechnet: daß sich ihr eigens für diesen Anlaß kreiertes Pfannkuchenrezept als derartiger Mordserfolg herausstellen würde...“ Lassen wir die Diskussion darüber, wie um alles in der Welt man einen Menschen „Goldy Bear“ nennen kann (die US-Amerikaner schrecken bei der Namensgebung vor nichts zurück, ein gewisser deutscher Hersteller von Gummibärchen hat vermutlich nichts damit zu tun), festzuhalten gilt: im Buch stirbt niemand an einem Pfannkuchen! Das auf S. 309 abgedruckte Pfannkuchenrezept sieht recht harmlos aus und sämtliche kulinarischen Leckerbissen von Goldy Bears Goldilocks Partyservice (ich habe mir diese Namen nicht ausgedacht, ehrlich), von denen in diesem Buch die Rede ist, haben (sofern das Buch darauf eingeht) keine negativen Auswirkungen, nicht einmal eine klitzekleine Erhöhung des Cholesterinspiegels. Eine Person wird überfahren, ein bereits Toter fällt durch die Sicherheitsverschalung in einem Kaufhaus und eine Person begeht Selbstmord. Der Staat Colorado in den USA ist offensichtlich ein ungesundes Pflaster, aber nicht unbedingt wegen seiner Essgewohnheiten.
Wie alle Leser von „Tod eines Handlungsreisenden“ oder Betrachter des Theaterstücks wissen, kann der Vertrieb in den USA eine mörderische Angelegenheit sein und so ist es auch hier. Dazu gibt es eine Reihe Kochrezepte, eine unheimlich tüchtige Partyservice-Anbieterin (ich würde das alles nicht so schnell kochen, schon gar nicht in diesen Mengen) mit einer Neigung, Privatdetektivin zu spielen, was ihrem Ehemann, Polizist von Beruf, gar nicht gefällt, ein gebrochenes Teenagerherz, eine übergewichtige Freundin mit Herzinfarkt, ein Kotzbrocken von Ex-Ehemann, militante Tierschützer, eine investigative Journalistin, Industriespionage, düstere Vergangenheiten - was fehlt ist die Spannung eines echten Krimis.
Über die Autorin bemerkt der Verlag auf der ersten Innenseite des Buches: „Mit ihren kulinarischen Kriminalromanen hat sie ein ganz eigenes Subgenre kreiert.“ Ich schlage vor, die Autorin entscheidet sich: Krimis oder Kochbücher. Meine ganz unmaßgebliche Meinung: Der Name Goldy Bear passt besser zu Kochbüchern.


Höchstgebot
Höchstgebot
von Thomas Hoeps
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2.0 von 5 Sternen Unrealistisch und überzogen, 27. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Höchstgebot (Taschenbuch)
Schade: die Autoren und ihre Übersetzerin schreiben gut und flüssig und verstehen es, Spannung aufzubauen, aber letztendlich tun sie des Guten zu viel: warum müssen sie die Handlung derart unglaubwürdig aufbauschen? Das Buch ist völlig überfrachtet, wie so viele zeitgenössische Krimis. Etwas weniger Psychologie und ein paar gewollt reißerische Szenen weniger hätten das Ganze glaubwürdiger gemacht.
Im Dreiländereck Köln - Aachen - Düsseldorf - Krefeld - Maastricht - Valkenburg - Lüttich - Liège-Guillemins (ich entschuldige mich bei allen Orten, die ich zu erwähnen vergessen habe) scheint die grenzüberschreitende Kooperation der Polizeikräfte und deren freiwilliger Helfer (die Polizei nimmt sie recht bereitwillig zu Einsätzen mit) hervorragend zu klappen. Weniger gut funktioniert meine Fähigkeit, den häufigen Ortswechseln zu folgen („Hilfe, wo sind wir gerade?“), aber das ist natürlich mein Problem.
Wozu die Nebenhandlung ziemlich am Anfang, während der Micky Spijkers, ehemalige niederländische Polizeipsychologin, in ihrem ersten freiberuflichen Job als Ermittlerin einen Leiter der Buchhaltung in den Selbstmord treibt? Der Mann war, wie sich herausstellt, völlig unschuldig, was die Polizei ruckzuck herausfindet, der Täter war der Sohn des Direktors und Hauptaktionärs - warum bringt sich der Leiter der Buchhaltung dann unmittelbar nach einer, wenn auch heftig geführten, Befragung durch Micky auf grausige Weise auf dem Firmengelände um? Nur damit die Ermittlerin schlecht aussieht und es eine Erklärung dafür gibt, warum sie den nächsten Job übernimmt? Den hat ihr ein ehemaliger - ja, was (ich habe die vorhergehenden Krimis nicht gelesen) - Freund/Geliebter vermittelt, der Restaurator und Hobbydetektiv (??), Robert Patati. (Mein Pech, dass ich Italienisch kann; ich assoziiere mit dem Namen immer „patata“ = Kartoffel, und es fällt mir schwer, den Namensträger ganz ernst zu nehmen.)
Zwei psychisch gestörte Geschwister, die sich in Hassliebe und Eifersucht verbunden sind, eine Restauratorin mit Borderline Syndrom, die eine sorgfältig geplante Polizeiaktion ruiniert, ein autistischer Geschäftsführer, der sich von seiner Chefin manipulieren lässt, eine kompetente Wissenschaftlerin, die der Schwester ihres Geliebten nachspioniert, ein sündteures Gemälde, das letztlich nur als Trägersubstanz für einen Geheimcode dient - alles ein bisschen heftig.
Dass der Chef eines Sicherheitsdienstes erst erfährt, dass einer seiner Mitarbeiter ein kiffendes Riesenfaultier ohne Arbeitsmoral ist, nachdem eine halbe Fabrik abgebrannt ist, während der Mann dort im Dienst schlief, mag vorkommen, aber würde dieser Chef tatsächlich einen Mitarbeiter behalten, von dessen Spielsucht und Schulden er weiß und der sich immer wieder ohne belegbaren Grund krank meldet und einen weiteren Kollegen zum Blaumachen anhält?
Würden zwei im Buch als absolute Dumpfbacken dargestellte junge Männer, die in einem schnellen Auto mit dem gestohlenen Gemälde und Geheimdatenträger auf der Flucht sind und gerade noch einer sich schließenden Bahnschranke und ihrem Verfolger (Patati) in einer alten Klapperkiste entkamen, statt Vollgas zu geben wirklich anhalten, den Rückwärtsgang einlegen und den Verfolger in seinem Vehikel zurück auf die Gleise drängen? Flucht hätte doch völlig genügt, um die Handlung voran zu treiben, wozu dann noch ein Zugunglück, ein Aufgebot von Polizisten, die als inkompetent dargestellt werden und mittendrin Patati, der des Terrorismus (hat das Zugunglück verschuldet) verdächtigt wird?
Dass kurz vor Schluss die US-Amerikaner durch Verleihung der Staatsbürgerschaft einen Auftraggeber zum Mord und seine Helfershelfer vor der gerechten Verfolgung schützen, überrascht kaum noch.
Nach zwei Toten und mehreren ruinierten Leben kleben die Autoren noch ein versöhnliches Ende an: die LKA-Beamtin findet in Frankreich nicht nur eine Garage voll mit gefälschten Giacomettis (welch‘ Erfolgserlebnis!), sondern lernt auch einen äußerst netten Kollegen kennen, Herr Patati erfüllt sich einen Traum und kauft sich ein Schiff, bei der psychisch gestörten Restauratorin schlägt die Behandlung an und Micky findet wieder eine feste Stelle (wollen’s hoffen, dass dadurch weitere Selbstmorde vermieden werden können). Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.


Der Deutsche Ritterorden.
Der Deutsche Ritterorden.
von Dieter. Zimmerling
  Gebundene Ausgabe

1.0 von 5 Sternen Finger weg!, 24. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Deutsche Ritterorden. (Gebundene Ausgabe)
Ich habe dieses Buch vor circa zwei Jahrzehnten gekauft, gelesen und offenbar unreflektiert in einen Bücherschrank gestellt. Angeregt durch ein neues (2013 erschienenes), nicht empfehlenswertes Buch über die Kreuzzüge habe ich zuhause vorhandene Literatur zum Thema wiedergelesen: Steven Runcimans „A History of the Crusades“ (Anfang der 1950er Jahre erschienen, auch auf Deutsch verfügbar) ist ein gründlich recherchiertes, solides Werk zum Thema (auch wenn der Autor den Deutschen nicht wohl gesonnen und über ihre Geschichte weniger gut unterrichtet ist als über die der französischen Kreuzfahrer); Runciman tut sein Bestes, Ordnung in die verwirrende Kleinstaaterei in „Outremer“ zu bringen. Alain Demurger hat ein lesenswertes Wert über „Die Templer“ verfasst (leider ohne Register) und daran anschließend griff ich zu Zimmerlings Opus und kann nur sagen: schaurig!
Den Stil des Autors finde ich abstoßend, was ein wesentlicher Grund für meine negative Beurteilung ist (mangelhafte Recherche und oberflächliche Darstellung sind weitere gravierende Kritikpunkte). Ich bin der Meinung, dass ein Sachbuchautor - das vorliegende Werk gilt als Sachbuch, nicht als historischer Roman - nicht nur gründlich und sorgfältig recherchieren, sondern sein Material auch unvoreingenommen, in neutralem Ton präsentieren sollte („neutral“ bedeutet nicht langweilig) - der Autor steht, sozusagen, über den Fakten und äußerst seine Meinung nur, soweit erforderlich. Willkürliche Polemik ist in einem Sachbuch unangebracht.
Zimmermann macht von Anfang an kein Hehl aus seiner negativen Haltung den Kreuzzügen, den Kreuzfahrern und den Ritterorden gegenüber (Warum hat er das Buch überhaupt geschrieben?) und zeigt deutlich seine Verachtung für die Europäer, die versuchten, im Nahen Osten und später auch in Osteuropa christliche Reiche zu gründen und zu bewahren.
Die Darstellung ist sprunghaft, meist unsachlich und häufig nicht chronologisch, oft oberflächlich und daher unverständlich. Bei einem großen Teil des Textes handelt es sich um Meinungsäußerungen eines Journalisten zu einem Thema, von dem er keine fundierten Kenntnisse hat. Es kommt selten etwas Gescheites dabei heraus, wenn ein Nicht-Historiker versucht, ein Geschichtsbuch zu schreiben, und insbesondere Journalisten scheint es mehr auf eine „flotte Schreibe“ anzukommen als auf solide Arbeit und fundiertes Wissen. Außerdem ist der Autor so begeistert von Gräueltaten, dass er es nach Möglichkeit vermeidet, etwas Positives zu berichten. Der Autor urteilt nicht aus heutiger Sicht, er verurteilt aus eigener, persönlicher Sicht, und ich bin mir nicht einmal sicher, ob er einen eigenen Standpunkt vertritt - Hauptsache es klingt flapsig und reißerisch. Ich werde nun das tun, was ich vor rund zwanzig Jahren schon hätte tun sollen: das Buch entsorgen.


Wer Wind sät: Der fünfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 5)
Wer Wind sät: Der fünfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 5)
von Nele Neuhaus
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1.0 von 5 Sternen Traue keinem Umweltschützer, 13. April 2014
Es hängt alles mit allem zusammen, wie Edmund Stoiber schon vor Jahren erklärte, den ich aber durchaus nicht für diesen unglaubwürdigen Krimi verantwortlich machen möchte. Da Informationen über die Zusammenhänge im Buch immer nur scheibchenweise präsentiert werden (was zwar zu gewissen Überraschungseffekten führt, die mäßige Spannung aber auch nicht erhöht), versuche ich einmal, Ordnung in das Durcheinander zu bringen. (Eine Personenliste zu Beginn des Buches wäre hilfreich, fehlt aber.)
Es gibt sozusagen eine Haupt- und eine Nebenhandlung, wobei man letztere ohne Schaden aus dem Opus herausoperieren könnte - warum meinen moderne Krimiautoren so oft, ihre Romane überfrachten zu müssen? Zur Nebenhandlung zählen Prof. Dirk Eisenhut, Klimaforscher aus Berlin, seine ehemalige Mitarbeiterin Annika Sommerfeld (die in der Haupthandlung als Nika auftritt - ihr sind der Prolog und einige Rückblenden zuzuordnen), ein paar BKA-Leute (wie in so vielen Krimis wird es zwielichtig, wenn das BKA auftritt) und ein paar Tote im Hintergrund. Es geht um Fälschungen von Klimaberichten in großem Stil, Lug, Trug und Mord - aber das alles ist eigentlich Nebensache.
Hauptperson der Haupthandlung ist Kommissarin Pia Kirchhoff, gerade frisch aus dem Urlaub mit ihrem Freund (Christoph, trotz neuem Klunker an der Hand der Kommissarin derart nebensächlich, dass man auch auf ihn verzichten könnte) zurück und zunehmend gefrustet, weil ihr Chef, Oliver von Bodenstein, sich sozusagen von Seite zu Seite mehr aus den Ermittlungen zurückzieht (einerseits wegen familiärer Probleme, andererseits wegen zu intensiver Beschäftigung mit der dubiosen Annika/Nika). Nach gescheiterter Ehe sucht er etwas ganz anderes als seine Ex und gerät prompt wieder an die Falsche.
Der Pathologe, Dr. Henning Kirchhoff, ist der Verflossene der Kommissarin und jetzt mit ihrer besten Freundin liiert, wobei er sich allerdings seit Entstehen dieser letzten Beziehung einen Seitensprung geleistet hat; die beteiligte weibliche Person wird während des laufenden Falls entbunden, worauf der Pathologe zu ihr eilt - aber nur, um anhand eines Gentests (Haar des Neugeborenen) festzustellen, dass er nicht der Vater ist, wie von der Mutter zunächst behauptet. Die beste Freundin der Kommissarin versteht das zunächst völlig miss und durchlebt eine Krise - letztendlich tut das überhaupt nichts zur Sache, füllt aber einige Seiten.
Zurück zum Thema, das, so wie die Autorin es darstellt, verworren genug ist.
In der Firma WindPro für Windräder wird an einem Montagmorgen der Nachwächter tot aufgefunden - augenscheinlich aufgrund eines Treppensturzes. Der Tote war, Kommentaren der Belegschaft zufolge, nicht nur ein Trinker, sondern auch äußerst unbeliebt, während Geschäftsführer Stefan Theissen ihn als alten Freund bezeichnet, dem er helfen wollte. Viele Seiten später stellt sich heraus, dass der Tote der Schwager Theissens war (Bruder seiner Frau, die - wie die Töchter - für die Handlung unwichtig ist). Es wird allerdings nicht klar, warum Theissen die Wahrheit verschweigt - für die Handlung spielt dies keine Rolle. Durchaus eine Rolle spielt jedoch Theissens Sohn Mark - ein psychisch offensichtlich labiler (um nicht zu sagen: gestörter) Jugendlicher, der vor wenigen Jahren im Internat missbraucht wurde, bei seinen Eltern keinen Halt fand, aus Wut eine Reihe Autos zertrümmerte, von der Richterin zu gemeinnütziger Arbeit in einem Tierheim verurteilt wurde und in dessen Leiterin Ricky Franzen und deren Freund Jannis Theodorakis zunächst einen Halt zu finden glaubt, zumal er in schwärmerischer Liebe zu Ricky entbrennt. Im Verlauf des Geschehens erfährt er mehr über die beiden, als ihm lieb ist, was schließlich zu einem heftigen Ausraster führt, der sich für die Polizei als äußerst nützlich erweist - aber ich greife vor.
Dem nächsten Projekt der Windräderbauer (ungemein wichtig, da das Unternehmen die zugesagten Fördermittel braucht, um nicht pleite zu gehen) steht vor allem Bauer Ludwig Hirtreiter im Weg, der eine Wiese nicht verkaufen will, über die eine Zufahrt zu dem noch zu bebauenden Gelände führen soll. Die drei mit ihrem Vater zerstrittenen Kinder Hirtreiters (zwei Söhne - Nebenfiguren - und eine Tochter, die - wie Nika/Annika - bei Ricky Franzen arbeitet) drängen aus Geldgründen jedoch auf einen Verkauf. Ricky und Jannis dagegen sind in einer Gruppe Umweltschützer aktiv, die sich grundsätzlich gegen die Errichtung von Windrädern auf dem fraglichen Gelände engagiert. Jannis tut dies vor allem, um sich an seinem früheren Arbeitgeber, der Firma WindPro, die ihm kündigte, zu rächen.
Es wird alles recht verworren dargestellt mit häufigen Sprüngen zwischen den einzelnen Handlungssträngen. Würde ein Unternehmen wie WindPro es wirklich zulassen, dass zahlreiche ehemalige Mitarbeiter (darunter Jannis) die Firma verlassen, ohne ihre Schlüssel zum Gebäude zurückzugeben? Ist die Polizei wirklich so inkompetent, die Hintertür eines Tatorts unversiegelt zu lassen? Warum erkennt die Polizei nicht, was wirklich zum Tod des Nachtwächters führte? Wieso nimmt Frauke, die Tochter von Bauer Hirtreiter, in der Pubertät so gewaltig zu und warum wird nichts dagegen unternommen? Dass ihre Brüder aufgrund ihres aufwendigen Lebensstils hoch verschuldet sind, wird erwähnt, aber wieso hat Frauke trotz ihres offenbar einfachen Lebens Schulden?
Außer drei Menschen stirbt der zahme Rabe von Bauer Hirtreiter (die Mörderin ist der Polizei bekannt, wird aber nicht zur Rechenschaft gezogen) sowie ein armer, kleiner Hamster. War es ein natürlicher Tod? Starb er eines gewaltsamen Todes oder wurde er gar aus falsch verstandenem Engagement getötet, um dann fern vom Ort der Tat sozusagen als Mahnung oder Warnung abgelegt zu werden? Wir erfahren nichts darüber. Während alle auftretenden Personen offenbar gut vernetzt sind, bleibt das Tier ganz allein. Armer kleiner Hamster. Schluchz.


111 Orte im Hunsrück, die man gesehen haben muss
111 Orte im Hunsrück, die man gesehen haben muss
von Peter Friesenhahn
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unterhaltsam aber unausgewogen, 1. April 2014
Den letzten Buchseiten nach zu schließen gibt es eine ganze Serie von „111 Orten ...“ und vermutlich sind sie alle nach dem gleichen Schema aufgebaut: pro Ort eine Text- und eine Fotoseite. So werden sämtliche Orte, egal ob mehr oder weniger interessant, gleich behandelt - ganz gelungen finde ich dieses Prinzip nicht. Die Orte sind in alphabetischer Reihenfolge der Ortschaften aufgeführt, in denen oder in deren Nähe sie liegen. Das bedeutet, dass von Doppelseite zu Doppelseite teilweise beträchtliche geografische Sprünge gemacht werden - wer das Buch als Anregung für einen Tagesausflug oder ein paar Tage Urlaub nutzen will, muss sich anhand der Übersichtskarten am Ende seine Route zusammenstellen und dann blättern. Ich hätte eine Anordnung nach Kreisen (Kfz-Kennzeichen) bzw. Planquadraten für praktischer gehalten.
Liest man das Buch zu Hause auf dem Sofa spielt die Reihenfolge der Orte keine Rolle, allerdings habe ich mich mehrfach gefragt, ob man den erwähnten Ort wirklich sehen „muss“ (was mich betrifft lautet die Antwort häufig nein). Es ist durchaus interessant, was die Autoren über die aufgelassene Erzgrube in der Nähe von Altlay (Ort 2) oder die verlassene Romika-Fabrik in Gusterath-Tal (37) schreiben, aber soll man sich wirklich verfallende Gebäude ansehen, für deren Erhalt niemand etwas tut? Dem Vorwort nach zu schließen waren die Autoren in den 1980er Jahren aktive Gegner der Raketenstellungen im Hunsrück und forderten den Abzug der Atomraketen aus Deutschland - dies wird in der Wahl einiger Orte deutlich: dem Friedensacker an der Hunsrückhöhenstraße (10), dem Bunker Erwin bei Börfink (18, nicht zu besichtigen) und dem Goßberg bei Wüschheim (110). Den Leuten von Sargenroth kann man nur gratulieren, dass sie sich in Eigeninitiative einen Dorfladen erhalten haben (90), aber muss man ihn wirklich gesehen haben?
Geärgert hat mich die summarische Abhandlung der Burg Balduinseck (22): auch wenn es „keine Geschichten um die Burg“ geben mag, so hat sie doch eine Geschichte und spielte in der Auseinandersetzung des Trierer Erzbischofs mit den Grafen von Sponheim eine Rolle. Natürlich ist der Disibodenberg (81) heutzutage hauptsächlich wegen der heiligen Hildegard bekannt, aber statt des defekten Kassenautomaten könnte man doch den Gründer des Klosters (der heilige Disibod war ein irischer Mönch und starb im Jahr 700) erwähnen und deutlich machen, dass die Anlage schon lange vor der heiligen Hildegard (die Mitte des 12. Jahrhunderts mit den übrigen Schwestern auf den Rupertsberg bei Bingen übersiedelte) von Bedeutung war? Muss man auf der knappen Seite über die Keltensiedlung bei Bundenbach (26) andauernd Asterix, Obelix und weitere Bewohner des gallischen Dorfs erwähnen? Ist das alles, was wir heute mit den Kelten verbinden sollen?
Ja, das Buch ist nett zu lesen und bietet stellenweise Wissenswertes, das mich bewegt hat, im Internet weiter zu recherchieren, aber mein alter DuMont Kunst-Reiseführer „Hunsrück und Naheland“ (von Uwe Anhäuser) ist mir letztendlich lieber.


Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht
Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht
von Rodney Stark
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Ehrenrettung der Kreuzritter, 25. März 2014
Einem Religionssoziologen platzte angesichts zahlreicher Versuche von Wissenschaftlern und Medien, die Gewalt militanter muslimischer Gruppen auf „die Erinnerung an die lange Aggression seitens der Europäer“ (womit die Kreuzzüge gemeint sind) zurückzuführen und sie teilweise auch damit zu entschuldigen, der Kragen und so schrieb er dieses Buch - sozusagen, um eine Lanze für die Kreuzritter zu brechen.
Die Grundthese des Autors lautet, dass die Kreuzzüge ausschließlich eine Reaktion auf die gewaltsame Eroberung des Nahen Ostens und die Unterdrückung der dort verbliebenen Christen, Juden und Heiden durch die Muslime waren. Das ganze Buch orientiert sich daran und ist als Beweis dieser These konzipiert, was zu einer selektiven und teilweise überspitzten Darstellung führt. Wer eine historisch fundierte Übersicht über die Kreuzzüge sucht, wird sie in diesem Buch nicht finden, einigermaßen ausführlich ist nur der erste Kreuzzug dargestellt, wesentliche Aspekte und Teilnehmer aller folgenden werden sehr summarisch, dadurch auch teilweise verwirrend, und in einzelnen Punkten falsch dargestellt.
Das Ganze begann mit einem großen Missverständnis: als sich der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos mit seiner Bitte an Europa wandte, man möge ihm Truppen schicken, um das byzantinische Reich besser gegen die seldschukischen Türken verteidigen zu können, dachte er an geschulte Söldnerheere, die dann in seinem Auftrag und Interesse kämpfen sollten. Als Papst Urban II. die Bitte des Kaisers aufgriff und im November 1095 zum Kreuzzug aufrief, ging es ihm um die heiligen Stätten im Nahen Osten (vor allem um Jerusalem), nicht um das byzantinische Reich als solches. Seinem Appell folgten dann auch keine Söldnerheere (die damals in Europa noch nicht üblich waren), sondern außer Mitgliedern des Adels und deren Gefolge, die zum Kriegsdienst bereit und fähig waren, Menschen aus allen Bevölkerungsschichten (sogar Frauen und Kinder), die wenig bis gar nichts zur Rückeroberung und zum Schutz der heiligen Stätten beitragen konnten und vielfach nur eine Belastung für die „Krieger“ darstellten.
Alexios I. war entsetzt über den Menschenstrom, der sich in sein Reich ergoss, und dachte weder daran, sich als Führer an die Spitze der Kreuzfahrer zu setzen, noch sie zu unterstützen (durch Geld, Material, Lebensmittel, etc.). Ähnlich wie er dachten offensichtlich die meisten, vielleicht sogar alle seiner Nachfolger - im vorliegenden Buch werden die byzantinischen Kaisern (allesamt Verräter an den katholischen Kreuzfahrern) deutlich negativer dargestellt als die Muslime.
Die Haltung der byzantinischen Kaiser bedeutete, dass die Europäer auf sich gestellt waren - so gut wie alles, was sie brauchten, Menschen und Material, musste auf dem langen Weg über Land oder übers Mittelmeer in den Nahen Osten gebracht werden - auf die Dauer ein unmögliches Unterfangen. Verlässliche Zahlen fehlen, aber die Menschenverluste müssen, gemessen an der damaligen Bevölkerung, gigantisch gewesen sein (nicht nur aufgrund von Kämpfen, sondern auch aufgrund der Strapazen der Reise, der ungewohnten klimatischen Bedingungen, Seuchen, etc.). Ob in den kriegerischen Auseinandersetzungen Christen oder Muslime mehr Gewalt ausübten, sei dahingestellt und wird sich wahrscheinlich nicht mehr klären lassen - der Autor neigt dazu, Gräueltaten der Kreuzritter herunterzuspielen und diejenigen der Muslime zu betonen. Auffällig ist jedoch, dass in muslimischen Quellen aus der Zeit der Kreuzzüge diese kaum eine Rolle spielen - letztendlich waren die Gruppen der Europäer zu klein, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die einheimische, nicht-muslimische Bevölkerung wird im vorliegenden Buch so gut wie nicht berücksichtigt.
Insgesamt ist das Buch gut lesbar übersetzt (von einigen merkwürdigen Satzkonstruktionen und der mangelnden Unterscheidung von Perfekt und Imperfekt abgesehen) und bietet interessante Denkanstöße. Eine objektive historische Darstellung sieht allerdings anders aus.


Michelangelo & Raffael: Rivalen im Rom der Renaissance
Michelangelo & Raffael: Rivalen im Rom der Renaissance
von Kia Vahland
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut geschrieben - aber auch gut recherchiert?, 18. März 2014
Das erste Mal stolpere ich auf Seite 16, wo es heißt, Michelangelo sei 1506 von Rom aus mit der Postkutsche nach Florenz zurückgekehrt. Gab es damals schon Postkutschen auf dieser Strecke? Kurierdienste gab es, in Stafettenform mit Pferde- und Reiterwechsel, aber Kutschen für den Personentransport - das glaube ich erst, wenn ich einen Quellenbeleg dafür sehe. In einer Biografie Michelangelos las ich, der Bildhauer sei bei anderer Gelegenheit nach Florenz geritten - das scheint mir auch für 1506 wahrscheinlicher.
Es ist zumindest unüblich, Federico da Montefeltro, humanistisch gebildeter Herzog von Urbino und Kunstmäzen, als „brutal“ zu bezeichnen, aber der Mann verdiente sein Geld als Condottiere und so mag die Bezeichnung zutreffen - aber die Behauptung, er habe Machiavelli für sein Buch „Der Fürst“ als Vorbild gedient, überrascht dann doch sehr - das muss eine ganz neue Interpretation sein; Machiavelli selbst erwähnt Cesare Borgia als eine Vorlage für seine Vorstellung vom erfolgreichen Fürsten. Könnte es sein, dass die Autorin Cesare, der Federicos Sohn Guidobaldo aus Urbino vertrieb und das Herzogtum für einige Jahre besetzt hielt, mit Federico verwechselt?
Die Geschichte des Herzogtums Urbino scheint der Autorin generell nicht zu liegen - Cesare Borgia verliert mit dem Tod seines Vaters (Papst Alexander VI.) 1503 zwar die Macht dort, zurück kehrt aber zunächst der vorherige Herzog, Guidobaldo di Montefeltro. Sein von ihm adoptierter Neffe (Guidobaldo war kinderlos), Francesco Maria della Rovere, auch Neffe des neuen Papstes Julius II., wird erst 1508 nach dem Tod Guidobaldos Herzog von Urbino, nicht schon 1503, wie die Autorin andeutet.
1511 gab es keinen „deutschen Kaiser“, der Begriff ist anachronistisch: es gab einen deutschen König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (genau genommen war Maximilian I. „nur“ König, nicht Kaiser - er wurde nie zum Kaiser gekrönt). Auch Karl V. war 1527 nicht Kaiser, schon gar nicht deutscher, er wurde erst 1530 in Bologna vom Papst zum Kaiser gekrönt.
Ja, das sind, wie einige andere Ungereimtheiten, Nebensächlichkeiten in diesem Buch, aber wenn ich einen Autor/eine Autorin eines Sach- oder Fachbuchs auf Gebieten, auf denen ich mich gut auskenne, bei falschen oder allzu ungenauen Angaben ertappe, kommen mir Zweifel an dem ganzen Werk. Ich bin keine Kunsthistorikerin und habe weder Zeit noch Lust die Angaben zu Michelangelo und Raffael und deren Rivalität zu verifizieren und nicht alle Aussagen im Buch sind durch Quellen belegt. So bleibt an manchen Stellen die Frage: was ist Tatsache, was ist Spekulation? Interessieren würde mich auch eine Einordnung der Spannungen zwischen den beiden Künstlern in ihr gesamtes Leben und Werk - welchen Stellenwert hatte die Rivalität? Michelangelo hat Raffael um mehr als vier Jahrzehnte überlebt, beide waren teilweise auch in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig (Raffael als Porträtmaler, Michelangelo als Bildhauer) - wie prägend war da dieses Jahrzehnt, das beide gleichzeitig in Rom verbrauchten?
Das Buch ist gut lesbar und anschaulich geschrieben, von daher sind 4 Punkte gerechtfertigt, aber es bleiben zu viele Fragen und Zweifel, daher insgesamt nur 3 Punkte.


Die Geschichte der legendären Länder und Städte
Die Geschichte der legendären Länder und Städte
von Umberto Eco
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was soll's?, 16. März 2014
Bereits in seinem Roman Baudolino offenbarte Umberto Eco seine Begeisterungsfähigkeit für Fantasieorte, wo Menschen ohne Köpfe ihr Gesicht auf der Brust tragen oder Einbeinige sich mit ihrem Riesenfuß Schatten vor allzu großer Sonneneinstrahlung verschaffen können - nun also legendäre Orte ohne Roman. Den Titel haben sich wohl Marketingfachleute ausgedacht - wie zahlreiche andere viel versprechende Titel führt er in die Irre; korrekterweise müsste es heißen: Eine Übersicht über ausgewählte legendäre Länder und Städte (ja, ich weiß: wenig verkaufsfördernd).
Auf die Einleitung folgen 15 Kapitel, zu denen der Autor Folgendes bemerkt: „Hier interessieren uns jedoch Länder und Örtlichkeiten, an die sich heutzutage oder in der Vergangenheit Hirngespinste, Utopien und Illusionen geknüpft haben, weil viele Menschen wirklich glaubten, dass sie irgendwo existierten oder existiert hätten.“ Jedes Kapitel beginnt mit einer Übersicht des Autors über das Thema und dann folgen (zumindest auszugsweise) Originalquellen zum Thema (wodurch sich teilweise langweilige Wiederholungen ergeben).
Nachdem ich das Buch gelesen habe, würde mich brennend interessieren, nach welchen Kriterien die Orte für dieses Buch ausgewählt beziehungsweise ausgeschlossen wurden und nach welchem System in den Sammelkapiteln (z.B. „Die Erde als Scheibe und die Antipoden“ oder „Das irdische Paradies, die Glückseligen Inseln und das Eldorado“) vorgegangen wurde. Wieso wird das irdische Paradies nicht im Kapitel über die Länder der Bibel betrachtet - das erschiene mir logischer als es mit Eldorado und der Insel des heiligen Brendan zusammenzupacken? Da die Insel des heiligen Brendan erwähnt wird, warum dann nicht auch die Insel Antillia oder Buss, die jahrhundertelang die Seeleute narrten und immer wieder im Weltmeer gesucht wurden? (es gibt ein sehr schönes Buch von Donald S. Johnson: Fata Morgana der Meere). Wenn Atlantis, Mu und Lemuria behandelt werden, warum dann nicht auch Vineta?
Vollends verwirrend finde ich die Kapitel, in denen es um reale Orte geht, die existierten und teilweise immer noch bestehen, um die sich jedoch Mythen und Sagen ranken (z.B. Alamut und die Assassinen bzw. Glastonbury, wo der Sage nach Avalon gelegen haben soll) - die historischen Tatsachen bleiben hier völlig außen vor. Zwischendurch gibt es dann auch noch ein eigenes Kapitel über das Schlaraffenland. (Schade, dass Zamonien, der von Walter Moers erdachte Kontinent, nicht einmal erwähnt wird.)
Warum gibt es kein Register der erwähnten Länder? Wenn ich beispielsweise etwas über die Insel des heiligen Brendan nachlesen möchte, muss ich mich erinnern, dass sie im Kapitel über das irdische Paradies etc. behandelt wird. Als Nachschlagewerk - ich kann mir vorstellen, das Buch eventuell als solches zu verwenden - ist es schwer zu gebrauchen. Weder bei der Reihenfolge de Kapitel noch bei der Auswahl der Themen kann ich ein Schema erkennen - es scheint alles recht willkürlich zusammengestellt worden zu sein. Nach der Lektüre sitze ich recht ratlos vor diesem Werk - nett und hübsch illustriert aber nicht unbedingt wissenswert und vor allem: in welche Kategorie soll ich es in einen meiner Bücherschränke einordnen?


Lesereise Emilia Romagna: Pasta, Strand und Glockenklang
Lesereise Emilia Romagna: Pasta, Strand und Glockenklang
von Stefanie Bisping
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die geborene Kochbuchautorin, 23. Februar 2014
Jammerschade, dass ich kein Kochbuch, sondern eine anregende Lektüre über Land und Leute, Kunst und Kultur in der Emilia Romagna suchte - italienische Kochbücher habe ich bereits mehrere.
Das Motto der Autorin findet sich auf Seite 10 (es wird dann, leicht abgewandelt, noch mehrfach wiederholt): „Die Menschen wissen, was den Moment adelt: vor allem nämlich gutes Essen.“ So wird zwar erwähnt, das man mit dem Studium von Kunst und Architektur im schönen Bologna Wochen verbringen könnte, aber der Leser wird dann nicht durch allzu viele Worte darüber abgeschreckt oder gar vom Essen abgehalten - Arkadengänge, Neptun-Statue (nackt! wie schockierend!), die Basilika San Petronio (nur erwähnenswert, weil dort ein Foucaultsches Pendel hängt, das Umberto Eco zu einem Roman angeregt haben soll) die Torre degli Asinelli und Garisenda (kein Wort darüber, dass es in Bologna neben vielen Kirchtürmen noch einige weitere sehenswerte Türme gibt), das älteste Café und die älteste Bäckerei der Stadt (keine Angabe, seit wann sie bestehen) - das muss zum Thema Kunst und Architektur in Bologna genügen.
Brescello, der Ort, in dem in den 1950/60er Jahren die Filme über Don Camillo und Peppone gedreht wurden, wird von der Autorin besucht, auch Brisighella mit „der Burg Rocca“ (die Autorin scheint nicht zu wissen, dass „Rocca“ das italienische Wort für Burg ist), erwähnt werden der Regionalpark Vena del Gesso Romagnola sowie der Heilkräutergarten von Casolo Valsenio und auf Seite 36 liest man den Stoßseufzer: „Bausubstanz aus Mittelalter und Renaissance steht hier allerorten herum“. Nach Möglichkeit vermeidet es die Autorin, sich mit dieser herumstehenden Substanz zu befassen.
Pavarotti, der Sänger, ist etwa so wichtig wie Pavarotti der Restaurantbesitzer, wobei ihn das Lokal möglicherweise überlebt hat - allerdings erwähnt die Autorin nicht, dort gegessen zu haben. Um’s Essen geht es dann wieder in Modena (ach ja: ein Ferrari-Museum gibt es dort auch) sowie um die Herstellung von Aceto balsamico und es folgt der hilfreiche Hinweis, dass es in der Stadt auch zahlreiche Möglichkeiten gibt, „wie mitgebrachtes Geld auf den Kopf gehauen werden könnte“. Parmas „dramatische Schönheit“ wird zwar erwähnt, im Buch aber nicht so richtig deutlich, doch wenn kümmert das - es gibt „pasta mit prosciutto di Parma und parmigiano“.
Ravenna fällt aus dem Rahmen - dort werden recht ausführlich wenn auch eher lieblos die großartigen frühchristlichen/byzantinischen Mosaike beschrieben (das Essen in der Stadt muss grottenschlecht gewesen sein, da nicht erwähnenswert). Die Autorin bedauert sehr, dass weder Galla Placidia (Tochter des römischen Kaisers Theodosius I., deren wunderbares Grabmal sich in Ravenna befindet) noch Theodora, die Frau des oströmischen Kaisers Justinian I. (beide in der Basilica di San Vitale in Mosaiken verewigt) keine Informationen darüber hinterlassen haben, was sie gerne aßen (geschweige denn Rezepte).
Die Adria wird dem Mittelmeer gegenüber gestellt (üblicherweise wird sie als Teil des Mittelmeers betrachtet) und die Germanen in Italien werden von den Ostgoten verdrängt (die generell als germanischer Stamm gelten) - es sind Schnitzer wie diese in Kombination mit einer stellenweise sehr flapsigen Sprache und der allgemeinen Oberflächlichkeit, die dieses Buch für mich nicht lesenswert machen.
Bisher stehen aus meiner Sicht drei sehr anregenden Lesereisen (Nordseeküste, Nordfriesische Inseln, Backsteinstädte) zwei Totalausfälle gegenüber - in Zukunft werde ich beim Kauf weiterer Bücher dieser Serie vorsichtig sein.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12