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Beiträge von Brigitte Hilgner
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Rezensionen verfasst von
Brigitte Hilgner (Vienna Austria)
(REAL NAME)   

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Reise durch England und Schottland
Reise durch England und Schottland
von Johanna Schopenhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komfortable Reise einer Dame, 10. März 2016
Die Punktzahl bezieht sich nur auf den Inhalt - die Ausgabe (Design, Format, Präsentation) beurteile ich negativ.

Johanna Schopenhauer (1766-1838) unternahm zwei Reisen (1787 und 1803) auf die britische Insel, einmal nur mit ihrem (wohlhabenden, deutlich älteren) Ehemann, das zweite Mal mit Mann und Sohn Arthur. Nach dem Tod ihres Ehemannes (1805) und Verlust ihres Vermögens verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin. 1818 wurde das Buch „Reise durch England und Schottland“ veröffentlicht.

Das Buch besteht aus mehr oder weniger zusammenhängenden Kapiteln, allgemeine Betrachtungen zu Land und Leuten wechseln mit Schilderungen der besuchten Sehenswürdigkeiten ab. Erlebnisse in und Erfahrungen mit London (wo sich die Autorin zumindest zu Beginn und Ende der zweiten Reise aufhielt) werden gegen Ende des Buches zusammengefasst. Zielpunkte der Reise sind überwiegend Paläste des Adels auf dem Land, Bäder (sowohl Seebäder an der Küste als auch Heilbäder im Landesinnern) und Industriestädte, wo Fabriken besichtigt werden. Zunächst geht es von London aus nach Nordosten, dann weiter nach Nordwesten - Bedfordshire, Buckinghamshire, Oxfordshire, West Midlands, Peak District, North Yorkshire, Schottland. Die Schilderung des ersten Teils der Reise wirkt unpersönlich, distanziert - wie der Text aus einem Reiseführer. Die schottische Grenze scheint dann eine Art Zäsur darzustellen- die Schilderung wird deutlich lebendiger, engagiert, vor allem die schottische Landschaft (Highlands) begeistert.

Zurück nach London geht es über Carlisle, Lancaster, Liverpool, Nottingham, Derby, Stratford-on-Avon, Bristol, Bath, Brighton, wobei die Autorin leider keine Angaben dazu macht, was ihre Route bestimmte. Es wird auch nicht klar, wie lange diese Reise dauerte oder wieviel Zeit die Reisenden dann noch in London verbrauchten.

Insgesamt ist der Eindruck von Land und Leuten ein positiver, vor allem die Gasthäuser und (Haupt-) straßen werden gelobt, allerdings klagt Frau Schopenhauer über das englische Essen (Gemüse nur in Salzwasser gekocht), Sonntage, an denen man praktisch zum Nichtstun verurteilt ist und die langweiligen Abende in Gesellschaft - insbesondere die Damen scheinen keine Gesprächsthemen zu finden. (Leider erwähnt die gute Johanna nicht, worüber denn in Deutschland bei entsprechenden Einladungen geplaudert wurde und ich frage mich, ob nicht die Anwesenheit der Ausländerin manche einheimische Damen etwas hemmte.)

Johanna Schopenhauer erwähnt es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie das Buch „Reisen eines Deutschen in England“ von Karl Philipp Moritz, der 1782 einige Wochen lang in England unterwegs war, gelesen hat. Beide waren gute Bekannte von Johann Wolfgang Goethe, so könnte sie auf das Buch aufmerksam geworden sein. Es finden sich jedenfalls einige Parallelen in den beiden Werken: Die Reiseroute von London aus führt nach Nordosten, der Peak District ist ein Ziel und die große Tropfsteinhöhle bei Castleton wird besucht. Nachdem Moritz (der von der Höhle begeistert und tief beeindruckt ist) freimütig darüber berichtet, wie schmutzig er bei der Besichtigung wurde und dass seine Schuhe anschließend repariert werden mussten, hätte es mich brennend interessiert, wie eine Dame (die auch kriechen und flach in einem Kahn liegend unter tief hängenden Felsen hindurchfahren musste) diese Exkursion in die Unterwelt meisterte (in welcher Garderobe?), aber Johanna schweigt sich dazu aus, wie sie überhaupt alle Bemerkungen zu ihrer Person und ihren Begleitern unterlässt. Nottingham gefällt Moritz und Frau Schopenhauer, ohne dass sie viel über den Ort zu sagen wissen.

In London ist die Straßenbeleuchtung am Abend beeindruckend, und die vielen Tafeln an den Häusern, die anzeigen, welche Läden bzw. Gewerbetreibende dort zu finden sind, erregen Aufsehen. Die St. Paulskirche überwältigt nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Leere (es ist wohl nur ein kleiner Teil für den Gottesdienst gerüstet), in der Westminster Abbey weckt vor allem die Poets‘ Corner das Interesse der Reisenden (Addison und Pope fehlen!) und ein abendlicher Besuch im Vergnügungspark Vauxhall bietet echte Unterhaltung. Kritisch äußern sich sowohl Moritz als auch Schopenhauer zum britische Unterrichts- und Erziehungswesen.

Dieses Buch wurde vom Verlag tredition GmbH eingescannt und digitalisiert. Es wird keine Angabe dazu gemacht, welche Vorlage (Ausgabe? Verlag? Jahr?) dafür verwendet wurde, so geht dem Buch ein Teil seiner Identität verloren. Zur Bearbeitung heißt es: „Dadurch können etwaige Fehler nicht komplett ausgeschlossen werden.“ Mitgezählt habe ich nicht, aber es dürften rund drei Dutzend Schreibfehler (Buchstabe zu viel, fehlender Buchstabe, falscher Buchstabe) gewesen sein, die ich beim Lesen korrigierte. An einer Stelle ist fast eine ganze Zeile doppelt gedruckt (S. 117) und mehrfach sind Absätze merkwürdig auseinandergezogen (auf eine komplette Zeile folgt eine mit nur zwei oder drei Wörtern, dann wieder eine volle Zeile gefolgt von einer unvollständigen, usw.) Einige Seiten im Text sind ganz oder teilweise freigelassen, ohne dass ich einen Grund dafür erkennen kann.

Am meisten irritieren mich die sogenannten „Fußnoten“: sie stehen nicht nur mitten im Text, sondern meistens mitten im Satz, sodass es mühsam ist, dem Satz zu folgen. Um mir das Lesen zu erleichtern, habe ich die meisten dieser Hinweise einfach durchgestrichen. Auf S. 227 stehen gleich zwei hintereinander, wobei der zweite zum folgenden Abschnitt gehört. Es werden keine Angaben dazu gemacht, von wem diese Kommentare (manche von geradezu epischer Länge) sind - jedenfalls nicht von der Autorin, deren eigene Fußnoten nur gelegentlich erwähnt werden. (Wurden Fußnoten von ihr ausgelassen?) Unklar ist auch, wann diese Hinweise hinzugefügt wurden, vermutlich sind sie modern - aber dann stolpere ich über eine Aussage wie die folgende zu Birmingham: „Heute einer [sic!] der größten Industriestädte der Welt mit über 1 Million Einwohnern …“ (S. 23). Die Größenangabe ist aktuell, aber in Birmingham ist längst der Dienstleistungssektor bedeutender als die Industrie. George IV. war nicht bis 1850 König (S. 136) sondern starb bereits 1830 und die Behauptung der Autorin, seit Elizabeth I. wären alle britischen Könige/Königinnen in der Westminster Abbey begraben (S. 227) stimmt nicht, wurde aber nicht korrigiert. Was soll „dekadente Gotik“ sein, die in einer „Fußnote“ auf S. 128 erwähnt wird?
Der Verlag hat sich Johannes Gutenberg zur Symbolfigur gewählt (Darstellung auf der Titelseite). Von Gutenberg weiß ich nur wenig, aber er gilt als qualitätsbewusster Mann, der Wert auf eine ästhetisch ansprechende Darstellung legte und einen Hang zum Perfektionismus hatte - alles Merkmale, die ich mit der vorliegenden Ausgabe überhaupt nicht in Zusammenhang bringe. Die „Reisen eines Deutschen in England“ habe ich als insel taschenbuch - wesentlich ansprechender.


"Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt...". Burgen in der Nordpfalz
"Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt...". Burgen in der Nordpfalz
von Alexander Thon
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen Burgen, nicht mehr ganz so stolz, ..., 23. Februar 2016
aber immer noch schön, besonders wenn sie so ansprechend wie in diesem Buch präsentiert werden. Nach dem bemerkenswerten Buch „Burgen im Hunsrück und an der Nahe“ ist dies der zweite Band einer Burgenserie vom Verlag Schnell + Steiner, den ich mit Vergnügen gelesen und angeschaut habe. Insgesamt 30 Burgen werden in einem knappen, aber aussagefähigen und gut lesbaren Text vorgestellt, dazu gibt es hervorragende Farbfotos (viele Luftbildaufnahmen), die den aktuellen Zustand zeigen. Als spannender Kontrast werden ihnen häufig alte Stiche oder Lithographien gegenübergestellt. Es gibt wieder ein Glossar (das sich von demjenigen im Hunsrück-Band unterscheidet - hier wird auch auf Details geachtet!), Litferaturhinweise, Hinweise für Touristen (Angaben zur Anfahrt) und Karten, auf denen die Burgen markiert sind.
Das Suchen der Burgen (in alphabetischer Reihenfolge durchnummeriert) auf den Karten finde ich mühsam, weil die zugeordnete Nummer nichts über die Lage auf der Karte aussagt. Eine Einteilung nach Planquadraten fände ich hilfreicher.
Meiner Meinung nach gehören die Ebernburg und der Rheingrafenstein in den Hunsrückband: an der Nahe sind die Burgen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht und zwischen der Kyrburg (Kirn) und der Burg Kreuznach klafft eine Lücke …
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend (viel Buch für wenig Geld), und das broschierte Buch lässt sich bequem auf Ausflügen mitnehmen.


Kings of London: Kriminalroman (Breen-Tozer-Trilogie)
Kings of London: Kriminalroman (Breen-Tozer-Trilogie)
von William Shaw
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1.0 von 5 Sternen Das größte Verbrechen von allen -, 21. Februar 2016
ein sterbenslangweiliger Krimi
London, 1968.
Detective Sergeant Cathal Breen, wegen seiner irischen Wurzeln und obwohl er in London aufwuchs, von allen Kollegen nur „Paddy“ genannt, ist der Held dieses Romans und wohl so ungefähr der einzige Polizist in London, den der Autor als ehrlich, gewissenhaft und nicht korrumpierbar darstellen wollte. Nachdem er seinen demenzkranken Vater sechs Jahre lang bei sich in seiner Kellerwohnung betreute, ist dieser nun im Krankenhaus gestorben, während der Sohn beruflich unterwegs war, was Cathal sich nicht verzeihen kann. Er hat so gut wie keine privaten Beziehungen, ist bei den Kollegen eher unbeliebt (zu korrekt, zu verbissen), erhält von einem Unbekannten schriftliche Morddrohungen im Büro, und der gleiche Unbekannte missbraucht Cathals Schreibtischschublade auch als Toilette, ohne dass in der Polizeidienststelle jemand etwas davon mitbekommt.
Helen Tozer, die Frau an Breens Seite, zumindest bei ein paar Ermittlungen und einmal in seinem Bett, will aus dem Polizeidienst ausscheiden, einerseits, weil man Frauen keine verantwortliche Arbeit überträgt (sie dürfen Kinder hüten und andere Frauen trösten), andererseits weil sie das Gefühl hat, den heimischen Bauernhof übernehmen zu sollen, da ihr Vater nicht mehr damit zurechtkommt. Sie ist ähnlich frustriert wie Breen, häufig Sticheleien und sexistischen Äußerungen von Kollegen ausgesetzt und hätte wohl das Zeug, eine gute Polizistin zu werden, wenn man sie nur ließe.
Ähnliche Kurzporträts ließen sich von einer ganzen Reihe anderer Personen in diesem Buch zeichnen, denn persönliche Aspekte nehmen einen großen Raum ein, genau wie das Privatleben der Polizisten, deren Verhältnisse zu einander, Querelen und Eifersüchteleien unter einander, Animositäten, Verstöße gegen die Dienstordnung, Bestechung, die quälend gezwungene Geburtstagsfeier für den Chef im Pub, die Weihnachtsfeier der ganzen Dienststelle - vielleicht ist dies ein Krimi für Soziologen?
Was ist nur aus den guten alten Krimis geworden, in denen die Aufklärung eines Falls im Mittelpunkt stand und die Befindlichkeiten sowie das Privatleben der Ermittler Nebensache waren? In diesem Buch sind die Ermittlungen sekundär.
Der Ordnung halber: es gibt zwei Ermordete, einen Drogentoten (nein, es erscheint mir nicht glaubhaft, dass Menschen derart weit wie in diesem Buch gehen, um die Todesursache zu verschleiern), und ein Mann stürzt aus einem Fenster zu Tode. Ja, Breen löst diese Fälle fast im Alleingang (mehr oder weniger unterstützt von Helen Tozer).
London, wie es im Buch geschildert wird, wirkt mehr wie eine Theaterkulisse als real.
Weitere Bücher mit dem Team Breen - Tozer gibt es schon oder sollen folgen. Nein, lesen werde ich die sicher nicht.


Im schönen Monat Mai (WAT)
Im schönen Monat Mai (WAT)
von Émilie de Turckheim
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Grauenvolle Geschichte aus der Provinz, 21. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Im schönen Monat Mai (WAT) (Broschiert)
Die Handlung ist eine andere, aber das Buch erinnert an Andrea Maria Schenkels Roman „Tannöd“ und den Film „Die Affäre Dominici“. Zunächst hielt ich das Werk für eine rabenschwarze Komödie, aber etwa zur Mitte der Erzählung wird klar, dass sie tottraurig ist. Aimé („Geliebter“), von seiner Mutter so genannt, weil sie ihn wirklich liebt, kann ihren Verlust nicht verwinden. Rückblickend und etwas lakonisch unbeholfen erzählt er, wie alles kam, wobei die knapp 24 Stunden im Mittelpunkt stehen, als fünf alte Bekannte von Aimés verstorbenem Arbeitgeber auf dem Gutshof erscheinen, um sich am nächsten Tag wegen der Regelung der Erbschaft mit einem Notar zu treffen.
Der Gutsarbeiter Martial und Helfer Aimés erinnert in seiner geistigen Beschränktheit an Lennie aus John Steinbecks Roman "Von Mäusen und Menschen": beide sind eher hilflos und wollen nichts Böses, führen aber eine Katastrophe herbei.
„Wenn jeder sein Unglück nutzt, damit er andere unglücklich macht, dann sind wir am Ende alle unglücklich.“ So ist es.


An südlichen Gestaden: Die italienische Riviera der Künstler und Literaten
An südlichen Gestaden: Die italienische Riviera der Künstler und Literaten
von Anne Goebel
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Ansprechend illustriert - entbehrlicher Text, 14. Februar 2016
(Illustrationen: 5 Punkte; Text: 1 Punkt)
Das Buch befasst sich mit der Riviera di Levante, das heißt - gemäß der Karte vorn und hinten im Buch - der ligurischen Küste zwischen Genua im Westen und Lerici im Osten. Präsentiert werden zahlreiche aktuelle und alte Fotos der Gegend, Aufnahmen von Ansichtspostkarten, Reisepostern, Gemälden und eben auch Künstlern und sonstigen Prominenten, die dort entweder urlaubten, arbeiteten oder längere Zeit lebten - hübsch und wohl zur Verbreitung von Urlaubsstimmung gedacht.
Was den nicht illustrierten Teil der insgesamt 125 Seiten betrifft, wurde offensichtlich das Ziel verfolgt, die freien Seiten mit möglichst wenig Text zu füllen. Das Schriftbild ist groß, wenn irgendwelche Prominente wörtlich zitiert werden, teilweise riesig, der Zeilenabstand ist groß und die Ränder (oben, unten, rechts, links) sind breit. Der Text ist in acht Kapitel gegliedert, wobei auf der ersten Seite jedes Kapitels besonders an Text gespart wird. Ein Kinderbuch in diesem Format fände ich angemessen, aber dieses Buch ist für Erwachsene konzipiert.
„Names dropping“ (mir fehlt ein passender deutscher Begriff dafür) nennt man auf Englisch die Angewohnheit, (mehr oder weniger) bedeutende Personen im Gespräch oder in einem Text zu erwähnen - dieser Text wimmelt nur so von prominenten Namen (nein, ich habe sie nicht gezählt - gefühlt sind es Hunderte). Wer hat sich da nicht alles an dieser Küste getummelt! Es werden auch immer wieder knappe Zitate eingestreut: „Ich denke heute noch ein Seebad zu nehmen“ (Richard Wagner) oder „Endlich wieder das Meer! Wir sind glücklich“ (Max Frisch) und so wird die Prominenz auf Urlaubspostkartenformat reduziert - Touristen wie Du und ich!
Ein Gedicht von Eugenio Montale hat insgesamt 20 Zeilen, das Buch beschränkt sich darauf, die Übersetzung der ersten acht Zeilen zu bieten. Von Franz Werfels Gedicht „Weltaugenblick Portofino“ genügen vier Zeilen (dabei hätte man es, bei etwas geschickter Raumeinteilung, locker neben ein im gleichen Zusammenhang erwähntes Gedicht von Morgenstern abdrucken können). Maupassants Skizze des Ortes (er gilt angeblich als dessen „literarischer Entdecker“) wird auf einen Satz reduziert. Gerne hätte ich mehr über Baronin Jeannie von Mumm (1866-1953, geb. Jeannie Watt aus Schottland) erfahren, die jahrelang in Portofino lebte und gegen Ende des 2. Weltkrieg einen deutschen Offizier überredete, beim Anrücken der Alliierten das von seiner Truppe verminte Portofino nicht in die Luft zu sprengen, aber es war kein Raum in dem Buch für mehr als ein paar Zeilen über die couragierte Dame. Dafür wird einem Ausruf Richard Wagners eine ganze Seite eingeräumt: „Ach Mienel! Mienel! Eine göttliche Nacht, unter haushohen blühenden Oleanderbäumen - ich wollte vor Wonne fast vergehen.“ Nein, außer diesen Worten und dem Namen des Verfassers steht sonst nichts auf der Seite.
Fazit: ein attraktives Bilderbuch, allerdings recht teuer.


Verzauberter April: Roman (insel taschenbuch)
Verzauberter April: Roman (insel taschenbuch)
von Elizabeth von Arnim
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

4.0 von 5 Sternen Eine Komödie der Irrungen - heiter, beschwingt, humorvoll, 20. Januar 2016
Dieses 1922 erstmals veröffentlichte Buch ist nicht nur eine amüsante Urlaubslektüre, sondern auch für ein vergnügliches Winterwochenende geeignet. Viel Handlung bietet der Roman nicht, er lebt von dem Miteinander und den Konflikten recht unterschiedlicher Charaktere.
Die Hauptperson, Lotty Wilkins, Anfang 30, unausgefüllt, traurig, ist in London mit einem Anwalt (ein Geizkragen) verheiratet, der sie bestenfalls als Hausfrau und Köchin schätzt, ansonsten aber vernachlässigt. An einem verregneten Februartag liest sie eine Anzeige in der Times, in der für den Monat April ein Castello in Italien zur Miete angeboten wird - und Lotty ist gefangen. Sie findet eine Ähnlichgesinnte, Rose Arbuthnot, die ihrem Mann nicht verzeihen kann, dass dieser sich vom seelenverwandten Bibliothekrar in den erfolgreichen Autor von schlüpfrigen Biographien berühmter Maitressen gewandelt hat. Die Pfarrerstochter sucht Trost in der Armenfürsorge und sonstigen guten Werken in ihrer Kirchengemeinde.
Beide müssen beträchtliche Skrupel überwinden (wie frivol und egoistisch, Geld für sich selbst ausgeben zu wollen!), ehe sie sich näher über das Angebot informieren. Um die Kosten für jede Beteiligte zu senken (und sich weniger schuldig zu fühlen), suchen sie per Annonce noch zwei weitere Damen (das Castello hat mehrere Schlafzimmer), die sich beide als recht egozentrisch entpuppen: die schöne Lady Caroline Dester will dem Bewundertwerden und der Verehrung der Männer entfliehen, während Mrs. Fisher, mit ihren 65 Jahren mehr als doppelt so alt wie die anderen drei, ein sonniges, preiswertes (sie ist geizig) Plätzchen sucht, wo sie sich ganz den Erinnerungen an ihre Vergangenheit hingeben kann - als Kind/Jugendliche kannte sie dank der Freundschaften ihres Vaters eine ganze Reihe berühmter Autoren.
Es hätte ein furchtbarer Monat werden können, aber Lotty blüht im Süden auf wie die Lilien, Freesien, Akazien, etc. im Garten des Castellos, weiß alles positiv oder zumindest nachsichtig zu nehmen und bei Rose und Lady Caroline Missstimmungen auszuräumen. Mrs. Fisher missbilligt zunächst alle drei jungen Frauen, mal mehr, mal weniger. Lotty ist derart gut gelaunt, dass sie ihrem Mann schreibt, er solle doch auch kommen, was dieser prompt tut (es ist gut, dass Lotty seine Motive nicht kennt). Da er sich als charmant und liebenswürdig erweist (er sieht in den Damen potenzielle, neue Klientinnen), ist er eine positive Ergänzung der Damenrunde. Rose entschließt sich erst später, auch ihren Mann einzuladen, sie fürchtet eine Ablehnung. Zunächst kommt aber Mr. Briggs, ihr Vermieter, der sich in London ein klein wenig in Rose verguckt hat und ihr nun den Hof macht, bis er Lady Caroline trifft: „sein Ideal vollkommener Schönheit“. Rose nimmt es gelassen und hat auch gar keine Zeit, enttäuscht zu sein, denn plötzlich und schneller, als sie je mit ihm gerechnet hätte, steht ihr Ehemann im Wohnzimmer des Castellos (auch seine Motive bleiben seiner Frau besser verborgen). Angesichts so viel Eheglück ist Lady Caroline bereit, ihre Abneigung gegen Männer, die sie anbeten, zumindest vorübergehend zu vergessen, und gibt Briggs eine Chance. Mrs. Fisher ist dagegen klar geworden, dass ein ständiges Erinnern der Vergangenheit ganz schön fad werden kann - auch wenn man sie verklärt, bleibt sie sich grundsätzlich immer gleich. Vielleicht sollte sie sich ja doch der Gegenwart und den netten jungen Leuten gegenüber öffnen …
Heile Welt? Ja, aber nicht sentimental oder kitschig, sondern immer mit Humor, leiser Ironie und einer Portion Lebensweisheit präsentiert.


Wanderjahre in Italien (Beck's Historische Bibliothek)
Wanderjahre in Italien (Beck's Historische Bibliothek)
von Ferdinand Gregorovius
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4.0 von 5 Sternen Eine Fundgrube des Wissens, 6. Januar 2016
Von A wie Abendland bis Z wie Zyklopenmauer.
Dies ist ein ebenso faszinierendes wie merkwürdiges Buch - merkwürdig insofern, als es sich nicht richtig kategorisieren lässt. Der Titel ist ebenso irreführend wie manche Überschriften der einzelnen Artikel, die in diesem Band gesammelt sind.
1852 brach Gregorovius (1821 geboren) nach Italien auf und erst nach 22 Jahren kehrte er endgültig wieder nach Deutschland zurück. Während der ersten Jahre verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Artikeln (mehrere davon finden sich in diesem Buch). Ende 1954 beschloss er, eine „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ zu schreiben, eine Arbeit, mit der er fast 20 Jahre lang beschäftigt war: 1000 Jahre Stadtgeschichte sind auf rund 2800 Seiten zusammengefasst (nebenbei veröffentlichte er auch andere Schriften). Zur Sammlung von Material war er mehrfach unterwegs, um in Klöstern, Stadtarchiven, Privatsammlungen usw. nach Dokumenten und Hinweisen zu suchen, außerdem machte er immer wieder in verschiedenen Gegenden Italiens Urlaub. Auf diesen Reisen basieren die 32 in diesem Buch veröffentlichten Artikel aus den Jahren 1852 bis 1888. Er schreibt darin über alles, was ihm gerade wichtig und packend erscheint, was auch bedeutet, dass die Artikel eine Ergänzung und Erweiterung (in zeitlicher und geografischer Hinsicht) seiner „Geschichte der Stadt Rom“ darstellen. Er reist mit offenen Augen (nicht nur zu Fuß, sondern öfter zu Pferd, auf dem Rücken eines Maultiers, in verschiedenen pferdegezogenen Fahrzeugen, per Boot und auch mit der ganz neuen Eisenbahn) und kommentiert das politische und gesellschaftliche Geschehen seiner Zeit (Gründung des Staates Italien) ebenso wie Ereignisse der Antike. Was er sieht, versucht er meistens historisch einzuordnen.
Wenn als Überschrift eines Artikels ein Ortsname verwendet wird (z.B. Lucera), wird nicht unbedingt nur dieser Ort, sondern auch die Reise dorthin und alles Interessante, was sich auf dem Weg dorthin findet, geschildert oder zumindest erwähnt. Die Auswahl der Themen kann sehr breit sein (beispielsweise im „Streifzug durch die Sabina und Umbrien“), in anderen Fällen geht der Autor selektiver vor: Der Artikel über Ravenna befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Ausgang der Antike, der Zeit der Ostgoten und der byzantinischen Herrschaft sowie den noch vorhandenen Bauten aus dieser Zeit (Grabmal der Galla Placida, Grabmal Theoderichs, Kirchen S. Apollinare in Classe und S. Vitale). „Die öffentlichen Monumente von Florenz“ sind für Gregorovius diejenigen im Freien oder in Kirchen (öffentlich leicht zugänglich). Er geht dabei insbesondere auf die Statuen auf dem Platz vor und um den Palazzo Vecchio, in der Loggia dei Lanzi, außen neben den Uffizien, die Medici-Grabdenkmäler in San Lorenzo sowie die Gräber und Denkmäler in Santa Croce ein. Der Artikel über „Die Insel Elba“ befasst sich zunächst ausführlich mit Napoleon und seiner Zeit in der Verbannung dort, ehe der Autor auf die Geografie der Insel, ihre Landwirtschaft, Städte, Paläste, eine Bootsfahrt und eine Wanderung eingeht. Gregorovius weiß, dass sich die meisten Leser unter „Römische Figuren“ wenig vorstellen können, deshalb bietet er gleich am Anfang selbst eine Definition: “deshalb sollen tote und lebende Bilder [besucht werden unter anderem unterirdische Grüfte], Puppen [Marionetten], mimische Tänze, Kinderpredigten, Volkstheater und andere ausgeflitterte Herrlichkeiten … vor uns spielen.“ Die Villa Malta in Rom wurde jahrzehntelang von deutschen Künstlern als Aufenthaltsort und Atelier genutzt, war eine Anlaufstelle für Goethe und Herder, Wilhelm von Humboldt lebte zeitweilig dort, und 1827 kaufte sie König Ludwig I. von Bayern, der sich schon öfter dort aufgehalten hatte und immer wieder gerne dorthin zurückkehrte. 1873 wurde die Villa an einen russischen Grafen verkauft und Gregorovius bedauert, dass ihre „deutsche“ Vergangenheit bald in Vergessenheit geraten wird. [Seit 1949 gehört die Villa Malta der Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“.]

Leider ist die Aufbereitung dieses Wissensschatzes durch den Verlag völlig unzureichend - es gibt nur ein unvollständiges Ortsverzeichnis. Jemand muss der irrigen Meinung gewesen sein, „der Gregorovius“ sei eine Alternative zum Baedeker und infolgedessen werden Orte, Gegenden und Flüsse nur dann erwähnt, wenn der Autor sich dort (länger) aufgehalten hat. Falls die entsprechenden Namen an anderer Stelle im Buch auftauchen, haben sie keinen Eingang ins Ortsverzeichnis gefunden. Orte von Bedeutung, über die der Autor einiges zu berichten hat, erscheinen überhaupt nicht im Verzeichnis, wenn der Autor einen Besuch dort nicht ausdrücklich erwähnt, selbst die Blaue Grotte von Capri wird im Ortsverzeichnis unterschlagen, das insgesamt einen falschen Eindruck von der Bedeutung einzelner Sehenswürdigkeiten vermittelt und den Leser in die Irre führt.
Schlimmer als das mangelhafte Ortsverzeichnis ist das Fehlen eines Personen- und Sachregisters. Zu Dutzenden von bekannten Persönlichkeiten (Päpste, Fürsten, Feldherren, Künstlern etc.) hat Gregorovius etwas zu sagen, außerdem erwähnt er viele uns heute Unbekannte (sein Lob gilt immer wieder den „Antiquaren“ (Heimatforschern), die oft als Einzige in einem Ort Material über die Vergangenheit sammeln und bewahren). Er schreibt über Bauwerke, die Landwirtschaft, die Infrastruktur, die sozialen Unterschiede, politische Veränderungen - aber wenn man eines dieser Themen über fast 900 Textseiten verfolgen will, dann muss man sich ein eigenes Register anlegen. Ja, das Buch ist preiswert - aber ich hätte gerne ein paar Euro mehr für ein brauchbares Register bezahlt.
Auf die Illustrationen im Buch hätte ich verzichten können - kleine Abbildungen in Schwarzweiß, auf denen man aus Mangel an Größe und Kontrast oft nur wenig erkennt. In diesem Buch stören sie besonders, weil Gregorovius zu „farbigen“ Schilderungen neigt: er erwähnt die Farbe der Erde, wenn sie im besonders erscheint, von Hügeln, Felsformationen und Steinen, von Pflanzen und Tieren (mal sind die Ochsen weiß, an anderem Ort rot), von Bauwerken, den verschiedenen Trachten der Menschen - über die Grau-in-Grau-Bilder im Buch hätte er sich kaum gefreut. Mitunter befremdet auch deren Auswahl: auf den Bargello in Florenz geht der Autor nicht ein, aber es gibt eine Abbildung davon, die gleiche Ehre wird auch Paestum zuteil, das Gregorovius nur nebenbei erwähnt. Wieso findet man mitten im Artikel über die Sabina und Umbrien ein Bild des Palazzo Pubblico in Siena, das in der Toskana liegt? Besonders misslungen ist die Darstellung des Kreuzgangs in Monreale: „Überraschend und graziös ist die Erscheinung dieser zahllosen schlanken kleinen Säulen …“ schreibt der Autor zu diesem architektonischen Wunder - in den wuchtigen, unproportionierten Säulen auf überhöhten Sockeln der Illustration hätte er sie wohl kaum wiedererkannt.
In ein paar Fußnoten werden Fehler des Autors (meistens beziehen sie sich auf Kunstdenkmäler) korrigiert. Mir sind zwei weitere (Flüchtigkeits-) Fehler aufgefallen: es war nicht Papst Innozenz III., der Kaiser Friedrich II. exkommunizierte (S. 316), sondern (erstmals) Papst Gregor IX. im Jahr 1227 - da war Innozenz III. längst tot. Einen Papst Georg XIII. gab es nicht (S. 424), es muss Gregor XIII. (Papst von 1572-1585) heißen.


Europa 1925 (Die Andere Bibliothek, Band 373)
Europa 1925 (Die Andere Bibliothek, Band 373)
von Robert Byron
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 42,00

16 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Mehr Inhalt, weniger Kunst" ..., 2. Januar 2016
und einen besseren Stil, möchte ich Hamlets Forderung ergänzen. Was soll man von einem Buch halten, in dem folgende Sätze bzw. Teilsätze stehen:
„Die norddeutsche Ebene hatte an jenem Augustnachmittag das Aussehen beschaulicher Schönheit, die man normalerweise nicht mit der weit verbreiteten Darstellung ihrer ausdruckslosen Erscheinung in Verbindung bringt.“ (S. 32)
„Also fuhren wir eine halbe Stunde lang durch unendliche Labyrinthe aus mit Tramlinien ausgestatteten Straßen …“ (S. 52)
Wettergegerbte St. Markus-Löwen sieht man über den Türen der Stadtverwaltung herumstreifen, und die Türme sind mit den für die nordöstliche Ecke des Landes typischen vierseitigen Kugeln verziert.“ (Verona, S. 87) Was soll ich mir unter einer „vierseitigen Kugel“ vorstellen?
„Zur Erinnerung an die Gegenwart brach eine lebhafte Ouvertüre aus …“ (S. 93)
„Und nun spielte sich an eben diesem Ort [in der Arena von Verona], der in lang vergangenen Tagen die heidnischen Orgien eines dem Untergang geweihten Imperiums beherbergte, die meistgeschätzte von all den Geschichten im Alten Testament ab.“ (S. 96)
„… bei Nacht fällt der fahle Schein der Straßenlaternen in langen Streifen über die immerwährenden Korridore, in denen die unvermischte Hitze eines brennenden Augusttages brütet.“ (S. 111)
„Der zweite Trog ist flach und in einer Abfolge formal streng gehaltener Muschelschalen gehalten.“ (S. 166)
(Nur eine Auswahl - es gibt noch mehr solcher Perlen.)
Aus mir nicht erklärlichen Gründen werden im Text statt der Worte Mittag- und Abendessen die Begriffe „Lunch“ und „Dinner“ verwendet; da der Autor für fast jeden Reisetag vermerkt, dass keine Mahlzeit ausgelassen wurde, wird ständig geluncht und diniert, ein Manierismus, der mich sehr stört.

Außerdem stolpere ich über einige Sätze, die im Zusammenhang unverständlich sind, wobei ich nicht weiß, ob es daran liegt, dass ich den mitunter äußert kühnen Assoziationen des Autors nicht folgen bzw. eine seiner Anspielungen nicht verstehen kann oder ob die Übersetzung zu den Verständnisschwierigkeiten führt. So heißt es beispielsweise von einem Gasthof an der österreichisch-italienischen Grenze, wo die Reisenden lange aufgehalten werden:
„Eine Tafel an der Außenwand, die die Tatsache verzeichnete, dass Goethe in diesem Gebäude mal sein Haupt zur Ruhe gebettet hatte, mehrte nur unsere Verachtung für die Philosophie.“ (S. 83) Was soll das?
Was sind „satte Steinschwaden“, die da angeblich aus den Helmen barocker Riesen und Zwerge herausragen? (S. 138)
„Während wir am Rande der Campagna entlangfuhren, bundierten Aquädukte den Horizont …“ (S. 183). Ich habe recherchiert: „bundieren“ bedeutet, Bundstäbchen einer Gitarre einsetzen; immer wenn ich diese Erkenntnis mit Aquädukten in Verbindung bringen will, sehe ich diese vor meinem geistigen Auge zusammenbrechen …
Im Zusammenhang mit der Wandervogelbewegung heißt es auf S. 218: „Schiller war es, der vor über hundert Jahren als Erster der jüngeren Generation seiner Landsleute jene künstliche Ruhelosigkeit einflößte, die sich darin Bahn bricht, alles aufzugeben und sich auf Wanderschaft zu begeben.“ Ich nehme an, Friedrich Schiller ist gemeint - aber was hat es mit der „künstlichen Ruhelosigkeit“ auf sich, für die er verantwortlich sein soll?
Nach ein paar Bemerkungen zum Nachtleben in europäischen Städten, das angeblich von US-Amerikanerinnen in vollen Zügen genossen wird, steht auf S. 314: „Daran sieht man, wie unsere amerikanische Cousine mit der ihr eigenen Effizienz das Universum für ihre mangelnden Manieren büßen lässt.“ Soll heißen?
(Auch diese Liste ist nur eine Auswahl.)

Wie viele sachliche Fehler das Buch enthält, kann ich nicht sagen (ich hatte keine Lust auf umfassende Recherchen), aber ein paar fielen mir spontan auf:
Auf S. 123 wird der „maschikulierte Hafenturm in Grimsby“ erwähnt; „Maschikuli“ sind Wurf-/Gusslöcher (Pechnasen), die sich im 1852 fertiggestellten Dock Tower nicht finden - vielleicht sind ja Zinnen gemeint, das würde passen. Noch an zwei weiteren Stellen wird der der Begriff „maschikuliert“ möglicherweise falsch verwendet (auf S. 127 werden „vorragende Seitenflügel“ als „stark maschikuliert“ bezeichnet und auf S. 151 heißt es vom Turm über dem Palazzo Pubblico in Siena, er sei „mit Steinen maschikuliert“.)
Papst Martin V. (Oddo Colonna) leitete weder die Kirchenspaltung ein noch zog er nach Avignon (S. 168) - im Gegenteil, könnte man sagen: er wurde 1417 auf dem Konzil in Konstanz zum Papst gewählt und mit ihm endete das Schisma.
Die auf S. 172 erwähnten „Rampenlichter“ beziehen sich bestimmt nicht auf die gesamte, Drury Lane genannte Straße, sondern auf das Drury Lane Theater.
Geoffrey de Villehardouin als „fränkischen Prinzen“ (S. 244) zu bezeichnen, muss zu Verwirrung führen: für die als Kreuzfahrer nach dem Nahen Osten ziehenden Europäer wurde zwar häufig der Sammelbegriff „Franken“ verwendet, aber de Villehardouin (gest. 1228 und Neffe des gleichnamigen Chronisten) stammte aus dem französischen Rittertum und wurde 1209 Fürst von Achaia. (Es ist meistens falsch, das englische Wort „prince“, das vermutlich im Originaltext steht, mit „Prinz“ zu übersetzen - häufiger ist „Fürst“ der passende deutsche Ausdruck.)

Drei junge Männer (der Autor ist 20 Jahre alt) brechen im August 1925 von England mit dem Auto auf, um quer durch Europa nach Athen zu fahren. Das Auto, ein Sunbeam Tourenwagen mit Klappverdeck, spielt im Buch eine Hauptrolle, einerseits, weil die Ausfuhrpapiere unvollständig sind, was an den Landesgrenzen zu Schwierigkeiten führt, andererseits wegen mehrerer Pannen und Problemen, das wohl recht sperrige Auto durch enge Gässchen und über Serpentinen (Alpen, Appenin) zu manövrieren. Von Grimsby geht es per Schiff nach Hamburg, das als Reisestation jedoch nicht interessiert, das erste Etappenziel ist Berlin, eine Stadt, mit der die Reisenden schnell fertig sind. Weiter geht es nach Nürnberg („Inbegriff einer Touristenstadt“), das nicht beeindruckt, und Rothenburg: „Diese Stadt ist einfach umwerfend“ und dann nach München. (Nur so nebenbei: Bayern war keine Provinz, Bayern war auch 1925 (Bundes-) Land, ganz egal, welcher Begriff im Original stehen mag.)
Dort platzt eine Verabredung zum Essen mit einem ungarischen Baron, weil die Drei aufgrund eines platten Reifens zu spät in der Stadt ankommen - der Baron ist bereits nach Salzburg weitergereist. Dies ist möglicherweise der Grund, warum die Briten ebenfalls dorthin fahren - da die Festspiele jedoch noch nicht begonnen haben, verlassen sie die Stadt (wie alle vorhergehenden) rasch wieder, um sich über Innsbruck auf nach Italien zu machen. Die Stationen dort sind Verona, Bologna (längerer Aufenthalt wegen Autoreparatur), Ferrara, Florenz, Siena, Perugia, Orvieto, Rom, Neapel und Brindisi, wo die mühsame Einschiffung nach Griechenland stattfindet. Dort ist Athen das Ziel.
Mit der Kultur in den genannten Städten befassen sich die jungen Männer mal mehr, mal weniger (eher weniger), der Autor macht jeweils einige Bemerkungen dazu, die selten über allgemeine Angaben hinausgehen. Ausgesprochen ausführlich geht er auf die Kathedrale von Esztergom ein, die er auf einer früheren Reise gesehen hat und für ein herausragendes Beispiel des klassizistischen Stils hält.
Aufgrund einer Begegnung in Athen beschreibt der Autor ausgesprochen emotional ein Massaker (im heutigen Izmir, von den Griechen Smyrna genannt) am Ende des griechisch-türkischen Krieges 1919-1922 und schmäht die britische Regierung, die Griechenland in diesem Fall im Stich ließ. Darüber hinaus äußerst er sich heftig gegen die Besetzung der Dodekanesinseln durch Italien und die Unterdrückung der griechischen Bevölkerung dort (die Inseln wurden erst 1947 wieder an Griechenland abgetreten). Schwer zu sagen, inwieweit diese Fälle dem Autor tatsächlich am Herzen liegen und wie stark er sich vielleicht doch in der Nachfolge seines Verwandten George Gordon, Lord Byron sieht, der ja auch für die Freiheit Griechenlands kämpfen wollte. Am letzten Samstag im September tritt er allein (seine beiden Mitreisenden bleiben noch in Griechenland) per Schiff die Heimreise an. In Marseille nimmt er den Zug nach Norden, in Dover die Fähre, von dort wieder den Zug und kehrt so nach Hause zurück.

Kommentare zu anderen Reisenden bzw. Einheimischen, denen die drei Briten begegnen, sind meistens satirisch bissig bis gehässig - der junge Autor fühlt sich seinen Mitmenschen offenbar sehr überlegen. Besonders Frauen werden meist negativ dargestellt.

Das Buch bietet kein Vorwort, kein Nachwort, keine Anmerkungen, keine Erläuterungen, kein Register - der Leser muss selbst zusehen, was er damit anfängt.
Wie ist dieses Opus zu verstehen: eine wahre Schilderung der Autofahrt dreier junger Flegel (von Beruf Söhne reicher Eltern, sie geraten wegen ihres Fahrverhaltens mehrfach in Konflikte mit der Obrigkeit und verhalten sich auch sonst häufig rüpelhaft) von London nach Athen? Wie viel ist erdichtet, Pose, Wichtigtuerei? Soll hier die ‚moderne‘ Art des Reisens als Gegensatz zur Grand Tour früherer Jahrhunderte gezeigt werden (Ruskin ist tot [„in die Grube geschleudert“, wie es auf S. 177 heißt], es lebe das Barock, worüber Sacheverell Sitwell 1924 ein Buch veröffentlicht hatte)? Ist das Buch als Parodie der Reiseberichte über die Grand Tour gedacht, als Satire, als Aufklärung: seht her, so ist es wirklich, nicht so brav und kulturbeflissen, wie die anderen es darstellen - baden im Mittelmeer ist allemal amüsanter als das Besichtigen von Ruinen in Athen? War ein Buch wie Mark Twains amüsantes „The Innocents Abroad“ oder Elizabeth von Arnims herrlich komisches „The Adventures of Elizabeth in Rügen“ geplant, scheiterte aber am Unvermögen des Autors? Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken, aber ich versuche einfach zu verstehen, warum ein Verlag einen so beträchtlichen Aufwand für ein solches Werk betreibt: You can’t make a silk purse out of a sow’s ear.

Da mich das Buch nervt und der Autor mir unsympathisch ist, werde ich keine Zeit an weitere Recherchen verschwenden, um vielleicht eine Antwort zu finden, sondern das Buch einfach als sehr teuren Fehlkauf zu den Akten legen. Zum Trost werde ich wieder einmal Patrick Leigh Fermors wunderbar poetische Schilderung seiner Wanderung von Rotterdam nach Konstantinopel in den Jahren 1933/34 lesen (da war er noch keine 20 Jahr alt, allerdings schrieb er die Bücher erst Jahrzehnte später): „A time of gifts“ und „Between the woods and the water“ (auf Deutsch: „Die Zeit der Gaben“ und „Zwischen Wäldern und Wasser“).


Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782 (insel taschenbuch)
Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782 (insel taschenbuch)
von Karl Philipp Moritz
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fußgängern ist nicht zu trauen, 28. Dezember 2015
Verglichen mit seinem eher langweiligen Buch „Reisen eines Deutschen in Italien“ ist diese Schilderung von Moritz sehr lebendig und stark von seiner Begeisterung für die englische Landschaft geprägt (für Städte hat er nicht viel übrig). Außerdem hat er einen scharfen Blick für das, was England/die Engländer von seinem heimischen Preußen unterscheidet. Sein Reisebericht ist in Briefform verfasst und basiert wohl auf den Schreiben, die er zuvor an seinen Freund Friedrich Gedike richtete.
Im Mai 1782 machte er sich von Hamburg aus auf den Weg und beginnt seinen Bericht nach einer langen, stürmischen Überfahrt am 31. Mai auf der Themse. Da sich diese für Schiffe, die London ansteuern, als Nadelöhr erweist, geht Moritz wie andere Passagiere bei Dartford an Land, um sein Ziel schneller per Postchaise zu erreichen. Dies erweist sich als Glücksfall, denn die beiden mitreisenden Engländer verhelfen ihm zu einer preisgünstigen, zentral gelegenen Unterkunft.
An London beeindrucken ihn zunächst einmal die schiere Größe, „der mit breiten Steinen gepflasterte Weg an beiden Seiten der Straße“ (man läuft nicht Gefahr, vom Verkehr überrollt zu werden), „die herrliche Erleuchtung der Straßen“ - so etwas hat Berlin nicht zu bieten - und die Werbetafeln an vielen Häusern. Nach wenigen Tagen lautet jedoch sein Urteil: „So weit ich diese Paar Tage über London durchstrichen bin, habe ich, im Ganzen genommen, nicht so schöne Häuser und Straßen, aber allenthalben mehr und schönere Menschen, als in Berlin gesehen.“ Die Westminster Abbey bezeichnet er als „altfränkisch“, an der St. Paul’s Kathedrale stört ihn „die außerordentliche Leere“ (Gottesdienst wird wohl nur im Chor gehalten) und die Führung durch das britische Museum ist ihm zu schnell. Angekommen in Richmond schreibt er dann (am 21. Juni) rückblickend: „Tage und Stunden fingen mich an zu gereuen, die ich in London zugebracht hatte, und ich machte mir tausend Vorwürfe wegen meiner Unentschlossenheit, daß ich nicht schon längst jenen großen Kerker verlassen hatte, um mich in einem Paradiese zu verweilen.“
Geradezu euphorisch reagiert er auf das Themsetal (hat er in Deutschland nie das Tal eines größeren Flusses gesehen?) und ist immer wieder aufs Neue über die Landschaft an seinem Weg begeistert, wobei ihm insbesondere die von Hecken oder Mauern umgebenen Felder auffallen - ganz anders als in Deutschland. Er begrüßt, dass Städte in diesem Land keine Mauern, Tore und Schildwachen haben, ansonsten findet er wenig Positives über die Städte zu sagen, Oxford gefällt ihm beispielsweise gar nicht - zu alt. Wenn schon Architektur (die ihn offensichtlich nicht besonders interessiert), dann moderne.
Nach einem kurzen Abstecher nach Windsor führt ihn sein Weg von Richmond über Slough, Salthill, Maidenhead, Dorchester nach Oxford, wo er ein paar Tage bleibt und ein Geistlicher, dem er unterwegs begegnete, den Fremdenführer für ihn macht. Die ganze Strecke legte er zu Fuß zurück, da er findet, beim schnellen Vorbeifahren aus einer Kutsche nicht genug zu sehen. Wirte begegnen Fußgängern mit großem Misstrauen (zu welcher der drei von Moritz aufgelisteten und beschriebenen Klassen von Spitzbuben - Pickpockets, Highwaymen oder Footpads - mögen sie wohl gehören?) und so hat Moritz wiederholt Schwierigkeiten, eine Mahlzeiten oder gar ein Bett für die Nacht zu bekommen. Ihn kränken das Misstrauen und die Verachtung - häufig wird er nicht mit ‚Sir‘ sondern nur mit ‚Master‘ angesprochen - denen er als offensichtlich armseliger Wanderer begegnet, aber er setzt ihnen ein trotziges ‚Jetzt erst recht‘ entgegen und wandert - nachdem er die längere Strecke von Oxford nach Birmingham mit der Postkutsche zurückgelegt hat - stur weiter, zunächst nach Nordwesten.
Über Liechfield (eine „ziemlich altfränkische Stadt“), Burton (-upon-Trent), das für sein Bier berühmt ist, kommt er nach Derby („eine kleine unansehnliche Stadt“). Weiter nach Norden führt ihn sein Weg zunächst nach Matlock, dann über Bakewell nach Tideswell (beide Orte beeindrucken ihn nicht); Ziel ist die Tropfsteinhöhle von Castleton im High Peak District von Derbyshire. Das stundenlange Klettern und Kriechen durch diese Höhle beeindruckt ihn zutiefst und kann wohl als Höhepunkt seiner Reise betrachtet werden, auch wenn die Strapazen zu einem beunruhigenden Husten führen und seine Schuhe ruiniert sind.
Über Nottingham („Dies schien mir unter allen Städten, die ich außer London gesehen habe, die schönste und netteste zu sein.“) macht er sich durch kleine Ortschaften (die ihm nicht gefallen) auf den Weg nach Leicester. Die Zeit drängt, falls Moritz das Schiff, das ihn von Hamburg nach London brachte, rechtzeitig für die Rückreise erreichen will, und so nimmt er von Leicester nach Northampton wider besseres Wissen oben auf der Postkutsche Platz (die Sitze im Innern sind schon besetzt) - ohne Geländer und sicheren Halt. Mehr tot als lebendig kommt er am Ziel an, wo er eine Kutsche nach London nimmt. Pünktlich ist er am Hafen (sein letzter Brief von dort ist mit 18. Juli datiert), muss aber wegen ungünstiger Winde noch einige Tage warten, ehe das Schiff ablegen kann.
Mit Kunst und Kultur hat er sich auf dieser Reise wenig beschäftigt, dafür aber mehrfach von der Zuschauertribüne aus Parlamentssitzungen miterlebt, die ihn sehr beeindruckten.


"... wo trotzig noch ein Thurm herabschaut". Burgen im Hunsrück und an der Nahe
"... wo trotzig noch ein Thurm herabschaut". Burgen im Hunsrück und an der Nahe
von Alexander Thon
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Äußerst ansprechend, tolles Preisleistungsverhältnis!, 18. Dezember 2015
Okay, es ist ein broschiertes Buch, was sich vermutlich ebenso preissenkend auswirkt wie die freundliche Unterstützung vom Weingut Merz in Roxheim (ein Dank dem edelen Spender!), aber es ist gespickt voll mit aktuellen Farbfotos der Burgen, hervorragenden Farb- oder Schwarzweiß-darstellungen von alten Ansichten, Abbildungen von Grundrissen, einem knappen (über viele der erwähnten Burgen gibt es nicht viel zu sagen), gut verständlichen Text sowie Karten, in welche die Lage der Burgen eingetragen ist. Es gibt einen Abbildungsnachweis, Literaturhinweise, touristische Hinweise (Anfahrt zu den Burgen) und sogar ein Glossar - das alles auf 176 Seiten. Besser kann man es derart knapp und prägnant kaum machen. Da ich sonst nichts zu meckern finde, weise ich darauf hin, dass ich die Nummerierung der Burgen (in alphabetischer Reihenfolge (Schloss Allenbach ist Nr. 1 auf der hinteren Karte und die Wildenburg Nr. 30)) in den Karten nicht gelungen finde - ich hätte sie eher nach geographischer Lage (gedankliche Einteilung in Planquadrate) nummeriert. Jedenfalls wird auf der hinteren Karte meine Frage: "Wo sind Ebernburg und Rheingrafenstein?" klar beantwortet: in einem anderen Band (Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt) - den werde ich als nächsten lesen, und falls er ebenso ansprechend ist wie dieser, mich durch die ganze Burgenlandschaft Deutschlands lesen. Es wird mir ein Vergnügen sein!


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